Jahresfinanzbericht
für das
Geschäftsjahr 2023
Seite 1 von 366
Inhaltsverzeichnis
Seite
Teil 1 Einzelabschluss
Jahresabschluss
Lagebericht
Verantwortlichkeitserklärung
Bestätigungsvermerk
3-126
3
56
110
111
Teil 2 Konzernabschluss
Jahresabsc
hluss
Lagebericht
Verantwortlichkeitserklärung
Bestätigungsvermerk
Bestätigungsvermerk NFE
123-366
123
207
351
352
364
Seite 2 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
JAHRESABSCHLUSS
und
Lagebericht
zum
31. DEZEMBER 2023
der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
Seite 3 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
Jahresabschluss und Lagebericht 2023
der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
Bilanz
Gewinn- und Verlustrechnung
Anlagenspiegel
Kostenbeitragsspiegel
Anhang
Lagebericht
Seite 4 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien
Bilanz zum 31. Dezember 2023
31.12.2023 31.12.2022
A k t i v a EUR EUR
A. Anlagevermögen
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1. Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte 83.805.580,21
59.944.975,99
2. Kostenbeiträge an Dritte 1.535.062.145,84
1.371.183.333,09
3. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau 154.230.865,50
153.124.844,17
Summe I 1.773.098.591,55
1.584.253.153,25
II. Sachanlagen
1. Grundstücke und Bauten, einschließlich der Bauten auf fremden Grund 22.205.776.777,76
20.538.448.203,26
2. Technische Anlagen und Maschinen 4.875.593.718,73
4.553.108.341,62
3. Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 38.239.937,72
38.583.154,69
4. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau 8.330.804.746,09
8.228.685.990,27
Summe II 35.450.415.180,30
33.358.825.689,84
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen Unternehmen 124.453.392,67
124.446.392,67
2. Beteiligungen 70.500.307,35
71.662.283,31
3. Wertpapiere des Anlagevermögens 25.042.207,72
23.329.800,40
4. Sonstige Ausleihungen 61.303.210,07
60.484.198,39
Summe III 281.299.117,81
279.922.674,77
Summe A 37.504.812.889,66
35.223.001.517,86
B. Umlaufvermögen
I. Vorräte
1. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 46.195.974,74
41.190.296,70
2. Unfertige Erzeugnisse 41.188.582,27
44.184.252,77
3. Noch nicht abrechenbare Leistungen 29.327.977,00
22.829.611,37
Summe I 116.712.534,01
108.204.160,84
II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 143.344.215,99
109.550.193,65
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00
1.283.704,84
2. Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 289.026.052,52
240.073.019,74
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 2.059.231,68
6.696.554,73
3. Forderungen gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 834.445,50
550.810,80
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00
0,00
4. Sonstige Forderungen und Vermögensgegenstände 109.966.583,52
148.180.633,87
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 14.158.909,11
10.831.759,21
Summe II 543.171.297,53
498.354.658,06
III. Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten
1. Kassenbestand 11.288,77
1.935,17
2. Guthaben bei Kreditinstituten 4.707,67
997.969,68
Summe III 15.996,44
999.904,85
Summe B 659.899.827,98
607.558.723,75
C. Rechnungsabgrenzungsposten 1.225.187.413,29
673.344.505,77
D. Aktive latente Steuern 17.305.463,89
14.356.968,65
S u m m e A k t i v a 39.407.205.594,82
36.518.261.716,03
Seite 5 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien
Bilanz zum 31. Dezember 2023
31.12.2023 31.12.2022
P a s s i v a EUR EUR
A. Eigenkapital
I. Eingefordertes und einbezahltes Grundkapital 500.000.000,00
500.000.000,00
II. Kapitalrücklagen
1. Nicht gebundene Kapitalrücklage 568.573.953,93
568.573.953,93
III. Gewinnrücklagen
1. Gesetzliche Rücklage 18.776.301,78
17.411.800,00
2. Andere (freie) Rücklagen 18.885.807,13
15.937.311,89
IV. Bilanzgewinn 258.200.751,31
235.223.712,69
davon Gewinnvortrag 235.223.712,69
238.883.980,67
Summe A 1.364.436.814,15
1.337.146.778,51
B. Kostenbeiträge von Dritten 6.086.430.957,25
5.947.414.778,82
C. Rückstellungen
1. Rückstellungen für Abfertigungen 34.207.440,36
28.569.365,68
2. Rückstellung für Pensionen 833.327,00
757.147,00
3. Sonstige Rückstellungen 506.010.007,61
523.384.531,68
Summe C 541.050.774,97
552.711.044,36
D. Verbindlichkeiten
1. Anleihen 7.885.690.012,30
8.883.831.126,62
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 1.000.000.000,00
1.000.000.000,00
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 6.885.690.012,30
7.883.831.126,62
2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.860.477.354,98
3.862.508.329,93
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 201.703.529,42
2.030.978,62
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 3.658.773.825,56
3.860.477.351,31
3. Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 8.265.642,10
3.327.852,24
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 8.265.642,10
3.327.852,24
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00
0,00
4. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.086.756.765,82
926.483.848,83
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 1.031.975.008,24
861.657.238,09
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 54.781.757,58
64.826.610,74
5. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 403.524.594,32
1.447.163.049,08
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 398.053.069,44
1.447.163.049,08
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 5.471.524,88
0,00
6. Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 6.037.594,40
2.156.242,51
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 6.037.594,40
2.156.242,51
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00
0,00
7. Sonstige Verbindlichkeiten 17.374.839.467,03
12.747.110.607,95
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 897.557.786,85
1.174.410.607,95
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 16.477.281.680,18
11.572.700.000,00
davon aus Steuern 21.423.056,28
19.096.952,21
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 21.423.056,28
19.096.952,21
davon für soziale Sicherheit 21.231.827,92
17.388.499,15
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 21.231.827,92
17.388.499,15
Summe D 30.625.591.430,95
27.872.581.057,16
E. Rechnungsabgrenzungsposten 789.695.617,50
808.408.057,18
S u m m e P a s s i v a 39.407.205.594,82
36.518.261.716,03
Haftungsverhältnisse 88.985.292,00
102.659.316,85
Seite 6 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
Gewinn- und Verlustrechnung 2023
2023 2022
EUR EUR
1. Umsatzerlöse 1.234.674.148,10
961.833.612,55
2. Veränderung des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie an
noch nicht abrechenbaren Leistungen 8.088.679,55
5.953.900,35
3. Andere aktivierte Eigenleistungen 402.180.040,98
350.092.295,46
4. Sonstige betriebliche Erträge
a) Erträge aus dem Abgang vom Anlagevermögen mit Ausnahme der Finanzanlagen 18.061.244,31
37.248.914,70
b) Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen 19.614.109,42
12.978.409,08
c) Übrige 2.110.951.937,96
2.097.277.810,87
davon Zuschuss des Bundes gem §42 Abs.1 und §42 Abs. 2 BBG 674.203.033,43
822.082.422,25
davon Zuschuss Schieneninfrastruktur §42 Abs. 2 BBG 1.246.811.394,63
1.241.049.734,66
Summe sonstige betriebliche Erträge 2.148.627.291,69
2.147.505.134,65
5. Gesamterträge (Zwischensumme aus 1 bis 4) 3.793.570.160,32
3.465.384.943,01
6. Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Herstellungsleistungen
a) Materialaufwand -173.240.217,92
-189.817.390,26
b) Aufwendungen für bezogene Leistungen -427.397.578,55
-416.941.429,53
Summe Aufwendungen für Material und sonstige bezogene
Herstellungsleistungen -600.637.796,47
-606.758.819,79
7. Personalaufwand
a) Löhne und Gehälter -1.009.860.002,19
-916.179.533,83
aa) Löhne -176.931.877,47
-152.502.831,93
bb) Gehälter -832.928.124,72
-763.676.701,90
b) Soziale Aufwendungen -264.073.457,17
-237.222.532,83
aa) Aufwendungen für Altersversorgung -10.351.017,83
-9.005.001,26
bb) Aufwendungen für Abfertigungen und betriebliche Mitarbeitervorsorgekassen -16.695.819,94
-4.276.615,22
cc) Aufwendungen für gesetzlich vorgeschriebene Sozialabgaben sowie vom Entgelt
abhängige Abgaben und Pflichtbeiträge
-237.026.619,40
-223.940.351,88
dd) sonstige Sozialaufwendungen 0,00
-564,47
Summe Personalaufwand -1.273.933.459,36
-1.153.402.066,66
8. Abschreibungen
a) Abschreibungen auf immaterielle Gegenstände des Anlagevermögens und
Sachanlagen
-1.018.374.888,42
-981.410.256,42
b) abzüglich der Auflösung passivierter Kostenbeiträge 139.865.022,62
141.730.962,00
Summe Abschreibungen -878.509.865,80
-839.679.294,42
9. Sonstige betriebliche Aufwendungen
a) Steuern, soweit sie nicht unter Steuern vom Einkommen und Ertrag fallen -4.431.145,41
-16.452.415,72
b) Übrige -589.197.019,06
-496.016.844,78
Summe sonstige betriebliche Aufwendungen -593.628.164,47
-512.469.260,50
10. Zwischensumme aus 5 bis 9 446.860.874,22
353.075.501,64
Seite 7 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
Gewinn- und Verlustrechnung 2023
2023 2022
EUR EUR
11. Erträge aus Beteiligungen
5.374.615,35
davon aus verbundenen Unternehmen
3.659.804,85
5.448.358,60
12. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des
Finanzanlagevermögens
6.083.255,01
davon aus verbundenen Unternehmen
0,00
0,00
13. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
10.763.338,67
17.153.246,45
davon aus verbundenen Unternehmen 837.750,33
2.701.778,60
14. Erträge aus dem Abgang von und der Zuschreibung zu Finanzanlagen
0,00
davon aus verbundenen Unternehmen
0,00
0,00
15. Aufwendungen aus Finanzanlagen
-
3.781.364,09
-
davon Abschreibungen
-
1.000.000,00
-
743.975,70
davon Aufwendungen aus verbundenen Unternehmen
-
2.705.632,28
-
2.460.468,30
16. Zinsen und ähnliche Aufwendungen
-
440.933.327,30
-
382.813.162,62
davon aus verbundenen Unternehmen
-
30.576.906,56
-
17.
Zwischensumme aus 11 bis 16
-
422.493.482,36
-
356.740.469,67
18. Ergebnis vor Steuern
24.367.391,86
-
19. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
2.922.643,78
-
a) Steuerumlage an den Gruppenträger
-
25.259,26
5.259,88
b) latente Steuern
2.948.495,24
-
20. Ergebnis nach Steuern = Jahresüberschuss/
-
fehlbetrag
27.290.035,64
-
21. Auflösung von Gewinnrücklagen
0,00
22. Zuweisung zu
Gewinnrücklagen
-
4.312.997,02
0,00
23. Gewinnvortrag aus dem Vorjahr 235.223.712,69
238.883.980,67
24. Bilanzgewinn 258.200.751,31
235.223.712,69
Seite 8 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
E n t w i c k l u n g d e r k u m u l i e r t e n A b s c h r e i b u n g
Seite 9 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
Abschreibungsgitter per 31.12.2023
Seite 10 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
Kostenbeitragsspiegel per 31.12.2023
Seite 11 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
Anhang
der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
für das Geschäftsjahr
2023
Seite 12 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
A N H A N G 2023 ............................................................................................................................................. 1
A. Allgemeine Vorbemerkungen ....................................................................................................................... 1
B. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze ................................................................................................. 2
C. Erläuterungen zur Bilanz ........................................................................................................................... 10
D. Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung ...................................................................................... 23
E. Sonstige Angaben ...................................................................................................................................... 29
Seite 13 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
1
A N H A N G 2023
A. Allgemeine Vorbemerkungen
Rechtliche Verhältnisse
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft ist auf Basis des § 29a Bundesbahngesetz (BBG) idF vom
18.08.2009 (BGBl I Nr. 95/2009) in der derzeitigen Form entstanden. Mit diesem Gesetz wurden die
ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG und die Brenner Eisenbahn GmbH im Wege der Gesamtrechtsnachfolge
unter sinngemäßer Anwendung des ersten bzw. zweiten Abschnittes des neunten Teiles des Aktienge-
setzes 1965 mit der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft rückwirkend zum 01.01.2009 verschmolzen.
Eine Gegenleistung (Gewährung von Aktien der ÖBB-Infrastruktur Bau AG) ist entfallen. Die Firma der
übernehmenden Gesellschaft lautet mit Eintragung der Verschmelzung im Firmenbuch am 03.10.2009
„ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft“ (im Folgenden ÖBB-Infrastruktur AG).
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist im Firmenbuch unter FN 71396 w beim Handelsgericht Wien eingetragen.
Die Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft (im Folgenden: ÖBB-Holding AG) als
Muttergesellschaft der ÖBB-Infrastruktur AG mit Sitz in Wien stellt den Konzernabschluss für den größ-
ten Kreis von Unternehmen auf, welcher im Firmenbuch unter FN 247642 f beim Handelsgericht Wien
eingereicht wird. Der Konzernabschluss der ÖBB-Infrastruktur AG wird ebenfalls beim Handelsgericht
Wien unter der FN 71396 w eingereicht.
Aufgabe der ÖBB-Infrastruktur AG ist insbesondere die eines Eisenbahninfrastrukturunternehmens, in
dem eine bedarfsgerechte und sichere Schieneninfrastruktur (einschließlich Hochleistungsstrecken) ge-
plant, gebaut, instandgehalten (Wartung, Inspektion, Entstörung, Instandsetzung und Reinvestition), be-
reitgestellt und betrieben wird. Weiters können auch Verschubleistungen erbracht werden.
Zu den Kerntätigkeiten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns gehören auch der Energieeinkauf, die Energie-
versorgung und das Stromportfoliomanagement sowie die Vermietung von Immobilien.
Steuerliche Verhältnisse
Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat mit Erkenntnis G 128, 129/00-8 vom 22.06.2001 die Befreiung
der Österreichischen Bundesbahnen von der unbeschränkten Körperschaftsteuerpflicht (§ 5 Z 1 KStG
1988) als verfassungswidrig aufgehoben. Die Österreichischen Bundesbahnen waren daher ab
01.01.2002 unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig. Gemäß § 50 Abs. 2 Bundesbahnstrukturgesetz
2003 in der Fassung BGBl Nr. 95/2009 besteht für die ÖBB-Infrastruktur AG ab 2005 eine Befreiung
von bundesgesetzlichen Abgaben mit Ausnahme der Umsatzsteuer, von Bundesverwaltungsabgaben
sowie von Gerichts- und Justizverwaltungsabgaben, soweit sich diese Abgaben und Gebühren aus der
Erfüllung der jeweiligen im Bundesbahngesetz vorgesehenen Aufgaben der ÖBB-Infrastruktur AG erge-
ben.
Körperschaftsteuerpflichtig sind daher insbesondere die Erträge aus Stromgeschäften, die Vermietung
und Verwertung von Liegenschaften, die kein Eisenbahnvermögen im Sinne des § 10a Eisenbahnge-
setz darstellen, nicht infrastrukturbezogene Fertigungs- und Bauleistungen für Dritte, sowie das Halten
von Beteiligungen. Da aus den Jahren 2002 bis 2004 noch Verlustvorträge von rd. 1,7 Mrd. EUR beste-
hen, ist mittelfristig mit keinen Körperschaftsteuerzahlungen zu rechnen.
Es besteht ein steuerlicher Gruppenvertrag mit der ÖBB-Holding AG. Der gegenständliche Gruppenver-
trag beginnt mit 01.01.2005, wobei der Gruppenträger – die ÖBB-Holding AG – berechtigt ist, weitere
Mitglieder in die Unternehmensgruppe aufzunehmen (Beitritt zum Gruppenvertrag). Die ÖBB-Infrastruk-
tur AG ist Gruppenmitglied seit der Veranlagung 2005.
Basis für die steuerlichen Ansprüche und Verpflichtungen aus der Gruppenvereinbarung ist das lau-
fende steuerliche Ergebnis des jeweiligen Gruppenmitglieds. Grundsätzlich wird ein positives steuerli-
ches Ergebnis mit dem geltenden Körperschaftsteuertarif des Abschlussjahres belastet, während ein
negatives steuerliches Ergebnis lediglich insoweit eine Abgeltung erfährt, als es in der Gruppe verwertet
werden kann.
Seite 14 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
2
Es gilt das Primat der Teilkonzernbetrachtung und der Grundsatz der Gleichbehandlung der Teilnehmer
an der Unternehmensgruppe innerhalb des jeweiligen Teilkonzerns bei der Nutzung der steuerlichen
Verluste; darüber hinaus gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung der Teilnehmer an der Unterneh-
mensgruppe bei teilkonzernübergreifender Nutzung steuerlicher Verluste.
Mit der ÖBB-Holding AG als Organträger besteht eine umsatzsteuerliche Organschaft gemäß
§ 2 Abs 2 UStG.
B. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze
Allgemeine Grundsätze
Der Jahresabschluss zum 31.12.2023 der ÖBB-Infrastruktur AG wurde nach den Vorschriften des Un-
ternehmensgesetzbuches (UGB) in der derzeit geltenden Fassung aufgestellt. Die Gesellschaft ist als
große Gesellschaft gemäß § 221 Abs. 3 UGB einzustufen.
Insbesondere fanden die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung sowie die Generalnorm des § 222
Abs. 2 UGB Beachtung um ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des
Unternehmens zu vermitteln. Bei der Erstellung des Jahresabschlusses wurde der Grundsatz der Voll-
ständigkeit und Bewertungsstetigkeit eingehalten. Es wurde von der Fortführung des Unternehmens
ausgegangen. Bei Vermögenswerten und Schulden wurde der Grundsatz der Einzelbewertung ange-
wandt.
Die Angemessenheit der wesentlichen Nutzungsdauern wird jährlich bzw. anlassbezogen überprüft.
Die Gewinn- und Verlustrechnung ist in Staffelform nach dem Gesamtkostenverfahren aufgestellt.
Die Angaben erfolgen in Tausend EUR (TEUR) und in Millionen EUR (MEUR).
Anlagevermögen
Der Posten „Immaterielle Vermögensgegenstände“ wird zu Anschaffungskosten bewertet und plan-
mäßig zum Vorjahr linear abgeschrieben bzw. soweit erforderlich um außerplanmäßige Abschreibungen
vermindert. Geleistete Kostenbeiträge werden in Abhängigkeit der Nutzungsdauer der Vermögensge-
genstände, für welche die Kostenbeiträge entrichtet wurden, abgeschrieben. Für die Ermittlung der Ab-
schreibungen kommen unverändert zum Vorjahr folgende Nutzungsdauern zur Anwendung:
Jahre
Kostenbeiträge 5–80
Konzessionen, Schutzrechte, Lizenzen 4–20
Entwicklungskosten 4
Software 2–15
Sonstige immaterielle Vermögenswerte 5–20
Unter den Kostenbeiträgen werden geleistete Zuschüsse zu Errichtungskosten von Sachanlagen
bilanziell erfasst insofern diese einen Nutzen in künftigen Perioden entfalten. Dies betrifft auch die
geleisteten Zuschüsse an Gemeinschaftsunternehmen (Galleria di Base del Brennero – Brenner Ba-
sistunnel BBT SE). Die Zuwendungen des Bundes für den Ausbau des Brenner Basistunnels in Form
einer 50-jährigen Annuität werden unter den erhaltenen Kostenbeiträgen erfasst.
Die Bewertung der Sachanlagen erfolgt zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um
planmäßige, lineare und soweit erforderlich außerplanmäßige Abschreibungen. Grundstücke unterlie-
gen keiner planmäßigen Abschreibung.
Seite 15 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
3
Die Nutzungsdauern betragen:
Jahre
Bauten
Unterbau 20–150
Kraftwerksanlagen 80
Tunnel und Galerien 80 bzw. 150
Bahnkörper 100
Sonstige Unterbauanlagen 20 bzw. 80
Hochbau 10–50
Oberbau 35–40
Sicherungs- und Fernmeldeanlagen 5–30
Fahrpark 5–25
Technische Anlagen und Maschinen
Starkstrom- und Beleuchtungsanlagen 5–50
Geräte und Werkzeuge 4–20
Maschinen und maschinelle Anlagen 9–15
Geringwertige Vermögensgegenstände mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis 1.000,00 EUR
(§ 13 EStG 1988) werden im Berichtszeitraum sofort abgeschrieben. Im Anlagenspiegel werden diese
geringwertigen Vermögensgegenstände unter den Zugängen, Abgängen und den Abschreibungen der
Berichtsperiode dargestellt.
Gegenstände des Anlagevermögens werden bei voraussichtlich dauernder Wertminderung ohne Rück-
sicht darauf, ob ihre Nutzung zeitlich begrenzt ist, außerplanmäßig auf den niedrigeren Wert abgeschrie-
ben, der ihnen am Abschlussstichtag unter Bedachtnahme auf die Nutzungsmöglichkeiten im Unterneh-
men beizulegen ist (außerplanmäßige Abschreibungen gemäß § 204 Abs. 2 UGB).
Die Nutzungsdauern werden nach den Gegebenheiten des Unternehmens bei üblicher Instandhaltung
festgelegt. Die tatsächliche Nutzungsdauer kann von diesen Einschätzungen abweichen.
Die Angemessenheit wird jährlich bzw. anlassbezogen überprüft. Die festgelegten Nutzungsdauern gel-
ten grundsätzlich unverändert für 2023. Im Geschäftsjahr 2023 wurde die Nutzungsdauer in einer Anla-
genklasse in den anderen Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattungen von 5 auf 13 Jahre verlängert.
Dadurch hat sich die jährliche Abschreibung in Höhe von rd. 0,8 Mio. EUR vermindert.
Instandhaltungsmaßnahmen und Reparaturen werden im Jahr des Anfalls als Aufwand erfasst, Ersatz-,
Erweiterungs- sowie wertsteigernde Investitionen werden aktiviert. Die Unterscheidung zwischen sofort
aufwandswirksamen Instandhaltungsmaßnahmen und Reparaturen sowie aktivierungspflichtigen Inves-
titionsmaßnahmen erfolgt auf Basis der gesetzlichen Regelungen bzw. daraus abgeleiteten Bilanzie-
rungsgrundsätzen für in der ÖBB-Infrastruktur AG spezifische Sachverhalte.
Die im Geschäftsjahr 2023 aktivierten Fremdkapitalzinsen gemäß § 203 Abs. 4 UGB belaufen sich auf
134,5 Mio. EUR (Vj. 110,8 Mio. EUR). Der insgesamt nach § 203 Abs. 4 UGB aktivierte Betrag an
Fremdkapitalzinsen ohne Berücksichtigung von planmäßigen Amortisationen infolge von Abschreibun-
gen beträgt zum Stichtag 31.12.2023 985,8 Mio. EUR (Vj. 851,3 Mio. EUR).
Die Finanzanlagen werden zu Anschaffungskosten, vermindert um gegebenenfalls erforderliche au-
ßerplanmäßige Abschreibungen, bilanziert. Von der Möglichkeit, im Falle voraussichtlich nicht andau-
ernder Wertminderung außerplanmäßige Abschreibungen vorzunehmen, wurde im Berichtsjahr kein
Gebrauch gemacht.
Die Wertpapiere des Anlagevermögens betreffen hauptsächlich Wertpapiere, die im Zusammenhang
mit ehemaligen Cross-Border-Leasing-Transaktionen vertragsgemäß angeschafft wurden und zur Ab-
deckung der in annähernd gleicher Höhe passivierten Leasingverpflichtungen dienen. Die darauf ent-
fallenden Zinsen werden als Zugang zu diesem Posten ausgewiesen, Tilgungen werden als Abgang
dargestellt. Für weitere Angaben wird auf die Erläuterungen zu den Bilanzierungs- und Bewertungs-
grundsätzen von Cross-Border-Leasing-Transaktionen verwiesen.
Umlaufvermögen
Die Vorräte werden nach dem gleitenden Durchschnittspreisverfahren bewertet. Ist der Marktpreis zum
Abschlussstichtag geringer als der Durchschnittspreis, wird dieser zum Ansatz gebracht. Eigengefertigte
Seite 16 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
4
Vorräte sowie aufgearbeitete, wieder verwendbare Materialien werden zu Herstellungskosten aktiviert.
Für nichtgängiges Vorratsmaterial und überhöhte Herstellungskosten aus Eigenfertigungen werden ent-
sprechende Wertberichtigungen vorgenommen.
Nicht mehr betrieblich genutzte Liegenschaften, welche für den späteren Verkauf entwickelt werden
(„Verwertungsobjekte“), werden vom Anlagevermögen in das Umlaufvermögen in den Posten „Unfer-
tige Erzeugnisse“ umgegliedert. Die Verwertungsobjekte betreffen jene Liegenschaften, welche be-
trieblich nicht mehr genutzt und für den späteren Verkauf entwickelt werden. Es handelt sich um ehe-
malige Bahnhofs- und Eisenbahnanlagen, die dem dauernden Betrieb dienten. Betroffen sind wesentli-
che Projekte, wie z.B. die Flächen des ehemaligen Südbahnhofes und des Frachtenbahnhofes Wien
Nord sowie den Nordwestbahnhof, die in großem Umfang entwickelt werden.
Die Verwertungsobjekte werden mit den Anschaffungs- und Herstellungskosten aktiviert und zum Stich-
tag mit dem niedrigeren Wert aus Buchwert und „retrogradem Vergleichswert“ bewertet. In die Anschaf-
fungs- und Herstellungskosten von Vorräten sind alle Kosten des Erwerbs und der Be- und Verarbeitung
sowie sonstige Kosten einzubeziehen, die angefallen sind, um diesen in den derzeitigen Zustand zu
versetzen. Übersteigen die Herstellungskosten den retrograden Vergleichswert, wird eine Abwertung
vorgenommen.
Noch nicht abrechenbare Leistungen werden zu Herstellungskosten, vermindert um entsprechende
Wertberichtigungen, bilanziert. In die Herstellungskosten werden folgende Aufwendungen miteinbezo-
gen: Fertigungsmaterial, Fertigungslöhne, Sonderkosten der Fertigung, variable und angemessene
Teile der fixen Produktionsgemeinkosten.
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände werden zu Anschaffungskosten erfasst. Forde-
rungen in fremder Währung werden zum Kurs am Tage der Entstehung oder mit dem niedrigeren Devi-
senkurs am Bilanzstichtag bewertet. Für das Ausfallsrisiko wird durch entsprechende Einzelwertberich-
tigungen bzw. pauschale Einzelwertberichtigungen vorgesorgt.
Aktive Rechnungsabgrenzungsposten
Als Rechnungsabgrenzungsposten werden Ausgaben vor dem Abschlussstichtag ausgewiesen, so-
weit sie Aufwendungen für eine bestimmte Zeit nach diesem Stichtag darstellen.
Steuern vom Einkommen und Ertrag
Aktive latente Steuern
Gemäß § 198 Abs. 9 UGB werden Latente Steuern angesetzt, wenn bei Vermögensgegenständen,
Rückstellungen, Verbindlichkeiten oder einem Rechnungsabgrenzungsposten eine Differenz zwischen
dem unternehmensrechtlichen und dem steuerrechtlichen Wertansatz besteht und sich diese Differenz
in späteren Geschäftsjahren voraussichtlich wieder abbaut. Bei einer zu erwartenden Steuerbelastung
wird eine Rückstellung für passive latente Steuern in Höhe der voraussichtlichen zukünftigen Steuerbe-
lastung gebildet. Bei einer zu erwartenden Steuerentlastung erfolgt die Bildung eines Aktivpostens für
latente Steuern in Höhe der voraussichtlichen Steuerentlastungen. Latente Steuern werden saldiert
ausgewiesen. Es erfolgt keine Abzinsung.
Vom Wahlrecht aktive latente Steuern auf Verlustvorträge anzusetzen wird nicht Gebrauch gemacht.
Pillar II
Zum 31.12.2023 wurde die Internationale Steuerreform – Pillar-II-Gesetzgebung (globale Mindestbe-
steuerung) bereits in österreichisches Recht überführt. Das Gesetz findet erstmals Anwendung für Ge-
schäftsjahre die nach dem 31.12.2023 beginnen. Die berichtende Gesellschaft als Teil des ÖBB-Kon-
zerns fällt zukünftig in den Anwendungsbereich dieser Regelungen. Der ÖBB-Konzern hat mit einer
ersten indikativen Analyse begonnen, um die zukünftige grundsätzliche Betroffenheit und die Jurisdikti-
onen zu ermitteln, aus denen der Konzern möglichen Auswirkungen im Zusammenhang mit einer
Pillar-II Top-up Tax (Primärergänzungsteuer) oder einer Qualified Domestic Minimum Top-up Tax (nati-
onale Ergänzungsteuer) ausgesetzt ist. Die Top-up Tax findet auf Ebene der ÖBB Holding AG Anwen-
dung. Es könnten sich auf lokaler Ebene bei Konzerngesellschaften der ÖBB Holding AG allenfalls An-
Seite 17 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
5
wendungsfälle durch etwaige nationale Ergänzungssteuern ergeben. Im Rahmen der laufenden Ana-
lyse wird untersucht, ob der ÖBB-Konzern möglicherweise von der Einführung einer Qualified Domestic
Minimum Top-up Tax betroffen wäre.
Aufgrund der komplexen Anwendung der Gesetzgebung und der Berechnung des Global Anti-Base
Erosion (GloBE)-Einkommens sind die quantitativen Auswirkungen der verabschiedeten oder in Kraft
getretenen Gesetzgebung noch nicht abschätzbar. Der ÖBB-Konzern prüft laufend die Auswirkungen
der Pillar-II-Gesetzgebung auf die zukünftige Ertragskraft des Konzerns. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt
wird davon ausgegangen, dass keine wesentlichen Erhöhungen der laufenden Steuern aufgrund der
Gesetzgebung entstehen.
Eigenkapital
Das Grundkapital beträgt unverändert zum Vorjahr 500.000 TEUR, ist gänzlich eingezahlt und setzt
sich aus 100.000 Stückaktien (Namensaktien) zusammen.
In den gebundenen Rücklagen wird die gesetzliche Rücklage in Höhe von 18.776 TEUR
(Vj. 17.412 TEUR) ausgewiesen.
Die nicht gebundenen Kapitalrücklagen sind zum Vorjahr unverändert und setzen sich wie folgt zu-
sammen:
in Tsd. EUR 31.12.2023
31.12.2022
Verschmelzungsgeborene Kapitalrücklage vom 1.1.2009 241.756,5
241.756,5
Spaltungsgeborene Kapitalrücklage vom 31.12.2004 293.254,3
293.254,3
Gesellschafterzuschuss 28.053,4
28.053,4
Spaltungsgeborene Kapitalrücklage vom 1.1.2010 5.509,7
5.509,7
Summe nicht gebundene Kapitalrücklagen 568.573,9
568.573,9
Die spaltungsgeborene Kapitalrücklage zum 31.12.2004 resultiert aus der ÖBB-Umstrukturierung und
stellt die Differenz zwischen dem damals verbliebenen Restvermögen und dem Grundkapital der Ge-
sellschaft nach Kapitalherabsetzung dar.
Die verschmelzungsgeborene Kapitalrücklage betrifft das im Zuge der Verschmelzungsvorgänge über-
nommene Nettovermögen der ehemaligen ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG und der Brenner Eisenbahn
GmbH zum 01.01.2009 in Höhe von 241,8 Mio. EUR.
Die spaltungsgeborene Kapitalrücklage betrifft das im Zuge der Spaltungsvorgänge zum 01.01.2010
übertragene Reinvermögen des Teilbetriebes „TK-S“ und die daraus resultierende Reduktion des Betei-
ligungsansatz an der ÖBB-IKT Gesellschaft m.b.H. in Höhe von 1,7 Mio. EUR, sowie die Erhöhung des
Beteiligungsansatzes an der ÖBB-IKT Gesellschaft m.b.H. aus der Einbringung des Teilbetriebes SAP-
CCC der ÖBB-Holding AG in Höhe von 0,8 Mio. EUR und die Erhöhung des Beteiligungsansatzes aus
der Verschmelzung der Scope Consulting Unternehmensberatung GmbH mit der ÖBB-IKT Gesell-
schaft m.b.H. in Höhe von 3,4 Mio. EUR. Aus der Verschmelzung der ÖBB-Dienstleistungs GmbH mit
der ÖBB-IKT Gesellschaft m.b.H. zum 01.07.2010 resultiert eine Erhöhung des Beteiligungsansatzes
und der Kapitalrücklage in Höhe von 3,0 Mio. EUR.
Der Gesellschafterzuschuss wurde im Zuge des Erwerbes weiterer Anteile an der Galleria di Base del
Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE über Großmutterzuschüsse der ÖBB-Holding AG geleistet.
Kostenbeiträge von Dritten
Bei diesem Posten wurde für den ehemaligen Unternehmensbereich Infrastruktur des Rechtsvorgän-
gers der Gesellschaft, der Österreichischen Bundesbahnen, wegen der Kostenträgerschaft des Bundes
(§ 2 Abs. 2 Bundesbahngesetz 1992) und der Festlegungen für die Eröffnungsbilanz zum 01.01.1994
der sich aus den doppischen Bilanzierungsprinzipien ergebende Saldo zwischen dem Vermögen und
den Schulden dieses Unternehmensbereiches in Höhe von rund 0,7 Mrd. EUR ausgewiesen.
Weiters werden hier auch die Zuwendungen (Investitionszuschüsse) Dritter insbesondere von Bund,
Länder und Gemeinden zur Anschaffung von Anlagen dargestellt. Die Auflösung der Kostenbeiträge
korrespondiert mit der Abschreibung der bestehenden Anlagen. Die gewährten Zuwendungen werden
Seite 18 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
6
bilanziell erfasst, sofern Sicherheit darüber besteht, dass die notwendigen Bedingungen für den Erhalt
der Zuwendungen erfüllt sind und die Zahlungen erfolgen werden.
Rückstellungen
Rückstellungen werden unter Beachtung des Vorsichtsprinzips für alle zum Zeitpunkt der Bilanzerstel-
lung erkennbaren Risiken und der Höhe oder dem Grunde nach ungewissen Verbindlichkeiten mit den
Beträgen berücksichtigt, die nach vernünftiger unternehmerischer Beurteilung erforderlich sind. Lang-
fristige Rückstellungen werden mit dem Erfüllungsbetrag erfasst gemäß den verlautbarten Zinssätzen
für Restlaufzeiten des ÖBB-Konzerns bzw. einem durchschnittlichen Zinssatz von 2,66 - 3,61%
(Vj. 3,17 - 3,44%) abgezinst.
Personalrückstellungen
Die Personalrückstellungen umfassen neben Vorsorgen für Urlaub und Überstunden hauptsächlich
Rückstellungen für Abfertigungen sowie für Jubiläumsgelder. Die Abfertigungsrückstellungen werden in
der Bilanz als gesonderter Posten ausgewiesen, während die Rückstellungen für Jubiläum, Urlaub und
Überstunden in den sonstigen übrigen Rückstellungen ausgewiesen werden. Nähere Angaben zu den
Personalrückstellungen finden sich in den nachfolgenden Erläuterungen. Die Veränderung der Jubilä-
ums- und Abfertigungsrückstellungen werden im Personalaufwand dargestellt.
Versicherungsmathematische Annahmen
Die folgende Tabelle zeigt die bei der Bewertung von Verpflichtungen aus Jubiläumsgeldzuwendungen,
Abfertigungen und Pensionen verwendeten Parameter:
31.12.2023 31.12.2022
Abfertigung Abzinsungsfaktor 3,55%
4,20%
Pension Abzinsungsfaktor 3,50%
4,20%
Jubiläum Abzinsungsfaktor 3,45%
4,10%
Gehaltssteigerungen 5,20%
5,20%
Pensionssteigerungen 2,00%
2,00%
Fluktuationsrate Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung für Jubiläum 0,0 - 1,27%
0,0 - 1,29%
Fluktuationsrate übrige Arbeiter und Angestellte für Jubiläum 0,0 - 6,96%
0,0 - 7,61%
Gesetzliche Abfertigungen
Für die sich aus einzelnen dienstrechtlichen bzw. vertraglichen Bestimmungen ergebenden Abferti-
gungsansprüche jener Dienstnehmer:innen, welche nicht Bundesbeamte iSd § 21 Abs. 3 BBG idF Bun-
desgesetz BGBL I Nr. 71/2003 sind, wurde eine Rückstellung für Abfertigungen eingestellt. Die Berech-
nung der Rückstellung erfolgte versicherungsmathematisch nach der Projected Unit Credit (PUC)-Me-
thode, welche für Bewertungen nach IAS 19 vorgeschrieben ist. Die Berechnung erfolgte nach den
biometrischen Grundlagen der Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ) 2018-P – gemischter Bestand - (Vj:
2018-P). Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste werden sofort in der Periode, in der sie
anfallen, im Personalaufwand erfasst. Die Zinsen auf die Rückstellungen für gesetzliche Abfertigungen
sowie Auswirkungen aus einer Änderung des Zinssatzes werden im operativen Ergebnis erfasst.
Verpflichtungen aus Abfertigungen für Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis vor dem 01.01.2003 be-
gonnen hat, werden wie oben beschrieben durch leistungsorientierte Pläne abgedeckt. Infolge einer
gesetzlichen Änderung unterliegen Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis in Österreich nach dem
01.01.2003 begonnen hat, einem beitragsorientierten Versorgungsplan. In diesem Zusammenhang wur-
den im Geschäftsjahr rd. 7,0 Mio. EUR (Vj. 5,8 Mio. EUR) in den beitragsorientierten Versorgungsplan
(VBV Vorsorgekasse AG bzw. APK-Pensionskasse AG) eingezahlt.
Bei Pensionsantritt erhalten berechtigte Mitarbeiter:innen eine Abfertigung, die – abhängig von ihrer
Dienstzeit – ein Mehrfaches ihres monatlichen Entgelts, maximal aber zwölf Monatsentgelte beträgt.
Bei Beendigung des Dienstverhältnisses werden maximal drei Monatsentgelte sofort, darüber hinaus
gehende Beträge verteilt über einen Zeitraum von höchstens zehn Monaten ausgezahlt. Im Falle des
Todes haben die Erben der berechtigten Mitarbeiter:innen Anspruch auf 50 % der Abfertigung.
Seite 19 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
7
Jubiläumsgelder
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung und bestimmte Angestellte (im Folgenden „Mitarbeiter:innen“) ha-
ben einen Anspruch auf Jubiläumsgelder. Gemäß den gesetzlichen und vertraglichen Bestimmungen
erhalten die Berechtigten nach 25 Dienstjahren zwei Monatsgehälter und nach 40 Dienstjahren vier
Monatsgehälter. Mitarbeiter:innen, die zum Zeitpunkt des Pensionsantritts mindestens 35 Dienstjahre
geleistet haben, wird ebenfalls ein Jubiläumsgeld von vier Monatsgehältern ausgezahlt.
Die Berechnung der Rückstellung erfolgte versicherungsmathematisch nach der PUC-Methode, welche
für Bewertungen nach IAS 19 vorgeschrieben ist. Die Berechnung erfolgte nach den biometrischen
Grundlagen der Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ) 2018-P – gemischter Bestand - Rechnungsgrund-
lagen für Pensionsversicherung.
Die Rückstellung wird über die Dienstzeit unter Anwendung eines Fluktuationsabschlags für Mitarbei-
ter:innen, die vorzeitig aus dem Dienstverhältnis ausscheiden, gebildet. Versicherungsmathematische
Gewinne und Verluste werden sofort in der Periode, in der sie anfallen, im Personalaufwand erfasst. Die
Zinsen auf die Rückstellungen für Jubiläumsgelder sowie Auswirkungen aus einer Änderung des Zins-
satzes werden im operativen Ergebnis erfasst.
Die Jubiläumsgelder für die übrigen Mitarbeiter:innen werden gemäß den Regelungen des jeweiligen
Kollektivvertrages bzw. interner Betriebsvereinbarungen gebildet.
Pensionen
Unter den Rückstellungen für Pensionen sind nur einzelvertragliche Pensionszusagen bilanziert.
Beitragsorientierte Versorgungssysteme
In Österreich werden Pensionsleistungen für Angestellte grundsätzlich durch die Sozialversicherungs-
träger und für Bahnbedienstete durch die Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau bzw. auf-
grund § 52 Bundesbahngesetz vom Bund erbracht. Die ÖBB-Infrastruktur AG ist verpflichtet, Beiträge
für Pensionen und Gesundheitsvorsorge für aktive und im Ruhestand befindliche Mitarbeiter:innen mit
Definitivstellung sowie für deren Hinterbliebene zu leisten. Die ÖBB-Infrastruktur AG ist gesetzlich ver-
pflichtet, einen jährlichen Beitrag für aktive Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung an die BVAEB VA öf-
fentlicher Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau zu leisten. Zusätzlich bietet die ÖBB-Infrastruktur AG
allen Angestellten in Österreich einen beitragsorientierten Versorgungsplan an. Die Beiträge der Gesell-
schaft berechnen sich als Prozentsatz des Entgelts und dürfen 1,2 % nicht übersteigen. Die Aufwen-
dungen dieses Plans beliefen sich in den Jahren 2023 auf rd. 10,2 Mio. EUR und 2022 auf
rd. 9,3 Mio. EUR.
Leistungsorientiertes Versorgungssystem
Für einen ehemaligen Vorstand besteht ein leistungsorientierter Pensionsplan (Auszahlungen ab dem
60. Lebensjahr), für den die Gesellschaft seit 2010 Zahlungen leistet. Der Plan, der über keine Kapital-
deckung verfügt, sieht Pensionen vor, die einen von den Beschäftigungsjahren abhängigen Prozentsatz
des Gehalts betragen. Die Pensionen belaufen sich auf höchstens 13,2 % des Letztbezugs, einschließ-
lich der staatlichen Altersversorgung unter Berücksichtigung von Geldwertanpassungen. Die Bewertung
erfolgte nach versicherungsmathematischen Grundsätzen PUC-Methode mit einem Abzinsungsfaktor
von 3,50% (Vj. 4,20%) und einem Pensionsantrittsalter von 60 Jahren (Vj. 60 Jahre).
Rückstellung für Haftpflichtrenten
Die künftigen Verpflichtungen aus Haftpflichtrenten we
rden auf Basis von biometrischen Rechnungs-
grundlagen errechnet und mit einem Diskontierungssatz von 2,81% (Vj. 3,25%) abgezinst.
Rückstellung für Rückbaumaßnahmen/ Stilllegungskosten
Laut § 28 Eisenbahngesetz hat die Behörde auf Antrag des Eisenbahnunternehmens (EU) die vorüber-
gehende oder dauernde Einstellung einer Eisenbahnstrecke bzw. eines –Streckenteils zu bewilligen,
wenn seine Weiterführung dem EU wirtschaftlich nicht mehr zugemutet werden kann. Vor der Bewilli-
gung einer dauernden Einstellung des Betriebes wegen wirtschaftlicher Unzumutbarkeit der Weiterfüh-
Seite 20 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
8
rung ist nachzuweisen, dass Bemühungen des antragstellenden Eisenbahnunternehmens zum Weiter-
betrieb zu kaufmännisch gerechtfertigten Bedingungen erfolglos blieben. Die Erfolglosigkeit der Bemü-
hungen ist anhand der Ergebnisse einer zumindest drei Monate dauernden öffentlichen Interessenten-
suche mit Einholung verbindlicher Angebote zu belegen.
Vor der Erteilung der Bewilligung ist der Landeshauptmann/-frau – sofern er/sie nicht selbst zuständig
ist - anzuhören. Wird die gänzliche oder dauernde Einstellung einer Eisenbahnstrecke bzw. eines Stre-
ckenteils bewilligt, so hat die Behörde gleichzeitig die Konzession insoweit für erloschen zu erklären.
Laut § 29 Eisenbahngesetz sind dauernd betriebseingestellte Eisenbahnen oder dauernd betriebsein-
gestellte Teile einer Eisenbahn aufzulassen, sofern sie nicht weiterhin dafür vorgesehen sind, ganz oder
teilweise, unmittelbar oder mittelbar der Abwicklung oder der Sicherung des Betriebes einer Eisenbahn,
des Betriebes von Schienenfahrzeugen auf einer Eisenbahn oder des Verkehrs auf einer Eisenbahn zu
dienen. Solange nicht aufgelassen ist, gilt § 19 Abs. 2 auch für den Inhaber der dauernd betriebseinge-
stellten Eisenbahn oder des dauernd betriebseingestellten Teiles einer Eisenbahn.
Bei der Bewertung der Rückstellung für Stilllegungskosten wurde grundsätzlich vom Fortbestand des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns und dem Weiterbetrieb des Unternehmens und daher von einem Weiterbe-
trieb der Strecken ausgegangen. Nur wenn in absehbarer Zukunft mit einer Stilllegung einzelner Stre-
cken gerechnet wird oder jene bereits eingeleitet wurde, werden die Stilllegungskosten geschätzt und
rückgestellt. Die Höhe der erwarteten Stilllegungskosten hängt maßgeblich von den Annahmen der
Rückbauszenarien ab.
Rückstellung für Umweltschutzmaßnahmen
Diese Rückstellung betrifft die mit der Beseitigung von Kontaminationen von Liegenschaften und Flä-
chen der Gesellschaft anfallenden Kosten. Die Grundlagen der Kostenschätzung beruhen auf dem ver-
muteten Kontaminationsumfang. Der Kostenschätzung liegt eine konservative Sanierung, sprich Total-
aushub mit anschließender Deponierung, zugrunde. Sollten mit der zuständigen Behörde andere Sa-
nierungsmaßnahmen abgesprochen werden, die zu einer Reduktion der finanziellen Aufwendungen
führen, wird dies in der jährlichen Bewertung berücksichtigt.
Rückstellung für Freimachungskosten
Im Rahmen dieser Rückstellung wird für vertragliche Verpflichtungen im Zusammenhang mit Grund-
stücksveräußerungen bzw. künftig anfallende Kosten in Zusammenhang mit bereits verkauften, aber
noch in Entwicklung befindlichen Liegenschaften, Vorsorge getroffen.
Sonstige Rückstellungen
Zum 31.12.2023 bestehen mehrere regulierungsrechtliche Verfahren. Diese Verfahren, welche sich in
unterschiedlichen verfahrensrechtlichen Stadien befinden, betreffen den Zeitraum ab Dezember 2011
bis 2023. Inhaltlich geht es dabei vor allem um Fragen der Ermittlung und Festlegung des Infrastruktur-
benützungsentgelts (ab Dezember 2011 bis Dezember 2017), der Entgelte nach dem Wegeentgeltmo-
dell für den Zeitraum Dezember 2019 bis Dezember 2023 (Produkt „Zugtrasse” hinsichtlich direkte Kos-
ten und gesetzeskonformer Marktaufschläge bis einschließlich der Netzfahrplanperiode 2021), sowie
um die Zulässigkeit der Höhe der Stationsentgelte bei der Nutzung von Serviceeinrichtungen ab 2015
bis 2021.
Bei der Ermittlung der Rückstellungen zu den Wegeentgelten und den Stationsentgelten wurden An-
passungen auf Grund von Erkenntnissen aus dem Verfahrensverlauf durchgeführt.
Weitere Verfahren betreffen die Bahnstromnetznutzungsentgelte für den Zeitraum ab 2016. Für die Ent-
geltjahre 2016 bis 2018 wurden von der Regulierungsbehörde SCK Bescheide erlassen, die das BVwG
wegen Ermittlungs- und Begründungsfehler zur neuerlichen Entscheidung an die erstinstanzliche
Behörde SCK zurückverwiesen hat. Für die Entgeltjahre 2019 und 2020 wurden im April 2021 Bescheide
von der SCK erlassen, gegen die Beschwerden beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG) eingebracht
wurden. Die Verfahren wurde im Geschäftsjahr 2023 noch nicht entschieden und sind derzeit noch beim
BVwG anhängig. Im Geschäftsjahr 2023 ergab sich, für die Rückstellungen im Zusammenhang mit
dem Bahnstromnetzentgelt 2016-2023 aufgrund der gesetzten Verfahrensschritte der SCK eine Neube-
urteilung der Verpflichtungen. Diese wurde wie folgt ermittelt: Aufgrund der erstinstanzlichen Entschei-
dungen aus den bisherigen Verfahren (2016 bis 2020) sowie der aktuell gesetzten Verfahrensschritte,
Seite 21 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
9
wurde die Höhe der voraussichtlich an die Kunden rückzuerstattenden Entgeltbestandteile (Kostenpo-
sitionen im Berechnungsmodell) bestimmt, und für diese vorgesorgt.
Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten werden mit ihrem Erfüllungsbetrag bilanziert. Verbindlichkeiten in fremder Währung
werden mit dem Entstehungskurs, dem höheren Devisenkurs am Bilanzstichtag oder zum gesicherten
Kurs bewertet.
Passive Rechnungsabgrenzungsposten
Als passive Rechnungsabgrenzungsposten werden Einnahmen vor dem Abschlussstichtag ausgewie-
sen, soweit sie Erträge für eine bestimmte Zeit nach diesem Tage darstellen.
Währungsumrechnung
Fremdwährungsforderungen sind mit dem Anschaffungskurs oder mit dem niedrigeren Devisengeldkurs
zum Bilanzstichtag bewertet.
Fremdwährungsverbindlichkeiten sind mit dem Anschaffungskurs oder mit dem höheren Devisenkurs
zum Bilanzstichtag bewertet.
Derivative Finanzinstrumente
Der Marktwert der derivativen Finanzinstrumente basiert auf dem Barwert der künftig zu erwartenden
Zahlungsströme, abgezinst mit dem aktuellen Zinssatz zum Bilanzstichtag, zu dem vergleichbare Fi-
nanzinstrumente abgeschlossen werden können. Ein etwaiges Kreditrisiko wird bei der Ermittlung des
Marktwertes berücksichtigt.
Cross-Border-Leasing-Transaktionen
Die letzte offene CBL-Transaktion wurde im Jahr 2022 beendet. Aus der Beendigung dieser sowie einer
Transaktion aus Vorjahren bestehen Gesamtverbindlichkeiten in Höhe von 5,3 Mio. EUR
(Vj. Ansprüche rd. 1,9 Mio. EUR).
Seite 22 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
10
C. Erläuterungen zur Bilanz
Nachfolgend erfolgt eine Aufgliederung der Bilanzposten nach den Gliederungsgrundsätzen des UGB.
Anlagevermögen
Die Gliederung des Anlagevermögens und die Veränderungen im Geschäftsjahr sind aus dem Anlagen-
spiegel ersichtlich.
Immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen
Die Zugänge im Geschäftsjahr 2023 betragen 3.338,0 Mio. EUR (Vj. 3.102,3 Mio. EUR). Dabei handelt
es sich hauptsächlich um Bauten, technische Anlagen und Maschinen sowie um geleistete Anzahlungen
und Anlagen in Bau.
Der Grundwert der Grundstücke, die in der Bilanz ausgewiesen werden, beträgt 1.195,9 Mio. EUR
(Vj. 1.177,0 Mio. EUR). Im Geschäftsjahr mussten keine außerplanmäßigen Abschreibungen auf Grund
dauernder Wertminderung vorgenommen werden (Vj. 0,0 Mio. EUR).
Der Buchwert der im Geschäftsjahr abgegangenen Anlagen beträgt 39,2 Mio. EUR (Vj. 28,9 Mio. EUR).
Die damit im Zusammenhang stehenden Buchwertabgänge von Kostenbeiträgen von Dritten betrugen
rund 7,7 Mio. EUR (Vj. 7,9 Mio. EUR). Insgesamt wurden unter Berücksichtigung der abgangsbeding-
ten Auflösungen von Kostenbeiträgen Verluste in Höhe von 29,8 Mio. EUR (Vj. 17,2 Mio. EUR) und Ge-
winne in Höhe von 18,1 Mio. EUR (Vj. 37,2 Mio. EUR) aus dem Abgang von immateriellen Vermögens-
gegenständen und Sachanlagen erzielt.
Im Geschäftsjahr wurden Kostenbeiträge an verbundene Unternehmen in Höhe von 0,9 Mio. EUR
(Vj. 4,7 Mio. EUR) geleistet. Die Buchwerte in der Position „Kostenbeiträge an Dritte” resultieren im
Wesentlichen aus geleisteten Kostenbeiträgen an die Galleria di Base del Brennero – Brenner Basis-
tunnel BBT SE. Die Zugänge im Berichtsjahr betragen 150,0 Mio. EUR (Vj. 100,0 Mio. EUR).
Bei den Umbuchungen im Geschäftsjahr handelt es sich einerseits um die aus dem Posten „Geleistete
Anzahlungen und Anlagen in Bau“ auf die spezifischen Anlagekonten umgebuchten Werte fertiggestell-
ter Anlagen und andererseits um in den Vorräten dargestellte „Verwertungsobjekte“. Diesbezüglich wird
auf die Ausführungen unter B. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze im Zusammenhang mit unfer-
tigen Erzeugnissen verwiesen.
Im Berichtsjahr wurden gemäß § 203 Abs. 4 UGB 134,5 Mio. EUR (Vj. 110,8 Mio. EUR) an Fremdkapi-
talzinsen in die Herstellungskosten von Anlagen miteinbezogen.
Seite 23 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
11
Finanzanlagen
Die „Anteile an verbundenen Unternehmen“ und „Beteiligungen“ gliedern sich wie folgt:
I n l a n d Land, Sitz
Eigenkapital
31.12.2023 in
TEUR
Anteil
v.H.
Jahresüberschuss/
-fehlbetrag 2023 in
TEUR
Austrian Rail Construction & Consulting GmbH A-1020 Wien 168
100%
3
f)
Austrian Rail Construction & Consulting GmbH & Co KG A-1020 Wien 215
0%
5
f)
Rail Equipment GmbH A-1040 Wien 162
100%
12
g)
Rail Equipment GmbH & Co KG A-1040 Wien 81.317
0%
7.578
g)
ÖBB-Operative Service GmbH A-1150 Wien 36
100%
1
e)
ÖBB-Operative Service GmbH & Co KG A-1150 Wien 3.426
0%
485
e)
ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH A-1020 Wien 7.593
100%
518
a)
ÖBB-Projektentwicklung GmbH A-1020 Wien 86
100%
3
b)
ÖBB-Realitätenbeteiligungs GmbH und Co KG A-1020 Wien 74.557
0%
2.792
b)
Netz- und Streckenentwicklung GmbH A-1020 Wien 91
100%
-4
d)
WS Service GmbH
A-3151 St.
Georgen am
Steinfeld
838
51%
438
c)
Weichenwerk Wörth GmbH
A-3151 St.
Georgen am
Steinfeld
10.136
43,05%
2.420
c)
ÖBB-Stiftungsmanagement GmbH A-1020 Wien 101
100%
2
h)
LCA Logistik Center Austria Süd GmbH A-9586 Fürnitz 33**)
50%
-546**)
d)
ÖBB-BE GmbH (vorm. ÖBB-Güterzentrum Wien Süd GmbH) A-1020 Wien 32
60,00%
-3
i)
ÖBB-BE GmbH & Co KG A-1020 Wien 32
60,00%
-3
i)
Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE I-39100 Bozen 2.498.213*)
50%
0*)
c)
HIT RAIL B.V.
NL-3500 HA
Utrecht 3.519*)
8%
290*)
k.
A.
*) zum Zeitpunkt des Jahresabschlusses noch keine Angaben für 2023 verfügbar, daher Angaben für 2022
**) vorläufige Angaben 2023
Erläuterung der Geschäftsgegenstände der Tochterunternehmen:
a) Bewirtschaftung, Verwaltung und Verwertung von Immobilien
b) Projektentwicklung und Verwertung von Liegenschaften
c) Planung und Bau (einschließlich Ersatzinvestitionen, soweit sie über Wartung oder Instandsetzung hinausgehen) von Schieneninfrastruktur,
sowie Planung und Bau von damit in Zusammenhang stehenden Projekten und Projektteilen und die Zurverfügungstellung von
Schieneninfrastruktur
d) Optimierung und Harmonisierung der Infrastrukturplanung und Entwicklung
e) Reinigung bzw. Sonderreinigung (z.B. Graffitientfernung) von Bahnhöfen sowie Sicherheits- und Servicedienstleistungen
f) Forschung und Entwicklung, insbesondere im Zusammenhang mit der Schieneninfrastruktur
g) Beschaffung, Einkauf, Finanzierung, Instandhaltung und konzernübergreifende Vermietung von schienengebundenen Spezialfahrzeugen und
Straßenfahrzeugen
h) berufliche Aus- und Weiterbildung
i) Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Gewinnung und Vertrieb von Strom
Abweichungen zum Vorjahr:
Die Breitspur Planungsgesellschaft m.b.H. war zum 31.12.2022 in Liquidation. Diese wurde im Ge-
schäftsjahr 2023 erfolgreich abgeschlossen und die Löschung im Firmenbuch erfolgte am 01.12.2023.
Am 04.09.2023 wurde die ÖBB-Güterzentrum Wien Süd GmbH in die ÖBB-BE GmbH umbenannt. Bis
zu diesem Zeitpunkt hielt die ÖBB-Infrastruktur 100 % der Anteile. Mit Umbenennung der Gesellschaft
wurden 40 % der Anteile an die BE-Energy GmbH in Burgenland verkauft.
Ebenfalls am 04.09.2023 wurde die ÖBB-BE GmbH & Co KG gegründet mit einem Kommanditkapital-
anteil von 60 % (EUR 21.000,--) der ÖBB Infrastruktur AG.
Seite 24 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
12
Mit folgenden Tochterunternehmen bestehen Ergebnisabführungsverträge:
Abweichend von den bestehenden Ergebnisabführungsverträgen kann mittels Gesellschafterbeschluss
von einer Ausschüttung abgesehen werden.
Name der Gesellschaft
Abzuführendes
Ergebnis Anteil
Rail Equipment GmbH Gewinn/Verlust 100%
Rail Equipment GmbH & Co KG Gewinn/Verlust 100%
ÖBB-Immobilienmanagement GmbH Gewinn/Verlust 100%
Operative Service GmbH (vorm. Mungos Sicher & Sauber GmbH) Gewinn/Verlust 100%
Operative Service GmbH (vorm. Mungos Sicher & Sauber GmbH & Co KG) Gewinn/Verlust 100%
Unter den „Wertpapieren des Anlagevermögens“ in Höhe von 25,0 Mio. EUR (Vj. 23,3 Mio. EUR) sowie
den „Ausleihungen“ in Höhe von 61,3 Mio. EUR (Vj. 60,5 Mio. EUR) werden Depots aus in der Vergan-
genheit aufgelösten Cross-Border-Leasing-Transaktionen ausgewiesen. Die letzte offene CBL - Trans-
aktion wurde im Jahr 2022 beendet.
Umlaufvermögen
Vorräte
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
Die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe in Höhe von 46,2 Mio. EUR (Vj. 41,2 Mio. EUR) sind bereits um Wert-
berichtigungen in Höhe von 3,8 Mio. EUR (Vj. 3,4 Mio. EUR) reduziert.
Unfertige Erzeugnisse
Dieser Posten in Höhe von 41,2 Mio. EUR (Vj. 44,2 Mio. EUR) betrifft die vom Anlagevermögen umge-
gliederten Liegenschaften, welche mangels betrieblicher Nutzung für den Verkauf entwickelt werden
(Verwertungsobjekte).
Noch nicht abrechenbare Leistungen
Dieser Posten in Höhe von 29,3 Mio. EUR (Vj. 22,8 Mio. EUR) betrifft vor allem aktivierte Aufwendun-
gen im Zusammenhang mit Leistungen für Dritte.
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 159,8
125,9
Einzelwertberichtigung -16,4
-16,3
Summe Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 143,3
109,6
Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 289,0
240,1
Summe Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 289,0
240,1
Sonstige Forderungen, Beteiligungsverhältnis 0,8
0,6
Summe Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 0,8
0,6
Sonstige Forderungen 110,0
148,2
Summe sonstige Forderungen 110,0
148,2
Gesamtsumme Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 543,2
498,4
Seite 25 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
13
Restlaufzeiten der Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
Geschäftsjahr 2023
in Mio. Euro 31.12.2023
bis 1 Jahr mehr als 1 Jahr
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 159,8
159,8
0,0
Einzelwertberichtigung -16,4
-16,4
0,0
Summe Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 143,3
143,3
0,0
Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 289,0
286,9
2,1
Summe Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 289,0
286,9
2,1
Sonstige Forderungen, Beteiligungsverhältnis 0,8
0,8
0,0
Summe Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein
Beteiligungsverhältnis besteht 0,8
0,8
0,0
Sonstige Forderungen 110,0
95,8
14,2
Summe sonstige Forderungen 110,0
95,8
14,2
Gesamtsumme Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 543,2
526,9
16,2
Geschäftsjahr 2022
in Mio. Euro 31.12.2022
bis 1 Jahr mehr als 1 Jahr
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 125,9
124,6
1,3
Einzelwertberichtigung -16,3
-16,3
0,0
Summe Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 109,6
108,3
1,3
Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 240,1
233,4
6,7
Summe Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 240,1
233,4
6,7
Sonstige Forderungen, Beteiligungsverhältnis 0,6
0,6
0,0
Summe Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein
Beteiligungsverhältnis besteht 0,6
0,6
0,0
Sonstige Forderungen 148,2
137,3
10,8
Summe sonstige Forderungen 148,2
137,3
10,8
Gesamtsumme Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 498,4
479,6
18,8
Die Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen setzen sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Sublease - Verträge 0,0
1,9
Lieferungen und Leistungen 128,1
53,9
Sonstige 157,3
184,2
Clearing 3,6
0,1
Summe 289,0
240,1
Zum 31.12.2023 bestehen Forderungen aus Sublease Verträgen in Höhe von rd. 0,0 Mio. EUR (Vj. 1,9
Mio. EUR) gegenüber ÖBB-Konzerngesellschaften aus weiterverrechneten Aufwendungen im Zusam-
menhang mit aufgelösten CBL-Transaktionen.
In den sonstigen Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen sind Umsatzsteuerforderungen
im Rahmen der umsatzsteuerlichen Organschaft sowie Steueransprüche aus der Vergangenheit ge-
genüber der ÖBB-Holding AG in Höhe von 138,6 Mio. EUR (Vj. 165,5 Mio. EUR), Forderungen aus der
Ergebnisabfuhr in Höhe von 10,7 Mio. EUR (Vj. 11,9 Mio. EUR) sowie diversen Abgrenzungen in Höhe
von EUR 8,1 Mio. EUR (Vj. 4,3 Mio. EUR) ausgewiesen.
Die Forderungen gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, setzen
sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 0,8
0,6
Seite 26 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
14
Die sonstigen Forderungen und Vermögensgegenstände setzen sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Zinsabgrenzungen Swaps 0,0
0,0
Vorsteuer Abschlagsrechnungen 55,7
53,1
Vorsteuer Inland 6,6
3,1
Vorsteuer Ausland 0,9
1,0
Forderungen aus Grundverkäufen 18,5
28,7
Forderungen aus Investitionszuschüssen/Kostenbeiträgen 8,9
23,1
Übrige sonstige Forderungen 19,3
39,1
Bei den sonstigen Forderungen und Vermögensgegenständen wurden pauschale Einzelwertberichti-
gungen in Höhe von 0,1 Mio. EUR (Vj. 0,1 Mio. EUR) gebildet.
In den sonstigen Forderungen und Vermögensgegenständen sind in Höhe von 18,5 Mio. EUR
(Vj. 47,5 Mio. EUR) Erträge enthalten, die erst nach dem Bilanzstichtag zahlungswirksam werden. Es
handelt sich hier um Forderungen aus Grundverkäufen in Höhe von 18,5 Mio. EUR (Vj. 28,7 Mio. EUR),
sowie einer Forderung aus der Energieverrechnung in Höhe von 0,0 Mio. EUR (Vj. 18,7 Mio. EUR).
Die übrigen sonstigen Forderungen setzten sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Förderung Kommunalkredit Wagenwaschanlage Graz 9,3
9,3
Energieverrechnung 0,0
18,7
Bescheide Epidemiegesetz 0,0
2,2
Strom + Kautionen 6,6
4,2
andere sonstige Forderungen 3,4
4,7
Summe 19,3
39,1
Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten
Der Posten in Höhe von 0,0 Mio. EUR (Vj. 1,0 Mio. EUR) beinhaltet neben dem Kassenbestand in Höhe
von 0,0 Mio. EUR (Vj. 0,0 Mio. EUR) auch Guthaben bei Kreditinstituten in Höhe von 0,0 Mio. EUR
(Vj. 1,0 Mio. EUR) aus der laufenden Zahlungsabwicklung.
Aktive Rechnungsabgrenzungsposten
Die aktive Rechnungsabgrenzung beträgt 1.225,2 Mio. EUR (Vj. 673,3 Mio. EUR) und betrifft größten-
teils mit 67,6 Mio. EUR (Vj. 78,8 Mio. EUR) vorausbezahlte Haftungsentgelte, Disagios in Höhe von
1.129,8 Mio. EUR (Vj. 564,5 Mio. EUR) sowie vorausbezahlte Bezüge und damit in Zusammenhang
stehende Gehaltsnebenkosten in Höhe von 23,6 Mio. EUR (Vj. 26,9 Mio. EUR).
Aktive latente Steuern
Der Wert der aktivierten aktiven latenten Steuern beträgt zum 31.12.2023 rund 17,3 Mio. EUR.
(Vj. 14,4 Mio. EUR). Im Geschäftsjahr wurde so wie im Vorjahr vom Wahlrecht, Verlustvorträge auf la-
tente Steuern zu aktivieren, nicht Gebrauch gemacht.
2022
2022
Veränderung
2022
2023
2023
Veränderung
2023
in TEUR
in TEUR
in TEUR
in EUR
in EUR
in EUR
aktive
Differenzen
passive
Differenzen
aktive
Differenzen
aktive
Differenzen
passive
Differenzen
aktive
Differenzen
Grundstücke und Bauten
inkl. Verwertungsobjekte
60.153,2
0,0
-7.368,9
74.275,6
0,0
-14.122,4
Sonstige Beteiligungen 1.946,5
0,0
231,1
965,6
0,0
981,0
Differenzen Gesamt 62.099,7
0,0
-7.137,8
75.241,1
0,0
-13.141,5
14.357,0
0,0
-2.952,4
17.305,5
0,0
-2.948,5
aktive latente Steuern
saldiert
14.357,0
0,0
-2.952,4
17.305,5
0,0
-2.948,5
*im Vorjahr wurden die latenten Steuern mit den ab den Jah
ren 2023 und 2024 geltenden Körperschaftssteuersätzen in Höhe
von 24% bzw. 23% berechnet.
Seite 27 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
15
Latente Steueransprüche und latente Steuerschulden im Zusammenhang mit der globalen Mindestbe-
steuerung werden aufgrund der Regelungen des § 198 Abs. 10 Z 4 UGB nicht bilanziert.
Eigenkapital
Das Grundkapital, das dem genehmigten Kapital entspricht, beträgt 500,0 Mio. EUR
(Vj. 500,0 Mio. EUR) und wird ausschließlich von der ÖBB-Holding AG gehalten. Es handelt sich um
100.000 Stückaktien (Namensaktien).
Kostenbeiträge von Dritten
Unter diesen Posten bilanziert die ÖBB-Infrastruktur AG erhaltene, nicht rückzahlbare Investitionszu-
schüsse. Die Anlagegüter, für die Kostenbeiträge von Dritten geleistet wurden, werden im Anlagever-
mögen aktiviert und nach Inbetriebnahme auf die jeweilige Nutzungsdauer abgeschrieben. Sowohl die
Abschreibung dieser Vermögensgegenstände als auch die Auflösung sämtlicher Kostenbeiträge infolge
Abschreibung wird ergebniswirksam unter dem Posten „Abschreibung auf immaterielle Gegenstände
des Anlagevermögens und Sachanlagen“ ausgewiesen. Soweit die Auflösung von Kostenbeiträgen An-
lagenabgänge betrifft, erfolgt grundsätzlich eine Saldierung mit den betreffenden Abgangsbuchwerten,
die bei einem Gewinn aus dem Abgang in den sonstigen betrieblichen Erträgen bzw. im Fall eines Ver-
lustes aus dem Abgang im sonstigen betrieblichen Aufwand dargestellt werden. Die Entwicklung der
Kostenbeiträge von Dritten ist im Kostenbeitragsspiegel ersichtlich. Die Entwicklung der Kostenbeiträge
ist aus den Anlagenspiegeln ersichtlich. Die wesentlichen Kostenbeitragsgeber sind die Republik Ös-
terreich, die ehemalige Eisenbahn‐Hochleistungsstrecken AG und die Schieneninfrastrukturfinanzie-
rungs GmbH.
Rückstellungen
Die Rückstellungen betragen in Summe zum Bilanzstichtag 541,1 Mio. EUR (Vj. 552,7 Mio. EUR) und
gliedern sich wie folgt:
Rückstellungen für Abfertigungen, Pensionen und sonstige Personalverpflichtungen
Die Rückstellungen für Abfertigungen, Pensionen und sonstige Personalverpflichtungen zum
31.12.2023 zeigen folgende Entwicklung:
Stand Verbrauch
Auflösung Zuführung Umbuchung Zinseffekt Stand
in Mio. Euro 01.01.2023 2023 2023 2023 2023 2023 31.12.2023
Rückstellungen ABFERTIGUNGEN 28,6
-1,5
0,0
5,9
0,1
1,2
34,2
Rückstellungen PENSIONEN 0,8
0,0
0,0
0,1
0,0
0,0
0,8
Rückstellungen
JUBILÄUMSZUWENDUNGEN 106,2
-9,4
0,0
17,0
0,0
4,2
118,0
Rückstellungen
ÜBERSTUNDENVERGÜTUNGEN 33,2
0,0
0,0
3,7
0,0
0,0
36,8
Rückstellungen URLAUBE 33,7
0,0
0,2
0,0
0,1
0,0
34,0
Rückstellungen AUSGLEICHSTAXE 1,0
-0,9
-0,2
1,1
0,0
0,0
1,1
Rückstellungen SONSTIGER
PERSONALAUFWAND
9,7
-3,4
-1,0
6,9
0,1
0,0
12,4
Summe Personalrückstellungen 213,2
-15,2
-1,0
34,7
0,3
5,4
237,4
Seite 28 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
16
Sonstige Rückstellungen
Die sonstigen Rückstellungen zum 31.12.2023 zeigen folgende Entwicklung:
Stand Verbrauch Auflösung Zuführung Zinseffekt Stand
in Mio. Euro 01.01.2023 2023 2023 2023 2023 31.12.2023
Rückstellungen
UMWELTSCHUTZMASSNAHMEN
35,1
-0,3
-11,1
1,5
0,8
25,9
Rückstellungen
STILLLEGUNGSKOSTEN 27,7
-1,1
-3,9
0,0
0,6
23,4
Rückstellungen FREIMACHUNGEN 20,0
-3,2
-4,3
0,4
0,6
13,4
Rückstellungen
HAFTPFLICHTRENTEN
2,2
-0,1
-0,1
0,3
0,1
2,3
Rückstellungen KW SCHÖNBERG 0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
Rückstellungen ENTSORGUNGEN 0,4
-0,4
0,0
0,4
0,0
0,4
Rückstellungen PRÜFUNGSKOSTEN
0,3
-0,3
0,0
0,2
0,0
0,2
Rückstellungen DERIVATE 61,2
-41,6
-0,3
s1,3
0,0
20,7
Rückstellungen ÜBRIGE SONSTIGE* 192,5
-1,7
-5,3
23,0
8,9
217,4
Summe sonstige Rückstellungen 339,5
-48,8
-24,9
27,1
10,8
303,7
*Die Auflösung betreffen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten, in welchen Kosten für Grundeinlösen enthalten sind. Diese Kosten für Grundeinlösen
wurden aktiviert und daher wird die Auflösung nicht in der GuV gebucht.
Die Rückstellung für Umweltschutzmaßnahmen betrifft erwartete Sanierungsmaßnahmen und Boden-
kontaminierungen. Sie wurde aufgrund der entsprechenden gesetzlichen Vorschriften mit den wahr-
scheinlich zu erwartenden Aufwendungen erfasst. In dieser Rückstellung wurde mit einem Betrag in
Höhe von 8,4 Mio. EUR (Vj: 9,0 Mio. EUR) für identifizierten Schwermetallbelastungen von Bahnstrom-
masten Vorsorge getroffen. Im Wesentlichen betrifft die Auflösung der Rückstellung ein verpachtetes
Grundstück, bei dem der Pächter anerkannt hat die Kontaminierungen auf seine Kosten zu beseitigen.
Für Umweltschutzmaßnahmen bestehen unverändert zum Vorjahr Erstattungsansprüche in Höhe von
rd. 9,3 Mio. EUR, die unter den sonstigen Forderungen ausgewiesen werden.
Die Rückstellung für Stilllegungskosten betrifft künftige Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Ab-
bruch und dem Abräumen von Vermögenswerten und die Wiederherstellung von Standorten. Dabei
handelt es sich um bereits stillgelegte oder in naher Zukunft stillzulegende Bahnstrecken. Diese Rück-
stellung wurde nur für jene Strecken gebildet, von denen mit einer ausreichenden Sicherheit ausgegan-
gen werden kann, dass diese stillgelegt werden.
Im Zuge des Verkaufs von Strecken im Geschäftsjahr 2023 konnte wegen der Entbindung der Gesell-
schaft von ihrer Rückbauverpflichtung ein Betrag in Höhe von 3,89 Mio. EUR (Vj: 6,5 Mio. EUR) aufge-
löst und ein Betrag in Höhe von 1,1 Mio. EUR (Vj: 2,6 Mio. EUR) verbraucht werden.
Die Rückstellung für Freimachungen und ähnliche Verpflichtungen beinhaltet Vorsorgen für vertragliche
Verpflichtungen im Zusammenhang mit Immobilienverkäufen.
Die Rückstellung für Derivate in Höhe von 20,7 Mio. EUR (Vj. 61,2 Mio. EUR) beinhaltet eine Rückstel-
lung für drohende Verluste aus langfristigen Stromein- oder Verkaufsverträgen in Höhe von
19,3 Mio. EUR (Vj. 56,7 Mio. EUR) und für Herkunftsnachweise für grünen Strom in Höhe von
1,4 Mio. EUR (Vj. 0,0 Mio. EUR). Das Derivat aus einer ehemaligen Cross-Border-Leasing-Transaktion
wurde im Jahr 2023 beendet. Daher konnte die Rückstellung für den negativen Marktwert aufgelöst
werden.
In den übrigen sonstigen Rückstellungen sind im Wesentlichen Vorsorgen für Rechtsstreitigkeiten ent-
halten. Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten werden für alle im Zeitpunkt der Bilanzerstellung erkenn-
baren prozessualen Risiken nach unternehmerischer Beurteilung gebildet. Die Rückstellung setzt sich
aus einer Vielzahl von Rechtsstreitigkeiten zusammen, die sich aus der Tätigkeit des Unternehmens
ergeben. Insbesondere sind Rückstellungen für Rückforderungen an Infrastrukturbenützungsentgelt im
Hinblick auf laufende regulierungsrechtliche Verfahren enthalten. Die Dotierung von Rückstellungen in
Zusammenhang mit regulierungsrechtlichen Verfahren wird in den Umsatzerlösen erfasst.
Da eine Offenlegung von Informationen die Lage des Unternehmens in diesen Verfahren ernsthaft be-
einträchtigen könnte, werden keine Angaben über die Höhe der Rückstellung oder etwaige darüberhin-
ausgehende Eventualverbindlichkeiten gemacht.
Seite 29 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
17
Verbindlichkeiten
Die Verbindlichkeiten gliedern sich wie folgt:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Summe Anleihen 7.885,7
8.883,8
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.860,5
3.862,5
Summe Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 8,3
3,3
Lieferungen und Leistungen Dritte 870,0
852,3
ausstehende Eingangsrechnungen Dritte 216,8
74,2
Summe Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.086,8
926,5
Finanzverbindlichkeiten 282,6
1.252,0
Lieferungen und Leistungen 104,0
179,8
ausstehende Eingangsrechnungen 6,5
4,9
sonstige Verbindlichkeiten 10,5
10,5
Summe Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 403,5
1.447,2
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen mit denen ein Beteiligungsverhältnis
besteht 6,0
2,2
Sonstige Verbindlichkeiten aus Steuern 21,4
19,1
Sonstige Verbindlichkeiten soziale Sicherheit 21,2
17,4
übrige sonstige Verbindlichkeiten 17.332,2
12.710,6
Summe sonstige Verbindlichkeiten 17.374,8
12.747,1
Gesamtsumme Verbindlichkeiten 30.625,6
27.872,6
Seite 30 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
18
Restlaufzeiten der Verbindlichkeiten
Geschäftsjahr 2023
in Mio. Euro 31.12.2023
bis 1 Jahr
von 1 bis 5
Jahren
mehr als 5
Jahre
Summe Anleihen 7.885,7
1.000,0
2.560,7
4.325,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.860,5
201,7
758,8
2.900,0
Summe Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 8,3
8,3
0,0
0,0
Lieferungen und Leistungen Dritte 870,0
815,2
24,5
30,3
ausstehende Eingangsrechnungen Dritte 216,8
216,8
0,0
0,0
Summe Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
1.086,8
1.032,0
24,5
30,3
Finanzverbindlichkeiten 282,6
282,6
0,0
0,0
Lieferungen und Leistungen 104,0
98,6
5,5
0,0
ausstehende Eingangsrechnungen 6,5
6,5
0,0
0,0
sonstige Verbindlichkeiten 10,5
10,5
0,0
0,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen
Unternehmen
403,5
398,1
5,5
0,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen mit
denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 6,0
6,0
0,0
0,0
Sonstige Verbindlichkeiten aus Steuern 21,4
21,4
0,0
0,0
Sonstige Verbindlichkeiten soziale Sicherheit 21,2
21,2
0,0
0,0
übrige sonstige Verbindlichkeiten 17.332,2
854,9
3.351,7
13.125,6
Summe sonstige Verbindlichkeiten 17.374,8
897,6
3.351,7
13.125,6
Gesamtsumme Verbindlichkeiten 30.625,6
3.543,6
6.701,2
20.380,8
G
eschäftsjahr 2022
in Mio. Euro 31.12.2022
bis 1 Jahr
von 1 bis 5
Jahren
mehr als 5
Jahre
Summe Anleihen 8.883,8
1.000,0
3.558,8
4.325,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.862,5
2,0
560,5
3.300,0
Summe Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 3,3
3,3
0,0
0,0
Lieferungen und Leistungen Dritte 852,3
787,5
34,2
30,7
ausstehende Eingangsrechnungen Dritte 74,2
74,2
0,0
0,0
Summe Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
926,5
861,7
34,2
30,7
Finanzverbindlichkeiten 1.252,0
1.252,0
0,0
0,0
Lieferungen und Leistungen 179,8
179,8
0,0
0,0
ausstehende Eingangsrechnungen 4,9
4,9
0,0
0,0
sonstige Verbindlichkeit 10,5
10,5
0,0
0,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen
Unternehmen 1.447,2
1.447,2
0,0
0,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen mit
denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 2,2
2,2
0,0
0,0
Sonstige Verbindlichkeiten aus Steuern 19,1
19,1
0,0
0,0
Sonstige Verbindlichkeiten soziale Sicherheit 17,4
17,4
0,0
0,0
übrige sonstige Verbindlichkeiten 12.710,6
1.137,9
1.820,9
9.751,9
Summe sonstige Verbindlichkeiten 12.747,1
1.174,4
1.820,9
9.751,9
Gesamtsumme Verbindlichkeiten 27.872,6
4.490,7
5.974,3
17.407,5
Die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren betreffen vor allem Anleihen,
Darlehensaufnahmen bei Kreditinstituten, sowie Finanzierungen seitens der Österreichischen Bundes-
finanzierungsagentur.
Seite 31 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
19
Die Anleihen mit einem Gesamtnominalwert in Höhe von 7,886 Mrd. EUR gliedern sich wie folgt:
Nominale Währung
Laufzeit
ISIN Zinssatz
100.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS0243862876 2,9900%
100.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS0244522396 2,9900%
100.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS0252697130 3,5000%
50.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS0252721450 3,5000%
100.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS0275973278 3,4900%
80.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS0275974599 3,4900%
100.000.000,00
EUR
2007 bis 2037
XS0321318163 4,0000%
100.000.000,00
EUR
2007 bis 2037
XS0324893626 4,0000%
50.000.000,00
EUR
2007 bis 2037
XS0324895670 4,0000%
100.000.000,00
EUR
2007 bis 2037
XS0328866982 4,0000%
50.000.000,00
EUR
2007 bis 2037
XS0331427905 4,0000%
50.000.000,00
EUR
2007 bis 2037
XS0336043517 3,9900%
50.000.000,00
EUR
2010 bis 2030
XS0497430172 4,2100%
70.000.000,00
EUR
2010 bis 2030
XS0503724642 4,2000%
100.000.000,00
EUR
2010 bis 2030
XS0512125849 3,9000%
1.500.000.000,00
EUR
2010 bis 2025
XS0520578096 3,8750%
1.000.000.000,00
EUR
2011 bis 2026
XS0691970601 3,5000%
200.000.000,00
EUR
2011 bis 2031
XS0717614951 4,0000%
1.350.000.000,00
EUR
2012 bis 2032
XS0782697071 3,3750%
75.000.000,00
EUR
2013 bis 2033
XS0954197470 2,1250%
1.000.000.000,00
EUR
2013 bis 2033
XS0984087204 3,0000%
1.000.000.000,00
EUR
2014 bis 2024
XS1138366445 1,0000%
500.000.000,00
EUR
2014 bis 2029
XS1071747023 2,2500%
Von 2005 bis 2014 hat die ÖBB-Infrastruktur AG ein Euro Medium Term Note („EMTN“) Programm auf-
gelegt. Die Zahlungen hinsichtlich der unter diesem Rahmenvertrag ausgegebenen Anleihen sind von
der Republik Österreich unbedingt und unwiderruflich garantiert. Alle oben angeführten Anleihen wurden
von der ÖBB-Infrastruktur AG im Rahmen dieses Programms begeben.
2015 wurden sechs Anleihen (rd. 108,5 Mio. USD) begeben, von denen drei (Vj: drei) in Höhe von rd.
65,7 Mio. USD (Vj: rd. 63,8 Mio. USD) mit den CUSIP‐Nummern A5790#AD0 (Laufzeitende 2026),
A5790#AE8 (Laufzeitende 2025) und A5790#AF5 (Laufzeitende 2025) noch aushaften.
CUSIP Anleihen zeigen folgendes Bild:
Nominale GJ Nominale VJ Währung Laufzeit ISIN Nominale GJ Währung
37.671.311,20
36.530.691,39
USD
2015 bis 2026
A5790#AD0
33.160.503,52
EUR
7.440.191,96
7.219.151,92
USD
2015 bis 2025
A5790#AE8
6.573.658,49
EUR
20.631.081,34
20.018.163,80
USD
2015 bis 2025
A5790#AF5
18.226.474,54
EUR
65.742.584,50
63.768.007,11
57.960.636,55
Sämtliche Fremdwährungsanleihen wurden bereits bei der Emission gegen EUR geswapt, sodass kein
Fremdwährungsrisiko besteht.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten betragen zum Bilanzstichtag 3.860,5 Mio. EUR
(Vj. 3.862,5 Mio. EUR). Von den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten betreffen im Wesentlichen
rd. 3.838,3 Mio. EUR (Vj. rd. 3.839,4 Mio. EUR) Finanzierungen durch die Europäische Investitions-
bank (EIB). Zum Bilanzstichtag unterlag die ÖBB-Infrastruktur AG keinen wesentlichen Risiken aus auf
Fremdwährung lautenden Verbindlichkeiten.
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen stammen aus der laufenden Abwicklung von
Leistungsrechnungen in Höhe von 1.086,8 Mio. EUR (Vj. 924,5 Mio. EUR). Die Verbindlichkeiten aus
Lieferungen und Leistungen beinhalten auch Abgrenzungen aus ausstehenden Eingangsrechnungen in
der Höhe von 216,8 Mio. EUR (Vj. 72,2 Mio. EUR).
Seite 32 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
20
Die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen setzen sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Finanzierung ÖBB-Finanzierungsservice GmbH 282,6
1.252,0
Lieferungen und Leistungen 104,0
179,8
ausstehende Eingangsrechnungen 6,5
4,9
sonstige Verbindlichkeiten 10,5
10,5
Summe Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen verbundene Unternehmen 403,5
1.447,2
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen beinhalten neben der laufenden Leistungsver-
rechnung, die Rückverrechnung aus Netzentgelten für Bahnstrom, da hier ein laufendes Verfahren bei
der Schienen-Control Kommission (SCK) anhängig ist.
Die sonstigen Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen enthalten im Wesentlichen un-
verändert zum Vorjahr die Verpflichtung zur Beseitigung von Kontaminierungen in Höhe von
1,0 Mio. EUR (Vj. 1,0 Mio. EUR). Zahlungsverpflichtungen aus Grundstücktransaktionen gegenüber ei-
ner Konzernschwester in Höhe von 9,1 Mio. EUR (Vj. 9,1 Mio. EUR) sowie Verrechnungsverbindlich-
keiten aus aufgelösten CBL-Transaktionen in Höhe von 5,3 Mio. EUR (VJ. Forderung in Höhe von
1,9 Mio. EUR).
Die Verbindlichkeit gegenüber der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH beinhaltet den Saldo aus dem
Cash Pooling.
Die sonstigen Verbindlichkeiten setzen sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Verbindlichkeiten Finanzamt 21,4
19,1
Verbindlichkeiten aus sozialer Sicherheit 21,2
17,4
Zinsabgrenzungen 196,1
163,4
Finanzierungen; ÖBFA 16.757,0
11.772,7
Abgrenzung § 42 BundesbahnG 289,9
737,9
Sonstige 89,1
36,6
Summe sonstige Verbindlichkeiten 17.374,8
12.747,1
Die Abgrenzung § 42 BBG resultiert aus der Abgrenzung von Bundeszuschüssen, einerseits aufgrund
der geringeren Maßnahmenumsetzung des Rahmenplans bzw. Zinsanpassungen und andererseits aus
Ergebnisverbesserungen in Zusammenhang mit Performancesteigerungen in der Betriebsführung. Für
weitere Erläuterungen verweisen wir auf unsere Ausführungen unter dem Kapitel „Leistungsbeziehun-
gen mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-Investition und die Haftung des Bundes“.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat ab dem Jahr 2017 die notwendige Finanzierung vor allem über Darlehen
der Republik Österreich in Erledigung durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA)
anstatt über eigene Anleiheemissionen am Kapitalmarkt aufnehmen. Die ÖBB-Infrastruktur AG zählt
gemäß Eurostat-Kriterien zum Sektor Staat. Vor dem Hintergrund der günstigeren Zinskonditionen der
Republik Österreich am Kapitalmarkt wurde in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Finanzen
und dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie die Entscheidung einer langfristi-
gen Finanzierung über Darlehen der Republik getroffen. Alle bestehenden Anleihen der ÖBB-Infrastruk-
tur AG und deren Garantien durch die Republik Österreich bleiben von dieser Erweiterung der Finan-
zierungsinstrumente der ÖBB-Infrastruktur AG unberührt. Im Geschäftsjahr 2023 wurden derartige Dar-
lehen mit einer Nominalen in Höhe von 5.184,3 Mio. EUR (Vj. rd. 3.336,5 Mio. EUR) aufgenommen,
welche in den sonstigen Verbindlichkeiten ausgewiesen werden. Der tatsächliche Auszahlungsbetrag
belief sich auf 4.581,9 Mio. EUR (VJ: 2.853,1 Mio. EUR).
Seite 33 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
21
Die Finanzverbindlichkeiten gegenüber dem Bund (ÖBFA) gliedern sich wie folgt:
Finanzverbindlichkeiten
gegenüber OeBFA 2023
Restlaufzeiten
Nominale (in EUR)
Laufzeiten
Nominal-
zinssatz
Effektiv-
verzinsung
Durch-
schnittliche
Effektiv-
verzinsung
Anmerkung
Restlaufzeit bis 1 Jahr
280.000.000,00
2022 bis 2024
1,6500%
0,6340% bis
2,1590%
1,2311%
4 Verträge
Restlaufzeit 1 bis 5 Jahre
3.351.450.000,00
2017 bis 2028
0,0000% bis
6,2500%
-0,6520% bis
3,1510%
1,6371%
24 Verträge
Restlaufzeit über 5 Jahre
13.125.550.000,00
2017 bis 2120
0,0000% bis
4,1500%
-0,4940% bis
3,8220%
1,5588%
83 Verträge
Gesamt
16.757.000.000,00
111 Verträge
In den sonstigen Verbindlichkeiten sind Aufwendungen in Höhe von 238,8 Mio. EUR
(Vj. 199,9 Mio. EUR) enthalten, die erst nach dem Bilanzstichtag zahlungswirksam werden. Diese set-
zen sich aus Steuern (Gehaltsabgaben, Elektrizitätsabgaben und Gebühren) mit 21,4 Mio. EUR
(Vj. 19,1 Mio. EUR), Sozialversicherungsbeiträgen mit 21,2 Mio. EUR (Vj. 17,4 Mio. EUR) sowie Zins-
abgrenzungen mit 196,1 Mio. EUR (Vj. 163,4 Mio. EUR) zusammen.
Passive Rechnungsabgrenzungsposten
Die passiven Rechnungsabgrenzungsposten in Höhe von 789,7 Mio. EUR (Vj. 808,4 Mio. EUR) umfas-
sen transitorischen Posten aus der laufenden Abgrenzung in Höhe von 4,9 Mio. EUR (Vj. 2,8 Mio. EUR),
sowie aus abzugrenzenden Erträgen aus Baurechts- und Mietverträgen in Höhe von 7,2 Mio. EUR
(Vj. 11,3 Mio. EUR). Das Agio aus der Aufstockung von Anleihen beträgt 17,6 Mio. EUR
(Vj. 20,4 Mio. EUR). Das Agio aus der Finanzierung über die Österreichische Bundesfinanzierungs-
agentur (ÖBFA) beträgt 679,4 Mio. EUR (Vj. 696,8 Mio. EUR). Aus dem Bundeszuschuss gemäß
§ 42 BBG resultieren noch nicht verbrauchte Beträge in Höhe von 66,0 Mio. EUR (Vj. 63,6 Mio. EUR).
Die abgegrenzten Erhaltungskostenbeiträgen von Dritten für Infrastruktur belaufen sich auf
8,7 Mio. EUR (Vj. 7,4 Mio. EUR) und jene für die Mitbenützung des Glasfaserkabels auf 5,9 Mio. EUR
(Vj. 6,2 Mio. EUR).
Haftungsverhältnisse/ Eventualverbindlichkeiten
Die Eventualverbindlichkeiten betragen insgesamt 89,0 Mio. EUR (Vj. 102,6 Mio. EUR).
Weiters wird eine für einen Kreditvertrag der Rail Equipment GmbH & Co KG abgegebene Haftungser-
klärung in Höhe von 64,0 Mio. EUR (Vj. 72,0 Mio. EUR) ausgewiesen.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat im Geschäftsjahr 2013 eine Haftungserklärung für einen Kredit der
Gauermanngasse 2-4 Projektentwicklung GmbH & Co KG abgegeben, welche ebenfalls in Höhe von
rd. 17,1 Mio. EUR (Vj. 18,0 Mio. EUR) unter den Eventualverbindlichkeiten ausgewiesen wird.
Für Garantien gegenüber den Ländern und Garantien aufgrund des Stromhandels werden im Ge-
schäftsjahr 2023 Eventualverbindlichkeiten in Höhe von 7,9 Mio. EUR (Vj. 12,6 Mio. EUR) ausgewiesen.
Seite 34 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
22
Sonstige finanzielle Verpflichtungen und Angaben gemäß § 238 Abs. 1 Z 14
UGB
Der Betrag der sonstigen finanziellen Verpflichtungen, die nicht in der Bilanz ausgewiesen und auch
nicht gemäß § 199 UGB auszuweisen sind, setzt sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Folgeinvestitionen begonnener Investitionsvorhaben 21.149,3
18.969,2
Abnahmeverpflichtungen 1.433,3
1.640,4
Verpflichtung aus Strombezugsverträgen 768,9
0,0
Verpflichtung aus Dauerschuldverhältnissen 81,4
78,2
Gesamt 23.433,0
20.687,8
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 78,2
74,5
Die Folgeinvestitionen begonnener Investitionsvorhaben in Höhe von 21.149,3 Mio. EUR
(Vj. 18.969,2 Mio. EUR) betreffen die in der Rahmenplanvereinbarung 2024 - 2029 zur Umsetzung
durch die ÖBB-Infrastruktur AG festgelegten und begonnenen Investitionsprojekte.
Die Abnahmeverpflichtungen stellen das Bestellobligo dar und betreffen bereits beauftragte Investiti-
onsmaßnahmen
Der ÖBB-Infrastruktur AG hat drei Strombezugsverträge mit Lieferanten abgeschlossen die Laufzeiten
bis 2027, 2029 und 2042 haben wobei für einen Teil einer Bahnstromlieferungen läuft der Vertrag auf
Bestandsdauer der Anlagen. Insgesamt werden jährlich 170 MW im Rahmen dieser Verträge
bezogen.
Die Bewertung mit den relevanten Preisen zum 31.12.2023 oder den durchschnittlichen Preisen 2023
(falls diese für die Preisfindung relevant sind) hat eine voraussichtliche Verpflichtung für 2024 in Höhe
von 215,4 Mio. EUR und bis zum Ende der Laufzeit eine Gesamtverpflichtung in Höhe von 768,9 Mio.
EUR ergeben. Die Gesamtverpflichtung umfasst nicht den Jahresbetrag in Höhe von 68,3 Mio EUR
(Bestandsdauer der Anlagen), da nicht bekannt ist wie lange die Anlagen beim Lieferanten noch in Be-
trieb sein werden. Diese Verpflichtungen schwankt mit der Strompreisentwicklung.
Für den Gesamtbetrag der sonstigen Verpflichtungen aus Dauerschuldverhältnissen, der sich
zum Bilanzstichtag auf 81,4 Mio. EUR (Vj. 78,2 Mio. EUR) beläuft, wurde ein Betrachtungszeitraum von
einem Jahr zugrunde gelegt.
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Gebäude- und Grundstücksmieten 3,9
3,8
IT-Miete 4,1
3,0
Fahrzeugmieten 73,4
71,4
Gesamt 81,4
78,2
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 78,2
74,5
Die in den folgenden Geschäftsjahren erwarteten Zahlungen aus den sonstigen finanziellen Verpflich-
tungen für nicht in der Bilanz ausgewiesene Sachanlagen gemäß § 237 Z 8 lit. b UGB betreffen mit
92,2 Mio. EUR (Vj. 86,1 Mio. EUR) das Folgejahr und mit 627,2 Mio. EUR (Vj. 539,5 Mio. EUR) die
nächsten fünf Jahre.
Die angeführten finanziellen Verpflichtungen gegenüber verbundenen Unternehmen betreffen für das
nächste Jahr einen Betrag in Höhe von 88,6 Mio. EUR (Vj. 82,0 Mio. EUR) und für die nächsten fünf
Jahre einen Betrag in Höhe von 602,4 Mio. EUR (Vj. 514,0 Mio. EUR).
Zur Abdeckung des für die Veräußerung oder den eigenen Gebrauch erwarteten Bedarfs an elektrischer
Energie wurden Stromgeschäfte (langfristige Einkaufs- und Verkaufskontrakte) abgeschlossen. Zur Be-
wertung der Stromgeschäfte und der Anzahl der Kontrakte wird auf die Ausführungen unter E. Sonstige
Angaben sowie auf den Risikobericht verwiesen.
Seite 35 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
23
D. Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung
Umsatzerlöse
Die Umsatzerlöse setzen sich wie folgt zusammen:
Umsatzerlöse in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Nutzungsentgelte Infrastrukturbenützung 470,9
366,7
Energielieferungen und Netznutzungsentgelte 414,6
212,8
Mieterlöse 177,3
151,2
Instandhaltung und Wartung 9,4
8,5
Erlöse aus Verwertungsobjekten 4,6
59,9
Sonstige übrige Umsatzerlöse 157,8
162,8
Summe 1.234,7
961,8
Das Infrastrukturbenützungsentgelt wird überwiegend von Gesellschaften des übrigen ÖBB-Konzerns
für die Zurverfügungstellung der Bahninfrastruktur bezahlt.
Die Erlöse aus Energielieferungen resultieren großteils aus Traktionsstromlieferungen und Stromge-
schäften.
Mit dem 1.1.2016 kam es zu einer Öffnung des Bahnstromnetzes der ÖBB-Infrastruktur AG, so dass
nunmehr auch andere Energielieferanten Bahnstrom an die Eisenbahnunternehmen liefern können.
Dadurch hat sich auch das Tarifmodell der ÖBB-Infrastruktur AG geändert und es ist zu einer Unter-
scheidung zwischen Netznutzungsentgelten und Entgelten für Energielieferungen gekommen, während
zuvor Netznutzung und Energielieferung in einem Gesamttarif enthalten waren. In den Erlösen „Ener-
gielieferungen und Netznutzungsentgelten“ sind Netznutzungsentgelte in Höhe von rd. 59,9 Mio. EUR
(Vj. 73,7 Mio. EUR) enthalten.
Mieterlöse fallen für die Vermietung und die Verpachtung von Immobilien an.
Die Umsätze wurden überwiegend im Inland erzielt. Die im Ausland erzielten Umsätze betreffen Ener-
gielieferungen in der Höhe von 91,6 Mio. EUR (Vj. 8,7 Mio. EUR) und Infrastrukturbenützungsentgelte
in Höhe von 13,0 Mio. EUR (Vj. 5,3 Mio. EUR).
Veränderung des Bestandes an selbst gefertigten Hilfsstoffen sowie an
noch nicht abrechenbaren Leistungen
Die Veränderung des Bestandes an selbst gefertigten Hilfsstoffen sowie noch nicht abrechenbaren Leis-
tungen beträgt 8,1 Mio. EUR (Vj. 6,0 Mio. EUR).
Andere aktivierte Eigenleistungen
Bei der Ermittlung der im Zusammenhang mit der Herstellung von Anlagen zu aktivierenden Eigenleis-
tungen in Höhe von 402,2 Mio. EUR (Vj. 350,1 Mio. EUR) wurden – unter Beachtung der bestehenden
unternehmensrechtlichen Bewertungsvorschriften – direkt zurechenbare Personalaufwendungen und
angemessene Teile der Materialgemeinkosten und Fertigungsgemeinkosten eingerechnet.
Von verbundenen Unternehmen bzw. Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, wur-
den Leistungen über rd. 81,2 Mio. EUR (Vj. 82,2 Mio. EUR) bezogen, die im Anlagevermögen aktiviert
wurden. Es handelt sich dabei vorrangig um Dienstleistungen und Fahrzeugmieten, die im Zusammen-
hang mit Investitionsvorhaben stehen und anteilig diesen zugerechnet werden.
Die aktivierten Eigenleistungen betreffen im Ausmaß von rund 60,8 % (Vj. 55,0 %) Personalkosten, rund
22,2 % (Vj. 29,2 %) Materialkosten sowie im Ausmaß von rund 17,0 % (Vj. 15,8 %) Sachaufwendungen.
Seite 36 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
24
Sonstige betriebliche Erträge
Erträge aus dem Abgang vom Anlagevermögen mit Ausnahme der Finanzanlagen
Die Erträge aus dem Abgang vom Anlagevermögen in Höhe von insgesamt 18,1 Mio. EUR (Vj. 37,2 Mio.
EUR) betreffen insbesondere Liegenschaftsverkäufe.
Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen
Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 19,6 Mio. EUR (Vj. 13,0 Mio. EUR) entfallen
auf folgende Rückstellungen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Umweltschutzmaßnahmen, Stilllegungskosten und Rückbaumaßnahmen 15,0
7,6
Freimachungen 4,3
1,4
Rechtstreitigkeiten und Schäden 0,3
2,2
Übrige sonstige 0,1
1,8
Summe 19,6
13,0
Übrige
In den übrigen sonstigen betrieblichen Erträgen werden folgende nennenswerte Beträge ausgewiesen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Zuschuss Schieneninfrastruktur §42 Abs. 2 BBG 1.246,8
1.241,0
Zuschuss des Bundes gem §42 Abs. 1 und §42 Abs. 2 BBG 830,4
822,1
Kostenbeiträge von Dritten - Aufwandsersatz 6,8
6,1
Schadensvergütungen 1,4
1,6
Auflösung von Wertberichtigungen zu Forderungen 3,0
2,2
Lehrlingsförderung, Lehrlingsausbildung 3,6
3,9
Erlöse aus weiterverrechneten Kosten 2,5
2,4
Geldstrafen, Mahnspesen, Pönalen und einbehaltene Haftungsrücklässe 0,7
1,2
Kursgewinne, Skonto, Verwertung von Fundgegenständen und sonstige Erträge 0,4
0,6
COVID 19 Maßnahmen, Absonderungsbescheide 3,2
4,3
übrige sonstige Erträge 12,1
11,9
Summe 2.111,0
2.097,3
Der Beitrag des Bundes gemäß § 42 BBG wird für die Bereitstellung, den Betrieb, Instandhaltung und
Erweiterungs- und Reinvestitionen der Schieneninfrastruktur sowie für die Erfüllung der gesetzlichen
Aufgaben insoweit geleistet, als die von den Nutzern der Schieneninfrastruktur zu erzielenden Erlösen
die bei sparsamer und wirtschaftlicher Geschäftsführung anfallenden Aufwendungen nicht abdecken
können. Nähere Angaben zu der Zuschussvereinbarung sind unter dem Kapitel „Leistungsbeziehungen
mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-Investition und die Haftung des Bundes“ enthalten.
In den sonstigen übrigen betrieblichen Erträgen sind im Wesentlichen Erträge aus der Auflösung der
Passiven Rechnungsabgrenzung im Zusammenhang mit Sanierungsförderungen in Höhe von
3,6 Mio. EUR (Vj. 4,6 Mio. EUR) enthalten.
Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Herstellungsleistungen
Materialaufwand
Dieser Posten beträgt in der Berichtsperiode 173,2 Mio. EUR (Vj. 189,8 Mio. EUR) und besteht im We-
sentlichen aus dem Fremdbezug von Traktionsstrom bzw. den Zukauf von Strom für den Weiterverkauf
an Dritte. Hier wird die Verminderung einer Drohverlustrückstellung in Höhe von 36,0 Mio. EUR
(Vj. Erhöhung 37,8 Mio. EUR) für die negativen Marktwerte
bei Stromderivaten ausgewiesen. Die im
Aufwand erfassten Herstellungskosten für verkaufte Verwertungsobjekte betragen 1,0 Mio. EUR
(Vj. 20,6 Mio. EUR).
Seite 37 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
25
Aufwendungen für bezogene Leistungen
Die Aufwendungen für bezogene Leistungen betragen 427,4 Mio. EUR (Vj. 416,9 Mio. EUR) und betref-
fen unter anderem nicht aktivierungsfähige Lieferungen und Leistungen im Zusammenhang mit Repa-
raturen, Instandhaltungen, Reinigungen und sonstigen Leistungen, Traktionsleistungen (Lok und Lok-
führer) sowie Mieten von Güterwaggons und schienengebundener Fahrzeuge. Weiters sind in dieser
Position auch die Dotierungen und Verbräuche der Rückstellungen wie zB für Rückbaumaßnahmen im
Zusammenhang mit Streckenstilllegungen und Umweltschutzmaßnahmen in Höhe von
0,4 Mio. EUR (Vj. 1,8 Mio. EUR) enthalten.
Personalaufwand
Löhne und Gehälter
Der Aufwand für Löhne und Gehälter wird mit 1.009,9 Mio. EUR (Vj. 916,2 Mio. EUR) ausgewiesen.
Davon entfallen auf Löhne 176,9 Mio. EUR (Vj. 152,5 Mio. EUR) und auf Gehälter 832,9 Mio. EUR
(Vj. 763,7 Mio. EUR).
Die Entwicklung der Rückstellungen für Jubiläumszuwendungen getrennt nach Löhnen und Gehältern
zeigt folgendes Bild:
Bestand
31.12.2022
Veränderung
Rückstellung
2023
Bestand
31.12.2023
Gehälter 101,3
9,7
111,0
Löhne 5,0
2,1
7,0
Entwicklung der Rückstellungen für Jubiläumszuwendungen 106,3
11,8
118,0
Die Anpassung der versicherungsmathematischen Gewinne bzw. versicherungsmathematischen Ver-
luste 2023 bei der Rückstellung für Jubiläumszuwendungen führte zu einer Verminderung der Rückstel-
lung in Höhe von 11,8 Mio. EUR (Vj. 14,6 Mio. EUR).
Aufwendungen für Altersversorgung
Die hier ausgewiesenen 10,4 Mio EUR (Vj. 9,0 Mio. EUR) betreffen mit 10,2 Mio. EUR
(Vj. 8,9 Mio. EUR) Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Gesellschaft. Es handelt sich hierbei um
Beiträge zur Pensionskasse. Der Vorstand und leitende Angestellte sowie ein ehemaliger Vorstand der
ÖBB sind mit 0,11 Mio. EUR (Vj. 0,12 Mio. EUR) gleichfalls darin enthalten (Pensionszahlungen und die
Zuweisung zur Rückstellung für Pensionen).
Die Anpassung der versicherungsmathematischen Gewinne bzw. versicherungsmathematischen Ver-
luste 2023 bei der Abfertigungsrückstellung führte zu einer Erhöhung der Rückstellung in Höhe von
0,08 Mio. EUR (Vj. - 0,33 Mio. EUR).
Aufwendungen für Abfertigungen und betriebliche Mitarbeitervorsorgekassen
Die Aufwendungen für Abfertigungen und betriebliche Mitarbeitervorsorgekassen betragen
16,7 Mio. EUR (Vj. 4,3 Mio. EUR) und betreffen mit 132,8 TEUR (Vj. 24,3 TEUR) den Vorstand und lei-
tende Angestellte. Die Aufwendungen für Mitarbeitervorsorgekassen betragen 7,0 Mio. EUR
(Vj. 5,8 Mio. EUR).
Aufwendungen für gesetzlich vorgeschriebene Sozialabgaben sowie vom Entgelt
abhängige Abgaben und Pflichtbeiträge
Die unter diesem Punkt ausgewiesenen Aufwendungen in Höhe von 237,0 Mio. EUR
(Vj. 223,9 Mio. EUR) enthalten 56,9 Mio. EUR (Vj. 58,2 Mio. EUR) DG-Beiträge gemäß § 52 Abs. 3
Bundesbahngesetz idgF.
Seite 38 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
26
Abschreibungen
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
auf immaterielle Gegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen 1.018,4
981,4
abzüglich der Auflösung passivierter Kostenbeiträge -139,9
-141,7
Summe 878,5
839,7
In den Abschreibungen sind 3,3 Mio. EUR (Vj. 2,7 Mio. EUR) für geringwertige Vermögensgegenstände
enthalten.
Im Berichtsjahr wurden, sowie im Vorjahr, keine außerplanmäßigen Abschreibungen vorgenommen.
Sonstige betriebliche Aufwendungen
Steuern, soweit nicht vom Einkommen und vom Ertrag
Hier sind alle nicht ertragsabhängigen Steuern (Elektrizitätsabgabe, Kfz-Steuer, Grundsteuer, Straßen-
benützungsabgabe, sonstige Steuern und Abgaben etc.) in Höhe von 4,4 Mio. EUR (Vj. 16,5 Mio. EUR)
erfasst.
Der geringere sonstige betriebliche Aufwand aus nicht ertragsabhängigen Steuern 2023 ergibt sich im
Wesentlichen auf die von 1.5.2022 bis 31.12.2024 befristete Absenkung der Elektrizitätsabgabe von
EUR 0,015 / kWH auf EUR 0,01 / KWh.
Übrige
Dieser Posten in Höhe von 589,2 Mio. EUR (Vj. 496,0 Mio. EUR) betrifft folgende nennenswerte Auf-
wendungen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Miet-, Pacht-, Lizenz- und Leasingaufwand 47,7
39,3
Betriebskosten 241,3
190,8
Büroerfordernisse 66,1
61,2
Mehraufwandsentschädigungen, Reisegebühren 16,3
14,9
Aus- und Fortbildung 7,6
7,0
Beratungsaufwendungen 7,6
6,4
Post-, Bank- und Fernsprechgebühren 6,6
5,5
Anmietung von Personal und Werkverträge 0,6
0,9
Marketing- und Repräsentationsaufwendungen 7,6
6,3
Schadensfälle 4,5
3,1
Verluste aus Anlagenabgängen 29,8
17,2
Wertberichtigungen zu Forderungen 4,0
0,7
ICV-Telekomleistungen 4,5
4,6
Holdingumlage 20,0
18,4
A.t.Fahrbegünstigung 12,7
12,3
andere übrige Aufwendungen 112,3
107,3
Die Verluste aus dem Abgang von Anlagevermögen in Höhe von 29,8 Mio. EUR (Vj. 17,2 Mio. EUR)
betreffen im Wesentlichen Abgänge im Zusammenhang mit Anlageninventuren, sowie Abgänge im Zu-
sammenhang mit Neuinvestitionen und Abtretungen von Liegenschaften in das öffentliche Gut.
Seite 39 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
27
Die übrigen sonstigen betrieblichen Aufwendungen zeigen folgendes Bild:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Buchhaltung, Lohnverrechnung, Pensions- und Bezugsliquidation durch ÖBB-Business
Competence Center GmbH 17,1
14,3
Immobilienverwaltungsleistungen 47,5
41,7
Service am Bahnhof 9,1
11,8
Dienstkleider 9,7
8,0
Versicherungsaufwendungen 1,4
1,6
Betriebsküchen, Wohlfahrt und Soziales 6,2
6,9
Ärztlicher Dienst und Sanitätsdienst 5,7
4,5
Sonstige übrige Aufwendungen 17,2
15,0
Summe 113,9
103,7
Finanzerfolg
Erträge aus Beteiligungen
Die Erträge aus Beteiligungen betragen 5,4 Mio. EUR (Vj. 7,2 Mio. EUR) und betreffen im Wesentlichen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
aus verbundenen Unternehmen
ÖBB Immobilienmanagement GmbH 0,5
2,4
ÖBB Operative Services GmbH & Co KG 0,0
1,4
ÖBB Realitätenbeteiligungs GmbH & Co KG 2,8
1,1
WS Service GmbH 0,4
0,6
HIT RAIL B.V. 0,0
0,0
Die Beteiligungserträge aus 2023 der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH und ÖBB Operative Ser-
vices GmbH & Co KG stammen aus Ergebnisabführungsverträgen.
Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens
Die Erträge in Höhe von 6,1 Mio. EUR (Vj. 5,9 Mio. EUR) betreffen Zinsenerträge aus Wertpapieren und
Ausleihungen, die aus CBL-Transaktionen stammen.
Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
Die sonstigen Zinsen und ähnlichen Erträge setzten sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Zinserträge Konzernforderungen 0,8
2,7
Derivative Finanzinstrumente 0,0
0,5
Sonstige Zinserträge 9,9
13,9
Summe 10,7
17,1
Die Zinsen betreffend verbundene Unternehmen in Höhe von 0,8 Mio. EUR (Vj. 2,7 Mio. EUR) resultie-
ren zum größten Teil aus Zinserträgen für Haftungsentgelte, sowie aus Zinsabgrenzungen. Die sonsti-
gen Zinserträge resultieren aus der Darstellung von Negativzinsen im Zusammenhang mit sonstigen
Darlehen.
Seite 40 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
28
Erträge aus dem Abgang und der Zuschreibung zu Finanzanlagen
Im Geschäftsjahr 2023 wurden keine Erträge aus dem Abgang von Finanzanlagevermögen erzielt.
Aufwendungen aus Finanzanlagen
Im Berichtsjahr wurde eine Beteiligung in Höhe von 1,0 Mio. EUR (Vj. 0,7 Mio. EUR) außerplanmäßig
abgeschrieben.
Die Aufwendungen gegenüber verbundenen Unternehmen beinhalten die innerkonzernale Weiterver-
rechnung von Ergebniseffekten aus CBL-Transaktionen in Höhe von 2,7 Mio. EUR (Vj. 2,5 Mio. EUR).
Die Buchverluste aus dem Abgang von Beteiligungen und aus dem Abgang von Finanzanlagen haben
im Berichtsjahr eine Höhe von 0,0 Mio. EUR (Vj. 4,2 Mio. EUR).
Zinsen und ähnliche Aufwendungen
Die Fremdfinanzierungskosten gegenüber Dritten vor Aktivierung der Fremdkapitalzinsen setzen sich
wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Anleihen 260,2
304,3
Kredit- und Darlehensaufnahmen 273,4
171,1
Haftungsentgelte 11,2
12,7
Summe 544,9
488,2
Die Überleitung zur Gewinn- und Verlustrechnung zeigt folgendes Bild:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Zinsen und ähnliche Aufwendungen 544,9
488,2
Swap 0,0
0,4
Zinsaufwendungen CBL 0,0
1,2
Aktivierung der Fremdkapitalzinsen -134,5
-110,8
Sonstige Zinsen und ähnliche Aufwendungen 30,6
3,8
Summe 440,9
382,8
davon aus verbundenen Unternehmen 30,6
3,8
Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
Die im Geschäftsjahr auf Basis der Gruppenbesteuerung auf die Gesellschaft entfallende Steuerumlage
ergibt, wie im Vorjahr eine Belastung in Höhe der Mindestkörperschaftsteuer.
Die aktive latente Steuer ergab im Geschäftsjahr eine ergebniswirksame Veränderung in Höhe von
2,9 Mio. EUR (Vj. -3,0 Mio. EUR).
Seite 41 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
29
E. Sonstige Angaben
COVID-Pandemie – finanzielle Auswirkungen
Mit 1. Juli 2023 wurden alle Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus aufgehoben, die
COVID-Pandemie ist damit überwunden. Es gab im Geschäftsjahr 2023 ausgenommen von
Refundierungen keine wesentlichen finanziellen Auswirkungen mehr. Refundierungsbeträge wurden
iHv. rd. 3,2 Mio. EUR (Vj. 4,3 Mio. EUR) in den sonstigen betrieblichen Erträgen erfasst.
Risiken im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten
Risikodefinition und Risikomanagement in Bezug auf Finanzinstrumente
Der ÖBB-Infrastruktur AG unterliegt Markt- (Zins- und Währungsrisiko), Kredit- (Bonität der Vertrags-
partner) und Liquiditätsrisiken. Finanzielles Risikomanagement wird als Management von Marktrisiken
angesehen und bedeutet die ökonomisch orientierte Steuerung der Portfolios der Einzelgesellschaften
im Hinblick auf die Entwicklung von Zinsen, Währungen und Commodities. Der ÖBB-Infrastruktur AG
verwendet derivative Finanzinstrumente, um diese Risiken wirtschaftlich abzusichern. Derivative Finan-
zinstrumente werden nur unter Bezugnahme auf ein Grundgeschäft abgeschlossen.
Kernaufgabe des Risikomanagements ist die Identifizierung, Bewertung und Begrenzung finanzwirt-
schaftlicher Risiken. Risikobegrenzung bedeutet nicht die völlige Ausschließung finanzieller Risiken,
sondern eine sinnvolle Steuerung jederzeit quantifizierter Risikopositionen innerhalb eines konkret vor-
gegebenen Handlungsrahmens.
Die ÖBB-Holding AG, die Finanzgeschäfte mit Ausnahme der Stromderivate im Namen und auf Rech-
nung von Konzerngesellschaften nur nach deren Zustimmung und Auftrag durchführt, hat ein risikoori-
entiertes Kontrollumfeld geschaffen, das u.a. Richtlinien und Abläufe für die Beurteilung von Risiken,
die Genehmigung, das Berichtswesen und die Überwachung von Finanzinstrumenten umfasst. Oberste
Priorität nimmt bei sämtlichen Finanzaktivitäten der Schutz des Vermögens der Konzerngesellschaften
ein. Eine wesentliche Aufgabe der damit beauftragten Abteilung Konzernfinanzen ist die Identifizierung,
Bewertung und Begrenzung finanzwirtschaftlicher Risiken. Risikobegrenzung bedeutet nicht die völlige
Ausschließung finanzieller Risiken, sondern eine sinnvolle und transparente Steuerung der quantifizier-
baren Risikopositionen innerhalb eines konkret mit den Konzerngesellschaften zu vereinbarenden
Handlungsrahmens.
Nachstehend werden die wichtigsten Risiken in Bezug auf Finanzinstrumenten näher erörtert:
Liquiditätsrisiko
Das übergeordnete Ziel im Bereich Finanzen ist die Sicherstellung des notwendigen Liquiditätsspiel-
raums. Liquiditätsrisiko ist das Risiko, dass ein Unternehmen Schwierigkeiten bei der Erfüllung seiner
sich aus den finanziellen Verbindlichkeiten ergebenden Verpflichtungen haben könnte, die über die Zah-
lung von Bargeld oder die Lieferung eines anderen finanziellen Vermögenswertes beglichen werden.
Somit ist die konsequente Sicherstellung der Liquidität aller Konzerngesellschaften durch Liquiditäts-
planungen, die Vereinbarung ausreichender Kreditlinien und eine ausreichende Diversifizierung der Kre-
ditgeber eine der Hauptaufgaben der Abteilung Konzernfinanzen des ÖBB-Konzerns. Hinsichtlich der
Finanzierung und Aufrechterhaltung der Liquidität der ÖBB-Infrastruktur AG gem. § 47 BBG wird auf
das Kapitel „Leistungsbeziehungen mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-Investitionen und die
Haftung des Bundes“ verwiesen.
Zinsrisiko
Risiken aus Marktzinsänderungen können das Finanzergebnis des ÖBB-Konzerns aufgrund der gege-
benen Bilanzstruktur beeinflussen. Es gilt daher mögliche Marktzinsschwankungen über ein mit den
Konzerngesellschaften abzustimmendes Niveau hinaus (z.B. durch den Einsatz derivativer Finanzin-
strumente) einzuschränken, um deren Einfluss auf die Ergebnisentwicklung gering zu halten.
Seite 42 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
30
Der Abschluss geeigneter derivativer Instrumente zum Management von Zinsrisiken (Zinsswaps) basiert
auf Portfolioanalysen und -empfehlungen der Abteilung Konzernfinanzen und auf entsprechenden Ent-
scheidungen der Konzerngesellschaften.
Währungsrisiko
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist auf Euro-Basis finanziert. Relevante Währungsrisiken aus ehemaligen
Cross-Border-Leasing-Transaktionen bestehen nicht, da den vertraglichen Verbindlichkeiten in Fremd-
währungen weitestgehend entsprechende volumen- und fristenkongruente Veranlagungen und Forde-
rungen in der gleichen Höhe und Währung gegenüberstehen.
Kontrahentenrisiko/ Kreditrisiko
Das Kontrahentenrisiko erfasst das Schadenspotenzial hinsichtlich Nichterfüllung finanzieller Verpflich-
tungen durch Geschäftspartner. Die Risken beziehen sich vorwiegend auf Geldmarktgeschäfte, Forde-
rungen aus Lieferungen und Leistungen, Veranlagungen, barwertig positive Swapgeschäfte. Dem Kon-
trahentenrisiko-Management unterliegen Limits, die für jeden Finanzpartner individuell vergeben und
täglich auf Einhaltung überprüft werden.
Kontrahentenrisiken bestehen außerhalb der originären Geschäfte mit den ÖBB Finanzpartnern noch
im Zusammenhang mit beendeten Cross-Border-Leasing-Transaktionen. Bei Cross-Border-Leasing-
Transaktionen wurden Wertpapierdepots, Payment-Undertaking-Agreements (Zahlungsvereinbarun-
gen) und Swaps mit Finanzpartnern abgeschlossen, um Leasingraten während der Laufzeit und den
Kaufpreis am Ende der Laufzeit zu bezahlen. Das Cross-Border-Leasing-Management beschäftigt sich
mit der Gestionierung, der Abwicklung, dem Risikomanagement sowie der wirtschaftlichen Beendigung
bestehender Cross-Border-Leasing-Transaktionen. Ziel des Cross-Border-Leasing-Managements ist es,
insbesondere alle Rechte und Pflichten aus den Transaktionen zu überwachen. Dazu zählen die Sicher-
stellung der vertragsmäßigen Abwicklung, die Vermeidung von Risiken sowie die Gewährleistung der
Wirtschaftlichkeit des gesamten Portfolios.
Strompreisschwankungen/ Commodity-Risiken
Die Risiken im Zusammenhang mit Strompreisschwankungen, die Risikomanagementstrategie sowie
die Bilanzierung werden im Kapitel „Stromgeschäft“ erläutert.
Originäre Finanzinstrumente
Der Bestand an originären Finanzinstrumenten der Gesellschaft (Forderungen und Verbindlichkeiten
aus der Finanzierungstätigkeit, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
sowie Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens) lässt sich aus der Bilanz ablesen.
Detaillierte Informationen finden sich in den entsprechenden Angaben im Anhang zum Jahresabschluss.
Sämtliche Bestimmungen gemäß § 2 Abs. 4a Bundesfinanzierungsgesetz sind umgesetzt.
Derivative Finanzinstrumente
Die ÖBB-Infrastruktur AG setzt derivative Finanzinstrumente zur Absicherung von Zinsänderungsrisiken
sowie Preisänderungsrisiken von Stromprodukten ein. Die Konzernrichtlinien untersagen die Ausgabe
oder das Halten von Finanzinstrumenten zu spekulativen Zwecken. Derivative Finanzinstrumente wer-
den nur unter Bezugnahme auf ein Grundgeschäft abgeschlossen, zudem wurden durch Konzernricht-
linien die zulässigen Finanzgeschäfte definiert. Derivative Finanzinstrumente werden im Einklang mit
den UGB-Bilanzierungsvorschriften bewertet.
Absicherung Zins- und Fremdwährungsrisiko
Soweit es sich nicht um geschlossene Positionen handelt, werden entsprechend der isolierten Betrach-
tungsweise die negativen Marktwerte der derivativen Finanzinstrumente in Form einer Rückstellung be-
rücksichtigt. Im Geschäftsjahr 2023 abgeschlossene Devisentermingeschäfte zur Absicherung der
offenen Restpositionen der aufgelösten CBL-Transaktionen hatten zum 31.12.2023 keinen
wesentlichen beizulegenden Zeitwert.
Seite 43 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
31
Stromgeschäft
Der Bereich Energie der ÖBB‐Infrastruktur AG ist für die Beschaffung leitungsgebundener Energieträ-
ger sowie energienaher Produkte (Emissionszertifikate, Herkunftsnachweise) zuständig. Sämtliche die-
ser Produkte werden entweder an interne oder externe Kunden geliefert oder zum Betrieb des 16,7‐
Hz‐Bahnstromnetzes herangezogen. Preisschwankungen dieser Produkte beeinflussen die Aufwände
der ÖBB‐Infrastruktur AG und stellen somit ein Marktrisiko dar. Da rund zwei Drittel des benötigten
Bahnstroms und beinahe der gesamte Strom zur Versorgung der Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.) am
Strommarkt beschafft werden, ist die ÖBB‐Infrastruktur AG von Strompreisvolatilität stark betroffen.
Die Risikomanagementstrategie sieht daher eine Preisabsicherung vor.
Ein wesentliches Risiko bei der Beschaffung von Energie besteht in der Schwankung der Marktpreise.
Dies ist insbesondere auch vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die Verkaufspreise für Bahnstrom
sowie die Tarife für Betriebsanlagen für jedes Kalenderjahr bereits im vierten Quartal vor Lieferbeginn
fixiert oder die Tarife für die Bahnstromnetznutzung sogar noch ein Jahr früher erstmalig verlautbart
werden müssen. Daher ist es für die ÖBB‐Infrastruktur AG besonders relevant, die Preise im Vorfeld
bereits abgesichert bzw. fixiert zu haben. Die Preisabsicherung erfolgt mittels des Abschlusses von For-
wards (Handelsplattform) und Futures (Börse) für die geplanten Einkaufsmengen für Bahnstrom, Ver-
lustenergie und Betriebsanlagen. Neben der Absicherung der Preise dient die Absicherung aber auch
der Erhöhung der Planungssicherheit, welche als Basis der Preiskalkulation notwendig ist.
Vor dem Hintergrund der Beschaffungsstrategien und zur Risikodiversifizierung wurde seitens der
ÖBB‐Infrastruktur AG eine langfristige rollierende Beschaffung (Rolling Hedge) beschlossen. Der de-
finierte Beschaffungszeitraum variiert in Abhängigkeit von den gesicherten Grundgeschäften (bis zu drei
Jahre für Energie). Durch das Portfoliomanagement Energiewirtschaft muss zu definierten Zeitpunkten
ein bestimmter Prozentsatz der zu beschaffenden Menge (eine geforderte Eindeckung, die Soll‐Ein-
kaufsmenge) je Beschaffungsjahr eingekauft sein. Um die Preiserwartung des Portfoliomanagements
bei der Beschaffung einfließen zu lassen, wurde ein oberer und unterer Mengenkorridor definiert.
Abhängig von der Preiserwartung besteht die Möglichkeit, innerhalb des unteren und oberen Korridors
mehr oder weniger Menge als die Soll‐Einkaufsmenge preislich abzusichern. Am Ende des Beschaf-
fungszeitraums entfällt dieser Korridor, das heißt, die Soll‐Einkaufsmenge entspricht einer Eindeckung
zu 100%.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat Stromgeschäfte (langfristige Beschaffungsverträge, Stromforwards ein-
kaufs- und verkaufsseitig) abgeschlossen, wobei vor allem die Absicherung des Strombeschaffungs-
preises im Vordergrund steht. Insoweit langfristige Ein- und Verkaufskontrakte dazu abgeschlossen wur-
den, um einen für die Veräußerung oder den eigenen Gebrauch erwarteten Bedarf und damit geplanten
Stromeinkauf abzusichern, die Zweckwidmung von Anfang an und nach wie vor besteht und der Vertrag
mit den Stromlieferungen als erfüllt gilt, werden diese nicht als Derivate eingestuft, sondern als noch
nicht erfüllte Einkaufsverträge. Die maximale Laufzeit derartiger Stromforwards geht bis 2027.
Insofern abgeschlossene Ein- und Verkaufskontrakte durch gegenläufige Geschäfte geschlossen wur-
den, liegen Bewertungseinheiten vor. Liegt eine Bewertungseinheit vor, ist das Derivat am Bilanzstichtag
nicht gesondert zu bewerten: Bewertungsobjekt ist vielmehr das abgesicherte Grundgeschäft zusam-
men mit dem Derivat. Ist aus dem abgesicherten Grundgeschäft aufgrund der darauf anzuwendenden
Bewertungsbestimmungen ein Verlust zu erfassen, ist dabei die gegenläufige Wertentwicklung des De-
rivats zu berücksichtigen. Eine kompensierende Bewertung ist allerdings nur in jener Höhe zulässig, als
die Sicherungsbeziehung effektiv ist; der ineffektive Teil darf nicht berücksichtigt werden.
Grundsätzlich erfolgt im Rahmen der Widmung eines Derivates als Sicherungsinstrument eine prospek-
tive Effektivitätsmessung sowie zu jedem Bilanzstichtag eine retrospektive Effektivitätsmessung. Im
Zuge der Effektivitätsmessung muss nachgewiesen werden, dass die Wertänderung des Derivates zwi-
schen 80 % und 125 % der durch das abgesicherte Risiko verursachten Wertänderung des designierten
Grundgeschäfts beträgt. Bei den gebildeten Sicherungsbeziehungen handelt es sich um Micro-Hedges,
bei denen alle Parameter des Grundgeschäftes und des Absicherungsgeschäftes, die das Ausmaß der
abgesicherten Wertänderung bestimmen, identisch, aber gegenläufig sind. Dies ist ein Indikator für eine
prospektiv wie auch retrospektiv vollständig effektive Sicherungsbeziehung. Die Effektivität wurde ret-
rospektiv anhand der Change in Fair Value-Methode ermittelt, d.h. der Wertänderung des Sicherungs-
instruments wurde die Wertänderung des Grundgeschäfts gegenübergestellt.
Seite 44 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
32
Die Derivate aus geschlossenen Positionen beziehungsweise Derivate aus Stromgeschäften zur
Optimierung des Stromeinkaufsportfolios weisen zum 31.12.2023 negative Marktwerte von 47,2 Mio.
EUR (Vj. 113,2 Mio. EUR) auf, denen positive Marktwerte von 41,2 Mio. EUR (Vj. 104,9 Mio. EUR) im
Rahmen von effektiven Bewertungseinheiten gegenüberstehen.
Für negative Marktwerte für Derivate ohne Bewertungseinheiten wurde in Höhe von 19,3 Mio. EUR
(Vj. 56,7 Mio. EUR) mit einer Rückstellung vorgesorgt, welche in den „Sonstigen Rückstellungen“
enthalten ist.
Weiters wurden Einkaufskontrakte zur Absicherung geplanter Stromeinkäufe für bestehende Verkaufs-
verpflichtungen abgeschlossen, wobei es sich um eine Absicherung zukünftiger Zahlungsströme han-
delt. Bei der Bemessung des Drohverlustes aus derartigen Einkaufskontrakten mit negativem Marktwert
am Bilanzstichtag sind die gegenläufigen, erfolgswirksamen Cash Flows aus den unmittelbar damit ver-
bundenen am Bilanzstichtag abgeschlossenen Bahnstromlieferverträgen zu berücksichtigen. Zum
31.12.2023 haben die Derivate, die zur Absicherung der geplanten Stromeinkäufe und daher der Absi-
cherung zukünftiger Zahlungsströme dienen, positive Marktwerte von 10,1 Mio. EUR (Vj. 295,7 Mio.
EUR) und negative Marktwerte in Höhe von 76,4 Mio. EUR (Vj. 6,0 Mio. EUR). Aufgrund der Kompen-
sation durch gegenläufige erwartete Cash Flows von bestehenden Bahnstromlieferverträgen werden
diese Derivate nicht in der Bilanz erfasst.
Des Weiteren liegen Kauf- und Verkaufsderivate vor, welche dazu dienen das Stromportfolio optimal zu
bewirtschaften, die Absicherung an die Planeinkaufsmenge anzupassen oder aber das Einkaufsprofil
an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Hier liegt allerdings keine 1:1 Absicherung vor, sondern es
werden Gruppen von Grundgeschäften und Sicherungsgeschäften gebildet (Gruppen-Hedge). Diese
Gruppenbildung erfolgt für alle Stromeinkaufsderivate und Stromverkaufsderivate mit positiven und ne-
gativen Fair Values, welche im selben Monat in Lieferung gehen, über 50 Hertz Base abgeschlossen
wurden und deren Marktwerte sich aus dem EEX Settlement-Preis ergibt. Die Geschäfte unterliegen
daher einheitlichen Risikoparametern. Etwaige negative Marktwerte bis zur Schließung des Stromein-
kaufsderivates werden als Rückstellung erfasst.
Die Marktwertermittlung der Stromeinkaufs- und -verkaufsforwards zum Bilanzstichtag erfolgt auf Basis
von EEX (European Energy Exchange) Futures Notierungen, die unter Heranziehen aktueller Zinskur-
ven diskontiert werden. Die Marktwerte der Futures zum Bilanzstichtag erfolgt auf Basis der EEX Fu-
tures Notierungen. Die Anzahl der Kontrakte stellt sich wie folgt dar:
Jahr Kauf Verkauf Summe
2024
656 53 709
2025
204 1 205
2026
18 0 18
Die Einkaufskontrakte betreffen ein Volumen von 3.712.753 MWh (Vj. 4.408.232 MWh) und einen no-
minellen Kontraktwert von 491,7 Mio. EUR (Vj. 672,7 Mio. EUR). Die Verkaufskontrakte weisen ein
Volumen von 1.275.435 MWh (Vj. 1.553.158 MWh) und einen nominellen Kontraktwert von 175,9 Mio.
EUR (Vj. 359,9 Mio. EUR) aus.
Angaben zu nahestehenden Personen und Unternehmen
Lieferungen an bzw. von nahestehenden Unternehmen oder Personen
Nahestehende Unternehmen beinhalten Konzernunternehmen, die Aktionärin der ÖBB-Holding AG (Re-
publik Österreich) und die Mitglieder des Managements in Schlüsselpositionen (Mitglieder des Vorstan-
des und des Aufsichtsrates).
An die Mitglieder des Aufsichtsrates und des Vorstands wurden weder Vorschüsse noch Kredite ge-
währt, noch wurden zugunsten dieser Personen Haftungsverhältnisse eingegangen. Es gab keine
Dienstleisungs- oder Werkverträge mit den Mitgliedern des Aufsichtsrates und es wurden keine Ge-
schäfte mit den Mitgliedern der Geschäftsleitung getätigt. An Mitarbeiter:innen des Unternehmens wur-
den keine Kredite gewährt.
Seite 45 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
33
Mit Gesellschaften, an denen die Republik Österreich direkt oder indirekt Beteiligungen hält (z.B. Ös-
terreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH, OMV Aktiengesellschaft, Autobahnen- und
Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft, Telekom Austria AG, Verbund AG), die ebenfalls als
nahestehende Unternehmen einzustufen sind, bestehen Geschäftsbeziehungen zu fremdüblichen Be-
dingungen.
Der Verkauf von Waren/Dienstleistungen an nahestehende Unternehmen erfolgte zu fremdüblichen Be-
dingungen. Einkäufe wurden zu Marktpreisen abzüglich handelsüblicher Mengenrabatte sowie sonsti-
ger auf Basis der Geschäftsbeziehungen gewährter Rabatte getätigt.
Die Transaktionen mit Unternehmen im ÖBB-Konzern setzen sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2023
31.12.2022
Umsatzerlöse 910,7
643,0
Sonstige betriebliche Erträge 9,1
4,7
Gesamtaufwand 551,8
509,6
Der Umsatz (ohne Erlöse aus Verwertungsobjekten) mit Konzernunternehmen setzt sich im Wesentli-
chen aus dem Nutzungsentgelt für die Überlassung der Infrastruktur in Höhe von 411,9 Mio. EUR
(Vj. 337,1 Mio. EUR) sowie aus der Zurverfügungstellung von Energie in Höhe von 340,6 Mio. EUR
(Vj. 174,7 Mio. EUR) und Vermietungserlösen in Höhe von 45,2 Mio. EUR (Vj. 18,0 Mio. EUR) zusam-
men. Für Konzernunternehmen werden außerdem Instandhaltungs-, Wartungs-, konzerninterne Tele-
komleistungen, Buchhaltungsleistungen und sonstige Leistungen erbracht, welche sich ebenfalls in den
Umsatzerlösen in Höhe von insgesamt 61,5 Mio. EUR (Vj. 63,1 Mio. EUR) niederschlagen. Durch die
Erbringung von Terminalleistungen wurden innerhalb des Konzerns 9,2 Mio. EUR (Vj. 9,7 Mio. EUR)
verrechnet. Aus dem internen Personalverleih resultieren 13,4 Mio. EUR (Vj. 12,4 Mio. EUR) sowie
19,7 Mio. EUR (Vj. 19,6 Mio. EUR) aus dem Verkauf von sonstigem Material (wie Dienstkleider und
Schrott). Aus dem Bereich „Lehrlingswesen“ resultieren Umsätze in Höhe von 9,2 Mio. EUR (Vj. 8,3 Mio.
EUR).
Aus der Weiterverrechnung von Aufwendungen und Übrige Sonstige Erträge resultieren die Sonstigen
betrieblichen Erträge in Höhe von 9,1 Mio. EUR (Vj. 4,7 Mio. EUR).
Der Gesamtaufwand resultiert größtenteils aus Telekomleistungen in Höhe von 4,5 Mio. EUR
(Vj. 4,6 Mio. EUR), Instandhaltungs- und Wartungsleistungen von Konzernunternehmen in Höhe
von 85,6 Mio. EUR (Vj. 80,1 Mio. EUR), der Miete von Schienen- und Straßenfahrzeugen in Höhe von
56,7 Mio. EUR (Vj. 54,2 Mio. EUR), Transportleistungen in Höhe von 80,1 Mio. EUR
(Vj. 67,3 Mio. EUR), Mietaufwendungen in Höhe von 24,0 Mio. EUR (Vj. 19,5 Mio. EUR), Betriebskos-
ten in Höhe von 90,1 Mio. EUR (Vj. 83,5 Mio. EUR), der Verrechnung von Aus- und Fortbildungskosten
in Höhe von 4,1 Mio. EUR (Vj. 3,6 Mio. EUR), Verwaltungskosten in Höhe von 59,2 Mio. EUR
(Vj. 53,9 Mio. EUR), IT-Services und Wartung in Höhe von 51,0 Mio. EUR (Vj. 46,5 Mio. EUR) und
sonstigen weiterverrechneten Aufwendungen (Marketing, Reisekosten, Rechts- und Beratungskosten,
Post-, Bank- und Fernsprechgebühren, Schadensfälle, Aufwand für Sozialeinrichtungen u.ä.) in Höhe
von 96,5 Mio. EUR (Vj. 96,3 Mio. EUR).
Cash Pooling
Die Gesellschaft nimmt am Cash Pooling des ÖBB-Konzerns teil. Der Ausgleich der Liquiditätsspitzen
der teilnehmenden Gesellschaften gegen ein konzerninternes Masterkonto bewirkt ausschließlich einen
konzernalen, nach außen wirkenden Liquiditätssaldo und optimiert dadurch das Finanzergebnis des
Konzerns. Der Poolheader und Inhaber des Masterkontos ist die ÖBB-Finanzierungsservice GmbH.
Netting
Die Gesellschaft nimmt am Netting des ÖBB-Konzerns teil. Dieses System stellt den bargeldlosen Aus-
gleich von konzerninternen Forderungen und Verbindlichkeiten zu im Konzern festgelegten Terminen
sicher und optimiert damit die konzerninternen Verrechnungssysteme erheblich.
Seite 46 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
34
ÖBB-Holding AG
Seitens der ÖBB-Holding AG wurden im Berichtsjahr Leistungen ua in den Bereichen Controlling, Cor-
porate Affairs, Finanzen, Kommunikation, Produktion, Systemtechnik, Revision, Konzernrechnungswe-
sen, -bilanzierung, und –steuern, Strategie, Unternehmensentwicklung, Recht, Compliance sowie stra-
tegischer Konzerneinkauf, strategisches IT-Management, strategisches Personalmanagement und
Gleichstellungs-/Diversitymanagement erbracht, die mittels Einzelvereinbarungen oder im Umlagen-
wege zur Verrechnung gelangt sind.
Im Geschäftsjahr 2023 wurden der ÖBB-Infrastruktur AG rd. 3,5 Mio. EUR (Vj. rd. 1,5 Mio. EUR) ver-
rechnet, die von der ÖBB-Holding AG verrechnete Konzernumlage betrug rd. 20,0 Mio. EUR
(Vj. rd. 18,4 Mio. EUR).
ÖBB-Business Competence Center GmbH
Die ÖBB-Business Competence Center GmbH (BCC) erbringt als konzerninterne Servicegesellschaft
vorwiegend standardisierte, administrative Dienstleistungen sowie Services zu Informations-, Kommu-
nikations- und Bahntechnologien. In dieser Funktion unterstützt das BCC die operativen Kapitalgesell-
schaften bei der Erfüllung ihres Kerngeschäftes durch die Bündelung von Querschnittsmaterien.
Der Unternehmensbereich Business Competence Accounting Services führt das Rechnungswesen und
die Abrechnung grundsätzlich für alle österreichischen ÖBB-Gesellschaften durch, wobei nicht jede Ge-
sellschaft das volle Leistungsangebot in Anspruch nimmt. Die erwähnten Tätigkeiten umfassen die Ab-
rechnung und Debitorenbuchhaltung, Kreditorenbuchhaltung, sonstige mit dem Rechnungswesen ver-
bundene Dienstleistungen wie Zahlungsverkehr und Bankbuchhaltung, Working Capital Management
und Stammdatenbuchhaltung.
Darüber hinaus werden in den Unternehmensbereichen Human Resources, Einkauf, Service & Soziales,
Innovationen, Nachhaltigkeit sowie Inclusion & Diversity Dienstleistungen in den Bereichen Personal,
Sozial- und Wohlfahrtseinrichtungen, Konzerneinkauf, Innovationsunterstützung, Gleichstellungs-,
Disability- und Diversity-Management, Nachhaltigkeitsmanagement sowie Projekt- und Projektportfolio-
management im gesamten ÖBB Konzern erbracht.
Das Portfolio des Unternehmensbereichs Informations- und Kommunikationstechnologie und Partner-
management erstreckt sich vom Lösungsconsulting bis hin zu Lösungsentwicklung (basierend auf SAP-
Standardsoftware, unter Nutzung von Plattformen und mittels Individualsoftware) und umfasst zudem
den Betrieb der ICT-Rechenzentrumsleistungen sowie Kollaborations- und Dokumentenmanagement-
leistungen.
Jede der größeren Konzerngesellschaften (alle im Bundesbahngesetz genannten Gesellschaften sowie
die Österreichische Postbus AG) konsumiert nahezu alle von der ÖBB-Business Competence Center
GmbH angebotene Leistungen.
Mit den Konzerngesellschaften sind Gruppenvereinbarungen abgeschlossen worden, die die Bestellung,
Durchführung, Verrechnung und Abbestellung der zu erbringenden Leistungen regeln. Einzelvereinba-
rungen, welche über Standardvereinbarungen hinausgehen, werden mittels Individualvereinbarungen
abgedeckt, in denen die einzelnen Produkte detailliert beschrieben und mit Preisen versehen sind.
ÖBB-Werbung GmbH
Die ÖBB-Werbung GmbH koordiniert alle werblichen Aktivitäten des ÖBB-Konzerns und bündelt alle
extern zugekauften Werbeleistungen. Nach innen ist die ÖBB-Werbung GmbH ein Dienstleister für den
gesamten Bereich Marketing-Services, von der Kampagnenplanung über Werbemittelgestaltung und
Eventmanagement bis hin zum Producing und der Abwicklung konzernweiter Sponsorings. Sämtliche
bezahlten Medienaktivitäten des Konzerns werden durch die ÖBB-Werbung GmbH gebündelt und kauf-
männisch organisiert. Darüber hinaus ist die ÖBB-Werbung GmbH für die Einhaltung des Corporate
Designs zur Wahrung des einheitlichen Markenauftrittes verantwortlich. Weiters zeichnet sie sich ver-
antwortlich. für die Vermarktung aller ÖBB-eigenen sowie auch externen Werbeflächen an Dritte.
Seite 47 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
35
Tochtergesellschaften
ÖBB-Immobilienmanagement GmbH
Zwischen der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft und der Gesellschaft besteht ein Immobilienma-
nagementvertrag. Dieser Vertrag regelt die Verfügung über die Nutzungsrechte sowie die bestmögliche
Bewirtschaftung einschließlich der Verwaltung und Verwertung der Liegenschaften der ÖBB-Infrastruk-
tur AG, ausgenommen der Liegenschaften der Schieneninfrastruktur gemäß § 10a Eisenbahngesetz,
die für den Eisenbahnbetrieb und den Eisenbahnverkehr benötigt werden, und jener Liegenschaften,
die ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen für die Zurverfügungstellung sonstiger Leistungen im Sinne
des § 58 Eisenbahngesetz benötigt. Der Immobilienmanagementvertrag wurde bereits mehrmals er-
gänzt.
Zum Leistungsumfang gehören nunmehr insbesondere
die Betreuung der Gebäude, Verkehrsstationen und Grundstücke vor Ort durch den Objektbe-
treuer
Bahnhof- und Liegenschaftsmanagement
die kaufmännische Verwaltung von bebautem und unbebautem Grund
die Hochbau- und Liegenschaftsentwicklung
die Verwertung (Vermietung und Verkauf) von Liegenschaften
die Betreuung des Immobilienanlagevermögens für die ÖBB-Infrastruktur AG
die technische Bewirtschaftung
die Betreuung der Gebäude, Verkehrsstationen und Grundstücke vor Ort durch den
Objektbetreuer
Im Immobilienmanagementvertrag ist weiters die Vergütung für die von der Gesellschaft zu erbringen-
den Leistungen geregelt.
ÖBB Operative Service GmbH & Co KG (vorm. Mungos Sicher & Sauber GmbH & Co KG)
Seitens der ÖBB Operative Service GmbH & Co KG werden auf Österreichs Bahnhöfen Reinigungs-
leistungen, Sicherheits- und Serviceleistungen sowie die Vermittlung dieser Tätigkeiten erbracht, die
mittels Einzelvereinbarungen zur Verrechnung gelangen. Des Weiteren tritt die ÖBB Operative Service
GmbH & Co KG seit 01.09.2019 als Arbeitskräfteüberlasser auf.
Rail Equipment GmbH und Rail Equipment GmbH & Co KG
Die Rail Equipment GmbH und Rail Equipment GmbH & Co KG sind Gesamtdienstleister für schienen-
und straßengebundene (Spezial-) Fahrzeuge des ÖBB-Konzerns und betreiben ein professionelles
Fuhrparkmanagement mit Schwerpunkt auf:
• Beratung
• Beschaffung ökonomisch und ökologisch
• Finanzierung
• Services, Wartung, Reifen, Versicherung etc.
• Verwertung
Die Rail Equipment Gesellschaften stellen durch ein Reportingsystem eine optimale Kosten- und Infor-
mationstransparenz über alle anfallenden Fahrzeugkosten zur Verfügung.
Durch die neutrale Beratung, Bündelung der Beschaffung, sowie einer Ausrichtung der Wertschöpfungs-
kette an marktüblichen Bedingungen wird eine größtmögliche Kosteneffizienz erzielt. Darüber hinaus
unterstützen die Rail Equipment Gesellschaften mit der Bedienung der letzten Meile die strategische
Ausrichtung des ÖBB-Konzerns zum Gesamtmobilitätsdienstleister.
ÖBB-BE GmbH und ÖBB-BE GmbH & Co KG
Im Geschäftsjahr 2023 wurde die ÖBB-BE GmbH & Co KG mit dem Komplementär ÖBB-BE GmbH
gegründet. Der Zweck der Gesellschaft ist die Projektentwicklung, die Verwaltung und der Betrieb von
Anlagen zur Stromerzeugung, insbesondere von Windkraft- und Photovoltaikanlagen, die Erzeugung,
der Vertrieb, die Verteilung des erzeugten Stroms sowie die Erbringung energienaher Dienstleistungen.
Seite 48 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
36
Leistungsbeziehungen mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-Investitionen und
die Haftung des Bundes
Allgemein
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen, dessen Aufgaben im öffentlichen
Interesse liegen und in § 31 Bundesbahngesetz näher bestimmt sind. Die Grundlage für die
Finanzierung der Gesellschaft bildet § 47 Bundesbahngesetz, wonach der Bund dafür zu sorgen hat,
dass der ÖBB-Infrastruktur AG die zur Erfüllung ihrer Aufgaben und zur Aufrechterhaltung ihrer Liquidität
und des Eigenkapitals erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen, soweit die Aufgaben vom
Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz umfasst sind. Die in dieser Bestimmung vom Bund
gesetzlich normierte Zusage findet in den Zuschussverträgen nach § 42 (1) und (2) Bundesbahngesetz
ihre konkrete Umsetzung. Nach Verständnis der Vertragspartner ist das Ziel der Zuschussverträge,
unabhängig von der jeweiligen Vertragslaufzeit, die Werthaltigkeit der für die Aufgaben gemäß § 31
Bundesbahngesetz eingesetzten Vermögenswerte der ÖBB-Infrastruktur AG dauerhaft sicherzustellen,
womit auch dem gesetzlichen Auftrag des Bundesbahngesetzes entsprochen wird.
Die ÖBB-Infrastruktur AG trägt die Kosten für die Erfüllung ihrer Aufgaben. Hierzu leistet der Bund der
ÖBB-Infrastruktur AG gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz über deren Ersuchen insbesondere für den
Betrieb der Schieneninfrastruktur und deren Bereitstellung an die Nutzer insoweit und solange einen
Zuschuss, als die unter den jeweiligen Marktbedingungen von den Nutzern der Schieneninfrastruktur
zu erzielenden Erlöse die bei sparsamer und wirtschaftlicher Geschäftsführung anfallenden
Aufwendungen nicht abdecken, und gemäß § 42 (2) Bundesbahngesetz Zuschüsse zur Instandhaltung,
zur Planung und zum Bau von Schieneninfrastruktur.
Über die Zuschüsse gemäß § 42 (1) und (2) Bundesbahngesetz sind zwischen dem Bundesministerium
für Klimaschutz, Umwelt, Energie Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) im Einvernehmen mit
dem Bundesministerium für Finanzen (BMF) und der ÖBB-Infrastruktur AG zwei gesonderte Verträge
mit jeweils sechsjähriger Laufzeit abzuschließen, in denen der Zuschussgegenstand, die Höhe der dafür
zu gewährenden Zuschüsse, die allgemeinen und besonderen Zuschussbedingungen und die
Zahlungsmodalitäten festzulegen sind.
Die Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH (SCHIG) überwacht die Einhaltung der von
der ÖBB-Infrastruktur AG in den Zuschussverträgen gemäß § 42 Bundesbahngesetz übernommenen
Verpflichtungen. Die Überwachung bezieht sich auf eine sparsame, wirtschaftliche und zweckmäßige
Mittelverwendung bei der Planung, dem Bau, der Instandhaltung, der Bereitstellung und dem Betrieb
einer bedarfsgerechten und sicheren Schieneninfrastruktur.
Der Rahmenplan 2024 bis 2029 wurde von der Republik Österreich am 18.10.2023 im Ministerrat
beschlossen und dem Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG am 27.11.2023 vorgelegt.
Finanzierung der Infrastruktur
Der Zuschussvertrag gemäß § 42 (2) Bundesbahngesetz beruht auf dem gemäß § 42 (6)
Bundesbahngesetz von der ÖBB-Infrastruktur AG zu erstellenden Geschäftsplan. Ein Bestandteil des
Geschäftsplanes ist der von der ÖBB-Infrastruktur AG gemäß § 42 (7) Bundesbahngesetz zu
erstellende sechsjährige Rahmenplan, der jahresweise die Mittel für die Instandhaltung (insbesondere
Instandsetzung und Reinvestition) sowie für die Erweiterungsinvestitionen zu enthalten hat.
Geschäftsplan und Rahmenplan sind jährlich jeweils um ein Jahr zu ergänzen und auf den neuen
sechsjährigen Zeitraum anzupassen.
Gemäß Zuschussvertrag 2022 bis 2027 beträgt der durch den Bund zu übernehmende Anteil für
Erweiterungsinvestitionen und Reinvestitionen gemäß Rahmenplan 2022 bis 2027 (mit Ausnahme des
Brenner Basistunnels) 80% der jährlichen Investitionsausgaben, für welche Zuschüsse in Form einer
auf 30 Jahre umgelegten Annuität geleistet werden. Für das Projekt Brenner Basistunnel leistet der
Bund einen Zuschuss in Höhe von 100% in Form einer auf 50 Jahre umgelegten Annuität. Als Zinssatz
wird der jeweils aktuelle Satz für Langfristfinanzierungen der ÖBB-Infrastruktur AG herangezogen.
Der durch den Bund zu übernehmende Anteil für Erweiterungsinvestitionen (ohne Brenner Basistunnel)
und Reinvestitionen wird laufend überprüft und gegebenenfalls für die zukünftigen Zuschüsse an die
aktuellen Erfordernisse angepasst.
Seite 49 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
37
Für Inspektion und Wartung, Entstörung sowie Instandsetzung der von der ÖBB-Infrastruktur AG zu
betreibenden Schieneninfrastruktur leistet der Bund ebenfalls einen Zuschuss. Dessen Höhe wird unter
Berücksichtigung der Liquiditätserfordernisse auf Basis des Geschäftsplanes der ÖBB-Infrastruktur AG,
der vorgegebenen Begrenzung des Gesamtzuschusses gemäß § 42 Bundesbahngesetz und der
Erreichung der Zielvorgaben (Performance- bzw. Outputziele) laut Zuschussvertrag gemäß § 42 (1)
Bundesbahngesetz festgelegt. Änderungen der Funktionalität und/oder des Umfanges der von der
ÖBB-Infrastruktur AG zu betreibenden Schieneninfrastruktur haben eine Erhöhung oder Verminderung
des Zuschusses zur Folge. Vor derartigen Änderungen ist daher von der ÖBB-Infrastruktur AG das
Einvernehmen mit dem BMK und dem BMF herzustellen.
Im Jahr 2023 wurde auf Basis der gültigen Zuschussvereinbarung 2022-2027 gemäß § 42 (2) Bundes-
bahngesetz ein Zuschuss in Höhe von rd. 1.316,3 Mio. EUR (Vj. rd. 1.260,4 Mio. EUR) für Erweite-
rungs- und Reinvestitionen gewährt. Für Inspektion, Wartung und Entstörung wurde rd. 441,5 Mio. EUR
(Vj. rd. 430,7 Mio. EUR) gewährt.
Für Errichtungskosten des Brennerbasistunnels hat die ÖBB-Infrastruktur AG Kostenbeiträge in Höhe
von 150,0 Mio. EUR (Vj. 100,0 Mio. EUR) an die BBT SE geleistet. Die vertraglich mit dem Land Tirol
im Zuge des Anteilserwerbs vereinbarten Zahlungen, sowie die vom Bund an die ÖBB-Infrastruktur AG
geleisteten Zahlungen in Zusammenhang mit der Querfinanzierung Straße beliefen sich auf
rd. 55,0 Mio. EUR (Vj. 69,7 Mio. EUR).
Betrieb der Infrastruktur und Lehrlingskosten
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat dem BMK sowie dem BMF einen jährlichen Rationalisierungs- und Ein-
sparungsplan mit einer Vorschaurechnung vorzulegen.
Grundlage des Vertrags über den Zuschuss gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz ist insbesondere der
von der ÖBB-Infrastruktur AG auf sechs Jahre zu erstellende Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundes-
bahngesetz mit einer genauen Beschreibung der zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlichen Maßnah-
men zur bedarfsgerechten und sicheren Bereitstellung der Schieneninfrastruktur einschließlich der Zeit-
und Kostenpläne sowie der Rationalisierungspläne und einer Vorschau der Benützungs- und anderen
Entgelte.
Das BMK hat gemäß § 45 Bundesbahngesetz die SCHIG mit der Überwachung der Einhaltung der von
der ÖBB-Infrastruktur AG im Zuschussvertrag übernommenen Verpflichtungen beauftragt.
Durch diesen Zuschussvertrag werden die von der ÖBB-Infrastruktur AG im Zusammenhang mit dem
Zuschuss gemäß § 42 Bundesbahngesetz zu erreichenden Zielvorgaben definiert.
Die von der ÖBB-Infrastruktur AG konkret zu erreichenden Zielvorgaben gliedern sich insbesondere in
allgemeine, Qualitäts-, Sicherheits- und Effizienzzielvorgaben, die unter Bedachtnahme auf die gesetz-
lichen Aufgaben der ÖBB-Infrastruktur AG vereinbart werden; sie sind im zwischen Bund und der ÖBB-
Infrastruktur AG vereinbarten Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz festgelegt.
Die Einhaltung der sich für die ÖBB-Infrastruktur AG aus dem Bundesbahngesetz ergebenden Verpflich-
tung der Sicherung und der laufenden Verbesserung der Qualität und der Sicherheit der zu betreibenden
Schieneninfrastruktur wird im Zusammenhang mit der Zuschussgewährung über Kennzahlen bewertet.
Die jährlichen Zuschussbeträge sind, sofern zwischen ÖBB-Infrastruktur AG und Bund nichts anderes
vereinbart wird, im Zuge der Fortschreibung um den anteiligen Betriebsführungsaufwand für jene Schie-
neninfrastruktur zu reduzieren, die an andere Betreiber übertragen bzw. abweichend von den Bestim-
mungen zum Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz durch die ÖBB-Infrastruktur AG nicht
mehr betrieben wird.
Die gesamten gemäß § 42 Bundesbahngesetz im Jahr 2023 gewährten Zuschüsse betragen rd. 2.401,6
Mio. EUR (Vj. rd. 2.403,5 Mio. EUR). Der Zuschuss für Erweiterungs- und Reinvestitionsinvestitionen in
Höhe von rd. 1.316,3 Mio. EUR (Vj. rd. 1,221,0 Mio. EUR) wurde auf Grund der durchgeführten
Investitionsmaßnahmen und entsprechend der Zinsentwicklung in der Gewinn- und Verlustrechnung um
86,7 Mio. EUR (Vj. rd. 20,1 Mio. EUR) auf 1.403,0 Mio. EUR (Vj. rd. 1.241,0 Mio. EUR) erhöht. Der
Zuschuss für die Betriebsführung und Inspektion/Wartung/Entstörung und Instandsetzung in Höhe von
1.085,3 Mio. EUR (Vj. rd. 1.182,5 Mio. EUR) wurde durch eine Verbesserung in der operativen
Geschäftsabwicklung sowie der günstigeren Zinsentwicklung in der Gewinn- und Verlustrechnung in
Summe um rd. 411,1 Mio. EUR (Vj: 363,5 Mio. EUR) reduziert. Der auf die gemäß IAS 23 aktivierten
Seite 50 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
38
Zinsen entfallende Zuschuss in Höhe von 125,0 Mio. EUR (Vj. 104,2 Mio. EUR) ist als Investitionszu-
schuss zu sehen und dient zur Abdeckung künftiger Aufwendungen, die in Form von Abschreibungen
anfallen. Der Ausweis im Jahresabschluss erfolgt als Reduktion des Zuschusses gem. § 42 (1) Bundes-
bahngesetz und wird als Kostenbeitrag dargestellt. Somit wurde für Betriebsführung sowie Inspektion,
Wartung, Entstörung und Instandsetzung ein Betrag in Höhe von 674,2 Mio. EUR (Vj. rd. 822,1 Mio.
EUR) ertragswirksam ausgewiesen. Die abgegrenzten Beträge im Zusammenhang mit den Zuschüssen
für Erweiterungs- und Reinvestitionen in Höhe von rd. 91,8 Mio. EUR (Vj. rd. 24,3 Mio. EUR) sowie im
Zusammenhang mit der Betriebsführung und Lehrlingsausbildung in Höhe von rd. 118,8 Mio. EUR
(Vj. rd. 70,4 Mio. EUR) werden unter den sonstigen Verbindlichkeiten ausgewiesen, der abgegrenzte
Betrag aus der Instandhaltung in Höhe von 2,6 Mio. EUR (Vj. 15,9 Mio. EUR) in der passiven Rech-
nungsabgrenzung. Die Spitzabrechnung der Annuität des Brennerbasistunnels ergibt einen Tilgungsan-
teil für die ÖBB-Infrastruktur AG in Höhe von 5,1 Mio. EUR (Vj. 4,2 Mio. EUR), welcher in der passiven
Rechnungsabgrenzung ausgewiesen wird.
Die Entwicklung der Zuschüsse im Jahr 2023 stellt sich demnach wie folgt dar:
Gesamter
Abgrenzungen und
Ertragswirksam
Zuschuss
Rückzahlungen 2023
§ 42 Abs. 1 Betriebsführung 643,8
-413,7
230,1
§ 42 Abs. 2 Inspektion/Wartung/Entstörung und Instandsetzung 441,5
2,6
444,1
Summe Zuschuss des Bundes gem. §42 Abs.1 und §42 Abs. 2 BBG 1.085,3
-411,1
674,2
§ 42 Abs. 2 Erweiterungs- und Reinvestitionen, Nutzungsentgelt 1.316,3
86,7
1.403,0
Summe Zuschuss des Bundes Schieneninfrastruktur §42 Abs. 2 BBG
1.316,3
86,7
1.403,0
Summe sonstiger betrieblicher Ertrag 2.401,6
-324,4
2.077,2
Im Berichtsjahr wurde im Dezember ein Betrag in Höhe von 645,0 Mio. EUR an den Bund zurückbezahlt.
Die Rückzahlung betrifft sowohl zum 31.12.2022 bereits bilanzierte Verbindlichkeiten als auch im Jahr
2023 erhaltene Bundeszuschüsse.
Vorjahr:
Gesamter
Abgrenzungen und
Ertragswirksam
Zuschuss
Rückzahlungen 2022
§ 42 Abs. 1 Betriebsführung 751,8
-344,6
407,3
§ 42 Abs. 2 Inspektion/Wartung/Entstörung und Instandsetzung 430,7
-15,9
414,8
Summe Zuschuss des Bundes gem. §42 Abs.1 und §42 Abs. 2 BBG 1.182,5
-360,4
822,1
§ 42 Abs. 2 Erweiterungs- und Reinvestitionen, Nutzungsentgelt 1.221,0
20,1
1.241,0
Summe Zuschuss des Bundes Schieneninfrastruktur §42 Abs. 2 BBG
1.221,0
20,1
1.241,0
Summe sonstiger betrieblicher Ertrag 2.403,5
-340,3
2.063,1
Die vom Bund übernommenen Haftungen für Verbindlichkeiten der Gesellschaft betragen insgesamt
zum 31.12.2023 7,9 Mrd. EUR (Vj. 8,8 Mrd. EUR).
Darüber hinaus werden von den Bundesländern und Gemeinden regelmäßig Kostenbeiträge im Zusam-
menhang mit Investitionsvorhaben an die Gesellschaft geleistet, welche sich im Berichtsjahr auf
109,8 Mio. EUR (Vj. 53,1 Mio. EUR) belaufen.
Personalstand
Anzahl Mitarbeiter:innen (nach Köpfen) Summe 31.12.2023
Summe 31.12.2022
Durchschnitt 2023
Durchschnitt 2022
Angestellte 5.563
4.980
5.314
4.768
Arbeiter 3.251
3.050
3.228
3.007
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung 6.090
6.827
6.457
7.184
Lehrlinge 1.563
1.498
1.354
1.349
Gesamt 16.467
16.355
16.353
16.308
Seite 51 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
39
Anzahl Mitarbeiter:innen FTE Summe 31.12.2023
Summe 31.12.2022
Durchschnitt 2023
Durchschnitt 2022
Angestellte 5.433
4.860
5.185
4.658
Arbeiter 3.240
3.041
3.217
2.999
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung 5.968
6.687
6.326
7.039
Lehrlinge 1.563
1.498
1.354
1.349
Gesamt 16.204
16.087
16.083
16.045
Aufwendungen für den Abschlussprüfer
Hinsichtlich der Aufwendungen für den Abschlussprüfer wird auf die Angaben im Jahresfinanzbericht
des Konzerns der ÖBB-Infrastruktur AG verwiesen.
Seite 52 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
40
Die Organe der ÖBB-Infrastruktur AG
Vorstandsmitglieder und –bezüge
Dipl.-Ing.
in
Judith Engel, MBA, MSc, MSc (Ressort Netzausbau und Infrastrukturbereitstellung)
Dipl.-Ing. Dr. Johann Pluy (Ressort Betrieb, Markt, Digitalisierung)
Mag.
a
Silvia Angelo (Ressort Finanzen, Services, Immobilien)
Der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG besteht an beiden Bilanzstichtagen aus drei Mitgliedern. Den
Mitgliedern des Vorstands wurden weder Vorschüsse und Kredite gewährt, noch wurden zugunsten
dieser Personen Haftungsverhältnisse eingegangen. Für die gewährten Gesamtbezüge des Vorstands
wurden für die in den Berichtsjahren aktiven Vorstände gemäß § 266 Z 2 UGB rd. 1.156 TEUR
(Vj: rd. 1.115 TEUR) aufgewendet, die auch variable Komponenten und Sachbezüge sowie 2022 nach-
trägliche variable Zahlungen für Vorperioden für ein ausgeschiedenes Vorstandsmitglied enthalten. Ge-
setzliche Beiträge an die Vorsorgekasse für Mitarbeiter:innen wurden über rd. 18 TEUR
(Vj: rd. 15 TEUR) geleistet. Die Urlaubsrückstellungen erhöhten sich um rd. 2 TEUR von rd. 38 TEUR
auf rd. 40 TEUR. An Pensionskassen wurden rd. 80 TEUR (Vj: rd. 80 TEUR) entrichtet. Die Rückstel-
lungen betreffend Zielvereinbarungen betragen zum 31.12.2023 rd. 415 TEUR (Vj: rd. 407 TEUR). Für
ehemalige Vorstandsmitglieder fielen Pensionszahlungen in Höhe von rd. 48 TEUR (Vj: rd. 45 TEUR)
an. Die Rückstellungen für Pensionen wurden um rd. 76 TEUR erhöht (Vj: rd. 331 TEUR verringert).
Die Gesamtvergütung der Mitglieder des Vorstands setzt sich aus einer fixen und einer variablen Kom-
ponente zusammen. Die Höhe der jährlichen variablen Komponenten richtet sich nach der Erreichung
von Zielen, die zu Beginn des Geschäftsjahres mit dem Präsidium des Aufsichtsrats vereinbart werden.
In den Anstellungsverträgen der Topführungskräfte (Vorstände der Mutterunternehmen und Geschäfts-
führer von Gesellschaften in ähnlichen Ebenen) wurde eine leistungsorientierte Komponente vereinbart,
wodurch sich der Erfolg des Unternehmens maßgeblich auf die Entlohnung niederschlägt. Grundsätz-
lich erhalten die Top-Führungskräfte einen Lohnbestandteil von 2/3 als Fixum und einen Bestandteil von
1/3 als erfolgsabhängige Komponente. Zwecks Zieldefinition wird jährlich am Beginn des Geschäftsjah-
res individuell je Gesellschaft eine Score Card erstellt, in der klar vereinbarte, hauptsächlich quantitative
Zielgrößen festgelegt werden. Die Zielgrößen orientieren sich am Erfolg des ÖBB-Infrastruktur-Kon-
zerns. Die tatsächlich ausbezahlten variablen Lohnbestandteile sind in den oben genannten Bezügen
des Vorstands bereits eingerechnet.
Die Vorstandsmitglieder der ÖBB-Infrastruktur AG nehmen an einem beitragsorientierten außerberieb-
lichen Pensionskassenmodell teil. Eine Pensionszusage seitens des Unternehmens gibt es nicht.
Seite 53 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang I Lagebericht
41
Aufsichtsratsmitglieder und –bezüge
Mag.
a
Manuela Waldner
ab 18.07.2023
Vorsitzende
Dipl. Ing. Herbert Kasser
bis 17.07.2023
Vorsitzender
ab 18.07.2023
1.
Stellvertreter de
r
Vorsitzenden
Mag. Arnold Schiefer bis 30.06.2023 1. Stellvertreter des Vorsitzenden
Mag.
a
Iris Appiano-Kugler
2.
Stellvertreterin des Vorsitzenden
DI
in
Claudia Nutz
Mag.
a
Waltraud Schmid
Mag. Georg Schöppl
Günter Blumthaler bis 14.02.2023 Belegschaftsvertreter
Gerhard Siegl ab 14.02.2023 Belegschaftsvertreter
Karl Buchheit bis 31.12.2023 Belegschaftsvertreter
Peter Dyduch Belegschaftsvertreter
Josef Salfelner ab 01.01.2024 Belegschaftsvertreter
Gemäß der Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG kann den Aufsichtsrats-
mitgliedern eine Vergütung zuerkannt werden.
Die Basisvergütung für ein Aufsichtsratsmandat beträgt 14 TEUR pro Jahr. Zusätzlich erhält das Auf-
sichtsratsmitglied für jede Sitzung eines Aufsichtsrats, des Präsidiums oder eines Ausschusses ein Sit-
zungsgeld in der Höhe von 800 EUR. Der bzw. die Vorsitzende eines Aufsichtsrats erhält die doppelte
Basisvergütung. Mitglieder des Aufsichtsrats, die Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer:innen, Beleg-
schaftsvertreter:innen oder Dienstnehmer:innen im ÖBB-Konzern sind, erhalten keine Aufsichtsratsver-
gütungen.
Die Aufsichtsratsvergütungen der Kapitalvertreter der Aufsichtsratsmitglieder für ihre Tätigkeit in der
ÖBB-Infrastruktur AG betrugen rd. 135,3 TEUR (Vj: rd. 147,2 TEUR).
Ereignisse nach dem Bilanzstichtag
Mit Beschluss des Nationalrates vom 5. Juli 2023 betreffend das Bundesgesetz über die Übertragung
des Teilbetriebes Infrastruktur der Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH an die ÖBB-Infrastruk-
tur AG (GKB-Infrastruktur-Übertragungsgesetz), veröffentlicht im Bundesgesetzblatt Nr.95/2023 wurde
die gesetzliche Basis für die Zusammenführung der Schieneninfrastruktur in der ÖBB-Infrastruktur AG
geschaffen.
Die Übertragung erfolgt nach § 17 SpaltungsG (Abspaltung zur Aufnahme) mit Spaltungsstichtag
31.12.2023 und Aufnahme zum 1.1.2024.
Ergebnisverwendung
Es wird vorgeschlagen, den Bilanzgewinn 2023 in Höhe von 258.200.751,31 EUR auf neue Rechnung
vorzutragen.
Seite 54 von 366
Seite 55 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
Lagebericht zum
Jahresabschluss der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
für das Geschäftsjahr
2023
Seite 56 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
A. Struktur ...................................................................................................................................................... 1
B. Wirtschaftsbericht ...................................................................................................................................... 3
B.1. Gesamtwirtschaftliches Umfeld und Trends .............................................................................................. 3
B.2. Marktumfeld, Branchenentwicklung und Trends ........................................................................................ 9
B.3. Wirtschaftliche Entwicklung ..................................................................................................................... 14
C. Forschung und Entwicklung .................................................................................................................... 28
D. Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns .............................................................................................. 31
E. Konzernbeziehungen ............................................................................................................................... 40
F. Chancen- und Risikobericht .................................................................................................................... 43
G. Nichtfinanzielle Erklärung ........................................................................................................................ 51
H. Anmerkung zum Lagebericht ................................................................................................................... 52
I. Berechnung der Kennzahlen ................................................................................................................... 52
J. Erklärung des Vorstandes ....................................................................................................................... 53
Seite 57 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
1
L A G E B E R I C H T 2023
A. Struktur
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat einerseits die Nutzung und die Bereitstellung der österreichischen
Schieneninfrastruktur wirtschaftlich, effizient und für alle Eisenbahnverkehrsunternehmen diskriminie-
rungsfrei sicherzustellen. Andererseits errichtet der ÖBB-Infrastruktur-Konzern österreichische Schie-
neninfrastruktur im Auftrag der Republik Österreich. Die Finanzierung der Investitionen für den Schie-
neninfrastrukturausbau wird über den erwirtschafteten Cashflow, über Fremdkapital sowie Haftungen
und Zuschüsse des Bundes auf Basis mehrjähriger Rahmenpläne sichergestellt. Die Verwaltung, Ent-
wicklung und Verwertung der Immobilien des ÖBB-Konzerns werden durch die Tochtergesellschaft der
ÖBB-Infrastruktur AG, die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH wahrgenommen.
Die ÖBB-Infrastruktur AG betreibt ein zertifiziertes integriertes Managementsystem (IMS), welches die
Verbesserung in den Bereichen, Qualität, Umwelt- und Arbeitnehmer:innenschutz, betriebliche Sicher-
heit und Asset-Management unterstützt und überwacht. Das IMS umfasst die ÖBB-Infrastruktur AG inkl.
Tochtergesellschaften mit 100% Beteiligung.
Die Wirksamkeit des IMS wird laufend durch ein akkreditiertes Zertifizierungsunternehmen geprüft. Un-
ternehmensintern unterstützen interne Audits, die Ideenwerkstatt, die Normkonformität sowie eine kon-
tinuierliche Verbesserung sicherzustellen. Dabei wird dem üblichen Managementkreislauf „Plan – Do –
Check – Act“ Rechnung getragen.
Maßnahmen, Ziele und Wirksamkeit des integrierten Managementsystems werden laufend im Zuge der
implementierten Steuerungslogik (z. B. Plattform Qualität, Plattform Umwelt und Nachhaltigkeit, Sicher-
heitsmanagementsystem, Arbeitnehmer:innenschutzplattform) geprüft. Bei festgestellten Abweichun-
gen und Risiken werden über die entsprechenden Gremien korrigierende Maßnahmen gesetzt. Darüber
hinaus werden im Rahmen einer jährlichen „Managementbewertung“ dem Vorstand der ÖBB-Infrastruk-
tur AG wesentliche Ergebnisse und Schwerpunkte des IMS zur Kenntnis gebracht und dabei gegebe-
nenfalls erforderliche strategische Entscheidungen zur Weiterentwicklung beschlossen. Für den Audi-
tzyklus 2023 / 2024 wurden beispielsweise Weiterentwicklungen in den Bereichen der Digitalisierung
(„IMS-Portal”,, Reporting in der Datenbank „Maßnahmenmanagement”, „Behördenschreiben Digital”
und „Vertrauliches Meldewesen”), die Durchführung von Prozessaudits, die Ausweitung der SVP-Grund-
kurse für Lehrlinge, konkret definierte Schwerpunkte bei SFK-Begehungen, die Steigerung der Kommu-
nikation zu „Gesundheit auf Schiene” und die Erwirkung der neuen Sicherheitsgenehmigungen für die
Schweiz und Liechtenstein beauftragt.
Die ÖBB-Infrastruktur AG und ihre Tochtergesellschaften sind gemäß den nachfolgend angeführten
Normen zertifiziert.
Die Muttergesellschaft Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft (fortan ÖBB-Holding
AG) ist eine Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht. Der Sitz der Gesellschaft ist Am Haupt-
bahnhof 2, A-1100 Wien, und die Gesellschaft ist in dem beim Handelsgericht Wien geführten Firmen-
buch unter der FN 247642f eingetragen. Der Bund hält sämtliche Anteile der ÖBB-Holding AG, diese
hält sämtliche Anteile der ÖBB-Infrastruktur AG. Die ÖBB-Infrastruktur AG ist ebenfalls eine Aktienge-
sellschaft nach österreichischem Recht und ist beim Handelsgericht Wien mit der Firmenbuchnummer
FN 71396w registriert. Der Sitz der Gesellschaft ist Praterstern 3, A-1020 Wien. Hinsichtlich weiterer
geforderter Angaben in § 243a(1) UGB wird auf die Erläuterungen zum Konzernabschluss verwiesen.
Betreffend der Angaben in § 243a(2) UGB siehe Kapitel F. Chancen- und Risikobericht.
Seite 58 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
2
Die ÖBB-Infrastruktur AG stellt nicht nur die österreichische Schieneninfrastruktur zur Verfügung, son-
dern ist auch Arbeitgeber für insgesamt 16.467 MitarbeiterInnen. Die ÖBB-Infrastruktur AG arbeitet mit
Partnern in den folgenden Bereichen zusammen:
– Bau
– Transport
– Technische Betriebsmittel
– Informationstechnologie und Telekommunikation
– Facility-Management
– Büromaterial
– Entsorgung etc.
Seite 59 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
3
B. Wirtschaftsbericht
B.1. Gesamtwirtschaftliches Umfeld und Trends
Globale Wirtschaftsentwicklung
Die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2023 war geprägt von der Erholung nach der COVID-19-Pan-
demie sowie den Folgen des Krieges in der Ukraine. Vor allem Letzterer hatte im Jahr 2022 massive
Steigerungen der Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreise ausgelöst sowie zu hohen Inflationsraten
und konjunkturellen Verwerfungen geführt. Auf diesen Preisanstieg hatten die Notenbanken, allen voran
FED und EZB, mit drastischen Zinserhöhungen bis ins Jahr 2023 hinein reagiert, um die Nachfrage
abzukühlen und damit die Inflation zu bremsen.
Vor diesem Hintergrund zeigte sich die Weltwirtschaft 2023 mit einem Wachstum des globalen BIP von
3,0% erstaunlich resilient. Für 2024 wird ein Wachstum von 2,9% vorhergesagt. Allerdings liegen die
Wachstumsraten damit noch unter dem Prä-COVID-19-Durchschnitt von 3,8% (2000-2019).
1
Wirtschaftsentwicklung weltweit (Änderungen gegenüber dem Vorjahr in %)
Quelle: IWF, Oxford Economics.
Ein Eckpfeiler der globalen Konjunktur war das Wachstum in den USA, das mit 2,1% stärker als erwartet
ausfiel. Ein „Shutdown” der Verwaltung durch Erreichen der Schuldenobergrenze im ersten Halbjahr
2023 konnte vermieden werden. Die im Vergleich zur Eurozone frühzeitige Straffung der Geldpolitik
sorgte für eine Rückführung der Inflation, ohne dass die USA in eine Rezession rutschten. Die Arbeits-
losenrate befand sich im Dezember 2023 mit 3,7% weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau, wobei
der akute Arbeitskräftemangel, der 2022 noch für einen starken Preisdruck gesorgt hatte, nachließ.
2
Die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verlief im vergangenen Jahr hingegen weniger positiv.
Nach der Insolvenz des Konzerns Evergrande im August 2023 befand sich die Immobilienwirtschaft,
früher einer der Haupttreiber des Wachstums in China, auf Talfahrt. Deflationäre Tendenzen und eine
hohe Jugendarbeitslosigkeit dämpfen den Ausblick und das Vertrauen der Verbraucher:innen in die chi-
nesische Wirtschaft ist stark gesunken. Jährliche Wachstumsraten über 6,0%, wie sie vor der Pandemie
üblich waren, scheinen mittelfristig unerreichbar. Dies hat auch Implikationen für die Entwicklung des
Warenhandels mit dem Fernen Osten.
3
Im internationalen Warenhandel war 2023 mehrheitlich von einer Entspannung geprägt. Nach den tur-
bulenten Pandemiejahren kehrte der Seehandelsverkehr im Jahresverlauf zur Normalität zurück. Der
CCFI-Index, der Containerfrachtraten von und nach China misst, lag 2023 im Durchschnitt der Monats-
endwerte bei 933 Indexpunkten – ein Minus von 65,4% gegenüber 2022. Der Global Supply Chain
Pressure Index (GSCPI) lag zwischen Februar und Ende 2023 bei einem Wert unter oder marginal über
1
IWF.
2
FRED, J.P.Morgan.
3
FRED, der Standard, DW.
Seite 60 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
4
0, was keine signifikanten Lieferkettenstörungen im Welthandel bedeutet.
4
Allerdings sorgten zu Jah-
resende 2023 Angriffe auf Frachtschiffe im Roten Meer zu großräumigen Umleitungen und einem erneut
deutlichen Anstieg der Spotraten.
5
Entwicklung von Transportpreisen und Börsenindizes
Preisentwicklung für Rohstoff- und Containertransporte DAX und Dow Jones (Index 2020=100)
Baltic Dry und CCFI Index (Indexpunkte)
Quelle: investing.com, container-news, finanzen.at
Die Entwicklung auf den Energiemärkten verlief 2023 turbulent. Insgesamt war eine Entspannung zu
beobachten, insbesondere bei den Gaspreisen. Jedoch sorgte das Commitment des Kartells OPEC+,
die Fördermengen zu reduzieren, auf dem Ölmarkt zwischenzeitlich wieder für einen signifikanten Preis-
anstieg. Nach einem relativ niedrigen Ölpreis (Brent) zwischen 70 und 80 Dollar pro Barrel im Juni 2023
stiegen die Preise bis Ende des dritten Quartals 2023 auf über 95 Dollar. Bis zum Jahresende kam es
trotz der Unruhen im Nahen Osten jedoch wieder zu einem Rückgang auf unter 80 Dollar je Barrel. Der
weltweite Erdgaspreis pro MMBtu (Million British Thermal Units) bewegte sich zwischen knapp unter 10
Dollar im Sommer 2023 und 20 Dollar zum Ende des Jahres 2023. Damit lag der Preis zwar deutlich
über dem Niveau vor 2022, es ist aber auch eine eindeutige Entspannung zum Erdgaskrisenjahr 2022
– mit Zwischenhochs von bis zu 70 Dollar – erkennbar.
6
Die Finanzmärkte zeigten sich von den turbulenten Entwicklungen der Realwirtschaft weitgehend un-
berührt. So blieben trotz der zum Teil deutlichen Zinsschritte der Notenbanken die Realzinsen ange-
sichts der hohen Inflationsraten weiterhin negativ. Die Verluste der wichtigsten Aktienindizes im Zuge
der Ukrainekrise wurden im Jahr 2023 mehr als wettgemacht. Positive Aussichten für die Weltwirtschaft
und das Zinsniveau sowie eine boomende Technologiebranche in Amerika führten zu einem Allzeithoch
von DAX und Dow Jones im Dezember 2023.
7
Die fiskalische Situation vieler Staaten bleibt angespannt. Einerseits reduzierte die starke Inflation die
Schuldenquoten in vielen Ländern erheblich. Die Leitzinsen erhöhen jedoch mittelfristig die Kosten des
Schuldendienstes deutlich. Die weltweite Staatsschuldenquote tendiert bis 2025 zu knapp unter 10,0%
des BIP. Der IWF schätzt, dass Staaten mit niedrigen und mittleren Einkommen bis 2027 im Durchschnitt
10,0% ihrer Steuerbasis für Zinsen aufwenden werden müssen. Dazu kommen die Herausforderungen
der „Grünen Transformation”, die weltweit große Investments verlangt.
Der Ausblick für die nahe Zukunft ist verhalten positiv. Das Ziel einer „weichen Landung”, bei der die
Inflation auf den Normalwert sinkt, ohne dass die Weltwirtschaft in eine Rezession schlittert, scheint
erreicht. Abwärtsrisiken für die nächsten Jahre kommen vor allem aus China. Das Risiko einer Finanz-
krise im Stil des Jahres 2008 besteht weiterhin. Eine solche hätte weitreichende Auswirkungen auf die
weltweite Nachfrage nach Gütern. Darüber hinaus ist infolge der angespannten geopolitischen Situation
(Krieg in der Ukraine, hegemoniale Bestrebungen Chinas, Spannungen im Nahen Osten) das Risiko
4
New York Fed.
5
Die Presse.
6
Tagesschau.
7
FAZ, CBS.
0
500
1 000
1 500
2 000
2 500
3 000
3 500
4 000
1 2 3 4 5 6 7 8 9 101112 1 2 3 4 5 6 7 8 9 101112
2022 2023
Baltic Dry
CCFI
95
105
115
125
135
145
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 1 2 3 4 5 6 7 8 9 101112
2022 2023
Dow Jones
DAX
Seite 61 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
5
von Rohstoffpreisschwankungen wieder gestiegen. Sollten sich diese Risiken nicht manifestieren, ste-
hen die Zeichen der Weltwirtschaft auf Wachstum.
Europäische Wirtschaftsentwicklung
Ähnlich wie die Weltwirtschaft erwies sich auch die europäische Wirtschaft im Jahr 2023 überraschend
resilient. Zwar war die Binnennachfrage insbesondere beim Privatkonsum aufgrund der hohen Inflation
eher schwach. Jedoch kamen vom außergewöhnlich starken Arbeitsmarkt und den sinkenden Energie-
preisen positive Impulse. Als Folge der geldpolitischen Straffung gingen auch die Kreditvergabe und
damit einhergehend die Investitionen zurück. Insgesamt lag das Wirtschaftswachstum in der EU nach
aktuellem Stand 2023 bei 0,6%. Für 2024 wird ein Wachstum knapp über 1,0% erwartet. Tendenziell ist
eine Umkehr des Trends der Prä-COVID-19-Jahre zu erkennen. Die erwarteten Wachstumsraten sind
in südeuropäischen Ländern wie Spanien und Griechenland höher als beispielsweise in Deutschland
und Österreich.
Die europäische Wirtschaft 2023 war weiterhin mit hohen Inflationsraten konfrontiert. Die restriktive
Geldpolitik seitens der EZB und den anderen Zentralbanken in der EU trägt jedoch Früchte. In der Eu-
rozone sank die Inflationsrate (laut HVPI) deutlich von 8,4% auf 5,6%. In den europäischen Ländern
außerhalb der Eurozone war die Inflation teilweise noch höher. Beispielsweise lag die durchschnittliche
Inflation in Ungarn und Polen noch bei 17,2% bzw. 11,1%. Ursprünglich waren die hohen Energiepreise
zu einem Gutteil für die Inflation verantwortlich, mittlerweile ist es jedoch ein deutlich größerer Teil des
Warenkorbes, der die Inflation treibt. So betrug die Kerninflation (ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol
und Tabak) im Kalenderjahr 2023 in der Eurozone 5,1%. Als Reaktion auf die hohe Inflation wurde der
EZB-Leitzins weiter schrittweise von 2,5% zu Jahresbeginn auf 4,5% ab September 2023 erhöht. Der
Markt erwartet jedoch, dass der aktuelle Zinssatz von 4,5% nicht überschritten wird. Mit einem Abkühlen
der Inflation sind aber eventuell schon ab der Mitte des Jahres 2024 Zinsschritte nach unten möglich.
8
Das Schreckensszenario einer Gasknappheit im Winter 2022 / 23 infolge des Ukrainekrieges realisierte
sich nicht. Ein milder Winter sowie Energiesparmaßnahmen in Europa drosselten den Gasverbrauch
zwischen August 2022 und Jänner 2023 um 19% im Vergleich zu derselben Periode im Vorjahr. Darüber
hinaus wurde der Import aus anderen Ländern (wie z. B. den USA und Katar) auf dem Seeweg verstärkt.
Russland bleibt jedoch mittelfristig eine wichtige Gasquelle für Europa. Aufgrund des Merit-Order-Sys-
tems schlugen sich die weltweit hohen Gaspreise auf die Strompreise in weiten Teilen Europas nieder.
So lag der deutsche Strompreis für Nichthaushalte im 1. Halbjahr 2023 um 138,0% über dem Wert im
ersten Halbjahr 2021. Zwar lag der Strompreis in der zweiten Jahreshälfte 2023 deutlich unter dem
Krisenniveau im Winter 2022 / 23, jedoch gehen die Märkte mittelfristig von einem anhaltend höheren
Strom- und Gaspreis in Europa aus.
9
Die hohen Energiepreise und die gestiegenen Finanzierungskosten schlugen sich auch in der Indust-
riekonjunktur nieder. Die Industrieproduktion in der Eurozone verringerte sich im Jahr 2023 um 1,0%.
Besonders heftig traf es die energieintensiven Branchen wie Holz-, Papier- und Chemie, in denen die
Wertschöpfung real um 7,0% bis 10,0% zurückging. Der Ausreißer unter den Industriebranchen ist die
Autoindustrie. Sie erzielte 2023 eine 11,0% höhere Wertschöpfung im Vergleich zum Vorjahr, lag damit
aber trotzdem noch unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Die Industrie strauchelt insbesondere in
Deutschland und Italien, bei den beiden größten Handelspartnern Österreichs. Die deutsche Industrie
hat sich seit 2019 signifikant schlechter als der Eurozonenschnitt entwickelt und konnte auch 2023 nicht
den realen Vorkrisen-Output erreichen. In Italien ging der industrielle Output 2023 um 2,3% zurück.
10
Äußerst heterogen verläuft auch die Konjunktur in den Mittel-, Ost- und südosteuropäischen Ländern.
Im Zuge der Abkühlung der Industriekonjunktur rutschten Länder wie Tschechien und Ungarn in die
Rezession. Hingegen profitierten Tourismusnationen wie Griechenland und Kroatien vom robusten Rei-
severhalten. Für 2024 werden für die Staaten der RCG-Kernmärkte wieder durchgängig positive Wachs-
tumsraten, teilweise über 2,0%, erwartet. Insgesamt bleibt die positive Entwicklung Südosteuropas auch
ein Lichtblick für Österreichs Wirtschaft.
11
8
Europäische Kommission, EZB.
9
Tagesschau, destatis, Oxford Economics.
10
Oxford Economics, Europäische Kommission.
11
WIIW, Oxford Economics.
Seite 62 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
6
In Europa ist die Situation der Staatsfinanzen angespannt – in doppelter Hinsicht. Ausgabenseitig waren
die Hilfsprogramme im Zuge der COVID-19-Pandemie und der Energiepreiskrise sehr kostspielig, was
in den letzten Jahren zu hohen Budgetdefiziten führte. Andererseits sorgte die hohe Inflation für eine
fallende Schuldenquote. So lag der Bruttoschuldenstand der Staaten der Eurozone 2023 mit ca. 89,6%
des BIP knapp unter dem Vorjahreswert, aber weiterhin deutlich über dem Wert des Jahres 2019. Ex-
plodiert sind zudem die laufenden Kosten des Schuldendienstes durch die gestiegenen Zinsen. Das
schränkt die wirtschaftspolitischen Spielräume mittelfristig stark ein.
12
Die mittelfristige Perspektive für die europäische Wirtschaft ist stabil. In ihrer Prognose geht die EU-
Kommission davon aus, dass die restriktive Notenbankpolitik ihre Wirkung nicht verfehlt und die aktuell
noch hohen Inflationsraten nicht von Dauer sein werden. Durch den weiterhin robusten Arbeitsmarkt
und die steigenden Realeinkommen ist 2024 in der EU ein reales Wirtschaftswachstum von über einem
Prozent möglich. Ein großer Risikofaktor sind auch hier die zahlreichen weltweiten geopolitischen Span-
nungen und Krisen. Darüber hinaus zeigen sich Extremwettersituation – wie etwa im Juli 2023 die Hit-
zewelle in Süditalien oder im August 2023 die Hochwässer in Slowenien und Südösterreich – als ein
wachsendes klimatisches Risiko auch für die Konjunkturentwicklung.
13
Österreichische Wirtschaftsentwicklung
Die Phase des rasanten Aufschwungs nach dem pandemiebedingten Einbruch der COVID-19-Jahre ist
im Jahr 2023 zu einem abrupten Ende gekommen. Nach einem Plus von 4,8% im Jahr 2022 ist das BIP
2023 um 0,8% zurückgegangen. Bereits zu Jahresende 2022 zeichnete sich angesichts hoher Inflati-
onsraten und einer Abschwächung des globalen Wirtschafts- und Handelsumfeldes eine Abkühlung der
Konjunktur in Österreich ab.
14
Angesichts voller Auftragsbücher in der Industrie sowie positiver Wachs-
tumsbeiträge aus Nettoexporten und Privatkonsum erwies sich die österreichische Wirtschaft zu Jah-
resanfang allerdings noch vergleichsweise resilient. Im ersten Quartal 2023 konnte noch ein BIP-
Wachstum von 1,9% im Vergleich zur Vorjahresperiode erzielt werden. Ab dem zweiten Quartal 2023
drehte die Entwicklung jedoch deutlich ins Negative.
Kennzahlen und Prognosen zur Wirtschaftslage in Österreich
Quelle: Statistik Austria, WIFO, Oxford Economics.
Verantwortlich für diese Entwicklung war vor allem der Einbruch in der Industrie und der Bauwirtschaft.
So befand sich die Sachgütererzeugung ab dem zweiten Quartal 2023 in einer Rezession, die sich bis
zum Jahresende hin weiter verstärkte. Eine wesentliche Ursache dafür war der Abbau der Vorsichtlager
an Vorratsgütern, die aufgrund der multiplen Krisen der jüngeren Vergangenheit entstanden waren. Die-
ser Lagerabbau führte zu einem Einbruch der Nachfrage von Vorleistungsgütern und Endprodukten.
15
Die Nachlaufeffekte der Energiepreiskrise machten zudem vor allem energieintensiven Branchen wie
der Papierindustrie schwer zu schaffen.
16
Auch das Investitionsklima hat sich merklich eingetrübt. Be-
sonders betroffen ist der Bausektor. Hier wirkte sich vor allem das verschlechterte Finanzierungsumfeld
negativ aus.
17
12
IWF, Handelsblatt.
13
Europäische Kommission.
14
OeNB.
15
WIFO.
16
Bank Austria.
17
WIFO.
Seite 63 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
7
Entwicklung der Industrieproduktion (ohne Bauwirtschaft) in Österreich (Produktionsindex, arbeitstätig berei-
nigt, Änderung gegenüber dem Vorjahresquartal in %)
Quelle: Statistik Austria.
Positive Wachstumsimpulse kamen hauptsächlich vom Außenhandel. Dies betrifft sowohl Waren- als
auch Dienstleistungsexporte, bei Letzteren insbesondere im Bereich des Tourismus. Der private Kon-
sum stagnierte 2023 hingegen angesichts der weiterhin überhöhten Inflation. Der Handel verzeichnete
ein Minus, während die Nachfrage nach Dienstleistungen zumindest leicht positiv blieb.
Die Inflation blieb sowohl in Bezug auf das EZB-Ziel von 2,0% als auch im Vergleich zum Durchschnitt
der Eurozonenstaaten mit 7,9% im Jahresmittel deutlich überhöht. Zwar gingen die Energiepreise im
Gesamtjahresvergleich zurück, jedoch erwies sich die sogenannte Kerninflation (ohne Energie und Nah-
rungsmittel) als persistent. Die Arbeitslosigkeit blieb trotz Rezession im Vergleich zu den Vorjahren auf
niedrigem Niveau. Aus Sorge um den Fachkräftemangel setzen viele Unternehmen trotz angespannter
Auftragslage auf „Labour Hoarding“, also den Verzicht auf konjunkturbedingten Personalabbau.
2024 ist mit einer Rückkehr auf den Wachstumspfad zu rechnen – getragen vor allem von einer deutli-
chen Erholung des Privatkonsums. Dementsprechend sollten Lohnabschlüsse im Bereich der rollieren-
den Inflation ab 2024 für eine Steigerung der Nettoreallöhne sorgen. Die Industrie, insbesondere die
Bauwirtschaft, dürfte jedoch ein weiteres Rezessionsjahr vor sich haben. Im Bereich der Sachgüterer-
zeugung ist frühestens ab der zweiten Jahreshälfte 2024 mit einer Rückkehr auf den Wachstumspfad
zu rechnen.
18
Die günstige Arbeitsmarktlage und das Auslaufen der meisten COVID-19-Hilfen verbesserten bereits
2022 die Finanzierungslage des Staatshaushalts. Einnahmenseitig profitierte dieser auch von gestiege-
nen Steuereinnahmen durch die hohe Inflation. Dämpfend wirkten hingegen die zahlreichen Maßnah-
men der öffentlichen Hand zur Abfederung von Energiepreisanstieg und allgemeiner Inflation ebenso
wie die gestiegenen Finanzierungskosten durch die Leitzinsentwicklung. Insgesamt wird für 2023 mit
einem Rückgang der Staatsneuverschuldung gerechnet – auf ein Niveau unter die Maastricht-Ober-
grenze von 3,0% des BIP. Dieses Defizit soll vorbehaltlich neuer Inflationsausgleichsmaßnahmen 2024
weiter sinken.
19
18
WIFO.
19
BMF.
2,3%
22,5%
7,9%
9,5%
11,1%
8,3%
5,5%
2,9%
1,3%
-0,2%
-1,3%
-5%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
1. Q 2. Q 3. Q 4. Q 1. Q 2. Q 3. Q 4. Q 1. Q 2. Q 3. Q
2021 2022 2023
Seite 64 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
8
Kapitalmärkte und Staatshaushalt
Seit 2016 werden die erforderlichen Finanzmittel für die Infrastrukturinvestitionen der ÖBB-Infrastruk-
tur AG durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) am Kapitalmarkt aufgenom-
men. Die Finanzierungskosten sind daher durch das Zinsniveau von Bundesanleihen bestimmt. Die
deutlichen Zinsschritte der EZB in der letzten beiden Jahre sind auch an den Anleihenmärkten nicht
spurlos vorüber gegangen. So wurde im Oktober 2023 mit 3,6% ein vorläufiger Höchststand der Emis-
sionsrenditen österreichischer Bundesanleihen im Periodendurchschnitt erreicht – bei einer mittleren
Laufzeit von knapp zwölf Jahren. Im Gesamtjahr 2023 betrug der Wert 3,1% und hat sich damit im
Vergleich zum Periodendurchschnitt 2022 mehr als verdoppelt. Die Entwicklung der durchschnittlichen
Renditen aller im Periodenzeitraum im Umlauf befindlichen Anleihen verlief annähernd gleich. Auch hier
betrug der Anstieg 2023 im Gesamtjahresmittel 3%, das entspricht einem prozentuellen Anstieg von
mehr als 100%.
20
Im vierten Quartal 2023 war eine leichte Entspannung bei den Renditen zu beobach-
ten. Der Höhepunkt dürfte vorläufig überschritten sein.
21
Die Bonität Österreichs bleibt jedenfalls wei-
terhin hoch, der Ausblick aller maßgeblichen Ratingagenturen steht auf stabil.
22
20
OeNB.
21
Kurier, Tagesspiegel.
22
OeBFA.
Seite 65 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
9
B.2. Marktumfeld, Branchenentwicklung und Trends
Politische und regulatorische Rahmenbedingungen
Die ÖBB analysieren laufend die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingun-
gen, um die für das Unternehmen relevanten Entwicklungen zu identifizieren. Auf Basis dieser Analysen
werden Informationen für Entscheidungsträger:innen in- und außerhalb des Unternehmens aufbereitet.
Daraus folgend werden Stellungnahmen und Abänderungsanträge für relevante Gesetzesvorhaben in
Österreich und auf europäischer Ebene formuliert. Um die Qualität und die Relevanz der Unterlagen
sicherzustellen, greifen die verantwortlichen Mitarbeiter:innen sowohl auf die Expertise interner Fach-
expert:innen als auch auf das Know-how externer Stakeholder:innen zurück.
Die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf das Unternehmen konnten im zurück-
liegenden Jahr überwunden werden. Hingegen stellten die Folgen des Ukrainekriegs den Konzern in
mehrerlei Hinsicht erneut vor große Herausforderungen. Einerseits drückten die höheren Energiekosten
auf die Deckungsbeiträge einzelner Konzernbereiche. Andererseits gingen – ganz im Gegensatz zu den
Personenverkehrstransporten – die Transportmengen im Schienengüterverkehr deutlich zurück. Für
beide Bereiche galt es daher, Lösungen zu finden, die die Systemkosten reduzieren und wirtschaftlichen
Schaden für das Unternehmen abzuwenden. Unabhängig davon arbeiteten die Mitarbeiter:innen der
ÖBB intensiv daran, die ukrainische Bahn dabei zu unterstützen, den überregionalen Bahnverkehr und
Gütertransport aufrechtzuerhalten. Ein weiteres Thema – ein „Dauerbrenner“ – ist der Klimaschutz mit
seinen großen Herausforderungen für Gesellschaft und Wirtschaft. Die ÖBB arbeiteten in diesem Be-
reich erneut intensiv daran, die Rahmenbedingungen für eine klimafreundlichen Verkehrswende sub-
stanziell zu verbessern.
Schnellere Genehmigungen für Energieprojekte und den Eisenbahnausbau
Ein Meilenstein für Bahninfrastruktur- und Bahnstromprojekte konnte im Zuge der Novellierung des Um-
weltverträglichkeitsprüfungsgesetzes (UVP-G 2023) erreicht werden. Künftig können schnellere, ver-
einfachte und besser strukturierte Genehmigungsverfahren für Energieprojekte und den Eisenbahnaus-
bau angewendet werden. Diese sogenannten Fast-Track-Verfahren beenden die davor aufschiebende
Wirkung von Einsprüchen bei Energieausbauprojekten durch einzelne Beschwerdeführer:innen. Das
wird das Bauverfahren künftig deutlich beschleunigen. Entscheidend für die ÖBB ist, dass dieser Aus-
schluss der aufschiebenden Wirkung auch für Projekte des Eisenbahnausbaus gilt.
Energiepreise bleiben Herausforderung für den Öffentlichen Verkehr
Die Energiepreise waren auch im abgelaufenen Jahr eine große Herausforderung für alle im Bahnver-
kehr tätigen Unternehmen. Um dem Ziel der Selbstversorgung näher zu kommen und damit die Unab-
hängigkeit des Unternehmens auszubauen, setzten sich die ÖBB im abgelaufenen Jahr sowohl auf
nationaler als auch auf internationaler Ebene dafür ein, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den
Ausbau erneuerbarer Energien zu verbessern. Dafür sollen Förderungen zum Ausgleich der hohen
Energiepreise auch für den Verkehrssektor zugänglich gemacht werden – analog zur energieintensiven
Schwerindustrie. Im November 2023 hat die Bundesregierung mit Energiekostenzuschuss II ein neues
Instrument präsentiert. Es ermöglicht auch für große Unternehmen im Verkehrssektor den Zugang zur
Förderung der Mehrkosten für Strom, Erdgas und Treibstoffe. Sowohl für die Österreichische Postbus
Aktiengesellschaft als auch die Rail Cargo Austria Aktiengesellschaft wurden entsprechende Förderun-
gen für das Jahr 2023 beantragt.
Seite 66 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
10
Parallel dazu präsentierten die ÖBB ein aktualisiertes Ausbauprogramm für erneuerbare Energie. Ins-
gesamt wird das Unternehmen bis 2030 demnach rd. 1,6 Mrd. EUR in den Bau von Wasserkraftwerken,
Windkraftanlagen und Fotovoltaik investieren. So soll die Eigenversorgung von betriebsnotwendigem
Strom – inklusive der Zulieferung von fixen Partnerkraftwerken – auf rd. 80% steigen. Das Unternehmen
reagierte damit nicht nur auf die immer stärker werdende Nachfrage nach Grünstrom am Markt, sondern
auch auf den perspektivisch steigenden Strombedarf durch die notwendige Ausweitung des Zugange-
bots.
Mitarbeiter:innen dringend gesucht!
Die ÖBB suchen – wie viele andere heimische Unternehmen auch – Mitarbeiter:innen. Der Bedarf des
Unternehmens wird noch zusätzlich durch einen aktuellen Generationenwandel aufgrund einer Pensio-
nierungswelle verstärkt. Die ÖBB setzten beim Forum Alpbach 2023 dementsprechend den Themen-
schwerpunkt „Arbeitsmarkt”. In Stakeholder:innen-Veranstaltungen, einem Workshop sowie Diskussi-
onsveranstaltungen wurden viele Facetten des Fokusthemas beleuchtet und nach Lösungsansätzen
gesucht. Erläutert wurden zentrale Fragen wie „Was müssen wir machen, um mehr Frauen für den
Arbeitsmarkt zu mobilisieren?”, „Welche Möglichkeiten müssen wir schaffen, um ältere Kolleg:innen län-
ger im Job zu halten?” oder „Wie können wir die Integration von nach Österreich zugewanderten Men-
schen verbessern?”. Selbstverständlich wurde das Forum Alpbach auch zur Rekrutierung junger Talente
genutzt.
Der allgemeine Arbeitskräftemangel war auch im Busunternehmen der ÖBB deutlich bemerkbar. Die
zuständigen Mitarbeiter:innen setzten sich daher im abgelaufenen Jahr für moderne Arbeitszeitmodelle,
die Reaktivierung von Pensionist:innen sowie die Aufnahme von Buslenker:innen auf die Mangelberufs-
liste ein. Zudem wurde ein Modell erarbeitet, mit dem der Beruf des Buslenkers bzw. der Buslenkerin
aufgewertet werden soll. So soll eine neue Lehre angeboten und das Mindestalter von derzeit 21 auf
künftig 18 Jahre abgesenkt werden. Dass im Zuge der Novelle des Kraftfahrgesetzes (41. KFG-Novelle)
die Kosten für Bushaltestellenkonzessionen reduziert werden konnten, war ein weiterer Erfolg für die
ÖBB.
Zurück zur Mangelberufsliste: Neben den Buslenker:innen wurden 2024 sieben weitere Berufe des öf-
fentlichen Verkehrs aufgenommen – darunter Verschieber:innen und Lokführer:innen. Das ist ein wich-
tiger Schritt für die ÖBB, so kann im Zuge des laufenden Generationenwandels auf ein ausreichend
großes Arbeitskräftepotential innerhalb des Unternehmens zugegriffen werden.
Nachfrage im Personenverkehr stark angestiegen – Schienengüterverkehr unter Druck
Im Personenverkehr kam es im letzten Jahr zu einer enormen Steigerung der Nachfrage. Das hat teil-
weise zu Kapazitätsengpässen und in der Folge – für die ÖBB ungewöhnlich – zu Qualitätsproblemen
geführt. Grund dafür waren eine sprunghafte Zunahme der Reisenden – unter anderem bedingt durch
das Klimaticket – sowie die teilweise starken Lieferverzögerungen der bestellten Schienenfahrzeuge.
Stakeholder:innen in Bund, Ländern und Gemeinden wurden im offenen Dialog laufend informiert, um
bei der kritischen Öffentlichkeit um Verständnis zu werben.
Gänzlich anders stellt sich die Situation im Schienengüterverkehr dar, der nicht nur in Österreich, son-
dern in ganz Europa immer stärker unter Druck gerät. Die Gründe dafür reichen von den bereits ange-
sprochen gestiegenen Energiepreisen bis zur schwächelnden Weltwirtschaft, die zu einem deutlichen
Rückgang der Gesamttransportmengen geführt hat. Aus diesem Mix resultiert eine Steigerung der Fak-
torkosten im Schienengüterverkehr bei Überkapazitäten auf der Straße. Das hat im abgelaufenen Jahr
zu einer Rückverlagerung von Transporten von der Schiene auf die Straße geführt. Ein Trend, dem die
ÖBB mit einem Arbeitsschwerpunkt Güterverkehr entgegengewirkt haben.
Im Zuge eines Schwerpunkts wurden in mehreren Bundesländern in Zusammenarbeit mit lokalen Sta-
keholder:innen Güterverkehrstage veranstaltet. In Workshops mit Unternehmen wurden die Chancen
und Möglichkeiten einer generellen Transportverlagerung auf die Schiene aufgezeigt ebenso wie die
Umsetzung des Abfallwirtschaftsgesetzes (AWG) diskutiert. Parallel dazu wurden mit den zuständigen
Landestellen gemeinsame Förderprogramme – beispielsweise für Anschlussbahnen – evaluiert. Mit ei-
nem Kick-off-Event für Verlader aus Industrie und Gewerbe setzten die ÖBB im letzten Jahr zudem
einen Akzent. Ziel war es, nach dem Start des Pilotbetriebs im Dezember 2022 den Zollkorridor zwi-
schen dem Hafen Triest und dem Logistik Center Austria Süd (LCAS) in Villach / Fürnitz zu stärken.
Auf internationaler Ebene konnten die ÖBB für Ungarn das Budget für die Beihilfe zum Einzelwagen-
verkehr (EWV) für das Jahr 2023 absichern. Zudem wurde eine CEF-Einreichung für die Verbesserung
der Infrastruktur rund um die Terminals Zahony und Chop vorbereitet.
Seite 67 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
11
Notwendiger Modernisierungsschub für Europas Schienennetz
Sowohl die in ganz Europa steigende Zahl an Reisenden im Schienenverkehr als auch die verbindlichen
Klimaziele zwingen die Nationalstaaten ihr jeweiliges Schienennetz zügig zu modernisieren. Den mittel-
und langfristigen positiven Auswirkungen dieses Bahnausbaus stehen dabei kurzfristig die Einschrän-
kungen gegenüber – insbesondere im grenzüberschreitenden Verkehr aufgrund von Baustellen. Neben
der internationalen Koordination der nationalen Bautätigkeiten rückte dabei auch die Debatte über die
langfristige und damit verlässlich planbare Finanzierung der Bahninfrastruktur in den Mittelpunkt. Ös-
terreich ist hier mit seinen Rahmenplänen, die eine jeweils sechsjährige Planungs- bzw. Finanzierungs-
periode von Infrastrukturprojekten sicherstellen, ein Role-Model. Eine Rolle, die das Unternehmen so-
wohl im europäischen Eisenbahnverband (CER) als auch bei bilateralen Terminen im direkten Dialog
gerne wahrgenommen hat.
Leitlinien für Public-Service-Obligation (PSO): Ausschreibungszwang oder weiterhin
Direktvergabe?
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit auf internationaler Ebene betraf im letzten Jahr die Novellierung
der PSO-Leitlinien durch die EU-Kommission. Die Europäische Kommission (EK) verfolgte das Ziel, den
Gestaltungsspielraum der öffentlichen Auftraggeber massiv einzuschränken bzw. Direktvergaben von
Verkehrsdienstleistungen nur mehr in Ausnahmefällen zuzulassen. Um diesem Ziel entgegenzuwirken,
startete Österreich eine Informations- und Lobbying-Offensive in Österreich und in Brüssel. Beteiligt an
der Kampagne waren neben den ÖBB die Arbeiterkammer (AK), der Fachverband Schienenbahnen in
der Wirtschaftskammer Österreich, die Wiener Linien sowie der Verband der Öffentlichen Wirtschaft und
Gemeinwirtschaft (VÖWG). Auf internationaler Ebene wurde zudem eine Allianz von europäischen
Bahnunternehmen, der Community of European Railway and Infrastructure Companies (CER), Gewerk-
schaften und kommunaler Unternehmen geschmiedet. Die Beteiligten brachten wiederholt ihre Beden-
ken gegen den Leitlinienentwurf zum Ausdruck – nicht zuletzt mittels Rechtsgutachten. Zuletzt verfass-
ten im Mai 2023 – unter Federführung Österreichs – insgesamt elf Mitgliedsstaaten eine kritische Stel-
lungnahme an die EK.
Die Mitte des Jahres veröffentlichten PSO-Leitlinien der EK brachten letztendlich keine sinnvolle Klar-
stellung zur PSO-Verordnung und werden „als nicht bindende, nicht praktikable Empfehlungen betrach-
tet”. Die Informationsarbeit seitens ÖBB und der angesprochenen Allianzpartner setzte sich dement-
sprechend auch im zweiten Halbjahr 2023 unvermindert fort.
Weiteres Themenmanagement auf internationaler Ebene
Bereits seit Februar 2020 führt ÖBB CEO Andreas Matthä den Vorsitz des Europäischen Eisenbahn-
verbandes CER. Ein internationaler Arbeitsschwerpunkt lag demnach auch 2023 auf der Steuerung der
inhaltlichen Arbeit des Verbandes. Dazu zählte erneut die Setzung von Lobbyingschwerpunkten bei EU-
Institutionen sowie die Koordination der Positionen der rd. 70 europäischen Bahnunternehmen, die Mit-
glieder des Verbandes sind. Bei ihrer Generalversammlung im September 2023 wählten die Mitglieder
den CER-Vorstand für den Zeitraum 2024 bis 2025 neu. Andreas Matthä wurde als Präsident des CER
für eine weitere zweijährige Amtszeit bestätigt. Die dritte Amtszeit an der Spitze des Verbandes erfolgte
auf einstimmige Empfehlung des CER-Vorstandes und mit Einstimmigkeit in der Generalversammlung.
Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit im Rahmen des Eisenbahnverbandes CER waren die Erstellung
diverser Positionspapiere wie beispielsweise zu den Themen „Ticketing”, „Trassenplanung” (TTR) und
„Digital Capacity Management” sowie zum Thema „Baustellenkoordination”.
Zu Jahresbeginn 2023 stand die Überarbeitung der Planungen für das Europäische Verkehrsnetz (TEN-
T-Revision) im Mittelpunkt der Tätigkeit der Mitarbeiter:innen. Es galt über 1.800 Änderungsanträge zu
sichten und im Europäischen Parlament aktiv für eigene Positionen zu lobbyieren. Die EK präsentierte
zu Jahresbeginn ihr Arbeitsprogramm 2023 und – als Teil des Green Deals – das lange erwartete Green-
Freight-Transport-Package, mit dem Transportemissionen entscheiden gesenkt werden sollen. Zu bei-
den Themenbereichen erstellten die Mitarbeiter:innen Positionspapiere und führten persönliche Stake-
holder:innengespräche mit Europaparlamentarier:innen (MEPs) und Vertreter:innen der EK.
Die unternehmensintern installierte Green-Deal-Lenkungsgruppe bearbeitete über das gesamte Jahr
2023 die jeweils aktuellen Umwelt- und Energiedossiers (z. B. Energy, Taxation, Pestizid VO). Hinzu
kamen neue Dossiers zu den Themen „Digitalisierung” und „Datenmanagement”. Die Lenkungsgruppe
analysierte die Position des Europäischen Parlaments bzw. des Rates zur EU-Verordnung über fluo-
rierte Treibhausgase.
Seite 68 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
12
Im zweiten Halbjahr 2023 stand der Kommissionsvorschlag für ein „verbessertes internationales Ticke-
ting” im Mittelpunkt. Die begrüßende Initiative präsentierte in ihren Eckpunkten beispielsweise den Zu-
griff von Plattformen auf die Verkaufskanäle der Eisenbahnunternehmen – dies zeigte aber auch ein
gewisses Risikopotenzial auf. So besteht aus Sicht der ÖBB unter anderem die Gefahr, dass die Eisen-
bahnverkehrsunternehmen unter dem Titel des besseren Services für Kund:innen die Möglichkeit der
eigenständigen Produktgestaltung und damit letztendlich auch die Tarifhoheit verlieren. Ein Thema, das
– weil noch nicht final abgeschlossen – die Mitarbeiter:innen noch einige Zeit fordern wird.
Ebenfalls im zweiten Halbjahr 2023 bearbeitete das Team die geplante EU-Verordnung zum Europäi-
schen Kapazitäts- und Verkehrsmanagement, die Weights-and-Dimensions-Richtlinie der EU sowie die
Konsultationen zur Beschränkung von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen. Beim Vorschlag betref-
fend Kapazitäts- und Verkehrsmanagement handelte es sich um eine Maßnahme des Green Deals. Ziel
ist es, ein effizienteres Eisenbahn-Fahrwegkapazitäts- und Verkehrsmanagement zu ermöglichen und
so die Qualität der Verkehrsdienste zu verbessern sowie mehr Verkehr über das Eisenbahnnetz abzu-
wickeln. Die ursprünglich im Raum stehende Zentralisierung in einer neue EU-Agentur konnte abge-
wendet werden. Nun werden die ÖBB Interessen bei der Trassenplanung über das TTR, dem Timetab-
ling-Redesign-for-Smart-Capacity-Management, verfolgt und bei der Baustellenkoordination über den
Europäischen Eisenbahnverband CER.
Die „Weights-and-Dimensions“-Richtlinie wiederum sieht eine Erweiterung der Höchstgewichte und -
größen von schweren Nutzfahrzeugen vor. Das würde aus Sicht der ÖBB den Wettbewerb zwischen
Schiene und Straße im Güterverkehr erneut zuungunsten der Schiene verschärfen. Durch laufendes
Lobbying in Österreich und in Brüssel soll der durch diese Richtline mögliche Einsatz von Gigaliners
bzw. Lang-Lkws auch in Zukunft verhindert werden.
Bei PFAS handelt es sich um Industriechemikalien mit wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigen-
schaften, die im gesamten Bahnsystem – von den Klimaanlagen in den Fahrzeugen bis zu Signalanla-
gen – im Einsatz sind. Die ÖBB trat daher in den bisherigen Konsultationen für einen behutsamen Vor-
gangsweise ein, um überbordende Vorgaben für den Ersatz oder den Tausch von PFAS-Teilen zu ver-
meiden und wird diesen kosteneffizienten Weg weiter fortsetzen.
Marktumfeld
Die Betriebsleistung im Netz der ÖBB-Infrastruktur AG ist ein weiteres Jahr in Folge gewachsen. Insge-
samt betrug der Zuwachs bei den Zugkilometern 1,3%, womit ein neuer Rekordwert erreicht wurde. Das
Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 wurde damit bereits um 6,0% überschritten. Verantwortlich dafür
ist ausschließlich der Zuwachs des Personenverkehrs. Hier betrug das Plus bei den Zugkilometern
3,2%. Im Güterverkehr machte sich hingegen bereits die Abkühlung der Konjunktur in Europa und Ös-
terreich bemerkbar. Das Minus in der Betriebsleistung im Jahresvergleich betrug 3,6%. Im Vergleich
zum Niveau des Jahres 2019 ist dies immer noch ein Rückgang um 3,2%.
23
Bemerkenswert sind in diesem Jahr Anzahl und Ausmaß diverser Störungen durch Sonderereignisse
und Unfälle auf wichtigen Infrastrukturen in den Nachbarländern, die sich auf den heimischen Bahnver-
kehr auswirkten. Besonders davon betroffen war das sogenannte „Deutsche Eck” zwischen Salzburg
und Kufstein – wichtig für den österreichischen Ost-West-Bahnverkehr. Dort kam es neben den geplan-
ten Baustellen zwischen Februar und Mai 2023, im August 2023 und im Oktober 2023 auch zu einigen
außerplanmäßigen Ereignissen. Ende Jänner 2023 brannte eine Rangierlokomotive nach kilometerlan-
ger „Geisterfahrt” im Bahnhof Freilassing aus. Das führte in der Folge für einige Tage zu massiven
Einschränkungen im grenzüberschreitenden Nahverkehr. Im August 2023 kam es zum Brand eines
Bauzuges in der Gegend von Traunstein. Dieser hatte eine mehrtägige massive Einschränkung am
gesamten deutschen Eck zur Folge.
24
Am 10.08.2023 entgleiste ein Güterzug in der Weströhre des Schweizer Gotthardtunnels. Diese musste
daraufhin mehrere Monate für den gesamten Bahnverkehr gesperrt werden. Auch die Oströhre war bis
Ende August 2023 nicht befahrbar. Gemeinsam mit der planmäßigen baubedingten Sperre der Bren-
nerstrecke bedeutete dieses Ereignis somit eine massive Beeinträchtigung des alpenquerenden Bahn-
verkehrs. Am 23.08.2023 konnte zumindest der Güterverkehr über die Oströhre wieder aufgenommen
23
ÖBB Infrastruktur.
24
Tiroler Tageszeitung, BR24.
Seite 69 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
13
werden. Die Freigabe für den Personenverkehr erfolgte Ende September 2023, allerdings weiterhin nur
für eine reduzierte Zahl an Zügen im eingleisigen Verkehr.
25
Die Unwetterereignisse im Jahr 2023 sorgten nicht nur in Österreich für teils schwere Schäden an der
Infrastruktur sowie für Behinderungen im Bahnpersonen- und Güterverkehr. So wurde der Bahnverkehr
in und über Slowenien durch die Unwetter Anfang August 2023 wochenlang massiv beeinträchtigt.
26
Dennoch konnte am 14.08.2023 plangemäß der 3,7 km lange Neubauabschnitt der Strecke zwischen
Maribor und Šentilj in Betrieb genommen werden. Dieser bildet den Zulauf zur österreichischen Staats-
grenze in Spielfeld ist damit ein wichtiger Bestandteil der baltisch-adriatischen Achse.
27
Ein aus geografischer Sicht weiter entferntes Infrastrukturprojekt ist die sogenannte „Rail Baltica”. Es ist
aber für Europa gerade nach den Entwicklungen rund um den Ukrainekrieg umso bedeutender. Dabei
handelt es sich um die Errichtung eines zweigleisigen Korridors in europäischer Normalspur. Er soll die
Hauptstädte der baltischen Staaten via Białystok in Polen direkt an das europäische Schienennetz an-
binden. Hier wurde im Jahr 2023 die Trassenführung in Litauen vom Kaunas bis an die polnische Grenze
festgelegt. Das Projekt wird mit Mitteln der EU-Connecting-Europe-Facility (CEF) gefördert. Es ist Teil
des baltisch-adriatischen TEN-T-Korridors, der in der Endausbaustufe von Ancona in Italien – mit einem
Seetransfer über den Finnischen Meerbusen – bis nach Helsinki führen soll.
28
Die sogenannten transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-T) wurden 2013 mit der EU-Verordnung
1315 / 2013 geschaffen. Diese Verordnung umfasst mehrere Verkehrsmodi und priorisiert Ausbauakti-
vitäten im europäischen Transportnetz durch die Festlegung unterschiedlicher Netzebenen. Aktuell be-
findet sich die Verordnung gerade in Überarbeitung. Seit 2021 liegt der ambitionierte Gesetzesvorschlag
der EU-Kommission vor. Aus ÖBB Sicht ist die vorgesehene Einführung einer neuen Netzkategorie „er-
weitertes Kernnetz” für die europäischen Transportkorridore positiv hervorzuheben. Dafür wurde ein
Umsetzungshorizont bis 2040 definiert. Dabei sollen die Pyhrn- und Tauernstrecke in diese neue Kate-
gorie aufgenommen werden. Der zuständige federführende Ausschuss im EU-Parlament war der Aus-
schuss für Verkehr und Tourismus. Im Zuge der Trilogverhandlungen haben die EU-Institutionen im De-
zember 2023 eine vorläufige Einigung über die überarbeitete Verordnung erzielt. Die Veröffentlichung
des finalen Gesetzestextes wird für April 2024 erwartet.
Ein weiteres wichtiges Dossier auf EU-Ebene beschäftigt sich mit der Verbesserung des Kapazitäts-
und Verkehrsmanagements auf europäischer Ebene. Diese neue Verordnung ersetzt Verordnung
913 / 2010 zur Schaffung eines europäischen Schienennetzes für einen wettbewerbsfähigen Güterver-
kehr. Und sie ändert die Richtlinie 2012 / 34 zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Eisenbahn-
raums ab. Ihr Fokus ist die Verbesserung von nationalen und europäischen Prozessen, u. a. um mehr
Kapazität auf bestehender Bahninfrastruktur zu schaffen. Der Kommissionsvorschlag wurde 2023 ver-
öffentlicht. Aus ÖBB Sicht ist die Orientierung an Sektorinitiativen wie Timetable Redesign (TTR) positiv
hervorzuheben. Der zuständige federführende Ausschuss im EU-Parlament ist der Ausschuss für Ver-
kehr und Tourismus. Abhängig von den Verhandlungen zwischen EU-Kommission, EU-Parlament und
Rat wird der finale Gesetzestext für Ende 2025 erwartet.
25
Süddeutsche Zeitung, SRF.
26
RCG.
27
Eisenbahn Aktuell.
28
LOK-Report.
Seite 70 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
14
B.3. Wirtschaftliche Entwicklung
Ertragslage
Die wesentlichen Leistungsindikatoren für die erzielten Umsätze sind die in den bahneigenen Kraftwer-
ken produzierte Strommenge, die vermieteten Flächen der Immobilien, sowie die Zugkilometerleistung
und die Gesamtbruttotonnenkilometer, die auf dem Schienennetz der ÖBB-Infrastruktur AG erbracht
werden.
Die Erläuterungen zur Berechnung der Kennzahlen werden im Punkt „I. Berechnung der Kennzah-
len“ dargestellt.
Struktur der Gewinn-und-Verlust-Rechnung
Die Struktur der Gewinn-und-Verlust-Rechnung der ÖBB-Infrastruktur AG stellt sich folgendermaßen
dar:
Struktur der Gewinn-und-
in % der in % der Veränderung
Verlust-Rechnung in Mio. EUR 2023
Gesamterträge 2022
Gesamterträge Veränderung in %
Umsatzerlöse 1.234,7
33% 961,8
28% 272,8
28%
Andere aktivierte Eigenleistungen 402,2
11% 350,1
10% 52,1
15%
sonstige betriebliche Erträge und
Veränderung des Bestandes
2.156,7
57% 2.153,5
62% 3,3
0%
Gesamterträge 3.793,6
100% 3.465,4
100% 328,2
9%
davon aus Konzernbeziehungen 913,5
24% 652,7
19% 260,8
40%
Materialaufwand 173,2
5% 189,8
5% -16,6
-9%
Aufwendungen bezogene Leistungen 427,4
11% 416,9
12% 10,5
3%
Personalaufwand 1.273,9
34% 1.153,4
33% 120,5
10%
Abschreibungen 878,5
23% 839,7
24% 38,8
5%
So. betr. Aufwand 593,6
16% 512,5
15% 81,2
16%
Gesamtaufwand 3.346,7
88% 3.112,3
90% 234,4
8%
davon aus Konzernbeziehungen 577,6
15% 562,6
16% 14,9
3%
Betriebserfolg 446,9
12% 353,1
10% 93,8
27%
Finanzergebnis -422,5
-11% -356,7
-10% -65,8
18%
davon aus Konzernbeziehungen -28,8
-1% -4,3
0% -24,5
567%
Ergebnis vor Steuern 24,4
1% -3,7
0% 28,0
-765%
Diese Leistungsindikatoren entwickelten sich wie folgt:
Bahnstrom (in GWh) 2023
2022
Veränderung
Veränderung
in %
Eigenerzeugung Bahnstrom in ÖBB-Kraftwerken 702
520
181
35%
Bahnstromverbrauch ab Oberleitung 1.786
1.800
-14
-1%
Nutzflächen der Immobilien (in Tausend m²) 2023
2022
Veränderung
Veränderung
in %
Fremdgenutzt (Konzernexterne)
1)
581,4
624,7
-43,3
-7%
Genutzt von Konzerngesellschaften 246,7
223,7
23,0
10%
Eigengenutzt von der ÖBB-Infrastruktur AG 598,4
584,0
14,5
2%
Leerstand und Allgemeinflächen 1.185,1
1.147,7
37,5
3%
Gebäudeflächen 2.611,6
2.580,0
31,6
1%
vermietete Außenflächen 18,5
17,7
0,8
5%
Gesamter Bestand 2.630,1
2.597,7
32,4
1%
1) Die gegenständliche Flächenkennzahl bezieht sich auf Gebäudeflächen sowie vermietete Außenflächen bei Gebäuden. Da Parkdecks der
Mobilitätskette zugehörig sind, werden deren Flächen dem Verkehrsstationsbereich zugerechnet.
Seite 71 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
15
Zugkilometer (in Mio. km) 2023
2022
Veränderung
Veränderung
in %
Reiseverkehr 117,9
114,3
3,6
3%
davon ÖBB-Konzern 108,7
106,4
2,4
2%
Güterverkehr 40,1
41,7
-1,5
-4%
davon ÖBB-Konzern 25,1
26,7
-1,7
-6%
Dienst- und Lokzüge 7,9
7,8
0,1
1%
davon ÖBB-Konzern 5,6
5,5
0,1
2%
Gesamter Bestand 165,9
163,7
2,2
1%
davon ÖBB-Konzern 139,4
138,6
0,8
1%
Entwicklung der Bruttotonnenkilometer nach Verkehrsart (in Mio. km) 2023
2022
Veränderung
Veränderung
in %
Reiseverkehr 34.097,4
32.810,4
1.287,0
4%
davon ÖBB-Konzern 31.154,9
30.303,7
851,2
3%
Güterverkehr 45.630,1
48.248,9
-2.618,7
-5%
davon ÖBB-Konzern 26.502,8
29.025,5
-2.522,7
-9%
Dienst- und Lokzüge 1.264,1
1.174,0
90,1
8%
davon ÖBB-Konzern 949,3
873,4
75,9
9%
Gesamter Bestand 80.991,6
82.233,3
-1.241,6
-2%
davon ÖBB-Konzern 58.607,0
60.202,6
-1.595,6
-3%
Der Betriebserfolg der ÖBB-Infrastruktur AG beträgt 446,9 Mio. EUR
(Vj: 353,1 Mio. EUR) oder 36,2% (Vj: 36,7%) der Umsatzerlöse mit einer Marge bezogen auf den Be-
triebserfolg von 63,8% (Vj:63,3%). Das Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (EBITDA)
liegt bei 1.325,4 Mio. EUR (Vj: 1.192,8 Mio. EUR) oder 107,3% (Vj: 124,0%) von den Umsatzerlösen
oder 34,9% (Vj: 34,4%) der Gesamterträge.
Die ÖBB-Infrastruktur AG erzielte im Berichtsjahr eine negatives Finanzergebnis von -422,5 Mio. EUR
(Vj: -356,7 Mio. EUR). Das Ergebnis vor Steuern erreichte im Berichtszeitraum 24,4 Mio. EUR (Vj: -3,7
Mio. EUR).
Die Gesamterträge der ÖBB-Infrastruktur AG beliefen sich im Jahr 2023 insgesamt auf 3.793,6 Mio.
EUR (Vj: 3.465,4 Mio. EUR), je Mitarbeiter entspricht dies einem Betrag von 230,4 TEUR (Vj: 211,9
TEUR).
Die Umsatzerlöse stellen sich im Jahr 2023 wie folgt dar:
Umsatzerlöse in Mio. Euro 2023
2022
Nutzungsentgelte Infrastrukturbenützung 470,9
366,7
Energielieferungen und Netznutzungsentgelte 414,6
212,8
Mieterlöse 177,3
151,2
Instandhaltung und Wartung 9,4
8,5
Erlöse aus Verwertungsobjekten 4,6
59,9
Sonstige übrige Umsatzerlöse 157,8
162,8
Summe 1.234,7
961,8
Der Anstieg des Nutzungsentgeltes für die Infrastrukturbenützung von 366,7 Mio. EUR um 104,2 Mio.
EUR auf 470,9 Mio. EUR ist im Geschäftsjahr im Wesentlichen auf die Aussetzung des Wegeentgelts
für den Schienengüterverkehr und eigenwirtschaftlichen Personenverkehr im Jahr 2022 zurückzufüh-
ren. Des weiteren führten höhere Entgeltsätze gemäß Schienennetznutzungsbedingungen ebenfalls zu
einem Anstieg des Nutzungsentgelts gegenüber dem Vorjahr.
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist Eigentümerin der Schieneninfrastruktur samt Anlagen und Einrichtungen
mit einem Sachanlagevermögenswert von rd. 35,5 Mrd. EUR (Vj: 33,4 Mrd. EUR). Das Anlagevermögen
der ÖBB-Infrastruktur AG umfasst u.a. ca. 4.004 Gebäude, davon rund 1.031 Bahnhöfe und Haltestellen
(Verkehrsstationen), 9.748 Gleiskilometer, 12.919 Weichen, 6.634 Brücken und 259 Tunnel. Nutzungs-
entgelte, die das Unternehmen von Konzerngesellschaften und von externen Partnern für die Nutzung
des Anlagevermögens lukriert, trugen wesentlich zur Ertragskraft der ÖBB-Infrastruktur AG bei. Auftrag
des Unternehmens ist es, die Schieneninfrastruktur den Betreibern bedarfsgerecht zur Verfügung zu
stellen – und zwar bei gleichzeitiger nachhaltiger Wertsteigerung des Anlagevermögens. Für die ein-
geräumte Nutzung hat die ÖBB-Infrastruktur AG im Jahr 2023 Nutzungsentgelte in der Höhe von rd.
470,9 Mio. EUR (Vj: 366,7 Mio. EUR) erhalten, das sind 38,1% (Vj: 38,1%) des Umsatzes.
Seite 72 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
16
Die ÖBB-Infrastruktur AG verzeichnete im Jahr 2023 im Bereich Energielieferungen und Netznutzungs-
entgelte einen Umsatz von rd. 414,6 Mio. EUR (Vj: 212,8 Mio. EUR). Der konzerninterne Umsatz hat
sich um 164,5 Mio. EUR auf 338,2 Mio. EUR (Vj: 173,7 Mio. EUR) erhöht und wird überwiegend mit der
ÖBB-Produktion GmbH getätigt. Die Umsätze mit Konzernfremden haben sich von 39,1 Mio. EUR um
37,3 Mio. EUR auf 76,4 Mio. EUR erhöht.
Die Erhöhung der Erlöse aus Energielieferungen resultiert im Wesentlichen aus einer Erhöhung des
Bahnstrompreises basierend auf den stark gestiegenen Marktpreisen auf den Energiemärkten.
Die ÖBB-Infrastruktur AG erzielte Erlöse aus der Vermietung in Höhe von 177,3 Mio. EUR (Vj: 151,2
Mio. EUR) und Erlöse aus dem Verkauf von Verwertungsobjekten in Höhe von 4,6 Mio. EUR (Vj: 59,9
Mio. EUR).
Die sonstigen übrigen Umsatzerlöse betreffen Liegenschaftsverwertungen mit rd. 17,9 Mio. EUR (Vj:
37,3 Mio. EUR), mit rd. 31,5 Mio. EUR (Vj: 42,1 Mio. EUR) Leistungserbringung für die Triebfahrzeug-
führerausbildung sowie mit rd. 16,8 Mio. EUR (Vj: 15,8 Mio. EUR) Personalverleih an Dritte.
Die Betriebsaufwendungen der ÖBB-Infrastruktur AG betrugen im Jahr 2023 insgesamt rd. 3.346,7 Mio.
EUR (Vj: 3.112,3 Mio. EUR).
Als Eigentümerin der gesamten Schieneninfrastruktur samt Anlagen und Einrichtungen hat die ÖBB-Inf-
rastruktur AG im Jahr 2023 für den Bereich Immobilien Instandhaltung in Höhe von 36,1 Mio. EUR (Vj:
33,4 Mio. EUR) sowie Betriebskosten in Höhe von 241,3 Mio. EUR (Vj: 190,8 Mio. EUR) aufgewendet.
Der Personalaufwand betrug im Jahr 2023 1.273,9 Mio. EUR (Vj: 1.153,4 Mio. EUR). Die Personalin-
tensität als Relation zwischen Personalaufwand und Gesamtaufwand betrug 38,1% (Vj: 37,1%). Der
durchschnittliche Personalaufwand jedes Mitarbeiters der ÖBB-Infrastruktur AG beträgt 77,4 TEUR (Vj:
70,5 TEUR).
Die Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen beliefen sich auf 15,8% (Vj: 17,5%) der Ge-
samterträge. Der durchschnittliche Aufwand für Material und bezogene Leistungen pro Mitarbeiter belief
sich auf 36,5 TEUR (Vj: 37,1 TEUR). Die Materialintensität beträgt 17,9% (Vj: 19,5%).
Die Abschreibungen der immateriellen Vermögensgegenstände und Sachanlagen abzüglich der Auflö-
sung passivierter Kostenbeiträge beliefen sich im Jahr 2023 auf 878,5 Mio. EUR (Vj: 839,7 Mio. EUR).
Die Abschreibungsintensität als Relation zwischen Abschreibungen zuzüglich Betriebskosten und Ge-
samtaufwand betrug 33,5% (Vj: 33,1%). Der Anstieg der Abschreibungen um 38,8 Mio. EUR ist im We-
sentlichen auf die Investitionstätigkeit in die Infrastruktur und die damit einhergehenden Inbetriebnah-
men zurückzuführen.
An betrieblichen Steuern und Abgaben sowie sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind im Geschäfts-
jahr 2023 4,4 Mio. EUR (Vj: 16,5 Mio. EUR) bzw. 589,2 Mio. EUR (Vj: 496,0 Mio. EUR) angefallen. Die
Entwicklung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen ist zum einen auf stark gestiegene Energiekos-
ten, sowie einer inflationär bedingten Kostensteigerung der generellen Betriebskosten und der Erhö-
hung der Aufwendungen für Büroerfordernisse im Zusammenhang mit der Digitalisierungsoffensive zu-
rückzuführen.
Seite 73 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
17
b) Vermögens- und Finanzlage
Die Vermögenslage der ÖBB-Infrastruktur AG hat sich im Wesentlichen aufgrund von Investitionen ak-
tivseitig im Geschäftsjahr um 2.888,9 Mio. EUR auf einen Betrag von 39.407,2 Mio. EUR (Vj: 36.518,3
Mio. EUR) erhöht. Weitere Informationen zur Vermögenslage sind im Kapitel „c) Investitions- und Finan-
zierungsmaßnahmen“ angeführt.
Das Finanzergebnis der ÖBB-Infrastruktur AG wird im Geschäftsjahr 2023 mit rd. -422,5 Mio. EUR (Vj:
-356,7 Mio. EUR) ausgewiesen. Die höheren Fremdfinanzierungskosten in Höhe von 58,2 Mio. EUR im
Vergleich zum Vorjahr resultieren im Wesentlichen aus den erforderlichen zusätzlichen Finanzierungen
und einem Anstieg des Zinsniveaus. Die im Geschäftsjahr 2023 aktivierten Fremdkapitalzinsen gemäß
§ 203 Abs. 4 UGB betragen 134,5 Mio. EUR (Vj: 110,8 Mio. EUR). Im aktuellen Geschäftsjahr ver-
schlechterte sich das Finanzergebnis um -65,8 Mio. EUR (Vj: 40,8 Mio. EUR).
Die Eigenkapitalquote per 31.12.2023 der ÖBB-Infrastruktur AG – unter Einbeziehung der Kostenbei-
träge von Dritten – beträgt rd. 18,9% (Vj: 19,9%). Die Fremdkapitalquote der ÖBB-Infrastruktur AG per
31.12.2023 beträgt – unter Einbeziehung der Kostenbeiträge von Dritten in das Eigenkapital – rd. 81,1%
(Vj: 80,1%). Die gesamte Fremdkapitalzinslast als Relation zwischen Fremdkapitalzinsen zuzüglich
zinsähnlicher Aufwendungen zu durchschnittlichem verzinslichen Fremdkapital liegt bei 2,1% (Vj: 2,1%).
Dabei wurden die Verbindlichkeiten aus Cross-Border-Lease- und Sublease-Verträgen sowie die ent-
sprechenden Zinsaufwendungen außer Acht gelassen, da diesen Zinsaufwendungen gleich hohe Zins-
erträge gegenüberstehen. Des Weiteren wurden die Erträge und Aufwendungen aus Zinsswaps bei der
Ermittlung des Zinsaufwandes saldiert.
Die Effektivverschuldung der ÖBB-Infrastruktur AG beträgt zum 31.12.2023 rd. 25,4 Mrd. EUR (Vj: 23,9
Mrd. EUR) und errechnet sich wie folgt:
in TEUR 2023
2022
Anleihen 7.885.690
8.883.831
Kreditinstitute 3.860.477
3.862.508
Konzernfinanzverbindlichkeiten 282.555
1.252.032
Eurofima 280.000
200.000
Finanzierung OeBFA 13.125.550
9.751.850
abzüglich liquide Mittel -16
-1.000
Die externen Finanzverbindlichkeiten der ÖBB-Infrastruktur AG betragen zum 31.12.2023 rd. 25,2 Mrd.
EUR (Vj: 22,7 Mrd. EUR).
2024 werden für die Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen sowie die Tilgung von fälligen Anleihen
Neufinanzierungen gemäß genehmigten Budget in Höhe von rd. 5,0 Mrd. EUR erforderlich.
Die ÖBB-Infrastruktur AG wird wie im Geschäftsjahr 2023 die notwendige Finanzierung im Jahr 2024
vor allem über Darlehen der Republik Österreich durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagen-
tur (OeBFA) aufnehmen.
Seite 74 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
18
Kapitalflussrechnung
31.12.2023 31.12.2022
EUR EUR
Netto-Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit
Jahresüberschuss/-fehlbetrag 27.290.036
-6.612.667
- Zuschreibung/ + Abschreibung auf Vermögensgegenstände des Investitionsbereichs 1.019.374.888
982.154.232
- Auflösung von Kostenbeiträgen von Dritten -139.865.023
-141.730.962
- Gewinne/ + Verluste aus dem Abgang von Vermögensgegenständen des
Investitionsbereichs
11.820.786
-19.244.153
- Beteiligungserträge, Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen
des Finanzanlagevermögen sowie Zinsen und ähnliche Erträge/+ Zinsen und
ähnliche Aufwendungen 418.712.118
353.117.477
- sonstige fondsunwirksame Erträge/ + sonstige fondsunwirksame Aufwendungen 518.853
6.550.935
- Zunahme/ + Abnahme der Vorräte -8.508.373
-579.913
- Zunahme/ + Abnahme von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und der
sonstigen Forderungen -22.305.951
-52.247.161
- Zunahme/ + Abnahme von Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen
und gegenüber beteiligten Unternehmen -48.301.898
-9.781.204
- Zunahme/ + Abnahme der aktiven Rechnungsabgrenzungsposten 57.383.754
17.023.893
- Abnahme/ + Zunahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen,
der sonstigen Verbindlichkeiten sowie der Verbindlichkeiten aus Wechsel und
Anzahlungen auf Bestellungen
-205.795.355
-229.504.689
- Abnahme/ + Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen
und gegenüber beteiligten Unternehmen -70.279.869
126.016.748
- Abnahme/ + Zunahme der passiven Rechnungsabgrenzungsposten -36.686.795
-20.451.673
- Abnahme/ + Zunahme Rückstellungen -22.703.082
23.378.443
Netto-Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit vor Steuern 980.654.089
1.028.089.305
+ Einzahlung aus Anlagenabgang (ohne Finanzanlagen) 30.219.087
25.983.912
- Auszahlung für den Erwerb von Finanzanlagen -400.000
-200.000
+ Einzahlung aus dem Abgang von Finanzanlagen 500.244
12.783.774
+ Einzahlung von Kostenbeiträgen von Dritten 175.760.451
205.165.547
+ Einzahlungen aus Beteiligungs-, Zinsen- und Wertpapiererträgen 40.265.665
18.749.912
+ Einzahlung aus der Aufnahme von Krediten gegenüber beteiligten Unternehmen oder
gegen Sonstige 4.581.850.793
2.853.143.042
- Tilgung von Krediten gegenüber beteiligten Unternehmen oder gegen Sonstige -200.000.000
0
- Auszahlung für dieTilgung von Anleihen -1.000.000.000
-1.500.000.000
- Auszahlung für Zinsen und ähnliche Aufwendungen -502.976.442
-517.476.445
Seite 75 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
19
1) Täglich fällige Posten (≤ 3 Monate) gem. Fußnote ²) sind Teil des Fondsmittelbestandes. Kurzfristige Posten (≤ 1 Jahr) sind im Cash Flow aus der operativen
Tätigkeit, langfristige Posten (> 1 Jahr) im Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit darzustellen.
2) Täglich fällige (≤ 3 Monate) Forderungen/Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und gegenüber der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH sind Teil der Fondsmittel
und nicht im Geldfluss aus der operativen Tätigkeit oder der Finanzierungstätigkeit anzusetzen.
Der negative Geldfluss aus der Investitions- und Finanzierungstätigkeit wurde einerseits aus positiven
Rückflüssen aus der betrieblichen Tätigkeit und andererseits aus kurzfristigen Darlehensaufnahmen
sowie über das konzerninterne Cash-Pooling finanziert.
c) Investitions- und Finanzierungsmaßnahmen
Investitionsschwerpunkte 2023
Die ÖBB-Infrastruktur AG arbeitete auch 2023 intensiv an der Umsetzung des größten Bauprogramms
aller Zeiten. Mit der im Rahmenplan 2023 bis 2028 mit einer Investitionssumme von rd. 19,0 Mrd. EUR
setzt die ÖBB-Infrastruktur AG im Auftrag des Bundesministeriums für Klimaschutz in den kommenden
nächsten sechs Jahren zahlreiche Neubau- und Modernisierungsprojekte sowie Erhaltungsarbeiten.
Der Ausbau und die Qualitätssicherung des Schienennetzes wird etwa die Voraussetzungen dafür
schaffen, dass insgesamt mehr Züge auf dem Schienennetz fahren können. Das bedeutet höhere Ka-
pazitäten sowie bessere und schnellere Verbindungen für Bahnreisende.
ÖBB Großprojekte wie der Semmering-Basistunnel, die Koralmbahn und der Brenner Basistunnel lau-
fen planmäßig weiter. Darüber hinaus wird der Fokus auf den Ausbau des Nahverkehrs in Ballungsräu-
men gelegt. Im Sinne des Klimaschutzes ist es den ÖBB zudem wichtig, die Regionalbahnen zu attrak-
tivieren und ein entsprechendes Elektrifizierungsprogramm zu forcieren. Ein Teil der Investitionen wird
zukunftsorientiert in die Digitalisierung fließen.
Die Schiene wird außerdem weiter fit für den Güterverkehr gemacht. Programme zum Bau von soge-
nannten güterzuglangen Überholgleisen haben den größtmöglichen Effekt, da die gemeinsame Nutzung
derselben Strecken durch Güter- und Personenverkehr effizienter abgewickelt werden kann. Auch die
Unterstützungsmaßnahmen für Anschlussbahnen und eine Modernisierungswelle für Verschiebebahn-
höfe verankern die aktuelle Güterverkehrsoffensive im Rahmenplan.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Bau weiterer „Mini-Unter-
werke” ist neu im Rahmenplan. Sie machen es möglich, dass der in ÖBB-eigene Wind- und Sonnen-
kraftwerke nachhaltig produzierte Strom ins Bahnstromnetz gelangen kann.
Auch die Modernisierung von Bahnhöfen und Haltestellen wird weiter vorangetrieben. Im Rahmen des-
sen soll der Zugang zur Bahn so einfach wie möglich gestaltet werden. Der barrierefreie Umbau von
Bahnhöfen und Haltestellen ist ein wichtiger Baustein im Rahmenplan.
Großraum Wien
Bahnfahren erlebt eine echte Renaissance. Nirgendwo sonst in Österreich steigt die Anzahl an Reisen-
den so stark wie in der Ostregion. Um mit diesem Wachstum Schritt zu halten, muss auch das Öffi-
Angebot ausgebaut und verbessert werden.
Mit dem S-Bahn-Wien-Upgrade modernisiert die ÖBB-Infrastruktur AG seit Oktober 2023 auf der Wie-
ner Stammstrecke zwischen Wien Meidling und Wien Floridsdorf die Schieneninfrastruktur. Dafür wer-
den Bau- und Tragwerke erneuert das Zugsicherungssystem für mehr Zuverlässigkeit im Gesamtsystem
digitalisiert. Von Unterretzbach bis Payerbach-Reichenau wurden außerdem die Bahnsteige auf 220 m
verlängert. Damit können zukünftig längere Züge fahren, die mehr Sitzplätze und damit mehr Komfort
für Bahnreisende bieten.
Ein weiteres wichtiges Puzzlestück im innerstädtischen Nahverkehr ist die Attraktivierung der Verbin-
dungsbahn zwischen Hütteldorf und Meidling. Sie soll in Zukunft einen 15-Minuten-Takt der S80 zwi-
schen Hütteldorf und Wien Aspern Nord ermöglichen. 2024 wird das UVP-Verfahren fortgeführt.
Im Jahr 2023 hat die ÖBB-Infrastruktur AG zudem intensiv am Ausbau der Pottendorfer Linie gearbeitet.
Diese Maßnahme soll die Situation für die Pendler:innen aus dem Süden weiter zu verbessern, denn
rd. 40% aller Pendler:innen kommen aus dieser Richtung. Der zweigleisige Ausbau der rd. 50 km langen
Seite 76 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
20
Pottendorfer Linie zwischen Wien Meidling und Wiener Neustadt stellt eine wichtige Maßnahme zur
Kapazitätserweiterung auf der Südstrecke dar. Das Ziel ist die Viergleisigkeit gemeinsam mit der Süd-
bahn zwischen Wien und Wiener Neustadt. Der Ausbau schafft für Tausende Pendler:innen südlich von
Wien die Voraussetzungen für ein besseres Angebot sowohl im Fernverkehr als auch im Nahverkehr.
Ende 2023 wurde die durchgehende Zweigleisigkeit zwischen Wien und Wiener Neustadt fertiggestellt.
Eröffnet wurde auch der Bahnhof Ebreichsdorf.
Mit dem viergleisigen Ausbau der Südstrecke zwischen Wien Meidling und Mödling inklusive der Errich-
tung zweier neuer Haltestellen wird das Mobilitätsangebot für den Süden von Wien und den Bezirk
Mödling noch attraktiver. Gemeinsam mit der Pottendorfer Linie stehen dann mit Projektabschluss sechs
leistungsfähige Gleise im Süden von Wien zur Verfügung. Dafür liefen 2023 die Planungen weiter.
Der Norden profitiert vom Ausbau der Nordbahn, der zügig voranschreitet. In Deutsch-Wagram konnte
2023 die neu errichtete Unterführung der Landesstraße L6 für den Verkehr freigegeben werden. Die
entsprechende Eisenbahnkreuzung wurde aufgelassen. Seit 2023 erstrahlt auch die Haltestelle in Hel-
mahof, ein Ortsteil von Deutsch-Wagram, in neuem Glanz. Dafür wurde der S-Bahn-Halt auf der Strecke
zwischen Wien Süßenbrunn und Gänserndorf runderneuert. Insgesamt werden rd. 66 km Strecke unter
laufendem Betrieb modernisiert. Im Zuge dessen werden auch 17 Bahnhöfe und Haltestellen entlang
der Strecke attraktiviert und barrierefrei adaptiert. Auch sollen das Park & Ride- und das Bike & Ride-
Angebot ausgebaut werden. Hinzu kommt die Auflassung sämtlicher Eisenbahnkreuzungen, was hö-
here Fahrgeschwindigkeiten der Züge erlauben wird.
Die Elektrifizierung der Marchegger Ostbahn ist seit dem Fahrplanwechsel 2022 / 2023 abgeschlossen.
Die Modernisierungen der Kamptalbahn, Traisentalbahn, Erlauftalbahn oder Mattersburger Bahn wur-
den im Berichtszeitraum ebenfalls vorbereitet bzw. errichtet. Weiters wurde mit den Planungen für den
Ausbau der Franz-Josefs-Bahn begonnen. Als erste Meilensteine wurden mit Fahrplanwechsel im De-
zember 2023 die modernisierten Bahnhöfe in Hadersdorf am Kamp, Langenlois und Horn in Betrieb
genommen. Damit wurde ein erster Schritt der Attraktivierung der Kamptalbahn gesetzt, weitere folgen.
Das Projekt „Flughafenspange” steht für eine attraktive Anbindung des Osten Österreichs an den Flug-
hafen und die Stadt Wien. Die neue Verbindung bedeutet für Pendler:innen kürzere Fahrtzeiten und
bringt Entlastung für die stark befahrenen Ortsdurchfahrten. 2023 sind die Planungen weiter vorange-
schritten.
Erfolgsgeschichte Weststrecke geht weiter
Rd. ein Drittel aller Züge fahren auf der Weststrecke. Güter- und Personenverkehr nehmen laut Prog-
nosen weiterhin zu. Der Ausbau zwischen Linz und Wels sowie der Ausbau zwischen Salzburg und
Köstendorf ist notwendig, um der großen Nachfrage nach mehr Zügen und besseren Verbindungen auf
diesen Strecken nachzukommen ist.
Im Berichtszeitraum wurden die Bauarbeiten für den Ausbau der Weststrecke zwischen Marchtrenk und
Wels sowie auf der Westseite des Linzer Hauptbahnhofs fortgeführt. Künftig werden vier statt bisher
zwei Gleise höhere Kapazitäten auf der stark ausgelasteten Weststrecke sorgen. Das ermöglicht ein
besseres Angebot im Nahverkehr mit einem dichteren S-Bahn-Angebot und einen Taktfahrplan zwi-
schen Linz und Wels. Das gleiche gilt für den Fern- und Güterverkehr. Der Bahnhof Marchtrenk wird
modernisiert. Für den Ausbau des Abschnittes zwischen Linz und Marchtrenk laufen die Bauvorberei-
tungen, ein Baustart ist für 2024 geplant. Für den Ausbau des Abschnittes zwischen Linz Verschiebe-
bahnhof West und Linz Signalbrücke (inkl. Nahverkehrsknoten Linz Franckviertel) laufen die Planungen.
Für die Haltestelle Seekirchen Süd fand 2023 der Baustart statt. Der viergleisige Ausbau der Weststre-
cke wird zwischen Köstendorf und Salzburg in zwei jeweils einröhrigen Tunneln verlaufen. Dafür liefen
2023 die UVP-Planungen und die vertieften Planungen parallel weiter. Auch wurden regelmäßige, in-
tensive Gespräche mit Stakeholder:innen (z. B. in Form von institutionalisierten Dialogforen) geführt.
Südstrecke in der Zielkurve
Stück für Stück schreiten die Tunnelprojekte und Streckenausbauten voran. Die Großbauprojekte auf
der Südstrecke werden es möglich machen, dass Reisende zukünftig in weniger als zwei Stunden zwi-
schen Wien und Graz und in 45 Minuten zwischen Graz und Klagenfurt reisen können.
Die Vortriebs-Arbeiten beim Jahrhundertprojekt Semmering-Basistunnel befinden sich auf der Zielgera-
den. Mehr als 97% der zwei 27,3 km langen Röhren sind mittlerweile gegraben. Rd. 600 m sind noch
Seite 77 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
21
zurückzulegen. Mit insgesamt 14 Vortrieben wird der Tunnel errichtet. Zehn sind bereits abgeschlossen,
darunter alle im Fröschnitzgraben und im Abschnitt Grautschenhof. Wenn die Tunnelröhren fertig ge-
graben sind, wird die Betoninnenschale im Tunnel komplett fertiggestellt. Schon jetzt sind mehr als 25
km dieser Schale errichtet (von insgesamt rund 55 km in zwei Röhren). Danach beginnt die letzte Phase
des Baus. Bevor die Züge durch den Berg fahren, erfolgt die bahntechnische Tunnelausrüstung. In die-
ser Phase werden Gleise, Leitungen und technische Anlagen in den Berg verbaut. 2030 fahren dann
die ersten Züge durch den Semmering-Basistunnel. Die 130 km lange Koralmbahn startet indessen
bereits jetzt in die finale Phase. 2023 wurde der gesamte Koralmtunnel mit Schienen ausgestattet und
ein großer Teil der Strecke mit Bahntechnik ausgerüstet. Auch der neue Bahnhof Weststeiermark nimmt
immer konkretere Formen an. Noch weiter ist man auf Kärntner Seite: Bereits Ende des Jahres 2023
wurde die gesamte Kärntner Koralmbahn zwischen Klagenfurt und St. Paul im Lavanttal fertiggestellt
und für den Nahverkehr in Betrieb genommen. Es ist die bisher größte Teilinbetriebnahme auf der neuen
Südstrecke und gleichzeitig der Auftakt für den Zielsprint dieses Jahrhundertprojekts. Die Gesamtinbe-
triebnahme zwischen Graz und Klagenfurt – mitsamt Koralmtunnel – ist schließlich Ende 2025 geplant.
Bahnhöfe und sonstige Investitionen
– 2023 wurden folgende Bahnhöfe verbessert und modernisiert:
– Bahnhof Ebreichsdorf
– Bahnhof Hadersdorf / Kamp
– Bahnhof Baumgartenberg
– Haltestelle Helmahof
– Bahnhof Süßenbrunn
– Bahnhof St. Paul im Lavanttal
– Haltestelle Wiederndorf-Aich
– Haltestelle Kühnsdorf Klopeiner See
– Bahnhof Kremsmünster
– Haltestelle Wiener Neustadt Civitas Nova
– Bahnhof Freistadt
– Bahnhof Summerau
– Haltestelle Steinkogel
– Haltestelle Pinsdorf
– Haltestelle Mitterweißenbach
– Bahnhof Schwarzach / St. Veit
– Bahnhof Ebreichsdorf
– Fertigstellung Parkdeck Wr. Neustadt
Brennerachse
Die Planungen und Vorarbeiten der ÖBB für den Ausbau der Eisenbahnachse Brenner am Nordzulauf
zum Brenner Basistunnel werden konsequent fortgesetzt. Im Projektabschnitt Staatsgrenze nächst Kuf-
stein – Schaftenau laufen die Erkundungsarbeiten zur Erstellung der Umweltverträglichkeitserklärung.
Bei der Planung des Grenztunnels nach Deutschland sind gemeinsam mit Kolleg:innen der DB die tech-
nischen Standards so zu definieren, dass eine Genehmigungsfähigkeit in beiden Ländern gegeben ist.
Im Projekt Schaftenau – Knoten Radfeld wurde im Herbst 2023 die Detailgenehmigungsplanung öffent-
lich verhandelt. Das Projekt dient langfristig zur Entlastung des Eisenbahnknotens Wörgl und wird seine
Verkehrswirksamkeit gegen Ende dieses Jahrzehnts entfalten. Bereits im Sommer 2023 wurde der 2,6
km lange Rohbaustollen Angath angeschlagen. Der Stollen unterstützt die Planung durch detaillierte
Gebirgserkundung. In den kommenden Jahren wird er die Baulogistik während der Hauptarbeiten er-
leichtern und später zum Rettungstunnel ausgerüstet.
Im Zuge der Baumaßnahmen für einen barrierefreien Bahnhof Fritzens-Wattens werden flankierend
auch zwei Güterzuglange Überholgleise errichtet. Diese wirken kurzfristig zur weiteren Kapazitätsstei-
gerung auf der Bestandstrecke. Weitere Überholgleise sind im Bereich Bahnhof Schwaz vorgesehen.
2023 haben die ÖBB Vorarbeiten für eine Realisierung in der zweiten Hälfte der 20er Jahre durchge-
führt.
Der Bahnausbau im Tiroler Unterland dient zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der nördlichen Zulauf-
strecke zum Brenner Basistunnel. In wenigen Jahren werden Züge sicher, rasch und komfortabel zwi-
schen Innsbruck und Franzensfeste in Südtirol auf der Tunnelstrecke fahren. Dafür ist es von zentraler
Bedeutung, den Schienenverkehr aus den Bevölkerungs- und Wirtschaftszentren Europas an den Tun-
nel heranzuführen. Das realisieren die Bahnen in Österreich, Italien und Deutschland mit dem Ausbau
der Eisenbahnachse München – Verona als Teil des europäischen Skandinavien-Mittelmeer-Kernnetz-
korridors.
Seite 78 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
22
Der Brenner Basistunnel
Im Jahr 2023 wurden die Bauarbeiten der Rohbauwerke für den Brenner Basistunnel durch die Galleria
di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE fortgeführt. 159 km des gesamten Tunnelsystems
in der Länge von 230 km sind bereits ausgebrochen. Davon sind 62 km Eisenbahntunnel, 55 km Erkun-
dungsstollen und rd. 42 km sonstige Tunnelbauwerke.
Im Baubereich „H21 Sillschlucht“ wurden Beton- und Hinterfüllungsarbeiten an der 200 m langen und
rd. 9 m hohen Stützwand ausgeführt. Hier verlaufen die zukünftigen Gleise, die den Brenner Basistunnel
mit dem Bahnhof Innsbruck verbinden werden. Betonarbeiten für den Tunnel „Silltal” sind im Gange.
Gearbeitet wird auch an den beiden Eisenbahnbrücken über die Sill. Die Stahltragwerke und die Bo-
denplatten für die Eisenbahngleise sind bereits fertiggestellt. Errichtet wurde auch eine 55 m lange
Spannbandbrücke für Fußgänger:innen über die Sill. Insgesamt sind 75% des Bauloses abgeschlossen.
Im Bauabschnitt „H41 Sillschlucht-Pfons” begann im Mai und Juni 2023 mit dem Start der Tunnelbohr-
maschinen für den Vortrieb vom Ahrental in Richtung Süden. Ende Juni 2023 fand die offizielle Andreh-
feier der beiden TBMs (Tunnelbohrmaschinen) statt. Die Trennwand im Verbindungstunnel Ost und
West sowie die Fahrsohle in den Seitenkorridoren (Sicherheitskorridor) wurde errichtet. Die Baustellen-
einrichtung wurde zudem durch Förderbandanlagen von untertage auf die Deponie Ahrental sowie auf
die Deponie Padastertal ergänzt. Für die Herstellung von Tübbingen (Betonfertigteile für die Innen-
schale) wurde eine provisorische Fertigungshalle aufgestellt. Neu errichtet wurde eine Brücke über die
A13, diese dient zur Abwicklung des Baustellenverkehrs. In diesem Baulos wurden 15% der Arbeiten
abgeschlossen.
Im Baulos „H52 Hochstegen” wurde beim Vortrieb des Erkundungsstollens die sogenannte „Hochste-
gen-Störungszone“ vollständig durchörtert und dort die Injektions- und Abdichtungsmaßnahmen durch-
geführt. Im Erkundungsstollen wurde in Richtung Norden bis zum Baulos „H41 Sillschlucht-Pfons” ein
rd. 9 km langes Förderband installiert. Somit ist der untertägige Transport des Ausbruchsmaterials vom
Baulos H41 auf die Deponie im Padastertal sichergestellt. Errichtet wurde ein Hilfsangriff im Bereich der
Hochstegenzone vom Erkundungsstollen aus zu den Haupttunnelröhren sowie die Überleitstelle St. Jo-
dok. Das Baulos ist zu 75% fertiggestellt.
Am 04.04.2023 wurde der Zuschlag für das Baulos „H53 Pfons-Brenner” erteilt. Mit dieser Vergabe
wurden die Tunnelbauarbeiten des letzten verbliebenen Bauloses des Brenner Basistunnels beauftragt.
Der vertragliche Baubeginn erfolgte am 04.05.2023. Damit wurde auch der Bestellvorgang für die bei-
den Tunnelbohrmaschinen für diese Baulos eingeleitet. Mit dem Vortriebsbeginn der TBMs in Richtung
Norden ist im Herbst 2024 zu rechnen.
Auf italienischem Staatsgebiet sind die Arbeiten auf beiden Baustellen weit fortgeschritten. Beim Baulos
„H61 Mauls 2–3” hat die Tunnelbohrmaschine „Virginia” im März ihr Ziel am Brenner erreicht. Mit dem
Erreichen der Baulosgrenze hat erstmals eine TBM eines Haupttunnels den Vortrieb erfolgreich been-
det. Die zweite TBM „Flavia” hat eine Störungszone erreicht. Die Tätigkeiten zur Überwindung der Stö-
rungszone laufen. Beim Baulos „H71 Eisackunterquerung” wurden die Bauwerke fertiggestellt und mit
dem Rückbau der Baustelle und den Renaturierungsarbeiten begonnen.
Das Vergabeverfahren für die Planungsleistungen für die eisenbahntechnische Ausrüstung des Brenner
Basistunnels läuft zum Bilanzstichtag – die Aufnahme der Planungsarbeiten ist (in Abhängigkeit des
Abschlusses des Vergabeverfahrens) im Lauf des Jahres 2024 zu erwarten.
Migration weiterer Streckenabschnitte in die fünf Betriebsführungszentralen
Darüber hinaus wurden im Jahr 2023 die Steuerbereiche der fünf Betriebsführungszentralen (BFZ) wie-
der deutlich erweitert. So wurden u. a. die Betriebsstellen Ebreichsdorf, Tullnerbach-Pressbaum und
Hadersdorf am Kamp in die Betriebsführungszentrale (BFZ)-Wien Stadlau, die Betriebsstellen Garsten,
Schlierbach, Wartberg a. d. Krems, Kremsmünster, Freistadt und Summerau in die BFZ-Linz, Redl-Zipf
in die BFZ-Salzburg, Werndorf, Hengsberg, Wettmannstätten, Wartberg im Mürztal, Bleiburg und St.
Paul im Lavanttal in die BFZ-Villach migriert. Damit werden bereits rd. 66% des Hauptnetzes der ÖBB-
Infrastruktur AG von den fünf Betriebsführungszentralen gesteuert.
Das BFZ-Ausfallkonzept beschreibt, wie im Störungs- bzw. Ereignisfall schnellstmöglich der Betrieb in
hoher Qualität abgewickelt werden kann und die Beeinträchtigungen im nationalen und internationalen
Zugverkehr so gering wie möglich gehalten werden können. Das Ausfallkonzept sieht vor, dass die BFZ-
Systeme und -Bedienplätze nahtlos von anderen BFZ-Standorten übernommen werden können, was
Seite 79 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
23
die Betriebsführung im Störfall deutlich erleichtert. In diesem Zusammenhang ist der Neubau der BFZ
Wien Stadlau und die Errichtung von regionalen Ersatzarbeitsplätzen (EAP) mit georedundanter IT-
Serverlandschaft geplant bzw. zum Teil bereits in Umsetzung. Seit Mai 2021 wird am Gelände des
Bahnhofs Spittal-Millstätter See ein neues Betriebsgebäude errichtet, das zukünftig die Ersatzarbeits-
plätze des BFZ-Villach und die Steuerung der Nebenbahnen beheimatet. Die Bauarbeiten der EAP-
Spittal wurde im Juli 2023 abgeschlossen, die Fertigstellung der EAP für die BFZ-Villach am Standort
Spittal-Millstätter See ist mit Dezember 2023 erfolgt. Die Bauarbeiten der neuen BFZ Wien Stadlau
starteten im Juli 2021 – eine Teilinbetriebnahme wurde mit Dezember 2023 umgesetzt.
ETCS – European Train Control System
Das ETCS trägt zur Harmonisierung des europäischen Eisenbahnsystems und damit zu einem interope-
rablen und kostenoptimierten Zugang zum System Bahn bei. So wird die Position des Systems Bahn
gegenüber anderen Verkehrsträgern auf lange Sicht gestärkt.
Mit der Umsetzung des ETCS-Migrationsplans wird die Sicherstellung der Interoperabilität auf Basis
europäischer Vorgaben ermöglicht und gewährleistet. Damit können die gesetzlichen Vorgaben sowohl
in technischer als auch in zeitlicher Hinsicht eingehalten werden. Eine enge Koordination mit dem BFS-
Programm ist jedenfalls sichergestellt. Damit wird im laufend dichter und komplexer werdenden Bahn-
betrieb für die entsprechende Sicherheit, Pünktlichkeit und Qualität gesorgt und die Kund:innenanfor-
derungen werden bestmöglich erfüllt.
Durch die im Juli 2023 erfolgte erfolgreiche Übernahme der ETCS-Level-2-Pilotstrecke Linz-Vöck-
labruck des ETCS-Migrationsprogramms wurde ein wesentlicher Meilenstein des sich im Plan befindli-
chen ETCS-Roll-outs erreicht. Mit der Inbetriebnahme des Teilabschnittes der Koralmbahn von St. Paul-
Lavantal bis Klagenfurt zum Fahrplanwechsel wurde im Dezember 2023 auch noch ein Streckenteil nur
mit ETCS und ohne Außenlichtsignale für Zugfahrten in Betrieb genommen.
Digitalisierung in der ÖBB-Infrastruktur AG
Die ÖBB-Infrastruktur AG setzt Digitalisierung und Automatisierung ein, um die strategischen Ziele der
Kapazitätssteigerung und Effizienzsteigerung zu erreichen und Erfolgskriterien wie Pünktlichkeit, Si-
cherheit und Kund:innenzufriedenheit weiterzuentwickeln. Hierfür wurde im Zuge der INFRA Mobilitäts-
wende die Stoßrichtung Digitalisierung definiert. Dabei wird interdisziplinär gedacht und Initiativen, die
aus der Digitalisierung entstehen, werden im Konzern abgestimmt vorangetrieben. Diese Initiativen re-
alisieren Methoden der Automatisierung und Digitalisierung im System Bahn, um durch mehr Effizienz
die Kapazität, die Wirtschaftlichkeit und die Qualität zu verbessern.
Vor dem Hintergrund der konkreten Herausforderung, die relevanten Themen mit den vielen Facetten
erfolgreich abzuwickeln, werden die notwendigen Prozesse etabliert, und es wird an der Bereitstellung
der erforderlichen Fähigkeiten und Ressourcen gearbeitet. Damit wird eine zentrale Voraussetzung für
einen erfolgreichen und zielgerichteten Transformationsprozess geschaffen. Die Initiativen im Kontext
der Digitalisierung wurden in enger Abstimmung mit den betroffenen Bereichen innerhalb der ÖBB-Inf-
rastruktur AG definiert, denn nur so war es möglich, wesentliche Verbesserungen, die einen direkten
Mehrwert in den operativen Bereichen mit sich bringen, zu erzielen. Erste messbare Projekte sind die
Zuglaufcheckpoints und das Zugpositionsservice (Projekt „Greenlight”). Letzteres umfasst die präzise
Ortung von Zugpositionen im Gleisbereich. Die Greenlight-Softwareplattform empfängt im Sekunden-
takt Lokalisierungsinformationen, Geschwindigkeit und Empfangsqualitätsinformationen (Mobilfunk und
GNSS) von der in Triebfahrzeugen installierten „railpower box”, verarbeitet diese und stellt sie Dritten
zur Verfügung. Mittlerweile sind bereits rd. 1.600 Triebfahrzeuge der ÖBB und weiterer Eisenbahnver-
kehrsunternehmen mit „Greenlight”-fähigen „railpower boxen“ ausgestattet worden. Weitere Projekte
sind das digitale Stellwerk und die innovative Regionalbahntechnik.
Mit dem Programm BFS zählte die ÖBB-Infrastruktur AG schon in der Vergangenheit zu den Vorreitern
bei den Themen „Fernsteuerung” und „Digitalisierung” im Bahnbetrieb. Um dies weiter voranzutreiben,
werden ältere Stellwerksbauarten sukzessive durch moderne elektronische Stellwerke ersetzt.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat im Berichtszeitraum mehrere Kooperationen mit Infrastrukturbetreibern
durchgeführt bzw. vertieft, um die internationalen Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich der Digi-
talisierung effizient zur Weiterentwicklung des Bahnbetriebs zu nutzen. Hierzu zählt zum Beispiel die
Seite 80 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
24
Kooperation zwischen SBB und ÖBB-Infrastruktur AG in den Gremien Reference CCS Architecture und
Systempillar. Außerdem ist die ÖBB-Infrastruktur AG seit 2019 Mitglied bei EULYNX und Founding
Member bei Europe’s Rail Joint Undertaking, um aktiv die Weiterentwicklung der Stellwerkstechnik vo-
ranzutreiben und die Vorteile der Digitalisierung zu verankern.
Um eine Effizienzsteigerung im Bereich der Anlagenbereitstellung zu realisieren, setzt die ÖBB-Infra-
struktur AG auf das Thema „Building Information Modeling“ (BIM). BIM ist eine objektorientierte, infor-
mationsbasierte Planungsmethode und verknüpft dreidimensionale Konstruktionen mit weiteren Infor-
mationen wie Produkteigenschaften, Kosten, Bauablauf, betreiberrelevante Details etc. So werden di-
gitale Modelle „intelligent“. Seit 2016 arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG an der Weiterentwicklung und
Integration von BIM in die Projektabwicklung. Erste Projekte werden seit 2018 mit BIM umgesetzt (z. B.
Tunnelkette Granitztal). Da internationale Standards für BIM im Bereich Infrastruktur bislang noch fehl-
ten, arbeitete die ÖBB-Infrastruktur AG gemeinsam mit anderen Infrastrukturbetreibern aus der ganzen
Welt aktiv bei der Standardentwicklung – dem sogenannten IFC-Rail-Projekt von buildingSMART Inter-
national – mit. So konnte im Berichtszeitraum gemeinsam der IFC Standard für Eisenbahninfrastruktur
finalisiert und bei der ISO zur Standardisierung eingereicht werden Damit schafft die ÖBB-Infrastruk-
tur AG die Voraussetzungen für einen international abgestimmten, homogenen und konsistenten Da-
tenfluss und damit die Voraussetzungen für eine weitere Effizienzsteigerung im Bereich der Instandhal-
tung von Anlagen.
Neben BIM gibt es zahlreiche weitere Digitalisierungsvorhaben in der ÖBB-Infrastruktur AG. Um einen
gesamthaften Überblick über Daten zu bewahren und diese strukturiert zur Verfügung zu stellen, wurde
eine „ÖBB-Infra Datenfabrik” aufgebaut. Die Datenfabrik hat den Fokus durch Prozesse, Methodiken
und technische Plattformen Daten in einem hohen Reifegrad wiederverwendbar bereitzustellen. Damit
sollen in Zukunft unter anderem prediktive Szenarien im Bereich Maßnahmenplanung und Instandhal-
tung verbessert und datengetriebene Entscheidungen ermöglicht werden. Ein professionelles Daten-
management bildet die Basis für ein virtuelles Datenabbild der ÖBB-Infrastruktur AG in einem „Digital
Twin ÖBB-Infrastruktur”, der das Gleis- und Streckennetz sowie darauf installierte Anlagen enthält.
Im Bereich des „Digitalen Arbeitsplatzes” ist die Umsetzung von zwei für die digitale Transformation
notwendigen Konzernprojekten (Digital Reach und Microsoft 365 Roll-out) bereits weit fortgeschritten.
Aufgrund der Veränderungen durch die Pandemie auf das Arbeitsleben wurden viele digitale Möglich-
keiten geschaffen, remote und digital zusammenzuarbeiten. Diese Projekte bilden die Grundlage der
Digitalisierung unserer operativen Einheiten mit mobilen digitalen Services. Dabei werden im ÖBB-Inf-
rastruktur-Konzern rd. 8.500 Mitarbeiter:innen zum ersten Mal mit einem persönlichen IT-User ausge-
stattet. Dadurch kann jede:r Mitarbeiter:in im Digital Reach somit in- und außerhalb der Arbeitszeit auf
die digitalen Services (z. B. Microsoft 365, HR-Portal, Intranet mobil) zugreifen. Weiters wird zur Um-
setzung des modernen, digitalen Arbeitsplatzes im Rahmen des strategischen Konzernprojektes „Micro-
soft 365” ein Roll-out der Cloudlösung Microsoft 365 in nichtbetriebskritischen Bereichen des ÖBB-Inf-
rastruktur-Konzerns durchgeführt.
Seite 81 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
25
Darstellung der gesamten Rahmenplan- und sonstigen Investitionsprojekte
Projekt
Investitionen
2023 in Mio.
EUR
Voraussichtliche
bzw. erfolgte
Fertigstellung
Bahnhofsum- und neubauten
Bahnhof Bad Erlach 6,0 2023
Bahnhof Baumgartenberg 3,2 2023
Bahnhof Fritzens-Wattens 3,6 2025
Bahnhof Gramatneusiedl 35,1 2024
Bahnhof Hadersdorf am Kamp 6,9 2023
Haltestelle Klaus in Vorarlberg 3,5 2025
Haltestelle Leobendorf-Burg Kreuzenstein 0,4 2023
Bahnhof Messendorf / Haltestelle Raaba 4,7 2026
Bahnhof Micheldorf 2,3 2025
Bahnhof Mürzzuschlag 5,0 2024
Haltestelle Pinsdorf 9,3 2023
Bahnhof Redl-Zipf 3,5 2024
Bahnhof Schwarzach/St. Veit 5,4 2023
Haltestelle Steinkogl 3,5 2023
Bahnhof Telfs-Pfaffenhofen 7,9 2023
Bahnhof Thal 0,5 2023
Bahnhof Traun 0,6 2023
Bahnhof Tullnerbach-Pressbaum 30,4 2024
Bahnhof Unter Purkersdorf 2,7 2022
Villach Hbf 2,9 2026
Haltestelle Wiener Neustadt Civitas Nova 2,4 2025
Bahnhof Wartberg im Mürztal 27,1 2024
Wien Franz-Josefs-Bahnhof 5,7 2023
Parkdecks
Wiener Neustadt; Neuerrichtung Parkdeck 3 12,3 2023
Großraum Wien
Inzersdorf; Errichtung Terminal (Cargo-Center Wien) 1) 1,6 2016/2026
Ausbau Marchegger Ast2)
43,9 2018/2024/
2035
Wien Meidling - Abzw. Altmannsdorf; zweigleisiger Ausbau 22,2 2023
Großraum Wien; Qualitätssicherung Nahverkehr 78,3 2030
Wien Hütteldorf - Wien Meidling; Verbindungsbahn 9,8 ab 2029
Wien Meidling - Mödling; 4-gleisiger Ausbau 7,5 2034
Weststrecke
Attnang-Puchheim - Salzburg Hbf; Ausbau Bestandsstrecke3) 13,3 2029
Linz - Wels; 4-gleisiger Ausbau 98,0 2031
Linz Kleinmünchen (a) - Linz Hbf; 4-gleisiger Ausbau 1,3 2033
Flughafen Wien - Bruck a.d. Leitha; Errichtung Verbindungsstrecke 6,3 2033
Neumarkt-Köstendorf - Salzburg; Neubaustrecke 14,5 2042
Südstrecke
Wien Blumental - Wampersdorf; 2-gleisiger Ausbau Pottendorfer Linie4) 61,0 2023
Wampersdorf - Wiener Neustadt; Streckenattraktivierung 25,7 2024
Graz - Klagenfurt; Koralmbahn (Projekte gem. Vertrag) inkl. Flughafenast 488,0 2025
Gloggnitz - Mürzzuschlag; Neubaustrecke (Semmering-Basistunnel) 376,6 2030
Bruck a.d. Mur - Graz; Bahnhofsumbauten 1,8 2030
Süßenbrunn - Bernhardsthal; Ausbau Bestandsstrecke5) 49,4 2032
Pyhrn-Schober-Achse
Linz Hbf - Summerau; Attraktivierung6) 13,4 2023
Bischofshofen - Selzthal; Attraktivierung Ennstal 3,0 2028
Linz - Selzthal; selektiv 2-gleisiger Ausbau und Bahnhofsumbauten 4,1 2031
Tauern-Achse
Golling-Abtenau - Sulzau; Linienverbesserung Bereich Pass Lueg 1,8 2022
Maishofen-Saalbach - Leogang; Ski WM 2025 2,9 2024
Brennerachse
Brenner Basistunnel 205,9 2032
Staatsgrenze n. Kufstein – Knoten Radfeld; Brenner Nordzulauf 35,0 2037
Seite 82 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
26
Rahmenplan- und sonstigen Investitionsprojekte
Projekt
Voraussichtliche
bzw. erfolgte
Fertigstellung
Programme
Lärmschutz 6,4
Park & Ride 9,8
Streckenelektrifizierungen 25,5
Regionalbahnkonzept Streckenattraktivierungen 87,8
Sicherheit und Betriebsführungssysteme 305,0
Maßnahmen zur Kund:innenzufriedenheit (Mobilfunk, Datennetze, WLAN) 0,7
Reinvestitionen in das Schienennetz 664,5
Sonstige (inkl. immaterieller Vermögenswerte) 464,7
Gesamt Rahmenplan- und sonstige Investitionsprojekte 3.338,0
1)
Inbetriebnahme der Betriebsgleise, KLV- und WLV-Anlage erfolgte 2016. Die Umsetzung der Phase 2 erfolgt bis
2026.
2)
Inbetriebnahme des Wiener Abschnitts erfolgte 2018 (Erzherzog-Karl-Straße – Wien Aspern). Die Inbetriebnahme
des Vollausbaus im Bereich Stadlau bis Marchegg erfolgt bis 2024 und im Bereich Marchegg bis Staatsgrenze bis
2035.
3)
Inbetriebnahme des Bahnhofumbaus Neumarkt am Wallersee und Steindorf bei Straßwalchen bereits erfolgt.
4)
Inbetriebnahme des Abschnitts Hennersdorf – Münchendorf erfolgte 2019. Ausbau im Abschnitt Ebreichsdorf wurde
bis 2023 umgesetzt.
5)
Inbetriebnahme des Bahnhofumbaus Wien Süßenbrunn erfolgte 2023.
6)
Inbetriebnahme der Bahnhofsumbauten Freistadt und Summerau erfolgte 2023.
Das Jahr 2023 stand für die ÖBB-Infrastruktur AG weiterhin wieder ganz im Zeichen der Fortsetzung
des laufenden Bahnausbaus. Mit 3,3 Mrd. EUR (Vj: 3,1 Mrd. EUR) Investitionsvolumen forcierte die
ÖBB-Infrastruktur AG im Jahr 2023 den Schienenausbau in Österreich und galt damit als Motor der
heimischen Verkehrsinfrastrukturentwicklung.
Das Anlagevermögen entwickelte sich wie folgt (in Mio. EUR):
0,0
5 000,0
10 000,0
15 000,0
20 000,0
25 000,0
30 000,0
35 000,0
40 000,0
31.12.07 31.12.09 31.12.11 31.12.13 31.12.15 31.12.17 31.12.19 31.12.21 31.12.23
Anlagevermögen zu Buchwerten
Arlbergachse
Arlbergstrecke; Maßnahmen zur Fahrplanstabilität 10,7 2031
Bregenz - Bludenz; Nahverkehrsausbau (Rheintalkonzept) 12,7 2031
Seite 83 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
27
Insgesamt wurden im Geschäftsjahr 2023 bei den immateriellen Vermögensgegenständen und im Sach-
anlagevermögen 3.338,0 Mio. EUR (Vj: 3.102,3 Mio. EUR) in Neu- und Ersatzinvestitionen investiert.
Die Anlagenintensität zum 31.12.2023 der ÖBB-Infrastruktur AG beträgt rd. 95,2% (Vj: 96,5%).
Die Abschreibungsquote, welche die durchschnittlich angenommene Nutzungsdauer des Anlagevermö-
gens als Relation zwischen Abschreibung und Anlagevermögen zu Anschaffungskosten angibt, beträgt
für technische Anlagen 3,1% (Vj: 3,1%) und für bebaute Grundstücke 1,8% (Vj: 1,9%). Der Anlagenab-
nutzungsgrad (inkl. Grundstücke), welcher angibt, in wie weit das vorhandene Vermögen bereits abge-
schrieben ist, beträgt 34,0% (Vj: 34,5%). Im Geschäftsjahr 2023 hat die ÖBB-Infrastruktur AG mehr
investiert als die Abschreibung betragen hat, d.h. die Investitionsdeckung beträgt 327,8% (Vj: 316,1%).
Der Anlagendeckungsgrad als Verhältnis zwischen Eigenkapital zuzüglich langfristigen Fremdkapitals
zum Anlagevermögen zuzüglich langfristigen Umlaufvermögens beträgt 58,1% (Vj: 87,7%).
Österreich liegt bei den Pro-Kopf-Investitionen ins Schienennetz im europäischen Spitzenfeld:
Seite 84 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
28
C. Forschung und Entwicklung
Dinge von morgen müssen heute gedacht werden. Mit diesem Auftrag hat es sich die ÖBB-Infrastruktur
AG im Jahr 2022 mehr denn je zur Aufgabe gemacht, mit dem Instrument der Forschung und Entwick-
lung die Vision der Bahninfrastruktur von morgen zu verwirklichen, wissend um ihre Vorbildfunktion und
Vorreiterrolle im Sektor.
Denn ohne Forschung keine Entwicklung und ohne Entwicklung keine neuen Forschungsfelder. Nur
durch „am Ball bleiben“ und „thinking outside the box” kann etwas bewegt werden. Dynamisches und
dennoch gleichzeitig strategisches Agieren definieren die Handlungsstränge einer erfolgreichen For-
schung und Entwicklung.
Die F&E-Strategie #INFRA.F&E_2030 mit der darauf aufbauenden Forschungsroadmap war auch im
Jahr 2023 der richtungsweisende Kompass für die Forschungsaktivitäten der ÖBB-Infrastruktur AG.
Sechs strategische Stoßrichtungen bilden die Grundpfeiler und Hauptadern entlang derer sich 19 zuge-
hörige operative F&E-Leuchtturminitiativen in die einzelnen Kerngebiete auffächern und inhaltlich ver-
tiefen.
Aufbauend auf den definierten Forschungszielen wurden neben vielen anderen F&E-Projekten die bei-
den Topinitiativen Rail4Futureund ERJU weiter vorangetrieben bzw. mit zugehörigen Einzelprojekten
gestartet. Beide sind essenziell für das Bahnwesen der Zukunft. Sie greifen ineinander und verschrän-
ken ihre Interessen, sodass die Vision der zukünftigen Bahninfrastruktur von mehreren Seiten gleich-
zeitig angesteuert werden kann. Forschungsaktivitäten, für die Europa thematisch durch Harmonisie-
rung, Regulierung und TSIs den Takt angibt, sind auch weiterhin in europäischen Forschungsinitiativen
wie z. B. „Shift2Rail” und „Europe’s Rail Joint Undertaking” gebündelt.
Im Rahmen des Projektes „Rail4Future – Resilient Digital Railway Systems to enhance Performance”,
das im April 2021 offiziell begonnen hat und welches sich zur Aufgabe gemacht hat, die Automatisierung
und Digitalisierung im System Bahn voranzutreiben, wurden u. a. im Frühjahr und Sommer 2023 um-
fangreiche Tests an einem ausgebauten Brückentragwerk am Gelände des COC Stahlbau in St. Pölten
durchgeführt. Dabei wurden mit dem ÖBB Tragwerk Pinkabachbrücke (Baujahr 1952, Stützweite von
21,5 m) zerstörende Versuche am Gesamttragwerk durchgeführt, um Aussagen zur Entwicklung von
Ermüdungsrissen mit zugehörigen Schwingversuchen sowie zur Ermittlung Resttragfähigkeit mit Spröd-
bruchversuchen zu bekommen. Aufgrund der Versuchsgröße und realitätsnaher Simulation der Bean-
spruchung aus Zugbetrieb waren dies weltweit einzigartige Versuche, deren Ergebnisse sehr gut über-
tragbar auf andere Stahlbrücken sind.
Die Mitwirkung der ÖBB-Infrastruktur AG an der europäischen Bahnforschungsinitiative „Europe’s Rail
Joint Undertaking“ (ER-JU) hat im Jahr 2023 auch operativ mit dem Start diverser Projekte begonnen.
Das ER-JU mit einem Projektvolumen von rd. 1,2 Mrd. EUR bis 2031 und der Zusammenarbeit von 25
europäischen Partner:innen aus den Bereichen Bahnen, Industrie und Forschung setzt einen wichtigen
und europäisch abgestimmten Schritt in Richtung Weiterentwicklung des Systems Bahn und zur Schaf-
fung einer integrierten und interoperablen europäischen Gesamtlösung. Die ÖBB-Infrastruktur AG ist
seit Beginn 2023 in vier großvolumigen Projekten als aktiver Partnerin beteiligt: KI-basierte Konflikter-
kennung und -auflösung in Echtzeit, ETCS Level 3 Full Moving Block, Automatisierung Verschub sowie
Cost-efficient wayside Assets.
Unterstützt in ihren Forschungsvorhaben wird die ÖBB-Infrastruktur AG von nationalen und internatio-
nalen Forschungsprogrammen. Enge Zusammenarbeit auf nationaler Ebene besteht vor allem mit dem
BMK und der FFG durch Beteiligung von individuell geförderten Projekten sowie Teilnahme am Förder-
programm „COMET – Competence Centers for Excellent Technologies“ und der Forschungsinitiative
Verkehrsinfrastrukturforschung VIF.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat den Jahresbericht retrospektiv zu ihren Forschungsaktivitäten 2022 er-
stellt und publiziert, um sowohl nach innen als auch nach außen transparent Einblick in aktuelle For-
schungsprojekte zu geben.
Mit Stichtag 31.12.2023 befanden sich in der ÖBB-Infrastruktur AG 74 teilweise zusammenhängende
und übergreifende F&E-Projekte in Bearbeitung. Darin enthalten sind auch jene Einzelprojekte, die im
Rahmen der Forschungsinitiativen Verkehrsinfrastrukturforschung VIF, ERJU, Shift2Rail, TARO und
Rail4Future verfolgt werden.
Seite 85 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
29
Das aktuelle Projektportfolio hat ein Gesamtvolumen von rd. 40,3 Mio. EUR (für alle aktuell laufenden
Projekte und jeweiligen Laufzeiten bis inkl. 2031 ohne Abzug von Förderungen).
Auszug aktueller Projekte
Die nachfolgend auszugsweise beschriebenen F&E-Initiativen, die sich teilweise aus mehreren, aber in
sich zusammenhängenden Einzelprojekten aufbauen, werden im Kontext mit den F&E-Leuchtturminiti-
ativen, die im Zuge der strategischen Forschungsstoßrichtungen erarbeitet wurden, vorgestellt.
Komponenten und Materialien
Das Projekt „SaRAS” (Safety and Risk of Anchored Structures) soll die innovative und effiziente Erfas-
sung und Beurteilung des Erhaltungszustands von geankerten Konstruktionen ermöglichen. Um hohe
Einschnitte, Dämme oder Baugruben zu sichern, werden in der Geotechnik oftmals geankerte Konstruk-
tionen (z. B. Stützbauwerke, Ankerbalken, Lisenen usw.) verwendet. Diese Bauweisen dienen in vielen
Anwendungsbereichen als Standardlösung. Der Nachteil dieser Konstruktionen besteht jedoch im ho-
hen Inspektions- und Instandhaltungsaufwand. Mit dem Projekt „SaRAS” soll mit einem wissenschafts-
basierten Ansatz die innovative und effiziente Erfassung und Beurteilung des Erhaltungszustandes von
Vorspannankern (Zugelemente) bei geankerten Konstruktionen untersucht werden. Die Entwicklung
neuer Arbeitsmittel wie benutzer:innenfreundliche hydraulische Pressen und effizientere Arbeitsabläufe
sowie -methoden sind bereits positive Ergebnisse dieses Forschungsprojektes.
Klimaresilienz und Energieeffizienz
Die Bewirtschaftung von Wasserkraftsystemen mit großen Speicherseen (Jahresspeicher) in den Alpen
ist vor dem Hintergrund der Energiewende eine große Herausforderung. Die ÖBB-Infrastruktur AG pro-
duziert den Strom für einen Teil des Zugverkehrs selbst, teilweise mit Wind-, Sonnen-, vor allem aber
mit Wasserkraft. Durch die erheblichen Unsicherheiten in den natürlichen Speicher- und Laufwasserzu-
flüssen sowie der Schwankungen des zukünftigen Bedarfs an Bahnstrom kann eine erhebliche Effi-
zienzsteigerung in der Nutzung des Wassers der ÖBB Speicherseen erreicht werden, wenn die mittel-
und langfristige Bewertung des Wassers basierend auf stochastischen Optimierungsansätzen erfolgt.
Gemeinsam mit dem Projektpartner Decision Trees aus München werden im Projekt
„SochOpt“ (Stochastische Optimierung) spezifische Problemstellungen der Beschaffung und Bereitstel-
lung von Bahnstrom untersucht. Die Ergebnisse fließen in die stochastische Optimierung mit ein. Ziel
des Gesamtprojekts ist es, regelmäßig Restjahresoptimierungen durchführen zu können, welche zur
Ermittlung der Wasserwerte der einzelnen Reservoirs dienen. Für jeden Tag soll mit diesen Wasserwer-
ten eine Day-Ahead-Optimierung durchgeführt werden, woraus dann die tatsächlichen Einsatzpläne
hervorgehen.
Zugsvorbereitung und Verschub
Das Hauptziel des Projekts „DACIO“ (Digital Automatic Coupling in Infrastructure Operations) ist es, die
Entwicklungsaktivitäten rund um die Digitale Automatische Kupplung (DAK) für den Eisenbahninfra-
strukturbetrieb zu unterstützen. Seit Projektstart im September 2021 wurden zahlreiche Grundlagen wie
technische und prozesshafte Beschreibungen, Use-Cases und Konzepte erarbeitet.
Condition-based und Predictive Maintenance
Mit dem Tunneldrainagenrover (TDR) soll zukünftig ein Werkzeug für eine flexible und ferngesteuerte
Inspektion von Drainagen auf mögliche Kalkablagerungen zur Verfügung stehen.
In Eisenbahntunneln mit Wasserdruckentlastung entstehen in den Tunnelabflussrohren Kalkablagerun-
gen. Diese werden durch Grundwasser oder Verwendung von zementhaltigen Baumaterialien verur-
sacht. Wenn die Ablagerungen zu stark werden, müssen die Abflussrohre gereinigt werden, um einen
Anstieg des Wasserdrucks auf die Tunnelauskleidung und somit Schäden zu verhindern. Der Zugbetrieb
muss während dieser Arbeiten unterbrochen werden. Daher wird ein Werkzeug für eine flexible und
ferngesteuerte Inspektion der Drainagen auf mögliche Ablagerungen entwickelt. Es wurde ein Prototyp
eines unbemannten TDR oder auch „Unmanned Ground Vehicle” (UGV) gebaut. Er besteht aus Acryl-
nitril-Butadien-Styrol (ABS) und ist vollkommen wasserdicht sowie korrosionsbeständig, fährt autonom
und hat die Reichweite von rd. 10 km. Kabelloses Aufladen ist ebenso möglich wie die Ausstattung mit
weiteren Sensoren wie Temperatur-, pH- und Wasserstandssensoren.
Seite 86 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
30
Aktuelle Ergebnisse zeigen, dass der Rover das Potenzial hat, unabhängig vom Bahnverkehr zu arbei-
ten, eine ungestörte Inspektion zu ermöglichen und Kalkablagerungen in einem sehr frühen Stadium zu
erkennen. Es wird erwartet, dass die Reinigung der Tunnelentwässerung in Zukunft nur noch durch
Spülen der Rohre erfolgen wird, ohne dass eine hydromechanische und / oder mechanische Reinigung
erforderlich ist, die zur Zerstörung der Rohre führen kann. Der Rover ist bereit, unter realen Bedingun-
gen getestet zu werden und das TRL7 (Technology-Readiness-Level) zu erreichen.
Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung betragen im Geschäftsjahr 2,8 Mio. EUR (Vj. 3,3
Mio. EUR).
Seite 87 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
31
D. Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Rahmenbedingungen und Herausforderungen
Seit mehr als 180 Jahren schafft der ÖBB-Infrastruktur-Konzern die Grundlage, um Menschen und Gü-
ter nachhaltig zu transportieren und trägt damit aktiv zur Steigerung der Lebensqualität sowie der Wett-
bewerbsfähigkeit Österreichs bei. Die Kund:innen werden mit einer leistungsfähigen Infrastruktur, ope-
rativer Exzellenz und attraktiven Services und Dienstleistungen begeistert – heute und auch in Zukunft.
Zu den Hauptaufgaben des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zählen die Bereitstellung von Fahrwegkapazi-
tät sowie die Planung, Errichtung, Instandhaltung und der Betrieb der Schieneninfrastruktur als auch
das Erbringen von Dienstleistungen im Eisenbahnbereich. Um die Aufgaben trotz wandelnder Rahmen-
bedingungen auch weiterhin mit hoher Qualität erfüllen zu können, muss unterschiedlichen Herausfor-
derungen begegnet werden:
– Kapazitäten schaffen für den Umstieg. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist das Rückgrat der Mobili-
tätswende in Österreich. Er ist gefordert, die entsprechenden Kapazitäten zu schaffen und so die
Verkehrsverlagerung im Personen- und Güterverkehr zu ermöglichen.
– Sicherheit und Pünktlichkeit. Die zu erwartende steigende Zugdichte muss sicher und zuverlässig
abgewickelt werden können. Optimierte und digitalisierte Betriebsprozesse sowie eine gelebte Sicher-
heitskultur sind die Basis für die hohen zukünftigen Anforderungen.
– Liberalisierung. Die steigende Anzahl von EVUs im Schienennetz bedingt eine Weiterentwicklung
der „Spielregeln am Netz”. Verkehrsartenspezifische Widmung von Trassenkapazitäten und ein ver-
lässlicher Rechtsrahmen für die Nutzungsbedingungen des Schienennetzes sind notwendig.
– Finanzen stabilisieren. Bedingt durch den Anlagenzuwachs und die zunehmende Technologisierung
steigt die Komplexität und somit auch die (absoluten) Kosten. Neben einem verkehrspolitisch und
regulatorisch tauglichen Erlösmanagement muss der Kostenzuwachs durch Optimierung von Wert-
schöpfungstiefe, Innovationen, Steigerung der Arbeitsproduktivität und strategischen Allianzen ge-
dämpft werden.
– Klimaschutz und Nachhaltigkeit forcieren. Der „Green New Deal” und die Dekarbonisierung der
Wirtschaft stellen den Verkehrssektor vor gravierende Herausforderungen. Der ÖBB-Infrastruktur-
Konzern sieht sich gefordert, den ökologischen Wettbewerbsvorteil des Systems Bahn weiter auszu-
bauen. Energie und Klimaschutz müssen daher ins Zentrum des Handelns gestellt werden.
– Multimodale Zukunft gestalten. Der Mobilitätsmarkt erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Verkehrs-
systeme wachsen zusammen bzw. entwickeln sich immer mehr zu vernetzten Mobilitätsökosyste-
men, in welchen das System Bahn weiter an Bedeutung gewinnen wird. Durch Bereitstellung von
multimodaler Bahnhofs- und Terminalinfrastruktur sowie von Anlagen- und Betriebsdaten unterstützt
der ÖBB-Infrastruktur-Konzern diese Zukunft.
– Digitalisierung nutzen, um besser zu werden. Durch die Digitalisierung bieten sich Möglichkeiten,
Mehrwert für Kund:innen und Organisation zu schaffen. Eine zielgerichtete Nutzung der Digitalisierung
eröffnet die Chance, Menschen einfacher zu verbinden und Prozesse weiter zu optimieren.
– Generationenmanagement bewältigen und Diversität erhöhen. Um auch in Zukunft erfolgreich zu
bleiben, muss der ÖBB-Infrastruktur-Konzern weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber mit einer inspirie-
renden und motivierenden Kultur der Zusammenarbeit sein. Durch ein gezieltes Generationenma-
nagement wird das Know-how im Unternehmen abgesichert. Innovative Formen der Zusammenarbeit,
Diversität und gleichberechtigte Karrierechancen für alle Mitarbeiter:innen müssen den ÖBB-Infra-
struktur-Konzern als Arbeitgeber künftig auszeichnen.
Strategie und Strategieumsetzung – Wichtige Initiativen im Konzern
#INFRA.Mobilitätswende – Die Unternehmensstrategie der ÖBB-Infrastruktur AG
Unter dem Titel „#INFRA.Mobilitätswende“ legt die ÖBB-Infrastruktur AG ihre strategische Ausrichtung
für die kommenden zehn Jahre vor, um den Erfolg des Unternehmens nachhaltig abzusichern.
Die Vision: Die ÖBB-Infrastruktur AG ist eine starke Partnerin in der Mobilitätswende:
– Die ÖBB-Infrastruktur AG verbessert ihre Produktivität und Klimaeffizienz.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG schafft die Kapazitäten für den Umstieg auf die Schiene.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG vernetzt sich analog und digital mit ihren Kund:innen und Partner:innen.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG ist eine attraktive Arbeitgeberin mit Vielfalt.
Seite 88 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
32
Um diese Vision zu erreichen und den Erfolg der Strategie zu messen, wurden folgende strategische
Ziele festgelegt:
– Die ÖBB-Infrastruktur AG schafft ein attraktives Angebot für die Mobilitätswende.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG stärkt den ökologischen Wettbewerbsvorteil der Bahn.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG steigert die Produktivität und Klimaeffizienz.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG hält Sicherheit und Pünktlichkeit auf hohem Niveau.
Abgeleitet von der Vision und den strategischen Zielen baut die Strategie der ÖBB-Infrastruktur AG auf
sechs strategischen Stoßrichtungen auf:
– Kund:innenzentriertes Geschäftsmodell – mehr Bahn für die Kund:innen. Die ÖBB-Infrastruktur
AG schafft attraktive Services und stellt ihre Kund:innen in den Mittelpunkt. Sie ist in Österreich und
weiten Teilen Europas die Partnerin für zuverlässige und reibungslose Mobilität. Die neuen Services
bringen die analoge und digitale Welt zusammen. Gemeinsam mit Partner:innen verbindet sie die
Schiene mit Straße, Schiff- und Luftfahrt. Sie versteht die Anforderungen ihrer Kund:innen und die
Kund:innen fühlen sich gut aufgehoben.
– Optimierte Wertschöpfungstiefe – mehr Fokus für die Kund:innen. Um die Ziele zu erreichen,
setzt die ÖBB-Infrastruktur AG ihre Mitarbeiter:innen optimal ein und achtet sorgsam auf ihre finanzi-
ellen Mittel. Sie konzentriert sich auf das Wesentliche und arbeitet in Zukunft einfacher und transpa-
renter zusammen. Überall dort, wo sie Leistungen nicht selbst erbringen kann, legt sie höchstes Au-
genmerk auf verlässliche Partner:innen und langfristige Beziehungen.
– Digitalisierung – eine vernetzte Bahn für die Kund:innen. Die ÖBB-Infrastruktur AG will den Bahn-
betrieb sicherer, wirtschaftlicher und produktiver steuern und auf ihren Strecken kürzere Taktfolgen
erreichen. Sie setzt dabei auf hoch verfügbare digitale Stellwerke und automatisiert künftig noch stär-
ker. Die Anlagen und Systeme sind miteinander vernetzt und liefern alle Daten in Echtzeit. Der erhöhte
Automatisierungsgrad bei der Zugproduktion steigert damit Sicherheit, Kapazität und Wirtschaftlich-
keit. Auf den Regionalbahnen nutzt sie ab dem Jahr 2025 innovative und kostengünstige Technik.
– Innovatives Anlagenmanagement – mehr Nachhaltigkeit für die Kund:innen. Die ÖBB-Infrastruk-
tur AG investiert verantwortungsbewusst und ökologisch. Für den gesamten Lebenszyklus von Anla-
gen gibt es Standards. Alle Teile sind digital geplant, passen optimal zueinander und sind jederzeit
hoch verfügbar. Gemeinsam mit ihren Partner:innen denkt sie immer ökologisch und höchst effizient
– vom Design, der Planung und Beschaffung, über den Bau bis zum Ausscheiden.
– Energiewende und Klimaschutz – eine grüne Bahn für die Kund:innen. Die ÖBB-Infrastruktur AG
leistet einen wesentlichen Beitrag, um den ökologischen Wettbewerbsvorteil des Systems Bahn weiter
auszubauen. Grüner Bahnstrom ist eine der Grundlagen für die klimafreundliche Mobilität. Durch eine
Ausbauoffensive für erneuerbare Energien, die Dekarbonisierung der Betriebsstätten und die Steige-
rung der Energieeffizienz forciert sie die Energiewende im System Bahn. Umfassende Ökologisie-
rungsinitiativen in der Anlagenbereitstellung sowie in der Beschaffung stärken die Rolle der ÖBB-Inf-
rastruktur AG als österreichischer Leitbetrieb für Klimaschutz.
– Generationenmanagement und Diversität – mehr Vielfalt für die Kund:innen. Der ÖBB-Infra-
struktur-Konzern ist ein attraktiver Arbeitgeber und fördert Vielfalt, Inklusion und Chancengleichheit.
Bis 2030 werden viele engagierte und vielfältige Mitarbeiter:innen neu im Konzern aufgenommen, die
gemeinsam als Team an einer erfolgreichen Zukunft arbeiten. Der Konzern hat einen großen Gene-
rationenwandel vor sich. Es gilt, das bestehende Wissen sicher weiterzugeben und Raum für neue
Ansätze und Ideen zu schaffen.
Strategieumsetzungsprogramm „Nordstern“
Um die effiziente Umsetzung der Strategie zu gewährleisten, wurden analog zu den sechs strategischen
Stoßrichtungen sechs strategische Programme initiiert. Diese werden unter dem konzernübergreifen-
den Programm „Nordstern“ strukturiert und organisiert. Dieses Strategieprogramm wurde bereits 2018
mit dem Fokus auf die strategische Dimension „Wettbewerbsfähigkeit“ initiiert und wird um die Dimen-
sion „Operative Exzellenz“, „Neue Services“ sowie „Starkes Team“ erweitert.
Das Zielnetz als ein wesentlicher Ansatz zur Strategieumsetzung
Mit dem Zielnetz 2025+ werden die strategischen Weichen für den Ausbau und die Instandhaltung der
Eisenbahninfrastruktur in Österreich gestellt. Es schafft die Voraussetzungen dafür, dass Schritt für
Schritt ein Taktfahrplan im Personenverkehr eingeführt werden kann, und unterstützt die weitere Verla-
gerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene. Die Weiterentwicklung des Infrastrukturan-
gebotes bildet eine Grundlage für die Gewinnung von zusätzlicher Nachfrage für die Schiene. Auf Basis
des aktuell gültigen Zielnetzes 2025+ wird ein Netzentwicklungsplan (NEP) erstellt, welcher konkrete
Zielsetzungen und Vorgaben zur Dimensionierung der Infrastruktur des ÖBB Streckennetzes enthält.
Seite 89 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
33
Darauf aufbauend werden in den Streckenentwicklungsplänen (SEPs) die Vorgaben und Inhalte aus
dem aktuell gültigen Zielnetz 2025+ und dem NEP in Etappen konkretisiert, priorisiert und auf die jewei-
lige Strecke übergeleitet. Durch die Fokussierung auf strategische Ziele und Maßnahmen spezifizieren
die SEPs die Vorgaben für die Weiterentwicklung der Strecken. Sie zeigen somit den Weg zur Errei-
chung und Umsetzung des aktuell gültigen Zielnetzes 2025+ auf und bilden ein wichtiges Instrument für
die Operationalisierung. Um auch künftig weiter die richtigen strategischen Maßnahmen setzen zu kön-
nen, finden aktuell die Arbeiten für das Zielnetz 2040 statt. Fokus des Zielnetzes 2040 ist die Identifika-
tion und Priorisierung von Erweiterungsinvestitionen, vor allem für den Zeitraum 2030 bis 2040. Aufbau-
end auf dem aktuell gültigen Zielnetz 2025+ wird sich das Zielnetz 2040 auf folgende Schwerpunkte
fokussieren:
– Internationale Verbindungen: Weiterentwicklung der internationalen Verbindungen
– Taktfahrplan: Weiterentwicklung des Taktfahrplans und Verkürzung der Fahrzeiten
– Schienengüterverkehr: Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs
– Ballungsräume: Mehr öffentlicher Nahverkehr in den Ballungsräumen
– Regionalverkehr: Bessere Anbindung des ländlichen Raums und der Regionalbahnen
Das Zielnetz 2040 wird vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern in enger Abstimmung mit dem BMK und der
SCHIG mbH entwickelt und soll in der ersten Jahreshälfte 2024 vom BMK veröffentlicht werden. In wei-
terer Folge sind noch 2024 eine öffentliche Konsultation sowie die Festlegung auf das finale Zielnetz
geplant. Die Entwicklung des Zielnetz 2040 erfolgt auf Grundlage einer fachlich fundierten und transpa-
renten Methode zur Entwicklung und Bewertung von zu Modulen zusammengefassten Einzelmaßnah-
men.
Infrastruktur – Investitionen in Ausbau und Sicherheit
Aufbauend auf dem Nationalen Energie- und Klimaplan wird das jährliche Investitionsprogramm über
die letzten Jahre um 5% pro Jahr ausgeweitet. Dies findet sich auch im aktuellen – von der Bundesre-
gierung beschlossenen – Rahmenplan 2024 bis 2029 mit einem Gesamtvolumen von rd. 21,1 Mrd. EUR
für die nächsten sechs Jahre wieder. Mit diesem Rahmenplan wird an den vorherigen Rahmenplan 2023
bis 2028 angeknüpft.
Mit dem Ausbau und der Modernisierung des Netzes wird ein bedeutender Beitrag für die heimische
Wirtschaft geleistet. Dabei werden auch gezielte Investitionen im ländlichen Raum getätigt, welche ins-
besondere Impulse für die regionale Wirtschaft – Fokus Klein- und Mittelbetriebe – bringen.
Die größten Projekte des laufenden Ausbauprogramms betreffen die Brennerachse und die neue Süd-
strecke. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Elektrifizierung und Attraktivierung von Regionalbahnen
sowie der Stammstrecke der Wiener Schnellbahn. Der Ausbau von Güterverkehrterminals, die Fortfüh-
rung der Bahnhofsoffensive, des Park & Ride- und Lärmschutzprogramms sowie ein umfangreiches
Sicherheits- und Betriebsführungspaket (inklusive Digitalisierungsschwerpunkten) tragen ebenso we-
sentlich dazu bei, entsprechend dem aktuell gültigen Zielnetz 2025+ ein hoch attraktives System
Schiene für Generationen zu schaffen.
Mit Forschung und Entwicklung sowie Innovation zum Erfolg der Zukunft
Innovation als wichtiger Hebel für die Strategieerreichung
Innovation ist ein wesentlicher Hebel zur Erreichung der strategischen Ziele des ÖBB-Konzerns. Dabei
konnten in den vergangenen Jahren schon einige Erfolge erzielt werden. Es gilt jedoch, die Arbeit kon-
tinuierlich fortzusetzen und Innovation als starke Triebkraft zur Strategieumsetzung im Unternehmen
stärker zu verankern. Die Ableitung von Innovationsthemen aus der Strategie und der Fokus auf das
Kerngeschäft leisten einen wesentlichen Beitrag, um die Wettbewerbsfähigkeit des Systems Bahn wei-
ter zu stärken. Die Wirkung der Innovationskraft wird am Erreichen von strategischen Zielen gemessen.
Open Innovation
Um die Innovationskultur im ÖBB-Konzern zu stärken, wurde die Methode der „Open Innovation“ etab-
liert. Gemeinsam mit internen Stakeholder:innen und Kund:innen wird nach neuen Lösungen und Ser-
vices gesucht, um das Bahnfahren von morgen zu gestalten. Dazu zählen neben fachlich qualifizierten
Mitarbeiter:innen, geeigneten Räumlichkeiten wie dem „Open Innovation Lab“ auch eine breite Palette
an Methoden um Innovationen zu ermöglichen. Bei der Umsetzung von Innovationsinitiativen wird das
Prinzip „Rapid Prototyping” angewandt: Aus Ideen werden rasch Prototypen entwickelt, die sofort im
Seite 90 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
34
Markt bei den Kund:innen getestet und auf Basis des Feedbacks weiterentwickelt werden. Der sich
wiederholende Prozess erlaubt es, Ideen effizient und rasch zu relevanten Produkten, Services und
Prozessen zu gestalten. Diese Methode schafft die Möglichkeit, in kurzer Zeit Kund:innenbedürfnisse
zu verstehen und die Produkte dafür maßzuschneidern.
Ideenwerkstatt als kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)
Um das Potenzial aller Mitarbeiter:innen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns für Ideen bestmöglich zu för-
dern und so gemeinsam die Weiterentwicklung der Zukunft des Konzerns voranzubringen, gibt es die
Ideenwerkstatt zur Einbringung von Verbesserungsvorschlägen. Damit sollen die Produkte, Services
und Prozesse stetig optimiert werden. Interne Fachexpert:innen prüfen, welche Ideen in die nächsten
Schritte weitergetragen werden.
2023 (Stand per 31.12.2023) wurden 624 Ideen in der Ideenwerkstatt durch Mitarbeiter:innen einge-
bracht und 121 davon erfolgreich umgesetzt. Durch diese Verbesserungsmaßnahmen gelang es, seit
2015 ein berechnetes Einsparungspotenzial von rd. 23,8 Mio. EUR zu heben.
Forschung und Entwicklung als Grundlage für Innovationen
Eine strategiegeleitete Forschung und Entwicklung steht im Mittelpunkt des Entwicklungsbestrebens
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Durch klar definierte Corporate-Research-Areas werden mehrjährige
Perspektiven geschaffen und mit zugehörigen langfristigen F&E-Roadmaps gesteuert. Gemeinsam mit
strategischen Partner:innen aus unterschiedlichen Kompetenznetzwerken positioniert sich der ÖBB-Inf-
rastruktur-Konzern als nationaler Leadpartner der Bahnzulieferindustrie und Kernteampartner bei Kon-
sortien. So werden nationale Forschungsprogramme sehr erfolgreich bespielt, ein Beispiel dafür ist die
Initiative „Rail4Future”. Die Beteiligung an europäischen Forschungsprogrammen hat dort Priorität, wo
Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten mit internationalen Partner:innen zu europäischen Herausfor-
derungen zu bündeln sind. Dies zeigt sich insbesondere mit der Beteiligung an den Forschungsinitiati-
ven „Shift2Rail” und „Europe´s Rail”. In einem gemeinsamen Bestreben mit anderen europäischen Bah-
nen, der Industrie und der Europäischen Kommission werden Maßnahmen zusammengefasst, um die
Bahn von morgen pünktlicher, zuverlässiger und kosteneffizienter zu machen.
Sonstige wichtige Vorgänge
Ausblick ÖBB-Konzern
Trend.Radar
Die ÖBB müssen die Trends, die das Geschäft und die Branchen bewegen oder in Zukunft beeinflussen
könnten, inhaltlich kennen. Fehlt dieses Wissen, fehlt automatisch auch die Basis für ein professionelles
Management. Das Entdecken, Analysieren und Bewerten von Trends kann daher nicht ausgelagert wer-
den, sondern muss im Konzern selbst erfolgen. Das Motto lautet: Heute in die Zukunft von morgen
investieren.
Jeden Tag werden in Unternehmen Entscheidungen getroffen, die große Auswirkungen auf deren wirt-
schaftlichen Erfolg haben. All diese Entscheidungen beruhen auf Annahmen, wie sich unter anderem
Märkte, Gesellschaft und Technologien entwickeln werden.
Das Trendmanagement hat sich als wesentlicher Baustein etabliert, um zukünftige Entwicklungen ver-
stehen und aktiv mitzugestalten zu können.
Die Ziele des Trends.Radars bei der ÖBB beruhen auf den Kerngrößen „Identifikation von Wachstums-
potenzialen“ sowie „Erarbeitung von Wettbewerbsvorteilen“.
Sich mit Trends zu beschäftigen, bietet viele Möglichkeiten, den Markt und seine Dynamik zu verstehen
und zukünftige Entwicklungen transparent und nachvollziehbar zu machen. Daraus ergeben sich Vor-
teile wie die Kenntnisse über die wesentlichen zukünftigen Handlungsfelder, eine frühzeitige Weichen-
stellung für Zukunftsthemen, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, die Positionierung als Zukunftsun-
ternehmen mit strategischem Weitblick etc.
Seite 91 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
35
Umsetzung und Weiterentwicklung der Strategie – der jährliche Stragie-Reviewprozess
Der in den ÖBB etablierte konzernweite Strategie-Review in seiner standardisierten Form und Vorge-
hensweise bietet einen effizienten und replizierbaren jährlichen Zyklus und erlaubt ein hohes Maß an
Konsequenz in der Umsetzung. Gleichzeitig sichert der Strategie-Reviewprozess die Berücksichtigung
der wesentlichen strategischen Themen in der Budget- und Mittelfristplanung.
Zur konsequenten Umsetzung der Strategie ist eine klare Ausrichtung der Organisation, eine struktu-
rierte Vorgehensweise zur Beschreibung bzw. Schärfung der Ziele und andererseits die Involvierung
der Organisation notwendig.
Die strategische Ausrichtung sowie die strategischen Ziele der ÖBB wurden im vergangenen Re-
viewprozess bestätigt – und das trotz teilweise gravierender Veränderungen im Marktumfeld. Die Stei-
gerung der Kapazitäten, die Optimierung der operativen Kosten, die Dekarbonisierung des Mobilitäts-
systems sowie die Basiswerte Pünktlichkeit und Sicherheit müssen im Fokus der Strategieumsetzung
bleiben, um die Wettbewerbsfähigkeit weiter auszubauen.
Seit der Strategieverabschiedung hat sich das Marktumfeld für die Operationalisierung der Strategie
verschärft. Besonders hervorzuheben sind dabei die erheblichen Preis- und Kostensteigerungen in den
Bereichen Energie, Material, Personal, Zinsen etc. Das beinhaltet volatile Energiemärkte und der syn-
chrone Ausbau erneuerbarer Energien in Europa, die Störungen und Engpässe in strategisch relevanten
Lieferketten (Bau, Digitalisierung, Fahrzeuge) sowie die gravierenden Veränderungen am Arbeitskräf-
temarkt.
Zur Sicherstellung der Zielerreichung wurden dementsprechende Gegensteuerungsmaßnahmen in den
jeweiligen Teilstrategien gesetzt.
Die im Konzern etablierten strategische KPIs (KPI = Key Performance Indicator) dienen dabei der wei-
teren Operationalisierung der Konzern-, Markt- und Funktionalstrategien und zur kontinuierlichen Nach-
verfolgung deren Erreichung. Diese KPIs unterstützen die Konzerngesellschaften in den konkreten Be-
schreibungen der Ziele und verknüpft die Wirkung der relevanten Initiativen (Projekte, Programme etc.)
auf die Strategieumsetzung. Dies verstärkt die Ausrichtung der täglichen Arbeit anhand der Strategie.
Ausblick ÖBB-Infrastruktur-Konzern
Rahmenplan 2024 bis 2029
Die ÖBB-Infrastruktur AG investiert in den nächsten Jahren rd. 21,1 Mrd. EUR in ein modernes
Eisenbahnnetz. Damit kann der eingeschlagene Investitionskurs in grüne Mobilität nachhaltig
abgesichert werden. Die Zeitpläne der Projekte wurden dem aktuellen Stand der Projektentwicklung
angepasst und fortgeschrieben.
Ergänzend zu den Großprojekten entlang der Südstrecke wird der Fokus unter anderem auf den Ausbau
des Nahverkehrs in Ballungsräumen gelegt. Die Regionalbahnen werden attraktiviert und ein
entsprechendes Elektrifizierungsprogramm weiter forciert. Von großer Bedeutung wird auch der weitere
Ausbau von Infrastrukturanlagen für den Güterverkehr sein. Ein Teil der Investitionen wird
zukunftsorientiert in die Digitalisierung fließen.
Für den Bau der Neubaustrecke Köstendorf – Salzburg werden die ersten Geldmittel in die Hand
genommen. Durch den viergleisigen Ausbau der Weststrecke vor Salzburg werden höhere Kapazitäten
und damit ein besseres Angebot im Personen- und Güter- sowie im Nah- und Fernverkehr möglich.
Ebenfalls neu im Rahmenplan sind der zweigleisige Ausbau der Strecke Werndorf – Spielfeld, als
wichtiger Abschnitt Richtung Südosteuropa und zum Hafen Koer, der zweigleisige Ausbau des
Abschnitts Nettingsdorf – Rohr-Bad Hall auf der Pyhrnstrecke sowie zwei Regionalbahnvorhaben: der
Ausbau Herzogenburg – St. Pölten sowie die Attraktivierung der Ossiacherseebahn.
Auch die Modernisierung von Bahnhöfen und Haltestellen wird weiter vorangetrieben. Im Rahmen
dessen soll der Zugang zur Bahn so einfach wie möglich gestaltet werden. Der barrierefreie Umbau von
Bahnhöfen und Haltestellen ist ein wichtiger Baustein im Rahmenplan. Neu ist unter anderem der
Bahnhofsumbau Straßwalchen sowie die Attraktivierungen in Maishofen-Saalbach und Leogang
anlässlich der bevorstehenden alpinen Ski-WM 2025.
Seite 92 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
36
Die Infrastrukturprojekte der Graz-Köflacher-Bahn (GKB) sind im Hinblick auf die bevorstehende
organisatorische Integration der GKB-Infrastruktursparte in die ÖBB-Infrastruktur AG mit einer
Investitionssumme von rd. 500,0 Mio. EUR und den erforderlichen Instandhaltungsmitteln erstmals
ebenfalls im Rahmenplan abgebildet.
Mit dem Rahmenplan 2024 bis 2029 wurden auch Anpassungen im Zeitplan einzelner Projekte
vorgenommen. Beim Ausbau Hinterstoder – Pießling-Vorderstoder (Pyhrnstrecke) konnte die geplante
Inbetriebnahme von 2034 auf Ende 2031 um rd. drei Jahre nach vorne verlegt werden. Beim
Nordabschnitt der Nordbahn kommt es zu einer Verschiebung des Baubeginns um zwei Jahre, beim
abschnittsweisen zweigleisigen Ausbau der Franz-Josefs-Bahn kommt es zu einer Verschiebung des
Baubeginns um drei Jahre. In Wien kommt es zu einer Anpassung beim Projekt Verbindungsbahn. Der
Baustart ist nun erst für 2025 vorgesehen. Grund dafür sind in allen drei Fällen längere
Behördenverfahren.
Entlang der Weststrecke wurde die Inbetriebnahme des viergleisigen Ausbaus Linz Ost im Zuge der
Überarbeitung der Bauablaufplanungen um ein Jahr, von Ende 2032 auf Ende 2033, verschoben. Für
den Ausbau im Abschnitt Linz – Marchtrenk musste die voraussichtliche Inbetriebnahme wegen des
lange laufenden und nunmehr abgeschlossenen Behördenverfahrens um ein Jahr, von Ende 2030 auf
Ende 2031, verschoben werden.
Angepasst wird auch der Zeitplan für den Brenner Nordzulauf (Neubaustrecke Schaftenau – Knoten
Radfeld). Aufgrund der Abhängigkeit zur Zeitschiene weiterer Projekte entlang der Brennerachse wird
der Beginn der Hauptbauarbeiten auf 2028 verschoben werden. Die Inbetriebnahme ist damit für 2037
vorgesehen.
Seite 93 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
37
Nachhaltigkeit
Energie
Der ÖBB-Konzern benötigt zur Versorgung der Züge sowie auch der Betriebsanlagen (z. B. Bahnhöfe,
Betriebsstätten) Strom, Gas und Wärme.
Die Energieversorgung des elektrifizierten österreichischen Eisenbahnnetzes wird mit dem System der
Bahnstromversorgung gewährleistet. Rd. 8.000 km Oberleitungen werden über rd. 60 Unterwerke, die
wiederum über ein 2.000 km langes Bahnstromnetz (110 / 55 kV) verbunden sind, versorgt.
Seit 2018 verwendet der ÖBB-Konzern ausschließlich grünen Bahnstrom aus zu 100% erneuerbaren
Energiequellen. Ebenso wurde ab 2019 auch die Drehstromversorgung aller Bahnhöfe, Büros, Werk-
stätten und anderer Betriebsanlagen ebenfalls auf Strom aus zu 100% erneuerbaren Energieträgern
umgestellt. Ein maßgeblicher Teil des Stroms, der für den Betrieb benötigt wird, kommt aus acht ÖBB
Wasserkraftwerken (sieben produzieren Bahnstrom, eines produziert Drehstrom), vier Partner-Wasser-
kraftwerken und derzeit 92 Solarkraftwerken. Seit Ende 2022 speist auch die Windkraftanlage in Höflein
jährlich 6,75 GWh in die Oberleitung der Ostbahn (Wien – Budapest) ein. Die restliche Menge des be-
nötigten grünen Bahnstroms wird vom Markt zugekauft. Mit sieben Frequenzumformern wird das
Bahnstromnetz, welches mit einer Frequenz von 16,7-Hz betrieben wird, mit den öffentlichen 50-Hz-
Netzen verbunden. Der über diese Frequenzumformer bezogene Strom stammt ebenfalls zu 100% aus
erneuerbaren Energiequellen (abgesichert mit Herkunftsnachweisen). Auch der restliche Drehstrom für
die Versorgung von Gebäuden und Betriebsanlagen wird auf dem freien Markt bezogen.
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist die ÖBB-Infrastruktur AG als Unternehmen von öf-
fentlichem Interesse mit einer Vielzahl von Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen konfrontiert. Bereits
seit dem Geschäftsjahr 2017 wird eine nichtfinanzielle Erklärung im Lagebericht veröffentlicht. Die An-
forderungen an die Qualität und Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung steigen von Jahr zu Jahr,
neue EU-Vorgaben für ein nachhaltiges Wirtschafts- und Finanzsystem im Rahmen des Green Deals
schaffen das entsprechende Regelwerk. Neben den Vorgaben der EU-Taxonomie-Verordnung zur Klas-
sifizierung von nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten werden durch die Corporate Sustainability Reporting
Directive ab dem Geschäftsjahr 2024 zusätzlich noch detailliertere Berichtspflichten (ökonomisch, öko-
logisch, sozial) eingeführt – unter anderem durch verpflichtende EU-Berichtsstandards. Dadurch soll die
Vergleichbarkeit erhöht und damit mehr Transparenz sichergestellt werden.
Digitalisierung
Damit unsere Kund:innen auch in Zukunft die Vorteile der Digitalisierung nutzen können, erprobt die
ÖBB-Infrastruktur AG schon jetzt zukunftsweisende Stellwerkstechnologien (cloudfähige Lösungen)
und setzt im Bereich der Digitalisierung verstärkt auf Kooperationen mit Partnerbahnen (DACH). Smarte
Feldelemente, die Auflösung von begrenzten Stellbereichen sowie hardwareunabhängigere Reinvesti-
tionszyklen werden mittel- bis langfristig einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Life-Cycle-
Kosten und geringeren Instandhaltungsaufwendungen leisten.
Mit der Festlegung und Abnahme der Regionalbahnarchitektur 2026+ wurden im Zuge des Innovations-
programms „Regionalbahntechnik“ die Weichen zur Attraktivierung von Regionalbahnen gestellt. Durch
Bündelung innovativer Technologie für Regionalbahnen wird die Kapazität und Wirtschaftlichkeit dieser
Strecken optimiert. Das Programm liefert dabei die Grundlagen für einen gesamthaften Sicherungstech-
nik- und Telematik-Ausrüstungsstandard auf Regionalbahnen. Die wesentlichen Einsparungspotenziale
werden insbesondere durch die innovative Ausgestaltung von Eisenbahnkreuzungen, den Abbau von
Systembrüchen (z. B. durch Einsatz von ETCS L2 Only), die Vereinfachung sicherungstechnischer Sys-
teme sowie der Verwendung moderner Mobilfunksysteme erwartet.
Das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS Level 2 stellt die Basis jeglicher zukünftigen Auto-
matisierung im sicherheitsrelevanten Bereich des Bahnverkehrs dar. Die ÖBB-Infrastruktur AG verfolgt
das Ziel, ETCS Level 2 flächendeckend im starkbelasteten Streckennetz zu implementieren und so die
in die Jahre gekommenen punktförmigen Zugbeeinflussungen (PZBs) sukzessive zu ersetzen. Diese
Maßnahme trägt zu einer nachhaltigen Verbesserung der bestehenden Sicherheitsleistung bei.
Seite 94 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
38
Die Modernisierung der Planung, Disposition und Abwicklung von AVZ-Leistungen (Leistungen für An-
lagen, Verschub, Zugvorbereitung) wird als Prototyp im Projekt „PORTHOS” erprobt und anschließend
umgesetzt. Dadurch werden Medienbrüche reduziert und regelmäßige, manuelle Tätigkeiten minimiert.
Das Ziel besteht in der Realisierung einer hochgradig automatisierten Machbarkeitsprüfung und Dispo-
sition aller Verschubstandorte mittels standardisierter Schnittstellen. Ebenso werden durch eine neue,
prozessoptimierte Softwareumsetzung fünf Altapplikationen abgelöst. Auch die Digitalisierung betriebli-
cher Prozesse im Bahnbetrieb wird durch hochgradig systemische Unterstützung und die Übermittlung
von abfahrtsgenauen Fahrplänen und Zugpapieren via Datenschnittstellen zahlreiche manuelle Tätig-
keiten und Medienbrüche reduzieren. Dies ermöglicht den Entfall von Papierausdrucken, eine präzisere
Disposition, höhere Taktung sowie höhere betriebliche Sicherheit für Triebfahrzeugführer:innen, da ziel-
gerichtete Informationen vorhanden sein werden.
Um die zunehmende Anzahl an Zugfahrten disponieren zu können, wird eine automatisierte Konflikter-
kennung sowie -lösung stufenweise in die digitalen Traffic-Management-System-Module der ÖBB-Inf-
rastruktur AG implementiert. Mit den Entwicklungen aus dem Projekt „AZL – adaptive Zuglenkung” wer-
den die Konflikte am Schienennetz auf Basis von Echtzeitdaten und mittels intelligenter Algorithmen
identifiziert. In einer stufenweise Umsetzung wird dann die automatisierte Lösung der Konflikte imple-
mentiert. Die Information des optimierten Betriebsablaufs wird über definierte Schnittstellen an die Trieb-
fahrzeugführer:innen des jeweiligen Zuges als Fahrempfehlung weitergegeben. Durch diese intelligente
Beeinflussung des Zugverkehrs kann die Effizienz weiter gesteigert werden, was sich positiv auf die
Betriebsqualität und den Energiebedarf auswirkt.
Im Zuge der Digitalisierung gewinnt auch die Datenerfassung und Datenanalyse von Sensoriken wie
etwa von Zuglaufcheckpoints stark an Bedeutung, da diese zunehmend sowohl als Grundlage für pre-
dictive Maintenance-Anwendungen und weiteren Optimierungen hinsichtlich Kostenreduktion als auch
zur Erhöhung der Sicherheit und Effizienz dienen. Durch digitalisierte Informationen und Lösungen in
der ÖBB-Infrastruktur AG wie z. B. dem ÖBB Infra-InfoHub können Informationen auch mit anderen
Verkehrsinfrastrukturbetreibern vernetzt werden und bilden so die Grundlage für ein multimodales Ver-
kehrsmanagement.
Als weiteres wichtiges strategisches Projekt arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG an einer zentralen digi-
talen Kund:innenplattform, um die EVU-Kund:innen umfassend besser servicieren zu können. Mit dieser
Plattform werden die Kund:innenprozesse mit den operativen Abläufen in der ÖBB-Infrastruktur AG ver-
bunden.
Für die Digitalisierung des Geschäftsprozesses „Infrastruktur Managen” wurden die Projekte mit dem
Ziel, einen transparenten und standardisierten Datenfluss, einen durchgehenden integrierten digitalen
Prozess vom Planen über das Bauen bis zum Betreiben zu schaffen. Dabei werden die lokalen veralte-
ten IT-Tools sowie Medien- und Systembrüche durch eine moderne integrierte IT-Lösung ersetzt. Fokus
sind bei diesen Lösungen die durchgehenden Prozesse und der Nutzen für die jeweiligen Mitarbeiter:in-
nen, damit diese zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und in der richtigen Form die richtigen Daten
zur Verfügung haben, die sie für ihre Arbeit benötigen, um das Kerngeschäft effizient abzuwickeln. Mit
der Digitalisierung von Prozessen wird außerdem die Automatisierung von Abläufen an den Terminals
und die automatisierte Abrechnung von Energieverbrauch für EVUs vorbereitet.
Die Umsetzung des funktionalen digitalen Zwillings der ÖBB-Infrastruktur AG wird weiter vorangetrie-
ben, um das Ziel einer datengetriebenen Organisation und Entscheidungsfindung voranzutreiben. Die
Daten werden in der notwendigen Qualität und Aktualität bereitgestellt, um diese in die jeweiligen Ge-
schäftsprozesse integrieren zu können. Sensoriken für die einzelnen Objekte des digitalen Zwillings
werden mit den virtuellen Anlagen verknüpft, um zunehmend mehr Wissen und Intelligenz aus den Da-
ten zu schöpfen. Bedarfsgerechte Fachsichten werden bereitgestellt und nach Bedarf miteinander ver-
bunden.
Durch die Umsetzung von Maßnahmen im Bereich Information Security, abgestimmt mit der ÖBB-Hol-
ding AG, wird die Segmentierung von Netzzonen in der ÖBB-Infrastruktur AG durchgeführt, um sicher-
zustellen, dass zukünftig die IT-Services für den Eisenbahnbetrieb von allen weiteren IT-Services ge-
trennt und somit abgesichert werden. Schrittweise wird der Grad der Information-Security hin zu einer
nachhaltig besseren Resilienz gegenüber bestehender oder neuer (Cyber-) Bedrohungen gesteigert
und die Vorbereitung auf die Cybersicherheits-Richtlinie NIS2 (Sicherheit für Netz- und Informations-
systeme) durchgeführt.
Seite 95 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
39
Durch den konsequenten Ausbau des Datennetzes wurden die technischen Grundlagen für die Netz-
werksegmentierung (Datennetztrennung) hergestellt. Damit einhergehend ist die Erhöhung der Daten-
netzsicherheit (Trennung der betrieblichen Netzsegmente von Office-Netzsegmenten), welche durch
den bereits umgesetzten Ausbau von Systemen für die Netzwerksicherheit weiter gestärkt wird.
Dies schafft auch die Voraussetzung für eine zunehmende Nutzung von hybriden Cloudservices, die
aufgrund der Flexibilität und Skalierbarkeit eine Voraussetzung für zahlreiche Digitalisierungsvorhaben
bilden. Die ÖBB-Infrastruktur AG arbeitet hier gemeinsam mit dem ÖBB-Konzern an den Rahmenbe-
dingungen und Basis für eine zunehmende sinnvolle Nutzung und Management dieser neuen Möglich-
keiten.
Ergebnisausblick
Die Budget- und Mittelfristplanung 2024 bis 2029 basiert auf den strategischen Konzernzielen. Das
Handeln des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns in den kommenden sechs Jahren ist auf eine Angebotsaus-
weitung mit dem Fokus auf Kund:innennutzen und wirtschaftlich nachhaltiges Wachstum ausgerichtet.
Seite 96 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
40
E. Konzernbeziehungen
Muttergesellschaft ÖBB-Holding AG
Die Muttergesellschaft ÖBB-Holding AG ist eine Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht. Die
Gründung und Errichtung der Gesellschaft erfolgte auf der Grundlage des § 2 Bundesbahnstrukturge-
setz 2003. Die ÖBB-Holding AG erbringt für die ÖBB-Infrastruktur AG und andere Konzerngesellschaf-
ten diverse Leistungen wie z. B. Marketing- und Treasury-Leistungen. Diese werden mittels Konzer-
numlage bzw. mittels Leistungsverrechnung an die Konzerngesellschaften verrechnet. Im Geschäftsjahr
2023 wurden der ÖBB-Infrastruktur AG rd. 3,5 Mio. EUR (Vj. rd. 1,5 Mio. EUR) verrechnet, die von der
ÖBB-Holding AG verrechnete Konzernumlage betrug rd. 20,0 Mio. EUR (Vj. rd. 18,4 Mio. EUR).
Unmittelbare Tochtergesellschaften der ÖBB-Holding AG sind vor allem die Teilkonzernmuttergesell-
schaften ÖBB-Personenverkehr Aktiengesellschaft („ÖBB-Personenverkehr AG”), die Rail Cargo Aus-
tria Aktiengesellschaft („Rail Cargo Austria AG”) und ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft („ÖBB-Infra-
struktur AG”).
ÖBB-Personenverkehr AG
Aufgabe der ÖBB-Personenverkehr AG ist insbesondere die Beförderung von Personen, einschließlich
der Erbringung gemeinwirtschaftlicher Leistungen sowie die Herstellung und das Betreiben aller hierzu
notwendigen Einrichtungen mit Ausnahme der Schieneninfrastruktur und die Besorgung aller damit
zusammenhängenden oder dadurch veranlassten Geschäfte sowie vor allem das Führen eines öffent-
lichen Personenverkehrs aufgrund von Tarifen und Fahrplänen. Im Geschäftsjahr 2023 wurden mit der
Gesellschaft rd. 282,5 Mio. EUR (Vj. rd. 237,9 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Diese Erträge resul-
tieren zum überwiegenden Teil aus der Verrechnung von Infrastrukturbenützungsentgelten. Der ÖBB-
Infrastruktur AG wurden rd. 14,6 Mio. EUR (Vj. rd. 14,8 Mio. EUR) im Wesentlichen für die außertarifi-
sche Beförderung von Mitarbeitern verrechnet.
Rail Cargo Group
Die Rail Cargo Austria AG hat insbesondere die Beförderung von Gütern einschließlich der Erbringung
von gemeinwirtschaftlichen Leistungen sowie die Herstellung und das Betreiben aller hierzu notwendi-
gen Einrichtungen mit Ausnahme der Schieneninfrastruktur und die Besorgung aller damit zusammen-
hängenden oder dadurch veranlassten Geschäfte sowie vor allem das Führen eines Güterverkehrs zur
Aufgabe. Mit der Gesellschaft wurden im Geschäftsjahr 2023 151,7 Mio. EUR (Vj. rd. 116,0 Mio. EUR)
Gesamterträge erzielt. Der ÖBB-Infrastruktur AG wurden 1,5 Mio. EUR (Vj. rd. 0,8 Mio. EUR) verrech-
net. Es wurden bezogene Leistungen in Höhe von rd. 0,1 Mio. EUR (Vj. rd. 0,0 Mio. EUR) aktiviert.
Mit der Rail Cargo Logistic Environmental Services GmbH wurden im Berichtsjahr Gesamterträge in
Höhe von 12,3 Mio. EUR (Vj. rd. 13,6 Mio. EUR) erzielt. Der ÖBB-Infrastruktur AG wurden 80,7 Mio.
EUR (Vj. rd. 70,1 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden bezogene Leistungen in Höhe von 28,6 Mio. EUR
(Vj. rd. 25,8 Mio. EUR) aktiviert.
ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH
Gemeinsame Tochtergesellschaft der ÖBB-Personenverkehr AG sowie der Rail Cargo Austria AG ist
die ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH („ÖBB-Produktion GmbH”). Aufgabe des Unternehmens ist ins-
besondere die Erbringung von Traktions- und Serviceleistungen für andere Eisenbahnunternehmen. Im
Geschäftsjahr 2023 wurden mit der Gesellschaft rd. 350,6 Mio. EUR (Vj. rd. 185,7 Mio. EUR) Gesamt-
erträge erzielt, welche zum überwiegenden Teil aus der Verrechnung von Traktionsstrom resultieren.
Der ÖBB-Infrastruktur AG wurden rd. 17,9 Mio. EUR (Vj. rd. 19,8 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden
bezogene Leistungen in Höhe von rd. 1,0 Mio. EUR (Vj. rd. 0,4 Mio. EUR) aktiviert.
ÖBB-Technische Services Gesellschaft mbH
Gemeinsame Tochtergesellschaft der ÖBB-Personenverkehr AG sowie der Rail Cargo Austria AG ist
die ÖBB-Technische Services-Gesellschaft mbH. Aufgabe des Unternehmens ist insbesondere die Er-
bringung von Serviceleistungen im Zusammenhang mit Schienenfahrzeugen. Im Geschäftsjahr 2023
wurden mit der Gesellschaft rd. 46,5 Mio. EUR (Vj. rd. 34,3 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Der ÖBB-
Seite 97 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
41
Infrastruktur AG wurden rd. 6,9 Mio. EUR (Vj. rd. 14,6 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden bezogene
Leistungen in der Höhe von rd. 0,5 Mio. EUR (Vj. rd. 2,1 Mio. EUR) aktiviert.
ÖBB-Business Competence Center GmbH
Die ÖBB-Business Competence Center GmbH erbringt als konzerninterne Servicegesellschaft vorwie-
gend standardisierte, administrative Dienstleistungen. Im Geschäftsjahr 2023 wurden mit der Gesell-
schaft rd. 28,8 Mio. EUR (Vj. rd. 23,9 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Der ÖBB-Infrastruktur AG wur-
den rd. 133,3 Mio. EUR (Vj. rd. 119,9 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden bezogene Leistungen in der
Höhe von rd. 14,8 Mio. EUR (Vj. rd. 15,1 Mio. EUR) aktiviert.
Die wichtigsten Tochtergesellschaften der ÖBB-Infrastruktur AG
Die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH bietet moderne Immobiliendienstleistungen an.
Mit rd. 23.000 Liegenschaften sind die ÖBB einer der größten Immobilieneigentümer Österreichs. Die
ÖBB-Immobilienmanagement GmbH – eine hundertprozentige Tochter der ÖBB-Infrastruktur AG –
agiert als gesamtheitlicher Immobiliendienstleister primär innerhalb des ÖBB-Konzerns. Ihr Aufgaben-
gebiet umfasst den Verkauf und die Verwertung von Immobilien, Projektentwicklung, Umsetzung der
Bahnhofsoffensive, Liegenschaftsverwaltung (kaufmännisch und technisch) sowie Bahnhofs- und
Raummanagement. Sie entwickelt und verwertet nicht betriebsnotwendige Liegenschaften und betreut
ein umfassendes Portfolio von 3.595 Gebäuden sowie 1.031 Personenbahnhöfen und Haltestellen über
ihren gesamten Lebenszyklus. Das Leistungsspektrum umfasst die kaufmännische und technische
Hausverwaltung sowie die Anlagenverantwortung für nahezu alle Hochbauanlagen des ÖBB-Konzerns
inkl. Bahnhöfen. Ihr Verantwortungsbereich umfasst zudem die Erstellung von hochbaurelevanten Qua-
litätsstandards und Prüfsystemen. Rd. 800 Mitarbeiter:innen sorgen österreichweit für die professionelle
und effiziente Abwicklung des umfassenden Leistungsportfolios. Für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern
konnten im Geschäftsjahr 2023 aus der Verwertung von Liegenschaften Ergebnisbeiträge (Erlöse ab-
züglich Buchwerte und Rückstellungen) in Höhe von rd. 20,5 Mio. EUR (Vj: rd. 72,7 Mio. EUR) erzielt
werden.
Neben den Aufgaben in der Hausverwaltung im Bereich Bahnhofs- und Liegenschaftsmanagement ist
die Eigentümerrolle für sämtliche Liegenschaften (Hochbauten und Grundstücke) sowie für die Perso-
nenbahnhöfe hervorzuheben. Somit verantwortet die ÖBB-Immobilienmanagement GmbH das Gesamt-
bild des Bahnhofs im Sinne der Mobilitätskette mit Bahnhofsgebäude, Vorplätzen, Straßen, Wegen,
Park & Ride-Anlagen, Kund:innensanitäranlagen und Bahnsteigen bis zur Bahnsteigkante. Sie ist der
kompetente Ansprechpartner sowohl konzernintern als auch gegenüber Kund:innen, Anrainer:innen,
Gebietskörperschaften und Interessensgruppen. Eine der wichtigsten aussagekräftigen Qualitätskenn-
zahlen des ÖBB-Immobilienmanagements sind: Qualitätscheck, Störungskennziffern und Beschwer-
den.
Der gesetzte Zielwert für die Kund:innenzufriedenheit in Summe (Durchschnitt aller Kategorien im Qua-
litätscheck) wurde im Jahr 2023 wieder erreicht bzw. sogar um 1,9 Prozentpunkte überboten. Die Ziel-
werte wurden in allen acht QC-Kategorien erreicht. Die Anforderungen betreffend Sicherheit, Sauberkeit
WC, Sauberkeit und Erhaltung Bahnhof, Barrierefreiheit, Wegeleitung, Parkmöglichkeiten, Warten am
Bahnhof, Kaufen / Konsumieren im Hinblick auf den definierten Zielwert wurden überboten.
Die Anzahl der einzuleitenden, anlagenrelevanten Sofortmaßnahmen zur umgehenden Behebung der
festgestellten Mängel (ohne Kund:inneninformation, ohne Fahrweg) verzeichnete 2023 laut QC Ma-
nagement Report im Jahresverlauf eine rückläufige Entwicklung. Die aktuelle Anzahl der Sofortmaß-
nahmen je Verkehrsstation liegt gemittelt pro Monat bei 0,10 und ist somit niedriger als im Vorjahr (0,13).
Da sich die Sofortmaßnahmen konstant auf einem sehr guten niedrigen Niveau befinden, konzentriert
man sich in weiteren Analysen schwerpunktmäßig auf die Ursache von festgestellten Mängeln, um die
Qualität am Bahnhof weiterhin sicherzustellen bzw. noch zu verbessern.
Zu Beginn der Erhebung im Jahr 2013 lag die Anzahl der Sofortmaßnahmen vergleichsweise gemittelt
bei 7.000 pro Monat.
Die Gesamtzahl der Beschwerden im Geschäftsjahr 2023 beläuft sich auf 1.556. Die Gliederung der
Beschwerdezahl sieht wie folgt aus: Sicherheit 295, Sauberkeit WC 156, Sauberkeit und Erhaltung
Bahnhof 284, Barrierefreiheit 197, Wegeleitung 73, Parkmöglichkeiten 385, Warten am Bahnhof 153,
Kaufen / Konsumieren 13.
Seite 98 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
42
Die Rail Equipment GmbH und die Rail Equipment GmbH & Co KG sind Gesamtdienstleister für
schienen- und straßengebundene (Spezial-) Fahrzeuge des ÖBB-Konzerns und betreiben ein professi-
onelles Fuhrparkmanagement mit Schwerpunkt auf:
• Beratung
• Beschaffung ökonomisch und ökologisch
• Finanzierung
• Services, Wartung, Reifen, Versicherung etc.)
• Verwertung
Die Rail Equipment Gesellschaften stellen durch ein Reportingsystem eine optimale Kosten- und Infor-
mationstransparenz über alle anfallenden Fahrzeugkosten zur Verfügung.
Durch die neutrale Beratung, Bündelung der Beschaffung, sowie einer Ausrichtung der Wertschöpfungs-
kette an marktüblichen Bedingungen wird eine größtmögliche Kosteneffizienz erzielt. Darüber hinaus
unterstützen die Rail Equipment Gesellschaften mit dem Carsharing-Angebot „ÖBB Rail&Drive“ die stra-
tegische Ausrichtung des ÖBB-Konzerns zum Gesamtmobilitätsdienstleiser.
Die Reinigung der Bahnhöfe, die Sonderreinigung wie zum Beispiel Graffitientfernung sowie Sicher-
heits- und Servicedienstleistungen werden von der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG wahr-
genommen. Im Bereich der Reinigung werden österreichweit die Bahnhöfe – und somit der für die
Kund:innen sichtbare Bereich – durch Personal der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG gereinigt.
Die Reinigungsleistungen umfassen sowohl die tägliche bzw. regelmäßige Unterhaltsreinigung als auch
die Sonderreinigung (etwa von Dächern, das Auftragen von Bodenversiegelungen). Dabei ist die Exper-
tise der Mitarbeiter:innen von besonderer Bedeutung: Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG hat
in jedem Bundesland bzw. Gebiet Mitarbeiter:innen mit der Meisterprüfung in der Reinigung – dadurch
ist eine gute Beratung der internen Auftraggeber sichergestellt. Für EVUs bietet die ÖBB-Operative
Services GmbH & Co KG einen umfassenden Service bei der Graffitientfernung von Zügen. Die ÖBB-
Operative Services GmbH & Co KG ist seit 01.01.2017 Generaldienstleister für operative Sicherheits-
leistungen im ÖBB-Konzern. Auf den Bahnhöfen sorgen Securitys der ÖBB-Operative Services GmbH
& Co KG für Sicherheit und Ordnung – durch ein intelligentes, die tatsächliche Lage widerspiegelndes
Flächenkonzept werden alle Bahnhöfe in Österreich entweder durch mobile Streifen oder durch statio-
näre Mitarbeiter:innen betreut. Seit 01.01.2019 sind neben den operativen Securityleistungen durch die
Eingliederung der öffentlichen Sicherheit (vormals Konzernsicherheit) auch die strategischen Securi-
tyleistungen Teil des Portfolios. Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG entwickelt sich dadurch
zu einem One-Stop-Shop im Konzern und garantiert eine effiziente Leistungserbringung. Neben den
Reinigungs- und Sicherheitsdienstleistungen werden auch alle operativen Kund:inneninformationsleis-
tungen der ÖBB Infrastruktur AG an den Bahnhöfen von der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG
abgewickelt. Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG ist mit seinen Produkten das Gesicht der
ÖBB-Infrastruktur AG bei den Endkund:innen. Des Weiteren tritt die ÖBB-Operative Services GmbH &
Co KG seit 01.09.2019 auch als Arbeitskräfteüberlasser von definitiv gestellten Arbeitnehmer:innen auf.
Weitere Beteiligungen der ÖBB-Infrastruktur AG
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist seit 2011 zu 50% an der Galleria di Base del Brennero – Brenner Basis-
tunnel BBT SE und damit am Großprojekt „Errichtung des Brenner Basistunnels” beteiligt. Die nötigen
Finanzmittel werden der ÖBB-Infrastruktur AG im jeweils geltenden Rahmenplan von der Republik Ös-
terreich zur Verfügung gestellt. Für den Erwerb der Anteile hat die Republik Österreich der ÖBB-Infra-
struktur AG über die ÖBB-Holding AG einen Gesellschafterzuschuss in Höhe der Anschaffungskosten
der Beteiligung geleistet.
Die WS Service GmbH wurde Ende 2013 gegründet und erbringt Dienstleistungen für und im Zusam-
menhang mit Weichen, insbesondere für deren Wartung, Inspektion und Instandsetzung. Die Beteili-
gung der ÖBB-Infrastruktur AG an der WS Service GmbH beträgt 51%.
Die Weichenwerk Wörth GmbH ist Österreichs Marktführer bei der Produktion von Weichen, Isolier-
stößen sowie weichenbezogenen Logistikleistungen und konnte sich vor allem im Oberbauhandel sowie
im Geschäftszweig Industrieweichen auch als Exporteur nach Südost- und Westeuropa positionieren.
Die Beteiligung an der Weichenwerk Wörth GmbH beträgt 43,05%.
Seite 99 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
43
Immobilienprojekte werden zum Teil in ausgegliederten Projektgesellschaften abgewickelt. Hier sind
insbesondere die ÖBB-Realitätenbeteiligungs GmbH & Co KG, die Elisabethstraße 7 Projektentwick-
lung GmbH & Co KG, die Elisabethstraße 9 Projektentwicklung GmbH & Co KG, die Gauermanngasse
2–4 Projektentwicklung GmbH & Co KG, die Operngasse 16 Projektentwicklung GmbH & Co KG und
die Mariannengasse 16–20 Projektentwicklung GmbH & Co KG hervorzuheben.
Zweigniederlassungen
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat keine Betriebsstätten bzw. Zweigniederlassungen.
F. Chancen- und Risikobericht
Das Chancen- und Risikomanagement begleitet alle relevanten Geschäftsprozesse und Finanzpositio-
nen der wesentlichen Konzernunternehmen und versteht sich daher als ein wichtiges Instrument der
Unternehmensführung. Ziel ist es, rechtzeitig Chancen und Risiken zu erkennen und proaktiv durch
geeignete Maßnahmen zu steuern. Das soll bestehende und zukünftige Erfolgs- und Wachstumspoten-
ziale absichern. Alle identifizierten Chancen und Risiken werden laufend einer quantitativen Beurteilung
unterzogen, vor allem hinsichtlich möglicher Auswirkungen und Eintrittswahrscheinlichkeiten. Grund-
lage dafür sind fortgeschriebene Bewertungen, Erfahrungswerte oder neu gewonnene Erkenntnisse.
Chancen und Risiken sind im ÖBB-Konzern grundsätzlich als Ereignisse oder Entwicklungen definiert,
die zu einer positiven oder negativen Ergebnisabweichung gegenüber den Planungsannahmen führen
können. Daher erfolgt die Überarbeitung des Chancen- und Risikoportfolios jeweils synchron mit den
Planungsprozessen.
Die verbindliche Konzernrichtlinie und das ebenfalls konzernweit verbindliche Chancen- und Risikoma-
nagement-Handbuch definieren Regeln, Spielräume und Mindestanforderungen des Risikomanage-
ments für alle einbezogenen Unternehmenseinheiten. Das oberste Ziel der Risikopolitik ist die uneinge-
schränkte Absicherung der Unternehmenstätigkeit. Demnach sollen Risiken nur dann eingegangen wer-
den, wenn ihre Dimension abschätzbar ist und gleichzeitig mit einer erwarteten Steigerung der Erträge
und des Unternehmenswerts einhergehen.
Ukrainekrise
Angesichts der geopolitischen Entwicklungen in der Ukraine wurde im ÖBB-Konzern im Berichtszeit-
raum im Rahmen der regulären Risikoinventur verstärktes Augenmerk auf mögliche Einflussfaktoren
durch den bestehenden Konflikt gelegt. Konzernweite (technische, personelle und prozessuale) Maß-
nahmen zur Vermeidung von Sanktionsverstößen wurden gesetzt und überwacht. Dem Aufsichtsrat
wurde über Risiken sowie die eingeleiteten Maßnahmen im Rahmen der Risikoberichterstattung berich-
tet.
Die für die ÖBB relevanten Ungewissheiten und Auswirkungen aus dieser Situation lassen sich analog
zum allgemeinen Risikoinventar den bestehenden Risikokategorien zuordnen.
Prozess Chancen- und Risikomanagement
Seite 100 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
44
Dieser Prozess wird durch eine Risikomanagementsoftware unterstützt. Die eingesetzte Software
wurde 2023 durch eine umfangreiche Markterkundung auf Funktionalität und Aktualität hin überprüft und
in Folge auf den neuesten technischen Stand gebracht.
Einzelrisiken und -chancen werden neben der Beurteilung durch die Fachexpert:innen auch in der kon-
zernweiten Chancen- und Risikoplattform geprüft. In der Folge werden Berichte an die Leitungsgremien
erstellt, die die wichtigsten Risiken und die entsprechenden Gegenmaßnahmen oder Chancen abbilden.
Auf dieser Grundlage werden den Aufsichtsräten sowie den eingesetzten Prüfungsausschüssen der
ÖBB-Holding AG und der Konzerngesellschaften umfassende Informationen zur aktuellen Chancen-
und Risikosituation zur Verfügung gestellt.
An den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates werden einerseits die jeweils aktuellsten Chancen- und
Risikoreports, andererseits die Ergebnisse der Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Chancen- und
Risikomanagementsystems durch die Wirtschaftsprüfer:innen, die im Zuge der Jahresabschlussprüfung
gemäß Regel 14.3.8.5 des Public-Corporate-Governance-Kodex überprüft werden, jährlich berichtet.
Somit soll gewährleistet sein, dass sich der Aufsichtsrat ein kontinuierliches Bild von der Effizienz und
der Effektivität des implementierten Systems machen kann. Der regelmäßige Dialog mit dem Prüfungs-
ausschuss bietet darüber hinaus die Möglichkeit, neue risikobezogene Themen top down zu identifizie-
ren und im Rahmen des Risikomanagements weiterzubehandeln. Um formal eine stärkere Verzahnung
risikonaher Funktionen (Risikomanagement, IKS, Compliance, Prozessmanagement etc.) voranzutrei-
ben, wurde 2017 zudem ein „Governance, Risk and Compliance”-Komitee eingerichtet.
Im ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist zur Sicherstellung des professionellen Umgangs mit Chancen und
Risiken sowie zur laufenden Umsetzung des Risiko- und Chancenmanagementprozesses die Funktion
eines Konzern-Risikomanagers eingerichtet: Er ist für den Chancen- und Risikomanagementprozess im
Konzern bzw. in der Gesellschaft verantwortlich. Im Konzern führt er die Chancen- und Risikokonsoli-
dierung und -aggregation durch und ermittelt dessen Gesamt-Chancen- und Risiko-Position, die jeweils
mit den Risikoakzeptanz- und Risikotragfähigkeitsgrenzen abgeglichen wird. Gegebenenfalls werden
daraus weiterer Handlungsbedarf abgeleitet und Maßnahmen initiiert. Der Risikomanager berichtet an
den Vorstand sowie an den Konzern-Chancen- und Risikomanager, er legt den Chancen-/Risikobericht
inkl. der Risikopriorisierung sowie der relevanten Steuerungs-Maßnahmen vor und übernimmt Bera-
tungs- und Schulungsaufgaben. Darüber hinaus sind in allen Geschäftsbereichen, Stabstellen und in
allen wesentlichen Beteiligungen dezentrale Risikomanager und -ansprechpartner definiert, welche die
risikoverantwortlichen Führungskräfte („Risk Owner”) bei der Erfassung der Chancen und Risiken im
jeweiligen Verantwortungsbereich unterstützen.
Die wichtigsten Chancen und Risiken, von denen keine bestandsgefährdend sind, verteilen sich wie
folgt auf die einzelnen Chancen- und Risikofelder:
Strategie
Vor dem Hintergrund einiger sehr dynamischer und schwer vorhersehbarer Entwicklungen, insbeson-
dere die Ukrainekrise und der Nahostkonflikt, Rohstoff- und Energiepreise, die Geldpolitik der Noten-
banken und die Zinsentwicklung sowie daraus resultierende eventuelle Lieferengpässe und geopoliti-
scher Dynamiken ist das Erreichen strategischer Ziele mitunter risikobehafteter als in den Vorjahren.
Den sich immer dynamischer gestalteten Umfeldentwicklungen wird innerhalb des ÖBB-Infrastruktur-
Konzerns insofern entgegengetreten, dass neben der strategischen Neuausrichtung unter dem Titel
„#INFRA.mobilitätswende” auch das Programm „Nordstern” weiterläuft. Mit beiden Programmen berei-
tet sich das Unternehmen auf wesentliche Herausforderungen und Risiken vor, die sich aus den derzei-
tigen Gegebenheiten und Herausforderungen, insbesondere aus den Entwicklungen auf dem Energie-
markt und sämtlichen daraus direkt oder indirekt resultierenden Folgen, aus dem verschärften Wettbe-
werbsdruck und dem technologischen Wandel in den nächsten zehn Jahren, ergeben. Zudem soll das
Fundament der operativen Exzellenz gestärkt werden. Für die definierten Maßnahmen zur Umsetzung
der Initiativen, die in der Budget- bzw. Mittelfristplanung eingearbeitet wurden, wird ein regelmäßiges
Monitoring durchgeführt.
Beim Auftreten weiterer Pandemien könnten die Auswirkungen sämtlicher angeordneter Maßnahmen
der Behörden (v. a. zeitlich limitierte Entgeltreduktionen bzw. Entgelterlass) mittelfristig zu einer Ver-
schlechterung des Ergebnisses und der Liquidität führen. Die Erfahrungen und Erkenntnisse der ver-
gangenen Jahre zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie wirken jedoch risikomindernd.
Seite 101 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
45
Operativer Betrieb
Risiken aus höherer Gewalt und Naturgefahren wird mit etablierten Systemen und Programmen begeg-
net. So ist etwa ein Naturgefahrenmanagement implementiert (inkl. Wetterinformationssystem, Hoch-
wasserinformationssystem, Naturgefahrenhinweiskarte). Niederschlagsmengen haben auf die Eigener-
zeugung von Bahnstrom mitunter hohen Einfluss – durch ein Trockenjahr kann sich zwischen der Ei-
generzeugungsprognose und der tatsächlichen Erzeugung eine nicht unerhebliche Differenz ergeben.
Dadurch müssen Mindermengen auf dem Markt gedeckt werden, wobei bei einem Trockenjahr tenden-
ziell auch mit höheren Preisen zu rechnen ist – die Energiepreisentwicklungen und Volatilitäten des
Jahres 2022 haben gezeigt, dass ein Risikoeintritt mit entsprechend hohen Auswirkungen verbunden
sein könnten. Diesem Risiko begegnet man u. a. durch Speicheroptimierung und einer rollierenden Be-
schaffungsstrategie, um die Auswirkungen im Falle des Risikoeintritts möglichst gering zu halten. Im
Zuge der durchgeführten Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse wurden abseits der üblichen jährlichen
Niederschlagsvolatilitäten auf lange Sicht keine erheblichen Klimarisiken für die Eigenerzeugung von
Bahnstrom identifiziert. Ausfallsrisiken im Bereich sämtlicher Telekommunikationsservices und der we-
sentlichen Datennetzdienste für den Bahnbetrieb begegnet man mit präventiven Maßnahmen zur Risi-
koreduktion wie Notfallplänen, Schaffung von Redundanzen oder einer örtlichen Verlagerung der Stand-
orte. Trotz grundsätzlich extrem hoher Ausfallssicherheit der Betriebsführungszentralen können Teil-
oder Totalausfälle durch Terrorismus, Sabotage oder Elementarereignisse wie Brand nicht gänzlich aus-
geschlossen werden. Daher ist ein gesamtheitliches Ausfallskonzept für Schlüsselelemente wie Stell-
werke, Fernsteuerbereiche, BFZ-Zellen und Kund:inneninformationssysteme Teil der Betriebsführungs-
strategie.
Um das Risiko eines Umsatzrückgangs und Mehraufwands durch Qualitätsprobleme bei Anlagen zu
vermindern, werden als Maßnahmen regelmäßige Überprüfungen der Anlagen durchgeführt. Zur Risi-
kominderung von durch ÖBB Mitarbeiter:innen verursachten Unfällen werden laufend Schulungs- und
Informationsveranstaltungen organisiert. Das Risiko terroristischer Attacken wird sowohl durch gezielte
Maßnahmen und Anweisungen (Verhaltensempfehlungen) als auch durch die enge Zusammenarbeit
mit dem Bundesministerium für Inneres gemindert. Um auf die Auswirkungen eines Blackouts infrastruk-
turseitig besser vorbereitet zu sein, wurden einerseits spezifische Störfallkonzepte im Betriebs- und
Energiebereich erstellt, andererseits Blackout-Krisenstabsübungen durchgeführt. Zweck der Krisen-
stabsübung ist es, Abläufe zu simulieren und etwaige Schwachstellen aufzuzeigen. Ein konzernüber-
greifendes Projekt zur Blackout-Vorsorge unter der Federführung der ÖBB-Infrastruktur AG wurde be-
reits 2022 initiiert bzw. umgesetzt. Die bestehenden Notfall- und Krisenpläne werden laufend evaluiert
und durch jährlich durchgeführte Übungen überprüft. So wurden aufgrund der Unsicherheiten in Bezug
auf russische Gaslieferungen bzw. auf ukrainische Gasdurchleitungen unter Federführung des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns ein stufenweiser Notfallplan entwickelt (in Hinblick auf einen Gaslieferstopp bzw.
einen Energielenkungsfall) und im Oktober 2022 konzernweit in Kraft gesetzt. Zielsetzung ist, dass bei
Bedarf durch zielgerichtete Maßnahmen der Bahnverkehr auch mit reduzierter Energieverfügbarkeit
aufrechterhalten werden kann.
Absatz und Vertrieb
Risiken bestehen vor allem durch die von der Ukrainekrise getriebenen Unsicherheiten in Bezug auf
Konjunkturentwicklung und die damit verbundenen Transportmengen im Güterverkehr (höhere Energie-
preise bedeuten einen Rückgang der industriellen Produktion), durch steigenden Wettbewerb, durch
verschärften Kostendruck (durch hohe und volatile Strompreise) und regulatorische Sachverhalte (re-
gulatorische Verfahren in Bezug auf Infrastrukturbenützungsentgelte bzw. Bahnstromnetzentgelte). Die
Beobachtung und Analyse des Kund:innenverhaltens sowie eine gezielte Anpassung des Angebots min-
dern diese Risiken ebenso wie rollierende Energiebeschaffung, um Kund:innen wettbewerbsfähige
Preise bieten zu können. Durch diese Maßnahme wird auch die Chance erhöht, neue Kund:innen zu
gewinnen und das Marktpotenzial bestehender Kund:innen weiter auszuschöpfen.
Personal, Führung und Organisation
Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklung der Inflation führen zu Risiken in Bezug auf geplante Ge-
haltsvalorisierungen, da es jährlich zu planabweichenden Gehaltsabschlüssen kommen kann. Um die-
sem Risiko zu begegnen, wurden bereits diverse Kompensationsmaßnahmen entwickelt. So kann bei
Schlagendwerden dieses Risikos entsprechend reagiert werden und die Ergebniseffekte bleiben gering.
Auch wenn die Corona-Pandemie als überwunden bezeichnet werden kann und somit 2023 auch im
ÖBB-Konzern sämtliche Maßnahmen aufgehoben wurden, kann ein Pandemierisiko – ob durch neue
Seite 102 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
46
Coronavirus-Varianten oder durch gänzlich neue Krankheitserreger – zu Ressourcenengpässen führen.
Risikomindernd könnten – sofern notwendig – sämtliche Konzepte, Programme und Maßnahmen wirken
(Homeofficeregelungen, strenge Hygiene- und Abstandregelungen) sowie organisatorische Maßnah-
men wie z. B. Besucher:innenbeschränkungen, Impfangebot im Konzern, Reduktion von Teilnehmer:in-
nen bei Präsenzmeetings und verstärkte Reinigung je nach Ampelschaltung, die sich im Zuge der
Corona-Pandemie bewährt haben. Innerhalb Europas wird aktuell von keinen weiteren Beeinträchtigun-
gen für die wirtschaftliche Entwicklung im Prognosehorizont ausgegangen. Darüber hinausgehende Ef-
fekte aus allgemeinen Annahmen zu möglichen Pandemierisiken finden jedoch nach wie vor im Chan-
cen- und Risikomanangement Berücksichtigung.
Des Weiteren besteht das Risiko, dass durch Nicht- bzw. Teilumsetzung von geplanten Maßnahmen
wie z. B. Effizienzsteigerungen oder Recruiting und Wissenstransfer, Personalmehraufwand entsteht.
Um dieses Risiko zu mindern, erfolgt ein umfassendes Monitoring.
Finanzen / Rechnungswesen
Nahezu alle Energie-Absicherungsgeschäfte der ÖBB-Infrastruktur AG gelten gemäß IFRS 9 als Deri-
vat. Der überwiegende Teil der Absicherungsgeschäfte kann unter der Voraussetzung, dass der Bezug
garantiert ist, als Cashflow Hedge dargestellt werden, und die Bewertung zum Fair Value ist damit nicht
GuV-wirksam (das ist bei rd. 90% des Portfolios gegeben). Ein kleiner Teil der Planeinkaufsmenge muss
aufgrund von Schwankungen der Eigenerzeugung bzw. des tatsächlichen Verbrauchs ergebniswirksam
zum Fair Value bewertet werden. Mit hohen Volatilitäten an den Energiemärkten, wie sie bereits 2022
stattgefunden haben, gehen je nach Marktentwicklung entsprechende Bewertungsrisiken / -chancen
einher, die als „Bilanzierungsrisiko Strom” erfasst sind.
Recht und Haftung
Der „Code of Conduct” enthält und regelt die ethischen Grundsätze und allgemeinen Prinzipien, an
denen das wirtschaftliche Handeln des Konzerns ausgerichtet ist. Durch diesen Kodex wird das Risiko
von Kosten durch Strafen bei Verstößen gegen kartellrechtliche Bestimmungen gemindert. Das 2013
eingerichtete Compliance-Team arbeitet vor allem in diesem Risikofeld als Teil eines Risikofrüherken-
nungs- und Überwachungssystems. Das dient in weiterer Folge auch der Risikovermeidung und somit
auch der Schadensabwehr.
Die Änderung von Rechtsvorschriften und Regelwerken kann z. B. durch neue technische oder organi-
satorische Vorgaben zu erhöhten Systemkosten führen Das gilt sowohl auf nationaler als auch auf in-
ternationaler Ebene. Dementsprechend sorgfältig werden die Entwicklungen auf mögliche Auswirkun-
gen untersucht, um frühzeitig reagieren zu können.
Entsprechend dem Verbandverantwortlichkeitsgesetz kann ein Unternehmen für gerichtlich strafbare
Taten seiner Mitarbeiter:innen oder Entscheidungsträger:innen verantwortlich gemacht und bestraft wer-
den. Das gilt auch für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern. Diesem Risiko gilt es zu begegnen. So werden
im Rahmen des rechtlichen Risikomanagements strafrechtlich bedeutsame Bereiche identifiziert. Des
Weiteren werden etwa im Bereich der Fahrlässigkeits-, Umwelt- und Korruptionstatbestände der Ist-
Stand bewertet und Maßnahmen zur Risikovermeidung gesetzt. Mit der Einführung von Kontroll- und
Berichtssystemen wurden Vorsorgemaßnahmen getroffen, ebenso wie mit der Erlassung allgemeiner
Verhaltensanweisungen durch den „Code of Conduct”. Entsprechende Schulungen und die Schaffung
klarer Verantwortlichkeitsbereiche dienen ebenfalls einer Risikominimierung.
Einkauf und Beschaffung
Risiken ergeben sich nach wie vor aus den Unsicherheiten auf den Energiemärkten, die sich durch
geopolitische Spannungen und Dynamiken wie jüngst durch den Nahostkonflikt sehr kurzfristig entwi-
ckeln können – Preisrisiken, Kreditrisiken und auch Bewertungsrisiken begegnet man neben dem Aus-
bau der Eigenerzeugung durch risikominimierende Beschaffungs- und Marktstrategien im Energiebe-
reich, die im Kontext der Preisentwicklungen und -volatilitäten gründlich evaluiert und gegebenenfalls
angepasst werden. Insbesondere stehen die vertraglichen Regelungen mit den Kund:innen im Fokus –
hohe und sehr volatile Strompreise erfordern verbindliche Abnahmemengen. Andernfalls wäre das
kund:innenseitig verursachte Verbrauchsrisiko (Mengen- und Preiskomponente) für die ÖBB-Infrastruk-
tur AG nicht tragbar.
Seite 103 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
47
Nach den COVID-19- und Ukrainekrieg-bedingten Lieferengpässen, Kosten- bzw. Preissteigerungen
u. a. bei einzelnen Bauprodukten bzw. Komponenten beschäftigt sich eine konzernweit eingerichtete
Taskforce unter dem Lead des strategischen Konzerneinkaufs (ÖBB-Holding AG) durch eng getaktetes
Monitoring und zielgerichtete Steuerungs- und Substitutionsmaßnahmen, etwaige Auswirkungen auf
den Betrieb so gering wie möglich zu halten. Mögliche Auswirkungen werden laufend evaluiert und best-
möglich antizipiert, um z. B. eventuell auftretende terminliche und finanzielle Konsequenzen auf Bau-
projekte frühzeitig zu bewerten und bestmöglich zu kompensieren. Preissteigerungen auf den Energie-
märkten werden mitunter erst zeitverzögert auf andere Preisindizes einwirken, sodass Risiken für plan-
abweichende Preisvalorisierungen nicht ausgeschlossen werden können. Die Beobachtung und Ana-
lyse der Märkte ermöglicht eine entsprechende Vertragsgestaltung zur Risikominderung.
Informationsverarbeitung
Systemausfälle können bei den operativen Teilbereichen Mehraufwendungen und Umsatzeinbußen
auslösen. Um dieses Risiko zu mindern, werden laufend eine Vielzahl von Maßnahmen gesetzt, zur
Erhöhung der Verfügbarkeit der IT (z. B. Ausstattung der Serverräume) ebenso wie zur Erhöhung der
Vertraulichkeit (u. a. Awareness-Schulung der Mitarbeiter:innen) und der Integrität der Daten (z. B.
Back-up-Sicherungen). Neben den technischen Absicherungen sorgt der „Chief Information Security
Officer” des Konzerns für eine konzernweite einheitliche Steuerung und Überwachung (Security-Gover-
nance) der Informationssicherheit. Diese Aufgabe erfüllt der „Chief Information Security Officer” gemein-
sam mit den Ansprechpersonen in den Teilkonzernen und Gesellschaften. Die Security-Governance
muss gewährleisten, dass durch die regelmäßige Prüfung der umgesetzten Maßnahmen Schäden – z.
B. durch Schadsoftware – oder identifizierte Risiken gemindert werden. Um der verstärkten Bedro-
hungslage für Cyberangriffe entgegenzutreten, wurde das Programm „Information Security Next Le-
vel“ ins Leben gerufen, in dem es um die Erstellung eines detaillierten Regelwerkes zur Informationssi-
cherheit inklusive zugehöriger Prozesse, die Gewährleistung der Umsetzung des NIS-Gesetzes (NISG-
Audit wurde bereits erfolgreich abgeschlossen), die Sicherstellung einer vollständigen und nachhaltigen
Asseterfassung von IT / OT sowie um die Umsetzung der Konzernprojekte TOM (Target Operating Mo-
del) und PROTECT+ geht.
Tochtergesellschaften und Beteiligungen
In diesem Risikofeld werden Tochtergesellschaften und Beteiligungen betrachtet. Hier besteht das Ri-
siko, dass Budgetwerte nicht erreicht werden. Im Immobilienbereich sind die Verwertungserlöse und die
exakten Realisierungszeitpunkte von den jeweiligen Marktentwicklungen abhängig. Die Risikosteue-
rung erfolgt frühzeitig schon in der Verhandlungsgestaltung sowie durch gezieltes Portfoliomanagement.
Klimarisiken / ESG
Risiken aus höherer Gewalt und Naturgefahren sind fixer Bestandteil des Risikoinventars, das im Zuge
des regelmäßigen Risikomanagementprozesses in Bezug auf kurz- und mittelfristige Auswirkungen eva-
luiert wird. Klimarisiken mit langfristigem Fokus wurden im Zuge einer eigenen Klimarisiko- und Vulne-
rabilitätsanalyse systematisch untersucht und bewertet (Details dazu finden sich in der nichtfinanziellen
Erklärung).
Nachdem ESG-Risiken bzw. -Chancen im Gegensatz zur klassischen Outside-in-Perspektive des bis-
lang im ÖBB Konzern verfolgten Risikomanagementansatzes (Fokus auf finanziell wesentliche Risiken,
die auf das Unternehmen wirken) auch die Inside-out-Perspektive erfordern (Risiken, die vom Unter-
nehmen auf die Umwelt bzw. auf die Gesellschaft wirken), wurde Mitte 2023 ein Projekt im Zuge der
„Doppelten Wesentlichkeitsanalyse” in Vorbereitung auf die CSRD (Corporate Sustainability Reporting
Directive) gestartet.
Seite 104 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
48
Risiken im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten
Originäre Finanzinstrumente
Der Bestand an originären Finanzinstrumenten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ist in der Bilanz ersicht-
lich. Es handelt sich hierbei um Forderungen und Verbindlichkeiten aus der Finanzierungstätigkeit, For-
derungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Finanzanlagen und Wertpapiere. De-
taillierte Informationen finden sich in den entsprechenden Angaben in den Erläuterungen zum Konzern-
abschluss.
Derivative Finanzinstrumente
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern setzt derivative Finanzinstrumente zur Absicherung von Währungs- und
Rohstoffpreisrisiken ein. Des Weiteren bestehen Derivate, um Inkongruenzen aus Zahlungsströmen aus
ehemaligen CBL-Transaktionen auszugleichen. Derivative Finanzinstrumente werden nur unter Bezug-
nahme auf ein Grundgeschäft abgeschlossen. Derivative Finanzinstrumente werden im Einklang mit
den anzuwendenden Rechnungslegungsvorschriften bewertet.
Die im ÖBB-Infrastruktur-Konzern eingesetzten Derivate sind nicht strukturierte Standardabsicherungs-
geschäfte (Devisentermingeschäfte) mit einem Nominale von rd. 4,8 Mio. EUR, welche 2023 abge-
schlossen wurden.
Risikodefinition und Risikomanagement in Bezug auf Finanzinstrumente
Die ÖBB-Holding AG führt die Finanzgeschäfte im Namen und auf Rechnung von Konzerngesellschaf-
ten durch – mit deren Auftrag und nur nach deren Zustimmung. Ausnahmen sind die Sicherungsinstru-
mente von Commodities. Die ÖBB-Holding AG hat ein risikoorientiertes Kontrollumfeld geschaffen. Es
umfasst u. a. Richtlinien und Abläufe für die Beurteilung von Risiken sowie die Genehmigung, das Be-
richtswesen und die Überwachung von Finanzinstrumenten. Oberste Priorität bei allen Finanzaktivitäten
nimmt der Schutz des Vermögens der Konzerngesellschaften ein. All das ist die Aufgabe der Abteilung
Konzernfinanzen. Ein wesentlicher Teil ihrer Tätigkeit ist die Identifizierung, Bewertung und Begrenzung
finanzwirtschaftlicher Risiken. Risikobegrenzung bedeutet nicht das völlige Ausschließen finanzieller Ri-
siken. Risikobegrenzung meint eine sinnvolle und transparente Steuerung der quantifizierbaren Risi-
kopositionen innerhalb eines konkret zu vereinbarenden Handlungsrahmens mit den Konzerngesell-
schaften. Eine Konzernrichtlinie untersagt die Ausgabe oder das Halten von Finanzinstrumenten zu
spekulativen Zwecken. Zudem wurden durch Konzernrichtlinien die zulässigen Finanzgeschäfte defi-
niert. Nachstehend werden die wichtigsten Finanzierungsrisiken näher erörtert.
Liquiditätsrisiko
Das übergeordnete Ziel des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns im Bereich Finanzen ist die Sicherstellung des
notwendigen Liquiditätsspielraums. Liquiditätsrisiko ist das Risiko, dass ein Unternehmen Schwierigkei-
ten bei der Erfüllung seiner finanziellen Verbindlichkeiten haben könnte, die sich aus den eingegange-
nen Verpflichtungen ergeben. Diese können durch Zahlung oder Lieferung eines anderen finanziellen
Vermögenswerts beglichen werden. Eine konsequente Sicherstellung der Liquidität aller Konzerngesell-
schaften ist eine der Hauptaufgaben der Abteilung Konzernfinanzen des ÖBB-Konzerns.
Die Erfüllung dieser Aufgabe erfolgt durch Liquiditätsplanungen, die Vereinbarung ausreichender Kre-
ditlinien und eine hinreichende Diversifizierung der Kreditgeber.
Zinsänderungsrisiko
Risiken aus Marktzinsänderungen können aufgrund der gegebenen Bilanzstruktur das Finanzergebnis
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns beeinflussen. Es gilt daher, den Einfluss von möglichen Marktzins-
schwankungen auf die Ergebnisentwicklung zu beschränken, wobei das Niveau mit den Konzerngesell-
schaften abzustimmen ist.
Der Abschluss geeigneter derivativer Finanzinstrumente für das Management von Zinsrisiken basiert
auf Portfolioanalysen und -empfehlungen der Abteilung Konzernfinanzen und auf den entsprechenden
Entscheidungen der Konzerngesellschaften. Derzeit bestehen keine derartigen Derivate.
Seite 105 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
49
Währungsrisiko
Die Gesellschaften des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns unterliegen nahezu keinen Fremdwährungsrisiken.
Die Finanzierungen sind überwiegend in Euro denominiert.
Im Jahr 2023 wurden im ÖBB-Infrastruktur-Konzern dennoch nicht strukturierte Standardabsicherungs-
geschäfte (Devisentermingeschäfte) mit einem Nominale von rd. 4,8 Mio. EUR abgeschlossen.
Kontrahentenrisiko
Das Kontrahentenrisiko erfasst das Schadenspotenzial hinsichtlich Nichterfüllung finanzieller Verpflich-
tungen durch Geschäftspartner. Die Risiken beziehen sich vorwiegend auf Geldmarktgeschäfte, auf
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Veranlagungen, barwertig positive Comodity Derivate.
Dem Kontrahentenrisiko-Management unterliegen Limits, die für jeden Finanzpartner individuell verge-
ben und täglich auf Einhaltung überprüft werden.
Rohstoffrisiko
Die ÖBB-Infrastruktur AG betreibt eigene Wasserkraftwerke. Sie trägt die technische, wirtschaftliche
und rechtliche Verantwortung für die Energieanlagen und leitet das energiewirtschaftliche Kompetenz-
zentrum für die Energiebeschaffung der ÖBB. Energieanlagen sind Kraftwerke, Frequenzumformer, Un-
terwerke sowie Hauptversorgungsanlagen und Leitstellen. Das Risikomanagement im Energiebereich
wird direkt durch die ÖBB-Infrastruktur AG sichergestellt.
Rd. zwei Drittel des benötigten Bahnstroms und der gesamte Strom zur Versorgung der Betriebsanlagen
(Bahnhöfe etc.) werden auf dem Strommarkt beschafft. Daher ist der ÖBB-Infrastruktur-Konzern von
Strompreisvolatilität stark betroffen. Die Risikomanagementstrategie sieht daher eine Preisabsicherung
vor.
Für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist es besonders relevant, dass die Preise im Vorfeld bereits abge-
sichert und fixiert sind, da auch die Preise, die an Kund:innen verrechnet werden, bis 30.09. des Jahres
vor Lieferbeginn fixiert werden. Die Preisabsicherung erfolgt über den Abschluss von Forwards und
Futures für die geplanten Einkaufsmengen von Bahnstrom, Verlustenergie und Betriebsanlagen. Neben
der Preisabsicherung dient die Absicherung aber auch der Erhöhung der Planungssicherheit, die als
Basis der Preiskalkulation notwendig ist.
Internes Kontrollsystem
Das interne Kontrollsystem bildet einen wesentlichen Bestandteil der unternehmensweiten Risikosteu-
erung und trägt durch die systematische Steuerung prozessbezogener Risiken durch die zielgerichtete
Implementierung risikomindernder und regelmäßig überwachter organisatorischer Kontrollmaßnahmen
unterstützend zur Erreichung der Gesellschaftsziele sowie zur Sicherung und zum Schutz des Gesell-
schaftsvermögens bei. Für eine regelkonforme Finanzberichterstattung unterstützt es darüber hinaus
die Zuverlässigkeit der Rechnungslegungsprozesse.
Das IKS umfasst folgende Elemente: Identifikation, Analyse, Bewertung, Steuerung, Wirksamkeitsüber-
wachung, Dokumentation und Kommunikation von IKS-relevanten Prozessen, Risiken und Kontrollen
sowie die Überwachung dieser Aktivitäten.
Das vom Vorstand eingerichtete interne Kontrollsystem orientiert sich am international bewährten Rah-
menkonzept COSO (Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission). Dieses
stellt ein anerkanntes Konzept zur Ausgestaltung eines internen Kontrollsystems zur Verfügung. Der
Umfang und die Ausrichtung des IKS entsprechen den unternehmensspezifischen Anforderungen sowie
den Vorgaben des ÖBB-Konzerns.
Zielsetzung
Zielsetzungen des IKS sind die Regelkonformität der Finanzberichterstattung (Financial Reporting), die
Förderung der betrieblichen Effizienz (Operations) und die Einhaltung gesetzlicher Verpflichtungen und
interner Richtlinien (Compliance). Durch die Identifizierung und Bewertung von Risiken, die diese Ziel-
setzungen gefährden, und die Implementierung risikoreduzierender Kontrollen wird hinreichende Si-
cherheit für die Erreichung dieser Ziele gewährleistet.
Seite 106 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
50
Organisation und Umsetzung
Neben den gesetzlichen Bestimmungen und den gesellschaftsspezifischen Anforderungen an das IKS
der Gesellschaften sind im ÖBB-Konzern Mindeststandards und Prozesse für das IKS durch zentrale
Richtlinien geregelt. Diese werden von der ÖBB-Holding AG erstellt und regelmäßig den aktuellen Kon-
zernerfordernissen angepasst. Für die Konzerngesellschaften ist die Umsetzung dieser Richtlinien ver-
pflichtend. Diese Richtlinien enthalten neben der Festlegung von Zuständigkeiten und Verantwortlich-
keiten auch Methoden für die Festlegung des Anwendungsbereichs des IKS, der Identifikation und Be-
wertung von Risiken und der Dokumentation und Überwachung von Kontrollen.
Sicherstellung der Wirksamkeit
Das IKS wird durch periodische Evaluierungen der Risiken und der Kontrollen an geänderte Anforde-
rungen angepasst und weiterentwickelt. Zur Sicherstellung der Wirksamkeit der Kontrollen werden diese
in regelmäßigen Abständen mittels IKS-Tests überwacht. Dabei wird die ordnungsgemäße Ausführung
der zu testenden Kontrollen anhand von Nachweisen überprüft. Im Falle von festgestellten Abweichun-
gen werden Gegensteuerungsmaßnahmen eingeleitet, um die risikoreduzierende Wirkung der Kontrolle
wieder herzustellen.
Ergänzend zu den IKS-Tests wird das IKS durch die Konzernrevision punktuell im Zuge ihrer Prüfungs-
tätigkeiten geprüft. Die Prüfung des IKS im Rechnungslegungsprozess ist fixer Bestandteil der Ab-
schlussprüfung durch die Wirtschaftsprüfer:innen. Der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats überwacht
die Wirksamkeit des IKS auf Basis einer regelmäßigen Berichterstattung durch den Vorstand.
Seite 107 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
51
G. Nichtfinanzielle Erklärung
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft ist verpflichtet, eine nichtfinanzielle Erklärung gemäß §243b
UGB aufzustellen.
Die nichtfinanzielle Erklärung wird jährlich im Konzernlagebericht ausgegeben und beinhaltet ebenfalls
die nichtfinanzielle Erklärung, die gemäß § 243b UGB im Einzelabschluss aufzustellen ist. Relevante
Kennzahlen für den Einzelabschluss der ÖBB-Infrastruktur AG werden als „davon-Angabe“ gesondert
im Konzernlagebericht dargestellt.
Gemäß § 267a UGB (Konzernabschluss) sowie gemäß dem Bundesgesetz BGBl. I Nr. 20/2017 – Na-
DiVeG – ergänzt die „Nichtfinanzielle Erklärung“ (NFI-Erklärung) den Lagebericht des ÖBB-Infrastruk-
tur-Konzerns. Die Angaben und Daten für den aktuellen Lagebericht beziehen sich auf das Geschäfts-
jahr 2023, die Vorjahreszahlen 2022 werden zu Vergleichszwecken angeführt.
Seite 108 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang | Lagebericht
52
H. Anmerkung zum Lagebericht
Dieser Lagebericht enthält Aussagen und Prognosen, die sich auf die zukünftige Entwicklung des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns und des wirtschaftlichen Umfelds beziehen. Sämtliche Prognosen wurden auf-
grund der am Erstellungszeitpunkt zur Verfügung stehenden Informationen getroffen. Es können daher
die tatsächlich eintretenden Entwicklungen von den im Lagebericht geschilderten Erwartungen abwei-
chen.
I. Berechnung der Kennzahlen
Anlagenintensität: Anlagevermögen / Gesamtvermögen
Anlagendeckungsgrad: (Eigenmittel + langfristiges Fremdkapital) /
(Anlagevermögen + langfristiges Umlaufvermögen)
Eigenmittel: Eigenkapital + Kostenbeiträge von Dritten
Eigenkapitalquote: Eigenmittel / Gesamtkapital
Marge: Betriebserfolg / Gesamterträge
Free Cash Flow: Cash Flow aus dem Ergebnis + Cash Flow aus der Investitionstätigkeit
Investitionsquote: Investitionen in IAV und SAV / Gesamterträge
Investitionen in IAV und SAV / Buchwerte IAV und SAV per 1.1.
Materialintensität: Materialaufwand und bezogene Leistungen / Gesamtaufwendungen
Personalintensität: Personalaufwand / Gesamtaufwendungen
Fremdkapitalquote: Fremdkapital / Gesamtkapital
Fremdkapitalzinslast: (Fremdkapitalzinsen + zinsähnliche Aufwendungen)
/ durchschn. Fremdkapital
Anlagenabnutzungsgrad*): kumulierte Abschreibung / Anschaffungskosten
Abschreibungsintensität: (Abschreibung + Betriebskosten) / Gesamtaufwand
Investitionsdeckung*): Investitionen des laufenden Jahres / Abschreibung
*)jeweils des Sachanlagevermögens und der immateriellen Vermögenswerte
Seite 109 von 366
Seite 110 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 5
4. BESTÄTIGUNGSVERMERK
*)
Bericht zum Jahresabschluss
Prüfungsurteil
Wir haben den Jahresabschluss der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien,
bestehend aus der Bilanz zum 31. Dezember 2023, der Gewinn- und Verlustrechnung für das an
diesem Stichtag endende Geschäftsjahr und dem Anhang, geprüft.
Nach unserer Beurteilung entspricht der beigefügte Jahresabschluss den gesetzlichen Vorschrif-
ten und vermittelt ein möglichst getreues Bild der Vermögens- und Finanzlage zum 31. Dezember
2023 sowie der Ertragslage der Gesellschaft für das an diesem Stichtag endende Geschäftsjahr in
Übereinstimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften.
Grundlage für das Prüfungsurteil
Wir haben unsere Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-Verordnung Nr. 537/2014 (im
Folgenden EU-VO) und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung
durchgeführt. Diese Grundsätze erfordern die Anwendung der International Standards on Auditing
(ISA). Unsere Verantwortlichkeiten nach diesen Vorschriften und Standards sind im Abschnitt "Ver-
antwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Jahresabschlusses" unseres Bestäti-
gungsvermerks weitergehend beschrieben. Wir sind von der Gesellschaft unabhängig in Überein-
stimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen und berufsrechtlichen Vorschriften,
und wir haben unsere sonstigen beruflichen Pflichten in Übereinstimmung mit diesen Anforderungen
erfüllt. Wir sind der Auffassung, dass die von uns bis zum Datum des Bestätigungsvermerks erlang-
ten Prüfungsnachweise ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu
diesem Datum zu dienen.
Seite 111 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 6
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte sind solche Sachverhalte, die nach unserem pflichtgemä-
ßen Ermessen am bedeutsamsten für unsere Prüfung des Jahresabschlusses des Geschäftsjahres
waren. Diese Sachverhalte wurden im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Jahresabschlusses
als Ganzes und bei der Bildung unseres Prüfungsurteils hierzu berücksichtigt, und wir geben kein ge-
sondertes Prüfungsurteil zu diesen Sachverhalten ab.
Nachfolgend stellen wir die aus unserer Sicht besonders wichtigen Prüfungssachverhalte dar:
Abgrenzung zwischen aktivierungspflichtigen Investitionen und sofort aufwandswirksamen Instand-
haltungsaufwendungen
Beschreibung / Risiko:
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft investiert im Auftrag der Bundesregierung jährlich mehr
als drei Milliarden Euro in das österreichische Schienennetz. Neben Investitionen in den Neubau
von Schieneninfrastruktur tätigt die Gesellschaft wesentliche Ausgaben für die Erneuerung und die
Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur.
Während als Investitionen einzustufende Maßnahmen aktiviert und damit im Wege der Abschrei-
bung über mehrere Jahre aufwandswirksam verteilt werden, schlagen sich lnstandhaltungsmaß-
nahmen sofort als Aufwand im Ergebnis nieder. Wie bei allen großen Infrastrukturunternehmen
kommt der Abgrenzung zwischen Investitions- und lnstandhaltungsmaßnahmen und deren richti-
ger Abbildung im Jahresabschluss der ÖBB-lnfrastruktur Aktiengesellschaft besondere Bedeutung
zu. Gerade bei Maßnahmen, die die bestehende Infrastruktur betreffen, kann es zu Abgrenzungs-
bzw. Klassifizierungsproblemen kommen.
Die Angaben zu den Bilanzierungsgrundsätzen sind im Anhang unter Punkt "B. Bilanzierungs- und
Bewertungsgrundsätze, Sachanlagen" enthalten. Informationen zu den im Geschäftsjahr auf-
wands-wirksam erfassten lnstandhaltungsleistungen finden sich im Anhang unter Punkt "D. Erläu-
terungen zur Gewinn- und Verlustrechnung, Aufwendungen für bezogene Leistungen".
Seite 112 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 7
Adressierung im Rahmen der Abschlussprüfung:
Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten umfasst:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über den relevanten Prozess u
nd die wesentlichen Schlüsselkontrollen betreffend korrekter Kategorisierung und Bilanzierung
von aktivierungspflichtigen Investitionen bzw. aufwandswirksamen Instandhaltungsmaßnahmen
erlangt, die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt und ausgewählte
Schlüssel-kontrollen im Prozess auf deren Wirksamkeit getestet ("Funktionsprüfung"). Davon
betroffen sind insbesondere Schlüsselkontrollen anlässlich der Eröffnung von Aufträgen im
SAP-System.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig nach-
gelagerte Kontrollen im Bereich Sachanlagen durchführen, geführt, ein Verständnis über deren
Tätigkeiten gewonnen und deren Kompetenz und fachliche Qualität beurteilt. Ferner haben wir
Interne Revisionsberichte mit Bezug auf den besonders wichtigen Prüfsachverhalt eingeholt,
gelesen und hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prüfungsstrategie gewürdigt und zusätzliche
Prüfungshandlungen gesetzt.
Wir haben die internen Bilanzierungsrichtlinien ("Aktivierungshandbuch") hinsichtlich Übereinstim-
mung mit den Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätzen nach UGB geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben von
Zu-gängen im Bereich vom Sachanlagevermögen, Stichproben im Bereich von Investitions- und
Instandhaltungsaufträgen, sowie anhand ausgewählter Stichproben von wesentlichen Projekten
die korrekte Erfassung als Zugang zu Sachanlagen oder Aufwand in Übereinstimmung mit der in-
ternen Bilanzierungsrichtlinie ("Aktivierungshandbuch") geprüft. Die Auswahl der Stichproben von
wesentlichen Projekten erfolgte anhand einer Zufallsauswahl und auf Basis von definierten Risiko-
kriterien unter Berücksichtigung der Projektgröße.
Die Prüfungshandlungen umfassten insbesondere die Durchsicht von Projektbeschreibungen, die
Diskussion von Projektinhalten mit den Projektverantwortlichen und Projektcontrollern und daraus
abgeleitet die Würdigung der getroffenen Bilanzierungsentscheidungen. Soweit erforderlich haben
wir bei den in den Stichproben enthaltenen Projekten auch in Abrechnungs- und Vertragsunterla-
gen Einsicht genommen.
Seite 113 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 8
Ansatz und Bewertung von Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren
Beschreibung / Risiko:
Zum 31. Dezember 2023 bestehen mehrere regulierungsrechtliche Verfahren. Diese Verfahren,
welche sich in unterschiedlichen verfahrensrechtlichen Stadien befinden, betreffen den Zeitraum
ab Dezember 2011 bis 2023. Inhaltlich geht es dabei vor allem um Fragen der Ermittlung und
Festlegung des Infrastrukturbenützungsentgelts (ab Dezember 2011 bis Dezember 2017), der
Entgelte nach dem neuen Wegeentgeltmodell für den Zeitraum Dezember 2019 bis Dezember
2023 (Produkt "Zugtrasse" hinsichtlich direkt zuordenbarer Kosten und gesetzeskonformer
Marktaufschläge bis einschließlich der Netzfahrplanperiode 2021), sowie um die Zulässigkeit
der Höhe der Stationsentgelte bei der Nutzung von Serviceeinrichtungen ab Dezember 2011 bis
2021.
Der Ausgang der anhängigen Verfahren kann dazu führen, dass die bisher verrechneten Entgelte
abgeändert werden und es dadurch zu einer Rückerstattungspflicht der ÖBB-Infrastruktur Aktien-
gesellschaft kommt.
Diese Risiken werden individuell je Sachverhalt bzw. Verfahren unter Einbindung von Experten
bewertet und in Form von Rückstellungen bilanziell berücksichtigt.
Die Bilanzierung und Bewertung dieser Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren sind
im Rahmen der Prüfung von besonderer Bedeutung, da die Beträge wesentlich sind, die Bewer-
tung komplex ist und wesentliche Ermessensentscheidungen erfordert. Das Erfordernis für und
die Höhe dieser Rückstellungen sind maßgeblich von der Annahme und Einschätzung des Manage-
ments zum Ausgang der Verfahren abhängig. Bewertungsunsicherheiten bestehen insbesondere
aufgrund von schwierig abzuschätzenden Ergebnissen bei der Auslegung von bisher weitgehend
nicht ausjudizierten Rechtsfragen durch die Aufsichtsbehörde, Verwaltungsgerichte bzw. Gerichts-
höfe, aufgrund möglicher Einschränkungen der zeitlichen Wirkung von Entscheidungen sowie
hinsichtlich Art, Umfang und Höhe von anerkannten Kosten und Marktaufschlägen als Basis für
die Verrechnung von Tarifen für die Nutzung der Schieneninfrastruktur.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den Rückstellungen
für regulierungsrechtliche Verfahren befinden sich im Anhang unter Punkt "B. Bilanzierungs-
und Bewertungsgrundsätze, Rückstellungen" sowie "C. Erläuterungen zur Bilanz, sonstige
Rückstellungen".
Seite 114 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 9
Adressierung im Rahmen der Abschlussprüfung:
Wir haben die Einschätzung des Managements betreffend Ansatz und Höhe der Rückstellungen
hinterfragt und geprüft. Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten
umfasst:
Wir haben den Prozess betreffend Ansatz und Bewertung der Rückstellungen für regulierungs-
rechtliche Verfahren erhoben und die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess
beurteilt.
Im Rahmen unserer Prüfung haben wir uns mit den für die Rückstellungsbildung verwendeten
Rechts- und Datengrundlagen auseinandergesetzt und haben auf dieser Basis die Angemessenheit
der für die Bewertung herangezogenen Prämissen beurteilt. Insbesondere haben wir dabei den
Status der Verfahren, einschließlich der aktuellen Entwicklungen im Jahr 2023, mit dem Manage-
ment, den Mitarbeitern des zuständigen Fachbereiches und den beigezogenen Rechtsanwälten
besprochen. Weiters haben wir uns mit den im Zuge der Verfahren vor der Schienen-Control Kom-
mission erstellten Sachverständigengutachten befasst und die daraus von der Gesellschaft abge-
leiteten Schlussfolgerungen gewürdigt.
Das Berechnungsschema der Rückstellungen haben wir anhand der einfließenden Bewertungspa-
rameter nachvollzogen.
Die Gesellschaft bezieht bei der Berechnung der Rückstellung insbesondere extern erstellte
Sachverständigengutachten und juristische Stellungnahmen von externen Rechtsanwälten mit ein.
Diese haben wir im Rahmen der Prüfung eingeholt und uns davon überzeugt, dass deren Ergeb-
nisse angemessen und deren Arbeiten für unsere Zwecke adäquat sind. Weiters haben wir uns
einen Eindruck über deren Kompetenz, Fähigkeiten und Objektivität verschafft.
Schließlich haben wir die Entwicklung dieser Verfahren nach dem Bilanzstichtag bis zum Zeitpunkt
der Erteilung des Bestätigungsvermerks durch Befragung des Vorstandes und der Mitarbeiter des
Fachbereiches kritisch gewürdigt.
Wir haben die Angemessenheit der Angaben im Anhang zur Bewertung und Bilanzierung dieser
Rückstellungen beurteilt.
Seite 115 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 10
Bewertung von derivativen Finanzinstrumenten im Strombereich / Sonstige Rückstellungen,
Drohverlustrückstellung
Beschreibung / Risiko:
Die von der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft betriebene Eisenbahninfrastruktur umfasst neben
dem Schienennetz u.a. auch das 16,7 Hz-Bahnstromnetz zur Übertragung des Traktionsstroms. Fer-
ner werden Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.) und ausgewählte Großbaustellen mit Energie versorgt.
Zur Bereitstellung des Transaktionsstroms betreibt die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft meh-
rere Kraftwerke und hat langfristige Lieferverträge mit mehreren Energieversorgungsunternehmen
abgeschlossen. Zusätzlich erforderliche Strommengen werden durch Stromhandelsgeschäfte (For-
wards) am Strommarkt (OTC-Handel) und seit Oktober 2023 auch an der Börse (Futures) beschafft.
Insbesondere ist die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft angesichts von Strompreisvolatilitäten
von Preisschwankungs- und Ausfallsrisiken bei Handelspartnern betroffen. Die Risikomanagement-
strategie sieht daher eine Preisabsicherung vor. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern sichert rd.
1.200 GWh je Lieferjahr rollierend über einen Zeitraum von ein bis drei Jahren für den Bezug von
Bahnstrom und Verlustenergie sowie rd. 310 GWh für Betriebsanlagen ab.
Insofern abgeschlossene Ein- und Verkaufsgeschäfte durch gegenläufige Geschäfte geschlossen
wurden, wendet die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Vorschriften zur Bilanzierung von Siche-
rungsbeziehungen bzw. Bewertungseinheiten gemäß AFRAC Stellungnahme 15. Derivate und Siche-
rungsinstrumente (UGB) an. Für Derivate mit negativem Marktwert zum Stichtag ohne Bewertungs-
einheit wird mit einer sonstigen Rückstellung für drohende Verluste aus langfristigen Stromein- oder
verkaufsverträgen in der Höhe von 19,3 Mio. EUR (Vj.: 56,7 Mio. EUR) im Jahresabschluss vorge-
sorgt.
Das Risiko für den Jahresabschluss ergibt sich daraus, dass bei der Verwendung von Bewertungs-
modellen zur Ermittlung der beizulegenden Zeitwerte die darin enthaltenen Annahmen und Parame-
ter in hohem Ausmaß ermessensbehaftet sind und dass an die Bildung von Bewertungseinheiten
formelle und materielle Anforderungen geknüpft sind.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den derivativen Finanzin-
strumenten befinden sich im Anhang unter Punkt "B. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze,
Derivative Finanzinstrumente, C. Erläuterung zur Bilanz, sonstige Rückstellungen" und "D. Erläute-
rungen zur Gewinn- und Verlustrechnung, Materialaufwand", sowie "E. Sonstige Angaben, Risiken
im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten"
Seite 116 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 11
Adressierung im Rahmen der Abschlussprüfung:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über die implementierten Richtli-
nien, das internen Kontrollsystems, die Risikomanagementstrategie und deren Dokumentation
sowie wesentliche Schlüsselkontrollen erlangt, die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im
Prozess beurteilt und ausgewählte Schlüsselkontrollen im Prozess auf deren Wirksamkeit getestet
("Funktionsprüfung"). Davon betroffen sind insbesondere Schlüsselkontrollen wie Kontrollen, dass
nur mit genehmigten Handelspartnern Geschäfte abgeschlossen wurden, Kreditlimit-reports und
Sperren von Handelspartnern, sowie Prüfung der korrekten Übernahme von Marktpreisen ins Han-
delssystem.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig
nachgelagerte Kontrollen im Bereich Energie/Portfoliomanagement durchführen, geführt, ein
Verständnis über deren Tätigkeiten gewonnen und deren Kompetenz und fachliche Qualität beur-
teilt. Ferner haben wir die internen Revisionsberichte mit Prüfungsgegenstand im Bereich Strom-
handel eingeholt, gelesen und hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prüfungsstrategie gewürdigt
und zusätzliche Prüfungshandlungen gesetzt.
Für das Handelssystem "BelVis" haben wir im Rahmen der Prüfung unter Beiziehung unserer
IT-Experten die Generellen IT-Kontrollen (IT-Environment, IT-Prozesse, IT-Internes Kontrollsystem)
mit Schwerpunkt auf das Änderungsmanagement, Systemsicherheit und Zugriffsschutz geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben
einzelne Stromhandelsgeschäfte hinsichtlich Existenz, Vollständigkeit und Bewertung geprüft. Die
Prüfungshandlungen umfassten insbesondere die Einholung von externen Bestätigungen sowie
den Abgleich mit Verträgen und anderen Nachweisen.
Des Weiteren haben wir die Bewertungsmodelle und die zugrunde liegenden Bewertungsparame-
ter zur Ermittlung der beizulegenden Zeitwerte auf ihre Angemessenheit und konsistente Anwen-
dung hin geprüft. Wir haben in Stichproben wesentliche verwendete Parameter mit extern zugäng-
lichen Werten und die Berechnung der Zeitwerte nachvollzogen.
Bewertungseinheiten wurden in Stichproben insbesondere dahingehend beurteilt, ob die Doku-
mentation der Sicherungsbeziehung und der Effektivität der Sicherung vorhanden ist und den
Vorgaben gemäß AFRAC 15 entspricht. Die durchgeführten Effektivitätstests wurden in Bezug auf
ihre Angemessenheit kritisch gewürdigt.
Seite 117 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 12
Der korrekte Ausweis im Jahresabschluss wurde von uns geprüft. Weiters haben wir überprüft, ob
die Angaben im Anhang angemessen und vollständig sind.
Sonstige Informationen
Die gesetzlichen Vertreter sind für die sonstigen Informationen verantwortlich. Die sonstigen In-
formationen umfassen alle Informationen im Geschäftsbericht, ausgenommen den Jahresab-
schluss, den Lagebericht und den Bestätigungsvermerk. Der Geschäftsbericht wird uns voraus-
sichtlich nach dem Datum des Bestätigungsvermerks zur Verfügung gestellt.
Unser Prüfungsurteil zum Jahresabschluss erstreckt sich nicht auf diese sonstigen Informationen,
und wir werden keine Art der Zusicherung darauf geben.
Im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Jahresabschlusses haben wir die Verantwortlichkeit,
diese sonstigen Informationen zu lesen, sobald diese vorhanden sind, und dabei zu würdigen, ob
diese sonstigen Informationen wesentliche Unstimmigkeiten zum Jahresabschluss oder zu unse-
ren bei der Abschlussprüfung erlangten Kenntnissen aufweisen oder anderweitig falsch dargestellt
erscheinen.
Verantwortlichkeiten der gesetzlichen Vertreter
und des Prüfungsausschusses für den Jahresabschluss
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Jahresabschlusses und da-
für, dass dieser in Übereinstimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschrif-
ten ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft vermit-
telt. Ferner sind die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die internen Kontrollen, die sie als
notwendig erachten, um die Aufstellung eines Jahresabschlusses zu ermöglichen, der frei von we-
sentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist.
Bei der Aufstellung des Jahresabschlusses sind die gesetzlichen Vertreter dafür verantwortlich,
die Fähigkeit der Gesellschaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu beurteilen, Sachver-
halte im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit - sofern einschlägig - an-
zugeben, sowie dafür, den Rechnungslegungsgrundsatz der Fortführung der Unternehmenstätig-
keit anzuwenden, es sei denn, die gesetzlichen Vertreter beabsichtigen, entweder die Gesellschaft
zu liquidieren oder die Unternehmenstätigkeit einzustellen oder haben keine realistische Alterna-
tive dazu.
Der Prüfungsausschuss ist verantwortlich für die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses
der Gesellschaft.
Seite 118 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 13
Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Jahresabschlusses
Unsere Ziele sind, hinreichende Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Jahresabschluss als Gan-
zes frei von wesentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtü-
mern ist, und einen Bestätigungsvermerk zu erteilen, der unser Prüfungsurteil beinhaltet. Hinrei-
chende Sicherheit ist ein hohes Maß an Sicherheit, aber keine Garantie dafür, dass eine in Über-
einstimmung mit der EU-VO und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Ab-
schlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, durchgeführte Abschlussprüfung eine we-
sentliche falsche Darstellung, falls eine solche vorliegt, stets aufdeckt. Falsche Darstellungen kön-
nen aus dolosen Handlungen oder Irrtümern resultieren und werden als wesentlich angesehen,
wenn von ihnen einzeln oder insgesamt vernünftigerweise erwartet werden könnte, dass sie die
auf der Grundlage dieses Jahresabschlusses getroffenen wirtschaftlichen Entscheidungen von
Nutzern beeinflussen.
Als Teil einer Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit den österreichischen
Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, üben wir
während der gesamten Abschlussprüfung pflichtgemäßes Ermessen aus und bewahren eine kriti-
sche Grundhaltung.
Darüber hinaus gilt:
Wir identifizieren und beurteilen die Risiken wesentlicher falscher Darstellungen aufgrund von do-
losen Handlungen oder Irrtümern im Abschluss, planen Prüfungshandlungen als Reaktion auf
diese Risiken, führen sie durch und erlangen Prüfungsnachweise, die ausreichend und geeignet
sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu dienen. Das Risiko, dass aus dolosen Handlun-
gen resultierende wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden, ist höher als ein
aus Irrtümern resultierendes, da dolose Handlungen kollusives Zusammenwirken, Fälschungen,
beabsichtigte Unvollständigkeiten, irreführende Darstellungen oder das Außerkraftsetzen inter-
ner Kontrollen beinhalten können.
Wir gewinnen ein Verständnis von dem für die Abschlussprüfung relevanten internen Kontroll-
system, um Prüfungshandlungen zu planen, die unter den gegebenen Umständen angemessen
sind, jedoch nicht mit dem Ziel, ein Prüfungsurteil zur Wirksamkeit des internen Kontrollsys-
tems der Gesellschaft abzugeben.
Wir beurteilen die Angemessenheit der von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rech-
nungslegungsmethoden sowie die Vertretbarkeit der von den gesetzlichen Vertretern dargestell-
ten geschätzten Werte in der Rechnungslegung und damit zusammenhängende Angaben.
Seite 119 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 14
Wir ziehen Schlussfolgerungen über die Angemessenheit der Anwendung des Rechnungsle-
gungsgrundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit durch die gesetzlichen Vertreter
sowie, auf der Grundlage der erlangten Prüfungsnachweise, ob eine wesentliche Unsicherheit im
Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die erhebliche Zweifel an der Fä-
higkeit der Gesellschaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können. Falls wir
die Schlussfolgerung ziehen, dass eine wesentliche Unsicherheit besteht, sind wir verpflichtet, in
unserem Bestätigungsvermerk auf die dazugehörigen Angaben im Jahresabschluss aufmerksam
zu machen oder, falls diese Angaben unangemessen sind, unser Prüfungsurteil zu modifizieren.
Wir ziehen unsere Schlussfolgerungen auf der Grundlage der bis zum Datum unseres Bestäti-
gungsvermerks erlangten Prüfungsnachweise. Zukünftige Ereignisse oder Gegebenheiten kön-
nen jedoch die Abkehr der Gesellschaft von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit zur
Folge haben.
Wir beurteilen die Gesamtdarstellung, den Aufbau und den Inhalt des Jahresabschlusses ein-
schließlich der Angaben sowie ob der Jahresabschluss die zugrunde liegenden Geschäftsvor-
fälle und Ereignisse in einer Weise wiedergibt, dass ein möglichst getreues Bild erreicht wird.
Wir tauschen uns mit dem Prüfungsausschuss unter anderem über den geplanten Umfang und die
geplante zeitliche Einteilung der Abschlussprüfung sowie über bedeutsame Prüfungsfeststellun-
gen, einschließlich etwaiger bedeutsamer Mängel im internen Kontrollsystem, die wir während un-
serer Abschlussprüfung erkennen, aus.
Wir geben dem Prüfungsausschuss auch eine Erklärung ab, dass wir die relevanten beruflichen
Verhaltensanforderungen zur Unabhängigkeit eingehalten haben, und tauschen uns mit ihm über
alle Beziehungen und sonstigen Sachverhalte aus, von denen vernünftigerweise angenommen
werden kann, dass sie sich auf unsere Unabhängigkeit und - sofern einschlägig - damit zusammen-
hängende Schutzmaßnahmen auswirken.
Wir bestimmen von den Sachverhalten, über die wir uns mit dem Prüfungsausschuss ausgetauscht
haben, diejenigen Sachverhalte, die am bedeutsamsten für die Prüfung des Jahresabschlusses
des Geschäftsjahres waren und daher die besonders wichtigen Prüfungssachverhalte sind. Wir be-
schreiben diese Sachverhalte in unserem Bestätigungsvermerk, es sei denn, Gesetze oder andere
Rechtsvorschriften schließen die öffentliche Angabe des Sachverhalts aus oder wir bestimmen in
äußerst seltenen Fällen, dass ein Sachverhalt nicht in unserem Bestätigungsvermerk mitgeteilt
werden sollte, weil vernünftigerweise erwartet wird, dass die negativen Folgen einer solchen Mit-
teilung deren Vorteile für das öffentliche Interesse übersteigen würden.
Seite 120 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 15
Sonstige gesetzliche und andere rechtliche Anforderungen
Bericht zum Lagebericht
Der Lagebericht ist aufgrund der österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften darauf
zu prüfen, ob er mit dem Jahresabschluss in Einklang steht und ob er nach den geltenden rechtli-
chen Anforderungen aufgestellt wurde.
Zu der im Lagebericht enthaltenen nichtfinanziellen Erklärung ist es unsere Verantwortlichkeit zu
prüfen, ob sie aufgestellt wurde, sie zu lesen und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen Informati-
onen wesentliche Unstimmigkeiten zum Jahresabschluss oder zu unseren bei der Abschlussprü-
fung erlangten Kenntnisse aufweisen oder anderweitig falsch dargestellt erscheinen.
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Lageberichts in Überein-
stimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften.
Wir haben unsere Prüfung in Übereinstimmung mit den Berufsgrundsätzen zur Prüfung des Lage-
berichts durchgeführt.
Urteil
Nach unserer Beurteilung ist der Lagebericht nach den geltenden rechtlichen Anforderungen auf-
gestellt worden, enthält die nach § 243a UGB zutreffenden Angaben, und steht in Einklang mit
dem Jahresabschluss.
Erklärung
Angesichts der bei der Prüfung des Jahresabschlusses gewonnenen Erkenntnisse und des gewon-
nenen Verständnisses über die Gesellschaft und ihr Umfeld wurden wesentliche fehlerhafte Anga-
ben im Lagebericht nicht festgestellt.
Seite 121 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 16
Zusätzliche Angaben nach Artikel 10 der EU-VO
Wir wurden von der Hauptversammlung am 10. Mai 2023 als Abschlussprüfer gewählt. Wir sind
ununterbrochen seit dem Geschäftsjahr 2020 Abschlussprüfer.
Wir erklären, dass das Prüfungsurteil im Abschnitt "Bericht zum Jahresabschluss" mit dem zu-
sätzlichen Bericht an den Prüfungsausschuss nach Artikel 11 der EU-VO in Einklang steht.
Wir erklären, dass wir keine verbotenen Nichtprüfungsleistungen (Artikel 5 Abs 1 der EU-VO) er-
bracht haben und dass wir bei der Durchführung der Abschlussprüfung unsere Unabhängigkeit
von der geprüften Gesellschaft gewahrt haben.
Auftragsverantwortlicher Wirtschaftsprüfer
Der für die Abschlussprüfung auftragsverantwortliche Wirtschaftsprüfer ist Herr Mag. Christoph
Harreither.
Wien, am 18. März 2024
Ernst & Young
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H.
Mag. Christoph Harreither
ppa Mag. Victoria Scherich
Wirtschaftsprüfer
Wirtschaftsprüferin
__________
*) Die Veröffentlichung oder Weitergabe des Jahresabschlusses mit unserem Bestätigungsvermerk darf nur in der von uns bestätigten
Fassung erfolgen. Dieser Bestätigungsvermerk bezieht sich ausschließlich auf den deutschsprachigen und vollständigen Jahresab-
schluss samt Lagebericht. Für abweichende Fassungen sind die Vorschriften des § 281 Abs 2 UGB zu beachten.
Seite 122 von 366
Jahresfinanzbericht des Konzerns
der
ÖBB-Infrastruktur
Aktiengesellschaft
für das Geschäftsjahr 2023
Seite 123 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
2
Jahresfinanzbericht des Konzerns
der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
für das Geschäftsjahr 2023
KONZERNABSCHLUSS
KONZERN-GEWINN-UND-VERLUST-RECHNUNG 4
KONZERN-GESAMTERGEBNISRECHNUNG 5
KONZERN-BILANZ 6
KONZERN-GELDFLUSSRECHNUNG 7
DARSTELLUNG DER VERÄNDERUNG DES KONZERN-EIGENKAPITALS 8
ERLÄUTERUNGEN ZUM KONZERNABSCHLUSS PER 31.12.2023 9
A. Grundlagen und Methoden 9
B. Erläuterungen zur Konzern-Bilanz und Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung 30
C. Sonstige Angaben zum Konzernabschluss 58
KONZERNLAGEBERICHT 1
A. Struktur und Beteiligungen 2
B. Rahmenbedingungen und Marktumfeld 6
C. Wirtschafts- und Prognosebericht 14
D. Forschung und Entwicklung 35
E. Konzernbeziehung 36
F. Chancen- und Risikobericht 38
G. Nichtfinanzielle Erklärung 44
H. Anmerkungen zum Konzernlagebericht 143
ERKLÄRUNG DER GESETZLICHEN VERTRETER DES EMITTENTEN GEM. § 124 (1) BÖRSEG 145
Seite 124 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
3
Inhaltsverzeichnis
Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung 2023 ..................................................................................................... 4
Konzern-Gesamtergebnisrechnung 2023 ............................................................................................................. 5
Konzern-Bilanz zum 31.12.2023 ......................................................................................................................... 6
Konzern-Geldflussrechnung 2023 ....................................................................................................................... 7
Darstellung der Veränderung des Konzern-Eigenkapitals 2023 ............................................................................. 8
Erläuterungen zum Konzernabschluss per 31.12.2023 ......................................................................................... 9
A. GRUNDLAGEN UND RECHNUNGSLEGUNGSMETHODEN ............................................................................................ 9
1. Rechnungslegungsgrundsätze .............................................................................................................................. 9
2. Konsolidierungsgrundsätze und Konsolidierungskreis ......................................................................................... 11
3. Zusammenfassung der wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden ................................................. 13
B. ERLÄUTERUNGEN ZUR KONZERN-BILANZ UND KONZERN-GEWINN-UND-VERLUST-RECHNUNG ............................. 30
4. Umsatzerlöse ...................................................................................................................................................... 30
5. Andere aktivierte Eigenleistungen ....................................................................................................................... 31
6. Sonstige betriebliche Erträge .............................................................................................................................. 31
7. Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen ...................................................................................... 31
8. Personalaufwand und Beschäftigte ..................................................................................................................... 32
9. Abschreibungen .................................................................................................................................................. 32
10. Sonstige betriebliche Aufwendungen und Wertminderungsaufwendungen aus Forderungen .......................... 33
11. Zinserträge und Zinsaufwendungen .................................................................................................................. 33
12. Sonstiges Finanzergebnis .................................................................................................................................. 34
13. Ertragsteuern .................................................................................................................................................... 34
14. Sachanlagen ..................................................................................................................................................... 37
15. Immaterielle Vermögenswerte .......................................................................................................................... 40
16. Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien .................................................................................................. 42
17. Nach der Equity-Methode bilanzierte Unternehmen ......................................................................................... 42
18. Sonstige finanzielle Vermögenswerte ............................................................................................................... 44
19. Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte und zur Veräußerung gehaltene Schulden ................................. 45
20. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen ........................................................ 46
21. Vorräte ............................................................................................................................................................. 48
22. Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente ................................................................................................. 48
23. Grundkapital, Anteile nicht beherrschender Gesellschafter ............................................................................... 48
24. Rücklagen und erwirtschaftetes Ergebnis .......................................................................................................... 49
25. Finanzverbindlichkeiten .................................................................................................................................... 50
26. Rückstellungen ................................................................................................................................................. 53
27. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeiten .......................................... 57
C. SONSTIGE ANGABEN ZUM KONZERNABSCHLUSS .................................................................................................... 58
28. Eventualverbindlichkeiten und langfristige Verpflichtungen .............................................................................. 58
29. Finanzinstrumente ............................................................................................................................................ 58
30. Leasingtransaktionen ........................................................................................................................................ 71
31. Vereinbarungen von Dienstleistungslizenzen (SIC 29) ....................................................................................... 74
32. Transaktionen mit nahestehenden Unternehmen und nahestehenden Personen .............................................. 75
33. Segmentberichterstattung ................................................................................................................................ 79
34. Erläuterungen zur Geldflussrechnung ............................................................................................................... 80
35. Konzernunternehmen ....................................................................................................................................... 82
36. Ereignisse nach dem Bilanzstichtag ................................................................................................................... 83
37. Die Organe der Muttergesellschaft des Konzerns .............................................................................................. 84
Seite 125 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
4
Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung 2023
2023 2022
Erläuterung
in TEUR
in TEUR
Umsatzerlöse
4
1.249.493,8
984.368,0
Bestandsveränderungen
1.590,3
1.721,7
Andere aktivierte Eigenleistungen
5
410.208,3
355.659,1
Sonstige betriebliche Erträge
6
2.130.343,7
2.136.593,6
Gesamterträge
3.791.636,1
3.478.342,4
Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen
7
-630.425,7
-560.411,3
Personalaufwand
8
-1.403.833,8
-1.282.606,0
Abschreibungen
9
-920.714,1
-881.745,2
Sonstige betriebliche Aufwendungen
10
-404.728,8
-357.751,7
Wertminderungsaufwendungen/-aufholungen aus Forderungen aus Lieferungen
und Leistungen
20
1.367,3 869,3
Betriebsergebnis (EBIT ohne Ergebnis aus nach der Equity-Methode bilanzierten
Unternehmen)
433.301,1
396.697,5
Ergebnis aus nach der Equity-Methode bilanzierten Unternehmen
17
1.015,4
1.197,8
Zinserträge
11
19.674,3
20.704,3
Zinsaufwendungen
11
-448.707,9
-388.170,5
Sonstiger Finanzertrag
12
7.750,2
12.265,8
Sonstiger Finanzaufwand
12
-5.333,5
-58.364,5
Finanzergebnis inkl. Ergebnis aus nach der Equity-Methode bilanzierten
Unternehmen
-425.601,5
-412.367,2
Ergebnis vor Ertragsteuern (EBT)
7.699,5
-15.669,6
Ertragsteuern
13
-117.819,9
15.802,2
Konzernjahresergebnis
-110.120,4
132,5
Konzernjahresergebnis anteilig zugerechnet:
der Aktionärin des Mutterunternehmens
-110.334,6
-231,1
den nicht beherrschenden Gesellschaftern
214,2
363,6
Seite 126 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
5
Konzern-Gesamtergebnisrechnung 2023
2023 2022
Erläuterung
in TEUR
in TEUR
Konzernjahresergebnis
-110.120,4
132,5
Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste
-5.260,1
6.400,4
Steuereffekte
25,0
-33,6
Posten, die in künftigen Perioden nicht in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung
umgegliedert werden
-5.235,1
6.366,8
Unrealisiertes Ergebnis aus Cashflow Hedges
24
-174.275,8
261.936,5
Umgliederung realisiertes Ergebnis aus Cashflow Hedges
24
-238.445,5
-200.586,0
Steuereffekte
97.308,5
-10.709,8
Posten, die in die Gewinn- und Verlust-Rechnung umgegliedert wurden oder
künftig umgegliedert werden können
-315.412,8
50.640,7
Sonstiges Ergebnis nach Steuern
-320.647,9
57.007,5
Konzerngesamtergebnis
-430.768,3
57.140,0
Konzerngesamtergebnis anteilig zugerechnet:
der Aktionärin des Mutterunternehmens
-430.982,5
56.776,4
den nicht beherrschenden Gesellschaftern
214,2
363,6
Seite 127 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
6
Konzern-Bilanz zum 31.12.2023
31.12.2023
31.12.2022
Vermögen
Erläuterung
in TEUR
in TEUR
Langfristige Vermögenswerte
Sachanlagen
14
30.294.840,8
28.303.746,4
Immaterielle Vermögenswerte
15
1.030.475,2
913.580,6
Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien
16
297.559,3
234.839,2
Nach der Equity-Methode bilanzierte Unternehmen
17
49.319,6
49.609,4
Sonstige finanzielle Vermögenswerte
18
181.927,7
301.119,8
Sonstige Forderungen und Vermögenswerte
20
70.451,4
77.554,9
Latente Steueransprüche
13
58.944,0
78.962,5
31.983.518,1
29.959.412,8
Kurzfristige Vermögenswerte
Vorräte
21
87.384,9
85.374,8
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
20
310.956,6
189.819,2
Sonstige Forderungen und Vermögenswerte
20
282.164,5
351.214,7
Sonstige finanzielle Vermögenswerte
18
81.735,8
415.406,7
Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte
19
7.188,0
78,6
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente
22
25.262,7
32.438,1
794.692,6
1.074.332,0
32.778.210,7
31.033.744,8
31.12.2023
31.12.2022
Eigenkapital und Schulden
Erläuterung
in TEUR
in TEUR
Eigenkapital
Grundkapital
23
500.000,0
500.000,0
Kapitalrücklagen
24
538.884,2
538.884,2
Cashflow-Hedge-Rücklage
24
-47.895,4
267.517,4
Neubewertung leistungsorientierter Versorgungspläne
24
-8.339,1
-3.104,0
Erwirtschaftetes Ergebnis
24
379.647,0
489.981,5
dem Aktionär des Mutterunternehmens zurechenbares Eigenkapital
1.362.296,7
1.793.279,1
Anteile nicht beherrschender Gesellschafter
23
414,7
559,6
1.362.711,4
1.793.838,7
Langfristige Schulden
Finanzverbindlichkeiten
25
27.040.397,2
23.870.746,8
Rückstellungen
26
217.310,8
214.656,0
Sonstige Verbindlichkeiten
27
18.479,0
19.860,6
27.276.187,0
24.105.263,4
Kurzfristige Schulden
Finanzverbindlichkeiten
25
2.112.751,0
2.832.523,5
Rückstellungen
26
224.096,6
202.129,9
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
27
1.225.164,4
1.126.546,5
Sonstige Verbindlichkeiten
27
570.900,3
967.042,7
Schulden im Zusammenhang mit zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerten
19
6.400,0
6.400,0
4.139.312,3
5.134.642,7
32.778.210,7
31.033.744,8
Seite 128 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
7
Konzern-Geldflussrechnung 2023
2023
2022
Erläuterung
in TEUR
in TEUR
Ergebnis vor Ertragsteuern (EBT)
7.700
-15.670
Unbare Aufwendungen und Erträge
+ Abschreibung auf Sachanlagen, immaterielle Vermögenswerte und als
Finanzinvestition gehaltene Immobilien
9
1.064.899
1.027.688
+ Abschreibung / - Zuschreibung auf langfristige finanzielle Vermögenswerte
17
-177
- Auflösung von Kostenbeiträgen von Dritten
9
-144.185
-145.943
+ Verluste / - Gewinne aus dem Abgang von Sachanlagen, immateriellen
Vermögenswerten und als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien
7.578
-19.996
+ Verluste / - Gewinne aus dem Abgang von zur Veräußerung gehaltener
Vermögensgruppen
19
0
-2.459
- sonstige zahlungsunwirksame Erträge / + sonstige zahlungsunwirksame
Aufwendungen
-2.503
-3.374
+ Zinsaufwand
11
448.708
388.171
- Zinsertrag
11
-19.674
-20.704
Veränderungen der Vermögenswerte und Schulden
- Zunahme / + Abnahme von Vorräten
21
-2.010
3.652
- Zunahme / + Abnahme der Forderungen aus L+L sowie anderer
Vermögenswerte
430.371
-78.849
+ Zunahme / - Abnahme der Verbindlichkeiten aus L+L sowie anderer Schulden
und Abgrenzungen *)
-762.354
-22.876
+ Zunahme / - Abnahme von Rückstellungen
26
8.737
-20.664
- Gezahlte Zinsen
-508.999
-521.416
+ Erhaltene Zinsen
36.617
11.231
- Gezahlte Ertragsteuern
13
0
-2
Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit a)
564.902
578.613
+ Einzahlungen aus dem Abgang von Sachanlagen und immateriellen
Vermögenswerten
35.723
31.246
- Auszahlungen für Investitionen in Sachanlagen und immaterielle
Vermögenswerte
14, 15
-3.206.605
-2.894.501
+ Einzahlungen aus dem Abgang von finanziellen Vermögenswerten
500
0
- Auszahlungen für Investitionen in finanzielle Vermögenswerte
-400
-200
+ Einzahlungen von Kostenbeiträgen von Dritten
14, 15
181.495
233.746
+ Einzahlungen aus dem Verkauf von Tochterunternehmen
19
0
32.380
+ Erhaltene Dividenden
1.715
1.729
+ Einzahlung aus der Tilgung von gewährten Krediten (aus Investitionstätigkeit)
0
5.333
Geldfluss aus der Investitionstätigkeit b)
-2.987.572
-2.590.266
- Auszahlung an nicht beherrschende Gesellschafter
-359
-590
+ Einzahlungen aus der Aufnahme von Finanzverbindlichkeiten
25, 34
15.000
0
- Auszahlungen für die Tilgung von Finanzverbindlichkeiten
34
-1.008.961
-1.517.664
- Auszahlung aus der Tilgung von Leasingverbindlichkeiten
34
-12.988
-10.045
+ Einzahlung aus der Aufnahme von sonstigen Darlehen (aus
Finanzierungstätigkeit)
34
4.581.851
2.853.143
- Auszahlung für die Rückzahlung von sonstigen Darlehen (aus
Finanzierungstätigkeit)
34
-200.000
0
Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit c)
3.374.543
1.324.844
Liquide Mittel zum Periodenbeginn
-1.220.488
-533.679
Veränderungen der liquiden Mittel aus den Geldflüssen (Cashflow) (a+b+c)
951.873
-686.809
Liquide Mittel zum Periodenende
-268.615
-1.220.488
*) siehe Erläuterung 34.
Hinsichtlich der Zusammensetzung des Finanzmittelfonds wird auf Erläuterung 34 verwiesen.
Seite 129 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
8
Darstellung der Veränderung des Konzern-Eigenkapitals 2023
in TEUR
Grund-
kapital
Kapital-
rücklagen
Cashflow-
Hedge-
Rücklage
Neubewertung
leistungs-
orientierter
Versorgungs-
pläne
Erwirt-
schaftetes
Ergebnis
Summe
Eigenkapital
Anteile nicht
beherrschender
Gesellschafter
Gesamtes
Eigenkapital
Stand 01.01.2022
500.000,0
538.884,2
216.876,7
-9.470,8
490.212,6
1.736.502,7
786,3
1.737.289,1
Konzernjahresergebnis
-231,1
-231,1
363,6
132,5
Sonstiges Ergebnis
50.640,7
6.366,8
57.007,5
57.007,5
Konzerngesamtergebnis
50.640,7
6.366,8
-231,1
56.776,4
363,6
57.140,0
Ausschüttungen an
nicht beherrschende
Gesellschafter
-590,3
-590,3
Stand am 31.12.2022
500.000,0
538.884,2
267.517,4
-3.104,0
489.981,5
1.793.279,1
559,6
1.793.838,7
in TEUR
Grund-
kapital
Kapital-
rücklagen
Cashflow-
Hedge-
Rücklage
Neubewertung
leistungs-
orientierter
Versorgungs-
pläne
Erwirt-
schaftetes
Ergebnis
Summe
Eigenkapital
Anteile nicht
beherrschender
Gesellschafter
Gesamtes
Eigenkapital
Stand 01.01.2023
500.000,0
538.884,2
267.517,4
-3.104,0
489.981,5
1.793.279,1
559,6
1.793.838,7
Konzernjahresergebnis
-110.334,6
-110.334,6
214,2
-110.120,4
Sonstiges Ergebnis
-315.412,8
-5.235,1
-320.647,9
-320.647,9
Konzerngesamtergebnis
-315.412,8
-5.235,1
-110.334,6
-430.982,5
214,2
-430.768,3
Ausschüttungen an
nicht beherrschende
Gesellschafter
-359,1
-359,1
Stand am 31.12.2023
500.000,0
538.884,2
-47.895,4
-8.339,1
379.647,0
1.362.296,7
414,7
1.362.711,4
Weitere Angaben zur Darstellung der Veränderung des Eigenkapitals sind in den Erläuterungen 23 und 24 enthalten.
Seite 130 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
9
Erläuterungen zum Konzernabschluss per 31.12.2023
A. GRUNDLAGEN UND RECHNUNGSLEGUNGSMETHODEN
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft (fortan ÖBB-Infrastruktur AG) mit Sitz in Österreich, 1020 Wien, Praterstern 3,
FN 71396 w, ist eine eingetragene Aktiengesellschaft im Sinne des österreichischen Aktiengesetzes, deren Anteile von der
Österreichische Bundesbahnen Holding Aktiengesellschaft (fortan ÖBB-Holding AG) gehalten werden. Die Anteile der
ÖBB-Holding AG sind zu 100% dem österreichischen Bund vorbehalten.
Die ÖBB-Infrastruktur AG und ihre Tochterunternehmen bilden den Konzern der ÖBB-Infrastruktur AG (fortan
ÖBB-Infrastruktur-Konzern). Das Grundkapital ist unverändert gegenüber dem Vorjahr in 100.000 Stückaktien zerlegt. Die
Aktien sind Namensaktien und lauten auf die ÖBB-Holding AG. Die Aktien werden nicht öffentlich gehandelt. Der
Teilkonzern steht mit der ÖBB-Holding AG in einem Konzernverhältnis und gehört ihrem Vollkonsolidierungskreis an. Der
Konzernabschluss der ÖBB-Holding AG wird im Firmenbuch unter FN 247642 f beim Handelsgericht Wien eingereicht.
Aufgabe der ÖBB-Infrastruktur AG ist insbesondere die eines Eisenbahninfrastrukturunternehmens, von dem eine
bedarfsgerechte und sichere Schieneninfrastruktur (einschließlich Hochleistungsstrecken) geplant, gebaut,
instandgehalten (Wartung, Inspektion, Entstörung, Instandsetzung und Reinvestition), bereitgestellt und betrieben wird.
Weiters können auch Verschubleistungen erbracht werden.
Zu den Kerntätigkeiten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns gehören auch der Energieeinkauf, die Energieversorgung und das
Stromportfoliomanagement sowie die Vermietung und Entwicklung von Immobilien.
Gemäß § 51 Bundesbahngesetz in der geltenden Fassung bedarf die ÖBB-Infrastruktur AG weder zum Bau noch zum
Betrieb von Haupt- und Nebenbahnen einer Konzession nach dem Eisenbahngesetz 1957. Für die Planung und den Bau
neuer Schieneninfrastrukturvorhaben kommen ihr die Rechte und Pflichten eines Eisenbahnunternehmens zu.
Die Finanzierung der Investitionen für den Schieneninfrastrukturausbau wie auch der Betrieb und die Erhaltung werden
über die selbst erwirtschafteten Cashflows, über Fremdkapitalaufnahmen sowie Haftungen und Finanzierungen des
Bundes auf Basis mehrjähriger Rahmenpläne bzw. Zuschussverträge sichergestellt. Die Verwaltung, Entwicklung und
Verwertung der Immobilien des ÖBB-Konzerns werden durch eine Tochtergesellschaft der ÖBB-Infrastruktur AG, die
ÖBB-Immobilienmanagement GmbH, wahrgenommen. Der Bau des Brenner Basistunnels, sämtlicher erforderlicher
Bauwerke, soweit diese für die Bauarbeiten und den anschließenden Betrieb notwendig sind, sowie die Bereitstellung der
Anlagen nach Fertigstellung für die Netzzugangsberechtigten in der Betriebsphase ist Aufgabe der Galleria di Base del
Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE, eines Gemeinschaftsunternehmens des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns.
1. Rechnungslegungsgrundsätze
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist gemäß § 244 Unternehmensgesetzbuch (UGB) verpflichtet, einen Konzernabschluss zu
erstellen. Der Konzernabschluss zum 31.12.2023 wurde gemäß § 245a (1) UGB in Verbindung mit der „IFRS-Verordnung”
in Übereinstimmung mit den vom International Accounting Standards Board („IASB”) verabschiedeten International
Financial Reporting Standards („IFRS”, „IAS”) und den Interpretationen des International Financial Reporting Interpretation
Committee („IFRIC”, „SIC”), welche zum 31.12.2023 in Geltung und von der Europäischen Union übernommen waren,
sowie den zusätzlichen Anforderungen des § 245a UGB erstellt. Mit diesem Konzernabschluss nach IFRS stellt die
ÖBB- Infrastruktur AG gemäß § 245a UGB einen befreienden Konzernabschluss nach international anerkannten
Rechnungslegungsgrundsätzen auf.
Der Konzernabschluss ist in Euro (EUR) aufgestellt. Die in diesen Erläuterungen angegebenen Beträge sind in
Millionen Euro (Mio. EUR) bzw. in Tausend Euro (TEUR) dargestellt, es sei denn, eine andere Währungseinheit ist
angegeben. Nachdem bei der gerundeten Darstellung in der internen Rechengenauigkeit auch die nicht dargestellten
Ziffern berücksichtigt werden, können Rundungsdifferenzen auftreten. Im Interesse der Lesefreundlichkeit wurde teilweise
auf eine explizit geschlechtsspezifische Schreibweise verzichtet.
Seite 131 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
10
Erläuterungen zu den geänderten oder neuen IFRS-Regelungen
Gegenüber dem Konzernabschluss zum 31.12.2022 haben sich folgende Standards und Interpretationen geändert bzw.
waren aufgrund der Übernahme in das EU-Recht oder des Inkrafttretens der Regelung erstmalig verpflichtend anzuwenden.
wesentliche Auswirkungen auf den 1)Überarbeitete und geänderte Standards / Interpretationen Geltend ab Konzernabschluss IFRS 17 Versicherungsverträge 01.01.2023 nein IFRS 17 Erstmalige Anwendung von IFRS 17 und IFRS 9 01.01.2023 nein IAS 1 Angaben zu Rechnungslegungsmethoden 01.01.2023 nein IAS 8 Definition von rechnungslegungsbezogenen Schätzungen 01.01.2023 nein Latente Steuern in Zusammenhang mit Vermögenswerten und IAS 12 01.01.2023 nein Schuldung aus einer einzigen Transaktion IAS 12 Internationaler Steuerreform – Pillar-2-Modellregeln 01.01.2023 ja
1)
Anzuwenden auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem angegebenen Datum beginnen.
Änderungen an IAS 12 „Internationale Steuerreform – Pillar-II-Gesetzgebung“ (Globale Mindestbesteuerung)
Die Änderungen des IAS 12 enthalten eine vorübergehende, verpflichtende und sofort anzuwendende Ausnahme von der
Bilanzierung latenter Steuern, die sich aus der Einführung der globalen Mindestbesteuerung ergeben; zudem schreiben
sie gezielte Anhangsangaben über die Betroffenheit durch die Mindestbesteuerung vor. Diesbezüglich wird auf
Erläuterung 3 betreffend Ertragsteuern und Latente Steuern verwiesen.
IFRS 17 Versicherungsverträge (einschließlich der Änderungen vom Juni 2020 und Dezember 2021)
Der neue Standard legt die Grundsätze für den Ansatz, die Bewertung, die Darstellung und den Ausweis von
Versicherungsverträgen fest und ersetzt IFRS 4 Versicherungsverträge.
Ausblick auf zukünftige IFRS-Änderungen
Die folgenden Standards und Interpretationen wurden vom IASB verabschiedet und mit Ausnahme jener, die durch
Fußnote 2 gekennzeichnet sind, von der EU übernommen. Von der Wahlmöglichkeit, einzelne Standards vorzeitig
anzuwenden, wurde nicht Gebrauch gemacht.
voraussichtlich wesentliche Auswirkungen auf den 1)Standards / Interpretationen Geltend ab Konzernabschluss Änderungen zu Standards und Interpretationen IAS 1 Klassifizierung von Schulden als kurz- oder langfristig 01.01.2024 nein IFRS 16 Sale-and-Lease-Back-Transaktionen 01.01.2024 nein IAS 1 Klassifizierung von Schulden mit Covenants 01.01.2024 nein 2)IAS 7/IFRS 7 Lieferantenfinanzierungsvereinbarungen 01.01.2024 nein 2)IAS 21 Mangel an Umtauschbarkeit 01.01.2025 nein
1)
Anzuwenden auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem angegebenen Datum beginnen.
2)
Von der EU noch nicht übernommen.
Die Änderung an IFRS 16 beinhaltet Vorgaben für die Folgebewertung bei Leasingverhältnissen im Rahmen eines Sale-
and-Lease-Back für Verkäufer-Leasingnehmer. Hierdurch soll vor allem die Folgebewertung von Leasingverbindlichkeiten
vereinheitlicht werden, um so unangemessene Gewinnrealisierungen zu verhindern. Grundsätzlich führt die Änderung
dazu, dass bei der Folgebewertung von Leasingverbindlichkeiten im Rahmen eines Sale-and-Lease-Back die zu
Laufzeitbeginn erwarteten Zahlungen zu berücksichtigen sind. In jeder Periode wird die Leasingverbindlichkeit um die
erwarteten Zahlungen reduziert und die Differenz zu den tatsächlichen Zahlungen erfolgswirksam erfasst. Die Auswirkung
der Änderungen an IFRS 16 wird im ÖBB-Infrastruktur-Konzern derzeit evaluiert.
Es gibt keine anderen Standards, die noch nicht in Kraft sind und voraussichtlich in der aktuellen oder zukünftigen
Berichtsperiode sowie auf absehbare zukünftige Transaktionen einen wesentlichen Einfluss auf den
ÖBB-Infrastruktur-Konzern hätten.
Seite 132 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
11
2. Konsolidierungsgrundsätze und Konsolidierungskreis
Konsolidierungsgrundsätze
Bilanzstichtag
Sämtliche in den Konzernabschluss einbezogene vollkonsolidierte Unternehmen haben einheitlich den Abschlussstichtag
31.12.
Währungsumrechnung
Die Währungsumrechnung erfolgt nach dem Konzept der funktionalen Währung. Die funktionale Währung aller in den
Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen ist die jeweilige Landeswährung. Der Konzernabschluss wird in Euro,
in der funktionalen Währung des Mutterunternehmens, aufgestellt.
Nachdem alle Tochterunternehmen den Euro als funktionale Währung haben, war im Rahmen der Erstellung des
Konzernabschlusses keine Währungsumrechnung aus der Einbeziehung ausländischer Geschäftsbetriebe notwendig.
Fremdwährungstransaktionen werden von den Konzernunternehmen zunächst zu dem am Tag des Geschäftsvorfalls
jeweils gültigen Kassakurses in die funktionale Währung umgerechnet. Monetäre Vermögenswerte und Schulden in einer
Fremdwährung werden zu jedem Stichtag unter Verwendung des Stichtagskassakurses in die funktionale Währung
umgerechnet. Umrechnungsdifferenzen aus finanziellen Vermögenswerten und finanziellen Verbindlichkeiten werden in
den Finanzaufwendungen bzw. Finanzerträgen erfasst. Nicht monetäre Posten, die zu historischen Anschaffungs- bzw.
Herstellungskosten in einer Fremdwährung bewertet werden, werden mit dem Kurs am Tag des Geschäftsvorfalls
umgerechnet. Nicht monetäre Posten, die mit ihrem beizulegenden Zeitwert in einer Fremdwährung bewertet werden,
werden mit dem Kurs umgerechnet, der zum Zeitpunkt der Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts gültig ist.
Konsolidierung
Tochterunternehmen (Kapitalkonsolidierung)
Tochterunternehmen sind vom Konzern beherrschte Unternehmen. Der Konzern beherrscht ein Unternehmen, wenn er
schwankenden Renditen aus seinem Engagement bei dem Unternehmen ausgesetzt ist bzw. Anrechte auf diese besitzt
und die Fähigkeit hat, diese Renditen mithilfe seiner Verfügungsgewalt über das Unternehmen zu beeinflussen. Die
Abschlüsse von Tochterunternehmen sind im Konzernabschluss ab dem Zeitpunkt enthalten, an dem die Beherrschung
beginnt, und bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Beherrschung endet.
Die Ergebnisse der im Laufe des Jahres erworbenen oder veräußerten Tochterunternehmen werden entsprechend vom
Erwerbszeitpunkt oder bis zum Abgangszeitpunkt in die Konzern-Gesamtergebnisrechnung einbezogen. Verliert der
Konzern die Beherrschung über ein Tochterunternehmen, werden die Vermögenswerte und Schulden des
Tochterunternehmens und andere Bestandteile am Eigenkapital ausgebucht.
Die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden werden im ÖBB-Infrastruktur-Konzern einheitlich von allen
Tochtergesellschaften angewendet.
Unternehmenszusammenschlüsse
Unternehmenszusammenschlüsse werden unter Anwendung der Erwerbsmethode bilanziert. Die Anschaffungskosten
eines Unternehmenserwerbs bemessen sich als Summe der übertragenen Gegenleistung, bewertet mit dem beizulegenden
Zeitwert zum Erwerbszeitpunkt, und der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter am erworbenen Unternehmen. Bei
jedem Unternehmenszusammenschluss bewertet der Erwerber die Anteile nicht beherrschender Gesellschafter am
erworbenen Unternehmen zum entsprechenden Anteil des identifizierbaren Nettovermögens des erworbenen
Unternehmens. Im Rahmen des Unternehmenszusammenschlusses angefallene Kosten werden als Aufwand erfasst und
in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen ausgewiesen.
Erwirbt der Konzern ein Unternehmen, beurteilt er die geeignete Klassifizierung und Designation der finanziellen
Vermögenswerte und übernommenen Schulden in Übereinstimmung mit den Vertragsbedingungen, wirtschaftlichen
Gegebenheiten und den zum Erwerbszeitpunkt vorherrschenden Bedingungen. Dies beinhaltet auch eine Trennung der in
Basisverträgen eingebetteten Derivate. Bei sukzessiven Unternehmenszusammenschlüssen wird der vom Erwerber zuvor
an dem erworbenen Unternehmen gehaltene Eigenkapitalanteil zum beizulegenden Zeitwert zum Erwerbszeitpunkt neu
bestimmt und der daraus resultierende Gewinn oder Verlust erfolgswirksam erfasst. Eine vereinbarte bedingte
Gegenleistung wird zum Erwerbszeitpunkt zum beizulegenden Zeitwert erfasst. Nachträgliche Änderungen des
beizulegenden Zeitwerts einer bedingten Gegenleistung, die einen Vermögenswert oder eine Schuld darstellt, werden in
Übereinstimmung mit IFRS 9 „Finanzinstrumente” entweder in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung oder im sonstigen
Seite 133 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
12
Ergebnis erfasst. Eine bedingte Gegenleistung, die als Eigenkapitalinstrument eingestuft ist, wird nicht neu bewertet, ihre
spätere Abgeltung wird im Eigenkapital bilanziert.
Der Geschäfts- oder Firmenwert wird bei erstmaligem Ansatz zu Anschaffungskosten, die sich am Überschuss der
übertragenen Gegenleistung und des Betrags der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter über die erworbenen
identifizierbaren Vermögenswerte und übernommenen Schulden bemessen, bewertet. Liegt diese Gegenleistung unter
dem beizulegenden Zeitwert des Reinvermögens des erworbenen Tochterunternehmens, wird der Unterschiedsbetrag in
der Gewinn-und-Verlust-Rechnung erfasst. Nach dem erstmaligen Ansatz wird der Geschäfts- oder Firmenwert zu
Anschaffungskosten abzüglich kumulierter Wertminderungsaufwendungen bewertet.
Derzeit werden im ÖBB-Infrastruktur-Konzern keine Firmenwerte bilanziert.
Assoziierte Unternehmen
Ein assoziiertes Unternehmen ist ein Unternehmen, bei dem der Konzern über maßgeblichen Einfluss verfügt.
Maßgeblicher Einfluss ist die Möglichkeit, an den finanz- und geschäftspolitischen Entscheidungen des
Beteiligungsunternehmens mitzuwirken, nicht aber die Beherrschung oder die gemeinsame Beherrschung der
Entscheidungsprozesse.
Anteile an assoziierten Unternehmen werden im Konzernabschluss unter Anwendung der Equity-Methode einbezogen,
soweit diese nicht als zur Veräußerung gehalten klassifiziert werden. Die erstmalige Erfassung erfolgt zu
Anschaffungskosten. Diese werden in der Folge um die Veränderungen des Anteils des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns am
Reinvermögen nach dem Erwerbszeitpunkt sowie Verluste durch Wertminderungen angepasst. Verluste, die den
Beteiligungsansatz am assoziierten Unternehmen übersteigen, werden nicht erfasst, wenn keine Verpflichtung zu
Nachschüssen besteht.
Übersteigen die Anschaffungskosten für den Anteil des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns die beizulegenden Zeitwerte der
identifizierbaren Vermögenswerte und Schulden des assoziierten Unternehmens zum Erwerbszeitpunkt, wird der
Unterschiedsbetrag als Firmenwert im Rahmen des Beteiligungsansatzes bilanziert. Unterschreiten die Anschaffungskosten
des Anteils des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns die beizulegenden Zeitwerte der identifizierbaren Vermögenswerte und
Schulden zum Erwerbszeitpunkt, wird der Unterschiedsbetrag in der Periode des Erwerbs ertragswirksam erfasst.
Gemeinschaftsunternehmen
Eine gemeinsame Vereinbarung ist eine Vereinbarung, bei dem zwei oder mehr Parteien, die die gemeinschaftliche
Führung innehaben, Rechte am Nettovermögen der Vereinbarung haben.
Als Gemeinschaftsunternehmen werden vertragliche Vereinbarungen zweier oder mehrerer Partner über eine
wirtschaftliche Tätigkeit, die von ihnen gemeinschaftlich geführt wird, verstanden. Bestehen diese Rechte am
Nettovermögen der Vereinbarung und nicht an deren Vermögenswerten und Verpflichtungen für deren Schulden, werden
diese Gemeinschaftsunternehmen nach der Equity-Methode in den Konzernabschluss einbezogen.
Zusammensetzung und Veränderung des Konsolidierungskreises
Der Konsolidierungskreis umfasst wie im Vorjahr neben der ÖBB-Infrastruktur AG 13 (Vj: 13) weitere vollkonsolidierte und
drei (Vj: drei) assoziierte bzw. Gemeinschaftsunternehmen (davon ein [Vj: ein] ausländisches), die nach der Equity-Methode
einbezogen werden, somit insgesamt 17 (Vj: 17) Unternehmen. Die in den Konzernabschluss einbezogenen Unternehmen
sind in Erläuterung 35 angeführt.
Der Konsolidierungskreis ist so abgegrenzt, dass der Konzernabschluss ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz-
und Ertragslage des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns vermittelt. Bei den nicht in per Vollkonsolidierung einbezogenen
Unternehmen handelt es sich um Unternehmen mit geringem Geschäftsvolumen, wobei der Umsatz, die Vermögenswerte
und die Schulden insgesamt und jeweils unter 1% der Konzernwerte liegen.
Erfassung nach Voll-der Equity-Konsolidierungskreis konsolidierung Methode Gesamt Stand 01.01.2022 15 4 19 davon ausländische Gesellschaften 0 1 1 Abgang -1 -1 -2 Stand 31.12.2022 = 31.12.2023 14 3 17 davon ausländische Gesellschaften 0 1 1
Seite 134 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
13
2023 gab es keine Änderung des Konsolidierungskreises. Im Vorjahr wurden die Anteile der Güterterminal Werndorf
Projekt GmbH, Wien, veräußert, womit dieses Unternehmen nicht mehr als verbundenes vollkonsolidiertes Unternehmen
in den Konzernabschluss einbezogen wurde. Das Unternehmen Breitspur Planungsgesellschaft mbH in Liqu., Wien, befand
sich in Liquidation, womit kein maßgeblicher Einfluss auf dieses Unternehmen mehr vorlag und das Unternehmen per
31.12.2022 nicht mehr nach der Equity-Methode erfasst wurde. Per 01.12.2023 wurde das Unternehmen liquidiert.
3. Zusammenfassung der wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
Grundlagen der Erstellung des Abschlusses
Die Erstellung des Konzernabschlusses erfolgt grundsätzlich unter Anwendung des Prinzips der fortgeführten
Anschaffungskosten. Hiervon ausgenommen sind derivative Finanzinstrumente und Eigenkapitalinstrumente, die zum
beizulegenden Zeitwert bewertet werden, sowie Personalrückstellungen, die nach der PUC-Methode bilanziert sind.
Sachanlagen und als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien
Sachanlagen und als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien gemäß IAS 40 werden zu Anschaffungs- oder
Herstellungskosten abzüglich Abschreibungen und etwaigen Wertminderungen angesetzt. Die Anschaffungs- und
Herstellungskosten enthalten bestimmte Aufwendungen, die während der Errichtung und des Ausbaus des
Schieneninfrastrukturnetzes anfallen, wie zum Beispiel Kaufpreise, Material- und Personalaufwendungen, direkt
zurechenbare fixe und variable Gemeinkosten, den Barwert der Verpflichtungen aus dem Abbruch, dem Abräumen von
Vermögenswerten und der Wiederherstellung von Standorten sowie Fremdkapitalkosten, soweit es sich um qualifizierte
Vermögenswerte handelt. Umsatzsteuer, die von Lieferanten in Rechnung gestellt wird und zum Vorsteuerabzug
berechtigt, ist nicht Bestandteil der Anschaffungs- oder Herstellungskosten.
Bedeutsame Teile einer Anlage werden gesondert aktiviert, wenn diese Teile eine unterschiedliche Nutzungsdauer zum
Rest der Anlage aufweisen. Dies erfolgt nicht, wenn deren Anschaffungskosten im Verhältnis zu den gesamten
Anschaffungskosten des Gegenstands nicht signifikant sind.
Abschreibungen auf Sachanlagen und auf als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien werden linear über die geschätzte
Nutzungsdauer berechnet und in der Position Abschreibungen in der Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung ausgewiesen.
Einbauten in fremden Gebäuden werden ebenfalls über die geschätzte Nutzungsdauer oder über die kürzere
Vertragslaufzeit abgeschrieben.
Im Geschäftsjahr 2023 wurden keine wesentlichen Änderungen der Nutzungsdauern vorgenommen. Die Nutzungsdauern
betragen unverändert zum Vorjahr:
Jahre Bauten Unterbau 20–150 Kraftwerksanlagen 80 Tunnel und Galerien 80 bzw. 150 Bahnkörper 100 Sonstige Unterbauanlagen 20 bzw. 80 Hochbau 10–50 Oberbau 35–40 Sicherungs- und Fernmeldeanlagen 5–30 Fahrpark 5–25 Technische Anlagen und Maschinen Starkstrom- und Beleuchtungsanlagen 5–50 Geräte und Werkzeuge 4–20 Maschinen und maschinelle Anlagen 9–15
Hinsichtlich der Nutzungsdauern der gemäß IFRS 16 bilanzierten Nutzungsrechte liegen den linearen Abschreibungen im
Geschäftsjahr 2023 und im Geschäftsjahr 2022 folgende Nutzungsdauern zugrunde:
Jahre Nutzungsrechte Grundstücke und Bauten 2–35 Nutzungsrechte Fahrpark 4–5 Nutzungsrechte technische Anlagen und Maschinen 8 Nutzungsrechte andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 6
Seite 135 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
14
Instandhaltungsmaßnahmen und Reparaturen werden im Jahr des Anfalls als Aufwand erfasst, Ersatz-, Erweiterungs-
sowie wertsteigernde Investitionen werden aktiviert. Die Unterscheidung zwischen sofort aufwandswirksamen
Instandhaltungsmaßnahmen und Reparaturen sowie aktivierungspflichtigen Investitionsmaßnahmen erfolgt auf Basis der
Regelungen des IAS 16 und daraus abgeleiteten Bilanzierungsgrundsätzen für konzernspezifische Sachverhalte. Bei
Anlagenabgängen werden die Anschaffungskosten und die kumulierten Abschreibungen als Abgang erfasst, wobei die
Gewinne oder Verluste in den sonstigen betrieblichen Erträgen oder Aufwendungen erfasst werden. Die dargestellten
Nutzungsdauern und Abschreibungsmethoden gelten auch für jene Vermögenswerte, die im Posten „Als
Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien” ausgewiesen werden.
Vermögensbezogene Zuschüsse (Kostenbeiträge zu Vermögenswerten)
Zuwendungen der öffentlichen Hand
Die dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern gewährten Zuwendungen (Investitionszuschüsse) werden bilanziell erfasst, sofern
Sicherheit darüber besteht, dass die Zahlung erfolgen wird und die notwendigen Bedingungen für den Erhalt der
Zuwendungen erfüllt werden. Die vermögenswertorientierten Zuwendungen, vor allem Kostenbeiträge, werden direkt
aktivseitig von den bezuschussten Vermögenswerten (Sachanlagen oder immaterielle Vermögenswerte) abgesetzt. In der
Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung werden die Abschreibungen gekürzt um die Erträge aus der Auflösung der
Kostenbeiträge ausgewiesen. Kostenbeiträge werden grundsätzlich über die Nutzungsdauer des bezuschussten
Vermögenswerts abgeschrieben.
Die Entwicklung der Kostenbeiträge ist aus den Anlagenspiegeln ersichtlich. Die wesentlichen Kostenbeitragsgeber sind
die Republik Österreich, die ehemalige Eisenbahn-Hochleistungsstrecken AG und die Schieneninfrastrukturfinanzierungs-
GmbH.
Zuschüsse von Dritten
Zuschüsse zu Errichtungskosten von Sachanlagen (z.B. Lawinenverbauungen) werden bilanziell erfasst und aktivseitig von
den bezuschussten Vermögenswerten abgesetzt. An Dritte gewährte Zuschüsse, werden als immaterielle Vermögenwerte
bilanziert, insofern diese einen Nutzen in künftigen Perioden entfalten.
Geleistete Zuschüsse an Gemeinschaftsunternehmen (Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE)
werden unter den immateriellen Vermögenwerten in der Position „Kostenbeiträge an Dritte” ausgewiesen. Da der Bund
den Ausbau des Brenner Basistunnels zur Gänze finanziert leistet er entsprechenden Zuschüsse (in Form einer 50-jährigen
Annuität). Diese werden ebenfalls unter den immateriellen Vermögenwerten in der Position „Kostenbeiträge an Dritte” als
erhaltene Kostenbeiträge erfasst.
Firmenwerte und sonstige immaterielle Vermögenswerte
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern bilanziert gegenwärtig keine Firmenwerte oder sonstigen immateriellen Vermögenswerte
mit unbestimmter Nutzungsdauer.
Immaterielle Vermögenswerte mit bestimmter Nutzungsdauer werden zu Anschaffungskosten vermindert um lineare
Abschreibungen angesetzt.
Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte werden linear über die geschätzte Nutzungsdauer berechnet und in
der Position Abschreibungen in der Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung ausgewiesen.
Den linearen Abschreibungen liegen im Geschäftsjahr 2023 unverändert zum Vorjahr folgende Nutzungsdauern zugrunde:
Jahre Kostenbeiträge 5–80 Konzessionen, Schutzrechte, Lizenzen 4–20 Entwicklungskosten 4 Software 2–15 Sonstige immaterielle Vermögenswerte 5–20
Seite 136 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
15
Wertminderung von Sachanlagen, immateriellen Vermögenswerten und als Finanzinvestitionen
gehaltenen Immobilien
Sachanlagen, immaterielle Vermögenswerte und als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien mit bestimmter
Nutzungsdauer werden auf Wertminderungen untersucht, wenn Ereignisse oder Änderungen der Verhältnisse darauf
hinweisen, dass der Buchwert eines Vermögenswerts über dem erzielbaren Betrag liegt. Die Werthaltigkeitsprüfung wird
dabei für alle Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerte durchgeführt. Entsprechend den Vorschriften des IAS 36
„Wertminderung von Vermögenswerten” wird ein Aufwand aus Wertminderung erfasst, wenn der Buchwert über dem
höheren Wert, der sich aus beizulegendem Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten oder dem Nutzungswert ergibt, liegt.
Der beizulegende Zeitwert nach Abzug von Veräußerungskosten entspricht jenem Betrag, der in einer fremdüblichen
Verkaufstransaktion erzielbar ist. Der Nutzungswert entspricht den geschätzten künftigen abgezinsten Netto-
Zahlungsströmen, die aus der fortgesetzten Nutzung eines Vermögenswerts und seines Abgangs am Ende der
Nutzungsdauer zu erwarten sind. Wertminderungen werden in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung im Posten
„Abschreibungen” erfasst. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ermittelt grundsätzlich den Nutzungswert, da davon
auszugehen ist, dass der Nutzungswert über dem beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten liegt.
Wenn Änderungen der Verhältnisse darauf hindeuten, dass der Buchwert eines Vermögenswerts über dem erzielbaren
Betrag liegt, wird im Rahmen der Werthaltigkeitsprüfung der Nutzungswert berechnet. Der Nutzungswert entspricht den
geschätzten künftigen Netto-Zahlungsströmen der zahlungsmittelgenerierenden Einheiten auf Basis der Geschäftspläne,
die aus bisherigen Ergebnissen und den besten Schätzungen des Vorstands bezüglich künftiger Entwicklungen abgeleitet
wurden. Die in den Geschäftsplänen (Budget 2024 und Mittelfristplanung 2026 bis 2030) angenommenen
Wachstumsraten spiegeln die gewichteten durchschnittlichen Wachstumsraten auf Basis der Marktschätzungen wider.
Zahlungsstromprognosen, die über den Zeitraum des Geschäftsplans hinausgehen, werden auf Basis einer konstanten
Wachstumsrate für die nachfolgenden Jahre ermittelt und übersteigen nicht die langfristige gewichtete durchschnittliche
Wachstumsrate der Branche und des Landes, in der oder dem die zahlungsmittelgenerierende Einheit tätig ist.
Liegt der erzielbare Betrag dabei über dem Buchwert, dann liegt für die betreffende zahlungsmittelgenerierende Einheit
keine Wertminderung vor. Wenn der erzielbare Betrag der zahlungsmittelgenerierenden Einheit geringer ist als der
Buchwert, dann wird für diese Einheit ein Aufwand aus Wertminderung erfasst. Die Wertminderung wird anteilig den
Vermögenswerten der zahlungsmittelgenerierenden Einheit zugeordnet, wobei die Vermögenswerte der
zahlungsmittelgenerierenden Einheit nicht unter ihren erzielbaren Betrag abgeschrieben werden dürfen. Die
Buchwertminderungen stellen Aufwendungen aus der Wertminderung für die einzelnen Vermögenswerte dar.
Gibt es einen Anhaltspunkt dafür, dass eine Wertminderung von Vermögenswerten nicht mehr vorliegt, dann ist die
Wertminderung ganz oder teilweise erfolgswirksam rückgängig zu machen, maximal bis zu den fortgeführten
Anschaffungs- oder Herstellungskosten.
Es wurden weder 2022 noch 2023 für eine zahlungsmittelgenerierende Einheit Indikatoren für eine mögliche
Wertminderung festgestellt, weshalb keine Wertminderungstests durchgeführt wurden. Für die
zahlungsmittelgenerierende Einheit Schieneninfrastruktur ist aufgrund folgender Präambel zu den Zuschussverträgen
gemäß § 42 Bundesbahngesetz gegenwärtig kein Indikator für eine Wertminderung gegeben: „Die ÖBB-Infrastruktur AG
ist ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen, dessen Aufgaben im öffentlichen Interesse liegen und in § 31
Bundesbahngesetz näher bestimmt sind. Die Grundlage für die Finanzierung der Gesellschaft bildet
§ 47 Bundesbahngesetz, wonach der Bund dafür zu sorgen hat, dass der ÖBB-Infrastruktur AG die zur Erfüllung ihrer
Aufgaben und zur Aufrechterhaltung ihrer Liquidität und des Eigenkapitals erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen,
soweit die Aufgaben vom Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz umfasst sind. Die in dieser Bestimmung vom
Bund gesetzlich normierte Zusage findet in den Zuschussverträgen nach § 42 (1) und (2) Bundesbahngesetz ihre konkrete
Umsetzung. Nach Verständnis der Vertragspartner ist das Ziel der Zuschussverträge, unabhängig von der jeweiligen
Vertragslaufzeit, die Werthaltigkeit der für die Aufgaben gemäß § 31 Bundesbahngesetz eingesetzten Vermögenswerte
des Teilkonzerns der ÖBB-Infrastruktur AG dauerhaft sicherzustellen, womit auch dem gesetzlichen Auftrag des
Bundesbahngesetzes entsprochen wird.”
Nähere Informationen werden im Kapitel „Leistungsbeziehungen mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-
Investitionen und die Haftung des Bundes” in Erläuterung 32 gegeben.
Wertminderung von Anteilen an assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen
Im Anschluss an die Fortschreibung des Buchwerts der nach der Equity-Methode bilanzierten Beteiligung ist gemäß
IAS 28.40 und IFRS 11 zu jedem Bilanzstichtag zu überprüfen, ob objektive Hinweise für eine Wertminderung des
Buchwerts vorliegen. Bei Vorliegen von Indikatoren ist der erzielbare Betrag der Beteiligung gemäß IAS 36 zu ermitteln.
Ist eine Wertminderung eingetreten, ist die Beteiligung entsprechend abzuwerten. Hinsichtlich etwaiger
Wertminderungen der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel
BBT SE sowie der Anteile an assoziierten Unternehmen wird auf den obigen Absatz „Wertminderung von Sachanlagen,
immateriellen Vermögenswerten und als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien“ verwiesen.
Seite 137 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
16
Falls Indikatoren vorliegen, die auf eine Wertminderung der Beteiligung an dem at equity bilanzierten Unternehmen
hindeuten, wird der Ansatz auf seine Werthaltigkeit überprüft. Es erfolgt keine separate Prüfung des anteiligen Geschäfts-
oder Firmenwerts. Die Prüfung wird für den gesamten Beteiligungsbuchwert durchgeführt. Daher werden
Wertminderungen nicht gesondert dem im Beteiligungsbuchwert enthaltenen Geschäfts- oder Firmenwert zugeordnet
und können auch in Folgeperioden wieder vollständig wertaufgeholt werden.
Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und Schulden sowie zur Veräußerung
gehaltene Gruppen von Vermögenswerten und Schulden
Eine Umgliederung von den langfristigen Vermögenwerten zu den zur Veräußerung gehaltenen langfristigen
Vermögenswerten sowie von den langfristigen Schulden zu den zur Veräußerung gehaltenen langfristigen Schulden erfolgt
nur dann, wenn ein entsprechender Aufsichtsratsbeschluss vorliegt und mit einer Veräußerung innerhalb von zwölf
Monaten auch gerechnet wird. Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und Schulden sowie zur
Veräußerung gehaltene langfristige Gruppen von Vermögenswerten und Schulden werden mit dem Buchwert oder dem
niedrigeren beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten bewertet. Vermögenswerte, die als zur Veräußerung
gehalten eingestuft werden, werden keiner weiteren Abschreibung unterzogen und als gesonderter Posten in der Bilanz
ausgewiesen. Gewinne oder Verluste aus dem Verkauf dieser Vermögenswerte und Schulden werden zusammen mit den
Gewinnen und Verlusten aus dem Abgang von Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten als sonstiger
betrieblicher Ertrag oder Aufwand bzw. im übrigen Finanzergebnis, soweit es sich um Beteiligungen handelt, ausgewiesen.
Vorräte
Die Vorräte umfassen einerseits Materialbestände und Ersatzteile, die vor allem für den eigenen Schienennetzausbau, die
Instandhaltung und Entstörung des Schienennetzbetriebs eingesetzt werden, und andererseits Verwertungsobjekte.
Die Bewertung der Materialbestände und Ersatzteile erfolgt zu dem niedrigeren Wert aus Anschaffungs- oder
Herstellungskosten und Nettoveräußerungswert, wobei die Anschaffungs- und Herstellungskosten nach dem gleitenden
Durchschnittspreisverfahren ermittelt werden. Der Nettoveräußerungswert wird aufgrund der bei einer normalen
Geschäftsentwicklung geschätzten Verkaufspreise abzüglich der noch anfallenden Kosten bis zur Fertigstellung und
Vertriebskosten ermittelt. Eigengefertigte Vorräte sowie aufgearbeitete wiederverwendbare Materialien werden zu
Herstellungskosten aktiviert. Für nicht gängiges Vorratsmaterial und überhöhte Herstellungskosten aus Eigenfertigungen
werden entsprechende Wertberichtigungen vorgenommen. Für Ersatzteile und Materialien stellen
Wiederbeschaffungskosten die beste verfügbare Bewertungsgrundlage für den Nettoveräußerungspreis dar.
In den Vorräten werden des Weiteren betrieblich nicht mehr genutzte Liegenschaften, die für den späteren Verkauf
entwickelt werden („Verwertungsobjekte”), dargestellt. Es handelt sich um ehemalige Bahnhofs- und Eisenbahnanlagen
sowie Betriebsgebäude“, die dem dauernden Betrieb dienten. Betroffen sind wesentliche Projekte, wie z.B. die Flächen
des ehemaligen Südbahnhofes und des Frachtenbahnhofes Wien Nord, die in großem Umfang entwickelt werden. Diese
Verwertungsobjekte werden zum Verkauf im normalen Geschäftsgang gehalten oder befinden sich in der Herstellung bzw.
Entwicklung für einen Verkauf.
Die Verwertungsobjekte werden mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten aktiviert und zum Stichtag mit dem
niedrigeren Wert aus Buchwert und Nettoveräußerungswert bewertet. Der Nettoveräußerungswert ist der geschätzte
Verkaufspreis abzüglich der noch anfallenden Herstellungskosten und allfälliger Kosten der Veräußerung.
Finanzinstrumente
Ansatz und Ausbuchung
Finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten werden angesetzt, wenn der ÖBB-Infrastruktur-Konzern Partei der
vertraglichen Regelungen des Finanzinstruments wird. Finanzielle Vermögenswerte werden ausgebucht, sobald
– sämtliche Rechte auf Zahlungsströme aus dem finanziellen Vermögenswert erloschen sind oder beglichen wurden
oder
– sämtliche aus dem Vermögenswert resultierenden Chancen und Risiken auf eine andere Partei übertragen wurden
oder
– die Verfügungsmacht an dem finanziellen Vermögenswert zur Gänze auf eine andere Partei übertragen wurde.
Eine finanzielle Verbindlichkeit darf nur dann ausgebucht werden, wenn diese getilgt wurde, das heißt, wenn die im
Vertrag festgelegte Verpflichtung entweder beglichen, aufgehoben oder ausgelaufen ist. Käufe und Verkäufe von
finanziellen Vermögenswerten werden am Abrechnungstag (Erfüllungstag), derivative Finanzinstrumente werden am
Abschlusstag (Handelstag) erfasst.
Finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten werden bei der Ersterfassung mit dem beizulegenden Zeitwert der
erhaltenen oder erbrachten Leistung angesetzt. Transaktionskosten werden dabei berücksichtigt, außer bei den
erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Finanzinstrumenten.
Seite 138 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
17
Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern stuft finanzielle Vermögenswerte in die folgenden Bewertungskategorien ein:
– zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet
– erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert (FVOCI) bewertet
– erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert (FVTPL) bewertet
Die Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten mit Fremdkapitalcharakter ist abhängig vom
Geschäftsmodell des Unternehmens zur Steuerung der finanziellen Vermögenswerte und von den vertraglichen
Zahlungsströmen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern klassifiziert Schuldinstrumente nur dann um, wenn sich das
Geschäftsmodell zur Steuerung solcher Vermögenswerte ändert. Da im ÖBB-Infrastruktur-Konzern derzeit keine
Schuldinstrumente erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert gehalten werden, entfällt eine weitere Erläuterung.
Schuldinstrumente bewertet zu fortgeführten Anschaffungskosten
Ein Schuldinstrument wird zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet, wenn die beiden nachfolgenden
Voraussetzungen erfüllt werden:
– Der Vermögenswert wird im Rahmen eines Geschäftsmodells gehalten, dessen Zielsetzung darin besteht, aus den
gehaltenen Vermögenswerten vertragliche Cashflows zu vereinnahmen.
– Die Vertragsbedingungen des finanziellen Vermögenswertes führen zu festgelegten Zeitpunkten zu Cashflows, die
ausschließlich Tilgungs- und Zinszahlungen auf den ausstehenden Kapitalbetrag darstellen.
Zinserträge aus diesen finanziellen Vermögenswerten werden unter Anwendung der Effektivzinsmethode im
Finanzergebnis ausgewiesen.
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, sonstige Forderungen sowie finanzielle Vermögenswerte (z. B. Wertpapiere)
werden zu fortgeführten Anschaffungskosten abzüglich Wertminderungen bewertet.
Zahlungsmittel- und Zahlungsmitteläquivalente
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern weist Kassenbestände, Guthaben bei Kreditinstituten mit Restlaufzeiten seit
Erwerbszeitpunkt von bis zu drei Monaten und Guthaben beim verbundenen Unternehmen ÖBB-
Finanzierungsservice GmbH, welches die Liquiditätssteuerung zwischen den Gesellschaften des ÖBB-Holding-Konzerns
durchführt, als liquide Mittel aus. Geldmarktveranlagungen mit Laufzeiten über drei Monate werden zusammen mit
Wertpapieren als kurzfristige sonstige finanzielle Vermögenswerte ausgewiesen. Die Zahlungsmittel und
Zahlungsmitteläquivalente abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH
fließen in den Finanzmittelfonds für die Geldflussrechnung ein.
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werden ab dem Zeitpunkt, zu dem sie entstanden sind, angesetzt. Jeder
unbedingte Anspruch auf den Erhalt einer Gegenleistung wird als Forderung ausgewiesen. Forderungen aus Lieferungen
und Leistungen ohne wesentliche Finanzierungskomponente werden beim erstmaligen Ansatz zum Transaktionspreis
bewertet.
Eigenkapitalinstrumente bewertet erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert
Der Konzern bewertet alle gehaltenen Eigenkapitalinstrumente erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert.
Schuldinstrumente bewertet erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert
Ein Schuldinstrument, das weder zu fortgeführten Anschaffungskosten noch erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert
bewertet wird, wird erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hält keine
Schuldinstrumente, welche erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bilanziert werden.
Derivate
Die derivativen Finanzinstrumente werden zum beizulegenden Zeitwert bewertet. Änderungen des beizulegenden
Zeitwerts von derivativen Finanzinstrumenten werden erfolgswirksam oder im sonstigen Ergebnis erfasst, je nachdem, ob
das derivative Finanzinstrument zur Absicherung der beizulegenden Zeitwerte von Bilanzposten („Fair Value Hedge”) oder
der Fluktuation von künftigen Zahlungsströmen („Cashflow Hedge”) eingesetzt wird. Bei derivativen Finanzinstrumenten,
die Bilanzposten absichern, werden Veränderungen des beizulegenden Zeitwerts des abgesicherten Risikos und des
derivativen Finanzinstruments ergebniswirksam erfasst. Bei derivativen Finanzinstrumenten, die als Cashflow Hedge
qualifiziert sind, werden Veränderungen des beizulegenden Zeitwerts des effektiven Teils des Sicherungsinstruments über
das sonstige Ergebnis im Eigenkapital (Cashflow-Hedge-Rücklage) erfasst. Die in der Cashflow-Hedge-Rücklage
ausgewiesenen Effekte werden ergebniswirksam erfasst, wenn das Grundgeschäft ergebniswirksam wird. Änderungen
des beizulegenden Zeitwerts des ineffektiven Teils eines Sicherungsgeschäftes und von derivativen Finanzinstrumenten,
die nicht als Sicherungsgeschäft einzustufen sind, werden sofort ergebniswirksam erfasst. Hedge Accounting wird im
ÖBB-Infrastruktur-Konzern angewendet. Zum Hedge Accounting siehe Erläuterung 29.3.
Seite 139 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
18
Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Verbindlichkeiten
Finanzielle Verbindlichkeiten werden zu fortgeführten Anschaffungskosten (FLAC) oder erfolgswirksam zum
beizulegenden Zeitwert (FVTPL) bewertet. Eine finanzielle Verbindlichkeit wird zu FVTPL eingestuft, wenn sie als zu
Handelszwecken gehalten eingestuft wird oder ein Derivat ist.
Finanzielle Verbindlichkeiten (FLAC) werden bei ihrem erstmaligen Ansatz mit dem beizulegenden Zeitwert und in der
Folgebewertung mit den fortgeführten Anschaffungskosten mittels der Effektivzinsmethode bewertet.
Finanzielle Verbindlichkeiten (FVTPL) werden zum beizulegenden Zeitwert bewertet und ein aus der Folgebewertung
resultierender Gewinn oder Verlust wird erfolgswirksam erfasst.
Wertminderung von finanziellen Vermögenswerten (IFRS 9)
Der Konzern beurteilt auf zukunftsgerichteter Basis das mit Schuldinstrumenten, die zu fortgeführten Anschaffungskosten
oder erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden, verbundene Ausfallrisiko. Das Ausfallrisiko ist das Risiko
von finanziellen Verlusten, falls ein Kunde oder die Vertragspartei eines Finanzinstruments seinen bzw. ihren vertraglichen
Verpflichtungen nicht nachkommt. Die Buchwerte der finanziellen Vermögenswerte entsprechen dem maximalen
Ausfallrisiko.
IFRS 9 sieht bei der Ermittlung des erwarteten Verlusts ein generelles Wertminderungsmodell (Dreistufenmodell) sowie
eine vereinfachte Methode vor.
Generelles Wertminderungsmodell
Nach dem generellen Wertminderungsmodell wird nach drei Wertminderungsstufen unterschieden. Die Höhe der
Wertminderung bemisst sich entsprechend der Zuordnung des Finanzinstruments zu einer dieser drei Stufen. Das generelle
Wertminderungsmodell kommt für alle Finanzinstrumente, mit Ausnahme der Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen, zur Anwendung.
Stufe 1: erwartete Kreditverluste innerhalb der nächsten zwölf Monate
In Stufe 1 sind grundsätzlich alle Finanzinstrumente bei Zugang sowie Finanzinstrumente, die keine signifikante
Verschlechterung der Kreditqualität seit Zugang erfahren haben, einzuordnen. Der erwartete Verlust entspricht dem
Barwert der erwarteten Zahlungsausfälle, die aus möglichen Ausfallereignissen innerhalb der nächsten zwölf Monate
(12-Month-Expected-Credit-Loss) nach dem Bilanzstichtag entstehen.
Stufe 2: erwartete Kreditverluste über die gesamte Laufzeit – keine beeinträchtigte Bonität
Liegt eine signifikante Erhöhung des Ausfallrisikos, jedoch kein objektiver Hinweis auf eine Wertminderung vor, ist die
Risikovorsorge bis zur Höhe der erwarteten Verluste über die gesamte Restlaufzeit aufzustocken. Ein Transfer von Stufe 1
zu Stufe 2 wird widerlegbar vermutet, wenn die vertraglichen Zahlungsströme seit mehr als 30 Tagen überfällig sind.
Stufe 3: erwartete Kreditverluste über die gesamte Laufzeit – bonitätsbeeinträchtigt
Gibt es einen objektiven Hinweis, dass eine Wertminderung bei einem finanziellen Vermögenswert vorliegt, so ist dieser
in Stufe 3 zu transferieren. Sind die vertraglichen Zahlungsströme seit mehr als 90 Tagen überfällig, so besteht die
widerlegbare Vermutung, dass ein objektiver Hinweis auf einen Kreditausfall besteht. Somit muss das Finanzinstrument
nach Stufe 3 transferiert werden. Die Festlegung, ob ein finanzieller Vermögenswert eine wesentliche Erhöhung des
Kreditrisikos erfahren hat, basiert auf einer zumindest einmal jährlich durchgeführten Einschätzung der
Ausfallwahrscheinlichkeiten, welche sowohl externe Ratinginformationen als auch interne Informationen über die
Kreditqualität des finanziellen Vermögenswerts berücksichtigen.
Die Ausfallwahrscheinlichkeit wird zum Zeitpunkt des erstmaligen Ansatzes von Vermögenswerten und das Vorliegen einer
signifikanten Erhöhung des Ausfallrisikos während aller Berichtsperioden berücksichtigt. Um zu beurteilen, ob sich das
Ausfallsrisiko signifikant erhöht hat, wird das Ausfallrisiko im Hinblick auf den Vermögenswert am Abschlussstichtag mit
dem Ausfallsrisiko im Zeitpunkt des erstmaligen Ansatzes verglichen. Dabei werden verfügbare angemessene und
belastbare zukunftsorientierte Informationen berücksichtigt.
Unabhängig von obenstehender Analyse liegt eine signifikante Erhöhung des Kreditrisikos vor, wenn die Erfüllung der
vertraglichen Zahlungsströme mehr als 30 Tage überfällig ist. Ein Ausfall im Hinblick auf einen finanziellen Vermögenswert
liegt vor, wenn die Vertragspartei die Vornahme von vertraglichen Zahlungen innerhalb von 90 Tagen nach Fälligkeit
versäumt. Finanzielle Vermögenswerte werden abgeschrieben, wenn nach angemessener Einschätzung eine
Realisierbarkeit nicht mehr erwartet wird. Wurden Forderungen abgeschrieben, werden Vollstreckungsmaßnahmen
fortgesetzt, um die fällige Forderung noch zu realisieren. Realisierte Beträge werden im Gewinn oder Verlust erfasst.
Seite 140 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
19
Finanzinstrumente mit niedrigem Kreditrisiko
Der ÖBB-Konzern wendet für Schuldinstrumente mit niedrigem Kreditrisiko, die ein Investment-Grade-Rating besitzen, die
Erleichterungsbestimmung von der Stufenzuordnung an und ordnet diese stets der Stufe 1 zu. Der ÖBB-Infrastruktur-
Konzern sieht dies bei einem Rating von BBB- oder höher bei Standard & Poor’ s als gegeben an.
Vereinfachtes Wertminderungsmodell
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
Für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen wendet der ÖBB-Infrastruktur-Konzern den gemäß IFRS 9 verpflichtend
anzuwendenden vereinfachten Ansatz an, dem zufolge die über die Laufzeit erwarteten Kreditverluste ab dem erstmaligen
Ansatz der Forderungen zu erfassen sind. Nach dem vereinfachten Wertminderungsmodell ist für alle Instrumente,
unabhängig von ihrer Kreditqualität, eine Risikovorsorge in Höhe der erwarteten Verluste über die Restlaufzeit zu erfassen.
Das vereinfachte Verfahren ist auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen oder Vermögenswerte, die in den
Anwendungsbereich von IFRS 15 fallen und die keine signifikante Finanzierungskomponente enthalten, anzuwenden.
Soweit objektive Hinweise auf Wertminderungen bestehen (z.B. Insolvenzen) werden Einzelwertberichtigungen gebildet.
Das Ausfallrisiko für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen wird auf kollektiver Basis ermittelt. Das Ausfallrisiko des
Konzerns wird hauptsächlich durch die individuellen Merkmale der Kunden beeinflusst. Für die Forderungen aus
Lieferungen und Leistungen wurden die geschätzten erwarteten Zahlungsausfälle auf Grundlage von Erfahrungen mit
tatsächlichen Zahlungsausfällen der letzten acht Jahre unter Anwendung des vereinfachten Wertminderungsmodells
ermittelt. Die historischen Ausfallsraten werden um künftig zu erwartende Veränderungen von gesamtwirtschaftlichen
Faktoren, wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Arbeitslosenquote sowie von Insolvenzquoten, angepasst.
Beizulegender Zeitwert von Finanzinstrumenten
Bei liquiden Mitteln, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie Forderungen an und
Verbindlichkeiten gegenüber nahestehenden Unternehmen entsprechen die Buchwerte annähernd den beizulegenden
Zeitwerten. Mit Ausnahme der liquiden Mittel handelt es sich um die Fair Value-Hierarchieebene 3.
Der beizulegende Zeitwert langfristiger Finanzforderungen, sonstiger finanzieller Vermögenswerte ohne Börsekurs,
Finanzverbindlichkeiten und Swap-Vereinbarungen basiert auf dem Barwert der künftig zu erwartenden Zahlungsströme,
abgezinst mit dem vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern geschätzten aktuellen Zinssatz, zu dem vergleichbare
Finanzinstrumente abgeschlossen werden können. Ein etwaiges Kreditrisiko wird bei der Ermittlung der beizulegenden
Zeitwerte berücksichtigt. Es handelt sich dabei um Fair Values der Hierarchieebene 2.
Der beizulegende Zeitwert von börsenotierten Wertpapieren und Anleihen wird entweder der Fair Value-Hierarchieebene
1 oder 2 zugeordnet (Erläuterung 29.7).
Der beizulegende Zeitwert von Eigenkapitalinstrumenten wird unter zur Hilfenahme von Multiples ermittelt und der Fair-
Value-Hierarchieebene 3 zugeordnet.
Rückstellungen
Rückstellungen werden gebildet, wenn der ÖBB-Infrastruktur-Konzern eine gegenwärtige Verpflichtung (rechtlicher oder
faktischer Natur) aus einem vergangenen Ereignis hat und es wahrscheinlich ist, dass die Erfüllung der Verpflichtung mit
dem Abfluss von Ressourcen einhergeht und eine verlässliche Schätzung des Betrags der Rückstellung möglich ist.
Der angesetzte Rückstellungsbetrag ist der beste Schätzwert, der sich am Abschlussstichtag für die hinzugebende Leistung
ergibt, um die gegenwärtige Verpflichtung zu erfüllen. Dabei sind bei der Verpflichtung inhärente Risiken und
Unsicherheiten zu berücksichtigen. Wird eine Rückstellung auf Basis der für die Erfüllung der Verpflichtung geschätzten
Zahlungsströme bewertet, sind diese Zahlungsströme abzuzinsen, sofern der Zinseffekt wesentlich ist.
Kann davon ausgegangen werden, dass Teile oder der gesamte zur Erfüllung der Rückstellung notwendige wirtschaftliche
Nutzen durch einen außenstehenden Dritten erstattet wird, wird dieser Anspruch als Vermögenswert aktiviert, wenn die
Erstattung so gut wie sicher ist und ihr Betrag zuverlässig geschätzt werden kann. Weitere Angaben sind in Erläuterung
26.2 enthalten.
Seite 141 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
20
Leasingverhältnisse
Leasingnehmer
Bei Vertragsbeginn beurteilt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern, ob der Vertrag ein Leasingverhältnis begründet oder
beinhaltet. Dies ist der Fall, wenn der Vertrag dazu berechtigt, die Nutzung eines identifizierten Vermögenswertes gegen
Zahlung eines Entgelts für einen bestimmten Zeitraum zu kontrollieren. Um zu beurteilen, ob ein Vertrag das Recht zur
Kontrolle eines identifizierten Vermögenswertes beinhaltet, legt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern die Definition eines
Leasingverhältnisses nach IFRS 16 zugrunde.
Am Bereitstellungsdatum erfasst der ÖBB-Infrastruktur-Konzern einen Vermögenswert für das gewährte Nutzungsrecht
sowie eine Leasingverbindlichkeit. Das Nutzungsrecht wird erstmalig zu Anschaffungskosten bewertet, die der erstmaligen
Bewertung der Leasingverbindlichkeit entsprechen, angepasst um am oder vor dem Bereitstellungsdatum geleistete
Zahlungen zuzüglich etwaiger anfänglicher direkter Kosten sowie der geschätzten Kosten zur Demontage oder
Beseitigung des zugrunde liegenden Vermögenswertes bzw. des Standorts, an dem sich dieser befindet, abzüglich
etwaiger erhaltener Leasinganreize.
Anschließend wird das Nutzungsrecht vom Bereitstellungsdatum bis zum Ende des Leasingzeitraums linear abgeschrieben,
es sei denn, das Eigentum an dem zugrunde liegenden Vermögenswert geht zum Ende der Laufzeit des
Leasingverhältnisses auf den ÖBB-Infrastruktur-Konzern über oder in den Kosten des Nutzungsrechtes ist berücksichtigt,
dass der ÖBB-Infrastruktur-Konzern eine Kaufoption wahrnehmen wird. In diesem Fall wird das Nutzungsrecht über die
Nutzungsdauer des zugrunde liegenden Vermögenswertes abgeschrieben, welche nach den Vorschriften für Sachanlagen
ermittelt wird. Zusätzlich wird das Nutzungsrecht sofern notwendig fortlaufend um Wertminderungen berichtigt und um
bestimmte Neubewertungen der Leasingverbindlichkeit angepasst.
Erstmalig wird die Leasingverbindlichkeit zum Barwert der am Bereitstellungsdatum noch nicht geleisteten
Leasingzahlungen mit dem Leasingverhältnis zugrunde liegenden Zinssatz oder, wenn sich dieser nicht ohne Weiteres
bestimmen lässt, mit dem Grenzfremdkapitalzinssatz des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns abgezinst.
Die in die Bewertung der Leasingverbindlichkeit einbezogenen Leasingzahlungen umfassen:
– feste Zahlungen, einschließlich de facto feste Zahlungen,
– variable Leasingzahlungen, die an einen Index oder (Zins-)Satz gekoppelt sind, erstmalig bewertet anhand des am
Bereitstellungsdatum gültigen Indexes bzw. (Zins-)Satzes,
– Beträge, die aufgrund einer Restwertgarantie voraussichtlich zu zahlen sind, und
– den Ausübungspreis einer Kauf- oder Verlängerungsoption, wenn der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hinreichend sicher
ist, diese auszuüben, sowie Strafzahlungen für eine vorzeitige Kündigung des Leasingverhältnisses, es sei denn, der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist hinreichend sicher, nicht vorzeitig zu kündigen.
Die Leasingverbindlichkeit wird zum fortgeführten Buchwert unter Nutzung der Effektivzinsmethode bewertet. Sie wird
neu bewertet, wenn sich die künftigen Leasingzahlungen aufgrund eines Index- oder (Zins-)Satzänderung verändern,
wenn der ÖBB-Infrastruktur-Konzern seine Schätzung zu den voraussichtlichen Zahlungen im Rahmen einer
Restwertgarantie anpasst, wenn der ÖBB-Infrastruktur-Konzern seine Einschätzung über die Ausübung einer Kauf-,
Verlängerungs- oder Kündigungsoption ändert oder sich eine de facto feste Leasingverbindlichkeit ändert.
Bei einer solchen Neubewertung der Leasingverbindlichkeit wird eine entsprechende Anpassung des Buchwertes des
Nutzungsrechtes vorgenommen bzw. wird diese erfolgswirksam vorgenommen, wenn sich der Buchwert des
Nutzungsrechtes auf null verringert hat.
In der Bilanz weist der ÖBB-Infrastruktur-Konzern Nutzungsrechte, die nicht der Definition einer als Finanzinvestition
gehaltenen Immobilie erfüllen, in den Sachanlagen und Leasingverbindlichkeiten in den Finanzverbindlichkeiten aus.
Die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden zu den Cross-Border-Leasing-Transaktionen werden in Erläuterung 30.3
dargestellt.
Kurzfristige Leasingverhältnisse und Leasingverhältnisse, denen Vermögenswerte von geringem Wert zugrunde
liegen
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat von der Erleichterung Gebrauch gemacht, Nutzungsrechte und
Leasingverbindlichkeiten für Leasingverhältnisse, denen Vermögenswerte von geringem Wert (bis 5.000,00 EUR) zugrunde
liegen, sowie für kurzfristige Leasingverhältnisse und immaterielle Vermögenswerte nicht anzusetzen. Der ÖBB-
Infrastruktur-Konzern erfasst die mit diesen Leasingverhältnissen in Zusammenhang stehenden Leasingzahlungen über die
Laufzeit des Leasingverhältnisses linear als Aufwand.
Seite 142 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
21
Leasinggeber
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern tritt auch als Leasinggeber auf und stuft bei Vertragsbeginn jedes Leasingverhältnis
entweder als Finanzierungsleasing oder Operating-Leasingverhältnis ein.
Zur Einstufung jedes Leasingverhältnisses hat der ÖBB-Infrastruktur-Konzern eine Gesamteinschätzung vorgenommen, ob
das Leasingverhältnis im Wesentlichen alle Risiken und Chancen, die mit dem Eigentum an dem zugrunde liegenden
Vermögenswert verbunden sind, überträgt. Wenn dies der Fall ist, wird das Leasingverhältnis als Finanzierungsleasing
eingestuft; wenn nicht, ist es ein Operating-Leasingverhältnis. Im Rahmen dieser Beurteilung berücksichtigt der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern bestimmte Indikatoren, wie zum Beispiel, ob das Leasingverhältnis den überwiegenden Teil der
wirtschaftlichen Nutzungsdauer des Vermögenswertes umfasst.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern bilanziert das Hauptleasingverhältnis und das Unterleasingverhältnis separat, wenn er als
zwischengeschalteter Leasinggeber auftritt. Er stuft das Unterleasingverhältnis auf Grundlage seines Nutzungsrechtes aus
dem Hauptleasingverhältnis und nicht auf Grundlage des zugrunde liegenden Vermögenswertes ein. Wenn es sich bei
dem Hauptleasingverhältnis um ein kurzfristiges Leasingverhältnis handelt, auf das der ÖBB-Infrastruktur-Konzern die oben
beschriebenen Ausnahmen anwendet, stuft er das Unterleasingverhältnis als Operating-Leasingverhältnis ein.
Leasingzahlungen aus Operating-Leasingverhältnissen werden vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern über die Laufzeit des
Leasingverhältnisses linear als Ertrag in den Umsatzerlösen erfasst.
Verpflichtungen gegenüber Arbeitnehmer:innen
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist lediglich eine einzelvertraglich gewährte Pensionsverpflichtung für ein ehemaliges
Vorstandsmitglied eingegangen. Darüber hinaus gibt es nur beitragsorientierte Versorgungspläne für Pensionen. In diesem
Fall leistet der ÖBB-Infrastruktur-Konzern aufgrund gesetzlicher oder vertraglicher Verpflichtungen Zahlungen in
privatwirtschaftliche oder öffentlich-rechtliche Pensionssysteme und Vorsorgekassen für Mitarbeiter:innen. Außer der
Beitragszahlung bestehen keine weiteren Verpflichtungen. Die regelmäßigen Beitragsleistungen werden als
Personalaufwand in der jeweiligen Periode erfasst.
Alle anderen Verpflichtungen (Abfertigungen für Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis vor dem 01.01.2003 begonnen
hat, und Jubiläumsgelder) resultieren aus ungedeckten leistungsorientierten Versorgungssystemen und werden
entsprechend rückgestellt. Für die Ermittlung der Rückstellung wendet der ÖBB-Infrastruktur-Konzern in Übereinstimmung
mit IAS 19 „Leistungen an Arbeitnehmer” das Anwartschaftsbarwertverfahren (PUC-Methode) an. Die Neubewertung der
Nettoschulden enthält nur versicherungsmathematische Gewinne oder Verluste. Die zukünftigen Verpflichtungen werden
nach versicherungsmathematischen Grundsätzen bewertet und basieren auf einer sachgerechten Schätzung des
Abzinsungsfaktors und der Gehaltssteigerungen sowie der Fluktuation. Nach dieser Methode erfasst der Konzern
versicherungsmathematische Gewinne und Verluste aus Rückstellungen für Abfertigungen im sonstigen Ergebnis sowie
aus Rückstellungen für Jubiläumsgelder im Personalaufwand.
Infolge einer gesetzlichen Änderung unterliegen Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis in Österreich nach dem
01.01.2003 begonnen hat, bezüglich der Verpflichtungen aus Abfertigungen einem beitragsorientierten Versorgungsplan.
Es werden Beiträge in einen beitragsorientierten Versorgungsplan eingezahlt.
Weitere Informationen sind in Erläuterung 26.1 enthalten.
Änderungen bestehender Rückstellungen für Entsorgungs-, Wiederherstellungs- und ähnliche
Verpflichtungen
Die Anschaffungskosten von Sachanlagen umfassen gemäß IAS 16 „Sachanlagen” auch die erstmals geschätzten Kosten
für die Demontage und das Entfernen des Gegenstands sowie die Wiederherstellung des Standorts, an dem er sich
befindet. Rückstellungen für Entsorgungs-, Wiederherstellungs- und ähnliche Verpflichtungen werden nach den
Vorschriften von IAS 37 „Rückstellungen, Eventualverbindlichkeiten und Eventualforderungen” bewertet. Auswirkungen
von Bewertungsänderungen von bestehenden Rückstellungen für Entsorgungs-, Wiederherstellungs- und ähnliche
Verpflichtungen werden gemäß IFRIC 1 „Änderungen bestehender Rückstellungen für Entsorgungs-, Wiederherstellungs-
und ähnliche Verpflichtungen” bilanziert. Die Vorschriften sehen vor, dass jede Erhöhung derartiger Verpflichtungen, die
den Zeitablauf widerspiegeln, ergebniswirksam zu erfassen ist. Bewertungsänderungen, die auf Änderungen der
geschätzten Fälligkeit oder Höhe des Abflusses von Ressourcen, der zur Erfüllung der Verpflichtung erforderlich ist, oder
auf einer Änderung des Abzinsungssatzes beruhen, sind zu den Anschaffungskosten des dazugehörigen Vermögenswertes
in der laufenden Periode hinzuzufügen oder davon abzuziehen. Der von den Anschaffungskosten des Vermögenswertes
abgezogene Betrag darf seinen Buchwert nicht übersteigen.
Seite 143 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
22
Vertragsvermögenswerte und Vertragsverbindlichkeiten
Vertragsvermögenswerte betreffen bedingte Ansprüche des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns auf eine Gegenleistung für die
vollständige Erfüllung der vertraglichen Leistungen. Ansprüche aus Vertragsvermögenswerten werden abzüglich der
bereits an den Kunden verrechneten Beträge ebenfalls in der Position Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
ausgewiesen. Die Verrechnung an den Kunden erfolgt, wenn der Konzern seine Leistungsverpflichtung erbracht hat.
Vertragsverbindlichkeiten beziehen sich auf Zahlungen, die vorzeitig, also vor Erfüllung der vertraglichen
Leistungsverpflichtung, erhalten wurden. Diese werden als Umsatzerlöse erfasst, sobald der ÖBB-Infrastruktur-Konzern
die vertragliche Leistungsverpflichtung erbringt. In beiden Berichtsjahren wurden keine Vertragsverbindlichkeiten
identifiziert.
Ertragsrealisierung
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern erfasst einen Erlös, wenn er durch Übertragung eines zugesagten Gutes oder einer
zugesagten Dienstleistung auf einen Kunden eine Leistungsverpflichtung erfüllt. Als übertragen gilt ein Vermögenswert
oder eine Dienstleistung dann, wenn der Kunde die Verfügungsgewalt über diesen Vermögenswert oder die Dienstleistung
erlangt.
Sollten signifikante Finanzierungskomponenten vorliegen, werden diese dann getrennt von den Erlösen aus Verträgen mit
den Kunden in der Gesamtergebnisrechnung ausgewiesen, wenn bei Vertragsbeginn erwartet wird, dass die Zeitspanne
zwischen der Übertragung und der Bezahlung des Gutes oder der Dienstleistung mehr als ein Jahr beträgt. Der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat keine Verträge identifiziert, bei denen der Zeitraum zwischen der Übertragung des
versprochenen Guts bzw. der Dienstleistung auf den Kunden und die Zahlung durch den Kunden ein Jahr überschreitet.
Entsprechend wird die zugesagte Gegenleistung nicht um den Zeitwert des Geldes angepasst.
Sollten im wesentlichen Umfang aktivierbare Kosten im Rahmen der Vertragsanbahnung oder im Zusammenhang mit der
Erfüllung eines Vertrags mit einem Kunden entstehen und die Vertragslaufzeit mehr als ein Jahr betragen, werden diese
aktiviert. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat keine derartigen Verträge identifiziert, bei denen die Vertragslaufzeit ein Jahr
überschreitet und bei deren Vertragsanbahnung oder bei deren Vertragserfüllung aktivierbare Kosten, die nicht schon
aufgrund von IAS 16 aktiviert wurden, im wesentlichen Umfang angefallen sind. Entsprechend wurden keine
Vertragsanbahnungs- oder Vertragserfüllungskosten aktiviert.
Beschreibung der wesentlichsten Erlösposten aus Verträgen mit Kunden
Infrastrukturbenützungsentgelt (IBE)
Für die Benutzung der Schieneninfrastruktur des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns wird den Eisenbahnverkehrsunternehmen
(EVU) Wegeentgelt verrechnet. Die Verträge beinhalten die Bestellungen der einzelnen EVU und werden vom
ÖBB-Infrastruktur-Konzern mit den EVU abgeschlossen. Grundlage für diese Bestellungen sind die Schienennetz-
Nutzungsbedingungen (SNNB), welche eine Aufstellung zu den einzelnen Leistungen je Netzfahrplanperiode (z. B. für die
Zugtrassen, Zugfahrt und sonstige Leistungen, Verkehrsstationen, Verschub) enthalten. In den SNNB werden die Entgelte
je Leistung sowie etwaige Zu- bzw. Abschläge veröffentlicht. Sie gelangen diskriminierungsfrei gegenüber allen EVU zur
Anwendung (ohne Gewährung von Rabatten).
Die grundlegenden Bestimmungen zur Berechnung und Festsetzung der Infrastrukturbenützungsentgelte (Wegeentgelte)
und der Dienstleistungsentgelte sind in den §§ 67 bis 69b Eisenbahngesetz enthalten. Grundlegend für die Entgeltbildung
ist die Definition der zu erbringenden Leistungen für die EVU. Eine wesentliche Leistung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
ist das sogenannte Produkt „Zugtrasse” (Mindestzugangspaket). Das Mindestzugangspaket beinhaltet das Hauptangebot
an Leistungen, ohne dem ein geordneter Zugang zur Eisenbahninfrastruktur nicht möglich wäre.
Die Wegeentgelte werden in den SNNB der ÖBB-Infrastruktur AG jährlich gesetzeskonform veröffentlicht. Auf Basis der
veröffentlichten SNNB bestellen die EVU ihre Zugtrassen für die Netzfahrplanperiode seit Dezember 2017. Die
Verrechnung der Leistungen erfolgt monatlich und basiert auf einer IST-Verrechnung. Die bestellten Leistungen werden
einen Monat im Nachhinein an den Kunden verrechnet. Dem Kunden fließt der Nutzen aus der Leistung des Unternehmens
zu und er nutzt die Leistung während diese erbracht wird. Allfällige Rückerstattungsansprüche, die sowohl dem Grunde
als auch der Höhe nach ungewiss sind, von künftigen Ereignissen abhängen und zu einem drohenden Ressourcenabfluss
in Zukunft führen können, werden gemäß IAS 37 erfasst. Es wird die Höhe der möglichen Rückforderung geschätzt und
eine entsprechende Rückstellung gebildet.
Die Abrechnung der erbachten Leistungen erfolgt monatlich im Nachhinein. Die Erfassung der Abrechnung für den Monat
Dezember erfolgt im Lieferjahr. Es sind daher keine Abgrenzungen erforderlich.
Seite 144 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
23
Energielieferungen und Netznutzungsentgelte
Die Leistungsverpflichtung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns besteht in der Lieferung von Bahnstrom zur Versorgung von
Triebfahrzeugen, von Hilfsbetrieben, bei Hinterstellung von Wagenmaterial und von ortsfesten Anlagen der Kunden. Es
werden Jahresbestellmengen, Nachbestellmengen und Kurzfristbestellmengen unterschieden. Des Weiteren wird das
Bahnstromnetz des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zur Belieferung mit Bahnstrom zur Verfügung gestellt. Die Verrechnung
des Netznutzungsentgelts erfolgt gemäß den jeweils gültigen Schienennetznutzungsbedingungen. Die Entgelte werden
jährlich von der ÖBB-Infrastruktur AG gesetzeskonform veröffentlicht.
Der Transaktionspreis wird in den Verträgen festgelegt. Die fest kontrahierte Menge wird für Hochzeit- und Niederzeittarife
sowie für Rückspeisung ermittelt, und zwar aufgrund der Bekanntgabe durch die Kunden. Für diese Hochzeit- und
Niederzeittarife wird der Energiepreis je MWh festgelegt.
Bei den vereinbarten Tarifen handelt es sich um den Stand-alone-Selling-Price. Das ist der jeweilige Preis, zu dem diese
Leistung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns auch an alle anderen Kunden verkauft wird. Insbesondere beim Netzentgelt
handelt es sich um regulierte Preise von denen nicht abgewichen werden kann. Alle Leistungsverpflichtungen werden
zeitgleich mit der Energielieferung erbracht, weshalb eine Aufteilung des Transaktionspreises nicht erfolgen muss.
Die Lieferung des Bahnstroms und die Dienstleistung der Netznutzung und Umformung erfolgt kontinuierlich, das heißt,
den Kunden fließt der Nutzen aus der Leistung des Unternehmens zu und sie nutzen die Leistung während diese erbracht
wird. Der Kontrollübergang erfolgt mit dem Verbrauch durch die Kunden.
Die Abrechnung der erbachten Leistungen erfolgt monatlich im Nachhinein. Die Erfassung der Abrechnung für den Monat
Dezember erfolgt im Lieferjahr. Es sind daher keine Abgrenzungen erforderlich.
Erlöse aus Verwertungsobjekten
Die Verwertungsobjekte betreffen jene Liegenschaften, welche betrieblich nicht mehr genutzt und für den späteren
Verkauf entwickelt werden. Es handelt sich um ehemalige Bahnhofs- und Eisenbahnanlagen, die dem dauernden Betrieb
dienten. Betroffen sind wesentliche Projekte, wie zum Beispiel die Flächen des ehemaligen Südbahnhofs, des
Frachtenbahnhofs Wien Nord sowie des Nordwestbahnhofs, die in großem Umfang entwickelt werden. Die Erlöse werden
erfasst, wenn die Verfügungsmacht über das Grundstück an den Kunden übergegangen ist.
Die Umsatzerlöse entsprechen dem vertraglich vereinbarten Transaktionspreis. Mehrheitlich ist die Gegenleistung fällig,
wenn der Rechtstitel übergegangen ist. In seltenen Fällen können aufgeschobene Zahlungen vereinbart werden, die
jedoch im Allgemeinen zwölf Monate nicht überschreiten. Im Transaktionspreis wird daher keine signifikante
Finanzierungskomponente berücksichtigt.
Sonstige Umsatzerlöse
Die sonstigen Umsatzerlöse enthalten Umsatzerlöse aus Telekommunikationsleistungen, Reparaturleistungen, Reinigungs-
und Sicherheitsleistungen und Leistungen im Zusammenhang mit dem Betrieb der Container-Terminals, die überwiegend
zeitraumbezogen erfasst werden.
Mieterlöse
Mieterlöse fallen für die Vermietung und die Verpachtung von Immobilien und von Pkw an und werden IFRS 16
zugerechnet. Es handelt sich um Festpreisverträge, bei denen die Erlöse in der Berichtsperiode, in der die Dienstleistungen
stattfinden, erfasst werden. Mieten werden periodengerecht entsprechend den Vertragskonditionen erfasst.
Umsatzmieten sind Mieten, die in Abhängigkeit von den vom /von der Mieter:in erzielten Umsätzen verrechnet werden,
und werden dann realisiert, wenn die Höhe der Erträge hinreichend verlässlich bestimmt werden kann.
Erfolgsbezogene Zuwendungen
Dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern gewährte Aufwandszuschüsse werden bei Erfüllung der Ansatzvoraussetzungen sofort
erfasst und entsprechend dem zeitlichen Anfall der Aufwendungen ergebniswirksam realisiert. Hinsichtlich der
Besonderheiten der Zuschüsse zur Finanzierung der Infrastruktur wird auf die Ausführungen in Erläuterung 32 verwiesen.
Bei dem gewährten Bundeszuschuss gemäß § 42 Abs. 1 und 2 Bundesbahngesetz für Betriebsführung, Inspektion,
Wartung, Entstörung und Instandsetzung sowie Erweiterungs- und Reinvestitionen (Annuitätenzuschuss) handelt es sich
um eine Zuwendung der öffentlichen Hand, da der Bund durch diesen Zuschuss den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur
fördern möchte, womit der ÖBB-Infrastruktur-Konzern diese Zuschüsse in den sonstigen betrieblichen Erträgen darstellt.
Derartige Zuschüsse werden in der Gewinn-und-Verlustrechnung nicht mit den bezuschussten Aufwendungen saldiert.
Seite 145 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
24
Zinsen und Dividenden
Zinsen werden unter Anwendung der Effektivzinsmethode gemäß IFRS 9 erfasst. Dividenden werden bei Entstehung des
Rechtsanspruchs der Aktionäre auf Zahlung erfasst.
Gemäß IAS 23 „Fremdkapitalkosten” werden Fremdkapitalaufwendungen für wesentliche qualifizierte Vermögenswerte
aktiviert. Weitere Angaben sind in Erläuterung 14 enthalten.
Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen
Forschungsaufwendungen beziehen sich gemäß IAS 38 „Immaterielle Vermögenswerte” auf die eigenständige und
planmäßige Suche mit der Aussicht, neue wissenschaftliche oder technische Erkenntnisse zu gewinnen, und werden als
Aufwand in jener Periode erfasst, in der sie anfallen. Entwicklungsaufwendungen sind Kosten, die anfallen, wenn
Forschungserkenntnisse angewendet werden, um diese technisch und wirtschaftlich realisierbar zu machen. Wenn eine
Trennung von Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen nicht möglich ist, sind Entwicklungsaufwendungen gemäß
IAS 38 in jener Periode als Aufwand zu erfassen, in der sie anfallen. Werden die Aktivierungsvoraussetzungen des IAS 38
erfüllt, sind Entwicklungsaufwendungen als immaterielle Vermögenswerte zu aktivieren, wobei es in den Geschäftsjahren
2023 und 2022 keine Anwendungsfälle gab.
Steuerliche Verhältnisse
Gemäß § 50 (2) Bundesbahngesetz in der Fassung BGBl Nr. 95/2009 besteht für die ÖBB-Infrastruktur AG ab 2005 eine
Befreiung von bundesgesetzlichen Abgaben, mit Ausnahme der Umsatzsteuer, von den Bundesverwaltungsabgaben sowie
von Gerichts- und Justizverwaltungsabgaben, soweit sich diese Abgaben und Gebühren aus der Erfüllung der jeweiligen
im Bundesbahngesetz vorgesehenen Aufgaben der ÖBB-Infrastruktur AG ergeben (Teilsteuerbefreiung).
Im Wesentlichen wurden folgende Bereiche als ertragsteuerpflichtig eingestuft:
– Erträge aus dem Stromgeschäft
– Erbringung von nicht eisenbahninfrastrukturbezogenen Leistungen
– Bewirtschaftung (inkl. Entwicklung und Verkauf) von Immobilien, die kein Eisenbahnvermögen im Sinne des
§ 10a Eisenbahngesetz darstellen
– Beteiligungsverwaltung
Im Dezember 2005 wurde ein Gruppenvertrag mit der ÖBB-Holding AG als Gruppenträger mit einem Großteil der
Tochterunternehmen des Gesamtkonzerns abgeschlossen, darunter auch mit der ÖBB-Infrastruktur AG und deren
Tochtergesellschaften als Gruppenmitgliedern. Demnach wurden zwischen dem Gruppenträger und den
Gruppenmitgliedern Regelungen über den Steuerausgleich vereinbart. Die nach diesen Bestimmungen ermittelten
positiven Steuerumlagen werden nach der Stand-alone-Methode (geht von der steuerlichen Selbstständigkeit der
einzelnen Gruppenmitglieder für die Berechnung der Umlage aus) berechnet. Negative Steuerumlagen werden erst bei
effektiver Nutzung der Verluste durch den Gruppenträger den betroffenen Gruppenmitgliedern abgegolten. Die
Steuerumlagen werden nach Abschluss der steuerlichen Außenprüfung nach rechtskräftiger Veranlagung der
Körperschaftsteuer des Gruppenträgers fällig.
Mit der ÖBB-Holding AG als Organträger besteht eine umsatzsteuerliche Organschaft gemäß § 2 Abs 2 UStG.
Ertragsteuern und Latente Steuern
Ertragsteuern umfassen sowohl laufende als auch latente Steuern. Die laufenden Steuern betreffen sämtliche Steuern, die
auf den steuerpflichtigen Gewinn der Konzerngesellschaften erhoben werden. Die sonstigen Steuern wie z. B.
vermögensabhängige Steuern oder Betriebssteuern (Strom, Energie) sind in den entsprechenden betrieblichen
Aufwendungen enthalten. Aktive und passive latente Steuern werden gemäß IAS 12 „Ertragsteuern” für alle temporären
Unterschiede zwischen Steuer- und IFRS-Bilanzwerten, für Steuergutschriften und Verlustvorträge im Konzernabschluss
gebildet.
Latente Steuern werden – unter Bedachtnahme auf bestehende Ausnahmebestimmungen – für alle temporären
Differenzen zwischen der Steuerbasis der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten („tax base”) sowie ihren Buchwerten im
IFRS-Abschluss angesetzt (sog. Verbindlichkeitenmethode), insoweit es sich um Vermögenswerte und Schulden handelt,
die mit dem nicht steuerbefreiten Geschäftsbetrieb im Zusammenhang stehen.
Latente Steueransprüche und latente Steuerschulden im Zusammenhang mit der globalen Mindestbesteuerung werden
aufgrund der bestehenden vorübergehenden Ausnahme des IAS 12 nicht bilanziert.
Seite 146 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
25
Wenn im Rahmen einer Transaktion, die keinen Unternehmenszusammenschluss darstellt, latente Steuern aus dem
erstmaligen Ansatz eines Vermögenswerts oder einer Verbindlichkeit entstehen, die zum Zeitpunkt der Transaktion weder
einen Effekt auf den bilanziellen Gewinn oder Verlust noch auf das steuerliche Einkommen hat, unterbleibt die
Steuerabgrenzung sowohl zum Zeitpunkt des Erstansatzes als auch danach.
Latente Steuerschulden, die durch temporäre Differenzen im Zusammenhang mit Beteiligungen an Tochterunternehmen
und assoziierten Unternehmen entstehen, werden angesetzt, es sei denn, dass der Zeitpunkt der Umkehrung der
temporären Differenzen vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern bestimmt werden kann und es wahrscheinlich ist, dass sich die
temporären Differenzen in absehbarer Zeit aufgrund dieses Einflusses nicht umkehren werden.
Latente Steuern werden unter Anwendung der Steuersätze (und Steuervorschriften) bewertet, die am Bilanzstichtag gelten
oder im Wesentlichen gesetzlich verabschiedet sind und deren Geltung zum Zeitpunkt der Realisierung der latenten
Steueransprüche oder der Begleichung der latenten Steuerschulden erwartet wird.
Latente Steueransprüche werden in dem Umfang angesetzt, in dem es wahrscheinlich ist, dass künftiges zu versteuerndes
Einkommen, gegen das die temporären Differenzen und Verlustvorträge verwendet werden können, verfügbar sein wird.
Latente Steuern werden direkt mit dem Eigenkapital verrechnet oder diesem gutgeschrieben, wenn sich die Steuer auf
Posten bezieht, die in derselben oder in einer anderen Periode mit dem Eigenkapital verrechnet oder diesem
gutgeschrieben werden.
Zum 31.12.2023 wurde die internationale Steuerreform – Pillar-II-Gesetzgebung (globale Mindestbesteuerung) – bereits
in österreichisches Recht überführt. Das Gesetz findet erstmals Anwendung für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2023
beginnen. Der ÖBB-Infrastruktur Konzern als Teilkonzern des ÖBB-Konzerns fällt zukünftig in den Anwendungsbereich
dieser Regelungen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat mit einer ersten indikativen Analyse begonnen, um die zukünftige
grundsätzliche Betroffenheit und die Jurisdiktionen zu ermitteln, aus denen der Teilkonzern möglichen Auswirkungen im
Zusammenhang mit einer Pillar-II Top-up-Tax (Primärergänzungsteuer) oder einer Qualified-Domestic-Minimum-Top-up-
Tax (nationale Ergänzungssteuer) ausgesetzt ist. Auf Basis der laufenden indikativen Analyse ist die Anwendung einer Top-
up-Tax für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern voraussichtlich nicht anwendbar, da die ÖBB-Infrastruktur AG nicht als Ultimate-
Parent-Entity (oberste Muttergesellschaft) im Sinne der Regelung qualifiziert ist. Die Top-up-Tax findet vielmehr auf Ebene
der ÖBB-Holding AG Anwendung. Es könnten sich auf lokaler Ebene bei Konzerngesellschaften der ÖBB-Infrastruktur AG
allenfalls Anwendungsfälle durch etwaige nationale Ergänzungssteuern ergeben. Im Rahmen der laufenden Analyse wird
untersucht, ob der ÖBB-Infrastruktur-Konzern möglicherweise von der Einführung einer Qualified-Domestic-Minimum-Tax
(nationale Ergänzungssteuer) betroffen wäre.
Aufgrund der komplexen Anwendung der Gesetzgebung und der Berechnung des GloBE-Einkommens sind die
quantitativen Auswirkungen der verabschiedeten oder in Kraft getretenen Gesetzgebung noch nicht abschätzbar. Der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern prüft laufend die Auswirkungen der Pillar-II-Gesetzgebung auf die zukünftige Ertragskraft des
Konzerns. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird davon ausgegangen, dass keine wesentlichen Erhöhungen der laufenden
Steuern aufgrund der Gesetzgebung entstehen.
Die Erleichterungsbestimmung, wonach keine latenten Steuern bilanziert
werden, die sich aus der Einführung der globalen Mindestbesteuerung ergeben, werden angewendet.
Verwendung von Schätzungen und Ermessensausübungen
Im Zuge der Erstellung des Konzernabschlusses muss der Vorstand Schätzungen vornehmen und Annahmen treffen, die
die Höhe der ausgewiesenen Vermögenswerte und Schulden, der angeführten Eventualverbindlichkeiten am
Bilanzstichtag und die Aufwendungen und Erträge während des Berichtzeitraums beeinflussen können. Die tatsächlichen
Werte können von diesen Schätzungen abweichen. Sämtliche Schätzungen und Beurteilungen werden regelmäßig
aktualisiert und basieren auf historischen Erfahrungen und weiteren Faktoren einschließlich Erwartungen hinsichtlich
zukünftiger Ereignisse, die unter den gegebenen Umständen vernünftig erscheinen.
Bei der Anwendung der Bilanzierungsmethoden des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns trifft der Vorstand Ermessens-
entscheidungen, beispielweise bei der Anwendung von Hedge Accounting, bei der Einschätzung der Übertragung von
relevanten Risiken bei Leasinggeschäften, bei der Einschätzung, inwieweit Verlängerungs- oder Kündigungsoptionen als
Leasingnehmer bei der Beurteilung der Laufzeit von Leasingverträgen ausgeübt werden, sowie bei der Erfassung und
Bilanzierung von Bundeszuschüssen gem. §§ 41f BBG.
Seite 147 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
26
Weiteres hat der Vorstand zum Bilanzstichtag wichtige zukunftsbezogene Annahmen getroffen und wesentliche Quellen
von Schätzungsunsicherheiten zum Bilanzstichtag identifiziert, die mit dem Risiko einer wesentlichen Änderung der
Buchwerte von Vermögenswerten und Schulden im nächsten Geschäftsjahr behaftet sind:
a. Versorgungspläne für Arbeitnehmer:innen
Die Bewertung der Abfertigungs- und Jubiläumsgeldansprüche beruht auf einer Methode, bei der Parameter wie der
erwartete Abzinsungsfaktor, langfristige Gehaltssteigerungen sowie Fluktuationsraten angewendet werden. Wenn sich
die relevanten Parameter wesentlich anders entwickeln als erwartet, kann dies wesentliche Auswirkungen auf die
Rückstellung und in der Folge auf die Aufwendungen für Abfertigungs- und Jubiläumsverpflichtungen des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns haben. Bei den langfristigen Personalrückstellungen (Abfertigung und Jubiläen) wurde in
beiden Geschäftsjahren der Abzinsprozentsatz, die Gehaltssteigerungen und die Fluktuationen an die neuen
Gegebenheiten angepasst. Die Auswirkung möglicher Änderungen von Parametern ist in Erläuterung 26.1 dargestellt.
b. Einschätzungen der Nutzungsdauern der Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerte
Die Nutzungsdauern werden nach den Gegebenheiten des Unternehmens bei üblicher Instandhaltung festgelegt. Die
tatsächliche Nutzung kann von diesen Einschätzungen abweichen. Eine Sensitivitätsanalyse ergab, dass sich die
Abschreibung bei einer Veränderung der Nutzungsdauer (Restnutzungsdauer) um +/- 1 Jahr um rd. 122,5 Mio. EUR
(Vj: rd. 115,9 Mio. EUR) erhöht oder um rd. 96,3 Mio. EUR (Vj: rd. 91,2 Mio. EUR) verringert. Die Angemessenheit der
Nutzungsdauern wird jährlich oder anlassbezogen überprüft.
Die festgelegten Nutzungsdauern gelten grundsätzlich unverändert 2023. Im Geschäftsjahr 2023 wurde die
Nutzungsdauer für einen kleinen Teil der Anlagengruppe „Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäfts-
ausstattungen“ verlängert. Dadurch hat sich die jährliche Abschreibung in Höhe von rd. 0,8 Mio. EUR verringert. Es
handelte sich hierbei um eine Schätzungsänderung, die prospektiv zur Anwendung kam.
c. Rückstellungen
Die Rückstellungen werden nach der bestmöglichen Schätzung bemessen, das heißt mit dem Betrag, den das
Unternehmen bei vernünftiger Betrachtung zur Erfüllung der Verpflichtung zum Bilanzstichtag oder zur Übertragung der
Verpflichtung auf einen Dritten am Bilanzstichtag zahlen müsste.
Zum 31.12.2023 bestehen mehrere regulierungsrechtliche Verfahren. Diese Verfahren, welche sich in unterschiedlichen
verfahrensrechtlichen Stadien befinden, betreffen den Zeitraum ab Dezember 2011 bis 2023. Inhaltlich geht es dabei vor
allem um Fragen der Ermittlung und Festlegung des Infrastrukturbenützungsentgelts (ab Dezember 2011 bis Dezember
2017), der Entgelte nach dem neuen Wegeentgeltmodell für den Zeitraum Dezember 2019 bis Dezember 2023 (Produkt
„Zugtrasse” hinsichtlich direkt zuordenbarer Kosten und gesetzeskonformer Marktaufschläge bis einschließlich der
Netzfahrplanperiode 2021) sowie um die Zulässigkeit der Höhe der Stationsentgelte bei der Nutzung von
Serviceeinrichtungen ab Dezember 2015 bis 2021.
Bei der Ermittlung der Rückstellungen zu den Wegeentgelten und den Stationsentgelten wurden Anpassungen aufgrund
von Erkenntnissen aus dem Verfahrensverlauf durchgeführt.
Weitere Verfahren betreffen die Bahnstromnetznutzungsentgelte für den Zeitraum ab 2016. Für die Entgeltjahre 2016 bis
2018 wurden von der Regulierungsbehörde SCK Bescheide erlassen, die das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) wegen
Ermittlungs- und Begründungsfehler zur neuerlichen Entscheidung an die erstinstanzliche Behörde SCK zurückverwiesen
hat. Für die Entgeltjahre 2019 und 2020 wurden im April 2021 Beschiede von der SCK erlassen, gegen die Beschwerden
beim BVwG eingebracht wurden. Die Verfahren wurden im Geschäftsjahr 2023 noch nicht entschieden und sind derzeit
noch beim BVwG anhängig. Im Geschäftsjahr 2023 ergab sich für die Rückstellungen im Zusammenhang mit dem
Bahnstromnetzentgelt 2016 bis 2023 aufgrund der gesetzten Verfahrensschritte der SCK eine Neubeurteilung der
Verpflichtungen. Diese wurde wie folgt ermittelt: Aufgrund der erstinstanzlichen Entscheidungen aus den bisherigen
Verfahren (2016 bis 2020) sowie der aktuell gesetzten Verfahrensschritte, wurde die Höhe der voraussichtlich an die
Kunden rückzuerstattenden Entgeltbestandteile (Kostenpositionen im Berechnungsmodell) bestimmt, und für diese
vorgesorgt.
Der Ausgang der anhängigen Verfahren kann dazu führen, dass die bisher von der ÖBB-Infrastruktur AG verrechneten
Entgelte abgeändert werden und es dadurch zu einer Rückerstattungspflicht für die ÖBB-Infrastruktur AG kommt (auch
eine Nachforderung von Entgelten ist denkbar, aber rechtlich strittig). Diese Risiken wurden individuell je Sachverhalt bzw.
Verfahren unter Einbindung von Expert:innen bewertet und in Form von Rückstellungen bilanziell berücksichtigt. Die
Notwendigkeit und die Höhe der Rückstellungen sind maßgeblich von der Annahme und Einschätzung des Managements
zum Ausgang der Verfahren abhängig. Bewertungsunsicherheiten bestehen insbesondere aufgrund von schwierig
abzuschätzenden Ergebnissen bei der Auslegung von bisher weitgehend nicht ausjudizierten Rechtsfragen durch die
Aufsichtsbehörde, Verwaltungsgerichte bzw. Gerichtshöfe, möglichen Einschränkungen der zeitlichen Wirkung von
Entscheidungen sowie hinsichtlich Art, Umfang und Höhe von anerkannten Kosten und Marktaufschlägen als Basis für die
Verrechnung von Tarifen für die Nutzung der Schieneninfrastruktur.
Seite 148 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
27
Nur wenn in absehbarer Zukunft mit einer Stilllegung einzelner Strecken gerechnet wird oder jene bereits eingeleitet wurde,
werden die Stilllegungskosten geschätzt und rückgestellt. Die Höhe der erwarteten Stilllegungskosten hängt maßgeblich
von den Annahmen der Rückbauszenarien ab.
Die Rückstellung für Umweltschutzmaßnahmen betrifft die mit der Beseitigung von Kontaminationen von Liegenschaften
und Flächen der Gesellschaft anfallenden Kosten. Die Grundlagen der Kostenschätzung beruhen auf dem vermuteten
Kontaminationsumfang. Der Kostenschätzung liegt eine konservative Sanierung, sprich Totalaushub mit anschließender
Deponierung, zugrunde. Sollten mit der zuständigen Behörde andere Sanierungsmaßnahmen abgesprochen werden, die
zu einer Reduktion der finanziellen Aufwendungen führen, wird dies in der jährlichen Aufstellung berücksichtigt.
Im Rahmen der Rückstellung für Freimachungskosten wird für vertragliche Verpflichtungen im Zusammenhang mit
Grundstücksveräußerungen bzw. künftig anfallende Kosten in Zusammenhang mit bereits verkauften, aber noch in
Entwicklung befindliche Liegenschaften Vorsorge getroffen.
Eine Sensitivitätsanalyse ergab, dass sich die Rückstellungen für Umweltrisiken und für Stilllegungskosten bei einer
Veränderung der Kosten um +/- 10% um rd. 4,3 Mio. EUR (Vj: rd. 5,6 Mio. EUR) erhöht/verringert. Auf die Ermittlung von
Sensitivitäten für die Rückstellung von Freimachungskosten wurde verzichtet, da die Rückstellung aus vielen
Einzelbeträgen besteht, für die unterschiedliche Parameter, Schätzungen und Berechnungen zu Anwendung kommen. Die
Änderung einzelner Parameter würde daher keine besondere Aussagekraft haben. Hinsichtlich der regulierungsrechtlichen
Verfahren wird auf die Schutzklausel IAS 37.92 verwiesen (Erläuterung 26.2).
Die Rückstellungsbeträge finden sich unter Erläuterung 26.2.
d. Ertragsteuern
Latente Steueransprüche wurden für temporäre Differenzen zwischen der Steuerbasis und den Buchwerten von
Vermögenswerten und Schulden sowie für Verlustvorträge gebildet. Hinsichtlich der steuerlichen Situation der
ÖBB-Infrastruktur AG wird auf die Teilsteuerbefreiung verwiesen (angeführt unter der Überschrift „Steuerliche
Verhältnisse“). Bei der Beurteilung der Werthaltigkeit latenter Steueransprüche trifft der Vorstand eine Einschätzung
hinsichtlich der voraussichtlichen Nutzung innerhalb des steuerlichen Planungszeitraums von fünf Jahren (Erläuterung 13).
Die auf bestehende Verlustvorträge und temporäre Differenzen aktivierten latenten Steueransprüche basieren auf einer
Schätzung der steuerpflichtigen Ergebnisse für die nächsten fünf Jahre. Sollte sich die steuerliche Einschätzung über die
Qualifizierung der Teilbereiche der ÖBB-Infrastruktur AG als steuerfrei und steuerpflichtig ändern oder sollten in der
Zukunft nicht ausreichende steuerpflichtige Ergebnisse zu Verfügung stehen, kann dies erhebliche Auswirkungen auf die
Höhe der latenten Steueransprüche haben.
Steuersachverhalte unterliegen hinsichtlich ihrer Beurteilung durch die Steuerbehörden Unsicherheiten und es ist nicht
auszuschließen, dass diese in Einzelfällen zu anderen Ergebnissen als die ÖBB-Infrastruktur AG kommen können. Sollten
Änderungen in der Beurteilung wahrscheinlich sein, wird eine entsprechende Rückstellung gebildet. Dies war zum
31.12.2023 und zum 31.12.2022 nicht erforderlich.
e. Finanzielle Verpflichtungen
Gegen oder von der ÖBB-Infrastruktur AG und deren Tochtergesellschaften sind im Rahmen der gewöhnlichen
Geschäftstätigkeit verschiedene Verfahren, Prozesse sowie sonstige Ansprüche anhängig. Diese Sachverhalte sind mit
zahlreichen Unsicherheiten behaftet und die Ergebnisse der Verhandlungen und Prozesse lassen sich nicht mit Sicherheit
voraussagen. Demzufolge ist der Vorstand nicht in der Lage, den Gesamtbetrag möglicher finanzieller Verpflichtungen
und Forderungen oder deren Auswirkung auf die Finanzlage des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zum 31.12.2023 mit
abschließender Gewissheit festzustellen. Diese Verfahren könnten bei ihrem Abschluss die Ergebnisse materiell
beeinflussen. Der Vorstand ist jedoch der Ansicht, dass bei endgültiger Bereinigung solcher Fälle die Auswirkungen die
dafür gebildeten Rückstellungen nicht wesentlich übersteigen und daher keine wesentlichen Konsequenzen auf den
Konzernabschluss haben werden.
Seite 149 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
28
f. Informationen in Bezug auf klimapolitische Aspekte und Risiken (Klimawandel)
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern versteht Nachhaltigkeit ganzheitlich und verknüpft erfolgreiches Wirtschaften mit
ökologischer Verträglichkeit und sozialer Verantwortung. Damit wird eine nachhaltige Unternehmensausrichtung im Sinne
des Vorsorgeprinzips erreicht. Auf Basis dieses ganzheitlichen Ansatzes werden sowohl die Chancen als auch die Risiken
durch das Unternehmen auf die Umgebung und ebenso für das Unternehmen selbst in Bezug auf Nachhaltigkeitsthemen
ermittelt. Auf Basis dieses ganzheitlichen Ansatzes werden sowohl die Chancen als auch die Risiken durch das
Unternehmen auf die Umgebung und ebenso für das Unternehmen selbst in Bezug auf Nachhaltigkeitsthemen ermittelt.
Auf Basis der jährlich aktualisierten Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse, welche im ÖBB-Infrastruktur-Konzern 2022 das
erste Mal im Zuge der Umsetzung der EU-Taxonomie-Verordnung durchgeführt wurde, sowie einer allgemeinen Chancen-
und Risikoanalyse konnten folgende maßgebliche Themen mit Bezug auf klimapolitische Aspekte und Risiken identifiziert
werden, die eine Auswirkung auf den ÖBB-Infrastruktur-Konzern haben.
– Das Risiko von vermehrten Extremwetterereignissen bedingt durch den Klimawandel (Stark-Niederschlägen, Hochwasser,
Muren, Stürme, Hitzewellen etc.) hat in den Geschäftstätigkeiten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns negative
Auswirkungen. Um diesem entgegenzuwirken, werden im ÖBB-Infrastruktur-Konzern entsprechende Maßnahmen
gesetzt, wie zum Beispiel die Einführung von geeigneten Monitoring- und Frühwarnsystemen sowie gezielte
Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte zur Erhöhung der Resilienz von Anlagen, Systemen, Fahrzeugen und
Prozessen.
– Der Klimawandel birgt aber auch eine Chance für das Unternehmen im Hinblick auf Wachstum des öffentlichen Verkehrs
und Ausbau des Bahnangebots, wodurch sich eine mögliche Steigerung von Auslastungen und damit verbunden von
Produktivität aber auch eine Steigerung von Erlösen/Umsätzen ergeben kann. In weiterer Folge ist dies aber auch mit
erforderlichen Investitionen in den Ausbau der Kapazität des Systems Bahn verbunden.
– Aufgrund des Klimawandels und damit verbundenen Entwicklungen ergibt sich für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern direkt
und indirekt das Risiko der Steigerung der Energiepreise, und zwar sowohl für erneuerbare Energie (durch Verknappung
am Markt) als auch für fossile Energie (durch Einführung der CO
2
-Abgabe). Im Zuge der durchgeführten Klimarisiko- und
Vulnerabilitätsanalyse wurden abseits der üblichen jährlichen Niederschlagsvolatilitäten auf lange Sicht keine
erheblichen Klimarisiken für die Eigenerzeugung von Bahnstrom identifiziert.
Das Management hat die erkennbaren bzw. abschätzbaren Auswirkungen des Klimawandels im Zuge der Erstellung des
Konzernabschlusses berücksichtigt. Aus der Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse ergaben sich aktuell keine
Auswirkungen auf Rückstellungsbildungen oder Indizien für Wertminderungen von Vermögenswerten oder notwendige
Anpassungen von Nutzungsdauern. Darüber hinaus wurden keine mit dem Klimawandel zusammenhängenden Aspekte
erkannt, die zu einer Anpassung der Buchwerte von Vermögenswerten und Schulden im aktuellen Konzernabschluss
führen würden. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern erstellt eine gesonderte nichtfinanzielle Erklärung, die im Lagebericht der
ÖBB-Infrastruktur AG zu finden ist.
Unterscheidung der Fristigkeiten
Latente Steuern sind gemäß IAS 12 als langfristig auszuweisen. Der kurzfristige Anteil wird daher entsprechend im Anhang
angegeben (Erläuterung 13). Verwertungsobjekte werden in den Vorräten ausgewiesen, obwohl mit der Realisierung nicht
innerhalb der nächsten zwölf Monate zu rechnen ist. Der langfristige Anteil wird im Anhang angegeben (Erläuterung 21).
Wenn Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen langfristig
sind, werden diese unter den kurzfristigen Posten gemäß IAS 1 „Darstellung des Abschlusses” ausgewiesen und in
Erläuterung 0 und Erläuterung 27 angeführt.
Saldierungen
Aufwendungen und Erträge aus der Strukturierung und Profilierung des Stromeinkaufs (Anpassung an das Bedarfsprofil)
sowie aus der Ausgleichsenergie werden saldiert.
Konzentration von Risiken
Zu den Bilanzstichtagen bestand keine besondere Abhängigkeit von einzelnen konzernfremden Kunden, Lieferanten oder
Kreditgebern, deren plötzlicher Ausfall den Geschäftsbetrieb maßgeblich beeinträchtigen könnte. Des Weiteren besteht
keine Konzentration von Personaldienstleistungen oder Anbietern sonstiger Dienstleistungen, Franchise- und
Lizenzrechten oder sonstiger Rechte, auf die der ÖBB-Infrastruktur-Konzern angewiesen ist und deren plötzlicher Wegfall
den Geschäftsbetrieb ernsthaft gefährden könnte. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern veranlagt liquide Mittel bei Kredit- und
Finanzinstituten mit guter Bonität sowie bei der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH. Hinsichtlich der von der Republik
Österreich gewährten Finanzierungen und Zuschüsse sowie Zuschussvereinbarungen und der Abhängigkeit von
Gesellschaften des übrigen ÖBB-Konzerns wird auf die Ausführungen unter Erläuterung 32 verwiesen.
Seite 150 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
29
COVID-Pandemie und Ukrainekrise – finanzielle Auswirkungen
Mit 01.07.2023 wurden alle Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus aufgehoben, die COVID-Pandemie ist
damit überwunden. Die wesentlichsten Auswirkungen auf die Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung sind im Folgenden
ausgeführt.
Bis zum Bilanzerstellungszeitpunkt hat der ÖBB-Infrastruktur-Konzern COVID-19-Investitionsprämien in Höhe von
insgesamt rd. 0,4 Mio. EUR (Vj: rd. 0,4 Mio. EUR) erhalten und bilanziell erfasst. Die Investitionszuschüsse werden für den
Fahrpark verwendet. Aufgrund der Reduktion des Infrastrukturbenutzungsentgelts für Österreich verringern sich 2022 die
Umsatzerlöse aus Infrastrukturbenützung um rd. 85,9 Mio. EUR; sie wurden aufgrund § 42 BBG durch den Bund refundiert
und erhöhen die sonstigen betrieblichen Erträge. 2023 kam es zu keinen Reduktionen bzw. Refundierungen.
Refundierungsbeträge aufgrund von Absonderungsbescheiden gemäß Epidemiegesetz für freigestellte Mitarbeiter:innen
mit Risikoattest gem. ASVG und für Mitarbeiter:innen in Kurzarbeit wurden in Höhe von rd. 3,7 Mio. EUR
(Vj: rd. 4,7 Mio. EUR) beantragt oder bereits vereinnahmt und in den sonstigen betrieblichen Erträgen erfasst.
Aufgrund des Krieges in der Ukraine kam es während des Jahres 2022 zu enormen Preissprüngen auf den Energiemärkten,
die Ende August zu einem noch nie dagewesenen Allzeithoch führten. Seither ging das allgemeine Preisniveau zurück,
verblieb dennoch im Geschäftsjahr 2023 auf einem im Vergleich zur Vor-Corona-Phase hohen Niveau. Mögliche künftige
Auswirkungen der Ukrainekrise auf die Bewertung einzelner Vermögenswerte und Schulden werden fortlaufend analysiert.
Von den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine ist die Geschäftstätigkeit und damit die Vermögens-, Finanz- und
Ertragslage mittelbar betroffen. Die mittelbare Betroffenheit ergibt sich aus gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen,
Änderungen der Zinslandschaft und der Wechselkurse.
Zudem ergaben sich aufgrund der hohen Inflationsraten durch tarifliche Vereinbarungen Kostensteigerungen bei den
Personalaufwendungen.
Alle Tochterunternehmen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns haben ihren Sitz in Österreich. Es gibt keine wesentliche
Geschäftstätigkeit mit Kunden oder Lieferanten aus der Ukraine oder Russland, weshalb aus diesem Grund keine
wesentlichen Wertberichtigungen für erwartete Kreditverluste aus Forderungen in diesen Ländern gebildet werden
mussten.
Seite 151 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
30
B. ERLÄUTERUNGEN ZUR KONZERN-BILANZ UND KONZERN-GEWINN-UND-VERLUST-
RECHNUNG
4. Umsatzerlöse
20232022 in Mio. EURin Mio. EUR Infrastrukturbenützung 470,9 366,7 Energielieferungen und Netznutzungsentgelte 414,1 212,2 Mieterlöse 176,4 156,5 Erlöse aus Verwertungsobjekten 4,6 59,9 Sonstige Umsatzerlöse 183,5 189,1 Gesamt 1.249,5 984,4 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 895,8 648,4
Das Infrastrukturbenützungsentgelt wird überwiegend von Gesellschaften des übrigen ÖBB-Holding-Konzerns für die
Bereitstellung der Bahninfrastruktur bezahlt. Die Erhöhung gegenüber dem Vorjahr ist durch Corona-bedingte
Reduktionen des Infrastrukturbenützungsentgelts 2022 begründet. Im Geschäftsjahr 2022 wurden wegen des Entfalls der
Marktaufschläge für die Netzfahrplanperiode 2022 (12.12.2021 bis 31.12.2022) beim Infrastrukturbenützungsentgelt
Gutschriften an Kunden in Höhe von rd. 136,9 Mio. EUR ausgestellt, wovon rd. 6,7 Mio. EUR auf das Geschäftsjahr 2021
entfielen. Der Bund hat diesen Betrag zur Gänze im Rahmen des § 42 vergütet.
In den Erlösen „Energielieferungen und Netznutzungsentgelten” sind Netznutzungsentgelte in Höhe von rd. 59,9 Mio.
EUR (Vj: rd. 73,7 Mio. EUR) und Traktionsstromentgelte in Höhe von rd. 314,1 Mio. EUR (Vj: rd. 106,4 Mio. EUR) enthalten.
Mieterlöse fallen für die Vermietung und die Verpachtung von Immobilien an.
Weiters enthalten die sonstigen Umsatzerlöse solche aus Telekommunikationsleistungen, aus Reparaturleistungen, aus
Reinigungs- und Sicherheitsleistungen, aus Leistungen im Zusammenhang mit dem Betrieb der Container-Terminals sowie
Fertigungsaufträge für Dritte.
Die Umsatzerlöse aus Verträgen mit Kunden können in folgende Kategorien gemäß IFRS 15 gegliedert werden:
2023 Laufzeit des Vertrags Zeitpunkt der Übertragung Vertriebskanäle Umsatzerlöse zeitpunkt-zeitraum-Direkt-Zwischen-in Mio. EUR gem. IFRS 15 kurzfristig langfristig bezogen bezogen *) verkauf händler Umsatzerlöse Infrastrukturbenützung 470,9 470,9 0,0 0,0 470,9 470,9 0,0 Energielieferungen und Netznutzungsentgelte 414,1 414,1 0,0 0,0 414,1 414,1 0,0 Erlöse aus Verwertungsobjekten 4,6 4,6 0,0 4,6 0,0 4,6 0,0 Sonstige Umsatzerlöse 177,1 177,1 0,0 0,5 176,6 177,1 0,0 Gesamt 1.066,7 1.066,7 0,0 5,1 1.061,6 1.066,7 0,0
*) Die zeitraumbezogenen Erlöse werden entsprechend der tatsächlichen Leistungserbringung erfasst.
2022 Laufzeit des Vertrags Zeitpunkt der Übertragung Vertriebskanäle Umsatzerlöse zeitpunkt-zeitraum-Direkt-Zwischen-in Mio. EUR gem. IFRS 15kurzfristig langfristig bezogen bezogen *) verkaufhändler Umsatzerlöse Infrastrukturbenützung 366,7 366,7 0,0 0,0 366,7 366,7 0,0 Energielieferungen und Netznutzungsentgelte 212,2 212,2 0,0 0,0 212,2 212,2 0,0 Erlöse aus Verwertungsobjekten 59,959,90,0 59,9 0,059,90,0 Sonstige Umsatzerlöse 180,8 180,8 0,0 16,1 164,7 180,8 0,0 Gesamt 819,6 819,6 0,0 76,0 743,6 819,6 0,0
*) Die zeitraumbezogenen Erlöse werden entsprechend der tatsächlichen Leistungserbringung erfasst.
Die Mieterlöse über rd. 176,4 Mio. EUR (Vj: rd. 156,5 Mio. EUR) sowie sonstige Umsatzerlöse in Höhe von rd. 6,4 Mio. EUR
(Vj: rd. 8,3 Mio. EUR) werden in der obigen Tabelle nicht dargestellt, da diese von IFRS 15 ausgenommen sind. Die
Zusammensetzung der Umsatzerlöse nach geografischen Gesichtspunkten ist aus Erläuterung 33 (Segmentbericht-
erstattung) ersichtlich.
Seite 152 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
31
Alle ausstehenden Erlöse betreffen Zeiträume von höchstens einem Jahr oder werden mit einem festen Leistungssatz
abgerechnet. Wie nach IFRS 15 zulässig, wird der Transaktionspreis, der diesen nicht erfüllten Leistungsverpflichtungen
zugeordnet wird, nicht offengelegt.
5. Andere aktivierte Eigenleistungen
Bei der Ermittlung der im Zusammenhang mit der Herstellung von Anlagen zu aktivierenden Eigenleistungen wurden direkt
zurechenbare Personalaufwendungen, Materialaufwendungen und angemessene Teile der Materialgemeinkosten sowie
Fertigungsgemeinkosten eingerechnet. Diese Eigenleistungen fallen maßgeblich im Zusammenhang mit der Errichtung
oder Erweiterung der Eisenbahninfrastruktur an. Die aktivierten Eigenleistungen betreffen im Ausmaß von rd. 60,8%
(Vj: rd. 55,0%) Personalkosten, rd. 22,2% (Vj: rd. 29,2%) Materialkosten und im Ausmaß von rd. 17,0% (Vj: rd. 15,8%)
Sachaufwendungen.
6. Sonstige betriebliche Erträge
2023 2022 in Mio. EUR in Mio. EUR Beitrag des Bundes gemäß § 42 Bundesbahngesetz 2.077,2 2.063,1 Erträge aus dem Abgang von Sachanlagen, immateriellen Vermögenswerten, als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien und zur Veräußerung gehaltenen langfristigen Vermögenswerten 22,441,3Übrige sonstige betriebliche Erträge 30,7 32,2 Gesamt 2.130,3 2.136,6 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 6,9 2,6
Der Beitrag des Bundes gemäß § 42 Bundesbahngesetz wird für die Bereitstellung, den Betrieb, die Instandhaltung der
Schieneninfrastruktur und für Erweiterungs- und Reinvestitionen sowie für die Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben
insoweit geleistet, als die von den Nutzern der Schieneninfrastruktur zu erzielenden Erlöse die bei sparsamer und
wirtschaftlicher Geschäftsführung anfallenden Aufwendungen nicht abdecken können. Nähere Angaben zum
Zuschussvertrag sind in Erläuterung 32 enthalten. Hinsichtlich der Vergütung für die entfallenen Marktaufschläge wird auf
die Erläuterung 4 verwiesen.
7. Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen
2023 2022in Mio. EUR in Mio. EUR Materialaufwand 211,0 153,2Aufwendungen für bezogene Leistungen 419,4 407,2 davon Instandhaltungsaufwendungen 334,5 334,8 Gesamt 630,4 560,4 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 133,5125,1
Der Posten Materialaufwand enthält in der Höhe von rd. 178,7 Mio. EUR (Vj: rd. 103,2 Mio. EUR) den Aufwand für den
Fremdbezug von Traktionsstrom und den Zukauf von Strom für den Weiterverkauf an Dritte. Die im Aufwand erfassten
Herstellungskosten der verkauften Verwertungsobjekte betragen rd. 1,0 Mio. EUR (Vj: rd. 20,6 Mio. EUR).
Es bestehen drei langfristige Strombezugsverträge, wovon zwei als Derivate bilanziert werden, da regelmäßig auch
Verkäufe erfolgen und ein Strombezugsvertrag die Own use Exemption erfüllt.
Die Aufwendungen für bezogene Leistungen betreffen im Wesentlichen nicht aktivierungsfähige Lieferungen und
Leistungen im Zusammenhang mit Reparaturen, Instandhaltungen (insbesondere Schieneninfrastruktur),
Entsorgungskosten, Reinigungen und sonstigen Leistungen sowie Transportleistungen (Dienstgutfrachten).
Seite 153 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
32
8. Personalaufwand und Beschäftigte
2023 2022 in Mio. EUR in Mio. EUR Löhne und Gehälter 1.114,81.011,5 Gesetzlich vorgeschriebene Sozialabgaben 264,3 249,6 Aufwendungen für Abfertigungen 13,3 11,1 Aufwendungen für Altersversorgung 11,5 10,4 Gesamt 1.403,8 1.282,6
Der Zinsaufwand aus der Aufzinsung der Personalrückstellungen wird im Personalaufwand ausgewiesen.
Die Mitarbeiter:innenstruktur ist wie folgt:
Veränderung Durchschnitt Anzahl Mitarbeiter:innen 31.12.2023 31.12.2022 Stichtag in % 2023 2022 Angestellte 6.255 5.599 656 12% 5.975 5.358 Arbeiter:innen 3.881 3.599 282 8% 3.791 3.516 Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung 6.842 7.678 -836 -11% 7.255 8.076 Gesamt aktive Mitarbeiter:innen 16.978 16.876 102 1% 17.021 16.950 Lehrlinge 1.563 1.498 65 4% 1.354 1.349 Gesamt mit Lehrlingen 18.541 18.374 167 1% 18.375 18.299
Veränderung Durchschnitt Anzahl Mitarbeiter:innen FTE 31.12.2023 31.12.2022 Stichtag in % 2023 2022 Angestellte 6.093,5 5.452,8 640,7 12% 5.819,6 5.223,4 Arbeiter:innen 3.865,9 3.587,3 278,6 8% 3.777,5 3.505,8 Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung 6.705,3 7.527,0 -821,7 -11% 7.110,1 7.918,3 Gesamt aktive Mitarbeiter:innen 16.664,7 16.567,1 97,6 1% 16.707,2 16.647,5 Lehrlinge 1.563,0 1.498,0 65,0 4% 1.354,2 1.348,9 Gesamt mit Lehrlingen 18.227,7 18.065,1 162,6 1% 18.061,4 17.996,4
9. Abschreibungen
2023 2022 in Mio. EUR in Mio. EUR Abschreibungen auf Sachanlagen 1.015,7 980,5 Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte 43,7 42,5 Abschreibungen auf als Finanzinvestition gehaltene Immobilien 5,5 4,6 abzüglich Auflösung Kostenbeiträge -144,2 -145,9 Abschreibung Gesamt 920,7 881,7
Seite 154 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
33
10. Sonstige betriebliche Aufwendungen und Wertminderungsaufwendungen aus Forderungen
aus Lieferungen und Leistungen
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen und die Wertminderungsaufwendungen aus Forderungen aus Lieferungen
und Leistungen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns setzen sich wie folgt zusammen:
2023 2022 in Mio. EUR in Mio. EUR Betriebskosten (inkl. IT) 157,2 113,2 Büroerfordernisse 70,5 65,5 Verluste aus Anlagenabgängen 30,0 21,3 Holdingumlage 20,0 18,4 Betriebliche Steuern 4,5 18,0 Reisegebühren 17,7 16,2 Aus- und Fortbildung 8,4 7,5 Übrige 96,4 97,7 Summe sonstige betriebliche Aufwendungen 404,8 357,8 Wertminderungen/-aufholungen zu Forderungen aus Lieferungen und Leistungen -1,4 -0,9 Gesamt 403,4 356,9 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 173,5 158,0
Im Posten betriebliche Steuern sind alle nicht ertragsabhängigen Steuern (Elektrizitätsabgabe, Kfz-Steuer, Grundsteuer,
Straßenbenützungsabgabe, sonstige Steuern und Abgaben etc.) erfasst.
Die übrigen sonstigen betrieblichen Aufwendungen betreffen insbesondere die Kosten für kurzfristige Mietverhältnisse
bzw. Mietverhältnisse über Vermögenswerte von geringem Wert sowie Lizenzaufwendungen, Aufwandsentschädigungen,
Versicherungen, Schadensfälle, Marketing- und Werbekosten, die Anmietung von Personal, Zahlungen an verbundene
Unternehmen für Beförderungsleistungen an Mitarbeiter:innen sowie Betriebsküchen.
Die Aufwendungen für Leistungen der Abschlussprüfer:innen des Konzernabschlusses und der Einzelabschlüsse sind
ebenfalls in den übrigen sonstigen betrieblichen Aufwendungen enthalten und setzen sich wie folgt zusammen:
2023 2022 in TEUR in TEUR Jahres- und Konzernabschlussprüfung 399 385 Andere Bestätigungsleistungen 57 51 Sonstige Leistungen 53 74 Gesamt 509 510
Die Jahres- und Konzernabschlussprüfung wurde im Geschäftsjahr 2023 wie im Vorjahr von der Ernst & Young
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H. durchgeführt. Zusätzlich zur Abschlussprüfung wurden in den Geschäftsjahren
2023 und 2022 die Prüfungen der nichtfinanziellen Erklärung im Konzernlagebericht und des Jahresfinanzberichts im
XHTML-Format verrechnet.
11. Zinserträge und Zinsaufwendungen
Das Zinsergebnis des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns setzt sich wie folgt zusammen:
20232022 Zinsergebnis in Mio. EURin Mio. EUR Zinserträge 19,7 20,7 davon gegenüber verbundenen Unternehmen1,6 0,0 Zinsaufwendungen-448,7 -388,2 davon gegenüber verbundenen Unternehmen-30,7 -3,8Gesamt -429,0 -367,5 davon gegenüber verbundenen Unternehmen -29,1 -3,8
Die Zinserträge betreffen die Veranlagung der aufgelösten Cross-Border-Leasing-Transaktionen und Zinsen aus Depots
ehemaliger Cross-Border-Leasing-Transaktionen sowie Negativzinsen in Höhe von rd. 9,7 Mio. EUR (Vj: rd. 8,8 Mio. EUR)
aus aufgenommenen Darlehen. Die Zinserträge werden nach der Effektivzinsmethode erfasst.
Seite 155 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
34
Die Zinsaufwendungen betragen vor Aktivierung von Fremdkapitalzinsen rd. 583,2 Mio. EUR (Vj: rd. 499,0 Mio. EUR).
Diese entfallen mit rd. 258,4 Mio. EUR (Vj: rd. 305,4 Mio. EUR) auf Anleihen, mit rd. 105,0 Mio. EUR
(Vj: rd. 105,2 Mio. EUR) auf Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und mit rd. 164,5 Mio. EUR
(Vj: rd. 57,7 Mio. EUR) auf die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA). Darüber hinaus fallen
Zinsaufwendungen für EUROFIMA-Darlehen und sonstige Kreditaufnahmen sowie zinsähnliche Aufwendungen an. Von
den gesamten Zinsaufwendungen wurden rd. 134,5 Mio. EUR (Vj: rd. 110,8 Mio. EUR) gemäß IAS 23 Zinsen auf
Herstellungskosten qualifizierter Vermögenswerte aktiviert (siehe Erläuterung 14). Des Weiteren sind in den
Zinsaufwendungen auch Aufwendungen für Haftungsentgelte in Höhe von rd. 11,4 Mio. EUR (Vj: rd. 12,9 Mio. EUR)
enthalten. Im Geschäftsjahr 2022 beinhalten die übrigen Zinsaufwendungen insbesondere Zinsaufwendungen und
-abgrenzungen aus ehemaligen Cross-Border-Leasing-Transaktionen von rd. 1,3 Mio. EUR.
12. Sonstiges Finanzergebnis
Das sonstige Finanzergebnis des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns setzt sich wie folgt zusammen:
2023 2022 Sonstiges Finanzergebnis in Mio. EURin Mio. EUR Sonstige Finanzerträge 7,7 12,3 davon aus der Bewertung von Derivaten 4,9 0,5 davon aus Bewertungs- und Kursdifferenzen 2,8 8,5 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 0,0 3,0 Sonstige Finanzaufwendungen -5,3 -58,4 davon aus der Bewertung von Derivaten 0,0 -44,5 davon aus Bewertungs- und Kursdifferenzen -2,9 -9,7 davon gegenüber verbundenen Unternehmen -2,4 -2,0Gesamt 2,4 -46,1 davon gegenüber verbundenen Unternehmen -2,4 1,0
Die sonstigen Finanzerträge betreffen neben Kursdifferenzen insbesondere Weiterverrechnungen im Zusammenhang mit
Cross-Border-Leasing-Transaktionen sowie Bewertungsergebnisse aus Derivaten. Im Vorjahr waren die
Bewertungsergebnisse aus Derivaten überwiegend in den sonstigen Finanzaufwendungen enthalten.
In den sonstigen Finanzaufwendungen sind Aufwendungen aus Restposten aus den aufgelösten Cross-Border-Leasing-
Transaktionen enthalten. Im Geschäftsjahr 2022 sind außerdem Aufwendungen aus der Auflösung der letzten Cross-
Border-Leasing-Transaktion sowie deren Weiterverrechnung an verbundene Unternehmen enthalten.
13. Ertragsteuern
Steueraufwand/Steuerertrag
Der Posten Ertragsteuern setzt sich wie folgt zusammen:
2023 2022 in Mio. EUR in Mio. EUR Aufwand/Ertrag aus Steuerumlage (Gruppenbesteuerung) -0,5 -0,7 Latenter Steueraufwand/-ertrag -117,3 16,5 davon aus Steuersatzanpassungen 1,9-10,8 Ertragsteuern -117,8 15,8
Die laufenden Steuern werden mit 24% des geschätzten steuerpflichtigen Gewinns für das Geschäftsjahr berechnet. Im
Jänner 2022 wurde in Österreich die stufenweise Senkung des Körperschaftsteuersatzes von 25% auf 23% beschlossen.
Ab 01.01.2023 gilt für das Kalenderjahr 2023 ein Körperschaftsteuersatz von 24% und ab 01.01.2024 beträgt dieser 23%.
Für die Bewertung der bilanzierten latenten Steueransprüche und latenten Steuerschulden wurde der ab dem 01.01.2024
geltende zukünftige Steuersatz von 23% herangezogen.
Die Regelungen zur globalen Mindestbesteuerung wurden in Österreich, in denen der ÖBB-Konzern derzeitig tätig ist,
bereits in lokales Recht umgesetzt und sind für Geschäftsjahre beginnend ab dem 31.12.2023 anwendbar.
Seite 156 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
35
Die latenten Steuern entwickelten sich wie folgt:
2023 2022 in Mio. EUR in Mio. EUR Latente Steueransprüche 79,0 73,2 Bilanzansätze zum 01.01. 79,0 73,2 Veränderung latenter Steuer im sonstigen Ergebnis erfasst 97,3 -10,7 erfolgswirksam erfasst -117,3 16,5 Bilanzansätze zum 31.12. 59,0 79,0 davon latente Steueransprüche 59,0 79,0 davon latente Steuerschulden 0,0 0,0
Latente Steuern, die im sonstigen Ergebnis erfasst wurden, resultieren im Wesentlichen aus Wertunterschieden zwischen
IFRS-Buchwerten und Steuerbemessungsgrundlagen im Bereich der Rücklagen aus Stromderivaten sowie
versicherungsmathematischen Gewinnen und Verlusten gemäß IAS 19.
Die latenten Steuern sind angesichts der zugrunde liegenden Bewertungsunterschiede zwischen den Buchwerten im
IFRS-Konzernabschluss und den relevanten Steuerbemessungsgrundlagen im Ausmaß von rd. 41,5 Mio. EUR
(Vj: rd. 61,5 Mio. EUR) als langfristig einzuschätzen. Die wesentlichen kurzfristigen aktiven latenten Steuern betreffen die
Vorräte in Höhe von rd. 0,6 Mio. EUR (Vj: rd. 0,6 Mio. EUR), die Stromderivate in Höhe von rd. 7,8 Mio. EUR
(Vj: rd. -67,0 Mio. EUR) und die latenten Steuern auf Verlustvorträge in Höhe von rd. 9,1 Mio. EUR (Vj: rd. 83,9 Mio. EUR),
die im Geschäftsjahr 2024 voraussichtlich verwendet werden können.
Die folgende Tabelle zeigt die wesentlichen Ursachen für den Unterschied zwischen den in der Gewinn-und-Verlust-
Rechnung ausgewiesenen Ertragsteuern und den sich unter Anwendung des gesetzlichen Steuersatzes von 24% auf das
steuerpflichtige Jahresergebnis ergebenden Ertragsteuern.
2023 2022 in Mio. EUR in Mio. EURJahresergebnis vor Ertragsteuern nach IFRS 7,7 -15,7Anpassung steuerfreier Anteil gem. § 50 (2) Bundesbahngesetz 189,1 147,3 IFRS-Jahresergebnis – steuerpflichtiger Teil 196,8 131,6 Konzernsteuersatz 24% 25% Erwarteter Aufwand (-) bzw. Ertrag (+) aus Steuern im Geschäftsjahr -47,2 -32,9 Steuersatzänderungen 1,9 -10,8 Beteiligungserträge 0,5 1,0 Ansatz von bisher nicht berücksichtigten steuerlichen Verlusten 0,0 55,6 im Geschäftsjahr nicht mehr angesetzte Verlustvorträge -75,9 0,0 sonstige Hinzurechnungen 2,9 2,9 Steuern vom Einkommen -117,8 15,8 Effektiver Körperschaftsteuersatz 59,9% -12,0%
*) Kleinstbeträge.
Der effektive Körperschaftsteuersatz von 59,9% (Vj: -12,0%), welcher wesentlich vom gesetzlichen Körperschaftsteuersatz
von 24% abweicht, resultiert hauptsächlich aus Ansatzanpassungen der latenten Steuern aus Verlustvorträgen. Die in den
Vorjahren gebildeten aktiven latenten Steuern auf Verlustvorträge konnten in diesem Geschäftsjahr aufgrund des
geschätzten steuerpflichtigen zukünftigen Ergebnisses nicht in dem gleichen Ausmaß gebildet werden und konnten in
Höhe von rd. 75,9 Mio. EUR nicht mehr angesetzt werden. Aufgrund der Änderung des latenten Steuersatzes von 24%
auf 23% und der daraus folgenden Neubewertung der latenten Steueransprüche und -verbindlichkeiten reduziert sich der
Steueraufwand um rd. 0,1 Mio. EUR. Die im sonstigen Ergebnis erfassten Steuerbeträge der Cashflow Hedges aus
Stromderivaten reduzierten sich dadurch um rd. 1,8 Mio. EUR (Vj: rd. 4,6 Mio. EUR). Daraus ergibt sich ein Gesamteffekt
in Höhe von rd. 1,9 Mio. EUR (Vj: rd. 10,8 Mio. EUR).
Seite 157 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
36
Die latenten Steuern entfallen auf folgende wesentliche Bilanzposten, Verlustvorträge und Steuergutschriften:
latente Steuer- latente Steuer- ansprüche schulden ansprüche schulden in Mio. EUR 31.12.2023 31.12.2023 31.12.2022 31.12.2022 Vermögenswerte Sachanlagen 0,0 -1,5 3,0 0,0 Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien 8,8 -0,4 4,8 -0,4 Finanzielle Vermögenswerte 0,0 -17,2 0,4 -123,4 Vorräte 5,2 0,0 5,8 0,0 14,0 -19,1 13,9 -123,8 Schulden Rückstellungen 0,4 -4,9 0,2 -13,6 Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 40,2 0,0 46,2 0,0 40,6 -4,9 46,4 -13,6 Steuerliche Verlustvorträge 28,4 0,0 156,1 0,0 Latente Steueransprüche bzw. latente Steuerschulden 83,0 -24,0 216,4 -137,4 Saldierung -24,0 24,0 -137,4 137,4 Saldierte latente Steueransprüche bzw. latente Steuerschulden 59,0 0,0 79,0 0,0
Bei der Beurteilung der Werthaltigkeit latenter Steueransprüche trifft der Vorstand eine Einschätzung hinsichtlich der
voraussichtlichen Nutzung innerhalb des steuerlichen Planungszeitraums von fünf Jahren. Die Nutzbarkeit von latenten
Steueransprüchen setzt ausreichend steuerpflichtiges Einkommen in jenen Perioden voraus, in denen die temporären
Unterschiede und Verlustvorträge verwendet werden können. Der Vorstand zieht die geplante Auflösung von latenten
Steuerschulden und das geschätzte künftige steuerpflichtige Einkommen für diese Beurteilung heran.
Unter Heranziehung des steuerpflichtigen Einkommens früherer Jahre sowie der Prognosen über das steuerpflichtige
Einkommen zukünftiger Jahre, in denen Steueransprüche genutzt werden können, ist der Vorstand der Auffassung, dass
die Realisierung der Steuervorteile aus den latenten Steueransprüchen im Ausmaß von rd. 59,0 Mio. EUR
(Vj: rd. 79,0 Mio. EUR) wahrscheinlich ist. Die temporären Unterschiede in den Positionen Sachanlagen und als
Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien resultieren im Wesentlichen aus dem unterschiedlichen Abschreibungsbeginn
(pro rata temporis nach IFRS im Vergleich zur Halbjahresregel nach Steuerrecht) sowie aus abweichenden steuerlichen
Anschaffungskosten und aus der Bilanzierung von Sachverhalten gemäß IFRS 16. Die temporären Unterschiede in den
Vorräten resultieren aus abweichenden steuerlichen Anschaffungskosten. Die temporären Unterschiede aus den
finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten entstehen aufgrund der unterschiedlichen Bewertung der
Stromderivate nach IFRS (Bewertung zum beizulegenden Zeitwert) und Steuerrecht (Drohverlustrückstellung). In den
Finanzverbindlichkeiten sind im Wesentlichen die temporären Unterschiede aus den Leasingverbindlichkeiten gemäß
IFRS 16 abgebildet.
Die Erfassung der passiven latenten Steuern auf Stromderivate erfolgt überwiegend im sonstigen Ergebnis. Der Rückgang
der passiven latenten Steuern auf Stromderivate hat auch einen Rückgang der aktiven latenten Steuern auf steuerliche
Verlustvorträge zur Folge, der jedoch ergebniswirksam erfasst wird.
Die steuerlichen Verlustvorträge stammen aus Gesellschaften in Österreich und sind zeitlich unbegrenzt vortragsfähig. Die
jährliche Verrechnung mit Verlustvorträgen ist in Österreich mit 75% des jeweiligen steuerlichen Ergebnisses begrenzt,
allerdings resultieren rd. 1.656,0 Mio. EUR (Vj: rd. 1.880,5 Mio. EUR) aus den Vorgruppenverlusten der
ÖBB-Infrastruktur AG und sind daher zur Gänze gegen in künftigen Perioden erzielte steuerliche Ergebnisse verrechenbar.
Die Veränderung resultiert aus der Berücksichtigung der Differenzen, die sich aufgrund der im Geschäftsjahr erfolgten
Veranlagungen und den ursprünglich berücksichtigten steuerlichen Ergebnissen ergeben haben.
Für steuerliche Verlustvorträge in Höhe von rd. 1.532,7 Mio. EUR (Vj: rd. 1.216,6 Mio. EUR) werden keine latenten Steuern
angesetzt, da die Verwertung in absehbarer Zukunft nicht gesichert ist.
Auf temporäre Differenzen in Höhe von rd. 8,8 Mio. EUR (Vj: rd. 9,3 Mio. EUR) aus Anteilen an assoziierten Unternehmen
und Tochtergesellschaften wurden keine latenten Steuern angesetzt.
Seite 158 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
37
14. Sachanlagen
Die Gliederung der Sachanlagen, die Veränderungen im Geschäftsjahr und die Entwicklung der Kostenbeiträge zu den
Sachanlagen sind aus dem folgenden Anlagenspiegel ersichtlich.
Nutzungs-Andere Nutzungs-rechte Anlagen, rechte Grund-Technische Betriebs- u. übrige Grundstücke stücke und Anlagen u. Geschäfts- Sach-Anlagen in in Mio. EUR und Bauten Bauten Fahrpark Maschinen ausstattung anlagen Bau Gesamt Anschaffungs- und Herstellungskosten 2023 Anschaffungs-/Herstellungskosten Stand 01.01.2023 31.371,6 158,1 445,8 11.149,1 196,4 0,5 8.367,4 51.689,0 Zugänge 1.072,7 12,9 46,8 371,1 13,8 0,0 1.601,9 3.119,3 Abgänge -189,1 -0,2 -12,8 -96,5 -6,4 -0,1 -4,3 -309,5 Umbuchungen 1.151,6 0,0 6,7 321,2 -2,5 0,0 -1.465,2 11,9 Anschaffungs-/Herstellungskosten Stand 31.12.2023 33.406,8 170,8 486,5 11.744,9 201,3 0,4 8.499,8 54.510,6 Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01.2023 -10.996,7 -33,2 -333,2 -6.583,2 -155,9 -0,4 0,0 -18.102,6 Abschreibungen -594,8 -10,2 -31,9 -364,7 -14,0 -0,1 0,0 -1.015,7 Abgänge 153,9 0,2 11,5 90,6 6,3 0,1 0,0 262,6 Umbuchungen -2,1 0,0 0,0 -0,8 2,8 0,0 0,0 -0,1 Kumulierte Abschreibungen Stand 31.12.2023 -11.439,7 -43,3 -353,5 -6.858,1 -160,8 -0,4 0,0 -18.855,8 Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 01.01.2023 20.374,9 124,9 112,6 4.565,9 40,4 0,1 8.367,4 33.586,4 Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 31.12.2023 21.967,2 127,5 133,0 4.886,8 40,5 0,0 8.499,8 35.654,9 Kostenbeiträge 2023 Stand 01.01.2023 -9.662,6 0,0 -5,4 -2.968,0 -4,9 0,0 -1.048,8 -13.689,6 Zugänge -68,8 0,0 0,0 -16,6 -0,3 0,0 -138,4 -224,2 Abgänge 72,8 0,0 0,0 42,0 0,0 0,0 0,9 115,7 Umbuchungen -107,1 0,0 0,0 -9,4 0,2 0,0 116,4 0,0 Anschaffungs-/Herstellkosten 31.12.2023 -9.765,7 0,0 -5,4 -2.952,0 -5,0 0,0 -1.070,0 -13.798,0 Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01.2023 5.853,5 0,0 5,1 2.543,84,5 0,0 0,08.407,0Abschreibungen 99,1 0,0 0,1 39,1 0,4 0,0 0,0 138,7 Abgänge -67,9 0,0 0,0 -39,8 0,0 0,0 0,0 -107,7 Umbuchungen 0,2 0,0 0,0 0,0 -0,2 0,0 0,0 0,0 Kumulierte Abschreibungen per 31.12.2023 5.884,9 0,0 5,2 2.543,2 4,7 0,0 0,0 8.438,0 Kostenbeiträge per 01.01.2023 -3.809,1 0,0 -0,3 -424,1 -0,4 0,0 -1.048,8 -5.282,6 Kostenbeiträge per 31.12.2023 -3.880,8 0,0 -0,2 -408,8 -0,3 0,0 -1.070,0 -5.360,0 Buchwert nach Kostenbeiträgen per 01.01.2023 16.565,8 124,9 112,4 4.141,8 40,1 0,1 7.318,6 28.303,7 Buchwert nach Kostenbeiträgen per 31.12.2023 18.086,3 127,5 132,8 4.478,0 40,2 0,0 7.429,9 30.294,8
Seite 159 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
38
Nutzungs-Andere Nutzungs-rechte Anlagen, rechte Grund-Grund-Technische Betriebs- u. übrige stücke und stücke und Anlagen u. Geschäfts- Sach-Anlagen in in Mio. EUR Bauten Bauten Fahrpark Maschinen ausstattung anlagen Bau Gesamt Anschaffungs- und Herstellungskosten 2022 Anschaffungs-/Herstellungskosten Stand 01.01.2022 30.410,3 96,3 439,8 10.751,2 182,8 0,6 7.077,9 48.958,9 Zugänge 744,6 172,4 17,6 253,9 18,1 0,0 1.844,4 3.051,1 Abgänge -115,4-110,6-12,7-64,8-4,1-0,1-2,9-310,6Umbuchungen 332,1 0,0 1,1 208,8 -0,50,0 -552,0-10,5Anschaffungs-/Herstellungskosten Stand 31.12.2022 31.371,6 158,1 445,8 11.149,1 196,4 0,5 8.367,4 51.689,0 Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01.2022 -10.512,5 -23,9 -313,1 -6.294,2 -149,2 -0,5 0,0 -17.293,3 Abschreibungen -579,1-10,2-31,4-346,8-12,9-0,10,0 -980,5Abgänge 94,4 0,8 11,3 60,1 4,1 0,2 0,0 170,9 Umbuchungen 0,5 0,0 0,0 -2,32,1 0,0 0,0 0,3 Kumulierte Abschreibungen Stand 31.12.2022 -10.996,7-33,2-333,2 -6.583,2-155,9-0,40,0 -18.102,6 Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 01.01.2022 19.897,8 72,4 126,7 4.457,0 33,6 0,1 7.077,9 31.665,6 Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 31.12.2022 20.374,9 124,9 112,6 4.565,9 40,4 0,1 8.367,4 33.586,4 Kostenbeiträge 2022 Stand 01.01.2022 -9.642,1 0,0 -5,4 -2.961,1 -4,9 0,0 -909,6 -13.523,1 Zugänge -54,10,0 0,0 -19,80,0 0,0 -171,0-244,9Abgänge 53,0 0,0 0,0 23,8 0,1 0,0 0,2 77,0 Umbuchungen -19,40,0 0,0 -10,90,0 0,0 31,7 1,4 Stand 31.12.2022 -9.662,60,0 -5,4 -2.968,0-4,90,0 -1.048,8 -13.689,6Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01.2022 5.798,9 0,0 5,0 2.527,84,5 0,0 0,08.336,2Abschreibungen 101,3 0,0 0,1 39,1 0,1 0,0 0,0 140,5 Abgänge -46,00,0 0,0 -23,0-0,10,0 0,0 -69,1Umbuchungen -0,70,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 -0,7Kumulierte Abschreibungen Stand 31.12.2022 5.853,5 0,0 5,1 2.543,8 4,5 0,0 0,0 8.407,0 Kostenbeiträge per 01.01.2022 -3.843,2 0,0 -0,4 -433,3 -0,4 0,0 -909,6 -5.186,9 Kostenbeiträge per 31.12.2022 -3.809,10,0 -0,3-424,1-0,40,0 -1.048,8 -5.282,6Buchwert nach Kostenbeiträgen per 01.01.2022 16.054,6 72,4 126,3 4.023,7 33,2 0,2 6.168,3 26.478,8 Buchwert nach Kostenbeiträgen per 31.12.2022 16.565,8 124,9 112,4 4.141,8 40,1 0,1 7.318,6 28.303,7
Unter „Nutzungsrechte übrige Sachanlagen” werden am Bilanzstichtag im Wesentlichen Nutzungsrechte aus geleastem
Fahrpark, aus technischen Anlagen und Maschinen und geleaste andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung,
welche gemeinsam dargestellt werden, ausgewiesen.
Im Geschäftsjahr 2022 betreffen die Zugänge der Nutzungsrechte Grundstücke und Bauten in Höhe von
rd. 164,7 Mio. EUR die Anmietung einer Immobilie in der Lassallestraße. Die Abgänge im Geschäftsjahr 2022 betreffen in
Höhe von rd. 106,0 Mio. EUR Sub-Leasing-Verträge mit verbundenen Unternehmen des übrigen ÖBB-Konzerns für diese
Immobilie, die als Finanzierungsleasing klassifiziert wurden.
Die Zugänge im Geschäftsjahr 2023 exklusive Nutzungsrechte betragen rd. 3.106,3 Mio. EUR (Vj: rd. 2.878,7 Mio. EUR)
und betreffen im Wesentlichen Rahmenplanprojekte und Investitionen in die Südstrecke, Investitionen in Bahnhofsum-
und -neubauten, Ausbauarbeiten im Großraum Wien und Investitionen in den Ausbau der Weststrecke. Dabei handelt es
sich hauptsächlich um Bauten, technische Anlagen und Maschinen sowie Anlagen in Bau.
Seite 160 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
39
Bei den Umbuchungen handelt es sich einerseits um die aus dem Posten „Anlagen in Bau” auf die spezifischen
Anlagenkonten umgebuchten Werte für fertiggestellte Anlagen des Sachanlagevermögens und der immateriellen
Vermögenswerte und andererseits um von oder zu den Bilanzposten „Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte”
(Erläuterung 19) sowie von oder zu den „Vorräten” (Erläuterung 21) umgegliederte Werte. Zu den Angaben zu
Schätzungsänderungen wird auf Erläuterung 3 unter „Einschätzungen der Nutzungsdauern der Sachanlagen und
immateriellen Vermögenswerte” verwiesen.
Im Geschäftsjahr aktivierte der ÖBB-Infrastruktur-Konzern gemäß den Regelungen des IAS 23 Zinsen auf
Herstellungskosten qualifizierter Vermögenswerte in Höhe von rd. 134,5 Mio. EUR (Vj: rd. 110,8 Mio. EUR). Der zugrunde
liegende Fremdkapitalzinssatz beträgt rd. 2,0% (Vj: 2,0%). Von den Bundeszuschüssen wurde ein Betrag von
rd. 125,0 Mio. EUR (Vj: rd. 104,2 Mio. EUR) als Kostenbeitrag für aktivierte Zinsen erfasst.
Zum 31.12.2023 betrugen die vertraglichen Verpflichtungen für den Erwerb von Sachanlagen (Bestellobligo)
rd. 1.880,5 Mio. EUR (Vj: rd. 2.115,8 Mio. EUR).
Im Wesentlichen dienen Anlagen des Fahrparks und sonstige technische Anlagen und Maschinen in Höhe von
rd. 59,1 Mio. EUR (Vj: rd. 44,6 Mio. EUR) als Besicherung für EUROFIMA-Darlehen.
Verluste aus dem Abgang von Sachanlagen sind in Höhe von rd. 30,0 Mio. EUR angefallen (Vj: rd. 21,3 Mio. EUR), wobei
sich diese aus der Verschrottung und dem Abbruch von Vermögenswerten und dem Verkauf von Fahrzeugen und sonstiger
Betriebsausstattung sowie Abtretungen ins öffentliche Gut ergaben. Die Erträge aus dem Abgang von Sachanlagen
betragen rd. 22,4 Mio. EUR (Vj: rd. 41,3 Mio. EUR) und betreffen insbesondere Liegenschaftsverkäufe. In den
Berichtsjahren wurden Entschädigungsbeiträge in Höhe von rd. 0,1 Mio. EUR (Vj: rd. 0,1 Mio. EUR) vereinnahmt.
Seite 161 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
40
15. Immaterielle Vermögenswerte
Die Gliederung der immateriellen Vermögenswerte und die Veränderungen im Geschäftsjahr sind aus dem folgenden
Anlagenspiegel ersichtlich.
Konzessionen, Schutzrechte, Lizenzen sowie Immaterielle Entwicklungs-Kostenbeiträge an Vermögenswerte in Mio. EUR kosten Dritte in Entwicklung Gesamt Anschaffungs- und Herstellungskosten 2023 Anschaffungs-/Herstellkosten Stand 01.01.2023 235,6 1.693,8 140,8 2.070,2 Zugänge 17,3 166,5 61,5 245,3 Abgänge -10,6 -0,3 0,0 -10,9 Umbuchungen 26,3 23,3 -75,5 -25,9 Anschaffungs-/Herstellkosten Stand 31.12.2023 268,6 1.883,3 126,8 2.278,7 Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01.2023 -174,9 -322,4 0,0 -497,3 Abschreibungen -18,2 -25,6 0,0 -43,7 Abgänge 9,3 0,1 0,0 9,3 Umbuchungen 0,0 0,1 0,0 0,1 Kumulierte Abschreibung Stand 31.12.2023 -183,7 -347,9 0,0 -531,6 Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 01.01.2023 60,7 1.371,5 140,8 1.573,0 Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 31.12.2023 84,9 1.535,4 126,8 1.747,1 Kostenbeiträge 2023 Stand 01.01.2023 -35,3 -765,9 0,0 -801,2 Zugänge -1,1 -61,6 0,0 -62,7 Umbuchungen 1,7 -1,7 0,0 0,0 Stand 31.12.2023 -34,7 -829,2 0,0 -863,9 Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01.2023 28,6 113,2 0,0 141,8 Abschreibungen 1,7 3,8 0,0 5,5 Kumulierte Abschreibungen Stand 31.12.2023 30,2 117,0 0,0 147,2 Kostenbeiträge per 01.01.2023 -6,7 -652,7 0,0 -659,4 Kostenbeiträge per 31.12.2023 -4,5 -712,2 0,0 -716,6 Buchwerte nach Kostenbeiträgen per 01.01.2023 54,0 718,8 140,8 913,6 Buchwerte nach Kostenbeiträgen per 31.12.2023 80,4 823,2 126,8 1.030,5
Seite 162 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
41
Konzessionen, Schutzrechte, Lizenzen sowie Immaterielle Entwicklungs-Kostenbeiträge Vermögenswerte in in Mio. EUR kosten an Dritte Entwicklung Gesamt Anschaffungs- und Herstellungskosten 2022 Anschaffungs-/Herstellungskosten Stand 01.01.2022 219,6 1.544,5 97,4 1.861,5 Zugänge 11,5 123,8 75,8 211,2 Abgänge -2,2 0,0 -0,3 -2,4 Umbuchungen 6,7 25,5 -32,2 0,1 Anschaffungs-/Herstellungskosten Stand 31.12.2022 235,6 1.693,8 140,8 2.070,2 Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01.2022 -159,8 -296,6 0,0 -456,4 Abschreibungen -17,5 -25,1 0,0 -42,5 Abgänge 2,1 0,0 0,0 2,1 Umbuchungen 0,3 -0,7 0,0 -0,4 Kumulierte Abschreibungen Stand 31.12.2022 -174,9 -322,4 0,0 -497,3 Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 01.01.2022 59,8 1.247,9 97,4 1.405,1 Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 31.12.2022 60,7 1.371,4 140,8 1.573,0 Kostenbeiträge 2022 Stand 01.01.2022 -35,6 -686,8 0,0 -722,4 Zugänge -1,8 -75,6 0,0 -77,4 Abgänge 0,1 0,0 0,0 0,0 Umbuchungen 2,1 -3,5 0,0 -1,4 Stand 31.12.2022 -35,3 -765,9 0,0 -801,2 Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01.2022 27,0 108,8 0,0 135,8 Abschreibungen 1,7 3,7 0,0 5,4 Abgänge -0,1 0,0 0,0 -0,1 Umbuchungen 0,0 0,7 0,0 0,7 Kumulierte Abschreibungen Stand 31.12.2022 28,6 113,2 0,0 141,8 Kostenbeiträge per 01.01.2022 -8,6 -578,0 0,0 -586,6 Kostenbeiträge per 31.12.2022 -6,7 -652,7 0,0 -659,4 Buchwerte nach Kostenbeiträgen per 01.01.2022 51,2 669,9 97,4 818,5 Buchwerte nach Kostenbeiträgen per 31.12.2022 54,0 718,8 140,8 913,6
Die durchschnittliche Restnutzungsdauer von Kostenbeiträgen an Dritte beträgt etwa 37,8 Jahre (Vj: 33,7 Jahre).
Bei den immateriellen Vermögenswerten in Entwicklung handelt es sich um zugekaufte immaterielle Vermögenswerte, die
aber noch nicht fertig gestellt waren und noch nicht genutzt werden.
Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung betragen rd. 4,7 Mio. EUR (Vj: rd. 4,1 Mio. EUR). Im Geschäftsjahr
wurden Aufwendungen über rd. 1,9 Mio. EUR (Vj: rd. 0,8 Mio. EUR) als Entwicklungskosten im Anlagevermögen unter
der Position „Konzessionen, Schutzrechte, Lizenzen und Entwicklungskosten” aktiviert.
Die Zugänge in der Position „Kostenbeiträge an Dritte” resultieren im Wesentlichen aus geleisteten Kostenbeiträgen an
die Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE.
Seite 163 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
42
16. Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien
Es werden dieser Kategorie nur Immobilien zugeordnet, die nicht als Eisenbahnvermögen (§ 10a Eisenbahngesetz)
qualifiziert und daher frei an Dritte vermietet werden oder veräußerbar sind. Im Wesentlichen werden daher Immobilien
zu Vermietungszwecken sowie Baurechte unter den als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien ausgewiesen. Die
Nutzungsdauer dieser Immobilien entspricht den Nutzungsdauern jener Immobilien, die unter den Sachanlagen
ausgewiesen werden.
2023 2022 in Mio. EUR in Mio. EUR Anschaffungs- und Herstellungskosten Stand 01.01. 408,8 367,7 Zugänge 1,3 20,4 Zugänge zu Anschaffungskosten aus nachträglichen Anschaffungen 53,0 16,3 Abgänge zu Anschaffungskosten -2,6 -7,4Umbuchungen aus/zu Sachanlagen 14,0 11,8 Stand 31.12. 474,5 408,8 Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01. -174,0 -176,0 Abschreibungen -5,5 -4,1 Wertminderungen 0,0 -0,5 Abgänge 2,4 6,7 Stand 31.12. -177,0 -174,0 Nettobuchwert Stand 01.01. 234,8 191,7 Nettobuchwert Stand 31.12. 297,6 234,8
Wenn als Finanzinvestition gehaltene Immobilien vermietet werden, erfolgt dies im Rahmen von operativen
Leasingverhältnissen. Die daraus resultierenden Mieterträge beliefen sich ohne Betriebskosten auf rd. 25,4 Mio. EUR
(Vj: rd. 20,4 Mio. EUR), denen direkt zurechenbare Aufwendungen (einschließlich Reparaturen und Instandhaltungen,
allerdings ohne Betriebskosten) in Höhe von rd. 6,2 Mio. EUR (Vj: rd. 5,1 Mio. EUR) gegenüberstehen. Darüber hinaus
fielen betriebliche Aufwendungen in der Höhe von rd. 0,4 Mio. EUR (Vj: rd. 0,0 Mio. EUR) an, denen keine Mieteinnahmen
gegenüberstehen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist keine Verträge für die Instandhaltung seiner als Finanzinvestitionen
gehaltenen Immobilien eingegangen, die zu einer diesbezüglichen Verpflichtung führen.
Der beizulegende Zeitwert beträgt rd. 1.155,6 Mio. EUR (Vj: rd. 1.060,0 Mio. EUR). Für 74% (Vj: 79%) der Immobilien
erfolgt die Bewertung mithilfe externer Gutachten, welche nicht ausschließlich auf Marktdaten beruhen und daher der
Hierarchiestufe 3 zugeordnet sind. Die beizulegenden Zeitwerte für die restlichen zu Investitionszwecken gehaltenen
Immobilien wurden von konzerninternen Expert:innen der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH mit einer Discounted
Cashflow-Berechnung auf Basis der tatsächlichen Mieten für das jeweilige Mietobjekt ermittelt. Die so ermittelten
beizulegenden Marktwerte wurden ebenso der Hierarchiestufe 3 gemäß IFRS 13 zugeordnet.
17. Nach der Equity-Methode bilanzierte Unternehmen
Beteiligungen, die nach der Equity-Methode bilanziert werden, umfassen in beiden Berichtsjahren Anteile an einem
Gemeinschaftsunternehmen und an zwei (Vj: zwei) assoziierten Unternehmen.
Eigentumsanteil in % Name und Sitz des Gemeinschaftsunternehmens 31.12.2023 31.12.2022 Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE, I-39100 Bozen 50,050,0 Eigentumsanteil in % Name und Sitz des assoziierten Unternehmens 31.12.202331.12.2022 LCA Logistik Center Austria Süd GmbH, A-9586 Fürnitz 50,0 50,0 Weichenwerk Wörth GmbH, A-3151 St. Georgen am Steinfeld 43,1 43,1
Eine Zusammenfassung der Finanzinformationen für die nach der Equity-Methode bilanzierten Unternehmen, an denen die
ÖBB-Infrastruktur AG zum Bilanzstichtag beteiligt ist, wird in den folgenden Tabellen dargestellt. Die Tabelle zeigt auch eine
Überleitung der zusammengefassten Finanzinformationen auf den Buchwert des Anteils des Konzerns. Die Werte der
Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE sind vorläufig und an die Rechnungslegungsmethode im Konzern
angepasst. Nach der Fertigstellung des Abschusses 2022 der Gallerie di Base del Brennero haben sich keine wesentlichen
Abweichungen zu den vorläufigen Werten ergeben.
Seite 164 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
43
Galleria di Base del Brennero – übrige assoziierte Unternehmen Brenner Basistunnel BBT SE aufsummiert in Mio. EUR 31.12.2023 31.12.2022 31.12.2023 31.12.2022Umsatzerlöse 0,0 0,0 56,0 47,7 Planmäßige Abschreibungen -0,7 -0,7 -1,0 -1,0 Zinserträge 3,0 0,1 0,0 0 Zinsaufwendungen -0,0 *) -0,0 *) -0,0 *) -0,0 *) Ertragsteueraufwand 0,0 *) 0,0 *) 0,0 *) 0,0 *) Jahresüberschuss aus fortgeführten Geschäftsbereichen 0,0 0,0 1,9 1,9 Gesamtergebnis 0,0 0,0 1,9 2,6 Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 268,9 107,6 0,7 2,4 Sonstige kurzfristige Vermögenswerte 107,9 223,9 18,0 15,2 Langfristige Vermögenswerte 56,3 12,6 25,0 22,8 Kurzfristige Schulden 350,0 261,1 18,4 13,1 Langfristige Schulden 1,9 1,9 4,8 4,3 Nettovermögen 100% 81,1 81,1 20,5 23,0 Anteil des Konzerns am Nettovermögen per 01.01. 40,6 40,6 8,9 9,9 Gesamtergebnis, das dem Konzern zuzurechnen ist 0,0 0,0 1,0 1,5 Kapitalerhöhungen 0,0 0,0 0,4 0,0 Abwertung Anteile 0,0 0,0 0,0 -0,3 Abgang Anteile 0,0 0,0 0,0 -0,6 vom assoziierten Unternehmen erhaltene Dividenden 0,0 0,0 -1,7 -1,7 Buchwert des Anteils per 31.12. 40,6 40,6 8,7 8,9
*) Kleinstbetrag.
Die Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE (fortan BBT SE) ist die einzige gemeinsame Vereinbarung des
Konzerns. Die BBT SE ist eine eigenständige juristische Person. Der Konzern hat einen Residualanspruch am Nettovermögen,
dementsprechend hat der Konzern seinen Anteil als ein Gemeinschaftsunternehmen eingestuft. Der Zweck und die Aufgabe
der Gesellschaft BBT SE sind Planung und Bau des Brenner Basistunnels. Das Gesamtprojekt umfasst den Bau des
Eisenbahntunnels zwischen Tulfes/Innsbruck und Franzensfeste mit den Haupt-, Erkundungs- und den Zufahrtstunneln,
Multifunktionsstellen, technischen Anlagen, der Betriebsleitzentrale, den erforderlichen Deponien und den Brücken und
Stellen, die für die Durchführung der Bauarbeiten erforderlich sind, sowie die Inbetriebnahme des Tunnels. Gemäß den
Bestimmungen des Staatsvertrags vom 30.04.2004 ist das Gesellschaftskapital der BBT SE zu jeweils 50% zwischen Italien
und Österreich aufgeteilt. Auf österreichischer Seite sind die 50% zur Gänze im Besitz der ÖBB-Infrastruktur AG. Die 50%
des italienischen Teils sind zur Gänze im Besitz der TFB Societá di Partecipazioni S.p.A. Die ÖBB-Infrastruktur AG hat sich
verpflichtet, den Bau des Brenner Basistunnels zu 50% zu finanzieren und erhält dafür vom Bund einen 100%igen Zuschuss
in Form einer 50-jährigen Annuität als Kostenbeitrag. Gemäß Vereinbarungen zwischen Italien und Österreich haben sich
die beiden Länder bereit erklärt, zusätzliche Beiträge im Verhältnis ihrer Anteile zu leisten, um etwaige Verluste bei Bedarf
auszugleichen.
Die BBT SE weist in ihrem vorläufigen Jahresabschluss neben den oben angeführten Werten Gesamterträge (sonstige
betriebliche Erträge) in Höhe von rd. 24,4 Mio. EUR (Vj: rd. 24,4 Mio. EUR) und Gesamtaufwendungen in Höhe von
rd. 27,4 Mio. EUR (Vj: rd. 24,8 Mio. EUR) aus. An die BBT SE wurden im Geschäftsjahr 2023 rd. 150,0 Mio. EUR
(Vj: rd. 100,0 Mio. EUR) als geleistete Kostenbeiträge gezahlt. Die vertraglich mit dem Land Tirol im Zuge des Anteilserwerbs
vereinbarten Refundierungen, sowie die vom Bund geleisteten Zahlungen in Zusammenhang mit der Querfinanzierung
Straße reduzieren den Zuschuss des Bundes und beliefen sich auf rd. 55,0 Mio. EUR (Vj: rd. 69,7 Mio. EUR).
Der Bilanzstichtag der Weichenwerk Wörth GmbH ist der 31.03. Die Gesellschaft wird auf Grundlage eines
Zwischenabschlusses per 31.12. einbezogen. Die Geschäftstätigkeit der Weichenwerk Wörth GmbH umfasst die Erzeugung
und das Recycling von Weichen und Komponenten, von Prellböcken, Isolierstößen sowie die Logistik und den Transport der
erzeugten Produkte sowie Servicetätigkeiten an Weichen.
Unternehmensgegenstand der LCA Logistik Center Austria Süd GmbH ist die Standortentwicklung eines Dry Ports
(Außenstelle des Hafens Triest) in Fürnitz, Kärnten. Der anteilige Verlust wurde zur Gänze in der Equity-Bewertung
berücksichtigt und durch Gesellschafterzuschüsse im Eigenkapital abgedeckt.
Seite 165 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
44
18. Sonstige finanzielle Vermögenswerte
2023 in Mio. EUR kurzfristig langfristig Gesamt Beteiligungen 0,0 1,0 1,0 Finanzielle Vermögenswerte – Leasing 4,4 100,0 104,4 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 4,4 100,0 104,4 Übrige finanzielle Vermögenswerte 77,3 81,0 158,3 Gesamt 81,7 182,0 263,7 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 4,4 100,0 104,4 davon zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet 7,8 180,5 188,3
2022 in Mio. EUR kurzfristig langfristig Gesamt Beteiligungen 0,0 1,5 1,5 Finanzielle Vermögenswerte – Leasing 4,3 109,1 113,4 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 4,3 109,1 113,4 Übrige finanzielle Vermögenswerte 411,1 190,4 601,5 Gesamt 415,4 301,0 716,4 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 4,3 109,1 113,4 davon zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet 6,6 189,6 196,2
Finanzielle Vermögenswerte – Leasing
In den finanziellen Vermögenswerten – Leasing sind Finanzierungsleasingforderungen aus dem Sub-Lease-Vertrag mit
Gesellschaften des übrigen ÖBB-Konzerns zur Immobilie in der Lassallestraße in Höhe von rd. 103,9 Mio. EUR
(Vj: rd. 106,0 Mio. EUR) enthalten.
2022 wurde die letzte Cross-Border-Leasing-Transaktionen (CBL) aufgelöst. In diesem Zusammenhang werden an beiden
Bilanzstichtagen lediglich Forderungen aus weiterzuverrechnenden Ansprüchen gegenüber anderen Gesellschaften des
ÖBB-Konzerns aus beendeten CBL-Leasingtransaktionen bzw. daraus verbliebenen Salden im Ausmaß von
rd. 0,6 Mio. EUR (Vj: rd. 7,5 Mio. EUR) ausgewiesen.
Übrige finanzielle Vermögenswerte
Nähere Angaben zu den Leasing- und CBL-Geschäften sind unter den Erläuterungen 30.1 und 30.3 enthalten. Außerdem
sind Derivate im Zusammenhang mit Stromgeschäften im Ausmaß von rd. 64,2 Mio. EUR (Vj: rd. 223,1 Mio. EUR), welche
in keiner Hedge-Beziehung stehen, und über rd. 10,0 Mio. EUR (Vj: rd. 295,7 Mio. EUR), welche in einer Hedge-Beziehung
stehen sowie verbliebene Depots aus aufgelösten CBL-Transaktionen über rd. 80,6 Mio. EUR (Vj: rd. 81,7 Mio. EUR)
enthalten.
Wertberichtigungen
Die folgende Tabelle zeigt eine Zusammenfassung des Ausfallrisikos für die finanziellen Vermögenswerte.
Finanzielle Vermögenswerte zum 31.12.2023 Wertberichtigung bewertet zu fortgeführten Anschaffungskosten (Erwarteter 12-Monats-Netto-in Mio. EUR Kreditrating *)Brutto-Buchwert Kreditverlust) Buchwert Einstufung „geringes Risiko" AAA bis A 129,4 0,0 **) 129,4 Einstufung „mittleres Risiko" BBB bis B 58,9 0,0 **) 58,9 Einstufung „zweifelhaft" CCC bis C 0,0 0,0 0,0 Einstufung „Verlust" D 0,0 0,0 0,0 Gesamtexposure 188,3 0,0 188,3
*) Entspricht der Einstufung bei einer externen Ratingagentur (Standard & Poor’s).
**) Kleinstbetrag.
Seite 166 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
45
Finanzielle Vermögenswerte zum 31.12.2022 Wertberichtigung bewertet zu fortgeführten Anschaffungskosten (Erwarteter 12-Monats-Netto-in Mio. EUR Kreditrating *) Brutto-Buchwert Kreditverlust) Buchwert Einstufung „geringes Risiko" AAA bis A 139,3 0,0 **) 139,3 Einstufung „mittleres Risiko" BBB bis B 56,9 0,0 **) 56,8 Einstufung „zweifelhaft" CCC bis C 0,0 0,0 0,0 Einstufung „Verlust" D 0,0 0,0 0,0 Gesamtexposure 196,2 0,0 196,2
*) Entspricht der Einstufung bei einer externen Ratingagentur (Standard & Poor’s).
**) Kleinstbetrag.
Die Wertberichtigung und die Bruttowerte für finanzielle Vermögenswerte bewertet zu fortgeführten Anschaffungskosten
sind wie folgt:
Ausfallrisiko von finanziellen Vermögenswerten bewertet zu fortgeführten Anschaffungskosten zum
31.12.
in Mio. EUR 2023 2022 Bruttobuchwert 188,3 196,2 Wertberichtigung 0,0 *)0,0 *) davon erwarteter 12-Monats-Kreditverlust 0,0 *) 0,0 *) Buchwert 188,3 196,2
*) Kleinstbetrag.
19. Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte und zur Veräußerung gehaltene Schulden
Der Bilanzposten der zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerte stellt sich folgendermaßen dar:
2023 2022 Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte in Mio. EUR in Mio. EUR Stand 01.01. 0,1 35,6 Zugänge 7,1 0,0 Abgänge durch Veräußerung 0,0 -35,5 Stand 31.12. 7,2 0,1 davon zu fortgeführten Anschaffungskosten ausgewiesen 7,2 0,1
Bei den Abgängen im Geschäftsjahr 2022 handelte es sich um die Vermögenswerte des ehemaligen Tochterunternehmens
Güterterminal Werndorf Projekt GmbH (Veräußerungsgruppe). Es wurden sämtliche Anteile (100%) mit Vertrag vom
25.02.2022 an die Steirische Infrastruktur-Beteiligungs GmbH und an die Cargo-Center-Graz Betriebsgesellschaft m.b.H.
verkauft. Das Closing erfolgte am 28.03.2022.
Bei den zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerten mit einem Wert von rd. 0,1 Mio. EUR (Vj: rd. 0,1 Mio. EUR) handelt
es sich um eine Bahnstrecke, welche bereits zum 31.12.2022 als zur Veräußerung gehaltene Vermögenswert klassifiziert
war und im Geschäftsjahr 2023 nicht veräußert wurde. In beiden Berichtsjahren war auch die Verpflichtung zur Leistung
eines Kostenbeitrages in Höhe von rd. 6,4 Mio. EUR als „zur Veräußerung gehaltene Schulden“ klassifiziert. Die Umstände
der Verzögerung des Verkaufsprozesses liegen außerhalb der Kontrolle des Unternehmens, sie sind in den Gegebenheiten
beim Erwerber begründet. Leider liegt die Konzession für das Land bzw. für die zukünftige Betreibergesellschaft zum
Betrieb der Strecke noch nicht vor, weshalb auch noch keine Übergabe erfolgen konnte. Das Management hält
unverändert an den Verkaufsplänen fest und auch die Vereinbarung mit dem Land Oberösterreich ist unverändert gültig.
Es wird mit dem Verkauf im Jahr 2024 gerechnet. Aus diesem Grund wird die Klassifizierung als „zur Veräußerung
gehalten“ unverändert beibehalten. Der Verkaufspreis beträgt rd. 3,4 Mio. EUR.
Mit Vertrag vom 19.12.2023 wurde ein Baurechtsvertrag über ein Logistikcenter mit einem Gebäudebuchwert von
rd. 7,1 Mio. EUR abgeschlossen, der mit dem 01.01.2024 wirksam wurde. Der Baurechtsvertrag stellt bezüglich des
Grundstückes ein Operating Leasing iSd. IFRS 16 und bezüglich des Gebäudes einen Verkauf iSd. IFRS 15 dar. Das Gebäude
ist daher als „zur Veräußerung gehalten“ klassifiziert. Das Grundstück wird den IAS-40-Anlagen zugeordnet. Die
Einräumung des Baurechtes war gemäß IFRS als Ratenverkauf zu qualifizieren. Der Verkaufserlös wird 2024
rd. 17,8 Mio. EUR betragen.
Nach dem Bilanzstichtag per 31.12.2023 wurden keine wesentlichen Vermögenswerte zum Verkauf bestimmt. Die
beizulegenden Zeitwerte entsprechen den vereinbarten Kaufpreisen oder den erwarteten Verhandlungsergebnissen mit
den Vertragspartnern, womit die Zuordnung des beizulegenden Werts zur Hierarchiestufe 3 gemäß IFRS 13 erfolgt. Ein
Ausweis unter zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte erfolgt nur dann, wenn entsprechende
Aufsichtsratsbeschlüsse vorliegen und mit der Veräußerung im folgenden Geschäftsjahr höchstwahrscheinlich zu rechnen
ist.
Seite 167 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
46
Die für 2024 zu erwartenden Erlöse für zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte liegen alle über den aktuellen
Buchwerten der Vermögenswerte. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat im Berichtsjahr 2023 keine Vermögenswerte
tatsächlich veräußert. Im Berichtsjahr 2022 wurden Gewinne aus der Veräußerung von der zur Veräußerung gehaltenen
Vermögensgruppe in Höhe von rd. 2,4 Mio. EUR und aus den übrigen zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerten in
Höhe von rd. 2,9 Mio. EUR erfasst, die gemeinsam mit dem Ergebnis aus der Veräußerung von übrigen Anlagen in den
sonstigen betrieblichen Erträgen ausgewiesen werden.
20. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen
Dieser Posten gliedert sich wie folgt:
31.12.2023 in Mio. EUR kurzfristig langfristig Gesamt Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 311,0 0,0 311,0 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 132,6 0,0 132,6 davon Vertragsvermögenswerte (Fertigungsaufträge) 29,5 0,0 29,5 Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 282,2 70,5 352,7 davon Finanzinstrumente 33,6 0,7 34,4 Gesamt 593,1 70,5 663,7
31.12.2022 in Mio. EUR kurzfristig langfristigGesamt Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 189,8 0,0 189,8 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 54,7 0,0 54,7 davon Vertragsvermögenswerte (Fertigungsaufträge) 22,9 0,022,9 Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 351,2 77,6428,8 davon Finanzinstrumente 74,9 0,675,5 Gesamt 541,0 77,6 618,6
Die Buchwerte der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstigen Forderungen (soweit es sich um
Finanzinstrumente handelt) entsprechen aufgrund der kurzen Laufzeit annähernd dem beizulegenden Zeitwert. In den
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind in der Höhe von rd. 0,0 Mio. EUR (Vj: rd. 2,7 Mio. EUR) Forderungen
mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr enthalten.
In den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werden Vertragsvermögenswerte in Höhe von rd. 23,0 Mio. EUR
(Vj: rd. 16,0 Mio. EUR) im Zusammenhang mit Leistungen für Dritte erfasst, bei denen die Leistungserstellung noch nicht
abgeschlossen ist.
Bei den sonstigen Forderungen und Vermögenswerten handelt es sich vor allem um vorausbezahlte Haftungsentgelte an
den Bund von rd. 67,6 Mio. EUR (Vj: rd. 78,8 Mio. EUR), Vorsteuer auf Anzahlungsrechnungen über rd. 55,7 Mio. EUR
(Vj: rd. 53,2 Mio. EUR), Vorsteuerguthaben aus den Voranmeldungszeiträumen November und Dezember in Höhe von
rd. 138,6 Mio. EUR (Vj: rd. 165,5 Mio. EUR), die im Dezember ausbezahlten Gehälter für Jänner in der Höhe von
rd. 26,3 Mio. EUR (Vj: rd. 30,0 Mio. EUR) sowie Forderungen aus Kostenbeiträgen von rd. 8,9 Mio. EUR
(Vj: rd. 23,1 Mio. EUR) und Grundstücksverkäufen von rd. 18,5 Mio. EUR (Vj: rd. 28,8 Mio. EUR).
Die Wertberichtigungen entwickelten sich wie folgt:
Forderungen aus Lieferung u. Leistungen Sonstige Forderungen in Mio. EUR 2023 2022 2023 2022 Stand 01.01. 16,9 20,0 0,4 0,4 Verbrauch -0,5-2,40,0 0,0 Nettoneubewertung der Wertberichtigungen -1,4 -0,9 0,0 0,0 Stand 31.12. 15,0 16,9 0,4 0,4
Seite 168 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
47
Eine Zusammenfassung des Ausfallrisikos für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige Forderungen
zeigt die folgende Tabelle:
Ausfallsrisiko in Mio. EUR 20232022Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 325,9 206,7 Sonstige Forderungen 34,8 75,9 Gesamter Bruttobuchwert Forderungen 360,8 282,6 abzüglich Wertminderung 15,4 17,2 Buchwert 345,4 265,4
Die nachfolgende Tabelle enthält Informationen über das Ausfallrisiko und die erwarteten Kreditverluste aus Lieferungen
und Leistungen:
31.12.2023 Analyse des Ausfallsrisikos nach Brutto-Buchwert Brutto-Fälligkeit der Forderungen aus L+L (vor Abzug von Einzelwert-Buchwert Pauschale Einzelwert-Netto-in Mio. EUR Wertberichtigung) berichtigungnach EWB berichtigung (IFRS 9) in % Buchwert nicht überfällig 286,4 0,0 286,4 0,6 0,2% 285,8 bis 90 Tage überfällig 17,6 1,0 16,7 0,8 4,7% 15,9 90 bis 180 Tage überfällig 1,5 0,3 1,2 0,1 11,2% 1,1 180 bis 360 Tage überfällig 7,0 2,8 4,1 0,5 11,6% 3,7 über 360 Tage überfällig 13,5 8,9 4,5 0,0 0,0% 4,5 Gesamtexposure 325,9 13,0 313,0 2,0 0,6% 311,0
31.12.2022 Analyse des Ausfallsrisikos nach Brutto-Buchwert Brutto-Fälligkeit der Forderungen aus L+L (vor Abzug von Einzelwert-Buchwert nach Pauschale Einzelwert-Netto-in Mio. EUR Wertberichtigung) berichtigung EWB berichtigung (IFRS 9) in % Buchwert nicht überfällig 177,4 0,1 177,2 1,1 0,6% 176,1 bis 90 Tage überfällig 9,3 0,0 9,3 0,4 3,9% 8,9 90 bis 180 Tage überfällig 1,5 0,4 1,2 0,3 25,7% 0,9 180 bis 360 Tage überfällig 2,5 0,8 1,7 1,1 65,1% 0,6 über 360 Tage überfällig 16,0 11,7 4,3 0,9 21,8% 3,3 Gesamtexposure 206,7 13,1 193,6 3,8 2,0% 189,8
Die nachfolgende Tabelle enthält Informationen über das Ausfallrisiko und die erwarteten Kreditverluste aus den sonstigen
Forderungen:
31.12.2023 Analyse des Ausfallrisikos der sonstigen Forderungen Brutto-Buchwert (vor Abzug von in Mio. EUR Kreditrating *) Wertberichtigung) Wertberichtigung in % Netto-Buchwert Einstufung „geringes Risiko” AAA bis A 33,5 0,0 **) 0,0% 33,5 Einstufung „mittleres Risiko” BBB bis B 0,5 0,0 0,1% 0,5 Einstufung „zweifelhaft” CCC bis C 0,4 0,0 0,0% 0,4 Einstufung „Verlust” D 0,0 0,0 0,0% 0,0 Gesamtexposure 34,4 0,0 0,0% 34,4
*) Entspricht der Einstufung bei einer externen Ratingagentur (Standard & Poor’s).
**) Kleinstbetrag.
*) Entspricht der Einstufung bei einer externen Ratingagentur (Standard & Poor’s).
**) Kleinstbetrag.
Weitere Angaben sind in Erläuterung 29.2.c enthalten.
31.12.2022 Analyse des Ausfallrisikos der sonstigen Forderungen Brutto-Buchwert (vor Abzug von in Mio. EUR Kreditrating *) Wertberichtigung) Wertberichtigung in % Netto-Buchwert Einstufung „geringes Risiko” AAA bis A 72,0 0,0 **) 0,0% 71,9 Einstufung „mittleres Risiko” BBB bis B 0,3 0,0 0,0% 0,3 Einstufung „zweifelhaft” CCC bis C 0,4 0,4 100% 0,0 Einstufung „Verlust” D 0,0 0,0 0,0% 0,0 Gesamtexposure 72,6 0,4 0,5% 72,2
Seite 169 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
48
21. Vorräte
Dieser Bilanzposten stellt sich folgendermaßen dar:
31.12.202331.12.2022 in Mio. EURin Mio. EUR Vorräte 87,8 86,2 abzüglich Wertberichtigungen -0,4 -0,8 Gesamt 87,4 85,4 davon Verwertungsobjekte 41,2 44,2
Die Vorräte umfassen Materialbestände und Ersatzteile für den Ausbau und die Instandhaltung des Schienennetzbetriebs
sowie Verwertungsobjekte. Die Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Leistungen sind aus Erläuterung 7
ersichtlich. Wertaufholungen von in der Vergangenheit auf Vorräte vorgenommenen Wertberichtigungen fanden wie im
Vorjahr nicht statt. Die Verwertungsobjekte betreffen jene Liegenschaften, die betrieblich nicht mehr genutzt und für den
späteren Verkauf entwickelt werden. Es handelt sich um ehemalige Bahnhofs- und Eisenbahnanlagen, die dem dauernden
Betrieb dienten. Betroffen sind wesentliche Projekte, wie zum Beispiel die Flächen des ehemaligen Südbahnhofs, des
Frachtenbahnhofs Wien Nord sowie den Nordwestbahnhof, die in großem Umfang entwickelt werden.
Die Wertminderungen des Berichtsjahres 2023 betragen rd. 0,4 Mio. EUR (Vj: rd. 0,8 Mio. EUR) und werden in den
Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen ausgewiesen.
Von den Verwertungsobjekten mit einem Buchwert von rd. 41,2 Mio. EUR (Vj: rd. 44,2 Mio. EUR) sind rd. 40,1 Mio. EUR
(Vj: rd. 41,3 Mio. EUR) als langfristig einzustufen.
22. Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente
Dieser Posten gliedert sich wie folgt:
31.12.202331.12.2022 in Mio. EURin Mio. EUR Kassenbestand 0,0 *) 0,0 *) Guthaben bei Kreditinstituten 0,01,0 Kontokorrentkonto ÖBB-Finanzierungsservice GmbH (Konzernclearing) 25,231,4 Gesamt 25,3 32,4
*) Kleinstbetrag.
Dieser Posten beinhaltet Veranlagungen sowie Guthaben bei Kreditinstituten, der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH sowie
Kassenbestände, die alle kurzfristig sind (Fristigkeit unter drei Monaten). Der Buchwert dieser Vermögenswerte entspricht
ihrem beizulegenden Zeitwert. Sämtliche Bestandteile der liquiden Mittel stehen zur freien Verfügung des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Nähere Angaben zum Finanzmittelfonds gemäß Geldflussrechnung werden in Erläuterung 34
gemacht.
23. Grundkapital, Anteile nicht beherrschender Gesellschafter
Grundkapital
Das Grundkapital der ÖBB-Infrastruktur AG beträgt unverändert 500,0 Mio. EUR und ist zur Gänze einbezahlt. Das
Grundkapital ist in 100.000 Namensaktien unterteilt. Sämtliche Anteile werden von der ÖBB-Holding AG gehalten.
Seite 170 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
49
Anteile nicht beherrschender Gesellschafter
Dieser Posten wurde für die nicht der ÖBB-Infrastruktur AG gehörenden Anteile am Eigenkapital der jeweiligen
vollkonsolidierten Tochterunternehmen gebildet. Die Entwicklung dieses Postens wird in der Aufstellung der Veränderung
des Eigenkapitals dargestellt.
Die nachstehende Tabelle zeigt 100% der Finanzinformationen zur WS Service GmbH, jener Tochtergesellschaft des
Konzerns mit Anteilen nicht beherrschender Gesellschafter (49%).
31.12.2023 31.12.2022 in Mio. EUR in Mio. EUR Langfristige Vermögenswerte 0,5 0,4 Kurzfristige Vermögenswerte 4,9 4,7 Langfristige Schulden 0,0 *) 0,0 *) Kurzfristige Schulden 4,5 4,0 Nettovermögen 0,8 1,1 Buchwert der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter (anteilig) 0,4 0,5 Umsatzerlöse 12,5 11,5 Gewinn 0,4 0,7 Sonstiges Ergebnis 0,0 0,0 Gesamtergebnis 0,4 0,7 Nicht beherrschenden Gesellschaftern zugeordneter Gewinn 0,2 0,4 Nicht beherrschenden Gesellschaftern zugeordnetes sonstiges Ergebnis 0,0 0,0 Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit 1,1 1,3 Cashflow aus der Investitionstätigkeit -0,3 -0,1 Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit -0,7 -1,2 Nettoerhöhung (Nettoabnahme) der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 0,1 0,0
*) Kleinstbetrag.
24. Rücklagen und erwirtschaftetes Ergebnis
Die Kapitalrücklagen betragen unverändert zum Vorjahr rd. 538,9 Mio. EUR (Vj: rd. 538,9 Mio. EUR). Diese ergeben sich
im Wesentlichen aus Umgründungsvorgängen in der Vergangenheit.
Die Cashflow-Hedge-Rücklage entwickelt sich wie folgt:
Cashflow-Hedge-Rücklage
darin Entwicklung enthaltene in Mio. EUR Buchwert Ertragsteuern Stand 31.12.2021 = 01.01.2022 216,9 -72,3 Änderung der beizulegenden Zeitwerte 196,4 -65,5 Realisierung von Gewinnen und Verlusten -145,8 54,8 Stand 31.12.2022 267,5 -83,0 Änderung der beizulegenden Zeitwerte -132,5 41,8 Realisierung von Gewinnen und Verlusten -182,9 55,5 Stand 31.12.2023 -47,9 14,3
Darüber hinaus werden versicherungsmathematische Verluste aus der Neubewertung der Abfertigungsrückstellungen in
Höhe von rd. 8,3 Mio. EUR (Vj: rd. 3,1 Mio. EUR) in der Position „Neubewertung leistungsorientierter Versorgungspläne”
ausgewiesen. Weitere Erläuterungen zum Eigenkapital finden sich in der Aufstellung der Veränderungen des Eigenkapitals.
Die im sonstigen Ergebnis enthaltenen Ertragsteuern betreffen nur die steuerpflichtigen Sachverhalte. Der im Geschäftsjahr
2023 in die Gewinn- und Verlust Rechnung umgebuchte Betrag an Ertragsteuern in Höhe von rd. 55,5 Mio. EUR
(Vj: rd. 54,8 Mio. EUR) enthält rd. 1,7 Mio. EUR (Vj: rd. 4,6 Mio. EUR), die aus der Steuersatzänderung resultieren
(Erläuterung 13). Die Cashflow-Hedge-Rücklage betrifft ausschließlich Commodity-Derivate und hier ausschließlich Strom-
Forwards.
Seite 171 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
50
25. Finanzverbindlichkeiten
Die Finanzverbindlichkeiten setzen sich wie folgt zusammen:
2023 in Mio. EUR bis 1 Jahr 1 bis 5 Jahre mehr als 5 Jahre Gesamt Anleihen 998,9 2.560,9 4.324,8 7.884,6 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 208,8 775,6 2.935,1 3.919,5 Finanzverbindlichkeiten Leasing 16,0 58,9 165,2 240,1 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 0,0 0,2 0,6 0,8 Übrige Finanzverbindlichkeiten 889,1 3.229,3 12.990,6 17.109,0 davon gegenüber dem Bund (OeBFA) 227,8 3.136,1 12.949,2 16.313,1 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 294,2 0,0 0,0 294,2 Gesamt 2.112,8 6.624,7 20.415,7 29.153,3 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 294,2 0,2 0,6 295,0
2022 in Mio. EUR bis 1 Jahr 1 bis 5 Jahre mehr als 5 Jahre Gesamt Anleihen 1.000,0 3.557,2 4.326,1 8.883,3 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 9,1 575,2 3.344,0 3.928,3 Finanzverbindlichkeiten Leasing 16,1 55,8 170,1 242,0 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 0,1 0,2 0,6 0,9 Übrige Finanzverbindlichkeiten 1.807,3 1.902,0 9.940,3 13.649,6 davon gegenüber dem Bund (OeBFA) 195,0 1.787,2 9.934,2 11.916,4 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 1.253,2 0,0 0,0 1.253,2 Gesamt 2.832,5 6.090,2 17.780,5 26.703,3 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 1.253,3 0,2 0,6 1.254,1
Von den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten betreffen rd. 3.838,3 Mio. EUR (Vj: rd. 3.838,1 Mio. EUR)
Finanzierungen durch die Europäische Investitionsbank (EIB).
Finanzverbindlichkeiten gegenüber EIB 2023 Restlaufzeit NominaleWährung Laufzeiten Nominalzinssatz Effektivverzinsung Anmerkung bis zu 1 Jahr 200.000.000,00 EUR 2009 bis 2024 4,40% 4,41% 1 Vertrag 1 bis 5 Jahre 940.000.000,00 EUR 2006 bis 2029 3,58% bis 4,81% 3,59% bis 4,82% 5 Verträge mehr als 5 Jahre 2.700.000.000,00 EUR 2010 bis 2049 0,43% bis 4,18% 0,43% bis 4,19% 13 Verträge Gesamt 3.840.000.000,00 19 Verträge
Bei Änderungen des Bundesbahngesetzes, wenn die ÖBB-Infrastruktur AG ihre Vermögenswerte veräußern sollte, sich die
Eigentümerstruktur ändert oder die Projektkosten wesentlich geringer als geplant sind, ist die EIB entweder zu informieren,
sind zusätzliche Sicherheiten beizubringen oder kann die EIB noch nicht ausgezahlte Kredite zurückbehalten oder aber
eine Rückzahlung verlangen.
Haftungen des Bundes
Haftungen des Bundes bestehen für Anleihen mit einem Buchwert in Höhe von rd. 7.825,1 Mio. EUR
(Vj: rd. 8.823,6 Mio. EUR). Weiteres sind Verbindlichkeiten bei der EUROFIMA mit einem Buchwert in Höhe von
rd. 87,9 Mio. EUR (Vj: rd. 87,9 Mio. EUR) durch Haftungen des Bundes abgesichert.
Seite 172 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
51
Emittierte Anleihen
Die Anleihen mit einem Gesamtnominalwert in Höhe von rd. 7.825,0 Mio. EUR (Vj: rd. 8.825,0 Mio. EUR) gliedern sich
wie folgt:
Nominal Währung Laufzeit ISIN Zinssatz 100.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0243862876 2,9900% 100.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0244522396 2,9900% 100.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0252697130 3,5000% 50.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0252721450 3,5000% 100.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0275973278 3,4900% 80.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0275974599 3,4900% 100.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0321318163 4,0000% 100.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0324893626 4,0000% 50.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0324895670 4,0000% 100.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0328866982 4,0000% 50.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0331427905 4,0000% 50.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0336043517 3,9900% 50.000.000,00 EUR 2010 bis 2030 XS0497430172 4,2100% 70.000.000,00 EUR 2010 bis 2030 XS0503724642 4,2000% 100.000.000,00 EUR 2010 bis 2030 XS0512125849 3,9000% 1.500.000.000,00 EUR 2010 bis 2025 XS0520578096 3,8750% 1.000.000.000,00 EUR 2011 bis 2026 XS0691970601 3,5000% 200.000.000,00 EUR 2011 bis 2031 XS0717614951 4,0000% 1.350.000.000,00 EUR 2012 bis 2032 XS0782697071 3,3750% 75.000.000,00 EUR 2013 bis 2033 XS0954197470 2,1250% 1.000.000.000,00 EUR 2013 bis 2033 XS0984087204 3,0000% 1.000.000.000,00 EUR 2014 bis 2024 XS1138366445 1,0000% 500.000.000,00 EUR 2014 bis 2029 XS1071747023 2,2500%
Von 2005 bis 2014 hat die ÖBB-Infrastruktur AG ein Euro-Medium-Term-Note-Programm (EMTN) aufgelegt. Die
Zahlungen hinsichtlich der unter diesem Rahmenvertrag ausgegebenen Anleihen sind von der Republik Österreich
unbedingt und unwiderruflich garantiert. Alle oben angeführten Anleihen wurden von der ÖBB-Infrastruktur AG im
Rahmen dieses Programms begeben.
2015 wurden sechs Anleihen (rd. 108,5 Mio. USD) begeben, von denen drei (Vj: drei) in Höhe von rd. 65,7 Mio. USD
(Vj: rd. 63,8 Mio. USD) mit den CUSIP-Nummern A5790#AD0 (Laufzeitende 2026), A5790#AE8 (Laufzeitende 2025) und
A5790#AF5 (Laufzeitende 2025) noch aushaften. Der beizulegende Zeitwert dieser Anleihen wird mit einem
Bewertungsmodell auf Basis beobachtbarer Marktdaten ermittelt und daher dem Level 2 der Fair-Value-Hierarchie
zugeordnet (Erläuterung 29.5).
Finanzverbindlichkeiten Leasing
Die Leasingverbindlichkeiten nach IFRS 16 haben sich im Geschäftsjahr 2022 aufgrund der Anmietung einer Immobilie in
der Lassallestraße um rd. 166,6 Mio. EUR erhöht. Die Finanzverbindlichkeiten aus Leasingverhältnissen nach IFRS 16
betragen rd. 240,1 Mio. EUR (Vj: rd. 242,0 Mio. EUR).
Übrige Finanzverbindlichkeiten
Von den übrigen Finanzverbindlichkeiten betreffen mit einem Buchwert von rd. 16.313,1 Mio. EUR
(Vj: rd. 11.916,4 Mio. EUR) Verbindlichkeiten gegenüber dem Bund (OeBFA). Von den Verbindlichkeiten gegenüber dem
Bund (OeBFA) sind rd. 227,8 Mio. EUR (Vj: 195,0 Mio. EUR) kurzfristig.
Die ÖBB-Infrastruktur AG nimmt ab dem Jahr 2017 die notwendige Finanzierung vor allem über Darlehen der Republik
Österreich in Erledigung durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) anstatt über eigene
Anleiheemissionen am Kapitalmarkt auf. Alle bestehenden Anleihen der ÖBB-Infrastruktur AG und deren Garantien durch
die Republik Österreich bleiben von dieser Erweiterung der Finanzierungsinstrumente der ÖBB-Infrastruktur AG unberührt.
Seite 173 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
52
Nachfolgend die Aufstellung der langfristigen Finanzverbindlichkeiten gegenüber dem Bund (OeBFA) gegliedert nach
Fälligkeiten:
Durch-Finanzverbindlichkeiten schnittliche gegenüber OeBFA 2023 Nominal-Effektiv-Effektiv-Restlaufzeit Nominale (in EUR)Laufzeiten zinssatz verzinsung verzinsungAnmerkung 0,6340% bis bis zu 1 Jahr 280.000.000,00 2022 bis 2024 1,6500% 2,1590% 1,2311% 4 Verträge 0,0000% bis -0,6520% bis 1 bis 5 Jahre 3.351.450.000,00 2017 bis 2028 6,2500% 3,1510% 1,6371% 24 Verträge 0,0000% bis -0,4940% bis mehr als 5 Jahre 13.125.550.000,002017 bis 21204,1500% 3,8220% 1,5588%83 Verträge Gesamt 16.757.000.000,00 111 Verträge
Es bestehen 111 (Vj: 85) Finanzierungen mit Laufzeiten bis in das Jahr 2120.
Die übrigen Finanzverbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen bestehen gegenüber der
ÖBB-Finanzierungsservice GmbH und betreffen im Wesentlichen Verbindlichkeiten aus der laufenden Finanzierung im
Ausmaß von rd. 293,9 Mio. EUR (Vj: rd. 1.252,9 Mio. EUR). Diese Verbindlichkeiten sind Teil des Zahlungsmittelfonds des
Cashflows.
Die übrigen Finanzverbindlichkeiten gegenüber sonstigen Unternehmen bestehen im Wesentlichen aus
EUROFIMA-Darlehen in der Höhe von rd. 87,9 Mio. EUR (Vj: rd. 87,9 Mio. EUR), aus Zinsabgrenzungen in Höhe von
rd. 196,2 Mio. EUR (Vj: rd. 163,5 Mio. EUR) sowie aus derivativen Finanzinstrumenten in Höhe von rd. 155,7 Mio. EUR
(Vj: rd. 196,8 Mio. EUR). Von den derivativen Finanzinstrumenten betreffen Derivate mit einem Buchwert von
rd. 76,4 Mio. EUR (Vj: rd. 6,0 Mio. EUR) Hedging-Instrumente.
In beiden Geschäftsjahren hat der ÖBB-Infrastruktur-Konzern sämtliche Verpflichtungen aus den Darlehens- und
Kreditverträgen erfüllt.
Seite 174 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
53
26. Rückstellungen
Bei der Ermittlung der Rückstellungen wurde beurteilt, ob eine Inanspruchnahme des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
wahrscheinlich ist und die voraussichtliche Höhe der Rückstellung zuverlässig geschätzt werden kann. Die Rückstellung
wird in der Höhe der wahrscheinlichen Inanspruchnahme angesetzt. Bei gleich wahrscheinlichen Szenarien wird der
aufgrund der Wahrscheinlichkeiten ermittelte Erwartungswert rückgestellt.
26.1. Personalrückstellungen
31.12.2023 31.12.2022 in Mio. EUR in Mio. EUR Gesetzliche Abfertigungen 38,0 31,8 Pensionen 0,8 0,8 Jubiläumsgelder 129,3116,7 Gesamt 168,0 149,2
Bis auf die versicherungsmathematischen Gewinne oder Verluste aus der Rückstellung für gesetzliche Abfertigungen und
Pensionen werden sämtliche erfolgswirksamen Veränderungen der Personalrückstellungen im Personalaufwand
ausgewiesen.
Versicherungsmathematische Annahmen
Die folgende Tabelle zeigt die bei der Bewertung von Verpflichtungen aus Jubiläumsgeldzuwendungen, Abfertigungen
und Pensionen verwendeten Annahmen:
31.12.2023 31.12.2022 Abzinsungsfaktor Abfertigung 3,55% 4,20% Abzinsungsfaktor Pension 3,50% 4,20% Abzinsungsfaktor Jubiläum 3,45% 4,10% Gehaltssteigerungen 5,20% 5,20% Pensionssteigerungen 2,00% 2,00% Fluktuationsrate Jubiläum Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung 0,00 bis 1,27% 0,00 bis 1,29% Fluktuationsrate Jubiläum übrige Angestellte 0,00 bis 6,96% 0,00 bis 7,61%
Bei den Abfertigungs- und Jubiläumsgeldern ist der Konzern üblicherweise folgenden versicherungsmathematischen
Risiken ausgesetzt: Zinsänderungsrisiko und Gehaltsrisiko.
Zinsänderungsrisiko: Ein Rückgang des Anleihezinssatzes führt zu einer Erhöhung der Rückstellungen.
Gehaltsrisiko: Der Barwert der Rückstellungen wird auf Basis der zukünftigen Gehälter der begünstigten
Arbeitnehmer:innen ermittelt. Somit führen Gehaltserhöhungen über das bereits im Barwert berücksichtigte Ausmaß der
begünstigten Arbeitnehmer:innen zu einer Erhöhung der Rückstellungen.
Gesetzliche Abfertigungen
Für die sich aus einzelnen dienstrechtlichen oder vertraglichen Bestimmungen ergebenden Abfertigungsansprüche jener
Dienstnehmer:innen, die nicht Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung sind, wird eine Rückstellung für Abfertigungen
eingestellt. Die Berechnung der Rückstellung erfolgt versicherungsmathematisch nach dem
Anwartschaftsbarwertverfahren (PUC-Methode), das für Bewertungen nach IAS 19 vorgeschrieben ist, und richtet sich
nach den biometrischen Rechnungsgrundlagen der Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ) 2018-P – gemischter Bestand –
Rechnungsgrundlagen für Pensionsversicherung.
Verpflichtungen aus Abfertigungen für Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis vor dem 01.01.2003 begonnen hat,
werden wie nachfolgend beschrieben durch leistungsorientierte Pläne abgedeckt. Infolge einer gesetzlichen Änderung
unterliegen Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis in Österreich nach dem 01.01.2003 begonnen hat, einem
beitragsorientierten Versorgungsplan. In diesem Zusammenhang hat der ÖBB-Infrastruktur-Konzern in den Jahren 2023
und 2022 rd. 7,8 Mio. EUR bzw. rd. 6,4 Mio. EUR in den beitragsorientierten Versorgungsplan (VBV Vorsorgekasse AG
und APK-PENSIONSKASSE AG) eingezahlt.
Seite 175 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
54
Bei Pensionsantritt erhalten berechtigte Mitarbeiter:innen eine Abfertigung, die – abhängig von ihrer Dienstzeit – ein
Mehrfaches ihres monatlichen Entgelts, maximal aber zwölf Monatsentgelte beträgt. Bei Beendigung des
Dienstverhältnisses werden maximal drei Monatsentgelte sofort, darüber hinausgehende Beträge verteilt über einen
Zeitraum von höchstens zehn Monaten ausgezahlt. Im Falle des Todes haben die Erbberechtigten der Mitarbeiter:innen
Anspruch auf 50% der Abfertigung.
Die folgende Tabelle zeigt die Komponenten der Nettoabfertigungsaufwendungen der Periode sowie die Entwicklung der
Abfertigungsrückstellung in den beiden Berichtsjahren:
20232022 in Mio. EUR in Mio. EUR Barwert der Verpflichtung zum 01.01. 31,8 36,9 Dienstzeitaufwand 1,3 1,5 Zinsaufwand 1,3 0,5 Im Periodenergebnis erfasst 2,6 2,0 Versicherungsmathematische Verluste (+) / Gewinne (-) aus Änderungen demografischer Annahmen 0,0 0,0 Versicherungsmathematische Verluste (+) / Gewinne (-) aus Änderungen finanzieller Annahmen 3,2-8,2 Erfahrungsbedingte Anpassungen 2,0 2,1 Im sonstigen Ergebnis erfasst 5,2 -6,1 Abfertigungszahlungen -1,7 -1,1 Unternehmensverkäufe und -erwerbe sowie Übertritte im Konzern 0,1 0,1 Barwert der Verpflichtung zum 31.12. 38,0 31,8
Abfertigungsrückstellungen in Höhe von rd. 0,7 Mio. EUR werden in 2024, in Höhe von rd. 4,9 Mio. EUR in 2025 bis 2028
und in Höhe von rd. 32,3 Mio. EUR nach 2028 fällig. Die mittlere Restlaufzeit (Duration) beträgt 14,1 (Vj: 14,1) Jahre.
In der nachfolgenden Sensitivitätsanalyse für Abfertigungsverpflichtungen wird die Auswirkung resultierend aus
Änderungen wesentlicher versicherungsmathematischer Annahmen auf die Verpflichtungen dargestellt. Es wurde jeweils
ein wesentlicher Einflussfaktor verändert, während die übrigen Einflussgrößen konstant gehalten wurden. In der Realität
ist es jedoch eher unwahrscheinlich, dass diese Einflussgrößen nicht korrelieren. Die Ermittlung der Verpflichtung unter
Anwendung von geänderten Parametern erfolgt analog zur Ermittlung der tatsächlichen Verpflichtung nach der
Projected-Unit-Credit-Methode (PUC-Methode) gemäß IAS 19.
Eine Änderung der versicherungsmathematischen Parameter würde sich wie folgt auswirken:
Veränderung der Erhöhung des Parameters/ Reduktion des Parameters/ Sensitivitätsanalyse der AnnahmeVeränderung DBO Veränderung DBO Rückstellung für Abfertigungen in %-Punkten 2023 in Mio. EUR 2022 in Mio. EUR 2023 in Mio. EUR 2022 in Mio. EUR Zinssatz +/-0,2 -1,1 -0,9 0,9 0,9 Bezugserhöhung +/-0,2 0,9 0,8 -1,1 -0,9
Jubiläumsgelder
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Definitivstellung sowie bestimmte Angestellte (im Folgenden „Mitarbeiter:innen“)
haben einen Anspruch auf Jubiläumsgelder. Gemäß den gesetzlichen und vertraglichen Bestimmungen erhalten die
Berechtigten nach 25 Dienstjahren zwei Monatsgehälter und nach 40 Dienstjahren vier Monatsgehälter. Mitarbeiter:innen,
die zum Zeitpunkt des Pensionsantritts mindestens 35 Dienstjahre geleistet haben, wird ebenfalls ein anteiliges
Jubiläumsgeld von bis zu vier Monatsgehältern ausgezahlt.
Die Berechnung der Rückstellung wurde versicherungsmathematisch nach der PUC-Methode erstellt, welche für
Bewertungen nach IAS 19 vorgeschrieben ist. Sie erfolgt nach den biometrischen Rechnungsgrundlagen der
Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ) 2018-P – gemischter Bestand – Rechnungsgrundlagen für Pensionsversicherung.
Die Rückstellung wird über die Dienstzeit unter Anwendung eines Fluktuationsabschlags für Mitarbeiter:innen, die
vorzeitig aus dem Dienstverhältnis ausscheiden, gebildet. Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste werden
sofort in der Periode, in der sie anfallen, ergebniswirksam erfasst.
Seite 176 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
55
Die folgende Tabelle zeigt die Komponenten der Jubiläumsgeldaufwendungen der Periode sowie die Entwicklung der
Jubiläumsrückstellungen in den beiden Berichtsjahren:
20232022 in Mio. EUR in Mio. EUR Barwert der Verpflichtung zum 01.01. 116,7 132,9 Dienstzeitaufwand 5,6 6,9 Zinsaufwand 4,6 1,3 Jubiläumsgeldzahlungen -10,5 -9,6 Unternehmensverkäufe und -käufe sowie Übertritte im Konzern 0,0 -0,1 Versicherungsmathematische Verluste (+) / Gewinne (-) 7,0 -19,7 Erfahrungsbedingte Anpassungen 5,8 5,0 Barwert der Verpflichtung zum 31.12. 129,3 116,7
Die mittlere Restlaufzeit (Duration) beträgt 8,7 (Vj: 8,1) Jahre.
Eine Änderung der versicherungsmathematischen Parameter würde sich wie folgt auswirken:
Sensitivitätsanalyse der Veränderung der Erhöhung des Parameters/ Reduktion des Parameters/ Rückstellung Annahme Veränderung DBO Veränderung DBO für Jubiläumsgelder in %-Punkten 2023 in Mio. EUR 2022 in Mio. EUR 2023 in Mio. EUR 2022 in Mio. EUR Zinssatz +/-0,2 -2,2 -1,8 2,2 1,8 Bezugserhöhung +/-0,2 2,1 1,8 -2,1 -1,8
Pensionen
Beitragsorientierte Versorgungssysteme
In Österreich werden Pensionsleistungen für Angestellte grundsätzlich durch die Sozialversicherungsträger sowie für
Bahnbedienstete durch die Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau und aufgrund § 52 Bundesbahngesetz vom
Bund erbracht. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist gesetzlich verpflichtet, Beiträge für Pensionen und Gesundheitsvorsorge
für aktive Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung an die Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau zu leisten.
Zusätzlich bietet die Gesellschaft allen Angestellten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns in Österreich einen
beitragsorientierten Versorgungsplan an. Die Beiträge der Gesellschaft berechnen sich als Prozentsatz des Entgelts und
dürfen 1,2% nicht übersteigen. Die Aufwendungen dieses Plans beliefen sich in den Jahren 2023 und 2022 auf
rd. 11,4 Mio. EUR bzw. rd. 10,3 Mio. EUR.
Leistungsorientiertes Versorgungssystem
Für ein ehemaliges Vorstandsmitglied besteht ein leistungsorientierter Pensionsplan (Auszahlungen ab dem
60. Lebensjahr), für den der ÖBB-Infrastruktur-Konzern seit 2010 Zahlungen leistet. Der Plan, der über keine
Kapitaldeckung verfügt, sieht Pensionszahlungen vor, die einen von den Beschäftigungsjahren abhängigen Prozentsatz
des Gehalts betragen. Die Pension beläuft sich auf höchstens 13,2% des Letztbezugs. Die Bewertung erfolgte nach
versicherungsmathematischen Grundsätzen unter Annahme eines Abzinsungsfaktors von 3,50% (Vj: 4,20%) und eines
Pensionsantrittsalters von 60 Jahren.
Seite 177 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
56
26.2. Sonstige Rückstellungen
Stand Stand in Mio. EUR 01.01.2023 Verbrauch Auflösung Zinseffekte Zuführung31.12.2023 Umweltschutzmaßnahmen 35,1 -0,3 -11,1 0,8 1,5 25,9 Stilllegungskosten 21,3 -1,1 -3,9 0,6 0,0 17,0 Freimachungen und ähnliche Verpflichtungen 19,8 -3,2 -4,3 0,5 0,4 13,1 Haftpflichtrenten 2,2 -0,1 -0,1 0,1 0,3 2,3 Übrige sonstige 189,2 -1,9 -5,2 8,9 24,0 215,1 Summe sonstige Rückstellungen 267,5 -6,6 -24,6 10,9 26,2 273,4 davon langfristig 65,4 49,3
Die Rückstellung für Umweltschutzmaßnahmen betrifft erwartete Sanierungsmaßnahmen von Bodenkontaminierungen.
Sie wurde aufgrund der entsprechenden gesetzlichen Vorschriften mit den wahrscheinlich zu erwartenden Aufwendungen
erfasst und in Höhe von rd. 11,1 Mio. EUR (Vj: rd. 0,0 Mio. EUR) aufgelöst. Die Auflösung der Rückstellung erfolgte, da
aufgrund einer wasserrechtlichen Verhandlung im Oktober 2023 mit der zuständigen Behörde festgestellt wurde, dass die
ÖBB-Infrastruktur als Grundstückseigentümer nicht in Anspruch genommen wird.
Die Rückstellung für Stilllegungskosten betrifft künftige Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Abbruch und dem
Abräumen von Vermögenswerten und die Wiederherstellung von Standorten. Dabei handelt es sich um bereits stillgelegte
oder in naher Zukunft stillzulegende Bahnstrecken, deren Buchwerte bereits auf null reduziert wurden und daher die
Veränderungen der Rückstellungen ergebniswirksam erfasst werden. Diese Rückstellung wurde nur für jene Strecken
gebildet, von denen mit einer ausreichenden Sicherheit ausgegangen werden kann, dass diese stillgelegt werden. Für eine
Bahnstrecke, die 2024 verkauft wird, haben sich die Rückbaukosten durch eine alternative Nutzung des Erwerbers reduziert,
weshalb die restliche Rückstellung in Höhe von 3,4 Mio. EUR aufgelöst wurde.
Die Rückstellung für Freimachungen und ähnliche Verpflichtungen beinhaltet vertraglich vereinbarte Verpflichtungen zur
Beseitigung von bestehenden rechtlichen und technischen Belastungen und ähnliche Verpflichtungen im Zusammenhang
mit bereits durchgeführten Grundstücksverkäufen. Für Grundstücke, bei denen keine Kontaminationen gefunden wurde
oder bei denen seitens des Bauwerbers keine Abgeltung für Kontaminationen gefordert wurde, wurden die Rückstellung
in Höhe von 0,9 Mio. EUR aufgelöst.
Die Verpflichtungen aus Haftpflichtrenten werden auf Basis von biometrischen Rechnungsgrundlagen errechnet und mit
einem Diskontierungszinssatz von 2,81% (Vj: 3,25%) abgezinst.
In den übrigen sonstigen Rückstellungen sind im Wesentlichen Vorsorgen für Rechtsstreitigkeiten enthalten.
Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten werden für alle im Zeitpunkt der Bilanzerstellung erkennbaren prozessualen Risiken
nach unternehmerischer Beurteilung gebildet. Die Rückstellung setzt sich aus einer Vielzahl von Rechtsstreitigkeiten
zusammen, die sich aus der Tätigkeit des Unternehmens ergeben. Insbesondere sind Rückstellungen für Rückforderungen
an Infrastrukturbenützungsentgelt im Hinblick auf laufende regulierungsrechtliche Verfahren enthalten. Die Veränderung
von Rückstellungen für Rückforderungen in Zusammenhang mit regulierungsrechtlichen Verfahren wird in den
Umsatzerlösen erfasst.
Da eine Offenlegung von Informationen nach IAS 37.92 die Lage des Unternehmens in diesen Verfahren ernsthaft
beeinträchtigen könnte, werden keine Angaben über die Höhe der Rückstellung oder etwaige darüber hinausgehende
Eventualverbindlichkeiten gemacht. Diesbezüglich wird auf den Abschnitt Verwendung von Schätzungen und
Ermessensausübungen unter Erläuterung 3 verwiesen.
Erwarteter Zahlungszeitpunkt für die Rückstellungen
Langfristige Rückstellungen werden soweit anwendbar laufzeitabhängig mit Zinssätzen von 2,66% bis 3,61%
(Vj: 3,17% bis 3,44%) abgezinst. Anpassungen aufgrund der Änderung des Diskontierungsfaktors fielen in einem
unwesentlichen Umfang an. Von den sonstigen Rückstellungen sind rd. 49,3 Mio. EUR (Vj: rd. 65,4 Mio. EUR) als
langfristig einzustufen. Bei diesen Rückstellungen liegt der erwartete Zahlungszeitpunkt nach 2023. Bei den als kurzfristig
eingestuften Rückstellungen wird damit gerechnet, dass es im Jahr 2024 zu einem Mittelabfluss kommt, wobei
überwiegend die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten sowie Teile der Rückstellungen für Umweltschutzmaßnahmen
und Stilllegungskosten, Freimachungskosten und ähnliche Verpflichtungen als kurzfristig eingestuft wurden. Sofern
Unsicherheiten über die Fälligkeit bestehen, wurden die betroffenen Rückstellungen überwiegend als kurzfristig eingestuft
(betrifft im Wesentlichen die übrigen sonstigen Rückstellungen).
Seite 178 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
57
27. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeiten
2023 in Mio. EUR kurzfristig langfristigGesamt Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.225,2 0,0 1.225,2 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 102,2 0,0 102,2 davon gegenüber Dritten 1.123,0 0,0 1.123,0 Sonstige Verbindlichkeiten 570,9 18,5 589,4 davon Abgrenzung Bundeszuschüsse 289,9 0,0 289,9 davon Abgrenzungen Personal 88,6 0,0 88,6 davon aus betrieblichen Steuern 25,9 0,0 25,9 davon im Rahmen der sozialen Sicherheit 23,3 0,0 23,3 davon Ertragsteuerumlage 6,2 0,0 6,2 davon übrige sonstige Verbindlichkeiten 137,0 18,5 155,5 Gesamt 1.796,1 18,5 1.814,6
2022 in Mio. EUR kurzfristig langfristig Gesamt Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.126,50,01.126,5 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 181,5 0,0 181,5 davon gegenüber Dritten 945,0 0,0 945,0 Sonstige Verbindlichkeiten 967,0 19,9 986,9 davon Abgrenzung Bundeszuschüsse 737,9 0,0 737,9 davon Abgrenzungen Personal 81,9 0,0 81,9 davon aus betrieblichen Steuern 23,3 0,0 23,3 davon im Rahmen der sozialen Sicherheit 19,1 0,0 19,1 davon Ertragsteuerumlage 5,7 0,0 5,7 davon übrige sonstige Verbindlichkeiten 99,1 19,9 119,0Gesamt 2.093,5 19,9 2.113,4
In den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sind in der Höhe von rd. 51,9 Mio. EUR (Vj: rd. 61,8 Mio. EUR)
Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr enthalten, die aber aufgrund von IAS 1.70 trotzdem als
kurzfristig auszuweisen sind.
In den Abgrenzungen für Personal werden vor allem die Posten „Überstunden“ und „nicht konsumierte Urlaube“ in Höhe
von rd. 74,0 Mio. EUR (Vj: rd. 70,2 Mio. EUR) ausgewiesen.
Die übrigen sonstigen Abgrenzungen innerhalb der sonstigen Verbindlichkeiten enthalten im Wesentlichen abzugrenzende
Erträge aus Baurechts- und Mietverträgen über rd. 7,2 Mio. EUR (Vj: rd. 11,3 Mio. EUR).
Weitere Angaben zu der Abgrenzung Bundeszuschüsse finden sich in der Erläuterung 32.
Seite 179 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
58
C. SONSTIGE ANGABEN ZUM KONZERNABSCHLUSS
28. Eventualverbindlichkeiten und langfristige Verpflichtungen
28.1. Eventualverbindlichkeiten
2023 2022in Mio. EUR in Mio. EUR Eventualverbindlichkeiten 11,2 16,0 Gesamt 11,2 16,0
Die angegebenen sonstigen Eventualverbindlichkeiten betreffen Garantien und ungewisse Schulden, wobei der Umfang
der Mittelabflüsse vom künftigen Geschäftsverlauf abhängig ist.
28.2. langfristige Verpflichtungen
Der ÖBB Infrastruktur Konzern hat drei Strombezugsverträge mit Lieferanten abgeschlossen die Laufzeiten bis 2027, 2029
und 2042 haben wobei für einen Teil einer Bahnstromlieferungen läuft der Vertrag auf Bestandsdauer der Anlagen.
Insgesamt werden jährlich 170 MW im Rahmen dieser Verträge bezogen. Die Bewertung mit den relevanten Preisen zum
31.12.2023 oder den durchschnittlichen Preisen 2023 (falls diese für die Preisfindung relevant sind) hat eine
voraussichtliche Verpflichtung für 2024 in Höhe von rd. 215,4 Mio. EUR und bis zum Ende der Laufzeit eine
Gesamtverpflichtung in Höhe von rd. 768,9 Mio. EUR ergeben. Die Gesamtverpflichtung umfasst nicht den Jahresbetrag
in Höhe von rd. 68,3 Mio. EUR (Bestandsdauer der Anlagen), da nicht bekannt ist wie lange die Anlagen beim Lieferanten
noch in Betrieb sein werden. Diese Verpflichtungen schwankt mit der Strompreisentwicklung.
29. Finanzinstrumente
29.1. Risikomanagement
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern unterliegt Markt- (Zins- und Währungsrisiko), Kredit- (Bonität der Vertragspartner) und
Liquiditätsrisiken. Finanzielles Risikomanagement wird als Management von Marktrisiken angesehen und bedeutet die
ökonomisch orientierte Steuerung der Portfolios der Einzelgesellschaften im Hinblick auf die Entwicklung von Zinsen,
Währungen und Commodities. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern verwendet derivative Finanzinstrumente, um diese Risiken
wirtschaftlich abzusichern. Derivative Finanzinstrumente werden nur unter Bezugnahme auf ein Grundgeschäft
abgeschlossen.
Kernaufgabe des Risikomanagements ist die Identifizierung, Bewertung und Begrenzung finanzwirtschaftlicher Risiken.
Risikobegrenzung bedeutet nicht die völlige Ausschließung finanzieller Risiken, sondern eine sinnvolle Steuerung jederzeit
quantifizierter Risikopositionen innerhalb eines konkret vorgegebenen Handlungsrahmens.
Die ÖBB-Holding AG, die Finanzgeschäfte mit Ausnahme von Sicherungsinstrumenten für Commodities im Namen und
auf Rechnung der ÖBB-Infrastruktur AG und ihrer Tochterunternehmen nur nach deren Zustimmung und Auftrag
durchführt, hat ein risikoorientiertes Kontrollumfeld geschaffen, das unter anderem Richtlinien und Abläufe für die
Beurteilung von Risiken, die Genehmigung, das Berichtswesen und die Überwachung von Finanzinstrumenten umfasst.
An oberster Stelle steht bei sämtlichen Finanzaktivitäten der Schutz des Vermögens des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns.
29.2. Risikoarten
Finanzrisiken sind wie folgt definiert:
– 29.2.a. Zinsrisiko
– 29.2.b. Währungsrisiko
– 29.2.c. Kreditrisiko
– 29.2.d. Liquiditätsrisiko
– 29.4. Commodity-Risiken (Strompreisschwankungen)
Seite 180 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
59
29.2.a. Zinsrisiko
Risiken aus Zinssatzänderungen stellen Risiken für die Ertragskraft und den Wert des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns dar und
können in folgenden Erscheinungsformen auftreten:
– Zinszahlungsrisiko (erhöhter Zinsaufwand aufgrund der Marktentwicklung)
– Barwertrisiko (Wertänderung des Portfolios)
Risiken aus Marktzinsänderungen können das Finanzergebnis des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns aufgrund der gegebenen
Bilanzstruktur beeinflussen. Es gilt daher, mögliche Marktzinsschwankungen über ein bestimmtes Niveau hinaus zum
Beispiel mit dem Einsatz derivativer Finanzinstrumente einzuschränken, um deren Einfluss auf die Ergebnisentwicklung
gering zu halten.
Der Abschluss geeigneter derivativer Instrumente zum Management von Zinsrisiken (Zinsswaps) basiert auf
Portfolioanalysen und -empfehlungen seitens der ÖBB-Holding AG und entsprechenden Entscheidungen der
Gesellschaften des Teilkonzerns ÖBB-Infrastruktur AG. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern unterliegt Zinsrisiken hauptsächlich
in der Eurozone. Unter Berücksichtigung der gegebenen Schuldenstruktur werden bei Bedarf Zinsderivate eingesetzt, um
die Risikostrategie möglichst effizient umzusetzen.
Finanzinstrumente (kurz- und langfristig) Buchwert Financial In-31.12.2023 struments (siehe nichtzinssensitive fixverzinsliche variabel verzinsliche in Mio. EUR Erläuterung 29.5) Finanzinstrumente Finanzinstrumente Finanzinstrumente Finanzielle Vermögenswerte 263,6 79,1 184,5 0,0 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 281,5 281,5 0,0 0,0 Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 34,3 34,3 0,0 0,0 Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 25,3 0,0 0,0 25,3 Gesamt 604,7 394,9 184,5 25,3 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 262,2 62,2 103,9 25,2 Finanzverbindlichkeiten 29.153,2 617,5 28.241,8 293,9 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.216,9 1.216,9 0,0 0,0 sonstige Verbindlichkeiten 358,5 358,5 0,0 0,0 Gesamt 30.728,6 2.192,9 28.241,8 293,9 davon gegenüber dem Bund (OeBFA)11.916,4 0,0 11.916,4 0,0 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 396,4 102,5 0,0 293,9 Finanzinstrumente (kurz- und langfristig) Buchwert Financial In-31.12.2022 struments (siehe nichtzinssensitive fixverzinsliche variabel verzinsliche in Mio. EUR Erläuterung 29.5)Finanzinstrumente Finanzinstrumente Finanzinstrumente Finanzielle Vermögenswerte 716,5 528,8 187,7 0,0 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 166,9 166,9 0,0 0,0 Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 75,5 75,5 0,0 0,0 Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 32,4 0,0 0,0 32,4 Gesamt 991,3 771,2 187,7 32,4 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 199,6 62,2 106,0 31,4 Finanzverbindlichkeiten 26.703,2 609,6 24.840,7 1.252,9 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.123,2 1.123,2 0,0 0,0 sonstige Verbindlichkeiten 771,8 771,8 0,0 0,0 Gesamt 28.598,2 2.504,6 24.840,7 1.252,9 davon gegenüber dem Bund (OeBFA) 11.916,4 0,0 11.916,4 0,0 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 1.435,6 182,7 0,0 1.252,9
Bei den nichtzinssensitiven Finanzinstrumenten handelt es sich um unverzinste Posten.
Weltweit wird eine grundlegende Reform der wichtigsten Referenzzinssätze vorgenommen, einschließlich des Ersatzes
einiger „Interbank Offered Rates” (IBORs) durch alternative, nahezu risikofreie Zinssätze (als „IBOR-Reform” bezeichnet).
Es besteht Ungewissheit über den Zeitpunkt und die Methoden des Übergangs. Der EURIBOR ist weiterhin
uneingeschränkt als Referenzzins verwendbar. Dies ermöglicht es den Marktteilnehmern, den EURIBOR weiterhin für
bestehende Verträge zu verwenden. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern geht davon aus, dass der EURIBOR auf absehbare Zeit
(zumindest bis 2025) als Referenzzinssatz bestehen bleiben wird.
Seite 181 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
60
Keiner der aktuellen an EURIBOR-gebundenen Kreditverträge des Konzerns enthält angemessene und robuste
Rückfallklauseln für eine Einstellung des Referenzzinssatzes. Verschiedene Industriegruppen arbeiten an entsprechenden
Rückfallklauseln für unterschiedliche Instrumente und EURIBORs, die der Konzern gegebenenfalls umsetzen wird. Der
Konzern hat den Markt und die Ergebnisse der verschiedenen Industriearbeitsgruppen, die den Übergang zu den neuen
Referenzzinssätzen steuern, genau beobachtet. Dies schließt Ankündigungen der zuständigen Aufsichtsbehörden ein. Als
Reaktion werden laufende Abstimmungen mit den Geschäftsbanken, Gespräche mit den SAP-Berater:innen bezüglich
Abbildung der Rückfallklauseln sowie ein Austausch mit der Treasury-Interessensgemeinschaft vorgenommen.
Sensitivitätsanalyse Zinsrisiko
Zur Darstellung von Marktrisiken verlangt IFRS 7 Sensitivitätsanalysen, welche die Auswirkungen hypothetischer
Änderungen der Marktzinssätze auf das Ergebnis und das Eigenkapital zeigen. Die periodischen Auswirkungen werden
bestimmt, indem die hypothetischen Änderungen der Risikovariablen auf den Bestand der Finanzinstrumente zum
Abschlussstichtag angewendet werden. Dabei wird unterstellt, dass der Bestand zum Abschlussstichtag repräsentativ für
das Gesamtjahr ist.
Marktzinssatzänderungen von originären Finanzinstrumenten mit fester Verzinsung wirken sich nur dann auf das Ergebnis
aus, wenn diese zum beizulegenden Zeitwert bewertet sind. Demnach unterliegen alle zu fortgeführten
Anschaffungskosten bewerteten Finanzinstrumente mit fester Verzinsung keinen Zinsrisiken.
Marktzinssatzänderungen von originären, variabel verzinslichen Finanzinstrumenten, deren Zinszahlungen nicht im
Rahmen von Cashflow Hedges gegen Zinsänderungsrisiken gesichert sind, werden bei der Berechnung der
ergebnisbezogenen Sensitivitäten miteinbezogen.
Wirksamkeit in GuV
Sensitivitätsanalyse Zinsrisiko 31.12.2023 in Mio. EUR +100 Basispunkte -100 Basispunkte Vermögenswerte Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 0,6 -0,1 Schulden Finanzverbindlichkeiten -3,0 2,7
Wirksamkeit in GuV
Sensitivitätsanalyse Zinsrisiko 31.12.2022 in Mio. EUR +100 Basispunkte -100 Basispunkte Vermögenswerte Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 0,9 -0,1 Schulden Finanzverbindlichkeiten -12,5 12,5
Die in den Zahlungsmitteln ausgewiesenen Verrechnungssalden mit der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH haben bis
September 2022 einen Mindestzinssatz von 0%, Negativzinsen wurden nicht verrechnet.
Zum 31.12.2023 und zum 31.12.2022 bestehen keine Zinsderivate.
29.2.b. Währungsrisiko
Die Fremdwährungsrisiken des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns resultieren vorwiegend aus originären finanziellen
Verbindlichkeiten in Fremdwährung. Zum Abschlussstichtag unterlag der ÖBB-Infrastruktur-Konzern keinen wesentlichen
Risiken aus auf Fremdwährung lautenden Verbindlichkeiten.
Bei verbliebenen Positionen aus aufgelösten CBL-Transaktionen (betrifft auch die US-Dollar-Anleihen) werden nahezu alle
Zahlungsströme fristenkongruent in US-Dollar abgewickelt. Sofern es bei den Veranlagungen zu keinen Ausfällen kommt,
besteht somit kein Fremdwährungsrisiko.
Seite 182 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
61
Die nachfolgende Tabelle zeigt das Nettofremdwährungsrisiko:
20232022 Währungssensitive Finanzinstrumente in Mio. USDin Mio. USD Übrige finanzielle Vermögenswerte 89,0 87,0 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen -4,0 0,0 Übrige finanzielle Verbindlichkeiten -90,0 -95,0 -5,0 -8,0 abzgl. Devisentermingeschäfte -5,0 0,0 Nettofremdwährungsrisiko -10,0 -8,0
Sensitivitätsanalyse Währungsrisiko
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern war demnach in beiden Geschäftsjahren nur im geringen Umfang Währungsrisiken aus
ungesicherten Fremdwährungsverbindlichkeiten ausgesetzt. Wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar um 10%
aufgewertet (abgewertet) worden wäre, gäbe es zu beiden Bilanzstichtagen keine wesentlichen Ergebniseffekte.
29.2.c. Kreditrisiko
Das Kontrahentenrisiko erfasst das Schadenspotenzial aufgrund von Nichterfüllung finanzieller Verpflichtungen durch
Finanzpartner (vornehmlich Geldmarktgeschäfte, Veranlagungen, barwertig positive Derivate). Die dem
Kontrahentenrisiko-Management zugrunde liegenden und für jeden Finanzpartner individuell vergebenen Limits werden
täglich auf Einhaltung überprüft. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern unterhält Geschäftsbeziehungen nur zu Finanzpartnern,
die über ein definiertes Rating verfügen und für die eine objektive Risikoeinstufung des Kapitalmarkts vorliegt.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat ein Kontrahentenrisiko-Management eingeführt, bei dem die Limitermittlung und
Limitvergabe primär auf der Auswertung von Credit-Default-Swap-Daten der ÖBB-Holding-Konzern-Finanzpartner basiert.
Hierdurch ist eine schnelle Reaktion auf sich verändernde Risikoeinschätzungen des Kapitalmarkts hinsichtlich der
Finanzpartner sichergestellt. Die jeweils aktuellen Limits und deren Ausnutzung werden täglich überwacht, um auf
Marktstörungen zeitnah und risikoorientiert reagieren zu können.
Die finanziellen Vermögenswerte des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns umfassen hauptsächlich Zahlungsmittel und
Zahlungsmitteläquivalente, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, sonstige Forderungen und Wertpapiere. Diese
Positionen stellen die maximale Gefährdung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns durch das Ausfallsrisiko im Verhältnis zu den
finanziellen Vermögenswerten dar.
Dieses Kreditrisiko setzt sich wie folgt zusammen:
Bruttoexposure abzüglich Kreditrisiko aus finanziellen Finanzinstrumenten (Buchwert zuzüglich Sicherheiten (Fair in Mio. EUR Wertberichtigungen) Value) Nettoexposure Gesamtexposure 2023 Finanzielle Vermögenswerte 263,8 0,0 263,8 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 296,5 -40,8 255,7 Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 34,7 0,0 34,7 Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 25,3 0,0 25,3 Risiko lang- und kurzfristiger Vermögenswerte 620,3 -40,8 579,5 Kreditrisiko aus übernommenen Haftungen 11,2 -11,2 0,0 Gesamtkreditrisiko 31.12.2023 631,5 -52,0 579,5 Gesamtexposure 2022 Finanzielle Vermögenswerte 716,4 0,0 716,4 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 183,8 -3,1 180,7 Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 75,9 0,0 75,9 Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 32,4 0,0 32,4 Risiko lang- und kurzfristiger Vermögenswerte 1.008,4 -3,1 1.005,4 Kreditrisiko aus übernommenen Haftungen 16,0 0,0 16,0 Gesamtkreditrisiko 31.12.2022 1.024,4 -3,1 1.021,4
Hinsichtlich der Fälligkeit der Forderungen wird auf Erläuterung 0 verwiesen. Die Sicherheiten bei den Forderungen aus
Lieferungen und Leistungen bestehen aus Treuhandgeldern für Verwertungsobjekte.
Seite 183 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
62
29.2.d. Liquiditätsrisiko
Das übergeordnete Ziel im Bereich Finanzen im ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist die Sicherstellung des notwendigen
Liquiditätsspielraums für alle Gesellschaften des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Liquiditätsrisiko für den ÖBB-Infrastruktur-
Konzern bedeutet zudem jede Einschränkung der Verschuldungs- und Kapitalaufnahmefähigkeit (zum Beispiel durch eine
schlechtere Kreditbeurteilung einer Ratingagentur oder durch ein bankeninternes Rating) im Hinblick auf Volumen und
Konditionen für die Bereitstellung von finanziellen Mitteln, wodurch die Umsetzung der Unternehmensstrategie oder der
finanzielle Handlungsspielraum beeinträchtigt werden könnten.
Die Aufgabe liegt daher in der Analyse des Liquiditätsrisikos sowie in der konsequenten Sicherung der Liquidität (vor allem
durch Liquiditätsplanung, Vereinbarung ausreichender Kreditlinien und ausreichende Diversifizierung der Kreditgeber). Aus
den nachfolgenden Tabellen sind die vertraglich vereinbarten (undiskontierten) Zins- und Tilgungszahlungen der originären
und derivativen finanziellen Verbindlichkeiten ersichtlich. Die tatsächlich erwarteten Fälligkeiten weichen von den
vertraglich vereinbarten nicht ab.
Überleitung der Buchwerte auf originäre und finanzielle abzüglich Derivative Verbindlichkeiten Buchwert der Buchwert der Non Originäre finanzielle zum 31.12.2023 kurzfristigen langfristigen Financial Financial Finanzverbind-Verbind-in Mio. EUR Verbindlichkeiten Verbindlichkeiten Gesamt Instruments Instruments lichkeiten lichkeiten Anleihen 998,9 6.885,7 7.884,6 0,0 7.884,6 7.884,6 0,0 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 208,8 3.710,7 3.919,5 0,0 3.919,5 3.919,5 0,0 Verbindlichkeiten aus Finanzierungsleasing und CBL 16,0 224,1 240,1 0,0 240,1 240,1 0,0 Übrige Finanzverbindlichkeiten 889,1 16.219,9 17.109,0 0,0 17.109,0 16.953,2 155,7 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.225,2 0,0 1.225,2 8,3 1.216,9 1.216,9 0,0 Sonstige Verbindlichkeiten 570,9 18,5 589,4 230,9 358,5 358,5 0,0 3.908,9 27.058,9 30.967,8 239,2 30.728,6 30.572,8 155,7
Überleitung der Buchwerte auf originäre und finanzielle abzüglich Derivative Verbindlichkeiten Buchwert der Buchwert der Non Originäre finanzielle zum 31.12.2022 kurzfristigen langfristigen Financial Financial Finanzverbind-Verbind-in Mio. EUR Verbindlichkeiten Verbindlichkeiten GesamtInstruments Instruments lichkeiten lichkeiten Anleihen 1.000,0 7.883,3 8.883,3 0,0 8.883,3 8.883,3 0,0 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 9,13.919,2 3.928,30,0 3.928,3 3.928,3 0,0 Verbindlichkeiten aus Finanzierungsleasing und CBL 16,1 225,9 242,0 0,0 242,0 242,0 0,0 Übrige Finanzverbindlichkeiten 1.807,3 11.842,3 13.649,6 0,0 13.649,6 13.452,8 196,8 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.126,5 0,0 1.126,5 3,3 1.123,2 1.123,2 0,0 Sonstige Verbindlichkeiten 967,0 19,9 986,9 215,1 771,8 771,8 0,0 4.926,0 23.890,6 28.816,6 218,4 28.598,2 28.401,4 196,8 nicht Cashflows 2024 Cashflows 2025-2028 Cashflows 2029ff zahlungs-zu zahlungswirk- zu zahlungswirk- zu zahlungswirk- wirksame samen Buchwerten samen Buchwerten samen Buchwerten Buchwert Buchwerte Zinsen *) Tilgung *) Zinsen Tilgung Zinsen Tilgung in Mio. EUR 31.12.2023 31.12.2023 2024 2024 2025-2028 2025-2028 2029ff 2029ff Originäre finanzielle Verbindlichkeiten Anleihen 7.884,6 0,0 244,0 998,9 691,6 2.560,9 695,4 4.324,8 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.919,5 0,0 104,8 208,8 358,3 775,6 360,4 2.935,1 Finanzverbindlichkeiten Leasing und CBL 240,1 0,0 4,2 16,0 14,6 58,9 21,9 165,2 Übrige Finanzverbindlichkeiten 16.953,2 21,7 194,2 537,2 720,9 3.209,2 4.042,8 12.964,1 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.216,9 0,0 0,0 1.216,9 0,0 0,0 0,0 0,0 Sonstige Verbindlichkeiten 358,5 0,0 0,0 358,5 0,0 0,0 0,0 0,0 Summe 30.572,8 21,7 547,2 3.336,3 1.785,4 6.604,6 5.120,5 20.389,2
*) Die übrigen Finanzverbindlichkeiten enthalten vor allem Verbindlichkeiten aus abgegrenzten Zinszahlungen für Anleihen, übrige Finanzverbindlichkeiten gegenüber
dem Bund (OeBFA) und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten. Die tatsächlichen Zinszahlungen 2023 aus diesen abgegrenzten Verbindlichkeiten werden in
der Zeile Anleihen und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und nicht bei den übrigen Finanzverbindlichkeiten dargestellt.
Seite 184 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
63
nicht Cashflows 2023 Cashflows 2024-2027 Cashflows 2028ff zahlungs-zu zahlungswirk- zu zahlungswirk- zu zahlungswirk- wirksame samen Buchwerten samen Buchwerten samen Buchwerten Buchwert Buchwerte Zinsen *) Tilgung *) Zinsen Tilgung Zinsen Tilgung in Mio. EUR 31.12.2022 31.12.2022 2023 2023 2024-2027 2024-2027 2028ff 2028ff Originäre finanzielle Verbindlichkeiten Anleihen 8.883,3 0,0 266,5 1.000,0 794,7 3.557,2 836,3 4.326,1 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.928,3 0,0 104,8 9,1 387,3 575,2 437,2 3.344,0 Finanzverbindlichkeiten Leasing und CBL 242,0 0,0 4,2 16,1 14,7 55,8 23,9 170,1 Übrige Finanzverbindlichkeiten 13.452,8 24,9 85,6 1.443,7 326,5 1.879,5 3.054,4 9.934,3 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.123,2 0,0 0,0 1.061,4 0,0 61,8 0,0 0,0 Sonstige Verbindlichkeiten 771,8 0,0 0,0 771,8 0,0 0,0 0,0 0,0 Summe 28.401,4 24,9 461,1 4.302,1 1.523,2 6.129,5 4.351,8 17.774,5
*) Die übrigen Finanzverbindlichkeiten enthalten vor allem Verbindlichkeiten aus abgegrenzten Zinszahlungen für Anleihen, übrige Finanzverbindlichkeiten gegenüber
dem Bund (OeBFA) und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten. Die tatsächlichen Zinszahlungen 2022 aus diesen abgegrenzten Verbindlichkeiten werden in
der Zeile Anleihen und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und nicht bei den übrigen Finanzverbindlichkeiten dargestellt.
Die oben dargestellten Zinsen und Tilgungen der finanziellen Verbindlichkeiten beinhalten nicht jene aus Restpositionen
aus bereits aufgelösten Cross-Border-Leasing-Transaktionen in Höhe von rd. 21,7 Mio. EUR (Vj: rd. 24,9 Mio. EUR). Diesen
Tilgungen und Zinsen stehen gleichlautende Einnahmen gegenüber, welche im Cashflow mit Zinsen und Tilgungen der
finanziellen Verbindlichkeiten saldiert wurden, da die Zahlungen nicht über die Bankkonten des ÖBB-Infrastruktur-
Konzerns abgewickelt werden. Vielmehr werden die Einnahmen aus den Vermögenswerten vom Schuldner direkt an den
Gläubiger überwiesen.
Buchwertin Mio. EUR 31.12.2023 Cashflows 2024 Cashflows 2025–2028 Cashflows 2029ff Derivative finanzielle Verbindlichkeiten Stromderivate – Cashflow Hedges 76,4 129,3 112,6 0,0 Sonstige Derivate ohne Hedge-Beziehung 79,3 189,0 14,2 0,0 Gesamt 155,7 318,3 126,8 0,0 Finanzgarantien Sonstige Eventualverbindlichkeiten 11,2 4,5 2,0 4,7
Buchwertin Mio. EUR 31.12.2022 Cashflows 2023 Cashflows 2024–2027 Cashflows 2028ff Derivative finanzielle Verbindlichkeiten Stromderivate – Cashflow Hedges 6,0 0,0 50,9 0,0 Sonstige Derivate ohne Hedge-Beziehung 190,8 276,5 32,2 0,0 Gesamt 196,8 276,5 83,1 0,0 Finanzgarantien Sonstige Eventualverbindlichkeiten 16,05,15,55,4
Einbezogen wurden alle Finanzinstrumente, die am Abschlussstichtag im Bestand und für die bereits Zahlungen vertraglich
vereinbart waren. Planzahlen für zukünftige neue Schulden wurden bei den dargestellten künftigen Zahlungsströmen nicht
berücksichtigt. Fremdwährungsbeträge wurden jeweils mit dem Stichtagskurs umgerechnet.
Hinsichtlich der derivativen finanziellen Vermögenswerte ist von folgenden Auszahlungen auszugehen:
Buchwert in Mio. EUR 31.12.2023Cashflows 2024 Cashflows 2025–2028 Cashflows 2029ff Derivative finanzielle Vermögenswerte Stromderivate ohne Hedge-Beziehung 64,2 7,4 1,3 0,0 Stromderivate – Cashflow Hedges 10,1 25,3 29,8 0,0 Gesamt 74,4 32,7 31,1 0,0
Seite 185 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
64
Buchwert in Mio. EUR 31.12.2022 Cashflows 2023 Cashflows 2024–2027 Cashflows 2028ff Derivative finanzielle Vermögenswerte Stromderivate ohne Hedge-Beziehung 223,1 100,7 18,9 0,0 Stromderivate – Cashflow Hedges 295,7 64,5 133,4 0,0 Gesamt 518,8 165,2 152,3 0,0
29.3. Sicherungsmaßnahmen
Hedge Accounting
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern wendet Vorschriften zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen gemäß IFRS 9 (Hedge
Accounting) zur Sicherung von Bilanzposten und zukünftigen Zahlungsströmen an. Dies mindert Volatilitäten in der
Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Nach Art des abgesicherten Grundgeschäfts ist zwischen Fair Value Hedge und Cashflow
Hedge zu unterscheiden. Der ÖBB-Konzern wendet nur Cashflow Hedge an.
Bei Cashflow Hedges wird der effektive Teil der Wertänderung des Sicherungsinstruments zunächst im sonstigen Ergebnis
im Eigenkapital erfasst und zu dem Zeitpunkt, zu dem die erwarteten Zahlungsströme erfolgswirksam werden, in den
Gewinn oder Verlust umgegliedert. Demgegenüber erfolgt bei Fair Value Hedges eine erfolgswirksame Anpassung des
Buchwerts des gesicherten Grundgeschäfts um Marktwertschwankungen des gesicherten Risikos.
Die von IFRS 9 gestellten Anforderungen an die Anwendung des Hedge Accountings werden vom
ÖBB-Infrastruktur-Konzern wie folgt erfüllt:
Bei Beginn einer Sicherungsmaßnahme werden sowohl die Beziehung zwischen dem als Sicherungsinstrument
eingesetzten Finanzinstrument und dem Grundgeschäft als auch das Ziel der Absicherung dokumentiert. Dazu zählt
sowohl die konkrete Zuordnung der Sicherungsinstrumente zu den entsprechenden Vermögenswerten sowie Schulden
und geplanten Transaktionen als auch die Einschätzung des Wirksamkeitsgrades der eingesetzten Sicherungsinstrumente.
Bestehende Sicherungsmaßnahmen werden fortlaufend daraufhin überprüft, ob die Anforderungen an die Wirksamkeit
der Absicherung weiterhin erfüllt sind. Ist dies nicht der Fall und eine Rekalibrierung der Sicherungsbeziehung nicht
möglich oder läuft das Sicherungsinstrument aus oder wird veräußert oder beendet, dann wird die Hedge-Beziehung
beendet.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern führt auch Sicherungsmaßnahmen durch, die nicht die formalen Anforderungen des IFRS 9
erfüllen, jedoch gemäß den Grundsätzen des Risikomanagements wirtschaftlich effektiv zur Sicherung des finanziellen
Risikos beitragen.
29.4. Commodity-Risiken
Der Bereich Energieanlagenmanagement / Energiewirtschaft der ÖBB-Infrastruktur AG ist für die Beschaffung
leitungsgebundener Energieträger sowie energienaher Produkte (Emissionszertifikate, Herkunftsnachweise) im
ÖBB-Konzern zuständig. Sämtliche dieser Produkte werden entweder an interne oder externe Kunden geliefert oder zum
Betrieb des 16,7-Hz-Bahnstromnetzes herangezogen. Preisschwankungen dieser Produkte beeinflussen die Aufwände des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns bzw. des ÖBB-Konzerns und stellen somit ein Marktrisiko dar. Da rund zwei Drittel des
benötigten Bahnstroms und der gesamte Strom zur Versorgung der Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.) auf dem Strommarkt
beschafft werden, ist der ÖBB-Infrastruktur-Konzern von Strompreisvolatilität stark betroffen. Die
Risikomanagementstrategie sieht daher eine Preisabsicherung vor.
Ein wesentliches Risiko bei der Beschaffung von Energie besteht in der Schwankung der Marktpreise. Dies ist insbesondere
auch vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die Verkaufspreise für Bahnstrom sowie die Tarife für Betriebsanlagen für
jedes Kalenderjahr bereits im vierten Quartal vor Lieferbeginn fixiert oder die Tarife für die Bahnstromnetznutzung sogar
noch ein Jahr früher erstmalig verlautbart werden müssen. Daher ist es für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern besonders
relevant, die Preise im Vorfeld bereits abgesichert bzw. fixiert zu haben. Die Preisabsicherung erfolgt mittels des
Abschlusses von Forwards und Futures für die geplanten Einkaufsmengen für Bahnstrom, Verlustenergie und
Betriebsanlagen. Neben der Absicherung der Preise dient die Absicherung aber auch der Erhöhung der Planungssicherheit,
welche als Basis der Preiskalkulation notwendig ist.
Vor dem Hintergrund der Beschaffungsstrategien und zur Risikodiversifizierung wurde seitens des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns eine langfristige rollierende Beschaffung (Rolling Hedge) beschlossen. Der definierte
Beschaffungszeitraum variiert in Abhängigkeit von den gesicherten Grundgeschäften (bis zu drei Jahre für Energie). Durch
das Portfoliomanagement Energiewirtschaft muss zu definierten Zeitpunkten ein bestimmter Prozentsatz der zu
beschaffenden Menge (eine geforderte Eindeckung, die Soll-Einkaufsmenge) je Beschaffungsjahr eingekauft sein. Um die
Preiserwartung des Portfoliomanagements bei der Beschaffung einfließen zu lassen, wurde ein oberer und unterer
Seite 186 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
65
Mengenkorridor definiert. Abhängig von der Preiserwartung besteht die Möglichkeit, innerhalb des unteren und oberen
Korridors mehr oder weniger Menge als die Soll-Einkaufsmenge preislich abzusichern. Am Ende des
Beschaffungszeitraums entfällt dieser Korridor, das heißt, die Soll-Einkaufsmenge entspricht einer Eindeckung zu 100%.
29.4.1. Cashflow Hedges (CFH)
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat Stromgeschäfte (langfristige Beschaffungsverträge, Stromforwards und -futures
einkaufsseitig) abgeschlossen. Diese Stromgeschäfte dienen unter Berücksichtigung der Bewirtschaftung des
Erzeugungsportfolios und der langfristigen Einkaufsverträge der Absicherung des Strombeschaffungspreises für die
geplanten Einkaufsmengen. Die Termingeschäfte werden über den OTC-Markt (Forwards) getätigt. Die
Zahlungsstromänderungen der geplanten Stromeinkäufe, die sich durch die Änderung des Strompreises ergeben, werden
durch die Zahlungsstromänderungen der Forwards und Futures, die als Derivate nach IFRS 9 einzustufen waren,
ausgeglichen. Mit den Sicherungsmaßnahmen wird das Ziel verfolgt, die variablen Strompreise der geplanten
Stromeinkäufe zu fixieren. Insofern abgeschlossene Einkaufskontrakte durch gegenläufige Geschäfte geschlossen wurden,
nachdem die endgültigen Bezugskontrakte verhandelt worden waren, werden beide Geschäfte erfolgswirksam zum
beizulegenden Zeitwert bilanziert. Der bis zur Schließung im sonstigen Ergebnis erfasste Betrag wird bei Settlement des
Forwards in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung umgebucht (Betriebsanlagen geschlossen).
Bei als Cashflow Hedge designierten Strom-Forwards designiert die ÖBB-Infrastruktur AG nur die auf den European-
Energy-Exchange-Settlement-Preis bezogene Preiskomponente der erwarteten künftigen Beschaffung als gesichertes
Risiko. Mit der Strompreiszonentrennung ab dem 01.10.2018 in die Bereiche Deutschland und Österreich deckt das
Sicherungsgeschäft nicht mehr den Transportaufschlag ab.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern sichert rd. 1.200 GWh je Lieferjahr rollierend über einen Zeitraum von ein bis drei Jahren
für den Bezug von Bahnstrom und Verlustenergie sowie rd. 310 GWh für Betriebsanlagen ab.
Der Ausweis der Derivate mit einem positiven beizulegenden Zeitwert erfolgt je nach Laufzeitband in den kurzfristigen
oder langfristigen finanziellen Vermögenwerten (Erläuterung 18). Derivate mit einem negativen beizulegenden Zeitwert
werden je nach Laufzeitband in den kurzfristigen oder langfristigen Finanzverbindlichkeiten ausgewiesen (Erläuterung 25).
Stromderivate in Hedge-Beziehung Nominal Durchschnittlicher Beizulegender 31.12.2023 (Kontraktpreis) Ausübungspreis Zeitwert Laufzeitende Anzahl Forwards MWhin Mio. EUR in EUR in Mio. EUR Bestand 602 2.301.052 279,8 -66,2 davon Laufzeitende 2024 387 1.270.447 154,7 121,8 -40,1 davon Laufzeitende 2025 196 846.645 106,2 127,9 -23,9 davon Laufzeitende 2026 18 175.200 18,1 103,6 -2,1 davon Laufzeitende 2027 1 8.760 0,8 87,8 0,0
Stromderivate in Hedge-Beziehung Nominal Durchschnittlicher Beizulegender 31.12.2022 (Kontraktpreis)Ausübungspreis Zeitwert Laufzeitende Anzahl ForwardsMWh in Mio. EURin EUR in Mio. EUR Bestand 193 2.523.888 248,8 289,7 davon Laufzeitende 2023 63 1.058.040 64,5 61,0 185,7 davon Laufzeitende 2024 96 1.071.648 128,7 120,1 96,1 davon Laufzeitende 2025 34 394.200 55,6 141,1 7,9
Grundsätzlich erfolgt im Rahmen der Widmung eines Derivates als Sicherungsinstrument eine prospektive
Effektivitätsmessung sowie zu jedem Bilanzstichtag eine Überprüfung der Wirksamkeit der Sicherungsbeziehung und die
Ermittlung einer möglichen Ineffektivität. Die Messung der Ineffektivität erfolgt durch Vergleich der kumulierten
Änderungen des beizulegenden Zeitwerts der designierten Sicherungsinstrumente seit Designation der
Sicherungsbeziehung und der kumulierten Änderungen des beizulegenden Zeitwerts des gesicherten Grundgeschäfts in
Bezug auf das gesicherte Risiko. Zur Ermittlung der kumulierten Änderungen des beizulegenden Zeitwerts des gesicherten
Grundgeschäfts in Bezug auf das Risiko der Änderungen des European-Energy-Exchange-Settlement-Preises wird ein
hypothetisches Derivat gebildet.
Ineffektivitäten können sich daraus ergeben, dass den abgeschlossenen Beschaffungsgeschäften unter Umständen andere
Lastprofile zugrunde liegen und sich im Rahmen der Kaskadierung und Profilierung Mengenabweichungen ergeben
können, da sich das hypothetische Derivat in diesem Fall nicht ändert. Des Weiteren können Ineffektivitäten auftreten,
wenn das Kreditrisiko des Handelspartners stark von jenem der ÖBB-Infrastruktur AG abweicht. Darüber hinaus kann es
aufgrund von Verringerungen der Planeinkaufsmenge zu einer kurzfristigen Übersicherung kommen, die sich jedoch im
Zeitablauf wieder ausgleicht.
Seite 187 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
66
Die Marktwertermittlung der Stromeinkaufsforwards zum Bilanzstichtag erfolgt auf Basis von European-Energy-Exchange-
Futures-Notierungen (EEX-Notierung), die unter Heranziehen aktueller Zinskurven diskontiert werden. Die Marktwerte
oder Stromeinkaufsfutures entsprechen der EEX-Notierung.
Beträge, welche aus dem sonstigen Ergebnis in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung umgebucht werden, sind im
Materialaufwand, ebenso wie etwaige Ineffektivitäten erfasst.
Bei den geschlossenen Derivaten handelt es sich um Forwards für die Versorgung der Betriebsanlagen. Wenn die
Ausschreibung erfolgt bzw. die Vergabe erfolgt ist, wird die über den Forward ursprünglich gekaufte Menge durch einen
gegenläufigen Forward verkauft und somit glattgestellt. Die Umbuchung aus dem sonstigen Ergebnis in die Gewinn- und
Verlustrechnung erfolgt bei Lieferung.
Das kumulierte sonstige Ergebnis aus den Stromforwards, die als Cashflow Hedge designiert waren, stellt sich wie folgt
dar:
Weitere Erläuterungen zu den latenten Steuern finden sich in Erläuterung 13.
29.4.2. Sonstige Stromderivate
Die folgende Tabelle zeigt das Fristigkeitsband jener Forwards, die zwar zu Sicherungszwecken abgeschlossen werden,
aber unter anderem aufgrund der Schwankungen der Verbrauchsmenge nicht die formalen Anforderungen des IFRS 9 für
Cashflow Hedges erfüllen.
Anzahl Nominal-Durchschnittlicher Beizulegender Stromderivate Einkauf Forwards volumen Ausübungspreis Zeitwert ohne Hedge-Beziehungen 31.12.2023 Einkauf MWh in Mio. EUR in EUR in Mio. EUR Bestand 277 1.411.701 211,9 -75,9 davon Laufzeitende 2024 269 1.306.581 196,3 150,2 -71,7 davon Laufzeitende 2025 8 105.120 15,6 148,7 -4,2 Anzahl Nominal-Durchschnittlicher Beizulegender Stromderivate Einkauf Forwards volumen Ausübungspreis Zeitwert ohne Hedge-Beziehungen 31.12.2022 Einkauf MWh in Mio. EUR in EUR in Mio. EUR Bestand 744 1.884.344 423,9 41,6 davon Laufzeitende 2023 600 1.642.004 377,1 229,7 31,8 davon Laufzeitende 2024 143 233.580 45,4 194,4 9,8 davon Laufzeitende 2025 1 8.760 1,3 153,0 0,1 Anzahl Nominal-Durchschnittlicher Beizulegender Stromderivate Verkauf Forwards volumen Ausübungspreis Zeitwert ohne Hedge-Beziehungen 31.12.2023 Verkauf MWh in Mio. EUR in EUR in Mio. EUR Bestand 53 1.275.435 175,9 60,8 davon Laufzeitende 2024 52 1.179.075 165,3 -140,2 59,5 davon Laufzeitende 2025 1 96.360 10,6 -109,8 1,3
Stromforwards in Mio. EUR CFH CFH geschlossen OCI gesamt Latente Steuern OCI nach Steuern Stand 31.12.2021 283,0 6,2 289,2 72,3 216,9 Bahnstrom 204,7 0,0 204,7 51,2 153,6 Betriebsanlagen 57,2 0,0 57,2 14,3 42,9 Betriebsanlagen geschlossen -59,5 59,5 0,0 0,0 0,0 Umbuchung GuV 2022 -195,7 -4,9 -200,6 -54,8 -145,8 Stand 31.12.2022 289,7 60,8 350,5 83,0 267,5 Bahnstrom -149,5 0,0 -149,5 -35,9 -113,7 Betriebsanlagen -24,7 0,0 -24,7 -5,9 -18,8 Betriebsanlagen geschlossen 4,3 -4,3 0,0 0,0 0,0 Umbuchung GuV 2023 -185,9 -52,5 -238,4 -55,5 -183,0 Stand 31.12.2023 -66,2 4,0 -62,2 -14,3 -47,9
Seite 188 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
67
Anzahl Nominal-Durchschnittlicher Beizulegender Stromderivate Verkauf Forwards volumen Ausübungspreis Zeitwert ohne Hedge-Beziehungen 31.12.2022 Verkauf MWh in Mio. EUR in EUR in Mio. EUR Bestand 84 1.553.158 359,9 -4,8 davon Laufzeitende 2023 65 1.375.426 318,9 231,9 -6,5 davon Laufzeitende 2024 19 177.732 41,1 231,1 1,7
Der Ausweis der Derivate mit einem positiven beizulegenden Zeitwert erfolgt in den kurzfristigen finanziellen
Vermögenwerten (Erläuterung 18). Derivate mit einem negativen beizulegenden Zeitwert werden in den
Finanzverbindlichkeiten ausgewiesen (Erläuterung 25). Veränderungen des beizulegenden Zeitwertes der Stromderivate
ohne Hedge-Beziehung werden in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung im sonstigen Finanzergebnis erfasst.
29.4.3. Sensitivitäten Stromderivate
Eine Erhöhung beziehungsweise Reduktion des Strompreises um 10% bei gleichbleibender Einschätzung des Kreditrisikos
und der Zinskomponente würde zu einer Erhöhung bzw. Reduktion des sonstigen Ergebnisses um rd. 6,6 Mio. EUR
(Vj: rd. 29,0 Mio. EUR) und einer Erhöhung bzw. Reduktion des Finanzertrages in der Gewinn- und Verlustrechnung in
Höhe von rd. 1,5 Mio. EUR (Vj: rd. 3,7 Mio. EUR) führen. Diese Beträge sind vor der Berücksichtigung von Ertragsteuern.
29.5. Zusätzliche Angaben gemäß IFRS 7
Kapitalmanagement
Die finanzwirtschaftliche Steuerung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zielt auf die Erhaltung einer hervorragenden
Bonitätseinstufung ab. Aufgrund der speziellen Situation und der gesetzlich festgelegten Aufgabe des Unternehmens,
aber auch aufgrund der Vereinbarung mit der öffentlichen Hand, Infrastrukturaufwendungen (sowohl Errichtung als auch
Betrieb und Instandhaltung), die nicht in der Ertragskraft des Unternehmens Deckung finden, zu bezuschussen, erfolgt die
Steuerung der Kapitalstruktur vor allem mit Kennzahlen, welche die Verschuldung messen, und mit den jeweiligen
Planwerten verglichen werden. Grundsätzlich wird der Finanzierungsbedarf im jährlich stattfindenden Planungsprozess
ermittelt, wobei die Tilgungen der nächsten Jahre, die geplanten Investitionen, die vom Bund geleisteten Zuschüsse sowie
der operative Cashflow berücksichtigt werden. Der sich daraus ergebende Finanzierungsbedarf wird kurzfristig über
Kreditlinien bzw. den konzerninternen Cashpool sowie langfristig durch externe Finanzierungen gedeckt. Das
Unternehmen definiert Eigenkapital als Grundkapital, Rücklagen, erwirtschaftetes Ergebnis. Das gemanagte Eigenkapital
beträgt zum 31.12.2023 rd. 1.362,3 Mio. EUR (Vj: rd. 1.793,3 Mio. EUR).
Zusätzliche Angaben zu den Finanzinstrumenten
Zahlungsmittel, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige finanzielle Forderungen haben überwiegend
kurze Restlaufzeiten. Daher entsprechen deren Buchwerte zum Abschlussstichtag näherungsweise den beizulegenden
Zeitwerten. Die beizulegenden Zeitwerte von sonstigen langfristigen Forderungen entsprechen den Barwerten der mit den
Vermögenswerten verbundenen Zahlungen unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Zinsparameter.
Die bilanzierten Werte der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige finanzielle Verbindlichkeiten
stellen näherungsweise die beizulegenden Zeitwerte dar. Langfristige sonstige Forderungen und Vermögenswerte oder
langfristige sonstige Verbindlichkeiten und Schulden sind im Wesentlichen Non-Financial Instruments. Die beizulegenden
Zeitwerte von Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und sonstige finanzielle Verbindlichkeiten werden als Barwerte
der mit den Schulden verbundenen Zahlungen unter Zugrundelegung der jeweils gültigen Zinskurve ermittelt. In der
untenstehenden Überleitungsrechnung werden die Non-Financial Instruments und die Finanzinstrumente aus Hedge
Accounting in einer eigenen Spalte dargestellt, um eine Überleitung zum Buchwert des Bilanzpostens zu ermöglichen.
Die bei den jeweiligen Bilanzposten angegebenen beizulegenden Zeitwerte in den nachstehenden Tabellen beziehen sich
nur auf die Finanzinstrumente. Alle finanziellen Vermögenswerte und Schulden werden mit Ausnahme der Position
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente (Cash) und der emittierten Anleihen mit einer ISIN-Nummer, die in den
Finanzverbindlichkeiten ausgewiesen werden, durchgängig gemäß Level 2 bewertet. Level-2-Bewertungen beruhen auf
anderen Eingangsparametern als die auf Stufe 1 enthaltenen notierten Preise, die für den Vermögenswert oder die Schuld
entweder unmittelbar oder mittelbar am Markt beobachtbar sind. Bei langfristigen Finanzinstrumenten findet die
Bewertung aufgrund abgezinster Zahlungsströme statt.
Für die angegebenen beizulegenden Zeitwerte der emittierten Anleihen mit einer ISIN-Nummer in Höhe von
rd. 8.040,9 Mio. EUR (Vj: rd. 8.802,1 Mio. EUR) werden Marktpreise herangezogen. Davon liegen für
rd. 7.882,0 Mio. EUR (Vj: rd. 8.802,1 Mio. EUR) unangepasste notierte Preise vor (Level-1-Bewertung). Für
rd. 158,9 Mio. EUR (Vj: rd. 0,0 Mio. EUR) wurden die Barwerte errechnet, da keine Marktnotierung verfügbar war.
Level-1-Bewertungen sind solche, die sich aus notierten Preisen (unangepasst) auf aktiven Märkten für identische
finanzielle Vermögenswerte oder Schulden ergeben. Die Quelle für die Notierungen ist Bloomberg. Die Anleihen wurden
Seite 189 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
68
über die Börsen in Luxemburg und Wien begeben. Der beizulegende Zeitwert der Anleihen mit CUSIP-Nummern, die 2015
erstmals begeben wurden, beträgt rd. 58,0 Mio. EUR (Vj: rd. 57,6 Mio. EUR). Diese wurden mit einem Bewertungsmodell,
das auf Marktparametern basiert, gemäß Level 2 bewertet.
abzüglich zu Finanzielle Vermögenswerte Non-Financial zwingend fortgeführten Hedge zum 31.12.2023 Financial Instru-FVtPL EK-zum Anschaffungs-Accoun-Fair in Mio. EUR Buchwert Instruments mentsInstrumente FVtPL kostenCash tingLeasing ValueLangfristige Vermögenswerte Finanzielle Vermögenswerte 181,9 0,0 181,9 1,0 0,0 82,1 0,0 0,4 99,4 186,1 Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 70,5 69,8 0,7 0,0 0,0 0,7 0,0 0,0 0,0 0,7 Kurzfristige Vermögenswerte Finanzielle Vermögenswerte 81,7 0,0 81,7 0,0 64,2 7,8 0,0 9,7 4,5 81,7 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 311,0 29,5 281,5 0,0 0,0 281,5 0,0 0,0 0,0 281,5 Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 282,2 248,6 33,6 0,0 0,0 33,6 0,0 0,0 0,0 33,6 Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 25,3 0,0 25,3 0,0 0,0 0,0 25,3 0,0 0,0 25,3 Summe Buchwert je Kategorie 1,0 64,2 405,7 25,3 10,1 103,9
At Fair Value abzüglich through Profit Finanzverbindlichkeiten zum Non-At and Loss 31.12.2023 Financial Financial Amortised (Held for Hedge in Mio. EUR Buchwert InstrumentsInstruments Cost Trading) Accounting Leasing Fair Value *) Langfristige Verbindlichkeiten Finanzverbindlichkeiten 27.040,4 0,0 27.040,4 26.789,8 0,0 26,5 224,1 25.173,4 Sonstige Verbindlichkeiten 18,5 18,5 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 Kurzfristige Verbindlichkeiten Finanzverbindlichkeiten 2.112,8 0,0 2.112,8 1.967,6 79,3 49,9 16,0 2.112,8 Verbindlichkeiten aus 0,0 Lieferungen und Leistungen 1.225,2 8,3 1.216,9 1.216,9 0,0 0,0 1.216,9 Sonstige Verbindlichkeiten 570,9 212,4 358,5 358,5 0,0 0,0 0,0 358,5 Summe Buchwert je Kategorie 30.332,8 79,3 76,4 240,1
*) Die angegebenen Fair Values zu den Finanzverbindlichkeiten enthalten keine Werte für die Leasingverbindlichkeiten.
Seite 190 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
69
abzüglich zu Finanzielle Vermögenswerte Non-Financial zwingend fortgeführten Hedge zum 31.12.2022 Financial Instru-FVtPL EK-zum Anschaffungs-Accoun-Fair in Mio. EUR Buchwert Instruments ments Instrumente FVtPL kosten Cash ting Leasing Value Langfristige Vermögenswerte Finanzielle Vermögenswerte 301,1 0,0 301,1 1,5 0,0 87,9 0,0 110,0 101,7 302,6 Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 77,6 77,0 0,6 0,0 0,0 0,6 0,0 0,0 0,0 0,6 Kurzfristige Vermögenswerte Finanzielle Vermögenswerte 415,4 0,0 415,4 0,0 223,1 2,3 0,0 185,7 4,3 415,4 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 189,8 22,9 166,9 0,0 0,0 166,9 0,0 0,0 0,0 166,9 Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 351,2 276,3 74,9 0,0 0,0 74,9 0,0 0,0 0,0 74,9 Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 32,4 0,0 32,4 0,0 0,0 0,0 32,4 0,0 0,0 32,4 Summe Buchwert je Kategorie 1,5 223,1 332,6 32,4 295,7 106,0
At Fair Value abzüglich through Profit Finanzverbindlichkeiten zum Non-At and Loss 31.12.2022 Financial Financial Amortised (Held for Hedge Fair in Mio. EUR Buchwert Instruments Instruments Cost Trading) Accounting Leasing Value *) Langfristige Verbindlichkeiten Finanzverbindlichkeiten 23.870,7 0,0 23.870,7 23.638,8 0,0 6,0 225,9 20.654,2 Sonstige Verbindlichkeiten 19,9 19,9 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 Kurzfristige Verbindlichkeiten Finanzverbindlichkeiten 2.832,5 0,0 2.832,5 2.625,6 190,8 0,0 16,1 2.816,0 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.126,5 3,3 1.123,2 1.123,2 0,0 0,0 0,0 1.123,2 Sonstige Verbindlichkeiten 967,0 195,2 771,8 771,8 0,0 0,0 0,0 771,8 Summe Buchwert je Kategorie 28.159,4 190,8 6,0 242,0
*) Die angegebenen Fair Values zu den Finanzverbindlichkeiten enthalten keine Werte für die Leasingverbindlichkeiten.
Saldierung von Finanzinstrumenten
Gemäß den Regelungen des IFRS 7.13C sind die in der Bilanz tatsächlich durchgeführten Saldierungen und potenziellen
Aufrechnungsbeträge darzustellen. Da keine Vereinbarungen betreffend tatsächlicher Saldierungen bestehen, werden in
den nachfolgenden Tabellen nur die potenziellen Aufrechnungsbeträge aus Stromderivaten aufgrund von
Nettingvereinbarungen und sonstigen Vereinbarungen mit Vertragspartnern dargestellt:
potenzielle Per 31.12.2023 Buchwerte brutto Aufrechnungsbeträge, die nicht Nettobeträge nach in Mio. EUR gebucht in der Bilanz saldiert werden potenzieller Saldierung Stromderivate Aktiv 64,2 -20,6 43,6 Stromderivate Passiv -79,3 20,6 -58,7 potenzielle Per 31.12.2022 Buchwerte brutto Aufrechnungsbeträge, die nicht Nettobeträge nach in Mio. EUR gebucht in der Bilanz saldiert werden potenzieller Saldierung Stromderivate Aktiv 223,1-59,7 163,4 Stromderivate Passiv -186,3 59,7 -126,6
Erläuterungen zur Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung und zur Konzern-Bilanz
Die Zinsergebnisse, die nicht aus Finanzinstrumenten nach den Kategorien des IFRS 9 resultieren, setzen sich insbesondere
aus der Aufzinsung von sonstigen Rückstellungen zusammen.
Seite 191 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
70
Nettofinanzergebnisse nach Bewertungsklassen
Das Nettoergebnis, unterteilt nach Bewertungsklassen, ist aus nachfolgender Aufstellung zu entnehmen:
Ergebnis aus der Folgebewertung
31.12.2023 zum Fair Währungs-Ergebnis aus Ergebnis aus in Mio. EUR Zinsergebnis Value umrechnung dem Abgang Beteiligungen Sonstiges Financial Assets measured at amortised cost (FAAC) 6,2 0,0 2,8 0,0 0,0 -2,4 FVtPL (EK-Instrumente) 0,0 0,0 0,0 -0,1 0,0 0,0 Financial Instruments measured at FVtPL (Pflichtansatz) 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 4,9 Financial Liabilities measured at Amortised Cost (FLAC) *) -422,8 0,0 -2,9 0,0 0,0 0,0
*) In den Zinsaufwendungen sind Negativzinsen aus Darlehen in Höhe von rd. 9,7 Mio. EUR saldiert.
Ergebnis aus der Folgebewertung
31.12.2022 zum Fair Währungs-Ergebnis aus Ergebnis aus in Mio. EUR Zinsergebnis Value umrechnung dem Abgang Beteiligungen Sonstiges Financial Assets measured at amortised cost (FAAC) 10,8 0,0 8,5 0,0 0,0 1,0 FVtPL (EK-Instrumente) 0,0 0,2 0,0 0,0 0,0 0,0 Financial Instruments measured at FVtPL (Pflichtansatz) 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 -44,0 Financial Liabilities measured at Amortised Cost (FLAC) *) -369,1 0,0 -8,3 2,4 0,0 0,0
*) In den Zinsaufwendungen sind Negativzinsen aus Darlehen in Höhe von rd. 8,8 Mio. EUR saldiert.
Die im Beteiligungsergebnis enthaltenen Beträge betreffen ausschließlich Dividenden.
Das Zinsergebnis aus finanziellen Verbindlichkeiten der Bewertungsklasse „Financial Liabilities Measured at Amortised Cost”
schließt im Wesentlichen Zinsaufwendungen aus Anleihen, sonstigen Finanzverbindlichkeiten und Krediten sowie
Restbeträge aus aufgelösten Cross-Border-Leasing-Transaktionen ein. Die übrigen Komponenten des Nettoergebnisses
erfasst der ÖBB-Infrastruktur-Konzern im sonstigen Finanzaufwand bzw. im sonstigen Finanzertrag. Der nach der
Effektivzinsmethode berechnete Gesamtzinsertrag beträgt rd. 6,2 Mio. EUR (Vj: rd. 10,8 Mio. EUR).
Erträge aus Wertberichtigungen von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstigen Forderungen und
Vermögenswerten in Höhe von rd. 1,4 Mio. EUR (Vj: rd. 0,9 Mio. EUR) sind nicht im Nettofinanzergebnis, sondern im
operativen Ergebnis enthalten. Nähere Informationen dazu gibt Erläuterung 0.
29.6. Derivative Finanzinstrumente
In den nachfolgenden Tabellen sind die bilanzierten beizulegenden Zeitwerte sämtlicher derivativer Finanzinstrumente
dargestellt. Dabei wird unterschieden, ob diese in eine wirksame Sicherungsbeziehung gemäß IFRS 9 (Cashflow Hedge)
eingebunden sind oder nicht.
Vermögenswerte Schulden Buchwerte Buchwerte Buchwerte Buchwerte in Mio. EUR 31.12.2023 31.12.2022 31.12.2023 31.12.2022 Stromderivate ohne Hedge-Beziehung 64,2 223,1 79,3 186,3 Cashflow Hedges 10,1 295,7 76,4 6,0 Sonstige Derivate ohne Hedge-Beziehung 0,0 0,0 0,0 4,5 Summe 74,3 518,8 155,7 196,8
Die sonstigen Derivate ohne Hedge-Beziehung zum 31.12.2022 betreffen Swaps im Zusammenhang mit der Restposition
einer aufgelösten Cross-Border-Leasing-Transaktion, welche im Jänner 2023 beendet wurde. Im Geschäftsjahr 2023
abgeschlossene Devisentermingeschäfte zur Absicherung der offenen Restpositionen der aufgelösten CBL-Transaktionen
hatten zum 31.12.2023 keinen wesentlichen beizulegenden Zeitwert.
Seite 192 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
71
29.7. Fair Value-Hierarchie
Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie die beizulegenden Zeitwerte jener Vermögenswerte und Schulden ermittelt wurden,
die zum beizulegenden Zeitwert bilanziert werden, wobei eine Klassifizierung in eine dreistufige Hierarchie die Marktnähe
der in die Ermittlung eingehenden Daten widerspiegelt.
31.12.2023 in Mio. EUR Level 1 Level 2 Level 3Summe Derivate unter Hedge Accounting 0,1 10,0 0,0 10,1 Derivate ohne Hedge-Beziehung 0,0 64,2 0,0 64,2 Eigenkapitalinstrumente 0,0 0,0 1,4 1,4 Finanzielle Vermögenswerte 0,1 74,2 1,4 75,7 Derivate unter Hedge Accounting 0,0 76,4 0,0 76,4 Derivate ohne Hedge-Beziehung 0,0 79,3 0,0 79,3 Finanzielle Schulden 0,0 155,7 0,0 155,7 31.12.2022 in Mio. EUR Level 2 Level 3Summe Derivate unter Hedge Accounting 295,7 0,0 295,7 Derivate ohne Hedge-Beziehung 223,1 0,0 223,1 Eigenkapitalinstrumente 0,0 1,5 1,5 Finanzielle Vermögenswerte 518,8 1,5 520,3 Derivate unter Hedge Accounting 6,0 0,06,0 Derivate ohne Hedge-Beziehung 190,8 0,0 190,8 Finanzielle Schulden 196,8 0,0 196,8
Die verschiedenen Levels wurden wie folgt bestimmt:
Level 1:
Notierte Preise (unangepasst) finden sich auf einem aktiven Markt für identische Finanzinstrumente.
Level 2:
Es wurden andere Parameter als jene in Ebene 1, die für das Finanzinstrument beobachtbar sind (entweder
direkt, das heißt als Preise, oder indirekt, das heißt abgeleitet aus Preisen), verwendet. Es wurden diesbezüglich
Discounted-Cashflow-Modelle für die Bewertung herangezogen, welche auf beobachtbaren Marktparametern
(z.B. Marktzinssätze, etc.) beruhen. Forwards im Strombereich werden zu Marktpreisen (EEX) angepasst um
Kreditrisiken und Zinskomponenten bewertet.
Level 3:
Es wurden Parameter verwendet, die nicht ausschließlich auf beobachtbaren Marktdaten basieren.
Transfers zwischen den einzelnen Ebenen fanden nicht statt. Hinsichtlich weiterer Details zu diesen Finanzinstrumenten
wird auf Erläuterung 29.1. verwiesen.
30. Leasingtransaktionen
30.1. Leasinggeber
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist Eigentümerin der Schieneninfrastruktur sowie des weitaus überwiegenden Teiles der
Immobilien im ÖBB-Konzern.
Bei den an Dritte vermieteten Vermögenswerten handelt es sich einerseits um als Finanzinvestition gehaltene Immobilien
(IAS 40) und andererseits um Gebäude, die teilweise vermietet werden, deren Anteil aber nicht überwiegend ist und die
daher nicht unter IAS 40 fallen oder gesondert ausgewiesen werden können. Der weitaus überwiegende Teil der
Mietverhältnisse ist kündbar. Die Infrastruktur, die der Rail Cargo Austria AG, der ÖBB-Personenverkehr AG und anderen
Bahnbetreibern zur Nutzung gegen Entgelt zur Verfügung gestellt wird, wird auf Basis einer aktuellen Preisliste (gefahrene
Kilometer oder transportierte Bruttotonnen) verrechnet, weshalb es sich dabei nicht um ein Leasing-, sondern um ein
Dienstleistungsverhältnis handelt.
Seite 193 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
72
Es gibt in beiden Berichtsjahren rd. 26.000 Mietverträge, die überwiegend unbefristet und unter Einhaltung einer
Kündigungsfrist von maximal sechs Monaten aufgelöst werden könnten. Davon sind rd. 4.000 (Vj: rd. 4.000) externe
befristete Mietverträge, die zwischen 2023 und 2112 (Vj: 2022 und 2112) enden, und innerhalb des ÖBB-Konzerns 66
(Vj: 28) Verträge, die zwischen 2023 und 2114 (Vj: 2022 und 2114) enden, wobei es sich bei den langfristigen Verträgen
um eingeräumte Baurechte an Grund und Boden handelt, welche als operatives Leasing klassifiziert wurden. Die bedingten
Mieterträge beziehen sich ausschließlich auf Mietverträge und sind gegenüber Dritten und nicht mit Konzerngesellschaften
abgeschlossen.
Da es sich bei den vermieteten Objekten mit Ausnahme der als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien um nicht
abtrennbare Teilflächen von Gebäuden wie beispielsweise Bahnhöfe handelt, ist eine Angabe der Buchwerte weder
zielführend noch möglich.
Operatives Leasing
Die undiskontierten Mindestleasingzahlungen aus den befristeten operativen Leasingverträgen an den Bilanzstichtagen
betragen:
31.12.2023 in Mio. EUR Gesamt bis zu 1 Jahr 1 bis 5 Jahre mehr als 5 Jahre Grundstücke und Bauten 904,1 58,9 141,4 703,8 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 90,41,2 4,6 84,6 Fahrpark 9,7 4,3 5,3 0,1 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 8,3 3,7 4,5 0,1 31.12.2022 in Mio. EUR Gesamt bis zu 1 Jahr 1 bis 5 Jahre mehr als 5 Jahre Grundstücke und Bauten 694,4 51,0 121,0 522,4 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 84,5 1,3 4,2 79,0 Fahrpark 8,1 3,2 4,8 0,1 davon gegenüber verbundenen Unternehmen 7,1 2,8 4,2 0,1
An bedingten Mietzahlungen wurden im Jahr 2023 rd. 9,9 Mio. EUR (Vj: rd. 9,2 Mio. EUR) ertragswirksam erfasst.
Finanzierungsleasing
Die nachfolgende Tabelle stellt eine Fälligkeitsanalyse der Leasingforderungen dar und zeigt die nach dem Bilanzstichtag
zu erhaltenden nicht diskontierten Leasingzahlungen.
Für den 31.12.2023 Mindestleasing-Enthaltener Netto-in Mio. EUR zahlungen Zinsertrag investitionen bis zu 1 Jahr 6,7 -2,2 4,5 1 bis 5 Jahre 26,7 -7,9 18,8 mehr als 5 Jahre 93,5 -12,9 80,6 Summe der Mindestleasingzahlungen 126,9 -23,0 103,9 Für den 31.12.2022 Mindestleasing-Enthaltener Netto-in Mio. EUR zahlungen Zinsertrag investitionen bis zu 1 Jahr 6,6 -2,3 4,3 1 bis 5 Jahre 26,1 -8,1 18,0 mehr als 5 Jahre 98,1 -14,4 83,7 Summe der Mindestleasingzahlungen 130,8 -24,8 106,0
Im Geschäftsjahr 2023 und 2022 sind unter den finanziellen Vermögenswerten Finanzierungsleasingforderungen aus dem
Sub-Lease-Vertrag mit anderen Gesellschaften des ÖBB-Konzerns zur Immobilie in der Lassallestraße in Höhe von
rd. 103,9 Mio. EUR (Vj: rd. 106,0 Mio. EUR) enthalten.
Seite 194 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
73
30.2. Leasingnehmer
Nutzungsrechte
Die Leasingverträge betreffen hauptsächlich Gebäude. Die Leasingverträge haben eine maximale Laufzeit bis 2039. Die
Nutzungsrechte werden als Sachanlagen dargestellt (Erläuterung 14). Für Leasingverträge wird der vereinbarte Zeitraum,
für den ein Kündigungsverzicht oder eine Verlängerungsoption besteht, zur Schätzung der Laufzeit des Leasingvertrages
herangezogen. Bei unbefristet abgeschlossenen Verträgen für die bei einer Kündigung ein wesentlich wirtschaftlicher
Nachteil entstehen würde, wird die Leasinglaufzeit geschätzt.
Leasingverbindlichkeiten
Die folgende Tabelle stellt eine Fälligkeitsanalyse der Leasingverbindlichkeiten dar und zeigt die nach dem Bilanzstichtag
zu zahlenden nicht diskontierten Leasingzahlungen.
Für den 31.12.2023 Mindestleasing-Enthaltener in Mio. EUR zahlungenZinsaufwand Barwert 2024 20,2 -4,2 16,0 2025 bis 2028 73,6 -14,6 59,0 nach 2028 187,0 -21,9 165,1 Summe 280,8 -40,7 240,1 Für den 31.12.2022 Mindestleasing-Enthaltener in Mio. EUR zahlungenZinsaufwand Barwert 2023 20,3 -4,2 16,1 2024 bis 2027 70,5 -14,7 55,8 nach 2027 194,0 -23,9 170,1 Summe 284,8 -42,8 242,0
In der Konzern-Gewinn- und Verlust-Rechnung erfasste Beträge
in Mio. EUR 2023 2022 Zinsaufwendungen für Leasingverbindlichkeiten 4,3 2,3 Aufwendungen für kurzfristige Leasingverhältnisse 0,5 0,6 Aufwendungen für Leasingverhältnisse über einen Vermögenswert von geringem Wert 0,4 0,4 Abschreibungen auf Nutzungsrechte 10,3 10,3 Ertrag aus der Untervermietung oder Subleasing von Nutzungsrechten 6,5 0,7 In der Konzern-Geldflussrechnung erfasste Beträge in Mio. EUR 2023 2022 Gesamter Zahlungsmittelabfluss für Leasingverhältnisse 14,9 11,2 davon Tilgungsanteil 12,9 9,9 davon Zinsanteil 2,0 1,3
Die gesamten Zahlungsmittelabflüsse setzen sich aus Zinsen und Tilgung zusammen, wobei die Tilgungen im
Finanzierungs- und die Zinsen im operativen Cashflow dargestellt sind. Zahlungen für kurzfristige Leasingverhältnisse und
für Leasingverhältnisse über Vermögenswerte mit geringen Werten werden im operativen Cashflow dargestellt.
Verlängerungsoptionen
Einige Immobilienmietverträge enthalten Verlängerungsoptionen, die bis zu einem Jahr vor Ablauf der unkündbaren
Vertragslaufzeit vom Konzern ausübbar sind. Der Konzern beurteilt am Bereitstellungsdatum und erneut bei Eintritt einer
signifikanten Änderung von Umständen, ob die Ausübung der Verlängerungsoption hinreichend sicher ist. Die
Leasingverträge enthalten keine besonderen Beschränkungen oder Zusagen.
Seite 195 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
74
30.3. Cross-Border-Leasing-Verträge
Die letzte offene Cross-Border-Leasing-Transaktion (CBL-Transaktion) über Infrastrukturanlagen und Rollmaterial wurde im
Jahr 2022 beendet. Aus der Beendigung dieser sowie einer Transaktion aus Vorjahren bestehen Ansprüche gegenüber
verbundenen Tochterunternehmen des übrigen ÖBB-Konzerns in Höhe von rd. 0,6 Mio. EUR (Vj: rd. 7,5 Mio. EUR).
31. Vereinbarungen von Dienstleistungslizenzen (SIC 29)
Die folgenden Erläuterungen und Angaben beziehen sich auf die Erfordernisse des SIC 29 (Vereinbarungen von
Dienstleistungslizenzen). Darunter versteht man Vereinbarungen zwischen Unternehmen über die Erbringung von
Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit Zugang zu wichtigen wirtschaftlichen und öffentlichen Einrichtungen gewähren.
Konzessionen Liechtenstein und Schweiz
Vereinbarungen von Dienstleistungslizenzen im Sinne des SIC 29 betreffen den Bereich Schieneninfrastruktur.
In Übereinstimmung mit unionsrechtlichen Vorgaben und nach den nationalen Rechtsordnungen der beteiligten Länder
benötigt die ÖBB Infrastruktur AG als Infrastrukturbetreiberin jener Strecken oder Streckenteile ihres Netzes, die auf
ausländischem Territorium liegen Konzessionen der jeweiligen nationalen Eisenbahnbehörden.
– Für die Strecke auf liechtensteinischem Staatsgebiet wurde der ÖBB–Infrastruktur AG mit Beschluss der Regierung des
Fürstentums Liechtenstein vom 15.12.2020, LNR 2020-1825/BNR 2020/1848 AP 330.0 die bis dahin bestehende
Eisenbahn-Konzession als „Infrastruktur-Konzession auf der Strecke liechtensteinisch-österreichische Staatsgrenze bei
Schaanwald bis zur liechtensteinisch-schweizerischen Staatsgrenze bei Schaan“ erteilt. Diese Konzession ist auf 47 Jahre
befristet und erlischt am 31.12.2067.
– Für die Teilstrecken auf Schweizer Staatsgebiet wurde der ÖBB–Infrastruktur AG mit Verfügungen des Eidgenössischen
Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation vom 03.03.2017 sowie vom 04.11.2021 die bis dahin
bestehende „Konzession Nr. 5030 für Bau und Betrieb einer Eisenbahninfrastruktur“
• für die Strecke St. Margrethen – Grenze (– Bregenz) bis zum 31.12.2067 und
• für die Strecke Buchs SG – Grenze (– Feldkirch) ebenfalls bis zum 31.12.2067 erneuert.
Die ÖBB-Infrastruktur AG verfügt damit für die auf ausländischem Staatsgebiet befindlichen Teilabschnitte der
bestehenden grenzüberschreitenden Eisenbahnstrecken in die Schweiz und nach Liechtenstein über aktuelle und gültige
Infrastrukturkonzessionen als Infrastrukturbetreiberin bis zum Ende des Jahres 2067 im Sinne der einschlägigen
unionsrechtlichen Vorgaben und hat damit dort – vergleichbar der ihr in Österreich durch § 51 Bundesbahngesetz
eingeräumten Rechtsstellung – die Rechte und Pflichten eines Eisenbahninfrastrukturbetreibers für die von den
Konzessionen erfassten Strecken.
Die Strecke Feldkirch-Buchs ist somit in ihrem derzeitigen Bestand in einem guten, für die Abwicklung eines sicheren und
ordentlichen Eisenbahnbetriebes geeigneten Zustand zu erhalten und Eisenbahnverkehrsunternehmen zur Führung von
Verkehren im Rahmen ihres Zugangsrechtes zur Verfügung zu stellen.
Diesbezüglich ist eine Sanierung der Bestandsstrecke, voraussichtlich ab 2024ff. vorgesehen. Die Infrastrukturvermögen in
Liechtenstein und der Schweiz stehen im Eigentum der ÖBB-Infrastruktur AG und haben zum 31.12.2023 einen Buchwert
von rd. 24,3 Mio. EUR (Vj: rd. 25,5 Mio. EUR). Die Konzessionärin übernimmt die Beförderung von Personen, Reisegepäck
und Gütern.
Seite 196 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
75
32. Transaktionen mit nahestehenden Unternehmen und nahestehenden Personen
Lieferungen an oder von nahestehenden Unternehmen oder nahestehenden Personen
Nahestehende Unternehmen bzw. nahestehende Personen beinhalten verbundene, nicht vollkonsolidierte Unternehmen
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns oder des ÖBB-Holding-Konzerns, assoziierte Unternehmen mit eventuellen
Tochterunternehmen, Gemeinschaftsunternehmen mit eventuellen Tochterunternehmen, die Aktionärin der ÖBB-
Holding AG (Republik Österreich) sowie deren wesentlichste Tochtergesellschaften und die Mitglieder des Managements
in Schlüsselpositionen (Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats der ÖBB-Infrastruktur AG und Mitglieder der
Geschäftsführungen und der Aufsichtsräte von vollkonsolidierten Tochterunternehmen der ÖBB-Infrastruktur AG) und die
nahen Familienangehörigen sowie die nahestehenden Unternehmen der Mitglieder des Managements in
Schlüsselpositionen.
Mit Gesellschaften, an denen die Republik Österreich direkt oder indirekt Beteiligungen hält (z.B. Österreichische Bundes-
und Industriebeteiligungen GmbH, OMV Aktiengesellschaft, Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-
Aktiengesellschaft, Telekom Austria AG, Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH, Verbund AG), die
ebenfalls als nahestehende Unternehmen gemäß IAS 24 einzustufen sind, bestehen Geschäftsbeziehungen innerhalb des
Leistungsspektrums des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zu fremdüblichen Bedingungen. Die im Berichtsjahr mit diesen
Unternehmen im Sinne von IAS 24 durchgeführten Transaktionen betrafen alltägliche Geschäfte des operativen
Geschäftsbereichs. Wesentliche Transaktionen (Umsatzerlöse in Höhe von rd. 267,6 Mio. EUR [Vj: rd. 38,3 Mio. EUR],
Aufwendungen in Höhe von rd. 301,4 Mio. EUR [Vj: rd. 120,9 Mio. EUR]) wurden mit dem Konzern der Verbund AG
getätigt. Die zum Bilanzstichtag offenen Posten dieser Unternehmen werden in den Forderungen und Verbindlichkeiten
aus Lieferungen und Leistungen ausgewiesen. Die übrigen Transaktionen waren insgesamt von untergeordneter
Bedeutung und lagen unter 2% der Aufwendungen für Material sowie bezogene Leistungen und der Umsatzerlöse.
Einkäufe wurden zu Marktpreisen abzüglich handelsüblicher Mengenrabatte sowie sonstiger auf Basis des Umfangs der
Geschäftsbeziehungen gewährter Rabatte getätigt.
Nachfolgend wird auf das Volumen der Transaktionen zwischen dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern und nahestehenden
Unternehmen des übrigen ÖBB-Konzerns sowie die aus diesen Transaktionen offenen Forderungen und Verbindlichkeiten
zum Geschäftsjahresende eingegangen:
Verbundene Verbundene nicht Verbundene Unternehmen vollkonsolidierte Unternehmen Teilkonzern ÖBB-Unternehmen der Übrige verbundene Rail Cargo Group Personenverkehr ÖBB-Infrastruktur Unternehmen in Mio. EUR 2023 2022 2023 2022 20232022 2023 2022Verkauf von Waren/Dienstleistungen 174,9 140,1 352,1 293,0 0,0 0,0 375,6 217,8 Erwerb von Waren/Dienstleistungen/Anlagevermögen 54,6 46,3 66,9 66,7 0,0 0,0 185,4 170,1Forderungen aus Lieferung und Leistung 14,3 5,6 43,2 6,4 0,0 0,0 75,1 42,7 Sonstige finanzielle Vermögenswerte 0,0 0,0 16,0 22,9 0,0 0,0 88,5 90,6 Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung 9,3 11,1 30,5 30,2 0,0 0,0 62,4 140,1 Sonstige finanzielle Schulden 0,0 0,0 0,0 0,0 0,3 0,3 294,7 1.253,8
Transaktionen mit verbundenen Unternehmen des übrigen ÖBB-Konzerns werden in den Erläuterungen zu den einzelnen
Positionen zum Konzernabschluss gesondert angegeben. Die finanziellen Schulden gegenüber den übrigen verbundenen
Unternehmen bestehen im Wesentlichen gegenüber der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH.
Seitens des Mutterunternehmens ÖBB-Holding AG wurden im Berichtsjahr Leistungen unter anderem in den Bereichen
Controlling, Finanzen, Kommunikation, Marketing, Produktion, Technik, Sicherheit, Revision, Konzernrechnungswesen,
-bilanzierung und Steuern, Strategie, Unternehmensentwicklung, Recht, Compliance sowie strategischer Konzerneinkauf,
strategisches IT-Management und strategisches Personalmanagement erbracht, die mittels Einzelvereinbarungen oder im
Umlagenweg zur Verrechnung gelangt sind. Die Umsatzerlöse betrugen rd. 5,0 Mio. EUR (Vj: rd. 4,5 Mio. EUR), die
Aufwendungen rd. 24,5 Mio. EUR (Vj: rd. 21,4 Mio. EUR). Per 31.12.2023 werden Forderungen über rd. 144,1 Mio. EUR
(Vj: rd. 169,5 Mio. EUR) und Verbindlichkeiten über rd. 12,8 Mio. EUR (Vj: rd. 10,4 Mio. EUR) ausgewiesen. Die
Forderungen gegenüber der ÖBB-Holding AG bestehen insbesondere aus Umsatzsteuerguthaben
(Umsatzsteuerorganschaft).
Aus der Anmietung eines Bürogebäudes, das teilweise mittels Sublease-Verträgen an Gesellschaften des übrigen ÖBB-
Konzerns weitervermietet wird, ergeben sich Leasingforderungen in Höhe von insgesamt rd. 103,9 Mio. EUR
(Vj: rd. 106,0 Mio. EUR), die sich mit rd. 88,2 Mio. EUR (Vj: rd. 90,0 Mio. EUR) auf die ÖBB-Business Competence Center
GmbH, mit rd. 9,5 Mio. EUR (Vj: rd. 9,6 Mio. EUR) auf die ÖV Ticketshop GmbH und mit rd. 6,2 Mio. EUR
(Vj: rd. 6,3 Mio. EUR) auf die ÖBB-Personenverkehr AG verteilen.
Seite 197 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
76
Nachfolgend werden die Konzernbeziehungen zu den assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen
dargestellt. Den Mitgliedern der Vorstände und der Aufsichtsräte des Mutterunternehmens ÖBB-Holding AG und der ÖBB-
Infrastruktur AG sowie denen nahestehende Unternehmen oder Personen wurden weder Vorschüsse und Kredite gewährt
noch zugunsten dieser Personen Haftungsverhältnisse eingegangen. Bei der angeführten Transaktion handelt es sich um
Umsätze im Zusammenhang mit Immobilien zwischen dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern und einem dem Aufsichtsrat
nahestehenden Unternehmen.
Aufsichtsräten nahestehende Assoziierte Gemeinschafts-Unternehmen Unternehmen unternehmen in Mio. EUR 2023 20222023 2022 2023 2022 Verkauf von Waren/Dienstleistungen (Gesamterträge) 0,1 0,1 4,5 4,2 0,6 0,5 Erwerb von Waren/Dienstleistungen/Anlagevermögen (Gesamtaufwendungen) 0,0 0,0 36,9 33,3 0,0 0,0 Forderungen aus Lieferung und Leistung 0,0 *) 0,0 *) 0,7 0,5 0,1 0,0 Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung 0,0 0,0 6,0 2,2 0,0 0,0
*) Kleinstbetrag.
Informationen über gegebene Garantien gegenüber verbundenen Unternehmen sind in Erläuterung 28 enthalten.
Leistungsbeziehungen mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-Investitionen und die Haftung
des Bundes
Allgemein
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen, dessen Aufgaben im öffentlichen Interesse liegen
und in § 31 Bundesbahngesetz näher bestimmt sind. Die Grundlage für die Finanzierung der Gesellschaft bildet
§ 47 Bundesbahngesetz, wonach der Bund dafür zu sorgen hat, dass der ÖBB-Infrastruktur AG die zur Erfüllung ihrer
Aufgaben und zur Aufrechterhaltung ihrer Liquidität und des Eigenkapitals erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen,
soweit die Aufgaben vom Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz umfasst sind. Die in dieser Bestimmung vom
Bund gesetzlich normierte Zusage findet in den Zuschussverträgen nach § 42 (1) und (2) Bundesbahngesetz ihre konkrete
Umsetzung. Nach Verständnis der Vertragspartner ist das Ziel der Zuschussverträge, unabhängig von der jeweiligen
Vertragslaufzeit, die Werthaltigkeit der für die Aufgaben gemäß § 31 Bundesbahngesetz eingesetzten Vermögenswerte
der ÖBB-Infrastruktur AG dauerhaft sicherzustellen, womit auch dem gesetzlichen Auftrag des Bundesbahngesetzes
entsprochen wird.
Die ÖBB-Infrastruktur AG trägt die Kosten für die Erfüllung ihrer Aufgaben. Hierzu leistet der Bund der ÖBB-Infrastruktur AG
– gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz über deren Ersuchen insbesondere für den Betrieb der Schieneninfrastruktur und
deren Bereitstellung an die Nutzer insoweit und solange einen Zuschuss, als die unter den jeweiligen Marktbedingungen
von den Nutzern der Schieneninfrastruktur zu erzielenden Erlöse die bei sparsamer und wirtschaftlicher
Geschäftsführung anfallenden Aufwendungen nicht abdecken, und
– gemäß § 42 (2) Bundesbahngesetz Zuschüsse zur Instandhaltung, zur Planung und zum Bau von Schieneninfrastruktur.
Über die Zuschüsse gemäß § 42 (1) und (2) Bundesbahngesetz sind zwischen dem Bundesministerium für Klimaschutz,
Umwelt, Energie Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Finanzen
(BMF) und der ÖBB-Infrastruktur AG zwei gesonderte Verträge mit jeweils sechsjähriger Laufzeit abzuschließen, in denen
der Zuschussgegenstand, die Höhe der dafür zu gewährenden Zuschüsse, die allgemeinen und besonderen
Zuschussbedingungen und die Zahlungsmodalitäten festzulegen sind.
Die Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH (SCHIG) überwacht die Einhaltung der von der
ÖBB-Infrastruktur AG in den Zuschussverträgen gemäß § 42 Bundesbahngesetz übernommenen Verpflichtungen. Die
Überwachung bezieht sich auf eine sparsame, wirtschaftliche und zweckmäßige Mittelverwendung bei der Planung, dem
Bau, der Instandhaltung, der Bereitstellung und dem Betrieb einer bedarfsgerechten und sicheren Schieneninfrastruktur.
Der Rahmenplan 2024 bis 2029 wurde von der Republik Österreich am 18.10.2023 im Ministerrat beschlossen und dem
Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG am 27.11.2023 vorgelegt.
Finanzierung der Infrastruktur
Der Zuschussvertrag gemäß § 42 (2) Bundesbahngesetz beruht auf dem gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz von der ÖBB-
Infrastruktur AG zu erstellenden Geschäftsplan. Ein Bestandteil des Geschäftsplanes ist der von der ÖBB-Infrastruktur AG
gemäß § 42 (7) Bundesbahngesetz zu erstellende sechsjährige Rahmenplan, der jahresweise die Mittel für die
Instandhaltung (insbesondere Instandsetzung und Reinvestition) sowie für die Erweiterungsinvestitionen zu enthalten hat.
Geschäftsplan und Rahmenplan sind jährlich jeweils um ein Jahr zu ergänzen und auf den neuen sechsjährigen Zeitraum
anzupassen.
Seite 198 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
77
Gemäß Zuschussvertrag 2022 bis 2027 beträgt der durch den Bund zu übernehmende Anteil für Erweiterungsinvestitionen
und Reinvestitionen gemäß Rahmenplan 2022 bis 2027 (mit Ausnahme des Brenner Basistunnels) 80% der jährlichen
Investitionsausgaben, für welche Zuschüsse in Form einer auf 30 Jahre umgelegten Annuität geleistet werden. Für das
Projekt Brenner Basistunnel leistet der Bund einen Zuschuss in Höhe von 100% in Form einer auf 50 Jahre umgelegten
Annuität. Als Zinssatz wird der jeweils aktuelle Satz für Langfristfinanzierungen der ÖBB-Infrastruktur AG herangezogen.
Der durch den Bund zu übernehmende Anteil für Erweiterungsinvestitionen (ohne Brenner Basistunnel) und
Reinvestitionen wird laufend überprüft und gegebenenfalls für die zukünftigen Zuschüsse an die aktuellen Erfordernisse
angepasst.
Für Inspektion und Wartung, Entstörung sowie Instandsetzung der von der ÖBB-Infrastruktur AG zu betreibenden
Schieneninfrastruktur leistet der Bund ebenfalls einen Zuschuss. Dessen Höhe wird unter Berücksichtigung der
Liquiditätserfordernisse auf Basis des Geschäftsplanes der ÖBB-Infrastruktur AG, der vorgegebenen Begrenzung des
Gesamtzuschusses gemäß § 42 Bundesbahngesetz und der Erreichung der Zielvorgaben (Performance- bzw. Outputziele)
laut Zuschussvertrag gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz festgelegt. Änderungen der Funktionalität und / oder des
Umfanges der von der ÖBB-Infrastruktur AG zu betreibenden Schieneninfrastruktur haben eine Erhöhung oder
Verminderung des Zuschusses zur Folge. Vor derartigen Änderungen ist daher von der ÖBB-Infrastruktur AG das
Einvernehmen mit dem BMK und dem BMF herzustellen.
Im Jahr 2023 wurde auf Basis der gültigen Zuschussvereinbarung 2022 bis 2027 gemäß § 42 (2) Bundesbahngesetz ein
Zuschuss in Höhe von rd. 1.316,3 Mio. EUR (Vj: rd. 1.260,4 Mio. EUR) für Erweiterungs- und Reinvestitionen gewährt. Für
Inspektion, Wartung und Entstörung wurden rd. 441,5 Mio. EUR (Vj: rd. 430,7 Mio. EUR) gewährt.
Für Errichtungskosten des Brenner Basistunnels hat die ÖBB-Infrastruktur AG Kostenbeiträge in Höhe von
rd. 150,0 Mio. EUR (Vj: rd. 100,0 Mio. EUR) an die BBT SE geleistet. Die vertraglich mit dem Land Tirol im Zuge des
Anteilserwerbs vereinbarten Zahlungen sowie die vom Bund an die ÖBB-Infrastruktur AG geleisteten Zahlungen in
Zusammenhang mit der Querfinanzierung Straße beliefen sich auf rd. 55,0 Mio. EUR (Vj: rd. 69,7 Mio. EUR).
Betrieb der Infrastruktur und Lehrlingskosten
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat dem BMK sowie dem BMF einen jährlichen Rationalisierungs- und Einsparungsplan mit einer
Vorschaurechnung vorzulegen.
Grundlage des Vertrags über den Zuschuss gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz ist insbesondere der von der
ÖBB-Infrastruktur AG auf sechs Jahre zu erstellende Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz mit einer genauen
Beschreibung der zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlichen Maßnahmen zur bedarfsgerechten und sicheren
Bereitstellung der Schieneninfrastruktur einschließlich der Zeit- und Kostenpläne sowie der Rationalisierungspläne und
einer Vorschau der Benützungs- und anderen Entgelte.
Das BMK hat gemäß § 45 Bundesbahngesetz die SCHIG mit der Überwachung der Einhaltung der von der
ÖBB-Infrastruktur AG im Zuschussvertrag übernommenen Verpflichtungen beauftragt.
Durch diesen Zuschussvertrag werden die von der ÖBB-Infrastruktur AG im Zusammenhang mit dem Zuschuss gemäß
§ 42 Bundesbahngesetz zu erreichenden Zielvorgaben definiert.
Die von der ÖBB-Infrastruktur AG konkret zu erreichenden Zielvorgaben gliedern sich insbesondere in allgemeine,
Qualitäts-, Sicherheits- und Effizienzzielvorgaben, die unter Bedachtnahme auf die gesetzlichen Aufgaben der
ÖBB-Infrastruktur AG vereinbart werden; sie sind im zwischen Bund und der ÖBB-Infrastruktur AG vereinbarten
Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz festgelegt.
Die Einhaltung der sich für die ÖBB-Infrastruktur AG aus dem Bundesbahngesetz ergebenden Verpflichtung der Sicherung
und der laufenden Verbesserung der Qualität und der Sicherheit der zu betreibenden Schieneninfrastruktur wird im
Zusammenhang mit der Zuschussgewährung über Kennzahlen bewertet.
Die jährlichen Zuschussbeträge sind, sofern zwischen ÖBB-Infrastruktur AG und Bund nichts anderes vereinbart wird, im
Zuge der Fortschreibung um den anteiligen Betriebsführungsaufwand für jene Schieneninfrastruktur zu reduzieren, die an
andere Betreiber übertragen bzw. abweichend von den Bestimmungen zum Geschäftsplan gemäß
§ 42 (6) Bundesbahngesetz durch die ÖBB-Infrastruktur AG nicht mehr betrieben wird.
Die gesamten gemäß § 42 Bundesbahngesetz im Jahr 2023 gewährten Zuschüsse betragen rd. 2.401,6 Mio. EUR
(Vj: rd. 2.403,5 Mio. EUR). Der Zuschuss für Erweiterungs- und Reinvestitionsinvestitionen in Höhe von
rd. 1.316,3 Mio. EUR (Vj: rd. 1.221,0 Mio. EUR) wurde aufgrund der durchgeführten Investitionsmaßnahmen und
entsprechend der Zinsentwicklung in der Gewinn- und Verlustrechnung um rd. 86,7 Mio. EUR (Vj: rd. 20,1 Mio. EUR) auf
rd. 1.403,0 Mio. EUR (Vj: rd. 1.241,0 Mio. EUR) erhöht. Der Zuschuss für die Betriebsführung sowie Inspektion, Wartung,
Entstörung und Instandsetzung in Höhe von rd. 1.085,3 Mio. EUR (Vj: rd. 1.182,5 Mio. EUR) wurde durch eine
Verbesserung in der operativen Geschäftsabwicklung sowie der günstigeren Zinsentwicklung in der Gewinn- und
Seite 199 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
78
Verlustrechnung in Summe um rd. 411,1 Mio. EUR (Vj: rd. 363,5 Mio. EUR) reduziert. Der auf die gemäß IAS 23 aktivierten
Zinsen entfallende Zuschuss in Höhe von rd. 125,0 Mio. EUR (Vj: rd. 104,2 Mio. EUR) ist als Investitionszuschuss zu sehen
und dient zur Abdeckung künftiger Aufwendungen, die in Form von Abschreibungen anfallen. Der Ausweis im
Jahresabschluss erfolgt als Reduktion des Zuschusses gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz und wird als Kostenbeitrag
dargestellt. Somit wurde für Betriebsführung sowie Inspektion, Wartung, Entstörung und Instandsetzung ein Betrag in
Höhe von rd. 674,2 Mio. EUR (Vj: rd. Mio. 822,1 EUR) ertragswirksam ausgewiesen.
Die abgegrenzten Beträge im Zusammenhang mit den Zuschüssen für Erweiterungs- und Reinvestitionen in Höhe von
rd. 91,8 Mio. EUR (Vj: rd. 24,3 Mio. EUR) sowie im Zusammenhang mit der Betriebsführung und Lehrlingsausbildung in
Höhe von rd. 118,8 Mio. EUR (Vj: rd. 70,4 Mio. EUR) werden unter den sonstigen Verbindlichkeiten ausgewiesen, der
abgegrenzte Betrag aus der Instandhaltung in Höhe von rd. 2,6 Mio. EUR (Vj: rd. 15,9 Mio. EUR) in der passiven
Rechnungsabgrenzung. Die Spitzabrechnung der Annuität des Brenner Basistunnels ergibt einen Tilgungsanteil für die
ÖBB-Infrastruktur AG in Höhe von rd. 5,1 Mio. EUR (Vj: rd. 4,2 Mio. EUR), welcher in der passiven Rechnungsabgrenzung
ausgewiesen wird.
Die Entwicklung der Zuschüsse im Jahr 2023 stellt sich demnach wie folgt dar:
Abgrenzungen und in Mio. EUR Gesamter Zuschuss Rückzahlungen Ertragswirksam 2023 § 42 (1) Betriebsführung 643,8 -413,7 230,1 § 42 (2) Inspektion, Wartung, Entstörung und Instandsetzung 441,5 2,6 444,1 Summe Zuschuss des Bundes gem. §42 Abs.1 und §42 Abs. 2 BBG 1.085,3 -411,1 674,2 § 42 (2) Erweiterungs- und Reinvestitionen, Nutzungsentgelt 1.316,3 86,7 1.403,0 Summe Zuschuss des Bundes Schieneninfrastruktur §42 Abs. 2 BBG 1.316,3 86,7 1.403,0 Summe sonstiger betrieblicher Ertrag 2.401,6 -324,4 2.077,2
Im Berichtsjahr wurde im Dezember 2023 ein Betrag in Höhe von rd. 645,0 Mio. EUR an den Bund zurückbezahlt. Die
Rückzahlung betrifft sowohl zum 31.12.2022 bereits bilanzierte Verbindlichkeiten als auch im Jahr 2023 erhaltene
Bundeszuschüsse.
Die Entwicklung der Zuschüsse stellte sich im Jahr 2022 wie folgt dar:
Abgrenzungen und in Mio. EUR Gesamter Zuschuss Rückzahlungen Ertragswirksam 2022 § 42 (1) Betriebsführung 751,8 -344,6 407,3 § 42 (2) Inspektion, Wartung, Entstörung und Instandsetzung 430,7 -15,9 414,8 Summe Zuschuss des Bundes gem. §42 Abs.1 und §42 Abs. 2 BBG 1.182,5 -360,5 822,1 § 42 (2) Erweiterungs- und Reinvestitionen, Nutzungsentgelt 1.221,0 20,1 1.241,0 Summe Zuschuss des Bundes Schieneninfrastruktur §42 Abs. 2 BBG 1.221,0 20,1 1.241,0 Summe sonstiger betrieblicher Ertrag 2.403,5 -340,4 2.063,1
Hinsichtlich der vom Bund übernommenen Haftungen und Finanzierung ab dem Jahr 2017, die vor allem über Darlehen
der Republik Österreich in Erledigung durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) aufgenommen
werden, wird auf Erläuterung 25 verwiesen.
Darüber hinaus gab es weitere Zuwendungen (i. d. R. Kostenbeiträge zu Investitionsmaßnahmen) seitens der
österreichischen Landesregierungen und Gemeinden in Höhe von rd. 109,0 Mio. EUR (Vj: rd. 53,1 Mio. EUR), wobei
daraus zum Bilanzstichtag noch offene Forderungen in Höhe von rd. 1,0 Mio. EUR (Vj: rd. 1,4 Mio. EUR) bestehen. Des
Weiteren wurden Förderungen der EU in Höhe von rd. 31,1 Mio. EUR (Vj: rd. 43,1 Mio. EUR) gewährt. Bei den
Investitionszuschüssen und den EU-Förderungen handelt es sich um Kostenbeiträge der öffentlichen Hand oder der EU,
die anschaffungskostenmindernd angesetzt wurden.
Seite 200 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
79
Bezüge der Mitglieder des Vorstands und der Mitglieder der Geschäftsführungen der
Tochterunternehmen
Der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG besteht an beiden Bilanzstichtagen aus drei Mitgliedern. Den Mitgliedern des
Vorstands wurden weder Vorschüsse und Kredite gewährt noch zugunsten dieser Personen Haftungsverhältnisse
eingegangen. Für die gewährten Gesamtbezüge des Vorstands wurden für die in den Berichtsjahren aktiven Vorstände
gemäß § 266 Z 2 UGB rd. 1.156 TEUR (Vj: rd. 1.115 TEUR) aufgewendet, die auch variable Komponenten und
Sachbezüge sowie 2022 nachträgliche variable Zahlungen für Vorperioden für ein ausgeschiedenes Vorstandsmitglied
enthalten. Gesetzliche Beiträge an die Vorsorgekasse für Mitarbeiter:innen wurden über rd. 18 TEUR (Vj: rd. 15 TEUR)
geleistet. Die Urlaubsrückstellungen erhöhten sich um rd. 2 TEUR von rd. 38 TEUR auf rd. 40 TEUR. An Pensionskassen
wurden rd. 80 TEUR (Vj: rd. 80 TEUR) entrichtet. Die Rückstellungen betreffend Zielvereinbarungen betragen zum
31.12.2023 rd. 415 TEUR (Vj: rd. 407 TEUR). Für ehemalige Vorstandsmitglieder fielen Pensionszahlungen in Höhe von
rd. 48 TEUR (Vj: rd. 45 TEUR) an. Die Rückstellungen für Pensionen wurden um rd. 76 TEUR erhöht (Vj: rd. 331 TEUR
verringert).
Die Gesamtvergütung der Mitglieder des Vorstands setzt sich aus einer fixen und einer variablen Komponente zusammen.
Die Höhe der jährlichen variablen Komponenten richtet sich nach der Erreichung von Zielen, die zu Beginn des
Geschäftsjahres mit dem Präsidium des Aufsichtsrats vereinbart werden.
In den Anstellungsverträgen der Topführungskräfte (Vorstandsmitglieder der Mutterunternehmen und
Geschäftsführungsmitglieder von Gesellschaften auf ähnlichen Ebenen) wurde eine leistungsorientierte Komponente
vereinbart, wodurch sich der Erfolg des Unternehmens maßgeblich auf die Entlohnung niederschlägt. Grundsätzlich
erhalten die Topführungskräfte einen Lohnbestandteil von 2/3 als Fixum und einen Bestandteil von 1/3 als
erfolgsabhängige Komponente. Zwecks Zieldefinition wird jährlich am Beginn des Geschäftsjahres individuell je
Gesellschaft eine Score-Card erstellt, in der klar vereinbarte, hauptsächlich quantitative ökonomische, soziale und
ökologische Zielgrößen festgelegt werden. Die Zielgrößen orientieren sich am Erfolg des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Die
tatsächlich ausbezahlten variablen Lohnbestandteile sind in den oben genannten Bezügen der Vorstandsmitglieder bereits
eingerechnet.
Die Vorstandsmitglieder der ÖBB-Infrastruktur AG nehmen an einem beitragsorientierten außerbetrieblichen
Pensionskassenmodell teil. Eine Pensionszusage seitens des Unternehmens gibt es nicht.
Für die gewährten Gesamtbezüge der Geschäftsführung von Tochterunternehmen wurden für die in den Berichtsjahren
aktiven Geschäftsführer:innen für ihre Tätigkeit als Geschäftsführung rd. 990 TEUR (Vj: rd. 852 TEUR) aufgewendet, die
auch variable Komponenten und Sachbezüge enthalten. Geschäftsführer:innen, die gleichzeitig Dienstnehmer:innen im
ÖBB-Konzern sind, erhalten keine gesonderten Bezüge für ihre Geschäftsführungstätigkeit.
Bezüge der Mitglieder des Aufsichtsrats
Gemäß der Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG kann den Aufsichtsratsmitgliedern eine
Vergütung zuerkannt werden. Die Basisvergütung für ein Aufsichtsratsmandat beträgt unverändert zum Vorjahr 14 TEUR
pro Jahr. Zusätzlich erhält das Aufsichtsratsmitglied für jede Sitzung eines Aufsichtsrats, des Präsidiums oder eines
Ausschusses ein Sitzungsgeld in der Höhe von 800 EUR. Vorsitzende eines Aufsichtsrats erhalten die doppelte
Basisvergütung. Mitglieder des Aufsichtsrats, die Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer:innen, Belegschaftsvertreter:innen
oder Dienstnehmende im ÖBB-Konzern sind, erhalten keine Aufsichtsratsvergütungen.
Die Aufsichtsratsvergütungen der Kapitalvertretung der Aufsichtsratsmitglieder der ÖBB-Infrastruktur AG für ihre Tätigkeit
im ÖBB-Infrastruktur-Konzern betrugen rd. 152 TEUR (Vj: rd. 164 TEUR). Es wurden keine (Vj: keine) Bezüge für übrige
Aufsichtsratsmitglieder bei den Konzerngesellschaften bezahlt.
33. Segmentberichterstattung
Ein Geschäftssegment ist ein Bereich eines Unternehmens, das Geschäftstätigkeiten betreibt, mit denen Erträge
erwirtschaftet werden können, bei denen Aufwendungen anfallen und dessen Betriebsergebnisse regelmäßig vom
Hauptentscheidungsträger des Unternehmens im Hinblick auf Entscheidungen über die Allokation von Ressourcen zu
diesem Segment und die Bewertung seiner Ertragskraft überprüft werden. Es ist eine Gruppe von Vermögenswerten und
betrieblichen Aktivitäten, welche Produkte oder Dienstleistungen bereitstellt, die bezüglich ihrer Risiken und Chancen
unterschiedlich zu denen anderer Geschäftsbereiche sind und für die einschlägigen Finanzinformationen vorliegen.
Informationen zur Segmentberichterstattung
Die Segmentberichterstattung wird im ÖBB-Infrastruktur-Konzern gemäß der Managementstruktur durchgeführt. Der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern verfügt nur über ein Segment – Schieneninfrastruktur.
Seite 201 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
80
Informationen auf Unternehmensebene
Wichtige Kunden gemäß IFRS 8.34 sind die ÖBB-Personenverkehr AG (Gesamterträge über rd. 290,4 Mio. EUR
[Vj: rd. 246,1 Mio. EUR]), die ÖBB-Produktion GmbH (Gesamterträge über rd. 353,1 Mio. EUR [Vj: rd. 187,9 Mio. EUR])
und die Rail Cargo Austria AG (Gesamterträge über rd. 153,4 Mio. EUR [Vj: rd. 117,5 Mio. EUR]). Diese Erträge resultieren
überwiegend aus dem Infrastrukturbenützungsentgelt und dem Verkauf von Traktionsstrom. Diese Gesellschaften sind Teil
des ÖBB-Konzerns und somit verbundene Unternehmen.
Die folgende Tabelle enthält nach Sitz des Kunden eine Gliederung der Konzernumsätze nach geografischen Märkten,
ungeachtet der Herkunft der Waren und Dienstleistungen.
2023 2022 Umsatzerlöse in Mio. EUR in Mio. EUR Österreich 1.129,1 939,4 Deutschland 56,8 16,8 Übrige Märkte 63,6 28,2 Gesamt 1.249,5 984,4
2023 2022 Bestandsveränderungen, aktivierte Eigenleistungen, sonstige betriebliche Erträge in Mio. EUR in Mio. EUR Österreich 2.541,9 2.493,3 Deutschland 0,2 0,0 Übrige Märkte 0,0 *) 0,7 Gesamt 2.542,1 2.494,0
*) Kleinstbetrag.
Die Darstellung der Buchwerte des Segmentvermögens und der Zugänge zu den Sachanlagen und immateriellen
Vermögenswerten, gegliedert nach geografischen Gebieten, entfällt, nachdem sich alle Vermögenswerte, bis auf jene in
Liechtenstein und in der Schweiz in Höhe von rd. 24,3 Mio. EUR (Vj: rd. 25,5 Mio. EUR), im Inland befinden. Die Zugänge
zu den Sachanlagen in Liechtenstein und in der Schweiz betragen rd. 0,2 Mio. EUR (Vj: rd. 1,2 Mio. EUR). Die externen
Umsatzerlöse, unterteilt nach Dienstleistungen, sind aus Erläuterung 4 ersichtlich.
34. Erläuterungen zur Geldflussrechnung
Die Geldflussrechnung zeigt, wie sich die Zahlungsmittel des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns im Laufe des Berichtsjahres durch
Mittelzu- und -abflüsse verändert haben. Innerhalb der Geldflussrechnung wird zwischen Zahlungsströmen aus der
Geschäftstätigkeit, der Investitionstätigkeit und der Finanzierungstätigkeit unterschieden. Die Darstellung der operativen
Teile der Geldflussrechnung erfolgt nach der indirekten Methode. Es gab keine wechselkursbedingten Änderungen der
liquiden Mittel.
Der Fonds der liquiden Mittel setzt sich neben Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten auch aus kurzfristigen
Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH zusammen. Gegenüber der
ÖBB-Finanzierungsservice GmbH bestehen kurzfristige Forderungen (Ausweis unter den Zahlungsmitteln und
Zahlungsmitteläquivalenten) in Höhe von rd. 21,6 Mio. EUR (Vj: rd. 31,4 Mio. EUR) sowie kurzfristige Verbindlichkeiten
(Ausweis unter den kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten) in Höhe von rd. 290,3 Mio. EUR (Vj: rd. 1.252,9 Mio. EUR).
Jener Teil der Zinszahlung, der nach IAS 23 als Teil der Herstellungskosten von qualifizierten Vermögenswerten aktiviert
wird, wird im operativen Cashflow ausgewiesen. Die in dem Zusammenhang erhaltenen Bundeszuschüsse in Höhe von
rd. 125,0 Mio. EUR (Vj: rd. 104,2 Mio. EUR) werden ebenfalls im operativen Cashflow unter Veränderungen von
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Schulden und Abgrenzungen dargestellt.
Die wesentlichen Non-Cash-Transaktionen betreffen hauptsächlich Veränderungen von ehemaligen und aktuellen CBL-
Transaktionen sowie die Auflösung von passiven Rechnungsabgrenzungen aufgrund von
Finanzierungsleasingtransaktionen. Im Vorjahr wurde erstmals das nach IFRS 16 bilanzierte Leasingobjekt Lassallestraße
ausgewiesen, was zu einer zusätzlichen Leasingverbindlichkeit in Höhe von rd. 166,6 Mio. EUR führt.
Seite 202 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
81
Die Tabelle zeigt die Angaben über die Änderungen von Finanzverbindlichkeiten, deren Einzahlungen und Auszahlungen
in der Kapitalflussrechnung im Cashflow aus Finanzierungstätigkeit gezeigt werden.
zahlungs-übrige übrige Stand per wirksame Wechselkurs-Änderungen Änderungen Stand per in Mio. EUR 31.12.2022 Änderungen änderungen Fremdkapital Eigenkapital 31.12.2023 Langfristige Finanzverbindlichkeiten Anleihen 7.883,3 -1.000,0 -2,0 4,4 0,0 6.885,7 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.919,2 -9,0 0,0 -199,5 0,0 3.710,7 Finanzverbindlichkeiten Leasing 225,9 -0,1 0,0 -1,7 0,0 224,1 Übrige Finanzverbindlichkeiten 11.842,3 4.381,9 -0,8 -73,9 70,4 16.219,9 Gesamt langfristige Schulden 23.870,7 3.372,8 -2,8 -270,7 70,4 27.040,4 Kurzfristige Finanzverbindlichkeiten Anleihen 1.000,0 0,0 0,0 -1,1 0,0 998,9 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 9,1 0,0 0,0 199,7 0,0 208,8 Finanzverbindlichkeiten Leasing 16,1 -12,9 0,0 12,8 0,0 16,0 Übrige Finanzverbindlichkeiten 554,4 15,0 0,0 24,9 0,9 595,2 Gesamt ohne übrige Finanzverbindlichkeiten, die Teil des Fonds der liquiden Mittel sind 1.579,6 2,1 0,0 236,3 0,9 1.818,9 zahlungs-übrige übrige Stand per wirksame Wechselkurs-Änderungen Änderungen Stand per in Mio. EUR 31.12.2021 Änderungen änderungen Fremdkapital Eigenkapital 31.12.2022 Langfristige Finanzverbindlichkeiten Anleihen 8.878,9 -1.500,0 3,3 501,1 0,0 7.883,3 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.930,9 -14,3 0,0 2,6 0,0 3.919,2 Finanzverbindlichkeiten Leasing 88,9 0,0 0,0 137,1 0,0 225,9Übrige Finanzverbindlichkeiten 9.199,3 2.853,1 -1,6 -213,9 5,3 11.842,3 Gesamt langfristige Schulden 22.098,1 1.338,8 1,7 426,9 5,3 23.870,7 Kurzfristige Finanzverbindlichkeiten Anleihen 1.498,6 0,0 0,0 -498,6 0,0 1.000,0Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 14,8 -3,4 0,0 -2,3 0,0 9,1 Finanzverbindlichkeiten Leasing 8,6 -10,0 0,0 17,5 0,0 16,1 Übrige Finanzverbindlichkeiten 343,2 0,0 0,0 211,2 0,0 554,4Gesamt ohne übrige Finanzverbindlichkeiten, die Teil des Fonds der liquiden Mittel sind 1.865,2 -13,4 0,0 -272,2 0,0 1.579,6
Der Rückgang der Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit beendeten CBL-Transaktionen wird ebenfalls unter den
übrigen Änderungen dargestellt, da die Zahlungen nicht über die Bankkonten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns abgewickelt
werden. Vielmehr werden die Einnahmen aus den Vermögenswerten vom Schuldner direkt an den Gläubiger überwiesen.
Davon betroffen sind insbesondere die Finanzverbindlichkeiten Leasing und übrigen Finanzverbindlichkeiten.
Im Dezember 2023 wurden rd. 645,0 Mio. EUR an gewährten Bundeszuschüssen an den Bund zurückgezahlt, welche in
der Konzern-Geldflussrechnung in der „+ Zunahme / - Abnahme der Verbindlichkeiten aus L+L sowie anderer Schulden
und Abgrenzungen“ enthalten sind.
Seite 203 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
82
35. Konzernunternehmen
Nachfolgende Tabellen geben Information über die zum 31.12.2023 bestehenden Tochterunternehmen, assoziierten
Unternehmen, Beteiligungen sowie sonstigen Anteile des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns.
Im Berichtsjahr gab es keine wesentlichen Änderungen bei den in den Konzernabschluss einbezogenen Gesellschaften.
2023 wurde mit einem Anteil von 60% die Gesellschaft ÖBB-BE GmbH & Co KG gegründet. Die Breitspur
Planungsgesellschaft mbH in Liqu., an der die ÖBB-Infrastruktur AG 27,74% der Anteile hielt, wurde im Dezember 2023
liquidiert und aus dem Firmenbuch gelöscht. 2022 wurden die Anteile der Güterterminal Werndorf Projekt GmbH
veräußert, womit dieses Unternehmen nicht mehr als verbundenes vollkonsolidiertes Unternehmen in den
Konzernabschluss einbezogen wird. Nachfolgend findet sich eine Aufstellung jener Konzernunternehmen, an denen die
ÖBB-Infrastruktur AG zum Bilanzstichtag direkt oder indirekt über andere verbundene Unternehmen Beteiligungen hält
oder die im aktuellen Berichtsjahr neu gegründet wurden. Der Geschäftsgegenstand der Konzernunternehmen wird mit
den Buchstaben a) bis h) beschrieben. Sollte eine Angabe mit Vj: gekennzeichnet sein, bezieht sich die Angabe auf das
Vorjahr, ansonsten betrifft sie beide Jahre.
Konsoli-ÖBB-Infrastruktur-Konzern Land, Sitz dierungsart 100% ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft A-1020 Wien V c) ├► 100% Austrian Rail Construction & Consulting GmbH A-1020 Wien V0 f) ├► 100% Austrian Rail Construction & Consulting GmbH & Co KG A-1020 Wien V0 f) ├► 100% ÖBB-Operative Services GmbH (vormals: Mungos Sicher & Sauber GmbH) A-1150 Wien V e) ├► 100% ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG (vormals: Mungos Sicher & Sauber GmbH & Co KG) A-1150 Wien V e) ├► 100% Netz- und Streckenentwicklung GmbH A-1020 Wien V0 d) ├► 100% ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH A-1020 Wien V a) ├► 100% ÖBB-Projektentwicklung GmbH A-1020 Wien V b) ├► 100% ÖBB-Realitätenbeteiligungs GmbH & Co KG A-1020 Wien V b) ├► 100% Elisabethstraße 7 Projektentwicklung GmbH & Co KG A-1020 Wien V b) ├► 100% Elisabethstraße 9 Projektentwicklung GmbH & Co KG A-1020 Wien V b) ├► 100% Gauermanngasse 2–4 Projektentwicklung GmbH & Co KG A-1020 Wien V b) ├► 100% Mariannengasse 16–20 Projektentwicklung GmbH & Co KG A-1020 Wien V b) └► 100% Operngasse 16 Projektentwicklung GmbH & Co KG A-1020 Wien V b) ├► 100% ÖBB-Stiftungs Management Gesellschaft mbH A-1020 Wien V0 h) ├► 100% Rail Equipment GmbH A-1040 Wien V g) ├► 100% Rail Equipment GmbH & Co KG A-1040 Wien V g) ├► 60% ÖBB-BE GmbH (vormals: ÖBB-Güterzentrum Wien Süd (Vj: 100%) Betriebsgesellschaft m.b.H., Umbenennung und Verkauf von 40% der Anteile im September 2023) A-1020 Wien V0 b) ├► 60% ÖBB-BE GmbH & Co KG (Neugründung im September 2023) A-1020 Wien V0 b) ├► 51% WS Service GmbH A-3151 St. Georgen am Steinfeld V c) ├► 50% LCA Logistik Center Austria Süd GmbH A-9586 Fürnitz E b) ├► 50% Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE I-39100 Bozen E c) ├► 43,05% Weichenwerk Wörth GmbH A-3151 St. Georgen am SteinfeldE c) ├► 8% HIT Rail B.V. NL-3511 SB Utrecht 0 k.A. ├► KG-Anteil UIRR s.c.r.l. (Internationale Vereinigung für den Kombinierten Verkehr Schiene-Straße) B-1000 Brussels0 k.A. └► KG-Anteil Tiefgarage Stuben Gesellschaft m.b.H. & Co. KG A-6762 Stuben/Arlberg 0 k.A.
Abkürzungen:
V verbundenes vollkonsolidiertes Unternehmen
V0 verbundenes, aufgrund untergeordneter Bedeutung nicht vollkonsolidiertes Unternehmen
E Beteiligungsunternehmen, nach der Equity-Methode bilanziert (assoziiertes Unternehmen)
0 sonstiges Beteiligungsunternehmen
k. A. keine Angaben
Erläuterung der Geschäftsgegenstände der Konzernunternehmen:
a) Bewirtschaftung, Verwaltung und Verwertung von Immobilien.
b) Projektentwicklung und Verwertung von Liegenschaften.
c) Planung und Bau (einschließlich Ersatzinvestitionen, soweit sie über Wartung oder Instandsetzung hinausgehen) von Schieneninfrastruktur sowie Planung und
Bau von damit in Zusammenhang stehenden Projekten und Projektteilen und die Zurverfügungstellung von Schieneninfrastruktur.
d) Optimierung und Harmonisierung der Infrastrukturplanung und Entwicklung.
e) Reinigung bzw. Sonderreinigung (beispielsweise Graffitientfernung) von Bahnhöfen sowie Sicherheits- und Servicedienstleistungen.
f) Forschung und Entwicklung, insbesondere im Zusammenhang mit der Schieneninfrastruktur.
g) Beschaffung, Einkauf, Finanzierung, Instandhaltung und konzernübergreifende Vermietung von schienengebundenen Spezial- und Straßenfahrzeugen.
h) berufliche Aus- und Weiterbildung.
Seite 204 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
83
Nachfolgend werden Eigenkapital und Jahresergebnis jener Konzernunternehmen dargestellt, die nicht in den
Konzernabschluss einbezogen wurden und an denen zumindest 20% der Anteile gehalten werden. Die Angaben zum
Eigenkapital und zum Jahresergebnis wurden aus den Jahresabschlüssen gemäß jeweiligem nationalem Bilanzierungsrecht
übernommen.
Eigenkapital in TEUR Jahresergebnis in TEUR ÖBB-Infrastruktur-Konzern 31.12.2023 31.12.2022 2023 2022 100% Austrian Rail Construction & Consulting GmbH 168 165 3 0 100% Austrian Rail Construction & Consulting GmbH & Co KG 215 208 5 -2100% Netz- und Streckenentwicklung GmbH 91 96 -4-6100% ÖBB-Stiftungs Management Gesellschaft mbH 101 99 2 0 60% ÖBB-BE GmbH 32 34 -3-160% ÖBB-BE GmbH & Co KG 32 NEU 2023 -3NEU 2023
36. Ereignisse nach dem Bilanzstichtag
Mit Beschluss des Nationalrates vom 5. Juli 2023 betreffend das Bundesgesetz über die Übertragung des Teilbetriebes
Infrastruktur der Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH an die ÖBB-Infrastruktur AG (GKB-Infrastruktur-
Übertragungsgesetz), veröffentlicht im Bundesgesetzblatt Nr.95/2023 wurde die gesetzliche Basis für die
Zusammenführung der Schieneninfrastruktur in der ÖBB-Infrastruktur AG geschaffen. Die Übertragung erfolgt nach
§ 17 SpaltungsG (Abspaltung zur Aufnahme) mit Spaltungsstichtag 31.12.2023 und Aufnahme zum 1.1.2024.
Im Bilanzerstellungszeitraum 2024 wurde durch den Bund die Haftung für eine im Dezember 2023 erfolgte EUROFIMA-
Finanzierung über rd. 15,0 Mio. EUR übernommen.
Der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG hat den geprüften Konzernabschluss zum 31.12.2023 am 18.03.2024 zur
Weitergabe an den Aufsichtsrat freigegeben. Der Vorstand schlägt vor, den Bilanzgewinn der ÖBB-Infrastruktur AG in
Höhe von 258.200.751,31 EUR auf neue Rechnung vorzutragen.
Darüber hinaus gibt es keine berichtspflichtigen Ereignisse nach dem Bilanzstichtag, die eine wesentliche Auswirkung auf
die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben.
Seite 205 von 366

  
 





















/






















 







84
Seite 206 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
1
Inhaltsverzeichnis
A.
Struktur und Beteiligungen .................................................................................................................................. 2
B. Rahmenbedingungen und Marktumfeld .............................................................................................................. 6
B.1. Konjunkturelle Rahmenbedingungen ................................................................................................................... 6
B.2. Politische und regulatorische Rahmenbedingungen ........................................................................................... 11
B.3. Marktumfeld ...................................................................................................................................................... 14
C. Wirtschafts- und Prognosebericht ...................................................................................................................... 14
C.1. Umsatzentwicklung und Leistungsindikatoren ................................................................................................... 15
C.2. Ertragslage ......................................................................................................................................................... 17
C.3. Vermögens- und Finanzlage ............................................................................................................................... 19
C.4. Investitionen und Finanzierungsmaßnahmen ..................................................................................................... 20
C.5. Die Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns .................................................................................................... 28
C.6. Sonstige wichtige Vorgänge und Ausblick ......................................................................................................... 31
D. Forschung und Entwicklung ............................................................................................................................... 35
E. Konzernbeziehungen ......................................................................................................................................... 36
F. Chancen- und Risikobericht ............................................................................................................................... 38
G. Nichtfinanzielle Erklärung .................................................................................................................................. 44
G.1. Statement des Vorstands zur nichtfinanziellen Erklärung ................................................................................... 45
G.2. Allgemein ........................................................................................................................................................... 47
G.3. Umweltbelange.................................................................................................................................................. 63
G.4. Sozial- und Arbeitnehmer:innenbelange (inkl. Stakeholder:innenmanagement) ............................................... 100
G.5. Achtung der Menschenrechte .......................................................................................................................... 125
G.6. Bekämpfung von Korruption und Bestechung ................................................................................................. 127
G.7. GRI-Inhaltsindex ............................................................................................................................................... 128
H. Anmerkungen zum Konzernlagebericht ........................................................................................................... 143
Erklärung gem. § 124 (1) BörseG 145
Konzernlagebericht
Seite 207 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
2
A. Struktur und Beteiligungen
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat einerseits die Nutzung und die Bereitstellung der österreichischen Schieneninfrastruktur
wirtschaftlich, effizient und für alle Eisenbahnverkehrsunternehmen diskriminierungsfrei sicherzustellen. Andererseits
errichtet der ÖBB-Infrastruktur-Konzern österreichische Schieneninfrastruktur im Auftrag der Republik Österreich. Die
Finanzierung der Investitionen für den Schieneninfrastrukturausbau wird über den erwirtschafteten Cashflow, über
Fremdkapital sowie Haftungen und Zuschüsse des Bundes auf Basis mehrjähriger Rahmenpläne sichergestellt. Die
Verwaltung, Entwicklung und Verwertung der Immobilien des ÖBB-Konzerns werden durch die Tochtergesellschaft der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft (fortan ÖBB-Infrastruktur AG), die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH
(fortan ÖBB-Immobilienmanagement GmbH) wahrgenommen.
Die nachfolgende Prozesslandkarte bietet einen Überblick über alle wesentlichen und wertschöpfenden Prozesse des
Unternehmens. Die Darstellung der Zusammenhänge samt Fokussierung auf Kund:innen und Wertschöpfung steht hierbei
im Mittelpunkt. Sie ist nach Prozesskategorie (Geschäfts-, Management- und Unterstützungsprozesse) gegliedert und nach
Detaillierungsebenen aufgebaut.
Integriertes Managementsystem (IMS)
Die ÖBB-Infrastruktur AG betreibt ein zertifiziertes integriertes Managementsystem (IMS), welches die Verbesserung in
den Bereichen, Qualität, Umwelt- und Arbeitnehmer:innenschutz, betriebliche Sicherheit und Asset-Management
unterstützt und überwacht. Das IMS umfasst die ÖBB-Infrastruktur AG inkl. Tochtergesellschaften mit 100% Beteiligung.
Die Wirksamkeit des IMS wird laufend durch ein akkreditiertes Zertifizierungsunternehmen geprüft. Unternehmensintern
unterstützen z. B. interne Audits sowie die Ideenwerkstatt, die Normkonformität sowie eine kontinuierliche Verbesserung
sicherzustellen. Dabei wird dem üblichen Managementkreislauf „Plan – Do – Check – Act” Rechnung getragen.
Maßnahmen, Ziele und Wirksamkeit des integrierten Managementsystems werden laufend im Zuge der implementierten
Steuerungslogik (z. B. Plattform Qualität, Plattform Umwelt und Nachhaltigkeit, Sicherheitsmanagementsystem,
Arbeitnehmer:innenschutzplattform) geprüft. Bei festgestellten Abweichungen und Risiken werden über die
entsprechenden Gremien korrigierende Maßnahmen gesetzt. Darüber hinaus werden im Rahmen einer jährlichen
„Managementbewertung“ dem Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG wesentliche Ergebnisse und Schwerpunkte des IMS
zur Kenntnis gebracht und dabei gegebenenfalls erforderliche strategische Entscheidungen zur Weiterentwicklung
beschlossen. Für den Auditzyklus 2023 / 2024 wurden beispielsweise Weiterentwicklungen in den Bereichen der
Digitalisierung („IMS-Portal”,, Reporting in der Datenbank „Maßnahmenmanagement”, „Behördenschreiben Digital” und
„Vertrauliches Meldewesen”), die Durchführung von Prozessaudits, die Ausweitung der SVP-Grundkurse für Lehrlinge,
konkret definierte Schwerpunkte bei SFK-Begehungen, die Steigerung der Kommunikation zu „Gesundheit auf Schiene”
und die Erwirkung der neuen Sicherheitsgenehmigungen für die Schweiz und Liechtenstein beauftragt.
Seite 208 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
3
Die ÖBB-Infrastruktur AG und ihre Tochtergesellschaften sind gemäß den nachfolgend angeführten Normen zertifiziert.
ÖNORM EN
ISO 9001:
2015
ÖNORM EN
ISO 14001:
2015
ISO 45001:
2018
ISO 55001:
2014
SMS gem.
Eisenbahn-
gesetz / VO (EU)
2018 / 762
SCC
ÖBB-Infrastruktur AG
X
X
X
X
X
ÖBB-Immobilienmanagement GmbH
X
X
X
Rail Equipment GmbH & Co KG
X
X
X
ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG
X
X
X
X
WS Service GmbH
X
X
X
Die Muttergesellschaft Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft (fortan ÖBB-Holding AG) ist eine
Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht. Der Sitz der Gesellschaft ist Am Hauptbahnhof 2, A-1100 Wien, und die
Gesellschaft ist in dem beim Handelsgericht Wien geführten Firmenbuch unter der FN 247642f eingetragen. Der Bund
hält sämtliche Anteile der ÖBB-Holding AG, diese hält sämtliche Anteile der ÖBB-Infrastruktur AG. Die ÖBB-
Infrastruktur AG ist ebenfalls eine Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht und ist beim Handelsgericht Wien mit
der Firmenbuchnummer FN 71396w registriert. Der Sitz der Gesellschaft ist Praterstern 3, A-1020 Wien. Hinsichtlich
weiterer geforderter Angaben in § 243a(1) UGB wird auf die Erläuterungen zum Konzernabschluss verwiesen. Betreffend
der Angaben in § 243a(2) UGB siehe Kapitel F. Chancen- und Risikobericht.
Die Beteiligungen
In der Beteiligungsübersicht im Anhang des Konzernabschlusses des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns sind seine Beteiligungen
vollständig angeführt. Einen Überblick über die Anzahl der Beteiligungen im In- und Ausland sowie die ÖBB-
Infrastruktur AG liefert folgende Übersicht:
per 31.12.2023
per 31.12.2022
Beteiligungen >50%
20
19
Beteiligung 20–50%
3
4
davon im Ausland
1
1
Beteiligungen <20%
1
1
davon im Ausland
1
1
Summe
24
24
davon im Ausland
2
2
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern mit insgesamt 18.541 Mitarbeiter:innen (Stand 31.12.2023) betreibt in Österreich 1.031
Personenbahnhöfe und Haltestellen sowie die Schieneninfrastruktur, die von der ÖBB-Personenverkehr AG, der Rail Cargo
Austria AG, zwei weiteren zum ÖBB-Konzern gehörenden Gesellschaften und von anderen, nicht zum ÖBB-Konzern
gehörenden Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVUs) genützt werden.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat folgende wesentliche Tochtergesellschaften und Beteiligungen:
ÖBB-Immobilienmanagement GmbH
Die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH bietet moderne Immobiliendienstleistungen an. Mit rd. 23.000
Liegenschaften sind die ÖBB einer der größten Immobilieneigentümer Österreichs. Die ÖBB-
Immobilienmanagement GmbH – eine hundertprozentige Tochter der ÖBB-Infrastruktur AG – agiert als gesamtheitlicher
Immobiliendienstleister primär innerhalb des ÖBB-Konzerns. Ihr Aufgabengebiet umfasst den Verkauf und die Verwertung
von Immobilien, Projektentwicklung, Umsetzung der Bahnhofsoffensive, Liegenschaftsverwaltung (kaufmännisch und
technisch) sowie Bahnhofs- und Raummanagement. Sie entwickelt und verwertet nicht betriebsnotwendige
Liegenschaften und betreut ein umfassendes Portfolio von 3.595 Gebäuden sowie 1.031 Personenbahnhöfen und
Haltestellen über ihren gesamten Lebenszyklus. Das Leistungsspektrum umfasst die kaufmännische und technische
Hausverwaltung sowie die Anlagenverantwortung für nahezu alle Hochbauanlagen des ÖBB-Konzerns inkl. Bahnhöfen.
Ihr Verantwortungsbereich umfasst zudem die Erstellung von hochbaurelevanten Qualitätsstandards und Prüfsystemen.
Rd. 800 Mitarbeiter:innen sorgen österreichweit für die professionelle und effiziente Abwicklung des umfassenden
Leistungsportfolios. Für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern konnten im Geschäftsjahr 2023 aus der Verwertung von
Liegenschaften Ergebnisbeiträge (Erlöse abzüglich Buchwerte und Rückstellungen) in Höhe von rd. 20,5 Mio. EUR
(Vj: rd. 72,7 Mio. EUR) erzielt werden.
Seite 209 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
4
Neben den Aufgaben in der Hausverwaltung im Bereich Bahnhofs- und Liegenschaftsmanagement ist die Eigentümerrolle
für sämtliche Liegenschaften (Hochbauten und Grundstücke) sowie für die Personenbahnhöfe hervorzuheben. Somit
verantwortet die ÖBB-Immobilienmanagement GmbH das Gesamtbild des Bahnhofs im Sinne der Mobilitätskette mit
Bahnhofsgebäude, Vorplätzen, Straßen, Wegen, Park & Ride-Anlagen, Kund:innensanitäranlagen und Bahnsteigen bis zur
Bahnsteigkante. Sie ist der kompetente Ansprechpartner sowohl konzernintern als auch gegenüber Kund:innen,
Anrainer:innen, Gebietskörperschaften und Interessensgruppen. Eine der wichtigsten aussagekräftigen
Qualitätskennzahlen des ÖBB-Immobilienmanagements sind: Qualitätscheck, Störungskennziffern und Beschwerden.
Der gesetzte Zielwert für die Kund:innenzufriedenheit in Summe (Durchschnitt aller Kategorien im Qualitätscheck) wurde
im Jahr 2023 wieder erreicht bzw. sogar um 1,9 Prozentpunkte überboten. Die Zielwerte wurden in allen acht QC-
Kategorien erreicht. Die Anforderungen betreffend Sicherheit, Sauberkeit WC, Sauberkeit und Erhaltung Bahnhof,
Barrierefreiheit, Wegeleitung, Parkmöglichkeiten, Warten am Bahnhof, Kaufen / Konsumieren im Hinblick auf den
definierten Zielwert wurden überboten.
Die Anzahl der einzuleitenden, anlagenrelevanten Sofortmaßnahmen zur umgehenden Behebung der festgestellten
Mängel (ohne Kund:inneninformation, ohne Fahrweg) verzeichnete 2023 laut QC Management Report im Jahresverlauf
eine rückläufige Entwicklung. Die aktuelle Anzahl der Sofortmaßnahmen je Verkehrsstation liegt gemittelt pro Monat bei
0,10 und ist somit niedriger als im Vorjahr (0,13).
Da sich die Sofortmaßnahmen konstant auf einem sehr guten niedrigen Niveau befinden, konzentriert man sich in
weiteren Analysen schwerpunktmäßig auf die Ursache von festgestellten Mängeln, um die Qualität am Bahnhof weiterhin
sicherzustellen bzw. noch zu verbessern.
Zu Beginn der Erhebung im Jahr 2013 lag die Anzahl der Sofortmaßnahmen vergleichsweise gemittelt bei 7.000 pro Monat.
Die Gesamtzahl der Beschwerden im Geschäftsjahr 2023 beläuft sich auf 1.556. Die Gliederung der Beschwerdezahl sieht
wie folgt aus: Sicherheit 295, Sauberkeit WC 156, Sauberkeit und Erhaltung Bahnhof 284, Barrierefreiheit 197,
Wegeleitung 73, Parkmöglichkeiten 385, Warten am Bahnhof 153, Kaufen / Konsumieren 13.
ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG
Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG ist der konzerninterne umfassende Anbieter von Sicherheits- und
Sauberkeitsdienstleistungen. Im Bereich der Reinigung werden österreichweit die Bahnhöfe – und somit der für die
Kund:innen sichtbare Bereich – durch Personal der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG gereinigt. Die
Reinigungsleistungen umfassen sowohl die tägliche bzw. regelmäßige Unterhaltsreinigung als auch die Sonderreinigung
(etwa von Dächern, das Auftragen von Bodenversiegelungen). Dabei ist die Expertise der Mitarbeiter:innen von besonderer
Bedeutung: Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG hat in jedem Bundesland bzw. Gebiet Mitarbeiter:innen mit der
Meisterprüfung in der Reinigung – dadurch ist eine gute Beratung der internen Auftraggeber sichergestellt. Für EVUs bietet
die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG einen umfassenden Service bei der Graffitientfernung von Zügen. Die ÖBB-
Operative Services GmbH & Co KG ist seit 01.01.2017 Generaldienstleister für operative Sicherheitsleistungen im ÖBB-
Konzern. Auf den Bahnhöfen sorgen Securitys der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG für Sicherheit und Ordnung –
durch ein intelligentes, die tatsächliche Lage widerspiegelndes Flächenkonzept werden alle Bahnhöfe in Österreich
entweder durch mobile Streifen oder durch stationäre Mitarbeiter:innen betreut. Seit 01.01.2019 sind neben den
operativen Securityleistungen durch die Eingliederung der öffentlichen Sicherheit (vormals Konzernsicherheit) auch die
strategischen Securityleistungen Teil des Portfolios. Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG entwickelt sich dadurch
zu einem One-Stop-Shop im Konzern und garantiert eine effiziente Leistungserbringung. Neben den Reinigungs- und
Sicherheitsdienstleistungen werden auch alle operativen Kund:inneninformationsleistungen der ÖBB Infrastruktur AG an
den Bahnhöfen von der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG abgewickelt. Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG
ist mit seinen Produkten das Gesicht der ÖBB-Infrastruktur AG bei den Endkund:innen. Des Weiteren tritt die ÖBB-
Operative Services GmbH & Co KG seit 01.09.2019 auch als Arbeitskräfteüberlasser von definitiv gestellten
Arbeitnehmer:innen auf.
Rail Equipment GmbH & Co KG
Die Beschaffung und konzernübergreifende Vermietung und Verwertung von schienengebundenen Spezialfahrzeugen und
Geräten sowie Straßenfahrzeugen, deren Einkauf, Finanzierung sowie Instandhaltung und Wartung liegen im
Aufgabenbereich der Rail Equipment GmbH & Co KG. Darüber hinaus unterstützt die Rail Equipment GmbH & Co KG mit
dem Carsharing-Angebot „ÖBB Rail&Drive” die strategische Ausrichtung des ÖBB-Konzerns zum
Gesamtmobilitätsdienstleister.
Seite 210 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
5
WS Service GmbH
Die WS Service GmbH wurde Ende 2013 gegründet und erbringt Dienstleistungen für und im Zusammenhang mit Weichen.
Die Beteiligung der ÖBB-Infrastruktur AG an der WS Service GmbH beträgt 51%, zu 49% ist die voestalpine Turnout
Technology Zeltweg GmbH beteiligt. Die WS Service GmbH erbringt Leistungen an Weichen und angrenzenden Gleisen,
insbesondere im Bereich der Wartung, Inspektion und Instandsetzung.
Das für die Abwicklung des Leistungsspektrums der WS Service GmbH erforderliche Personal ist aus dem Personalstand
der ÖBB-Infrastruktur AG geleast. Seit Anfang 2022 werden die Mitarbeiter:innen über die ÖBB-Infrastruktur AG am
externen Markt aufgenommen und an die WS Service GmbH verleast. Derzeit hat die WS Service GmbH rd. 120 von der
ÖBB-Infrastruktur AG überlassene Mitarbeiter:innen.
Im Jahr 2019 schrieb die ÖBB-Infrastruktur AG die Leistungen über Weicheninstandhaltungen im gesamten Streckennetz
der ÖBB-Infrastruktur AG aus. Im August 2019 erhielt die WS Service GmbH den Zuschlag für diese Ausschreibung. Es
wurde ein Rahmenvertrag abgeschlossen, der von 01.09.2019 bis 31.12.2020 gültig war, inklusive Option zweimal für
jeweils zwei Jahre zu verlängern. Im abgelaufenen Jahr wurde auch die zweite Option der Verlängerung von der ÖBB-
Infrastruktur AG gezogen. Der Rahmenvertrag wurde um weitere zwei Jahre bis 31.12.2024 verlängert. Ab dem Jahr 2025
soll der Rahmenvertrag durch eine Leistungsvereinbarung zwischen ÖBB-Infrastruktur AG und WS Service GmbH ersetzt
werden.
Die WS Service GmbH legt sehr großen Wert auf Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter:innen. So betreibt sie am Standort
des Firmensitzes in St. Georgen die WS Akademie, wo sowohl Mitarbeiter:innen der beiden Muttergesellschaften als auch
externer Firmen an Weichenobjekten im Zuge von Kursen trainieren können.
Die WS Service GmbH hat sich auch im Bereich der Anschluss- und Privatbahnen als verlässlicher Partner etabliert. In
Kooperation mit der Rail Cargo Austria AG werden Anschlussbahnen umfassend betreut, um den Anschlussbahnbetreibern
einen rechtssicheren Zustand ihrer Anlagen zu gewährleisten.
Der Montagetrupp im Bereich der Leit- und Sicherungstechnik war im Jahr 2023 bereits österreichweit aktiv und hat hier
vorrangig die ÖBB-Infrastruktur AG im Rahmen der Reinvestitionstätigkeiten unterstützt.
Weichenwerk Wörth GmbH
Die Weichenwerk Wörth GmbH ist Österreichs Marktführer bei der Produktion von Weichen, Isolierstößen sowie
weichenbezogenen Logistikleistungen und konnte sich vor allem im Oberbauhandel sowie im Geschäftszweig
Industrieweichen auch als Exporteur nach Südost- und Westeuropa positionieren. Die Beteiligung an der Weichenwerk
Wörth GmbH beträgt 43,05%.
Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE
Die Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE wurde auf Grundlage des Staatsvertrages zwischen der
Republik Österreich und der italienischen Republik als Projektgesellschaft gegründet, welche als Ziel die Verwirklichung
von Eisenbahninfrastrukturanlagen auf der Brennerachse zwischen Innsbruck und Franzensfeste hat. Entsprechend dem
Staatsvertrag werden die Projektkosten zu gleichen Teilen durch beide Vertragsparteien getragen. Für die Republik
Österreich wurde deshalb die ÖBB-Infrastruktur AG als Eigentümer an der Galleria di Base del Brennero – Brenner
Basistunnel BBT SE zu einem Anteil von 50% eingesetzt. Die nötigen Finanzmittel werden der ÖBB-Infrastruktur AG im
jeweils geltenden Rahmenplan von der Republik Österreich zur Verfügung gestellt.
Weitere wesentliche Tochtergesellschaften
Immobilienprojekte werden zum Teil in ausgegliederten Projektgesellschaften abgewickelt. Hier sind insbesondere die
ÖBB-Realitätenbeteiligungs GmbH & Co KG, die Elisabethstraße 7 Projektentwicklung GmbH & Co KG, die
Elisabethstraße 9 Projektentwicklung GmbH & Co KG, die Gauermanngasse 2–4 Projektentwicklung GmbH & Co KG, die
Operngasse 16 Projektentwicklung GmbH & Co KG und die Mariannengasse 16–20 Projektentwicklung GmbH & Co KG
hervorzuheben.
Seite 211 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
6
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern stellt nicht nur die österreichische Schieneninfrastruktur zur Verfügung, sondern ist auch
Arbeitgeber für insgesamt 18.541 Mitarbeiter:innen. Die ÖBB-Infrastruktur AG arbeitet mit Partnern in den folgenden
Bereichen zusammen:
– Bau
– Transport
– Technische Betriebsmittel
– Informationstechnologie und Telekommunikation
– Facility-Management
– Büromaterial
– Entsorgung etc.
Zweigniederlassungen
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern verfügt über keine Betriebsstätten bzw. Zweigniederlassungen.
B. Rahmenbedingungen und Marktumfeld
B.1. Konjunkturelle Rahmenbedingungen
Globale Wirtschaftsentwicklung
Die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2023 war geprägt von der Erholung nach der COVID-19-Pandemie sowie den
Folgen des Krieges in der Ukraine. Vor allem Letzterer hatte im Jahr 2022 massive Steigerungen der Energie-, Rohstoff-
und Lebensmittelpreise ausgelöst sowie zu hohen Inflationsraten und konjunkturellen Verwerfungen geführt. Auf diesen
Preisanstieg hatten die Notenbanken, allen voran FED und EZB, mit drastischen Zinserhöhungen bis ins Jahr 2023 hinein
reagiert, um die Nachfrage abzukühlen und damit die Inflation zu bremsen.
Vor diesem Hintergrund zeigte sich die Weltwirtschaft 2023 mit einem Wachstum des globalen BIP von 3,0% erstaunlich
resilient. Für 2024 wird ein Wachstum von 2,9% vorhergesagt. Allerdings liegen die Wachstumsraten damit noch unter
dem Prä-COVID-19-Durchschnitt von 3,8% (2000–2019).
1
Wirtschaftsentwicklung weltweit (Änderungen gegenüber dem Vorjahr in %)
Kennzahlen und Prognosen zur globalen Wirtschaftslage
2022
2023
2024
Bruttoinlandsprodukt, real
Eurozone
3,3
0,7
1,2
USA
2,1
2,1
1,5
China
3,0
5,0
4,2
Welt
3,5
3,0
2,9
Welthandel (Güter und Dienstleistungen), real
5,1
0,9
3,5
Wertschöpfung Industrieproduktion, real
2,4
1,4
2,4
Verbraucherpreise
Industrieländer
5,4
4,0
2,8
Entwicklungs- / Schwellenländer
9,8
8,5
7,8
Rohölpreis (in USD)
39,2
-16,5
-0,7
Rohstoffpreis (in USD)
7,9
-6,3
-2,7
Quelle: IWF, Oxford Economics.
Ein Eckpfeiler der globalen Konjunktur war das Wachstum in den USA, das mit 2,1% stärker als erwartet ausfiel. Ein
„Shutdown” der Verwaltung durch Erreichen der Schuldenobergrenze im ersten Halbjahr 2023 konnte vermieden werden.
Die im Vergleich zur Eurozone frühzeitige Straffung der Geldpolitik sorgte für eine Rückführung der Inflation, ohne dass
die USA in eine Rezession rutschten. Die Arbeitslosenrate befand sich im Dezember 2023 mit 3,7% weiterhin auf einem
sehr niedrigen Niveau, wobei der akute Arbeitskräftemangel, der 2022 noch für einen starken Preisdruck gesorgt hatte,
nachließ.
2
1
IWF.
2
FRED, J.P.Morgan.
Seite 212 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
7
Die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verlief im vergangenen Jahr hingegen weniger positiv. Nach der Insolvenz
des Konzerns Evergrande im August 2023 befand sich die Immobilienwirtschaft, früher einer der Haupttreiber des
Wachstums in China, auf Talfahrt. Deflationäre Tendenzen und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit dämpfen den Ausblick
und das Vertrauen der Verbraucher:innen in die chinesische Wirtschaft ist stark gesunken. Jährliche Wachstumsraten über
6,0%, wie sie vor der Pandemie üblich waren, scheinen mittelfristig unerreichbar. Dies hat auch Implikationen für die
Entwicklung des Warenhandels mit dem Fernen Osten.
3
Im internationalen Warenhandel war 2023 mehrheitlich von einer Entspannung geprägt. Nach den turbulenten
Pandemiejahren kehrte der Seehandelsverkehr im Jahresverlauf zur Normalität zurück. Der CCFI-Index, der
Containerfrachtraten von und nach China misst, lag 2023 im Durchschnitt der Monatsendwerte bei 933 Indexpunkten –
ein Minus von 65,4% gegenüber 2022. Der Global Supply Chain Pressure Index (GSCPI) lag zwischen Februar und Ende
2023 bei einem Wert unter oder marginal über 0, was keine signifikanten Lieferkettenstörungen im Welthandel bedeutet.
4
Allerdings sorgten zu Jahresende 2023 Angriffe auf Frachtschiffe im Roten Meer zu großräumigen Umleitungen und einem
erneut deutlichen Anstieg der Spotraten.
5
Entwicklung von Transportpreisen und Börsenindizes
Preisentwicklung für Rohstoff- und Containertransporte DAX und Dow Jones (Index 2020=100)
Baltic Dry und CCFI-Indizes (Indexpunkte)
Quelle: investing.com, container-news, finanzen.at.
Die Entwicklung auf den Energiemärkten verlief 2023 turbulent. Insgesamt war eine Entspannung zu beobachten,
insbesondere bei den Gaspreisen. Jedoch sorgte das Commitment des Kartells OPEC+, die Fördermengen zu reduzieren,
auf dem Ölmarkt zwischenzeitlich wieder für einen signifikanten Preisanstieg. Nach einem relativ niedrigen Ölpreis (Brent)
zwischen 70 und 80 Dollar pro Barrel im Juni 2023 stiegen die Preise bis Ende des dritten Quartals 2023 auf über 95 Dollar.
Bis zum Jahresende kam es trotz der Unruhen im Nahen Osten jedoch wieder zu einem Rückgang auf unter 80 Dollar je
Barrel. Der weltweite Erdgaspreis pro MMBtu (Million British Thermal Units) bewegte sich zwischen knapp unter 10 Dollar
im Sommer 2023 und 20 Dollar zum Ende des Jahres 2023. Damit lag der Preis zwar deutlich über dem Niveau vor 2022,
es ist aber auch eine eindeutige Entspannung zum Erdgaskrisenjahr 2022 – mit Zwischenhochs von bis zu 70 Dollar –
erkennbar.
6
Die Finanzmärkte zeigten sich von den turbulenten Entwicklungen der Realwirtschaft weitgehend unberührt. So blieben
trotz der zum Teil deutlichen Zinsschritte der Notenbanken die Realzinsen angesichts der hohen Inflationsraten weiterhin
negativ. Die Verluste der wichtigsten Aktienindizes im Zuge der Ukrainekrise wurden im Jahr 2023 mehr als wettgemacht.
Positive Aussichten für die Weltwirtschaft und das Zinsniveau sowie eine boomende Technologiebranche in Amerika
führten zu einem Allzeithoch von DAX und Dow Jones im Dezember 2023.
7
3
FRED, der Standard, DW.
4
New York Fed.
5
Die Presse.
6
Tagesschau.
7
FAZ, CBS.
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
4.000
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
2022 2023
Baltic Dry
CCFI
95
105
115
125
135
145
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
2022 2023
Dow Jones
DAX
Seite 213 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
8
Die fiskalische Situation vieler Staaten bleibt angespannt. Einerseits reduzierte die starke Inflation die Schuldenquoten in
vielen Ländern erheblich. Die Leitzinsen erhöhen jedoch mittelfristig die Kosten des Schuldendienstes deutlich. Die
weltweite Staatsschuldenquote tendiert bis 2025 zu knapp unter 10,0% des BIP. Der IWF schätzt, dass Staaten mit
niedrigen und mittleren Einkommen bis 2027 im Durchschnitt 10,0% ihrer Steuerbasis für Zinsen aufwenden werden
müssen. Dazu kommen die Herausforderungen der „Grünen Transformation”, die weltweit große Investments verlangt.
Der Ausblick für die nahe Zukunft ist verhalten positiv. Das Ziel einer „weichen Landung”, bei der die Inflation auf den
Normalwert sinkt, ohne dass die Weltwirtschaft in eine Rezession schlittert, scheint erreicht. Abwärtsrisiken für die
nächsten Jahre kommen vor allem aus China. Das Risiko einer Finanzkrise im Stil des Jahres 2008 besteht weiterhin. Eine
solche hätte weitreichende Auswirkungen auf die weltweite Nachfrage nach Gütern. Darüber hinaus ist infolge der
angespannten geopolitischen Situation (Krieg in der Ukraine, hegemoniale Bestrebungen Chinas, Spannungen im Nahen
Osten) das Risiko von Rohstoffpreisschwankungen wieder gestiegen. Sollten sich diese Risiken nicht manifestieren, stehen
die Zeichen der Weltwirtschaft auf Wachstum.
Europäische Wirtschaftsentwicklung
Ähnlich wie die Weltwirtschaft erwies sich auch die europäische Wirtschaft im Jahr 2023 überraschend resilient. Zwar war
die Binnennachfrage insbesondere beim Privatkonsum aufgrund der hohen Inflation eher schwach. Jedoch kamen vom
außergewöhnlich starken Arbeitsmarkt und den sinkenden Energiepreisen positive Impulse. Als Folge der geldpolitischen
Straffung gingen auch die Kreditvergabe und damit einhergehend die Investitionen zurück. Insgesamt lag das
Wirtschaftswachstum in der EU nach aktuellem Stand 2023 bei 0,6%. Für 2024 wird ein Wachstum knapp über 1,0%
erwartet. Tendenziell ist eine Umkehr des Trends der Prä-COVID-19-Jahre zu erkennen. Die erwarteten Wachstumsraten
sind in südeuropäischen Ländern wie Spanien und Griechenland höher als beispielsweise in Deutschland und Österreich.
Die europäische Wirtschaft 2023 war weiterhin mit hohen Inflationsraten konfrontiert. Die restriktive Geldpolitik seitens
der EZB und den anderen Zentralbanken in der EU trägt jedoch Früchte. In der Eurozone sank die Inflationsrate (laut HVPI)
deutlich von 8,4% auf 5,6%. In den europäischen Ländern außerhalb der Eurozone war die Inflation teilweise noch höher.
Beispielsweise lag die durchschnittliche Inflation in Ungarn und Polen noch bei 17,2% bzw. 11,1%. Ursprünglich waren
die hohen Energiepreise zu einem Gutteil für die Inflation verantwortlich, mittlerweile ist es jedoch ein deutlich größerer
Teil des Warenkorbes, der die Inflation treibt. So betrug die Kerninflation (ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak)
im Kalenderjahr 2023 in der Eurozone 5,1%. Als Reaktion auf die hohe Inflation wurde der EZB-Leitzins weiter schrittweise
von 2,5% zu Jahresbeginn auf 4,5% ab September 2023 erhöht. Der Markt erwartet jedoch, dass der aktuelle Zinssatz
von 4,5% nicht überschritten wird. Mit einem Abkühlen der Inflation sind aber eventuell schon ab der Mitte des Jahres
2024 Zinsschritte nach unten möglich.
8
Das Schreckensszenario einer Gasknappheit im Winter 2022 / 23 infolge des Ukrainekrieges realisierte sich nicht. Ein
milder Winter sowie Energiesparmaßnahmen in Europa drosselten den Gasverbrauch zwischen August 2022 und Jänner
2023 um 19% im Vergleich zu derselben Periode im Vorjahr. Darüber hinaus wurde der Import aus anderen Ländern (wie
z. B. den USA und Katar) auf dem Seeweg verstärkt. Russland bleibt jedoch mittelfristig eine wichtige Gasquelle für Europa.
Aufgrund des Merit-Order-Systems schlugen sich die weltweit hohen Gaspreise auf die Strompreise in weiten Teilen
Europas nieder. So lag der deutsche Strompreis für Nichthaushalte im 1. Halbjahr 2023 um 138,0% über dem Wert im
ersten Halbjahr 2021. Zwar lag der Strompreis in der zweiten Jahreshälfte 2023 deutlich unter dem Krisenniveau im
Winter 2022 / 23, jedoch gehen die Märkte mittelfristig von einem anhaltend höheren Strom- und Gaspreis in Europa
aus.
9
Die hohen Energiepreise und die gestiegenen Finanzierungskosten schlugen sich auch in der Industriekonjunktur nieder.
Die Industrieproduktion in der Eurozone verringerte sich im Jahr 2023 um 1,0%. Besonders heftig traf es die
energieintensiven Branchen wie Holz-, Papier- und Chemie, in denen die Wertschöpfung real um 7,0% bis 10,0%
zurückging. Der Ausreißer unter den Industriebranchen ist die Autoindustrie. Sie erzielte 2023 eine 11,0% höhere
Wertschöpfung im Vergleich zum Vorjahr, lag damit aber trotzdem noch unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Die
Industrie strauchelt insbesondere in Deutschland und Italien, bei den beiden größten Handelspartnern Österreichs. Die
deutsche Industrie hat sich seit 2019 signifikant schlechter als der Eurozonenschnitt entwickelt und konnte auch 2023
nicht den realen Vorkrisen-Output erreichen. In Italien ging der industrielle Output 2023 um 2,3% zurück.
10
Äußerst heterogen verläuft auch die Konjunktur in den Mittel-, Ost- und südosteuropäischen Ländern. Im Zuge der
Abkühlung der Industriekonjunktur rutschten Länder wie Tschechien und Ungarn in die Rezession. Hingegen profitierten
Tourismusnationen wie Griechenland und Kroatien vom robusten Reiseverhalten. Für 2024 werden für die Staaten der
RCG-Kernmärkte wieder durchgängig positive Wachstumsraten, teilweise über 2,0%, erwartet. Insgesamt bleibt die
positive Entwicklung Südosteuropas auch ein Lichtblick für Österreichs Wirtschaft.
11
8
Europäische Kommission, EZB.
9
Tagesschau, destatis, Oxford Economics.
10
Oxford Economics, Europäische Kommission.
11
WIIW, Oxford Economics.
Seite 214 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
9
In Europa ist die Situation der Staatsfinanzen angespannt – in doppelter Hinsicht. Ausgabenseitig waren die
Hilfsprogramme im Zuge der COVID-19-Pandemie und der Energiepreiskrise sehr kostspielig, was in den letzten Jahren zu
hohen Budgetdefiziten führte. Andererseits sorgte die hohe Inflation für eine fallende Schuldenquote. So lag der
Bruttoschuldenstand der Staaten der Eurozone 2023 mit ca. 89,6% des BIP knapp unter dem Vorjahreswert, aber
weiterhin deutlich über dem Wert des Jahres 2019. Explodiert sind zudem die laufenden Kosten des Schuldendienstes
durch die gestiegenen Zinsen. Das schränkt die wirtschaftspolitischen Spielräume mittelfristig stark ein.
12
Die mittelfristige Perspektive für die europäische Wirtschaft ist stabil. In ihrer Prognose geht die EU-Kommission davon
aus, dass die restriktive Notenbankpolitik ihre Wirkung nicht verfehlt und die aktuell noch hohen Inflationsraten nicht von
Dauer sein werden. Durch den weiterhin robusten Arbeitsmarkt und die steigenden Realeinkommen ist 2024 in der EU
ein reales Wirtschaftswachstum von über einem Prozent möglich. Ein großer Risikofaktor sind auch hier die zahlreichen
weltweiten geopolitischen Spannungen und Krisen. Darüber hinaus zeigen sich Extremwettersituation – wie etwa im Juli
2023 die Hitzewelle in Süditalien oder im August 2023 die Hochwässer in Slowenien und Südösterreich – als ein
wachsendes klimatisches Risiko auch für die Konjunkturentwicklung.
13
Österreichische Wirtschaftsentwicklung
Die Phase des rasanten Aufschwungs nach dem pandemiebedingten Einbruch der COVID-19-Jahre ist im Jahr 2023 zu
einem abrupten Ende gekommen. Nach einem Plus von 4,8% im Jahr 2022 ist das BIP 2023 um 0,8% zurückgegangen.
Bereits zu Jahresende 2022 zeichnete sich angesichts hoher Inflationsraten und einer Abschwächung des globalen
Wirtschafts- und Handelsumfeldes eine Abkühlung der Konjunktur in Österreich ab.
14
Angesichts voller Auftragsbücher in
der Industrie sowie positiver Wachstumsbeiträge aus Nettoexporten und Privatkonsum erwies sich die österreichische
Wirtschaft zu Jahresanfang allerdings noch vergleichsweise resilient. Im ersten Quartal 2023 konnte noch ein BIP-
Wachstum von 1,9% im Vergleich zur Vorjahresperiode erzielt werden. Ab dem zweiten Quartal 2023 drehte die
Entwicklung jedoch deutlich ins Negative.
Kennzahlen und Prognosen zur Wirtschaftslage in Österreich
Größe
Einheit
2022
2023
2024
Bruttoinlandsprodukt, real
Veränderung in %
4,8
-0,8
0,9
Industrieproduktion
6,8
-0,6
-0,3
Warenexporte
7,1
1,9
2,2
Warenimporte
5,1
-2,8
2,5
Bruttoanlageinvestitionen, real
0,1
-2,0
-1,0
Private Konsumausgaben, real
5,7
0,0
1,6
Inflationsrate (Verbraucherpreise)
8,6
7,8
4,0
Maastricht-Defizit
in % des BIP
-3,5
-2,3
-2,4
Arbeitslosenquote
in % der Erwerbspersonen
6,3
6,4
6,4
Quelle: Statistik Austria, WIFO, Oxford Economics.
Verantwortlich für diese Entwicklung war vor allem der Einbruch in der Industrie und der Bauwirtschaft. So befand sich
die Sachgütererzeugung ab dem zweiten Quartal 2023 in einer Rezession, die sich bis zum Jahresende hin weiter verstärkte.
Eine wesentliche Ursache dafür war der Abbau der Vorsichtlager an Vorratsgütern, die aufgrund der multiplen Krisen der
jüngeren Vergangenheit entstanden waren. Dieser Lagerabbau führte zu einem Einbruch der Nachfrage von
Vorleistungsgütern und Endprodukten.
15
Die Nachlaufeffekte der Energiepreiskrise machten zudem vor allem
energieintensiven Branchen wie der Papierindustrie schwer zu schaffen.
16
Auch das Investitionsklima hat sich merklich
eingetrübt. Besonders betroffen ist der Bausektor. Hier wirkte sich vor allem das verschlechterte Finanzierungsumfeld
negativ aus.
17
12
IWF, Handelsblatt.
13
Europäische Kommission.
14
OeNB.
15
WIFO.
16
Bank Austria.
17
WIFO.
Seite 215 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
10
Entwicklung der Industrieproduktion (ohne Bauwirtschaft) in Österreich
(Produktionsindex, arbeitstätig bereinigt, Änderung gegenüber dem Vorjahresquartal in %)
Quelle: Statistik Austria.
Positive Wachstumsimpulse kamen hauptsächlich vom Außenhandel. Dies betrifft sowohl Waren- als auch
Dienstleistungsexporte, bei Letzteren insbesondere im Bereich des Tourismus. Der private Konsum stagnierte 2023
hingegen angesichts der weiterhin überhöhten Inflation. Der Handel verzeichnete ein Minus, während die Nachfrage nach
Dienstleistungen zumindest leicht positiv blieb.
Die Inflation blieb sowohl in Bezug auf das EZB-Ziel von 2,0% als auch im Vergleich zum Durchschnitt der
Eurozonenstaaten mit 7,9% im Jahresmittel deutlich überhöht. Zwar gingen die Energiepreise im Gesamtjahresvergleich
zurück, jedoch erwies sich die sogenannte Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) als persistent. Die
Arbeitslosigkeit blieb trotz Rezession im Vergleich zu den Vorjahren auf niedrigem Niveau. Aus Sorge um den
Fachkräftemangel setzen viele Unternehmen trotz angespannter Auftragslage auf „Labour Hoarding”, also den Verzicht
auf konjunkturbedingten Personalabbau.
2024 ist mit einer Rückkehr auf den Wachstumspfad zu rechnen – getragen vor allem von einer deutlichen Erholung des
Privatkonsums. Dementsprechend sollten Lohnabschlüsse im Bereich der rollierenden Inflation ab 2024 für eine Steigerung
der Nettoreallöhne sorgen. Die Industrie, insbesondere die Bauwirtschaft, dürfte jedoch ein weiteres Rezessionsjahr vor
sich haben. Im Bereich der Sachgütererzeugung ist frühestens ab der zweiten Jahreshälfte 2024 mit einer Rückkehr auf
den Wachstumspfad zu rechnen.
18
Die günstige Arbeitsmarktlage und das Auslaufen der meisten COVID-19-Hilfen verbesserten bereits 2022 die
Finanzierungslage des Staatshaushalts. Einnahmenseitig profitierte dieser auch von gestiegenen Steuereinnahmen durch
die hohe Inflation. Dämpfend wirkten hingegen die zahlreichen Maßnahmen der öffentlichen Hand zur Abfederung von
Energiepreisanstieg und allgemeiner Inflation ebenso wie die gestiegenen Finanzierungskosten durch die
Leitzinsentwicklung. Insgesamt wird für 2023 mit einem Rückgang der Staatsneuverschuldung gerechnet – auf ein Niveau
unter die Maastricht-Obergrenze von 3,0% des BIP. Dieses Defizit soll vorbehaltlich neuer Inflationsausgleichsmaßnahmen
2024 weiter sinken.
19
18
WIFO.
19
BMF.
2,3%
22,5%
7,9%
9,5%
11,1%
8,3%
5,5%
2,9%
1,3%
-0,2%
-1,3%
-5%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
1. Q 2. Q 3. Q 4. Q 1. Q 2. Q 3. Q 4. Q 1. Q 2. Q 3. Q
2021 2022 2023
Seite 216 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
11
Kapitalmärkte und Staatshaushalt
Seit 2016 werden die erforderlichen Finanzmittel für die Infrastrukturinvestitionen der ÖBB-Infrastruktur AG durch die
Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) am Kapitalmarkt aufgenommen. Die Finanzierungskosten sind daher
durch das Zinsniveau von Bundesanleihen bestimmt. Die deutlichen Zinsschritte der EZB in der letzten beiden Jahre sind
auch an den Anleihenmärkten nicht spurlos vorüber gegangen. So wurde im Oktober 2023 mit 3,6% ein vorläufiger
Höchststand der Emissionsrenditen österreichischer Bundesanleihen im Periodendurchschnitt erreicht – bei einer mittleren
Laufzeit von knapp zwölf Jahren. Im Gesamtjahr 2023 betrug der Wert 3,1% und hat sich damit im Vergleich zum
Periodendurchschnitt 2022 mehr als verdoppelt. Die Entwicklung der durchschnittlichen Renditen aller im
Periodenzeitraum im Umlauf befindlichen Anleihen verlief annähernd gleich. Auch hier betrug der Anstieg 2023 im
Gesamtjahresmittel 3%, das entspricht einem prozentuellen Anstieg von mehr als 100%.
20
Im vierten Quartal 2023 war
eine leichte Entspannung bei den Renditen zu beobachten. Der Höhepunkt dürfte vorläufig überschritten sein.
21
Die
Bonität Österreichs bleibt jedenfalls weiterhin hoch, der Ausblick aller maßgeblichen Ratingagenturen steht auf stabil.
22
B.2. Politische und regulatorische Rahmenbedingungen
Die ÖBB analysieren laufend die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um die für das
Unternehmen relevanten Entwicklungen zu identifizieren. Auf Basis dieser Analysen werden Informationen für
Entscheidungsträger:innen in- und außerhalb des Unternehmens aufbereitet. Daraus folgend werden Stellungnahmen und
Abänderungsanträge für relevante Gesetzesvorhaben in Österreich und auf europäischer Ebene formuliert. Um die Qualität
und die Relevanz der Unterlagen sicherzustellen, greifen die verantwortlichen Mitarbeiter:innen sowohl auf die Expertise
interner Fachexpert:innen als auch auf das Know-how externer Stakeholder:innen zurück.
Die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf das Unternehmen konnten im zurückliegenden Jahr
überwunden werden. Hingegen stellten die Folgen des Ukrainekriegs den Konzern in mehrerlei Hinsicht erneut vor große
Herausforderungen. Einerseits drückten die höheren Energiekosten auf die Deckungsbeiträge einzelner Konzernbereiche.
Andererseits gingen – ganz im Gegensatz zu den Personenverkehrstransporten – die Transportmengen im
Schienengüterverkehr deutlich zurück. Für beide Bereiche galt es daher, Lösungen zu finden, die die Systemkosten
reduzieren und wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen abzuwenden. Unabhängig davon arbeiteten die
Mitarbeiter:innen der ÖBB intensiv daran, die ukrainische Bahn dabei zu unterstützen, den überregionalen Bahnverkehr
und Gütertransport aufrechtzuerhalten. Ein weiteres Thema – ein „Dauerbrenner“ – ist der Klimaschutz mit seinen großen
Herausforderungen für Gesellschaft und Wirtschaft. Die ÖBB arbeiteten in diesem Bereich erneut intensiv daran, die
Rahmenbedingungen für eine klimafreundlichen Verkehrswende substanziell zu verbessern.
Schnellere Genehmigungen für Energieprojekte und den Eisenbahnausbau
Ein Meilenstein für Bahninfrastruktur- und Bahnstromprojekte konnte im Zuge der Novellierung des
Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes (UVP-G 2023) erreicht werden. Künftig können schnellere, vereinfachte und
besser strukturierte Genehmigungsverfahren für Energieprojekte und den Eisenbahnausbau angewendet werden. Diese
sogenannten Fast-Track-Verfahren beenden die davor aufschiebende Wirkung von Einsprüchen bei
Energieausbauprojekten durch einzelne Beschwerdeführer:innen. Das wird das Bauverfahren künftig deutlich
beschleunigen. Entscheidend für die ÖBB ist, dass dieser Ausschluss der aufschiebenden Wirkung auch für Projekte des
Eisenbahnausbaus gilt.
Energiepreise bleiben Herausforderung für den öffentlichen Verkehr
Die Energiepreise waren auch im abgelaufenen Jahr eine große Herausforderung für alle im Bahnverkehr tätigen
Unternehmen. Um dem Ziel der Selbstversorgung näher zu kommen und damit die Unabhängigkeit des Unternehmens
auszubauen, setzten sich die ÖBB im abgelaufenen Jahr sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene dafür
ein, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energien zu verbessern. Dafür sollen Förderungen
zum Ausgleich der hohen Energiepreise auch für den Verkehrssektor zugänglich gemacht werden – analog zur
energieintensiven Schwerindustrie. Im November 2023 hat die Bundesregierung mit Energiekostenzuschuss II ein neues
Instrument präsentiert. Es ermöglicht auch für große Unternehmen im Verkehrssektor den Zugang zur Förderung der
Mehrkosten für Strom, Erdgas und Treibstoffe. Sowohl für die Österreichische Postbus Aktiengesellschaft als auch die Rail
Cargo Austria Aktiengesellschaft wurden entsprechende Förderungen für das Jahr 2023 beantragt.
20
OeNB.
21
Kurier, Tagesspiegel.
22
OeBFA.
Seite 217 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
12
Parallel dazu präsentierten die ÖBB ein aktualisiertes Ausbauprogramm für erneuerbare Energie. Insgesamt wird das
Unternehmen bis 2030 demnach rd. 1,6 Mrd. EUR in den Bau von Wasserkraftwerken, Windkraftanlagen und Fotovoltaik
investieren. So soll die Eigenversorgung von betriebsnotwendigem Strom – inklusive der Zulieferung von fixen
Partnerkraftwerken – auf rd. 80% steigen. Das Unternehmen reagierte damit nicht nur auf die immer stärker werdende
Nachfrage nach Grünstrom am Markt, sondern auch auf den perspektivisch steigenden Strombedarf durch die notwendige
Ausweitung des Zugangebots.
Mitarbeiter:innen dringend gesucht!
Die ÖBB suchen – wie viele andere heimische Unternehmen auch – Mitarbeiter:innen. Der Bedarf des Unternehmens wird
noch zusätzlich durch einen aktuellen Generationenwandel aufgrund einer Pensionierungswelle verstärkt. Die ÖBB setzten
beim Forum Alpbach 2023 dementsprechend den Themenschwerpunkt „Arbeitsmarkt”. In Stakeholder:innen-
Veranstaltungen, einem Workshop sowie Diskussionsveranstaltungen wurden viele Facetten des Fokusthemas beleuchtet
und nach Lösungsansätzen gesucht. Erläutert wurden zentrale Fragen wie „Was müssen wir machen, um mehr Frauen für
den Arbeitsmarkt zu mobilisieren?”, „Welche Möglichkeiten müssen wir schaffen, um ältere Kolleg:innen länger im Job zu
halten?” oder „Wie können wir die Integration von nach Österreich zugewanderten Menschen verbessern?”.
Selbstverständlich wurde das Forum Alpbach auch zur Rekrutierung junger Talente genutzt.
Der allgemeine Arbeitskräftemangel war auch im Busunternehmen der ÖBB deutlich bemerkbar. Die zuständigen
Mitarbeiter:innen setzten sich daher im abgelaufenen Jahr für moderne Arbeitszeitmodelle, die Reaktivierung von
Pensionist:innen sowie die Aufnahme von Buslenker:innen auf die Mangelberufsliste ein. Zudem wurde ein Modell
erarbeitet, mit dem der Beruf des Buslenkers bzw. der Buslenkerin aufgewertet werden soll. So soll eine neue Lehre
angeboten und das Mindestalter von derzeit 21 auf künftig 18 Jahre abgesenkt werden. Dass im Zuge der Novelle des
Kraftfahrgesetzes (41. KFG-Novelle) die Kosten für Bushaltestellenkonzessionen reduziert werden konnten, war ein
weiterer Erfolg für die ÖBB.
Zurück zur Mangelberufsliste: Neben den Buslenker:innen wurden 2024 sieben weitere Berufe des öffentlichen Verkehrs
aufgenommen – darunter Verschieber:innen und Lokführer:innen. Das ist ein wichtiger Schritt für die ÖBB, so kann im
Zuge des laufenden Generationenwandels auf ein ausreichend großes Arbeitskräftepotential innerhalb des Unternehmens
zugegriffen werden.
Nachfrage im Personenverkehr stark angestiegen – Schienengüterverkehr unter Druck
Im Personenverkehr kam es im letzten Jahr zu einer enormen Steigerung der Nachfrage. Das hat teilweise zu
Kapazitätsengpässen und in der Folge – für die ÖBB ungewöhnlich – zu Qualitätsproblemen geführt. Grund dafür waren
eine sprunghafte Zunahme der Reisenden sowie die teilweise starken Lieferverzögerungen der bestellten
Schienenfahrzeuge. Stakeholder:innen in Bund, Ländern und Gemeinden wurden im offenen Dialog laufend informiert,
um bei der kritischen Öffentlichkeit um Verständnis zu werben.
Gänzlich anders stellt sich die Situation im Schienengüterverkehr dar, der nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa
immer stärker unter Druck gerät. Die Gründe dafür reichen von den bereits angesprochen gestiegenen Energiepreisen bis
zur schwächelnden Weltwirtschaft, die zu einem deutlichen Rückgang der Gesamttransportmengen geführt hat. Aus
diesem Mix resultiert eine Steigerung der Faktorkosten im Schienengüterverkehr bei Überkapazitäten auf der Straße. Das
hat im abgelaufenen Jahr zu einer Rückverlagerung von Transporten von der Schiene auf die Straße geführt. Ein Trend,
dem die ÖBB mit einem Arbeitsschwerpunkt Güterverkehr entgegengewirkt haben.
Im Zuge eines Schwerpunkts wurden in mehreren Bundesländern in Zusammenarbeit mit lokalen Stakeholder:innen
Güterverkehrstage veranstaltet. In Workshops mit Unternehmen wurden die Chancen und Möglichkeiten einer generellen
Transportverlagerung auf die Schiene aufgezeigt ebenso wie die Umsetzung des Abfallwirtschaftsgesetzes (AWG)
diskutiert. Parallel dazu wurden mit den zuständigen Landestellen gemeinsame Förderprogramme – beispielsweise für
Anschlussbahnen – evaluiert. Mit einem Kick-off-Event für Verlader aus Industrie und Gewerbe setzten die ÖBB im letzten
Jahr zudem einen Akzent. Ziel war es, nach dem Start des Pilotbetriebs im Dezember 2022 den Zollkorridor zwischen dem
Hafen Triest und dem Logistik Center Austria Süd (LCAS) in Villach / Fürnitz zu stärken.
Auf internationaler Ebene konnten die ÖBB für Ungarn das Budget für die Beihilfe zum Einzelwagenverkehr (EWV) für das
Jahr 2023 absichern. Zudem wurde eine CEF-Einreichung für die Verbesserung der Infrastruktur rund um die Terminals
Zahony und Chop vorbereitet.
Seite 218 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
13
Notwendiger Modernisierungsschub für Europas Schienennetz
Sowohl die in ganz Europa steigende Zahl an Reisenden im Schienenverkehr als auch die verbindlichen Klimaziele zwingen
die Nationalstaaten ihr jeweiliges Schienennetz zügig zu modernisieren. Den mittel- und langfristigen positiven
Auswirkungen dieses Bahnausbaus stehen dabei kurzfristig die Einschränkungen gegenüber – insbesondere im
grenzüberschreitenden Verkehr aufgrund von Baustellen. Neben der internationalen Koordination der nationalen
Bautätigkeiten rückte dabei auch die Debatte über die langfristige und damit verlässlich planbare Finanzierung der
Bahninfrastruktur in den Mittelpunkt. Österreich ist hier mit seinen Rahmenplänen, die eine jeweils sechsjährige Planungs-
bzw. Finanzierungsperiode von Infrastrukturprojekten sicherstellen, ein Role-Model. Eine Rolle, die das Unternehmen
sowohl im europäischen Eisenbahnverband (CER) als auch bei bilateralen Terminen im direkten Dialog gerne
wahrgenommen hat.
Leitlinien für Public-Service-Obligation (PSO): Ausschreibungszwang oder weiterhin Direktvergabe?
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit auf internationaler Ebene betraf im letzten Jahr die Novellierung der PSO-Leitlinien
durch die EU-Kommission. Die Europäische Kommission (EK) verfolgte das Ziel, den Gestaltungsspielraum der öffentlichen
Auftraggeber massiv einzuschränken bzw. Direktvergaben von Verkehrsdienstleistungen nur mehr in Ausnahmefällen
zuzulassen. Um diesem Ziel entgegenzuwirken, startete Österreich eine Informations- und Lobbying-Offensive in
Österreich und in Brüssel. Beteiligt an der Kampagne waren neben den ÖBB die Arbeiterkammer (AK), der Fachverband
Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich, die Wiener Linien sowie der Verband der Öffentlichen Wirtschaft
und Gemeinwirtschaft (VÖWG). Auf internationaler Ebene wurde zudem eine Allianz von europäischen Bahnunternehmen,
der Community of European Railway and Infrastructure Companies (CER), Gewerkschaften und kommunaler Unternehmen
geschmiedet. Die Beteiligten brachten wiederholt ihre Bedenken gegen den Leitlinienentwurf zum Ausdruck – nicht zuletzt
mittels Rechtsgutachten. Zuletzt verfassten im Mai 2023 – unter Federführung Österreichs – insgesamt elf Mitgliedsstaaten
eine kritische Stellungnahme an die EK.
Die Mitte des Jahres veröffentlichten PSO-Leitlinien der EK brachten letztendlich keine sinnvolle Klarstellung zur PSO-
Verordnung und werden „als nicht bindende, nicht praktikable Empfehlungen betrachtet”. Die Informationsarbeit seitens
ÖBB und der angesprochenen Allianzpartner setzte sich dementsprechend auch im zweiten Halbjahr 2023 unvermindert
fort.
Weiteres Themenmanagement auf internationaler Ebene
Bereits seit Februar 2020 führt ÖBB CEO Andreas Matthä den Vorsitz des Europäischen Eisenbahnverbandes CER. Bei ihrer
Generalversammlung im September 2023 bestätigten die Mitglieder Andreas Matthä als Präsident des CER für eine weitere
zweijährige Amtszeit (2024 bis 2025). Die dritte Amtszeit an der Spitze des Verbandes erfolgte auf einstimmige
Empfehlung des CER-Vorstandes und mit Einstimmigkeit in der Generalversammlung. Ein internationaler
Arbeitsschwerpunkt lag demnach auch 2023 auf der Steuerung der inhaltlichen Arbeit des Verbandes. Dazu zählte erneut
die Setzung von Lobbyingschwerpunkten bei EU-Institutionen sowie die Koordination der Positionen der rd. 70
europäischen Bahnunternehmen, die Mitglieder des Verbandes sind.
Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit im Rahmen des Eisenbahnverbandes CER waren die Erstellung diverser
Positionspapiere wie beispielsweise zu den Themen „Ticketing”, „Trassenplanung” (TTR) und „Digital Capacity
Management” sowie zum Thema „Baustellenkoordination”.
Zu Jahresbeginn 2023 stand die Überarbeitung der Planungen für das Europäische Verkehrsnetz (TEN-T-Revision) im
Mittelpunkt der Tätigkeit der Mitarbeiter:innen. Es galt über 1.800 Änderungsanträge zu sichten und im Europäischen
Parlament aktiv für eigene Positionen zu lobbyieren. Die EK präsentierte zu Jahresbeginn ihr Arbeitsprogramm 2023 und
– als Teil des Green Deals – das lange erwartete Green-Freight-Transport-Package, mit dem Transportemissionen
entscheiden gesenkt werden sollen. Zu beiden Themenbereichen erstellten die Mitarbeiter:innen Positionspapiere und
führten persönliche Stakeholder:innengespräche mit Europaparlamentarier:innen (MEPs) und Vertreter:innen der EK.
Die unternehmensintern installierte Green-Deal-Lenkungsgruppe bearbeitete über das gesamte Jahr 2023 die jeweils
aktuellen Umwelt- und Energiedossiers (z. B. Energy, Taxation, Pestizid VO). Hinzu kamen neue Dossiers zu den Themen
„Digitalisierung” und „Datenmanagement”. Die Lenkungsgruppe analysierte die Position des Europäischen Parlaments
bzw. des Rates zur EU-Verordnung über fluorierte Treibhausgase.
Im zweiten Halbjahr 2023 stand der Kommissionsvorschlag für ein „verbessertes internationales Ticketing” im Mittelpunkt.
Die begrüßende Initiative präsentierte in ihren Eckpunkten beispielsweise den Zugriff von Plattformen auf die
Verkaufskanäle der Eisenbahnunternehmen – dies zeigte aber auch ein gewisses Risikopotenzial auf. So besteht aus Sicht
der ÖBB unter anderem die Gefahr, dass die Eisenbahnverkehrsunternehmen unter dem Titel des besseren Services für
Kund:innen die Möglichkeit der eigenständigen Produktgestaltung und damit letztendlich auch die Tarifhoheit verlieren.
Ein Thema, das – weil noch nicht final abgeschlossen – die Mitarbeiter:innen noch einige Zeit fordern wird.
Seite 219 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
14
Ebenfalls im zweiten Halbjahr 2023 bearbeitete das Team die geplante EU-Verordnung zum Europäischen Kapazitäts- und
Verkehrsmanagement, die „Weights-and-Dimensions”-Richtlinie der EU sowie die Konsultationen zur Beschränkung von
per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen. Beim Vorschlag betreffend Kapazitäts- und Verkehrsmanagement handelte es
sich um eine Maßnahme des Green Deals. Ziel ist es ein effizienteres Eisenbahn-Fahrwegkapazitäts- und
Verkehrsmanagement zu ermöglichen und so die Qualität der Verkehrsdienste zu verbessern sowie mehr Verkehr über
das Eisenbahnnetz abzuwickeln. Die ursprünglich im Raum stehende Zentralisierung in einer neue EU-Agentur konnte
abgewendet werden. Nun werden die ÖBB Interessen bei der Trassenplanung über das TTR, dem Timetabling-Redesign-
for-Smart-Capacity-Management, verfolgt und bei der Baustellenkoordination über den Europäischen Eisenbahnverband
CER.
Die „Weights-and-Dimensions”-Richtlinie wiederum sieht eine Erweiterung der Höchstgewichte und -größen von
schweren Nutzfahrzeugen vor. Das würde aus Sicht der ÖBB den Wettbewerb zwischen Schiene und Straße im
Güterverkehr erneut zuungunsten der Schiene verschärfen. Durch laufendes Lobbying in Österreich und in Brüssel soll der
durch diese Richtline mögliche Einsatz von Gigaliners bzw. Lang-Lkws auch in Zukunft verhindert werden.
Bei PFAS handelt es sich um Industriechemikalien mit wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften, die im
gesamten Bahnsystem – von den Klimaanlagen in den Fahrzeugen bis zu Signalanlagen – im Einsatz sind. Die ÖBB trat
daher in den bisherigen Konsultationen für einen behutsamen Vorgangsweise ein, um überbordende Vorgaben für den
Ersatz oder den Tausch von PFAS-Teilen zu vermeiden und wird diesen kosteneffizienten Weg weiter fortsetzen.
B.3. Marktumfeld
Die Betriebsleistung im Netz der ÖBB-Infrastruktur AG ist ein weiteres Jahr in Folge gewachsen. Insgesamt betrug der
Zuwachs bei den Zugkilometern 1,3%, womit ein neuer Rekordwert erreicht wurde. Das Niveau des Vor-Corona-Jahres
2019 wurde damit bereits um 6,0% überschritten. Verantwortlich dafür ist ausschließlich der Zuwachs des
Personenverkehrs. Hier betrug das Plus bei den Zugkilometern 3,2%. Im Güterverkehr machte sich hingegen bereits die
Abkühlung der Konjunktur in Europa und Österreich bemerkbar. Das Minus in der Betriebsleistung im Jahresvergleich
betrug 3,6%. Im Vergleich zum Niveau des Jahres 2019 ist dies immer noch ein Rückgang um 3,2%.
23
Bemerkenswert sind in diesem Jahr Anzahl und Ausmaß diverser Störungen durch Sonderereignisse und Unfälle auf
wichtigen Infrastrukturen in den Nachbarländern, die sich auf den heimischen Bahnverkehr auswirkten. Besonders davon
betroffen war das sogenannte „Deutsche Eck” zwischen Salzburg und Kufstein – wichtig für den österreichischen Ost-
West-Bahnverkehr. Dort kam es neben den geplanten Baustellen zwischen Februar und Mai 2023, im August 2023 und
im Oktober 2023 auch zu einigen außerplanmäßigen Ereignissen. Ende Jänner 2023 brannte eine Rangierlokomotive nach
kilometerlanger „Geisterfahrt” im Bahnhof Freilassing aus. Das führte in der Folge für einige Tage zu massiven
Einschränkungen im grenzüberschreitenden Nahverkehr. Im August 2023 kam es zum Brand eines Bauzuges in der Gegend
von Traunstein. Dieser hatte eine mehrtägige massive Einschränkung am gesamten deutschen Eck zur Folge.
24
Am 10.08.2023 entgleiste ein Güterzug in der Weströhre des Schweizer Gotthardtunnels. Diese musste daraufhin mehrere
Monate für den gesamten Bahnverkehr gesperrt werden. Auch die Oströhre war bis Ende August 2023 nicht befahrbar.
Gemeinsam mit der planmäßigen baubedingten Sperre der Brennerstrecke bedeutete dieses Ereignis somit eine massive
Beeinträchtigung des alpenquerenden Bahnverkehrs. Am 23.08.2023 konnte zumindest der Güterverkehr über die
Oströhre wieder aufgenommen werden. Die Freigabe für den Personenverkehr erfolgte Ende September 2023, allerdings
weiterhin nur für eine reduzierte Zahl an Zügen im eingleisigen Verkehr.
25
Die Unwetterereignisse im Jahr 2023 sorgten nicht nur in Österreich für teils schwere Schäden an der Infrastruktur sowie
für Behinderungen im Bahnpersonen- und Güterverkehr. So wurde der Bahnverkehr in und über Slowenien durch die
Unwetter Anfang August 2023 wochenlang massiv beeinträchtigt.
26
Dennoch konnte am 14.08.2023 plangemäß der
3,7 km lange Neubauabschnitt der Strecke zwischen Maribor und Šentilj in Betrieb genommen werden. Dieser bildet den
Zulauf zur österreichischen Staatsgrenze in Spielfeld ist damit ein wichtiger Bestandteil der baltisch-adriatischen Achse.
27
Ein aus geografischer Sicht weiter entferntes Infrastrukturprojekt ist die sogenannte „Rail Baltica”. Es ist aber für Europa
gerade nach den Entwicklungen rund um den Ukrainekrieg umso bedeutender. Dabei handelt es sich um die Errichtung
eines zweigleisigen Korridors in europäischer Normalspur. Er soll die Hauptstädte der baltischen Staaten via Białystok in
Polen direkt an das europäische Schienennetz anbinden. Hier wurde im Jahr 2023 die Trassenführung in Litauen vom
Kaunas bis an die polnische Grenze festgelegt. Das Projekt wird mit Mitteln der EU-Connecting-Europe-Facility (CEF)
gefördert. Es ist Teil des baltisch-adriatischen TEN-T-Korridors, der in der Endausbaustufe von Ancona in Italien – mit einem
Seetransfer über den Finnischen Meerbusen – bis nach Helsinki führen soll.
28
23
ÖBB Infrastruktur.
24
Tiroler Tageszeitung, BR24.
25
Süddeutsche Zeitung, SRF.
26
RCG.
27
Eisenbahn Aktuell.
28
LOK-Report.
Seite 220 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
15
Die sogenannten transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-T) wurden 2013 mit der EU-Verordnung 1315 / 2013 geschaffen.
Diese Verordnung umfasst mehrere Verkehrsmodi und priorisiert Ausbauaktivitäten im europäischen Transportnetz durch
die Festlegung unterschiedlicher Netzebenen. Aktuell befindet sich die Verordnung gerade in Überarbeitung. Seit 2021
liegt der ambitionierte Gesetzesvorschlag der EU-Kommission vor. Aus ÖBB Sicht ist die vorgesehene Einführung einer
neuen Netzkategorie „erweitertes Kernnetz” für die europäischen Transportkorridore positiv hervorzuheben. Dafür wurde
ein Umsetzungshorizont bis 2040 definiert. Dabei sollen die Pyhrn- und Tauernstrecke in diese neue Kategorie
aufgenommen werden. Der zuständige federführende Ausschuss im EU-Parlament war der Ausschuss für Verkehr und
Tourismus. Im Zuge der Trilogverhandlungen haben die EU-Institutionen im Dezember 2023 eine vorläufige Einigung über
die überarbeitete Verordnung erzielt. Die Veröffentlichung des finalen Gesetzestextes wird für April 2024 erwartet.
Ein weiteres wichtiges Dossier auf EU-Ebene beschäftigt sich mit der Verbesserung des Kapazitäts- und
Verkehrsmanagements auf europäischer Ebene. Diese neue Verordnung ersetzt Verordnung 913 / 2010 zur Schaffung
eines europäischen Schienennetzes für einen wettbewerbsfähigen Güterverkehr. Und sie ändert die Richtlinie 2012 / 34
zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Eisenbahnraums ab. Ihr Fokus ist die Verbesserung von nationalen und
europäischen Prozessen, u. a. um mehr Kapazität auf bestehender Bahninfrastruktur zu schaffen. Der
Kommissionsvorschlag wurde 2023 veröffentlicht. Aus ÖBB Sicht ist die Orientierung an Sektorinitiativen wie Timetable
Redesign (TTR) positiv hervorzuheben. Der zuständige federführende Ausschuss im EU-Parlament ist der Ausschuss für
Verkehr und Tourismus. Abhängig von den Verhandlungen zwischen EU-Kommission, EU-Parlament und Rat wird der
finale Gesetzestext für Ende 2025 erwartet.
C. Wirtschafts- und Prognosebericht
Das Vorjahr war noch stark vom Einfluss der weltweiten COVID-19-Krise geprägt. Konkrete Auskünfte über die Bilanz- und
GuV-Effekte werden in den Erläuterungen zum Konzernabschluss in Abschnitt 3 gegeben. Für eine Einschätzung der
Auswirkungen der Ukrainekrise und des Nahostkonflikts wird auf die ergänzenden Erläuterungen im Lagebericht
verwiesen.
C.1. Umsatzentwicklung und Leistungsindikatoren
Überblick
2023 2022
Veränderung
Veränderung
in %
Zugkilometerleistung in Mio.
165,9
163,8
2,1
1%
Bruttotonnenkilometer in Mio.
80.991,6
82.233,3
-1.241,7
-2%
Eigenerzeugung Bahnstrom in ÖBB Kraftwerken in GWh
702
520
182
35%
Bahnstrom ab Oberleitung in GWh
1.786
1.800
-14
-1%
Gebäudeflächen inkl. vermietbarer Außenflächen in Tausend m²
2.629
2.599
30
1%
Umsatzerlöse in Mio. EUR
1.249,5
984,4
265,1
27%
Gesamterträge in Mio. EUR
3.791,6
3.478,3
313,3
9%
Gesamterträge je Mitarbeiter:in in TEUR
206
190
16
9%
Leistungsindikatoren
Als wichtiger Indikator zur Beurteilung der operativen Leistungserbringung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns dient die
Entwicklung der Zugkilometerleistung (Zugkm). Im Vergleich zum Vorjahr stieg das Leistungsvolumen um
rd. 2,1 Mio. Zugkm auf insgesamt rd. 165,9 Mio. Zugkm (Vj: rd. 163,8 Mio. Zugkm).
Entwicklung der Zugkilometer
nach Verkehrsart in Mio.
2023
2022
Veränderung
Veränderung
in %
Reiseverkehr
117,9
114,3
3,6
3%
davon ÖBB-Konzern
108,7
106,4
2,3
2%
Güterverkehr
40,1
41,7
-1,6
-4%
davon ÖBB-Konzern
25,1
26,7
-1,6
-6%
Dienst- und Lokzüge
7,9
7,8
0,1
1%
davon ÖBB-Konzern
5,6
5,5
0,1
2%
Gesamt
165,9
163,8
2,1
1%
davon ÖBB-Konzern
139,4
138,6
0,8
1%
Einen weiteren Indikator zur Beurteilung des Geschäftsverlaufs bildet die Entwicklung der Bruttotonnenkilometer (BTkm).
Während im Geschäftsjahr 2022 rd. 22,0 Mrd. BTkm oder 27% der Gesamtmenge auf externe
Eisenbahnverkehrsunternehmen entfielen, belief sich dieser Wert für 2023 auf rd. 22,4 Mrd. BTkm, was 28% der
Gesamtmenge entspricht.
Seite 221 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
16
Entwicklung der Bruttotonnenkilometer
nach Verkehrsart
in Mio.
2023 2022
Veränderung
Veränderung
in %
Reiseverkehr
34.097,4
32.810,4
1.287,0
4%
davon ÖBB-Konzern
31.154,9
30.303,7
851,2
3%
Güterverkehr
45.630,1
48.248,9
-2.618,8
-5%
davon ÖBB-Konzern
26.502,8
29.025,5
-2.522,7
-9%
Dienst- und Lokzüge
1.264,1
1.174,0
90,1
8%
davon ÖBB-Konzern
949,3
873,4
75,9
9%
Gesamt
80.991,6
82.233,3
-1.241,7
-2%
davon ÖBB-Konzern
58.607,0
60.202,6
-1.595,6
-3%
Weitere wesentliche Leistungsindikatoren für die erzielten Umsätze sind die Eigenerzeugung von Bahnstrom in ÖBB
Kraftwerken sowie die vermietbaren Flächen der Immobilien.
Der Strombereich entwickelte sich wie folgt:
Bahnstrom
in GWh
2023 2022
Veränderung
Veränderung
in %
Eigenerzeugung Bahnstrom in ÖBB Kraftwerken
702
520
182
35%
Bahnstrom ab Oberleitung
1.786
1.800
-14
-1%
Die vermietbaren Flächen entwickelten sich wie folgt:
Gebäudeflächen inkl. vermietbarer Außenflächen
in Tausend m²
2023 2022
Veränderung
Veränderung
in %
ÖBB-Konzernexterne Nutzung
581
625
-44
-7%
ÖBB-Konzerninterne Nutzung
247
224
23
10%
Eigennutzung ÖBB-Infrastruktur AG
598
584
14
2%
Allgemeinflächen und Leerstand
1.185
1.148
37
3%
Gebäudeflächen
2.611
2.581
30
1%
Vermietete Außenflächen
18
18
0
0%
Gesamter Bestand
2.629
2.599
30
1%
Die Grundfläche von Gebäuden inkl. der vermietbaren Außenflächen betrug wie im Vorjahr rd. 2,6 Mio. m
2
, davon ist
etwa ein Viertel extern vermietet. Der Rest wird konzernintern vermietet, vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern selbst genutzt
oder sind Allgemeinflächen und Leerstand.
Umsatzerlöse und Gesamterträge
Umsatzerlöse ÖBB-Infrastruktur-Konzern
in Mio. EUR
2023
2022
Veränderung
Veränderung
in %
Unkonsolidierte Umsatzerlöse
1.555,8
1.266,2
289,6
23%
Abzüglich Innenumsatz des Konzerns
-306,3
-281,8
-24,5
9%
Umsatzerlöse
1.249,5
984,4
265,1
27%
Sonstige Erträge (konsolidiert)
2.542,1
2.493,9
48,2
2%
Gesamterträge
3.791,6
3.478,3
313,3
9%
davon mit übrigem ÖBB-Konzern
902,5
650,8
251,7
39%
Seite 222 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
17
Wie bereits angeführt, erreichten die Konzernumsatzerlöse rd. 1.249,5 Mio. EUR (Vj: rd. 984,4 Mio. EUR).
Der Umsatz je Mitarbeiter:in beträgt bei durchschnittlich 18.375 Mitarbeiter:innen (Vj: 18.299 Mitarbeiter:innen)
rd. 68 TEUR (Vj: rd. 54 TEUR).
Die Umsatzerlöse werden überwiegend in Österreich erzielt. Umsätze in der Höhe von rd. 120,4 Mio. EUR
(Vj: rd. 45,0 Mio. EUR) wurden mit Kund:innen aus dem Ausland erwirtschaftet. Diese betreffen im Wesentlichen
Energielieferungen und das Infrastrukturbenützungsentgelt (Wege- und Dienstleistungsentgelt).
C.2. Ertragslage
Überblick
2023
2022
Veränderung
Veränderung
in %
EBIT
29
in Mio. EUR
433,3
396,7
36,6
9%
EBIT-Marge
30
in %
11,4%
11,4%
0,0%
0%
EBITDA
31
in Mio. EUR
1.354,0
1.278,4
75,6
6%
EBT in Mio. EUR
7,7
-15,7
23,4
>100%
Eigenkapitalrentabilität
32
in %
0,6%
-0,9%
1,5%
>100%
Gesamtkapitalrentabilität
33
in %
1,3%
1,3%
0,0%
0%
29
Das EBIT entspricht dem Betriebsergebnis (ohne Ergebnis aus nach der Equity-Methode bilanzierten Unternehmen) der Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung.
30
EBIT-Marge: EBIT / Gesamterträge.
31
EBITDA: EBIT + Abschreibungen.
32
Eigenkapitalrentabilität: EBT / Eigenkapital.
33
Gesamtkapitalrentabilität: EBIT / Gesamtkapital.
366,7
212,2
156,5
249,0
470,9
414,1
176,4
188,1
Infrastrukturbenützung Energielieferungen
und Netznutzung
Mieten und Pachten
Sonstige Umsatzerlöse
Entwicklung der Konzernumsatzerlöse in Mio. EUR
2022: 984.4 2023: 1.249,5
Seite 223 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
18
Struktur der Gewinn-und-Verlust-Rechnung
Die Struktur der Gewinn-und-Verlust-Rechnung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns stellt sich folgendermaßen dar:
Struktur der Gewinn-und-
Verlust-Rechnung
in Mio. EUR
2023
in % der
Gesamterträge
2022
in % der
Gesamterträge Veränderung
Veränderung
in %
Umsatzerlöse
1.249,5
33%
984,4
28%
265,1
27%
davon ÖBB-Infrastruktur AG
1.234,7
965,3
Andere aktivierte Eigenleistungen
410,2
11%
355,7
10%
54,5
15%
Sonstige betriebliche Erträge
und Veränderung des Bestandes
2.131,9
56%
2.138,2
62%
-6,3
0%
Gesamterträge
3.791,6
100%
3.478,3
100%
313,3
9%
davon gegenüber übrigem Konzern
902,5
24%
650,8
19%
251,7
39%
Materialaufwand
211,0
6%
153,2
4%
57,8
38%
Aufwendungen bezogene Leistungen
419,4
11%
407,2
12%
12,2
3%
Personalaufwand
1.403,8
37%
1.282,6
37%
121,2
9%
davon ÖBB-Infrastruktur AG
1.269,1
1.159,4
Abschreibungen
920,7
24%
881,7
25%
39,0
4%
So. betr. Aufwand (inkl.
Wertminderungen für Ford. aus L+L)
403,4
11%
356,9
10%
46,5
13%
Gesamtaufwand
3.358,3
89%
3.081,6
88%
276,7
9%
davon gegenüber übrigem Konzern
307,0
8%
283,2
8%
23,8
8%
EBIT
433,3
11%
396,7
11%
36,6
9%
Finanzergebnis
-425,6
-11%
-412,4
-12%
-13,2
-3%
davon gegenüber übrigem Konzern
-29,1
-1%
-7,9
0%
-21,2
>100%
EBT
7,7
0%
-15,7
-1%
23,4
>100%
Die Gesamterträge des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns beliefen sich im Berichtsjahr auf rd. 3.791,6 Mio. EUR
(Vj: rd. 3.478,3 Mio. EUR), wovon rd. 902,5 Mio. EUR (Vj: rd. 650,8 Mio. EUR) auf Gesellschaften anderer Teilkonzerne
des ÖBB-Konzerns entfallen.
Je Mitarbeiter:in bedeutet das bei durchschnittlich 18.375 Mitarbeiter:innen (Vj: 18.299 Mitarbeiter:innen) einen Ertrag
von rd. 206 TEUR (Vj: rd. 190 TEUR).
Die Gesamtaufwendungen im ÖBB-Infrastruktur-Konzern erreichten rd. 3.358,3 Mio. EUR (Vj: rd. 3.081,6 Mio. EUR) und
verteilen sich auf folgende Aufwandsarten:
153,2
407,2
1.282,6
881,7
356,9
211,0
419,4
1.403,8
920,7
403,4
Materialaufwand Aufw. bez. Leist. Personalaufwand Abschreibungen So. betr. Aufwand
Entwicklung der betrieblichen Aufwendungen in Mio. EUR
2022: 3.081,6 2023: 3.358,3
Seite 224 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
19
Der durchschnittliche Personalaufwand je Mitarbeiter:in des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns beträgt rd. 76 TEUR
(Vj: rd. 70 TEUR). Dies entspricht wie im Vorjahr einer Personalintensität
34
von 42%.
Die Materialintensität
35
belief sich auf 6% (Vj: 5%). Der durchschnittliche Aufwand für Material und bezogene Leistungen
pro Mitarbeiter:in betrug rd. 34 TEUR (Vj: rd. 31 TEUR).
Im ÖBB-Infrastruktur-Konzern wurde im Berichtsjahr ein negatives Finanzergebnis von rd. 425,6 Mio. EUR
(Vj: rd. 412,4 Mio. EUR) erzielt.
Das EBT ist auf rd. 7,7 Mio. EUR (Vj: rd. -15,7 Mio. EUR) gestiegen.
C.3. Vermögens- und Finanzlage
Überblick
31.12.2023 31.12.2022
Veränderung
Veränderung
in %
Bilanzsumme in Mio. EUR
32.778,2
31.033,7
1.744,5
6%
Sachanlagenintensität
36
in %
92%
91%
1%
1%
Sachanlagendeckungsgrad
37
in %
4%
6%
-2%
-33%
Sachanlagendeckungsgrad II
38
in %
95%
92%
3%
3%
Eigenkapitalquote in %
4%
6%
-2%
-33%
Bilanzstruktur
Die Entwicklung der Bilanzstruktur des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zeigt folgendes Bild:
Struktur der Konzern-Bilanz
in Mio. EUR
31.12.2021
31.12.2022
Struktur
2022
31.12.2023
Struktur
2023
Veränderung
von 2022
auf 2023
Langfristige Vermögenswerte
27.894,0
29.959,4
97%
31.983,5
98%
2.024,1
Kurzfristige Vermögenswerte
1.007,8
1.074,3
3%
794,7
2%
-279,6
Bilanzsumme
28.901,8
31.033,7
100%
32.778,2
100%
1.744,5
Eigenkapital
1.737,3
1.793,8
6%
1.362,7
4%
-431,1
Langfristiges Fremdkapital
22.362,3
24.105,3
78%
27.276,2
83%
3.170,9
Kurzfristiges Fremdkapital
4.802,2
5.134,6
16%
4.139,3
13%
-995,3
Die Bilanzsumme des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns stieg im Berichtsjahr auf rd. 32.778,2 Mio. EUR
(Vj: rd. 31.033,7 Mio. EUR) an. Der Anstieg der langfristigen Vermögenswerte ist vorwiegend bedingt durch die
Investitionen in das Sachanlagevermögen. Nähere Angaben zu den Investitionen im Geschäftsjahr werden im
Kapitel C.4. Investitionen und Finanzierungsmaßnahmen gemacht.
Nach einem Rückgang des Eigenkapitals auf rd. 1.362,7 Mio. EUR (Vj: rd. 1.793,8 Mio. EUR) ergibt sich eine
Eigenkapitalquote von 4% (Vj: 6%).
Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen stiegen von rd. 189,8 Mio. EUR auf rd. 311,0 Mio. EUR. Das Working
Capital
39
lag bei rd. -868,0 Mio. EUR (Vj: rd. -895,5 Mio. EUR).
34
Personalintensität: Personalaufwand / Gesamtaufwendungen.
35
Materialintensität: Materialaufwand / Gesamtaufwendungen.
36
Sachanlagenintensität: Sachanlagevermögen / Gesamtvermögen.
37
Sachanlagendeckungsgrad: Eigenkapital / Sachanlagevermögen.
38
Sachanlagendeckungsgrad II: (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) / Sachanlagevermögen.
39
Working Capital: Vorräte (exkl. Verwertungsobjekte) + Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen –
Geleistete Anzahlungen für Vorräte.
Seite 225 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
20
Die Verbindlichkeiten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns erhöhten sich im Berichtsjahr in Summe um 7% auf
rd. 30.967,7 Mio. EUR (Vj: rd. 28.816,7 Mio. EUR).
Angaben zu wesentlichen Rückstellungen werden in Erläuterung 26 zum Konzernabschluss gemacht.
Erläuterungen zur Konzern-Geldflussrechnung
Der Free Cashflow
40
ging im Geschäftsjahr auf rd. -2.422,7 Mio. EUR (Vj: rd. -2.011,6 Mio. EUR) zurück.
Auszug aus der Konzern-Geldflussrechnung in Mio. EUR
31.12.2023
31.12.2022
Veränderung
Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit
564,9
578,6
-13,7
Geldfluss aus der Investitionstätigkeit -2.987,6
-2.590,2 -397,4
Free Cashflow
-2.422,7
-2.011,6
-411,1
Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit
3.374,6
1.324,8
2.049,8
Zahlungswirksame Veränderung der Fondsmittel
951,9
-686,8
1.638,7
Die ausführliche Darstellung der Konzern-Geldflussrechnung befindet sich in der Erläuterung 34 zum Konzernabschluss.
C.4. Investitionen und Finanzierungsmaßnahmen
Überblick
2023
2022
Veränderung
Veränderung
in %
Investitionen in Mio. EUR
3.364,6
3.262,3
102,3
3%
Sachanlageninvestitionsquote der Gesamterträge
41
in%
82%
88%
-6%
-7%
Sachanlageninvestitionsquote der Buchwerte
42
in%
11%
12%
-1%
-8%
In Summe investierte der ÖBB-Infrastruktur-Konzern im Berichtsjahr rd. 3.364,6 Mio. EUR (Vj: rd. 3.262,3 Mio. EUR),
woraus sich eine Sachanlageninvestitionsquote von 82% (Vj: 88%) der Gesamterträge und von 11% (Vj: 12%) der
Buchwerte zum 01.01. errechnet. Die Berechnung erfolgt von den Bruttoinvestitionen vor Abzug der Kostenbeiträge.
40
Free Cashflow:
Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit + Cashflow aus der Investitionstätigkeit.
41
Sachanlageninvestitionsquote der Gesamterträge: Investitionen in das Sachanlagevermögen / Gesamterträge.
42
Sachanlageninvestitionsquote der Buchwerte: Investitionen in das Sachanlagevermögen / Buchwert Sachanlagevermögen zum 01.01.
26.697,4
28.816,7
30.967,7
24.529,0
26.703,3
29.153,1
31.12.2021 31.12.2022 31.12.2023
Verbindlichkeiten in Mio. EUR
Verbindlichkeiten
davon Finanzverbindlichkeiten
Seite 226 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
21
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat die Möglichkeit, Fremdkapital über Darlehen der Republik Österreich in Erledigung durch die
Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) zu finanzieren anstatt über eigene Anleiheemissionen am
Kapitalmarkt. Alle bestehenden Anleihen der ÖBB-Infrastruktur AG und deren Garantien durch die Republik Österreich
bleiben von dieser Erweiterung der Finanzierungsinstrumente der ÖBB-Infrastruktur AG unberührt. Weiterführende
Informationen dazu befinden sich in Erläuterung 25 zum Konzernabschluss.
Österreich liegt bei den Pro-Kopf-Investitionen ins Schienennetz im europäischen Spitzenfeld:
23.575,5
24.893,1
26.478,8
28.303,7
30.294,8
31.12.2019 31.12.2020
31.12.2021
31.12.2022
31.12.2023
Entwicklung des Sachanlagevermögens in Mio. EUR
Seite 227 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
22
Investitionsschwerpunkte 2023
Die ÖBB-Infrastruktur AG arbeitete auch 2023 intensiv an der Umsetzung des größten Bauprogramms aller Zeiten. Mit der
im Rahmenplan 2023 bis 2028 gesicherten Investitionssumme von rd. 19,0 Mrd. EUR setzt die ÖBB-Infrastruktur AG im
Auftrag des Bundesministeriums für Klimaschutz in den kommenden sechs Jahren zahlreiche Neubau- sowie
Modernisierungsprojekte sowie Erhaltungsarbeiten um.
Der Ausbau und die Qualitätssicherung des Schienennetzes bilden die Voraussetzungen dafür, dass insgesamt mehr Züge
auf dem Schienennetz fahren können. Das bedeutet höhere Kapazitäten sowie bessere und schnellere Verbindungen für
Bahnreisende.
ÖBB Großprojekte wie der Semmering-Basistunnel, die Koralmbahn und der Brenner Basistunnel laufen planmäßig weiter.
Darüber hinaus wird der Fokus auf den Ausbau des Nahverkehrs in Ballungsräumen gelegt. Im Sinne des Klimaschutzes
ist es den ÖBB zudem wichtig, die Regionalbahnen zu attraktivieren und ein entsprechendes Elektrifizierungsprogramm
zu forcieren. Ein Teil der Investitionen wird zukunftsorientiert in die Digitalisierung fließen.
Die Schiene wird außerdem weiter fit für den Güterverkehr gemacht. Programme zum Bau von sogenannten
güterzuglangen Überholgleisen haben den größtmöglichen Effekt, da die gemeinsame Nutzung derselben Strecken durch
Güter- und Personenverkehr effizienter abgewickelt werden kann. Auch die Unterstützungsmaßnahmen für
Anschlussbahnen und eine Modernisierungswelle für Verschiebebahnhöfe verankern die aktuelle Güterverkehrsoffensive
im Rahmenplan.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Bau weiterer „Mini-Unterwerke” ist neu im
Rahmenplan. Sie machen es möglich, dass der in ÖBB-eigene Wind- und Sonnenkraftwerke nachhaltig produzierte Strom
ins Bahnstromnetz gelangen kann.
Auch die Modernisierung von Bahnhöfen und Haltestellen wird weiter vorangetrieben. Im Rahmen dessen soll der Zugang
zur Bahn so einfach wie möglich gestaltet werden. Der barrierefreie Umbau von Bahnhöfen und Haltestellen ist ein
wichtiger Baustein im Rahmenplan.
Großraum Wien
Bahnfahren erlebt eine echte Renaissance. Nirgendwo sonst in Österreich steigt die Anzahl an Reisenden so stark wie in
der Ostregion. Um mit diesem Wachstum Schritt zu halten, muss auch das Öffi-Angebot ausgebaut und verbessert werden.
Mit dem S-Bahn-Wien-Upgrade modernisiert die ÖBB-Infrastruktur AG seit Oktober 2023 auf der Wiener Stammstrecke
zwischen Wien Meidling und Wien Floridsdorf die Schieneninfrastruktur. Dafür werden Bau- und Tragwerke erneuert das
Zugsicherungssystem für mehr Zuverlässigkeit im Gesamtsystem digitalisiert. Von Unterretzbach bis Payerbach-Reichenau
wurden außerdem die Bahnsteige auf 220 m verlängert. Damit können zukünftig längere Züge fahren, die mehr Sitzplätze
und damit mehr Komfort für Bahnreisende bieten.
Ein weiteres wichtiges Puzzlestück im innerstädtischen Nahverkehr ist die Attraktivierung der Verbindungsbahn zwischen
Hütteldorf und Meidling. Sie soll in Zukunft einen 15-Minuten-Takt der S80 zwischen Hütteldorf und Wien Aspern Nord
ermöglichen. 2024 wird das UVP-Verfahren fortgeführt.
Im Jahr 2023 hat die ÖBB-Infrastruktur AG zudem intensiv am Ausbau der Pottendorfer Linie gearbeitet. Diese Maßnahme
soll die Situation für die Pendler:innen aus dem Süden weiter zu verbessern, denn rd. 40% aller Pendler:innen kommen
aus dieser Richtung. Der zweigleisige Ausbau der rd. 50 km langen Pottendorfer Linie zwischen Wien Meidling und Wiener
Neustadt stellt eine wichtige Maßnahme zur Kapazitätserweiterung auf der Südstrecke dar. Das Ziel ist die Viergleisigkeit
gemeinsam mit der Südbahn zwischen Wien und Wiener Neustadt. Der Ausbau schafft für Tausende Pendler:innen südlich
von Wien die Voraussetzungen für ein besseres Angebot sowohl im Fernverkehr als auch im Nahverkehr. Ende 2023 wurde
die durchgehende Zweigleisigkeit zwischen Wien und Wiener Neustadt fertiggestellt. Eröffnet wurde auch der Bahnhof
Ebreichsdorf.
Mit dem viergleisigen Ausbau der Südstrecke zwischen Wien Meidling und Mödling inklusive der Errichtung zweier neuer
Haltestellen wird das Mobilitätsangebot für den Süden von Wien und den Bezirk Mödling noch attraktiver. Gemeinsam
mit der Pottendorfer Linie stehen dann mit Projektabschluss sechs leistungsfähige Gleise im Süden von Wien zur Verfügung.
Dafür liefen 2023 die Planungen weiter.
Seite 228 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
23
Der Norden profitiert vom Ausbau der Nordbahn, der zügig voranschreitet. In Deutsch-Wagram konnte 2023 die neu
errichtete Unterführung der Landesstraße L6 für den Verkehr freigegeben werden. Die entsprechende Eisenbahnkreuzung
wurde aufgelassen. Seit 2023 erstrahlt auch die Haltestelle in Helmahof, ein Ortsteil von Deutsch-Wagram, in neuem Glanz.
Dafür wurde der S-Bahn-Halt auf der Strecke zwischen Wien Süßenbrunn und Gänserndorf runderneuert. Insgesamt
werden rd. 66 km Strecke unter laufendem Betrieb modernisiert. Im Zuge dessen werden auch 17 Bahnhöfe und
Haltestellen entlang der Strecke attraktiviert und barrierefrei adaptiert. Auch sollen das Park & Ride- und das Bike & Ride-
Angebot ausgebaut werden. Hinzu kommt die Auflassung sämtlicher Eisenbahnkreuzungen, was höhere
Fahrgeschwindigkeiten der Züge erlauben wird.
Die Elektrifizierung der Marchegger Ostbahn ist seit dem Fahrplanwechsel 2022 / 2023 abgeschlossen. Die
Modernisierungen der Kamptalbahn, Traisentalbahn, Erlauftalbahn oder Mattersburger Bahn wurden im Berichtszeitraum
ebenfalls vorbereitet bzw. errichtet. Weiters wurde mit den Planungen für den Ausbau der Franz-Josefs-Bahn begonnen.
Als erste Meilensteine wurden mit Fahrplanwechsel im Dezember 2023 die modernisierten Bahnhöfe in Hadersdorf am
Kamp, Langenlois und Horn in Betrieb genommen. Damit wurde ein erster Schritt der Attraktivierung der Kamptalbahn
gesetzt, weitere folgen.
Das Projekt „Flughafenspange” steht für eine attraktive Anbindung des Osten Österreichs an den Flughafen und die Stadt
Wien. Die neue Verbindung bedeutet für Pendler:innen kürzere Fahrtzeiten und bringt Entlastung für die stark befahrenen
Ortsdurchfahrten. 2023 sind die Planungen weiter vorangeschritten.
Erfolgsgeschichte Weststrecke geht weiter
Rd. ein Drittel aller Züge fahren auf der Weststrecke. Güter- und Personenverkehr nehmen laut Prognosen weiterhin zu.
Der Ausbau zwischen Linz und Wels sowie der Ausbau zwischen Salzburg und Köstendorf ist notwendig, um der großen
Nachfrage nach mehr Zügen und besseren Verbindungen auf diesen Strecken nachzukommen.
Im Berichtszeitraum wurden die Bauarbeiten für den Ausbau der Weststrecke zwischen Marchtrenk und Wels sowie auf
der Westseite des Linzer Hauptbahnhofs fortgeführt. Künftig werden vier statt bisher zwei Gleise höhere Kapazitäten auf
der stark ausgelasteten Weststrecke sorgen. Das ermöglicht ein besseres Angebot im Nahverkehr mit einem dichteren S-
Bahn-Angebot und einen Taktfahrplan zwischen Linz und Wels. Das gleiche gilt für den Fern- und Güterverkehr. Der
Bahnhof Marchtrenk wird modernisiert. Für den Ausbau des Abschnittes zwischen Linz und Marchtrenk laufen die
Bauvorbereitungen, ein Baustart ist für 2024 geplant. Für den Ausbau des Abschnittes zwischen Linz Verschiebebahnhof
West und Linz Signalbrücke (inkl. Nahverkehrsknoten Linz Franckviertel) laufen die Planungen.
Für die Haltestelle Seekirchen Süd fand 2023 der Baustart statt. Der viergleisige Ausbau der Weststrecke wird zwischen
Köstendorf und Salzburg in zwei jeweils einröhrigen Tunneln verlaufen. Dafür liefen 2023 die UVP-Planungen und die
vertieften Planungen parallel weiter. Auch wurden regelmäßige, intensive Gespräche mit Stakeholder:innen (z. B. in Form
von institutionalisierten Dialogforen) geführt.
Südstrecke in der Zielkurve
Stück für Stück schreiten die Tunnelprojekte und Streckenausbauten voran. Die Großbauprojekte auf der Südstrecke
werden es möglich machen, dass Reisende zukünftig in weniger als zwei Stunden zwischen Wien und Graz und in
45 Minuten zwischen Graz und Klagenfurt reisen können.
Die Vortriebs-Arbeiten beim Jahrhundertprojekt Semmering-Basistunnel befinden sich auf der Zielgeraden. Mehr als 97%
der zwei 27,3 km langen Röhren sind mittlerweile gegraben. Rd. 600 m sind noch zurückzulegen. Mit insgesamt 14
Vortrieben wird der Tunnel errichtet. Zehn sind bereits abgeschlossen, darunter alle im Fröschnitzgraben und im Abschnitt
Grautschenhof. Wenn die Tunnelröhren fertig gegraben sind, wird die Betoninnenschale im Tunnel komplett fertiggestellt.
Schon jetzt sind mehr als 25 km dieser Schale errichtet (von insgesamt rund 55 km in zwei Röhren). Danach beginnt die
letzte Phase des Baus. Bevor die Züge durch den Berg fahren, erfolgt die bahntechnische Tunnelausrüstung. In dieser
Phase werden Gleise, Leitungen und technische Anlagen in den Berg verbaut. 2030 fahren dann die ersten Züge durch
den Semmering-Basistunnel. Die 130 km lange Koralmbahn startet indessen bereits jetzt in die finale Phase. 2023 wurde
der gesamte Koralmtunnel mit Schienen ausgestattet und ein großer Teil der Strecke mit Bahntechnik ausgerüstet. Auch
der neue Bahnhof Weststeiermark nimmt immer konkretere Formen an. Noch weiter ist man auf Kärntner Seite: Bereits
Ende des Jahres 2023 wurde die gesamte Kärntner Koralmbahn zwischen Klagenfurt und St. Paul im Lavanttal fertiggestellt
und für den Nahverkehr in Betrieb genommen. Es ist die bisher größte Teilinbetriebnahme auf der neuen Südstrecke und
gleichzeitig der Auftakt für den Zielsprint dieses Jahrhundertprojekts. Die Gesamtinbetriebnahme zwischen Graz und
Klagenfurt – mitsamt Koralmtunnel – ist schließlich Ende 2025 geplant.
Seite 229 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
24
Bahnhöfe und sonstige Investitionen
2023 wurden folgende Bahnhöfe verbessert und modernisiert:
– Bahnhof Ebreichsdorf
– Bahnhof Hadersdorf / Kamp
– Bahnhof Baumgartenberg
– Haltestelle Helmahof
– Bahnhof Süßenbrunn
– Bahnhof St. Paul im Lavanttal
– Haltestelle Wiederndorf-Aich
– Haltestelle Kühnsdorf Klopeiner See
– Bahnhof Kremsmünster
– Haltestelle Wiener Neustadt Civitas Nova
– Bahnhof Freistadt
– Bahnhof Summerau
– Haltestelle Steinkogel
– Haltestelle Pinsdorf
– Haltestelle Mitterweißenbach
– Bahnhof Schwarzach / St. Veit
– Bahnhof Ebreichsdorf
– Fertigstellung Parkdeck Wiener Neustadt
Brennerachse
Die Planungen und Vorarbeiten der ÖBB für den Ausbau der Eisenbahnachse Brenner am Nordzulauf zum Brenner
Basistunnel werden konsequent fortgesetzt. Im Projektabschnitt Staatsgrenze nächst Kufstein – Schaftenau laufen die
Erkundungsarbeiten zur Erstellung der Umweltverträglichkeitserklärung. Bei der Planung des Grenztunnels nach
Deutschland sind gemeinsam mit Kolleg:innen der DB die technischen Standards so zu definieren, dass eine
Genehmigungsfähigkeit in beiden Ländern gegeben ist.
Im Projekt Schaftenau – Knoten Radfeld wurde im Herbst 2023 die Detailgenehmigungsplanung öffentlich verhandelt.
Das Projekt dient langfristig zur Entlastung des Eisenbahnknotens Wörgl und wird seine Verkehrswirksamkeit gegen Ende
dieses Jahrzehnts entfalten. Bereits im Sommer 2023 wurde der 2,6 km lange Rohbaustollen Angath angeschlagen. Der
Stollen unterstützt die Planung durch detaillierte Gebirgserkundung. In den kommenden Jahren wird er die Baulogistik
während der Hauptarbeiten erleichtern und später zum Rettungstunnel ausgerüstet.
Im Zuge der Baumaßnahmen für einen barrierefreien Bahnhof Fritzens-Wattens werden flankierend auch zwei
Güterzuglange Überholgleise errichtet. Diese wirken kurzfristig zur weiteren Kapazitätssteigerung auf der Bestandstrecke.
Weitere Überholgleise sind im Bereich Bahnhof Schwaz vorgesehen. 2023 haben die ÖBB Vorarbeiten für eine Realisierung
in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre durchgeführt.
Der Bahnausbau im Tiroler Unterland dient zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der nördlichen Zulaufstrecke zum Brenner
Basistunnel. In wenigen Jahren werden Züge sicher, rasch und komfortabel zwischen Innsbruck und Franzensfeste in
Südtirol auf der Tunnelstrecke fahren. Dafür ist es von zentraler Bedeutung, den Schienenverkehr aus den Bevölkerungs-
und Wirtschaftszentren Europas an den Tunnel heranzuführen. Das realisieren die Bahnen in Österreich, Italien und
Deutschland mit dem Ausbau der Eisenbahnachse München – Verona als Teil des europäischen Skandinavien-Mittelmeer-
Kernnetzkorridors.
Der Brenner Basistunnel
Im Jahr 2023 wurden die Bauarbeiten der Rohbauwerke für den Brenner Basistunnel durch die Galleria di Base del
Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE fortgeführt. 159 km des gesamten Tunnelsystems in der Länge von 230 km sind
bereits ausgebrochen. Davon sind 62 km Eisenbahntunnel, 55 km Erkundungsstollen und rd. 42 km sonstige
Tunnelbauwerke.
Im Baubereich „H21 Sillschlucht“ wurden Beton- und Hinterfüllungsarbeiten an der 200 m langen und rd. 9 m hohen
Stützwand ausgeführt. Hier verlaufen die zukünftigen Gleise, die den Brenner Basistunnel mit dem Bahnhof Innsbruck
verbinden werden. Betonarbeiten für den Tunnel „Silltal” sind im Gange. Gearbeitet wird auch an den beiden
Eisenbahnbrücken über die Sill. Die Stahltragwerke und die Bodenplatten für die Eisenbahngleise sind bereits fertiggestellt.
Errichtet wurde auch eine 55 m lange Spannbandbrücke für Fußgänger:innen über die Sill. Insgesamt sind 75% des
Bauloses abgeschlossen.
Seite 230 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
25
Im Bauabschnitt „H41 Sillschlucht-Pfons” begann im Mai und Juni 2023 mit dem Start der Tunnelbohrmaschinen für den
Vortrieb vom Ahrental in Richtung Süden. Ende Juni 2023 fand die offizielle Andrehfeier der beiden TBMs
(Tunnelbohrmaschinen) statt. Die Trennwand im Verbindungstunnel Ost und West sowie die Fahrsohle in den
Seitenkorridoren (Sicherheitskorridor) wurde errichtet. Die Baustelleneinrichtung wurde zudem durch Förderbandanlagen
von untertage auf die Deponie Ahrental sowie auf die Deponie Padastertal ergänzt. Für die Herstellung von Tübbingen
(Betonfertigteile für die Innenschale) wurde eine provisorische Fertigungshalle aufgestellt. Neu errichtet wurde eine Brücke
über die A13, diese dient zur Abwicklung des Baustellenverkehrs. In diesem Baulos wurden 15% der Arbeiten
abgeschlossen.
Im Baulos „H52 Hochstegen” wurde beim Vortrieb des Erkundungsstollens die sogenannte „Hochstegen-
Störungszone“ vollständig durchörtert und dort die Injektions- und Abdichtungsmaßnahmen durchgeführt. Im
Erkundungsstollen wurde in Richtung Norden bis zum Baulos „H41 Sillschlucht-Pfons” ein rd. 9 km langes Förderband
installiert. Somit ist der untertägige Transport des Ausbruchsmaterials vom Baulos H41 auf die Deponie im Padastertal
sichergestellt. Errichtet wurde ein Hilfsangriff im Bereich der Hochstegenzone vom Erkundungsstollen aus zu den
Haupttunnelröhren sowie die Überleitstelle St. Jodok. Das Baulos ist zu 75% fertiggestellt.
Am 04.04.2023 wurde der Zuschlag für das Baulos „H53 Pfons-Brenner” erteilt. Mit dieser Vergabe wurden die
Tunnelbauarbeiten des letzten verbliebenen Bauloses des Brenner Basistunnels beauftragt. Der vertragliche Baubeginn
erfolgte am 04.05.2023. Damit wurde auch der Bestellvorgang für die beiden Tunnelbohrmaschinen für diese Baulos
eingeleitet. Mit dem Vortriebsbeginn der TBMs in Richtung Norden ist im Herbst 2024 zu rechnen.
Auf italienischem Staatsgebiet sind die Arbeiten auf beiden Baustellen weit fortgeschritten. Beim Baulos „H61
Mauls 2–3” hat die Tunnelbohrmaschine „Virginia” im März ihr Ziel am Brenner erreicht. Mit dem Erreichen der
Baulosgrenze hat erstmals eine TBM eines Haupttunnels den Vortrieb erfolgreich beendet. Die zweite TBM „Flavia” hat
eine Störungszone erreicht. Die Tätigkeiten zur Überwindung der Störungszone laufen. Beim Baulos „H71
Eisackunterquerung” wurden die Bauwerke fertiggestellt und mit dem Rückbau der Baustelle und den
Renaturierungsarbeiten begonnen.
Das Vergabeverfahren für die Planungsleistungen für die eisenbahntechnische Ausrüstung des Brenner Basistunnels läuft
zum Bilanzstichtag – die Aufnahme der Planungsarbeiten ist (in Abhängigkeit des Abschlusses des Vergabeverfahrens) im
Lauf des Jahres 2024 zu erwarten.
Migration weiterer Streckenabschnitte in die fünf Betriebsführungszentralen
Darüber hinaus wurden im Jahr 2023 die Steuerbereiche der fünf Betriebsführungszentralen (BFZ) wieder deutlich
erweitert. So wurden u. a. die Betriebsstellen Ebreichsdorf, Tullnerbach-Pressbaum und Hadersdorf am Kamp in die
Betriebsführungszentrale (BFZ)-Wien Stadlau, die Betriebsstellen Garsten, Schlierbach, Wartberg a. d. Krems,
Kremsmünster, Freistadt und Summerau in die BFZ-Linz, Redl-Zipf in die BFZ-Salzburg, Werndorf, Hengsberg,
Wettmannstätten, Wartberg im Mürztal, Bleiburg und St. Paul im Lavanttal in die BFZ-Villach migriert. Damit werden
bereits rd. 66% des Hauptnetzes der ÖBB-Infrastruktur AG von den fünf Betriebsführungszentralen gesteuert.
Das BFZ-Ausfallkonzept beschreibt, wie im Störungs- bzw. Ereignisfall schnellstmöglich der Betrieb in hoher Qualität
abgewickelt werden kann und die Beeinträchtigungen im nationalen und internationalen Zugverkehr so gering wie
möglich gehalten werden können. Das Ausfallkonzept sieht vor, dass die BFZ-Systeme und -Bedienplätze nahtlos von
anderen BFZ-Standorten übernommen werden können, was die Betriebsführung im Störfall deutlich erleichtert. In diesem
Zusammenhang ist der Neubau der BFZ Wien Stadlau und die Errichtung von regionalen Ersatzarbeitsplätzen (EAP) mit
georedundanter IT-Serverlandschaft geplant bzw. zum Teil bereits in Umsetzung. Seit Mai 2021 wird am Gelände des
Bahnhofs Spittal-Millstätter See ein neues Betriebsgebäude errichtet, das zukünftig die Ersatzarbeitsplätze des BFZ-Villach
und die Steuerung der Nebenbahnen beheimatet. Die Bauarbeiten der EAP-Spittal wurde im Juli 2023 abgeschlossen, die
Fertigstellung der EAP für die BFZ-Villach am Standort Spittal-Millstätter See ist mit Dezember 2023 erfolgt. Die
Bauarbeiten der neuen BFZ Wien Stadlau starteten im Juli 2021 – eine Teilinbetriebnahme wurde mit Dezember 2023
umgesetzt.
ETCS – European Train Control System
Das ETCS trägt zur Harmonisierung des europäischen Eisenbahnsystems und damit zu einem interoperablen und
kostenoptimierten Zugang zum System Bahn bei. So wird die Position des Systems Bahn gegenüber anderen
Verkehrsträgern auf lange Sicht gestärkt.
Mit der Umsetzung des ETCS-Migrationsplans wird die Sicherstellung der Interoperabilität auf Basis europäischer Vorgaben
ermöglicht und gewährleistet. Damit können die gesetzlichen Vorgaben sowohl in technischer als auch in zeitlicher
Hinsicht eingehalten werden. Eine enge Koordination mit dem BFS-Programm ist jedenfalls sichergestellt. Damit wird im
laufend dichter und komplexer werdenden Bahnbetrieb für die entsprechende Sicherheit, Pünktlichkeit und Qualität
gesorgt und die Kund:innenanforderungen werden bestmöglich erfüllt.
Seite 231 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
26
Durch die im Juli 2023 erfolgte erfolgreiche Übernahme der ETCS-Level-2-Pilotstrecke Linz-Vöcklabruck des ETCS-
Migrationsprogramms wurde ein wesentlicher Meilenstein des sich im Plan befindlichen ETCS-Roll-outs erreicht. Mit der
Inbetriebnahme des Teilabschnittes der Koralmbahn von St. Paul-Lavantal bis Klagenfurt zum Fahrplanwechsel wurde im
Dezember 2023 auch noch ein Streckenteil nur mit ETCS und ohne Außenlichtsignale für Zugfahrten in Betrieb genommen.
Digitalisierung in der ÖBB-Infrastruktur AG
Die ÖBB-Infrastruktur AG setzt Digitalisierung und Automatisierung ein, um die strategischen Ziele der
Kapazitätssteigerung und Effizienzsteigerung zu erreichen und Erfolgskriterien wie Pünktlichkeit, Sicherheit und
Kund:innenzufriedenheit weiterzuentwickeln. Hierfür wurde im Zuge der INFRA Mobilitätswende die Stoßrichtung
Digitalisierung definiert. Dabei wird interdisziplinär gedacht und Initiativen, die aus der Digitalisierung entstehen, werden
im Konzern abgestimmt vorangetrieben. Diese Initiativen realisieren Methoden der Automatisierung und Digitalisierung
im System Bahn, um durch mehr Effizienz die Kapazität, die Wirtschaftlichkeit und die Qualität zu verbessern.
Vor dem Hintergrund der konkreten Herausforderung, die relevanten Themen mit den vielen Facetten erfolgreich
abzuwickeln, werden die notwendigen Prozesse etabliert, und es wird an der Bereitstellung der erforderlichen Fähigkeiten
und Ressourcen gearbeitet. Damit wird eine zentrale Voraussetzung für einen erfolgreichen und zielgerichteten
Transformationsprozess geschaffen. Die Initiativen im Kontext der Digitalisierung wurden in enger Abstimmung mit den
betroffenen Bereichen innerhalb der ÖBB-Infrastruktur AG definiert, denn nur so war es möglich, wesentliche
Verbesserungen, die einen direkten Mehrwert in den operativen Bereichen mit sich bringen, zu erzielen. Erste messbare
Projekte sind die Zuglaufcheckpoints und das Zugpositionsservice (Projekt „Greenlight”). Letzteres umfasst die präzise
Ortung von Zugpositionen im Gleisbereich. Die Greenlight-Softwareplattform empfängt im Sekundentakt
Lokalisierungsinformationen, Geschwindigkeit und Empfangsqualitätsinformationen (Mobilfunk und GNSS) von der in
Triebfahrzeugen installierten „railpower box”, verarbeitet diese und stellt sie Dritten zur Verfügung. Mittlerweile sind
bereits rd. 1.600 Triebfahrzeuge der ÖBB und weiterer Eisenbahnverkehrsunternehmen mit „Greenlight”-fähigen
„railpower boxen“ ausgestattet worden. Weitere Projekte sind das digitale Stellwerk und die innovative
Regionalbahntechnik.
Mit dem Programm BFS zählte die ÖBB-Infrastruktur AG schon in der Vergangenheit zu den Vorreitern bei den Themen
„Fernsteuerung” und „Digitalisierung” im Bahnbetrieb. Um dies weiter voranzutreiben, werden ältere Stellwerksbauarten
sukzessive durch moderne elektronische Stellwerke ersetzt.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat im Berichtszeitraum mehrere Kooperationen mit Infrastrukturbetreibern durchgeführt bzw.
vertieft, um die internationalen Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung effizient zur
Weiterentwicklung des Bahnbetriebs zu nutzen. Hierzu zählt zum Beispiel die Kooperation zwischen SBB und ÖBB-
Infrastruktur AG in den Gremien Reference CCS Architecture und Systempillar. Außerdem ist die ÖBB-Infrastruktur AG seit
2019 Mitglied bei EULYNX und Founding Member bei Europe’s Rail Joint Undertaking, um aktiv die Weiterentwicklung
der Stellwerkstechnik voranzutreiben und die Vorteile der Digitalisierung zu verankern.
Um eine Effizienzsteigerung im Bereich der Anlagenbereitstellung zu realisieren, setzt die ÖBB-Infrastruktur AG auf das
Thema „Building Information Modeling“ (BIM). BIM ist eine objektorientierte, informationsbasierte Planungsmethode und
verknüpft dreidimensionale Konstruktionen mit weiteren Informationen wie Produkteigenschaften, Kosten, Bauablauf,
betreiberrelevante Details etc. So werden digitale Modelle „intelligent“. Seit 2016 arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG an
der Weiterentwicklung und Integration von BIM in die Projektabwicklung. Erste Projekte werden seit 2018 mit BIM
umgesetzt (z. B. Tunnelkette Granitztal). Da internationale Standards für BIM im Bereich Infrastruktur bislang noch fehlten,
arbeitete die ÖBB-Infrastruktur AG gemeinsam mit anderen Infrastrukturbetreibern aus der ganzen Welt aktiv bei der
Standardentwicklung – dem sogenannten IFC-Rail-Projekt von buildingSMART International – mit. So konnte im
Berichtszeitraum gemeinsam der IFC Standard für Eisenbahninfrastruktur finalisiert und bei der ISO zur Standardisierung
eingereicht werden Damit schafft die ÖBB-Infrastruktur AG die Voraussetzungen für einen international abgestimmten,
homogenen und konsistenten Datenfluss und damit die Voraussetzungen für eine weitere Effizienzsteigerung im Bereich
der Instandhaltung von Anlagen.
Neben BIM gibt es zahlreiche weitere Digitalisierungsvorhaben in der ÖBB-Infrastruktur AG. Um einen gesamthaften
Überblick über Daten zu bewahren und diese strukturiert zur Verfügung zu stellen, wurde eine „ÖBB-Infra Datenfabrik”
aufgebaut. Die Datenfabrik hat den Fokus durch Prozesse, Methodiken und technische Plattformen Daten in einem hohen
Reifegrad wiederverwendbar bereitzustellen. Damit sollen in Zukunft unter anderem prediktive Szenarien im Bereich
Maßnahmenplanung und Instandhaltung verbessert und datengetriebene Entscheidungen ermöglicht werden. Ein
professionelles Datenmanagement bildet die Basis für ein virtuelles Datenabbild der ÖBB-Infrastruktur AG in einem „Digital
Twin ÖBB-Infrastruktur”, der das Gleis- und Streckennetz sowie darauf installierte Anlagen enthält.
Seite 232 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
27
Im Bereich des „Digitalen Arbeitsplatzes” ist die Umsetzung von zwei für die digitale Transformation notwendigen
Konzernprojekten (Digital Reach und Microsoft 365 Roll-out) bereits weit fortgeschritten. Aufgrund der Veränderungen
durch die Pandemie auf das Arbeitsleben wurden viele digitale Möglichkeiten geschaffen, remote und digital
zusammenzuarbeiten. Diese Projekte bilden die Grundlage der Digitalisierung unserer operativen Einheiten mit mobilen
digitalen Services. Dabei werden im ÖBB-Infrastruktur-Konzern rd. 8.500 Mitarbeiter:innen zum ersten Mal mit einem
persönlichen IT-User ausgestattet. Dadurch kann jede:r Mitarbeiter:in im Digital Reach somit in- und außerhalb der
Arbeitszeit auf die digitalen Services (z. B. Microsoft 365, HR-Portal, Intranet mobil) zugreifen. Weiters wird zur Umsetzung
des modernen, digitalen Arbeitsplatzes im Rahmen des strategischen Konzernprojektes „Microsoft 365” ein Roll-out der
Cloudlösung Microsoft 365 in nichtbetriebskritischen Bereichen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns durchgeführt.
Darstellung der gesamten Rahmenplan- und sonstigen Investitionsprojekte
Projekt
Investitionen
2023 in
Mio. EUR
Voraussichtliche
bzw. erfolgte
Inbetriebnahme /
Fertigstellung
Bahnhofsum- und -neubauten
Bahnhof Bad Erlach
6,0
2023
Bahnhof Baumgartenberg
3,2
2023
Bahnhof Fritzens-Wattens
3,6
2025
Bahnhof Gramatneusiedl
35,1
2024
Bahnhof Hadersdorf am Kamp
6,9
2023
Haltestelle Klaus in Vorarlberg
3,5
2025
Haltestelle Leobendorf-Burg Kreuzenstein
0,4
2023
Bahnhof Messendorf / Haltestelle Raaba
4,7
2026
Bahnhof Micheldorf
2,3
2025
Bahnhof Mürzzuschlag
5,0
2024
Haltestelle Pinsdorf
9,3
2023
Bahnhof Redl-Zipf
3,5
2024
Bahnhof Schwarzach / St. Veit
5,4
2023
Haltestelle Steinkogl
3,5
2023
Bahnhof Telfs-Pfaffenhofen
7,9
2023
Bahnhof Thal
0,5
2023
Bahnhof Traun
0,6
2023
Bahnhof Tullnerbach-Pressbaum
30,4
2024
Bahnhof Unter Purkersdorf
2,7
2022
Villach Hbf
2,9
2026
Haltestelle Wiener Neustadt Civitas Nova
2,4
2025
Bahnhof Wartberg im Mürztal
27,1
2024
Wien Franz-Josefs-Bahnhof
5,7
2023
Parkdecks
Wiener Neustadt; Neuerrichtung Parkdeck 3
12,3
2023
Großraum Wien
Inzersdorf; Errichtung Terminal (Cargo-Center Wien)
1)
1,6
2016 / 2026
Ausbau Marchegger Ast
2)
43,9
2018 /
2024 / 2035
Wien Meidling – Abzw. Altmannsdorf; zweigleisiger Ausbau
22,2
2023
Großraum Wien; Qualitätssicherung Nahverkehr
78,3
2030
Wien Hütteldorf – Wien Meidling; Verbindungsbahn
9,8
ab 2029
Wien Meidling – Mödling; 4-gleisiger Ausbau
7,5
2034
Weststrecke
Attnang-Puchheim – Salzburg Hbf; Ausbau Bestandsstrecke
3)
13,3
2029
Linz – Wels; 4-gleisiger Ausbau
98,0
2031
Linz Kleinmünchen (a) – Linz Hbf; 4-gleisiger Ausbau
1,3
2033
Flughafen Wien – Bruck a. d. Leitha;
Errichtung Verbindungsstrecke
6,3
2033
Neumarkt-Köstendorf – Salzburg; Neubaustrecke
14,5
2042
Südstrecke
Wien Blumental – Wampersdorf;
2-gleisiger Ausbau Pottendorfer Linie
4)
61,0
2023
Wampersdorf – Wiener Neustadt; Streckenattraktivierung
25,7
2024
Graz – Klagenfurt;
Koralmbahn (Projekte gem. Vertrag) inkl. Flughafenast
488,0
2025
Gloggnitz – Mürzzuschlag;
Neubaustrecke (Semmering-Basistunnel) 376,6
2030
Bruck a. d. Mur – Graz; Bahnhofsumbauten
1,8
2030
Süßenbrunn – Bernhardsthal; Ausbau Bestandsstrecke
5)
49,4
2032
Seite 233 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
28
Pyhrn-Schober-Achse
Linz Hbf – Summerau; Attraktivierung
6)
13,4
2023
Bischofshofen – Selzthal; Attraktivierung Ennstal
3,0
2028
Linz – Selzthal;
selektiv 2-gleisiger Ausbau und Bahnhofsumbauten
4,1
2031
Tauernachse
Golling-Abtenau – Sulzau; Linienverbesserung Bereich Pass Lueg
1,8
2022
Maishofen-Saalbach - Leogang; Ski WM 2025
2,9
2024
Brennerachse
Brenner Basistunnel
205,9
2032
Staatsgrenze n. Kufstein – Knoten Radfeld; Brenner Nordzulauf
35,0
2037
Arlbergachse
Arlbergstrecke; Maßnahmen zur Fahrplanstabilität
10,7
2031
Bregenz – Bludenz; Nahverkehrsausbau (Rheintalkonzept)
12,7
2031
Programme
Lärmschutz
6,4
Park & Ride
9,8
Streckenelektrifizierungen
25,5
Regionalbahnkonzept Streckenattraktivierungen
87,8
Sicherheit und Betriebsführungssysteme
305,0
Maßnahmen zur Kund:innenzufriedenheit
(Mobilfunk, Datennetze, WLAN) 0,7
Reinvestitionen in
das Schienennetz
664,5
Sonstige (inkl. immaterieller
Vermögenswerte)
491,3
Gesamt Rahmenplan- und
sonstige Investitionsprojekte
3.364,6
1)
Inbetriebnahme der Betriebsgleise, KLV- und WLV-Anlage erfolgte 2016. Die Umsetzung der Phase 2 erfolgt bis 2026.
2)
Inbetriebnahme des Wiener Abschnitts erfolgte 2018 (Erzherzog-Karl-Straße – Wien Aspern). Die Inbetriebnahme des Vollausbaus im Bereich Stadlau bis Marchegg
erfolgt bis 2024 und im Bereich Marchegg bis Staatsgrenze bis 2035.
3)
Inbetriebnahme des Bahnhofumbaus Neumarkt am Wallersee und Steindorf bei Straßwalchen bereits erfolgt.
4)
Inbetriebnahme des Abschnitts Hennersdorf – Münchendorf erfolgte 2019. Der Ausbau im Abschnitt Ebreichsdorf wurde bis 2023 umgesetzt.
5)
Inbetriebnahme des Bahnhofumbaus Wien Süßenbrunn erfolgte 2023.
6)
Inbetriebnahme der Bahnhofsumbauten Freistadt und Summerau erfolgte 2023.
C.5. Die Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Rahmenbedingungen und Herausforderungen
Seit mehr als 180 Jahren schafft der ÖBB-Infrastruktur-Konzern die Grundlage, um Menschen und Güter nachhaltig zu
transportieren und trägt damit aktiv zur Steigerung der Lebensqualität sowie der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs bei.
Die Kund:innen werden mit einer leistungsfähigen Infrastruktur, operativer Exzellenz und attraktiven Services und
Dienstleistungen begeistert – heute und auch in Zukunft.
Zu den Hauptaufgaben des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zählen die Bereitstellung von Fahrwegkapazität sowie die Planung,
Errichtung, Instandhaltung und der Betrieb der Schieneninfrastruktur als auch das Erbringen von Dienstleistungen im
Eisenbahnbereich. Um die Aufgaben trotz wandelnder Rahmenbedingungen auch weiterhin mit hoher Qualität erfüllen
zu können, muss unterschiedlichen Herausforderungen begegnet werden:
–
Kapazitäten schaffen für den Umstieg. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist das Rückgrat der Mobilitätswende in
Österreich. Er ist gefordert, die entsprechenden Kapazitäten zu schaffen und so die Verkehrsverlagerung im Personen-
und Güterverkehr zu ermöglichen.
–
Sicherheit und Pünktlichkeit. Die zu erwartende steigende Zugdichte muss sicher und zuverlässig abgewickelt werden
können. Optimierte und digitalisierte Betriebsprozesse sowie eine gelebte Sicherheitskultur sind die Basis für die hohen
zukünftigen Anforderungen.
–
Liberalisierung. Die steigende Anzahl von EVUs im Schienennetz bedingt eine Weiterentwicklung der „Spielregeln am
Netz”. Verkehrsartenspezifische Widmung von Trassenkapazitäten und ein verlässlicher Rechtsrahmen für die
Nutzungsbedingungen des Schienennetzes sind notwendig.
–
Finanzen stabilisieren. Bedingt durch den Anlagenzuwachs und die zunehmende Technologisierung steigt die
Komplexität und somit auch die (absoluten) Kosten. Neben einem verkehrspolitisch und regulatorisch tauglichen
Erlösmanagement muss der Kostenzuwachs durch Optimierung von Wertschöpfungstiefe, Innovationen, Steigerung der
Arbeitsproduktivität und strategischen Allianzen gedämpft werden.
–
Klimaschutz und Nachhaltigkeit forcieren. Der „Green New Deal” und die Dekarbonisierung der Wirtschaft stellen den
Verkehrssektor vor gravierende Herausforderungen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern sieht sich gefordert, den
ökologischen Wettbewerbsvorteil des Systems Bahn weiter auszubauen. Energie und Klimaschutz müssen daher ins
Zentrum des Handelns gestellt werden.
–
Multimodale Zukunft gestalten. Der Mobilitätsmarkt erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Verkehrssysteme wachsen
zusammen bzw. entwickeln sich immer mehr zu vernetzten Mobilitätsökosystemen, in welchen das System Bahn
weiter an Bedeutung gewinnen wird. Durch Bereitstellung von multimodaler Bahnhofs- und Terminalinfrastruktur
sowie von Anlagen- und Betriebsdaten unterstützt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern diese Zukunft.
Seite 234 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
29
– Digitalisierung nutzen, um besser zu werden. Durch die Digitalisierung bieten sich Möglichkeiten, Mehrwert für
Kund:innen und Organisation zu schaffen. Eine zielgerichtete Nutzung der Digitalisierung eröffnet die Chance,
Menschen einfacher zu verbinden und Prozesse weiter zu optimieren.
–
Generationenmanagement bewältigen und Diversität erhöhen. Um auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben, muss der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber mit einer inspirierenden und motivierenden Kultur der
Zusammenarbeit sein. Durch ein gezieltes Generationenmanagement wird das Know-how im Unternehmen abgesichert.
Innovative Formen der Zusammenarbeit, Diversität und gleichberechtigte Karrierechancen für alle Mitarbeiter:innen
müssen den ÖBB-Infrastruktur-Konzern als Arbeitgeber künftig auszeichnen.
#INFRA.Mobilitätswende – Die Unternehmensstrategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Unter dem Titel „#INFRA.Mobilitätswende“ legt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern seine strategische Ausrichtung für die
kommenden zehn Jahre vor, um den Erfolg des Konzerns nachhaltig abzusichern.
Die Vision: Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist ein starker Partner in der Mobilitätswende:
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern verbessert seine Produktivität und Klimaeffizienz.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern schafft die Kapazitäten für den Umstieg auf die Schiene.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern vernetzt sich analog und digital mit seinen Kund:innen und Partner:innen.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist ein attraktiver Arbeitgeber mit Vielfalt.
Um diese Vision zu erreichen und den Erfolg der Strategie zu messen, wurden folgende strategische Ziele festgelegt:
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern schafft ein attraktives Angebot für die Mobilitätswende.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern stärkt den ökologischen Wettbewerbsvorteil der Bahn.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern steigert die Produktivität und Klimaeffizienz.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hält Sicherheit und Pünktlichkeit auf hohem Niveau.
Abgeleitet von der Vision und den strategischen Zielen baut die Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns auf sechs
strategischen Stoßrichtungen auf:
–
Kund:innenzentriertes Geschäftsmodell – mehr Bahn für die Kund:innen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern schafft
attraktive Services und stellt seine Kund:innen in den Mittelpunkt. Er ist in Österreich und weiten Teilen Europas der
Partner für zuverlässige und reibungslose Mobilität. Die neuen Services bringen die analoge und digitale Welt zusammen.
Gemeinsam mit Partner:innen verbindet er die Schiene mit Straße, Schiff- und Luftfahrt. Er versteht die Anforderungen
seiner Kund:innen und die Kund:innen fühlen sich gut aufgehoben.
–
Optimierte Wertschöpfungstiefe – mehr Fokus für die Kund:innen. Um die Ziele zu erreichen, setzt der ÖBB-
Infrastruktur-Konzern seine Mitarbeiter:innen optimal ein und achtet sorgsam auf seine finanziellen Mittel. Er
konzentriert sich auf das Wesentliche und arbeitet in Zukunft einfacher und transparenter zusammen. Überall dort, wo
er Leistungen nicht selbst erbringen kann, legt er höchstes Augenmerk auf verlässliche Partner:innen und langfristige
Beziehungen.
–
Digitalisierung – eine vernetzte Bahn für die Kund:innen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern will den Bahnbetrieb sicherer,
wirtschaftlicher und produktiver steuern und auf seinen Strecken kürzere Taktfolgen erreichen. Er setzt dabei auf hoch
verfügbare digitale Stellwerke und automatisiert künftig noch stärker. Die Anlagen und Systeme sind miteinander
vernetzt und liefern alle Daten in Echtzeit. Der erhöhte Automatisierungsgrad bei der Zugproduktion steigert damit
Sicherheit, Kapazität und Wirtschaftlichkeit. Auf den Regionalbahnen nutzt er ab dem Jahr 2025 innovative und
kostengünstige Technik.
–
Innovatives Anlagenmanagement – mehr Nachhaltigkeit für die Kund:innen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern
investiert verantwortungsbewusst und ökologisch. Für den gesamten Lebenszyklus von Anlagen gibt es Standards. Alle
Teile sind digital geplant, passen optimal zueinander und sind jederzeit hoch verfügbar. Gemeinsam mit seinen
Partner:innen denkt er immer ökologisch und höchst effizient – vom Design, von der Planung und Beschaffung, über
den Bau bis zum Ausscheiden.
–
Energiewende und Klimaschutz – eine grüne Bahn für die Kund:innen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern leistet einen
wesentlichen Beitrag, um den ökologischen Wettbewerbsvorteil des Systems Bahn weiter auszubauen. Grüner
Bahnstrom ist eine der Grundlagen für die klimafreundliche Mobilität. Durch eine Ausbauoffensive für erneuerbare
Energien, die Dekarbonisierung der Betriebsstätten und die Steigerung der Energieeffizienz forciert er die Energiewende
im System Bahn. Umfassende Ökologisierungsinitiativen in der Anlagenbereitstellung sowie in der Beschaffung stärken
die Rolle des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns als österreichischer Leitbetrieb für Klimaschutz.
–
Generationenmanagement und Diversität – mehr Vielfalt für die Kund:innen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist ein
attraktiver Arbeitgeber und fördert Vielfalt, Inklusion und Chancengleichheit. Bis 2030 werden viele engagierte und
vielfältige Mitarbeiter:innen neu im Konzern aufgenommen, die gemeinsam als Team an einer erfolgreichen Zukunft
arbeiten. Der Konzern hat einen großen Generationenwandel vor sich. Es gilt, das bestehende Wissen sicher
weiterzugeben und Raum für neue Ansätze und Ideen zu schaffen.
Seite 235 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
30
Strategieumsetzungsprogramm „Nordstern“
Um die effiziente Umsetzung der Strategie zu gewährleisten, wurden analog zu den sechs strategischen Stoßrichtungen
sechs strategische Programme initiiert. Diese werden unter dem konzernübergreifenden Programm
„Nordstern“ strukturiert und organisiert. Dieses Strategieprogramm wurde bereits 2018 mit dem Fokus auf die strategische
Dimension „Wettbewerbsfähigkeit” initiiert und wird um die Dimensionen „Operative Exzellenz”, „Neue Services“ ” sowie
„Starkes Team” erweitert.
Das Zielnetz als ein wesentlicher Ansatz zur Strategieumsetzung
Mit dem Zielnetz 2025+ werden die strategischen Weichen für den Ausbau und die Instandhaltung der
Eisenbahninfrastruktur in Österreich gestellt. Es schafft die Voraussetzungen dafür, dass Schritt für Schritt ein Taktfahrplan
im Personenverkehr eingeführt werden kann, und unterstützt die weitere Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße
auf die Schiene. Die Weiterentwicklung des Infrastrukturangebotes bildet eine Grundlage für die Gewinnung von
zusätzlicher Nachfrage für die Schiene. Auf Basis des aktuell gültigen Zielnetzes 2025+ wird ein Netzentwicklungsplan
(NEP) erstellt, welcher konkrete Zielsetzungen und Vorgaben zur Dimensionierung der Infrastruktur des ÖBB
Streckennetzes enthält.
Darauf aufbauend werden in den Streckenentwicklungsplänen (SEPs) die Vorgaben und Inhalte aus dem aktuell gültigen
Zielnetz 2025+ und dem NEP in Etappen konkretisiert, priorisiert und auf die jeweilige Strecke übergeleitet. Durch die
Fokussierung auf strategische Ziele und Maßnahmen spezifizieren die SEPs die Vorgaben für die Weiterentwicklung der
Strecken. Sie zeigen somit den Weg zur Erreichung und Umsetzung des aktuell gültigen Zielnetzes 2025+ auf und bilden
ein wichtiges Instrument für die Operationalisierung. Um auch künftig weiter die richtigen strategischen Maßnahmen
setzen zu können, finden aktuell die Arbeiten für das Zielnetz 2040 statt. Fokus des Zielnetzes 2040 ist die Identifikation
und Priorisierung von Erweiterungsinvestitionen, vor allem für den Zeitraum 2030 bis 2040. Aufbauend auf dem aktuell
gültigen Zielnetz 2025+ wird sich das Zielnetz 2040 auf folgende Schwerpunkte fokussieren:
– Internationale Verbindungen: Weiterentwicklung der internationalen Verbindungen
– Taktfahrplan: Weiterentwicklung des Taktfahrplans und Verkürzung der Fahrzeiten
– Schienengüterverkehr: Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs
– Ballungsräume: Mehr öffentlicher Nahverkehr in den Ballungsräumen
– Regionalverkehr: Bessere Anbindung des ländlichen Raums und der Regionalbahnen
Das Zielnetz 2040 wird vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern in enger Abstimmung mit dem BMK und der SCHIG mbH
entwickelt und soll in der ersten Jahreshälfte 2024 vom BMK veröffentlicht werden. In weiterer Folge sind noch 2024 eine
öffentliche Konsultation sowie die Festlegung auf das finale Zielnetz geplant. Die Entwicklung des Zielnetz 2040 erfolgt
auf Grundlage einer fachlich fundierten und transparenten Methode zur Entwicklung und Bewertung von zu Modulen
zusammengefassten Einzelmaßnahmen.
Infrastruktur – Investitionen in Ausbau und Sicherheit
Aufbauend auf dem Nationalen Energie- und Klimaplan wird das jährliche Investitionsprogramm über die letzten Jahre um
5% pro Jahr ausgeweitet. Dies findet sich auch im aktuellen – von der Bundesregierung beschlossenen – Rahmenplan
2024 bis 2029 mit einem Gesamtvolumen von rd. 21,1 Mrd. EUR für die nächsten sechs Jahre wieder. Mit diesem
Rahmenplan wird an den vorherigen Rahmenplan 2023 bis 2028 angeknüpft.
Mit dem Ausbau und der Modernisierung des Netzes wird ein bedeutender Beitrag für die heimische Wirtschaft geleistet.
Dabei werden auch gezielte Investitionen im ländlichen Raum getätigt, welche insbesondere Impulse für die regionale
Wirtschaft – Fokus Klein- und Mittelbetriebe – bringen.
Die größten Projekte des laufenden Ausbauprogramms betreffen die Brennerachse und die neue Südstrecke. Ein weiterer
Schwerpunkt liegt auf der Elektrifizierung und Attraktivierung von Regionalbahnen sowie der Stammstrecke der Wiener
Schnellbahn. Der Ausbau von Güterverkehrterminals, die Fortführung der Bahnhofsoffensive, des Park & Ride- und
Lärmschutzprogramms sowie ein umfangreiches Sicherheits- und Betriebsführungspaket (inklusive
Digitalisierungsschwerpunkten) tragen ebenso wesentlich dazu bei, entsprechend dem aktuell gültigen Zielnetz 2025+ ein
hoch attraktives System Schiene für Generationen zu schaffen.
Seite 236 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
31
Mit Forschung und Entwicklung sowie Innovation zum Erfolg in der Zukunft
Innovation als wichtiger Hebel für die Strategieerreichung
Innovation ist ein wesentlicher Hebel zur Erreichung der strategischen Ziele des ÖBB-Konzerns. Dabei konnten in den
vergangenen Jahren schon einige Erfolge erzielt werden. Es gilt jedoch, die Arbeit kontinuierlich fortzusetzen und
Innovation als starke Triebkraft zur Strategieumsetzung im Unternehmen stärker zu verankern. Die Ableitung von
Innovationsthemen aus der Strategie und der Fokus auf das Kerngeschäft leisten einen wesentlichen Beitrag, um die
Wettbewerbsfähigkeit des Systems Bahn weiter zu stärken. Die Wirkung der Innovationskraft wird am Erreichen von
strategischen Zielen gemessen.
Open Innovation
Um die Innovationskultur im ÖBB-Konzern zu stärken, wurde die Methode der „Open Innovation“ etabliert. Gemeinsam
mit internen Stakeholder:innen und Kund:innen wird nach neuen Lösungen und Services gesucht, um das Bahnfahren von
morgen zu gestalten. Dazu zählen neben fachlich qualifizierten Mitarbeiter:innen, geeigneten Räumlichkeiten wie dem
„Open Innovation Lab“ auch eine breite Palette an Methoden um Innovationen zu ermöglichen. Bei der Umsetzung von
Innovationsinitiativen wird das Prinzip „Rapid Prototyping” angewandt: Aus Ideen werden rasch Prototypen entwickelt,
die sofort im Markt bei den Kund:innen getestet und auf Basis des Feedbacks weiterentwickelt werden. Der sich
wiederholende Prozess erlaubt es, Ideen effizient und rasch zu relevanten Produkten, Services und Prozessen zu gestalten.
Diese Methode schafft die Möglichkeit, in kurzer Zeit Kund:innenbedürfnisse zu verstehen und die Produkte dafür
maßzuschneidern.
Ideenwerkstatt als kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)
Um das Potenzial aller Mitarbeiter:innen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns für Ideen bestmöglich zu fördern und so
gemeinsam die Weiterentwicklung der Zukunft des Konzerns voranzubringen, gibt es die Ideenwerkstatt zur Einbringung
von Verbesserungsvorschlägen. Damit sollen die Produkte, Services und Prozesse stetig optimiert werden. Interne
Fachexpert:innen prüfen, welche Ideen in die nächsten Schritte weitergetragen werden.
2023 (Stand per 31.12.2023) wurden 624 Ideen in der Ideenwerkstatt durch Mitarbeiter:innen eingebracht und 121 davon
erfolgreich umgesetzt. Durch diese Verbesserungsmaßnahmen gelang es, seit 2015 ein berechnetes Einsparungspotenzial
von rd. 23,8 Mio. EUR zu heben.
Forschung und Entwicklung als Grundlage für Innovationen
Eine strategiegeleitete Forschung und Entwicklung steht im Mittelpunkt des Entwicklungsbestrebens des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns. Durch klar definierte Corporate-Research-Areas werden mehrjährige Perspektiven geschaffen und
mit zugehörigen langfristigen F&E-Roadmaps gesteuert. Gemeinsam mit strategischen Partner:innen aus unterschiedlichen
Kompetenznetzwerken positioniert sich der ÖBB-Infrastruktur-Konzern als nationaler Leadpartner der
Bahnzulieferindustrie und Kernteampartner bei Konsortien. So werden nationale Forschungsprogramme sehr erfolgreich
bespielt, ein Beispiel dafür ist die Initiative „Rail4Future”. Die Beteiligung an europäischen Forschungsprogrammen hat
dort Priorität, wo Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten mit internationalen Partner:innen zu europäischen
Herausforderungen zu bündeln sind. Dies zeigt sich insbesondere mit der Beteiligung an den Forschungsinitiativen
„Shift2Rail” und „Europe´s Rail”. In einem gemeinsamen Bestreben mit anderen europäischen Bahnen, der Industrie und
der Europäischen Kommission werden Maßnahmen zusammengefasst, um die Bahn von morgen pünktlicher, zuverlässiger
und kosteneffizienter zu machen.
C.6. Sonstige wichtige Vorgänge und Ausblick
Ausblick ÖBB-Konzern
Trend.Radar
Die ÖBB müssen die Trends, die das Geschäft und die Branchen bewegen oder in Zukunft beeinflussen könnten, inhaltlich
kennen. Fehlt dieses Wissen, fehlt automatisch auch die Basis für ein professionelles Management. Das Entdecken,
Analysieren und Bewerten von Trends kann daher nicht ausgelagert werden, sondern muss im Konzern selbst erfolgen.
Das Motto lautet: Heute in die Zukunft von morgen investieren.
Jeden Tag werden in Unternehmen Entscheidungen getroffen, die große Auswirkungen auf deren wirtschaftlichen Erfolg
haben. All diese Entscheidungen beruhen auf Annahmen, wie sich unter anderem Märkte, Gesellschaft und Technologien
entwickeln werden.
Das Trendmanagement hat sich als wesentlicher Baustein etabliert, um zukünftige Entwicklungen verstehen und aktiv
mitzugestalten zu können.
Seite 237 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
32
Die Ziele des Trends.Radars bei der ÖBB beruhen auf den Kerngrößen „Identifikation von Wachstumspotenzialen“ sowie
„Erarbeitung von Wettbewerbsvorteilen”.
Sich mit Trends zu beschäftigen, bietet viele Möglichkeiten, den Markt und seine Dynamik zu verstehen und zukünftige
Entwicklungen transparent und nachvollziehbar zu machen. Daraus ergeben sich Vorteile wie die Kenntnisse über die
wesentlichen zukünftigen Handlungsfelder, eine frühzeitige Weichenstellung für Zukunftsthemen, die Stärkung der
Wettbewerbsfähigkeit, die Positionierung als Zukunftsunternehmen mit strategischem Weitblick etc.
Umsetzung und Weiterentwicklung der Strategie – der jährliche Strategie-Reviewprozess
Der in den ÖBB etablierte konzernweite Strategie-Review in seiner standardisierten Form und Vorgehensweise bietet einen
effizienten und replizierbaren jährlichen Zyklus und erlaubt ein hohes Maß an Konsequenz in der Umsetzung. Gleichzeitig
sichert der Strategie-Reviewprozess die Berücksichtigung der wesentlichen strategischen Themen in der Budget- und
Mittelfristplanung.
Zur konsequenten Umsetzung der Strategie ist eine klare Ausrichtung der Organisation, eine strukturierte Vorgehensweise
zur Beschreibung bzw. Schärfung der Ziele und andererseits die Involvierung der Organisation notwendig.
Die strategische Ausrichtung sowie die strategischen Ziele der ÖBB wurden im vergangenen Reviewprozess bestätigt –
und das trotz teilweise gravierender Veränderungen im Marktumfeld. Die Steigerung der Kapazitäten, die Optimierung
der operativen Kosten, die Dekarbonisierung des Mobilitätssystems sowie die Basiswerte Pünktlichkeit und Sicherheit
müssen im Fokus der Strategieumsetzung bleiben, um die Wettbewerbsfähigkeit weiter auszubauen.
Seit der Strategieverabschiedung hat sich das Marktumfeld für die Operationalisierung der Strategie verschärft. Besonders
hervorzuheben sind dabei die erheblichen Preis- und Kostensteigerungen in den Bereichen Energie, Material, Personal,
Zinsen etc. Das beinhaltet volatile Energiemärkte und der synchrone Ausbau erneuerbarer Energien in Europa, die
Störungen und Engpässe in strategisch relevanten Lieferketten (Bau, Digitalisierung, Fahrzeuge) sowie die gravierenden
Veränderungen am Arbeitskräftemarkt.
Zur Sicherstellung der Zielerreichung wurden dementsprechende Gegensteuerungsmaßnahmen in den jeweiligen
Teilstrategien gesetzt.
Die im Konzern etablierten strategische KPIs (KPI = Key Performance Indicator) dienen dabei der weiteren
Operationalisierung der Konzern-, Markt- und Funktionalstrategien und zur kontinuierlichen Nachverfolgung deren
Erreichung. Diese KPIs unterstützen die Konzerngesellschaften in den konkreten Beschreibungen der Ziele und verknüpft
die Wirkung der relevanten Initiativen (Projekte, Programme etc.) auf die Strategieumsetzung. Dies verstärkt die
Ausrichtung der täglichen Arbeit anhand der Strategie.
Ausblick ÖBB-Infrastruktur-Konzern
Rahmenplan 2024 bis 2029
Die ÖBB-Infrastruktur AG investiert in den nächsten Jahren rd. 21,1 Mrd. EUR in ein modernes Eisenbahnnetz. Damit kann
der eingeschlagene Investitionskurs in grüne Mobilität nachhaltig abgesichert werden. Die Zeitpläne der Projekte wurden
dem aktuellen Stand der Projektentwicklung angepasst und fortgeschrieben.
Ergänzend zu den Großprojekten entlang der Südstrecke wird der Fokus unter anderem auf den Ausbau des Nahverkehrs
in Ballungsräumen gelegt. Die Regionalbahnen werden attraktiviert und ein entsprechendes Elektrifizierungsprogramm
weiter forciert. Von großer Bedeutung wird auch der weitere Ausbau von Infrastrukturanlagen für den Güterverkehr sein.
Ein Teil der Investitionen wird zukunftsorientiert in die Digitalisierung fließen.
Für den Bau der Neubaustrecke Köstendorf – Salzburg werden die ersten Geldmittel in die Hand genommen. Durch den
viergleisigen Ausbau der Weststrecke vor Salzburg werden höhere Kapazitäten und damit ein besseres Angebot im
Personen- und Güter- sowie im Nah- und Fernverkehr möglich. Ebenfalls neu im Rahmenplan sind der zweigleisige Ausbau
der Strecke Werndorf – Spielfeld, als wichtiger Abschnitt Richtung Südosteuropa und zum Hafen Koer, der zweigleisige
Ausbau des Abschnitts Nettingsdorf – Rohr-Bad Hall auf der Pyhrnstrecke sowie zwei Regionalbahnvorhaben: der Ausbau
Herzogenburg – St. Pölten sowie die Attraktivierung der Ossiacherseebahn.
Auch die Modernisierung von Bahnhöfen und Haltestellen wird weiter vorangetrieben. Im Rahmen dessen soll der Zugang
zur Bahn so einfach wie möglich gestaltet werden. Der barrierefreie Umbau von Bahnhöfen und Haltestellen ist ein
wichtiger Baustein im Rahmenplan. Neu ist unter anderem der Bahnhofsumbau Straßwalchen sowie die Attraktivierungen
in Maishofen-Saalbach und Leogang anlässlich der bevorstehenden alpinen Ski-WM 2025.
Seite 238 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
33
Die Infrastrukturprojekte der Graz-Köflacher-Bahn (GKB) sind im Hinblick auf die bevorstehende organisatorische
Integration der GKB-Infrastruktursparte in die ÖBB-Infrastruktur AG mit einer Investitionssumme von rd. 500,0 Mio. EUR
und den erforderlichen Instandhaltungsmitteln erstmals ebenfalls im Rahmenplan abgebildet.
Mit dem Rahmenplan 2024 bis 2029 wurden auch Anpassungen im Zeitplan einzelner Projekte vorgenommen. Beim
Ausbau Hinterstoder – Pießling-Vorderstoder (Pyhrnstrecke) konnte die geplante Inbetriebnahme von 2034 auf Ende 2031
um rd. drei Jahre nach vorne verlegt werden. Beim Nordabschnitt der Nordbahn kommt es zu einer Verschiebung des
Baubeginns um zwei Jahre, beim abschnittsweisen zweigleisigen Ausbau der Franz-Josefs-Bahn kommt es zu einer
Verschiebung des Baubeginns um drei Jahre. In Wien kommt es zu einer Anpassung beim Projekt Verbindungsbahn. Der
Baustart ist nun erst für 2025 vorgesehen. Grund dafür sind in allen drei Fällen längere Behördenverfahren.
Entlang der Weststrecke wurde die Inbetriebnahme des viergleisigen Ausbaus Linz Ost im Zuge der Überarbeitung der
Bauablaufplanungen um ein Jahr, von Ende 2032 auf Ende 2033, verschoben. Für den Ausbau im Abschnitt Linz –
Marchtrenk musste die voraussichtliche Inbetriebnahme wegen des lange laufenden und nunmehr abgeschlossenen
Behördenverfahrens um ein Jahr, von Ende 2030 auf Ende 2031, verschoben werden.
Angepasst wird auch der Zeitplan für den Brenner Nordzulauf (Neubaustrecke Schaftenau – Knoten Radfeld). Aufgrund
der Abhängigkeit zur Zeitschiene weiterer Projekte entlang der Brennerachse wird der Beginn der Hauptbauarbeiten auf
2028 verschoben werden. Die Inbetriebnahme ist damit für 2037 vorgesehen.
Nachhaltigkeit
Energie
Detaillierte Angaben zum Thema Energie werden im Kapitel G.3 Umweltbelange gemacht.
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist die ÖBB-Infrastruktur AG als Unternehmen von öffentlichem Interesse
mit einer Vielzahl von Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen konfrontiert. Bereits seit dem Geschäftsjahr 2017 wird eine
nichtfinanzielle Erklärung im Lagebericht veröffentlicht. Die Anforderungen an die Qualität und Quantität der
Nachhaltigkeitsberichterstattung steigen von Jahr zu Jahr, neue EU-Vorgaben für ein nachhaltiges Wirtschafts- und
Finanzsystem im Rahmen des Green Deals schaffen das entsprechende Regelwerk. Neben den Vorgaben der EU-
Taxonomie-Verordnung zur Klassifizierung von nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten werden durch die Corporate
Sustainability Reporting Directive ab dem Geschäftsjahr 2024 zusätzlich noch detailliertere Berichtspflichten (ökonomisch,
ökologisch, sozial) eingeführt – unter anderem durch verpflichtende EU-Berichtsstandards. Dadurch soll die
Vergleichbarkeit erhöht und damit mehr Transparenz sichergestellt werden.
Seite 239 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
34
Digitalisierung
Damit unsere Kund:innen auch in Zukunft die Vorteile der Digitalisierung nutzen können, erprobt die ÖBB-Infrastruktur AG
schon jetzt zukunftsweisende Stellwerkstechnologien (cloudfähige Lösungen) und setzt im Bereich der Digitalisierung
verstärkt auf Kooperationen mit Partnerbahnen (DACH). Smarte Feldelemente, die Auflösung von begrenzten
Stellbereichen sowie hardwareunabhängigere Reinvestitionszyklen werden mittel- bis langfristig einen wesentlichen
Beitrag zur Reduzierung der Life-Cycle-Kosten und geringeren Instandhaltungsaufwendungen leisten.
Mit der Festlegung und Abnahme der Regionalbahnarchitektur 2026+ wurden im Zuge des Innovationsprogramms
„Regionalbahntechnik“ die Weichen zur Attraktivierung von Regionalbahnen gestellt. Durch Bündelung innovativer
Technologie für Regionalbahnen wird die Kapazität und Wirtschaftlichkeit dieser Strecken optimiert. Das Programm liefert
dabei die Grundlagen für einen gesamthaften Sicherungstechnik- und Telematik-Ausrüstungsstandard auf Regionalbahnen.
Die wesentlichen Einsparungspotenziale werden insbesondere durch die innovative Ausgestaltung von
Eisenbahnkreuzungen, den Abbau von Systembrüchen (z. B. durch Einsatz von ETCS L2 Only), die Vereinfachung
sicherungstechnischer Systeme sowie der Verwendung moderner Mobilfunksysteme erwartet.
Das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS Level 2 stellt die Basis jeglicher zukünftigen Automatisierung im
sicherheitsrelevanten Bereich des Bahnverkehrs dar. Die ÖBB-Infrastruktur AG verfolgt das Ziel, ETCS Level 2
flächendeckend im starkbelasteten Streckennetz zu implementieren und so die in die Jahre gekommenen punktförmigen
Zugbeeinflussungen (PZBs) sukzessive zu ersetzen. Diese Maßnahme trägt zu einer nachhaltigen Verbesserung der
bestehenden Sicherheitsleistung bei.
Die Modernisierung der Planung, Disposition und Abwicklung von AVZ-Leistungen (Leistungen für Anlagen, Verschub,
Zugvorbereitung) wird als Prototyp im Projekt „PORTHOS” erprobt und anschließend umgesetzt. Dadurch werden
Medienbrüche reduziert und regelmäßige, manuelle Tätigkeiten minimiert. Das Ziel besteht in der Realisierung einer
hochgradig automatisierten Machbarkeitsprüfung und Disposition aller Verschubstandorte mittels standardisierter
Schnittstellen. Ebenso werden durch eine neue, prozessoptimierte Softwareumsetzung fünf Altapplikationen abgelöst.
Auch die Digitalisierung betrieblicher Prozesse im Bahnbetrieb wird durch hochgradig systemische Unterstützung und die
Übermittlung von abfahrtsgenauen Fahrplänen und Zugpapieren via Datenschnittstellen zahlreiche manuelle Tätigkeiten
und Medienbrüche reduzieren. Dies ermöglicht den Entfall von Papierausdrucken, eine präzisere Disposition, höhere
Taktung sowie höhere betriebliche Sicherheit für Triebfahrzeugführer:innen, da zielgerichtete Informationen vorhanden
sein werden.
Um die zunehmende Anzahl an Zugfahrten disponieren zu können, wird eine automatisierte Konflikterkennung sowie
-lösung stufenweise in die digitalen Traffic-Management-System-Module der ÖBB-Infrastruktur AG implementiert. Mit den
Entwicklungen aus dem Projekt „AZL – adaptive Zuglenkung” werden die Konflikte am Schienennetz auf Basis von
Echtzeitdaten und mittels intelligenter Algorithmen identifiziert. In einer stufenweise Umsetzung wird dann die
automatisierte Lösung der Konflikte implementiert. Die Information des optimierten Betriebsablaufs wird über definierte
Schnittstellen an die Triebfahrzeugführer:innen des jeweiligen Zuges als Fahrempfehlung weitergegeben. Durch diese
intelligente Beeinflussung des Zugverkehrs kann die Effizienz weiter gesteigert werden, was sich positiv auf die
Betriebsqualität und den Energiebedarf auswirkt.
Im Zuge der Digitalisierung gewinnt auch die Datenerfassung und Datenanalyse von Sensoriken wie etwa von
Zuglaufcheckpoints stark an Bedeutung, da diese zunehmend sowohl als Grundlage für predictive Maintenance-
Anwendungen und weiteren Optimierungen hinsichtlich Kostenreduktion als auch zur Erhöhung der Sicherheit und
Effizienz dienen. Durch digitalisierte Informationen und Lösungen in der ÖBB-Infrastruktur AG wie z. B. dem ÖBB Infra-
InfoHub können Informationen auch mit anderen Verkehrsinfrastrukturbetreibern vernetzt werden und bilden so die
Grundlage für ein multimodales Verkehrsmanagement.
Als weiteres wichtiges strategisches Projekt arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG an einer zentralen digitalen
Kund:innenplattform, um die EVU-Kund:innen umfassend besser servicieren zu können. Mit dieser Plattform werden die
Kund:innenprozesse mit den operativen Abläufen in der ÖBB-Infrastruktur AG verbunden.
Für die Digitalisierung des Geschäftsprozesses „Infrastruktur Managen” wurden die Projekte mit dem Ziel, einen
transparenten und standardisierten Datenfluss, einen durchgehenden integrierten digitalen Prozess vom Planen über das
Bauen bis zum Betreiben zu schaffen. Dabei werden die lokalen veralteten IT-Tools sowie Medien- und Systembrüche
durch eine moderne integrierte IT-Lösung ersetzt. Fokus sind bei diesen Lösungen die durchgehenden Prozesse und der
Nutzen für die jeweiligen Mitarbeiter:innen, damit diese zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und in der richtigen
Form die richtigen Daten zur Verfügung haben, die sie für ihre Arbeit benötigen, um das Kerngeschäft effizient
abzuwickeln. Mit der Digitalisierung von Prozessen wird außerdem die Automatisierung von Abläufen an den Terminals
und die automatisierte Abrechnung von Energieverbrauch für EVUs vorbereitet.
Seite 240 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
35
Die Umsetzung des funktionalen digitalen Zwillings der ÖBB-Infrastruktur AG wird weiter vorangetrieben, um das Ziel
einer datengetriebenen Organisation und Entscheidungsfindung voranzutreiben. Die Daten werden in der notwendigen
Qualität und Aktualität bereitgestellt, um diese in die jeweiligen Geschäftsprozesse integrieren zu können. Sensoriken für
die einzelnen Objekte des digitalen Zwillings werden mit den virtuellen Anlagen verknüpft, um zunehmend mehr Wissen
und Intelligenz aus den Daten zu schöpfen. Bedarfsgerechte Fachsichten werden bereitgestellt und nach Bedarf
miteinander verbunden.
Durch die Umsetzung von Maßnahmen im Bereich Information Security, abgestimmt mit der ÖBB-Holding AG, wird die
Segmentierung von Netzzonen in der ÖBB-Infrastruktur AG durchgeführt, um sicherzustellen, dass zukünftig die IT-
Services für den Eisenbahnbetrieb von allen weiteren IT-Services getrennt und somit abgesichert werden. Schrittweise wird
der Grad der Information-Security hin zu einer nachhaltig besseren Resilienz gegenüber bestehender oder neuer (Cyber-)
Bedrohungen gesteigert und die Vorbereitung auf die Cybersicherheits-Richtlinie NIS2 (Sicherheit für Netz- und
Informationssysteme) durchgeführt.
Durch den konsequenten Ausbau des Datennetzes wurden die technischen Grundlagen für die Netzwerksegmentierung
(Datennetztrennung) hergestellt. Damit einhergehend ist die Erhöhung der Datennetzsicherheit (Trennung der
betrieblichen Netzsegmente von Office-Netzsegmenten), welche durch den bereits umgesetzten Ausbau von Systemen
für die Netzwerksicherheit weiter gestärkt wird.
Dies schafft auch die Voraussetzung für eine zunehmende Nutzung von hybriden Cloudservices, die aufgrund der
Flexibilität und Skalierbarkeit eine Voraussetzung für zahlreiche Digitalisierungsvorhaben bilden. Die ÖBB-Infrastruktur AG
arbeitet hier gemeinsam mit dem ÖBB-Konzern an den Rahmenbedingungen und Basis für eine zunehmende sinnvolle
Nutzung und Management dieser neuen Möglichkeiten.
Ergebnisausblick
Die Budget- und Mittelfristplanung 2024 bis 2029 basiert auf den strategischen Konzernzielen. Das Handeln des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns in den kommenden sechs Jahren ist auf eine Angebotsausweitung mit dem Fokus auf
Kund:innennutzen und wirtschaftlich nachhaltiges Wachstum ausgerichtet.
D. Forschung und Entwicklung
Dinge von morgen müssen heute gedacht werden. Mit diesem Auftrag hat es sich die ÖBB-Infrastruktur AG im Jahr
2022 mehr denn je zur Aufgabe gemacht, mit dem Instrument der Forschung und Entwicklung die Vision der
Bahninfrastruktur von morgen zu verwirklichen, wissend um ihre Vorbildfunktion und Vorreiterrolle im Sektor.
Denn ohne Forschung keine Entwicklung und ohne Entwicklung keine neuen Forschungsfelder. Nur durch „am Ball
bleiben“ und „thinking outside the box” kann etwas bewegt werden. Dynamisches und dennoch gleichzeitig
strategisches Agieren definieren die Handlungsstränge einer erfolgreichen Forschung und Entwicklung.
Die F&E-Strategie #INFRA.
F&E_2030
mit der darauf aufbauenden Forschungsroadmap war auch im Jahr 2023 der
richtungsweisende Kompass für die Forschungsaktivitäten der ÖBB-Infrastruktur AG. Sechs strategische Stoßrichtungen
bilden die Grundpfeiler und Hauptadern entlang derer sich 19 zugehörige operative F&E-Leuchtturminitiativen in die
einzelnen Kerngebiete auffächern und inhaltlich vertiefen.
Aufbauend auf den definierten Forschungszielen wurden neben vielen anderen F&E-Projekten die beiden Topinitiativen
Rail4Futureund ERJU weiter vorangetrieben bzw. mit zugehörigen Einzelprojekten gestartet. Beide sind essenziell für das
Bahnwesen der Zukunft. Sie greifen ineinander und verschränken ihre Interessen, sodass die Vision der zukünftigen
Bahninfrastruktur von mehreren Seiten gleichzeitig angesteuert werden kann. Forschungsaktivitäten, für die Europa
thematisch durch Harmonisierung, Regulierung und TSIs den Takt angibt, sind auch weiterhin in europäischen
Forschungsinitiativen wie z. B. „Shift2Rail” und „Europe’s Rail Joint Undertaking” gebündelt.
Im Rahmen des Projektes „Rail4Future – Resilient Digital Railway Systems to enhance Performance”, das im April 2021
offiziell begonnen hat und welches sich zur Aufgabe gemacht hat, die Automatisierung und Digitalisierung im System
Bahn voranzutreiben, wurden u. a. im Frühjahr und Sommer 2023 umfangreiche Tests an einem ausgebauten
Brückentragwerk am Gelände des COC Stahlbau in St. Pölten durchgeführt. Dabei wurden mit dem ÖBB Tragwerk
Pinkabachbrücke (Baujahr 1952, Stützweite von 21,5 m) zerstörende Versuche am Gesamttragwerk durchgeführt, um
Aussagen zur Entwicklung von Ermüdungsrissen mit zugehörigen Schwingversuchen sowie zur Ermittlung
Resttragfähigkeit mit Sprödbruchversuchen zu bekommen. Aufgrund der Versuchsgröße und realitätsnaher Simulation der
Beanspruchung aus Zugbetrieb waren dies weltweit einzigartige Versuche, deren Ergebnisse sehr gut übertragbar auf
andere Stahlbrücken sind.
Seite 241 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
36
Die Mitwirkung der ÖBB-Infrastruktur AG an der europäischen Bahnforschungsinitiative „Europe’s Rail Joint
Undertaking“ (ER-JU) hat im Jahr 2023 auch operativ mit dem Start diverser Projekte begonnen. Das ER-JU mit einem
Projektvolumen von rd. 1,2 Mrd. EUR bis 2031 und der Zusammenarbeit von 25 europäischen Partner:innen aus den
Bereichen Bahnen, Industrie und Forschung setzt einen wichtigen und europäisch abgestimmten Schritt in Richtung
Weiterentwicklung des Systems Bahn und zur Schaffung einer integrierten und interoperablen europäischen Gesamtlösung.
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist seit Beginn 2023 in vier großvolumigen Projekten als aktiver Partnerin beteiligt: KI-basierte
Konflikterkennung und -auflösung in Echtzeit, ETCS Level 3 Full Moving Block, Automatisierung Verschub sowie Cost-
efficient wayside Assets.
Unterstützt in ihren Forschungsvorhaben wird die ÖBB-Infrastruktur AG von nationalen und internationalen
Forschungsprogrammen. Enge Zusammenarbeit auf nationaler Ebene besteht vor allem mit dem BMK und der FFG durch
Beteiligung von individuell geförderten Projekten sowie Teilnahme am Förderprogramm „COMET – Competence Centers
for Excellent Technologies“ und der Forschungsinitiative Verkehrsinfrastrukturforschung VIF.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat den Jahresbericht retrospektiv zu ihren Forschungsaktivitäten 2022 erstellt und publiziert,
um sowohl nach innen als auch nach außen transparent Einblick in aktuelle Forschungsprojekte zu geben.
Mit Stichtag 31.12.2023 befanden sich in der ÖBB-Infrastruktur AG 74 teilweise zusammenhängende und übergreifende
F&E-Projekte in Bearbeitung. Darin enthalten sind auch jene Einzelprojekte, die im Rahmen der Forschungsinitiativen
Verkehrsinfrastrukturforschung VIF, ERJU, Shift2Rail, TARO und Rail4Future verfolgt werden.
Das aktuelle Projektportfolio hat ein Gesamtvolumen von rd. 40,3 Mio. EUR (für alle aktuell laufenden Projekte und
jeweiligen Laufzeiten bis inkl. 2031 ohne Abzug von Förderungen).
Auszug aktueller Projekte
Die nachfolgend auszugsweise beschriebenen F&E-Initiativen, die sich teilweise aus mehreren, aber in sich
zusammenhängenden Einzelprojekten aufbauen, werden im Kontext mit den F&E-Leuchtturminitiativen, die im Zuge der
strategischen Forschungsstoßrichtungen erarbeitet wurden, vorgestellt.
Komponenten und Materialien
Das Projekt „SaRAS” (Safety and Risk of Anchored Structures) soll die innovative und effiziente Erfassung und Beurteilung
des Erhaltungszustands von geankerten Konstruktionen ermöglichen. Um hohe Einschnitte, Dämme oder Baugruben zu
sichern, werden in der Geotechnik oftmals geankerte Konstruktionen (z. B. Stützbauwerke, Ankerbalken, Lisenen usw.)
verwendet. Diese Bauweisen dienen in vielen Anwendungsbereichen als Standardlösung. Der Nachteil dieser
Konstruktionen besteht jedoch im hohen Inspektions- und Instandhaltungsaufwand. Mit dem Projekt „SaRAS” soll mit
einem wissenschaftsbasierten Ansatz die innovative und effiziente Erfassung und Beurteilung des Erhaltungszustandes
von Vorspannankern (Zugelemente) bei geankerten Konstruktionen untersucht werden. Die Entwicklung neuer
Arbeitsmittel wie benutzer:innenfreundliche hydraulische Pressen und effizientere Arbeitsabläufe sowie -methoden sind
bereits positive Ergebnisse dieses Forschungsprojektes.
Klimaresilienz und Energieeffizienz
Die Bewirtschaftung von Wasserkraftsystemen mit großen Speicherseen (Jahresspeicher) in den Alpen ist vor dem
Hintergrund der Energiewende eine große Herausforderung. Die ÖBB-Infrastruktur AG produziert den Strom für einen Teil
des Zugverkehrs selbst, teilweise mit Wind-, Sonnen-, vor allem aber mit Wasserkraft. Durch die erheblichen
Unsicherheiten in den natürlichen Speicher- und Laufwasserzuflüssen sowie der Schwankungen des zukünftigen Bedarfs
an Bahnstrom kann eine erhebliche Effizienzsteigerung in der Nutzung des Wassers der ÖBB Speicherseen erreicht werden,
wenn die mittel- und langfristige Bewertung des Wassers basierend auf stochastischen Optimierungsansätzen erfolgt.
Gemeinsam mit dem Projektpartner Decision Trees aus München werden im Projekt „SochOpt“ (Stochastische
Optimierung) spezifische Problemstellungen der Beschaffung und Bereitstellung von Bahnstrom untersucht. Die Ergebnisse
fließen in die stochastische Optimierung mit ein. Ziel des Gesamtprojekts ist es, regelmäßig Restjahresoptimierungen
durchführen zu können, welche zur Ermittlung der Wasserwerte der einzelnen Reservoirs dienen. Für jeden Tag soll mit
diesen Wasserwerten eine Day-Ahead-Optimierung durchgeführt werden, woraus dann die tatsächlichen Einsatzpläne
hervorgehen.
Zugvorbereitung und Verschub
Das Hauptziel des Projekts „DACIO“ (Digital Automatic Coupling in Infrastructure Operations) ist es, die
Entwicklungsaktivitäten rund um die Digitale Automatische Kupplung (DAK) für den Eisenbahninfrastrukturbetrieb zu
unterstützen. Seit Projektstart im September 2021 wurden zahlreiche Grundlagen wie technische und prozesshafte
Beschreibungen, Use-Cases und Konzepte erarbeitet.
Seite 242 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
37
Condition-based und Predictive Maintenance
Mit dem Tunneldrainagenrover (TDR) soll zukünftig ein Werkzeug für eine flexible und ferngesteuerte Inspektion von
Drainagen auf mögliche Kalkablagerungen zur Verfügung stehen.
In Eisenbahntunneln mit Wasserdruckentlastung entstehen in den Tunnelabflussrohren Kalkablagerungen. Diese werden
durch Grundwasser oder Verwendung von zementhaltigen Baumaterialien verursacht. Wenn die Ablagerungen zu stark
werden, müssen die Abflussrohre gereinigt werden, um einen Anstieg des Wasserdrucks auf die Tunnelauskleidung und
somit Schäden zu verhindern. Der Zugbetrieb muss während dieser Arbeiten unterbrochen werden. Daher wird ein
Werkzeug für eine flexible und ferngesteuerte Inspektion der Drainagen auf mögliche Ablagerungen entwickelt. Es wurde
ein Prototyp eines unbemannten TDR oder auch „Unmanned Ground Vehicle” (UGV) gebaut. Er besteht aus Acrylnitril-
Butadien-Styrol (ABS) und ist vollkommen wasserdicht sowie korrosionsbeständig, fährt autonom und hat die Reichweite
von rd. 10 km. Kabelloses Aufladen ist ebenso möglich wie die Ausstattung mit weiteren Sensoren wie Temperatur-, pH-
und Wasserstandssensoren.
Aktuelle Ergebnisse zeigen, dass der Rover das Potenzial hat, unabhängig vom Bahnverkehr zu arbeiten, eine ungestörte
Inspektion zu ermöglichen und Kalkablagerungen in einem sehr frühen Stadium zu erkennen. Es wird erwartet, dass die
Reinigung der Tunnelentwässerung in Zukunft nur noch durch Spülen der Rohre erfolgen wird, ohne dass eine
hydromechanische und / oder mechanische Reinigung erforderlich ist, die zur Zerstörung der Rohre führen kann. Der Rover
ist bereit, unter realen Bedingungen getestet zu werden und das TRL7 (Technology-Readiness-Level) zu erreichen.
E. Konzernbeziehungen
Muttergesellschaft ÖBB-Holding AG
Die Muttergesellschaft ÖBB-Holding AG ist eine Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht. Die Gründung und
Errichtung der Gesellschaft erfolgte auf der Grundlage des § 2 Bundesbahnstrukturgesetz 2003. Die ÖBB-Holding AG
erbringt für die ÖBB-Infrastruktur AG und andere Konzerngesellschaften diverse Leistungen wie z. B. Marketing- und
Treasury-Leistungen. Diese werden mittels Konzernumlage bzw. mittels Leistungsverrechnung an die
Konzerngesellschaften verrechnet. Im Geschäftsjahr 2023 wurden dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern rd. 20,0 Mio. EUR
(Vj: rd. 18,4 Mio. EUR) als Konzernumlage in Rechnung gestellt.
Unmittelbare Tochtergesellschaften der ÖBB-Holding AG sind vor allem die Teilkonzernmuttergesellschaften ÖBB-
Personenverkehr Aktiengesellschaft („ÖBB-Personenverkehr AG”), die Rail Cargo Austria Aktiengesellschaft („Rail Cargo
Austria AG”) und die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft („ÖBB-Infrastruktur AG”).
ÖBB-Personenverkehr AG
Aufgabe der ÖBB-Personenverkehr AG ist insbesondere die Beförderung von Personen, einschließlich der Erbringung
gemeinwirtschaftlicher Leistungen sowie die Herstellung und das Betreiben aller hierzu notwendigen Einrichtungen mit
Ausnahme der Schieneninfrastruktur und die Besorgung aller damit zusammenhängenden oder dadurch veranlassten
Geschäfte sowie vor allem das Führen eines öffentlichen Personenverkehrs aufgrund von Tarifen und Fahrplänen. Im
Geschäftsjahr 2023 wurden mit der Gesellschaft rd. 290,4 Mio. EUR (Vj: rd. 246,1 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Dem
ÖBB-Infrastruktur-Konzern wurden rd. 16,3 Mio. EUR (Vj: rd. 16,7 Mio. EUR) verrechnet.
Rail Cargo Austria AG
Die Rail Cargo Austria AG hat insbesondere die Beförderung von Gütern einschließlich der Erbringung von
gemeinwirtschaftlichen Leistungen sowie die Herstellung und das Betreiben aller hierzu notwendigen Einrichtungen mit
Ausnahme der Schieneninfrastruktur und die Besorgung aller damit zusammenhängenden oder dadurch veranlassten
Geschäfte sowie vor allem das Führen eines Güterverkehrs zur Aufgabe. Mit der Rail Cargo Austria AG wurden im
Geschäftsjahr 2023 Gesamterträge in Höhe von rd. 153,4 Mio. EUR (Vj: rd. 117,5 Mio. EUR) erzielt. Dem ÖBB-
Infrastruktur-Konzern wurden von der Rail Cargo Austria AG rd. 1,5 Mio. EUR (Vj: rd. 0,8 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden
bezogene Leistungen in Höhe von rd. 0,1 Mio. EUR (Vj: rd. 0,0 Mio. EUR) aktiviert.
Rail Cargo Logistic Environmental Services GmbH
Mit der Rail Cargo Logistic Environmental Services GmbH (Gesamtlogistik für die Abfallwirtschaft) wurden im Berichtsjahr
Gesamterträge in Höhe von rd. 12,6 Mio. EUR (Vj: rd. 13,8 Mio. EUR) erzielt. Der ÖBB-Infrastruktur AG wurden
rd. 52,5 Mio. EUR (Vj: rd. 44,8 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden bezogenen Leistungen in Höhe von rd. 28,6 Mio. EUR
(Vj: rd. 25,8 Mio. EUR) aktiviert.
Seite 243 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
38
ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH
Gemeinsame Tochtergesellschaft der ÖBB-Personenverkehr AG sowie der Rail Cargo Austria AG ist die
ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH („ÖBB-Produktion GmbH”). Aufgabe des Unternehmens ist insbesondere die
Erbringung von Traktions- und Serviceleistungen für andere Eisenbahnunternehmen. Im Geschäftsjahr 2023 wurden mit
der Gesellschaft rd. 353,1 Mio. EUR (Vj: rd. 187,9 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern
wurden rd. 17,3 Mio. EUR (Vj: rd. 20,5 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden bezogene Leistungen in Höhe von
rd. 1,0 Mio. EUR (Vj: rd.0,4 0,4 Mio. EUR) aktiviert.
ÖBB-Technische Services-Gesellschaft mbH
Gemeinsame Tochtergesellschaft der ÖBB-Personenverkehr AG sowie der Rail Cargo Austria AG ist die
ÖBB-Technische Services-Gesellschaft mbH. Aufgabe des Unternehmens ist insbesondere die Erbringung von
Serviceleistungen im Zusammenhang mit Schienenfahrzeugen. Im Geschäftsjahr 2023 wurden mit der Gesellschaft
rd. 52,2 Mio. EUR (Vj: rd. 38,9 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern wurden
rd. 40,2 Mio. EUR (Vj: rd. 42,2 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden bezogene Leistungen in Höhe von rd. 0,5 Mio. EUR
(Vj: rd. 2,1 Mio. EUR) aktiviert.
ÖBB-Business Competence Center GmbH
Die ÖBB-Business Competence Center GmbH erbringt als konzerninterne Servicegesellschaft vorwiegend standardisierte
administrative Dienstleistungen. Im Geschäftsjahr 2023 wurden mit der Gesellschaft wie im Vorjahr rd. 24,0 Mio. EUR
Gesamterträge erzielt. Dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern wurden rd. 138,2 Mio. EUR (Vj: rd. 124,2 Mio. EUR) für interne
Dienstleistungen verrechnet. Es wurden bezogene Leistungen in der Höhe von rd. 14,8 Mio. EUR (Vj: rd. 15,1 Mio. EUR)
aktiviert.
F. Chancen- und Risikobericht
Das Chancen- und Risikomanagement begleitet alle relevanten Geschäftsprozesse und Finanzpositionen der wesentlichen
Konzernunternehmen und versteht sich daher als ein wichtiges Instrument der Unternehmensführung. Ziel ist es,
rechtzeitig Chancen und Risiken zu erkennen und proaktiv durch geeignete Maßnahmen zu steuern. Das soll bestehende
und zukünftige Erfolgs- und Wachstumspotenziale absichern. Alle identifizierten Chancen und Risiken werden laufend
einer quantitativen Beurteilung unterzogen, vor allem hinsichtlich möglicher Auswirkungen und
Eintrittswahrscheinlichkeiten. Grundlage dafür sind fortgeschriebene Bewertungen, Erfahrungswerte oder neu
gewonnene Erkenntnisse.
Chancen und Risiken sind im ÖBB-Konzern grundsätzlich als Ereignisse oder Entwicklungen definiert, die zu einer positiven
oder negativen Ergebnisabweichung gegenüber den Planungsannahmen führen können. Daher erfolgt die Überarbeitung
des Chancen- und Risikoportfolios jeweils synchron mit den Planungsprozessen.
Die verbindliche Konzernrichtlinie und das ebenfalls konzernweit verbindliche Chancen- und Risikomanagement-
Handbuch definieren Regeln, Spielräume und Mindestanforderungen des Risikomanagements für alle einbezogenen
Unternehmenseinheiten. Das oberste Ziel der Risikopolitik ist die uneingeschränkte Absicherung der
Unternehmenstätigkeit. Demnach sollen Risiken nur dann eingegangen werden, wenn ihre Dimension abschätzbar ist und
gleichzeitig mit einer erwarteten Steigerung der Erträge und des Unternehmenswerts einhergehen.
Ukrainekrise
Angesichts der geopolitischen Entwicklungen in der Ukraine wurde im ÖBB-Konzern im Berichtszeitraum im Rahmen der
regulären Risikoinventur verstärktes Augenmerk auf mögliche Einflussfaktoren durch den bestehenden Konflikt gelegt.
Konzernweite (technische, personelle und prozessuale) Maßnahmen zur Vermeidung von Sanktionsverstößen wurden
gesetzt und überwacht. Dem Aufsichtsrat wurde über Risiken sowie die eingeleiteten Maßnahmen im Rahmen der
Risikoberichterstattung berichtet.
Die für die ÖBB relevanten Ungewissheiten und Auswirkungen aus dieser Situation lassen sich analog zum allgemeinen
Risikoinventar den bestehenden Risikokategorien zuordnen.
Seite 244 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
39
Prozess Chancen- und Risikomanagement
Dieser Prozess wird durch eine Risikomanagementsoftware unterstützt. Die eingesetzte Software wurde 2023 durch eine
umfangreiche Markterkundung auf Funktionalität und Aktualität hin überprüft und in Folge auf den neuesten technischen
Stand gebracht.
Einzelrisiken und -chancen werden neben der Beurteilung durch die Fachexpert:innen auch in der konzernweiten Chancen-
und Risikoplattform geprüft. In der Folge werden Berichte an die Leitungsgremien erstellt, die die wichtigsten Risiken und
die entsprechenden Gegenmaßnahmen oder Chancen abbilden. Auf dieser Grundlage werden den Aufsichtsräten sowie
den eingesetzten Prüfungsausschüssen der ÖBB-Holding AG und der Konzerngesellschaften umfassende Informationen
zur aktuellen Chancen- und Risikosituation zur Verfügung gestellt.
An den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates werden einerseits die jeweils aktuellsten Chancen- und Risikoreports,
andererseits die Ergebnisse der Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Chancen- und Risikomanagementsystems durch
die Wirtschaftsprüfer:innen, die im Zuge der Jahresabschlussprüfung gemäß Regel 14.3.8.5 des Public-Corporate-
Governance-Kodex überprüft werden, jährlich berichtet. Somit soll gewährleistet sein, dass sich der Aufsichtsrat ein
kontinuierliches Bild von der Effizienz und der Effektivität des implementierten Systems machen kann. Der regelmäßige
Dialog mit dem Prüfungsausschuss bietet darüber hinaus die Möglichkeit, neue risikobezogene Themen top down zu
identifizieren und im Rahmen des Risikomanagements weiterzubehandeln. Um formal eine stärkere Verzahnung
risikonaher Funktionen (Risikomanagement, IKS, Compliance, Prozessmanagement etc.) voranzutreiben, wurde 2017
zudem ein „Governance, Risk and Compliance”-Komitee eingerichtet.
Im ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist zur Sicherstellung des professionellen Umgangs mit Chancen und Risiken sowie zur
laufenden Umsetzung des Risiko- und Chancenmanagementprozesses die Funktion eines Konzern-Risikomanagers
eingerichtet: Er ist für den Chancen- und Risikomanagementprozess im Konzern bzw. in der Gesellschaft verantwortlich.
Im Konzern führt er die Chancen- und Risikokonsolidierung und -aggregation durch und ermittelt dessen Gesamt-
Chancen- und Risiko-Position, die jeweils mit den Risikoakzeptanz- und Risikotragfähigkeitsgrenzen abgeglichen wird.
Gegebenenfalls werden daraus weiterer Handlungsbedarf abgeleitet und Maßnahmen initiiert. Der Risikomanager
berichtet an den Vorstand sowie an den Konzern-Chancen- und Risikomanager, er legt den Chancen-/Risikobericht inkl.
der Risikopriorisierung sowie der relevanten Steuerungs-Maßnahmen vor und übernimmt Beratungs- und
Schulungsaufgaben. Darüber hinaus sind in allen Geschäftsbereichen, Stabstellen und in allen wesentlichen Beteiligungen
dezentrale Risikomanager und -ansprechpartner definiert, welche die risikoverantwortlichen Führungskräfte („Risk Owner”)
bei der Erfassung der Chancen und Risiken im jeweiligen Verantwortungsbereich unterstützen.
Die wichtigsten Chancen und Risiken, von denen keine bestandsgefährdend sind, verteilen sich wie folgt auf die einzelnen
Chancen- und Risikofelder:
Strategie
Vor dem Hintergrund einiger sehr dynamischer und schwer vorhersehbarer Entwicklungen, insbesondere die Ukrainekrise
und der Nahostkonflikt, Rohstoff- und Energiepreise, die Geldpolitik der Notenbanken und die Zinsentwicklung sowie
daraus resultierende eventuelle Lieferengpässe und geopolitischer Dynamiken ist das Erreichen strategischer Ziele mitunter
risikobehafteter als in den Vorjahren. Den sich immer dynamischer gestalteten Umfeldentwicklungen wird innerhalb des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns insofern entgegengetreten, dass neben der strategischen Neuausrichtung unter dem Titel
„#INFRA.mobilitätswende” auch das Programm „Nordstern” weiterläuft. Mit beiden Programmen bereitet sich das
Unternehmen auf wesentliche Herausforderungen und Risiken vor, die sich aus den derzeitigen Gegebenheiten und
Herausforderungen, insbesondere aus den Entwicklungen auf dem Energiemarkt und sämtlichen daraus direkt oder
indirekt resultierenden Folgen, aus dem verschärften Wettbewerbsdruck und dem technologischen Wandel in den
nächsten zehn Jahren, ergeben. Zudem soll das Fundament der operativen Exzellenz gestärkt werden. Für die definierten
Maßnahmen zur Umsetzung der Initiativen, die in der Budget- bzw. Mittelfristplanung eingearbeitet wurden, wird ein
regelmäßiges Monitoring durchgeführt.
Seite 245 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
40
Beim Auftreten weiterer Pandemien könnten die Auswirkungen sämtlicher angeordneter Maßnahmen der Behörden (v. a.
zeitlich limitierte Entgeltreduktionen bzw. Entgelterlass) mittelfristig zu einer Verschlechterung des Ergebnisses und der
Liquidität führen. Die Erfahrungen und Erkenntnisse der vergangenen Jahre zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie
wirken jedoch risikomindernd.
Operativer Betrieb
Risiken aus höherer Gewalt und Naturgefahren wird mit etablierten Systemen und Programmen begegnet. So ist etwa ein
Naturgefahrenmanagement implementiert (inkl. Wetterinformationssystem, Hochwasserinformationssystem,
Naturgefahrenhinweiskarte). Niederschlagsmengen haben auf die Eigenerzeugung von Bahnstrom mitunter hohen
Einfluss – durch ein Trockenjahr kann sich zwischen der Eigenerzeugungsprognose und der tatsächlichen Erzeugung eine
nicht unerhebliche Differenz ergeben. Dadurch müssen Mindermengen auf dem Markt gedeckt werden, wobei bei einem
Trockenjahr tendenziell auch mit höheren Preisen zu rechnen ist – die Energiepreisentwicklungen und Volatilitäten des
Jahres 2022 haben gezeigt, dass ein Risikoeintritt mit entsprechend hohen Auswirkungen verbunden sein könnten. Diesem
Risiko begegnet man u. a. durch Speicheroptimierung und einer rollierenden Beschaffungsstrategie, um die Auswirkungen
im Falle des Risikoeintritts möglichst gering zu halten. Im Zuge der durchgeführten Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse
wurden abseits der üblichen jährlichen Niederschlagsvolatilitäten auf lange Sicht keine erheblichen Klimarisiken für die
Eigenerzeugung von Bahnstrom identifiziert. Ausfallsrisiken im Bereich sämtlicher Telekommunikationsservices und der
wesentlichen Datennetzdienste für den Bahnbetrieb begegnet man mit präventiven Maßnahmen zur Risikoreduktion wie
Notfallplänen, Schaffung von Redundanzen oder einer örtlichen Verlagerung der Standorte. Trotz grundsätzlich extrem
hoher Ausfallssicherheit der Betriebsführungszentralen können Teil- oder Totalausfälle durch Terrorismus, Sabotage oder
Elementarereignisse wie Brand nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Daher ist ein gesamtheitliches Ausfallskonzept für
Schlüsselelemente wie Stellwerke, Fernsteuerbereiche, BFZ-Zellen und Kund:inneninformationssysteme Teil der
Betriebsführungsstrategie. Um das Risiko eines Umsatzrückgangs und Mehraufwands durch Qualitätsprobleme bei
Anlagen zu vermindern, werden als Maßnahmen regelmäßige Überprüfungen der Anlagen durchgeführt. Zur
Risikominderung von durch ÖBB Mitarbeiter:innen verursachten Unfällen werden laufend Schulungs- und
Informationsveranstaltungen organisiert. Das Risiko terroristischer Attacken wird sowohl durch gezielte Maßnahmen und
Anweisungen (Verhaltensempfehlungen) als auch durch die enge Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Inneres
gemindert. Um auf die Auswirkungen eines Blackouts infrastrukturseitig besser vorbereitet zu sein, wurden einerseits
spezifische Störfallkonzepte im Betriebs- und Energiebereich erstellt, andererseits Blackout-Krisenstabsübungen
durchgeführt. Zweck der Krisenstabsübung ist es, Abläufe zu simulieren und etwaige Schwachstellen aufzuzeigen. Ein
konzernübergreifendes Projekt zur Blackout-Vorsorge unter der Federführung der ÖBB-Infrastruktur AG wurde bereits
2022 initiiert bzw. umgesetzt. Die bestehenden Notfall- und Krisenpläne werden laufend evaluiert und durch jährlich
durchgeführte Übungen überprüft. So wurden aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf russische Gaslieferungen bzw.
auf ukrainische Gasdurchleitungen unter Federführung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ein stufenweiser Notfallplan
entwickelt (in Hinblick auf einen Gaslieferstopp bzw. einen Energielenkungsfall) und im Oktober 2022 konzernweit in Kraft
gesetzt. Zielsetzung ist, dass bei Bedarf durch zielgerichtete Maßnahmen der Bahnverkehr auch mit reduzierter
Energieverfügbarkeit aufrechterhalten werden kann.
Absatz und Vertrieb
Risiken bestehen vor allem durch die von der Ukrainekrise getriebenen Unsicherheiten in Bezug auf Konjunkturentwicklung
und die damit verbundenen Transportmengen im Güterverkehr (höhere Energiepreise bedeuten einen Rückgang der
industriellen Produktion), durch steigenden Wettbewerb, durch verschärften Kostendruck (durch hohe und volatile
Strompreise) und regulatorische Sachverhalte (regulatorische Verfahren in Bezug auf Infrastrukturbenützungsentgelte bzw.
Bahnstromnetzentgelte). Die Beobachtung und Analyse des Kund:innenverhaltens sowie eine gezielte Anpassung des
Angebots mindern diese Risiken ebenso wie rollierende Energiebeschaffung, um Kund:innen wettbewerbsfähige Preise
bieten zu können. Durch diese Maßnahme wird auch die Chance erhöht, neue Kund:innen zu gewinnen und das
Marktpotenzial bestehender Kund:innen weiter auszuschöpfen.
Personal, Führung und Organisation
Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklung der Inflation führen zu Risiken in Bezug auf geplante Gehaltsvalorisierungen,
da es jährlich zu planabweichenden Gehaltsabschlüssen kommen kann. Um diesem Risiko zu begegnen, wurden bereits
diverse Kompensationsmaßnahmen entwickelt. So kann bei Schlagendwerden dieses Risikos entsprechend reagiert
werden und die Ergebniseffekte bleiben gering.
Seite 246 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
41
Auch wenn die Corona-Pandemie als überwunden bezeichnet werden kann und somit 2023 auch im ÖBB-Konzern
sämtliche Maßnahmen aufgehoben wurden, kann ein Pandemierisiko – ob durch neue Coronavirus-Varianten oder durch
gänzlich neue Krankheitserreger – zu Ressourcenengpässen führen. Risikomindernd könnten – sofern notwendig –
sämtliche Konzepte, Programme und Maßnahmen wirken (Homeofficeregelungen, strenge Hygiene- und
Abstandregelungen) sowie organisatorische Maßnahmen wie z. B. Besucher:innenbeschränkungen, Impfangebot im
Konzern, Reduktion von Teilnehmer:innen bei Präsenzmeetings und verstärkte Reinigung je nach Ampelschaltung, die sich
im Zuge der Corona-Pandemie bewährt haben. Innerhalb Europas wird aktuell von keinen weiteren Beeinträchtigungen
für die wirtschaftliche Entwicklung im Prognosehorizont ausgegangen. Darüber hinausgehende Effekte aus allgemeinen
Annahmen zu möglichen Pandemierisiken finden jedoch nach wie vor im Chancen- und Risikomanangement
Berücksichtigung.
Des Weiteren besteht das Risiko, dass durch Nicht- bzw. Teilumsetzung von geplanten Maßnahmen wie z. B.
Effizienzsteigerungen oder Recruiting und Wissenstransfer, Personalmehraufwand entsteht. Um dieses Risiko zu mindern,
erfolgt ein umfassendes Monitoring.
Finanzen / Rechnungswesen
Nahezu alle Energie-Absicherungsgeschäfte der ÖBB-Infrastruktur AG gelten gemäß IFRS 9 als Derivat. Der überwiegende
Teil der Absicherungsgeschäfte kann unter der Voraussetzung, dass der Bezug garantiert ist, als Cashflow Hedge
dargestellt werden, und die Bewertung zum Fair Value ist damit nicht GuV-wirksam (das ist bei rd. 90% des Portfolios
gegeben). Ein kleiner Teil der Planeinkaufsmenge muss aufgrund von Schwankungen der Eigenerzeugung bzw. des
tatsächlichen Verbrauchs ergebniswirksam zum Fair Value bewertet werden. Mit hohen Volatilitäten an den
Energiemärkten, wie sie bereits 2022 stattgefunden haben, gehen je nach Marktentwicklung entsprechende
Bewertungsrisiken / -chancen einher, die als „Bilanzierungsrisiko Strom” erfasst sind.
Recht und Haftung
Der „Code of Conduct” enthält und regelt die ethischen Grundsätze und allgemeinen Prinzipien, an denen das
wirtschaftliche Handeln des Konzerns ausgerichtet ist. Durch diesen Kodex wird das Risiko von Kosten durch Strafen bei
Verstößen gegen kartellrechtliche Bestimmungen gemindert. Das 2013 eingerichtete Compliance-Team arbeitet vor allem
in diesem Risikofeld als Teil eines Risikofrüherkennungs- und Überwachungssystems. Das dient in weiterer Folge auch der
Risikovermeidung und somit auch der Schadensabwehr.
Die Änderung von Rechtsvorschriften und Regelwerken kann z. B. durch neue technische oder organisatorische Vorgaben
zu erhöhten Systemkosten führen Das gilt sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Dementsprechend
sorgfältig werden die Entwicklungen auf mögliche Auswirkungen untersucht, um frühzeitig reagieren zu können.
Entsprechend dem Verbandverantwortlichkeitsgesetz kann ein Unternehmen für gerichtlich strafbare Taten seiner
Mitarbeiter:innen oder Entscheidungsträger:innen verantwortlich gemacht und bestraft werden. Das gilt auch für den
ÖBB-Infrastruktur-Konzern. Diesem Risiko gilt es zu begegnen. So werden im Rahmen des rechtlichen Risikomanagements
strafrechtlich bedeutsame Bereiche identifiziert. Des Weiteren werden etwa im Bereich der Fahrlässigkeits-, Umwelt- und
Korruptionstatbestände der Ist-Stand bewertet und Maßnahmen zur Risikovermeidung gesetzt. Mit der Einführung von
Kontroll- und Berichtssystemen wurden Vorsorgemaßnahmen getroffen, ebenso wie mit der Erlassung allgemeiner
Verhaltensanweisungen durch den „Code of Conduct”. Entsprechende Schulungen und die Schaffung klarer
Verantwortlichkeitsbereiche dienen ebenfalls einer Risikominimierung.
Einkauf und Beschaffung
Risiken ergeben sich nach wie vor aus den Unsicherheiten auf den Energiemärkten, die sich durch geopolitische
Spannungen und Dynamiken wie jüngst durch den Nahostkonflikt sehr kurzfristig entwickeln können – Preisrisiken,
Kreditrisiken und auch Bewertungsrisiken begegnet man neben dem Ausbau der Eigenerzeugung durch
risikominimierende Beschaffungs- und Marktstrategien im Energiebereich, die im Kontext der Preisentwicklungen und -
volatilitäten gründlich evaluiert und gegebenenfalls angepasst werden. Insbesondere stehen die vertraglichen Regelungen
mit den Kund:innen im Fokus – hohe und sehr volatile Strompreise erfordern verbindliche Abnahmemengen. Andernfalls
wäre das kund:innenseitig verursachte Verbrauchsrisiko (Mengen- und Preiskomponente) für die ÖBB-Infrastruktur AG
nicht tragbar.
Nach den COVID-19- und Ukrainekrieg-bedingten Lieferengpässen, Kosten- bzw. Preissteigerungen u. a. bei einzelnen
Bauprodukten bzw. Komponenten beschäftigt sich eine konzernweit eingerichtete Taskforce unter dem Lead des
strategischen Konzerneinkaufs (ÖBB-Holding AG) durch eng getaktetes Monitoring und zielgerichtete Steuerungs- und
Substitutionsmaßnahmen, etwaige Auswirkungen auf den Betrieb so gering wie möglich zu halten. Mögliche
Auswirkungen werden laufend evaluiert und bestmöglich antizipiert, um z. B. eventuell auftretende terminliche und
finanzielle Konsequenzen auf Bauprojekte frühzeitig zu bewerten und bestmöglich zu kompensieren. Preissteigerungen
auf den Energiemärkten werden mitunter erst zeitverzögert auf andere Preisindizes einwirken, sodass Risiken für
planabweichende Preisvalorisierungen nicht ausgeschlossen werden können. Die Beobachtung und Analyse der Märkte
ermöglicht eine entsprechende Vertragsgestaltung zur Risikominderung.
Seite 247 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
42
Informationsverarbeitung
Systemausfälle können bei den operativen Teilbereichen Mehraufwendungen und Umsatzeinbußen auslösen. Um dieses
Risiko zu mindern, werden laufend eine Vielzahl von Maßnahmen gesetzt, zur Erhöhung der Verfügbarkeit der IT (z. B.
Ausstattung der Serverräume) ebenso wie zur Erhöhung der Vertraulichkeit (u. a. Awareness-Schulung der
Mitarbeiter:innen) und der Integrität der Daten (z. B. Back-up-Sicherungen). Neben den technischen Absicherungen sorgt
der „Chief Information Security Officer” des Konzerns für eine konzernweite einheitliche Steuerung und Überwachung
(Security-Governance) der Informationssicherheit. Diese Aufgabe erfüllt der „Chief Information Security Officer”
gemeinsam mit den Ansprechpersonen in den Teilkonzernen und Gesellschaften. Die Security-Governance muss
gewährleisten, dass durch die regelmäßige Prüfung der umgesetzten Maßnahmen Schäden – z. B. durch Schadsoftware –
oder identifizierte Risiken gemindert werden. Um der verstärkten Bedrohungslage für Cyberangriffe entgegenzutreten,
wurde das Programm „Information Security Next Level“ ins Leben gerufen, in dem es um die Erstellung eines detaillierten
Regelwerkes zur Informationssicherheit inklusive zugehöriger Prozesse, die Gewährleistung der Umsetzung des NIS-
Gesetzes (NISG-Audit wurde bereits erfolgreich abgeschlossen), die Sicherstellung einer vollständigen und nachhaltigen
Asseterfassung von IT / OT sowie um die Umsetzung der Konzernprojekte TOM (Target Operating Model) und PROTECT+
geht.
Tochtergesellschaften und Beteiligungen
In diesem Risikofeld werden Tochtergesellschaften und Beteiligungen betrachtet. Hier besteht das Risiko, dass
Budgetwerte nicht erreicht werden. Im Immobilienbereich sind die Verwertungserlöse und die exakten
Realisierungszeitpunkte von den jeweiligen Marktentwicklungen abhängig. Die Risikosteuerung erfolgt frühzeitig schon in
der Verhandlungsgestaltung sowie durch gezieltes Portfoliomanagement.
Klimarisiken / ESG
Risiken aus höherer Gewalt und Naturgefahren sind fixer Bestandteil des Risikoinventars, das im Zuge des regelmäßigen
Risikomanagementprozesses in Bezug auf kurz- und mittelfristige Auswirkungen evaluiert wird. Klimarisiken mit
langfristigem Fokus wurden im Zuge einer eigenen Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse systematisch untersucht und
bewertet (Details dazu finden sich in der nichtfinanziellen Erklärung).
Nachdem ESG-Risiken bzw. -Chancen im Gegensatz zur klassischen Outside-in-Perspektive des bislang im ÖBB Konzern
verfolgten Risikomanagementansatzes (Fokus auf finanziell wesentliche Risiken, die auf das Unternehmen wirken) auch
die Inside-out-Perspektive erfordern (Risiken, die vom Unternehmen auf die Umwelt bzw. auf die Gesellschaft wirken),
wurde Mitte 2023 ein Projekt im Zuge der „Doppelten Wesentlichkeitsanalyse” in Vorbereitung auf die CSRD (Corporate
Sustainability Reporting Directive) gestartet.
Risiken im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten
Originäre Finanzinstrumente
Der Bestand an originären Finanzinstrumenten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ist in der Bilanz ersichtlich. Es handelt sich
hierbei um Forderungen und Verbindlichkeiten aus der Finanzierungstätigkeit, Forderungen und Verbindlichkeiten aus
Lieferungen und Leistungen, Finanzanlagen und Wertpapiere. Detaillierte Informationen finden sich in den entsprechenden
Angaben in den Erläuterungen zum Konzernabschluss.
Derivative Finanzinstrumente
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern setzt derivative Finanzinstrumente zur Absicherung von Währungs- und
Rohstoffpreisrisiken ein. Des Weiteren bestehen Derivate, um Inkongruenzen aus Zahlungsströmen aus ehemaligen CBL-
Transaktionen auszugleichen. Derivative Finanzinstrumente werden nur unter Bezugnahme auf ein Grundgeschäft
abgeschlossen. Derivative Finanzinstrumente werden im Einklang mit den anzuwendenden Rechnungslegungsvorschriften
bewertet.
Die im ÖBB-Infrastruktur-Konzern eingesetzten Derivate sind nicht strukturierte Standardabsicherungsgeschäfte
(Devisentermingeschäfte) mit einem Nominale von rd. 4,8 Mio. EUR, welche 2023 abgeschlossen wurden.
Seite 248 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
43
Risikodefinition und Risikomanagement in Bezug auf Finanzinstrumente
Die ÖBB-Holding AG führt die Finanzgeschäfte im Namen und auf Rechnung von Konzerngesellschaften durch – mit deren
Auftrag und nur nach deren Zustimmung. Ausnahmen sind die Sicherungsinstrumente von Commodities. Die ÖBB-
Holding AG hat ein risikoorientiertes Kontrollumfeld geschaffen. Es umfasst u. a. Richtlinien und Abläufe für die
Beurteilung von Risiken sowie die Genehmigung, das Berichtswesen und die Überwachung von Finanzinstrumenten.
Oberste Priorität bei allen Finanzaktivitäten nimmt der Schutz des Vermögens der Konzerngesellschaften ein. All das ist
die Aufgabe der Abteilung Konzernfinanzen. Ein wesentlicher Teil ihrer Tätigkeit ist die Identifizierung, Bewertung und
Begrenzung finanzwirtschaftlicher Risiken. Risikobegrenzung bedeutet nicht das völlige Ausschließen finanzieller Risiken.
Risikobegrenzung meint eine sinnvolle und transparente Steuerung der quantifizierbaren Risikopositionen innerhalb eines
konkret zu vereinbarenden Handlungsrahmens mit den Konzerngesellschaften. Eine Konzernrichtlinie untersagt die
Ausgabe oder das Halten von Finanzinstrumenten zu spekulativen Zwecken. Zudem wurden durch Konzernrichtlinien die
zulässigen Finanzgeschäfte definiert. Nachstehend werden die wichtigsten Finanzierungsrisiken näher erörtert.
Liquiditätsrisiko
Das übergeordnete Ziel des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns im Bereich Finanzen ist die Sicherstellung des notwendigen
Liquiditätsspielraums. Liquiditätsrisiko ist das Risiko, dass ein Unternehmen Schwierigkeiten bei der Erfüllung seiner
finanziellen Verbindlichkeiten haben könnte, die sich aus den eingegangenen Verpflichtungen ergeben. Diese können
durch Zahlung oder Lieferung eines anderen finanziellen Vermögenswerts beglichen werden. Eine konsequente
Sicherstellung der Liquidität aller Konzerngesellschaften ist eine der Hauptaufgaben der Abteilung Konzernfinanzen des
ÖBB-Konzerns.
Die Erfüllung dieser Aufgabe erfolgt durch Liquiditätsplanungen, die Vereinbarung ausreichender Kreditlinien und eine
hinreichende Diversifizierung der Kreditgeber.
Zinsänderungsrisiko
Risiken aus Marktzinsänderungen können aufgrund der gegebenen Bilanzstruktur das Finanzergebnis des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns beeinflussen. Es gilt daher, den Einfluss von möglichen Marktzinsschwankungen auf die
Ergebnisentwicklung zu beschränken, wobei das Niveau mit den Konzerngesellschaften abzustimmen ist.
Der Abschluss geeigneter derivativer Finanzinstrumente für das Management von Zinsrisiken basiert auf Portfolioanalysen
und -empfehlungen der Abteilung Konzernfinanzen und auf den entsprechenden Entscheidungen der
Konzerngesellschaften. Derzeit bestehen keine derartigen Derivate.
Währungsrisiko
Die Gesellschaften des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns unterliegen nahezu keinen Fremdwährungsrisiken. Die Finanzierungen
sind überwiegend in Euro denominiert.
Im Jahr 2023 wurden im ÖBB-Infrastruktur-Konzern dennoch nicht strukturierte Standardabsicherungsgeschäfte
(Devisentermingeschäfte) mit einem Nominale von rd. 4,8 Mio. EUR abgeschlossen.
Kontrahentenrisiko
Das Kontrahentenrisiko erfasst das Schadenspotenzial hinsichtlich Nichterfüllung finanzieller Verpflichtungen durch
Geschäftspartner. Die Risiken beziehen sich vorwiegend auf Geldmarktgeschäfte, auf Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen, Veranlagungen, barwertig positive Comodity Derivate. Dem Kontrahentenrisiko-Management unterliegen
Limits, die für jeden Finanzpartner individuell vergeben und täglich auf Einhaltung überprüft werden.
Rohstoffrisiko
Die ÖBB-Infrastruktur AG betreibt eigene Wasserkraftwerke. Sie trägt die technische, wirtschaftliche und rechtliche
Verantwortung für die Energieanlagen und leitet das energiewirtschaftliche Kompetenzzentrum für die
Energiebeschaffung der ÖBB. Energieanlagen sind Kraftwerke, Frequenzumformer, Unterwerke sowie
Hauptversorgungsanlagen und Leitstellen. Das Risikomanagement im Energiebereich wird direkt durch die ÖBB-
Infrastruktur AG sichergestellt.
Rd. zwei Drittel des benötigten Bahnstroms und der gesamte Strom zur Versorgung der Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.)
werden auf dem Strommarkt beschafft. Daher ist der ÖBB-Infrastruktur-Konzern von Strompreisvolatilität stark betroffen.
Die Risikomanagementstrategie sieht daher eine Preisabsicherung vor.
Seite 249 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
44
Für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist es besonders relevant, dass die Preise im Vorfeld bereits abgesichert und fixiert sind,
da auch die Preise, die an Kund:innen verrechnet werden, bis 30.09. des Jahres vor Lieferbeginn fixiert werden. Die
Preisabsicherung erfolgt über den Abschluss von Forwards und Futures für die geplanten Einkaufsmengen von Bahnstrom,
Verlustenergie und Betriebsanlagen. Neben der Preisabsicherung dient die Absicherung aber auch der Erhöhung der
Planungssicherheit, die als Basis der Preiskalkulation notwendig ist. Weiterführende Informationen dazu befinden sich in
Erläuterung 29.4. zum Konzernabschluss.
Internes Kontrollsystem
Das interne Kontrollsystem bildet einen wesentlichen Bestandteil der unternehmensweiten Risikosteuerung und trägt
durch die systematische Steuerung prozessbezogener Risiken durch die zielgerichtete Implementierung risikomindernder
und regelmäßig überwachter organisatorischer Kontrollmaßnahmen unterstützend zur Erreichung der Gesellschaftsziele
sowie zur Sicherung und zum Schutz des Gesellschaftsvermögens bei. Für eine regelkonforme Finanzberichterstattung
unterstützt es darüber hinaus die Zuverlässigkeit der Rechnungslegungsprozesse.
Das IKS umfasst folgende Elemente: Identifikation, Analyse, Bewertung, Steuerung, Wirksamkeitsüberwachung,
Dokumentation und Kommunikation von IKS-relevanten Prozessen, Risiken und Kontrollen sowie die Überwachung dieser
Aktivitäten.
Das vom Vorstand eingerichtete interne Kontrollsystem orientiert sich am international bewährten Rahmenkonzept COSO
(Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission). Dieses stellt ein anerkanntes Konzept zur
Ausgestaltung eines internen Kontrollsystems zur Verfügung. Der Umfang und die Ausrichtung des IKS entsprechen den
unternehmensspezifischen Anforderungen sowie den Vorgaben des ÖBB-Konzerns.
Zielsetzung
Zielsetzungen des IKS sind die Regelkonformität der Finanzberichterstattung (Financial Reporting), die Förderung der
betrieblichen Effizienz (Operations) und die Einhaltung gesetzlicher Verpflichtungen und interner Richtlinien (Compliance).
Durch die Identifizierung und Bewertung von Risiken, die diese Zielsetzungen gefährden, und die Implementierung
risikoreduzierender Kontrollen wird hinreichende Sicherheit für die Erreichung dieser Ziele gewährleistet.
Organisation und Umsetzung
Neben den gesetzlichen Bestimmungen und den gesellschaftsspezifischen Anforderungen an das IKS der Gesellschaften
sind im ÖBB-Konzern Mindeststandards und Prozesse für das IKS durch zentrale Richtlinien geregelt. Diese werden von
der ÖBB-Holding AG erstellt und regelmäßig den aktuellen Konzernerfordernissen angepasst. Für die
Konzerngesellschaften ist die Umsetzung dieser Richtlinien verpflichtend. Diese Richtlinien enthalten neben der Festlegung
von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten auch Methoden für die Festlegung des Anwendungsbereichs des IKS, der
Identifikation und Bewertung von Risiken und der Dokumentation und Überwachung von Kontrollen.
Sicherstellung der Wirksamkeit
Das IKS wird durch periodische Evaluierungen der Risiken und der Kontrollen an geänderte Anforderungen angepasst und
weiterentwickelt. Zur Sicherstellung der Wirksamkeit der Kontrollen werden diese in regelmäßigen Abständen mittels IKS-
Tests überwacht. Dabei wird die ordnungsgemäße Ausführung der zu testenden Kontrollen anhand von Nachweisen
überprüft. Im Falle von festgestellten Abweichungen werden Gegensteuerungsmaßnahmen eingeleitet, um die
risikoreduzierende Wirkung der Kontrolle wieder herzustellen.
Ergänzend zu den IKS-Tests wird das IKS durch die Konzernrevision punktuell im Zuge ihrer Prüfungstätigkeiten geprüft.
Die Prüfung des IKS im Rechnungslegungsprozess ist fixer Bestandteil der Abschlussprüfung durch die
Wirtschaftsprüfer:innen. Der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats überwacht die Wirksamkeit des IKS auf Basis einer
regelmäßigen Berichterstattung durch den Vorstand.
Seite 250 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
45
G. Nichtfinanzielle Erklärung
G.1. Statement des Vorstands zur nichtfinanziellen Erklärung
Wirtschaftsmotor, wertschöpfende Investitionen und zukunftsfähige Finanzierung
Die Bahn war von Beginn an Treiberin des technischen Fortschrittes und veränderte die Mobilität von Grund auf. Heute
ermöglicht die ÖBB-Infrastruktur AG durch ihre Investitionen in und den Betrieb der Schieneninfrastruktur nachhaltige
Mobilität.
Die Investitionen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns wirken sich positiv auf Wertschöpfung und Beschäftigung aus, sowohl
in der Bauphase als auch durch verbesserte Erreichbarkeit und höheren Komfort in der Betriebsphase. Studien zeigen: Ein
investierter Euro führt zu einer Wertschöpfung von zwei Euro in der österreichischen Volkswirtschaft
43
. In der Bauphase
generiert eine Investition von einer Milliarde EUR rd. 15.000 Beschäftigungsverhältnisse. Die verbesserte Erreichbarkeit ab
Inbetriebnahme sichert und schafft Tausende weitere Beschäftigungsverhältnisse, fördert die Interaktion zwischen den
Regionen und stärkt ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist ein starker Partner und Motor für die heimische Wirtschaft. Gleichzeitig ist er einer der
größten Auftraggeber der österreichischen Bau- und Bahnindustrie mit einer hohen volkswirtschaftlichen Bedeutung. Der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern beschäftigt mehr als 18.000 Menschen direkt und sichert mit seinen Aufträgen und deren
Wertschöpfung weitere Arbeitsplätze außerhalb des Konzerns. Von den Aufträgen für Neubauprojekte und
Modernisierungen profitieren österreichische Klein- und Mittelbetriebe überproportional.
Konzernweit werden unter anderem folgende Ziele verfolgt:
– Netzausbau auf rd. 10.000 Gleis-km (Basis Rahmenplan 2024-2029) bis 2030
– Steigerung der Kapazität auf rd. 200,0 Mio. Zugkm bis 2030
– Erhöhung der Terminalkapazitäten auf rd. 1,0 Mio. intermodale Transporteinheiten bis 2030
Das wichtigste Kernwerkzeug zur Umsetzung dieser Ziele ist der Rahmenplan. Die ÖBB-Infrastruktur AG wird in den
kommenden sechs Jahren laut Rahmenplan 2024 bis 2029 jährlich rd. 3,5 Mrd. EUR in die Infrastruktur der Bahn
investieren. Damit werden nicht nur Werte für den öffentlichen Verkehr und die Grundlage für die Verlagerung des
Verkehrs von der Straße auf die Schiene geschaffen, sondern auch der Wirtschaftsmotor Österreich angekurbelt. Neue
Bahnhöfe wie der Hauptbahnhof in Wien sind ein gutes Beispiel dafür, wie die Investments zur Visitenkarte von Städten
werden. Zu den Erfolgsgeschichten zählen auch der Ausbau der Weststrecke, die Erweiterung der Infrastruktur im
Unterinntal, der Brenner Basistunnel oder die im Bau befindliche Südstrecke mit Semmering-Basistunnel und Koralmstrecke.
In den Terminals der ÖBB-Infrastruktur AG wurden 2023 rd. 424 Tsd. (Vj: rd. 524 Tsd.) Intermodale Transporteinheiten (ITE)
umgeschlagen. Trotz gesunkener Mengen gab es bei den Umsatzerlösen nur einen geringen Rückgang von 1,8%. Neben
der Kernleistung der Terminals (Umschlag von Containern, Wechselaufbauten und Sattelauflieger) wurden von den
Kund:innen vermehrt Zusatzleistungen in Anspruch genommen.
Mobilitätsanbieter mit Verantwortung
Der Klimawandel ist eines der zentralen Themen unserer Zeit. Der Ausstoß von Treibhausgasen steigt, anstatt zu sinken.
Um die Klimaziele, zu denen sich Österreich verpflichtet hat, zu erreichen, muss der Verbrauch von Diesel und Benzin in
Österreich laut Umweltbundesamt bis zum Jahr 2030 halbiert werden
44
. Diese Ziele können ohne die Bahn nicht erreicht
werden.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat die Verantwortung, eine diesen hohen Anforderungen gerecht werdende Infrastruktur
zur Verfügung zu stellen. Der neue Rahmenplan 2024 bis 2029 bildet für den Ausbau die richtige Basis.
Die ÖBB haben die jüngsten Krisen aber auch als Chance genutzt. Arbeitsabläufe wurden angepasst und Bedingungen für
ein digitales, standortunabhängiges Arbeiten geschaffen bzw. ausgeweitet. Die Bahn hat gezeigt, dass auf sie auch in
außergewöhnlichen und fordernden Zeiten Verlass ist.
43
Volkswirtschaftliche Effekte von Investitionstätigkeiten und Instandhaltungsmaßnahmen der Österreichischen Bundesbahnen, Economica im Auftrag der ÖBB-
Infrastruktur AG, 2020.
44
Ausblick Klimaziele 2020 und 2030 (umweltbundesamt.at): https://www.umweltbundesamt.at/news210119/ausblick-klimaziele-2020-und-2030.
Seite 251 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
46
Einsatz für Klima, Natur und Infrastruktur
Als größter Mobilitätsdienstleister und Vorreiter im Bereich nachhaltiger Mobilität ist der ÖBB-Konzern eines der
bedeutendsten Klimaschutzunternehmen Österreichs. Der Verkehrssektor muss einen substanziellen Beitrag leisten, damit
Österreich seine Klimaschutzziele erreichen kann. Daher hat sich der ÖBB-Konzern mit der ÖBB Klimaschutzstrategie 2030
die ambitionierten Ziele gesetzt: CO
2
-Neutralität im Bereich Mobilität bis 2030 und CO
2
-Neutralität im Konzern 2040 bis
2050. Auf diesem Weg wird die Erreichung von Österreichs Klimazielen maßgeblich unterstützt. Dazu gehört die
Elektrifizierung weiterer Bahnstrecken, der Einsatz alternativer Antriebstechnologien auf Schiene und Straße, der Ausbau
erneuerbarer Energien, die Dekarbonisierung der Wärmebereitstellung für Gebäude und die Steigerung der
Energieeffizienz.
Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen birgt weiterhin großes Potenzial für den Klimaschutz. Daher arbeitet der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern daran, den Anteil erneuerbarer Energie – selbst und mithilfe von Partnerkraftwerken – zu
erhöhen. Auch die Wasserkraftwerke werden optimiert, Fotovoltaikanlagen errichtet und die erste Windkraftanlage zur
Bahnstromproduktion ist 2022 in Betrieb gegangen. Insgesamt soll in den kommenden Jahren rd. 1,6 Mrd. EUR in die
Erzeugung erneuerbarer Energien und in die Modernisierung des Bahnstromnetzes investiert werden.
Wer Bahn fährt oder Güter mit der Bahn transportiert, betreibt aktiv Klimaschutz. Autofahrten und Flüge befeuern die
Klimakrise, während die Bahn pro Personenkilometer nur einen Bruchteil der Treibhausgasemissionen verursacht. Dies gilt
neben dem Personenverkehr auch für den Gütertransport.
Die Bahn braucht wenig Platz für viel Verkehr: Die Gesamtverkehrsfläche in Österreich nimmt bereits 2.079 km² in
Anspruch und ist damit größer als Osttirol. Der Anteil der Bahn daran beläuft sich auf gerade 2,5%. Die Straßenfläche
nimmt weiter zu, die Bahnfläche ab
45
. Pro Kopf gibt es in Österreich rd. 14 m Straße, aber nur 0,6 m Schiene
46
.
Gleichzeitig ist die Bodenversiegelung ein wachsendes Umweltproblem. Pro Person wird im motorisierten
Individualverkehr (MIV) rd. 100 m² Straßenfläche benötigt, während es auf der Schiene nur 7 m² sind. Der
Schienengüterverkehr braucht pro km Streckenlänge nur ein Drittel der Fläche im Vergleich zum Straßengüterverkehr
47
.
Entlang der Bahn finden sich wichtige Lebensräume und Flächen, die für die Biodiversität wichtig sind. Daher engagiert
sich der ÖBB-Infrastruktur-Konzern seit Langem für den Schutz seltener Pflanzen und Tiere, ist aus der Glyphosatnutzung
ausgestiegen und setzt laufend Maßnahmen, um die österreichische Natur und somit die biologische Vielfalt zu erhalten:
Gestaltung von Blühflächen, ÖBB Schienenbienen für mehr Artenvielfalt, Begrünungen von Böschungen mit regionalem
Saatgut, Pflanzung alter Obstbaumsorten, Flussrenaturierungen, Bau von Brücken für Wildtiere und etliches mehr. Ein
Umstieg auf die Bahn leistet also einen wertvollen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft nachfolgender Generationen.
Um den Anforderungen der Kund:innen und der Gesellschaft auch in Zukunft gerecht zu werden, setzt der ÖBB-
Infrastruktur-Konzern mit der Ausbaustrategie „Zielnetz 2025+” sowie den bereits laufenden Arbeiten am Zielnetz 2040
weitere Schritte in Richtung einer leistungsfähigen, diskriminierungsfreien und umweltfreundlichen Bahninfrastruktur – als
Grundlage für mehr Züge, mehr Bahnfahrende, mehr Güter und bessere Taktverkehre auf der Schiene. Die Vorreiterrolle
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns im Bereich von Transportinfrastrukturunternehmen weltweit in Sachen nachhaltiger
Mobilität wird auch von externer, unabhängiger Stelle durch die international führende ESG-Ratingagentur ISS durch
Erreichung des Prime-Status bestätigt.
Barrierefreier Zugang zur Bahn
Über eine Million Menschen in unserem Land sind vorübergehend oder dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt. Ein
barrierefreier und bequemer Zugang zu allen Mobilitätsangeboten für alle Menschen – sei es mit oder ohne Behinderung,
viel Reisegepäck, Kinderwagen oder temporärer Bewegungseinschränkung – ist ein erklärtes Ziel der ÖBB. Um neben den
rechtlichen Rahmenbedingungen für die Kund:innen das Optimum an jeder Haltestelle und jedem Bahnhof zu ermöglichen,
wird der Dialog mit Interessensgruppen gefördert. Für eine flächendeckende, leistbare und einfache Zugänglichkeit zu
Mobilität vertraut die ÖBB auch auf Services und Kooperationspartner:innen für die sogenannte erste und letzte Meile.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern unternimmt in diesem Bereich große Anstrengungen durch barrierefreies Bauen oder
Modernisieren der Bahnhöfe und sucht den direkten Dialog mit Betroffenen und Expert:innen.
45
Statistik Straße und Verkehr, BMK 2023.
46
Statistik Austria 2023 und Schienencontrol GmbH.
47
Allianz Pro Schiene.
Seite 252 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
47
Vorbereiten auf den Generationenwandel
Zahlreiche pensionsbedingte Abgänge in den kommenden Jahren bedingen einen Generationenwandel im Unternehmen
und machen die Aufnahme neuer Kolleg:innen notwendig. Zudem wird die Arbeitsweise noch unabhängiger vom
Arbeitsplatz werden. Für diesen bevorstehenden Wandel ist es notwendig, als attraktiver Arbeitgeber auf dem internen
und externen Arbeitsmarkt aufzutreten und wahrgenommen zu werden. Bereits 2019 erfolgte der Roll-out der neuen
Arbeitgebermarke. Diese positioniert den ÖBB-Infrastruktur-Konzern als Arbeitgeber mit Arbeitsplätzen und Aufgaben mit
Sinn. Denn: Die Mitarbeiter:innen von einem der bedeutendsten Klimaschutzunternehmen Österreichs arbeiten schon
heute daran, dass auch zukünftige Generationen morgen mehr vom Leben haben.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern zählte im Jahr 2023 mit rd. 1.800 Lehrlingen (inklusive Lehrlinge Allgemeine Privatstiftung
für berufliche Bildung) zu den größten Lehrlingsausbildungsbetrieben in Österreich. Mit der Lehrlingskampagne unter dem
Motto „Next Level Lehre” sollen weiterhin mehr Jugendliche für die Ausbildung beim ÖBB-Konzern begeistert werden.
Der Anteil jener Lehrlinge, der nach abgeschlossener Ausbildung in den Konzern übernommen wird, liegt auf konstant
hohem Niveau. Ein besonderer Fokus liegt auf der Ausbildung und Übernahme von weiblichen Lehrlingen, speziell in
technischen Berufen. 2020 wurden die neuen Lehrwerkstätten in Bludenz und Knittelfeld eröffnet. Der Bau des neuen
Bildungscampus in St. Pölten wurde 2022 abgeschlossen und bietet eine ausgezeichnete Aus- und Weiterbildungsstätte.
Professionelles Talentemanagement und klare Perspektiven sollen die Mitarbeiter:innen fördern und motivieren, um
vorhandenes Know-how im Unternehmen zu sichern und die interne Nachbesetzung von Schlüsselkräften zu ermöglichen.
Laufbahnmodelle unterstützen ein nachhaltiges Karrieremanagement im Konzern.
G.2. Allgemein
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist ein im Sinne des NaDiVeG (Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz)
berichtspflichtiges Unternehmen. Gemäß § 267a UGB (Konzernabschluss) sowie gemäß dem Bundesgesetz
BGBl. I Nr. 20 / 2017 – NaDiVeG – ergänzt diese konsolidierte nichtfinanzielle Erklärung daher den Lagebericht des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns. Die konsolidierte nichtfinanzielle Erklärung hat diejenigen Angaben zu enthalten, die für das
Verständnis des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage der Gesellschaft sowie der Auswirkungen ihrer
Tätigkeit erforderlich sind und sich mindestens auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, auf die Achtung der
Menschenrechte und auf die Bekämpfung von Korruption und Bestechung beziehen. Der Konzernlagebericht wird jährlich
erstellt und veröffentlicht und beinhaltet neben der konsolidierten nichtfinanziellen Erklärung gemäß § 267a UGB auch
die nichtfinanzielle Erklärung gemäß § 243b UGB der ÖBB-Infrastruktur AG. Relevante konsolidierte Angaben im
Konzernlagebericht für den Einzelabschluss werden als „davon-Angabe“ gesondert dargestellt. Die Angaben und Daten
für den aktuellen Lagebericht beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2023, die Vorjahreszahlen 2022 werden zu
Vergleichszwecken angeführt. Die Offenlegung der nichtfinanziellen Erklärung der ÖBB-Infrastruktur AG erfolgt unter
Berücksichtigung von: BGBl. I Nr. 20 / 2017 – NaDiVeG – sowie der GRI-Standards (GRI = Global Reporting Initiative).
Dieser Bericht wurde in Übereinstimmung mit den GRI-Universal-Standards 2021 erstellt. Die Berichtsgrenze umfasst die
ÖBB-Infrastruktur AG sowie ihre wesentlichen Tochtergesellschaften.
Aufbau der Entscheidungsgremien
Im Geschäftsjahr 2023 bestand der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG aus drei Personen, die in ihrer Funktion die Sorgfalt
einer ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleitung anzuwenden haben. Jedes Vorstandsmitglied leitet ein Ressort
selbstständig und ist weiters dazu verpflichtet, die anderen Vorstandsmitglieder über wesentliche Vorkommnisse aus
ihrem Aufgabenbereich zu informieren. Die Geschäftsverteilung, Zusammenarbeit, Informations- und Berichtspflichten der
Geschäftsführung sowie eine Auflistung der Maßnahmen, die der Zustimmung durch den Aufsichtsrat bedürfen, sind in
der Satzung bzw. der Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat geregelt.
Im Aufgabenbereich des Aufsichtsrates liegen die Überwachung der Geschäftsführung sowie die Bestimmung über die
Verteilung der Geschäfte. Die Grundlage für die Tätigkeit des Aufsichtsrates bilden in erster Linie das Aktiengesetz, die
Satzung, die Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat sowie der Bundes-Public-Corporate-Governance-Kodex (B-PCGK).
Zusammen bilden der Aufsichtsrat und der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG die Gremien für Entscheidungen in Bezug
auf ökonomische, ökologische und soziale Themen.
Zum Zeitpunkt der Berichterstellung sind im Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG folgende Ausschüsse eingerichtet:
Prüfungsausschuss, Infrastruktur-Investitionsausschuss, Nominierungs- / Personalausschuss sowie Immobilienausschuss.
Aufgabe der Ausschüsse ist einerseits die Vorbereitung der Verhandlungen und Beschlüsse, andererseits die Überwachung
der Ausführung der Beschlüsse für den Aufsichtsrat. Zudem können Ausschüsse – soweit die entsprechende Befugnis
eingeräumt wurde und nicht zwingende gesetzliche Bestimmungen oder die Bestimmungen des B-PCGK die
Aufgabenerfüllung durch den Gesamtaufsichtsrat vorsehen – Beschlüsse fassen bzw. Beschlussempfehlungen abgeben.
Seite 253 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
48
Im Geschäftsjahr 2023 bestand der Aufsichtsrat der Gesellschaft aus neun Mitgliedern, sechs (von der Hauptversammlung
gewählten) Kapitalvertreter:innen (mit einem Frauenanteil von 66,7%) und drei (gemäß § 110 ArbVG entsandten)
Belegschaftsvertreter:innen. Im Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG bzw. dessen Ausschüssen ist jeweils ein
Vorstandsmitglied der ÖBB-Holding AG, welches auch als Vorsitzende:r des Prüfungsausschusses, Immobilienausschusses
und Nominierungs- / Personalausschusses fungiert. Der Generalsekretär als Vertreter des BMK ist als Aufsichtsratsmitglied
in sämtlichen Ausschüssen vertreten und hält im Infrastruktur-Investitionsausschuss den Vorsitz. Kein Vorstandsmitglied
der ÖBB-Infrastruktur AG oder ihrer Tochterunternehmen ist in Übereinstimmung mit § 90 Abs. 1 AktG auch Mitglied des
Aufsichtsrates der Gesellschaft bzw. dessen Ausschüssen.
Bei der Bestellung der Mitglieder des Aufsichtsrates hat jede zur Wahl vorgeschlagene Person der Hauptversammlung
gemäß § 87 Abs. 2 AktG – unter Vorlage ihres Lebenslaufes – ihre fachliche Qualifikation, ihre beruflichen oder
vergleichbaren Funktionen dargelegt und bestätigt, dass keine Umstände vorliegen, welche die Besorgnis einer
Befangenheit im Rahmen der Aufsichtsratstätigkeit begründen könnten. Darüber hinaus wurde bestätigt, dass bei keiner
anderen Gesellschaft Organfunktionen wahrgenommen werden bzw. keine geschäftliche oder persönliche Beziehung zur
Gesellschaft oder deren Vorstand besteht, die einen Interessenskonflikt oder eine Befangenheit zu Lasten der ÖBB-
Infrastruktur AG begründen könnten. Die Bestellung der Mitglieder des Aufsichtsrates der ÖBB-Infrastruktur AG erfolgte
im Rahmen der im Jahr 2020 abgehaltenen ordentlichen Hauptversammlung der Gesellschaft auf die satzungsmäßige bzw.
gesetzliche Höchstdauer bis zum Ablauf jener Hauptversammlung, die über die Entlastung für das Geschäftsjahr 2024
beschließt.
Bei den Gesellschaften mit beschränkter Haftung, an denen die ÖBB-Infrastruktur AG beteiligt ist, ist jeweils eine
Geschäftsführung eingesetzt, wobei bei der ÖBB-Operative Services GmbH und bei der ÖBB-
Immobilienmanagement GmbH jeweils ein Aufsichtsrat als Kontrollorgan eingerichtet ist. Die Geschäftsführung der
Personengesellschaften (GmbH & Co. KGs) obliegt in allen Fällen der Geschäftsführung der jeweiligen GmbHs, die als
Komplementärinnen eingesetzt sind.
Nähere Informationen über die personelle Zusammensetzung des Vorstandes der ÖBB-Infrastruktur AG, des Aufsichtsrates
bzw. dessen Ausschüsse sowie der Geschäftsführung und des Aufsichtsrates der ÖBB-Operative Services GmbH bzw. ÖBB-
Immobilienmanagement GmbH können dem Corporate Governance Bericht 2023 entnommen werden.
Nachhaltigkeitssteuerung
Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Geschäftsprozesse des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Konzernziele und
Stoßrichtungen werden durch die ÖBB-Holding AG vorgegeben und in den Teilkonzernen im Rahmen von Markt- und
Funktionalstrategien umgesetzt. Das Entwickeln von wirkungsvollen Maßnahmen sowie deren gezielte Umsetzung wird
vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern eigenverantwortlich realisiert.
Die Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns („#INFRA.Mobilitätswende” – siehe Kapitel C.5.) wurde unter
Berücksichtigung der wesentlichen strategischen Herausforderungen im Umfeld der ÖBB-Infrastruktur AG und
unternehmensintern erarbeitet und im April 2021 per Aufsichtsratssitzung beschlossen. Mit diesem Beschluss wurden
neben der Vision auch die strategischen Ziele des Konzerns festgelegt. Gemäß dem integrierten Planungsprozess des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns werden die Strategie und die strategischen Ziele einmal im Jahr überprüft und gegebenenfalls
angepasst. In diesem Zusammenhang steht die Wesentlichkeitsmatrix, welche 2023 reevaluiert wurde und für das
Geschäftsjahr 2024 einer Weiterentwicklung gemäß CSRD unterzogen wird (siehe Kapitel Wesentlichkeitsanalyse).
Bereits im Jahr 2008 wurde in der ÖBB-Holding AG eine eigene Koordinationsstelle für die konzernweite Steuerung der
Nachhaltigkeitsagenden implementiert. Im ÖBB-Infrastruktur-Konzern wurde ebenfalls per Vorstandsentscheidung 2009
die Position der Nachhaltigkeitskoordination bestellt. Nachhaltigkeitsmanagement und nichtfinanzielle Berichterstattung
sind im ÖBB-Infrastruktur-Konzern im Vorstandsressort Finanzen, Services, Immobilien der ÖBB-Infrastruktur AG verankert
und werden durch das dort angesiedelte Nachhaltigkeitsteam koordiniert. Die Umsetzung der Programme und Initiativen
obliegt grundsätzlich den verantwortlichen Geschäftsbereichen mit den jeweiligen Fachexpert:innen. Aufgrund der
laufenden Veränderungen und des stetigen Zuwachses an EU-Vorgaben im Bereich Nachhaltigkeit sind relevante
Fortbildungen und Schulungen sowie intensive fachbereichsübergreifende Abstimmungen innerhalb des Konzerns
notwendig. Auch ein Austausch (teilweise auf Vorstandsebene) mit Stakeholder:innen außerhalb des ÖBB-Konzerns findet
regelmäßig statt und wurde in den letzten Jahren bedarfsorientiert intensiviert.
Seite 254 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
49
Festgelegte Meetingstrukturen und Prozesse stellen die Abstimmung und die Weitergabe von Informationen zwischen
den unterschiedlichen Ebenen im Unternehmen sicher. Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich
Nachhaltigkeit sind ein fixer Tagesordnungspunkt der Aufsichtsratssitzungen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns, welche
fünfmal im Jahr stattfinden. Als Ergebnis der Aufsichtsratssitzungen werden weiterführende Maßnahmen entwickelt,
welche Auswirkungen auf die (Nachhaltigkeits-)Strategie des Unternehmens haben können. Die nichtfinanzielle Erklärung
ist zudem wichtiger Bestandteil des Lageberichts und muss daher im Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates behandelt
werden. Auch in den Aufsichtsratssitzungen der Töchtergesellschaften (z. B. ÖBB-Immobilienmanagement GmbH) werden
Nachhaltigkeitsthemen behandelt. Wichtige Themen, die zur Beschlussfassung anstehen, werden zudem in die
Vorstandssitzungen eingebracht. Darüber hinaus tauschen sich die Vorstandsmitglieder, Geschäftsbereichsleiter:innen,
Geschäftsführer:innen und Stabsleiter:innen des Konzerns quartalsweise im Rahmen eines Steuerkreises sowie zusätzlich
in themenspezifischen Workshops zu ökologischen, ökonomischen und sozialen Themen aus. Zudem findet auf dieser
Führungskräfteebene alle zwei Monate ein INFRA-Nachhaltigkeitsboard statt. Strategische Entscheidungen für den
Konzern, insbesondere bezüglich Kennzahlen der Unternehmensstrategie INFRA.Mobilitätswende, werden außerdem im
Unternehmensentwicklungs-Board durch die Vorstandsmitglieder beschlossen.
Auf operativer Ebene tauschen sich Geschäftsbereiche, Stäbe und Tochtergesellschaften der ÖBB-Infrastruktur AG unter
anderem im Rahmen der Plattform Umwelt und Nachhaltigkeit aus (siehe Kapitel G.3).
Auch ein kontinuierlicher Austausch mit der ÖBB-Holding AG ist essenziell, um Schwerpunkte und aktuelle
Schlüsselthemen des ÖBB-Konzerns zu definieren und zu bearbeiten. Aus diesem Grund wurde 2021 durch die ÖBB-
Holding AG ein Nachhaltigkeitsboard implementiert. Auf dieser Ebene finden CEO, Vorstandsmitglieder und
Geschäftsführer:innen aller Teilkonzerne die Möglichkeit, sich mehrere Male im Jahr über die wichtigsten Themen in
Sachen Nachhaltigkeit auszutauschen und die strategische Ausrichtung des Konzerns in diesen Bereichen festzulegen.
Zusätzlich wurde eine konzernweite Nachhaltigkeitsplattform etabliert, bei der sich die jeweiligen
Nachhaltigkeitsverantwortlichen aus der ÖBB-Holding AG und den Teilkonzernen vierteljährlich hinsichtlich
konzernübergreifenden Nachhaltigkeitsthemen sowie Umsetzungsmaßnahmen zur ÖBB Nachhaltigkeitsstrategie
abstimmen.
Die ÖBB-Infrastruktur AG verfügt über funktionierende Kontrollorgane bzw. Kontrollmechanismen, die ihre Aufgaben
wahrnehmen. Die Aufgaben des Aufsichtsrates ergeben sich aus Gesetz sowie Satzung bzw. Gesellschaftsvertrag und der
Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat. Dem höchsten Kontrollorgan (Aufsichtsrat), welches fünfmal im Jahr ordentliche
Sitzungen und bei Bedarf zusätzliche außerordentliche Sitzungen abhält, werden – neben den Finanz- und
Tätigkeitsberichten im Rahmen des in nahezu jeder Aufsichtsratssitzung gelegten Berichts des Vorstands an den
Aufsichtsrat – regelmäßig standardisierte Berichte zu den Themenbereichen Human Resources, Compliance, Revision,
Datenschutz, Risikomanagement, Internes Kontrollsystem, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Diversity übermittelt. Kritischen
Themen wird auch mit Ad-hoc-Berichten an den Aufsichtsrat und Information an den Eigentümer begegnet.
Wesentlichkeitsanalyse
Neben anderen Instrumenten ist die Wesentlichkeitsanalyse eine Methode, mit der der ÖBB-Infrastruktur-Konzern in
regelmäßigen Abständen die aus Nachhaltigkeitssicht relevanten Themen identifiziert und priorisiert sowie Schwerpunkte
bei der Maßnahmenentwicklung setzt. Zusätzlich dazu steht gemäß den Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) der
Aspekt der Wesentlichkeit im Fokus der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Dies bedeutet, dass Unternehmen ihre
Berichterstattung verstärkt auf jene Themen ausrichten, die für sie und auch ihre Stakeholder:innen einen hohen
Stellenwert haben.
Im Jahr 2015 wurde die erste Wesentlichkeitsanalyse des ÖBB-Konzerns unter Einbeziehung seiner Stakeholder:innen
durchgeführt, diese wurde im Jahr 2018 aktualisiert. Ziel war es, jene Themen, die sowohl für den ÖBB-Konzern als auch
für die Stakeholder:innen von wesentlicher Bedeutung sind, zu identifizieren und zu priorisieren. Dieses Vorgehen diente
gleichzeitig dazu, sowohl mit den wichtigsten internen als auch externen Stakeholder:innen in Kontakt zu treten und diese
zu konsultieren.
Aktualisierung der wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen
Im Jahr 2021 wurden die wesentlichen Themen im Rahmen einer Neuauflage der Wesentlichkeitsanalyse erneut bewertet.
Auf Basis der 17 Bausteine der ÖBB Nachhaltigkeitsstrategie wurde die Relevanz und Wichtigkeit dieser Themen bei der
im Herbst 2021 durchgeführten Stakeholder:innenumfrage (intern und extern) erhoben. Dabei wurden rd. 2.700 Personen
als interne und externe Stakeholder:innen (Privatkund:innen, Geschäftskund:innen, Mitarbeiter:innen, Investor:innen,
Lieferant:innen, Interessensgruppen und Fachöffentlichkeit, Politiker:innen und Regulierer:innen, Öffentlichkeit und
Medien) zur Teilnahme an der Umfrage gebeten, um die Relevanz der einzelnen Nachhaltigkeitsbausteine zu bewerten.
Die Stakeholder:innenbefragung wurde durch die ÖBB-Holding AG durchgeführt, wobei die Erfordernisse des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns spezifisch berücksichtigt wurden.
Seite 255 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
50
Um zusätzlich dazu ein grundlegendes Verständnis der Risiken und Chancen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns im Kontext
der Nachhaltigkeit zu erlangen, wurden durch den ÖBB-Infrastruktur-Konzern ebenfalls im Jahr 2021 interne
Expert:inneninterviews sowie Workshops durchgeführt. In diesen wurden durch ein breites Spektrum von Perspektiven
der Teilnehmer:innen die wichtigsten Risiken und Chancen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns hinsichtlich Nachhaltigkeit
identifiziert und eine daraus resultierende finale Liste von 20 Risiken in einem Onlinetool bewertet (mehr Informationen
im nächsten Kapitel). Diese Ergebnisse wurden mit jenen der Stakeholder:innenbefragung verknüpft – das Resultat ist die
ÖBB-Infrastruktur-Konzern Wesentlichkeitsmatrix, welche dem Aufsichtsrat 2021 vorgelegt wurde.
2023 wurde die bestehende Wesentlichkeitsmatrix reevaluiert. Dabei haben sich keine relevanten Veränderungen zum
Vorjahr ergeben. Zusätzlich wird für das Geschäftsjahr 2024 die doppelte Wesentlichkeitsanalyse gemäß CSRD erarbeitet,
welche eine Weiterentwicklung darstellt und die bisherige Wesentlichkeitsmatrix ablösen wird.
Die Wesentlichkeitsmatrix des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Seite 256 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
51
Als wesentliche Themen mit hoher Bedeutung wurden jene Themen in den zwei oberen Wesentlichkeitsbereichen
(ausgeprägt und beträchtlich) identifiziert, die Themen in den zwei unteren Bereichen (mittel und moderat) werden als
weitere Themen ebenfalls berücksichtigt. Die relevanten Informationen werden in den nachfolgenden Kapiteln unter den
jeweiligen Belangen (Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von
Korruption und Bestechung) erläutert. Einige Themen sind in anderen Bereichen des Lageberichts (bzw. außerhalb des
Kapitels G) enthalten. Die jeweiligen Kapitel- und Seitenangaben sind im GRI-Inhaltsindex (Kapitel G.7.) zu finden.
Wesentliche Themen mit hoher Bedeutung
Belange / Kapitel
-
Klimaschutz
- Innovation und Technologie
- Wirtschaftsmotor, wertschöpfende Investitionen und zukunftsfähige
Finanzierung
- Aus- und Weiterbildung
- Generationenwandel
- Leistbares und zugängliches Mobilitätsangebot
- Anpassung an den Klimawandel
- Gesundheit / Safety / Security
- Verlässlicher und attraktiver Arbeitgeber
- Compliance / transparente Berichte und Datenschutz
-
Umwelt
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Kapitel G.1
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Umwelt
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Bekämpfung von Korruption und Bestechung
Weitere Themen
Belange / Kapitel
-
Soziale Verantwortung und Kooperationen
- Ressourcenmanagement, Abfall, Fläche / Boden
- Artenvielfalt und Biodiversität
- Emissionen inkl. Lärm (exkl. CO
2
)
- Nachhaltige Beschaffung
- Sustainable Finance
- Vielfalt und Chancengleichheit
-
Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Umwelt
- Umwelt
- Umwelt
- Umwelt
- Umwelt
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
ESG Risiko- und Auswirkungsanalyse
Um ESG-Chancen und -Risiken (ESG = Environment, Social, Governance) besser zu priorisieren, Strategien (weiter) zu
entwickeln sowie gezielte Steuerungsmaßnahmen zu setzen, ist es essenziell, diese rechtzeitig zu erkennen.
Im Jahr 2021 erfolgte daher durch die ÖBB-Infrastruktur AG eine ESG-Risikobewertung (anhand eines Dynamic Risk
Assessments). Im Rahmen von Expert:inneninterviews und Workshops mit über 20 internen Teilnehmer:innen aus
unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens wurden Risiken hinsichtlich Nachhaltigkeit identifiziert.
Im ersten Schritt wurde durch Einzelgespräche mit ausgewählten Expert:innen aus verschiedensten Funktionen des
Unternehmens (unter Verwendung eines strukturierten Fragenkatalogs) ein grundlegendes Verständnis der Hauptrisiken
und Chancen der ÖBB-Infrastruktur AG geschaffen. Anschließend wurden diese Fragen in einem Workshop mit 24
Teilnehmer:innen diskutiert, um Risiken und Trends zu berücksichtigen, die aktuelle oder zukünftige Risikofolgen für die
Branche darstellen könnten. Auf Basis der Einzelgespräche und des Workshops wurden häufig erwähnte Risiken
identifiziert und gruppiert. Eine finale Liste von 20 Risiken wurde in ein interaktives Onlinetool implementiert und von allen
Teilnehmer:innen individuell bezüglich Schweregrad, Eintrittswahrscheinlichkeit, Vernetzung und Eintrittsgeschwindigkeit
bewertet. Die nachfolgende Abbildung zeigt das Ergebnis der Risikobewertung in den Dimensionen
Eintrittswahrscheinlichkeit und Schweregrad.
Seite 257 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
52
Diese Methode der Risikobewertung erlaubt es zusätzlich, die Verbindungen und Auswirkungen zwischen den einzelnen
Risiken zu identifizieren sowie Risiken abzubilden, die am häufigsten im Zusammenhang gesehen werden (Szenarien). Die
Auswertungen unterstützen die ÖBB-Infrastruktur AG dabei, Risiken gezielt zu minimieren. Das Ergebnis der ESG-
Risikobewertung wurde darüber hinaus benutzt, um die x-Achse der Wesentlichkeitsmatrix des ÖBB-Infrastruktur-
Konzerns zu definieren.
In der nachfolgenden Tabelle sind jene 20 Risiken aufgelistet, die auf der Grundlage von internen Expert:innenbefragungen
und Gruppenworkshops für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern ermittelt wurden. Gesetzte Maßnahmen minimieren die
Auswirkungen auf ökonomische, ökologische und soziale Belange. Darüber hinaus wurden im Jahr 2022 die
entsprechenden ESG-Chancen erarbeitet und zusätzlich in dieser Tabelle dargestellt. Die in der letzten Spalte angeführte
Nummerierung zeigt die Gliederung der Nachhaltigkeitsbausteine für den ÖBB-Konzern und stellt keinen Querverweis zu
den Angaben in diesem Bericht dar.
Aus-
wirkung
Risiken
Maßnahmen (Auszug)
Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nachhaltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Extreme Wetter-
ereignisse /
Klimawandel
Klimaschutz
− Weiterentwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
− Umsetzung der ÖBB Klimaschutzstrategie zur
Verringerung des CO
2
-Fußabdrucks
− Thermische Sanierung von Gebäuden
− Ausstieg aus ölbefeuerten Heizanlagen bis 2030
und Fossilgasheizanlagen bis 2034
− Weitere Ökologisierung des Energiemix
− Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbarer
Energie: Wasserkraft, Fotovoltaik, Wind
− Effizienter Einsatz von Klimaanlagen, aber auch
Forcierung von alternativen Lösungen (vertikale
und horizontale Begrünungsformen – natürliche
Beschattungen)
− Förderung von Fahrrädern für Dienstwege
− Errichtung und Instandhaltung von Bike & Ride-
Stellplätzen
− Kontinuierlicher Ausbau / Umstieg der E-Flotte bei
Rail&Drive bzw. beim ÖBB Fuhrpark
− Vom Markt
unabhängige
Energie-
versorgung
− Attraktivierung
des Systems
Bahn und
dadurch
vermehrter
Umstieg auf
klima-
freundliche
Mobilität
− Mitarbeiter:
innenbindung
− Entwicklung
neuer Services
− Forcierter
Ausbau der
Kapazitäten
− Potenzielle Be-
schleunigung
von UVP-
1. Klimaschutz
2. Anpassung an
den Klimawandel
Seite 258 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
53
Aus-
wirkung
Risiken
Maßnahmen (Auszug)
Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nachhaltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Anpassungen an den Klimawandel
− Durchführung einer Klimarisiko- und
Vulnerabilitätsanalyse
− Diverse Projekte zur Klimawandelanpassung und
Naturgefahrenmanagement
− Steinschlag- und Lawinenverbauungen
− infra:wetter: Warnungen, beispielsweise
Starkregen, Gewitter, Schneemengen etc.
− Naturgefahrenhinweiskarte
− Wasserdurchlässige Flächenversiegelungen auf
Vorplätzen und Park & Ride-Anlagen
Verfahren bei
Bauprojekten
Ökonomie,
Soziales
Schwierigkeiten
bei der
Anwerbung und
Bindung von
Fachkräften
− Joboffensive: Präsenz auf diversen
zielgruppenspezifischen Recruitingveranstaltungen,
Kooperationen mit Bildungseinrichtungen
− Employer-Branding
− Regelmäßige Mitarbeiter:innenbefragung
− Gezielte Gesundheitsförderung der
Mitarbeiter:innen
− Schaffen von Rahmenbedingung zur Förderung der
Arbeitsfähigkeit, beispielsweise durch gesundes
Führen und Suchtprävention, Beratung
Arbeitsfähigkeit
− Betriebliche Wiedereingliederung
− Führungskräfteentwicklung
− Umfangreiches internes und externes fachliches
und persönliches Weiterbildungsangebot
− Große Bandbreite an Karrierechancen im
Unternehmen durch die Möglichkeit des Wechsels
innerhalb des Konzerns
− Chancengleichheit unabhängig von Geschlecht und
Geschlechtsidentität, Alter, sexueller Orientierung,
Herkunft und Religion
− Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils wie
beispielsweise das Programm Female Business
Impact / Frauennetzwerktreffen
− Maßnahmen zur Vereinbarung von Beruf und
Familie: flexible Arbeitszeiten, Telearbeit, ÖBB
Kinderbetreuung
− Möglichkeiten zum Wechsel zwischen Vollzeit- und
Teilzeitbeschäftigung
− Work&Study (Möglichkeit, neben dem Studium in
geringerem Stundenausmaß zu arbeiten, mit dem
Ziel einer Vollzeitanstellung nach dem Studium)
sowie Kooperationen bei der Verfassung von
Universitäts- / Fachhochschul-Abschlussarbeiten
− Mentoringprogramme für unterschiedliche
Zielgruppen
− Lehrlingsausbildung
−
Qualifizierte
und motivierte
Mitar
beiter:innen
− Relevantes
Know-how im
Unternehmen
durch
Fachkräfte-
gewinnung
− Nachhaltiger
Unternehmens
-erfolg
− Steigerung der
MA-Diversität
− Stärkung der
eigenen Aus- &
Weiterbildungs
-initiativen
− Beschleu-
nigung bei der
Umsetzung
neuer,
flexiblerer
Arbeitsmodelle
− Entwicklung
von
innovativen,
attraktiven
Anreiz-
systemen
14. Verlässlicher
und attraktiver
Arbeitgeber
15. Generationen-
wandel
17. Aus- und
Weiterbildung
Seite 259 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
54
Aus-
wirkung
Risiken
Maßnahmen (Auszug)
Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nachhaltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Soziales
Cyberangriffe und
Datenverlust
− Programm „Information Security Next Level” zur
Erstellung eines detaillierten Regelwerks zur
Informationssicherheit
− Optimierung des Information-Security-Reportings
für das Topmanagement
− Erweiterung der InfoSec-Organisation, um der
global gestiegenen Bedrohungslage
entgegenzuwirken
− Erweiterung des bestehenden Security-Incident-
und Event-Management-Systems (SIEM)
− Ausbau der forensischen Nachschau mittels
risikobasierter Schwachstellenanalyse
− Steigerung der
betrieblichen
Sicherheit
− Erhöhung der
Cyber-Resilienz
− Ausgewogene
Balance
zwischen
Digitalisierungs
- und
Securityzielen
7. Innovation und
Technologie
10. Gesundheit /
Safety /
Security
12. Compliance /
transparente
Berichte und
Datenschutz
16. Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen und
zukunftsfähige
Finanzierung
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Bremsender
verkehrs-
politischer
Rahmen
− Gezielte Bewusstseinsbildung bzw.
Interessensvertretung
− Volkswirtschaftliche Wirkungen von
Bahninvestitionen
− Volkswirtschaftliche Wirkungen des Bahnbetriebs
− Weitere Effizienzsteigerungsprogramme in der
Produktion (Qualität, Attraktivität)
− PRIME Status bei ISS ESG-Rating
− Stärkung
bestehender
Wettbewerbs-
vorteile des
Systems Bahn
als Differen-
zierungs-
merkmal
− Sicherstellung
der
zukünftigen
Finanzierung
− Ausbau der
Lobbying-
Kompetenz
− Geringerer
Druck beim
Erreichen des
ambitionierten
Investitions-
programms der
nächsten Jahre
1. Klimaschutz
2. Anpassung
an den Klima-
wandel
3. Emissionen
inkl. Lärm (exkl.
CO
2
)
7. Innovation
und
Technologie
9. Leistbares
und
zugängliches
Mobilitäts-
angebot
13. Soziale
Verantwortung
und
Kooperationen
16. Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen
und zukunfts-
fähige
Finanzierung
Ökonomie,
Soziales
Nichteinhaltung
von Grund-
versprechen der
ÖBB-
Infrastruktur AG
Sicherheit
− Sicherheitsmanagementsystem
− Konzernweiter betrieblicher Sicherheitsindex
− Weiterentwicklung der Sicherheitskultur und
Einführung eines neuen Unternehmenswertes
„Sicherheit leben”
− Gezielter Einsatz von Securitypersonal
− Vermehrte Präsenz von Einsatzkräften an
Brennpunkten
Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit
− Weiterentwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
− Blackout-Krisenübungen und
Infrastrukturentwicklungsprojekt zur Stärkung der
Blackout-Resilienz
− Glaub-
würdigkeit /
Reputation
− Steigerung von
Produktivität,
Kapazität und
Qualität
− Mitarbeiter:
innen-
zufriedenheit
− Kund:innen-
zentrierung um
Grund-
versprechen
sicherzustellen
2. Anpassung
an den Klima-
wandel
7. Innovation
und
Technologie
10. Gesund-
heit /
Safety /
Security
16.
Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen
und zukunfts-
fähige
Finanzierung
Seite 260 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
55
Aus-
wirkung
Risiken
Maßnahmen (Auszug)
Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nachhaltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
−
BFZ-Ausfallskonzept im Rahmen der
Betriebsführungsstrategie
− Umsetzung technischer Verbesserungen, z. B.
weiterer Ausbau mit 500-Hz-Magneten zur
Verringerung des Kollisionsrisikos
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Fehlende
Flexibilität in der
Veränderung der
Mobilität
− Angebote für ÖBB Rail&Drive-Carsharing
− Errichtung und Instandhaltung von Bike & Ride-
Stellplätzen
− Smart Maintenance
− Alternative Antriebe
− Zugvorbereitung und Verschub der Zukunft (DAK –
Digitale Automatisierte Kupplung)
− F&E-Programm
− Tools und Plattformen zur Steigerung des
Innovationspotenzials (z. B. durch Ideenwerkstatt,
Innovationsprogramm, Open-Innovation-Plattform)
− Schaffung von Schwerpunktthemen zur
Umsetzung von konkreten Maßnahmen (integrierte
Mobilität, Digitalisierung der
Kund:inneninformation, Services am Bahnhof)
− Digitalisierung, andere Arten der Kommunikation
und Informationsbeschaffung
− Attraktivierung
des Systems
Bahn durch
erfolgreiche
integrierte
Mobilitäts-
angebote
− Neue
Geschäfts-
modelle &
Service-
angebote für
Kund:innen
− Themen- und
Innovations-
führerschaft
(Mobilität),
− Gewinnung
von
Kund:innen
1. Klimaschutz
3. Emissionen
inkl. Lärm (exkl.
CO
2
)
7. Innovation
und
Technologie
9. Leistbares
und
zugängliches
Mobilitäts-
angebot
13. Soziale
Verant-
wortung und
Kooperationen
Seite 261 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
56
Aus-
wirkung
Risiken
Maßnahmen (Auszug)
Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nachhaltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Verzögerter
technologischer
Fortschritt
− Automatisierung des Schienenverkehrs
− Nutzung digitaler Modelle und Simulation im
digitalen Zwilling
− Modernisierung des Fuhrparks
− Smart Maintenance
− Nutzung alternativer Antriebe auf Schiene und
Straße
− Zugvorbereitung und Verschub der Zukunft (DAK –
Digitale Automatisierte Kupplung)
− F&E-Programm
− Tools und Plattformen zur Steigerung des
Innovationspotenzials (z. B. durch Ideenwerkstatt,
Innovationsprogramm, Open-Innovation-Plattform)
− Schaffung von Schwerpunktthemen zur
Umsetzung von konkreten Maßnahmen (integrierte
Mobilität, Digitalisierung der
Kund:inneninformation, Services am Bahnhof)
− Digitalisierung, andere Arten der Kommunikation
und Informationsbeschaffung
− Weiterentwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
− Steigerung von
Produktivität,
Kapazität und
Qualität durch
Innovationen
und tech-
nologischen
Fortschritt
− Erhöhung der
Lebensdauer
von
bestehenden
Technologien
− Forcierung von
Technologie-
partner-
schaften, Joint
Ventures & Co
7. Innovation
und
Technologie
9. Leistbares
und
zugängliches
Mobilitäts-
angebot
15.
Generationen-
wandel
16. Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen
und zukunfts-
fähige
Finanzierung
17. Aus- und
Weiterbildung
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Fehlende
Einbindung von
langfristiger
Planung
− Weiterentwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
− Klimaschutz im Gesamtkonzern als strategisches
Topthema etabliert
(Nachhaltigkeits- / Klimaschutzstrategie)
− Thema Klimaschutz strukturiert aufbereitet
(Ambition / Ziele, Stoßrichtungen mit ersten
Maßnahmen definiert)
− Umsetzung der ÖBB Klimaschutzstrategie zur
Verringerung des CO
2
-Fußabdrucks
− Investitionen gemäß Rahmenplan
−
Glaub-
würdigkeit/
Reputation
− Nachhaltiger
Unternehmens
-erfolg
− Entwicklung
neuer
Planungs-
ansätze
− Langfristige
Planung durch
Einsatz von
neuen
strategischen
Weitsicht- und
Szenario-
techniken
alle 17
Bausteine
Seite 262 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
57
Aus-
wirkung
Risiken
Maßnahmen (Auszug)
Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nachhaltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Lieferkette
Störungen /
nicht nachhaltige
Beschaffung
− Forcierung nachhaltiger Produkte und
Dienstleistungen durch Berücksichtigung von
Nachhaltigkeitskriterien im Zuge von
Beschaffungen
− Transparenz der Lebenszykluskosten durch die
Verwendung von TCO- und LCC-Modellen im
Beschaffungsprozess
− Forderung von Nachhaltigkeitszertifikaten im
Rahmen von Vergabeverfahren
− Lieferantenbeurteilung durch Lieferanten-
Managementsystem
− Unterstützung der Initiative „Railsponsible” und
dem Einsatz der Nachhaltigkeitsplattform
„EcoVadis”
− Anwendung des Verhaltenskodexes für
Lieferant:innen
− Forcierung von Kreislaufwirtschaftsthemen
innerhalb der Beschaffung
− Maßnahmen im Energiebereich wie der Ausbau der
Kapazitäten zur Eigenerzeugung Bahnstrom sowie
− Monitoring von Handelspartner:innen bzw.
rollierende Beschaffung
−
Kosten- und
Material-
einsparungen
durch
effizientes
Ressourcen-
management
und Kreislauf-
wirtschaft
− Senkung von
Treibhausgas-
emissionen
− Wettbewerbs-
vorteil
− Aufbau neuer
Lieferanten-
märkte und
Diversifizierung
der
Lieferanten-
struktur
− Optimierung
der Lieferkette
− Reduktion von
Ab-
hängigkeiten
4. Ressourcen-
management,
Abfall,
Fläche / Boden
6. Nachhaltige
Beschaffung
16. Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen
und zukunfts-
fähige
Finanzierung
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Beeinträchtigung
der biologischen
Vielfalt /
Artenschutz
− Vermeidungs-, Verminderung-, Ausgleichs- und
Ersatzmaßnahmen bei Eingriffen in
Landschaftshaushalt
− Biologisches Monitoring und Kartierung von
interessanten Flächen
− Versiegelung von Bahnstrommasten zur
Vermeidung von Schwermetallbelastung im
Erdreich
− Ökowaldinseln
− Vogelschutzmaßnahmen an Stromleitungen und
Glasflächen
− Vogelschutzprojekt „Danube Free Sky”
− F&E-Projekt zu Wildwarnanlagen für Bahnanlagen
− Ständige Optimierungsmaßnahmen der
Spritzgeräte der chemischen Vegetationskontrolle
durch optische Grünerkennung
− Einsatz von autochthonem, regionalem Saat- und
Pflanzgut
− Maßnahmen zur Eindämmung invasiver Neophyten
− Anlage von Blumenwiesen und Förderung der
Imkerei auf Bahngrund
− Optimaler Einsatz von Beleuchtung durch sinnvolle
Planung / Umsetzung sowie Einsatz von
Beleuchtungsalternativen
− Erhaltung und
Förderung der
Biodiversität
− Erschließung
neuer
Kooperationen
und
Umsetzung
neuer
Initiativen zur
Artenvielfalt /-
schutz
1. Klimaschutz
2. Anpassung
an den
Klimawandel
4. Ressourcen-
management,
Abfall,
Fläche / Boden
5. Artenvielfalt
und
Biodiversität
Seite 263 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
58
Aus-
wirkung
Risiken
Maßnahmen (Auszug)
Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nachhaltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Mangelhafte
Finanzierung und
grüne
Investitionen
− Compliance-Instrumente und Code of Conduct
− Objektivierung der Nachhaltigkeitsleistungen
anhand der Prüfung durch externe
Ratingagenturen
− Darstellung des volkswirtschaftlichen Mehrwerts
von Bahninvestitionen
− Prüfverfahren durch IKS, Wirtschaftsprüfer:innen,
SCHIG und Rechnungshof
− Offenlegung gem. Artikel 8 EU-Taxonomie-VO
− Weiterentwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
− Investitionen gemäß Rahmenplan
− Prime Status bei ISS ESG-Rating
− Glaub-
würdigkeit /
Reputation
− Sicherstellung
der
zukünftigen
Finanzierung
durch neue
Finanzierungs-
strategien
7. Innoation
und
Technologie
8. Sustainable
Finance
16. Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen
und zukunfts-
fähige
Finanzierung
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Fehlendes
Gesamtkonzept
der
Nachhaltigkeit
− Umsetzung der ÖBB Klimaschutzstrategie zur
Verringerung des CO
2
-Fußabdrucks
− Weiterentwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
− Etablierung Nachhaltigkeitsteam in der ÖBB-
Infrastruktur AG zur Koordination und Steuerung
von Nachhaltigkeitsthemen
− PRIME Status bei ISS ESG-Rating
− Glaub-
würdigkeit /
Reputation
− Nachhaltiger
Unternehmens
-erfolg durch
gesamt-
heitliches
Konzept
− Entwicklung
von
Nachhaltigkeit
als integralen
Bestandteil der
Unternehmens
-steuerung
alle 17
Bausteine
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Nicht optimales
Management
natürlicher
Ressourcen
− Ressourcenschonender Ansatz für den Umgang mit
Rohstoffen, Wasser, Fläche / Boden zum Beispiel
durch:
• Einsparung von Bewehrungsstahl
• Einsatz von Holz als Baustoff
• Einsatz von CO
2
-reduziertem Beton
• Alternative Baumethoden,
z. B. Freiformschale / Wildbrücke
− Komponentenaufbereitung und
Wiederverwendung beispielsweise von Schienen,
Schwellen und Gleisschotter
− Forcierung von Kreislaufwirtschaftsthemen
− Vermeidungs-, Verminderungs-, Ausgleichs- und
Ersatzmaßnahmen bei Eingriffen in
Landschaftshaushalt
−
Kosten- und
Material-
einsparungen
durch
effizientes
Ressourcen-
management
und Kreislauf-
wirtschaft
− Senkung von
Treibhausgas-
emissionen
− Erhöhte
Lieferketten
Resilienz
− Reduzierte
Abhängigkeit
durch forcierte
Kreislauf-
wirtschaft
1. Klimaschutz
4. Ressourcen-
management,
Abfall,
Fläche / Boden
5. Artenvielfalt
und
Biodiversität
6. Nachhaltige
Beschaffung
Seite 264 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
59
Aus-
wirkung
Risiken
Maßnahmen (Auszug)
Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nachhaltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Soziales
Fehlende Vielfalt
und Integration
am Arbeitsplatz
− Schutz und Förderung der Einhaltung der
Menschenrechte sowohl von Mitarbeiter:innen als
auch von Partner:innen und Lieferant:innen
− Menschenrechtsschulungen für Securitypersonal
(ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG)
− Gleichstellungspolicy und regionale
Gleichstellungsbeauftragte
− Diversitymanagement mit strategischen
Diversitätszielen und Diversity-Bericht
− Chancengleichheit unabhängig von Geschlecht und
Geschlechtsidentität, Alter, sexueller Orientierung,
Herkunft und Religion
− Erhöhung der interkulturellen Kompetenz durch
ÖBB Sprachlernbörse, interkulturelle Themenevents
etc.
− Disability-Management
− Kommunikationsmaßnahmen und
Weiterbildungsangebote
− Aktive Integration von Flüchtenden im
Lehrlingswesen
− Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils wie
beispielsweise das Programm Female Business
Impact / Frauennetzwerktreffen
− Frauen-Karriere-Index
− Förderung der
Innovations-
kraft durch
Vielfalt am
Arbeitsplatz
− Mitarbei-
ter:innen-
zufriedenheit
− Positionierung
als attraktiver
Arbeitgeber
− Verbesserte
Rekrutierungs-
chancen (durch
Verbreiterung
der Bewer-
ber:innenbasis)
11. Vielfalt und
Chancengleichheit
15. Generationen-
wandel
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Unzureichende
Nachhaltigkeits-
kompetenz
− E-Learnings für Mitarbeiter:innen zum Thema
„Nachhaltigkeit” sowie
Umweltmanagementsystem
− Kontinuierlicher Aufbau und Weiterentwicklung
der Nachhaltigkeitskompetenz der
Mitarbeiter:innen und benötigter Ressourcen
− Klimaschutz im Gesamtkonzern als strategisches
Topthema etabliert
(Nachhaltigkeits- / Klimaschutzstrategie)
− Etablierung Nachhaltigkeitsteam in der ÖBB-
Infrastruktur AG zur Koordination und Steuerung
von Nachhaltigkeitsthemen
− Umsetzung der ÖBB Klimaschutzstrategie zur
Verringerung des CO
2
-Fußabdrucks
− Glaub-
würdigkeit /
Reputation
− Relevantes
Know-how im
Unternehmen
durch
Nachhaltigkeits
expert:innen
− Standardisierte
Integration von
Nachhaltigkeits
kompetenz in
Personal-
entwicklung
alle 17 Bausteine
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Zersiedelung
− Stakeholder:innen-Dialoge und Customer-Journeys
zur Verbesserung der Zugänglichkeit bzw. des
Komforts
− Entwicklung von integrierten Mobilitätsangeboten
− Attraktivierung von Bahnhöfen und Haltestellen in
ländlichen Regionen
− Attraktivierung
des Systems
Bahn durch
erfolgreiche
integrierte
Mobilitäts-
angebote
− Entwicklung
neuer Services
und Angebote
1. Klimaschutz
4. Ressourcen-
management,
Abfall,
Fläche / Boden
5. Artenvielfalt und
Biodiversität
9. Leistbares und
zugängliches
Mobilitätsangebot
Seite 265 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
60
Aus-
wirkung
Risiken
Maßnahmen (Auszug)
Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nachhaltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Lückenhaftes
ESG-Daten-
management
− Objektivierung der Nachhaltigkeitsleistungen
anhand der Prüfung durch externe
Ratingagenturen
− Prüfverfahren durch IKS, Wirtschaftsprüfer:innen,
SCHIG und Rechnungshof
− Kontinuierlicher Aufbau und Weiterentwicklung
der Nachhaltigkeitskompetenz der
Mitarbeiter:innen und benötigter Ressourcen
− Etablierung Nachhaltigkeitsteam in der ÖBB-
Infrastruktur AG zur Koordination und Steuerung
von Nachhaltigkeitsthemen
−
Effizienz-
steigerung
− Nachhaltiger
Unternehmens
-erfolg durch
strategische
Planung
− Sicherstellung
der
zukünftigen
Finanzierung
− Schaffen eines
integralen ESG-
Datacenters
und –Dash-
boards
alle 17 Bausteine
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Sozialer Wandel
− Kund:innenservice und
Kund:innenzufriedenheitsumfragen
− Marktforschung
− Kontinuierliche Weiterentwicklung der
Barrierefreiheit an Bahnhöfen
− Stakeholder:innen-Dialoge und Customer-Journeys
zur Verbesserung der Zugänglichkeit bzw. des
Komforts
− Entwicklung von integrierten Mobilitätsangeboten
− Attraktivierung von Bahnhöfen und Haltestellen in
ländlichen Regionen
− Gesellschaftliches Engagement durch die
Unterstützung der Spendenaktion „Licht ins
Dunkel”, Sicherheitsschulungen in Schulen,
Förderung von Schüler:innen mit
Migrationshintergrund, Team ÖBB,
Waisenunterstützungsverein
− Attraktivierung
des Systems
Bahn durch
erfolgreiche
integrierte
Mobilitäts-
angebote
− Ermöglichung
eines
forcierten
Ausbaus der
Kapazitäten
7. Innovation und
Technologie
9. Leistbares und
zugängliches
Mobilitäts-angebot
13. Soziale Verant-
wortung und
Kooperationen
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Unzureichende
Compliance und
ESG-
Berichterstattung
− Umfassendes Compliance-Managementsystem
eingerichtet
− Compliance-Officer zur Prävention, Früherkennung
− Code of Conduct als verbindlicher Verhaltenskodex
mit Verhaltensleitlinien
− Compliance-Schulungen und Beratung
− Antikorruptionsstelle
− Objektivierung der Nachhaltigkeitsleistungen
anhand der Prüfung durch externe
Ratingagenturen
− Prüfverfahren durch IKS, Wirtschaftsprüfer:innen,
SCHIG und Rechnungshof
− Etablierung Nachhaltigkeitsteam in der ÖBB-
Infrastruktur AG zur Koordination und Steuerung
von Nachhaltigkeitsthemen
− Glaub-
würdigkeit/
Reputation
− Sicherstellung
der
zukünftigen
Finanzierung
− ESG
Compliance &
Reporting als
Stakeholder:in
nen-Manage-
menttool
1. Klimaschutz
12. Compliance /
transparente
Berichte und
Datenschutz
13. Soziale Verant-
wortung und
Kooperationen
Seite 266 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
61
Aus-
wirkung
Risiken
Maßnahmen (Auszug)
Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nachhaltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Mangelhaftes
Abfall-
management /
Nichtbeachtung
von Kreislauf-
wirtschaft
− Ressourcenschonender Ansatz für den Umgang mit
Rohstoffen, Wasser, Fläche / Boden zum Beispiel
durch:
• Einsparung von Bewehrungsstahl
• Einsatz von Holz als Baustoff
• Einsatz von „Grünem Beton“
• Alternative Baumethoden,
z. B. Freiformschale / Wildbrücke
− Komponentenaufbereitung und
Wiederverwendung z. B. von Schienen, Schwellen
und Gleisschotter
− Forcierung von Kreislaufwirtschaftsthemen
− Kosten- und
Material-
einsparungen
durch
effizientes
Ressourcen-
management
und Kreislauf-
wirtschaft
− Senkung von
Treibhausgas-
emissionen
3. Emissionen inkl.
Lärm (exkl. CO
2
)
4. Ressourcen-
management,
Abfall,
Fläche / Boden
6. Nachhaltige
Beschaffung
Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse
In Anbetracht des fortschreitenden Klimawandels und seiner Folgen ist es für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern von
essenzieller Bedeutung, potenzielle Klimagefahren zu analysieren. Durch eine fundierte Klimarisiko- und
Vulnerabilitätsanalyse kann festgestellt werden, ob sich potenzielle Klimagefahren zu Klimarisiken entwickeln könnten,
welche die Geschäftstätigkeiten wesentlich beeinträchtigen. Die Erkenntnisse aus der Analyse werden einerseits für die
erweiterten Berichtspflichten gemäß der EU-Taxonomie-Verordnung und der zukünftigen Anforderungen gemäß CSRD
verwendet, andererseits legt die Klimarisikoanalyse den Grundstein dafür, dass der ÖBB-Infrastruktur-Konzern
entsprechende Anpassungsmaßnahmen auf klimatische Veränderungen vornehmen kann. Auf diese Weise wird die
Klimaresilienz gestärkt und die Leistungsfähigkeit des Konzerns aufrechterhalten.
Die Evaluierung von Risiken aus höherer Gewalt und Naturgefahren ist seit vielen Jahren im Risikomanagement verankert.
Darüber hinaus gewinnt die Bewertung von Klimarisiken mit einem langfristigen Zeithorizont, aufgrund steigender
Extremwetterereignisse, länger anhaltenden Hitzeperioden etc. zunehmend an Bedeutung. Aus diesem Grund wurde im
Geschäftsjahr 2022 erstmals eine Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse in Bezug auf physische Klimarisiken durchgeführt.
Die Analyse basiert auf den in Österreich bestmöglichen verfügbaren Klimaszenarien-Daten (ÖKS15). Auf Basis der ÖKS15-
Daten wurden für die nächsten zehn Jahre (2021 bis 2030) die Klimadaten von 1991 bis 2020 evaluiert, für die Periode
2021 bis 2050 wurde eine Bandbreite des Klimaszenarios RCP 8.5 betrachtet. Das Klimaszenario RCP 8.5 ist ein Szenario,
in dem weiterhin hohe Treibhausgasemissionen ausgestoßen werden.
Um die Klimaszenarien bestmöglich zu beurteilen wurde der Prozess durch die Klimaexpert:innen der GeoSphere
Austria – Bundesanstalt für Geologie, Geophysik, Klimatologie und Meteorologie begleitet. Die Bewertung der negativen
Auswirkung erfolgte qualitativ auf Basis einer standardisierten Bewertungsskala. Aufgrund diverser Unsicherheiten (z. B.
unzureichende Datenbasis) wurde auf eine quantitative Beurteilung im ersten Schritt verzichtet.
Seite 267 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
62
Nichtfinanzielle Kennzahlen
Die wichtigsten nichtfinanziellen Kennzahlen im Überblick
2023
2022 Einheit
Allgemein
Bahnstrecke (Baulänge)
4.935
4.935
Kilometer
Personenbahnhöfe (Verkehrsstationen)
1.031
1.037
Stück
Jährlich zurückgelegte Zugkm
165,9 Mio.
163,8 Mio.
Kilometer
Transportleistung
81,0 Mrd.
82,2 Mrd.
Bruttotonnen-
kilometer / Jahr
Pünktlichkeit Personenverkehr gesamt, alle EVUs
1)
94,9
95,4
Prozent
Pünktlichkeit Güterverkehr gesamt, alle EVUs
1)
72,2
75,2 Prozent
Kund:innenzufriedenheit
2)
74
n. v.
Punkte
Corporate-Rating (ISS ESG – Institutional Shareholder Services)
3)
B-
n. v.
Rating-Grade
Umwelt
Chemische Vegetationskontrolle
1,5
1,2
Tonnen
Bahnstrom aus erneuerbarer Energie
4)
100
100
Prozent
Elektrifizierung Streckennetz
76
74
Prozent
Gesamtenergiebedarf
5)
467
461
Gigawattstunden
Gesamtemissionen
6)7)
891.354 –
1.301.354
44.527 Tonnen CO
2-
eq
Wasserverbrauch
1,6 Mio.
2,0 Mio.
Kubikmeter
Gesamtabfall
8)
3.652.325
6.696.912
Tonnen
Externe Carsharingstationen
48
44
Stück
Gesamtanzahl Bike & Ride-Stellplätze
51.549
50.791
Stück
Gesamtfläche der ÖBB-Infrastruktur AG
189
189
Quadratkilometer
Bäume im Baumkataster (Stichtag 31.12.)
10.559
10.246
Stück
Steinschlag- und Lawinenverbauungen
212
204
Kilometer
Lärmschutzwände und -dämme
1.036
1.025
Kilometer
Wildbachverbauung
2,1
1,8
Kilometer
Sozial- und Arbeitnehmerbelange
Aktive Mitarbeiter:innen und Lehrlinge
18.541
18.374
Personen
davon ÖBB-Infrastruktur AG
16.467
16.355
Personen
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung
6.842
7.678
Personen
davon ÖBB-Infrastruktur AG
6.090
6.827
Personen
Lehrlinge
1.563
1.498
Personen
davon ÖBB-Infrastruktur AG
1.563
1.498
Personen
Durchschnittsalter im Inland (exkl. Lehrlinge)
44,4
45,0
Jahre
davon ÖBB-Infrastruktur-AG
43,9
44,5
Jahre
Frauenanteil (inkl. Lehrlinge)
12,3
11,0
Prozent
davon ÖBB-Infrastruktur-AG
10,6
9,5
Prozent
Menschen mit Behinderung
2,7
2,7
Prozent
davon ÖBB-Infrastruktur AG
2,5
2,5
Prozent
Barrierefreiheit
Bahnhöfe mit modernen, barrierefreien Stationen
452
430
Stück
Forschung
Forschung und Entwicklungsprojekte
in Bearbeitung (Stichtag 31.12.)
74
80
Projekte
Sicherheit
Personenverkehr
9)
78-mal sicherer als Straße
Gefahrguttransport
10)
42-mal sicherer als Straße
Ergänzende Angaben zu den nichtfinanziellen Kennzahlen sind den nachfolgenden Textpassagen zu entnehmen:
n. v.: aktueller Wert für das jeweilige Jahr nicht vorhanden (z. B. aufgrund der COVID-19-Pandemie)
1)
Als Schwellenwert für Pünktlichkeit gilt beim Personenverkehr fünf Minuten, beim Güterverkehr 30 Minuten.
2)
2022 wurde keine konzernweite Kund:innenzufriedenheitsbefragung durchgeführt.
3)
2022 wurde kein ISS ESG Corporate-Rating durchgeführt.
4)
Bezieht sich auf Kund:innen, die Bahnstrom der ÖBB-Infrastruktur AG beziehen.
5)
Der berichtete Gesamtenergiebedarf in GWh setzt sich aus den Energieträgern Bahnstrom, Drehstrom, Erdgas, Fernwärme, Fernkälte, Heizöl, Flüssiggas,
Hüttenkoks, Holzpellets und Treibstoffverbrauch zusammen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2023 folgende Energieträger in die Berichterstattung zusätzlich mit
aufgenommen: Diesel für Verschubloks im Eigentum der ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH, welche an die ÖBB-Infrastruktur AG vermietet werden.
6)
2023 wurden die Scope 3-Emissionen in die Berechnung der Treibhausgasemissionen mit aufgenommen. Weitere Informationen sind im Kapitel Klimaschutz in der
Fußnote der Tabelle zu den Emissionen nachzulesen.
7)
Die Emissionswerte aus dem Jahr 2022 wurden für die Kältemittel angepasst.
8)
Die Menge des Gesamtabfalls hat sich zum Vorjahr erheblich verringert und ist mitunter auf natürliche Schwankungen im Projektgeschehen zurückzuführen.
Weitere Details siehe Abfalltabelle des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns.
9)
Verkehrstote pro 10 Mrd. Personenkilometer (Jahre 2018 bis 2020 in Österreich), Quelle: UBA 2021, BMK 2021, Statistik Austria 2021, Grafik: VCÖ 2021.
10)
Gefahrgutunfälle pro Mrd. Tonnenkilometer berechnet über den Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2013, Quelle: Allianz pro Schiene auf Basis von Statistisches
Bundesamt.
Seite 268 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
63
G.3. Umweltbelange
Allgemein
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern plant, baut und betreibt Schieneninfrastrukturanlagen in allen neun Bundesländern und ist
dabei aufgrund diverser rechtlicher Vorgaben verpflichtet, negative Auswirkungen auf Schutzgüter wie Wasser, Boden,
Luft, Tiere, Pflanzen und deren Lebensraum, Mensch, Kulturgüter etc. so weit wie möglich zu vermeiden und nicht
vermeidbare Auswirkungen zu mindern oder auszugleichen. Darüber hinaus betreibt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ein
zertifiziertes integriertes Managementsystem (IMS), welches auch das Umweltmanagement nach ISO 14001 beinhaltet.
Im Rahmen der IMS-Politik bekennt sich der ÖBB-Infrastruktur-Konzern im Sinne des Vorsorgeprinzips zu den Zielen der
Schaffung bzw. Beibehaltung einer sicheren und zukunftsorientierten Infrastruktur, einer sicheren und pünktlichen
Betriebsführung, von gesunden Mitarbeiter:innen, einem effizienten und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen sowie von
zufriedenen Kund:innen. Die IMS-Politik ist via Homepage den interessierten Parteien zugänglich. Ein Kernbestandteil des
Umweltmanagements nach ISO 14001 ist auch das Management von umweltrelevanten Chancen und Risiken sowie die
umweltrelevante Notfallvorsorge und Gefahrenabwehr.
Für weiterführende Informationen zum Risikomanagementprozess des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns siehe auch Kapitel F.
sowie Kapitel G.2. bzgl. des Umgangs mit ESG-Risiken.
Um den Nachhaltigkeitsvorteil des ÖBB-Konzerns zu sichern und weiterhin der Vorreiter für umweltfreundliche
Mobilitätslösungen in Österreich zu bleiben, wurden für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern strategische Stoßrichtungen (siehe
Kapitel C.5.) definiert. Diese unterstützen bestehende ÖBB-Konzernziele und stellen langfristige Win-win-Situationen für
die Gesellschaft, die Umwelt und den ÖBB-Konzern sicher.
Umweltleitlinien, Umweltbewertung, Umweltprogramm
Die Umweltleitlinien des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns sind die Richtschnur zur Kategorisierung der bedeutenden
Umweltaspekte, welche durch die Umweltbewertung ermittelt werden. Die Umweltbewertung wird durch das
Umweltinformationssystem der ÖBB-Infrastruktur AG unterstützt durchgeführt und ist Ausgangspunkt für die
Umweltprogramme der Geschäftsbereiche, Stäbe und Tochtergesellschaften auf operativer Ebene. Das Monitoring und
der Informationsaustausch erfolgen im Rahmen der Plattform Umwelt und Nachhaltigkeit, deren Aufgabe ein
konzernweiter Austausch und das Vorantreiben der umweltspezifischen Themen ist. Auch die wesentlichen
Umweltthemen, welche auf strategischer Ebene in der Wesentlichkeitsmatrix identifiziert wurden, werden regelmäßig im
INFRA-Nachhaltigkeitsboard sowie in der Plattform Umwelt und Nachhaltigkeit thematisiert.
Umweltbewertungen finden im ÖBB-Infrastruktur-Konzern auch außerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen
Umweltprüfverfahren frühzeitig Eingang in die Entwicklung und Planung der Infrastruktur.
Die mit dem BMK, dem BMF und der SCHIG mbH abgestimmte Methode zur Entwicklung des Zielnetzes 2040 umfasst
Elemente zur systematischen Bewertung von Umweltwirkungen auf einer der Planungsebene des Zielnetzes 2040
entsprechenden Betrachtungsebene. Die Ergebnisse dieser Bewertung fließen in die vergleichende Bewertung der
Maßnahmenpakete, der sogenannten Module, ein. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei der in dieser frühen
Planungsphase methodisch anspruchsvollen Ermittlung von Treibhausgasemissionen im Bau geschenkt. Dafür wurde in
Abstimmung mit der SCHIG mbH eine geeignete Methode entwickelt.
Innerhalb der Infrastrukturentwicklungen ist eine auf den Gegenstand der jeweiligen Entwicklung angepasste
Umweltanalyse vorgesehen. Diese dient als Entscheidungshilfe im Falle der Untersuchung mehrerer Alternativen bzw.
Varianten (Variantenphase) sowie als fachliche Erstabschätzung der Umweltwirkungen im Sinne eines Ausblicks auf
nachfolgende Planungsphasen (Bewertungsphase). Beurteilungsgegenstand und -tiefe werden unter Rückgriff auf
einschlägige fachliche Grundlagen (wie z. B. RVS) anlassbezogen festgelegt.
Schwerpunkte im Rahmen von ISO 14001
Die Schwerpunkte im Jahr 2023 lagen auf Energieeffizienz und der Lagerung von gefährlichen Arbeitsstoffen. Ziele des
Schwerpunktes Energieeffizienz waren die Sichtbarmachung des Beitrags der Geschäftsbereiche zur Steigerung der
Energieeffizienz, die Verringerung des Energieverbrauchs sowie eine diesbezügliche Sensibilisierung bzw.
Bewusstseinsbildung der Mitarbeiter:innen. Ziel des zweiten Schwerpunktes war die Sicherstellung des
vorschriftsgemäßen Umgangs und der Lagerung von gefährlichen Arbeitsstoffen.
Zur Weiterbildung wurde ein E-Learning zum Umweltmanagementsystem des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns nach ISO 14001
erarbeitet und den Mitarbeiter:innen im Umweltmanagement zur Verfügung gestellt.
Seite 269 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
64
Klimaschutz
Der Klimawandel ist eine der großen Herausforderungen dieser Zeit. Der ÖBB-Konzern trägt mit der Verkehrsverlagerung
auf die Schiene einen wesentlichen Teil zum Klimaschutz Österreichs bei, doch das Verlagerungspotenzial ist damit bei
Weitem nicht ausgeschöpft. Die Ziele des Green Deals der EU (z. B. klimaneutrale Wirtschaft bis 2050) und die nationale
Zielsetzung der Klimaneutralität in Österreich ab 2040 verstärken die Bedeutung der Bahn und des öffentlichen Verkehrs.
Haupthemmnisse liegen im Bereich der verkehrspolitischen Rahmenbedingungen und den Wettbewerbsverzerrungen, die
sich aufgrund von fehlender Kostenwahrheit und mangelnder Umsetzung des Verursacherprinzips ergeben.
Der ÖBB-Konzern hat sich mit der ÖBB Klimaschutzstrategie 2030 ambitionierte Ziele gesetzt:
– CO
2
-Neutralität im Bereich Mobilität bis 2030,
– CO
2
-Neutralität im Konzern 2040 bis 2050 sowie
– weitere Verkehrsverlagerung durch Attraktivierung des Systems und Ausbau der Kapazität sowohl durch konventionellen
Ausbau als auch durch den Einsatz neuer Technologien.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern spielt bei der Umsetzung dieser ambitionierten Ziele eine wichtige Rolle und hat sich dazu
strategische Ziele als Teil der Unternehmensstrategie gesetzt (siehe Kapitel C.5.). Einen wichtigen Beitrag zur CO
2
-Bilanz
des ÖBB-Konzerns leistet die Bereitstellung und der Einsatz von 100% erneuerbaren Energien im System Bahn. Auf diese
Weise unterstützt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern die Erreichung von Österreichs Klimazielen maßgeblich. Zentrale Hebel
für die Zielerreichung sind die weitere Elektrifizierung der Bahnstrecken, der Einsatz alternativer Antriebstechnologien auf
Schiene und Straße, der Ausbau erneuerbarer Energien, die Dekarbonisierung der Wärmebereitstellung der Gebäude und
die Steigerung der Energieeffizienz.
Zielsetzungen
1)
Der Basiswert wurde zum Vorjahr 2022 angepasst.
2)
Auf Basis der 2023 beschlossenen Energiestrategie wurde die Eigenproduktion aus erneuerbaren Energien um die Stromaufbringung der Partner erweitert. Diese
Kennzahl wird daher künftig als Eigenversorgungsgrad bezeichnet.
Energie
Der ÖBB-Konzern benötigt zur Versorgung der Züge sowie auch der Betriebsanlagen (z. B. Bahnhöfe, Betriebsstätten)
Strom, Gas und Wärme.
Die Energieversorgung des elektrifizierten österreichischen Eisenbahnnetzes wird mit dem System der
Bahnstromversorgung gewährleistet. Rd. 8.000 km Oberleitungen werden über rd. 60 Unterwerke, die wiederum über
ein 2.000 km langes Bahnstromnetz (110 / 55 kV) verbunden sind, versorgt.
Seit 2018 verwendet der ÖBB-Konzern ausschließlich grünen Bahnstrom aus zu 100% erneuerbaren Energiequellen.
Ebenso wurde ab 2019 auch die Drehstromversorgung aller Bahnhöfe, Büros, Werkstätten und anderer Betriebsanlagen
ebenfalls auf Strom aus zu 100% erneuerbaren Energieträgern umgestellt. Ein maßgeblicher Teil des Stroms, der für den
Betrieb benötigt wird, kommt aus acht ÖBB Wasserkraftwerken (sieben produzieren Bahnstrom, eines produziert
Drehstrom), vier Partner-Wasserkraftwerken und derzeit 92 Solarkraftwerken. Seit Ende 2022 speist auch die
Windkraftanlage in Höflein jährlich 6,75 GWh in die Oberleitung der Ostbahn (Wien – Budapest) ein. Die restliche Menge
des benötigten grünen Bahnstroms wird vom Markt zugekauft. Mit sieben Frequenzumformern wird das Bahnstromnetz,
welches mit einer Frequenz von 16,7-Hz betrieben wird, mit den öffentlichen 50-Hz-Netzen verbunden. Der über diese
Frequenzumformer bezogene Strom stammt ebenfalls zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen (abgesichert mit
Herkunftsnachweisen). Auch der restliche Drehstrom für die Versorgung von Gebäuden und Betriebsanlagen wird auf dem
freien Markt bezogen.
Ziel
KPI
Ambition Zieljahr
2023
2022
Ausstieg aus Ölheizanlagen bis 2030
(Basis 2019: 259 Stück
1)
)
Anzahl
Ölheizanlagen
0 195 221
Ausstieg aus Fossilgas-Heizanlagen bis 2034
(Basis 2022: 1.268 Stück)
Anzahl fossile
Gasheizanlagen
0
1.212 1.268
Steigerung des Elektrifizierungsgrades
auf 85% bis 2030 und auf 89% bis 2035
% elektrifiziertes
Streckennetz
85 / 89 76 74
Steigerung des ÖBB Eigenversorgungsgrades
aus erneuerbaren Energien auf 80%
im Bahnstrombereich bis 2030
2)
% Eigenanteil
erneuerbarer
Energie am
Bahnstrom
80
61 50
Steigerung der Energieeffizienz um
mehr als 25% bis 2030 (Basisjahr 2017)
kWh / Zugkm 2,15 2,81 2,86
100% Elektrifizierung der
Pkw-Fahrzeugflotte Straße bis 2030 (Klasse M1)
% E-Fahrzeuge
Straße (Klasse M1)
100,00 17,59 12,34
Seite 270 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
65
Ausbau erneuerbarer Energie
Seit über 100 Jahren ist der ÖBB-Konzern Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Die Steigerung des Eigenversorgungsgrades
mit nachhaltigem Strom steht im Mittelpunkt der ambitionierten Energiestrategie der ÖBB-Infrastruktur AG. Bis 2030 wird
weiterhin verstärkt in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert. Dementsprechend wurde 2023 die neue ÖBB
Energiestrategie beschlossen, die sich das ambitionierte Ziel setzt, den Eigenversorgungsgrad (Eigenproduktion und
Partnerkraftwerke) der Bahnstromversorgung bis 2030 auf 80% zu erhöhen. Bereits rd. 60% des Bahnstroms produzierte
die ÖBB-Infrastruktur AG gemeinsam mit den Partnerkraftwerken 2023 aus Wasserkraft selbst.
Beim Bau von neuen Kraftwerken wird darauf geachtet, dass zusätzliche Beeinflussungen minimiert werden bzw. die
Bedingungen für die Erreichung des guten ökologischen Zustandes wiederhergestellt werden. In bestehenden
Kraftwerken wurden Fischaufstiegshilfen errichtet und die Maßnahmen des nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans
werden umgesetzt.
Mit dem Projekt Kraftwerk Tauernmoos – Errichtung eines Pumpspeicherkraftwerkes mit einer Leistung von 170 MW –
kann das bisher ungenutzte energetische Potenzial zwischen den beiden größten bestehenden Stauseen Tauernmoossee
und Weißsee erschlossen werden. Durch das Pumpspeicherkraftwerk mit einer zusätzlichen Jahresproduktion von
rd. 16 GWh werden keine weiteren Gewässer belastet.
Mit dem Projekt „Kraftwerk Obervellach II
” werden unter Berücksichtigung der europäischen wasserwirtschaftlichen
Rahmenbedingungen die bestehenden Kraftwerke Obervellach und Lassach ersetzt. Die Wasserkraftwerke Obervellach
und Lassach, die über 90 bzw. 100 Jahre in Betrieb waren und das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht und einen
Buchwert von null haben, wurden im Zuge der umfangreichen Reinvestitionsarbeiten im Mai 2022 bzw. im November
2021 vorübergehend außer Betrieb genommen. Die neue Kraftwerksanlage wird nach Inbetriebnahme eine
Jahresstromproduktion von rd. 125 GWh aufweisen, womit am Standort in Kärnten eine Erhöhung der Stromproduktion
um mehr als 35% erreicht wird.
Das bereits abgeschlossene Reinvestitionsvorhaben „Kraftwerk Spullersee, Standortoptimierung” leistet ebenfalls einen
wesentlichen Beitrag zur grünen Bahnstromversorgung. Das Kraftwerk wurde dem größten Umbauvorhaben seiner
rd. 100-jährigen Geschichte unterzogen. Mit der Erneuerung der Druckrohrleitung und der Stollenrohrleitung wurde das
Kraftwerk im Jahr 2021 auf den Stand der Technik gebracht und die Bahnstromversorgung in Vorarlberg abgesichert.
Zudem erfordert das zunehmende Schienenverkehrsaufkommen und insbesondere die Verdichtung des Schienenverkehrs
(Taktfahrplan) die Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Bahnstromsystems. Das Kraftwerk Spullersee nutzt heimische
Wasserkraft und wird zur Lieferung von umweltfreundlichem CO
2
-freiem Bahnstrom als Treibstoff für die „grüne Bahn”
eingesetzt.
Neben den Projekten zum Ausbau der Wasserkraft forciert die ÖBB-Infrastruktur AG auch den Ausbau bahneigener
Fotovoltaik- und Windkraftanlagen. Im Bereich der 50-Hz-Fotovoltaikanlagen wurde das 2020 gestartete
Ausbauprogramm konsequent fortgesetzt. Zusätzlich zu den mit Ende 2022 62 bestehenden Anlagen mit einer
Jahresstromproduktion von rd. 7.000 MWh wurden 2023 24 50-Hz-Fotovoltaikanlagen mit einer Jahresstromproduktion
von über 2.800 MWh errichtet. Neben Standardanlagen auf Gebäudedächern im Bestand und Neubau wird im 50-Hz-
Fotovoltaikausbauprogramm künftig Fokus auf die Nutzung bereits versiegelter oder vorbelasteter Flächen gelegt. Erste
Stromerzeugungsanlagen auf flächigen Park & Ride Anlagen werden bereits 2024 realisiert werden. Der mittels 50-Hz-
Fotovoltaikanlagen erzeugte Strom trägt zur Deckung des Strombedarfs und somit zur Steigerung des
Eigenversorgungsgrades der Gebäude und Betriebsanlagen der ÖBB-Infrastruktur AG bei.
Im Bereich der 16,7-Hz-Fotovoltaiktechnologie hat die ÖBB-Infrastruktur AG Pionierarbeit geleistet. 2015 ging die
weltweit erste 16,7-Hz-Bahnstromfotovoltaikanlage in Wilfleinsdorf (NÖ) in Betrieb. Seitdem wurden weitere 16,7-Hz-
Bahnstromfotovoltaikanlagen gebaut und in Betrieb genommen. Mit Ende 2023 befanden sich sechs
Bahnstromfotovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rd. 6.000 MWh im Einsatz. Der Fotovoltaikausbau soll in den
nächsten Jahren fortgesetzt werden.
Zudem wurde im Herbst 2022 die weltweit erste 16,7-Hz-Prototyp-Windkraftanlage mit rd. 3 MW und einer Produktion
von 6,75 GWh in Betrieb genommen, welche direkt in die Oberleitung der Ostbahn (Wien – Budapest) einspeist.
Durch die direkte Einspeisung der Erzeugung in das bahneigene Netz, werden vorhandene erneuerbare Energieressourcen
dort genützt, wo der Bedarf entsteht. Diese direkte Verbindung von Stromerzeugung und Bahnverkehr stellt ein
gelungenes Beispiel für Sektorenkopplung (Power-to-Mobility) dar. So wird das öffentliche Stromnetz entlastet und
Verluste für Umformung und Transport können reduziert werden.
Seite 271 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
66
Modernisierung des Bahnstromnetzes
Neben der Erhöhung des Eigenversorgungsgrades im Bahn- und Drehstrombereich mit erneuerbarer Energie nimmt auch
die Modernisierung des Bahnstromnetzes eine zentrale Rolle in der Energiestrategie ein. Eine Optimierung des
Bahnstromnetzes trägt zur Vermeidung von Netzverlusten und zum Anschluss von Stromproduktion aus erneuerbarer
Energie bei. Die Modernisierung des Bahnstromnetzes bildet unter anderem die Grundlage für
Energieeffizienzmaßnahmen im System Bahn.
Elektrifizierung
Mittels eines mehrstufigen Elektrifizierungsplans soll der Elektrifizierungsgrad bis 2030 auf 85% angehoben werden. Für
Nebenstrecken und Verschubbereiche, deren Elektrifizierung aus wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar ist, soll die
aktuelle Dieselflotte schrittweise durch alternative Antriebstechnologien ersetzt werden. Hierbei ist ein laufender Abgleich
zwischen verfügbarer Technologie und Wirtschaftlichkeit von alternativen Antriebstechnologien im Kontext zu
Elektrifizierungen vorgesehen.
Energieeffizienz
Nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen ist das Thema Energieeffizienz für den ÖBB-
Infrastruktur-Konzern von zentraler Bedeutung. Für die Zukunft stellen Optimierungen im Bereich Gebäude und Anlagen
einen wichtigen Hebel zur Verbesserung der Energieeffizienz dar. Die positiven Resultate zeigen sich in der Reduktion der
Energie- und Anlagenkosten und gleichzeitig dem Schutz der Umwelt durch verminderte Emission von Treibhausgasen.
Beispiele für 2023 gesetzten Maßnahmen:
– Elektrifizierung Zeltweg – Pöls
– Förderbänder Brenner Basistunnel
– Wohnprogramm: Sanierung von 15 Gebäuden
– Erhöhung der Anzahl von Elektrofahrzeugen von 229 auf 305 Stück
Wie in der Energiestrategie definiert, soll die Energieeffizienz in der ÖBB-Infrastruktur AG bis 2030 um 25% erhöht werden.
Kennzahl für die Energieeffizienz ist der Energieeinsatz je zurückgelegtem Zugkilometer im Streckennetz (kWh / Zugkm).
Um das gesetzte Ziel zu erreichen, soll dieser spezifische Energieeinsatz im Jahr 2030 auf 2,15 kWh / Zugkm (bei
Steigerung der Betriebsleistung auf 200 Mio. Zugkm) gesenkt werden. Hierfür ist die Setzung von Energiesparmaßnahmen
mit einer absoluten Einsparwirkung von 75 GWh notwendig.
Um diese Einsparziele zu erreichen, wurden im Jahr 2023 vier langfristige, übergeordnete Projekte gestartet.
Im „Gebäudeoptimierungsplan
” wird die Nutzung der vorhandenen Objekte durch standortweite Nutzungskonzepte
optimiert und in einem weiteren Schritt, sofern technisch, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll, umfassend thermisch
saniert. Im Zuge des Projekts „energieeffiziente Anlagenbereitstellung
” wird die Energieeffizienz der Anlagen an der
Strecke analysiert und Einsparpotentiale identifiziert, um anschließend Maßnahmen zu deren Hebung abzuleiten. Ein
Beispiel hierfür ist die LED-Offensive, welche den Austausch sämtlicher konventioneller Leuchtmittel entlang der Strecke
(Tunnel, Gleisfeld, Verkehrsstationen) bis 2030 forciert. Die erfolgreiche Umsetzung dieses Projekts wird ab dem Jahr 2030
eine jährliche Einsparwirkung von über 20 GWh erzielen. Weiters verfolgt das Projekt „Energieeffizienz im System Bahn
”
ein ähnliches Ziel, nämlich die Evaluierung des IST-Zustandes und die Ableitung von Energieeffizienzmaßnahmen,
bezüglich der Bereitstellung des Bahnstroms für den ÖBB-Konzern und externe Kund:innen. Eine beispielhafte Maßnahme
ist die Substitution rotierender Umformersätze auf statische Umrichter am Standort Kledering. Diese Maßnahme führt zu
einer Verlustreduktion von etwa 8% bei der Umwandlung von Drehstrom in Bahnstrom und reduziert somit die
Bahnstromverluste um jährlich rund 14 GWh. Diese Einsparung kommt aber nicht allein dem Endenergiebedarf der ÖBB-
Infrastruktur AG zugute, sondern reduziert damit auch den Bezug aus dem öffentlichen Netz. Um den Zielerreichungsgrad
bezüglich der strategischen Ziele nachzuverfolgen, soll übergeordnet ein Energiemonitoringsystem implementiert werden.
Ein Konzept hierfür wurde 2023 erarbeitet.
Ausstieg aus ölbefeuerten Heizanlagen bis 2030
Die ÖBB-Infrastruktur AG verfügte Ende 2023 noch über insgesamt 195 ölbefeuerte Heizanlagen in ihren
Bestandsgebäuden. Seit 2019 wurden bereits 64 Anlagen umgebaut.
Die Reihenfolge und die Anzahl der bestehenden ölbefeuerten Heizanlagen, welche bis zum Geschäftsjahr 2030 auf
Alternativenergieträger umgebaut werden, wurde in Abhängigkeit ihres Baujahres festgelegt.
Seite 272 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
67
Folgende alternative Energieträger sind unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und der zu erwartenden
Anschluss-, Installations- und Betriebskosten anstelle der ölbefeuerten Heizanlagen vorgesehen:
– Nah- bzw. Fernwärme – bei Vorhandensein eines örtlichen Verteilungsnetzes
– Wärmepumpen – Umgebungswärme und Strom als Energieträger (Luft / Wasser, Sole / Wasser oder Wasser / Wasser)
mit Fußbodenheizung oder Niedertemperaturkonvektoren
– Biomasse – Feststoffheizungen unter Verwendung des Öltankraumes als Biomassespeicher mit bestehenden
Heizkörpern
– Infrarotpaneele – elektrisch betriebene Heizflächen bei einem sehr geringen Heizwärmebedarf
Ausstieg aus Fossilgas-Heizanlagen bis 2034
Die ÖBB-Infrastruktur AG verfügte Ende 2023 noch über insgesamt 1.212 gasbefeuerte Heizungsanlagen in ihren
Bestandsgebäuden. Seit 2022 wurden bereits 56 Anlagen umgebaut.
Angesichts der politischen Lage und der steigenden Gaspreise folgt nach dem Ausstieg aus Heizöl der Ausstieg aus Erdgas.
Es sind weiterhin Gesetzgebungen und Förderungen zu erwarten, welche den Ausstieg aus fossilem Gas unterstützen.
Dabei bestehen wesentliche Chancen zu Zentralisierungen von Heizsystemen und zum Umstieg auf
Niedertemperatursysteme. Außerdem sind angesichts der Zertifizierungen von Netzstrom und den relativ hohen
Treibhausgasemissionen bei der Verbrennung von Erdgas erhebliche Einsparpotenziale von Treibhausgasemissionen bei
einem entsprechenden Energieträgerwechsel zu erwarten.
Folgende alternative Energieträger sind unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und der zu erwartenden
Anschluss-, Installations- und Betriebskosten anstelle der gasbefeuerten Heizanlagen vorgesehen:
– Nah- bzw. Fernwärme – bei Vorhandensein eines örtlichen Verteilungsnetzes
– Wärmepumpen – Umgebungswärme bzw. Geothermie und Strom als Energieträger (Luft / Wasser, Sole / Wasser oder
Wasser / Wasser) mit Fußbodenheizung oder Niedertemperaturkonvektoren
– Biomasse – Feststoffheizungen mit bestehenden Heizkörpern
– Infrarotpaneele – elektrisch betriebene Heizflächen bei einem sehr geringen Heizwärmebedarf (Einzelraumheizer)
Die ÖBB-Infrastruktur AG bekennt sich trotz der Abschaffung des geplanten Ausstiegs aus Öl und Gas durch die Regierung
dazu, ihren nachhaltigen Kurs fortzusetzen und somit ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Umwelt auf Basis der
Dekarbonisierung zu leisten. Die Pläne für einen umweltfreundlichen Energieträgerwechsel werden weiterhin konsequent
umgesetzt.
Grüne Immobilien
Der Gebäudebestand der ÖBB soll in Hinblick auf mögliche Optimierungspotenziale evaluiert und entsprechend der
konzernweiten Nachhaltigkeitsstrategie sukzessive erneuert werden, damit das Ziel der Klimaneutralität im
Gebäudebereich mit 2040 erreicht werden kann. Neben den technischen Potenzialen werden die strategische Ausrichtung
der Produktportfolios und die verwaltungstechnischen Gegebenheiten berücksichtigt. Es sollen im Rahmen von drei
Pilotprojekten in Bad Aussee (Übernachtungskaserne), Graz (Wagenwaschanlage) und Wörgl (Bürotrakt Zugförderung)
eine Methodik zur ganzheitlichen Bewertung des Bestandes entwickelt, relevante Kennzahlen definiert und Prozesse für
die Auswahl von Energieeffizienzmaßnahmen erstellt werden.
Aufgrund der COVID-19-Situation und der sehr hohen Auslastung der ausführenden Unternehmen sowie der
Lieferengpässe konnten die Umsetzungstermine der Pilotvorhaben nicht eingehalten werden, und es kam daher zu einer
Projektverzögerung. Der Pilotstandort in Bad Aussee wurde im Jahr 2022 fertiggestellt. Die Fertigstellung der weiteren
Bauvorhaben (Wörgl und Graz) ist bis zum Sommer 2024 vorgesehen. Nach Umsetzung der geplanten
Energieeffizienzmaßnahmen wird unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus diesen Pilotvorhaben eine Methodik
entwickelt, um nachweislich ermittelte Optimierungspotenziale darstellen zu können.
Seite 273 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
68
Wichtige Energiekennzahlen auf einen Blick
Energiebedarf
1)
in GWh
2023 2022
Veränderung
Veränderung
in %
Bahnstrom
2)3)
26,6
16,6
10,0
60%
Drehstrom
239,2
239,6
-0,4
0%
Erdgas
60,8
74,8
-14,0
-19%
Fernwärme und Fernkälte
58,6
47,6
11,0
23%
Feste und flüssige Brennstoffe
13,3
18,0
-4,7
-26%
Treibstoff (Schienen- und Straßenfahrzeuge)
68,0
64,5
3,5
5%
Gesamtenergiebedarf
466,5
461,1
5,4
1%
Erneuerbare-Energien-Anteil Bahnstrom in %
100
100
0
0%
Erneuerbare-Energien-Anteil Drehstrom in %
100
100
0
0%
Strom aus unbekannten Quellen in %
0
0
0
0%
1)
Die Zahlen für den Energiebedarf umfassen den gesamten ÖBB-Infrastruktur-Konzern. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2023 folgende Energieträger in die
Berichterstattung zusätzlich mit aufgenommen: Diesel für Verschubloks im Eigentum der ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH, welche an die ÖBB-Infrastruktur AG
vermietet werden. Zusätzlich zu diesen Änderungen kommt es auch zu Sprüngen in den Verbrauchswerten aufgrund unterschiedlicher Witterungsverläufe und
Anlagennutzungen. Bahnstrom-Energieverluste innerhalb der Organisation werden hier nicht abgebildet, sondern im Gesamtkonzern dargestellt (ÖBB
Nachhaltigkeitsbericht 2023).
2)
In der Tabelle der Leistungsindikatoren (Kapitel C.1.) befindet sich der durch die ÖBB-Infrastruktur AG bereitgestellte Bahnstrom. Der Großteil davon wird von
Eisenbahnverkehrsunternehmen (z. B. ÖBB-Personenverkehr AG) zur Traktion von Zügen eingesetzt. Der Bahnstrombedarf in der Tabelle der nichtfinanziellen
Erklärung (Kapitel G.3.) widerspiegelt den Eigenbedarf der ÖBB-Infrastruktur AG für die Bereitstellung der Infrastruktur – ein Beispiel hierfür ist der
Bahnstrombedarf von Weichenheizungen. Dieser ist ein kleiner Teil des insgesamt bereitgestellten Bahnstroms. Folglich weichen die beiden Werte voneinander ab.
3)
Die Erhöhung Bahnstroms ist überwiegend auf die Weichenheizungen zurückzuführen: Hoher Verbrauch während der Kälteperiode im Dezember 2023.
Treibhausgasemissionen
Um die ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen, verfolgt der ÖBB-Konzern eine schrittweise
Dekarbonisierungsstrategie entlang der drei Bereiche Mobilität, Gebäude und Scope-3-Emissionen. Die gesamtheitliche
Steuerung liegt bei der ÖBB-Holding AG, Reduktionsmaßnahmen werden von den Teilkonzernen eingemeldet und
eigenverantwortlich umgesetzt.
Die Einteilung von Treibhausgasemissionen in Scopes basiert auf dem „Greenhouse Gas Protocol
”. Scope-1-Emissionen
umfassen alle direkten Emissionen eines Unternehmens v. a. aus Verbrennungsprozessen (beispielsweise Verbrennung von
Treibstoffen oder Erdgas). Scope-2-Emissionen beinhalten indirekte Emissionen, die durch die Erzeugung
leitungsgebundener Energieträger entstehen – also von eingekauftem Strom, Dampf, Wärme oder Kälte. Scope-3-
Emissionen umfassen alle anderen indirekten Treibhausgasemissionen, die entlang der Wertschöpfungskette eines
Unternehmens verursacht werden (beispielsweise durch beschaffte Waren und Dienstleistungen, bei der Abfallentsorgung
oder durch Geschäftsreisen).
Seite 274 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
69
Treibhausgasemissionen
in t CO
2
-eq
2023 2022
Veränderung
Veränderung
in %
Erdgas
12.196,7
14.993,0
-2.796,3
-19%
Feste und flüssige Brennstoffe
3.204,7
4.714,2
-1.509,5
-32%
Treibstoff (Schienen- und Straßenfahrzeuge)
1)
17.381,0
16.480,2
900,8
5%
Kältemittel
2)
767,4
897,6
-130,2
-15%
SF6
9,4
11,8
-2,4
-20%
Scope 1
33.559,2
37.096,8
-3.537,6
-10%
Bahnstrom
3)
2,1
0,6
1,5
>100%
Drehstrom
4)
81,8
1.164,3
-1.082,5
-93%
Fernwärme und Fernkälte
7.711,0
6.265,1
1.445,9
23%
Scope 2
5)
7.794,9
7.430,0
364,9
5%
Scope 1+2
6)
41.354,1
44.526,8
-3.172,7
-7%
Brennstoff- und energiebezogene Emissionen
14.303,3
Kältemittel
7,8
SF6
0,1
Abfall (gefährliche Abfälle)
7)
61.034,0
Geschäftsreisen (Flugreisen)
227,2
Pendeln der Arbeitnehmer:innen
8)
13.147,4
Vermietete und verleaste Sachanlagen
4.671,9
Restliche Teilkategorien wie Beschaffung von
Kapital- und Verbrauchsgütern bzw. Dienstleistungen
9)
740.000,0-
1.170.000,0
Scope 3
850.000,0-
1.260.000,0
Gesamtemissionen
891.354,1-
1.301.354,1
1)
2023 wurde zusätzlich der Dieselverbrauch für Verschubloks im Eigentum der ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH, welche an die ÖBB-Infrastruktur AG vermietet
werden, in die Gesamtemissionsberechnung miteinbezogen.
2)
Die Werte aus dem Jahr 2022 wurden angepasst.
3)
Die Erhöhung Bahnstroms ist überwiegend auf die Weichenheizungen zurückzuführen: Hoher Verbrauch während der Kälteperiode im Dezember 2023.
4)
Aktualisierter Emissionsfaktor für Drehstrom Scope 2 seitens Umweltbundesamt
5)
Scope -2-market-based Werte. Die marktbasierte Methode (market based) spiegelt Emissionen aus Strom wider, den Unternehmen bewusst – mittels vertraglich
geregelter Instrumente – gewählt haben (z. B. Grünstrom). Die standortbasierte Methode (Scope 2 location based) hingegen spiegelt die durchschnittliche
Emissionsintensität eines Energieträgers in der jeweiligen Region wider (Verwendung durchschnittlicher Emissionsfaktoren, z. B. des jeweiligen Landes).
Die Scope-2-location-based-Werte (Emissionsfaktoren Stand GJ 2023 [AT]) betragen 53.096 t CO
2
-eq. (2023) bzw. 22.380 t CO
2
-eq (2022).
6)
Scope 1 und Scope 2 market based. Für die Berechnung verwendete Emissionsfaktoren entsprechen den jeweils aktuell verfügbaren Emissionsfaktoren des
Umweltbundesamts (Stand 2022). Zusätzlich zu diesen Änderungen kommt es auch zu Sprüngen in den Verbrauchswerten aufgrund unterschiedlicher
Witterungsverläufe und Anlagennutzungen. Emissionen aus biogenen Energieträgern – diese sind nicht in der obigen Tabelle enthalten – betragen für Scope 1
8,6 t CO
2
-eq (2023) bzw. 3,5 t CO
2
-eq (2022).
7)
THG-Bewertung gefährlicher Abfälle.
8)
Bewertung THG-Emissionen über Modellrechnung des Umweltbundesamtes.
9)
Angabe einer Bandbreite: Scope-3-Emissionen aus der Beschaffung v. a. von Kapital- und Verbrauchsgütern und von Dienstleistungen derzeit auf Basis einer
Grobberechnung aus 2017 für 2023 hochgerechnet. Der Wert variiert jährlich in Abhängigkeit des tatsächlichen Beschaffungsvolumens (v. a. Bauinfrastruktur,
Fahrzeugbeschaffung). Für folgende Teilkategorien liegen bereits detaillierte Basisdaten und auch THG-Emissionen für 2023 vor: brennstoff- und energiebezogene
Emissionen, Kältemittel, SF6, Abfall (gefährlicher Abfall), Geschäftsreisen (Flugreisen), Pendeln der Arbeitnehmer:innen, vermietete und verleaste Sachanlagen.
Hinweis: An der Erhebung von Basisdaten zur weiteren Detaillierung der restlichen Scope-3-Emissionen wird schon gearbeitet. Die Darstellung weiterer wesentlicher
Scope-3-Teilkategorien erfolgt schrittweise.
Kältemittel und SF6
Klimaanlagen werden in der ÖBB-Infrastruktur AG für Gebäudekühlung (z. B. Büros), zur Kühlung von Technikräumen
(Telekommunikation, Leit- und Sicherungstechnik etc.) sowie in Tunnelbauwerken (Querschläge, Notausgangsbauwerke
etc.) eingesetzt. Die Kältemittel sind für die Aufrechterhaltung des Betriebes der Klimaanlagen notwendig und werden im
Zuge der Inbetriebnahme gefüllt, hermetisch abgedichtet und verbleiben bis zum Abbruch der Klimaanlage im System. Im
Zuge eines Rückbaues werden die Kältemittel aus dem System abgesaugt und den rechtlichen Erfordernissen entsprechend
entsorgt. Die Klimaanlagen werden regelmäßig gewartet und nach gesetzlich vorgeschriebenen Erfordernissen periodisch
geprüft. Kommt es während des Betriebes zu Undichtheiten im Kältekreis der Klimaanlage, so müssen diese Kältemittel
für den einwandfreien Betrieb der Klimaanlagen ersetzt und somit nachgefüllt werden.
Im Bereich von Mittelspannungsschaltanlagen 50 Hz und Hochspannungsschaltanlagen 16,7 Hz ist der ÖBB-Infrastruktur-
Konzern u. a. auf die Verwendung von Schwefelhexafluorid (SF6-Gas) angewiesen. Die kompakte Bauweise und die
Unempfindlichkeit dieser Anlagen gegenüber äußeren Einflüssen sind vor allem beim Einsatz in Tunnelprojekten (z. B.
Semmering-Basistunnel, Koralmtunnel etc.) von essenzieller Bedeutung. Mittels Dichtewächter wird die Gasdichte in
elektrischen Geräten überwacht. Bei einem Unterschreiten der vorgegebenen Gasdichte als Folge von Undichtheiten am
SF6-Anlagenteil meldet das Gerät Gasverlust. SF6-gasisolierte Schalter sind nach dem Stand der Technik gebaut und
betriebssicher. Im Regelbetrieb treten kaum Emissionen auf, da es sich um geschlossene Systeme handelt und somit
Gasverluste nicht höher als 1% des Gesamtvolumens sind.
Seite 275 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
70
Scope 3
Die konzernweite Erfassung und Reduktion der Scope-3-Emissionen erforderten ein strukturiertes Vorgehen. Dieser
Prozess erfolgt zentral gesteuert durch die ÖBB-Holding AG und unter Mitwirkung der ÖBB Teilkonzerne. Einige dieser
Scope-3-Emissionen sind mit gezielten Maßnahmen gut direkt von den ÖBB beeinflussbar, bei anderen sind die ÖBB vom
Markt und / oder von technologischen Entwicklungen abhängig. Deswegen werden unterschiedliche Anwendungstiefen
für mögliche Scope-3-Treibhausgas-Reduktionsziele festgelegt. Im Gegensatz zum ÖBB-Konzern, für den acht der fünfzehn
Scope-3-Teilkategorien des Greenhouse Gas Protocols relevant sind, sind für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern sieben Scope-
3-Teilkategorien wesentlich. Die Teilkategorie „Transport und Verteilung” ist für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern nicht
wesentlich. Vier dieser sieben Teilkategorien werden bereits seit 2021 mit der konzernweiten THG-Bilanz detailliert
berichtet, die restlichen Teilkategorien werden vorerst in einer Bandbreite dargestellt. Die Erweiterung mit Detaildaten ist
schrittweise geplant. An der Ermittlung der Datengrundlage für die Vertiefung dieser restlichen Scope-3-Teilkategorien
wird gearbeitet. 2023 wurde mit der Erarbeitung erster konzernweit strategischer Stoßrichtungen zur Reduktion von
Scope-3-Emissionen begonnen. Erste Maßnahmen (z. B. bezüglich nachhaltiger Beschaffung oder Kompensation von
dienstlich notwendigen Flugreisen) werden bereits laufend umgesetzt.
Fuhrparkmanagement
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern nutzt zum 31.12.2023 eine Flotte von 3.370 Kraftfahrzeugen und 2.222
schienengebundenen Fahrzeugen. Durch Bündelung der Agenden des Fuhrparkmanagements in der Tochtergesellschaft
Rail Equipment GmbH & Co KG wird ein effizienter Einsatz der Ressourcen sichergestellt. Die Rail Equipment GmbH &
Co KG ist Fuhrparkmanager, Fahrzeugkomplettanbieter und Servicedienstleister für straßengebundene Fahrzeuge des
ÖBB-Konzerns und schienengebundene (Spezial-)Fahrzeuge des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Die Rail Equipment GmbH &
Co KG unterstützt ein Gesamtmobilitätsangebot für Bahn- und Buskund:innen (erste / letzte Meile).
Carsharing
Durch ein konzerninternes Carsharingangebot wird die Auslastung der Dienstkraftfahrzeuge optimiert. Derzeit stehen den
Mitarbeiter:innen 553 Fahrzeuge an über 100 Stationen für dienstliche Fahrten zur Verfügung.
Davon stehen unter der Marke „ÖBB Rail&Drive” an 48 Stationen 400 Fahrzeuge, davon 57 Elektrofahrzeuge, und 25
Elektroladestationen den Bahnkund:innen zur Verfügung. Die Zielsetzung ist eine Vereinfachung des Zugangs zum System
Bahn, die Erhöhung der Kund:innenzufriedenheit sowie die Steigerung der intermodalen Wettbewerbsfähigkeit. Aufgrund
der positiven Entwicklung wird das Carsharingangebot laufend weiterentwickelt sowie durch Kooperationen ausgebaut
und erweitert.
Seite 276 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
71
ÖBB Rail&Drive-Standorte
E-Mobility
Elektromobilität soll die Funktionalität der Verkehrsstation als multimodalen Mobilitätshub erweitern. Dabei wird die
Anzahl der E-Pkw in den nächsten Jahren maßgeblich steigen. So konnte der CO
2
-Ausstoß in den vergangenen Jahren
durch die laufende Erneuerung des Fuhrparks kontinuierlich verringert werden. Mit Ende 2023 sind fast ausschließlich
Fahrzeuge mit Euro-6-Motoren in Betrieb, die E-Fahrzeugflotte wird laufend erweitert.
Um diese positive Entwicklung weiter voranzutreiben, wird in der Beschaffung von Kraftfahrzeugen ein besonderes
Augenmerk auf die Ökologisierung des Fuhrparks gelegt. Es wurden Kriterien für Emissionen (sowohl CO
2
als auch NO
X
)
und Treibstoffverbrauch vorgegeben und bewertet. Damit wird gewährleistet, dass der Kfz-Fuhrpark des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns auch zukünftig ökologisch ausgerichtet und mit modernster Motorentechnologie ausgestattet ist.
Nach Möglichkeit werden vorzugsweise Elektro- bzw. Hybridfahrzeuge beschafft.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern betreibt für die ÖBB zum Ende des Geschäftsjahres 2023 305 Elektrofahrzeuge. Darüber
hinaus sind derzeit 126 Elektrofahrräder in Verwendung. Die Dekarbonisierung der Kfz-Flotte wird durch vermehrten
Einsatz von Fahrzeugen mit alternativer Antriebstechnologie vorangetrieben. Um eine weitere Senkung des CO
2
-Ausstoßes
zu erreichen, ist bis Ende 2024 eine Vergrößerung der Elektrofahrzeugflotte auf bis zu 540 Fahrzeuge im Gesamtkonzern
geplant.
Schienenfahrzeuge
Zur Sicherstellung der Anlagenverfügbarkeit, der Durchführung von Instandhaltungs- und Montagearbeiten sowie der
sicheren Betriebsführung, werden im Bestandsnetz schienengebundene Fahrzeuge eingesetzt. Da in den nächsten Jahren
einzelne Fahrzeugtypen das Ende der technischen Lebensdauer erreichen, wurden umfangreiche Beschaffungsprogramme
gestartet.
Es handelt sich dabei um die Beschaffung von
– 50 Hochleistungsinstandhaltungsfahrzeugen und sechs Steuerwagen,
– 18 Servicejets sowie
– 90 Schotterwagen,
die in den Jahren 2023 bis 2028 geliefert werden.
Durch diese Beschaffungen können bestehende dieselbetriebene Schienenfahrzeuge substituiert werden. Die Fahrzeuge
sind mit einem innovativen Elektro-Hybrid-Antrieb ausgestattet, wodurch künftig eine wesentliche Reduktion des
Treibstoffverbrauchs erreicht werden kann.
Seite 277 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
72
Wichtige Kennzahlen zum Fuhrpark auf einen Blick
Fuhrpark ÖBB-Infrastruktur-Konzern
in Stück
2023 2022
Veränderung
Veränderung
in %
Anzahl Schienenfahrzeuge
2.222
2.169
53
2%
Anzahl Lkw bis 3,5 Tonnen
139
136
3
2%
Anzahl Lkw 3,5 bis 5,0 Tonnen
17
17
0
0%
Anzahl Lkw ab 5,0 Tonnen
25
26
-1
-4%
Anzahl Kraftfahrzeuge gesamt
3.370
3.313
57
2%
Anzahl Fahrzeuge mit Emissionsklasse Euro 4
0
3
-3
-100%
Anzahl Fahrzeuge mit Emissionsklasse Euro 5
23
33
-10
-30%
Anzahl Fahrzeuge mit Emissionsklasse Euro 6
3.347
3.277
70
2%
davon Anzahl E-Fahrzeuge mehrspurig
305
229
76
33%
Anpassung an den Klimawandel
Die klimatischen Änderungen, seien es Änderungen des Niederschlagsmusters (intensiverer Niederschlag, Regen, Schnee
etc. in einem bestimmten, tendenziell kürzeren Zeitintervall), der Anstieg der Durchschnittstemperaturen, die Zunahme an
Windgeschwindigkeiten oder die Änderung in Bezug auf Häufigkeit und Intensität von Wetterereignissen, können sich
auch auf den gesamten Bahnkörper sowie auf das bahnnahe Umfeld (Böschungen, Lehnen, Wildbach- und
Lawineneinzugsgebiete, forstlicher Bewuchs etc.) und damit letztendlich auf den Bahnbetrieb auswirken. Die sichere
Bahnbetriebsführung, ein Optimum an Streckenverfügbarkeit und die Minimierung von Anlagenstörungen sind eine
Grundvoraussetzung, damit die ÖBB ihre Mobilitätsdienstleistungen anbieten können. Auch die Bahninfrastruktur muss
sich daher an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen. Um die Anpassung an den Klimawandel bestmöglich zu
unterstützen, ist neben der Umsetzung von Präventivmaßnahmen auch die Etablierung von Monitoring- und
Frühwarnsystemen von großer Wichtigkeit.
Zielsetzungen
– Gezielte Entwicklung und Erweiterung von geeigneten Vorbeugemaßnahmen
– Einführen von bedarfsgerechten Monitoring- und Frühwarnsystemen, um Gefahren frühzeitig und rasch zu erkennen
und effizient zu informieren
– Umsetzung der bereits definierten einheitlichen Vorgehensweise bei Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten im Gleis
bei hohen Temperaturen
– Erhalt und Pflege der Fläche an bewirtschaftetem Schutzwald
– Bedarfsgerechtes Anlagenmanagement bei Steinschlag-, Wildbach- und Lawinenverbauungen
Wesentliche Grundlagen für die Anpassungs- und Verminderungsmaßnahmen sowohl im organisatorischen als auch im
technischen wie im normativen Bereich wurden bereits 2012 im Rahmen des Forschungsprojektes „KLIWA” gemeinsam
mit dem Umweltbundesamt und dem Institut für Meteorologie der Universität für Bodenkultur gelegt. Weitergeführt
wurden die Forschungsarbeiten im Zuge der Verkehrsinfrastrukturforschung mit dem Projekt „clim_ect, Klimawandel und
Auswirkungen auf Naturgefahren
”, das 2021 abgeschlossen wurde. Mithilfe der Projektergebnisse können Aussagen zur
Eintrittswahrscheinlichkeit eines wetterbedingten Schadensereignisses getroffen werden. Dies gelingt mit der
Überschneidung der meteorologischen Daten inklusive Wetterbeobachtungen und einer konkreten kleinräumigen
Bezugsebene. Damit können zukünftig Gefährdungskorridore auf der Schieneninfrastruktur identifiziert und präventive
Handlungen gesetzt werden. Außerdem wurde 2021 ein weiteres Projekt zur Anpassung an den Klimawandel, zur
Prognose von Extremwetterereignissen und zu den Auswirkungen des Klimawandels auf das Primärenergiedargebot zur
Versorgung des Bahnverkehrs gestartet.
Je nach regionalen und lokalen Gegebenheiten können insbesondere kleinräumige, stärkere Niederschlagsereignisse, wie
diese vor allem in Kombination mit Gewittern auftreten, vermehrt zu Muren oder Hangrutschungen führen. Punktuelle
Aussagen zu klimawandelbedingten Veränderungen sind jedoch sehr schwierig zu treffen, da speziell diese lokal
begrenzten Extremwetterereignisse, die große Folgeschäden nach sich ziehen, nur schwer vorhergesagt werden können.
Hingegen können länger andauernde Niederschlagsereignisse zu Hochwasser und Überschwemmungen führen. Diese
Wetterereignisse sind im Gegensatz zu kleinräumigen, stärkeren Ereignissen infolge ihrer großen flächenhaften
Ausprägung deutlich besser und auch früher zu prognostizieren.
Für die Dimensionierung von Entwässerungsanlagen werden Niederschlagsdaten verwendet, die möglichst aktuell sein
sollten und auch laufend aktualisiert werden. Diese Niederschlagsdaten werden vom Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft per Internetabfrage bezogen
48
.
48
eHYD – der Zugang zu hydrographischen Daten Österreichs.
Seite 278 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
73
Auch Schäden an Bahnanlagen und Streckenunterbrechungen durch Stürme sind künftig vermehrt möglich. Zudem
können durch Hitze- und Wasserstress oder durch Schädlinge die Schutzfunktion der Wälder beeinträchtigt werden. Das
Naturgefahrenmanagement umfasst dabei auch forstliche Tätigkeiten zur Sicherstellung der Schutzwaldfunktion in den
alpinen Bereichen sowie zur Gewährleistung eines sicheren und ungestörten Bahnbetriebs, da ungeeigneter Bewuchs im
Bahnumfeld den Bahnbetrieb negativ beeinflussen kann. Insgesamt besitzt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern 4.239 ha Wald
in ganz Österreich (davon 3.370 ha Schutzwald, der weiterhin gleichbleibend groß ist).
Um die Bahninfrastruktur vor Hangrutschungen, Muren oder Lawinen zu schützen, sind ein funktionsfähiger und stabiler
Schutzwald sowie Steinschlag-, Wildbach- und Lawinenverbauungen von großer Bedeutung.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2023
2022
Steinschlag- und Lawinenverbauungen in km
212
204
Wildbachverbauung in km
2,1
1,8
Ein weiteres mögliches Risiko sind Gleisverwerfungen, welche sich in Zukunft aufgrund der Zunahme an Hitzetagen und
steigenden Tageshöchsttemperaturen erhöhen könnten. Entsprechende Vorbeugemaßnahmen wie etwa der Versand von
Hitzewarnungen über das Wetterwarnsystem infra:wetter sowie darauf basierende Maßnahmen zur Schadensvorbeugung
und ein einheitlich definiertes Vorgehen bei Arbeiten im Gleis wurden bereits gesetzt. Im Hinblick auf den Klimawandel
sind insbesondere jene Maßnahmen von Bedeutung, die darauf abzielen, auf mögliche Folgewirkungen vorbereitet zu
sein. Effektive Präventivmaßnahmen oder auch Monitoring- und Frühwarnsysteme, welche aufkommende Gefahren
frühzeitig erkennen und rasch und effizient darüber informieren, sind in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung.
Auf diese Weise können rechtzeitig die notwendigen Schritte eingeleitet und mögliche Schäden abgewehrt bzw.
vermindert werden. Dadurch wird ein entscheidender Beitrag für die sichere Bahnbetriebsführung sowie ein Optimum an
Streckenverfügbarkeit geleistet.
Im Folgenden werden einzelne Maßnahmen beschrieben.
Infra:wetter
Infra:wetter ist ein streckenbezogenes Wetterwarnsystem, das den User:innen Informationen über Großwetterlagen und
regionale meteorologische Verhältnisse sowie auch eine Vorschau auf die kommenden 72 h bietet. Zusätzlich können über
infra:wetter Warnungen, beispielsweise Starkregen, Gewitter, Schneemengen, Stürme etc. in verschiedenen
Intensitätsstufen per E-Mail oder SMS versendet und den Nutzer:innen je nach Anforderungswünschen an Warnstufen
und Sendezeiten zugestellt werden. Damit kann eine bestmögliche Vorbereitung und Planung auf die vorhergesagten
Wetterszenarien erfolgen.
Die Wetterdaten, welche teilweise auch von ÖBB-eigenen, bahnstreckenspezifisch angeordneten, Wetterstationen
bezogen werden, werden von einem privaten Wetterdienst aufbereitet und auf der ÖBB-eigenen infra:wetter-Plattform
zur Verfügung gestellt. Alle Berechtigten haben so jederzeit Zugriff auf aktuelle meteorologische Informationen. Neben
einzelnen Wetterstationsdaten können auch Radardaten abgefragt und angezeigt werden. In einer eigenen
Verfahrensanweisung ist der Versand von laufend aktuellen Wetterwarnungen per SMS und E-Mail geregelt.
Da eine Zunahme der Extremwetterereignisse wie etwa extreme Temperaturspitzen im Winter und im Sommer sowie
kurzfristigeres Auftreten von abwechselnden Wetterlagen, insbesondere bei Starkregen und Stürmen sowie bei Gewittern,
beobachtet werden, sind für das infra:wetter folgende Weiterentwicklungsmaßnamen bereits umgesetzt worden:
– Entwicklung einer mobilen infra:wetter-Version
– Vorhersagen für Schneeverwehungen und möglichen Windbruch bei Bäumen
– Einführung von Schwellenwerten für Hitzewarnungen in den Sommermonaten
– Bedarfsgerechte Anpassungen der derzeitigen Schwellenwerte für die unterschiedlichen Warnungen aufgrund von
Analysen und Auswertungen
Die ÖBB-eigenen, bahnspezifisch angeordneten, Wetterstationen werden bedarfsgerecht ausgebaut. So wurde dieses
Netz an Wetterstationen im Jahr 2022 um die Stationen in den Bereichen Hermagor und Rosenbach, jeweils in Kärnten,
erweitert. Dadurch können genauere Wettervorhersagen für die zugeordneten Bahnstrecken erzielt werden.
Das VIF-Projekt „INGEMAR” (Intelligentes Naturgefahrenmanagement und Risikobeurteilung) wurde mittlerweile
erfolgreich abgeschlossen. Die Ergebnisse, vor allem die Verknüpfung von Wetterdaten mit der Zustandsbeurteilung von
technischen Lawinenschutzverbauungen sowie Schutzwaldbeständen werden aktuell im ÖBB Lawinenwarndienst
angewendet. An INGEMAR schließt nahtlos das VIF-Projekt „KlimZug
” (Klimawandelanpassung im Zugverkehr durch
Prognose von Extremwetterereignissen und klimawandelbedingter Änderungen im Energiedargebot) an. Von 2022 bis
2024 wird die Prognose von Extremwetterereignissen untersucht und verbessert.
Seite 279 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
74
Naturgefahrenhinweiskarte
In der Naturgefahrenhinweiskarte werden entlang des Streckennetzes der ÖBB-Infrastruktur AG die Ergebnisse der
bundesweit standardisierten und objektiv erhobenen potenziellen Gefährdungsbereiche durch Naturgefahren,
insbesondere von Steinschlag und Wildbachereignissen, dargestellt.
Für jene Strecken, für die eine generelle Exposition aus Naturgefahrenprozessen vorliegt, werden die Einzugsgebiete der
unterschiedlichen Prozesse sowie vorhandene Schutzverbauungen mit standardisierten Aufnahmeblättern erhoben und
dokumentiert. Den Felderhebungen werden numerische semiquantitative Einwirkungsberechnungen vorangestellt, im
Zuge der Vororterhebung werden eventuell ergänzende Feststellungen vorgenommen. Zusammen mit der Exposition des
Bauabschnittes gegenüber dem Naturgefahrenprozess wird je potenzieller Gefahrenstelle eine Hinweiskategorie
kommissionell durch eigene Fachleute der ÖBB-Infrastruktur AG festgelegt. In Bezug auf Wildbachprozesse werden
zusätzlich die Bahndurchlässe in ihrer Form und Größe aufgenommen, da diese darüber entscheiden, ob Ereignisse ohne
Schäden verlaufen.
Die vollständige Erhebung der potenziellen Gefahrenstellen an den in Bezug auf Naturgefahren sensibelsten
Streckenabschnitten ist für die Prozesse Steinschlag und Wildbach bis Jahresende 2019 abgeschlossen worden. 2022
wurde die Naturgefahrenhinweiskarte fertiggestellt, inklusive der kommissionellen Festlegungen der Hinweiskategorien
und daraus allenfalls erforderlichen Maßnahmendefinitionen. In den kommenden Jahren soll die
Naturgefahrenhinweiskarte im Zuge des regelmäßigen Prozesses der Anlagenerrichtung und Anlageninstandhaltung
bedarfsgerecht fortgeschrieben werden. Gleiches gilt auch für den inhaltlichen Abgleich mit Gefahrenzonenplänen der
Wildbach- und Lawinenverbauung.
Dieser strategische Überblick dient als Grundlage, um präventiv risikoreduzierende Maßnahmen, die technisch oder
organisatorisch sein können, zu implementieren. Aufgrund der fünfstufigen Kategorisierung ist eine bedarfsgerechte
Prioritätenreihung möglich. In Kombination mit den infra:wetter-Warnungen können gezielt lokale kurzfristige betriebliche
Entscheidungen an Maßnahmensetzungen getroffen werden. Die Naturgefahrenhinweiskarte ist somit auch in Bezug auf
klimatische Änderungen eine wichtige Wissensgrundlage, um den hohen Sicherheitsstandard hinsichtlich des Schutzes vor
Naturgefahren zu erhalten.
Um unerwartet auftretende Schäden und Beeinträchtigungen am Streckennetz der ÖBB künftig besser abschätzen zu
können, wurde ein innovatives Pilotprojekt umgesetzt. Im Rahmen dieses Projekts werden künftig Drohnengaragen über
das Streckennetz verteilt. Die eingesetzten Drohnen senden Echtzeitbilder vom Zustand des betroffenen
Streckenabschnitts. Dies kann zu Zeiteinsparungen durch verkürzte Bearbeitungszeiten und die Minimierung von
Streckensperren führen.
Hochwasserbetroffenheit
In Plänen werden im Sinne der Betriebssicherheit und Streckenverfügbarkeit jene Streckenabschnitte dargestellt, an denen
für die Bahnstrecken in Österreich eine potenzielle Hochwasserbetroffenheit besteht. Bei den konkret betroffenen
Streckenabschnitten ist ein technisches Maßnahmenkonzept (Machbarkeitsstudie) hinterlegt, um als Grundlage für mittel-
und langfristige Planungsprojekte zur Verfügung zu stehen. Die Inhalte der Hochwasserbetroffenheit bilden dabei auch
eine wesentliche Grundlage für die Bewertung von Hochwasserschutzprojekten von Dritten, die einen Einfluss auf die
Bahn haben können. Unter anderem werden die Pläne bei den Verhandlungen von Beitragszahlungen mit Dritten
herangezogen.
Vom Bund und den Bundesländern sowie diversen Ziviltechnikerbüros wurden und werden die aktuellen
Abflussuntersuchungen entlang des gesamten Streckennetzes eingeholt, für die Fragestellungen des ÖBB-Konzerns
ausgewertet und – sofern entsprechend plausibilisiert – intern dargestellt. Dazu werden die Hochwasseranschlagslinien
und deren absolute Wasserspiegellage in Bezug zur Höhe des Bahndammes bzw. der Schienenoberkante verglichen. Bei
Bedarf werden mögliche Schutzmaßnahmen wie etwa Dammsicherungen, Retentionsräume etc. vorgeschlagen.
Sind infolge der Geländesituation und des Verlaufs der Bahntrasse keine oder nur verhältnismäßig umfangreiche bauliche
Maßnahmen zum Schutz der Bahn erforderlich, werden punktuell auch Hochwasserpegel errichtet. Diese sind in der Lage,
den Hochwasserstand zu messen, welcher per Fernübertragung sodann jederzeit am PC abgelesen werden kann. Ein
Beispiel hierfür ist an der Strecke Salzburg – Wörgl im Bereich Pass Lueg vorzufinden.
Um für den Klimawandel präventiv vorzubeugen, wurde auch eine zusätzliche Bestimmung für die Dimensionierung von
Bahndurchlässen im Regelwerk der ÖBB-Infrastruktur AG aufgenommen. Bei derartigen Anlagen in Strecken der Ränge S
+
,
S und 1 ist ein Zuschlag von 10% auf die Bemessungswassermenge zu berücksichtigen. Dadurch wird eine Reserve für
zunehmende klimawandelbedingte Hochwasserabflussmengen geschaffen.
Seite 280 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
75
Präventive Baumentfernung – „Bahnbegleitwald“
Das Ziel der präventiven Baumentfernung liegt darin, die Beeinträchtigung der Bahn durch umstürzende Bäume oder
herabbrechende Baumteile bei Starkwindereignissen, Schnee und Eis bestmöglich zu reduzieren und damit die
Verfügbarkeit und Sicherheit weiter zu steigern.
Durch Auswertungen von Lichtraumscannerdaten werden Streckenabschnitte mit sehr nahe an der Bahn befindlichen
Bäumen detektiert. Unter Berücksichtigung des aktuellen Baumzustandes werden die Streckenabschnitte ausgewählt, an
denen im Folgejahr die Bäume gefällt werden. Dies geschah 2023 bei Bahnbegleitwald entlang von ca. 105 km Strecke.
Steinschlagschutz
Durch den Klimawandel können auch Steinschläge zunehmen. Dies vor allem durch steigende Niederschlagsmengen,
welche nach dem Einsickern in den Untergrund einen erhöhten Wasserdruck auf das Gestein ausüben können. Neben der
Errichtung von Steinschlagschutznetzen wird aktuell auch die sogenannte Lichtwellenleitertechnologie in der Detektion
von Steinschlägen getestet. Lichtwellenleiter inklusive der dazugehörigen Geräte zur Auswertung können Steinschläge im
Gleisbereich durch Messung des Steinschlagimpulses in den Untergrund erkennen und eine Warnmeldung per SMS oder
E-Mail senden.
Hangrutschgefahr
Im Jahr 2023 wurden im Zuge eines FFG-Forschungsprojekts Möglichkeiten für die Detektion von seichtgründigen und
flächigen Hangrutschungen entwickelt. Damit könnte es zukünftig möglich sein, Rutschungen bis zu einer
Längenausdehnung von 100 bis max. 200 m in Echtzeit zu detektieren und organisatorische Maßnahmen (z. B.
Langsamfahren oder Gleissperren) zu treffen.
Ressourcenmanagement, Abfall, Fläche / Boden
Der achtsame und nachhaltige Umgang mit Ressourcen steht im Fokus des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Neben
Kreislaufwirtschaft gewinnen auch die Themen „Flächeninanspruchnahme”, „Bodenversiegelung” und „Nachhaltige
Nutzungsformen” für nichtbetriebsnotwendige Bahnflächen weiterhin stark an Bedeutung. Der Bodenverbrauch liegt in
Österreich laut Regierungsprogramm weit über dem Zielwert. In den letzten Jahren ist das Straßennetz täglich um mehrere
Hektar gewachsen, während das Schienennetz im Gegenzug geschrumpft ist. Dabei ist Eisenbahninfrastruktur eine äußerst
flächensparende Form der Transportinfrastruktur. Während man im motorisierten Individualverkehr pro beförderter Person
100 m² Verkehrsfläche braucht, sind es bei der Bahn nur 7 m²
49
. Im Güterverkehr ist der Flächenbedarf pro Kilometer
Streckennetz auf der Straße dreimal höher als auf der Schiene
50
.
In Österreich ist das Straßennetz rd. 23-mal länger als das Schienennetz.
Die Gesamtfläche, die in Österreich für Verkehrsflächen versiegelt ist, beträgt rd. 2.079 km
2
(das entspricht der fünffachen
Fläche des Bundeslandes Wien) bzw. die gesamte Fläche von Osttirol, wobei der Straßenverkehr 96% in Anspruch nimmt
51
.
Der Anteil der ÖBB-Verkehrsfläche an der Gesamtverkehrsfläche in Österreich beträgt dabei nur 2,5%
52
.
Zielsetzungen
– Die Reduktion der Flächeninanspruchnahme und insbesondere der Bodenversiegelung ist ein wichtiges Umweltziel für
den ÖBB-Konzern.
– Das Sekundärrohstoffmanagement soll forciert werden, um optimal mit den vorhandenen Abfällen umzugehen.
– Rohstoffe, Materialien sowie Produkte sollen soweit möglich effizient und nachhaltig eingesetzt und chemische
Stoffe / Schadstoffe auf ein umsetzbares Mindestmaß reduziert werden.
– Der ÖBB-Konzern möchte eine Vorreiterrolle im Bereich einer effektiven Kreislaufwirtschaft einnehmen und die
Transformation Österreichs zu einer nachhaltigen Wirtschaft unterstützen.
49
Allianz pro Schiene: Flächenverbrauch nach Verkehrsmitteln (06 / 2020).
50
Verband der Anschlussbahnunternehmen (VABU).
51
Statistik Straße und Verkehr, BMK 2023.
52
Statistik Austria 2023 und Schienencontrol GmbH.
Seite 281 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
76
Fläche
Flächenbilanz der ÖBB-Infrastruktur AG*) in km²
2023
2022
Gesamtfläche
188,7
189,4
Verwaltete Gebäudenettogrundfläche aller Gebäude (inkl. Verkehrsstationen)
8,4
8,3
Nettogrundfläche der Gebäude (ohne Verkehrsstationen)
2,6
2,6
Sonstige Freiflächen (Gärten, Wiesen, Böschungen etc.)
6,9
6,9
Park & Ride-Anlagen
1,3
1,3
*) Flächen in Verwaltung der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH.
Um die Landbedeckung und Nutzungspotenziale aller Bahngrundflächen, die sich im Besitz des ÖBB-Infrastruktur-
Konzerns befinden, besser abschätzen zu können, wurde mit dem Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und
Naturschutzplanung, Department Raum, Landschaft, Infrastruktur der Universität für Bodenkultur das Projekt
„Potenzialflächenanalyse“ durchgeführt, welches im Jahr 2021 abgeschlossen werden konnte.
Mittels diverser Satellitendaten und öffentlich verfügbarer Datenbanken, konnte ein genaues Bild der Landbedeckung auf
Bahngrund geschaffen werden. Fast 24.000 Grundstücke auf insgesamt über 18.800 ha in ganz Österreich wurden
analysiert.
Versiegelt: Park- und Verkehrsflächen, Gebäude; Semiversiegelt: Bahnschotterkörper, Schotterflächen; Unversiegelt: Grünland, Ackerland, Wald und Strauchflächen,
Gärten.
Quelle: Schauppenlehner, T., Hainz-Renetzeder, C., Lux, K., Frühwirth, R. (2022): Ermittlung der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Potentiale von ÖBB
Freiflächen – Endbericht. Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung, Universität für Bodenkultur, Wien. 75 S (im Auftrag der ÖBB-
Infrastruktur AG).
In Summe besitzt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern mehr unversiegelte Wald- und Wiesenfläche als versiegelte
Verkehrsfläche. Besonders hohe Waldanteile gibt es in den Bundesländern Tirol, Vorarlberg und Kärnten aufgrund der
wichtigen Schutzwaldfunktion für die Schieneninfrastruktur in den alpinen Streckenbereichen. In waldarmen Regionen
wie dem Burgenland, erhöhen die bahnbegleitenden Wälder auf Bahngrund die Landschaftsvielfalt. Aufgrund der höheren
Schienennetzdichte, der Hochleistungsstrecken und größeren Bahnhöfe finden sich in den Bundesländern Wien,
Niederösterreich und Oberösterreich hohe Bahntrassenanteile. In den Bundesländern Salzburg und Vorarlberg machen
auch Wasserflächen einen nennenswerten Anteil des Bahngrundes aus, da sich dort die großen Wasserkraftspeicherseen
für die Bahnstromproduktion befinden.
Darüber hinaus wurden verschiedene Fallbeispiele zur extensiven, nachhaltigen Landnutzung, wie Urban Gardening,
Beweidung, Energieerzeugung, etc. erarbeitet und visualisiert. Für 2024 ist eine Aktualisierung der Flächenbilanz geplant.
Seite 282 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
77
Abfallwirtschaft und Ressourcenmanagement
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist als Bauherr von großen Infrastrukturvorhaben, aber auch im Zuge der Instandhaltung
von bestehenden Infrastrukturanlagen einer der größten Abfallerzeuger in Österreich.
Abfallwirtschaftliche Systemabgrenzung
Abfallart, -herkunft, -menge und -verbleib werden vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern als Abfallbesitzer (Abfallersterzeuger)
entsprechend der abfallrechtlichen Vorgaben gemäß § 17 Abfallwirtschaftsgesetz 2002 (AWG 2002) dokumentiert. Dies
erfolgt über interne Prozesse und Systeme (Verfahrens- und Arbeitsanweisungen, Umweltinformationssystem, EDM-
Meldungen, AlSAG-Meldungen etc.) je Kalenderjahr.
Die abfallrechtlichen Verpflichtungen enden gemäß aktuell gültigem Abfallwirtschaftsgesetz mit der Übergabe der Abfälle
an befugte Sammler:innen und Behandler:innen und der expliziten Beauftragung der umweltgerechten Verwertung oder
Beseitigung dieser Abfälle. Alle weiteren Verwendungsschritte, sprich die tatsächliche Verwertung oder Beseitigung bzw.
Behandlung der Abfälle gemäß der Abfallhierarchie im Abfallwirtschaftsgesetz (Vorbereitung zur Wiederverwendung,
Recycling, sonstige Verwertung und Beseitigung), obliegen den befugten Sammlern und Behandlern.
Anfallender Abfall und abfallbezogene Auswirkungen
Die wesentlichen Materialinputs ergeben sich aus den Hauptaufgaben des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns: dem Planen, Bauen
und Betreiben von Bahninfrastrukturanlagen. In diesem Zusammenhang ist die ÖBB-Infrastruktur AG bestrebt, Materialien
nachhaltig einzusetzen, indem deren Wiederverwertbarkeit im Vordergrund steht. An erster Stelle steht der Gleisschotter
(Oberbauschotter), von dem pro Jahr etwa 700.000 t eingekauft werden. An zweiter Stelle stehen Betonschwellen mit
etwa 130.000 t pro Jahr. Den mengenmäßig drittwichtigsten Input stellen die Schienen mit etwa 36.000 t pro Jahr, die
zur Gänze wiederverwendet werden können. Durch die Definition der zu verwendenden Materialien, insbesondere der
Verwendung von Betonschwellen an Stelle von getränkten Holzschwellen, können all diese Stoffe am Ende ihrer
Lebensdauer zu einem überwiegenden Teil wiedereingebaut bzw. recycelt werden.
Abfälle aus eigenen Aktivitäten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ergeben sich ausschließlich im Zuge von großen
Bauvorhaben anhand von Erneuerungs- / Neubau- / Ausbau-Projekten, der Instandhaltung (Inspektions- / Wartungs-
/ Entstörungs- / Instandsetzungsarbeiten) und dem Betrieb der Anlagen. Hierbei wird eine Unterscheidung nach baulichen,
betrieblichen und kommunalen Abfällen getroffen. Eine gesonderte Ausweisung erfolgt für Eisen- und Nichteisenmetalle
(„Schrott- / Metallabfälle“) im Rahmen der Berichtslegung für die nichtfinanzielle Erklärung.
Die großen Mengen an Bau- und Abbruchabfällen setzen sich unterschiedlich zusammen (u. a. Abfälle mineralischen
Ursprungs, Metallabfälle, Holzabfälle) bzw. untergeordnete Mengen an gefährlichen Abfällen. Ein Teil der Entsorgung der
baulichen und betrieblichen Abfälle des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns wird mittels Einzel- oder Rahmenverträgen durch den
Entsorgungspartner Rail Cargo Logistics – Environmental Services GmbH (RCL-ES) in Form eines Tochterunternehmens der
Rail Cargo Austria AG abgewickelt. Für kommunale Abfälle an den von der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH
verwalteten Objekten erfolgt die umweltgerechte Verwertung oder Beseitigung durch die ÖBB-
Immobilienmanagement GmbH (z. B. Bahnhöfe, Haltestellen oder Bürostandorte). Für den überwiegenden Teil an
baulichen Abfällen aus großen Infrastrukturvorhaben erfolgt die Entsorgung über gesonderte Bauverträge (Einzelverträge).
Eine besondere Bedeutung kommt hierbei den betriebseigenen Deponien des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zu, da diese
wesentlichen Bestandteile von Infrastrukturvorhaben (u. a. Semmering-Basistunnel oder Errichtung der Koralmbahn) im
öffentlichen Interesse (siehe EB / UVP-Verfahren) sind und hierzu bauliche Abfälle einer Beseitigung unter Berücksichtigung
der bestmöglichen Reduktion von Transportwegen und damit auch Emissionen zugeführt werden.
Abfallmanagement und Kreislaufwirtschaft
Im Sinne der Ökologisierung und Kreislaufwirtschaft erfolgt bei Infrastrukturvorhaben des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns eine
Wiederverwendung von Aushubmaterialien, soweit diese bautechnisch und umwelttechnisch im notwendigen Ausmaß
und zulässiger Weise für das Verfüllen von Geländeunebenheiten oder das Vornehmen von Geländeanpassungen geeignet
sind. Innerhalb des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns steht der schonende Umgang mit Ressourcen sowie die Bestrebung zur
Abfallvermeidung und Wiederverwendung von Materialien im Fokus. Dies äußert sich z. B. in Form der maschinellen
Reinigung von Gleisschotter und dessen Wiedereinbau im Schotterbett sowie in Form von Untergrundsanierungen mittels
einer Aushubmaschine. Bei Letzteren wird der Gleisschotter aus dem oberen Bereich des Schotterbettes gebrochen, mit
Neumaterial vermengt und als Tragschicht im Gleisbereich wieder eingebaut. Das restliche Gleisschottermaterial wird
gemeinsam mit dem Untergrund ausgehoben und entsorgt. Somit erfolgt eine Wiederverwendung im Sinne der
Ressourcenschonung und Reduktion der Abfallmenge.
Seite 283 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
78
ÖBB-Infrastruktur AG – Rückgewinnung Gleisschotter in t
2023
2022
Rückgewinnung Gleisschotter als Gleisschotter
233.000
247.000
Rückgewinnung Gleisschotter als Tragschicht
1)
10.000
22.000
1)
2023 wurden bei der Rückgewinnung des Gleisschotters als Tragschicht mehr Baustellen konventionell und weniger vollmechanisiert durchgeführt.
Gebrauchte Betonschwellen werden nach erfolgter Prüfung und auf Basis ihrer technischen Eignung als „Bau- oder
Betonschwellen“ einer Wiederverwendung im Gleisnetz des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zugeführt. Ein großer Teil der
gebrauchten Betonschwellen wird auch nach erfolgter Prüfung (u. a. auf mechanische Beschädigung, Verunreinigungen
und bautechnische Eignung) und der Entfernung der Elemente zur Schienenbefestigung einem Verkauf und somit einer
weiteren Verwendung zugeführt. Weiters werden gebrauchte Betonschwellen mittels Rahmenvertrag über RCL-ES
entsorgt und als Inputmaterial für die Herstellung von Recycling-Baustoffen eingesetzt.
Mit dem Ziel, Kreislaufwirtschaft ganzheitlicher zu betrachten, startete die ÖBB-Immobilienmanagement GmbH in einem
ersten Schritt 2021 eine Kooperation mit dem Unternehmen Materialnomaden. Ziel war es, die Kreislaufwirtschaft in allen
ihren Facetten zu betrachten und sowohl die Weiter- (ReUse) und Wiederverwendung (Recycling) von Materialien zu
forcieren. In einem ersten gemeinsamen Prozess wurde das Potenzial der Wiederverwendung und Weitervermittlung von
Ressourcen bei Immobilienabbruchprojekten erhoben. Im Rahmen eines Pilotobjekts wurde der Bahnhof Gedersdorf im
Jahr 2022 rückgebaut und geeignete Materialien im Kreislauf gehalten. Die Evaluierung wurde 2023 abgeschlossen.
Im Zuge von Ausschreibungen beauftragt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern geeignete Auftragnehmer:innen ausdrücklich
und unwiderruflich mit der umweltgerechten Verwertung oder Beseitigung der anfallenden Abfälle.
Für die betriebseigenen Deponien erfolgt die Abwicklung federführend und gemeinsam mit dem:der Leiter:in der
Eingangskontrolle im Auftrag des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Hierbei werden die gesetzlichen Vorgaben (u. a. DVO 2008
idgF) sowie die internen Vorgaben (Abfallbilanzmeldung; EDM-Portal) in enger Abstimmung mit dem ÖBB-Infrastruktur-
Konzern abgewickelt. Externe bestellte Deponieaufsichten (behördliche Aufsichten) begleiten hierbei die Ausführung und
Nachweisführung.
Bei Beseitigungen über Bauverträge (Einzelverträge) erhalten die Projektleitungen die erforderlichen Abfallnachweise von
Auftragnehmer:innen. Nach erfolgter Plausibilitätsprüfung (Art, Menge, Herkunft, Verbleib) werden die Daten zur Eingabe
ins Umweltinformationssystem (UIS) an die definierten Bearbeiter:innen übermittelt.
Die Erfassung aller gefährlichen und nicht-gefährlichen Abfälle, welche über den Entsorgungspartner RCL-ES entsorgt
werden, erfolgt automatisiert durch die RCL-ES.
Die ÖBB-Immobilienmanagement GmbH erhebt pro Objekt (wenn im Eigentum des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns) die
Anzahl der vorhandenen Abfallbehälter (Gebindegröße) je Fraktion, welche nicht über die Leistungskontrakte
(Rahmenverträge) der RCL-ES beseitigt werden, sowie die Entleerungsintervalle und überprüft dies laufend auf Aktualität.
Die Daten werden in einem Datenverarbeitungssystem durch den:die festgelegte:n Benutzer:in der ÖBB-
Immobilienmanagement GmbH erfasst.
Weiters erfolgt durch die jeweiligen Umweltkoordinator:innen (U-K) der Organisationseinheiten des ÖBB-Infrastruktur-
Konzerns eine stichprobenweise Plausibilitätskontrolle der Abfalldaten. Die Abfallbeauftragten behalten sich eine weitere
stichprobenartige Plausibilitätsüberprüfung der Abfalldaten vor. Etwaige Auffälligkeiten werden dem jeweiligen U-K zur
Kenntnis gebracht, um diese zu klären bzw. zu bereinigen.
Die abfallbezogenen Daten können mittels Datenverarbeitungssystem in Berichtsform zur Verfügung gestellt werden.
Seite 284 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
79
Abfalltabelle des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Abfälle aus Bauprojekten
Betriebliche Abfälle
Schrott
Kommunaler Abfall
Summe
Abfallart in t
1)
2023
2022
2023
2022
2023
2022
2023
2022
2023
2022
Recycling(Übergabe
an Recycler)
2)
8 0 138 0
23 0 0 0
169
0
Sonstige Verwertung:
mechanische,
biologische und
chemisch-
physikalische
Verfahren
3)
17.381
448
1.695
977
0
24
0
0
19.076
1.449
Sonstige Verwertung:
energetische
Verwertung 21.086 21.096 524 354
0 0 0 0
21.610
21.450
Verwertung
38.475
21.544
2.357
1.331
23
24
0
0
40.855
22.899
Betriebsfremde
Deponien
2.418
855
23
417
0
0
0
0
2.441
1.272
Beseitigung
2.418
855
23
417
0
0
0
0
2.441
1.272
Gefährlicher Abfall
4)
40.893
22.399
2.380
1.748
23
24
0
0
43.296
24.171
Recycling (Übergabe
an Recycler)
1.169.299
1.330.716
5.127
26.199
37.479
38.482
3.594
3.785
1.215.499
1.399.182
Sonstige stoffliche
Verwertung:
Wiederverwendung
im Bauvorhaben
5)
352.388
1.626.438
0
0
0
0
0
0
352.388
1.626.438
Sonstige stoffliche
Verwertung:
Wiederverwendung
außerhalb
Bauvorhaben
104.329
107.707
0
0
0
0
0
0
104.329
107.707
Sonstige Verwertung:
mechanische,
biologische und
chemisch-
physikalische
Verfahren
6)
0
56
14.435
5.588
0
0
654
0
15.089
5.644
Sonstige Verwertung:
energetische
Verwertung
215
547
657
227
0
0
10.984
9.226
11.856
10.000
Verwertung
1.626.231
3.065.464
20.219
32.014
37.479
38.482
15.232
13.011
1.699.161
3.148.971
Betriebsfremde
Deponien
7)
1.887.154
2.616.703
1.598
2.862
359
132
225
221
1.889.336
2.619.918
Betriebseigene
Deponien
8)
20.532 903.852 0 0
0 0 0 0
20.532
903.852
Beseitigung
1.907.686
3.520.555
1.598
2.862
359
132
225
221
1.909.868
3.523.770
Nicht
gefährlicher Abfall
3.533.917
6.586.019
21.817
34.876
37.838
38.614
15.457
13.232
3.609.029
6.672.741
Gesamtabfall
3.574.810
6.608.418
24.197
36.624
37.861
38.638
15.457
13.232
3.652.325
6.696.912
davon Verwertung
1.664.706
3.087.008
22.576
33.345
37.502
38.506
15.232
13.011
1.740.016
3.171.870
davon Beseitigung
1.910.104
3.521.410
1.621
3.279
359
132
225
221
1.912.309
3.525.042
1)
Es wurde nicht zwischen Verwertung / Beseitigung am / außerhalb des Standortes unterschieden, da dies am Standort nicht relevant ist, außer im Falle der
Wiederverwendung im Bauvorhaben und der betriebseigenen Deponien, diese sind als Kategorien angeführt. Aufgrund von Rundungen der Dezimalstellen der
Tonnen auf ganze Zahlen, kommt es zu kleinen Abweichungen.
2)
Die Kategorie „Gefährliche Abfälle: Recycling (Übergabe an Recycler)“ wurde im Vergleich zum Vorjahr neu hinzugefügt.
3)
Gefährlicher Abfall wird vor dem Recycling einem mechanischen, biologischen und chemisch-physikalischen Verfahren zugeführt.
4)
2023 sind mehr ölverunreinigtes Aushubmaterial und Mineralfaserabfälle mit gefahrenrelevanten Fasereigenschaften angefallen.
5)
Aufgrund der starken Schwankungen im Baugeschehen sind geringere Massen zur Wiederverwendung in Bauvorhaben angefallen, beispielsweise aufgrund des
Baufortschritts der Koralmbahn.
6)
Aufgrund der starken Schwankungen beim Betrieb und der Instandhaltung der Anlagen kommt es zu Schwankungen in den Abfalldaten.
7)
Die Menge des Gesamtabfalls hat sich zum Vorjahr erheblich verringert und ist mitunter auf natürliche Schwankungen im Projektgeschehen, im speziellen den
Fortschritt der Tunnelbauprojekte, zurückzuführen.
8)
Aufgrund der starken Schwankungen beim Betrieb und der Instandhaltung der Anlagen kann es auch zu Schwankungen in den Abfalldaten kommen. Beispiel:
Schlamm aus der Abwasserbehandlung, ohne gefährliche Inhaltsstoffe.
Seite 285 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
80
Wasserverbrauch
Dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist ein nachhaltiger Umgang mit Wasser ein Anliegen. Der Wasserverbrauch des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns betrug im Jahr 2023 rd. 1,6 Mio. m³. Die Abweichung zum Vorjahr ergibt sich mitunter aus
Prozessoptimierungen und Verbesserungen der Datenqualität. Das Wasser (Trink- und Brauchwasser) stammt zum
überwiegenden Teil aus der kommunalen Versorgung, zusätzlich gibt es ÖBB-eigene Brunnen und Quellen, die auf
Bahngrund liegen und deren Nutzung auf Grundlage bestehender Wasserrechte aus der Vergangenheit erfolgt. Der ÖBB-
Infrastruktur-Konzern betreibt keine Wasseraufbereitungsanlagen für kommunale Abwässer, sondern leitet diese in die
zentrale, öffentliche Kanalisation ein.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2023
2022
Wasserverbrauch in m³
1.619.406
2.049.415
Im Bereich des Fahrweges von Eisenbahnen stellt die nachhaltige Bahnentwässerung einen wesentlichen Punkt für die
Gewährleistung einer langfristig sicheren und stabilen Gleislage dar. Hierbei wird das Niederschlagswasser aus dem
Gleiskörper, sowie das allenfalls über Böschungen zufließende Wasser über Gräben, Grabenmauern oder Drainagen
gesammelt und sicher zur nächsten Vorflut (Einleitpunkt in ein Gewässer) weitergeleitet. Die anfallende Wassermenge ist
dabei abhängig von der Anzahl der Gleise und den topografischen Verhältnissen. Eine Wasserentnahme oder ein
Wasserverbrauch findet hierbei nicht statt. Treten zum Beispiel in Böschungen unterirdische Wässer zutage, werden diese
gefasst und ebenfalls bis zur nächsten Vorflut geleitet. Die Einleitung der Niederschlagswässer in die Vorflut (z. B. Bach,
Fluss, Grundwasser) erfolgt ohne schädliche Auswirkungen auf diese. Dies geschieht bei Vorflutern mit Wasserstress derart,
dass je nach Wassermenge und möglicher Aufnahmekapazität des Vorfluters Rückhaltevorrichtungen wie z. B.
Drosselschieber oder Rückhaltebecken vorgesehen werden. Ebenfalls werden im Zuge der Wasserrückführung vor allem
für die einzelnen Bauphasen Wasseruntersuchungen aus chemischer Sicht durchgeführt, sodass entsprechende
Maßnahmen gesetzt werden können, um die Vorfluter durch die Wasserrückführung nicht nachteilig zu beeinflussen.
Beispiele hierfür sind: Absetzbecken, Gewässerschutzanlagen, Filteranlagen etc. Aus dem regelmäßigen Bahnbetrieb
treten grundsätzlich keine Verunreinigungen für die Vorflut bzw. kein Austritt von schädlichen Substanzen auf. Wässer aus
Störfällen (z. B. im Tunnel) werden separat aufgefangen. Die Ableitungen sind grundsätzlich mit Absperrmöglichkeiten
versehen, die im Störfall sofort geschlossen werden können. Dadurch wird eine Einleitung von verunreinigten Wässern in
die Gewässerkörper verhindert. Die Einleitungen erfolgen gemäß den Vorgaben des Wasserrechtsgesetzes nur im Einklang
mit den entsprechenden wasserrechtlichen Genehmigungen. Vor Ansuchen um die wasserrechtlichen Genehmigungen
finden Abstimmungen mit den Behörden, Fischereiberechtigten, Gemeinden usw. statt. Das Ziel liegt hierbei in der
Konsensfindung sowie in der nachhaltigen Einleitung der Bahnwässer in die Vorflut, ohne diese negativ zu beeinträchtigen.
Die Gewässerkörper können dabei als Schutzgebiete ausgewiesen sein (z. B. Grundwasserschutz- oder
Grundwasserschongebiete). Eine Wiederverwendung der eingeleiteten Wässer durch andere Organisationen erfolgt nicht.
Bei UVP-pflichtigen Projekten erfolgt im Zuge der Planung eine ökologische Bestandsaufnahme des betroffenen Gebiets.
Es werden Maßnahmen erarbeitet und letztendlich nach Einholung aller hierfür erforderlichen Genehmigungen umgesetzt,
sodass die natürlichen Lebensräume für Fauna und Flora erhalten bleiben. Damit wird auch ein hoher ökologischer Beitrag
durch die Bahnprojekte geleistet. Die Vorgaben für eine ökologische Ausgestaltung von Entwässerungsanlagen wie
Gräben oder Becken sind im Regelwerk 09.04 der ÖBB-Infrastruktur AG enthalten. Beispiele für ökologische Maßnahmen
sind beispielweise: Verwendung von autochthonem Saatgut, Vorsehen von Begleitpflanzungen, Vorgaben für
Ausstiegshilfen für Kleintiere aus Entwässerungsschächten.
Im Zuge der aktuellen Regelwerksüberarbeitung wird der Grundsatz verankert, dass Niederschlagswässer grundsätzlich
am Ort oder jedenfalls in der Nähe ihres Auftretens zur Versickerung gebracht werden sollen. Dadurch werden diese dem
natürlichen Wasserkreislauf zugeführt. Ist eine Versickerung projektspezifisch nicht möglich, sollen die Wässer offenen
Gerinnen wie Bächen oder Flüssen zugeführt werden. Die Einleitung der Niederschlagswässer in Kanalsysteme soll
grundsätzlich vermieden werden.
Gefahrgut
In der ÖBB-Infrastruktur AG werden Gefahrgüter zu laufenden Wartungs- und Erhaltungszwecken der Infrastruktur und
Anlagen befördert. Hierbei handelt es sich vor allem um Klasse-3-Stoffe – brennbare Flüssigkeiten. Dies sind vor allem die
üblichen Treibstoffe Benzin, Diesel, Gemisch sowie diverse Farben und Lacke. Des Weiteren werden verschiedene Gase für
Schweiß- und Schneidarbeiten benötigt.
Die eigenen Mitarbeiter:innen müssen daher bezüglich Gefahrgut gemäß ADR / RID 1.3 unterwiesen und die Einhaltung
der Vorschriften mittels Überwachungen und stichprobenartig kontrolliert werden. Betrieblich besteht die Relevanz vor
allem in der Informationsweiterleitung und Koordination bei Hilfseinsätzen nach Vorfällen, ob und wo Gefahrgut im Zug
transportiert wird.
Seite 286 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
81
Die Schiene ist generell ein wesentlich sicherer Verkehrsträger für die Beförderung von Gefahrgütern als beispielsweise die
Straße.
Nach der „Ordnung für die internationale Eisenbahnbeförderung gefährlicher Güter” (RID – europäisches Übereinkommen
über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf Schiene), Ausgabe 2023, gibt es Melderichtlinien für Unfälle
und Zwischenfälle mit gefährlichen Gütern im Zuge der Beförderung oder Verladung. Die Mengenschwellen sind je nach
Gefährlichkeit der Stoffe unterschiedlich. Solche Meldungen sind an das BMK bei Verletzung von Personen, Sach- und
Umweltschäden oder Sperre eines Hauptverkehrsweges abzugeben.
Im Jahr 2023 gab es keine Vorfälle in der ÖBB-Infrastruktur AG, die eine solche Meldung nach Abschnitt 1.8.5 RID
erforderlich gemacht hätten.
Zusätzlich wurden durch Mitarbeiter:innen der ÖBB-Infrastruktur AG – Technische Überwachung 2023 insgesamt 1.058
Kontrollen an RID- Fahrzeugen im Betrieb durchgeführt. Bei diesen Kontrollen waren ebenfalls keine Meldungen nach RID
erforderlich.
Artenvielfalt und Biodiversität
Die biologische Vielfalt auf Bahnflächen ermöglicht natürliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Wissenschaftliche
Erhebungen auf Bahnflächen unterstreichen immer wieder deren Wert, unabhängig davon, ob es sich um erst kürzlich
entstandene Ausgleichs- oder seit über hundert Jahren bestehende Bahnflächen handelt. Die Bahnbegleitflächen fungieren
aufgrund ihrer extensiven Bewirtschaftung als Rückzugsraum und Migrationskorridor für seltene Tier- und Pflanzenarten
sowie als verbindendes Element zwischen verschiedenen Lebensräumen in Österreich. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern
übernimmt als einer der größten Flächenbewirtschafter des Landes auch Verantwortung für den Lebensraum von Flora
und Fauna durch verschiedene Natur- und Artenschutzprojekte in allen Bundesländern sowie durch vielfältige
Kooperationen mit Umwelt-NGOs.
Quelle: Allianz pro Schiene auf Basis von Statistisches Bundesamt. Stand 12/2015.
Seite 287 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
82
Zielsetzungen
– Die mobilitäts- und infrastrukturbezogenen Ziele und Maßnahmen aus der österreichischen Biodiversitätsstrategie
2030+ werden in enger Abstimmung mit dem BMK umgesetzt.
– Die ÖBB wollen in der Vegetationskontrolle auf Gleisanlagen den Einsatz von chemischen Herbiziden weiter reduzieren.
– Die ÖBB wollen bei ihren Mitarbeiter:innen die Bewusstseinsbildung zum Thema „Artenvielfalt und Biodiversität
”
vorantreiben.
– Zur Schaffung und Verbesserung von Lebensräumen an und um die Bahn will die ÖBB-Infrastruktur AG im Rahmen der
Möglichkeiten gezielte Initiativen umsetzen.
– Arten- und Naturschutzmaßnahmen sollen im Einklang mit den betrieblichen Anforderungen der Bahn umgesetzt
werden.
Das ca. 5.000 km lange Streckennetz des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns verläuft durch fast alle Kulturlandschaftsräume in
Österreich. Viele Streckenkilometer und Bahngrundflächen liegen in oder nahe bei Naturschutzgebieten wie zum Beispiel
Natura-2000-Schutzgebieten. Um die flächenmäßige Überschneidung der Bahninfrastruktur mit diesen besonders
sensiblen Landschaftsräumen darzustellen, wird die folgende Karte jährlich aktualisiert. Über die Web-GIS-Applikation des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns sind die Lageverhältnisse der wesentlichen Schutzgebiete in Österreich (Naturschutz,
Landschaftsschutz, aber auch Wasserschutz- und Schongebiete) mit dem Streckennetz verschneidbar.
Erläuterung zur Abbildung: Der oben angeführte Bewertungsraum wurde gewählt, um mit einer wissenschaftlichen Studie der Universität Wien zur Beeinflussung
des Landschaftsraumes im Jahr 2012, bei der ebenfalls dieser Raster verwendet wurde, vergleichbar zu sein. Die Angaben lassen aber keinerlei Rückschlüsse auf
eine tatsächliche negative oder positive Beeinflussung der Natura-2000-Gebiete durch den Bahnbetrieb zu, sondern dienen nur als Grundlage für Planungen. Die
Schutzgebietsbezeichnung „Smaragd“ im Fürstentum Liechtenstein entspricht der Schutzgebietskategorie Natura 2000 der EU.
Seite 288 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
83
Natur- und Artenschutz sind in Österreich auf der Ebene der Landesgesetzgebung rechtlich festgelegt. Sämtliche Neu- und
Ausbauprojekte werden daher auch im Zuge des Genehmigungsverfahrens im Einklang mit Natur- und Artenschutzrecht
geplant und umgesetzt. Beim Bau der Eisenbahnanlagen ist im Rahmen UVP-pflichtiger Vorhaben bei negativen
Umweltauswirkungen auf Vermeidung, Verminderung, Ausgleich und Ersatz zu achten, um ein genehmigungsfähiges
Projekt zu erhalten. Dabei kommen zusätzlich spezifische umwelt- und naturschutzbezogene Regelwerke (Richtlinien und
Vorschriften für das Straßenwesen, RVS bzw. Richtlinien und Vorschriften für das Eisenbahnwesen, RVE) zum Einsatz. Die
Berücksichtigung der jeweiligen Roten Listen der gefährdeten Arten ist damit in der Projektplanung systematisch
gewährleistet.
In den letzten Jahren wurden im Umfeld der großen Neu- und Ausbauprojekte hunderte Hektar an naturschutzfachlich
wertvollen ökologischen Ausgleichsflächen geschaffen (eine quantitative Erfassung und Verortung dieser Flächen im
geografischen Informationssystem des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ist in Ausarbeitung). Diese Flächen haben nachweislich
zur Verbesserung der biologischen Vielfalt in den jeweiligen Regionen beigetragen und stellen heute wichtige
Trittsteinbiotope dar. Doch auch die Bahnbegleitflächen am Bestandsnetz ermöglichen in einer zunehmend intensiver
genutzten und verbauten Landschaft, Lebensraumvernetzungen und Wanderungsmöglichkeiten für migrierende Tierarten.
Durch Querungshilfen wird Tierarten mit großen Lebensraumansprüchen der gefahrlose Wechsel über die Bahntrassen
ermöglicht.
Maßnahmen (Auszug)
Ende des Jahres 2022 wurde mit einiger Verspätung die österreichische Biodiversitätsstrategie 2030+ vom BMK
veröffentlicht. Darin finden sich auch für den Sektor Verkehr- und Transportinfrastruktur zahlreiche Zielsetzungen und
Maßnahmen, die in den nächsten Jahren verstärkt berücksichtigt werden müssen. Im November 2023 fand dazu ein Kick-
off zur Umsetzung zwischen BMK, ÖBB, ASFINAG und Viadonau statt. Im Fokus stehen die Identifizierung und Sicherung
ökologisch wertvoller Flächen im Sinne der Biodiversitätsstrategie 2030+ sowie die Durchgängigkeit für bodengebundene
Tierarten bzw. die Lebensraumvernetzung durch Grünbrücken zu verbessern. Das BMK koordiniert den Prozess.
Insbesondere im Bereich der Lebensraumvernetzung und der „ökologischen Aufwertung” von Infrastrukturbegleitflächen
wurden erste Maßnahmen gesetzt.
Ein Highlight des Jahres 2023 war der Gewinn des Excellence in Railway Publications Awards der UIC – International Union
of Railways, für die im Mai 2023 veröffentlichten „Guidelines on Managing Railway Assets for Biodiversity”. Diese
Guidelines entstanden im Rahmen des UIC-Projekts „Reverse“ der UIC-Arbeitsgruppe „sustainable landuse“, in welcher die
ÖBB-Infrastruktur AG gemeinsam mit einem Kollegen der Network Rail den Vorsitz inne hat
53
.
In der Arbeitsgruppe „Sustainable Landuse” wurden in den letzten Jahren mehrere Publikationen zu den Themen
„Vegetationsmanagement”, „Biodiversität” und „Ökosysteme” im Zusammenhang mit Bahnbau und -betrieb
veröffentlicht. Die „Guidelines for Biodiversity” stellen ein Novum dar und fassen für den Bahnsektor erstmals positive und
negative Wirkungen der Bahn auf die Biodiversität zusammen, indem für verschiedene Anlagenteile wie Gleise,
Oberleitungen, Tunnels, Stationen etc. die möglichen Auswirkungen erläutert werden. Entsprechend der
Maßnahmenhierarchie aus den Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren wird anschließend gezeigt, wie diesen
Auswirkungen über Vermeidungs-, Verminderungs-, Ausgleichs- oder in letzter Konsequenz über Ersatzmaßnahmen,
begegnet werden kann. Die Publikation enthält dazu zahlreiche Beispiele aus den einzelnen Ländern der beteiligten
Mitgliedsbahnen, ein großer Teil davon von der ÖBB-Infrastruktur AG.
Im Rahmen des Projekts „FloraMon”, einer gemeinsame Forschungsinitiative der ÖBB-Infrastruktur AG und ASFINAG mit
der Johanneum Research Forschungsgesellschaft und biohelp GmbH, wurde ein Prototypsystem zur flächendeckenden
Erfassung der Bewuchsdichte sowie relevanter und besonders problematischer Pflanzenarten entwickelt. Dies beinhaltet
die bildliche Erfassung der Pflanzen entlang des Schienen- und Straßennetzes in sehr hoher Geschwindigkeit, die
Auswertung von Ort und Häufigkeit des Auftretens spezifischer Pflanzenarten (Neophyten und weitere) mittels KI-
Methoden und die übersichtliche Darstellung dieser Pflanzeninformation in geografischen Informationssystemen (GIS).
Damit können in Zukunft an den Pflanzenwuchs angepasste Vegetationskontrollmaßnahmen durchgeführt werden.
53
https://uic.org/projects/article/reverse.
Seite 289 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
84
Das VIF Forschungsprojekt zur Testung von Wildwarngeräten im Eisenbahnbereich wurde abgeschlossen und die
Endberichte wurden veröffentlicht
54
. Die fünf Teststrecken bleiben weiterhin bestehen und als nächster Schritt ist die
Übernahme der Anlagenbetreuung in die regional zuständigen Flächenorganisationen geplant. Da es für die Anwendung
von Wildwarnern auf Bahnanlagen bisher weltweit kaum brauchbare Geräte und Erfahrungen gibt, leistet die ÖBB-
Infrastruktur AG hiermit Pionierarbeit, die bereits international auf großes Interesse stößt. Sowohl die UIC als auch die
IENE (Infrastructure & Ecology Network Europe) planen dazu eigene Arbeitsgruppen und Projekte, um den
Erfahrungsaustausch auf internationaler Ebene zu verbessern und gemeinsame Standards zu entwickeln.
Im Jahr 2019 wurden an betrieblich unkritischen Stellen darüber hinaus zehn Waldflächen ausgewählt, die als
„Ökowaldinseln“ eine möglichst naturnahe Entwicklung nehmen sollen. 2023 wurde die Eignung weiterer Flächen geprüft,
die eventuell 2024 hinzugenommen werden. Insgesamt ist eine Gesamtfläche von 70 ha im „Bahnwald” als Ökowaldinsel
ausgewiesen.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat im Herbst 2023 zum 21. Geburtstag des Nationalparks Gesäuse 113 ha Fläche vertraglich
an die Schutzgebietsverwaltung übertragen. Damit wird das ökologische Kontinuum verbessert, da diese 113 ha im
Inneren des Nationalparks liegen und vom Nationalpark umgeben sind. Der Nationalpark wird somit komplett und weist
keine „weißen Flecken” mehr auf. Dieser Vertrag ist ein deutliches Statement der ÖBB-Infrastruktur AG. Es ist ein
Bekenntnis zum Naturschutz und stärkt den Status der ÖBB als besonders umweltfreundliches Unternehmen.
In öffentlich zugänglichen Bereichen wie an Bahnhöfen oder Park & Ride-Anlagen ist auch die Verkehrssicherheit rund um
den Baumbewuchs sicherzustellen. Hierfür hat der ÖBB-Infrastruktur-Konzern einen eigenen Baumkataster angelegt. Im
Baumkataster waren mit Stichtag 31.12.2023 10.559 Bäume und 213 verschiedene Baumarten erfasst. Auf öffentlich
zugänglichem Bahngrund waren 2023 Spitzahorn, Birke und Rosskastanie mit jeweils ungefähr 750 bis 900 Exemplaren
die drei häufigsten Baumarten.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2023
2022
Bäume im Baumkataster in Stück
10.559
10.246
Anzahl Baumarten
213
203
Zum Schutz von Großvögeln vor Stromschlägen werden in Abstimmung mit der Vogelschutzorganisation Bird Life Austria
Kunststoff-Schutzkappen auf den Mastspitzen angebracht. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist auch Partner im EU-
Lifeprojekt „Danube Free Sky”
55
. Im Zuge dieses Projektes werden unter anderem 63 km an drei Bahnstrecken im für den
Vogelschutz in Österreich bedeutsamen östlichen Niederösterreich mit umfangreichen Vogelschutzmaßnahmen
ausgerüstet, um Stromschlag und Leitungskollision möglichst auszuschließen. Im Jahr 2023 konnten davon rd. 12,5 km
Bahnstrecke bzw. 250 Mastspitzen in für den Vogelschutz hochsensiblen Bereichen mit Isolationskappen ausgerüstet und
die Vögel damit vor Stromschlag geschützt werden. Am 04.10.2023, zum Welttierschutztag, wurde ein Video
veröffentlicht, welches die Maßnahmen des Projektes anschaulich erklärt.
Zusätzlich wurde im April 2023 ein für Großtrappen besonders kritischer 800 m langer Oberleitungsabschnitt an der
Strecke zwischen Parndorf und Pama mit sogenannten „fireflys” gesichert. Diese erhöhen die Sichtbarkeit der Leitung für
die Vögel und sollen eine Kollision im Flug verhindern. In Zukunft soll der gesicherte Bereich noch weiter ausgedehnt
werden.
Leider erweist sich das Naturschutzrecht oft als hinderlich, wenn es um die Umsetzung von freiwilligen
Biotopverbesserungsmaßnahmen für geschützte Arten geht. Maßnahmen wie etwa die Anlage von
Amphibienlaichgewässern oder das Ausbringen von Samen streng geschützter Pflanzen wären zwar betrieblich, technisch
und finanziell machbar, sind allerdings aufgrund der Verbotstatbestände im Artenschutzrecht oft nicht realisierbar, da das
Risiko für spätere Komplikationen und Auflagen im Fall von notwendigen zukünftigen betrieblichen oder baulichen
Maßnahmen besteht.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat sich auch aktiv in die Erstellung der nationalen Biodiversitätsstrategie 2030 eingebracht und
unter anderem auch auf das genannte Dilemma hingewiesen.
54
WiConNET (ffg.at).
55
siehe https://danubefreesky.eu/en/.
Seite 290 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
85
Mit dem Projekt „ÖBB Schienenbienen“, das 2021 ins Leben gerufen wurde, wird insbesondere der Honigbiene auf zwölf
Bahngrünflächen in sechs Bundesländern Lebensraum geschaffen. Im Jahr 2022 kamen vier weitere Flächen hinzu. Die
„ÖBB Schienenbienen“ leisten einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Pflanzen, Biodiversität und der effizienten
Nutzung von ungenutzten, aber wertvollen Bahngrünflächen. Außerdem entsteht für Bahnkund:innen ein nachhaltiges
genussvolles Naturprodukt, welches diese im Rail- und Nightjet genießen können. Die Evaluierung des Projekts läuft bis
Ende April 2024.
Nach der Einführung des Pilotprojekts „Blühwiesen” im Jahr 2021 zur nachhaltigen und naturnahen Bewirtschaftung von
Grünflächen wurden seither mehrere Rasenflächen in ganz Österreich in blühende Wiesen umgewandelt. Insgesamt
wurden etwa 14.000 m
2
Grünflächen im unmittelbaren Umfeld der Bahnhöfe zu natürlichen Oasen für Insekten
umgestaltet. Um das optimale Ergebnis für die Natur und die Biodiversität auf jeder einzelnen Fläche zu erzielen, wurden
verschiedene Arten von Blühwiesen angelegt.
Chemische Vegetationskontrolle
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern muss aufgrund eisenbahnrechtlicher Verpflichtungen zum sicheren Bahnbetrieb die
Gleisanlagen möglichst frei von Vegetation halten. Signale und Eisenbahnkreuzungen müssen gut sichtbar sein.
Mitarbeiter:innen müssen sich auf Randwegen und Verschubbahnsteigen frei bewegen können – im Notfall auch Reisende.
Außerdem muss das Schotterbett luft- und wasserdurchlässig sein und damit frei von Pflanzen, die Wasser anstauen.
Damit werden Frostaufbrüche vermieden und der Gleiskörper bleibt stabil und tragfähig.
Um dies zu gewährleisten, werden die Gleisanlagen im Streckennetz der ÖBB im Zuge der chemischen
Vegetationskontrolle mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Auf Streckengleisen und durchgehenden Hauptgleisen werden
die Pflanzenschutzmittel mittels Spritzzug („Greentracker”), der mit einer optischen Grünerkennung und EDV-gestützten
Spritzsteuerung für die punktgenaue Behandlung ausgestattet ist, ausgebracht. Die dabei zum Einsatz kommende
Grünerkennung ermöglicht es, nur dort Spritzmittel aufzubringen, wo auch tatsächlich Pflanzenwuchs im unmittelbaren
Gleisbereich vorhanden ist. Die chemische Vegetationskontrolle auf Bahnhofs- und Verschubgleisen wird mit manuell
gesteuerten Kleinspritzgeräten (schienengebunden und Zweiwegefahrzeuge) durchgeführt. Um die Selektivität bei den
Kleinspritzgeräten zu verbessern, wurde ein ebenfalls mit Grünerkennung ausgestattetes Prototypkleinspritzgerät
entwickelt und getestet. Die Anschaffung von weiteren solchen Geräten, bei denen die automatische Grünerkennung
zukünftig möglich sein wird, erfolgt bereits.
Ab 2022 verzichten die ÖBB komplett auf den Einsatz von Glyphosat – die Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff
wurden durch Alternativen ersetzt. Die alternativ verwendeten Pflanzenschutzmittel sind für die Anwendung auf
Gleisanlagen vom Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) zugelassen. Dazu gehören Pflanzenschutzmittel mit den
Wirkstoffen Flazasulfuron, Flumioxazin, Iodosulfuron und Diflufenican. Zum Einsatz kamen 2023 rd. 1,5 t von Wirkstoffen,
0,3 t mehr als im Vorjahr. Die Differenz zum Vorjahr hängt mit einem Anstieg in der Länge der kontrollierten Gleiskilometer
(vgl. 2022: +3,8%) sowie der Aufnahme von Iodosulfuron und Diflufenican in die Standardanwendung zusammen. Im
Jahr 2022 wurden diese Wirkstoffe nur testweise angewendet. Beim Vergleich der tatsächlich behandelten Gleisflächen
und der kontrollierten Gleisflächen wird ersichtlich, dass verglichen mit 2022 der gleiche Anteil an kontrollierten Flächen
auch im Jahr 2023 behandelt werden musste.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern beteiligt sich weiterhin intensiv an Forschungsprojekten, um weitere – auch
nichtchemische – Verfahren für den Gleisbereich verfügbar zu machen. Zukünftig wird ein Methodenmix – chemisch,
mechanisch, physikalisch (thermisch / elektrisch) – zum Einsatz kommen. Bis weitere Methoden die Wirksamkeit und
Gleistauglichkeit erreicht haben, bleibt die Behandlung der Gleisanlagen mit Pflanzenschutzmitteln im Zuge der
chemischen Vegetationskontrolle allerdings die wichtigste Maßnahme, um Gleise bewuchsfrei zu halten. Der ÖBB-
Infrastruktur-Konzern steht auch bei dieser Thematik im internationalen Austausch mit anderen Bahnbetreibern, um bei
dieser für den gesamten Eisenbahnsektor gleichartigen Problematik Lösungen zu finden.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2023
2022
Menge an eingesetzten Wirkstoffen pro Jahr in kg
1.497
1.168
Auf Vegetation kontrollierte Gleiskilometer
8.671
8.340
Auf Vegetation kontrollierte Flächen in ha
5.877
5.642
Behandelter Anteil der kontrollierten Flächen
31%
31%
Seite 291 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
86
Emissionen inkl. Lärm (exkl. CO
2
)
Rollende Räder erzeugen Schall aufgrund physikalischer Gesetze, welche sich nicht außer Kraft setzen lassen. Leise Züge
bilden jedoch eine Grundvoraussetzung für den Schienenverkehr als wesentlichen Bestandteil der umweltfreundlichen
Mobilität. Es gilt daher Belastungen durch Schallemissionen einzudämmen bzw. ihre Erzeugung zu verringern.
Zielsetzungen
– Schallemissionen der Bahn noch weiter verringern
Im Zuge von Lärmsanierung bei Bestandsstrecken werden Schallschutzwände und Schallschutzfenster errichtet bzw.
gefördert. Bei Neu- und Ausbaustrecken werden Lärmschutzmaßnahmen von Beginn an mitberücksichtigt und umgesetzt.
Dadurch befanden sich im Jahr 2023 im Netz der ÖBB-Infrastruktur AG auf knapp 5.000 km Streckenlänge (Baulänge) und
knapp 10.000 km Gleislänge rd. 1.000 km an Lärmschutzwänden und Lärmschutzdämmen.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2023
2022
Lärmschutzwände in km
971
960
Lärmschutzdämme in km
65
65
Der dritte Bericht „Monitoring Schallemissionen Eisenbahnverkehr Wörthersee” wurde im Frühjahr 2023 veröffentlicht.
Dieser bezieht sich auf die zweigleisige Südstrecke im Zentralraum Kärnten, wo sich eine Schallmonitoring-Messstelle
befindet. Aufgrund von Messungen der Zugsfahrten betrug im Kalenderjahr 2022 der Anteil an leisen Güterwagen im
Jahresschnitt 90% aller vorbeifahrenden Güterwagen (2021: 83%, 2020: 64%, d. h. eine Steigerung um 26%-Punkte seit
2020). Der durchschnittliche Vorbeifahrtspegel (Median, auf v=80 normiert gemäß TSI NOI) im Messpunkt der Messstelle
in 7,5 m von der Gleisachse beträgt für Güterzüge 86,1 dB und für Personenzüge 77,2 dB. Entsprechend den gültigen
Schallausbreitungsrechnungsvorschriften wurden exemplarisch auch Schallimmissionspegel errechnet. Im exemplarischen
Abstand von 30 m zur Bahnstrecke ergibt sich ohne Lärmschutzmaßnahme ein Beurteilungspegel-Nacht von 56 dB,
während mit entsprechendem bahnseitigem Lärmschutz in Form einer 2 m hohen Lärmschutzwand ein Beurteilungspegel-
Nacht von 45 dB erreicht wird.
Die europäische Umgebungslärmrichtlinie 2002 / 49 / EG schreibt alle fünf Jahre die Durchführung einer Lärmkartierung
vor und darauf aufbauend eine Aktionsplanung. Dabei werden Straßenverkehr, Luftverkehr, Schienenverkehr und
Gewerbelärm erfasst. Entsprechend den Vorgaben werden Haupteisenbahnstrecken mit mehr als 30.000 Zügen pro Jahr
sowie Ballungsräume hinsichtlich Lärmimmissionen kartiert. Die Lärmkarten, welchen die tatsächlichen Verkehrszahlen
von 2019 zugrunde liegen, wurden 2022 auf www.laerminfo.at veröffentlicht. Die Auswertung bezüglich der Betroffenen
auf Gemeindeebene befinden sich ebenfalls auf der Homepage. Bei dieser Lärmkartierung 2022 wurden erstmalig die
Berechnungen mit dem europaweit harmonisierten EU-Rechenmodell, vormals bezeichnet als CNOSSOS-EU, durchgeführt,
weshalb es zu Einschränkungen in der Vergleichbarkeit gegenüber früheren Lärmkartierungen kommt. Auf der Grundlage
der Kartierung und Betroffenenauswertung findet derzeit unter der Leitung des BMK die nationale Aktionsplanung zur
weiteren Lärmverringerung statt, welche 2024 abgeschlossen werden wird. Der nationale Aktionsplan betreffend
Eisenbahnstrecken wird ebenfalls auf www.laerminfo.at veröffentlicht.
Im Rahmen von Forschungsprojekten wird beim ÖBB-Infrastruktur-Konzern an Zukunftsthemen zur Verringerung von
Bahnlärm gearbeitet: Die Schwerpunkte liegen weiterhin bei der systematischen Testung von Oberbaukomponenten (z. B.
Weichen) sowie den wechselseitigen Abhängigkeiten Fahrzeug – Fahrweg in schalltechnischer Hinsicht. Bei der
Verringerung der zusätzlichen Schallabstrahlung bei Stahlbrücken konnten sowohl Messungen an modernen
Bestandsbrücken deren geringe zusätzliche Schallabstrahlung nachweisen sowie eine schalltechnische Sanierung bei einer
älteren Bestandsbrücke ein signifikantes Reduktionspotential aufzeigen. Prognosen in schalltechnischer Hinsicht
betreffend künftiger verkehrlicher Entwicklungen wie beispielsweise Verkehrsprognosen (vgl. VPÖ 2040+) bzw.
verkehrspolitische Pläne (vgl. Mobilitätsmasterplan) sollen zeitgerecht Maßnahmensetzungen ermöglichen. Im Rahmen
der Initiative „Leise Gleise” befindet sich eine Auswahl an Forschungsprojekten auf https://konzern.oebb.at/de/leise-
gleise/forschung-entwicklung.
Nachhaltige Beschaffung
Mit dem Ausbau und der Instandhaltung der Bahninfrastruktur in Österreich agiert die ÖBB-Infrastruktur AG als einer der
wichtigsten Auftraggeber für die heimische Wirtschaft und Industrie. Die ÖBB-Infrastruktur AG verzeichnete im Jahr 2023
ein Gesamtbestellvolumen von rd. 2,1 Mrd. EUR. Zudem wurden rd. 5.200 Kreditor:innen gelistet.
Für das Beschaffungswesen ist das österreichische Bundesvergabegesetz relevant, das als Grundsätze die
Gleichbehandlung aller Bewerber:innen und Bieter:innen, die Nichtdiskriminierung, die Verhältnismäßigkeit, die
Transparenz sowie den fairen und lauteren Wettbewerb hat. Ziel ist die Erteilung eines Zuschlages für eine Leistung an
eine:n befugte:n, zuverlässige:n und leistungsfähige:n Unternehmer:in zu einem angemessenen Preis.
Seite 292 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
87
Dazu erfolgt bei jedem Vergabeverfahren eine Eignungsprüfung der für den Zuschlag in Betracht kommenden
Unternehmen. Die für die Eignungsprüfung relevanten Eignungskriterien werden je Vergabeverfahren entsprechend dem
Leistungsgegenstand sowie dem geschätzten Auftragswert sachlich festgelegt und beinhalten neben der Prüfung der
Befugnis sowie technischen wie auch wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auch eine Prüfung im Rahmen der Zuverlässigkeit.
In diesem Zusammenhang erfolgen Abfragen gemäß Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz und
Ausländerbeschäftigungsgesetz. Weiters erfolgen Abfragen aus dem Verbandsregister, wobei dort eingetragene
Strafverfahren oder Verurteilungen seitens der Unternehmen aufzuklären sind.
Unternehmen werden von der Teilnahme am Vergabeverfahren ausgeschlossen, wenn sich im Rahmen dieser Prüfung
ergibt, dass das Unternehmen bei seiner beruflichen Tätigkeit eine schwere Verfehlung, insbesondere gegen
Bestimmungen des Arbeits-, Sozial- oder Umweltrechts, begangen hat.
Unternehmer:innen werden zudem u. a. auch von der Teilnahme am Vergabeverfahren ausgeschlossen, wenn der Lead-
Buyer Kenntnis von einer rechtskräftigen Verurteilung des Unternehmens hat, die einen der unten angeführten
Tatbestände betrifft. Dies gilt auch – sofern es sich um einen Unternehmer handelt, der keine natürliche Person ist – für
Personen, die Mitglied in Verwaltungs-, Leitungs- oder Aufsichtsorganen sind oder darin Vertretungs,- Entscheidungs-
oder Kontrollbefugnisse haben:
– Mitgliedschaft bei einer kriminellen Vereinigung oder Organisation (§§ 278 und 278a StGB)
– Terroristische Vereinigung, terroristische Straftaten oder Terrorismusfinanzierung (§§ 278b bis 278d StGB)
– Bestechlichkeit, Vorteilsannahme, Bestechung, Vorteilszuwendung oder verbotene Intervention (§§ 304 bis 309 StGB
und § 10 UWG), Betrug (§§ 146 bis 148 StGB), Untreue (§ 153 StGB), Geschenkannahme (§ 153a StGB)
– Förderungsmissbrauch (153b StGB)
– Geldwäscherei (§ 165 StGB)
– Sklaverei, Menschenhandel oder grenzüberschreitender Prostitutionshandel (§§ 104, 104a und 217 StGB)
– Ein entsprechender Straftatbestand gemäß den Vorschriften des Landes, in dem der:die Unternehmer:in seinen Sitz hat
Der Verhaltenskodex für Lieferant:innen konkretisiert die Ausführungen des Code of Conduct des ÖBB-Konzerns (siehe
Kapitel G.6.) und beschreibt, welche Anforderungen die ÖBB-Holding AG und ihre Tochtergesellschaften an das
Geschäftsgebaren ihrer Lieferant:innen stellen. Dieser Verhaltenskodex ist eine Erklärung zum Verhalten, das im ÖBB-
Konzern von Lieferant:innen und deren Mitarbeiter:innen erwartet wird und dient unter anderem der Verbesserung der
Lieferant:innenbeziehung, sowie Kommunikation der Erwartungshaltung. Im Speziellen umfasst der Verhaltenskodex für
Lieferant:innen Bestimmungen zu folgenden Kernelementen:
– Korruption
– Wettbewerb
– Außenwirtschaftliche Beschränkungen
– Datenschutz und geistige Eigentumsrechte
– Wahrung der Menschenrechte
– Diversität und Gleichbehandlung
– Verbot von Zwangsarbeit
– Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
– Arbeitszeit und Leistungsvergütung
– Vereinigungsfreiheit (Kollektivverhandlungen)
– Umweltschutz und Klimaschutz
– Subunternehmen
– Sanktionen
In der 25. Vorstandssitzung der ÖBB-Holding AG vom 02.11.2021 wurde der Verhaltenskodex für Lieferant:innen durch
den Vorstand der ÖBB-Holding AG einstimmig genehmigt und wird seit dem im gesamten ÖBB-Konzern bei
Ausschreibungen zur Anwendung gebracht.
Im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative Railsponsible, welche als Ziel hat, die Nachhaltigkeit der Lieferkette in der
Bahnbranche zu verbessern, kommt zur besseren Bewertbarkeit der Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen aktuell
EcoVadis zum Einsatz. Dies ist ein Tool zur Lieferant:innenbeurteilung, spezialisiert auf Nachhaltigkeitsaspekte in globalen
Versorgungsketten, sogenannten „Supply Chains”. Es dient dazu, Mehrwerte und Transparenz entlang der Lieferkette zu
generieren. Ein EcoVadis-Rating umfasst folgende Punkte:
– Rating von Unternehmen auf Basis von 21 CSR-Kriterien nach internationalen Standards und aktuell geltenden Leitlinien
und Regulierungen – z. B. ISO 26000 (Bereich Umwelt, soziale Aspekte, Unternehmensführung)
– Zusätzliche Betrachtung externer Informationsquellen (z. B. NGOs)
– Prüfung und Analyse durch CSR-Analyst:innen mit erprobter Methodik
– Überprüfung der Dokumente in allen Sprachen
– Transparenz und Glaubwürdigkeit gegenüber Stakeholder:innen
Zielsetzungen
– Ziel des ÖBB-Konzerns ist es hierbei, dass bis 2023 60% des Beschaffungsvolumens auf Nachhaltigkeit beurteilt ist.
Zum 31.12.2023 wurde dieses Ziel erreicht.
Seite 293 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
88
Ökologische Kriterien finden im Beschaffungswesen bei den Zuschlagskriterien, sowie in der Leistungsbeschreibung,
insbesondere bei den technischen Spezifikationen und der Festlegung von Ausführungsbedingungen, Anwendung. Erfolgt
die Berücksichtigung über Zuschlagskriterien, ergeht der Zuschlag der entsprechenden Vergabe an das technisch und
wirtschaftlich günstigste Angebot (Bestbieterprinzip). In den Ausschreibungsunterlagen werden hierbei alle
Zuschlagskriterien (z. B. Qualität, Preis, technischer Wert, Ästhetik, Zweckmäßigkeit, Umwelteigenschaften,
Betriebskosten, Rentabilität, Kund:innendienst und technische Hilfe, Lieferzeitpunkt und Lieferungs- bzw.
Ausführungsfrist), deren Verwendung vorgesehen ist, im Verhältnis der ihnen zuerkannten Bedeutung (Gewichtung der
Zuschlagskriterien) angegeben. Ziel der Beschaffung nach dem Bestbieterprinzip ist es, für Auftraggeber:innen aus der
Beschaffung den größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen und die Kosten für Auftraggeber:innen möglichst
gering zu halten. Beispiele für ökologische Zuschlagskriterien sind Fuhrweiten (Entfernungen), Ressourcenverbrauch,
umweltschädliche Inhaltsstoffe, Emissionen im Produktionsprozess, Grad der Verwertbarkeit bzw. Wiederverwendbarkeit
des Produktes oder von Teilen des Produktes, Wartungs- und Entsorgungskosten etc.
Im Zuge der Leistungsbeschreibung werden bei der Definition des Auftragsgegenstandes die ökologischen Anforderungen
an Produkte und Dienstleistungen bereits in der Planungsphase eines Projekts miteinbezogen. Denn je früher
Umweltaspekte innerhalb des Vergabeprozesses berücksichtigt werden, desto eher können sie umgesetzt werden. Es wird
verstärkt auf eine ökologische Auswahl von Baustoffen geachtet (z. B. durch die Festlegung der Verwendung von grünem
Beton, welcher durch Reduktion des Bedarfs an Zement weniger CO
2
-Äquivalent in der Herstellung verursacht). Dies erfolgt
in Zusammenarbeit mit Expert:innen zur Beurteilung von Schadstoffanalysen, Marktangebot und Ökobilanzergebnissen.
Es ist weiters darauf zu achten, dass Festlegungen nicht bewirken dürfen, dass bestimmte Unternehmen von vornherein
Wettbewerbsvorteile genießen. Die Festlegungen müssen allgemein zugänglich sein.
In diesem Rahmen wird auch die nachhaltige Beschaffung betrachtet. Im Wesentlichen erfolgt dies bei der Definition des
Auftragsgegenstandes. Hierzu werden bei der Systemauswahl und Auswahl der Baustoffe, insbesondere spätere
Erhaltungsaufwendungen, die Lebensdauer, sowie der Ausstoß von Treibhausgasen berücksichtigt. Dafür wurde unter
anderem im Rahmen der Zuschlagskriterien ein Kriterium für die Bewertung der „LifeCycleCosts” von Brückentragwerken
entwickelt bzw. werden bei Alternativangeboten auch im Rahmen des Zuschlagskriteriums Auswirkungen auf die
„LifeCycleCosts” berücksichtigt. Für die Ermittlung der Treibhausgasemissionen wurde ein TCO-CO
2
-Berechnungsmodell
entwickelt.
Da der Beschaffungsprozess im Rahmen der Risikoanalyse ein wesentliches Element darstellt, wurden Kontrollen und
zugehörige Tests im Rahmen des internen Kontrollsystems (IKS) installiert. Wesentlichstes Element hierbei ist die
Durchführung des Vergabeverfahrens unter Einhaltung des Vieraugenprinzips bei den wesentlichen Entscheidungen und
Verfahrensschritten als generelles Optimierungs- und Kontrollinstrument. Im Konkreten bedeutet dies, dass jede Vergabe
zumindest durch zwei Mitarbeiter:innen im Sinne eines Kontroll- und Steuerungselementes begleitet wird. Als
konzernweite Vorgabe hat dies im Rahmen des Lead-Buyer-Prinzips zu erfolgen (Lead-Buyer ist der:die zuständige
Einkäufer:in der entsprechenden Warengruppe). Dies bedeutet, dass sämtliche Beschaffungen, deren geschätzter
Auftragswert mehr als 50.000 EUR beträgt, über die jeweils zuständige Lead-Buyer-Gesellschaft durchzuführen sind.
Davon ausgenommen sind Abrufe von Rahmenverträgen, die von einer Lead-Buyer-Gesellschaft abgeschlossen wurden.
Als Test der Wirksamkeit dieser Kontrolle werden im Rahmen des IKS monatliche Auswertungen durchgeführt und im IKS-
System quartalsweise dokumentiert.
Eine weitere Kontrolle im Rahmen des internen Kontrollsystems ist die Anwendung der Ausschreibungsplattform „ProVia”.
Dadurch wird einerseits gewährleistet, dass der Beschaffungsprozess einheitlich abgewickelt und entsprechend
dokumentiert wird. Zudem sind über die Ausschreibungsplattform Prozessschritte vorhanden, die im Hinblick auf die
Compliance eine möglichst hohe Sicherheit bieten. Beispielhaft sind hier der Datenraum und die geheime Bieter:innenwahl
zu nennen. Zu dieser Kontrolle werden ebenfalls im Rahmen des IKS monatliche Auswertungen durchgeführt und im IKS-
System quartalsweise dokumentiert.
Als weitere Maßnahme wurde der vom ÖBB-Konzern im Jahr 2021 eingeführte Verhaltenskodex für Lieferant:innen auf
alle im Beschaffungssystem „ProVia” enthaltenen Beschaffungen angewendet. Der Kodex muss von den Lieferant:innen
vor der Zusammenarbeit akzeptiert werden. Im Jahre 2023 konnte das Beschaffungsvolumen, das einer unabhängigen
CSR-Bewertung unterzogen wurde, von 53% auf 62% gesteigert werden. Zusätzlich führt die ÖBB-Infrastruktur AG
risikobasierte Lieferant:innenaudits durch, die kontinuierlich weiterentwickelt und an neue Anforderungen angepasst
werden. Seit 2021 gibt es außerdem die Möglichkeit, sich über einen ÖBB-Konzern-eigenen Fragebogen einstufen zu
lassen. Diese kostenlose Option zielt insbesondere auf Klein- und Mittelunternehmen ab. Dieser Fragenbogen wird
gegenwärtig unter Berücksichtigung der Weiterentwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen angepasst.
Aktuell wird mit den Kontrollen und Tests
– die korrekte Begründung der Durchführung eines Vergabeverfahrens unter Anwendung eines Ausnahmetatbestandes,
– die zwingende Durchführung einer vertieften Angebotsprüfung im Falle einer sehr hohen Überschreitung des
Auftragswertes im Vergleich zur vergaberechtlichen Kostenschätzung,
– die Einhaltung der vorgegebenen Einbeziehung des Einkaufs ab der Lead-Buyer-Grenze sowie
– die Anwendung des vergaberechtlich vorgegebenen Rotationsprinzips
im Rahmen des internen Kontrollsystems überprüft.
Seite 294 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
89
Sustainable Finance
Offenlegung gem. Artikel 8 EU-Taxonomie-Verordnung
Damit die Ziele des EU-Green-Deals erreicht und eine wirksame Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft
gelingt, sind hohe Investitionen erforderlich.
56
Diese Transformation können die Staaten nicht selbstständig finanzieren.
Es benötigt zusätzlich private Investitionen. Basierend auf diesen Erkenntnissen ist der EU-Aktionsplan „Finanzierung
nachhaltigen Wachstums”
57
mit zehn Maßnahmen entstanden. Die bedeutendste davon ist die Einführung eines
einheitlichen Klassifikationssystems für ökologisch nachhaltige Tätigkeiten – die sogenannte EU-Taxonomie-Verordnung
(EU-Taxonomie-VO). Dadurch soll eine Lenkung von Kapitalströmen in ökologisch nachhaltige Investitionen und Tätigkeiten
gefördert sowie Greenwashing vermieden werden.
Im Juni 2020 wurde die EU-Taxonomie-Verordnung (EU) 2020 / 852 veröffentlicht. Laut dieser sind Wirtschaftstätigkeiten
ökologisch nachhaltig, die einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung von mindestens einem Umweltziel leisten, dabei kein
anderes Umweltziel erheblich negativ beeinträchtigen und festgelegte soziale Mindestschutzstandards einhalten
(Artikel 3 EU-Taxonomie-VO). Die EU-Taxonomie-VO enthält insgesamt sechs Umweltziele (Artikel 9 EU-Taxonomie-VO) –
Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen,
Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung, Schutz und
Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme.
Für das erste Berichtsjahr 2021 kam eine vereinfachte Umsetzung der EU-Taxonomie-VO (Erleichterungsbestimmung) zur
Anwendung. Betroffene Nicht-Finanzunternehmen waren lediglich verpflichtet, im ersten Jahr der Berichterstattung eine
Evaluierung der Taxonomiefähigkeit (Artikel 8 EU-Taxonomie-VO) ihrer Wirtschaftstätigkeiten auf Basis der ersten beiden
Umweltziele (Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel) durchzuführen und die auf die taxonomiefähigen und
nicht taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten entfallenden Anteile der Umsatzerlöse, Investitionen (CapEx) und
Betriebsausgaben (OpEx) offenzulegen. Seit dem Geschäftsjahr 2022 erfolgt die verpflichtende Offenlegung sowohl der
taxonomiefähigen als auch der taxonomiekonformen Anteile der Wirtschaftstätigkeiten in Form der bereits genannten
Leistungskennzahlen (Umsatzerlöse, CapEx, OpEx).
Wie bereits im Geschäftsjahr 2022 werden auch im Geschäftsjahr 2023 die Anteile von taxonomiefähigen und -konformen
Wirtschaftstätigkeiten für die ersten beiden Umweltziele (Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel) in Form von
Leistungskennzahlen offengelegt. Zusätzlich erfolgt eine Offenlegung der Anteile an taxonomiefähigen
Wirtschaftstätigkeiten für die weiteren vier Umweltziele (nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und
Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung,
Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme). Die Ermittlung des Anteils an taxonomiekonformen
Wirtschaftstätigkeiten für die weiteren vier Umweltziele ist gemäß Delegierte Verordnung (EU) 2023 / 2486 für das
Geschäftsjahr 2023 nicht erforderlich. Die Leistungskennzahlen wurden im Geschäftsjahr 2023 mit der gleichen Methodik
wie im Vorjahr ermittelt. Des Weiteren wurde im Geschäftsjahr 2023 eine Aktualisierung der Betroffenheitsanalyse für alle
sechs Umweltziele durchgeführt.
Die ÖBB-Infrastruktur AG als ein Unternehmen von öffentlichem Interesse ist seit dem Geschäftsjahr 2021 verpflichtet, die
Offenlegungsanforderungen gemäß der EU-Taxonomie-VO zu erfüllen (Artikel 1 EU-Taxonomie-VO).
Vorgehensweise zur Evaluierung taxonomiefähiger und taxonomiekonformer Wirtschaftstätigkeiten im ÖBB-
Konzern
Nach Veröffentlichung der EU-Taxonomie-VO wurde ein Projektteam gebildet, das sich mit der EU-Taxonomie und ihren
Auswirkungen befasst. Aufgrund der sich derzeit noch entwickelnden Rechtslage können sich zukünftig noch Änderungen
hinsichtlich der Einstufungen / Bewertungen und Offenlegung ergeben.
56
Europäischer Grüner Deal (COM (2019) 640 final), https://eur-lex.europa.eu/resource.html?uri=cellar:b828d165-1c22-11ea-8c1f-
01aa75ed71a1.0021.02/DOC_1&format=PDF.
57
Aktionsplan: Finanzierung nachhaltigen Wachstums (COM (2018) 97 final), https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52018DC0097.
Seite 295 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
90
Taxonomiefähige Wirtschaftstätigkeiten
Die Evaluierung der taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten erfolgte auf Basis der Delegierten Verordnung (EU)
2021 / 2139, der Delegierten Verordnung (EU) 2023 / 2485 und der Delegierten Verordnung (EU) 2023 / 2486 für alle
sechs Umweltziele. Die Wirtschaftstätigkeiten der Delegierten Verordnung (EU) 2022 / 1214 wurden nicht weiter analysiert,
da der ÖBB-Infrastruktur-Konzern keine Wirtschaftstätigkeiten im Bereich der Kernenergie oder im Bereich fossilen Gases
ausübt.
Zur Ermittlung der relevanten Finanzkennzahlen wurde eine Liste der taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns erstellt, welche jährlich evaluiert und gegebenenfalls aktualisiert wird. Der 360-Grad-Screening-
Prozess zur Evaluierung gliedert sich dabei in folgende Schritte:
– Screening der NACE-Codes nach den Kriterien „zutreffend”, „vielleicht”, und „nicht zutreffend” eingeteilt.
– Vergleich der NACE-Codes mit jenen der jeweiligen Wirtschaftstätigkeiten je Gesellschaft im „EU Taxonomy Compass”
der Europäischen Kommission.
– Durchführung einer Betroffenheitsanalyse auf Basis der Beschreibung der Tätigkeiten in den jeweiligen Delegierten
Verordnungen sowie der Prozesse und Geschäftstätigkeiten im ÖBB-Infrastruktur-Konzern.
– In Abstimmungsterminen mit Fachexpert:innen wurden dabei die unklaren bzw. nicht eindeutigen
Wirtschaftstätigkeiten „Vielleicht-Kriterium” näher betrachtet.
– Überprüfung der Kennzahlen auf relevante Wirtschaftstätigkeiten. Die analysierten Finanzkennzahlen stehen im
Einklang mit den Konsolidierungsgrundsätzen, die für die Finanzberichterstattung des Konzerns nach den anwendbaren
Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS) gelten.
– Auf Basis dieser Liste mit relevanten Wirtschaftstätigkeiten wurde das bestehende Reportingsystem um eine
Eingabemaske mit dem Rahmenwerk von zuordenbaren Einzelmaßnahmen ergänzt, um eine entsprechende
standardisierte Datenerhebung zu ermöglichen.
Taxonomiekonforme Wirtschaftstätigkeiten
Zur Ermittlung der relevanten Finanzkennzahlen für die Umweltziele Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel
wurde die Liste der identifizierten taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten herangezogen und folgende weitere Schritte
gesetzt:
– Erhebung des wesentlichen Beitrags zu dem Umweltziel Klimaschutz oder Anpassung an den Klimawandel und
Sicherstellung der Einhaltung der technischen Bewertungskriterien sowie der „Do No Significant Harm”-Kriterien (DNSH-
Kriterien) durch Fachexpert:innen. Im Zuge der Analyse erfolgt weiters die Durchführung einer Klimarisiko- und
Vulnerabilitätsanalyse. Dazu wurden physische Klimarisiken, die für die Wirtschaftstätigkeiten wesentlich sind, einer
robusten Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse unterzogen, nähere Informationen zur Klimarisiko- und
Vulnerabilitätsanalyse finden sich in Kapitel G.2 – Anpassung an den Klimawandel. Anschließend folgte eine Bewertung
bereits vorhandener Anpassungsmaßnahmen und ob zukünftig zusätzliche Anpassungslösungen erforderlich sind, um
wesentliche physische Klimarisiken zu reduzieren. In einem letzten Schritt wurde sichergestellt, dass die sozialen
Mindestschutzstandards in Anlehnung an die internationalen Rahmenwerke wie die OECD-Guidelines für multinationale
Unternehmen, die UN Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die Grundprinzipien und Rechte aus der
Internationalen Charta der Menschenrechte sowie die Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO –
engl. ILO) eingehalten werden. Die Anforderungen gemäß Artikel 18 EU-Taxonomie-VO werden im ÖBB-Infrastruktur-
Konzern erfüllt. Nähere Informationen zu den Themen der Mindestschutzstandards sind in den Kapiteln G.3, G.5, G.6
zu finden.
– Die Überprüfung der Taxonomiekonformität der identifizierten Wirtschaftstätigkeiten aus den weiteren Umweltzielen
muss gemäß der Delegierten Verordnung (EU) 2023 / 2486 für das Geschäftsjahr 2023 nicht erfolgen. Die Ergänzungen
und Änderungen der Umweltziele Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel gemäß Delegierten Verordnung
(EU) 2023 / 2485 wurden bei der Beurteilung der Taxonomiekonformität mitberücksichtigt.
Mit der Überschneidung der Ergebnisse der technischen Bewertungskriterien und der Erfüllung der DNSH-Kriterien sowie
dem positiven Abschluss der Analyse der sozialen Mindestschutzstandards ergibt sich das nachfolgende dargestellte
Ergebnis für die Taxonomiekonformität des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Wie in den Offenlegungstabellen ersichtlich, sind
zum aktuellen Zeitpunkt nicht alle taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten auch taxonomiekonform, da einerseits für die
vier weiteren Umweltziele (Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, Übergang zu einer
Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung, Schutz und Wiederherstellung der
Biodiversität und der Ökosysteme) für das Geschäftsjahr 2023 nur die Ermittlung der Taxonomiefähigkeit gefordert ist und
zusätzlich in gewissen Bereichen die technischen Bewertungskriterien bzw. die DNSH-Kriterien (noch) nicht erfüllt werden.
Seite 296 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
91
Taxonomiefähige Wirtschaftstätigkeiten in der ÖBB-Infrastruktur-AG
Für die Geschäftstätigkeit des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns sind aufgrund der sehr breiten Struktur aktuell 13 (Vj: 11) der
in den Delegierten Verordnungen zur Ergänzung der EU-Taxonomie-VO derzeit angeführten Wirtschaftstätigkeiten für die
sechs Umweltziele relevant und damit taxonomiefähig.
Aus aktueller Sicht wurden folgende taxonomiefähige Wirtschaftstätigkeiten identifiziert:
Umweltziel
Nr. der
Aktivität
Aktivität
Beschreibung Prozess
CCM / CCA
4.1
Stromerzeugung
mittels
Fotovoltaiktechnologie
Betrieb von und Vermarktung der Erzeugung von FV-Anlagen
CCM / CCA
4.3
Stromerzeugung aus
Windkraft
Betrieb von und Vermarktung der Erzeugung von Windkraftanlagen
CCM / CCA
4.5
Stromerzeugung aus
Wasserkraft
Betrieb und die Vermarktung der Erzeugung der Wasserkraftwerke
CCM / CCA
4.9
Übertragung und
Verteilung von
Elektrizität
Transport von Bahnstrom vom Anschluss an 50Hz-Netz bzw. Kraftwerk bis zum
Endverbraucher (Triebfahrzeug)
CCM / CCA
4.10
Speicherung von
Strom
Bau und Betrieb von Pumpspeicherkraftwerken
CCM / CCA
4.15
Fernwärme- /
Fernkälteverteilung
Verteilung von Fernwärme- / kälte und Betrieb von zugehörigen Netzen
(Hauptversorgung) vom öffentlichen Anschluss zum:zur Verbraucher:in
CE
5.3
Vorbereitung zur
Wiederverwendung
von Altprodukten und
Produktkomponenten
Aufbereitung von Betonschwellen und Schienen
CCM / CCA
6.5
Beförderung mit
Motorrädern,
Personenkraftwagen
und Nutzfahrzeugen
Anbieten eines bedarfsgerechten sowie ökologischen Mobilitätsangebotes inkl. der
erforderlichen Systeme und Serviceleistungen (Rail & Drive, Car:pool)
CCM / CCA
6.14
Schienenverkehrsinfras
truktur
Planen, Bauen (Erneuerung und Ausbau), Erhalten, Besitzen und Betreiben von
Schieneninfrastruktur
CCM / CE
7.2 / 3.2
Renovierung
bestehender Gebäude
Die Gebäuderenovierung entspricht den geltenden Anforderungen an größere
Renovierungen
CCM / CCA
7.3
Installation, Wartung
und Reparatur von
energieeffizienten
Geräten
Einzelne Renovierungsmaßnahmen, die in der Installation, Wartung oder Reparatur
von energieeffizienten Geräten bestehen
CCM / CCA
7.7
Erwerb von und
Eigentum an
Gebäuden
Erwerb von Immobilien und Ausübung des Eigentums an diesen Immobilien
CCM Climate Change Mitigation (Klimaschutz)
CCA Climate Change Adaptation (Anpassung an den Klimawandel)
CE Circular Economy (Kreislaufwirtschaft)
Bei der Durchführung der Betroffenheitsanalyse der weiteren vier Umweltziele wurden zusätzlich zu den elf bisherigen
taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten weitere zwei Wirtschaftstätigkeiten – 3.2 Renovierung bestehender Gebäude
und 5.3 Vorbereitung zur Wiederverwendung von Altprodukten und Produktkomponenten – identifiziert.
Seite 297 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
92
Kennzahlen zur EU-Taxonomie-VO
Die berichteten Kennzahlen zu den taxonomiefähigen und taxonomiekonformen Umsatzerlösen, CapEx und OpEx wurden
in Übereinstimmung mit den Vorgaben des Artikel 8 des Delegierten Rechtsakts der EU-Taxonomie-VO berechnet. Im
Vergleich zum Vorjahr gab es keine signifikanten Änderungen bei der Vorgangsweise zur Berechnung der KPIs.
Im Bereich der Kernenergie und des fossilen Gases wurden keine Wirtschaftstätigkeiten identifiziert (siehe Meldebogen 1)
und somit werden auch keine Leistungskennzahlen (Umsatzerlöse, CapEx und OpEx) berichtet bzw. wird auf die
Offenlegung der weiteren Meldebögen verzichtet.
Zeile
Tätigkeiten im Bereich Kernenergie
1.
Das Unternehmen ist im Bereich Erforschung, Entwicklung, Demonstration und
Einsatz innovativer Stromerzeugungsanlagen, die bei minimalem Abfall aus
dem Brennstoffkreislauf Energie aus Nuklearprozessen erzeugen, tätig,
finanziert solche Tätigkeiten oder hält Risikopositionen im Zusammenhang mit
diesen Tätigkeiten.
NEIN
2.
Das Unternehmen ist im Bau und sicheren Betrieb neuer kerntechnischer
Anlagen zur Erzeugung von Strom oder Prozesswärme – auch für die
Fernwärmeversorgung oder industrielle Prozesse wie die Wasserstofferzeugung
– sowie bei deren sicherheitstechnischer Verbesserung mithilfe der besten
verfügbaren Technologien tätig, finanziert solche Tätigkeiten oder hält
Risikopositionen im Zusammenhang mit diesen Tätigkeiten.
NEIN
3.
Das Unternehmen ist im sicheren Betrieb bestehender kerntechnischer Anlagen
zur Erzeugung von Strom oder Prozesswärme – auch für die
Fernwärmeversorgung oder industrielle Prozesse wie die Wasserstofferzeugung
– sowie bei deren sicherheitstechnischer Verbesserung tätig, finanziert solche
Tätigkeiten oder hält Risikopositionen im Zusammenhang mit diesen
Tätigkeiten.
NEIN
Tätigkeiten im Bereich fossiles Gas
4.
Das Unternehmen ist im Bau oder Betrieb von Anlagen zur Erzeugung von
Strom aus fossilen gasförmigen Brennstoffen tätig, finanziert solche Tätigkeiten
oder hält Risikopositionen im Zusammenhang mit diesen Tätigkeiten.
NEIN
5.
Das Unternehmen ist im Bau, in der Modernisierung und im Betrieb von
Anlagen für die Kraft-Wärme / Kälte-Kopplung mit fossilen gasförmigen
Brennstoffen tätig, finanziert solche Tätigkeiten oder hält Risikopositionen im
Zusammenhang mit diesen Tätigkeiten.
NEIN
6.
Das Unternehmen ist im Bau, in der Modernisierung und im Betrieb von
Anlagen für die Wärmegewinnung, die Wärme / Kälte aus fossilen gasförmigen
Brennstoffen erzeugen, tätig, finanziert solche Tätigkeiten oder hält
Risikopositionen im Zusammenhang mit diesen Tätigkeiten.
NEIN
Umsatzerlöse, die mit taxonomiekonformen Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind (KPI-Umsatzerlöse)
Basierend auf den Vorgaben der EU-Taxonomie-VO werden bei der Umsatzkennzahl die Umsätze aus
taxonomiekonformen Wirtschaftstätigkeiten im Verhältnis zu den Netto-Gesamtumsatzerlösen des Konzerns gemäß
IAS 1.82(a) ausgewiesen.
Seite 298 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
93
Der KPI-Umsatzerlös für das Geschäftsjahr 2023 stellt sich wie folgt dar:
J Ja
N Nein
EL Taxonomie fähig („eligible“)
N / EL nicht taxonomiefähig („not eligible“)
E Ermöglichende Tätigkeit („enabling activity“)
T Übergangstätigkeit („transitional activity“)
Seite 299 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
94
Der taxonomiekonforme Umsatzanteil wird als der Teil des Nettoumsatzes mit Waren oder Dienstleistungen einschließlich
immaterieller Güter, die mit taxonomiekonformen Wirtschaftstätigkeiten (= Zähler) verbunden sind, geteilt durch den
Nettoumsatz (= Nenner) berechnet. Die Berechnung erfolgt jeweils für den Berichtszeitraum 01.01. bis 31.12. für die
relevanten Umweltziele.
Die oben angeführten Umsatzerlöse je Wirtschaftstätigkeit setzen sich überwiegend aus Erlösen aufgrund von Verträgen
mit Kund:innen nach IFRS 15 iSd Anhangs der Delegierten Rechtsakte der EU-Taxonomie-VO zusammen. Umsatzerlöse aus
dem Bereich Verkehr (Wirtschaftstätigkeit 6.5.) und dem Sektor aus Gewerbe und Immobilien und Verkehr
(Wirtschaftstätigkeit 6.14) enthalten Umsatzerlöse aus Verträgen mit Kunden (IFRS 15).
Im Jahr 2023 lassen sich rd. 66,4% (Vj: rd. 54,4%) des Umsatzes der ÖBB-Infrastruktur Konzerns in Höhe von
rd. 1.249,5 Mio. EUR (Vj: rd. 984,4 Mio. EUR) (siehe Erläuterung 4 in den Erläuterungen zum Konzernabschluss) als
taxonomiekonform klassifizieren.
Den größten Beitrag leistet hier die Wirtschaftstätigkeit
6.14 Schienenverkehrsinfrastruktur. Diese umfasst zum Beispiel die Planung und den Bau von Schieneninfrastruktur, die
Zurverfügungstellung von Schieneninfrastruktur samt Anlagen und Einrichtungen sowie den Betrieb und die Erhaltung
von bedarfsgerechter und sicherer Schieneninfrastruktur. Als taxonomiefähig, jedoch nicht konform, wird ein Anteil von
12,5% (Vj: rd. 14,1%) des Gesamtumsatzes im Geschäftsjahr 2023 angesetzt, welcher sich aus den nicht erfüllenden
technischen Bewertungskriterien vorwiegend im Bereich Baugewerbe und Immobilien der Wirtschaftstätigkeit 7.7 Erwerb
und Eigentum an Gebäuden ergibt. Die ausgewiesenen taxonomiekonformen Umsatzerlöse entfallen mit rd. 64,2%
(Vj: rd. 51,7%) auf Umsätze aufgrund von Verträgen mit Kund:innen und rd. 2,2% (Vj: rd. 2,6%) auf sonstige Umsatzerlöse.
Investitionsausgaben für Vermögenswerte, die mit taxonomiekonformen Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind
(KPI CapEx)
Für die Berechnung der CapEx-Kennzahl werden die gesamten Zugänge (vor Abschreibungen, Neubewertungen,
Wertminderungen und vor Abzug von Kostenbeiträgen) von Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten sowie
Zugänge von Nutzungsrechten gemäß IFRS 16, Zugänge zu als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien und Zugänge im
Zusammenhang mit Unternehmenszusammenschlüssen entsprechend dem Konzern-Anlagenspiegel herangezogen. Nicht
relevant sind Investitionen über Joint Ventures, Investitionen in Finanzinstrumente, Vorauszahlungen sowie
Leasingverhältnisse, die zu keiner Anerkennung eines Nutzungsrechts führen.
In Absprache mit dem BMK werden die Investitionen gemäß Rahmenplan und in weiterer Folge des sonstigen
Investitionsplans der Aktivität 6.14 Schieneninfrastruktur exklusive der aktivierten Fremdkapitalzinsen nach IAS 23
berichtet. Im Sinne der Vergleichbarkeit wird diese Vorgehensweise auch für die Berichterstattung gem. EU-Taxonomie-
Verordnung übernommen. Entsprechend dieser Logik werden auch die gesamten Investitionen, also der Nenner, exklusive
der aktivierten Fremdkapitalzinsen berichtet. Hieraus ergibt sich keine wesentliche Auswirkung auf die Höhe der
Kennzahlen.
Seite 300 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
95
Der KPI CapEx für das Geschäftsjahr 2023 stellt sich wie folgt dar:
J Ja
N Nein
EL Taxonomie fähig („eligible“)
N / EL nicht taxonomiefähig („not eligible“)
E Ermöglichende Tätigkeit („enabling activity“)
T Übergangstätigkeit („transitional activity“)
Seite 301 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
96
Die Zugänge je Wirtschaftstätigkeit betreffen überwiegend Zugänge aus Investitionen in Sachanlagen (IAS 16). Der Bereich
Verkehr verzeichnet im Rahmen der Schienenverkehrsinfrastruktur zusätzlich Investitionen in immaterielle
Vermögenswerte (IAS 38), Zugänge von Leasingverhältnissen (IFRS 16) sowie Zugänge von als Finanzinvestitionen
gehaltenen Immobilien. Die Zugänge im Bereich Baugewerbe und Immobilien setzen sich aus Investitionen in Sachanlagen
(IAS 16) und Leasingverhältnissen (IFRS 16) zusammen.
Im Geschäftsjahr 2023 lassen sich rd. 81,6% (Vj: rd. 79,2%) der Investitionsausgaben des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns als
taxonomiekonform verzeichnen (siehe Erläuterungen 14, 15 und 16 in den Erläuterungen zum Konzernabschluss). Auch
hier liefert die Wirtschaftstätigkeit 6.14. „Schienenverkehrsinfrastruktur” prozentual den größten Beitrag in Höhe von
rd. 76,7% (Vj: rd. 73,2%). Zurückzuführen ist dies auf den aktuellen Rahmenplan des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Darüber
hinaus klassifizieren sich rd. 12,2% (Vj: rd. 15,5%) der Investitionen als taxonomiefähig, jedoch nicht als ökologisch
nachhaltige Tätigkeiten aufgrund der fehlenden Voraussetzungen für die Erfüllung der technischen Bewertungskriterien
oder der „Do no significant harm”-Kriterien. Rd. 3,7% (Vj: rd. 3,9%) der Gesamtzugänge standen nicht in Zusammenhang
mit umsatzbezogenen Wirtschaftstätigkeiten („Topf C Investitionen“).
Für die Wirtschaftstätigkeit 6.14. Schienenverkehrsinfrastruktur wurde im Zuge der Ermittlung der KPI CapEx mittels
Detailanalyse überprüft, ob der Rahmenplan der ÖBB-Infrastruktur AG, der die tatsächlichen und künftigen elektrifizierten
Strecken 2023 bis 2028 mit einem Volumen von rd. 19,0 Mrd. EUR betrifft, die Voraussetzungen für einen CapEx-Plan
gem. Delegierter Verordnung (EU) 2021 / 2178, Anhang I, Punkt 1.1.2.2. erfüllt. Anhand einer Detailanalyse konnte
festgestellt werden, dass die Kriterien erfüllt werden.
Der Rahmenplan wird jährlich von der Republik Österreich im Ministerrat beschlossen und vom Aufsichtsrat der ÖBB-
Infrastruktur AG genehmigt. Mit dem Rahmenplan werden wesentliche Aspekte des Regierungsprogramms im
Bahnbereich auf Schiene gebracht und ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Klimaneutralität geleistet. Die wesentliche
Grundlage für die Erstellung der ÖBB Rahmenpläne bildet das Zielnetz der ÖBB-Infrastruktur AG, in welchem die
wesentlichen verkehrspolitischen Zielsetzungen verankert sind (siehe Erläuterungen C.5 im Konzernlagebericht). Unter
anderem bildet die vollständige Dekarbonisierung des Bahnverkehrs bis 2040 einen wichtigen Schwerpunkt und zielt auf
einen wirtschaftlich optimalen Mix aus Elektrifizierung von Strecken und dem Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen
Antriebstechnologien auf Grundlage der Elektrifizierungsstrategie ab. Die aktuelle und künftige Elektrifizierung der
Strecken laut Rahmenplan bildet die Basis für die Zugänge gem. Art. 8 EU-Taxonomie-Verordnung zur Wirtschaftstätigkeit
6.14. Schienenverkehrsinfrastruktur. Der Ausbau der Elektrifizierung der Schienenverkehrsinfrastruktur leistet einen
wesentlichen Beitrag zum Umweltziel Klimaschutz. Es liegen keine relevant einzustufenden Forschungs-, Entwicklungs-
oder Innovationstätigkeiten vor. Die Elektrifizierung weiterer Streckenabschnitte soll bis 2035 erfolgen. Der umfassende
Kapitalaufwand im Geschäftsjahr 2023, der während des Berichtszeitraums anfällt, bemisst sich auf rd. 2.827,9 Mio. EUR
(Vj: rd. 2.571,2 Mio. EUR).
Nicht aktivierte direkte Betriebsausgaben gem. EU-Taxonomie-VO, die mit taxonomiekonformen
Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind (KPI OpEx)
Betriebsausgaben gemäß Definition der EU-Taxonomie-VO sind neben nicht aktivierungsfähigen Ausgaben für Forschung-
und Entwicklungsmaßnahmen, Ausgaben für kurzfristige Leasingverhältnisse, alle Instandhaltungs- und
Reparaturausgaben sowie sonstige direkt zurechenbare Kosten, die für die laufende Instandhaltung und Erhaltung der
Funktionalität der immateriellen und materiellen Vermögenswerte relevant sind.
Seite 302 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
97
Der KPI OpEx für das Geschäftsjahr 2023 stellt sich wie folgt dar:
J Ja
N Nein
EL Taxonomie fähig („eligible“)
N / EL nicht taxonomiefähig („not eligible“)
E Ermöglichende Tätigkeit („enabling activity“)
T Übergangstätigkeit („transitional activity“)
Die Basis für die Ermittlung der Betriebsausgaben bilden die jeweiligen Aufwandsposten gemäß IFRS Konzern-Gewinn-
und-Verlust-Rechnung. Im Zähler findet sich jener Teil der angeführten Betriebsausgaben, die auf taxonomiefähige und
taxonomiekonforme Umsätze entfallen. Der Nenner umfasst alle Betriebsaufwendungen aus den Kategorien
Gebäudesanierungsmaßnahmen, kurzfristiges Leasing, Wartung und Reparatur sowie sämtliche anderen direkten
Ausgaben im Zusammenhang mit der täglichen Wartung.
Seite 303 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
98
Der Anteil der taxonomiekonformen Betriebsausgaben bemisst sich für das Geschäftsjahr 2023 auf rd. 47,0%
(Vj: rd. 47,1%). Den größten Beitrag leistet auch hier nach wie vor die Wirtschaftstätigkeit
6.14. Schienenverkehrsinfrastruktur mit rd. 43,5% (Vj: rd. 43,7%). Als taxonomiefähig, aber nicht ökologisch nachhaltig
werden rd. 29,1% (Vj: rd. 29,3%) der Betriebsausgaben angeführt. Die Betriebsausgaben ökologisch nachhaltiger
Tätigkeiten (taxonomiekonform) in Höhe von rd. 47,0% ergeben sich aus Wartungen und Reparaturen (externe
Werkstätten, Material und bezogene Leistungen) und dem daraus resultierenden Personalaufwand.
Vermeidung von Doppelzählungen
Die identifizierten taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten im ÖBB-Infrastruktur-Konzern leisten bis auf die
Wirtschaftstätigkeit 5.3. Vorbereitung zur Wiederverwendung von Altprodukten und Produktkomponenten aus dem
vierten Umweltziel (Kreislaufwirtschaft, CE) zu 100% einen wesentlichen Beitrag zum ersten Umweltziel (Klimaschutz,
CCM). Des Weiteren werden durch die Zuordnung der Tätigkeiten der einzelnen Gesellschaften im Konzern zu einer
konkreten Wirtschaftstätigkeit aus der EU-Taxonomie-VO ebenfalls Doppelzählungen vermieden. Durch einzelne
Prüfschritte wurde gewährleistet, dass die Wirtschaftstätigkeiten im Bereich Umsatz, CapEx und OpEx voneinander
abgrenzbar sind und Doppelzählungen vermieden werden.
Wesentlichkeiten
Bei der Herleitung der Werte zur Ermittlung der taxonomierelevanten Kennzahlen wurde die Grundgesamtheit betrachtet
und analysiert. Die Betriebsausgaben für die Wirtschaftstätigkeiten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns können nicht als „nicht
erheblich” für das Geschäftsmodell angesehen werden, somit wurde diese Erleichterungsbestimmung nicht in Anspruch
genommen, mit der Ausnahme der Wirtschaftstätigkeit 5.3. Die Betriebsausgaben in Zusammenhang mit der
Wirtschaftstätigkeit 5.3. Vorbereitung zur Wiederverwendung von Altprodukten und Produktkomponenten
(Kreislaufwirtschaft, CE) werden als nicht erheblich angesehen, da die damit verbundenen Umsatzerlöse rd. 0,01% des
taxonomiefähigen Gesamtumsatzes entsprechen. In den Folgejahren wird die Auswirkung der Kennzahlen aus dieser
Tätigkeit auf Basis des Verhältnisses zum Gesamtumsatz erneut geprüft und gegebenenfalls berichtet.
Taskforce on Climate-related Financial Disclosures (TCFD)
Die ÖBB-Infrastruktur AG berichtet zu den Empfehlungen der Taskforce on Climate-related Financial Disclosures, besser
bekannt als TCFD. Das ist eine im Dezember 2015 gestartete Initiative des Financial Stability Board (FSB), einem
internationalen Gremium, das mit Unterstützung der G20-Mitglieder gegründet wurde, um die internationale
Finanzstabilität zu fördern. Der Zweck der TCFD ist es, dabei zu helfen, die Informationen zu identifizieren, die von
Investoren, Kreditgebern und Versicherungsunternehmen benötigt werden, um klimabezogene Risiken und Chancen
angemessen zu beurteilen und zu bewerten. Im Jahr 2017 veröffentlichte die TCFD im Auftrag des FSB seine
abschließenden Empfehlungen. Diese Empfehlungen bieten einen Rahmen für die Entwicklung wirkungsvollerer
klimabezogener Finanzinformationen durch bestehende Berichterstattungsprozesse.
In diesem Bericht werden an folgenden Stellen allgemeine klimabezogene Informationen der ÖBB-Infrastruktur AG zur
Verfügung gestellt:
– Auswirkungen des Klimawandels auf die ÖBB-Infrastruktur AG – siehe Kapitel Anpassung an den Klimawandel
– Klimaresilienz und Klimaszenarien – siehe Kapitel Sustainable Finance / Offenlegung gem. Artikel 8 EU-Taxonomie-
Verordnung und Kapitel ESG Risiko- und Auswirkungsanalyse / Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse
– Wesentliche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel im ÖBB-Infrastruktur-Konzern:
• Strategische Maßnahmen: Klimaschutz und Anpassungen an den Klimawandel sind wesentliche Themen der ÖBB-
INFRA.Nachhaltigkeitsstrategie (mit Zielen, Stoßrichtungen, Kennzahlen und Maßnahmenportfolio) – siehe Kapitel
INFRA.Mobilitätswende, ESG Risiko- und Auswirkungsanalyse, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel
Spezielle Empfehlungen der TCFD zur Offenlegung
Die TCFD setzt sich für die Offenlegung von Informationen zu klimabedingten Chancen und Risiken von Unternehmen ein.
Diese müssen darstellen, wie sie in den Bereichen Governance, Strategie, Risikomanagement und mithilfe messbarer
Zielsetzungen aufgestellt sind, um wesentliche klimabezogene Chancen zu nutzen und Risiken zu verringern.
Seite 304 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
99
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern unterstützt die Empfehlungen der TCFD zur Berichterstattung spezieller klimabezogener
Informationen, legt diese Informationen gemäß TCFD offen und verweist auch auf entsprechende Seiten im Bericht mit
weiterführenden detaillierteren Angaben:
Bereich
TCFD-relevante Detailinformation
Kapitel
Governance zu klimabezogenen
Risiken und Chancen Aufsicht / Steuerung:
Aufsichtsrat ÖBB-Infrastruktur AG
und Steuerung ÖBB-Infrastruktur AG
Top-Management
G.2. Allgemein
Prozess / Werkzeuge:
Chancen- und Risikomanagement
F. Chancen- und Risikobericht
G.2. ESG Risiko- und Auswirkungsanalyse
Nachhaltigkeitsmanagement
G.2. Nachhaltigkeitssteuerung
Nachhaltigkeitsstrategie
C.5. #INFRA.Mobilitätswende –
Die Unternehmensstrategie
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
G.2. Allgemein – Wesentlichkeitsanalyse
Strategie Konzernstrategie (Umfeldanalysen)
C.5. Die Unternehmensstrategie
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Nachhaltigkeitsstrategie
C.5. #INFRA.Mobilitätswende –
Die Unternehmensstrategie
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Klimaschutzstrategie /
Dekarbonisierungspfade
G.3. Klimaschutz
G.3. Nachhaltige Beschaffung
Klimarelevantes Risikomanagement
Chancen- und Risikomanagement
G.2. ESG Risiko- und Auswirkungsanalyse
Klimaschutzstrategie /
Dekarbonisierungspfade
(jährlicher Zielabgleich, Monitoring,
Anpassungsmaßnahmen)
G.3. Klimaschutz
G.3. Anpassung an den Klimawandel
Indikatoren und Zielsetzungen
Ziele Nachhaltigkeitsstrategie - Klimaschutz
G.3. Klimaschutz
Ziele Nachhaltigkeitsstrategie -
Anpassung an den Klimawandel G.3. Anpassung an den Klimawandel
CO
2
-Fußabdruck (Treibhausgasbilanz)
G.3. Klimaschutz
Kennzahlen zu Klimaschutz
G.3. Klimaschutz, Sustainable Finance
Kennzahlen zu Anpassung
an den Klimawandel
G.3. Anpassung an den Klimawandel,
Sustainable Finance
Corporate ESG-Rating
Seit dem Jahr 2012 wird die ÖBB-Infrastruktur AG in regelmäßigen Abständen
durch ISS ESG (vormals oekom research AG) im Sektor Transportinfrastruktur
einem ESG-Rating (Environment, Social, Governance) unterzogen, wobei über
100 Indikatoren zur Beurteilung herangezogen werden.
Das aktuelle Update des Ratings erfolgte im Jahr 2023. Dabei wurde die ÖBB-
Infrastruktur AG wieder mit PRIME als Topinvestment für ethische,
ökologische und sozial verantwortliche Veranlagung bewertet. Bei der
unabhängig durchgeführten Bewertung wurden
Transportinfrastrukturunternehmen aus Europa, Nord- und Südamerika, Asien
und Australien einer strengen Prüfung unterzogen. Damit unterstreicht die ÖBB-Infrastruktur AG ihre internationale
Vorreiterrolle. Investitionen in Bahninfrastruktur stellen daher eine besonders nachhaltige Form der Veranlagung mit
hohem Mehrwert für Umwelt und Gesellschaft dar. Gerade im Lichte des EU-Green-Deals und der damit verbundenen EU-
Taxonomie ist das von enormer Bedeutung.
Als eine der international führenden ESG-Ratingagenturen ist ISS ESG-Spezialist für die unabhängige Analyse und
Bewertung ökologischer und sozialer Leistungen von Unternehmen, die sich zur Finanzierung von Projekten Geld vom
Kapitalmarkt holen. ISS ESG versorgt Investoren mit unabhängigen Bewertungen, damit diese ihre
Investitionsentscheidungen unter strengen Nachhaltigkeitsgesichtspunkten treffen können.
Weitere Informationen zum ISS-ESG-Rating unter: https://www.issgovernance.com/esg/ratings/corporate-rating/.
Seite 305 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
100
G.4. Sozial- und Arbeitnehmer:innenbelange (inkl. Stakeholder:innenmanagement)
Stakeholder:innenmanagement
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern steht mit einer Vielzahl von Stakeholder:innen in Kontakt: Eigentümer, Politik und Behörden,
Privat- und Geschäftskund:innen, Anrainer:innen, Mitarbeiter:innen und andere ÖBB-Konzerngesellschaften,
Kooperationspartner:innen, Investor:innen, Lieferant:innen sowie Öffentlichkeit und Medien.
Kund:innengruppen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Ein wesentlicher Teil der externen Stakeholder:innen sind die Kund:innengruppen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns:
Mit 70 Eisenbahnverkehrsunternehmen und vier Authorized Applicants (NEVU) bestehen Infrastrukturnutzungsverträge
(Stichtag 31.12.2023). Der Anteil externer EVU gemessen an den Zugkilometern beträgt im Personenverkehr 7,7%
(Vj: 6,9%). Im Güterverkehr liegt der Anteil externer EVUs auf der Basis von Bruttotonnenkilometern bei 41,9% (Vj: 39,9%).
Der gestiegene Anteil externer EVU im Personenverkehr ist vor allem auf die Ausweitung der Verkehre der
WESTbahn GmbH nach Tirol zurückzuführen.
2023 hatten 56 externe Kunden einen Bahnstromnetznutzungsvertrag mit der ÖBB-Infrastruktur AG abgeschlossen und
53 davon auch einen Energielieferungsvertrag (Stand 31.12.2023). Dies entspricht wie im Vorjahr einem Marktanteil von
rd. 95% im liberalisierten Bahnstrom- bzw. Energiemarkt. Alle Kunden der ÖBB-Infrastruktur AG werden seit
01.01.2018 mit Bahnstrom, der zu 100% aus erneuerbaren Energieträgern stammt, versorgt.
Kund:innenzufriedenheit
Im Bereich „Markt- / Vertragskunde” (B2B) und „Kunde” (B2C) werden in regelmäßigen Intervallen (mindestens alle zwei
Jahre) Kund:innenzufriedenheitsumfragen durchgeführt. Im Bereich der Kund:innengruppen „Eigentümer / Politisches
Umfeld” wird aufgrund der Komplexität und der laufenden Zusammenarbeit auf gesonderte
Kund:innenzufriedenheitsumfragen verzichtet.
Es gibt hier unterschiedliche Methoden für Umfragen, die angewendet werden (quantitativ, qualitativ,
Strukturgleichungsmodelle etc.). Der Mehrwert dieser Umfragen bei diesen Kund:innengruppen kann wie folgt
beschrieben werden:
– Kenntnis über Zufriedenheit der Leistungserbringungen
– Erhebung von konkreten Verbesserungspotenzialen
– Kenntnis über zukünftige Erwartungen / langfristigen Kund:innenbedarf
– Originalfeedback der Nutzer:innen
– Wissen um Grundmeinungen zur ÖBB-Infrastruktur AG zur Ableitung von strategischen Stärken und Schwächen bzw.
Chancen und Risiken
Seite 306 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
101
Zielsetzungen
– Steigerung der Kund:innenzufriedenheit auf 76 Punkte im Jahr 2030.
Die Zufriedenheit der B2C-Kund:innen mit den Leistungen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns wird durch ein externes
Unternehmen mittels einer konzernweiten Befragung von Fahrgästen erhoben. Die Erhebung erfolgt durch
Telefoninterviews, schriftlich anhand von Fragebögen (Selbstausfüller) und Beobachtungen bzw. Mystery-Touren. Für den
KPI-Wert wird die Bewertung der Selbstausfüller herangezogen. Es werden für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern relevante
Fragen zu folgenden Themen abgefragt: Pünktlichkeit, Barrierefreiheit Bahnhof, Wegeleitsystem am Bahnhof,
Informationen am Bahnhof im Regelfall, Gesamtreisezeit & Fahrtdauer, persönliches Sicherheitsgefühl am Bahnhof,
Sauberkeit und Erhaltungszustand Bahnhof, Information am Bahnhof bei Unregelmäßigkeit, passende
Anschlussverbindungen an andere Züge, Bahnhof Infrastruktur, Wartebereiche.
Die maximale Punkteanzahl beträgt 100 Punkte. Die Kund:innenzufriedenheit (Selbstausfüller) für 2023 beträgt 74 Punkte
und ist als „gut” zu bezeichnen. Die Beibehaltung der Kund:innenzufriedenheit ist eine große Herausforderung, deshalb
wird mit nur einer geringen Steigerung gerechnet.
Die Ergebnisse der Kund:innenzufriedenheitsumfragen werden dem Unternehmen bzw. den betroffenen Bereichen durch
den Stab „Unternehmensentwicklung” zur Verfügung gestellt, wodurch die Basis für die weitere strategische Ausrichtung
sowie zur weiteren Ableitung von operativen Maßnahmen gegeben ist.
Beschwerdemanagement
Unabhängig von Umfragen ist das Kund:innenservice (Beschwerdemanagement) ein Gradmesser der
Kund:innenzufriedenheit. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat ein zentrales Kund:innenservice im Bereich „B2C” für
Stakeholder:innen wie z. B. Fahrgäste, Anrainer:innen, Bahnhofsbesucher:innen etc. implementiert. Dort werden Anfragen
und Beschwerden zu Infrastrukturthemen wie Ausstattung der Bahnhöfe (Park & Ride, Lift, Sitzgelegenheiten …),
Kund:inneninformation am Bahnhof, Sauberkeit der Bahnhöfe, Bauarbeiten etc. bearbeitet. Anliegen, die den
Personenverkehr betreffen, werden direkt vom Kund:innenservice des ÖBB-Personenverkehrs bearbeitet.
Anfragen und Beschwerden, die im ÖBB-Infrastruktur-Konzern via Brief, E-Mail (infra.kundenservice@oebb.at),
Kontaktformular (https://infrastruktur.oebb.at/de/kontakt/kontaktformular) oder Social Media eintreffen, werden vom
Kund:innenservice bearbeitet und an die Fachbereiche weitergeleitet. Eine (Erst-)Antwort an die Kund:innen soll innerhalb
von 48 Stunden (an Werktagen) erfolgen. Gesetz dem Fall, dass andere Teilkonzerne des ÖBB-Konzerns davon betroffen
wären, werden diese Anfragen und Beschwerden an diese weitergeleitet.
Während des Ablaufs der Bearbeitung von Anfragen und Beschwerden werden Aktionspunkte sowie Anlagen
(Eingangsmail, ggf. Schriftverkehr mit Kund:innen, interner Schriftverkehr, E-Mail-Unzustellbarkeitsprotokolle usw.) in der
IT-Applikation „Remedy-Beschwerdemanagement” erfasst und gespeichert. Periodische Auswertungen sind Grundlage für
das Management.
Information und Bewusstseinsbildung
Als Errichter und Bauherr von zahlreichen Schieneninfrastruktur-Großprojekten, die unter hochkomplexen
Rahmenbedingungen – großteils bei laufendem Betrieb – realisiert werden, kommt dem Stakeholder:innen-Management
eine große Bedeutung zu. Planungs- und Bauprojekte erfordern für eine erfolgreiche Umsetzung eine maßgeschneiderte
und in sich stimmige projektbegleitende Öffentlichkeitsarbeit. Information, Kommunikation und weitestgehende
Einbindung der von den Projekten berührten Bevölkerung bilden die wichtigsten Säulen der eingesetzten Maßnahmen.
Die wichtigsten Stakeholder:innen sind neben den politischen Partner:innen die unmittelbaren Anrainer:innen der Projekte
und Arbeiten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Aber auch Reisende, die von Einschränkungen der Bauarbeiten betroffen
sind, zählen zu den wichtigen Dialoggruppen.
In der Anrainer:innen- und Stakeholder:innen-Kommunikation wird auf zwei Säulen gesetzt: einerseits auf die möglichst
transparente Informationspolitik auf Augenhöhe und andererseits auf die möglichst frühe Information und Einbindung
aller Akteur:innen. Eine klare Kommunikation, die zum Beispiel darauf hinweist, dass Bauarbeiten für einen begrenzten
Zeitraum lärmintensiv sein können und zu Einschränkungen führen, gehört dazu.
Die niederschwelligste Form der Partizipation ist die Information: Maßnahmen können hier etwa Informationsfolder,
Ausstellungen, Informationsveranstaltungen oder Online-Informationsangebote sein. In der Planung und Umsetzung von
Bahninfrastrukturvorhaben kommen bewährte Modelle der Stakeholder:innen- und Bürger:innenbeteiligung zum Einsatz:
Mit „Runden Tischen”, Dialogforen oder begleiteten Trassenauswahlverfahren werden die notwendigen Akteur:innen
frühzeitig ins Boot geholt. So kommt es in den meisten Fällen zu einer akzeptablen Lösung für alle.
Insbesondere jene Stakeholder:innen, die die Infrastruktur mitfinanzieren (Gemeinden, Länder, Bund) sind zur
Kommunikation der größten Meilensteine (Spatenstiche, Eröffnungen) eingeladen.
Seite 307 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
102
Das Thema „Sicherheit auf Bahnanlagen” ist von besonderer Bedeutung, weswegen die Bewusstseinsbildung zu Gefahren
an Bahnanlagen notwendig ist. Jedes Jahr verunglücken in Österreich Menschen infolge von unüberlegtem Handeln,
Unwissenheit und Leichtsinn an Gleisanlagen, einige leider auch mit tödlichem Ausgang. Um diese Unfälle zu vermeiden,
gilt es, vor allem Jugendliche zu informieren und entsprechend aufzuklären. Daher startet jedes Jahr zu Schulbeginn eine
Sicherheitskampagne, um das sichere Verhalten in der Nähe von Bahnanlagen zu fördern. Somit wird eine der wichtigsten
und potenziell gefährdetsten Stakeholder:innengruppen direkt eingebunden. Zentraler Angelpunkt der Kampagne ist die
ÖBB-Website www.passaufdichauf.at sowie weiters oebb.at/Sicherheit.
Darüber hinaus werden Schulen österreichweit Sicherheitsvorträge zur Bewusstseinsbildung für Gefahren an Bahnanlagen
angeboten.
Dem Thema „Bewusstseinsbildung für das richtige Verhalten vor Eisenbahnkreuzungen” wird jedes Jahr rund um den
„International Level Crossing Awareness Day” (ILCAD) Anfang Juni besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Aus diesem
Anlass wurden 2023 Folder zur Sicherheit an Eisenbahnkreuzungen verteilt sowie in einer Presseinformation über die
möglichen Gefahren vor Eisenbahnkreuzungen, die sich aus Unachtsamkeit ergeben, aufgeklärt. Ein europaweiter
Ideenaustausch zum internationalen Eisenbahnkreuzungstag erfolgt im Rahmen von ILCAD-Meetings des Internationalen
Eisenbahnverbands (UIC).
Als Kooperationspartner beim ÖAMTC-Event „YoMoCon“ vermittelt die ÖBB-Infrastruktur AG Sicherheit auf spielerische
Weise. YoMoCon steht für Young Mobility Convention und ist eine Veranstaltung des ÖATMC Oberösterreich, die am 03.
und 04.07.2023 im ÖAMTC Fahrtechnikzentrum Marchtrenk stattgefunden hat. Die ÖBB-Infrastruktur AG hat daran als
Kooperationspartner teilgenommen, um das Bewusstsein für mögliche Gefahren an Bahnanlagen für die teilnehmenden
Schüler:innen zu schärfen. Die Veranstaltung gehört zu den größten Verkehrssicherheitsevents in ganz Österreich. Die
YoMoCon leistet mit ihrem Konzept der „Verkehrssicherheit zum Angreifen“ einen wichtigen Beitrag zur
Bewusstseinsbildung und zur Erlangung von Kompetenzen für die Mobilität junger Verkehrsteilnehmer:innen. Dabei
leisteten Kolleg:innen der ÖBB-Infrastruktur AG und ein Team der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG vor Ort mit
interaktiven Stationen und kurzweiligen Vorträgen für mehr Sicherheit ihren Beitrag. In vier Stationen wurden dabei 1.650
Schüler:innen aus 81 Schulklassen sicherheitsrelevante Themen spielerisch näher gebracht.
Personal
Der ÖBB-Konzern als attraktiver Arbeitgeber mit Vielfalt
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern wird stetig vielfältiger und befindet sich inmitten eines Generationenwandels. Im Jahr 2023
sind 830 Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung in den Ruhestand gewechselt, und 784 Mitarbeiter:innen haben den ÖBB-
Infrastruktur-Konzern verlassen. Um dem entgegenzuwirken, wurden 2023 im ÖBB-Infrastruktur-Konzern
1.869 Mitarbeiter:innen aufgenommen. Aufgrund der Mobilitätswende und der zunehmenden Technologisierung ändern
sich die Anforderungen an die Führungskräfte und Mitarbeiter:innen, die eingesetzten Technologien und die dafür
benötigten Qualifikationen. Die Hauptthemen und Herausforderungen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns sind dabei der
Generationenwandel, den ÖBB-Infrastruktur-Konzern als attraktiven und diversifizierten Arbeitgeber zu positionieren, die
Gesundheit der Mitarbeiter:innen zu fördern sowie Aus- und Weiterbildungen zielgerichtet anzubieten.
Wichtige Personalkennzahlen auf einen Blick
Der Mitarbeiter:innenstand des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns setzt sich wie folgt zusammen:
Veränderung
Durchschnitt
Anzahl Mitarbeiter:innen Köpfe
31.12.2023
31.12.2022
Stichtag
in %
2023
2022
Angestellte
6.255
5.599
656
12%
5.975
5.358
Arbeiter:innen
3.881
3.599
282
8%
3.791
3.516
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung
6.842
7.678
-836
-11%
7.255
8.076
Gesamt aktive Mitarbeiter:innen
16.978
16.876
102
1%
17.021
16.950
Lehrlinge
1.563
1.498
65
4%
1.354
1.349
Gesamt mit Lehrlingen
18.541
18.374
167
1%
18.375
18.299
Seite 308 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
103
Veränderung
Durchschnitt
Anzahl Mitarbeiter:innen FTE
31.12.2023
31.12.2022
Stichtag
in %
2023
2022
Angestellte
6.093,5
5.452,8
640,7
12%
5.819,6
5.223,4
Arbeiter:innen
3.865,9
3.587,3
278,6
8%
3.777,5
3.505,8
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung
6.705,3
7.527,0
-821,7
-11%
7.110,1
7.918,3
Gesamt aktive Mitarbeiter:innen
16.664,7
16.567,1
97,6
1%
16.707,2
16.647,5
Lehrlinge
1.563,0
1.498,0
65,0
4%
1.354,2
1.348,9
Gesamt mit Lehrlingen
18.227,7
18.065,1
162,6
1%
18.061,4
17.996,4
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung sind ÖBB Angestellte, die den „Allgemeinen Vertragsbedingungen für Dienstver-
träge bei den Österreichischen Bundesbahnen” (AVB) unterliegen, vor dem 01.01.1995 eingetreten und aufgrund der
Bestimmungen der AVB unkündbar sind. Diese Mitarbeiter:innengruppe wird in den nächsten Jahren angesichts der
bevorstehenden Pensionierungswelle kleiner.
Die Mitarbeiter:innen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns unterliegen zum Großteil Kollektivverträgen oder den Allgemeinen
Vertragsbedingungen (AVB, die überwiegende Mehrheit davon mit Definitivstellung). In der Tochtergesellschaft Rail
Equipment GmbH & Co KG gibt es für eine kleine Gruppe an Mitarbeiter:innen keinen zugrundeliegenden Kollektivvertrag.
Hier ist das Angestelltengesetz anwendbar. Somit unterliegen in Summe 99,9% der Mitarbeiter:innen einem
Kollektivvertrag. Unterscheidungen in den Vergütungssystemen von Frauen und Männern gibt es keine. Grundsätzlich
werden im Anwendungsbereich von Kollektivverträgen die vertraglich festgelegten Mindestgehälter gewährt. Ein großer
Anteil der Mitarbeiter:innen bezieht ein über diesen Mindestgehältern liegendes Entgelt.
Der Personalstand des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns stieg im Berichtsjahr auf 18.541 Mitarbeiter:innen. Rd. 37%
(Vj: rd. 42%) des Personalstands entfielen auf Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung. Das Durchschnittsalter (exkl.
Lehrlinge) lag bei rd. 44,4 (Vj: rd. 45,0) Jahren. Der Frauenanteil (inkl. Lehrlingen) betrug rd. 12,3% (Vj: rd. 11,0%).
Die Geschlechterverteilung nach Arbeitsverhältnis
4.354
4.831
3.313
3.534
7.397
6.571
1.292
1.330
16.356
16.266
1.245
1.424
286
347
281
271
206
233
2.018
2.275
2022 2023 2022 2023 2022 2023 2022 2023 2022 2023
Angestellte Arbeiter:innen Mitarbeiter:innen mit
Definitivstellung
Lehrlinge Gesamtanzahl
Mitarbeiter:innen
Gesamtanzahl Mitarbeiter:innen ÖBB-Infrastruktur-Konzern per 31.12.
Männlich Weiblich
Seite 309 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
104
Im Jahr 2023 waren 15.827 (Vj: 15.901) Männer und 1.855 (Vj: 1.651) Frauen vollzeitbeschäftigt sowie 439 (Vj: 455)
Männer und 420(Vj: 367) Frauen teilzeitbeschäftigt.
Darüber hinaus waren im Geschäftsjahr 2023 durchschnittlich 286 (Vj: 294) externe Leasingkräfte (FTE), insbesondere im
Bereich Facility-Services (Sicherheit, Reinigung), beschäftigt.
Im Jahr 2023 befanden sich im ÖBB-Infrastruktur-Konzern in Summe 406 (Vj: 411) Mitarbeiter:innen in einem befristeten
und 18.135 (Vj: 17.963) Mitarbeiter:innen in einem unbefristeten Dienstverhältnis, davon 291 (Vj: 302) Männer sowie 115
(Vj: 109) Frauen in einem befristeten und 15.975(Vj: 16.054) Männer sowie 2.160 (Vj: 1.909) Frauen in einem unbefristeten
Dienstverhältnis.
Aufgenommene
Mitarbeiter:innen ÖBB-
Infrastruktur-Konzern
1)
GRI 401-1
2023 2022
Frau % Mann % Frau % Mann %
Angestellte
288
20,2%
493
10,2%
236
19,0%
378
8,7%
Arbeiter:innen
76
21,9%
488
13,8%
45
15,7%
413
12,5%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung 0
0,0% 1
0,0% 0
0,0% 0
0,0%
Lehrlinge
88
37,8%
435
32,7%
83
40,3%
371
28,7%
Mitarbeiter:innen
452
19,9%
1.417
8,7%
364
18,0%
1.162
7,1%
Angestellte
153
38,3%
232
20,4%
116
35,3%
192
18,6%
Arbeiter:innen
14
16,5%
240
13,8%
12
16,2%
208
12,1%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Lehrlinge
88
37,8%
435
32,7%
83
40,3%
371
28,7%
Mitarbeiter:innen Inland
unter 30 Jahre alt
255
35,5%
907
21,6%
211
34,6%
771
19,0%
Angestellte
129
15,3%
231
7,4%
112
15,2%
165
5,9%
Arbeiter:innen
37
24,7%
220
14,3%
25
19,7%
183
13,3%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung 0
0,0% 1
0,1% 0
0,0% 0
0,0%
Lehrlinge
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Mitarbeiter:innen Inland
zwischen 30 und 50 Jahre alt
166
15,9%
452
8,5%
137
14,6%
348
6,6%
Angestellte
6
3,3%
30
5,1%
8
4,5%
21
4,1%
Arbeiter:innen
25
22,3%
28
10,9%
8
9,4%
22
10,3%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Lehrlinge
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Mitarbeiter:innen Inland
über 50 Jahre alt
31
6,0%
58
0,9%
16
3,4%
43
0,6%
1)
Die Rate der Austritte wurde mit einer einfachen Berechnung der Daten (Stichtag: 31.12.) ermittelt. Anzahl der Mitarbeiter:innen, die den ÖBB-Infrastruktur-
Konzern verlassen haben / Anzahl der Mitarbeiter:innen nach Arbeitsvertrag * 100.
Seite 310 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
105
Mitarbeiter:innen, die den ÖBB-
Infrastruktur-Konzern verlassen
haben
1)
GRI 401-1
2023
2022
Frau
%
Mann
%
Frau
%
Mann
%
Angestellte
119
8,4%
239
4,9%
89
7,1%
179
4,1%
Arbeiter:innen
27
7,8%
325
9,2%
34
11,9%
290
8,8%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
10
3,7%
837
12,7%
23
8,2%
815
11,0%
Lehrlinge
10
4,3%
64
4,8%
19
9,2%
72
5,6%
Mitarbeiter:innen
166
7,3%
1.465
9,0%
165
8,2%
1.356
8,3%
Angestellte
60
15,0%
92
8,1%
44
13,4%
77
7,4%
Arbeiter:innen
12
14,1%
221
12,7%
14
18,9%
200
11,6%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Lehrlinge
10
4,3%
64
4,8%
19
9,2%
72
5,6%
Mitarbeiter:innen Inland
unter 30 Jahre alt
82
11,4%
377
9,0%
77
12,6%
349
8,6%
Angestellte
42
5,0%
113
3,6%
35
4,7%
75
2,7%
Arbeiter:innen
9
6,0%
86
5,6%
11
8,7%
80
5,8%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
1
2,0%
7
1,0%
0
0,0%
8
0,7%
Lehrlinge
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Mitarbeiter:innen Inland
zwischen 30 und 50 Jahre alt
52
5,0%
206
3,9%
46
4,9%
163
3,1%
Angestellte
17
9,3%
34
5,8%
10
5,6%
27
5,2%
Arbeiter:innen
6
5,4%
18
7,0%
9
10,6%
10
4,7%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
9
4,1%
830
14,1%
23
11,1%
807
12,8%
Lehrlinge
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Mitarbeiter:innen Inland
über 50 Jahre alt
32
6,2%
882
13,1%
42
9,0%
844
12,0%
1)
Die Rate der Austritte wurde mit einer einfachen Berechnung der Daten (Stichtag: 31.12.) ermittelt. Anzahl der Mitarbeiter:innen, die den ÖBB-Infrastruktur-
Konzern verlassen haben / Anzahl der Mitarbeiter:innen nach Arbeitsvertrag * 100.
Aus- und Weiterbildung
Einen besonderen Schwerpunkt setzt die ÖBB-Infrastruktur AG bei der Aus- und Weiterbildung. Mit Blick auf den
Fachkräftebedarf einerseits und dem bereits laufenden Generationenwandel andererseits begleitet das Unternehmen
Lehrlinge und Mitarbeiter:innen mit einem abgestimmten und umfangreichen Angebot an Ausbildungen vom Ein- bis zum
Austritt. Neue Mitarbeiter:innen werden rasch ins Unternehmen integriert und jobrelevantes Wissen systematisch
aufgebaut. Das erlangte Wissen wird gesichert an die nächste Generation weitergegeben.
Zielsetzungen
– Bereitstellung umfassender fachlicher und persönlicher Entwicklungsmöglichkeiten für Lehrlinge und Mitarbeiter: innen
– Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs
– Erhöhung des Frauenanteils bei der Lehrlingsausbildung auf ≥ 20% bis 2026 (siehe Kapitel Vielfalt und
Chancengleichheit)
Fachausbildung und Lehrlingsausbildung im ÖBB-Infrastruktur-Konzern
Der Geschäftsbereich „Aus- und Weiterbildung” (AWB) bietet für die fachliche Ausbildung Lehrveranstaltungen in höchster
Qualität für den ÖBB-Konzern und die österreichische Wirtschaft an. Ein Großteil der Lehrberufe, die gesamte betriebliche
Aus- und Weiterbildung, die technische Ausbildung sowie die fahrzeugtechnische Ausbildung der Mitarbeiter:innen, wird
vom Geschäftsbereich durchgeführt, zudem werden Kooperationen mit externen Bildungsanbietern koordiniert.
Die ÖBB-Infrastruktur AG bietet als größter technischer Lehrlingsausbilder österreichweit 20 Lehrberufe sowie sieben
Spezialmodule an. Aktuell werden rd. 1.800 junge Menschen, davon 17,3% Mädchen (inklusive Lehrlinge der Allgemeinen
Privatstiftung für berufliche Bildung) zu hochqualifizierten Facharbeiter:innen ausgebildet, vorrangig in technischen
Berufsfeldern. Die Lehrlinge profitieren von modernen Lehr- und Lernmitteln sowie neu errichteten Lehrwerkstätten. Im
Jahr 2023 wurden 442 Lehrabschlussprüfungen positiv abgeschlossen. Davon konnten bisher rd. 80% der Lehrlinge
übernommen werden. Die Ausbildung ist staatlich ausgezeichnet, so zum Beispiel mit dem Wiener Qualitätssiegel als
„TOP-Lehrbetrieb” oder dem „ineo-Award”. Die Lehrabsolvent:innen erlangen jährlich zahlreiche Preise und
Auszeichnungen bei Berufswettbewerben.
Seite 311 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
106
Die Lehrlingsausbildung der ÖBB-Infrastruktur AG hat in den letzten Jahren in viele neue und moderne Anlagen investiert.
So wurde bereits im Oktober 2018 die neue Lehrwerkstätte in Wien eröffnet. Im 10. Bezirk bietet die Lehrwerkstätte Wien
aktuell rd. 642 Lehrlingen optimale Bedingungen zum Erlernen eines technischen Berufs auf modernstem Stand. Am
Standort befindet sich auch ein eigens eingerichtetes Zukunftslabor, in dem neben dem 3D-Druck auch Robotik, Virtual
Reality und Augmented Reality für Ausbildungszwecke eingesetzt und weiterentwickelt werden. So wurde von
Ausbilder:innen und Lehrlingen ein Virtual-Reality-Projekt umgesetzt, in dem der Wiener Hauptbahnhof digital
nachgebildet wurde und Instandhaltungsaufgaben an Signalanlagen eingeübt werden können. Die Augmented Reality
unterstützt den modernen Lernprozess mit dreidimensionalen und interaktiven Abbildungen in den Ausbildungsunterlagen
wie z. B. Abbildungen eines Elektromotors von außen, innen und bewegt.
Auch in andere Standorte wird investiert. In den letzten Jahren wurden die Lehrwerkstätten Feldkirch, Innsbruck,
Knittelfeld und ganz aktuell Attnang-Puchheim sowie das Lehrlingswohnhaus in St. Pölten neu- bzw. umgebaut. Und auch
im Bereich der angebotenen Berufe tut sich etwas. Seit Herbst 2019 erlernen junge Menschen die zukunftsweisenden
Berufe „E-Commercekauffrau / -mann” und Applikationsentwicklung – Coding. Zusätzlich wird seit 2020 noch der
Lehrberuf „Elektrotechnik – Energietechnik und Kälteanlagentechnik” angeboten, der im Bereich der „Grünen Wirtschaft”
Mehrwert schafft.
Die ÖBB-Infrastruktur AG fördert darüber hinaus „Lehre und Matura” und eröffnet somit ihren Lehrlingen eine Möglichkeit
der Weiterqualifizierung, welche von 216 Jugendlichen wahrgenommen wird. Neben der fachlichen Ausbildung hat auch
die Förderung der sozialen Kompetenz einen hohen Stellenwert. Unter dem Motto „Frauen & Mädchen in die Technik!”
engagiert sich die Lehrlingsausbildung dafür, die technische Ausbildung für Frauen und Mädchen noch attraktiver zu
gestalten, und konnte damit unter den Lehrlingen 2023 einen Frauenanteil von rd. 20% bei den Neuaufnahmen erreichen.
Für dieses Engagement wurde die Lehrlingsausbildung der ÖBB-Infrastruktur AG nach 2019 im Jahr 2023 erneut mit dem
„amaZone-Award” ausgezeichnet.
„Diversität ist eine Chance“ – die ÖBB-Infrastruktur AG betreibt ein speziell auf die Bedürfnisse von jugendlichen
Flüchtlingen ausgerichtetes Ausbildungsprojekt. 93 Flüchtlinge werden mit speziellen Förderprogrammen, intensivem
Training in Deutsch und Mathematik sowie Nachhilfe und Mentoring während ihrer gesamten Lehrzeit unterstützt.
Beschleunigt durch die Pandemiesituation wurden die E-Learning-Systeme zur Verbesserung der pädagogischen Vielfalt
stark weiterentwickelt. So wurde im März 2020 eine Lernplattform für die Lehrlinge installiert, welche im Rahmen der
notwendigen Distance-Learning-Maßnahmen eine Vielzahl von Lerninhalten zeit- und ortsunabhängig zur Verfügung
gestellt hat.
Im Bereich der Erwachsenenausbildung werden diskriminierungsfrei für interne und externe Kund:innen 257 verschiedene
Bildungsprodukte angeboten. Neben den eisenbahnspezifischen Ausbildungen sind nun auch die technischen
Ausbildungen der vier Fachlinien Bautechnik, Elektrotechnik, Fahrwegtechnik und Leit- und Sicherungstechnik / Telematik
organisatorisch im Geschäftsbereich AWB angesiedelt.
Im Bereich der eisenbahnspezifischen und technischen Ausbildung liegt der Schwerpunkt der beiden Bildungszentren in
der Wiener Kundratstraße und am Bildungscampus in St. Pölten weiterhin auf den eisenbahnspezifischen Berufsbildern
Triebfahrzeugführer:innen, Fahrdienstleiter:innen, Verschub, Wagenmeister:innen sowie
Eisenbahninfrastrukturtechniker:innen. Insgesamt schulten die über hundert Fachausbilder:innen an rd. 126.600
Schulungstagen.
Darüber hinaus sind alle neun regionalen Trainingszentren und acht Trainingsstandorte ein wesentlicher Teil, betriebliches
Wissen und Know-how im Zuge des anstehenden Generationenwechsels an neue Mitarbeiter:innen weiterzugeben. Die
regionalen Standorte setzen die Durchführung der betrieblichen und technischen Weiterbildung um und tragen somit zu
einer sicheren Betriebsführung bei. Im Jahr 2023 umfasste diese 31.502 Teilnehmer:innen.
Die ÖBB-Infrastruktur AG bietet hierfür auch die Aus- und Weiterbildung für Mitarbeiter:innen von 560 konzernexternen
Drittfirmen an. Weiters werden jährlich Tausende interne und externe Teilnehmer:innen für sicheres Verhalten und
Arbeiten im Gleisbereich geschult.
Alle zwei Jahre werden Befragungen der internen sowie externen Kund:innen durchgeführt. Bei der Teilnahme an der groß
angelegten B2B-Kund:innenzufriedenheitsstudie der ÖBB-Infrastruktur AG wurde 2022 ein Mittelwert von 1,5 (nach
Schulnoten) erreicht. Die wichtigsten Assets sind Ausbildungsqualität und starke Kund:innenbeziehung.
Seite 312 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
107
Technologischer Fortschritt verändert die eisenbahnspezifischen Berufe und damit die Aus- und Weiterbildungen des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns. Viele Teile der Aus- und Weiterbildung erfolgen über E-Learning, wodurch auch früher notwendige
Reisetätigkeiten stark reduziert werden können. Statt umfangreiche gedruckte Skripten auszugeben, werden Ressourcen
gespart und die Lernunterlagen digital ausgefertigt. Dafür wurden die Teilnehmer:innen in der fahrzeug- und
traktionstechnischen Ausbildung mit Tablets sowie Teilnehmer:innen in der Ausbildung Fahrdienstleiter:in mit Laptops
ausgerüstet. 2021 wurde eine eigene digitale Taskforce eingerichtet, die seither – gemeinsam mit den Lehrkräften –
definierte Inhalte in Aus- und Weiterbildungen für Blended-Learning mittels Lern-Apps, E-Learnings und Formate im
Bereich VR / AR aufbereitet und ausrollt. Damit soll flexibles Arbeiten im zunehmend dynamischen Umfeld unterstützt
werden. Ziel ist es, den Schwerpunkt auf digitale Lernformate in Kombination mit klassischen Schulungsformaten zu legen
und moderne Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten.
Im Bereich Nachhaltigkeit in den Bildungszentren hat man am Standort Wien erneut den Ratifizierungsprozess für das
österreichische Umweltzeichen eingereicht. Der topmoderne Bildungscampus für eisenbahnspezifische Berufe wurde mit
dem „klimaaktiv Gebäudestandard” ausgezeichnet. Die Überprüfung für das österreichische Umweltzeichen wurde am
Campus erfolgreich durchgeführt.
Personalentwicklung
Das gesamte Produktportfolio zur Weiterbildung von Führungskräften, Expert:innen und Mitarbeiter:innen wird von der
Personalentwicklung verantwortet. Der Fokus der diversen Bildungsangebote und Programme wird einerseits auf die
Entwicklung persönlicher sowie sozialer und andererseits auf die Entwicklung fachlicher Kompetenzen gelegt.
Im Bereich des Onboardings wurden die „INFRA Welcome Days” nach der Pandemie 2023 wieder im Präsenzformat
angeboten, um neue Mitarbeiter:innen willkommen zu heißen und ihnen Orientierung und Informationen zur ÖBB-
Infrastruktur AG zu geben. Darüber hinaus wurde am Projekt für das konzernweit einheitliche Onboarding ab 2024
mitgearbeitet. Im November 2023 fand der erste konzernübergreifende Onboarding-Day statt.
2023 fand der zweite Durchgang des „DACH Leadership Network”-Programms statt, welcher im länderübergreifenden
Kontext, gemeinsam mit den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und der Deutschen Bahn (DB) organisiert wurde. Das
Programm wurde im Jahr 2018 ins Leben gerufen, aufgrund der positiven Resonanz wurde ein zweiter Durchgang
beschlossen. Die Zielgruppe waren Führungskräfte aus der zweiten Berichtsebene. Das Ziel dieses Programms ist es, das
gegenseitige Verständnis bezüglich Kultur und Führung zu stärken. Das Lernen voneinander und der gegenseitige
Erfahrungsaustausch bezogen auf Führung und Leadership standen dabei im Fokus.
In Hinblick auf das Generationenmanagement wurden die bestehenden Nachwuchskräftepools sowie die Programme
„Fit4Future” und „infra:karriere” weitergeführt. Im Februar 2023 startete der zehnte Durchgang des Talenteprogramms
„infra:karriere“ mit 19 Teilnehmer:innen aus den verschiedenen Bereichen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Es unterstützt
die Geschäftsbereiche, Mitarbeiter:innen zu qualifizieren, um auch in Zukunft einen reibungslosen Ablauf des Geschäfts
zu sichern.
Bei Fit4Future läuft seit Dezember 2022 der vierte Durchgang mit 31 Teilnehmer:innen aus dem Geschäftsbereich SAE. Die
Kolleg:innen haben sich 2022 erfolgreich einem Auswahlverfahren gestellt und dürfen somit das Programm über drei Jahre
hinweg mit verschiedenen Modulen und einer Projektarbeit besuchen. Neben Seminaren zu Sozial- und
Methodenkompetenz bilden sich die Kolleg:innen auch in Themen wie „Personal” und „Controlling” weiter und der
Vernetzungscharakter über die Regionen und Gewerke steht ebenso im Fokus.
Das Programm „Female Business Impact” startete im September 2022 und endete im Mai 2023. Bei diesem Programm
handelt es sich um eine innovative Personalentwicklungsmaßnahme, die talentierte Frauen in Spezialistinnen- und
Expertinnenpositionen stärkt und den Generationenwandel begleitet. Dabei werden fachliches Know-how, persönliche
Stärkung, kollegiales Lernen und Vernetzung durch gezielte Formate adressiert. Es startete 2022 als Pilot im Ressort
Finanzen, Services, Immobilien. Ein zweiter Durchgang des Programms mit geplantem Start im Frühjahr 2024 wird auf den
gesamten ÖBB-Infrastruktur-Konzern ausgeweitet.
Um den Personalbedarf im technischen Bereich zielgerichtet zu decken und Berufseinsteiger:innen rasch und
bedarfsgerecht für ihre zukünftigen Aufgaben fit zu machen, wurde 2021 sehr erfolgreich das Rotationsprogramm
„infra:techrotation” konzipiert und durchgeführt. Der dritte Durchgang startete mit sieben Teilnehmer:innen im Oktober
2023.
Seite 313 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
108
Um einen einheitlichen Wissensstand der Mitarbeiter:innen, die in ihrem Bereich für Datenmanagement und
Datagovernance zuständig sind, zu schaffen, wurde gemeinsam mit dem Stab IT die Ausbildung Datenmanagement und
Datagovernance ins Leben gerufen. Diese aus vier Modulen bestehende Maßnahme unterstützt dabei, die theoretischen
Grundlagen von Datenmanagement und Datagovernance sowie verschiedene Methoden und deren Anwendung in der
Praxis kennenzulernen. Zwei dieser Module werden von einem externen Partner (FH St. Pölten) durchgeführt. Die
Ausbildung, an der 20 Personen teilnahmen, dauerte von Mai bis Oktober 2023. Mit der Zentralisierung im Bereich
Personalentwicklung wurde das Programm mit 01.07.2023 an das BCC Lösungscenter Personalentwicklung, Kultur und
Führung übergeben.
Darüber hinaus beteiligte sich die ÖBB-Infrastruktur AG am konzernweiten Programm „Trainee4mobility” 2022 / 2023. Bei
diesem werden Trainees auf konkrete Positionen vorbereitet. Auch 2023 erhielten Mitarbeiter:innen wieder die
Möglichkeit, an den konzernweiten Lehrgängen der ÖBB akademie teilzunehmen.
Weiterbildung im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit
Um den Mitarbeiter:innen ein Weiterbildungsangebot zum umfangreichen Themenfeld „Nachhaltigkeit“ zu bieten, wurde
bereits im Jahr 2010 ein internes Seminar unter dem Titel „Bahnökologie“ geschaffen.
Das Seminar wurde im Jahr 2014 von der österreichischen UNESCO-Kommission als UN-Dekadenprojekt in der Dekade für
Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005 bis 2014 ausgezeichnet.
Das dreitägige Seminar stellt die Themen „Ökologie”, „Umweltschutz”, „Klimaschutz”, „Naturschutz” und „Nachhaltige
Entwicklung” in den Bahnkontext. Im Rahmen eines Freilandtages wird gemeinsam aktive Naturschutzarbeit auf
Bahngrund geleistet.
Im Jahr 2023 konnte das Seminar nicht durchgeführt werden. 2024 soll es wieder fortgesetzt werden.
Seit der Neuausrichtung der internen Schulung für angehende Eisenbahntechniker:innen unter dem Titel
„Eisenbahninfrastrukturtechnik” ist im Curriculum auch den Themen „Abfallwirtschaft- und Umwelttechnik”,
„Energieeffizienz”, „Klimaschutzstrategie” und „Dekarbonisierung” sowie „Nachhaltigkeit” im Unternehmen umfassender
Raum gegeben worden. Damit werden seit 2023 alle jungen Eisenbahntechniker:innen mit diesen Themen im Kontext der
Eisenbahninfrastruktur vertraut gemacht.
Das im Jahr 2023 mit fünf von sechs Modulen zur Verfügung stehende, konzernweite E-Learning zu Nachhaltigkeit und
Klimaschutz wurde mit Stand 31.12.2023 von 280 Mitarbeiter:innen der ÖBB-Infrastruktur AG absolviert.
Attraktiver Arbeitgeber und Generationenwandel
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern befindet sich derzeit mitten im Generationenwandel. Um den Generationenwandel und
die damit einhergehenden Herausforderungen erfolgreich bewältigen zu können, bedarf es eines nachdrücklichen
Engagements hinsichtlich der strategischen Schwerpunkte. Die Arbeitgebermarke ÖBB muss weiter gestärkt, zielgerichtete
Aus- und Weiterbildung forciert sowie das Personalmanagement weiter effektiviert werden.
Der Generationenwandel ist im ÖBB-Infrastruktur-Konzern in vollem Gange und bringt viele Chancen, aber auch
Herausforderungen mit sich. Mehr denn je ist das Unternehmen gefordert, innovative Lösungen zu entwickeln, um dem
Mitarbeiter:innenmangel entgegenzuwirken und die Abwanderung von qualifizierten Fachkräften zu verhindern.
Gleichzeitig ändern sich auch die Bedürfnisse der Arbeitnehmer:innen hin zu mehr Flexibilität im Arbeitsalltag und einer
besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatem. Um den Bedürfnissen der Arbeitnehmer:innen zu entsprechen, wurden
flexible Arbeitszeitmodelle für jene Bereiche, in denen eine Flexibilisierung möglich ist, geschaffen.
Homeoffice „NEU”
Dem zunehmenden Wunsch nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance wurde 2023 mit einer neuen
Telearbeitsregelung Rechnung getragen. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen einem Telearbeitsplatz und dem
betrieblichen Arbeitsplatz ermöglicht eine hohe Flexibilität in der Arbeitsgestaltung. Seit 2023 ist es bereits mit Beginn des
Dienstverhältnisses möglich, einen Telearbeitsplatz in Anspruch zu nehmen, sofern es die Tätigkeiten zulassen.
Switch zwischen Teilzeit und Vollzeit
Um am Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es notwendig, eine flexible Handhabung des Wechsels von Teilzeit
auf Vollzeit bzw. von Vollzeit auf Teilzeit zu ermöglichen. Je nach Bedarf und Lebensphase haben Mitarbeiter:innen in
Absprache mit ihrer Führungskraft zukünftig die Möglichkeit, unkompliziert von Vollzeit auf Teilzeit oder umgekehrt zu
wechseln. Dieser „Switch” von Vollzeit auf Teilzeit bzw. von Teilzeit auf Vollzeit wurde bis Ende 2023 pilotiert und
anschließend evaluiert.
Seite 314 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
109
Job- und Topsharing
Besonders bei der Generation Z steigt die Nachfrage nach Teilzeitpositionen stark an. Job- und Topsharing-Modelle sollen
diesen Ansprüchen an den Arbeitsmarkt entgegenkommen und junge Talente zu den ÖBB bringen. Bei Job- und
Topsharing handelt es sich um Arbeitszeitmodelle, bei denen zwei oder mehrere Personen eine Vollzeitstelle besetzen. Vor
allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber auch der steigende Wunsch von Arbeitnehmer:innen nach mehr
Freizeit können dadurch gedeckt werden. Ein umfassendes Konzept zum Thema Job- und Topsharing wurde erarbeitet.
Flexi Friday
Seit 01.10.2023 testet die ÖBB-Infrastruktur AG mit den Stäben Personal und IT den „FlexiFriday”, mit dem durch den
Wegfall der Kernarbeitszeit am Freitag eine 4-Tage-Woche möglich gemacht wurde. Dieser Pilotversuch wurde in
Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat realisiert und wird vom gesamten Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG unterstützt.
Umgesetzt bedeutet das: Mitarbeiter:innen wählen frei, ob sie wie bisher fünf Tage pro Woche arbeiten oder eine Vier-
Tage-Woche mit freiem Freitag in Anspruch nehmen möchten. Ebenso möglich ist, den Freitag fallweise frei zu nehmen
oder auch nur ein paar Stunden im Gleitzeitrahmen am Freitag zu arbeiten. Im Durchschnitt muss die wöchentliche
Normalarbeitszeit bzw. bei All-in-Verträgen die vorgesehene Mehrleistung beibehalten werden. Durch diese Maßnahme
wird für Mitarbeiter:innen maximale Flexibilität geschaffen. Der Pilot zum „FlexiFriday” wird laufend evaluiert. Bei
erfolgreicher Umsetzung ist eine Ausweitung auf weitere Bereiche der ÖBB-Infrastruktur AG ab Jänner 2024 geplant.
Smart Work im Verschub
Das Ziel des 2023 gestarteten Projekts „Smart Work im Verschub” ist es, die Rahmenbedingungen des Berufsbildes
Verschieber:in nachhaltig attraktiv zu gestalten. Damit soll die Chance auf mehr geeignete Bewerber:innen und
Mitarbeiter:innen erhöht werden. Außerdem sollen neue Mitarbeiter:innen schneller im operativen Dienst eingesetzt und
bestehende Mitarbeiter:innen gehalten werden können. Das Projekt war auf sieben Monate ausgelegt und endete Ende
Oktober 2023.
Zielsetzungen
1)
2022 wurde keine Mitarbeiter:innenbefragung durchgeführt.
2)
Konzerneinheitliche Definition: Die Berechnung erfolgt über eine Division der sonstigen Abgänge (kündbare MA) durch den durchschnittlichen Personalstand
kündbarer MA (HC), für alle MA mit einer Dienstzugehörigkeit unter zwei Jahren.
ÖBB Mitarbeiter:innenbefragung
Die Mitarbeiter:innenbefragung für 2023 fand von 02. bis 22.10.2023 statt und soll, wie bereits in den vorherigen
Befragungen, zur kontinuierlichen Mitarbeiter:innenzufriedenheit bzw. Prozessoptimierung beitragen. Die Befragung
wurde online durchgeführt. Die zentralen Themen der Befragung waren: Arbeitszufriedenheit, Identifikation,
Arbeitsfähigkeit. Befragt wurden alle Mitarbeiter:innen, die mit Stichtag 01.07.2023 und innerhalb des
Befragungszeitraumes im Unternehmen beschäftigt waren. Dazu gehören ebenfalls Mitarbeiter:innen in Karenz oder
Krankenstand, Lehrlinge und Leasingkräfte. Die Rücklaufquote liegt im ÖBB-Infrastruktur Konzern und in der ÖBB-
Infrastruktur AG bei jeweils 64%.
Vielfalt erhöhen
Die „Diversity Charta 2026“ der ÖBB-Holding AG gibt den Konzerngesellschaften die strategischen Ziele für mehr Diversität
vor und macht Vielfalt messbar. Gemäß der „Diversity Charta 2026“ soll der Frauenanteil im ÖBB-Infrastruktur-Konzern
2023 10,7% erreichen, im Jahr 2026 11,9%. Der Anteil von Mitarbeiter:innen mit einer Behinderung ab einem Grad von
mind. 50% soll bis 2026 in jeder ÖBB Gesellschaft mit mehr als 25 Arbeitnehmer:innen die gesetzlich vorgeschrieben
Quote von 4% erreichen. 2023 betrugt der Frauenanteil bereits 12,3%, der Anteil von Mitarbeiter:innen mit
Begünstigtenstatus 2,7%.
Ziel
KPI
Ambition Zieljahr
2023
2022
Steigerung der Mitarbeiter:innenzufriedenheit
auf >70 bis 2030
Punktewert >70 71 n.v.
1)
Senkung der Frühfluktuationsrate
2)
auf 15% bis 2030
Prozent 15,0 15,2 14,8
Seite 315 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
110
Mitarbeiter:innen mit Behinderungen
Um den Anteil von Mitarbeiter:innen mit einer Behinderung ab einem Grad von mind. 50% zu erhöhen, wurden
Maßnahmen zur besseren Inklusion von Menschen mit Behinderungen gesetzt. Den Führungskräften werden Services aus
der Diversity-Toolbox, wie umfassende Qualifizierungsmaßnahmen für den besseren Umgang mit Menschen mit
Behinderungen angeboten.
Der „Chancenplan für Mitarbeitende mit Begünstigtenstatus“ als ein neues Angebot an die Bereiche und Stäbe des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns soll die Aufnahme von Menschen mit einer Behinderung ab einem Grad von mind. 50% erleichtern.
Für eine gegenseitige Kennenlernphase von je sechs Monaten wurden 20 zusätzliche Planstellen für die Jahre 2023 und
2024 geschaffen. Der Stab Personal trägt während der Kennenlernphase die Personalkosten. Im besten Fall werden die
neuen Mitarbeiter:innen vom Bereich in ein unbefristetes Dienstverhältnis übernommen.
ÖBB Wohnprogramm
Mit dem ÖBB Wohnprogramm wird neuen, aber auch bestehenden Mitarbeiter:innen zeitgemäßer und leistbarer
Wohnraum angeboten. Das ÖBB Wohnprogramm umfasste mit Ende des Jahres 2023 österreichweit 347 Wohnobjekte
mit 4.818 Wohnungen. Diese befinden sich alle im Eigentum der ÖBB-Infrastruktur AG. Die Objekte sind teils in die Jahre
gekommen. Die Zielsetzung seit 2017 ist es daher, die Wohnhäuser samt bestehenden Grünflächen und Wohnungen nach
zeitgemäßen Standards zu sanieren. Finanziert werden die Sanierungen durch Verkäufe von entbehrlichen Gebäuden und
Grundstücken. Es wird kein zusätzliches Steuergeld verwendet.
Die Mitarbeiter:innen des Wohnprogramms sanieren leerstehende Wohnungen, optimieren Grundrisse für
unterschiedliche Wohnbedürfnisse, errichten Balkone und Aufzugsanlagen, erneuern Fassaden und überholen den
Gesamtzustand des Gebäudes und der Wohnungseinrichtungen. Das trägt erheblich zur Wertsteigerung der Immobilien
bei.
Gebaut und saniert wird mit Fokus auf Effizienz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung im Standard klima:aktiv. Dies
beginnt mit umweltfreundlicher Energieversorgung mit Wärmepumpen, Fernwärme, Solar- oder Fotovoltaikanlagen. Wo
es möglich ist, werden Dach- und Fassadenbegrünung realisiert und Bäume gepflanzt. Erneuerte Fenster und
Vollwärmeschutz können den Heizwert und die Energieeffizienz verbessern. Um die heimische Wirtschaft zu stärken,
werden besonders regionale mittelständische Partnerunternehmen zur Teilnahme an den öffentlichen Ausschreibungen
eingeladen.
Für ÖBB Mitarbeiter:innenwohnungen gibt es eine eigene Miethöhenregelung. Das sozial gestaffelte Modell sieht vor,
dass Mitarbeiter:innen mit einem monatlichen Einkommen bis 2.900 EUR brutto einen Abschlag von 40% bekommen, bis
3.500 EUR 30% und bis 4.000 EUR 20%. Zum monatlichen Einkommen zählen das Grundgehalt inklusive Überzahlung,
aber exklusive Nebenbezüge und einmaligen Belohnungen. Damit werden die ÖBB als TOP-Arbeitgeber noch attraktiver.
Über ÖBB-Wohnen im Intranet können sich ÖBB Mitarbeiter:innen für die Wohnungen des ÖBB Wohnprogramms sowie
für alle Wohnungen, für die die ÖBB österreichweit Einweisungsrechte hat, anmelden. Seit Oktober 2023 gibt es auch
eine Landingpage über das Internet, die einen Überblick über die Wohnungsangebote gibt
58
.
In den kommenden Jahren soll der erste Neubau eines ÖBB Wohngebäudes seit Jahrzehnten errichtet werden. Etwa 120
Wohnungen sind aktuell am „Neuen Landgut” nahe dem Wiener Hauptbahnhof in Planung – familienfreundliche,
schichtdiensttaugliche Wohnungen mit erhöhtem Schallschutz und zusätzlichen Verdunkelungselementen, mit
nachhaltigem Energiekonzept und begrünten Gebäudeoberflächen.
58
https://wohnen.oebb.at
Seite 316 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
111
Vielfalt und Chancengleichheit
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern bekennt sich zu einer Unternehmenskultur der Antidiskriminierung, der Chancengleichheit,
der Vielfalt sowie der respektvollen Begegnung und Zusammenarbeit. Die Diversität im Unternehmen, gelebt von Frauen,
Männern, diversen Personen, Mitarbeiter:innen jeden Alters, Mitarbeiter:innen mit oder ohne Behinderungen und aus
vielen Teilen der Welt, zeugt von einer modernen Unternehmenskultur. Zahlreiche vielversprechende Maßnahmen sind Teil
der #INFRA.Mobilitätswende und erhöhen ebenfalls die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber.
Schwerpunktprogramme wie beispielsweise der „Chancenplan für Menschen mit Begünstigtenstatus” oder „Frauen in der
Technik #joboffenSIEve” tragen zur Erhöhung der Vielfalt bei. Maßnahmen wie Mentoringprogramme, die
Attraktivitätssteigerung der Väterkarenz, verschiedene Workshops und Schulungen (wie beispielsweise DisAbility-
Awareness-Trainings) und vieles mehr leisten ihren positiven Beitrag.
Seit dem Jahr 2011 regelt im ÖBB-Konzern eine Gleichbehandlungspolicy die Chancengleichheit für Mitarbeiter:innen. Im
Jahr 2015 unterzeichnete der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG die „Charta der Vielfalt”, eine Initiative der
Wirtschaftskammer Österreich. 2020 wurde die „Charta der Inklusion“ für Mitarbeiter:innen mit Behinderungen
unterzeichnet. Diese regelt das uneingeschränkte barrierefreie Reisen und schafft das Bewusstsein sowie die Akzeptanz
für eine faire, gleichberechtigte und vorurteilsfreie Arbeits- und Lebenswelt und die dafür notwendigen
Rahmenbedingungen und Maßnahmen. Das im Jahr 2021 auf Initiative der ÖBB-Infrastruktur AG entwickelte
Maßnahmenkonzept zur Sicherstellung eines diskriminierungsfreien Lehr- und Arbeitsumfeldes bei den Praxiseinsätzen der
Lehrlinge wird weiterhin umgesetzt. Im Jahr 2023 wurde das E-Learning „Diskriminierungsfreier Arbeitsplatz” im ÖBB-
Infrastruktur-Konzern ausgerollt.
Ebenfalls seit 2021 haben die neuen „Guidelines für genderinklusive Sprache” Gültigkeit. So wird seitdem der Doppelpunkt
für die sprachliche Markierung der Geschlechter (z. B. Mitarbeiter:innen) verwendet und das dritte Geschlecht wird bei
Bewerbungen und im SAP für die gesamte Personalerfassung angezeigt.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern setzt sich darüber hinaus in der „ÖBB Diversity Charta 2026” das ambitionierte Ziel, den
Anteil der Mitarbeiterinnen bis zum Jahr 2026 auf 11,9% zu erhöhen.
„Ja” zur Vielfalt
Seitens der ÖBB-Holding AG werden die strategischen Diversitätsziele in der „Diversity Charta 2026” vorgegeben und die
Zielerreichung wird in einem regelmäßigen Monitoring verfolgt. Es obliegt der ÖBB-Infrastruktur AG, die Diversitätsziele
mithilfe von Programmen, Projekten und Maßnahmen zu realisieren. Im Fokus dieser Charta steht die kontinuierliche
Steigerung des Frauenanteils sowie der Anteil an Mitarbeiter:innen mit Behinderung. Der Frauenanteil des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns liegt 2023 bei 12,3% (Vj: 11,0%). Der Anteil an Mitarbeiter:innen mit Behinderung soll bis 2026
auf 4% angehoben werden. Im Rahmen des konzernweiten „Programms für Mitarbeiter:innen mit Behinderungen”
werden Maßnahmen für barrierefreie Arbeitsplätze, vor allem an Bürostandorten, getroffen. Mit einem zielgerichteten
Diversitymanagement können Innovationskraft, Kund:innenkompetenz und die Arbeitgeberattraktivität gesteigert werden.
Zielsetzungen
Diversity Charta 2026
2026
2023 2022
Zielvorgabe SOLL IST SOLL IST
SOLL
Erhöhung des Frauenanteils
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns auf 11,9% bis 2026
11,9% 12,3%
10,7% 11,0%
10,2%
Frauenanteil bei Neuaufnahmen (unternehmensweit)
≥ 20% 24,2%
≥ 20% 23,9%
≥ 20%
Sukzessive Steigerung des Frauenanteils
in Führungspositionen (konzernweit)
Konzernweit
20%
15,0%
Konzernweit
20%
13,6%
Suk. Steig.
Erhöhung des Frauenanteils bei der Lehrlingsausbildung
≥ 20% 14,9%
≥ 20% 13,8%
≥ 20%
Frauenanteil
bei den Weiterbildungsprogrammen der ÖBB akademie
25% 31,0%
25% 29,1%
25%
Frauenanteil
in den Aufsichtsräten der ÖBB-Inland AGs und GmbHs
≥ 35% 56,3%
≥ 35%
50%
30%
Erhöhung des Anteils
der Mitarbeiter:innen mit Behinderung
4,0% 2,7%
3,6%
2,7%
3,4%
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern setzt sich darüber hinaus das ambitionierte Ziel, den Anteil der Mitarbeiterinnen bis zum
Jahr 2030 auf 17% zu erhöhen.
Seite 317 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
112
Anstieg des Frauenanteils seit 2012
Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils
Um den Frauenanteil des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns weiterhin konsequent zu erhöhen, werden bereits viele verschiedene
Maßnahmen gesetzt.
Die „RailMap*Vereinbarkeit Beruf & Privat” ist eine interne Informations- und Kommunikationsplattform für alle
Mitarbeiter:innen rund um das Auszeiten- und Karenzmanagement. Dort finden sich gesammelt alle Informationen über
die verschiedenen Karenzmodelle, die betriebsnahen MINT-Kindergärten, Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die
Nannies4ÖBB-Kids, Elternnetzwerktreffen sowie über die Karenzgespräche. Die Vereinbarkeit von Beruf und Privat wird
jedoch auch gewährleistet durch diverse Angebote wie die Väterkarenz, Gleitzeitregelungen, Teilzeitmodelle oder
Homeoffice-Regelungen.
Die Kampagne für Frauen „#joboffenSIEve in der Technik” wurde erfolgreich weitergeführt. In der Kommunikation nach
außen bestimmen weibliche Role-Models das Bild verschiedener Berufsgruppen, um Stereotype und veraltete Rollenbilder
aufzubrechen. Die Interkulturalität in der ÖBB-Infrastruktur AG spielt eine immer größere Rolle. In der Zusammenarbeit
mit dem AMS wird der Fokus auf weibliche Jugendliche mit Asylstatus gelegt. Die Kooperation mit dem Verein T.I.W.
(Verein für Training, Integration und Weiterbildung) wurde weitergeführt und intensiviert, das START-Stipendium, welches
zum wiederholten Male zwei Schüler:innen mit Migrationshintergrund fördert, wurde ebenfalls fortgesetzt. Viele dieser
Maßnahmen wurden in die Diversity-Toolbox aufgenommen, die den Führungskräften und Teamkoordinator:innen zur
Verfügung steht. Diese Maßnahmen können mit Unterstützung des Diversitymanagements und weiterer Abteilungen
umgesetzt werden. Dort finden sich unter anderem Maßnahmen wie Gender- und Diversityschulungen, diverse E-
Learnings, diverse Coachingangebote, Cross-Mentoring-Programm sowie die Übernahme von weiblichen Lehrlingen.
Diese Toolbox wird stetig erweitert und ergänzt – so wurden 2023 Maßnahmen für Mitarbeiter:innen mit Behinderungen
aufgenommen.
Verbesserung der Arbeitgeberattraktivität für Frauen
Seit 2019 wird der Frauen-Karriere-Index (FKi) zur objektiven Messung der Arbeitgeberattraktivität gegenüber Frauen
erhoben. Der Frauen-Karriere-Index ist ein international anerkanntes, unabhängiges Messinstrument, an dem rd. 300
Unternehmen aus allen Branchen und elf Staaten teilnehmen. Seit der Ersterhebung hat sich der ÖBB-Infrastruktur-Konzern
in drei Fortschrittsmessungen von 74 auf 81 (von 100) Attraktivitätspunkten deutlich gesteigert und liegt damit über dem
Durchschnitt der am Frauen-Karriere-Index teilnehmenden Unternehmen. Der Frauen-Karriere-Index ermöglicht dem ÖBB-
Infrastruktur-Konzern, passgenaue Maßnahmen zur Frauenförderung und zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privat
für Frauen und Männer abzuleiten – wie beispielsweise die Employer-Branding-Kampagne #joboffenSIEve, eine
Schulungsoffensive zu Diversity & Inclusion, Job- und Topsharings sowie weitere Arbeitszeitflexibilisierungen.
7,1%
7,0%
7,3% 7,3%
7,4%
7,8%
8,4%
8,6%
9,2%
9,9%
11,0%
12,3%
5%
6%
7%
8%
9%
10%
11%
12%
13%
14%
15%
2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023
Seite 318 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
113
Nachfolgend wird die Relation zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeiter:innen je Altersklasse 2023 im
Vergleich zu 2022 dargestellt:
bis 30 Jahre
31 bis 50 Jahre
über 50 Jahre
Gesamt
%
Frauenanteil 2023
14,6%
16,3%
7,1%
12,3%
Frauenanteil 2022
13,1%
15,2%
6,2%
11,0%
Männlich 2023
4.202
5.342
6.722
16.266
87,7
Männlich 2022
1)
4.049
5.247
7.060
16.356
89,0
Weiblich 2023
718
1.042
515
2.275
12,3
Weiblich 2022
2)
609
940
469
2.018
11,0
Gesamt 2023
4.920
6.384
7.237
18.541
100,0
Gesamt 2022
4.658
6.187
7.529
18.374
100,0
1) + 2)
Aufgrund einer Systemumstellung ergeben sich bei den Werten aus 2022 im Vergleich zu den Vorjahreswerten 2022 geringfügige Unterschiede.
Diversity-Bericht
In einem halbjährlichen Diversity-Bericht informiert der ÖBB-Infrastruktur-Konzern über Zahlen und Fakten hinsichtlich der
Diversitätsdimensionen Alter, Geschlecht, Behinderung und Nationalität.
Der positive Trend der Entwicklung des Frauenanteils hält weiterhin an. Aktuell gibt es 44 weibliche Führungskräfte (im
Jahr 2022 waren es 39). Das bedeutet einen Anstieg von 1,4 Prozentpunkte auf 15,0%. Das Durchschnittsalter beträgt
einschließlich der Lehrlinge (auch jener in der Behaltefrist) 42,2 Jahre und ist somit zum Vorjahr (42,8) leicht gesunken.
Der Frauenanteil bei den Kapitalvertreter:innen im Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG lag 2022 bei 50%, im Jahr 2023
bei 67%. Der Frauenanteil im Vorstand lag 2023 – ebenso wie 2022 – bei zwei Drittel. Bei den Aufsichtsräten wurden die
Diversitätsziele von mindestens 35% Frauenanteil übertroffen. Bei der ÖBB Immobilienmanagement GmbH sowie bei der
ÖBB-Operative Services GmbH lag der Anteil der Kapitalvertreterinnen bei 50%. Die Mitarbeiter:innen des Verschubs sind
durchschnittlich 44,6 (Vj: 45,0) Jahre alt. Der Frauenanteil liegt dort bei 1,6% (Vj: 1,3%). Bei den Fahrdienstleiter:innen
hat sich der Frauenanteil von 11,2% im Vorjahr auf 11,7% (2023) erhöht. Das Durchschnittsalter der Fahrdienstleiter:innen
betrug 44,9 Jahre (bei den Frauen 38,5 Jahre).
Der Anteil von Mitarbeiter:innen mit Behinderung ist mit 291 Beschäftigten und einem Anteil von 2,7% im ÖBB-
Infrastruktur-Konzern gleich geblieben. Zum Jahresende 2023 waren 1.326 Mitarbeiter:innen (Vj: 1.124 Mitarbeiter:innen)
mit nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft beschäftigt, das entspricht 7,2% (Vj: 6,1%) aller Mitarbeiter:innen.
Regionale Gleichbehandlungsbeauftragte und das ÖBB Gleichbehandlungsgremium stehen Mitarbeiter:innen bei einer
vermuteten Diskriminierung auf Grund des Geschlechts, der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des
Alters, der sexuellen Orientierung und Behinderung vertraulich und beratend zur Seite.
Gesundheit / Safety / Security
Vielfältige Faktoren beeinflussen die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Führungskräfte und Mitarbeiter:innen am
Arbeitsplatz. Genauso vielfältig wie die Einflussfaktoren und die Bedürfnisse sind, müssen die Angebote und Maßnahmen
des betrieblichen Gesundheitsmanagements sein, um die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Führungskräfte und
Mitarbeiter:innen zu stärken. Darüber hinaus stellt Sicherheit für Kund:innen und Mitarbeiter:innen ein wesentliches
Qualitätsmerkmal dar. Durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Sicherheitsrisiken wird das Vertrauen von
Kund:innen, Mitarbeiter:innen, aber auch des Eigentümers in die ÖBB weiter gestärkt und damit ein wichtiger Beitrag zum
Unternehmenserfolg geleistet.
Gesundheitsmanagement
Die Aufgabe des betrieblichen Gesundheitsmanagements ist es, die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Mitarbeiter:innen
unter der Berücksichtigung von Ressourcen und Belastungen zu fördern, zu erhalten und gegebenenfalls wieder
herzustellen. Die Angebote und Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements werden in erster Linie durch die
Beratungstätigkeit der regionalen Gesundheitsberater:innen und durch das breitgefächerte Multiplikator:innennetzwerk
sowie durch Intranet, Mitarbeiter:innenzeitung, Newsletter, Screens und Aushänge kommuniziert.
Seit 01.01.2023 sind die Leistungen des betrieblichen Gesundheitsmanagements im Lösungscenter Arbeitsfähigkeit und
Gesundheit (LC AF&G) in der ÖBB-Business Center GmbH gebündelt. Das LC AF&G versteht sich als internes Beratungshaus
und stellt als konzernweit agierender, zentraler Dienstleister Angebote zu allen Fragestellungen im Zusammenhang mit
Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter:innen bereit. Dazu sind die regionalen Gesundheitsberater:innen in ganz
Österreich verortet, um zielgruppenspezifisch agieren und die Führungskräfte bedarfsorientiert beraten und unterstützen
zu können.
Seite 319 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
114
Durch die Angebote und Maßnahmen wurden keine personenbezogenen Gesundheitsdaten erhoben und dadurch auch
nicht dokumentiert. Mit den Dienstleistern der Gesundheitsangebote, wie beispielsweise der WELLCON Gesellschaft für
Prävention und Arbeitsmedizin GmbH (WELLCON), gibt es keine Schnittstelle, um derartige Daten auszutauschen. Im ÖBB-
Infrastruktur-Konzern wurden die datenschutzrechtlichen Bestimmungen (DSGVO) strengstens eingehalten.
Arbeitsmedizin
Die arbeitsmedizinische und arbeitspsychologische Betreuung erfolgt seit vielen Jahren durch die WELLCON. Deren
Arbeitsmediziner:innen arbeiten eng mit den betriebseigenen Sicherheitsfachkräften zusammen und prüfen gemeinsam
im Rahmen der regelmäßigen Begehungen die Einhaltung der Sicherheits- und Gesundheitsvorschriften. Die
Beratungsthemen umfassen sowohl psychische als auch physische Belastungen und Beanspruchungen. Abweichungen
und Verbesserungsvorschläge werden im Zuge der Berichterstattung dokumentiert und durch verantwortliche Personen
umgesetzt. Diese interdisziplinäre Arbeit umfasst beispielsweise die Beteiligung an Fragen zu Arbeitsmitteln,
Arbeitsvorgängen, Baumaßnahmen, zur Möblierung und Ausstattung mit persönlicher Schutzausrüstung. Die
Tauglichkeitsuntersuchungen gem. ÖBB 32 (Richtlinie zur gesundheitlichen Eignung von Mitarbeiter:innen im
Eisenbahnbetrieb und dessen Umfeld) und die arbeitsmedizinischen Untersuchungen gem. VGÜ (Verordnung über die
Gesundheitsüberwachung am Arbeitsplatz) werden seitens der WELLCON für die ÖBB durchgeführt.
In Kooperation mit der BVAEB bietet die Firma WELLCON seit Jänner 2022 eine berufsorientierte Gesundenuntersuchung
(„GUB – Gesundheit und Beruf”) für alle interessierten Mitarbeiter:innen an. Bei der GUB handelt es sich um eine
Untersuchung, bei welcher die beruflichen Belastungen im Fokus stehen. ÖBB Mitarbeiter:innen werden über ihre
möglichen gesundheitlichen Risiken durch die Arbeit aufgeklärt. Die GUB besteht aus den Modulen „Schicht”, „Stress”
und „Haltung”. Je nach Bedarf der Beschäftigten werden sie einem Modul zugeordnet. Sollten bei der Untersuchung
Risiken oder bereits (Vor-) Erkrankungen sichtbar werden, erhalten Teilnehmer:innen gleich vor Ort individuelle
Empfehlungen zur Verbesserung oder zum Erhalt der Gesundheit. Dadurch unterscheidet sich die GUB von einer
allgemeinen Vorsorgeuntersuchung.
Angebote und Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung
Die Maßnahmen für das Programm 2022 / 2023 wurden auf Basis der Ergebnisse der Mitarbeiter:innenbefragung 2021
sowie auf Basis der Führungskräfteberatung durch die regionalen Gesundheitsberater:innen des LC AF&G erstellt. Bei der
Mitarbeiter:innenbefragung 2021 wurde erstmals der „Arbeitsfähigkeitsindex” erhoben. Durch die Maßnahmen soll die
Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung spezifischer Handlungsfelder und Zielgruppen erhalten sowie gefördert werden.
2023 lag der Fokus auf der Verbesserung des Arbeitsfähigkeitsindexes, welcher in der Mitarbeiter:innenbefragung 2023
erneut erhoben wurde und damit einen ersten Vergleichswert bildet.
Die regionalen Gesundheitsberater:innen des LC AF&G stehen den Führungskräften unterstützend zur Seite, um geeignete
Maßnahmen zur Förderung und zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu setzen. Dabei wird in erster Linie auf einen
Produktkatalog zurückgegriffen, der Maßnahmen umfasst, die entweder vom LC AF&G selbst erbracht oder über die
WELLCON sowie auch über den Sozialversicherungsträger BVAEB bezogen werden. Neben den regionalen Maßnahmen
lag 2023 ein besonderer Fokus auf der österreichweiten Ausrollung des Gesundheitsangebotes „Gesundheit auf Schiene”,
auf dem Fünf-Risiken-Check (auf Basis der Ergebnisse wurden online Vorträge und Workshops zu unterschiedlichen
Gesundheitsthemen gemeinsam mit der BVAEB angeboten) und auf der Darmkrebsvorsorge, bei der
rd. 8.000 Mitarbeiter:innen des ÖBB-Konzerns ein entsprechendes Angebot erhielten.
Im Rahmen des Angebots „Gesunder Arbeitsplatz” fanden 2023 in mehreren ausgewählten Bereichen vertiefende
Arbeitsplatzbegehungen zur weiteren Verbesserung von Arbeitsbedingungen und der Reduktion von Dauerbelastungen
statt. Diese erfolgten anhand der wissenschaftlich anerkannten Leitmerkmalmethode. Aus den Erkenntnissen wurden
2023 und werden 2024 Maßnahmen abgeleitet, welche insbesondere die körperlichen Belastungen zu reduzieren in der
Lage sind.
Zur Stärkung und Weiterentwicklung des österreichweiten Multiplikator:innennetzwerks (Gesundheitscoaches,
Gesundheitszirkelmoderator:innen, Vitalcoaches) fanden im Jahr 2023 Informationsaustausch und Vernetzungstreffen
online und in Präsenz statt.
Das Angebot der „Betrieblichen Wiedereingliederung” (BWE) ist eine wesentliche Säule des Gesundheitsmanagements im
gesamten ÖBB-Konzern. Für Mitarbeiter:innen, die gefährdet sind, ihre Arbeitsfähigkeit zu verlieren oder diese bereits
verloren haben, steht das Angebot der BWE zur Verfügung. Die BWE wird auf Grundlage eines strukturierten Prozesses
unter Einbeziehung verschiedener Expert:innen durchgeführt. Die Umsetzung beruht auf der freiwilligen Teilnahme und
Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter:innen.
Seite 320 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
115
Arbeit und Alter
Die gemeinsam mit der Belegschaftsvertretung geschaffenen Arbeitszeitmodelle, die es älteren Mitarbeiter:innen
ermöglichen sollen, länger gesund und leistungsfähig im Erwerbsleben zu verbleiben, werden von den Mitarbeiter:innen
aller Konzerngesellschaften bei Vorliegen der Voraussetzung und entsprechender Vereinbarung mit dem Arbeitgeber in
Anspruch genommen.
Zum Stichtag 31.12.2023 haben sich 165 Mitarbeiter:innen in gesetzlicher Altersteilzeit gemäß § 27 AlVG befunden.
Darüber hinaus haben 215 definitiv gestellte AVB-Mitarbeiter:innen zu diesem Stichtag bereits vor Vorliegen der
Voraussetzungen für die gesetzliche Altersteilzeit das Angebot der altersgerechten Teilzeitarbeit „Arbeit und Alter” in
Anspruch genommen.
Sicherheit
Bei allen Aktivitäten im ÖBB-Konzern steht Sicherheit immer an oberster Stelle. Die in den Teilkonzernen eingeführten
zertifizierten Sicherheitsmanagementsysteme unterstützen die Steuerung der Sicherheitsleistung. Erkenntnisse aus
Vorfällen, Unfalluntersuchungen, internen Prüfungen (Sicherheitskontrollen, Audits etc.) sowie dem Trendmonitoring
münden in den Sicherheitsaktionsplan. Die Sicherheitsmanagementsysteme, das Trendmonitoring sowie der
Sicherheitsaktionsplan tragen wesentlich dazu bei, Sicherheitsrisiken rechtzeitig zu erkennen, proaktiv Maßnahmen
abzuleiten und Restrisiken zu beherrschen. Um dies zu erreichen, liegt der Schwerpunkt auf einem weiteren Ausbau an
Technologie und der Weiterentwicklung der Organisation und Verstärkung der Bewusstseinsbildung beim Verhalten der
Menschen und bei der Sicherheitskultur. Der Ausbau des systematischen Lernens aus Abweichungen, Fehlern und
„Beinahe-Unfällen“ trägt dazu bei, Risiken rechtzeitig zu erkennen und gegensteuernde Maßnahmen einzuleiten.
Generell ist die Bahn im Vergleich zum Individualverkehr ein sehr sicheres Transportmittel. Das Risiko für Reisende, mit
dem Zug zu verunglücken, ist in Österreich 78-mal (Todesfall) bzw. 86-mal (Verletzung) geringer als im Auto – wie in der
untenstehenden Grafik gezeigt wird.
Seite 321 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
116
Es erfolgt eine transparente und nachvollziehbare Darstellung aller sicherheitsrelevanten Entwicklungen in Form von
Kennzahlen. Diese werden jährlich an die nationale Sicherheitsbehörde übermittelt. Seit dem Jahr 2017 wird auf Basis
eines konzernweiten betrieblichen Sicherheitsindex die Entwicklung der Sicherheitsleistung des ÖBB-Konzerns über alle
Gesellschaften hinweg einheitlich erfasst.
Der Index setzt sich aus relevanten betrieblichen Vorfällen (z. B. Zugkollision oder Zugentgleisung) sowie Ereignissen, die
einen tatsächlichen Vorfall wahrscheinlich werden lassen („Mängel bzw. Unfallvorläufer“), zusammen und wird mit
gefahrenen Zugkilometern ins Verhältnis gesetzt. Als Berichtskennzahl stellt der Sicherheitsindex die betriebliche
Sicherheitsleistung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns in Österreich auf einen Blick dar. Es werden dabei nur jene Vorfälle und
Anstände berücksichtigt, für welche die Infrastruktur der Auslöser ist.
Zielsetzungen
1)
Der betriebliche Sicherheitsindex setzt sich u. a. zusammen aus: Zugzusammenstößen, Zugentgleisungen, Anfahren an Gleisabschluss, Zusammenprallen,
Verschubzusammenstößen und -entgleisungen. Die Anzahl dieser Vorfälle wird im Index erfasst, unabhängig davon, ob dabei Mitarbeiter:innen oder Reisende
verletzt wurden. Ein Anstieg des Sicherheitsindex zieht daher nicht zwingend eine Verschlechterung der Arbeitsunfälle bzw. der Arbeitsunfallrate nach sich.
2)
Je höher der Sicherheitsindex ausfällt, umso mehr Vorfälle haben sich ereignet – d. h. desto schlechter ist die Sicherheitsleistung.
Jedes Jahr werden rd. 3,0 Mrd. EUR in Neu-, Ausbau- und Instandhaltung der Infrastrukturanlagen investiert. Zusätzlich
unterstützen neue Fahrzeuge mit modernsten Zugsicherungssystemen die Gewährleistung einer sicheren Betriebsführung.
Sowohl begleitende Maßnahmen zur Sicherheitsstrategie wie der Fokus auf Maßnahmen mit größter Wirkung als auch
der Ausbau der Sicherheits- und Fehlerkultur bilden einen weiteren wesentlichen Beitrag zum Thema „Sicherheit”.
Des Weiteren wird ein wesentlicher Fokus auf das subjektive Sicherheitsempfinden der Kund:innen gelegt. Als Grundlage
dient das regelmäßige Beobachten der das Sicherheitsgefühl beeinflussenden Parameter. Aus der Entwicklung der
einzelnen Parameter können gezielt und frühzeitig Gegensteuerungsmaßnahmen abgeleitet werden. Dazu zählen
beispielhaft bauliche Maßnahmen zur besseren Beleuchtung und mehr Sicherheitspersonal auf den Bahnhöfen und in den
Zügen.
Im Zusammenhang mit Übergriffen auf Mitarbeiter:innen wurde 2019 ein umfangreiches Maßnahmenpaket erarbeitet
und im Jahr 2020 umgesetzt. Dies betrifft zum Beispiel die Verstärkung von Service- und Kontrollteams und die Begleitung
von Zugbegleiter:innen durch Securitypersonal auf gewissen Zugverbindungen im Nahverkehr. Weiters sind seit 2021 alle
Mitarbeiter:innen des Securitypersonals mit Bodycams ausgerüstet.
Das Sicherheitsniveau auf dem Netz der ÖBB-Infrastruktur AG konnte in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert
werden. Die Gründe dafür sind einerseits das regelmäßige Monitoring der ÖBB Sicherheitsleistung mittels
sicherheitsrelevanter Kennzahlen zum frühzeitigen Erkennen von eventuell entstehenden Problemfeldern, andererseits das
rasche Gegensteuern bei erkannten Abweichungen.
Im Sicherheitsaktionsplan werden Sicherheitsmaßnahmen definiert und konsequent umgesetzt. Diese sind das Werkzeug
zur Aufrechterhaltung des Sicherheitsniveaus, zur Gegensteuerung bei Abweichungen sowie zur regelmäßigen
Verbesserung der Sicherheitsleistung.
Schwerpunkte aus dem Sicherheitsaktionsplan (beispielhaft für Safety und Security)
– Sicherheit auf Bahnhöfen – Securityprogramme
• Zehn Notfallübungen sowie zehn Deeskalationsübungen wurden durchgeführt.
• Vier Kurse „Sicherheitsorientiertes Szenarientraining” und zehn Kurse „Deeskalation und Eigensicherung” wurden
absolviert.
– Sicherheitskultur
Die Sicherheitskultur umfasst Maßnahmen, mit denen das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter:innen gestärkt und
damit die Sicherheitsleistung weiter erhöht wird. Eine Sicherheitskultur passiert nicht selbstständig, sondern bedarf einer
konsequenten Verankerung und Festigung bei allen Beteiligten.
Ziel
KPI
Ambition Zieljahr
2023
2022
Verbesserung der Sicherheitsleistung
(Betrieblicher Sicherheitsindex)
auf 55,7 Punkte bis 2030
1)
Betrieblicher
Sicherheitsindex
ÖBB
-Infrastruktur-
Konzern
(Punktewert)
2)
55,7 55,6
71,6
Seite 322 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
117
Mit „Sicherheit Leben” wurde 2020 ein zusätzlicher „Unternehmenswert” geschaffen. Dieser soll dazu beitragen, dass
Sicherheit im Fokus aller Tätigkeiten steht. Mit den Schritten zur „Sicherheitskultur” wird der Status einer lernenden
Organisation mit Vertrauen, Fairness und Transparenz erlangt. Ziel ist es, Vorfälle durch menschliches Fehlverhalten
nachhaltig zu senken. Um dieses zu erreichen, waren mehrere aufeinander abgestimmte Schritte und Maßnahmen (z. B.
Konsequenzmanagement oder Umgang mit modernen Medien) erforderlich.
–
Reduktion des Kollisionsrisikos
• Einbau von Gleisfreimeldeanlagen: Das Programm zum Einbau von Gleisfreimeldeanlagen wurde weiter
vorangetrieben. Damit wird das Kollisionsrisiko von Zugfahrten wesentlich verringert, was zu einer erheblichen
Verbesserung des Sicherheitsniveaus beiträgt.
• Nachrüstprogramm PZB – Indusimagnete: Ziel der Maßnahme ist es, die Anzahl von Kollisionen nach unerlaubten
Signalüberfahrungen zu senken und damit einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung des Kollisionsrisikos zu leisten.
• ETCS-Ausbau: ETCS ist das interoperable Zugbeeinflussungssystem, welches die Steuerung des Zuges übernimmt. Es
senkt das Kollisionsrisiko um nahezu 100%.
–
Reduktion des Entgleisungsrisikos
• Installation von Zuglaufcheckpoints: Zuglaufcheckpoints sind verschiedene Sensoren an definierten Punkten im Netz
der ÖBB zur Überprüfung des einwandfreien Zustandes eines Zuges während der Fahrt (z. B. Heißläuferortungsanalgen,
Lademaßüberprüfung, Gewichtsprüfung etc.).
–
Sicherer Verschub
Aufgrund eines erkannten Trends bei den Vorfällen und Unfällen in Zusammenhang mit Verschubarbeiten wurden Schritte
zur Verringerung der Verschubvorfälle eingeleitet. Dies soll eine Trendumkehr bei den Verschubvorfällen herbeiführen.
• Verschubsignale – Signalwarnung Verschub: Die Signalüberfahrungen im Verschubablauf sind in den letzten Jahren
sehr stark gestiegen. Als gegensteuernde Maßnahme wurde mit der Entwicklung einer „Warn-App Verschub”
begonnen. Diese warnt bei einer „Fahrt gegen ein haltzeigendes Signal“ und stellt eine effektive Maßnahme zur
Verhinderung von Signalüberfahrungen und in weiterer Folge von Kollisionen dar.
• Hemmschuhe NEU: Hemmschuhe zum Bremsen und Sichern von Fahrzeugen wurden neu konzipiert und sollen vor
allem ein verbessertes Abbremsen von Wagen bewirken und damit Verschubkollisionen verhindern.
–
Eisenbahnkreuzungen
Unfälle auf Kreuzungen zwischen Straße und Schienen werden zu einem Anteil von 99% durch den Straßenbenutzer:innen
verursacht. Trotzdem werden kontinuierlich – mit erheblichem finanziellem Aufwand – Verbesserungen durchgeführt. So
werden regelmäßig Eisenbahnkreuzungen aufgelassen und durch Über- oder Unterführungen ersetzt bzw. nicht technisch
gesicherte Kreuzungen mit technischen Sicherungen ausgerüstet.
–
Betriebliche Regelwerke
Seit dem Jahr 2017 stehen jedem Betriebsbediensteten – automatisch über die Regelwerksdatenbank – die für seine
Tätigkeit relevanten Bestimmungen zur Verfügung. Der enorme Vorteil darin liegt, dass die Mitarbeiter:innen in einem
Regelwerk alle für ihre Tätigkeiten relevanten Bestimmungen erhalten und nicht verschiedenste Anweisungen durchforsten
müssen. Somit wird die Übersichtlichkeit für den: die Mitarbeiter:in wesentlich erhöht und die Komplexität der Regelwerke
verringert.
Regelwerke werden regelmäßig auf ihre Aktualität und Anwendbarkeit geprüft und unter Einbindung der Anwender:innen
weiterentwickelt.
–
Safety-Walk
Ziele des Safety-Walks sind:
• Verbessern der Sicherheitsleistung- und Kultur
• Botschaft des Managements: Sicherheit ist wichtig
• Erkennen von Verbesserungsmöglichkeiten
Die Safety-Walks wurden nach der coronabedingten Unterbrechung im Geschäftsjahr 2023 wieder aufgenommen.
Seite 323 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
118
Arbeitnehmer:innenschutz
Für den Erfolg der ÖBB-Infrastruktur AG sind die Mitarbeiter:innen entscheidend. Gesundheit und Leistungsfähigkeit der
Beschäftigten sind daher von besonderer Bedeutung. Zu den bereits hohen Anforderungen an Mitarbeiter:innen kommt
für die ÖBB-Infrastruktur AG als Arbeitgeberin die Notwendigkeit hinzu, auf den Wandel der Lebensstile flexibel zu
reagieren. Der Arbeitnehmer:innenschutz und dessen laufende Weiterentwicklung stellen deshalb eine wesentliche
Grundlage des täglichen Handelns dar. Die Mitarbeiter:innen werden regelmäßig über gesunderhaltende Maßnahmen und
Verhaltensweisen informiert und ihre Arbeitsplätze im operativen und im administrativen Bereich ergonomisch gestaltet
und evaluiert. Im Fokus steht die vollständige Vermeidung von Unfällen und arbeitsbezogenen Krankheiten sowie der
langfristige Erhalt der individuellen Arbeitskraft.
Managementsystem
Die Ziele im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind Teil des integrierten Managementsystems und richten
sich nach der EN ISO 45001:2018. Das System wird regelmäßig intern und extern auditiert und umfasst alle ÖBB
Mitarbeiter:innen und Leasing-Mitarbeiter:innen im Auftrag der ÖBB sowie alle Aktivitäten und Arbeitsplätze. Bei den
jährlich stattfindenden Audits werden die Vorgaben und Anforderungen des Arbeitssicherheit- und Gesundheitsschutz-
Managementsystems überprüft und Abweichungen sowie potenzielle Gefahrenquellen und Risiken systematisch
gesammelt und dokumentiert. Im Zuge des integrierten Managementsystems werden die Ergebnisse der Audits intern
überprüft und über die Führungskräfte umgesetzt. Seitens des Managements werden im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung die Ziele, Qualität und Ausrichtung kontrolliert.
Themenverankerung
Die Themenbereiche „Arbeitnehmer:innenschutz” und „Brandschutz” der ÖBB-Infrastruktur AG sind im Stab Sicherheit
und Qualität verankert. Zur Wahrnehmung der gesetzlichen und organisatorischen Aufgaben sind dazu folgende Rollen
eingerichtet: die Funktion der leitenden Sicherheitsfachkraft, des leitenden Brandschutzbeauftragten sowie ein:e
Teamkoordinator:in Arbeitssicherheit und ein:e Teamkoordinator:in Brandschutz. Die leitende Sicherheitsfachkraft ist
direkt dem Vorstand unterstellt und berät diesen zu den vielfältigen Themen und Aspekten des
Arbeitnehmer:innenschutzes.
An allen Standorten der ÖBB-Infrastruktur AG besteht auf Basis der rechtlichen Anforderungen, durch das
Arbeitnehmer:innenschutzgesetz (ASchG i.d.g.F.), die Vorgabe zur Umsetzung einer Arbeitsschutzorganisation. Diese wird
durch die Vertreter:innen des Arbeitgebers, Sicherheitsfachkräfte sowie Arbeitsmediziner:innen (Präventivfachkräfte),
Sicherheitsvertrauenspersonen, Betriebsratsmitgliedern, Ersthelfer:innen, Brandschutzbeauftragte, Brandschutzwart:innen
sowie Personen für Brandbekämpfung und Evakuierung sichergestellt. Die gegenseitige Information zu den Anliegen des
Arbeitsschutzes und die Koordination der betrieblichen Arbeitsschutzeinrichtungen erfolgen über den zentralen
Arbeitsschutzausschuss und die lokalen Arbeitsschutzausschüsse. Ebenso wird in diesem Rahmen über die Maßnahmen
zur Verbesserung der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit beraten. Da die Teilnahme und Einbindung der
Mitarbeiter:innen entscheidend ist, wenn es darum geht, Ideen und Vorschläge rund um das Thema „Arbeitssicherheit”
zu generieren, besteht für alle Beschäftigten die Möglichkeit, Vorschläge zu laufenden Verbesserungen im Rahmen des
Ideenmanagements einzubringen.
Seite 324 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
119
Des Weiteren ist in jedem Geschäftsbereich der ÖBB-Infrastruktur AG die Funktion eines / einer
Arbeitnehmer:innenschutzkoordinators / Arbeitnehmer:innenschutzkoordinatorin etabliert, der / die die Belange des
Arbeitnehmer:innenschutzes fördert, auf die Umsetzung von Arbeitnehmer:innenschutzvorgaben und die Dokumentation
der Inhalte des Arbeitnehmer:innenschutzsystems achtet. Ebenso erfolgt die Mitwirkung bei Audits und der
Managementbewertungen sowie die Vertretung des Geschäftsbereiches in Arbeitnehmer:innenschutzangelegenheiten.
Die interne Kommunikation wird im Rahmen der institutionalisierten quartalsmäßig tagenden
Arbeitnehmer:innenschutzplattform sichergestellt. Diese agiert als Kompetenzzentrum und Clearingstelle der ÖBB-
Infrastruktur AG in Fragen des Arbeitnehmer:innenschutzes, gibt begründete Anordnungen in
arbeitnehmerschutzrechtlichen Belangen und gilt als Schnittstelle zwischen dem Vorstand und den Organisationsbereichen.
Die Leitung und Organisation der Arbeitnehmer:innenschutzplattform obliegt der leitenden Sicherheitsfachkraft (L-SFK).
Auf der Ebene des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ist der Arbeitnehmer:innenschutz über den Fachausschuss Arbeitssicherheit
und die Plattform Sicherheit in die ÖBB-Sicherheitsstrategie eingebunden.
Gefahrenidentifizierung, Risikobewertung und Untersuchung von Vorfällen
Die Basis einer effizienten Präventionsarbeit zur Vermeidung von Arbeitsunfällen, Schadensereignissen oder
arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren ist die Erstellung und Beachtung der Gefährdungsbeurteilungen für alle Bereiche.
Diese werden kontinuierlich auf Aktualität geprüft und bei Bedarf erweitert, wie zum Beispiel zur Analyse von
arbeitsbedingten psychischen Belastungen. Dabei haben alle Mitarbeiter:innen die Möglichkeit, im Zuge der quantitativen
Erhebung teilzunehmen und sich anschließend bei der qualitativen Analyse in Kleingruppen einzubringen. Auf Grundlage
der Ergebnisse werden bei Vorliegen von relevanten arbeitsbedingten psychischen Belastungen entsprechende
gegensteuernde Maßnahmen durch die Führungskräfte eingeleitet.
Der Einsatz von richtigen Arbeitsmitteln und persönlicher Schutzausrüstung sowie die Gestaltung sicherer
Rahmenbedingungen sind wichtige Präventionsmaßnahmen. Entsprechend der Gefährdung im jeweiligen Aufenthalts-
und Tätigkeitsbereich wurde der erforderliche Mindeststandard der zu tragenden persönlichen Schutzausrüstung 2021
neu festgelegt. Zur Gefahrenidentifizierung und zur Risikobewertung werden regelmäßig Audits, Schulungen,
Unterweisungen und Begehungen aller Arbeitsplätze durchgeführt.
Bei Arbeitsunfällen wird durch die verantwortliche §3(6)-Person in Zusammenarbeit mit den Präventivfachkräften unter
Beiziehung des Betriebsrates bzw. der Sicherheitsvertrauensperson sowie sonstiger Fachleute eine Nachevaluierung des
Unfalls durchgeführt. Basierend auf den Analyseergebnissen der neuen Risiken- und Chancenbewertung, erfolgt bei Bedarf
eine Anpassung der Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumente und zwecks übergreifender Maßnahmenableitung
auch die Kommunikation in der ANS-Plattform.
Schwerpunkt: Maßnahmen zur Unfallvermeidung
Gute Präventionskultur bedeutet, dass der Arbeitnehmer:innenschutz als Teil einer positiven Sicherheitskultur systematisch
in die Prozesse und Strukturen des Unternehmens integriert ist.
– Um Führungskräfte und Mitarbeiter:innen dabei zu unterstützen, tagtäglich Sicherheit zu leben, wurden beginnend mit
2019 Verhaltensstandards etabliert: Vorbild sein, aufmerksam sein, Regelkonform arbeiten
– Aufeinander achten und unsichere Handlungen ansprechen
– Aus Fehlern lernen und Ursachen erkennen und beheben
Folgende Werkzeuge / Methoden wurden zur Weiterentwicklung der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit
2022 / 2023 neu eingeführt bzw. ausgeweitet:
–
Werkzeuge / Methoden
• Proaktiver Dialog über Sicherheit über Leistungsboards
• Durchführung von Safety-Walks
• Fehlerklassifizierungssystem
• Ursachenidentifikationssystem
• Methodik zum Abstellen von Hausbräuchen
• Sicherheit-Interaktionskarten
• Short-Card-Arbeitsunfälle, -Beinaheunfälle
• Tabelle PSA (Persönliche Schutzausrüstung) – Mindestanforderungen im Gefährdungsbereich (Policy PSA)
• Implementierung elektronischer Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumente
• Einführung eines elektronischen Maßnahmencontrolling- und Maßnahmenreporting-Systems (2023)
Seite 325 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
120
– Einbindung des Gesundheitsmanagements in die Arbeitnehmer:innenschutzplattform (2023)
Der Wert „Sicherheit leben” ist seit 2020 in den Standardprozessen verankert:
• Sicherheit leben im Zielvereinbarungsprozess
• Sicherheit leben im Mitarbeiter:innengespräch
• ÖBB Award (Sicherheitsvorbild des Jahres)
• Sicherheit leben – Kampagne
• Safety-Briefings
• Sicherheit als Tagesordnungspunkt in Meetings
Um eine Reduktion der Unfälle zu erreichen und die Sicherheitskultur noch weiter zu stärken, hat sich die ÖBB-
Infrastruktur AG beginnend mit 2019 ein ambitioniertes Ziel gesetzt und mit dem Jahr 2023 weiter ausgebaut: die Senkung
der „ASVG-Arbeitsunfallrate”. Diese soll bis 2030 jährlich um 2% verringert werden.
Die ASVG -Arbeitsunfallrate errechnet
sich aus der Anzahl aller gemeldeten Arbeitsunfälle, die mindestens vier Ausfallstage nach sich ziehen, bezogen auf
1.000 Mitarbeiter:innen. Wegunfälle sind nicht berücksichtigt. Die Verletzungsarten „Stürzen / Fallen” und
„Umknicken / Umknöcheln” waren im Jahr 2022 im ÖBB-Infrastruktur-Konzern am häufigsten vertreten, gefolgt von
„Einklemmen / Quetschen”. Daraus folgend wurde zu den Verletzungsarten „Stürzen / Fallen” und
„Umknicken / Umknöcheln” 2023 ein konzernweiter Maßnahmen-Schwerpunkt gesetzt.
Zur Zielerreichung wurde ein spezifisch auf die Bereiche und Gefährdungen abgestimmtes Maßnahmenprogramm zur
Vermeidung von Arbeitsunfällen entwickelt und in den Sicherheitsaktionsplan der ÖBB-Infrastruktur AG integriert. Der
Sicherheitsaktionsplan beschreibt die sicherheitsstrategischen Handlungsfelder mit deren Sicherheitsmaßnahmen und die
Wirkungserwartungen.
Im Zuge des Lenkungsausschusses erfolgt ein regelmäßiges Reporting der
umsetzungsverantwortlichen Führungskräfte zum aktuellen Status und Zeitplan.
Mitarbeiter:innenschulungen zu Arbeitssicherheit
Im Bereich Arbeitnehmer:innenschutz sind Schulungen und Ausbildungen sowie praktische Übungen bzw. Praxiseinsatz
essenziell, um Schwachstellen oder potenzielle Gefahren zu visualisieren. Nur so kann ein Umdenken und damit eine
längerfristige Verhaltensänderung erzielt werden.
Im Rahmen der eisenbahnspezifischen Ausbildungen ist das Thema „Arbeitssicherheit” ein fixer Bestandteil vieler
Ausbildungen (z. B. Fahrdienstleiter:innen, Verschub, Sicherungsposten, Sicherungsaufsicht). In den Kursen sind
betriebseigene Sicherheitsfachkräfte als Vortragende tätig, um auf die eisenbahnspezifischen Grundlagen einzugehen und
auf spezifische Gefährdungen hinzuweisen.
Eine verpflichtende interne Ausbildung stellt die Grundausbildung zur §3(6)-Person gem. ASchG dar. Die Aufgabe der
§3(6)-Person ist es, in ihrem Zuständigkeitsbereich auf die Durchführung und Einhaltung der notwendigen
Schutzmaßnahmen gem. ASchG zu achten und Abweichungen zu melden, um damit deren Beseitigung herbeizuführen
bzw. die Behebung selbst zu veranlassen. Das Ziel der Grundausbildung ist es, den Teilnehmer:innen einen Überblick über
die rechtlichen Grundlagen sowie ihre Aufgaben und Tätigkeiten zu vermitteln. Ein Auffrischungskurs ist je nach
Gefährdungsart alle drei bis fünf Jahre (z. B. Verschub, Bauarbeiten im Gefahrenraum der Gleise alle drei Jahre) zu
absolvieren.
Auch bei den Kursen zur Ausbildung zur Sicherheitsvertrauensperson (Grund- und Auffrischungskurs), die von der BVAEB
organisiert werden, sind betriebseigene Sicherheitsfachkräfte als Vortragende tätig, um auf die eisenbahnrelevanten
Grundlagen einzugehen und auf Gefährdungen hinzuweisen. Die Ausbildung zur Sicherheitsvertrauensperson ist auch
zukünftig ein Schwerpunkt im Zuge der Lehrlingsausbildung.
Die Kurse „SIG 1 Sicherheit im Gleisbereich” und „SIG 2 Verhalten im Gefahrenraum von
Gleisen / Bahnstromanlagen“ dienen als Basisausbildung sowohl für Mitarbeiter:innen als auch externe
Personen / Fremdfirmen, um die Erlaubnis zum Betreten von nicht öffentlichen Eisenbahnanlagen zu erlangen. Das Ziel ist
es, Personen, die zur Durchführung von nicht betrieblichen Tätigkeiten im Gefahrenraum der Gleise oder in dessen Nähe
tätig werden, ein betriebliches und elektrotechnisches Grundverständnis zu vermitteln. Damit soll durch die korrekten
Verhaltensweisen sichergestellt werden, dass die Sicherheit beim Aufenthalt und der Durchführung von Arbeitsvorgängen
im Gefahrenbereich von Gleisen sowie bei der Durchführung von Arbeitsvorgängen im Bereich von Bahnstromanlagen
gewährleistet ist.
Seite 326 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
121
Vermeidung und Abmilderung von direkt mit Geschäftsbeziehungen verbundenen Auswirkungen auf die
Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz
Es ist der ÖBB-Infrastruktur AG ein großes Anliegen, dass auch alle Fremdfirmen, die für das Unternehmen tätig sind, so
sicher wie möglich arbeiten. So gelten klare Regelungen für Auftragnehmer:innen mit dem Ziel, Sicherheitsrisiken aus
Geschäftsbeziehungen schon vor Beginn auf ein Minimum zu reduzieren.
Baustellen bergen hohe Unfallrisiken. Aus diesem Grund erfordern Arbeitsschutzmaßnahmen nach wie vor die volle
Aufmerksamkeit der Auftraggeberin und der ausführenden Unternehmen. Die übergeordneten Schutz- und
Präventionsmaßnahmen sind in den eisenbahnspezifischen Regelwerken zum Schutz der Arbeitnehmer:innen verankert
(u. a. Eisenbahn-Arbeitnehmer:innenschutzverordnung (EisbAV) und schriftliche Betriebsanweisungen).
Bei Bauarbeiten muss der:die Planungskoordinator:in einen Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (SiGe-Plan) erstellen,
in dem die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen gegen die Annäherung von Schienenfahrzeugen, gegen die Gefahren
des elektrischen Stroms sowie für Fahrten im Zusammenhang mit den Bauarbeiten festgelegt sind. Ebenso müssen die
Maßnahmen zum Schutz des Eisenbahnbetriebes und weitere kollektive Schutzmaßnahmen beinhaltet sein.
Für geplante Bauarbeiten, die Einschränkungen der Infrastrukturanlagen bewirken, müssen die dafür erforderlichen
Maßnahmen in der Betriebs- und Bauanweisung festgelegt werden. Dasselbe gilt für Störungsbehebungen, die
Einschränkungen der Infrastrukturanlagen bewirken, auch hier müssen die dafür erforderlichen Maßnahmen in der
Betriebsanweisung „Schnelle Instandsetzung“ festgehalten werden. Der SiGe-Plan bildet die Grundlage für die Festlegung
der erforderlichen Maßnahmen der Betriebs- und Bauanweisung bzw. für die „Schnelle Instandsetzung”.
Bei allen Arbeiten müssen die betriebsspezifischen Funktionen zum Schutz der Arbeitnehmer:innen im Gefahrenraum der
Gleise wie das Aufsichtsorgan des Bahnbetreibers oder die Sicherungsaufsicht immer von Mitarbeiter:innen der ÖBB-
Infrastruktur AG wahrgenommen werden.
Das Betreten von nicht öffentlichen Eisenbahnanlagen ist grundsätzlich untersagt. Beschäftigte von Fremdfirmen und
deren Subunternehmern, die zur Durchführung von nichtbetrieblichen Tätigkeiten im Gefahrenraum der Gleise oder in
dessen Nähe tätig werden, müssen vorab eine erfolgreiche Schulung gem. SIG 1 und SIG 2 absolvieren und über eine
entsprechende Erlaubniskarte verfügen. Ebenso muss die gesundheitliche Eignung gemäß ÖBB 32 – Richtlinie zur
gesundheitlichen Eignung von Mitarbeiter:innen im Eisenbahnbetrieb und dessen Umfeld vorhanden sein. Die Richtlinie
ÖBB 32 regelt Ablauf und Inhalt der sicherheitsrelevanten Eignungsuntersuchungen im Eisenbahnbetrieb und
gewährleistet Handlungs- und Rechtssicherheit.
Wichtige Kennzahlen zur Arbeitssicherheit auf einen Blick
ÖBB-Infrastruktur AG Mitarbeiter:innen und
Leasing-Mitarbeiter:innen im Auftrag der ÖBB-Infrastruktur AG
Einheit
2023
2022
Anzahl gearbeiteter Stunden
1.000 Mit-
arbeiter:innen
27.207
26.913
Mitarbeiter:innen
26.484
26.177
Leasing-Mitarbeiter:innen
723
736
Tödliche Arbeitsunfälle
Anzahl
4
1
Mitarbeiter:innen
1
1
Leasing-Mitarbeiter:innen
3
0
Rate der Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Verletzungen
pro 1 Mio.
Arbeitsstunden
0,15 0,04
Mitarbeiter:innen
0,04
0,04
Leasing-Mitarbeiter:innen
4,15
0
Schwere arbeitsbedingte Verletzungen
1)
Anzahl
8
3
Mitarbeiter:innen
8
3
Leasing-Mitarbeiter:innen
0
0
Rate arbeitsbedingter Verletzungen mit schweren Folgen
1)
pro 1 Mio.
Arbeitsstunden
0,29
0,11
Mitarbeiter:innen
0,30
0,11
Leasing-Mitarbeiter:innen
0,00
0,00
Dokumentierbare arbeitsbedingte Verletzungen
Anzahl
493
461
Mitarbeiter:innen
454
435
Leasing-Mitarbeiter:innen
39
26
Rate dokumentierbarer arbeitsbedingter Verletzungen
pro 1 Mio.
Arbeitsstunden
18,12
17,13
Mitarbeiter:innen
17,14
16,62
Leasing-Mitarbeiter:innen
53,94
35,30
1)
Entspricht GRI Universal Standard 403-9, schwere Arbeitsunfälle >180 Ausfalltage.
Seite 327 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
122
Innovation und Technologie
Innovation und technologischer Fortschritt sind wesentliche Hebel zur Erreichung der strategischen Ziele des ÖBB-
Konzerns. Die Mobilitätswende und damit eine weitere Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene erfordert eine
Optimierung des Systems Bahn, welches nur mit dem Einsatz teils neuer Technologien zu bewältigen ist. Die laufende
Weiterentwicklung des Gesamtsystems von Mobilität, Logistik und Infrastruktur und damit verbundener Forschungs- und
Entwicklungstätigkeiten hat im ÖBB-Infrastruktur-Konzern daher eine zentrale Bedeutung.
Zielsetzungen
– Erhöhung von Kapazität, Qualität und Produktivität mithilfe innovativer und digitaler Technologien
– Entwicklung und Angebot innovativer Produkte und Services
– Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Systems Bahn
– ETCS Ausbau: 2.210 km ETCS L2 Strecken bis 2030
Weitere Informationen sowie Maßnahmen sind in den Kapiteln C.4, C.5, C.6 sowie D dieses Lageberichts enthalten.
Leistbares und zugängliches Mobilitätsangebot
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern orientiert sich an den Bedürfnissen der Kund:innen, Mobilitätsangebote werden daher
laufend weiterentwickelt und ausgebaut. Im Mittelpunkt stehen der konsequente Ausbau und die Weiterentwicklung des
barrierefreien Mobilitätsangebotes im ÖBB-Netz. Dreh- und Angelpunkt sind daher Bahnhöfe und Haltestellen sowie das
dazugehörige Serviceangebot. Neben einem einfachen, bequemen und barrierefreien Zugang zum Eisenbahnsystem sind
Pünktlichkeit sowie Verknüpfungen zu anderen öffentlichen Mobilitätsangeboten (wie Bus, Tram, U-Bahn usw.) und des
Individualverkehrs (wie Park & Ride, Bike & Ride) wichtig, um weiterhin einen Wettbewerbsvorteil am Markt innezuhaben.
Barrierefreiheit
Ein barrierefreier, einfacher und bequemer Zugang zu Bahn und Bus für Menschen mit oder ohne Behinderung, Personen
mit Kinderwagen, für ältere Menschen und für Reisende mit Gepäck oder Fahrrädern ist ein wichtiges Ziel. Barrierefreier
Verkehr bedeutet in der Praxis stufenlos erreichbare Verkehrsanlagen und Verkehrsmittel, aber auch barrierefrei
zugängliche Information und Kommunikation. Mit der Berücksichtigung der barrierefreien Planungsgrundsätze wird ein
ganzheitliches und nachhaltiges Mobilitätsangebot im gesamten Netz des ÖBB-Konzerns geschaffen. Dabei ist die
Umsetzung des Zwei-Sinne-Prinzips, das heißt, dass zumindest immer zwei der drei Sinne (Sehen, Hören und Tasten)
angesprochen werden müssen, bei der baulichen Gestaltung wesentlich. Ziel ist es, allen Menschen eine selbstständige
und selbstbestimmte Nutzung des Systems Eisenbahn zu ermöglichen. Für diese Verantwortung steht der ÖBB-Konzern
ein und investiert daher laufend in moderne und barrierefreie Bahnstationen, die als Mobilitätsdrehscheiben zwischen den
einzelnen Systemen (wie Umsteigerelation innerhalb des Öffentlichen Verkehrs z.B. Schiene – Bus oder auch mit
Individualverkehr, wie Schiene – Pkw) und innerhalb des Systems Bahn fungieren.
Zielsetzungen
1)
Fahrgastfrequenz pro Werktag der barrierefreien Verkehrsstationen dividiert durch die Fahrgastfrequenz pro Werktag aller Verkehrsstationen im ÖBB Netz in
Österreich.
Die obige Tabelle zeigt den Erfüllungsgrad (KPI) der Umsetzung der Barrierefreiheitsstrategie in den Jahren 2023 und 2022
als Prozentwert von Reisenden, die eine barrierefreie Verkehrsstation bei ihrer Reise nutzen können, zur Gesamtfrequenz.
Im Jahr 2023 wurde wie auch im Jahr davor der Jahreszielwert von 86% übertroffen und weist aktuell 86,5% auf. Der
Fokus im Jahr 2023 lag, wie in den Jahren zuvor, bei größeren Stationen (Frequenz von über 1.000 Reisenden / Tag) und
Stationen mit weiteren Funktionen (wie Knotenpunkte mit Umsteigerelationen und Bahnstationen im Umfeld von
Bildungseinrichtungen, Kur- / Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen oder Senior:inneneinrichtungen).
Klares Ziel ist es, das Netz an barrierefreien Bahnstationen immer engmaschiger zu machen und auch regionale
Schwerpunkte zu setzen. Die Umsetzungsstrategie kommt mittelfristig in die Phase, vermehrt bestehende Bahnstationen
mit einer Tagesfrequenz von 500 bis 1.000 Reisenden pro Tag barrierefrei zu gestalten bzw. nachzurüsten. Im Jahr 2027
wird der Ist-Wert KPI gemäß der Maßnahmenplanung folglich nur leicht über dem Zielwert von 90% liegen, da sich in den
kommenden Jahren vermehrt Stationen mit einem relativ geringen Betrag zur Gesamt-KPI-Barrierefreiheit in der
Umsetzungsplanung befinden.
Ziel / Ist-Werte
KPI
Ambition Zieljahr
2023
2022
Erhöhung der Barrierefreiheit: bis 2027 können
90% der Reisenden barrierefrei unterwegs sein
% der Reisenden,
die barrierefrei
unterwegs sein
können
1)
90%
86,5% 86%
Seite 328 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
123
Entwicklung von Etappen- und Umsetzungsplänen
2006 hat die ÖBB-Holding AG zusammen mit Verantwortlichen der Teilkonzerne und Expert:innen den Etappenplan
gemäß § 19 Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) für den ÖBB-Konzern gesamthaft entwickelt. Die im
Etappenplan (2006 bis 2015) enthaltenen Maßnahmen wurden mit den Behindertenorganisationen abgestimmt.
Anfang 2016 haben die Konzerngesellschaften ihre Vorhaben aktualisiert und neue Umsetzungspläne für weitere
Verkehrsstationen (Bahnhöfe und Haltestellen mit Personenhalt) und die Fahrzeugflotte erstellt. Diese Unternehmenspläne
korrespondieren mit dem sogenannten Nationalen Umsetzungsplan (NIP), den das BMK für Österreich gemäß TSI-PRM
59
herausgegeben und veröffentlicht hat. 2018 wurden die bereits umgesetzten Maßnahmen und weitere Ziele bis 2027 mit
den Stakeholder:innen von Verbänden und Vertreter:innen des Parlaments diskutiert.
Ende 2023 profitierten bereits 86,5%
60
aller ÖBB-Reisenden von 452 modernen, barrierefreien Bahnhöfen und Haltestellen.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2023
2022
Bahnhöfe mit modernen, barrierefreien Stationen (Anzahl)
452
430
Als Beispiele für moderne, zukunftsfähige Bahnhofsprojekte im Berichtsjahr 2023 seien Hard-Fußach (Vbg.), Telfs-
Pfaffenhofen (T.), Summerau, Freistadt und Traun (alle OÖ), Ebreichsdorf und Leobendorf-Burg Kreuzenstein (beide NÖ)
sowie St. Paul im Lavanttal, Wiederndorf-Aich und Kühnsdorf-Klopeinersee (alle Ktn.) angeführt.
Dieser Weg der Modernisierung von Bahnhöfen und Haltestellen wird 2024 konsequent fortgesetzt. Dabei ist dem ÖBB-
Konzern die Errichtung und Erweiterung von Park & Ride-Anlagen mit ausreichender Anzahl an Pkw-Parkplätzen für
Menschen mit Behinderung und barrierefreien E-Ladestellen wie auch die Anbindung an die weiterführenden
Verkehrsträger (insbesondere Busanbindung) ein besonderes Anliegen.
Der direkte Austausch mit Menschen mit Behinderungen, Interessensvertretungen und Expert:innen wird in Abhängigkeit
der Themenstellung direkt vor Ort mit den Stakeholdern:innen und Experten:innen an Bahnhöfen und / oder über
Videokonferenzen im digitalen Raum geführt. Diskutiert und mit gestaltet werden dabei unter anderem Produkte und
Neuerungen bei der Information- und der Wegeleitung sowie Bahnhofsausstattungen mit regionalem Bezug. An der
Diskussion beteiligten sich 2023 Expert:innen der ÖBB-Infrastruktur AG sowie Reisende, Kolleg:innen und Expert:innen
(u. a. Hilfsgemeinschaft, Österreichischer Behindertenrat, Bundesministerium für Inneres, Bundesministerium für
Klimaschutz, Österreichischer Gehörlosenbund, Bizeps, Vida, TU Wien, myAbility, Verein Blickkontakt).
Diese Reflexion und Praxiserfahrung sind für den ÖBB-Konzern wertvoll, um zukünftig noch bessere Lösungen für die
Reisenden und Bahnkund:innen zu finden. Dafür ist jedes Detail wichtig. Oft sind es kleine, zusätzliche Hilfestellungen, die
zu einer Erleichterung und Entlastung für Menschen mit und ohne Behinderungen bei der Benützung der Bahn führen.
Zudem findet ein enger Austausch mit anderen Bahnen im EU-Raum statt. Eine Herausforderung stellt dabei das
Datenmanagement im Zusammenhang mit der Bereitstellung multimodaler und barrierefreier Reiseinformationen dar.
Bei der Umsetzung orientieren sich die ÖBB-Infrastruktur AG an den gesetzlichen und technischen Regelungen der EU,
insbesondere an der TSI-PRM (VO [EU] Nr. 1300 / 2014) sowie an nationalen Vorgaben und Standards, wie zum Beispiel
ÖVE / ÖNORM EN 17210 (Barrierefreiheit und Nutzbarkeit der gebauten Umwelt – Funktionale Anforderungen) sowie
ÖNORM B 1600 (Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen).
59
Technische Spezifikation für die Interoperabilität bezüglich der Zugänglichkeit des Eisenbahnsystems der Union für Menschen mit Behinderungen und Menschen
mit eingeschränkter Mobilität.
60
Berechnet auf Basis der durchschnittlichen täglichen Frequenz an Reisenden 2018 für das Netz der ÖBB-Infrastruktur AG.
Seite 329 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
124
Pünktlichkeit
Pünktlichkeit ist ein wesentliches Qualitätskriterium sowohl für die Kund:innenzufriedenheit als auch für die Nachhaltigkeit.
Je pünktlicher Züge unterwegs sind, desto weniger Energie wird letztlich verbraucht, da Zeitreserven im Fahrplan für eine
energieeffiziente Fahrweise genutzt werden können. Die Pünktlichkeit ist das Verhältnis von pünktlich erreichten Halten
zu allen Halten, der Schwellenwert für die Pünktlichkeit liegt bei mathematisch gerundeten fünf Minuten.
In der Realität wird die Pünktlichkeit von vielen Faktoren negativ beeinflusst. Zur Qualitätssicherung werden bei der ÖBB-
Infrastruktur AG alle aufgetretenen Verspätungsminuten erfasst und mittels einem Kodierungssystem definierten Ursachen
zugeordnet. Auf diese Weise können systematische Ursachen erkannt und gezielte Maßnahmen abgeleitet werden. Dabei
sind die einzelnen Ursachen auch mit zuständigen Bereichen hinterlegt, die für die Maßnahmensetzung verantwortlich
sind. Im Wesentlichen werden folgende übergeordnete Ursachencluster unterschieden:
– Infrastruktur: Anlagenstörungen, Langsamfahrstellen und Bauarbeiten, Betriebsführung
– Eisenbahnverkehrsunternehmen: Fahrzeugstörungen, kommerzielle Gründe, Personal- / Fahrzeugumlauf
– Neutral: Nachbarbahnen, externe Einflüsse (u. a. Witterung)
Der größte Anteil an Störeinflüssen liegt bei den Nachbarbahnen mit gut einem Drittel, danach folgen in etwa gleichauf
alle anderen Cluster mit einem Anteil zwischen 7% und 12%, nur die Betriebsführung ist mit 1% vernachlässigbar.
Die Schwerpunktsetzung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns liegt bei der laufenden Optimierung der Verfügbarkeit der
Anlagen, der zeitgerechten Reinvestition in Anlagen zur Vermeidung von Langsamfahrstellen, der Forcierung von
Abweichungsfahrplänen während Bauarbeiten und der operativen Exzellenz in der Disposition.
Die Steuerung der Pünktlichkeit erfolgt innerhalb des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns und im ÖBB-Konzern im Rahmen des
regelmäßigen Steuerkreises Pünktlichkeit und auf Konzernebene im Rahmen des Pünktlichkeitszirkels auf
Expert:innenebene bzw. im Lenkungsgremium Pünktlichkeit auf Ebene der Vorstandsmitglieder / Geschäftsführer:innen.
Die wichtigsten nichtfinanziellen Kennzahlen im Überblick
2023
2022
Pünktlichkeit Personenverkehr gesamt, alle EVUs in %
94,9
95,4
Pünktlichkeit Güterverkehr gesamt, alle EVUs) in %
72,2
75,2
Park & Ride-Ausbau
Die intelligente Verknüpfung von Verkehrsträgern ist essenziell für ein nachhaltiges und effizientes Verkehrssystem. Um
die Schnittstelle zwischen dem motorisierten Individualverkehr (MIV) und dem System Eisenbahn möglichst einfach zu
gestalten, hat die ÖBB-Infrastruktur AG in den vergangenen Jahren bereits verstärkt Park & Ride-Anlagen errichtet. Mit
der Zielsetzung, auch in den nächsten Jahren jährlich rd. 1.000 Pkw-Stellplätze neu in Betrieb zu nehmen bzw.
instandzusetzen, soll dieser Weg weiterverfolgt werden. Zudem werden vermehrt Zufahrtssysteme installiert, welche
sicherstellen, dass die Park & Ride-Anlagen tatsächlich Nutzer:innen des öffentlichen Verkehrs zur Verfügung stehen. Das
Hauptaugenmerk zur Errichtung neuer Park & Ride-Anlagen (Pkw-Stellplätze) auf Verkehrsstationen liegt auf den
Zubringerstrecken in die Ballungsräume. Es ist nicht vorgesehen, Park & Ride-Anlagen direkt in den Hauptstädten zu
errichten. Situierungen von Park & Ride-Anlagen sollen so erfolgen, dass der motorisierte Individualverkehr schon im
Nahbereich der „Quelle” strukturiert angesprochen wird (frühzeitiger Umstieg auf den ÖV).
Darüber hinaus bietet das Carsharing-Angebot Rail&Drive eine flexible Kombination aus Reisen mit Bahn und Auto (siehe
Kapitel G.3).
Bike & Ride
Der Neu- / Ausbau von Bike & Ride-Anlagen soll den Zugang zur Bahn erleichtern. Das Fahrrad ist ein wichtiger Teil der
Mobilitätskette und das Anbieten von Bike & Ride-Anlagen an Verkehrsstationen im Netz der ÖBB-Infrastruktur AG leistet
einen wesentlichen Beitrag hinsichtlich nachhaltiger Mobilität. Bei der Errichtung von neuen bzw. zusätzlichen Bike & Ride-
Stellplätzen sind Kooperationen zwischen der ÖBB-Infrastruktur AG mit den involvierten Gemeinden und Ländern (siehe
Richtlinie Park & Ride-Anlagen des BMK) zwingend nötig. Pro Jahr sollen laut aktuellem Rahmenplan 2024 bis 2029 im
Schnitt etwa 2.000 Stellplätze hinzukommen bzw. bestehende Anlagen erneuert werden.
Aktuell setzt die ÖBB-Infrastruktur AG sehr stark auf die Erhöhung der Qualität der Fahrradabstellplätze wie der
Überdachung und Doppelstockparkanlagen. Mit Ende 2023 gab es auf den Anlagen der ÖBB 51.549 Abstellplätze für
Zweiräder (davon 3.592 Motorradparkplätze und 46.597 Fahrradparkplätze).
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2023 2022
Anzahl Bike & Ride-Stellplätze in Stück
51.549
50.791
Neuerrichtung / Instandhaltung von Bike & Ride-Stellplätzen pro Jahr in Stück (gem. Verträgen)
2.356
1.775
Seite 330 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
125
Soziale Verantwortung und Kooperationen
Der ÖBB-Konzern ist überzeugt, dass Unternehmen als Teil einer Gesellschaft auch eine soziale Verantwortung tragen. Mit
seinem Engagement will der ÖBB-Konzern Menschen, Umwelt und Wirtschaft regional stärken, um zusammen mit
vertrauensvollen Partner:innen einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern nimmt diese Verantwortung mit unterschiedlichen internen und externen Projekten sowie
in der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen wahr.
Mitgliedschaften und gesellschaftlicher Beitrag
Aktuell sind die Organisationseinheiten bzw. die Tochtergesellschaften der ÖBB-Infrastruktur AG Mitglied bei 97
nationalen und internationalen Organisationen und Institutionen aus den Bereichen Verkehr, Energie, Technik etc. Dazu
zählen der Internationale Eisenbahnverband (UIC), die Austrian Energy Agency (AEA) und viele mehr.
Der Wert der Marke ÖBB als integrativer Indikator für den wirtschaftlichen Erfolg entwickelte sich laut Erhebung des
European Brand Institutes in den vergangenen Jahren durchwegs positiv und konnte 2023 weiter gesteigert werden: Mit
einem Markenwert von rd. 2,2 Mrd. EUR liegen die ÖBB auf Platz 5 der österreichischen Topmarken.
Darüber hinaus hat das European Brand Institute im Rahmen des „Sustainable Brand Rating Austria 2023” auch 2023
wieder den Beitrag der Marken gemeinwirtschaftlicher Unternehmen und Organisationen zur nachhaltigen Entwicklung
in Österreich in den Sektoren Verkehr, Versorgungsinfrastruktur, Energie, Gesundheits- und Sozialinfrastruktur, Finanzen
und Medien in den vier Kategorien Brand Leadership, Product / Services, Social Responsibility und Investment in Österreich
untersucht. Der Kriterienkatalog mit 52 Indikatoren, abgeleitet aus den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) der Agenda 2030
sowie ISO 20671, wurde mit dem „EBI Scoring Model“ bewertet und in ein „Sustainable Brand Rating” übergeführt. Der
ÖBB-Konzern ist laut diesen Erhebungen erneut Österreichs führende Sustainable Brand (Above Average Score AAA).
Die Bewertungen des European Brand Institutes beziehen sich zwar auf den ÖBB-Konzern. Da die Öffentlichkeit die
Teilkonzerne der ÖBB aber kaum als eigenständige Unternehmen wahrnimmt und der ÖBB-Infrastruktur-Konzern der
größte Teilkonzern des ÖBB-Konzerns ist, sind die Ergebnisse der genannten Studien auch für den ÖBB-Infrastruktur-
Konzern repräsentativ.
Licht ins Dunkel
Der ÖBB-Konzern verbindet täglich eine Vielzahl an Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen. Einige dieser Schicksale
erzählen besondere Geschichten und zeigen, dass oftmals dringend Hilfe benötigt wird. Daher ist der ÖBB-Konzern seit
über vierzehn Jahren auch im Jahr 2023 wieder Partner von „Licht ins Dunkel”. In den vergangenen Jahren konnte der
ÖBB-Konzern gemeinsam mit Kund:innen, Bahnhofbesucher:innen, ÖBB Mitarbeiter:innen und einer Vielzahl an weiteren
Unterstützer:innen mittlerweile rd. 1,4 Mio. EUR an Spendengeldern für Kinder und Familien in Not sammeln. Die
Partnerschaft mit „Licht ins Dunkel” ist die größte CSR-Kampagne des ÖBB-Konzerns und zahlt auf allen Ebenen in die
Unternehmensphilosophie ein. Im Jahr 2023 konnte durch verschiedene interne und externe Spendenmaßnahmen ein
Gesamtbetrag von rd. 71 TEUR an Spenden gesammelt werden. Die Spenden fließen in unterschiedliche „Licht ins
Dunkel”-Projekte mit einem Fokus auf Mobilität und Kinder.
Weitere Projekte und Kooperationen, beispielsweise zu den Themen „Sicherheit” und „Barrierefreiheit”, sind unter
anderem in Kapitel G.4. Stakeholder:innenmanagement sowie Leistbares und zugängliches Mobilitätsangebot zu finden.
G.5. Achtung der Menschenrechte
Die Geschäftstätigkeit des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns beschränkt sich geografisch zum größten Teil auf Österreich und
den EU-Raum sowie Liechtenstein und die Schweiz. Die Baustellen befinden sich ebenso auf österreichischem
Hoheitsgebiet bzw. in besonderen Anlassfällen in den angrenzenden EU-Mitgliedsstaaten. Es gelten die
verfassungsrechtlich gewährten Grundrechte, insbesondere der Gleichheitsgrundsatz nach dem Bundes-Verfassungsgesetz,
sowie die europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK). Über die Einhaltung
dieser Rechte wachen unabhängige Gerichte. Als Mitglied der Wirtschaftskammer bekennt sich der ÖBB-Infrastruktur-
Konzern zu deren Grundsätzen „Menschenrechte, Umweltstandards, Sozialstandards” und ist sich seiner gesellschaftlichen
Verantwortung bewusst.
Darüber hinaus gibt es im Personalbereich weitere konkrete Vorgaben und Maßnahmen hinsichtlich Chancengleichheit,
Vielfalt und Inklusion (siehe Kapitel Vielfalt und Chancengleichheit).
Seite 331 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
126
Die Wahrung der Menschenrechte und Menschenwürde hat für die ÖBB-Infrastruktur AG höchste Priorität. Als
nachhaltiges Unternehmen, das aus dem österreichischen Rahmenplan finanziert wird, untersteht die ÖBB internationalen
Richtlinien. Um eine Verbesserung der Transparenz zu erreichen und die Wahrung dieser Rechte weiterhin zu
gewährleisten, wurde im Sommer 2023 eine umfassende Marktumfeldanalyse durchgeführt. Auf Basis von Best-Practice-
Beispielen wurden mögliche Stellhebel für Verbesserungspotenzial identifiziert, welche in weiterer Folge mit den
Fachexpert:innen besprochen und anschließend Schritt für Schritt in bestehende Policys implementiert werden.
Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG ist als interner Dienstleister vor allem für die Sauberkeit und Sicherheit an den
Bahnhöfen verantwortlich. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, alle Menschen, mit denen als Unternehmen interagiert
wird – also sowohl Mitarbeiter:innen als auch Kund:innen – mit Würde und Respekt zu behandeln. Die Wahrung der
Menschenrechte ist die Basis dafür. Alle Mitarbeiter:innen bei der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG werden
grundsätzlich darauf geschult, sich aus gefährlichen Situationen zurückzuziehen und Deeskalation als wichtigste
Handlungsprämisse anzusehen. Auch die internen Arbeitsanweisungen und die intern entwickelten Verhaltensstandards
bilden diese Vorgangsweise ab.
In der Ausbildung „Mitarbeiter:innen der Sicherheits- und Kund:inneninformation” der ÖBB-Operative
Services GmbH & Co KG wird besonderer Wert auf die Themen „Kund:innenorientierung”, „Deeskalation”, „rechtliche
Grundlagen” – darunter auch „Menschenrechte” – gelegt. Hierfür wurde ein umfangreiches Ausbildungsprogramm
entwickelt, das deutlich über dem Branchenschnitt liegt: Die Mitarbeiter:innen bekommen bereits in der „Basisschulung
Sicherheit” einerseits rechtliche Grundlagen, andererseits ebenso das Thema „Kund:innenorientierung” während einer
Grundausbildung vermittelt. Im „sicherheitsorientierten Szenarientraining“ erfolgt eine Vertiefung dieser Kompetenzen,
auch das Thema „Prävention (Risikoeinschätzung, Eigen- und Fremdsicherung)” wird in den Fokus genommen.
Im Modul „Deeskalation und Eigensicherung“, das durch die Sicherheitsakademie im Zuge einer engen Kooperation mit
dem Bundesministerium für Inneres durchgeführt wird, nimmt das Thema „Menschenwürde” einen besonderen
Stellenwert ein – so werden ebenso Negativbeispiele behandelt und Wahrnehmungsmuster durchbrochen. Diese
Schulungen sind für alle Mitarbeiter:innen der Sicherheits- und Kund:inneninformation im Zuge des
Ausbildungsprogrammes vorgesehen.
Darüber hinaus legt die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG einen besonderen Stellenwert auf die Zufriedenheit der
Kund:innen, zu denen alle Menschen gezählt werden, die sich an den Bahnhöfen aufhalten. Diskriminierendes Verhalten
würde diesem Ziel augenscheinlich entgegenlaufen und wird daher weder gefördert noch toleriert. Die
Kund:innenbewertungen zeugen vom Erfolg der Maßnahmen.
Ziel ist es, hervorragende Kund:innenzufriedenheit zu generieren. Da die Kund:innen an den Bahnhöfen sehr
unterschiedlich sind, ist eine besondere Sensibilität auf das Thema „Menschenwürde” geboten. Aus diesem Grund werden
regelmäßig alle Mitarbeiter:innen im Sicherheitsbereich in den Themen „Kund:innenorientierung”, „Deeskalation” und
„rechtliche Grundlagen” – wo möglich sogar unter Einbindung des Innenministeriums – geschult.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
KPI
1)
Ambition
Zieljahr
2023
Jährliche Abschlussquote des Deeskalations- und
Eigensicherungstrainings, welches für
Sicherheitsmitarbeiter:innen der ÖBB-Operative
Services GmbH & Co KG im Ausbildungshandbuch
definiert ist
Anteil an abgeschlossenen Deeskalations-
und Eigensicherungstrainings der
Sicherheitsmitarbeiter:innen in % 75,0
78,3
1)
Diese Kennzahl wurde 2023 das erste Mal erhoben.
Im Zusammenhang mit menschenwürdigen Arbeitsbedingungen sind im Geschäftsjahr 2023 konzernweit keine Vorfälle
bekannt, welche zu einem Verfahren geführt hätten. Die Anzahl der Verstöße gegen die Menschenrechte im Geschäftsjahr
2023 ist null.
Seite 332 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
127
G.6. Bekämpfung von Korruption und Bestechung
Compliance-Organisation im ÖBB-Infrastruktur-Konzern
Ethisches Handeln des Unternehmens wie auch seiner Mitarbeiter:innen ist die Basis für Vertrauen und nachhaltigen Erfolg.
Als eines der größten Unternehmen Österreichs, dessen Alleinaktionärin die Republik Österreich ist, trifft den ÖBB-
Infrastruktur-Konzern eine besondere Verantwortung zur effektiven, effizienten und transparenten Gestaltung seiner
Geschäftsprozesse. Eine Null-Toleranz-Politik hinsichtlich Gesetzesverstöße und Korruption bestimmt die strategische
Unternehmensausrichtung maßgeblich mit.
Der Verhaltenskodex des ÖBB-Konzerns („Code of Conduct”) beschreibt die ethischen Grundsätze und allgemeinen
Prinzipien, an denen der ÖBB-Konzern sein wirtschaftliches Handeln ausrichtet und die wesentlichen Elemente seiner
Unternehmenskultur darstellt. Die ÖBB-Holding AG und deren Tochtergesellschaften haben sich freiwillig durch
entsprechenden Organbeschluss zur Einhaltung des Code of Conduct verpflichtet. Der Code of Conduct ist von allen ÖBB
Mitarbeiter:innen wie auch den Vorstandsmitgliedern, Geschäftsführer:innen und Führungskräften streng einzuhalten.
Ergänzend zum Code of Conduct bilden diverse Leitfäden wichtige Orientierungshilfen.
In Erfüllung der Organisationsverantwortung der Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer:innen wurde im ÖBB-Konzern
eine Compliance-Organisation etabliert, welche auf die Einhaltung interner und externer Regelwerke hinwirkt. Der Chief-
Compliance-Officer in der ÖBB-Holding AG und die Compliance-Officers in den Tochtergesellschaften unterliegen im
Rahmen der Ausübung ihrer Tätigkeit keinerlei Weisungen des Managements. Den Chief-Compliance-Officer und die
Compliance-Officers treffen umfassende Berichterstattungspflichten an den Aufsichtsrat und den Vorstand.
Kernkompetenz der Compliance-Organisation ist die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität und Korruption sowie die
Minimierung von Wirtschaftskriminalitäts- und Korruptionsrisiken im ÖBB-Konzern. So ist die Antikorruptionsstelle unter
der Leitung des Chief-Compliance-Officers zentrale Ansprechpartnerin für Fragen, Informationen und Hinweise in
Zusammenhang mit Korruption im ÖBB-Konzern. Alle Informationen, welche die Antikorruptionsstelle des ÖBB-Konzerns
erreichen, werden streng vertraulich und mit der notwendigen Sorgfalt behandelt.
Das Compliance-Management-System im ÖBB-Konzern und im ÖBB-Infrastruktur-Konzern orientiert sich an den
internationalen Standards und stellt sich wie folgt dar:
Seite 333 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
128
Prävention
Eine der Kernaufgaben der Compliance-Organisation des ÖBB-Konzerns ist es, die Mitarbeiter:innen des ÖBB-Konzerns
langfristig und nachhaltig zu Compliance-relevanten Themenbereichen und Richtlinien zu sensibilisieren und dazu zu
beraten. Dabei ist es besonders wichtig, allen Mitarbeiter:innen (einschließlich Lehrlingen) bewusst zu machen, in welchen
konkreten Situationen im Arbeitsalltag ein Compliance-Risiko vorliegen kann. Die Compliance-Organisation ist
niederschwellig für jede:n Mitarbeiter:in erreichbar und berät proaktiv zu den wichtigsten Compliance-Themen und
Inhalten des Code of Conduct. Durch regelmäßige Präsenz- und Videokonferenzschulungen und bewusstseinsbildende
Maßnahmen, die auf die jeweiligen Zielgruppen und entsprechenden Risiken zugeschnitten sind, wird die Sensibilisierung
zu Compliance-bezogenen Themenbereichen weiter erhöht. Ergänzend werden ein Compliance-E-Learning-Programm
und im ÖBB-Intranet veröffentlichte Compliance-Kurzvideos eingesetzt. Ein weiterer wesentlicher Baustein der
Präventionsarbeit ist das Angebot der individuellen Beratung des Managements und aller Mitarbeiter:innen.
Früherkennung
Mögliche Compliance-Gefahren frühzeitig zu erkennen, ist entscheidend, um diesen adäquat entgegenwirken zu können.
Die Compliance-Organisation lokalisiert sensible Unternehmensbereiche, die im Hinblick auf die Kernkompetenz besonders
risikoanfällig sind, evaluiert die in diesen Bereichen vorhandenen Strukturen und Prozesse und entwirft Maßnahmen, um
die Compliance-Risiken zu minimieren. Dies geschieht unter anderem im Rahmen des konzernweiten Projekts „Fraud
Management”, der Durchführung von Gefährdungsanalysen und Compliance-Audits. Diese Maßnahmen dienen den
primären Zielen der Schadensprävention und Gefährdungskontrolle.
Reaktion
Die Compliance-Organisation als zentrale Anlaufstelle für die Behandlung von Hinweisen ist verpflichtet, jedem
Compliance-relevanten Hinweis nachzugehen. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen führen zu entsprechenden
Maßnahmen und Empfehlungen. Die Umsetzung möglicher Sanktionen nach festgestellten Compliance-Verstößen liegt
ausschließlich im Kompetenzbereich des jeweiligen Geschäftsleitungsorgans.
Hinweise zu Verstößen gegen den Code of Conduct und zu Sachverhalten mit einem Verdacht auf Wirtschaftskriminalität
oder Korruption können jederzeit telefonisch, per Post, per Mail und auch persönlich – jedenfalls vertraulich – an die
Compliance-Organisation gemeldet werden. Anonyme Meldungen sind ebenfalls möglich. Weiters wurde ein
elektronisches Hinweisgeber:innen-System implementiert. Hinweisgeber:innen genießen besonderen Schutz bezüglich
ihrer vertraulichen und persönlichen Daten.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2023
Abschlussquote des E-Learnings zu Compliance, welches Mitarbeiter:innen mit IT-Zugang
zur Verfügung gestellt wird und unter anderem auch im Onboarding-Prozess etabliert ist
1)
>90%
1)
Diese Kennzahl wurde 2023 das erste Mal erhoben.
Seite 334 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
129
G.7. GRI-Inhaltsindex
Im folgenden GRI-Inhaltsindex sind die von der ÖBB-Infrastruktur AG berichteten Standardangaben, wesentlichen Themen
und Indikatoren aufgelistet. Die Referenz auf den entsprechenden Abschnitt des Konzernlageberichtes erleichtert den
Leser:innen das Auffinden der Information.
Anwendungserklärung
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat in Übereinstimmung mit den GRI-Standards für den
Zeitraum vom 01.01.2023 bis zum 31.12.2023 berichtet.
Verwendeter GRI 1
GRI 1: Grundlagen 2021
Anwendbare(r)
GRI-Branchenstandard(s)
Derzeit nicht anwendbar.
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
ALLGEMEINE ANGABEN
GRI 2:
Allgemeine
Angaben 2021
2-1 Organisationsprofil Kapitel A S. 2-6
2-2 Entitäten, die in der
Nachhaltigkeitsberichterstattung
der Organisation
berücksichtigt werden
Konzernabschluss
Erläuterung 80
Der Konsolidierungskreis der
nichtfinanziellen Erklärung
entspricht dem des
Konzernabschlusses der ÖBB-
Infrastruktur AG.
2-3 Berichtszeitraum,
Berichtshäufigkeit und
Kontaktstelle
Kapitel G.2. S. 47 infra.kundenservice@oebb.at
2-4 Richtigstellung oder
Neudarstellung von
Informationen
Im aktuellen Bericht kam es
zu folgender Änderung bei
der Berichterstattung im
Vergleich zum Vorjahr:
Offenlegung Kennzahl zu
Menschenrechts- und zu
Complianceschulungen sowie
die Scope 3 Emissionen
2-5 Externe Prüfung
Der unabhängige
Bestätigungsvermerk ist
im Anhang des
Konzernabschlusse zu
finden.
Die nichtfinanzielle Erklärung
wurde einer unabhängigen
externen Prüfung mit
begrenzter Sicherheit durch
Ernst & Young Wirtschafts-
prüfungsgesellschaft m.b.H.
unterzogen.
2-6 Aktivitäten,
Wertschöpfungskette und andere
Geschäftsbeziehungen
Kapitel A. S. 2-6,
C.1. S. 15 ff.,
C.2. S. 17 ff.,
C.4. S. 20 ff.,
G.3. S. 86 ff.
und G.4. S. 100 ff.
Keine signifikanten
Änderungen in der
Organisation und ihrer
Lieferkette.
12
2-7 Angestellte
Kapitel A. S. 3,
C.2. S. 18.
und G.4. S. 101 ff.
5, 8,
10
Seite 335 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
130
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
ALLGEMEINE ANGABEN
GRI 2:
Allgemeine
Angaben 2021
2-8 Mitarbeiter:innen, die keine
Angestellten sind
Kapitel G.4. S. 101 ff.,
S. 112 ff.
5, 8,
10
2-9 Führungsstruktur und
Zusammensetzung
Kapitel G.2. S. 47f.
2-10 Nominierung und Auswahl
des höchsten Kontrollorgans
Kapitel G.2. S. 47f.
2-11 Vorsitzende:r des höchsten
Kontrollorgans
Kapitel G.2. S. 47
2-12 Rolle des höchsten
Kontrollorgans bei der
Beaufsichtigung der Bewältigung
der Auswirkungen
Kapitel G.2. S. 47f.
und G.6. S. 127 ff.
2-13 Delegation der
Verantwortung für das
Management der Auswirkungen
Kapitel G.2. S. 47 f.
2-14 Rolle des höchsten
Kontrollorgans bei der
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Kapitel G.2. S. 47 f.
2-15 Interessenkonflikte
Kapitel G.2. S. 47
und G.6. S. 126 ff.
2-16 Übermittlung kritischer
Anliegen
Kapitel G.2. S. 47
und G.6. S. 127 ff.
Eine genaue Anzahl an
kritischen Anliegen wird
konzernweit nicht berichtet.
2-17 Gesammeltes Wissen des
höchsten Kontrollorgans
Kapitel G.2. S. 47
und G.6. S. 127 ff.
2-18 Bewertung der Leistung des
höchsten Kontrollorgans
Kapitel G.2. S. 47,
G.6. S. 127 ff.
und Konzernabschluss
S. 74 ff.
2-19 Vergütungspolitik
Konzernabschluss
S. 74 ff., Corporate
Governance Bericht
2-20 Verfahren zur Festlegung
der Vergütung
Konzernabschluss
S. 74 ff., Corporate
Governance Bericht
Seite 336 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
131
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
ALLGEMEINE ANGABEN
GRI 2:
Allgemeine
Angaben 2021
2-21 Verhältnis der
Jahresgesamtvergütung
Aufgrund der umfangreichen
Auswertung der Ist-
Gehaltsdaten zur Ermittlung
des mittleren Niveaus der
Jahresvergütung der
Angestellten können die
Daten für das Geschäftsjahr
2023 mit Berichtschluss Mitte
März 2024 nicht ausgewiesen
werden. Für 2024 erfolgt die
Programmierung eines
Berichtes, welcher die
Auswertung des mittleren
Niveaus (Median) ermöglicht,
um somit die Verhältnisse im
Bericht 2025 (für 2024)
ausweisen zu können
2-22 Anwendungserklärung zur
Strategie für nachhaltige
Entwicklung
Kapitel C.5. S. 28 f.,
G.1. S. 45 ff.
8
2-23 Verpflichtungserklärung zu
Grundsätzen und
Handlungsweisen
Kapitel A. S. 2 f.,
C.5. S. 28 ff.,
G.3. S. 63 f.
und G.6. S. 127 f.
3, 6,
7, 8,
11,
12,
13,
14,
15,
16
2-24 Einbeziehung politischer
Verpflichtungen
Kapitel B.2. S. 11
2-25 Verfahren zur Beseitigung
negativer Auswirkungen
Kapitel B.2. S. 11 ff.,
G.2. S. 47 ff., G.4. S. 99
und G.6. S.127 f.
2-26 Verfahren für die Einholung
von Ratschlägen und die
Meldung von Anliegen
Kapitel G.4. S.100 f.
und G.6. S. 127 f.
Seite 337 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
132
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
ALLGEMEINE ANGABEN
GRI 2:
Allgemeine
Angaben 2021
2-27 Einhaltung von Gesetzen
und Verordnungen
Gegen die ÖBB-
Infrastruktur AG gab es im
Jahr 2023 keine wesentlichen
Klagen, Sanktionen oder
Geldbußen, die aufgrund von
Verletzungen von Gesetzen
oder Vorschriften im sozialen,
wirtschaftlichen oder
Umweltbereich verursacht
wurden.
2-28 Mitgliedschaft in Verbänden
und Interessengruppen
Kapitel G.4. S. 125 17
2-29 Ansatz für die Einbindung
von Stakeholdern
Kapitel G.2. S. 48 f.
und G.4. S. 100 f.
17
2-30 Tarifverträge
Kapitel G.4. S. 103
8
GRI 3:
Allgemeine
Angaben 2021
3-1 Verfahren zur Bestimmung
wesentlicher Themen
Kapitel G.2. S. 49 ff.
3-2 Liste der wesentlichen
Themen
Kapitel G.2. S. 50 f.
Wesentliche Themen mit
hoher Bedeutung:
– Klimaschutz
– Innovation und Technologie
– Wirtschaftsmotor,
wertschöpfende Investitionen
und zukunftsfähige
Finanzierung
– Aus- und Weiterbildung
– Generationen-wandel
– Leistbares und zugängliches
Mobilitätsangebot
– Anpassung an den
Klimawandel
– Gesundheit / Safety /
Security
– Verlässlicher und attraktiver
Arbeitgeber
– Compliance / transparente
Berichte und Datenschutz
Im Vergleich zum Vorjahr
kam es zu keiner Änderung
der wesentlichen Themen.
Seite 338 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
133
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
GRI 200: Ökonomische Themen
Wesentliches Thema: Innovation und Technologie
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management of Material
Topics
Kapitel C.4. S. 20 ff.,
C.5. S. 28 f., C.6. S. 31 f.
und D. S. 35 ff.,
G.2. S. 51-61
und G.4. S. 122
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand. 9, 11
F&E-Projekte in Bearbeitung
Kapitel C.5. S. 30,
D. S. 35, G.2. S. 62
und G.4. S. 122
9, 11
Wesentliches Thema:
Wirtschaftsmotor, wertschöpfende Investitionen und zukunftsfähige Finanzierung
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel C.4. S. 20 – 28,
C.5. S. 30, C.6. S. 31 ff.
und G.1. S. 45 ff.
und G.2. S. 51-61
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
5, 8,
9, 11
GRI 201:
Wirtschaftliche
Leistung 2016
201-1: Unmittelbar erzeugter
und ausgeschütteter
wirtschaftlicher Wert
Kapitel C.1. S. 15 f. und
C.2. S. 17-20
und G.1. S. 45 ff.
8, 9
201-4:
Finanzielle Unterstützung
durch die öffentliche Hand
Konzernabschluss
Erläuterung S.29
und S.31 ff.
sowie Lagebericht
B.2. S.11. ff.
8
GRI 203:
Indirekte
ökonomische
Auswertungen
2016
203-1:
Infrastrukturinvestitionen
und geförderte Dienstleistungen
Kapitel C.4. S. 20 – 28,
C.6. S. 31 ff.
und G.1. S. 45 ff.
5, 9,
11
203-2: Erhebliche indirekte
ökonomische Auswirkungen
Kapitel G.1. S. 45,
S. 51 - 61
8, 11
Seite 339 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
134
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
GRI 200: Ökonomische Themen
Wesentliches Thema: Leistbares und zugängliches Mobilitätsangebot
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
G.1. S. 45 ff., G.2. S. 51-
61 und G.4. S. 122 ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen Management-
systeme in Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
9,
10,
11
Barrierefreie Bahnhöfe Kapitel G.4. S. 122
9,
10,
11
Bike & Ride-Stellplätze Kapitel G.4. S. 124
11,
13
Wesentliches Thema:
Compliance / transparente Berichte und Datenschutz
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel F. S. 39 ff.,
G.2. S. 47 ff.,
G.2. S. 51-61,
G.4. S. 100 ff.
und G.6. S. 127 f.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
5, 8,
9, 11
GRI 205:
Korruptions-
bekämpfung
2016
205-1:
Betriebsstätten, die auf
Korruptionsrisiken geprüft
wurden
Die konzernweit
durchgeführten Compliance-
Audits werden im
Jahrestätigkeitsbericht
Compliance festgehalten und
aus Vertraulichkeitsgründen
nicht veröffentlicht.
16
GRI 206:
Wettbewerbswi
driges Verhalten
2016
206-1:
Rechtsverfahren aufgrund
von wettbewerbswidrigem
Verhalten, Kartell- und
Monopolbildung
Gegen die ÖBB-
Infrastruktur AG gab es im
Jahr 2023 keine wesentlichen
Klagen, Sanktionen oder
Geldbußen, die aufgrund von
Verletzungen von Gesetzen
oder Vorschriften im
wirtschaftlichen Bereich
verursacht wurden.
16
Seite 340 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
135
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
GRI 200: Ökonomische Themen
Wesentliches Thema:
Compliance / transparente Berichte und Datenschutz
GRI 415:
Politische
Einflussnahme
2016
415-1:
Parteispenden
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat
keine direkten oder
indirekten Parteispenden in
Form von finanziellen
Beiträgen und
Sachzuwendungen geleistet. 16
GRI 418:
Schutz
der
Kundendaten
2016
418-1:
Begründete Beschwerden
in Bezug auf die Verletzung des
Schutzes und den Verlust von
Kund:innendaten
Zum Zeitpunkt der Erstellung
dieser nichtfinanziellen
Erklärung sind der ÖBB-
Infrastruktur AG keine
Beschwerden von Kund:innen
im Zusammenhang mit der
Verletzung des
Kundendatenschutzes
bekannt.
16
GRI 300: Ökologische Themen
Wesentliches Thema: Klimaschutz
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel B.2. S. 11 f.,
C.5. S. 28, S. 30.,
C.6. S. 32, G.1. S. 46,
G.2. S. 51-61
und G.3. S. 64 ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
3, 7,
8, 9,
11,
12,
13,
14,
15
GRI 302:
Energie 2016
302-1:
Energieverbrauch
innerhalb der Organisation
Kapitel G.3. S. 68
7, 8,
12,
13
302-4:
Verringerung des
Energieverbrauchs
Kapitel G.3. S. 68
7, 8,
12,
13
GRI 305:
Emissionen 2016
305-1:
Direkte THG-Emissionen
(Scope 1)
Kapitel G.3. S. 69
3, 12,
13,
14,
15
305-2:
Indirekte energiebedingte
THG-Emissionen (Scope 2)
Kapitel G.3. S. 69
3, 12,
13,
14,
15
ÖBB Fuhrpark
Kapitel G.3. S. 70
9, 13
Seite 341 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
136
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
GRI 300: Ökologische Themen
Wesentliches Thema: Anpassung an den Klimawandel
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel G.1. S. 46,
G.2. S. 51-61
und G.3. S. 72 ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel
A. S. 2 und Fachstrategien
durch den Vorstand.
7,
11,
13
GRI 201:
Wirtschaftliche
Leistung 2016
201-2: Finanzielle Folgen des
Klimawandels für die
Organisation und andere mit dem
Klimawandel verbundene Risiken
und Chancen
Kapitel G.2. S. 51 - 61
und G.3. S. 72 ff.
Risiken aus höherer Gewalt und
aus Naturgefahren, die durch
den Klimawandel in den letzten
Jahren zugenommen haben,
werden regelmäßig bewertet
und budgetär durch
Erfahrungswerte vorgesorgt. In
den Worst-Case-Szenarien
werden Ereignisse evaluiert, die
über das langjährige Mittel
hinausgehen.
Steinschlag- und
Lawinenverbauungen
Kapitel G.3. S. 73
GRI 400: Soziale Themen
Wesentliches Thema:
Gesundheit / Safety / Security
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von wesentlichen
Themen
Kapitel A. S. 2-4,
C.5. S. 28 ff.,
F. S. 40 f.,
G.2. S. 51-61
und G.4. S. 113 - 121
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
3, 8,
16
Seite 342 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
137
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
GRI 400: Soziale Themen
Wesentliches Thema:
Gesundheit / Safety / Security
GRI 403:
Arbeitssicherheit
und
Gesundheits-
schutz 2018
403-1: Managementsystem für
Arbeitssicherheit und
Gesundheitsschutz
Kapitel G.4. S. 118
8
403-2: Gefahrenidentifizierung,
Risikobewertung und
Untersuchung von Vorfällen
Kapitel G.4. S. 119
8
403-3:
Arbeitsmedizinische Dienste Kapitel G.4. S. 114
8
403-4:
Mitarbeiter:innenbeteiligung,
Konsultation und Kommunikation
zu Arbeitssicherheit und
Gesundheitsschutz
Kapitel G.4. S. 104 f.,
S. 118
f.
8, 16
403-5:
Mitarbeiter:innenschulungen zu
Arbeitssicherheit und
Gesundheitsschutz
Kapitel G.4. S. 119
8
403-6: Förderung der Gesundheit
der Mitarbeiter
Kapitel G.4. S. 113 f.
3
403-7: Vermeidung und
Abmilderung von direkt mit
Geschäftsbeziehungen
verbundenen Auswirkungen auf die
Arbeitssicherheit und den
Gesundheitsschutz
Kapitel G.4. S. 121
8
403-8: Mitarbeiter:innen, die von
einem Managementsystem für
Arbeitssicherheit und
Gesundheitsschutz abgedeckt sind
Kapitel G.4. S. 118
8
403-9: Arbeitsbedingte
Verletzungen
Kapitel G.4. S. 121 f.
3, 8
403-10:
Arbeitsbedingte
Erkrankungen
Kapitel G.4. S. 119
3, 8
Seite 343 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
138
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
GRI 400: Soziale Themen
Wesentliches Thema:
Gesundheit / Safety / Security
GRI 416:
Kunden-
gesundheit und
-sicherheit 2016
416-1: Beurteilung der
Auswirkungen verschiedener
Produkt- und
Dienstleistungskategorien auf die
Gesundheit und Sicherheit
100% der Produkt- und
Dienstleistungskategorien
sind über ein
Managementsystem erfasst.
3
Wesentliches Thema: Aus- und Weiterbildung
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von wesentlichen
Themen
Kapitel C.5. S. 29.,
G.1. S. 47,
G.2. S. 51-61
und G.4. S. 105 ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand. 4, 8
GRI 404: Aus-
und
Weiterbildung
2016
404-2: Programme zur
Verbesserung der Kompetenzen
der Angestellten und zur
Übergangshilfe
Kapitel G.4. S. 108 ff.
4, 8
Wesentliche Themen: Verlässlicher und attraktiver Arbeitgeber und Generationenwandel
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von wesentlichen
Themen
Kapitel C.5. S. 29
und S. 31, G.1. S. 47,
G.2. S. 51-61
und G.4. S. 108 ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
4, 8
GRI 401:
Beschäftigung
2016
401-1:
Neu eingestellte Angestellte
und Angestelltenfluktuation
Kapitel G.4. S. 104 f.
5,
10, 8
Frühfluktuationsrate
Kapitel C.5. S. 29
und S. 31, G.1. S. 47,
G.2. S. 51-61
und G.4. S. 108 ff.
Seite 344 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
139
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
Wesentliches Thema (NaDiVeG): Achtung der Menschenrechte
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel G.2. S. 59 und
G.5. S. 125 f.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
8,
10,
16
GRI 410:
Sicherheits-
praktiken 2016
410-1: Sicherheitspersonal, das in
Menschenrechtspolitik und -
verfahren geschult wurde
Kapitel G.5. S. 126
10,
16
WEITERE THEMEN
GRI 200: Ökonomische Themen
Sustainable Finance
EU-Taxonomie-Verordnung Kapitel G.3. S. 89 ff.
8
Corporate-ESG-Rating Kapitel G.1. S. 99
8, 9,
11
GRI 300: Ökologische Themen
Ressourcenmanagement, Abfall, Fläche / Boden
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel G.2. S. 51-61
und G.3. S. 75 - 81
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
3, 6,
8,
11,
12
GRI 303:
Wasser
und Abwasser
2018
303-1: Wasser als gemeinsam
genutzte Ressource
Kapitel G.3. S. 79 f.
6, 12
303-2: Umgang mit den
Auswirkungen der
Wasserrückführung
Kapitel G.3. S. 80
6
Seite 345 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
140
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WEITERE THEMEN
Ressourcenmanagement, Abfall, Fläche / Boden
GRI 306:
Abfall
2020
303-5: Wasserverbrauch
Kapitel G.3. S. 80
6
306-1: Anfallender Abfall und
erhebliche abfallbezogene
Auswirkungen
Kapitel G.3. S. 77 ff.
3, 6,
11,
12
306-2:
Management erheblicher
abfallbezogener Auswirkungen
Kapitel G.3. S. 77 ff.
3, 6,
8, 11,
12
306-3:
Angefallener Abfall
Kapitel G.3. S. 79
3, 11,
12
306-4: Von Entsorgung
umgeleiteter Abfall Kapitel G.3. S. 79
3, 11,
12
306-5: Zur Entsorgung
weitergeleiteter Abfall
Kapitel G.3. S. 79
3, 11,
12
Flächenbilanz der ÖBB-
Infrastruktur AG
Kapitel G.3. S. 74
11,
12
Nachhaltige Beschaffung
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel A. S. 4,
C.5. S. 29, D. S. 36,
F. S. 40 f., F. S. 43,
G.2. S. 51-61,
G.3. S. 86 ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
5, 8,
12,
16
GRI 308:
Umweltbewertu
ng der
Lieferanten 2016
308-1:
Neue Lieferanten, die
anhand von Umweltkriterien
überprüft wurden
Kapitel G.3. S. 87
GRI 407:
Vereinigungsfrei
heit und
Tarifverhandlung
en 2016
407-1: Betriebsstätten und
Lieferanten, bei denen das Recht
auf Vereinigungsfreiheit und
Tarifverhandlungen bedroht sein
könnten
Diese Rechte sind im
Wirkungsfeld der ÖBB-
Infrastruktur AG nicht
gefährdet.
GRI 408:
Kinderarbeit
2016
408-1: Betriebsstätten und
Lieferanten mit einem
erheblichen Risiko für Vorfälle
von Kinderarbeit
Im Wirkungsfeld der ÖBB-
Infrastruktur AG sind diese
Risiken nicht gegeben.
GRI 409:
Zwangs- oder
Pflichtarbeit
2016
409-1: Betriebsstätten und
Lieferanten mit einem
erheblichen Risiko für Vorfälle
von Zwangs- oder Pflichtarbeit
Im Wirkungsfeld der ÖBB-
Infrastruktur AG sind diese
Risiken nicht gegeben.
Seite 346 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
141
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WEITERE THEMEN
Artenvielfalt und Biodiversität
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel C.4. S. 25 f.,
G.1. S. 52 f.,
G.2. S. 51-61
und G.3. S. 81 ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
6,
14,
15
GRI 304:
Biodiversität
2016
304-1: Eigene, gemietete und
verwaltete Betriebsstandorte, die
sich
in oder neben geschützten
Gebieten und Gebieten mit
hohem Biodiversitätswert
außerhalb von geschützten
Gebieten befinden
Kapitel G.3. S. 82
6,
14,
15
304-2: Erhebliche Auswirkungen
von Aktivitäten, Produkten und
Dienstleistungen auf die
Biodiversität
Kapitel C.4. S. 22 ff.,
G.3. S. 8-86
6,
14,
15
ÖBB Baumkataster
Kapitel G.3. S. 84
15
Chemische Vegetationskontrolle Kapitel G.3. S. 85
6,
14,
15
Emissionen inkl. Lärm (exkl. CO
2
)
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel C.4. S. 22 ff.,
S. 30, G.2. S. 51-61
und G.3. S. 86 ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
11,1
5
Lärmschutzwände und -dämme Kapitel G.3. S. 86 11
Seite 347 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
142
GRI-Standard
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen, Begründungen,
Auslassungen
SDG
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WEITERE THEMEN
GRI 400: Soziale Themen
Soziale Verantwortung und Kooperationen
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel G2.S. 51-61,
G.4. S. 100 ff.,
S. 108 ff., S. 122
und G.5. S. 125
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
10,
11,
17
GRI 413:
Lokale
Gemeinschaften
2016
413-1:
Betriebsstätten mit
Einbindung der lokalen
Gemeinschaften,
Folgenabschätzungen und
Förderprogrammen
Auf Basis der rechtlichen
Anforderung, die mit der
Genehmigung von Bau und
Betrieb der Anlagen
verbunden sind, ist dieser
Punkt gewährleistet.
11,
12,
14,
15
Vielfalt und Chancengleichheit
GRI 3:
Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel C.5. S. 29,
G.2. S. 51-61,
G.4. S. 108 ff.
und G.4. S.111 ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
5, 8,
10
GRI 405:
Diversität und
Chancen-
gleichheit 2016
405-1:
Diversität in
Kontrollorganen und unter
Angestellten
Kapitel G.4. S. 111
5, 8
405-2:
Verhältnis des
Grundgehalts und der Vergütung
von Frauen zum Grundgehalt und
zur Vergütung von Männern
Aufgrund des
Gleichbehandlungsgesetzes
wird alle zwei Jahre im ersten
Quartal des Folgejahres ein
Einkommensbericht erstellt.
Detaillierte Informationen
werden aus
Vertraulichkeitsgründen nicht
veröffentlicht.
5, 8,
10
GRI 406:
Nicht-
diskriminierung
2016
406-1:
Diskriminierungsvorfälle
und ergriffene
Abhilfemaßnahmen
Im Jahr 2023 war ein
Verfahren vor der
Gleichbehandlungskom-
mission anhängig. Diese kam
zu dem Ergebnis, das die
Antragsteller:in nicht
diskriminiert worden ist. 5, 8
Seite 348 von 366

  
  
            
 
        



 


143
Seite 349 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
144
Glossar
ADR
Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße
AVB
Allgemeine Vertragsbedingungen für Dienstverträge bei den Österreichischen Bundesbahnen
BFS
Betriebsführungsstrategie
BFZ
Betriebsführungszentrale
BIP
Bruttoinlandsprodukt
BMK
Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie
BTkm
Bruttotonnenkilometer
BVAEB
Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau
CER
Community of European Railway
CO
2
Kohlendioxid
CSRD
Corporate Sustainability Reporting Directive
EAP
Ersatzarbeitsplatz
EBIT
Ergebnis vor Steuern und Zinsen (earnings before interest and tax)
EBITDA
Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen
(earnings before interest, tax, depreciation and amortization)
EBT
Gewinn vor Steuern (earnings before tax)
ETCS
European-Train-Control-System
EUR
EUR
EVU
Eisenbahnverkehrsunternehmen
F&E
Forschung und Entwicklung
FTE
Vollzeitäquivalent (Full-Time-Equivalent)
GRI
Global Reporting-Initiative
GWh
Gigawattstunde
Hbf
Hauptbahnhof
HR
Personalwesen (Human Resources)
IFRS
International Financial Reporting Standards
IKS
Internes Kontrollsystem
ISO
Internationale Organisation für Normung (International Organisation for Standardization)
km
Kilometer(n)
km
2
Quadratkilometer(n)
m
Meter(n)
Mio.
Million(en)
Mrd.
Milliarde(n)
NACE-Code
Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft
PSO
Public-Service-Obligation
RID
Regelung zur internationalen Beförderung gefährlicher Güter im Schienenverkehr
RPL
Rahmenplan
SMS
Sicherheitsmanagementsystem
t
Tonnen
TEUR
Tausend EUR
USD
United States Dollar
UVP
Umweltverträglichkeitsprüfung
Vj
Vorjahr
VO
Verordnung
Zugkm
Zugkilometer
Seite 350 von 366

  
   


 
            
  


            
             
 
 
 



 


145
Seite 351 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 5
3. BESTÄTIGUNGSVERMERK
*)
Bericht zum Konzernabschluss
Prüfungsurteil
Wir haben den Konzernabschluss der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien,
und ihrer Tochtergesellschaften (der Konzern), bestehend aus der Konzernbilanz zum 31. Dezem-
ber 2023, der Konzerngesamtergebnisrechnung, der Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung
und der Konzerngeldflussrechnung für das an diesem Stichtag endende Geschäftsjahr und dem
Konzernanhang, geprüft.
Nach unserer Beurteilung entspricht der beigefügte Konzernabschluss den gesetzlichen Vorschrif-
ten und vermittelt ein möglichst getreues Bild der Vermögens- und Finanzlage des Konzerns zum
31. Dezember 2023 sowie der Ertragslage und der Zahlungsströme des Konzerns für das an die-
sem Stichtag endende Geschäftsjahr in Übereinstimmung mit den International Financial Report-
ing Standards (IFRS), wie sie in der EU anzuwenden sind, und den zusätzlichen Anforderungen des
§ 245a UGB.
Grundlage für das Prüfungsurteil
Wir haben unsere Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-Verordnung Nr. 537/2014 (im
Folgenden EU-VO) und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung
durchgeführt. Diese Grundsätze erfordern die Anwendung der International Standards on Auditing
(ISA). Unsere Verantwortlichkeiten nach diesen Vorschriften und Standards sind im Abschnitt "Ver-
antwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses" unseres Bestäti-
gungsvermerks weitergehend beschrieben. Wir sind vom Konzern unabhängig in Übereinstimmung
mit den österreichischen unternehmensrechtlichen und berufsrechtlichen Vorschriften und wir ha-
ben unsere sonstigen beruflichen Pflichten in Übereinstimmung mit diesen Anforderungen erfüllt.
Wir sind der Auffassung, dass die von uns bis zum Datum des Bestätigungsvermerks erlangten Prü-
fungsnachweise ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu die-
sem Datum zu dienen.
Seite 352 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 6
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte sind solche Sachverhalte, die nach unserem pflichtge-
mäßen Ermessen am bedeutsamsten für unsere Prüfung des Konzernabschlusses des Geschäfts-
jahres waren. Diese Sachverhalte wurden im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Konzernab-
schlusses als Ganzes und bei der Bildung unseres Prüfungsurteils hierzu berücksichtigt, und wir
geben kein gesondertes Prüfungsurteil zu diesen Sachverhalten ab.
Nachfolgend stellen wir den aus unserer Sicht besonders wichtigen Prüfungssachverhalt dar:
Abgrenzung zwischen aktivierungspflichtigen Investitionen und sofort aufwandswirksamen Instand-
haltungsaufwendungen
Beschreibung / Risiko:
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft investiert im Auftrag der Bundesregierung jährlich mehr
als drei Milliarden Euro in das österreichische Schienennetz. Neben Investitionen in den Neubau von
Schieneninfrastruktur tätigt die Gesellschaft wesentliche Ausgaben für die Erneuerung und die In-
standhaltung der bestehenden Infrastruktur.
Während als Investitionen einzustufende Maßnahmen aktiviert und damit im Wege der Abschreibung
über mehrere Jahre aufwandswirksam verteilt werden, schlagen sich lnstandhaltungsmaßnahmen
sofort als Aufwand im Ergebnis nieder. Wie bei allen großen Infrastrukturunternehmen kommt der
Abgrenzung zwischen Investitions- und lnstandhaltungsmaßnahmen und deren richtiger Abbildung
im Konzernabschluss der ÖBB-lnfrastruktur Aktiengesellschaft besondere Bedeutung zu. Gerade bei
Maßnahmen, die die bestehende Infrastruktur betreffen, kann es zu Abgrenzungs- bzw. Klassifizie-
rungsproblemen kommen.
Die Angaben zu den Bilanzierungsgrundsätzen sind im Anhang unter Punkt "3. Zusammenfassung
der wesentlichsten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Sachanlagen" enthalten. Informatio-
nen zu den im Geschäftsjahr aufwandswirksam erfassten lnstandhaltungsleistungen finden sich im
Anhang unter Punkt "B. Erläuterungen zur Konzern-Bilanz und Konzern-Gewinn- und Verlustrech-
nung, 7. Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen".
Seite 353 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 7
Adressierung im Rahmen der Konzernabschlussprüfung:
Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten umfasst:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über den relevanten Prozess und
die wesentlichen Schlüsselkontrollen betreffend korrekter Kategorisierung und Bilanzierung von
aktivierungspflichtigen Investitionen bzw. aufwandswirksamen Instandhaltungsmaßnahmen erlangt,
die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt und ausgewählte Schlüssel-
kontrollen im Prozess auf deren Wirksamkeit getestet ("Funktionsprüfung"). Davon betroffen sind
insbesondere Schlüsselkontrollen anlässlich der Eröffnung von Aufträgen im SAP-System.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig nachge-
lagerte Kontrollen im Bereich Sachanlagen durchführen, geführt, ein Verständnis über deren Tätig-
keiten gewonnen und deren Kompetenz und fachliche Qualität beurteilt. Ferner haben wir Interne
Revisionsberichte mit Bezug auf den besonders wichtigen Prüfsachverhalt eingeholt, gelesen und
hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prüfungsstrategie gewürdigt und zusätzliche Prüfungshandlun-
gen gesetzt.
Wir haben die internen Bilanzierungsrichtlinien ("Aktivierungshandbuch") hinsichtlich Übereinstim-
mung mit den Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätzen nach IFRS geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben von
Zugängen im Bereich vom Sachanlagevermögen, Stichproben im Bereich von Investitions- und In-
standhaltungsaufträgen, sowie anhand ausgewählter Stichproben von wesentlichen Projekten die
korrekte Erfassung als Zugang zu Sachanlagen oder Aufwand in Übereinstimmung mit der internen
Bilanzierungsrichtlinie ("Aktivierungshandbuch") geprüft. Die Auswahl der Stichproben von wesentli-
chen Projekten erfolgte anhand einer Zufallsauswahl und auf Basis von definierten Risikokriterien
unter Berücksichtigung der Projektgröße.
Die Prüfungshandlungen umfassten insbesondere die Durchsicht von Projektbeschreibungen, die
Diskussion von Projektinhalten mit den Projektverantwortlichen und Projektcontrollern und daraus
abgeleitet die Würdigung der getroffenen Bilanzierungsentscheidungen. Soweit erforderlich haben
wir bei den in den Stichproben enthaltenen Projekten auch in Abrechnungs- und Vertragsunterlagen
Einsicht genommen.
Seite 354 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 8
Ansatz und Bewertung von Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren
Beschreibung / Risiko:
Zum 31. Dezember 2023 bestehen mehrere regulierungsrechtliche Verfahren. Diese Verfahren,
welche sich in unterschiedlichen verfahrensrechtlichen Stadien befinden, betreffen den Zeitraum
ab Dezember 2011 bis 2023. Inhaltlich geht es dabei vor allem um Fragen der Ermittlung und
Festlegung des Infrastrukturbenützungsentgelts (ab Dezember 2011 bis Dezember 2017), der
Entgelte nach dem neuen Wegeentgeltmodell für den Zeitraum Dezember 2019 bis Dezember
2023 (Produkt "Zugtrasse" hinsichtlich direkt zuordenbarer Kosten und gesetzeskonformer
Marktaufschläge bis einschließlich der Netzfahrplanperiode 2021), sowie um die Zulässigkeit
der Höhe der Stationsentgelte bei der Nutzung von Serviceeinrichtungen ab Dezember 2011 bis
2021.
Der Ausgang der anhängigen Verfahren kann dazu führen, dass die bisher verrechneten Entgelte
abgeändert werden und es dadurch zu einer Rückerstattungspflicht der ÖBB-Infrastruktur Aktien-
gesellschaft kommt.
Diese Risiken werden individuell je Sachverhalt bzw. Verfahren unter Einbindung von Experten
bewertet und in Form von Rückstellungen bilanziell berücksichtigt.
Die Bilanzierung und Bewertung dieser Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren sind
im Rahmen der Prüfung von besonderer Bedeutung, da die Beträge wesentlich sind, die Bewer-
tung komplex ist und wesentliche Ermessensentscheidungen erfordert. Das Erfordernis für und
die Höhe dieser Rückstellungen sind maßgeblich von der Annahme und Einschätzung des Manage-
ments zum Ausgang der Verfahren abhängig. Bewertungsunsicherheiten bestehen insbesondere
aufgrund von schwierig abzuschätzenden Ergebnissen bei der Auslegung von bisher weitgehend
nicht ausjudizierten Rechtsfragen durch die Aufsichtsbehörde, Verwaltungsgerichte bzw. Gerichts-
höfe, aufgrund möglicher Einschränkungen der zeitlichen Wirkung von Entscheidungen sowie
hinsichtlich Art, Umfang und Höhe von anerkannten Kosten und Marktaufschlägen als Basis für
die Verrechnung von Tarifen für die Nutzung der Schieneninfrastruktur.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den Rückstellungen für
regulierungsrechtliche Verfahren befinden sich im Anhang unter Punkt "3. Zusammenfassung der
wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Verwendung von Schätzungen und
Ermessensausübungen, c. Rückstellungen" sowie "B. Erläuterungen zur Konzern-Bilanz und Kon-
zern-Gewinn- und Verlustrechnung, 26.2. Sonstige Rückstellungen".
Seite 355 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 9
Adressierung im Rahmen der Konzernabschlussprüfung:
Wir haben die Einschätzung des Managements betreffend Ansatz und Höhe der Rückstellungen
hinterfragt und geprüft. Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten
umfasst:
Wir haben den Prozess betreffend Ansatz und Bewertung der Rückstellungen für regulierungs-
rechtliche Verfahren erhoben und die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess
beurteilt.
Im Rahmen unserer Prüfung haben wir uns mit den für die Rückstellungsbildung verwendeten
Rechts- und Datengrundlagen auseinandergesetzt und haben auf dieser Basis die Angemessenheit
der für die Bewertung herangezogenen Prämissen beurteilt. Insbesondere haben wir dabei den
Status der Verfahren, einschließlich der aktuellen Entwicklungen im Jahr 2023, mit dem Manage-
ment, den Mitarbeitern des zuständigen Fachbereiches und den beigezogenen Rechtsanwälten
besprochen. Weiters haben wir uns mit den im Zuge der Verfahren vor der Schienen-Control Kom-
mission erstellten Sachverständigengutachten befasst und die daraus von der Gesellschaft abge-
leiteten Schlussfolgerungen gewürdigt.
Das Berechnungsschema der Rückstellungen haben wir anhand der einfließenden Bewertungspa-
rameter nachvollzogen.
Die Gesellschaft bezieht bei der Berechnung der Rückstellung insbesondere extern erstellte
Sachverständigengutachten und juristische Stellungnahmen von externen Rechtsanwälten mit ein.
Diese haben wir im Rahmen der Prüfung eingeholt und uns davon überzeugt, dass deren Ergeb-
nisse angemessen und deren Arbeiten für unsere Zwecke adäquat sind. Weiters haben wir uns
einen Eindruck über deren Kompetenz, Fähigkeiten und Objektivität verschafft.
Schließlich haben wir die Entwicklung dieser Verfahren nach dem Bilanzstichtag bis zum Zeitpunkt
der Erteilung des Bestätigungsvermerks durch Befragung des Vorstandes und der Mitarbeiter des
Fachbereiches kritisch gewürdigt.
Wir haben die Angemessenheit der Angaben im Anhang zur Bewertung und Bilanzierung dieser
Rückstellungen beurteilt.
Seite 356 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 10
Bewertung von derivativen Finanzinstrumenten im Strombereich
Beschreibung / Risiko:
Die von der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft betriebene Eisenbahninfrastruktur umfasst neben
dem Schienennetz u.a. auch das 16,7 Hz-Bahnstromnetz zur Übertragung des Traktionsstroms. Fer-
ner werden Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.) und ausgewählte Großbaustellen mit Energie versorgt.
Zur Bereitstellung des Transaktionsstroms betreibt die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft meh-
rere Kraftwerke und hat langfristige Lieferverträge mit mehreren Energieversorgungsunternehmen
abgeschlossen. Zusätzlich erforderliche Strommengen werden durch Stromhandelsgeschäfte (For-
wards) am Strommarkt (OTC-Handel) und seit Oktober 2023 auch an der Börse (Futures) beschafft.
Insbesondere ist die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft angesichts von Strompreisvolatilitäten
von Preisschwankungs- und Ausfallsrisiken bei Handelspartnern betroffen. Die Risikomanagement-
strategie sieht daher eine Preisabsicherung vor. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern sichert rd.
1.200 GWh je Lieferjahr rollierend über einen Zeitraum von ein bis drei Jahren für den Bezug von
Bahnstrom und Verlustenergie sowie rd. 310 GWh für Betriebsanlagen ab.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern wendet Vorschriften zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen
gemäß IFRS 9 (Hedge Accounting) zur Sicherung von Bilanzposten und zukünftigen Zahlungsströ-
men an. Dies mindert Volatilitäten in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Nach Art des abgesicherten
Grundgeschäfts ist zwischen Fair Value Hedge und Cashflow Hedge zu unterscheiden.
Das Risiko für den Konzernabschluss ergibt sich daraus, dass bei der Verwendung von Bewertungs-
modellen zur Ermittlung der beizulegenden Zeitwerte die darin enthaltenen Annahmen und Parame-
ter in hohem Ausmaß ermessensbehaftet sind und dass an die Bilanzierung von Sicherungsbeziehun-
gen formelle und materielle Anforderungen geknüpft sind.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den derivativen Finanzin-
strumenten befinden sich im Anhang unter Punkt "A. 3. Zusammenfassung der wesentlichen Bilan-
zierungs- und Bewertungsmethoden, Finanzinstrumente, Klassifizierung und Bewertung von finanzi-
ellen Vermögenswerten", sowie unter Punkt C. 29. Finanzinstrumente.
Seite 357 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 11
Adressierung im Rahmen der Konzernabschlussprüfung:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über die implementierten Richtli-
nien, das internen Kontrollsystems, die Risikomanagementstrategie und deren Dokumentation
sowie wesentliche Schlüsselkontrollen erlangt, die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im
Prozess beurteilt und ausgewählte Schlüsselkontrollen im Prozess auf deren Wirksamkeit getestet
("Funktionsprüfung"). Davon betroffen sind insbesondere Schlüsselkontrollen wie Kontrollen, dass
nur mit genehmigten Handelspartnern Geschäfte abgeschlossen wurden, Kreditlimit-reports und
Sperren von Handelspartnern, sowie Prüfung der korrekten Übernahme von Marktpreisen ins Han-
delssystem.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig
nachgelagerte Kontrollen im Bereich Energie/Portfoliomanagement durchführen, geführt, ein
Verständnis über deren Tätigkeiten gewonnen und deren Kompetenz und fachliche Qualität beur-
teilt. Ferner haben wir die Internen Revisionsberichte mit Prüfungsgegenstand im Bereich Strom-
handel eingeholt, gelesen und hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prüfungsstrategie gewürdigt
und zusätzliche Prüfungshandlungen gesetzt.
Für das Handelssystem "BelVis" haben wir im Rahmen der Prüfung unter Beiziehung unserer
IT-Experten die Generellen IT-Kontrollen (IT-Environment, IT-Prozesse, IT-Internes Kontrollsystem)
mit Schwerpunkt auf das Änderungsmanagement, Systemsicherheit und Zugriffsschutz geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben
einzelne Stromhandelsgeschäfte hinsichtlich Existenz, Vollständigkeit und Bewertung geprüft. Die
Prüfungshandlungen umfassten insbesondere die Einholung von externen Bestätigungen sowie
den Abgleich mit Verträgen und anderen Nachweisen.
Des Weiteren haben wir die Bewertungsmodelle und die zugrunde liegenden Bewertungsparame-
ter zur Ermittlung der beizulegenden Zeitwerte auf ihre Angemessenheit und konsistente Anwen-
dung hin geprüft. Wir haben in Stichproben wesentliche verwendete Parameter mit extern zugäng-
lichen Werten und die Berechnung der Zeitwerte nachvollzogen.
Sicherungsbeziehungen wurden in Stichproben insbesondere dahingehend beurteilt, ob die Doku-
mentation der Sicherungsbeziehung und der Effektivität der Sicherung vorhanden ist und den
internen Richtlinien entspricht. Die durchgeführten Effektivitätstests wurden in Bezug auf ihre
Angemessenheit kritisch gewürdigt.
Seite 358 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 12
Der korrekte Ausweis im Konzernabschluss - erfolgswirksam oder erfolgsneutral im sonstigen Er-
gebnis – je nachdem, ob das derivative Finanzinstrument zur Absicherung der beizulegenden Zeit-
werte von Bilanzposten ("Fair Value Hedge") oder der Fluktuation von künftigen Zahlungsströmen
bei zur Absicherung von Stromeinkaufspreisen abgeschlossenen Derivaten ("Cashflow-Hedge") ein-
gesetzt werden, sowie die mit diesen Bewertungseffekten einhergehende Erhöhung der passiven
latenten Steuern wurde von uns geprüft.
Weiters haben wir überprüft, ob die Angaben im Konzernabschluss (Notes) betreffend die Bewer-
tungsmethoden und die Bildung von Sicherungsbeziehungen angemessen und vollständig sind.
Sonstige Informationen
Die gesetzlichen Vertreter sind für die sonstigen Informationen verantwortlich. Die sonstigen
Informationen umfassen alle Informationen im Geschäftsbericht, ausgenommen den Konzernab-
schluss, den Konzernlagebericht und den Bestätigungsvermerk. Der Geschäftsbericht wird uns
voraussichtlich nach dem Datum dieses Bestätigungsvermerks zur Verfügung gestellt.
Unser Prüfungsurteil zum Konzernabschluss erstreckt sich nicht auf diese sonstigen Informatio-
nen, und wir werden keine Art der Zusicherung darauf geben.
Im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Konzernabschlusses haben wir die Verantwortlich-
keit, diese sonstigen Informationen zu lesen, sobald diese vorhanden sind, und dabei zu würdigen,
ob diese sonstigen Informationen wesentliche Unstimmigkeiten zum Konzernabschluss oder zu
unseren bei der Abschlussprüfung erlangten Kenntnissen aufweisen oder anderweitig falsch dar-
gestellt erscheinen.
Verantwortlichkeiten der gesetzlichen Vertreter
und des Prüfungsausschusses für den Konzernabschluss
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Konzernabschlusses und dafür,
dass dieser in Übereinstimmung mit den IFRS, wie sie in der EU anzuwenden sind, und den zusätzlichen
Anforderungen des § 245a UGB ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
des Konzerns vermittelt. Ferner sind die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die internen Kon-
trollen, die sie als notwendig erachten, um die Aufstellung eines Konzernabschlusses zu ermöglichen,
der frei von wesentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern
ist.
Seite 359 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 13
Bei der Aufstellung des Konzernabschlusses sind die gesetzlichen Vertreter dafür verantwortlich,
die Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu beurteilen, Sachverhalte
im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit – sofern einschlägig – anzuge-
ben, sowie dafür, den Rechnungslegungsgrundsatz der Fortführung der Unternehmenstätigkeit an-
zuwenden, es sei denn, die gesetzlichen Vertreter beabsichtigen, entweder den Konzern zu liquidie-
ren oder die Unternehmenstätigkeit einzustellen, oder haben keine realistische Alternative dazu.
Der Prüfungsausschuss ist verantwortlich für die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses
des Konzerns.
Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses
Unsere Ziele sind, hinreichende Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Konzernabschluss als Ganzes
frei von wesentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist,
und einen Bestätigungsvermerk zu erteilen, der unser Prüfungsurteil beinhaltet. Hinreichende
Sicherheit ist ein hohes Maß an Sicherheit, aber keine Garantie dafür, dass eine in Übereinstimmung
mit der EU-VO und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, die
die Anwendung der ISA erfordern, durchgeführte Abschlussprüfung eine wesentliche falsche Dar-
stellung, falls eine solche vorliegt, stets aufdeckt. Falsche Darstellungen können aus dolosen Hand-
lungen oder Irrtümern resultieren und werden als wesentlich angesehen, wenn von ihnen einzeln
oder insgesamt vernünftigerweise erwartet werden könnte, dass sie die auf der Grundlage dieses
Konzernabschlusses getroffenen wirtschaftlichen Entscheidungen von Nutzern beeinflussen.
Als Teil einer Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit den österreichischen
Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, üben wir
während der gesamten Abschlussprüfung pflichtgemäßes Ermessen aus und bewahren eine kriti-
sche Grundhaltung.
Darüber hinaus gilt:
• Wir identifizieren und beurteilen die Risiken wesentlicher falscher Darstellungen aufgrund von
dolosen Handlungen oder Irrtümern im Konzernabschluss, planen Prüfungshandlungen als Re-
aktion auf diese Risiken, führen sie durch und erlangen Prüfungsnachweise, die ausreichend
und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu dienen. Das Risiko, dass aus
dolosen Handlungen resultierende wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden,
ist höher als ein aus Irrtümern resultierendes, da dolose Handlungen kollusives Zusammenwir-
ken, Fälschungen, beabsichtigte Unvollständigkeiten, irreführende Darstellungen oder das Au-
ßerkraftsetzen interner Kontrollen beinhalten können.
• Wir gewinnen ein Verständnis von dem für die Abschlussprüfung relevanten internen Kontroll-
system, um Prüfungshandlungen zu planen, die unter den gegebenen Umständen angemessen
sind, jedoch nicht mit dem Ziel, ein Prüfungsurteil zur Wirksamkeit des internen Kontrollsys-
tems des Konzerns abzugeben.
Seite 360 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 14
• Wir beurteilen die Angemessenheit der von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rech-
nungslegungsmethoden sowie die Vertretbarkeit der von den gesetzlichen Vertretern darge-
stellten geschätzten Werte in der Rechnungslegung und damit zusammenhängende Angaben.
• Wir ziehen Schlussfolgerungen über die Angemessenheit der Anwendung des Rechnungsle-
gungsgrundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit durch die gesetzlichen Vertre-
ter sowie, auf der Grundlage der erlangten Prüfungsnachweise, ob eine wesentliche Unsicher-
heit im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die erhebliche Zweifel an
der Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können.
Falls wir die Schlussfolgerung ziehen, dass eine wesentliche Unsicherheit besteht, sind wir ver-
pflichtet, in unserem Bestätigungsvermerk auf die dazugehörigen Angaben im Konzernab-
schluss aufmerksam zu machen oder, falls diese Angaben unangemessen sind, unser Prüfungs-
urteil zu modifizieren. Wir ziehen unsere Schlussfolgerungen auf der Grundlage der bis zum
Datum unseres Bestätigungsvermerks erlangten Prüfungsnachweise. Zukünftige Ereignisse
oder Gegebenheiten können jedoch die Abkehr des Konzerns von der Fortführung der Unter-
nehmenstätigkeit zur Folge haben.
• Wir beurteilen die Gesamtdarstellung, den Aufbau und den Inhalt des Konzernabschlusses ein-
schließlich der Angaben sowie ob der Konzernabschluss die zugrunde liegenden Geschäftsvor-
fälle und Ereignisse in einer Weise wiedergibt, dass ein möglichst getreues Bild erreicht wird.
• Wir erlangen ausreichende geeignete Prüfungsnachweise zu den Finanzinformationen der Ein-
heiten oder Geschäftstätigkeiten innerhalb des Konzerns, um ein Prüfungsurteil zum Konzern-
abschluss abzugeben. Wir sind verantwortlich für die Anleitung, Überwachung und Durchfüh-
rung der Konzernabschlussprüfung. Wir tragen die Alleinverantwortung für unser Prüfungsur-
teil.
Wir tauschen uns mit dem Prüfungsausschuss unter anderem über den geplanten Umfang und die
geplante zeitliche Einteilung der Abschlussprüfung sowie über bedeutsame Prüfungsfeststellun-
gen, einschließlich etwaiger bedeutsamer Mängel im internen Kontrollsystem, die wir während un-
serer Abschlussprüfung erkennen, aus.
Wir geben dem Prüfungsausschuss auch eine Erklärung ab, dass wir die relevanten beruflichen
Verhaltensanforderungen zur Unabhängigkeit eingehalten haben, und tauschen uns mit ihm über
alle Beziehungen und sonstigen Sachverhalte aus, von denen vernünftigerweise angenommen
werden kann, dass sie sich auf unsere Unabhängigkeit und - sofern einschlägig - damit zusammen-
hängende Schutzmaßnahmen auswirken.
Wir bestimmen von den Sachverhalten, über die wir uns mit dem Prüfungsausschuss ausgetauscht
haben, diejenigen Sachverhalte, die am bedeutsamsten für die Prüfung des Konzernabschlusses
des Geschäftsjahres waren und daher die besonders wichtigen Prüfungssachverhalte sind. Wir be-
schreiben diese Sachverhalte in unserem Bestätigungsvermerk, es sei denn, Gesetze oder andere
Rechtsvorschriften schließen die öffentliche Angabe des Sachverhalts aus oder wir bestimmen in
äußerst seltenen Fällen, dass ein Sachverhalt nicht in unserem Bestätigungsvermerk mitgeteilt
werden sollte, weil vernünftigerweise erwartet wird, dass die negativen Folgen einer solchen Mit-
teilung deren Vorteile für das öffentliche Interesse übersteigen würden.
Seite 361 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 15
Sonstige gesetzliche und andere rechtliche Anforderungen
Bericht zum Konzernlagebericht
Der Konzernlagebericht ist aufgrund der österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften
darauf zu prüfen, ob er mit dem Konzernabschluss in Einklang steht und ob er nach den geltenden
rechtlichen Anforderungen aufgestellt wurde.
Zu der im Konzernlagebericht enthaltenen nichtfinanziellen Erklärung ist es unsere Verantwort-
lichkeit zu prüfen, ob sie aufgestellt wurde, sie zu lesen und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen
Informationen wesentliche Unstimmigkeiten zum Konzernabschluss oder zu unseren bei der Ab-
schlussprüfung erlangten Kenntnisse aufweisen oder anderweitig falsch dargestellt erscheinen.
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Konzernlageberichts in
Übereinstimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften.
Wir haben unsere Prüfung in Übereinstimmung mit den Berufsgrundsätzen zur Prüfung des Kon-
zernlageberichts durchgeführt.
Urteil
Nach unserer Beurteilung ist der Konzernlagebericht nach den geltenden rechtlichen Anforderun-
gen aufgestellt worden, enthält zutreffende Angaben nach § 243a UGB und steht in Einklang mit
dem Konzernabschluss.
Erklärung
Angesichts der bei der Prüfung des Konzernabschlusses gewonnenen Erkenntnisse und des ge-
wonnenen Verständnisses über den Konzern und sein Umfeld wurden wesentliche fehlerhafte An-
gaben im Konzernlagebericht nicht festgestellt.
Zusätzliche Angaben nach Artikel 10 der EU-VO
Wir wurden von der Hauptversammlung am 10. Mai 2023 als Abschlussprüfer gewählt. Wir sind
ununterbrochen seit dem Geschäftsjahr 2020 Abschlussprüfer.
Wir erklären, dass das Prüfungsurteil im Abschnitt "Bericht zum Konzernabschluss" mit dem zu-
sätzlichen Bericht an den Prüfungsausschuss nach Artikel 11 der EU-VO in Einklang steht.
Wir erklären, dass wir keine verbotenen Nichtprüfungsleistungen (Artikel 5 Abs 1 der EU-VO) er-
bracht haben und dass wir bei der Durchführung der Abschlussprüfung unsere Unabhängigkeit
von der geprüften Gesellschaft gewahrt haben.
Seite 362 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 16
Auftragsverantwortlicher Wirtschaftsprüfer
Der für die Abschlussprüfung auftragsverantwortliche Wirtschaftsprüfer ist Herr Mag. Christoph
Harreither.
Wien, am 18. März 2024
Ernst & Young
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H.
Mag. Christoph Harreither
ppa Mag. Victoria Scherich
Wirtschaftsprüfer
Wirtschaftsprüferin
_________
*) Die Veröffentlichung oder Weitergabe des Konzernabschlusses mit unserem Bestätigungsvermerk darf nur in der von uns bestätig-
ten Fassung erfolgen. Dieser Bestätigungsvermerk bezieht sich ausschließlich auf den deutschsprachigen und vollständigen Kon-
zernabschluss samt Konzernlagebericht. Für abweichende Fassungen sind die Vorschriften des § 281 Abs 2 UGB zu beachten.
Seite 363 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 1
An die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
Wien
Bericht über die unabhängige Prüfung der konsolidierten nichtfinanziellen
Berichterstattung 2023
Wir haben die Prüfung der konsolidierten nichtfinanziellen Berichterstattung 2023 (nachfolgend „Prü-
fung“) der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft (nachfolgend „ÖBB“), Wien, zur Erlangung einer be-
grenzten Sicherheit durchgeführt.
Die nichtfinanzielle Berichterstattung erfolgt in Übereinstimmung mit § 243b UGB und § 267a UGB
(NaDiVeG) und den Anforderungen des Artikel 8 der EU-TaxonomieVO, sowie in Übereinstimmung mit
den GRI Universal Standards 2021 als „nichtfinanzielle Erklärung“ im vorliegenden Konzernlagebericht
2023 zum Konzernabschluss zum 31. Dezember 2023 der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft.
Verantwortung der gesetzlichen Vertreter
Die ordnungsgemäße Aufstellung der nichtfinanziellen Berichterstattung 2023 in Übereinstimmung mit
den gesetzlichen Vorschriften des § 243b UGB
1
und 267a UGB
2
(NaDiVeG), den gesetzlichen Vorschrif-
ten der EU-TaxonomieVO
3
, sowie den GRI Universal Standards 2021
4
liegt in der Verantwortung der ge-
setzlichen Vertreter der Gesellschaft.
Eine von den gesetzlichen Vertretern unterfertigte Vollständigkeitserklärung haben wir zu unseren Ak-
ten genommen.
Verantwortung des Prüfers
Unsere Aufgabe ist es, auf der Grundlage unserer Prüfungshandlungen und der von uns erlangten Nach-
weise eine Beurteilung darüber abzugeben, ob uns Sachverhalte bekanntgeworden sind, die uns zu der
Auffassung gelangen lassen, dass die konsolidierte nichtfinanzielle Berichterstattung 2023 nicht in allen
wesentlichen Belangen in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorschriften des § 243b UGB und
§ 267a UGB (NaDiVeG) und den Anforderungen des Artikel 8 der EU-TaxonomieVO, sowie in Überein-
stimmung mit den GRI Universal Standards 2021 dargestellt wurde.
Wir haben unsere Prüfung unter Beachtung des „International Federation of Accountants’ ISAE 3000
(Revised)“-Standards durchgeführt.
Danach haben wir unsere Berufspflichten einschließlich der Vorschriften zur Unabhängigkeit einzuhalten
und den Auftrag unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Wesentlichkeit so zu planen und durchzu-
führen, dass wir unsere Beurteilung mit einer begrenzten Sicherheit abgeben können.
1 https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Bundesnormen/NOR40189008/NOR40189008.pdf
2
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Bundesnormen/NOR40189009/NOR40189009.pdf
3
https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2020/852/
4
https://www.globalreporting.org/standards
Seite 364 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 2
Gemäß der „Allgemeinen Auftragsbedingungen für Wirtschaftstreuhandberufe“
ist unsere Haftung be-
schränkt. Demnach haftet der Berufsberechtigte nur für vorsätzliche und grob fahrlässig verschuldete
Verletzungen der übernommenen Verpflichtungen. Im Falle grober Fahrlässigkeit beträgt die maximale
Haftungssumme gegenüber dem Auftraggeber und etwaigen Dritten insgesamt EUR 726.730.
Unsere Prüfungshandlungen wurden gesetzt, um eine begrenzte Prüfsicherheit als Grundlage für unsere
Beurteilung zu erlangen. Der Umfang der Prüfungshandlungen zur Einholung von Prüfungsnachweisen
ist geringer als jener für eine hinreichende Prüfsicherheit (wie beispielsweise bei einer Jahresabschluss-
prüfung), sodass ein geringerer Grad an Prüfsicherheit gegeben ist.
Die Prüfung dient allein dazu ÖBB Infrastruktur Aktiengesellschaft bei der Wahrnehmung ihrer Berichts-
und Prüfpflichten zu unterstützen. Die Auswahl der Prüfungshandlungen liegt im pflichtgemäßen Ermes-
sen des Prüfers und umfasste insbesondere folgende Tätigkeiten:
► Erlangung eines Gesamtüberblicks zur Unternehmenstätigkeit, sowie zur Aufbau- und Ablauforgani-
sation des Unternehmens;
► Durchführung von Interviews mit Unternehmensverantwortlichen, um relevante Systeme, Prozesse
und interne Kontrollen bezüglich der geprüften Berichtsinhalte, welche die Erhebung der Informatio-
nen für die Berichterstattung unterstützen, zu identifizieren und zu verstehen;
► Durchsicht der relevanten Dokumente auf Konzern-, Vorstands- und Managementebene, um Bewusst-
sein und Priorität der Themen in der konsolidierten nichtfinanziellen Berichterstattung zu beurteilen
und um zu verstehen, wie Fortschritte überwacht werden;
► Erhebung der Risikomanagement- und Governance-Prozesse in Bezug auf Nachhaltigkeit und kriti-
sche Evaluierung der Darstellung in der konsolidierten nichtfinanziellen Berichterstattung;
► Durchführung analytischer Prüfungshandlungen auf Unternehmensebene;
► Stichprobenartige Überprüfung der Daten und Prozesse, um zu erheben, ob diese auf Konzernebene
angemessen übernommen, konsolidiert und berichtet wurden. Dies umfasste die Beurteilung, ob die
Daten in genauer, verlässlicher und vollständiger Art und Weise berichtet wurden;
► Bewertung der Berichterstattung zu wesentlichen Themen, welche im Rahmen von Stakeholderdialo-
gen angesprochen wurden, über welche in Medien Bericht erstattet wurden und zu welchen wesentli-
che Wettbewerber in ihren ökologischen und gesellschaftlichen Berichten Bezug nehmen;
► Evaluierung der Wesentlichkeitsanalyse unter Einbeziehung von branchenspezifischen Megatrends
sowie Aspekten von GRI;
► Beurteilung, ob die Anforderungen gemäß § 243b UGB und § 267a UGB angemessen adressiert wur-
den;
► Stichprobenartige Überprüfung der Aussagen in der konsolidierten nichtfinanziellen Berichterstat-
tung 2023 auf Basis der Berichtsgrundsätze der GRI Universal Standards 2021
► Beurteilung, ob die Anforderungen des Artikel 8 der EU-TaxonomieVO angemessen adressiert wur-
den.
Seite 365 von 366
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2023
Seite 3
Abgrenzung zum Leistungsumfang:
► Vorjahreszahlen wurden grundsätzlich keiner Prüfung unterzogen, es sei denn, dies war für Plausibi-
litätsverprobungen erforderlich.
► Wir überprüften nicht die Ergebnisse aus externen Studien und Zertifizierungen, sondern die korrekte
Übernahme dieser Daten oder Inhalte in den Bericht.
Gegenstand unseres Auftrags war weder eine Abschlussprüfung noch eine prüferische Durchsicht von
vergangenheitsorientierten Finanzinformationen. Die im Rahmen der Jahresabschlussprüfung geprüften
Leistungsindikatoren und Aussagen, sowie Informationen aus dem Bundes Public-Corporate Governance
Bericht und der Risikoberichterstattung wurden von uns keiner Prüfung unterzogen. Wir überprüften
lediglich die GRI-konforme Darstellung dieser Informationen in der Berichterstattung. Ebenso war weder
die Aufdeckung und Aufklärung strafrechtlicher Tatbestände, wie z.B. Unterschlagungen oder sonstiger
Untreuehandlungen und Ordnungswidrigkeiten, noch die Beurteilung der Effektivität und Wirtschaftlich-
keit des Vorstands Gegenstand unseres Auftrags. Weiters waren Zahlen, die aus externen Studien ent-
nommen wurden, zukunftsbezogene Angaben sowie Vorjahreszahlen nicht Gegenstand unserer Beauf-
tragung. Im Bericht wurden die im GRI-Inhaltsindex angeführten Verweise, jedoch nicht darüber hinaus
gehende weitere (Web-) Verweise, geprüft.
Wir sind der Auffassung, dass die von uns erlangten Prüfungsnachweise ausreichend und angemessen
sind, um als Grundlage für unsere zusammenfassende Beurteilung zu dienen.
Auftragsbedingungen
Wir erstatten diesen Bericht auf Grundlage des mit Ihnen geschlossenen Auftrags, dem auch mit Wirkung
gegenüber Dritten die „Allgemeinen Auftragsbedingungen für Wirtschaftstreuhandberufe“
5
zugrunde
liegen.
Zusammenfassende Beurteilung
Auf Basis unserer Prüfungshandlungen und der von uns erlangten Nachweise sind uns keine Sachver-
halte bekannt geworden, die uns zu der Auffassung gelangen lassen, dass die konsolidierte nichtfinanzi-
elle Berichterstattung 2023 nicht in allen wesentlichen Belangen in Übereinstimmung mit den Vorschrif-
ten des § 243b UGB und § 267a UGB (NaDiVeG) und den Anforderungen des Artikel 8 der
EU-TaxonomieVO, sowie in Übereinstimmung mit den GRI Universal Standards 2021 dargestellt wurde.
Wien, 18. März 2024
Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H.
Mag. Christoph Harreither ppa. Susanna Gross, MA
5
Fassung vom 18. April 2018, herausgegeben von der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Kapitel 7, http://www.kwt.or.at/PortalData/1/Re-
sources/aab/AAB_2018_de.pdf
Seite 366 von 366
529900UUANUJ60MNMX972023-01-012023-12-31529900UUANUJ60MNMX972022-01-012022-12-31529900UUANUJ60MNMX972023-12-31529900UUANUJ60MNMX972022-12-31529900UUANUJ60MNMX972021-12-31529900UUANUJ60MNMX972021-12-31ifrs-full:IssuedCapitalMember529900UUANUJ60MNMX972022-12-31ifrs-full:IssuedCapitalMember529900UUANUJ60MNMX972021-12-31ifrs-full:CapitalReserveMember529900UUANUJ60MNMX972022-12-31ifrs-full:CapitalReserveMember529900UUANUJ60MNMX972021-12-31ifrs-full:ReserveOfCashFlowHedgesMember529900UUANUJ60MNMX972022-01-012022-12-31ifrs-full:ReserveOfCashFlowHedgesMember529900UUANUJ60MNMX972022-12-31ifrs-full:ReserveOfCashFlowHedgesMember529900UUANUJ60MNMX972021-12-31ifrs-full:ReserveOfRemeasurementsOfDefinedBenefitPlansMember529900UUANUJ60MNMX972022-01-012022-12-31ifrs-full:ReserveOfRemeasurementsOfDefinedBenefitPlansMember529900UUANUJ60MNMX972022-12-31ifrs-full:ReserveOfRemeasurementsOfDefinedBenefitPlansMember529900UUANUJ60MNMX972021-12-31ifrs-full:RetainedEarningsMember529900UUANUJ60MNMX972022-01-012022-12-31ifrs-full:RetainedEarningsMember529900UUANUJ60MNMX972022-12-31ifrs-full:RetainedEarningsMember529900UUANUJ60MNMX972021-12-31ifrs-full:EquityAttributableToOwnersOfParentMember529900UUANUJ60MNMX972022-01-012022-12-31ifrs-full:EquityAttributableToOwnersOfParentMember529900UUANUJ60MNMX972022-12-31ifrs-full:EquityAttributableToOwnersOfParentMember529900UUANUJ60MNMX972021-12-31ifrs-full:NoncontrollingInterestsMember529900UUANUJ60MNMX972022-01-012022-12-31ifrs-full:NoncontrollingInterestsMember529900UUANUJ60MNMX972022-12-31ifrs-full:NoncontrollingInterestsMember529900UUANUJ60MNMX972023-12-31ifrs-full:IssuedCapitalMember529900UUANUJ60MNMX972023-12-31ifrs-full:CapitalReserveMember529900UUANUJ60MNMX972023-01-012023-12-31ifrs-full:ReserveOfCashFlowHedgesMember529900UUANUJ60MNMX972023-12-31ifrs-full:ReserveOfCashFlowHedgesMember529900UUANUJ60MNMX972023-01-012023-12-31ifrs-full:ReserveOfRemeasurementsOfDefinedBenefitPlansMember529900UUANUJ60MNMX972023-12-31ifrs-full:ReserveOfRemeasurementsOfDefinedBenefitPlansMember529900UUANUJ60MNMX972023-01-012023-12-31ifrs-full:RetainedEarningsMember529900UUANUJ60MNMX972023-12-31ifrs-full:RetainedEarningsMember529900UUANUJ60MNMX972023-01-012023-12-31ifrs-full:EquityAttributableToOwnersOfParentMember529900UUANUJ60MNMX972023-12-31ifrs-full:EquityAttributableToOwnersOfParentMember529900UUANUJ60MNMX972023-01-012023-12-31ifrs-full:NoncontrollingInterestsMember529900UUANUJ60MNMX972023-12-31ifrs-full:NoncontrollingInterestsMemberiso4217:EUR