Jahresfinanzbericht
für das
Geschäftsjahr 2022
Inhaltsverzeichnis
Seite
Teil 1 Einzelabschluss
Jahresabschluss
Lagebericht
Verantwortlichkeitserklärung
Bestätigungsvermerk
3-137
3
56
110
111
T
eil 2 Konzernabschluss 138-390
Jahresabschluss 138
Lagebericht 221
Verantwortlichkeitserklärung 361
Bestätigungsvermerk 362
Bestätigungsvermerk NFE 390
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss |
JAHRESABSCHLUSS
und
Lagebericht
zum
31. DEZEMBER 2022
der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss |
Jahresabschluss und Lagebericht 2022
der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
Bilanz
Gewinn- und Verlustrechnung
Anlagenspiegel
Kostenbeitragsspiegel
Anhang
Lagebericht
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss |
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien
Bilanz zum 31. Dezember 2022
31.12.2022 31.12.2021
A k t i v a EUR EUR
A. Anlagevermögen
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1. Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte 59.944.975,99 59.179.589,77
2. Kostenbeiträge an Dritte 1.371.183.333,09 1.247.699.829,77
3. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau 153.124.844,17 108.877.944,23
Summe I 1.584.253.153,25 1.415.757.363,77
II. Sachanlagen
1. Grundstücke und Bauten, einschließlich der Bauten auf fremden Grund 20.538.448.203,26 20.008.275.588,51
2. Technische Anlagen und Maschinen 4.553.108.341,62 4.442.766.557,17
3. Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 38.583.154,69 31.987.805,87
4. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau 8.228.685.990,27 6.950.388.856,09
Summe II 33.358.825.689,84 31.433.418.807,64
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen Unternehmen 124.446.392,67 129.946.392,67
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen 0,00 5.333.333,42
3. Beteiligungen 71.662.283,31 72.206.259,01
4. Wertpapiere des Anlagevermögens 23.329.800,40 47.034.451,14
5. Sonstige Ausleihungen 60.484.198,39 55.820.245,21
Summe III 279.922.674,77 310.340.681,45
Summe A 35.223.001.517,86 33.159.516.852,86
B. Umlaufvermögen
I. Vorräte
1. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 41.190.296,70 34.171.468,01
2. Unfertige Erzeugnisse 44.184.252,77 56.387.117,74
3. Noch nicht abrechenbare Leistungen 22.829.611,37 18.597.376,28
4. Geleistete Anzahlungen für Vorräte 0,00 273.810,00
Summe I 108.204.160,84 109.429.772,03
II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 109.550.193,65 84.262.665,33
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 1.283.704,84 2.560.130,00
2. Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 240.073.019,74 225.425.068,68
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 6.696.554,73 0,00
3. Forderungen gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 550.810,80 1.346.760,62
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 0,00
4. Sonstige Forderungen und Vermögensgegenstände 148.180.633,87 95.951.812,90
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 10.831.759,21 14.114.578,45
Summe II 498.354.658,06 406.986.307,53
III. Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten
1. Kassenbestand 1.935,17 847,77
2. Guthaben bei Kreditinstituten 997.969,68 1.716.046,39
Summe III 999.904,85 1.716.894,16
Summe B 607.558.723,75 518.132.973,72
C. Rechnungsabgrenzungsposten 673.344.505,77 216.503.773,23
D. Aktive latente Steuern 14.356.968,65 17.309.367,88
S u m m e A k t i v a 36.518.261.716,03 33.911.462.967,69
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss |
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien
Bilanz zum 31. Dezember 2022
31.12.2022 31.12.2021
P a s s i v a EUR EUR
A. Eigenkapital
I. Eingefordertes und einbezahltes Grundkapital 500.000.000,00 500.000.000,00
II. Kapitalrücklagen
1. Nicht gebundene Kapitalrücklage 568.573.953,93 568.573.953,93
III. Gewinnrücklagen
1. Gesetzliche Rücklage 17.411.800,00 17.411.800,00
2. Andere (freie) Rücklagen 15.937.311,89 18.889.711,12
IV. Bilanzgewinn 235.223.712,69 238.883.980,67
davon Gewinnvortrag 238.883.980,67 256.224.065,54
Summe A 1.337.146.778,51 1.343.759.445,72
B. Kostenbeiträge von Dritten 5.947.414.778,82 5.776.994.357,62
C. Rückstellungen
1. Rückstellungen für Abfertigungen 28.569.365,68 33.351.332,00
2. Rückstellung für Pensionen 757.147,00 1.087.960,00
3. Sonstige Rückstellungen 523.384.531,68 487.064.326,85
Summe C 552.711.044,36 521.503.618,85
D. Verbindlichkeiten
1. Anleihen 8.883.831.126,62 10.383.002.051,59
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 1.000.000.000,00 1.500.000.000,00
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 7.883.831.126,62 8.883.002.051,59
2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.862.508.329,93 3.865.836.699,85
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 2.030.978,62 7.660.279,50
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 3.860.477.351,31 3.858.176.420,35
3. Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 3.327.852,24 3.429.397,89
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 3.327.852,24 3.429.397,89
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 0,00
4. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 926.483.848,83 767.911.142,10
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 861.657.238,09 702.530.314,08
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 64.826.610,74 65.380.828,02
5. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 1.447.163.049,08 597.153.084,99
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 1.447.163.049,08 597.153.084,99
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 0,00
6. Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 2.156.242,51 2.397.933,18
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 2.156.242,51 2.397.933,18
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 0,00
7. Sonstige Verbindlichkeiten 12.747.110.607,95 9.823.872.603,26
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 1.174.410.607,95 1.365.888.114,35
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 11.572.700.000,00 8.457.984.488,91
davon aus Steuern 19.096.952,21 21.340.776,56
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 19.096.952,21 21.340.776,56
davon für soziale Sicherheit 17.388.499,15 15.850.920,06
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 17.388.499,15 15.850.920,06
Summe D 27.872.581.057,16 25.443.602.912,86
E. Rechnungsabgrenzungsposten 808.408.057,18 825.602.632,64
S u m m e P a s s i v a 36.518.261.716,03 33.911.462.967,69
Haftungsverhältnisse 102.659.316,85 166.356.403,01
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss |
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
Gewinn- und Verlustrechnung 2022
2022 2021
EUR EUR
1. Umsatzerlöse 961.833.612,55 903.862.715,09
2. Veränderung des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie an
noch nicht abrechenbaren Leistungen
5.953.900,35 7.272.552,38
3. Andere aktivierte Eigenleistungen 350.092.295,46 329.766.518,75
4. Sonstige betriebliche Erträge
a) Erträge aus dem Abgang vom Anlagevermögen mit Ausnahme der Finanzanlagen 37.248.914,70 46.009.888,56
b) Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen 12.978.409,08 17.905.593,40
c) Übrige 2.097.277.810,87 2.002.339.176,47
davon Zuschuss des Bundes gem §42 Abs.1 und §42 Abs. 2 BBG 822.082.422,25 985.287.909,79
davon Zuschuss Schieneninfrastruktur §42 Abs. 2 BBG 1.241.049.734,66 985.153.863,84
Summe sonstige betriebliche Erträge 2.147.505.134,65 2.066.254.658,43
5. Gesamterträge (Zwischensumme aus 1 bis 4) 3.465.384.943,01 3.307.156.444,65
6. Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Herstellungsleistungen
a) Materialaufwand -189.817.390,26 -115.666.952,05
b) Aufwendungen für bezogene Leistungen -416.941.429,53 -399.194.105,16
Summe Aufwendungen für Material und sonstige bezogene
Herstellungsleistungen
-606.758.819,79 -514.861.057,21
7. Personalaufwand
a) Löhne und Gehälter -916.179.533,83 -876.742.812,75
aa) Löhne -152.502.831,93 -130.292.721,48
bb) Gehälter -763.676.701,90 -746.450.091,27
b) Soziale Aufwendungen -237.222.532,83 -227.244.972,45
aa) Aufwendungen für Altersversorgung -9.005.001,26 -2.872.636,04
bb) Aufwendungen für Abfertigungen und betriebliche Mitarbeitervorsorgekassen -4.276.615,22 -7.173.192,46
cc) Aufwendungen für gesetzlich vorgeschriebene Sozialabgaben sowie vom Entgelt
abhängige Abgaben und Pflichtbeiträge
-223.940.351,88 -217.198.421,05
dd) sonstige Sozialaufwendungen -564,47 -722,90
Summe Personalaufwand -1.153.402.066,66 -1.103.987.785,20
8. Abschreibungen
a) Abschreibungen auf immaterielle Gegenstände des Anlagevermögens und
Sachanlagen
-981.410.256,42 -961.146.102,84
b) abzüglich der Auflösung passivierter Kostenbeiträge 141.730.962,00 145.227.345,98
Summe Abschreibungen -839.679.294,42 -815.918.756,86
9. Sonstige betriebliche Aufwendungen
a) Steuern, soweit sie nicht unter Steuern vom Einkommen und Ertrag fallen -16.452.415,72 -38.053.756,03
b) Übrige -496.016.844,78 -454.455.103,37
Summe sonstige betriebliche Aufwendungen -512.469.260,50 -492.508.859,40
10. Zwischensumme aus 5 bis 9 353.075.501,64 379.879.985,98
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss |
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
Gewinn- und Verlustrechnung 2022
2022 2021
EUR EUR
11. Erträge aus Beteiligungen 7.177.504,60 25.891.271,38
davon aus verbundenen Unternehmen 5.448.358,60 22.780.844,38
12. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des
Finanzanlagevermögens 5.749.696,87 5.516.099,26
davon aus verbundenen Unternehmen 0,00 152.571,86
13. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 17.153.246,45 13.047.090,28
davon aus verbundenen Unternehmen 2.701.778,60 114.276,21
14. Erträge aus dem Abgang von und der Zuschreibung zu Finanzanlagen 3.371.837,76 0,00
davon aus verbundenen Unternehmen 0,00 0,00
15. Aufwendungen aus Finanzanlagen -7.379.592,73 -16.584.560,16
davon Abschreibungen
-
743.975,70
-
582.457,16
davon Aufwendungen aus verbundenen Unternehmen -2.460.468,30 -16.002.103,00
16. Zinsen und ähnliche Aufwendungen -382.813.162,62 -425.430.475,49
davon aus verbundenen Unternehmen
-
3.825.941,89
-
1.962.581,96
17. Zwischensumme aus 11 bis 16 -356.740.469,67 -397.560.574,73
18. Ergebnis vor Steuern -3.664.968,03 -17.680.588,75
19. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag -2.947.699,18 1.772.717,03
a) Steuerumlage an den Gruppenträge
r
5.259,88 341.100,78
b) latente Steuern -2.952.399,23 1.432.213,15
20. Ergebnis nach Steuern = Jahresfehlbetrag -6.612.667,21 -15.907.871,72
21. Auflösung von Gewinnrücklagen 2.952.399,23 0,00
22. Zuweisung zu Gewinnrücklagen 0,00 -1.432.213,15
23. Gewinnvortrag aus dem Vorjahr 238.883.980,67 256.224.065,54
24. Bilanzgewinn 235.223.712,69 238.883.980,67
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
A n l a g e n s p i e g e l z u m 31.12.2022
Stand am
01.01.2022
Zugänge
in den Zugängen
bereits enthaltene
Fremdkapitalzinsen
Nachakti-
vierungen
Abgänge Umbuchungen
Stand am
31.12.2022
Abschreibungen
kumuliert am
01.01.2022
Abschreibungen
kumuliert am
31.12.2022
Buchwerte am
01.01.2022
Zugänge
Abschreibungen
des Jahres
inkl. a.o.
Abschreibun
g
Abgang Umbuchung
Buchwerte am
31.12.2022
EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1. Konzessionen, gewerbliche Schutz-
rechte und ähnliche Rechte und Vorteile
sowie daraus abgeleitete Lizenzen 198.616.095,09 10.337.505,06 0,00 0,00 -2.067.055,20 4.477.034,54 211.363.579,49 -148.618.387,89 -159.872.498,44 49.997.707,20 10.337.505,06 -13.278.378,83 -42.786,92 4.477.034,54 51.491.081,05
2. Entwicklungskosten 16.283.119,58 847.034,94 0,00 0,00 0,00 2.179.488,87 19.309.643,39 -7.101.237,01 -10.855.748,45 9.181.882,57 847.034,94 -4.009.159,64 0,00 2.434.137,07 8.453.894,94
3. Kostenbeiträge an Dritte 1.551.480.682,84 123.795.540,92 0,00 0,00 -56.874,75 25.501.132,70 1.700.720.481,71 -303.780.853,07 -329.537.148,62 1.247.699.829,77 123.795.540,92 -25.128.912,18 0,00 24.816.874,58 1.371.183.333,09
4. Kostenbeiträge an verbundene Unternehmen 2.500,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 2.500,00 -2.500,00 -2.500,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
5. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau (IAV) 108.877.944,23 74.287.157,45 0,00 0,00 -272.271,94 -29.767.985,57 153.124.844,17 0,00 0,00 108.877.944,23 74.287.157,45 0,00 -272.271,94 -29.767.985,57 153.124.844,17
Summe I.
1.875.260.341,74 209.267.238,37 0,00 0,00 -2.396.201,89 2.389.670,54 2.084.521.048,76 -459.502.977,97 -500.267.895,51 1.415.757.363,77 209.267.238,37 -42.416.450,65 -315.058,86 1.960.060,62 1.584.253.153,25
II. Sachanlagen
1. Grundstücke und Bauten, einschließlich
Bauten auf fremdem Grund
a) Grundstücke 1.164.122.889,99 17.245.792,06 0,00 0,00 -4.443.732,52 887.406,11 1.177.812.355,64 -849.335,65 -849.335,65 1.163.273.554,34 17.245.792,06 0,00 -4.443.732,52 887.406,11 1.176.963.019,99
b) Unterbau 18.130.507.438,79 341.682.404,27 3.162.791,44 446.447,09 -14.563.110,31 180.821.067,90 18.638.894.247,74 -5.133.902.814,28 -5.390.512.816,81 12.996.604.624,51 341.785.180,04 -269.016.620,30 -2.626.328,20 181.634.574,88 13.248.381.430,93
c) Oberbau 7.696.280.938,80 311.880.352,14 190.649,88 0,00 -58.286.898,29 35.978.817,04 7.985.853.209,69 -3.841.584.952,32 -4.018.483.594,58 3.854.695.986,48 311.880.352,14 -225.640.648,91 -9.508.354,34 35.942.279,74 3.967.369.615,11
d) Hochbau 3.713.038.510,11 116.125.247,10 1.087.337,29 54.973,64 -22.474.545,00 127.592.788,59 3.934.336.974,44 -1.719.337.086,93 -1.788.602.837,21 1.993.701.423,18 116.125.299,17 -86.958.367,48 -4.464.456,86 127.330.239,22 2.145.734.137,23
Summe 1. 30.703.949.777,69 786.933.795,57 4.440.778,61 501.420,73 -99.768.286,12 345.280.079,64 31.736.896.787,51 -10.695.674.189,18 -11.198.448.584,25 20.008.275.588,51 787.036.623,41 -581.615.636,69 -21.042.871,92 345.794.499,95 20.538.448.203,26
2. Technische Anlagen und Maschinen
a) Sicherungs- und Fernmeldeanlagen 5.757.832.664,52 151.461.615,62 1.894.545,06 0,00 -55.979.862,05 111.724.513,66 5.965.038.931,75 -3.608.376.996,98 -3.774.048.261,14 2.149.455.667,54 151.461.615,62 -216.003.275,68 -3.269.690,52 109.346.353,65 2.190.990.670,61
b) Starkstrom- und Beleuchtungsanlagen 4.672.350.506,59 95.350.964,61 1.591.818,93 0,00 -7.744.538,10 93.490.304,76 4.853.447.237,86 -2.456.896.713,16 -2.565.987.332,94 2.215.453.793,43 95.350.964,61 -115.631.461,73 -1.269.340,27 93.555.948,88 2.287.459.904,92
c) Fahrpark 10.987.904,80 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 10.987.904,80 -10.973.482,72 -10.975.304,46 14.422,08 0,00 -1.821,74 0,00 0,00 12.600,34
d) Maschinen und maschinelle Anlagen 252.478.682,33 7.444.438,42 41.897,29 1,00 -538.724,02 3.021.674,54 262.406.072,27 -174.636.008,21 -187.760.906,52 77.842.674,12 7.444.438,42 -13.627.713,22 -35.908,11 3.021.674,54 74.645.165,75
Summe 2. 10.693.649.758,24 254.257.018,65 3.528.261,28 1,00 -64.263.124,17 208.236.492,96 11.091.880.146,68 -6.250.883.201,07 -6.538.771.805,06 4.442.766.557,17 254.257.018,65 -345.264.272,37 -4.574.938,90 205.923.977,07 4.553.108.341,62
3. Andere Anlagen, Betriebs-
und Geschäftsausstattung 175.235.795,23 14.464.921,69 66.574,07 0,00 -1.305.791,03 -601.578,87 187.793.347,02 -143.247.989,36 -149.210.192,33 31.987.805,87 14.464.921,69 -9.374.194,16 -20.179,58 1.524.800,87 38.583.154,69
4. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau (SAV) 6.950.388.856,09 1.834.664.036,17 102.748.042,96 0,00 -2.969.087,21 -553.397.814,78 8.228.685.990,27 0,00 0,00 6.950.388.856,09 1.834.664.036,17 0,00 -2.969.087,21 -553.397.814,78 8.228.685.990,27
5. Geringwertige Vermögensgegenstände 0,00 2.739.702,55 0,00 0,00 -2.739.702,55 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 2.739.702,55 -2.739.702,55 0,00 0,00 0,00
Summe II.
48.523.224.187,25 2.893.059.474,63 110.783.656,92 501.421,73 -171.045.991,08 -482.821,05 51.245.256.271,48 -17.089.805.379,61 -17.886.430.581,64 31.433.418.807,64 2.893.162.302,47 -938.993.805,77 -28.607.077,61 -154.536,89 33.358.825.689,84
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen Unternehmen 288.481.392,67 0,00 0,00 0,00 -5.500.000,00 0,00 282.981.392,67 -158.535.000,00 -158.535.000,00 129.946.392,67 0,00 0,00 -5.500.000,00 0,00 124.446.392,67
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen 5.333.333,42 0,00 0,00 0,00 -5.333.333,42 0,00 0,00 0,00 0,00 5.333.333,42 0,00 0,00 -5.333.333,42 0,00 0,00
3. Beteiligungen 75.342.307,35 200.000,00 0,00 0,00 0,00 0,00 75.542.307,35 -3.136.048,34 -3.880.024,04 72.206.259,01 200.000,00 -743.975,70 0,00 0,00 71.662.283,31
4. Wertpapiere des Anlagevermögens 47.034.451,14 1.980.073,80 0,00 0,00 -25.684.724,54 0,00 23.329.800,40 0,00 0,00 47.034.451,14 1.980.073,80 0,00 -25.684.724,54 0,00 23.329.800,40
5. Sonstige Ausleihungen 55.820.245,21 8.066.145,92 0,00 0,00 -3.402.192,74 0,00 60.484.198,39 0,00 0,00 55.820.245,21 8.066.145,92 0,00 -3.402.192,74 0,00 60.484.198,39
Summe III.
472.011.729,79 10.246.219,72 0,00 0,00 -39.920.250,70 0,00 442.337.698,81 -161.671.048,34 -162.415.024,04 310.340.681,45 10.246.219,72 -743.975,70 -39.920.250,70 0,00 279.922.674,77
G e s a m t s u m m e
50.870.496.258,78 3.112.572.932,72 110.783.656,92 501.421,73 -213.362.443,67 1.906.849,49 53.772.115.019,05 -17.710.979.405,92 -18.549.113.501,19 33.159.516.852,86 3.112.675.760,56 -982.154.232,12 -68.842.387,17 1.805.523,73 35.223.001.517,86
A n s c h a f f u n g s - u n d / o d e r H e r s t e l l u n g s k o s t e n
E n t w i c k l u n g d e r k u m u l i e r t e n A b s c h r e i b u n g
B u c h w e r t e
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
Abschreibungsgitter per 31.12.2022
Abschreibungen
kumuliert am
01.01.2022
Abschreibungen
des Jahres
inkl. a.o.
Abschreibun
g
Abgang Umbuchung Nachaktivierungen
Abschreibungen
kumuliert am
31.12.2022
EUR EUR EUR EUR EUR EUR
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1. Konzessionen, gewerbliche Schutz-
rechte und ähnliche Rechte und Vorteile
sowie daraus abgeleitete Lizenzen -148.618.387,89 -13.278.378,83 2.024.268,28 0,00 0,00 -159.872.498,44
2. Entwicklungskosten -7.101.237,01 -4.009.159,64 0,00 254.648,20 0,00 -10.855.748,45
3. Kostenbeiträge an Dritte -303.780.853,07 -25.128.912,18 56.874,75 -684.258,12 0,00 -329.537.148,62
4. Kostenbeiträge an verbundene Unternehmen -2.500,00 0,00 0,00 0,00 0,00 -2.500,00
5. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau (IAV) 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Summe I.
-459.502.977,97 -42.416.450,65 2.081.143,03 -429.609,92 0,00 -500.267.895,51
II. Sachanlagen
1. Grundstücke und Bauten, einschließlich
Bauten auf fremdem Grund
a) Grundstücke -849.335,65 0,00 0,00 0,00 0,00 -849.335,65
b) Unterbau -5.133.902.814,28 -269.016.620,30 11.936.782,11 813.506,98 -343.671,32 -5.390.512.816,81
c) Oberbau -3.841.584.952,32 -225.640.648,91 48.778.543,95 -36.537,30 0,00 -4.018.483.594,58
d) Hochbau -1.719.337.086,93 -86.958.367,48 18.010.088,14 -262.549,37 -54.921,57 -1.788.602.837,21
Summe 1. -10.695.674.189,18 -581.615.636,69 78.725.414,20 514.420,31 -398.592,89 -11.198.448.584,25
2. Technische Anlagen und Maschinen
a) Sicherungs- und Fernmeldeanlagen -3.608.376.996,98 -216.003.275,68 52.710.171,53 -2.378.160,01 0,00 -3.774.048.261,14
b) Starkstrom- und Beleuchtungsanlagen -2.456.896.713,16 -115.631.461,73 6.475.197,83 65.644,12 0,00 -2.565.987.332,94
c) Fahrpark -10.973.482,72 -1.821,74 0,00 0,00 0,00 -10.975.304,46
d) Maschinen und maschinelle Anlagen -174.636.008,21 -13.627.713,22 502.815,91 0,00 -1,00 -187.760.906,52
Summe 2. -6.250.883.201,07 -345.264.272,37 59.688.185,27 -2.312.515,89 -1,00 -6.538.771.805,06
3. Andere Anlagen, Betriebs-
und Geschäftsausstattung -143.247.989,36 -9.374.194,16 1.285.611,45 2.126.379,74 0,00 -149.210.192,33
4. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau (SAV) 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
5. Geringwertige Vermögensgegenstände 0,00 -2.739.702,55 2.739.702,55 0,00 0,00 0,00
Summe II.
-17.089.805.379,61 -938.993.805,77 142.438.913,47 328.284,16 -398.593,89 -17.886.430.581,64
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen Unternehmen -158.535.000,00 0,00 0,00 0,00 0,00 -158.535.000,00
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
3. Beteiligungen -3.136.048,34 -743.975,70 0,00 0,00 0,00 -3.880.024,04
4. Wertpapiere des Anlagevermögens 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
5. Sonstige Ausleihungen 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Summe III.
-161.671.048,34 -743.975,70 0,00 0,00 0,00 -162.415.024,04
G e s a m t s u m m e
-17.710.979.405,92 -982.154.232,12 144.520.056,50 -101.325,76 -398.593,89 -18.549.113.501,19
E n t w i c k l u n g d e r k u m u l i e r t e n A b s c h r e i b u n g
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
Kostenbeitragsspiegel per 31.12.2022
Stand am
01.01.2022
Zugänge Abgänge Umbuchungen
Stand am
31.12.2022
Abschreibungen
kumuliert am
01.01.2022
Auflösungen des
Jahres
Abgang Umbuchung
Abschreibungen
kumuliert am
31.12.2022
Buchwerte am
01.01.2022
Zugänge
Auflösungen des
Jahres
Abgang Umbuchung
Buchwerte am
31.12.2022
EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR EUR
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1. Konzessionen, gewerbliche Schutz-
rechte und ähnliche Rechte und Vorteile
sowie daraus abgeleitete Lizenzen -31.917.685,39 -6.859,52 1.957,90 -786,04 -31.923.373,05 26.877.262,70 1.649.615,65 -32,63 0,00 28.526.845,72 -5.040.422,69 -6.859,52 1.649.615,65 1.925,27 -786,04 -3.396.527,33
2. Entwicklungskosten -48.721,31 0,00 0,00 0,00 -48.721,31 1.015,03 12.180,33 0,00 0,00 13.195,36 -47.706,28 0,00 12.180,33 0,00 0,00 -35.525,95
3. Kostenbeiträge an Dritte -686.925.068,92 -75.606.772,61 10.466,25 -3.450.177,72 -765.971.553,00 109.268.794,85 3.726.441,68 -525,62 675.639,28 113.670.350,19 -577.656.274,07 -75.606.772,61 3.726.441,68 9.940,63 -2.774.538,44 -652.301.202,81
4. Kostenbeiträge an verbundene Unternehmen 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
5. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau (IAV) -3.572.126,86 -1.786.340,33 0,00 2.058.898,33 -3.299.568,86 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 -3.572.126,86 -1.786.340,33 0,00 0,00 2.058.898,33 -3.299.568,86
Summe I.
-722.463.602,48 -77.399.972,46 12.424,15 -1.392.065,43 -801.243.216,22 136.147.072,58 5.388.237,66 -558,25 675.639,28 142.210.391,27 -586.316.529,90 -77.399.972,46 5.388.237,66 11.865,90 -716.426,15 -659.032.824,95
II. Sachanlagen
1. Grundstücke und Bauten, einschließlich
Bauten auf fremdem Grund
a) Grundstücke -554.005.275,44 -599.226,38 3.851.920,78 56.113,77 -550.696.467,27 144.293,37 0,00 0,00 0,00 144.293,37 -553.860.982,07 -599.226,38 0,00 3.851.920,78 56.113,77 -550.552.173,90
b) Unterbau -6.257.844.017,62 -35.095.174,39 6.795.724,88 -14.542.843,24 -6.300.686.310,37 3.557.978.845,55 63.082.620,12 -5.789.607,33 -793.967,45 3.614.477.890,89 -2.699.865.172,07 -35.095.174,39 63.082.620,12 1.006.117,55 -15.336.810,69 -2.686.208.419,48
c) Oberbau -2.035.358.733,33 -6.464.674,19 33.990.591,21 -1.583.310,28 -2.009.416.126,59 1.761.878.528,95 23.199.844,07 -32.570.787,36 182,31 1.752.507.767,97 -273.480.204,38 -6.464.674,19 23.199.844,07 1.419.803,85 -1.583.127,97 -256.908.358,62
d) Hochbau -770.713.067,39 -11.964.648,13 3.480.955,77 -3.351.613,37 -782.548.373,12 476.346.889,08 13.834.782,84 -2.725.445,18 121.746,40 487.577.973,14 -294.366.178,31 -11.964.648,13 13.834.782,84 755.510,59 -3.229.866,97 -294.970.399,98
Summe 1. -9.617.921.093,78 -54.123.723,09 48.119.192,64 -19.421.653,12 -9.643.347.277,35 5.796.348.556,95 100.117.247,03 -41.085.839,87 -672.038,74 5.854.707.925,37 -3.821.572.536,83 -54.123.723,09 100.117.247,03 7.033.352,77 -20.093.691,86 -3.788.639.351,98
2. Technische Anlagen und Maschinen
a) Sicherungs- und Fernmeldeanlagen -1.633.906.903,04 -10.494.792,92 20.909.707,53 -4.194.478,80 -1.627.686.467,23 1.451.416.276,57 22.889.266,39 -20.540.786,54 0,00 1.453.764.756,42 -182.490.626,47 -10.494.792,92 22.889.266,39 368.920,99 -4.194.478,80 -173.921.710,81
b) Starkstrom- und Beleuchtungsanlagen -1.228.556.752,18 -8.849.517,37 2.385.021,70 -6.574.655,98 -1.241.595.903,83 999.210.404,15 12.379.121,80 -2.041.635,80 0,00 1.009.547.890,15 -229.346.348,03 -8.849.517,37 12.379.121,80 343.385,90 -6.574.655,98 -232.048.013,68
c) Fahrpark -4.847.637,45 0,00 0,00 0,00 -4.847.637,45 4.847.637,45 0,00 0,00 0,00 4.847.637,45 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
d) Maschinen und maschinelle Anlagen -42.966.193,24 -444.669,31 53,54 -102.525,92 -43.513.334,93 38.501.231,18 842.374,26 -0,30 0,00 39.343.605,14 -4.464.962,06 -444.669,31 842.374,26 53,24 -102.525,92 -4.169.729,79
Summe 2. -2.910.277.485,91 -19.788.979,60 23.294.782,77 -10.871.660,70 -2.917.643.343,44 2.493.975.549,35 36.110.762,45 -22.582.422,64 0,00 2.507.503.889,16 -416.301.936,56 -19.788.979,60 36.110.762,45 712.360,13 -10.871.660,70 -410.139.454,28
3. Andere Anlagen, Betriebs-
und Geschäftsausstattung -4.858.205,29 -25.095,15 41.490,54 -23.991,62 -4.865.801,52 4.438.328,04 114.714,86 -41.490,54 0,00 4.511.552,36 -419.877,25 -25.095,15 114.714,86 0,00 -23.991,62 -354.249,16
4. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau (SAV) -911.830.100,22 -168.652.928,95 100.952,95 31.686.554,63 -1.048.695.521,59 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 -911.830.100,22 -168.652.928,95 0,00 100.952,95 31.686.554,63 -1.048.695.521,59
5. Geringwertige Vermögensgegenstände 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Summe II.
-13.444.886.885,20 -242.590.726,79 71.556.418,90 1.369.249,19 -13.614.551.943,90 8.294.762.434,34 136.342.724,34 -63.709.753,05 -672.038,74 8.366.723.366,89 -5.150.124.450,86 -242.590.726,79 136.342.724,34 7.846.665,85 697.210,45 -5.247.828.577,01
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen Unternehmen 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
3. Beteiligungen -40.553.376,86 0,00 0,00 0,00 -40.553.376,86 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 -40.553.376,86 0,00 0,00 0,00 0,00 -40.553.376,86
4. Wertpapiere des Anlagevermögens 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
5. Sonstige Ausleihungen 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Summe III.
-40.553.376,86 0,00 0,00 0,00 -40.553.376,86 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 -40.553.376,86 0,00 0,00 0,00 0,00 -40.553.376,86
G e s a m t s u m m e
-14.207.903.864,54 -319.990.699,25 71.568.843,05 -22.816,24 -14.456.348.536,98 8.430.909.506,92 141.730.962,00 -63.710.311,30 3.600,54 8.508.933.758,16 -5.776.994.357,62 -319.990.699,25 141.730.962,00 7.858.531,75 -19.215,70 -5.947.414.778,82
B u c h w e r t eA n s c h a f f u n g s - u n d / o d e r H e r s t e l l u n g s k o s t e n E n t w i c k l u n g d e r A u f l ö s u n g
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
Seite 1
Anhang
der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
für das Geschäftsjahr
2022
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
A N H A N G 2022 ............................................................................................................................................. 1
A. Allgemeine Vorbemerkungen ....................................................................................................................... 1
B. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze ................................................................................................. 2
C. Erläuterungen zur Bilanz ........................................................................................................................... 10
D. Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung ...................................................................................... 23
E. Sonstige Angaben ...................................................................................................................................... 29
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
1
A N H A N G 2022
A. Allgemeine Vorbemerkungen
Rechtliche Verhältnisse
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft ist auf Basis des § 29a Bundesbahngesetz (BBG) idF vom
18.08.2009 (BGBl I Nr. 95/2009) in der derzeitigen Form entstanden. Mit diesem Gesetz wurden die
ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG und die Brenner Eisenbahn GmbH im Wege der Gesamtrechtsnachfolge
unter sinngemäßer Anwendung des ersten bzw. zweiten Abschnittes des neunten Teiles des Aktienge-
setzes 1965 mit der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft rückwirkend zum 01.01.2009 verschmolzen.
Eine Gegenleistung (Gewährung von Aktien der ÖBB-Infrastruktur Bau AG) ist entfallen. Die Firma der
übernehmenden Gesellschaft lautet mit Eintragung der Verschmelzung im Firmenbuch am 03.10.2009
„ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft“ (im Folgenden ÖBB-Infrastruktur AG).
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist im Firmenbuch unter FN 71396 w beim Handelsgericht Wien eingetragen.
Die Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft (im Folgenden: ÖBB-Holding AG) als
Muttergesellschaft der ÖBB-Infrastruktur AG mit Sitz in Wien stellt den Konzernabschluss für den größ-
ten Kreis von Unternehmen auf, welcher im Firmenbuch unter FN 247642 f beim Handelsgericht Wien
eingereicht wird. Der Konzernabschluss der ÖBB-Infrastruktur AG wird ebenfalls beim Handelsgericht
Wien unter der FN 71396 w eingereicht.
Aufgabe der ÖBB-Infrastruktur AG ist insbesondere die eines Eisenbahninfrastrukturunternehmens, in
dem eine bedarfsgerechte und sichere Schieneninfrastruktur (einschließlich Hochleistungsstrecken) ge-
plant, gebaut, instandgehalten (Wartung, Inspektion, Entstörung, Instandsetzung und Reinvestition), be-
reitgestellt und betrieben wird. Weiters können auch Verschubleistungen erbracht werden.
Zu den Kerntätigkeiten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns gehören auch der Energieeinkauf, die Energie-
versorgung und das Stromportfoliomanagement sowie die Vermietung von Immobilien.
Steuerliche Verhältnisse
Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat mit Erkenntnis G 128, 129/00-8 vom 22.06.2001 die Befreiung
der Österreichischen Bundesbahnen von der unbeschränkten Körperschaftsteuerpflicht (§ 5 Z 1 KStG
1988) als verfassungswidrig aufgehoben. Die Österreichischen Bundesbahnen waren daher ab
01.01.2002 unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig. Gemäß § 50 Abs. 2 Bundesbahnstrukturgesetz
2003 in der Fassung BGBl Nr. 95/2009 besteht für die ÖBB-Infrastruktur AG ab 2005 eine Befreiung
von bundesgesetzlichen Abgaben mit Ausnahme der Umsatzsteuer, von Bundesverwaltungsabgaben
sowie von Gerichts- und Justizverwaltungsabgaben, soweit sich diese Abgaben und Gebühren aus der
Erfüllung der jeweiligen im Bundesbahngesetz vorgesehenen Aufgaben der ÖBB-Infrastruktur AG erge-
ben.
Körperschaftsteuerpflichtig sind daher insbesondere die Erträge aus Stromgeschäften, die Vermietung
und Verwertung von Liegenschaften, die kein Eisenbahnvermögen im Sinne des § 10a Eisenbahnge-
setz darstellen, nicht infrastrukturbezogene Fertigungs- und Bauleistungen für Dritte, sowie das Halten
von Beteiligungen. Da aus den Jahren 2002 bis 2004 noch Verlustvorträge von rd. 1,9 Mrd. EUR beste-
hen, ist mittelfristig mit keinen Körperschaftsteuerzahlungen zu rechnen.
Es besteht ein steuerlicher Gruppenvertrag mit der ÖBB-Holding AG. Der gegenständliche Gruppenver-
trag beginnt mit 01.01.2005, wobei der Gruppenträger – die ÖBB-Holding AG – berechtigt ist, weitere
Mitglieder in die Unternehmensgruppe aufzunehmen (Beitritt zum Gruppenvertrag). Die ÖBB-Infrastruk-
tur AG ist Gruppenmitglied seit der Veranlagung 2005.
Basis für die steuerlichen Ansprüche und Verpflichtungen aus der Gruppenvereinbarung ist das lau-
fende steuerliche Ergebnis des jeweiligen Gruppenmitglieds. Grundsätzlich wird ein positives steuerli-
ches Ergebnis mit dem geltenden Körperschaftsteuertarif des Abschlussjahres belastet, während ein
negatives steuerliches Ergebnis lediglich insoweit eine Abgeltung erfährt, als es in der Gruppe verwertet
werden kann.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
2
Es gilt das Primat der Teilkonzernbetrachtung und der Grundsatz der Gleichbehandlung der Teilnehmer
an der Unternehmensgruppe innerhalb des jeweiligen Teilkonzerns bei der Nutzung der steuerlichen
Verluste; darüber hinaus gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung der Teilnehmer an der Unterneh-
mensgruppe bei teilkonzernübergreifender Nutzung steuerlicher Verluste.
Mit der ÖBB-Holding AG als Organträger besteht eine umsatzsteuerliche Organschaft gemäß
§ 2 Abs 2 UStG.
B. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze
Allgemeine Grundsätze
Der Jahresabschluss zum 31.12.2022 der ÖBB-Infrastruktur AG wurde nach den Vorschriften des Un-
ternehmensgesetzbuches (UGB) in der derzeit geltenden Fassung aufgestellt. Die Gesellschaft ist als
große Gesellschaft gemäß § 221 Abs. 3 UGB einzustufen.
Insbesondere fanden die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung sowie die Generalnorm des § 222
Abs. 2 UGB Beachtung um ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des
Unternehmens zu vermitteln. Bei der Erstellung des Jahresabschlusses wurde der Grundsatz der Voll-
ständigkeit und Bewertungsstetigkeit eingehalten. Es wurde von der Fortführung des Unternehmens
ausgegangen. Bei Vermögenswerten und Schulden wurde der Grundsatz der Einzelbewertung ange-
wandt.
Die Angemessenheit der wesentlichen Nutzungsdauern wird jährlich bzw. anlassbezogen überprüft. Im
Geschäftsjahr 2022 wurden keine wesentlichen Änderungen der Nutzungsdauern vorgenommen.
Die Gewinn- und Verlustrechnung ist in Staffelform nach dem Gesamtkostenverfahren aufgestellt.
Die Angaben erfolgen in Tausend EUR (TEUR) und in Millionen EUR (MEUR).
Anlagevermögen
Der Posten „Immaterielle Vermögensgegenstände“ wird zu Anschaffungskosten bewertet und plan-
mäßig zum Vorjahr linear abgeschrieben bzw. soweit erforderlich um außerplanmäßige Abschreibungen
vermindert. Geleistete Kostenbeiträge werden in Abhängigkeit der Nutzungsdauer der Vermögensge-
genstände, für welche die Kostenbeiträge entrichtet wurden, abgeschrieben. Für die Ermittlung der Ab-
schreibungen kommen unverändert zum Vorjahr folgende Nutzungsdauern zur Anwendung:
Jahre
Kostenbeiträge 5–80
Konzessionen, Schutzrechte, Lizenzen 4–20
Entwicklungskosten 4
Software 2–15
Sonstige immaterielle Vermögenswerte 5–20
Die Bewertung der Sachanlagen erfolgt zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um
planmäßige, lineare und soweit erforderlich außerplanmäßige Abschreibungen. Grundstücke unterlie-
gen keiner planmäßigen Abschreibung.
Im Geschäftsjahr 2022 wurden keine wesentlichen Änderungen der Nutzungsdauern vorgenommen.
Die Nutzungsdauern betragen grundsätzlich unverändert zum Vorjahr:
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
3
Jahre
Bauten
Unterbau 20–150
Kraftwerksanlagen 80
Tunnel und Galerien 80 bzw. 150
Bahnkörper 100
Sonstige Unterbauanlagen 20 bzw. 80
Hochbau 10–50
Oberbau 35–40
Sicherungs- und Fernmeldeanlagen 5–30
Fahrpark 5–25
Technische Anlagen und Maschinen
Starkstrom- und Beleuchtungsanlagen 5–50
Geräte und Werkzeuge 4–20
Maschinen und maschinelle Anlagen 9–15
Geringwertige Vermögensgegenstände mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis 800,00 EUR
(§ 13 EStG 1988) werden im Berichtszeitraum sofort abgeschrieben. Im Anlagenspiegel werden diese
geringwertigen Vermögensgegenstände unter den Zugängen, Abgängen und den Abschreibungen der
Berichtsperiode dargestellt.
Gegenstände des Anlagevermögens werden bei voraussichtlich dauernder Wertminderung ohne Rück-
sicht darauf, ob ihre Nutzung zeitlich begrenzt ist, außerplanmäßig auf den niedrigeren Wert abgeschrie-
ben, der ihnen am Abschlussstichtag unter Bedachtnahme auf die Nutzungsmöglichkeiten im Unterneh-
men beizulegen ist (außerplanmäßige Abschreibungen gemäß § 204 Abs. 2 UGB).
Die Nutzungsdauern werden nach den Gegebenheiten des Unternehmens bei üblicher Instandhaltung
festgelegt. Die tatsächliche Nutzungsdauer kann von diesen Einschätzungen abweichen.
Instandhaltungsmaßnahmen und Reparaturen werden im Jahr des Anfalls als Aufwand erfasst, Ersatz-,
Erweiterungs- sowie wertsteigernde Investitionen werden aktiviert. Die Unterscheidung zwischen sofort
aufwandswirksamen Instandhaltungsmaßnahmen und Reparaturen sowie aktivierungspflichtigen Inves-
titionsmaßnahmen erfolgt auf Basis der gesetzlichen Regelungen bzw. daraus abgeleiteten Bilanzie-
rungsgrundsätzen für in der ÖBB-Infrastruktur AG spezifische Sachverhalte.
Die im Geschäftsjahr 2022 aktivierten Fremdkapitalzinsen gemäß § 203 Abs. 4 UGB belaufen sich auf
110,8 Mio. EUR (Vj. 108,1 Mio. EUR). Der insgesamt nach § 203 Abs. 4 UGB aktivierte Betrag an
Fremdkapitalzinsen ohne Berücksichtigung von planmäßigen Amortisationen infolge von Abschreibun-
gen beträgt zum Stichtag 31.12.2022 851,3 Mio. EUR (Vj. 740,5 Mio. EUR).
Die Finanzanlagen werden zu Anschaffungskosten, vermindert um gegebenenfalls erforderliche au-
ßerplanmäßige Abschreibungen, bilanziert. Von der Möglichkeit, im Falle voraussichtlich nicht andau-
ernder Wertminderung außerplanmäßige Abschreibungen vorzunehmen, wurde im Berichtsjahr kein
Gebrauch gemacht.
Die Wertpapiere des Anlagevermögens betreffen hauptsächlich Wertpapiere, die im Zusammenhang
mit ehemaligen Cross-Border-Leasing-Transaktionen vertragsgemäß angeschafft wurden und zur Ab-
deckung der in annähernd gleicher Höhe passivierten Leasingverpflichtungen dienen. Die darauf ent-
fallenden Zinsen werden als Zugang zu diesem Posten ausgewiesen, Tilgungen werden als Abgang
dargestellt. Für weitere Angaben wird auf die Erläuterungen zu den Bilanzierungs- und Bewertungs-
grundsätzen von Cross-Border-Leasing-Transaktionen verwiesen.
Umlaufvermögen
Die Vorräte werden nach dem gleitenden Durchschnittspreisverfahren bewertet. Ist der Marktpreis zum
Abschlussstichtag geringer als der Durchschnittspreis, wird dieser zum Ansatz gebracht. Eigengefertigte
Vorräte sowie aufgearbeitete, wieder verwendbare Materialien werden zu Herstellungskosten aktiviert.
Für nichtgängiges Vorratsmaterial und überhöhte Herstellungskosten aus Eigenfertigungen werden ent-
sprechende Wertberichtigungen vorgenommen.
Nicht mehr betrieblich genutzte Liegenschaften, welche für den späteren Verkauf entwickelt werden
(„Verwertungsobjekte“), werden vom Anlagevermögen in das Umlaufvermögen in den Posten „Unfer-
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
4
tige Erzeugnisse“ umgegliedert. Die Verwertungsobjekte betreffen jene Liegenschaften, welche be-
trieblich nicht mehr genutzt und für den späteren Verkauf entwickelt werden. Es handelt sich um ehe-
malige Bahnhofs- und Eisenbahnanlagen, die dem dauernden Betrieb dienten. Betroffen sind wesentli-
che Projekte, wie z.B. die Flächen des ehemaligen Südbahnhofes und des Frachtenbahnhofes Wien
Nord, die in großem Umfang entwickelt werden.
Die Verwertungsobjekte werden mit den Anschaffungs- und Herstellungskosten aktiviert und zum Stich-
tag mit dem niedrigeren Wert aus Buchwert und „retogradem Vergleichswert“ bewertet. In die Anschaf-
fungs- und Herstellungskosten von Vorräten sind alle Kosten des Erwerbs und der Be- und Verarbeitung
sowie sonstige Kosten einzubeziehen, die angefallen sind, um diesen in den derzeitigen Zustand zu
versetzen. Übersteigen die Herstellungskosten den retograden Vergleichswert, wird eine Abwertung
vorgenommen.
Noch nicht abrechenbare Leistungen werden zu Herstellungskosten, vermindert um entsprechende
Wertberichtigungen, bilanziert. In die Herstellungskosten werden folgende Aufwendungen miteinbezo-
gen: Fertigungsmaterial, Fertigungslöhne, Sonderkosten der Fertigung, variable und angemessene
Teile der fixen Produktionsgemeinkosten.
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände werden zu Anschaffungskosten erfasst. Forde-
rungen in fremder Währung werden zum Kurs am Tage der Entstehung oder mit dem niedrigeren Devi-
senkurs am Bilanzstichtag bewertet. Für das Ausfallsrisiko wird durch entsprechende Einzelwertberich-
tigungen bzw. pauschale Einzelwertberichtigungen vorgesorgt.
Aktive Rechnungsabgrenzungsposten
Als Rechnungsabgrenzungsposten werden Ausgaben vor dem Abschlussstichtag ausgewiesen, so-
weit sie Aufwendungen für eine bestimmte Zeit nach diesem Stichtag darstellen.
Aktive latente Steuern
Gemäß § 198 Abs. 9 UGB werden Latente Steuern angesetzt, wenn bei Vermögensgegenständen,
Rückstellungen, Verbindlichkeiten oder einem Rechnungsabgrenzungsposten eine Differenz zwischen
dem unternehmensrechtlichen und dem steuerrechtlichen Wertansatz besteht und sich diese Differenz
in späteren Geschäftsjahren voraussichtlich wieder abbaut. Bei einer zu erwartenden Steuerbelastung
wird eine Rückstellung für passive latente Steuern in Höhe der voraussichtlichen zukünftigen Steuerbe-
lastung gebildet. Bei einer zu erwartenden Steuerentlastung erfolgt die Bildung eines Aktivpostens für
latente Steuern in Höhe der voraussichtlichen Steuerentlastungen. Latente Steuern werden saldiert
ausgewiesen. Es erfolgt keine Abzinsung. Im Berichtsjahr wurden die latenten Steuern mit den ab den
Jahren 2023 und 2024 geltenden Körperschaftssteuersätzen in Höhe von 24% bzw. 23% berechnet.
Vom Wahlrecht aktive latente Steuern auf Verlustvorträge anzusetzen wird nicht Gebrauch gemacht.
Eigenkapital
Das Grundkapital beträgt unverändert zum Vorjahr 500.000 TEUR, ist gänzlich eingezahlt und setzt
sich aus 100.000 Stückaktien (Namensaktien) zusammen.
In den gebundenen Rücklagen wird die gesetzliche Rücklage in Höhe von 17.412 TEUR
(Vj. 17.412 TEUR) ausgewiesen.
Die nicht gebundenen Kapitalrücklagen sind zum Vorjahr unverändert und setzen sich wie folgt zu-
sammen:
in Tsd. EUR 31.12.2022 31.12.2021
Verschmelzungsgeborene Kapitalrücklage vom 1.1.2009 241.756,5 241.756,5
Spaltungsgeborene Kapitalrücklage vom 31.12.2004 293.254,3 293.254,3
Gesellschafterzuschuss 28.053,4 28.053,4
Spaltungsgeborene Kapitalrücklage vom 1.1.2010 5.509,7 5.509,7
Summe nicht gebundene Kapitalrücklagen 568.573,9 568.573,9
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
5
Die spaltungsgeborene Kapitalrücklage zum 31.12.2004 resultiert aus der ÖBB-Umstrukturierung und
stellt die Differenz zwischen dem damals verbliebenen Restvermögen und dem Grundkapital der Ge-
sellschaft nach Kapitalherabsetzung dar.
Die verschmelzungsgeborene Kapitalrücklage betrifft das im Zuge der Verschmelzungsvorgänge über-
nommene Nettovermögen der ehemaligen ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG und der Brenner Eisenbahn
GmbH zum 01.01.2009 in Höhe von 241,8 Mio. EUR.
Die spaltungsgeborene Kapitalrücklage betrifft das im Zuge der Spaltungsvorgänge zum 01.01.2010
übertragene Reinvermögen des Teilbetriebes „TK-S“ und die daraus resultierende Reduktion des Betei-
ligungsansatz an der ÖBB-IKT Gesellschaft m.b.H. in Höhe von 1,7 Mio. EUR, sowie die Erhöhung des
Beteiligungsansatzes an der ÖBB-IKT Gesellschaft m.b.H. aus der Einbringung des Teilbetriebes SAP-
CCC der ÖBB-Holding AG in Höhe von 0,8 Mio. EUR und die Erhöhung des Beteiligungsansatzes aus
der Verschmelzung der Scope Consulting Unternehmensberatung GmbH mit der ÖBB-IKT Gesell-
schaft m.b.H. in Höhe von 3,4 Mio. EUR. Aus der Verschmelzung der ÖBB-Dienstleistungs GmbH mit
der ÖBB-IKT Gesellschaft m.b.H. zum 01.07.2010 resultiert eine Erhöhung des Beteiligungsansatzes
und der Kapitalrücklage in Höhe von 3,0 Mio. EUR.
Der Gesellschafterzuschuss wurde im Zuge des Erwerbes weiterer Anteile an der Galleria di Base del
Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE über Großmutterzuschüsse der ÖBB-Holding AG geleistet.
Kostenbeiträge von Dritten
Bei diesem Posten wurde für den ehemaligen Unternehmensbereich Infrastruktur des Rechtsvorgän-
gers der Gesellschaft, der Österreichischen Bundesbahnen, wegen der Kostenträgerschaft des Bundes
(§ 2 Abs. 2 Bundesbahngesetz 1992) und der Festlegungen für die Eröffnungsbilanz zum 01.01.1994
der sich aus den doppischen Bilanzierungsprinzipien ergebende Saldo zwischen dem Vermögen und
den Schulden dieses Unternehmensbereiches in Höhe von rund 0,8 Mrd. EUR ausgewiesen. Weiters
werden hier auch die Kostenbeiträge sonstiger Dritter zur Anschaffung oder Herstellung von Anlagen
dargestellt. Die Auflösung der Kostenbeiträge korrespondiert mit der Abschreibung der bestehenden
Anlagen.
Rückstellungen
Rückstellungen werden unter Beachtung des Vorsichtsprinzips für alle zum Zeitpunkt der Bilanzerstel-
lung erkennbaren Risiken und der Höhe oder dem Grunde nach ungewissen Verbindlichkeiten mit den
Beträgen berücksichtigt, die nach vernünftiger unternehmerischer Beurteilung erforderlich sind. Lang-
fristige Rückstellungen werden mit dem Erfüllungsbetrag erfasst gemäß den verlautbarten Zinssätzen
für Restlaufzeiten des ÖBB-Konzerns bzw. einem durchschnittlichen Zinssatz von 3,17 - 3,44%
(Vj. 0,23 - 0,43%) abgezinst.
Personalrückstellungen
Die Personalrückstellungen umfassen neben Vorsorgen für Urlaub und Überstunden hauptsächlich
Rückstellungen für Abfertigungen sowie für Jubiläumsgelder. Die Abfertigungsrückstellungen werden in
der Bilanz als gesonderter Posten ausgewiesen, während die Rückstellungen für Jubiläum, Urlaub und
Überstunden in den sonstigen übrigen Rückstellungen ausgewiesen werden. Nähere Angaben zu den
Personalrückstellungen finden sich in den nachfolgenden Erläuterungen. Die Veränderung der Jubilä-
ums- und Abfertigungsrückstellungen werden im Personalaufwand dargestellt.
Versicherungsmathematische Annahmen
Die folgende Tabelle zeigt die bei der Bewertung von Verpflichtungen aus Jubiläumsgeldzuwendungen,
Abfertigungen und Pensionen verwendeten Parameter:
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
6
31.12.2022 31.12.2021
Abfertigung Abzinsungsfaktor 4,20% 1,30%
Pension Abzinsungsfaktor 4,20% 1,25%
Jubiläum Abzinsungsfaktor 4,10% 1,00%
Gehaltssteigerungen 5,20% 3,90%
Pensionssteigerungen 2,00% 2,00%
Fluktuationsrate Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung für Jubiläum 0,0 - 1,29% 0,00-1,24%
Fluktuationsrate übrige Arbeiter und Angestellte für Jubiläum 0,0 - 7,61% 0,00-7,42%
Gesetzliche Abfertigungen
Für die sich aus einzelnen dienstrechtlichen bzw. vertraglichen Bestimmungen ergebenden Abferti-
gungsansprüche jener Dienstnehmer:innen, welche nicht Bundesbeamte iSd § 21 Abs. 3 BBG idF Bun-
desgesetz BGBL I Nr. 71/2003 sind, wurde eine Rückstellung für Abfertigungen eingestellt. Die Berech-
nung der Rückstellung erfolgte versicherungsmathematisch nach der Projected Unit Credit (PUC)-Me-
thode, welche für Bewertungen nach IAS 19 vorgeschrieben ist. Die Berechnung erfolgte nach den
biometrischen Grundlagen der Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ) 2018-P – gemischter Bestand - (Vj:
2018-P). Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste werden sofort in der Periode, in der sie
anfallen, im Personalaufwand erfasst. Die Zinsen auf die Rückstellungen für gesetzliche Abfertigungen
sowie Auswirkungen aus einer Änderung des Zinssatzes werden im operativen Ergebnis erfasst.
Verpflichtungen aus Abfertigungen für Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis vor dem 01.01.2003 be-
gonnen hat, werden wie oben beschrieben durch leistungsorientierte Pläne abgedeckt. Infolge einer
gesetzlichen Änderung unterliegen Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis in Österreich nach dem
01.01.2003 begonnen hat, einem beitragsorientierten Versorgungsplan. In diesem Zusammenhang wur-
den im Geschäftsjahr rd. 5,8 Mio. EUR (Vj. 5,0 Mio. EUR) in den beitragsorientierten Versorgungsplan
(VBV Vorsorgekasse AG bzw. APK-Pensionskasse AG) eingezahlt.
Bei Pensionsantritt erhalten berechtigte Mitarbeiter:innen eine Abfertigung, die – abhängig von ihrer
Dienstzeit – ein Mehrfaches ihres monatlichen Entgelts, maximal aber zwölf Monatsentgelte beträgt.
Bei Beendigung des Dienstverhältnisses werden maximal drei Monatsentgelte sofort, darüber hinaus
gehende Beträge verteilt über einen Zeitraum von höchstens zehn Monaten ausgezahlt. Im Falle des
Todes haben die Erben der berechtigten Mitarbeiter:innen Anspruch auf 50 % der Abfertigung.
Jubiläumsgelder
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung und bestimmte Angestellte (im Folgenden „Mitarbeiter:innen“) ha-
ben einen Anspruch auf Jubiläumsgelder. Gemäß den gesetzlichen und vertraglichen Bestimmungen
erhalten die Berechtigten nach 25 Dienstjahren zwei Monatsgehälter und nach 40 Dienstjahren vier
Monatsgehälter. Mitarbeiter:innen, die zum Zeitpunkt des Pensionsantritts mindestens 35 Dienstjahre
geleistet haben, wird ebenfalls ein Jubiläumsgeld von vier Monatsgehältern ausgezahlt.
Die Berechnung der Rückstellung erfolgte versicherungsmathematisch nach der PUC-Methode, welche
für Bewertungen nach IAS 19 vorgeschrieben ist. Die Berechnung erfolgte nach den biometrischen
Grundlagen der Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ) 2018-P – gemischter Bestand - Rechnungsgrund-
lagen für Pensionsversicherung.
Die Rückstellung wird über die Dienstzeit unter Anwendung eines Fluktuationsabschlags für Mitarbei-
ter:innen, die vorzeitig aus dem Dienstverhältnis ausscheiden, gebildet. Versicherungsmathematische
Gewinne und Verluste werden sofort in der Periode, in der sie anfallen, im Personalaufwand erfasst. Die
Zinsen auf die Rückstellungen für Jubiläumsgelder sowie Auswirkungen aus einer Änderung des Zins-
satzes werden im operativen Ergebnis erfasst.
Die Jubiläumsgelder für die übrigen Mitarbeiter:innen werden gemäß den Regelungen des jeweiligen
Kollektivvertrages bzw. interner Betriebsvereinbarungen gebildet.
Pensionen
Unter den Rückstellungen für Pensionen sind nur einzelvertragliche Pensionszusagen bilanziert.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
7
Beitragsorientierte Versorgungssysteme
In Österreich werden Pensionsleistungen für Angestellte grundsätzlich durch die Sozialversicherungs-
träger und für Bahnbedienstete durch die Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau bzw. auf-
grund § 52 Bundesbahngesetz vom Bund erbracht. Die ÖBB-Infrastruktur AG ist verpflichtet, Beiträge
für Pensionen und Gesundheitsvorsorge für aktive und im Ruhestand befindliche Mitarbeiter:innen mit
Definitivstellung sowie für deren Hinterbliebene zu leisten. Die ÖBB-Infrastruktur AG ist gesetzlich ver-
pflichtet, einen jährlichen Beitrag für aktive Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung an die BVAEB VA öf-
fentlicher Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau zu leisten. Zusätzlich bietet die ÖBB-Infrastruktur AG
allen Angestellten in Österreich einen beitragsorientierten Versorgungsplan an. Die Beiträge der Gesell-
schaft berechnen sich als Prozentsatz des Entgelts und dürfen 1,2 % nicht übersteigen. Die Aufwen-
dungen dieses Plans beliefen sich in den Jahren 2022 auf rd. 9,3 Mio. EUR und 2021 auf rd. 2,9 Mio.
EUR.
Leistungsorientiertes Versorgungssystem
Für einen ehemaligen Vorstand besteht ein leistungsorientierter Pensionsplan (Auszahlungen ab dem
60. Lebensjahr), für den die Gesellschaft seit 2010 Zahlungen leistet. Der Plan, der über keine Kapital-
deckung verfügt, sieht Pensionen vor, die einen von den Beschäftigungsjahren abhängigen Prozentsatz
des Gehalts betragen. Die Pensionen belaufen sich auf höchstens 1,32 % des Letztbezugs, einschließ-
lich der staatlichen Altersversorgung unter Berücksichtigung von Geldwertanpassungen. Die Bewertung
erfolgte nach versicherungsmathematischen Grundsätzen PUC-Methode mit einem Abzinsungsfaktor
von 4,20% (Vj. 1,25%) und einem Pensionsantrittsalter von 60 Jahren (Vj. 60 Jahre).
Rückstellung für Haftpflichtrenten
Die künftigen Verpflichtungen aus Haftpflichtrenten werden auf Basis von biometrischen Rechnungs-
grundlagen errechnet und mit einem Diskontierungssatz von 3,17 - 3,44% (Vj. 0,23 - 0,43%) abgezinst.
Rückstellung für Rückbaumaßnahmen/ Stilllegungskosten
Laut § 28 Eisenbahngesetz hat die Behörde auf Antrag des Eisenbahnunternehmens (EU) die vorüber-
gehende oder dauernde Einstellung einer Eisenbahnstrecke bzw. eines –Streckenteils zu bewilligen,
wenn seine Weiterführung dem EU wirtschaftlich nicht mehr zugemutet werden kann. Vor der Bewilli-
gung einer dauernden Einstellung des Betriebes wegen wirtschaftlicher Unzumutbarkeit der Weiterfüh-
rung ist nachzuweisen, dass Bemühungen des antragstellenden Eisenbahnunternehmens zum Weiter-
betrieb zu kaufmännisch gerechtfertigten Bedingungen erfolglos blieben. Die Erfolglosigkeit der Bemü-
hungen ist anhand der Ergebnisse einer zumindest drei Monate dauernden öffentlichen Interessenten-
suche mit Einholung verbindlicher Angebote zu belegen.
Vor der Erteilung der Bewilligung ist der Landeshauptmann/-frau – sofern er nicht selbst zuständig ist -
anzuhören. Wird die gänzliche oder dauernde Einstellung einer Eisenbahnstrecke bzw. eines Strecken-
teils bewilligt, so hat die Behörde gleichzeitig die Konzession insoweit für erloschen zu erklären.
Laut § 29 Eisenbahngesetz sind dauernd betriebseingestellte Eisenbahnen oder dauernd betriebsein-
gestellte Teile einer Eisenbahn aufzulassen, sofern sie nicht weiterhin dafür vorgesehen sind, ganz oder
teilweise, unmittelbar oder mittelbar der Abwicklung oder der Sicherung des Betriebes einer Eisenbahn,
des Betriebes von Schienenfahrzeugen auf einer Eisenbahn oder des Verkehrs auf einer Eisenbahn zu
dienen. Solange nicht aufgelassen ist, gilt § 19 Abs. 2 auch für den Inhaber der dauernd betriebseinge-
stellten Eisenbahn oder des dauernd betriebseingestellten Teiles einer Eisenbahn.
Bei der Bewertung der Rückstellung für Stilllegungskosten wurde grundsätzlich vom Fortbestand des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns und dem Weiterbetrieb des Unternehmens und daher von einem Weiterbe-
trieb der Strecken ausgegangen. Nur wenn in absehbarer Zukunft mit einer Stilllegung einzelner Stre-
cken gerechnet wird oder jene bereits eingeleitet wurde, werden die Stilllegungskosten geschätzt und
rückgestellt. Die Höhe der erwarteten Stilllegungskosten hängt maßgeblich von den Annahmen der
Rückbauszenarien ab.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
8
Rückstellung für Umweltschutzmaßnahmen
Diese Rückstellung betrifft die mit der Beseitigung von Kontaminationen von Liegenschaften und Flä-
chen der Gesellschaft anfallenden Kosten. Die Grundlagen der Kostenschätzung beruhen auf dem ver-
muteten Kontaminationsumfang. Der Kostenschätzung liegt eine konservative Sanierung, sprich Total-
aushub mit anschließender Deponierung, zugrunde. Sollten mit der zuständigen Behörde andere Sa-
nierungsmaßnahmen abgesprochen werden, die zu einer Reduktion der finanziellen Aufwendungen
führen, wird dies in der jährlichen Bewertung berücksichtigt.
Rückstellung für Freimachungskosten
Im Rahmen dieser Rückstellung wird für vertragliche Verpflichtungen im Zusammenhang mit Grund-
stücksveräußerungen bzw. künftig anfallende Kosten in Zusammenhang mit bereits verkauften, aber
noch in Entwicklung befindlichen Liegenschaften, Vorsorge getroffen.
Sonstige Rückstellungen
Zum 31.12.2022 bestehen mehrere regulierungsrechtliche Verfahren. Diese Verfahren, welche sich in
unterschiedlichen verfahrensrechtlichen Stadien befinden, betreffen den Zeitraum ab Dezember 2011
bis 2022. Inhaltlich geht es dabei vor allem um Fragen der Ermittlung und Festlegung des Infrastruktur-
benützungsentgelts (ab Dezember 2011 bis Dezember 2017), der Entgelte nach dem neuen Wegeent-
geltmodell für den Zeitraum Dezember 2019 bis Dezember 2022 (Produkt „Zugtrasse” hinsichtlich direkt
zuordenbarer Kosten und gesetzeskonformer Marktaufschläge bis einschließlich der Netzfahrplanperi-
ode 2021), sowie um die Zulässigkeit der Höhe der Stationsentgelte bei der Nutzung von Serviceein-
richtungen ab Dezember 2011 bis 2021. Bei der Ermittlung der Rückstellungen zu den Wegeentgelten
wurde insbesondere auch der nachträgliche Entfall der Marktaufschläge für bestimmte Netzfahrplanpe-
rioden bis zum Bilanzstichtag berücksichtigt.
Weitere Verfahren betreffen die Bahnstromnetznutzungsentgelte für den Zeitraum ab 2016. Für die Ent-
geltjahre 2019 und 2020 wurden im April 2021 Bescheide von der SCK erlassen, gegen die Beschwer-
den beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG) eingebracht wurden. Die Verfahren wurde im Geschäfts-
jahr 2022 noch nicht entschieden und sind derzeit noch beim BVwG anhängig.
Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten werden mit ihrem Erfüllungsbetrag bilanziert. Verbindlichkeiten in fremder Währung
werden mit dem Entstehungskurs, dem höheren Devisenkurs am Bilanzstichtag oder zum gesicherten
Kurs bewertet.
Passive Rechnungsabgrenzungsposten
Als passive Rechnungsabgrenzungsposten werden Einnahmen vor dem Abschlussstichtag ausgewie-
sen, soweit sie Erträge für eine bestimmte Zeit nach diesem Tage darstellen.
Währungsumrechnung
Fremdwährungsforderungen sind mit dem Anschaffungskurs oder mit dem niedrigeren Devisengeldkurs
zum Bilanzstichtag bewertet.
Fremdwährungsverbindlichkeiten sind mit dem Anschaffungskurs oder mit dem höheren Devisenkurs
zum Bilanzstichtag bewertet.
Derivative Finanzinstrumente
Der Marktwert der derivativen Finanzinstrumente basiert auf dem Barwert der künftig zu erwartenden
Zahlungsströme, abgezinst mit dem aktuellen Zinssatz zum Bilanzstichtag, zu dem vergleichbare Fi-
nanzinstrumente abgeschlossen werden können. Ein etwaiges Kreditrisiko wird bei der Ermittlung des
Marktwertes berücksichtigt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
9
Cross-Border-Leasing-Transaktionen
Im Zeitraum von Mai 1995 bis Dezember 2002 haben die Österreichischen Bundesbahnen (nunmehr
ÖBB‐Infrastruktur AG) 17 Cross‐Border‐Leasing‐Transaktionen (CBL‐Transaktionen) über Infra-
strukturanlagen und Rollmaterial abgeschlossen. Die letzte offene CBL‐Transaktion wurde im Jahr
2022 beendet. Aus der Beendigung dieser sowie einer Transaktion aus Vorjahren bestehen Ansprüche
gegenüber Schwestergesellschaften innerhalb des Konzerns in Höhe von rd. 1,9 Mio. EUR
(Vj: rd. 1,8 Mio. EUR).
Bilanzielle Behandlung bis 31.12.2021
Zahlungsverpflichtungen wie Leasingraten und die bei Ausübung der Kaufoption nötigen Zahlungen
wurden durch den Abschluss von Tilgungsträgern bei diversen Bank- und Leasinginstituten abgesichert.
In den Verträgen haben sich die Bank- oder Leasinginstitute verpflichtet, die vertraglich vereinbarten
Zahlungen zu den festgesetzten Zahlungsterminen für die ÖBB-Infrastruktur AG zu leisten.
Sofern eine bilanzielle Erfassung geboten war, verblieb das wirtschaftliche Eigentum der Anlagen bei
der ÖBB Infrastruktur AG. Die im Rahmen von Sublease-Agreements an andere Gesellschaften des
ÖBB-Konzerns überlassenen Anlagen wurden bei diesen bilanziell erfasst.
Keine Fremdwährungsbewertung: Sämtliche Zahlungsströme (Leasingraten wie Rückfluss aus Veran-
lagungen) wurden fristenkongruent in US-Dollar abgewickelt. Es lag somit eine geschlossene Position
vor, sodass wirtschaftlich kein Fremdwährungsrisiko bestand, sofern es bei den Veranlagungen zu kei-
nen Ausfällen kam. Die Werte in Fremdwährung wurden daher mit den historischen Kursen zum Ab-
schluss der Transaktion eingefroren.
Ausweis von Ausleihungen/Wertpapieren bzw. Leasingverbindlichkeiten: Die am Beginn der Transak-
tion erhaltenen Mittel wurden in speziell strukturierte Produkte veranlagt, deren Renditen eine gleich
hohe Verzinsung wie die Leasingverbindlichkeiten aufwiesen. Diesen im Finanzanlagevermögen aus-
gewiesenen Aktiva stehen grundsätzlich in gleicher Höhe Verbindlichkeiten aus Leasingtransaktionen
(Ausweis unter den sonstigen Verbindlichkeiten) gegenüber.
Eventualverbindlichkeiten: Die Haftungen aus Leasingverhältnissen per 31.12.2021 betrafen jene
Cross-Border-Leasing-Transaktionen, die keinen wirtschaftlichen Gehalt aufwiesen und bei denen folg-
lich die dazugehörigen Veranlagungen und Verpflichtungen nicht in der Bilanz erfasst wurden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
10
C. Erläuterungen zur Bilanz
Nachfolgend erfolgt eine Aufgliederung der Bilanzposten nach den Gliederungsgrundsätzen des UGB.
Anlagevermögen
Die Gliederung des Anlagevermögens und die Veränderungen im Geschäftsjahr sind aus dem Anlagen-
spiegel ersichtlich.
Immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen
Die Zugänge im Geschäftsjahr 2022 betragen 3.102,3 Mio. EUR (Vj. 2.720,5 Mio. EUR). Dabei handelt
es sich hauptsächlich um Bauten, technische Anlagen und Maschinen sowie um geleistete Anzahlungen
und Anlagen in Bau.
Der Grundwert der Grundstücke, die in der Bilanz ausgewiesen werden, beträgt 1.177,0 Mio. EUR
(Vj. 1.163,3 Mio. EUR). Im Geschäftsjahr mussten keine außerplanmäßigen Abschreibungen auf Grund
dauernder Wertminderung vorgenommen werden (Vj. 0,0 Mio. EUR).
Der Buchwert der im Geschäftsjahr abgegangenen Anlagen beträgt 28,9 Mio. EUR (Vj. 37,0 Mio. EUR).
Die damit im Zusammenhang stehenden Buchwertabgänge von Kostenbeiträgen von Dritten betrugen
rund 7,9 Mio. EUR (Vj. 6,3 Mio. EUR). Insgesamt wurden unter Berücksichtigung der abgangsbeding-
ten Auflösungen von Kostenbeiträgen Verluste in Höhe von 17,2 Mio. EUR (Vj. 27,0 Mio. EUR) und Ge-
winne in Höhe von 37,2 Mio. EUR (Vj. 46,0 Mio. EUR) aus dem Abgang von immateriellen Vermögens-
gegenständen und Sachanlagen erzielt.
Im Geschäftsjahr wurden Kostenbeiträge an verbundene Unternehmen in Höhe von 4,7 Mio. EUR
(Vj. 0,0 Mio. EUR) geleistet. Die Zugänge im Berichtsjahr betreffen Anlagen der TS Werkstätte in Blu-
denz in Höhe von 1,9 Mio. EUR und für die Baulichen Anlagen des Mietobjektes Lassallestrasse 5 in
Höhe von 2,8 Mio. EUR. Die Buchwerte in der Position „Kostenbeiträge an Dritte” resultieren im
Wesentlichen aus geleisteten Kostenbeiträgen an die Galleria di Base del Brennero – Brenner Basis-
tunnel BBT SE. Die Zugänge im Berichtsjahr betragen 100,0 Mio. EUR (Vj. 30,0 Mio. EUR).
Bei den Umbuchungen im Geschäftsjahr handelt es sich einerseits um die aus dem Posten „Geleistete
Anzahlungen und Anlagen in Bau“ auf die spezifischen Anlagekonten umgebuchten Werte fertiggestell-
ter Anlagen und andererseits um in den Vorräten dargestellte „Verwertungsobjekte“. Diesbezüglich wird
auf die Ausführungen unter B. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze im Zusammenhang mit unfer-
tigen Erzeugnissen verwiesen.
Im Berichtsjahr wurden gemäß § 203 Abs. 4 UGB 110,8 Mio. EUR (Vj. 108,1 Mio. EUR) an Fremdkapi-
talzinsen in die Herstellungskosten von Anlagen miteinbezogen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
11
Finanzanlagen
Die „Anteile an verbundenen Unternehmen“ und „Beteiligungen“ gliedern sich wie folgt:
I n l a n d Land, Sitz
Eigenkapital
31.12.2022 in
TEUR
Anteil
v.H.
Jahresüberschuss/
-fehlbetrag 2022 in
TEUR
Austrian Rail Construction & Consulting GmbH A-1020 Wien 165 100% 0 f)
Austrian Rail Construction & Consulting GmbH & Co KG A-1020 Wien 208 0% -2 f)
Rail Equipment GmbH A-1040 Wien 150 100% -3 g)
Rail Equipment GmbH & Co KG A-1040 Wien 73.739 0% 10.322 g)
Operative Service GmbH (vorm. Mungos Sicher & Sauber
GmbH) A-1150 Wien 35 100% 1 e)
Operative Service GmbH (vorm. Mungos Sicher & Sauber
GmbH & Co KG) A-1150 Wien 2.941 0% 1.445 e)
ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH A-1020 Wien 7.569 100% 2.202 a)
ÖBB-Projektentwicklung GmbH A-1020 Wien 84 100% 1 b)
ÖBB-Realitätenbeteiligungs GmbH und Co KG A-1020 Wien 74.557 0% 1.052 b)
Netz- und Streckenentwicklung GmbH A-1020 Wien 96 100% -6 d)
WS Service GmbH
A-3151 St.
Georgen am
Steinfeld 1.133 51% 733 c)
Weichenwerk Wörth GmbH
A-3151 St.
Georgen am
Steinfeld 11.137 43,05% 3.420 c)
ÖBB-Stiftungsmanagement GmbH A-1020 Wien 99 100% 0 h)
LCA Logistik Center Austria Süd GmbH A-9586 Fürnitz 33**) 50% -546**) d)
Breitspur Planungsgesellschaft m.b.H. in Liquidation A-1010 Wien 2.026 27,40% -1.060 d)
ÖBB-Güterzentrum Wien Süd Betriebsgesellschaft m.b.H. A-1020 Wien 34 100% -1 i)
A u s l a n d
Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE I-39100 Bozen 1.998.213*) 50% 0*) c)
HIT RAIL B.V.
NL-3500 HA
Utrecht
3.430*) 8% 299*)
k.
A.
*) zum Zeitpunkt des Jahresabschlusses noch keine Angaben für 2022 verfügbar, daher Angaben für 2021
**) vorläufige Angaben 2022
Erläuterung der Geschäftsgegenstände der Tochterunternehmen:
a) Bewirtschaftung, Verwaltung und Verwertung von Immobilien
b) Projektentwicklung und Verwertung von Liegenschaften
c) Planung und Bau (einschließlich Ersatzinvestitionen, soweit sie über Wartung oder Instandsetzung hinausgehen) von Schieneninfrastruktur,
sowie Planung und Bau von damit in Zusammenhang stehenden Projekten und Projektteilen und die Zurverfügungstellung von
Schieneninfrastruktur
d) Optimierung und Harmonisierung der Infrastrukturplanung und Entwicklung
e) Reinigung bzw. Sonderreinigung (z.B. Graffitientfernung) von Bahnhöfen sowie Sicherheits- und Servicedienstleistungen
f) Forschung und Entwicklung, insbesondere im Zusammenhang mit der Schieneninfrastruktur
g) Beschaffung, Einkauf, Finanzierung, Instandhaltung und konzernübergreifende Vermietung von schienengebundenen Spezialfahrzeugen und
Straßenfahrzeugen
h) berufliche Aus- und Weiterbildung
i) Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Betrieb von Terminals
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
12
Mit folgenden Tochterunternehmen bestehen Ergebnisabführungsverträge:
Abweichend von den bestehenden Ergebnisabführungsverträgen kann mittels Gesellschafterbeschluss
von einer Ausschüttung abgesehen werden.
Name der Gesellschaft
Abzuführendes
Ergebnis Anteil
Rail Equipment GmbH Gewinn/Verlust 100%
Rail Equipment GmbH & Co KG Gewinn/Verlust 100%
ÖBB-Immobilienmanagement GmbH Gewinn/Verlust 100%
Operative Service GmbH (vorm. Mungos Sicher & Sauber GmbH) Gewinn/Verlust 100%
Operative Service GmbH (vorm. Mungos Sicher & Sauber GmbH & Co KG) Gewinn/Verlust 100%
Unter den „Ausleihungen an verbundene Unternehmen“ wird die Forderung gegenüber einem verbun-
denen Unternehmen aus der Weiterverrechnung eines für die Gesellschaft aufgenommenen Kredites
in Höhe von 0,0 Mio. EUR (Vj. 5,3 Mio. EUR) ausgewiesen. Die Gesellschaft wurde zum 01.01.2022
verkauft und der Kredit entsprechend getilgt.
Die „Wertpapiere des Anlagevermögens“ betreffen die im Zusammenhang mit der im Vorjahr noch be-
stehenden CBL-Transaktion vertragsmäßig angeschafften Wertpapiere mit einem Buchwert von 21,7
Mio. EUR. Im Berichtsjahr wurde die letzte Cross-Border-Leasing-Transaktionen (CBL) aufgelöst. Die
im Zusammenhang mit der Ratingverschlechterung eines Tilgungsträgers angeschafften US-Treasuries
wurden zur Begleichung der Leasingverbindlichkeit herangezogen. Das nunmehr verbleibende Depot
(EK-PUA) aus dieser Transaktion weist zum Bilanzstichtag einen Buchwert in Höhe von 23,3 Mio. EUR
aus.
Die „Sonstigen Ausleihungen“ in Höhe von 60,5 Mio. EUR (Vj. 55,8 Mio. EUR) betreffen die aus Auflö-
sungen von CBL-Transaktionen in der Vergangenheit verbleibenden Depots.
Umlaufvermögen
Vorräte
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
Die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe in Höhe von 41,2 Mio. EUR (Vj. 34,2 Mio. EUR) sind bereits um Wert-
berichtigungen in Höhe von 3,4 Mio. EUR (Vj. 2,6 Mio. EUR) reduziert.
Unfertige Erzeugnisse
Dieser Posten in Höhe von 44,2 Mio. EUR (Vj. 56,4 Mio. EUR) betrifft die vom Anlagevermögen umge-
gliederten Liegenschaften, welche mangels betrieblicher Nutzung für den Verkauf entwickelt werden
(Verwertungsobjekte).
Noch nicht abrechenbare Leistungen
Dieser Posten in Höhe von 22,8 Mio. EUR (Vj. 18,6 Mio. EUR) betrifft vor allem aktivierte Aufwendun-
gen im Zusammenhang mit Leistungen für Dritte.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
13
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 125,9 104,9
Einzelwertberichtigung -16,3 -17,9
Pauschale Einzelwertberichtigung 0,0 -2,6
Summe Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 109,6 84,3
Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 240,1 225,4
Summe Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 240,1 225,4
Sonstige Forderungen, Beteiligungsverhältnis 0,6 1,3
Summe Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 0,6 1,3
Sonstige Forderungen 148,2 96,0
Summe sonstige Forderungen 148,2 96,0
Gesamtsumme Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 498,4 407,0
Restlaufzeiten der Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
Geschäftsjahr 2022
in Mio. Euro 31.12.2022 bis 1 Jahr mehr als 1 Jahr
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 125,9 124,6 1,3
Einzelwertberichtigung -16,3 -16,3 0,0
Pauschale Einzelwertberichtigung 0,0 0,0 0,0
Summe Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 109,6 108,3 1,3
Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 240,1 233,4 6,7
Summe Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 240,1 233,4 6,7
Sonstige Forderungen, Beteiligungsverhältnis 0,6 0,6 0,0
Summe Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein
Beteiligungsverhältnis besteht 0,6 0,6 0,0
Sonstige Forderungen 148,2 137,3 10,8
Summe sonstige Forderungen 148,2 137,3 10,8
Gesamtsumme Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 498,4 479,6 18,8
Geschäftsjahr 2021
in Mio. Euro 31.12.2021 bis 1 Jahr mehr als 1 Jahr
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 104,9 102,3 2,6
Einzelwertberichtigung -17,9 -17,9 0,0
Pauschale Einzelwertberichtigung -2,6 -2,6 0,0
Summe Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 84,3 81,7 2,6
Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 225,4 225,4 0,0
Summe Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 225,4 225,4 0,0
Sonstige Forderungen, Beteiligungsverhältnis 1,3 1,3 0,0
Summe Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein
Beteiligungsverhältnis besteht 1,3 1,3 0,0
Sonstige Forderungen 96,0 81,8 14,1
Summe sonstige Forderungen 96,0 81,8 14,1
Gesamtsumme Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 407,0 390,3 16,7
Die Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen setzen sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Sublease - Verträge 1,9 1,8
Lieferungen und Leistungen 53,9 61,0
Sonstige 184,2 162,6
Clearing 0,1 0,0
Summe 240,1 225,4
Zum 31.12.2022 bestehen Forderungen aus Sublease Verträgen in Höhe von rd. 1,9 Mio. EUR (Vj. 1,8
Mio. EUR) gegenüber ÖBB-Konzerngesellschaften aus weiterverrechneten Aufwendungen im Zusam-
menhang mit aufgelösten CBL-Transaktionen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
14
In den sonstigen Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen sind Umsatzsteuerforderungen
im Rahmen der umsatzsteuerlichen Organschaft sowie Steueransprüche aus der Vergangenheit ge-
genüber der ÖBB-Holding AG in Höhe von 165,5 Mio. EUR (Vj. 141,0 Mio. EUR), Forderungen aus der
Ergebnisabfuhr in Höhe von 11,9 Mio. EUR (Vj. 13,4 Mio. EUR) sowie diversen Abgrenzungen in Höhe
von EUR 4,3 Mio. EUR (Vj. 8,2 Mio. EUR) ausgewiesen.
Die Forderungen gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, setzen
sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 0,6 1,3
Die sonstigen Forderungen und Vermögensgegenstände setzen sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Zinsabgrenzungen Swaps 0,0 0,5
Vorsteuer Abschlagsrechnungen 53,1 40,9
Vorsteuer Inland 3,1 2,1
Vorsteuer Ausland 1,0 0,5
Forderungen aus Grundverkäufen 28,7 14,2
Forderungen aus Investitionszuschüssen/Kostenbeiträgen 23,1 12,5
Übrige sonstige Forderungen 39,1 25,2
Summe 148,1
96,0
Bei den sonstigen Forderungen und Vermögensgegenständen wurden pauschale Einzelwertberichti-
gungen in Höhe von 0,1 Mio. EUR (Vj. 0,1 Mio. EUR) gebildet.
In den sonstigen Forderungen und Vermögensgegenständen sind in Höhe von 47,5 Mio. EUR
(Vj. 21,3 Mio. EUR) Erträge enthalten, die erst nach dem Bilanzstichtag zahlungswirksam werden. Es
handelt sich hier um Zinsabgrenzungen aus Swaps in Höhe von 0,0 Mio. EUR (Vj. 0,5 Mio. EUR), For-
derungen aus Grundverkäufen in Höhe von 28,7 Mio. EUR (Vj. 14,2 Mio. EUR), sowie einer Forderung
aus der Energieverrechnung in Höhe von 18,7 Mio. EUR (Vj. 6,7 Mio. EUR).
Die übrigen sonstigen Forderungen setzten sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Förderung Kommunalkredit Wagenwaschanlage Graz 9,3 9,3
Energieverrechnung 18,7 6,7
Bescheide Epidemiegesetz 2,2 3,6
Strom + Kautionen 4,2 4,0
andere sonstige Forderungen 4,7 1,7
Summe 39,1 25,2
Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten
Der Posten in Höhe von 1,0 Mio. EUR (Vj. 1,7 Mio. EUR) beinhaltet neben dem Kassenbestand in Höhe
von 0,0 Mio. EUR (Vj. 0,0 Mio. EUR) auch Guthaben bei Kreditinstituten in Höhe von 1,0 Mio. EUR
(Vj. 1,7 Mio. EUR) aus der laufenden Zahlungsabwicklung.
Aktive Rechnungsabgrenzungsposten
Die aktive Rechnungsabgrenzung beträgt 673,3 Mio. EUR (Vj. 216,5 Mio. EUR) und betrifft größtenteils
mit 78,8 Mio. EUR (Vj. 91,5 Mio. EUR) vorausbezahlte Haftungsentgelte, Disagios in Höhe von
564,5 Mio. EUR (Vj. 94,0 Mio. EUR) sowie vorausbezahlte Bezüge und damit in Zusammenhang ste-
hende Gehaltsnebenkosten in Höhe von 26,9 Mio. EUR (Vj. 27,4 Mio. EUR).
Aktive latente Steuern
Der Wert der aktivierten aktiven latenten Steuern beträgt zum 31.12.2022 rund 14,4 Mio. EUR.
(Vj. 17,3 Mio. EUR). Im Geschäftsjahr wurde so wie im Vorjahr vom Wahlrecht, Verlustvorträge auf la-
tente Steuern zu aktivieren, nicht Gebrauch gemacht.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
15
2021 2021 Veränderung 2022
Veränderung
2022
2022 2022
in TEUR in TEUR in TEUR in TEUR in TEUR in TEUR
aktive
Differenzen
passive
Differenzen aktive Differenzen
passive
Differenzen
aktive
Differenzen
passive
Differenzen
Grundstücke und Bauten
inkl. Verwertungsobjekte 67.522,0 0,0 -7.368,9 0,0 60.153,1 0,0
Sonstige Beteiligungen 1.715,5 0,0 231,1 0,0 1.946,5 0,0
Differenzen Gesamt 69.237,5 0,0 -7.137,8 0,0 62.099,7 0,0
17.309,4 0,0 -2.952,4 0,0 14.357,0 0,0
aktive latente Steuern
saldiert
17.309,4 0,0 -2.952,4 0,0 14.357,0 0,0
*im Berichtsjahr wurden die latenten Steuern mit den ab den Jahren 2023 und 2024 geltenden Körperschaftssteuersätzen in
Höhe von 24% bzw. 23% berechnet.
Eigenkapital
Das Grundkapital, das dem genehmigten Kapital entspricht, beträgt 500,0 Mio. EUR
(Vj. 500,0 Mio. EUR) und wird ausschließlich von der ÖBB-Holding AG gehalten. Es handelt sich um
100.000 Stückaktien (Namensaktien).
Kostenbeiträge von Dritten
Unter diesen Posten bilanziert die ÖBB-Infrastruktur AG erhaltene, nicht rückzahlbare Investitionszu-
schüsse. Die Anlagegüter, für die Kostenbeiträge von Dritten geleistet wurden, werden im Anlagever-
mögen aktiviert und nach Inbetriebnahme auf die jeweilige Nutzungsdauer abgeschrieben. Sowohl die
Abschreibung dieser Vermögensgegenstände als auch die Auflösung sämtlicher Kostenbeiträge infolge
Abschreibung wird ergebniswirksam unter dem Posten „Abschreibung auf immaterielle Gegenstände
des Anlagevermögens und Sachanlagen“ ausgewiesen. Soweit die Auflösung von Kostenbeiträgen An-
lagenabgänge betrifft, erfolgt grundsätzlich eine Saldierung mit den betreffenden Abgangsbuchwerten,
die bei einem Gewinn aus dem Abgang in den sonstigen betrieblichen Erträgen bzw. im Fall eines Ver-
lustes aus dem Abgang im sonstigen betrieblichen Aufwand dargestellt werden. Die Entwicklung der
Kostenbeiträge von Dritten ist im Kostenbeitragsspiegel ersichtlich. Die Entwicklung der Kostenbeiträge
ist aus den Anlagenspiegeln ersichtlich. Die wesentlichen Kostenbeitragsgeber sind die Republik Ös-
terreich, die ehemalige Eisenbahn‐Hochleistungsstrecken AG und die Schieneninfrastrukturfinanzie-
rungs GmbH.
Rückstellungen
Die Rückstellungen betragen in Summe zum Bilanzstichtag 552,7 Mio. EUR (Vj. 521,5 Mio. EUR) und
gliedern sich wie folgt:
Rückstellungen für Abfertigungen, Pensionen und sonstige Personalverpflichtungen
Die Rückstellungen für Abfertigungen, Pensionen und sonstige Personalverpflichtungen zum
31.12.2022 zeigen folgende Entwicklung:
Stand Verbrauch Auflösung Zuführung Umbuchung Stand
in Mio. Euro 01.01.2022 2022 2022 2022 2022 31.12.2022
Rückstellungen ABFERTIGUNGEN 33,4 -0,9 -3,9 0,0 0,0 28,6
Rückstellungen PENSIONEN 1,1 0,0 -0,3 0,0 0,0 0,8
Rückstellungen
JUBILÄUMSZUWENDUNGEN 120,9 -8,9 -5,6 0,0 -0,1 106,1
Rückstellungen
ÜBERSTUNDENVERGÜTUNGEN 30,6 0,0 0,0 2,5 0,0 33,1
Rückstellungen URLAUBE 29,8 0,0 0,0 3,9 0,0 33,7
Rückstellungen AUSGLEICHSTAXE 0,9 -0,7 -0,1 1,0 0,0 1,1
Rückstellungen SONSTIGER
PERSONALAUFWAND
6,6 -3,8 -0,4 7,3 0,0 9,7
Summe Personalrückstellungen 223,2 -14,3 -10,3 14,7 -0,1 213,2
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
16
Sonstige Rückstellungen
Die sonstigen Rückstellungen zum 31.12.2022 zeigen folgende Entwicklung:
Stand Verbrauch Auflösung Zuführung Zinseffekt Stand
in Mio. Euro 01.01.2022 2022 2022 2022 2022 31.12.2022
Rückstellungen
UMWELTSCHUTZMASSNAHMEN 33,5 -0,9 0,0 2,5 0,0 35,1
Rückstellungen
STILLLEGUNGSKOSTEN 37,9 -2,7 -7,6 0,0 0,0 27,6
Rückstellungen FREIMACHUNGEN 20,5 -2,6 -1,4 3,0 0,6 20,1
Rückstellungen
HAFTPFLICHTRENTEN
2,4 -0,2 -0,1 0,0 0,1 2,2
Rückstellungen KW SCHÖNBERG 0,2 -0,1 -0,1 0,0 0,0 0,0
Rückstellungen ENTSORGUNGEN 0,5 -0,5 0,0 0,4 0,0 0,4
Rückstellungen PRÜFUNGSKOSTEN 0,3 -0,3 0,0 0,3 0,0 0,3
Rückstellungen DERIVATE 23,9 -11,0 -0,5 48,8 0,0 61,2
Rückstellungen ÜBRIGE SONSTIGE 179,1 -1,1 -4,9 12,3 7,2 192,6
Summe sonstige Rückstellungen 298,4 -19,4 -14,6 67,4 7,8 339,6
Die Rückstellung für Umweltschutzmaßnahmen betrifft erwartete Sanierungsmaßnahmen und Boden-
kontaminierungen. Sie wurde aufgrund der entsprechenden gesetzlichen Vorschriften mit den wahr-
scheinlich zu erwartenden Aufwendungen erfasst. In dieser Rückstellung wurde mit einem Betrag in
Höhe von 9,0 Mio. EUR (Vj: 8,9 Mio. EUR) für identifizierten Schwermetallbelastungen von Bahnstrom-
masten Vorsorge getroffen. Für Umweltschutzmaßnahmen bestehen unverändert zum Vorjahr Erstat-
tungsansprüche in Höhe von rd. 9,3 Mio. EUR, die unter den sonstigen Forderungen ausgewiesen wer-
den.
Die Rückstellung für Stilllegungskosten betrifft künftige Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Ab-
bruch und dem Abräumen von Vermögenswerten und die Wiederherstellung von Standorten. Dabei
handelt es sich um bereits stillgelegte oder in naher Zukunft stillzulegende Bahnstrecken. Diese Rück-
stellung wurde nur für jene Strecken gebildet, von denen mit einer ausreichenden Sicherheit ausgegan-
gen werden kann, dass diese stillgelegt werden.
Im Zuge des Verkaufs von Strecken im Geschäftsjahr 2022 konnte wegen der Entbindung der Gesell-
schaft von ihrer Rückbauverpflichtung ein Betrag in Höhe von 6,5 Mio. EUR (Vj: 10,5 Mio. EUR) aufge-
löst und ein Betrag in Höhe von 2,6 Mio. EUR (Vj: 0,0 Mio. EUR) verbraucht werden.
Die Rückstellung für Freimachungen und ähnliche Verpflichtungen beinhaltet Vorsorgen für vertragliche
Verpflichtungen im Zusammenhang mit Immobilienverkäufen.
Die Verpflichtungen aus Haftpflichtrenten werden auf Basis von biometrischen Grundlagen errechnet
und mit einem Diskontierungszinssatz von 3,25% (Vj: 0,02) abgezinst.
Die Rückstellung für Derivate in Höhe von 61,2 Mio. EUR (Vj. 23,9 Mio. EUR) beinhaltet eine Rückstel-
lung für drohende Verluste aus langfristigen Stromein- oder verkaufsverträgen in Höhe von 56,7 Mio.
EUR (Vj. 18,8 Mio. EUR). Des Weiteren besteht ein Derivat in Höhe von 4,5 Mio. EUR (Vj. 4,6 Mio. EUR)
um Inkongruenzen von Zahlungsströmen von ehemaligen CBL-Transaktionen auszugleichen. Für ne-
gative Marktwerte von derivativen Finanzinstrumenten zur Absicherung von Zinsänderungsrisiken
wurde mit einer Rückstellung in Höhe von 0,0 Mio. EUR (Vj. 0,5 Mio. EUR) vorgesorgt.
In den übrigen sonstigen Rückstellungen sind im Wesentlichen Vorsorgen für Rechtsstreitigkeiten ent-
halten. Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten werden für alle im Zeitpunkt der Bilanzerstellung erkenn-
baren prozessualen Risiken nach unternehmerischer Beurteilung gebildet. Die Rückstellung setzt sich
aus einer Vielzahl von Rechtsstreitigkeiten zusammen, die sich aus der Tätigkeit des Unternehmens
ergeben. Insbesondere sind Rückstellungen für Rückforderungen an Infrastrukturbenützungsentgelt im
Hinblick auf laufende regulierungsrechtliche Verfahren enthalten. Die Dotierung von Rückstellungen in
Zusammenhang mit regulierungsrechtlichen Verfahren wird in den Umsatzerlösen erfasst.
Da eine Offenlegung von Informationen die Lage des Unternehmens in diesen Verfahren ernsthaft be-
einträchtigen könnte, werden keine Angaben über die Höhe der Rückstellung oder etwaige darüberhin-
ausgehende Eventualverbindlichkeiten gemacht.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
17
Verbindlichkeiten
Die Verbindlichkeiten gliedern sich wie folgt:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Summe Anleihen 8.883,8 10.383,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.862,5 3.865,8
Summe Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 3,3 3,4
Lieferungen und Leistungen Dritte 852,3 723,3
ausstehende Eingangsrechnungen Dritte 74,2 44,6
Summe Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 926,5 767,9
Finanzverbindlichkeiten 1.252,0 528,3
Lieferungen und Leistungen 179,8 63,0
ausstehende Eingangsrechnungen 4,9 3,4
sonstige Verbindlichkeiten 10,5 2,5
Summe Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 1.447,2 597,2
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen mit denen ein Beteiligungsverhältnis
besteht 2,2 2,4
Sonstige Verbindlichkeiten aus Steuern 19,1 21,3
Sonstige Verbindlichkeiten soziale Sicherheit 17,4 15,9
Sonstige Verbindlichkeiten - Leasingtransaktionen (CBL) 0,0 21,7
übrige sonstige Verbindlichkeiten 12.710,6 9.764,9
Summe sonstige Verbindlichkeiten 12.747,1 9.823,9
Gesamtsumme Verbindlichkeiten 27.872,6 25.443,6
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
18
Restlaufzeiten der Verbindlichkeiten
Geschäftsjahr 2022
in Mio. Euro 31.12.2022 bis 1 Jahr
von 1 bis 5
Jahren
mehr als 5
Jahre
Summe Anleihen 8.883,8 1.000,0 3.558,8 4.325,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.862,5 2,0 560,5 3.300,0
Summe Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 3,3 3,3 0,0 0,0
Lieferungen und Leistungen Dritte 852,3 787,5 34,2 30,7
ausstehende Eingangsrechnungen Dritte 74,2 74,2 0,0 0,0
Summe Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 926,5 861,7 34,2 30,7
Finanzverbindlichkeiten 1.252,0 1.252,0 0,0 0,0
Lieferungen und Leistungen 179,8 179,8 0,0 0,0
ausstehende Eingangsrechnungen 4,9 4,9 0,0 0,0
sonstige Verbindlichkeiten 10,5 10,5 0,0 0,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen
Unternehmen
1.447,2 1.447,2 0,0 0,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen mit
denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 2,2 2,2 0,0 0,0
Sonstige Verbindlichkeiten aus Steuern 19,1 19,1 0,0 0,0
Sonstige Verbindlichkeiten soziale Sicherheit 17,4 17,4 0,0 0,0
übrige sonstige Verbindlichkeiten 12.710,6 1.137,9 1.820,9 9.751,9
Summe sonstige Verbindlichkeiten 12.747,1 1.174,4 1.820,9 9.751,9
Gesamtsumme Verbindlichkeiten 27.872,6 4.490,7 5.974,3 17.407,5
Geschäftsjahr 2021
in Mio. Euro 31.12.2021 bis 1 Jahr
von 1 bis 5
Jahren
mehr als 5
Jahre
Summe Anleihen 10.383,0 1.500,0 4.557,1 4.325,9
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.865,8 7,7 358,2 3.500,0
Summe Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 3,4 3,4 0,0 0,0
Lieferungen und Leistungen Dritte 723,3 657,9 23,0 42,4
ausstehende Eingangsrechnungen Dritte 44,6 44,6 0,0 0,0
Summe Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 767,9 702,5 23,0 42,4
Finanzverbindlichkeiten 528,3 528,3 0,0 0,0
Lieferungen und Leistungen 63,0 63,0 0,0 0,0
ausstehende Eingangsrechnungen 3,4 3,4 0,0 0,0
sonstige Verbindlichkeit 2,5 2,5 0,0 0,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen
Unternehmen 597,2 597,2 0,0 0,0
Summe Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen mit
denen ein Beteiligungsverhältnis besteht
2,4 2,4 0,0 0,0
Sonstige Verbindlichkeiten aus Steuern 21,3 21,3 0,0 0,0
Sonstige Verbindlichkeiten soziale Sicherheit 15,9 15,9 0,0 0,0
Sonstige Verbindlichkeiten - Leasingtransaktionen (CBL) 21,7 0,0 21,7 0,0
übrige sonstige Verbindlichkeiten 9.764,9 1.328,7 350,0 8.086,3
Summe sonstige Verbindlichkeiten 9.823,9 1.365,9 371,7 8.086,3
Gesamtsumme Verbindlichkeiten 25.443,6 4.179,1 5.310,0 15.954,5
Die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren betreffen vor allem Anleihen,
Darlehensaufnahmen bei Kreditinstituten, sowie Finanzierungen seitens der Österreichischen Bundes-
finanzierungsagentur.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
19
Die Anleihen mit einem Gesamtnominalwert in Höhe von 8,825 Mrd. EUR gliedern sich wie folgt:
Nominale Währung Laufzeit ISIN Zinssatz
100.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0243862876 2,9900%
100.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0244522396 2,9900%
100.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0252697130 3,5000%
50.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0252721450 3,5000%
100.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0275973278 3,4900%
80.000.000,00 EUR 2006 bis 2036 XS0275974599 3,4900%
100.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0321318163 4,0000%
100.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0324893626 4,0000%
50.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0324895670 4,0000%
100.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0328866982 4,0000%
50.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0331427905 4,0000%
50.000.000,00 EUR 2007 bis 2037 XS0336043517 3,9900%
50.000.000,00 EUR 2010 bis 2030 XS0497430172 4,2100%
70.000.000,00 EUR 2010 bis 2030 XS0503724642 4,2000%
100.000.000,00 EUR 2010 bis 2030 XS0512125849 3,9000%
1.500.000.000,00 EUR 2010 bis 2025 XS0520578096 3,8750%
1.000.000.000,00 EUR 2011 bis 2026 XS0691970601 3,5000%
200.000.000,00 EUR 2011 bis 2031 XS0717614951 4,0000%
1.350.000.000,00 EUR 2012 bis 2032 XS0782697071 3,3750%
1.000.000.000,00 EUR 2013 bis 2023 XS0949964810 2,2500%
75.000.000,00 EUR 2013 bis 2033 XS0954197470 2,1250%
1.000.000.000,00 EUR 2013 bis 2033 XS0984087204 3,0000%
1.000.000.000,00 EUR 2014 bis 2024 XS1138366445 1,0000%
500.000.000,00 EUR 2014 bis 2029 XS1071747023 2,2500%
Von 2005 bis 2014 hat die ÖBB-Infrastruktur AG ein Euro Medium Term Note („EMTN“) Programm auf-
gelegt. Die Zahlungen hinsichtlich der unter diesem Rahmenvertrag ausgegebenen Anleihen sind von
der Republik Österreich unbedingt und unwiderruflich garantiert. Alle oben angeführten Anleihen wurden
von der ÖBB-Infrastruktur AG im Rahmen dieses Programms begeben.
2015 wurden sechs Anleihen (rd. 108,5 Mio. USD) begeben, von denen drei (Vj: drei) in Höhe von rd.
63,8 Mio. USD (Vj: rd. 61,9 Mio. USD) mit den CUSIP‐Nummern A5790#AD0 (Laufzeitende 2026),
A5790#AE8 (Laufzeitende 2025) und A5790#AF5 (Laufzeitende 2025) noch aushaften.
CUSIP Anleihen zeigen folgendes Bild:
Nominale GJ Nominale VJ Währung Laufzeit ISIN Nominale GJ Währung
36.530.691,39 35.424.607,51 USD 2015 bis 2026 A5790#AD0 32.925.560,23 EUR
7.219.151,92 7.004.678,74 USD 2015 bis 2025 A5790#AE8 6.534.332,09 EUR
20.018.163,80 19.423.455,09 USD 2015 bis 2025 A5790#AF5 18.117.711,91 EUR
63.768.007,11 61.852.741,34 57.577.604,23
Sämtliche Fremdwährungsanleihen wurden bereits bei der Emission gegen EUR geswapt, sodass kein
Fremdwährungsrisiko besteht.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten betragen zum Bilanzstichtag 3.862,5 Mio. EUR
(Vj. 3.865,8 Mio. EUR). Von den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten betreffen im Wesentlichen
rd. 3.839,4 Mio. EUR (Vj. rd. 3.845,3 Mio. EUR) Finanzierungen durch die Europäische Investitions-
bank (EIB). Zum Bilanzstichtag unterlag die ÖBB-Infrastruktur AG keinen wesentlichen Risiken aus auf
Fremdwährung lautenden Verbindlichkeiten.
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen stammen aus der laufenden Abwicklung von
Leistungsrechnungen in Höhe von 924,5 Mio. EUR (Vj. 767,9 Mio. EUR). Die Verbindlichkeiten aus Lie-
ferungen und Leistungen beinhalten auch Abgrenzungen aus ausstehenden Eingangsrechnungen in
der Höhe von 72,2 Mio. EUR (Vj. 44,6 Mio. EUR).
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
20
Die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen setzen sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Finanzierung ÖBB-Finanzierungsservice GmbH 1.252,0 528,3
Lieferungen und Leistungen 179,8 63,0
ausstehende Eingangsrechnungen 4,9 3,4
sonstige Verbindlichkeiten 10,5 2,5
Summe Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen verbundene Unternehmen 1.447,2 597,2
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen beinhalten neben der laufenden Leistungsver-
rechnung, die Rückverrechnung aus Netzentgelten für Bahnstrom, da hier ein laufendes Verfahren bei
der Schienen-Control Kommission (SCK) anhängig ist. Des Weiteren sind hier innerkonzernale Gut-
schriften in Höhe von 92,0 Mio. EUR (Vj. 0,00 Mio. EUR) aus der Verrechnung des Infrastrukturbenüt-
zungsentgeltes aus dem Jahr 2022 enthalten.
Die sonstigen Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen enthalten im Wesentlichen un-
verändert zum Vorjahr die Verpflichtung zur Beseitigung von Kontaminierungen in Höhe von
1,0 Mio. EUR (Vj. 1,0 Mio. EUR) sowie Kostenbeiträge von Technisches Services lt. Vereinbarung in
Höhe von 9,1 Mio. EUR (Vj. 0,00 Mio. EUR).
Die Verbindlichkeit gegenüber der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH beinhaltet den Saldo aus dem
Cash Pooling.
Die sonstigen Verbindlichkeiten setzen sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Verbindlichkeiten Finanzamt 19,1 21,3
Verbindlichkeiten aus sozialer Sicherheit 17,4 15,9
Cross-Border-Leasing-Transaktionen 0,0 21,7
Zinsabgrenzungen 163,4 189,7
Finanzierungen; ÖBFA 11.772,7 8.436,3
Abgrenzung § 42 BundesbahnG 737,9 1.104,3
Sonstige 36,6 34,7
Summe sonstige Verbindlichkeiten 12.747,1 9.823,9
Die Abgrenzung § 42 BBG resultiert aus der Abgrenzung von Bundeszuschüssen, einerseits aufgrund
der geringeren Maßnahmenumsetzung des Rahmenplans bzw. Zinsanpassungen und andererseits aus
Ergebnisverbesserungen in Zusammenhang mit Performancesteigerungen in der Betriebsführung. Für
weitere Erläuterungen verweisen wir auf unsere Ausführungen unter dem Kapitel „Leistungsbeziehun-
gen mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-Investition und die Haftung des Bundes“.
Im Berichtsjahr wurde die letzte Cross-Border-Leasing-Transaktionen (CBL) aufgelöst. Im vorhergehen-
den Berichtsjahr wurden Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit CBL-Transaktionen in Höhe von 21,7
Mio. EUR ausgewiesen, denen entsprechende Aktivwerte bei den Finanzanlagen gegenüberstanden.
Für diese Verbindlichkeiten wurden keine dinglichen Sicherheiten (Wertpapiere) bestellt.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat ab dem Jahr 2017 die notwendige Finanzierung vor allem über Darlehen
der Republik Österreich in Erledigung durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA)
anstatt über eigene Anleiheemissionen am Kapitalmarkt aufnehmen. Die ÖBB-Infrastruktur AG zählt
gemäß Eurostat-Kriterien zum Sektor Staat. Vor dem Hintergrund der günstigeren Zinskonditionen der
Republik Österreich am Kapitalmarkt wurde in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Finanzen
und dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie die Entscheidung einer langfristi-
gen Finanzierung über Darlehen der Republik getroffen. Alle bestehenden Anleihen der ÖBB-Infrastruk-
tur AG und deren Garantien durch die Republik Österreich bleiben von dieser Erweiterung der Finan-
zierungsinstrumente der ÖBB-Infrastruktur AG unberührt. Im Geschäftsjahr 2022 wurden derartige Dar-
lehen mit einer Nominalen in Höhe von 3.336,5 Mio. EUR (Vj. rd. 3.218,0 Mio. EUR) aufgenommen,
welche in den sonstigen Verbindlichkeiten ausgewiesen werden. Der tatsächliche Auszahlungsbetrag
belief sich auf 2.853,1 Mio EUR (VJ: 3.432,5 Mio EUR).
Die langfristigen Finanzverbindlichkeiten gegenüber dem Bund (ÖBFA) gliedern sich wie folgt:
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
21
Nominale Währung Laufzeit
Nominalzinss
atz
Effetivverzins
ung
400.000.000,00 EUR 2017 - 2027 0,500% 0,5532%
50.000.000,00 EUR 2017 - 2027 6,250% 0,3983%
100.000.000,00 EUR 2017 - 2034 2,400% 1,0777%
200.000.000,00 EUR 2017 - 2047 1,500% 1,5492%
553.650.000,00 EUR 2017 - 2086 1,500% 1,7704% 1)
250.000.000,00 EUR 2018 - 2117 2,100% 1,8725% 1)
800.000.000,00 EUR 2019 - 2117 2,100% 1,2845% 1)
964.600.000,00 EUR 2019 - 2029 0,500% -0,2831% 1)
250.000.000,00 EUR 2020 - 2030 0,000% -0,2148% 1)
1.400.000.000,00 EUR 2020 - 2040 0,000% -0,0840% 1)
100.000.000,00 EUR 2020 - 2040 0,000% 0,0150% 1)
150.000.000,00 EUR 2020 - 2026 0,750% -0,6520% 1)
200.000.000,00 EUR 2021 - 2023 0,0000% -0,6930%
182.000.000,00 EUR 2021 - 2027 0,5000% -0,6150%
200.000.000,00 EUR 2021 - 2028 0,7500% -0,2800%
850.000.000,00 EUR 2021 - 2031 0,0000% -0,1751%
1.066.000.000,00 EUR 2021 - 2036 0,2500% 0,3106%
200.000.000,00 EUR 2021 - 2037 4,1500% 0,1210%
370.000.000,00 EUR 2021 - 2051 0,7500% 0,3102%
125.000.000,00 EUR 2021 - 2071 0,7000% 0,7786%
25.000.000,00 EUR 2021 - 2086 1,5000% 0,7750%
280.000.000,00 EUR 2022 - 2024 1,6500% 1,2350%
200.000.000,00 EUR 2022 - 2026 2,0000% 2,1070%
90.000.000,00 EUR 2022 - 2026 0,7500% 1,6620%
468.850.000,00 EUR 2022 - 2027 0,5000% 2,1300%
785.600.000,00 EUR 2022 - 2028 0,0000% 1,9450%
272.000.000,00 EUR 2022 - 2030 0,0000% 2,1250%
250.000.000,00 EUR 2022 - 2031 0,0000% 1,7160%
150.000.000,00 EUR 2022 - 2032 0,9000% 2,9300%
290.000.000,00 EUR 2022 - 2047 1,5000% 2,5500%
400.000.000,00 EUR 2022 - 2051 0,7500% 2,4740%
60.000.000,00 EUR 2022 - 2071 0,7000% 2,1420%
25.000.000,00 EUR 2022 - 2086 1,5000% 2,4660%
65.000.000,00 EUR 2022 - 2120 0,8500% 2,3080%
11.772.700.000,00
1) Durchschnittliche Effektivverzinsung
In den sonstigen Verbindlichkeiten sind Aufwendungen in Höhe von 199,9 Mio. EUR
(Vj. 226,9 Mio. EUR) enthalten, die erst nach dem Bilanzstichtag zahlungswirksam werden. Diese set-
zen sich aus Steuern (Gehaltsabgaben, Elektrizitätsabgaben und Gebühren) mit 19,1 Mio. EUR
(Vj. 21,3 Mio. EUR), Sozialversicherungsbeiträgen mit 17,4 Mio. EUR (Vj. 15,9 Mio. EUR) sowie Zins-
abgrenzungen mit 163,4 Mio. EUR (Vj. 189,7 Mio. EUR) zusammen.
Passive Rechnungsabgrenzungsposten
Die passiven Rechnungsabgrenzungsposten in Höhe von 808,4 Mio. EUR (Vj. 825,6 Mio. EUR) umfas-
sen transitorischen Posten aus der laufenden Abgrenzung in Höhe von 2,8 Mio. EUR (Vj. 0,6 Mio. EUR),
sowie aus abzugrenzenden Erträgen aus Baurechts- und Mietverträgen in Höhe von 11,3 Mio. EUR
(Vj. 17,4 Mio. EUR). Das Agio aus der Aufstockung von Anleihen beträgt 20,4 Mio. EUR
(Vj. 23,5 Mio. EUR). Das Agio aus der Finanzierung über die Österreichische Bundesfinanzierungs-
agentur (ÖBFA) beträgt 696,8 Mio. EUR (Vj. 728,5 Mio. EUR). Aus dem Bundeszuschuss gemäß
§ 42 BBG resultieren noch nicht verbrauchte Beträge in Höhe von 63,6 Mio. EUR (Vj. 43,5 Mio. EUR).
Die abgegrenzten Erhaltungskostenbeiträgen von Dritten für Infrastruktur belaufen sich auf
7,4 Mio. EUR (Vj. 5,5 Mio. EUR) und jene für die Mitbenützung des Glasfaserkabels auf 6,2 Mio. EUR
(Vj. 6,6 Mio. EUR).
Haftungsverhältnisse/ Eventualverbindlichkeiten
Die Eventualverbindlichkeiten betragen insgesamt 102,6 Mio. EUR (Vj. 166,4 Mio. EUR).
Die Eventualverbindlichkeit per 31.12.2021 enthielten Haftungen aus Cross-Border-Leasing-Transakti-
onen in Höhe von 47,5 Mio. EUR. Im aktuellen Berichtsjahr wurde die letzte Cross-Border-Leasing-
Transaktionen (CBL) aufgelöst.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
22
Weiters wird eine für einen Kreditvertrag der Rail Equipment GmbH & Co KG abgegebene Haftungser-
klärung in Höhe von 72,0 Mio. EUR (Vj. 83,4 Mio. EUR) ausgewiesen.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat im Geschäftsjahr 2013 eine Haftungserklärung für einen Kredit der
Gauermanngasse 2-4 Projektentwicklung GmbH & Co KG abgegeben, welche ebenfalls in Höhe von
rd. 18,0 Mio. EUR (Vj. 18,9 Mio. EUR) unter den Eventualverbindlichkeiten ausgewiesen wird.
Für Garantien gegenüber den Ländern und Garantien aufgrund des Stromhandels werden im Ge-
schäftsjahr 2022 Eventualverbindlichkeiten in Höhe von 12,6 Mio. EUR (Vj. 16,6 Mio. EUR) ausgewie-
sen.
Sonstige finanzielle Verpflichtungen und Angaben gemäß § 238 Abs. 1 Z 14
UGB
Der Betrag der sonstigen finanziellen Verpflichtungen, die nicht in der Bilanz ausgewiesen und auch
nicht gemäß § 199 UGB auszuweisen sind, setzt sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Abnahmeverpflichtungen 1.640,4 2.077,2
Verpflichtung aus Dauerschuldverhältnissen 78,2 77,5
Folgeinvestitionen begonnener Investitionsvorhaben 18.969,2 18.210,9
Gesamt 20.687,8 20.365,6
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 74,5 70,9
Die Abnahmeverpflichtungen stellen das Bestellobligo dar und betreffen bereits beauftragte Investiti-
onsmaßnahmen.
Für den Gesamtbetrag der sonstigen Verpflichtungen aus Dauerschuldverhältnissen, der sich
zum Bilanzstichtag auf 78,2 Mio. EUR (Vj. 77,5 Mio. EUR) beläuft, wurde ein Betrachtungszeitraum von
einem Jahr zugrunde gelegt.
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Gebäude- und Grundstücksmieten 3,8 4,6
IT-Miete 3,0 2,5
Fahrzeugmieten 71,4 70,4
Gesamt 78,2 77,5
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 74,5 70,9
Die Folgeinvestitionen begonnener Investitionsvorhaben in Höhe von 18.969,2 Mio. EUR
(Vj. 18.210,9 Mio. EUR) betreffen die in der Rahmenplanvereinbarung 2023 - 2028 zur Umsetzung
durch die ÖBB-Infrastruktur AG festgelegten und begonnenen Investitionsprojekte.
Die in den folgenden Geschäftsjahren erwarteten Zahlungen aus den sonstigen finanziellen Verpflich-
tungen für nicht in der Bilanz ausgewiesene Sachanlagen gemäß § 237 Z 8 lit. b UGB betreffen mit
86,1 Mio. EUR (Vj. 76,6 Mio. EUR) das Folgejahr und mit 539,5 Mio. EUR (Vj. 458,1 Mio. EUR) die
nächsten fünf Jahre.
Die angeführten finanziellen Verpflichtungen gegenüber verbundenen Unternehmen betreffen für das
nächste Jahr einen Betrag in Höhe von 82,0 Mio. EUR (Vj. 70,1 Mio. EUR) und für die nächsten fünf
Jahre einen Betrag in Höhe von 514,0 Mio. EUR (Vj. 419,4 Mio. EUR).
Zur Abdeckung des für die Veräußerung oder den eigenen Gebrauch erwarteten Bedarfs an elektrischer
Energie wurden Stromgeschäfte (langfristige Einkaufs- und Verkaufskontrakte) abgeschlossen. Zur Be-
wertung der Stromgeschäfte und der Anzahl der Kontrakte wird auf die Ausführungen unter E. Sonstige
Angaben sowie auf den Risikobericht verwiesen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
23
D. Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung
Umsatzerlöse
Die Umsatzerlöse setzen sich wie folgt zusammen:
Umsatzerlöse in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Nutzungsentgelte Infrastrukturbenützung 366,7 384,9
Energielieferungen und Netznutzungsentgelte 212,8 199,1
Mieterlöse 151,2 128,7
Instandhaltung und Wartung 8,5 10,3
Erlöse aus Verwertungsobjekten 59,9 37,4
Sonstige übrige Umsatzerlöse 162,8 143,4
Summe 961,8 903,9
Das Infrastrukturbenützungsentgelt wird überwiegend von Gesellschaften des übrigen ÖBB-Konzerns
für die Zurverfügungstellung der Bahninfrastruktur bezahlt.
Im Geschäftsjahr 2022 wurden wegen des Entfalls der Marktaufschläge für die Netzfahrplanperiode
2022 (12.12.2021-31.12.2022) beim Infrastrukturbenützungsentgelt Gutschriften an Kunden in Höhe
von rd. 136,9 Mio. EUR (Vj: keine) ausgestellt, wovon rd. 6,7 Mio. EUR auf das Geschäftsjahr 2021
entfielen. Der Bund hat diesen Betrag zur Gänze im Rahmen des § 42 vergütet.
Die Erlöse aus Energielieferungen resultieren großteils aus Traktionsstromlieferungen und Stromge-
schäften.
Mit dem 1.1.2016 kam es zu einer Öffnung des Bahnstromnetzes der ÖBB-Infrastruktur AG, so dass
nunmehr auch andere Energielieferanten Bahnstrom an die Eisenbahnunternehmen liefern können.
Dadurch hat sich auch das Tarifmodell der ÖBB-Infrastruktur AG geändert und es ist zu einer Unter-
scheidung zwischen Netznutzungsentgelten und Entgelten für Energielieferungen gekommen, während
zuvor Netznutzung und Energielieferung in einem Gesamttarif enthalten waren. In den Erlösen „Ener-
gielieferungen und Netznutzungsentgelten“ sind Netznutzungsentgelte in Höhe von rd. 73,7 Mio. EUR
(Vj. 87,7 Mio. EUR) enthalten.
Mieterlöse fallen für die Vermietung und die Verpachtung von Immobilien an.
Die Umsätze wurden überwiegend im Inland erzielt. Die im Ausland erzielten Umsätze betreffen Ener-
gielieferungen in der Höhe von 8,7 Mio. EUR (Vj. 7,5 Mio. EUR) und Infrastrukturbenützungsentgelte in
Höhe von 5,3 Mio. EUR (Vj. 2,4 Mio. EUR).
Veränderung des Bestandes an selbst gefertigten Hilfsstoffen sowie an
noch nicht abrechenbaren Leistungen
Die Veränderung des Bestandes an selbst gefertigten Hilfsstoffen sowie noch nicht abrechenbaren Leis-
tungen beträgt 6,0 Mio. EUR (Vj. 7,3 Mio. EUR).
Andere aktivierte Eigenleistungen
Bei der Ermittlung der im Zusammenhang mit der Herstellung von Anlagen zu aktivierenden Eigenleis-
tungen in Höhe von 350,1 Mio. EUR (Vj. 329,8 Mio. EUR) wurden – unter Beachtung der bestehenden
unternehmensrechtlichen Bewertungsvorschriften – direkt zurechenbare Personalaufwendungen und
angemessene Teile der Materialgemeinkosten und Fertigungsgemeinkosten eingerechnet.
Von verbundenen Unternehmen bzw. Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, wur-
den Leistungen über rd. 82,2 Mio. EUR (Vj. 80,4 Mio. EUR) bezogen, die im Anlagevermögen aktiviert
wurden. Es handelt sich dabei vorrangig um Dienstleistungen und Fahrzeugmieten, die im Zusammen-
hang mit Investitionsvorhaben stehen und anteilig diesen zugerechnet werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
24
Die aktivierten Eigenleistungen betreffen im Ausmaß von rund 55,0 % (Vj. 54,9 %) Personalkosten, rund
29,2 % (Vj. 28,1 %) Materialkosten sowie im Ausmaß von rund 15,8 % (Vj. 17,1 %) Sachaufwendungen.
Sonstige betriebliche Erträge
Erträge aus dem Abgang vom Anlagevermögen mit Ausnahme der Finanzanlagen
Die Erträge aus dem Abgang vom Anlagevermögen in Höhe von insgesamt 37,2 Mio. EUR (Vj. 46,0 Mio.
EUR) betreffen insbesondere Liegenschaftsverkäufe.
Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen
Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 13,0 Mio. EUR (Vj. 17,9 Mio. EUR) entfallen
auf folgende Rückstellungen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Umweltschutzmaßnahmen, Stilllegungskosten und Rückbaumaßnahmen 7,6 11,0
Freimachungen 1,4 1,6
Rechtstreitigkeiten und Schäden 2,2 0,3
Übrige sonstige 1,8 5,0
Summe 13,0 17,9
Übrige
In den übrigen sonstigen betrieblichen Erträgen werden folgende nennenswerte Beträge ausgewiesen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Zuschuss Schieneninfrastruktur §42 Abs. 2 BBG 1.241,0 985,2
Zuschuss des Bundes gem §42 Abs. 1 und §42 Abs. 2 BBG 822,1 985,3
Kostenbeiträge von Dritten - Aufwandsersatz 6,1 6,3
Schadensvergütungen 1,6 0,6
Auflösung von Wertberichtigungen zu Forderungen 2,2 1,1
Lehrlingsförderung, Lehrlingsausbildung 3,9 3,8
Erlöse aus weiterverrechneten Kosten 2,4 2,2
Geldstrafen, Mahnspesen, Pönalen und einbehaltene Haftungsrücklässe 1,2 0,6
Kursgewinne, Skonto, Verwertung von Fundgegenständen und sonstige Erträge 0,6 0,4
COVID 19 Maßnahmen, Absonderungsbescheide 4,3 4,1
übrige sonstige Erträge 11,9 12,6
Summe 2.097,3 2.002,3
Der Beitrag des Bundes gemäß § 42 BBG wird für die Bereitstellung, den Betrieb, Instandhaltung und
Erweiterungs- und Reinvestitionen der Schieneninfrastruktur sowie für die Erfüllung der gesetzlichen
Aufgaben insoweit geleistet, als die von den Nutzern der Schieneninfrastruktur zu erzielenden Erlösen
die bei sparsamer und wirtschaftlicher Geschäftsführung anfallenden Aufwendungen nicht abdecken
können. Nähere Angaben zu der Zuschussvereinbarung sind unter dem Kapitel „Leistungsbeziehungen
mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-Investition und die Haftung des Bundes“ enthalten.
In den sonstigen übrigen betrieblichen Erträgen sind im Wesentlichen Erträge aus der Auflösung der
Passiven Rechnungsabgrenzung im Zusammenhang mit Sanierungsförderungen in Höhe von
4,6 Mio. EUR (Vj. 5,3 Mio. EUR) enthalten.
Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Herstellungsleistungen
Materialaufwand
Dieser Posten beträgt in der Berichtsperiode 189,8 Mio. EUR (Vj. 115,7 Mio. EUR) und besteht im We-
sentlichen aus dem Fremdbezug von Traktionsstrom bzw. den Zukauf von Strom für den Weiterverkauf
an Dritte. Hier wird die Erhöhung einer Drohverlustrückstellung in Höhe von 37,8 Mio. EUR
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
25
(Vj. 8,5 Mio. EUR) für die negativen Marktwerte bei Stromderivaten ausgewiesen. Die im Aufwand er-
fassten Herstellungskosten für verkaufte Verwertungsobjekte betragen 20,6 Mio. EUR (Vj. 9,8 Mio.
EUR).
Aufwendungen für bezogene Leistungen
Die Aufwendungen für bezogene Leistungen betragen 416,9 Mio. EUR (Vj. 399,2 Mio. EUR) und betref-
fen unter anderem nicht aktivierungsfähige Lieferungen und Leistungen im Zusammenhang mit Repa-
raturen, Instandhaltungen, Reinigungen und sonstigen Leistungen, Traktionsleistungen (Lok und Lok-
führer) sowie Mieten von Güterwaggons und schienengebundener Fahrzeuge. Weiters sind in dieser
Position auch die Dotierungen und Verbräuche der Rückstellungen wie zB für Rückbaumaßnahmen im
Zusammenhang mit Streckenstilllegungen und Umweltschutzmaßnahmen in Höhe von
1,8 Mio. EUR (Vj. -0,5 Mio. EUR) enthalten.
Personalaufwand
Löhne und Gehälter
Der Aufwand für Löhne und Gehälter wird mit 916,2 Mio. EUR (Vj. 876,7 Mio. EUR) ausgewiesen. Da-
von entfallen auf Löhne 152,5 Mio. EUR (Vj. 130,3 Mio. EUR) und auf Gehälter 763,7 Mio. EUR
(Vj. 746,5 Mio. EUR).
Die Entwicklung der Rückstellungen für Jubiläumszuwendungen getrennt nach Löhnen und Gehältern
zeigt folgendes Bild:
Bestand
31.12.2021
Veränderung
Rückstellung
2022
Bestand
31.12.2022
Gehälter 114,6 -13,3 101,3
Löhne 6,3 -1,3 5,0
Entwicklung der Rückstellungen für Jubiläumszuwendungen 120,9 -14,6 106,3
Die Anpassung der versicherungsmathematischen Gewinne bzw. versicherungsmathematischen Ver-
luste 2022 bei der Rückstellung für Jubiläumszuwendungen führte zu einer Verminderung der Rückstel-
lung in Höhe von 14,6 Mio. EUR (Vj. 2,3 Mio. EUR).
Aufwendungen für Altersversorgung
Die hier ausgewiesenen 9,0 Mio EUR (Vj. 2,9 Mio. EUR) betreffen mit 8,9 Mio. EUR (Vj. 2,8 Mio. EUR)
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Gesellschaft. Es handelt sich hierbei um Beiträge zur Pensi-
onskasse. Der Vorstand und leitende Angestellte sowie ein ehemaliger Vorstand der ÖBB sind mit
0,12 Mio. EUR (Vj. 0,15 Mio. EUR) gleichfalls darin enthalten (Pensionszahlungen und die Zuweisung
zur Rückstellung für Pensionen).
Die Anpassung der versicherungsmathematischen Gewinne bzw. versicherungsmathematischen Ver-
luste 2022 bei der Abfertigungsrückstellung führte zu einer Verminderung der Rückstellung in Höhe von
0,33 Mio. EUR (Vj. 0,01 Mio. EUR).
Aufwendungen für Abfertigungen und betriebliche Mitarbeitervorsorgekassen
Die Aufwendungen für Abfertigungen und betriebliche Mitarbeitervorsorgekassen betragen
4,3 Mio. EUR (Vj. 7,2 Mio. EUR) und betreffen mit 24,3 TEUR (Vj. 63,4 TEUR) den Vorstand und lei-
tende Angestellte. Die Aufwendungen für Mitarbeitervorsorgekassen betragen 5,8 Mio. EUR
(Vj. 5,0 Mio. EUR).
Aufwendungen für gesetzlich vorgeschriebene Sozialabgaben sowie vom Entgelt
abhängige Abgaben und Pflichtbeiträge
Die unter diesem Punkt ausgewiesenen Aufwendungen in Höhe von 223,9 Mio. EUR
(Vj. 217,2 Mio. EUR) enthalten 58,2 Mio. EUR (Vj. 61,2 Mio. EUR) DG-Beiträge gemäß § 52 Abs. 3
Bundesbahngesetz idgF.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
26
Abschreibungen
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
auf immaterielle Gegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen 981,4 961,1
abzüglich der Auflösung passivierter Kostenbeiträge -141,7 -145,2
Summe 839,7 815,9
In den Abschreibungen sind 2,7 Mio. EUR (Vj. 2,7 Mio. EUR) für geringwertige Vermögensgegenstände
enthalten.
Im Berichtsjahr wurden, sowie im Vorjahr, keine außerplanmäßigen Abschreibungen vorgenommen.
Sonstige betriebliche Aufwendungen
Steuern, soweit nicht vom Einkommen und vom Ertrag
Hier sind alle nicht ertragsabhängigen Steuern (Elektrizitätsabgabe, Kfz-Steuer, Grundsteuer, Straßen-
benützungsabgabe, sonstige Steuern und Abgaben etc.) in Höhe von 16,5 Mio. EUR (Vj. 38,1 Mio. EUR)
erfasst.
Übrige
Dieser Posten in Höhe von 496,0 Mio. EUR (Vj. 454,5 Mio. EUR) betrifft folgende nennenswerte Auf-
wendungen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Miet-, Pacht-, Lizenz- und Leasingaufwand 39,3 33,6
Betriebskosten 190,8 163,9
Büroerfordernisse 61,2 54,3
Mehraufwandsentschädigungen, Reisegebühren 14,9 14,3
Aus- und Fortbildung 7,0 5,1
Beratungsaufwendungen 6,4 2,2
Post-, Bank- und Fernsprechgebühren 5,5 5,0
Anmietung von Personal und Werkverträge 0,9 0,6
Marketing- und Repräsentationsaufwendungen 6,3 5,5
Schadensfälle 3,1 4,1
Verluste aus Anlagenabgängen 17,2 27,0
Wertberichtigungen zu Forderungen 0,7 2,8
Rückstellungen 3,6 0,0
ICV-Telekomleistungen 4,6 5,0
Holdingumlage 18,4 18,8
A.t.Fahrbegünstigung 12,3 12,2
andere übrige Aufwendungen 103,7 100,1
Summe 496,0 454,5
Die Verluste aus dem Abgang von Anlagevermögen in Höhe von 17,2 Mio. EUR (Vj. 27,0 Mio. EUR)
betreffen im Wesentlichen Abgänge im Zusammenhang mit Anlageninventuren, sowie Abgänge im Zu-
sammenhang mit Neuinvestitionen und Abtretungen von Liegenschaften in das öffentliche Gut.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
27
Die übrigen sonstigen betrieblichen Aufwendungen zeigen folgendes Bild:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Buchhaltung, Lohnverrechnung, Pensions- und Bezugsliquidation durch ÖBB-Business
Competence Center GmbH 14,3 16,0
Immobilienverwaltungsleistungen 41,7 41,2
Service am Bahnhof 11,8 7,3
Dienstkleider 8,0 7,9
Versicherungsaufwendungen 1,6 1,5
Betriebsküchen, Wohlfahrt und Soziales 6,9 6,8
Ärztlicher Dienst und Sanitätsdienst 4,5 5,2
Sonstige übrige Aufwendungen 15,0 14,1
Summe 103,7 100,1
Finanzerfolg
Erträge aus Beteiligungen
Die Erträge aus Beteiligungen betragen 7,2 Mio. EUR (Vj. 25,9 Mio. EUR) und betreffen im Wesentli-
chen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
aus verbundenen Unternehmen
ÖBB Immobilienmanagement GmbH 2,4 3,3
Rail Equipment GmbH 0,0 16,0
ÖBB Operative Services GmbH & Co KG 1,4 2,1
ÖBB Realitätenbeteiligungs GmbH & Co KG 1,1 0,9
WS Service GmbH 0,6 0,5
Summe 5,5 22,8
aus nicht verbundenen Unternehmen
Weichenwerke Wörth GmbH 1,7 3,1
HIT RAIL B.V. 0,0 0,0
Summe 1,7 3,1
Die Beteiligungserträge aus 2022 der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH und ÖBB Operative Ser-
vices GmbH & Co KG stammen aus Ergebnisabführungsverträgen.
Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens
Die Erträge in Höhe von 5,9 Mio. EUR (Vj. 6,2 Mio. EUR) betreffen Zinsenerträge aus Wertpapieren und
Ausleihungen, die aus CBL-Transaktionen stammen.
Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
Die sonstigen Zinsen und ähnlichen Erträge setzten sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Zinserträge Konzernforderungen 2,7 0,1
Derivative Finanzinstrumente 0,5 1,2
Sonstige Zinserträge 13,9 11,7
Summe 17,1 13,0
Die Zinsen betreffend verbundene Unternehmen in Höhe von 2,7 Mio. EUR (Vj. 0,1 Mio. EUR) resultie-
ren zum größten Teil aus Zinserträgen für Haftungsentgelte, sowie aus Zinsabgrenzungen. Die sonsti-
gen Zinserträge resultieren aus der Darstellung von Negativzinsen im Zusammenhang mit sonstigen
Darlehen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
28
Erträge aus dem Abgang und der Zuschreibung zu Finanzanlagen
Die Erträge aus dem Abgang von Finanzanlagevermögen betreffen in Höhe von 2 Mio. EUR den Verkauf
der Beteiligung an der Güterterminal Werndorf Projekt GmbH („GWP“) im Wege eines Share-Deals in
2022.
Aufwendungen aus Finanzanlagen
Aus der Auflösung der letzten CBL-Transaktionen resultiert ein Verlust in Höhe von 4,2 Mio. EUR (Vj.
0,0 Mio. EUR) aus dem Abgang von Finanzanlagen, welcher über Sublease-vereinbarungen zur Gänze
an Konzernschwestergesellschaften weiterverrechnet wurde. Im Berichtsjahr wurde eine Beteiligung in
Höhe von 0,7 Mio. EUR (Vj. 0,6 Mio. EUR) außerplanmäßig abgeschrieben.
Die Aufwendungen gegenüber verbundenen Unternehmen beinhalten die innerkonzernale Weiterver-
rechnung von Ergebniseffekten aus CBL-Transaktionen in Höhe von 2,5 Mio. EUR (Vj. 0,0 Mio. EUR)
sowie außerplanmäßige Abschreibungen und Verlustübernahmen (Vj. 16,0 Mio. EUR).
Zinsen und ähnliche Aufwendungen
Die Fremdfinanzierungskosten gegenüber Dritten vor Aktivierung der Fremdkapitalzinsen setzen sich
wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Anleihen 304,3 365,3
Kredit- und Darlehensaufnahmen 171,1 149,7
Haftungsentgelte 12,7 14,3
Summe 488,2 529,3
Die Überleitung zur Gewinn und Verlustrechnung zeigt folgendes Bild:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Zinsen und ähnliche Aufwendungen 488,2 529,3
Swap 0,4 1,8
Zinsaufwendungen CBL 1,2 1,5
Aktivierung der Fremdkapitalzinsen -110,8 -108,1
Sonstige Zinsen und ähnliche Aufwendungen 3,8 1,0
Summe 382,8 425,4
davon aus verbundenen Unternehmen 3,8 2,0
Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
Die im Geschäftsjahr auf Basis der Gruppenbesteuerung auf die Gesellschaft entfallende Steuerumlage
ergibt, wie im Vorjahr eine Belastung in Höhe der Mindestkörperschaftsteuer.
Die aktive latente Steuer ergab im Geschäftsjahr eine ergebniswirksame Veränderung in Höhe von
-3,0 Mio. EUR (Vj. 1,4 Mio. EUR).
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
29
E. Sonstige Angaben
COVID-Pandemie – finanzielle Auswirkungen
Die COVID-Pandemie hatte finanzielle Auswirkungen auf das Berichtsjahr 2022. Die wesentlichsten
Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung sind im Folgenden ausgeführt.
Aufgrund der Reduktion des Infrastrukturbenutzungsentgelts für Österreich verringern sich die Umsatz-
erlöse aus Infrastrukturbenützung um rd. 85,9 Mio. EUR (Vj. 129,6 Mio. EUR); sie wurden aufgrund §
42 BBG durch den Bund refundiert und erhöhen die sonstigen betrieblichen Erträge.
Refundierungsbeträge aufgrund von Absonderungsbescheiden gemäß Epidemiegesetz, für freigestellte
Mitarbeiter:innen mit Risikoattest gemäß ASVG und für Mitarbeiter:innen in Kurzarbeit wurden iHv. rd.
4,3 Mio. EUR (Vj. 4,1 Mio. EUR) in den sonstigen betrieblichen Erträgen erfasst.
Der zusätzliche Aufwand für die Bestellung von Schutzmasken, Desinfektionsmittel und COVID-Tests
beträgt rd. 1,0 Mio. EUR (Vj. 1,2 Mio. EUR) und wird im sonstigen betrieblichen Aufwand ausgewiesen.
Risiken im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten
Risikodefinition und Risikomanagement in Bezug auf Finanzinstrumente
Der ÖBB-Infrastruktur AG unterliegt Markt- (Zins- und Währungsrisiko), Kredit- (Bonität der Vertrags-
partner) und Liquiditätsrisiken. Finanzielles Risikomanagement wird als Management von Marktrisiken
angesehen und bedeutet die ökonomisch orientierte Steuerung der Portfolios der Einzelgesellschaften
im Hinblick auf die Entwicklung von Zinsen, Währungen und Commodities. Der ÖBB-Infrastruktur AG
verwendet derivative Finanzinstrumente, um diese Risiken wirtschaftlich abzusichern. Derivative Finan-
zinstrumente werden nur unter Bezugnahme auf ein Grundgeschäft abgeschlossen.
Kernaufgabe des Risikomanagements ist die Identifizierung, Bewertung und Begrenzung finanzwirt-
schaftlicher Risiken. Risikobegrenzung bedeutet nicht die völlige Ausschließung finanzieller Risiken,
sondern eine sinnvolle Steuerung jederzeit quantifizierter Risikopositionen innerhalb eines konkret vor-
gegebenen Handlungsrahmens.
Die ÖBB-Holding AG, die Finanzgeschäfte mit Ausnahme der Stromderivate im Namen und auf Rech-
nung von Konzerngesellschaften nur nach deren Zustimmung und Auftrag durchführt, hat ein risikoori-
entiertes Kontrollumfeld geschaffen, das u.a. Richtlinien und Abläufe für die Beurteilung von Risiken,
die Genehmigung, das Berichtswesen und die Überwachung von Finanzinstrumenten umfasst. Oberste
Priorität nimmt bei sämtlichen Finanzaktivitäten der Schutz des Vermögens der Konzerngesellschaften
ein. Eine wesentliche Aufgabe der damit beauftragten Abteilung Konzernfinanzen ist die Identifizierung,
Bewertung und Begrenzung finanzwirtschaftlicher Risiken. Risikobegrenzung bedeutet nicht die völlige
Ausschließung finanzieller Risiken, sondern eine sinnvolle und transparente Steuerung der quantifizier-
baren Risikopositionen innerhalb eines konkret mit den Konzerngesellschaften zu vereinbarenden
Handlungsrahmens.
Nachstehend werden die wichtigsten Risiken in Bezug auf Finanzinstrumenten näher erörtert:
Liquiditätsrisiko
Das übergeordnete Ziel im Bereich Finanzen ist die Sicherstellung des notwendigen Liquiditätsspiel-
raums. Liquiditätsrisiko ist das Risiko, dass ein Unternehmen Schwierigkeiten bei der Erfüllung seiner
sich aus den finanziellen Verbindlichkeiten ergebenden Verpflichtungen haben könnte, die über die Zah-
lung von Bargeld oder die Lieferung eines anderen finanziellen Vermögenswertes beglichen werden.
Somit ist die konsequente Sicherstellung der Liquidität aller Konzerngesellschaften durch Liquiditäts-
planungen, die Vereinbarung ausreichender Kreditlinien und eine ausreichende Diversifizierung der Kre-
ditgeber eine der Hauptaufgaben der Abteilung Konzernfinanzen des ÖBB-Konzerns. Hinsichtlich der
Finanzierung und Aufrechterhaltung der Liquidität der ÖBB-Infrastruktur AG gem. § 47 BBG wird auf
das Kapitel „Leistungsbeziehungen mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-Investitionen und die
Haftung des Bundes“ verwiesen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
30
Zinsrisiko
Risiken aus Marktzinsänderungen können das Finanzergebnis des ÖBB-Konzerns aufgrund der gege-
benen Bilanzstruktur beeinflussen. Es gilt daher mögliche Marktzinsschwankungen über ein mit den
Konzerngesellschaften abzustimmendes Niveau hinaus (z.B. durch den Einsatz derivativer Finanzin-
strumente) einzuschränken, um deren Einfluss auf die Ergebnisentwicklung gering zu halten.
Der Abschluss geeigneter derivativer Instrumente zum Management von Zinsrisiken (Zinsswaps) basiert
auf Portfolioanalysen und -empfehlungen der Abteilung Konzernfinanzen und auf entsprechenden Ent-
scheidungen der Konzerngesellschaften.
Währungsrisiko
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist auf Euro-Basis finanziert. Relevante Währungsrisiken aus ehemaligen
Cross-Border-Leasing-Transaktionen bestehen nicht, da den vertraglichen Verbindlichkeiten in Fremd-
währungen weitestgehend entsprechende volumen- und fristenkongruente Veranlagungen und Forde-
rungen in der gleichen Höhe und Währung gegenüberstehen.
Kontrahentenrisiko/ Kreditrisiko
Das Kontrahentenrisiko erfasst das Schadenspotenzial hinsichtlich Nichterfüllung finanzieller Verpflich-
tungen durch Geschäftspartner. Die Risken beziehen sich vorwiegend auf Geldmarktgeschäfte, Forde-
rungen aus Lieferungen und Leistungen, Veranlagungen, barwertig positive Swapgeschäfte. Dem Kon-
trahentenrisiko-Management unterliegen Limits, die für jeden Finanzpartner individuell vergeben und
täglich auf Einhaltung überprüft werden.
Kontrahentenrisiken bestehen außerhalb der originären Geschäfte mit den ÖBB Finanzpartnern noch
im Zusammenhang mit beendeten Cross-Border-Leasing-Transaktionen. Bei Cross-Border-Leasing-
Transaktionen wurden Wertpapierdepots, Payment-Undertaking-Agreements (Zahlungsvereinbarun-
gen) und Swaps mit Finanzpartnern abgeschlossen, um Leasingraten während der Laufzeit und den
Kaufpreis am Ende der Laufzeit zu bezahlen. Das Cross-Border-Leasing-Management beschäftigt sich
mit der Gestionierung, der Abwicklung, dem Risikomanagement sowie der wirtschaftlichen Beendigung
bestehender Cross-Border-Leasing-Transaktionen. Ziel des Cross-Border-Leasing-Managements ist es,
insbesondere alle Rechte und Pflichten aus den Transaktionen zu überwachen. Dazu zählen die Sicher-
stellung der vertragsmäßigen Abwicklung, die Vermeidung von Risiken sowie die Gewährleistung der
Wirtschaftlichkeit des gesamten Portfolios.
Im Jahr 2022 ist es gelungen, das originäre Volumen an bestehenden Cross-Border-Leasing-Transak-
tionen vollständig abzubauen, ohne den seinerzeit lukrierten Nettobarwertvorteil zu verlieren.
Strompreisschwankungen/ Commodity-Risiken
Die Risiken im Zusammenhang mit Strompreisschwankungen, die Risikomanagementstrategie sowie
die Bilanzierung werden im Kapitel „Stromgeschäft“ erläutert.
Originäre Finanzinstrumente
Der Bestand an originären Finanzinstrumenten der Gesellschaft (Forderungen und Verbindlichkeiten
aus der Finanzierungstätigkeit, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
sowie Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens) lässt sich aus der Bilanz ablesen.
Detaillierte Informationen finden sich in den entsprechenden Angaben im Anhang zum Jahresabschluss.
Sämtliche Bestimmungen gemäß § 2 Abs. 4a Bundesfinanzierungsgesetz sind umgesetzt.
Derivative Finanzinstrumente
Die ÖBB-Infrastruktur AG setzt derivative Finanzinstrumente zur Absicherung von Zinsänderungsrisiken
sowie Preisänderungsrisiken von Stromprodukten ein. Die Konzernrichtlinien untersagen die Ausgabe
oder das Halten von Finanzinstrumenten zu spekulativen Zwecken. Derivative Finanzinstrumente wer-
den nur unter Bezugnahme auf ein Grundgeschäft abgeschlossen, zudem wurden durch Konzernricht-
linien die zulässigen Finanzgeschäfte definiert. Derivative Finanzinstrumente werden im Einklang mit
den UGB-Bilanzierungsvorschriften bewertet.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
31
Absicherung Zins- und Fremdwährungsrisiko
Soweit es sich nicht um geschlossene Positionen handelt, werden entsprechend der isolierten Betrach-
tungsweise die negativen Marktwerte der derivativen Finanzinstrumente in Form einer Rückstellung be-
rücksichtigt. Zum 31. Dezember 2022 beträgt die Rückstellung im Zusammenhang mit derartigen deri-
vativen Finanzinstrumenten 0,0 Mio. EUR (Vj. 0,5 Mio. EUR).
Stromgeschäft
Der Bereich Energie der ÖBB‐Infrastruktur AG ist für die Beschaffung leitungsgebundener Energieträ-
ger sowie energienaher Produkte (Emissionszertifikate, Herkunftsnachweise) zuständig. Sämtliche die-
ser Produkte werden entweder an interne oder externe Kunden geliefert oder zum Betrieb des 16,7‐
Hz‐Bahnstromnetzes herangezogen. Preisschwankungen dieser Produkte beeinflussen die Aufwände
der ÖBB‐Infrastruktur AG und stellen somit ein Marktrisiko dar. Da rund zwei Drittel des benötigten
Bahnstroms und beinahe der gesamte Strom zur Versorgung der Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.) am
Strommarkt beschafft werden, ist die ÖBB‐Infrastruktur AG von Strompreisvolatilität stark betroffen.
Die Risikomanagementstrategie sieht daher eine Preisabsicherung vor.
Ein wesentliches Risiko bei der Beschaffung von Energie besteht in der Schwankung der Marktpreise.
Dies ist insbesondere auch vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die Verkaufspreise für Bahnstrom
sowie die Tarife für Betriebsanlagen für jedes Kalenderjahr bereits im vierten Quartal vor Lieferbeginn
fixiert oder die Tarife für die Bahnstromnetznutzung sogar noch ein Jahr früher erstmalig verlautbart
werden müssen. Daher ist es für die ÖBB‐Infrastruktur AG besonders relevant, die Preise im Vorfeld
bereits abgesichert bzw. fixiert zu haben. Die Preisabsicherung erfolgt mittels des Abschlusses von For-
wards für die geplanten Einkaufsmengen für Bahnstrom, Verlustenergie und Betriebsanlagen sowie bis
2019 für Emissionszertifikate. Neben der Absicherung der Preise dient die Absicherung aber auch der
Erhöhung der Planungssicherheit, welche als Basis der Preiskalkulation notwendig ist.
Vor dem Hintergrund der Beschaffungsstrategien und zur Risikodiversifizierung wurde seitens der
ÖBB‐Infrastruktur AG eine langfristige rollierende Beschaffung (Rolling Hedge) beschlossen. Der de-
finierte Beschaffungszeitraum variiert in Abhängigkeit von den gesicherten Grundgeschäften (bis zu drei
Jahre für Energie). Durch das Portfoliomanagement Energiewirtschaft muss zu definierten Zeitpunkten
ein bestimmter Prozentsatz der zu beschaffenden Menge (eine geforderte Eindeckung, die Soll‐Ein-
kaufsmenge) je Beschaffungsjahr eingekauft sein. Um die Preiserwartung des Portfoliomanagements
bei der Beschaffung einfließen zu lassen, wurde ein oberer und unterer Mengenkorridor definiert.
Abhängig von der Preiserwartung besteht die Möglichkeit, innerhalb des unteren und oberen Korridors
mehr oder weniger Menge als die Soll‐Einkaufsmenge preislich abzusichern. Am Ende des Beschaf-
fungszeitraums entfällt dieser Korridor, das heißt, die Soll‐Einkaufsmenge entspricht einer Eindeckung
zu 100%.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat Stromgeschäfte (langfristige Beschaffungsverträge, Stromforwards ein-
kaufs- und verkaufsseitig) abgeschlossen, wobei vor allem die Absicherung des Strombeschaffungs-
preises im Vordergrund steht. Insoweit langfristige Ein- und Verkaufskontrakte dazu abgeschlossen wur-
den, um einen für die Veräußerung oder den eigenen Gebrauch erwarteten Bedarf und damit geplanten
Stromeinkauf abzusichern, die Zweckwidmung von Anfang an und nach wie vor besteht und der Vertrag
mit den Stromlieferungen als erfüllt gilt, werden diese nicht als Derivate eingestuft, sondern als noch
nicht erfüllte Einkaufsverträge. Die maximale Laufzeit derartiger Stromforwards geht bis 2025.
Insofern abgeschlossene Ein- und Verkaufskontrakte durch gegenläufige Geschäfte geschlossen wur-
den, liegen Bewertungseinheiten vor. Liegt eine Bewertungseinheit vor, ist das Derivat am Bilanzstichtag
nicht gesondert zu bewerten: Bewertungsobjekt ist vielmehr das abgesicherte Grundgeschäft zusam-
men mit dem Derivat. Ist aus dem abgesicherten Grundgeschäft aufgrund der darauf anzuwendenden
Bewertungsbestimmungen ein Verlust zu erfassen, ist dabei die gegenläufige Wertentwicklung des De-
rivats zu berücksichtigen. Eine kompensierende Bewertung ist allerdings nur in jener Höhe zulässig, als
die Sicherungsbeziehung effektiv ist; der ineffektive Teil darf nicht berücksichtigt werden.
Grundsätzlich erfolgt im Rahmen der Widmung eines Derivates als Sicherungsinstrument eine prospek-
tive Effektivitätsmessung sowie zu jedem Bilanzstichtag eine retrospektive Effektivitätsmessung. Im
Zuge der Effektivitätsmessung muss nachgewiesen werden, dass die Wertänderung des Derivates zwi-
schen 80 % und 125 % der durch das abgesicherte Risiko verursachten Wertänderung des designierten
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
32
Grundgeschäfts beträgt. Bei den gebildeten Sicherungsbeziehungen handelt es sich um Micro-Hedges,
bei denen alle Parameter des Grundgeschäftes und des Absicherungsgeschäftes, die das Ausmaß der
abgesicherten Wertänderung bestimmen, identisch, aber gegenläufig sind. Dies ist ein Indikator für eine
prospektiv wie auch retrospektiv vollständig effektive Sicherungsbeziehung. Die Effektivität wurde ret-
rospektiv anhand der Change in Fair Value-Methode ermittelt, d.h. der Wertänderung des Sicherungs-
instruments wurde die Wertänderung des Grundgeschäfts gegenübergestellt.
Die Derivate aus geschlossenen Positionen beziehungsweise Derivate aus Stromgeschäften zur
Optimierung des Stromeinkaufsportfolios weisen zum 31.12.2022 negative Marktwerte von 113,2 Mio.
EUR (Vj. 120,4 Mio. EUR) auf, denen positive Marktwerte von 104,9 Mio. EUR (Vj. 125,5 Mio. EUR) im
Rahmen von effektiven Bewertungseinheiten gegenüberstehen.
Für negative Marktwerte für Derivate ohne Bewertungseinheiten wurde in Höhe von 56,7 Mio. EUR
(Vj. 18,8 Mio. EUR) mit einer Rückstellung vorgesorgt, welche in den „Sonstigen Rückstellungen“
enthalten ist.
Weiters wurden Einkaufskontrakte zur Absicherung geplanter Stromeinkäufe für bestehende Verkaufs-
verpflichtungen abgeschlossen, wobei es sich um eine Absicherung zukünftiger Zahlungsströme han-
delt. Bei der Bemessung des Drohverlustes aus derartigen Einkaufskontrakten mit negativem Marktwert
am Bilanzstichtag sind die gegenläufigen, erfolgswirksamen Cash Flows aus den unmittelbar damit ver-
bundenen am Bilanzstichtag abgeschlossenen Bahnstromlieferverträgen zu berücksichtigen. Zum
31.12.2022 haben die Derivate, die zur Absicherung der geplanten Stromeinkäufe und daher der Absi-
cherung zukünftiger Zahlungsströme dienen, positive Marktwerte von 295,7 Mio. EUR (Vj. 284,2 Mio.
EUR) und negative Marktwerte in Höhe von 6,0 Mio. EUR (Vj. 0,7 Mio. EUR). Aufgrund der Kompensa-
tion durch gegenläufige erwartete Cash Flows von bestehenden Bahnstromlieferverträgen werden diese
Derivate nicht in der Bilanz erfasst.
Des Weiteren liegen Kauf- und Verkaufsderivate vor, welche dazu dienen das Stromportfolio optimal zu
bewirtschaften, die Absicherung an die Planeinkaufsmenge anzupassen oder aber das Einkaufsprofil
an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Hier liegt allerdings keine 1:1 Absicherung vor, sondern es
werden Gruppen von Grundgeschäften und Sicherungsgeschäften gebildet (Gruppen-Hedge). Diese
Gruppenbildung erfolgt für alle Stromeinkaufsderivate und Stromverkaufsderivate mit positiven und ne-
gativen Fair Values, welche im selben Monat in Lieferung gehen, über 50 Hertz Base abgeschlossen
wurden und deren Marktwerte sich aus dem EEX Settlement-Preis ergibt. Die Geschäfte unterliegen
daher einheitlichen Risikoparametern. Etwaige negative Marktwerte bis zur Schließung des Stromein-
kaufsderivates werden als Rückstellung erfasst.
Die Marktwertermittlung der Stromeinkaufs- und -verkaufsforwards zum Bilanzstichtag erfolgt auf Basis
von EEX (European Energy Exchange) Futures Notierungen, die unter Heranziehen aktueller Zinskur-
ven diskontiert werden. Die Anzahl der Kontrakte stellt sich wie folgt dar:
Jahr Kauf Verkauf Summe
2023 663 65 728
2024 239 19 258
2025 35 0 35
Gesamt 937 84 1.021
Die Einkaufskontrakte betreffen ein Volumen von 4.408.232 MWh (Vj. 5.643.120 MWh) und einen no-
minellen Kontraktwert von 672,7 Mio. EUR (Vj. 300,4 Mio. EUR). Die Verkaufskontrakte weisen ein
Volumen von 1.553.158 MWh (Vj. 1.552.897 MWh) und einen nominellen Kontraktwert von 359,9 Mio.
EUR (Vj. 109,6 Mio. EUR) aus.
Angaben zu nahestehenden Personen und Unternehmen
Lieferungen an bzw. von nahestehenden Unternehmen oder Personen
Nahestehende Unternehmen beinhalten Konzernunternehmen, die Aktionärin der ÖBB-Holding AG (Re-
publik Österreich) und die Mitglieder des Managements in Schlüsselpositionen (Mitglieder des Vorstan-
des und des Aufsichtsrates).
An die Mitglieder des Aufsichtsrates und des Vorstands wurden weder Vorschüsse noch Kredite ge-
währt, noch wurden zugunsten dieser Personen Haftungsverhältnisse eingegangen. Es gab keine
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
33
Dienstleisungs- oder Werkverträge mit den Mitgliedern des Aufsichtsrates und es wurden keine Ge-
schäfte mit den Mitgliedern der Geschäftsleitung getätigt. An Mitarbeiter:innen des Unternehmens wur-
den keine Kredite gewährt.
Mit Gesellschaften, an denen die Republik Österreich direkt oder indirekt Beteiligungen hält (z.B. Ös-
terreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH, OMV Aktiengesellschaft, Autobahnen- und
Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft, Telekom Austria AG, Verbund AG), die ebenfalls als
nahestehende Unternehmen einzustufen sind, bestehen Geschäftsbeziehungen zu fremdüblichen Be-
dingungen.
Der Verkauf von Waren/Dienstleistungen an nahestehende Unternehmen erfolgte zu fremdüblichen Be-
dingungen. Einkäufe wurden zu Marktpreisen abzüglich handelsüblicher Mengenrabatte sowie sonsti-
ger auf Basis der Geschäftsbeziehungen gewährter Rabatte getätigt.
Die Transaktionen mit Unternehmen im ÖBB-Konzern setzen sich wie folgt zusammen:
in Mio. Euro 31.12.2022 31.12.2021
Umsatzerlöse 643,0 680,8
Sonstige betriebliche Erträge 4,7 2,8
Gesamtaufwand 509,6 476,0
Der Umsatz (ohne Erlöse aus Verwertungsobjekten) mit Konzernunternehmen setzt sich im Wesentli-
chen aus dem Nutzungsentgelt für die Überlassung der Infrastruktur in Höhe von 337,1 Mio. EUR
(Vj. 377,6 Mio. EUR) sowie aus der Zurverfügungstellung von Energie in Höhe von 174,7 Mio. EUR
(Vj. 163,6 Mio. EUR) und Vermietungserlösen in Höhe von 18,0 Mio. EUR (Vj. 31,2 Mio. EUR) zusam-
men. Für Konzernunternehmen werden außerdem Instandhaltungs-, Wartungs-, konzerninterne Tele-
komleistungen, Buchhaltungsleistungen und sonstige Leistungen erbracht, welche sich ebenfalls in den
Umsatzerlösen in Höhe von insgesamt 63,1 Mio. EUR (Vj. 62,6 Mio. EUR) niederschlagen. Durch die
Erbringung von Terminalleistungen wurden innerhalb des Konzerns 9,7 Mio. EUR (Vj. 8,0 Mio. EUR)
verrechnet. Aus dem internen Personalverleih resultieren 12,4 Mio. EUR (Vj. 12,0 Mio. EUR) sowie
19,6 Mio. EUR (Vj. 17,8 Mio. EUR) aus dem Verkauf von sonstigem Material (wie Dienstkleider und
Schrott). Aus dem Bereich „Lehrlingswesen“ resultieren Umsätze in Höhe von 8,3 Mio. EUR (Vj. 8,0 Mio.
EUR).
Aus der Weiterverrechnung von Aufwendungen, Erträge aus COVID-19 Maßnahmen und Übrige Sons-
tige Erträge resultieren die Sonstigen betrieblichen Erträge in Höhe von 4,7 Mio. EUR
(Vj. 2,8 Mio. EUR).
Der Gesamtaufwand resultiert größtenteils aus Telekomleistungen in Höhe von 4,6 Mio. EUR
(Vj. 5,0 Mio. EUR), Instandhaltungs- und Wartungsleistungen von Konzernunternehmen in Höhe
von 80,1 Mio. EUR (Vj. 82,4 Mio. EUR), der Miete von Schienen- und Straßenfahrzeugen in Höhe von
54,2 Mio. EUR (Vj. 55,1 Mio. EUR), Transportleistungen in Höhe von 67,3 Mio. EUR
(Vj. 67,9 Mio. EUR), Mietaufwendungen in Höhe von 19,5 Mio. EUR (Vj. 21,5 Mio. EUR), Betriebskos-
ten in Höhe von 83,5 Mio. EUR (Vj. 77,8 Mio. EUR), der Verrechnung von Aus- und Fortbildungskosten
in Höhe von 3,6 Mio. EUR (Vj. 2,5 Mio. EUR), Verwaltungskosten in Höhe von 53,9 Mio. EUR
(Vj. 49,8 Mio. EUR), IT-Services und Wartung in Höhe von 46,5 Mio. EUR (Vj. 39,5 Mio. EUR) und
sonstigen weiterverrechneten Aufwendungen (Marketing, Reisekosten, Rechts- und Beratungskosten,
Post-, Bank- und Fernsprechgebühren, Schadensfälle, Aufwand für Sozialeinrichtungen u.ä.) in Höhe
von 96,3 Mio. EUR (Vj. 74,5 Mio. EUR).
Cash Pooling
Die Gesellschaft nimmt am Cash Pooling des ÖBB-Konzerns teil. Der Ausgleich der Liquiditätsspitzen
der teilnehmenden Gesellschaften gegen ein konzerninternes Masterkonto bewirkt ausschließlich einen
konzernalen, nach außen wirkenden Liquiditätssaldo und optimiert dadurch das Finanzergebnis des
Konzerns. Der Poolheader und Inhaber des Masterkontos ist die ÖBB-Finanzierungsservice GmbH.
Netting
Die Gesellschaft nimmt am Netting des ÖBB-Konzerns teil. Dieses System stellt den bargeldlosen Aus-
gleich von konzerninternen Forderungen und Verbindlichkeiten zu im Konzern festgelegten Terminen
sicher und optimiert damit die konzerninternen Verrechnungssysteme erheblich.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
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ÖBB-Holding AG
Seitens der ÖBB-Holding AG wurden im Berichtsjahr Leistungen ua in den Bereichen Controlling, Cor-
porate Affairs, Finanzen, Kommunikation, Produktion, Systemtechnik, Revision, Konzernrechnungswe-
sen, -bilanzierung, und –steuern, Strategie, Unternehmensentwicklung, Recht, Compliance sowie stra-
tegischer Konzerneinkauf, strategisches IT-Management, strategisches Personalmanagement und
Gleichstellungs-/Diversitymanagement erbracht, die mittels Einzelvereinbarungen oder im Umlagen-
wege zur Verrechnung gelangt sind.
Im Geschäftsjahr 2022 wurden der ÖBB-Infrastruktur AG rd. 1,5 Mio. EUR (Vj. rd. 1,8 Mio. EUR) ver-
rechnet, die von der ÖBB-Holding AG verrechnete Konzernumlage betrug rd. 18,4 Mio. EUR
(Vj. rd. 18,8 Mio. EUR).
ÖBB-Business Competence Center GmbH
Die ÖBB-Business Competence Center GmbH (BCC) erbringt als konzerninterne Servicegesellschaft
vorwiegend standardisierte, administrative Dienstleistungen sowie Services zu Informations-, Kommu-
nikations- und Bahntechnologien. In dieser Funktion unterstützt das BCC die operativen Kapitalgesell-
schaften bei der Erfüllung ihres Kerngeschäftes durch die Bündelung von Querschnittsmaterien.
Der Unternehmensbereich Business Competence Accounting Services führt das Rechnungswesen und
die Abrechnung grundsätzlich für alle österreichischen ÖBB-Gesellschaften durch, wobei nicht jede Ge-
sellschaft das volle Leistungsangebot in Anspruch nimmt. Die erwähnten Tätigkeiten umfassen die Ab-
rechnung und Debitorenbuchhaltung, Kreditorenbuchhaltung, sonstige mit dem Rechnungswesen ver-
bundene Dienstleistungen wie Zahlungsverkehr und Bankbuchhaltung, Working Capital Management
und Stammdatenbuchhaltung.
Darüber hinaus werden in den Unternehmensbereichen Human Resources, Einkauf, Innovationen
sowie Service & Soziales, Dienstleistungen in den Bereichen Personal, Sozial- und Wohlfahrtseinrich-
tungen, Konzerneinkauf, Innovationsunterstützung sowie Projekt- und Projektportfoliomanagement im
gesamten ÖBB Konzern erbracht.
Das Portfolio des Unternehmensbereichs Informations- und Kommunikationstechnologie und Partner-
management erstreckt sich vom Lösungsconsulting bis hin zu Lösungsentwicklung (basierend auf SAP-
Standardsoftware, unter Nutzung von Plattformen und mittels Individualsoftware) und umfasst zudem
den Betrieb der IKT-Rechenzentrumsleistungen sowie Kollaborations- und Dokumentenmanagement-
leistungen.
Jede der größeren Konzerngesellschaften (alle im Bundesbahngesetz genannten Gesellschaften sowie
die Österreichische Postbus AG) konsumiert nahezu alle von der ÖBB-Business Competence Center
GmbH angebotene Leistungen.
Mit den Konzerngesellschaften sind Gruppenvereinbarungen abgeschlossen worden, die die Bestellung,
Durchführung, Verrechnung und Abbestellung der zu erbringenden Leistungen regeln. Einzelvereinba-
rungen, welche über Standardvereinbarungen hinausgehen, werden mittels Individualvereinbarungen
abgedeckt, in denen die einzelnen Produkte detailliert beschrieben und mit Preisen versehen sind.
ÖBB-Werbung GmbH
Die ÖBB-Werbung GmbH koordiniert alle werblichen Aktivitäten des ÖBB-Konzerns und bündelt alle
extern zugekauften Werbeleistungen. Nach innen ist die ÖBB-Werbung GmbH ein Dienstleister für den
gesamten Bereich Marketing-Services, von der Kampagnenplanung über Werbemittelgestaltung und
Eventmanagement bis hin zum Producing und der Abwicklung konzernweiter Sponsorings. Sämtliche
bezahlten Medienaktivitäten des Konzerns werden durch die ÖBB-Werbung GmbH gebündelt und kauf-
männisch organisiert. Darüber hinaus ist die ÖBB-Werbung GmbH für die Einhaltung des Corporate
Designs des ÖBB-Konzerns und die Wahrung des einheitlichen Markenauftrittes sowie für die Vermark-
tung aller ÖBB-Werbeflächen an Dritte verantwortlich.“ Zusätzlich übernimmt die ÖBB Werbung GmbH
die Vermarktung der Werbetafeln auf Rückseiten von Geisterfahrerwarntafelanlagen der Firma
ASFINAG auf Autobahnen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
35
Tochtergesellschaften
ÖBB-Immobilienmanagement GmbH
Zwischen der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft und der Gesellschaft besteht ein Immobilienma-
nagementvertrag. Dieser Vertrag regelt die Verfügung über die Nutzungsrechte sowie die bestmögliche
Bewirtschaftung einschließlich der Verwaltung und Verwertung der Liegenschaften der ÖBB-Infrastruk-
tur AG, ausgenommen der Liegenschaften der Schieneninfrastruktur gemäß § 10a Eisenbahngesetz,
die für den Eisenbahnbetrieb und den Eisenbahnverkehr benötigt werden, und jener Liegenschaften,
die ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen für die Zurverfügungstellung sonstiger Leistungen im Sinne
des § 58 Eisenbahngesetz benötigt. Der Immobilienmanagementvertrag wurde bereits mehrmals er-
gänzt.
Zum Leistungsumfang gehören nunmehr insbesondere
die Betreuung der Gebäude, Verkehrsstationen und Grundstücke vor Ort durch den Objektbe-
treuer
Bahnhof- und Liegenschaftsmanagement
die kaufmännische Verwaltung von bebautem und unbebautem Grund
die Hochbau- und Liegenschaftsentwicklung
die Verwertung (Vermietung und Verkauf) von Liegenschaften
die Betreuung des Immobilienanlagevermögens für die ÖBB-Infrastruktur AG
die technische Bewirtschaftung
die Betreuung der Gebäude, Verkehrsstationen und Grundstücke vor Ort durch den
Objektbetreuer
Im Immobilienmanagementvertrag ist weiters die Vergütung für die von der Gesellschaft zu erbringen-
den Leistungen geregelt.
ÖBB Operative Service GmbH & Co KG (vorm. Mungos Sicher & Sauber GmbH & Co KG)
Seitens der Mungos Sicher & Sauber GmbH & Co KG werden auf Österreichs Bahnhöfen Reinigungs-
leistungen, Sicherheits- und Serviceleistungen sowie die Vermittlung dieser Tätigkeiten erbracht, die
mittels Einzelvereinbarungen zur Verrechnung gelangen. Des Weiteren tritt die Mungos GmbH & Co KG
seit 01.09.2019 als Arbeitskräfteüberlasser auf.
Rail Equipment GmbH und Rail Equipment GmbH & Co KG
Die Rail Equipment GmbH und Rail Equipment GmbH & Co KG sind Gesamtdienstleister für schienen-
und straßengebundene (Spezial-) Fahrzeuge des ÖBB-Konzerns und betreiben ein professionelles
Fuhrparkmanagement mit Schwerpunkt auf:
• Beratung
• Beschaffung ökonomisch und ökologisch
• Finanzierung
• Services, Wartung, Reifen, Versicherung etc.
• Verwertung
Die Rail Equipment Gesellschaften stellen durch ein Reportingsystem eine optimale Kosten- und Infor-
mationstransparenz über alle anfallenden Fahrzeugkosten zur Verfügung.
Durch die neutrale Beratung, Bündelung der Beschaffung, sowie einer Ausrichtung der Wertschöpfungs-
kette an marktüblichen Bedingungen wird eine größtmögliche Kosteneffizienz erzielt. Darüber hinaus
unterstützen die Rail Equipment Gesellschaften mit der Bedienung der letzten Meile die strategische
Ausrichtung des ÖBB-Konzerns zum Gesamtmobilitätsdienstleister.
Güterterminal Werndorf Projekt GmbH
Das 2021 vollkonsolidierte Unternehmen Güterterminal Werndorf Projekt GmbH („GWP“) wurde im
Wege eines Share-Deals mit 01.01.2022 an die Steirische Infrastruktur-Beteiligungs GmbH und an die
Cargo-Center-Graz Betriebsgesellschaft m. b. H. & Co KG verkauft.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
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Leistungsbeziehungen mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-Investitionen und
die Haftung des Bundes
Allgemein
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen, dessen Aufgaben im öffentlichen
Interesse liegen und in § 31 Bundesbahngesetz näher bestimmt sind. Die Grundlage für die
Finanzierung der Gesellschaft bildet § 47 Bundesbahngesetz, wonach der Bund dafür zu sorgen hat,
dass der ÖBB-Infrastruktur AG die zur Erfüllung ihrer Aufgaben und zur Aufrechterhaltung ihrer Liquidität
und des Eigenkapitals erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen, soweit die Aufgaben vom
Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz umfasst sind. Die in dieser Bestimmung vom Bund
gesetzlich normierte Zusage findet in den Zuschussverträgen nach § 42 (1) und (2) Bundesbahngesetz
ihre konkrete Umsetzung. Nach Verständnis der Vertragspartner ist das Ziel der Zuschussverträge,
unabhängig von der jeweiligen Vertragslaufzeit, die Werthaltigkeit der für die Aufgaben gemäß § 31
Bundesbahngesetz eingesetzten Vermögenswerte der ÖBB-Infrastruktur AG dauerhaft sicherzustellen,
womit auch dem gesetzlichen Auftrag des Bundesbahngesetzes entsprochen wird.
Die ÖBB-Infrastruktur AG trägt die Kosten für die Erfüllung ihrer Aufgaben. Hierzu leistet der Bund der
ÖBB-Infrastruktur AG gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz über deren Ersuchen insbesondere für den
Betrieb der Schieneninfrastruktur und deren Bereitstellung an die Nutzer insoweit und solange einen
Zuschuss, als die unter den jeweiligen Marktbedingungen von den Nutzern der Schieneninfrastruktur
zu erzielenden Erlöse die bei sparsamer und wirtschaftlicher Geschäftsführung anfallenden
Aufwendungen nicht abdecken, und gemäß § 42 (2) Bundesbahngesetz Zuschüsse zur Instandhaltung,
zur Planung und zum Bau von Schieneninfrastruktur.
Über die Zuschüsse gemäß § 42 (1) und (2) Bundesbahngesetz sind zwischen dem Bundesministerium
für Klimaschutz, Umwelt, Energie Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) im Einvernehmen mit
dem Bundesministerium für Finanzen (BMF) und der ÖBB-Infrastruktur AG zwei gesonderte Verträge
mit jeweils sechsjähriger Laufzeit abzuschließen, in denen der Zuschussgegenstand, die Höhe der dafür
zu gewährenden Zuschüsse, die allgemeinen und besonderen Zuschussbedingungen und die
Zahlungsmodalitäten festzulegen sind.
Die Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH (SCHIG) überwacht die Einhaltung der von
der ÖBB-Infrastruktur AG in den Zuschussverträgen gemäß § 42 Bundesbahngesetz übernommenen
Verpflichtungen. Die Überwachung bezieht sich auf eine sparsame, wirtschaftliche und zweckmäßige
Mittelverwendung bei der Planung, dem Bau, der Instandhaltung, der Bereitstellung und dem Betrieb
einer bedarfsgerechten und sicheren Schieneninfrastruktur.
Der Rahmenplan 2023 bis 2028 wurde von der Republik Österreich am 21.10.2022 im Ministerrat
beschlossen und dem Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG am 30.11.2022 vorgelegt.
Finanzierung der Infrastruktur
Der Zuschussvertrag gemäß § 42 (2) Bundesbahngesetz beruht auf dem gemäß § 42 (6)
Bundesbahngesetz von der ÖBB-Infrastruktur AG zu erstellenden Geschäftsplan. Ein Bestandteil des
Geschäftsplanes ist der von der ÖBB-Infrastruktur AG gemäß § 42 (7) Bundesbahngesetz zu
erstellende sechsjährige Rahmenplan, der jahresweise die Mittel für die Instandhaltung (insbesondere
Instandsetzung und Reinvestition) sowie für die Erweiterungsinvestitionen zu enthalten hat.
Geschäftsplan und Rahmenplan sind jährlich jeweils um ein Jahr zu ergänzen und auf den neuen
sechsjährigen Zeitraum anzupassen.
Gemäß Zuschussvertrag 2022 bis 2027 beträgt der durch den Bund zu übernehmende Anteil für
Erweiterungsinvestitionen und Reinvestitionen gemäß Rahmenplan 2022 bis 2027 (mit Ausnahme des
Brenner Basistunnels) 80% der jährlichen Investitionsausgaben, für welche Zuschüsse in Form einer
auf 30 Jahre umgelegten Annuität geleistet werden. Für das Projekt Brenner Basistunnel leistet der
Bund einen Zuschuss in Höhe von 100% in Form einer auf 50 Jahre umgelegten Annuität. Als Zinssatz
wird der jeweils aktuelle Satz für Langfristfinanzierungen der ÖBB-Infrastruktur AG herangezogen.
Der durch den Bund zu übernehmende Anteil für Erweiterungsinvestitionen (ohne Brenner Basistunnel)
und Reinvestitionen wird laufend überprüft und gegebenenfalls für die zukünftigen Zuschüsse an die
aktuellen Erfordernisse angepasst.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
37
Für Inspektion und Wartung, Entstörung sowie Instandsetzung der von der ÖBB-Infrastruktur AG zu
betreibenden Schieneninfrastruktur leistet der Bund ebenfalls einen Zuschuss. Dessen Höhe wird unter
Berücksichtigung der Liquiditätserfordernisse auf Basis des Geschäftsplanes der ÖBB-Infrastruktur AG,
der vorgegebenen Begrenzung des Gesamtzuschusses gemäß § 42 Bundesbahngesetz und der
Erreichung der Zielvorgaben (Performance- bzw. Outputziele) laut Zuschussvertrag gemäß § 42 (1)
Bundesbahngesetz festgelegt. Änderungen der Funktionalität und/oder des Umfanges der von der
ÖBB-Infrastruktur AG zu betreibenden Schieneninfrastruktur haben eine Erhöhung oder Verminderung
des Zuschusses zur Folge. Vor derartigen Änderungen ist daher von der ÖBB-Infrastruktur AG das
Einvernehmen mit dem BMK und dem BMF herzustellen.
Im Jahr 2022 wurde auf Basis der gültigen Zuschussvereinbarung 2022-2027 gemäß § 42 (2) Bundes-
bahngesetz ein Zuschuss in Höhe von rd. 1.260,4 Mio. EUR (Vj. rd. 1.078,0 Mio. EUR) für Erweite-
rungs- und Reinvestitionen gewährt, wobei nur 1.064,1 Mio. EUR ausbezahlt wurden. Für Inspektion,
Wartung und Entstörung wurde rd. 430,7 Mio. EUR (Vj. rd. 603,3 Mio. EUR) gewährt.
Für Errichtungskosten des Brennerbasistunnels hat die ÖBB-Infrastruktur AG Kostenbeiträge in Höhe
von 100,0 Mio. EUR (Vj. 30,0 Mio. EUR) an die BBT SE geleistet. Die vertraglich mit dem Land Tirol im
Zuge des Anteilserwerbs vereinbarten Zahlungen, sowie die vom Bund an die ÖBB-Infrastruktur AG
geleisteten Zahlungen in Zusammenhang mit der Querfinanzierung Straße beliefen sich auf
rd. 69,7 Mio. EUR (Vj. 36,0 Mio. EUR).
Betrieb der Infrastruktur und Lehrlingskosten
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat dem BMK sowie dem BMF einen jährlichen Rationalisierungs- und Ein-
sparungsplan mit einer Vorschaurechnung vorzulegen.
Grundlage des Vertrags über den Zuschuss gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz ist insbesondere der
von der ÖBB-Infrastruktur AG auf sechs Jahre zu erstellende Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundes-
bahngesetz mit einer genauen Beschreibung der zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlichen Maßnah-
men zur bedarfsgerechten und sicheren Bereitstellung der Schieneninfrastruktur einschließlich der Zeit-
und Kostenpläne sowie der Rationalisierungspläne und einer Vorschau der Benützungs- und anderen
Entgelte.
Das BMK hat gemäß § 45 Bundesbahngesetz die SCHIG mit der Überwachung der Einhaltung der von
der ÖBB-Infrastruktur AG im Zuschussvertrag übernommenen Verpflichtungen beauftragt.
Durch diesen Zuschussvertrag werden die von der ÖBB-Infrastruktur AG im Zusammenhang mit dem
Zuschuss gemäß § 42 Bundesbahngesetz zu erreichenden Zielvorgaben definiert.
Die von der ÖBB-Infrastruktur AG konkret zu erreichenden Zielvorgaben gliedern sich insbesondere in
allgemeine, Qualitäts-, Sicherheits- und Effizienzzielvorgaben, die unter Bedachtnahme auf die gesetz-
lichen Aufgaben der ÖBB-Infrastruktur AG vereinbart werden; sie sind im zwischen Bund und der ÖBB-
Infrastruktur AG vereinbarten Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz festgelegt.
Die Einhaltung der sich für die ÖBB-Infrastruktur AG aus dem Bundesbahngesetz ergebenden Verpflich-
tung der Sicherung und der laufenden Verbesserung der Qualität und der Sicherheit der zu betreibenden
Schieneninfrastruktur wird im Zusammenhang mit der Zuschussgewährung über Kennzahlen bewertet.
Die jährlichen Zuschussbeträge sind, sofern zwischen ÖBB-Infrastruktur AG und Bund nichts anderes
vereinbart wird, im Zuge der Fortschreibung um den anteiligen Betriebsführungsaufwand für jene Schie-
neninfrastruktur zu reduzieren, die an andere Betreiber übertragen bzw. abweichend von den Bestim-
mungen zum Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz durch die ÖBB-Infrastruktur AG nicht
mehr betrieben wird.
Die gesamten gemäß § 42 Bundesbahngesetz im Jahr 2022 gewährten Zuschüsse betragen rd. 2.403,5
Mio. EUR (Vj. rd. 2.594,4 Mio. EUR). Der Zuschuss für Erweiterungs- und Reinvestitionsinvestitionen in
Höhe von rd. 1.221,0 Mio. EUR (Vj. rd. 1,078,0 Mio. EUR) wurde auf Grund der durchgeführten
Investitionsmaßnahmen und entsprechend der Zinsentwicklung in der Gewinn- und Verlustrechnung um
20,1 Mio. EUR (Vj. rd. 92,8 Mio. EUR) auf 1.241,0 Mio. EUR (Vj. rd. 985,3 Mio. EUR) erhöht. Der
Zuschuss für die Betriebsführung und Inspektion/Wartung/Entstörung und Instandsetzung in Höhe von
1.182,5 Mio. EUR (Vj. rd. 1.516,4 Mio. EUR) wurde durch eine Verbesserung in der operativen
Geschäftsabwicklung sowie der günstigeren Zinsentwicklung in der Gewinn- und Verlustrechnung in
Summe um rd. 363,5 Mio. EUR (Vj: 531,1 Mio. EUR) reduziert. Der auf die gemäß IAS 23 aktivierten
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
38
Zinsen entfallende Zuschuss in Höhe von 104,2 Mio. EUR (Vj. 103,6 Mio. EUR) ist als Investitionszu-
schuss zu sehen und dient zur Abdeckung künftiger Aufwendungen, die in Form von Abschreibungen
anfallen. Der Ausweis im Jahresabschluss erfolgt als Reduktion des Zuschusses gem. § 42 (1) Bundes-
bahngesetz und wird als Kostenbeitrag dargestellt. Somit wurde für Betriebsführung sowie Inspektion,
Wartung, Entstörung und Instandsetzung ein Betrag in Höhe von 822,1 Mio. EUR (Vj. rd. 985,2 Mio.
EUR) ertragswirksam ausgewiesen. Die abgegrenzten Beträge im Zusammenhang mit den Zuschüssen
für Erweiterungs- und Reinvestitionen in Höhe von rd. 24,3 Mio. EUR (Vj. rd. 89,1 Mio. EUR) sowie im
Zusammenhang mit der Betriebsführung und Lehrlingsausbildung in Höhe von rd. 70,4 Mio. EUR (Vj.
rd. 206,1 Mio. EUR) werden unter den sonstigen Verbindlichkeiten ausgewiesen, der abgegrenzte Be-
trag aus der Instandhaltung in Höhe von 15,9 Mio. EUR (Vj. 6,4 Mio. EUR) in der passiven Rechnungs-
abgrenzung. Die Spitzabrechnung der Annuität des Brennerbasistunnels ergibt einen Tilgungsanteil für
die ÖBB-Infrastruktur AG in Höhe von 4,2 Mio. EUR (Vj. 3,7 Mio. EUR), welcher in der passiven Rech-
nungsabgrenzung ausgewiesen wird.
Die Entwicklung der Zuschüsse im Jahr 2022 stellt sich demnach wie folgt dar:
Gesamter Abgrenzungen und Ertragswirksam
Zuschuss Rückzahlungen 2022
§ 42 Abs. 1
Betriebsführung 751,8 -344,6 407,3
§ 42 Abs. 2 Inspektion/Wartung/Entstörung und Instandsetzung 430,7 -15,9 414,8
Summe Zuschuss des Bundes gem. §42 Abs.1 und §42 Abs. 2 BBG 1.182,5 -360,4 822,1
§ 42 Abs. 2 Erweiterungs- und Reinvestitionen 1.221,0 20,1 1.241,0
Summe Zuschuss des Bundes Schieneninfrastruktur §42 Abs. 2 BBG 1.221,0 20,1 1.241,0
Summe sonstiger betrieblicher Ertrag 2.403,5 -340,3 2.063,1
Im Berichtsjahr wurde im Dezember ein Betrag in Höhe von 582,5 Mio. EUR an den Bund zurückbezahlt.
Die Rückzahlung betrifft sowohl zum 31.12.2021 bereits bilanzierte Verbindlichkeiten als auch im Jahr
2022 erhaltene Bundeszuschüsse.
Vorjahr:
Gesamter Abgrenzungen und Ertragswirksam
Zuschuss Rückzahlungen 2021
§ 42 Abs. 1 Betriebsführung 913,1 -524,7 388,4
§ 42 Abs. 2 Inspektion/Wartung/Entstörung und Instandsetzung 603,3 -6,4 596,9
Summe Zuschuss des Bundes gem. §42 Abs.1 und §42 Abs. 2 BBG 1.516,4 -531,1 985,3
§ 42 Abs. 2 Erweiterungs- und Reinvestitionen 1.078,0 -92,8 985,2
Summe Zuschuss des Bundes Schieneninfrastruktur §42 Abs. 2 BBG 1.078,0 -92,8 985,2
Summe sonstiger betrieblicher Ertrag 2.594,4 -623,9 1.970,5
Die vom Bund übernommenen Haftungen für Verbindlichkeiten der Gesellschaft betragen insgesamt
zum 31.12.2022 8,8 Mrd. EUR (Vj. 10,3 Mrd. EUR).
Darüber hinaus werden von den Bundesländern und Gemeinden regelmäßig Kostenbeiträge im Zusam-
menhang mit Investitionsvorhaben an die Gesellschaft geleistet, welche sich im Berichtsjahr auf
53,1 Mio. EUR (Vj. 69,1 Mio. EUR) belaufen.
Personalstand
Anzahl Mitarbeiter: innen (nach Köpfen) Summe 31.12.2022 Summe 31.12.2021 Durchschnitt 2022 Durchschnitt 2021
Angestellte 4.980 4.519 4.768 4.379
Arbeiter 3.050 2.809 3.007 2.763
Mitarbeiter: innen mit Definitivstellung 6.827 7.575 7.184 7.923
Lehrlinge 1.498 1.523 1.349 1.374
Gesamt 16.355 16.426 16.308 16.438
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
39
Anzahl Mitarbeiter: innen FTE Summe 31.12.2022 Summe 31.12.2021 Durchschnitt 2022 Durchschnitt 2021
Angestellte 4.860 4.428 4.658 4.285
Arbeiter 3.041 2.802 2.999 2.756
Mitarbeiter: innen mit Definitivstellung 6.687 7.423 7.039 7.769
Lehrlinge 1.498 1.523 1.349 1.374
Gesamt 16.087 16.177 16.045 16.184
Aufwendungen für den Abschlussprüfer
Hinsichtlich der Aufwendungen für den Abschlussprüfer wird auf die Angaben im Jahresfinanzbericht
des Konzerns der ÖBB-Infrastruktur AG verwiesen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
40
Die Organe der ÖBB-Infrastruktur AG
Vorstandsmitglieder und –bezüge
Dipl.-Ing.
in
Judith Engel, MBA, MSc, MSc (Ressort Netzausbau und Infrastrukturbereitstellung)
ab 01.01.2022
Dipl.-Ing. Dr. Johann Pluy (Ressort Betrieb, Markt, Digitalisierung)
Mag.
a
Silvia Angelo (Ressort Finanzen, Services, Immobilien)
Der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG besteht an beiden Bilanzstichtagen aus drei Mitgliedern. Für die
gewährten Gesamtbezüge des Vorstands wurden für die in den Berichtsjahren aktiven Vorstände ge-
mäß § 266 Z 2 UGB rd. 1.115 TEUR (Vj: rd. 1.127 TEUR) aufgewendet, die auch variable Komponen-
ten und Sachbezüge enthalten. Gesetzliche Beiträge an die Mitarbeitervorsorgekasse wurden über rd.
15 TEUR (Vj: rd. 18 TEUR) geleistet. Die Urlaubsrückstellungen erhöhten sich um rd. 5 TEUR von
rd. 33 TEUR auf rd. 38 TEUR. Die Rückstellungen betreffend Zielvereinbarungen betragen zum
31.12.2022 rd. 407 TEUR (Vj: rd. 392 TEUR). Für ehemalige Vorstandsmitglieder fielen Pensionszah-
lungen in Höhe von rd. 45 TEUR (Vj: rd. 44 TEUR) an. Die Rückstellungen für Pensionen wurden um
rd. 331 TEUR verringert (Vj: rd. 98 TEUR erhöht).
Die Gesamtvergütung der Mitglieder des Vorstands setzt sich aus einer fixen und einer variablen Kom-
ponente zusammen. Die Höhe der jährlichen variablen Komponenten richtet sich nach der Erreichung
von Zielen, die zu Beginn des Geschäftsjahres mit dem Präsidium des Aufsichtsrats vereinbart werden.
Aufgrund der erschwerten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen infolge der Covid-19 Krise haben sich
die Vorstände bereiterklärt, einen freiwilligen Solidarbeitrag durch Verzicht auf ein Monatsgehalt zu leis-
ten.
In den Anstellungsverträgen der Topführungskräfte (Vorstände der Mutterunternehmen und Geschäfts-
führer von Gesellschaften in ähnlichen Ebenen) wurde eine leistungsorientierte Komponente vereinbart,
wodurch sich der Erfolg des Unternehmens maßgeblich auf die Entlohnung niederschlägt. Grundsätz-
lich erhalten die Top-Führungskräfte einen Lohnbestandteil von 2/3 als Fixum und einen Bestandteil von
1/3 als erfolgsabhängige Komponente. Zwecks Zieldefinition wird jährlich am Beginn des Geschäftsjah-
res individuell je Gesellschaft eine Score Card erstellt, in der klar vereinbarte, hauptsächlich quantitative
Zielgrößen festgelegt werden. Die Zielgrößen orientieren sich am Erfolg des ÖBB-Infrastruktur-Kon-
zerns. Die tatsächlich ausbezahlten variablen Lohnbestandteile sind in den oben genannten Bezügen
des Vorstands bereits eingerechnet.
Die Vorstände der ÖBB-Infrastruktur AG nehmen an einem beitragsorientierten außerbetrieblichen Pen-
sionskassenmodell teil, außer es handelt sich bei den Vorständen um Mitarbeiter:innen, die in einem für
die Zeit der Vorstandstätigkeit karenzierten definitiven ÖBB Dienstverhältnis nach den allgemeinen Ver-
tragsbedingungen für Dienstverhältnisse bei den Österreichischen Bundesbahnen (AVB) stehen. Im Zu-
sammenhang mit dieser Pensionskassenregelung wurden sämtliche per 31.12.2020 gebildeten Rück-
stellungen in Höhe von rd. 95 TEUR aufgelöst. Es erfolgte eine vertraglich vereinbarte Einzahlung als
Beitragszahlung zur Pensionskasse in Höhe von rd. 119 TEUR. Eine Pensionszusage seitens des Un-
ternehmens gibt es nicht.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Einzelabschluss | Anhang
41
Aufsichtsratsmitglieder und –bezüge
Dipl.-Ing. Herbert Kasser Vorsitzender
Mag. Arnold Schiefer 1. Stellvertreter des Vorsitzenden
Mag.
a
Iris Appiano-Kugler
2. Stellvertreterin des Vorsitzenden
DI
in
Claudia Nutz
Mag.
a
Waltraud Schmid
Mag. Georg Schöppl
Günter Blumthaler
bis 14.02.2023 Belegschaftsvertreter
Gerhard Siegl ab 14.02.2023 Belegschaftsvertreter
Karl Buchheit
Belegschaftsvertreter
Peter Dyduch Belegschaftsvertreter
Gemäß der Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG kann den Aufsichtsrats-
mitgliedern eine Vergütung zuerkannt werden. Die Vergütung für ein Aufsichtsratsmandat wurde zuletzt
in der Hauptversammlung 2019 neu geregelt.
Die Basisvergütung für ein Aufsichtsratsmandat beträgt 14 TEUR pro Jahr. Zusätzlich erhält das Auf-
sichtsratsmitglied für jede Sitzung eines Aufsichtsrats, des Präsidiums oder eines Ausschusses ein Sit-
zungsgeld in der Höhe von 800 EUR. Der bzw. die Vorsitzende eines Aufsichtsrats erhält die doppelte
Basisvergütung. Mitglieder des Aufsichtsrats, die Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer:innen, Beleg-
schaftsvertreter:innen oder Dienstnehmer:innen im ÖBB-Konzern sind, erhalten keine Aufsichtsratsver-
gütungen.
Die Aufsichtsratsvergütungen der Kapitalvertreter der Aufsichtsratsmitglieder für ihre Tätigkeit in der
ÖBB-Infrastruktur AG betrugen rd. 147,2 TEUR (Vj: rd. 148,0 TEUR).
Ereignisse nach dem Bilanzstichtag
Es bestanden keine wesentlichen berichtspflichtigen Entwicklungen über die berichtet werden muss.
Ergebnisverwendung
Es wird vorgeschlagen, den Bilanzgewinn 2022 in Höhe von 235.223.712,69 EUR auf neue Rechnung
vorzutragen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
TLP gelb (Adressatenkreis)
Lagebericht zum
Jahresabschluss der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
für das Geschäftsjahr
2022
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
TLP gelb (Adressatenkreis)
A.
Struktur ...................................................................................................................................................... 1
B.
Wirtschaftsbericht ...................................................................................................................................... 3
B.1.
Gesamtwirtschaftliches Umfeld und Trends .............................................................................................. 3
B.2.
Marktumfeld, Branchenentwicklung und Trends ........................................................................................ 9
B.3.
Wirtschaftliche Entwicklung ..................................................................................................................... 14
C.
Forschung und Entwicklung .................................................................................................................... 28
D.
Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns .............................................................................................. 31
E.
Konzernbeziehungen ............................................................................................................................... 40
F.
Chancen- und Risikobericht .................................................................................................................... 43
G.
Nichtfinanzielle Erklärung ........................................................................................................................ 51
H.
Anmerkung zum Lagebericht ................................................................................................................... 52
I.
Berechnung der Kennzahlen ................................................................................................................... 52
J.
Erklärung des Vorstandes ....................................................................................................................... 53
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
1
TLP gelb (Adressatenkreis)
L A G E B E R I C H T 2022
A. Struktur
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat einerseits die Nutzung und die Bereitstellung der österreichischen
Schieneninfrastruktur wirtschaftlich, effizient und für alle Eisenbahnverkehrsunternehmen diskriminie-
rungsfrei sicherzustellen. Andererseits errichtet der ÖBB-Infrastruktur-Konzern österreichische Schie-
neninfrastruktur im Auftrag der Republik Österreich. Die Finanzierung der Investitionen für den Schie-
neninfrastrukturausbau wird über den erwirtschafteten Cashflow, über Fremdkapital sowie Haftungen
und Zuschüsse des Bundes auf Basis mehrjähriger Rahmenpläne sichergestellt. Die Verwaltung, Ent-
wicklung und Verwertung der Immobilien des ÖBB-Konzerns werden durch die Tochtergesellschaft der
ÖBB-Infrastruktur AG, die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH wahrgenommen.
Die ÖBB-Infrastruktur AG betreibt ein zertifiziertes integriertes Managementsystem (IMS), welches die
Verbesserung in den Bereichen, Qualität, Umwelt- und Arbeitnehmer:innenschutz, betriebliche Sicher-
heit und Asset-Management unterstützt und überwacht. Das IMS umfasst die ÖBB-Infrastruktur AG inkl.
Tochtergesellschaften mit 100% Beteiligung.
Die Wirksamkeit des IMS wird laufend durch ein akkreditiertes Zertifizierungsunternehmen geprüft. Un-
ternehmensintern unterstützen interne Audits, die Ideenwerkstatt, die Normkonformität sowie eine kon-
tinuierliche Verbesserung sicherzustellen. Dabei wird dem üblichen Managementkreislauf „Plan – Do –
Check – Act“ Rechnung getragen.
Maßnahmen, Ziele und Wirksamkeit des integrierten Managementsystems werden laufend im Zuge der
implementierten Steuerungslogik (z. B. Plattform Qualität, Plattform Umwelt und Nachhaltigkeit, Sicher-
heitsmanagementsystem, Arbeitnehmer:innenschutz-Plattform) geprüft. Bei festgestellten Abweichun-
gen und Risiken werden über die entsprechenden Gremien korrigierende Maßnahmen gesetzt. Darüber
hinaus werden im Rahmen einer jährlichen „Managementbewertung“ dem Vorstand der ÖBB-Infrastruk-
tur AG wesentliche Ergebnisse und Schwerpunkte des IMS zur Kenntnis gebracht und dabei ggf. erfor-
derliche strategische Entscheidungen zur Weiterentwicklung beschlossen. So wurde z. B. das interne
Auditwesen um die Möglichkeit zur Durchführung von „Remote-Audits“ erweitert (Audits, die „online“ un-
ter Berücksichtigung der Vorgaben von Informationssicherheit und Datenschutz abgewickelt werden).
Die ÖBB-Infrastruktur AG und ihre Tochtergesellschaften sind gemäß den nachfolgend angeführten
Normen zertifiziert.
ÖNORM EN
ISO 9001:
2015
ÖNORM EN ISO
14001:
2015
ISO 45001:
2018
ISO 55001:
2014
SMS gem.
Eisen-
bahngesetz
/ VO (EU)
2018 / 762
SCC
ÖBB-Infrastruktur AG X
X
X
X
X
ÖBB
-
Immobilienmanagement GmbH
X
X
X
Rail Equipment GmbH & Co KG X
X
X
Mungos Sicher
&
Sauber
GmbH
&
Co
KG
X
X
X
X
Die Muttergesellschaft Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft (fortan ÖBB-Holding
AG) ist eine Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht. Der Sitz der Gesellschaft ist Am Haupt-
bahnhof 2, A-1100 Wien, und die Gesellschaft ist in dem beim Handelsgericht Wien geführten Firmen-
buch unter der FN 247642f eingetragen. Der Bund hält sämtliche Anteile der ÖBB-Holding AG, diese
hält sämtliche Anteile der ÖBB-Infrastruktur AG. Die ÖBB-Infrastruktur AG ist ebenfalls eine Aktienge-
sellschaft nach österreichischem Recht und ist beim Handelsgericht Wien mit der Firmenbuchnummer
FN 71396w registriert. Der Sitz der Gesellschaft ist Praterstern 3, A-1020 Wien.
Die ÖBB-Infrastruktur AG stellt nicht nur die österreichische Schieneninfrastruktur zur Verfügung, son-
dern ist auch Arbeitgeber für insgesamt 16.355 MitarbeiterInnen. Die ÖBB-Infrastruktur AG arbeitet mit
Partnern in den folgenden Bereichen zusammen:
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
2
TLP gelb (Adressatenkreis)
– Bau
– Transport
– Technische Betriebsmittel
– Informationstechnologie und Telekommunikation
– Facility-Management
– Büromaterial
– Entsorgung etc.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
3
TLP gelb (Adressatenkreis)
B. Wirtschaftsbericht
B.1. Gesamtwirtschaftliches Umfeld und Trends
Globale Wirtschaftsentwicklung
Die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2022 stand ganz im Zeichen der Auswirkungen des Ukrainek-
rieges und der Energiekrise mit dramatischen Folgen für Einkommens- und Lebensbedingungen in vie-
len Staaten.
So wird für die Weltwirtschaft insgesamt mit einem stabilen BIP-Wachstum im Jahr 2022 von 3,4%
gerechnet. Für 2023 wird aktuell ein Zuwachs um 2,9% prognostiziert. Damit liegen die Wachstumsraten
deutlich unter dem Durchschnitt des letzten Jahrzehnts vor Ausbruch der Coronapandemie.
1
Wirtschaftsentwicklung weltweit (Änderungen gegenüber dem Vorjahr in %)
Kennzahlen und Prognosen zur globalen Wirtschaftslage
2020
2021
2022
2023
Bruttoinlandsprodukt, real
Eurozone
-
6,1
5,3
3,2
0,3
USA -3,4
5,9
2,0
1,4
China
2,2
8,4
3,0
5,2
Welt
-
3,0
6,2
3,4
2,9
Welthandel (Güter und Dienstleistungen), real
-7,8
10,4
5,4
2,4
Wertschöpfung Industrieproduktion, real
-
4,7
6,6
2,3
1,0
Verbraucherpreise
Industrieländer 0,7
3,1
7,3
4,6
Entwicklungs- /
Schwellenländer
5,1
5,9
9,9
8,1
Rohölpreis (in USD)
-
31,7
65,8
39,8
-
16,2
Rohstoffpreis (in USD)
6,5
26,4
7,0
-6,3
Quelle: IWF, Europäische Kommission, Oxford Economics.
Bereits vor Ausbruch des Krieges hatte die globale Konjunkturentwicklung nach dem rasanten Auf-
schwung im Jahr 2021 an Fahrt verloren. Verantwortlich dafür war zum einen das schwache Wachstum
Chinas, verursacht durch die weiterhin äußerst rigide Null-COVID-19-Politik. Sie führte zu negativen
Folgen für die chinesische Binnennachfrage, die sich auch in einem deutlichen Rückgang des Import-
wachstums bemerkbar machten. Des Weiteren kam es aufgrund der zeitweiligen COVID-19-bedingten
Hafenschließungen und dem Ausfall von Produktionsanlagen weiterhin zu Störungen der globalen Lie-
ferketten.
2
Zum anderen rutschte die US-Wirtschaft zu Jahresbeginn in eine technische Rezession, mit negativen
Wachstumsraten in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen.
3
Diese Entwicklung war die Folge des liefer-
kettenbedingten Angebotsschocks, eines akuten Arbeitskräftemangels und hoher Inflationsraten auf der
einen Seite sowie der entsprechend drastischen Zinswende der US-Notenbank Fed auf der anderen
Seite. So wurden als Reaktion auf die galoppierende Kerninflation die Leitzinsen im Jahresverlauf
schrittweise von 0,25% im Jänner 2022 auf 4,5% bis Dezember 2022 angehoben.
4
Auch die Energie- und Rohstoffpreise hatten bereits zu Beginn des Jahres 2022 neue Höchststände
erreicht. Diese Preisentwicklung wurde durch die unerwartet starke Nachfragerholung nach den COVID-
19-bedingten Einschränkungen in vielen Staaten verursacht. Mit Kriegsbeginn Ende Februar 2022 hat
sich diese Situation weiter verschärft. So lag der Ölpreis (Brent) im Jahresmittel um 42% über dem Wert
des Vorjahres. Im Juni wurde sogar ein 10-Jahres-Höchststand von knapp 120 USD je Barrel erreicht.
Auch Kupfer und andere Rohstoffpreise erreichten neue Allzeithöchststände. Besonders dramatisch war
der Anstieg des Gaspreises. Im Schnitt lag der weltweite Gaspreis-Index im Gesamtjahr 2022 trotz deut-
licher Entspannung zu Jahresende um 115% über dem Niveau des Vorjahres.
5
1
IWF.
2
Trading Economics, DVZ.
3
BEA, IWF.
4
OeNB, Orf.at.
5
Weltbank.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
4
TLP gelb (Adressatenkreis)
Diese Entwicklung schlägt sich auch in den Inflationsraten nieder. Dramatisch ist insbesondere die Ent-
wicklung der sogenannten Kerninflation, ohne Lebensmittel- und Energiepreise, die im globalen Jahres-
schnitt 6,6% erreichte. Vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer sind von dieser Entwicklung ge-
troffen, wodurch globale Ungleichgewichte weiter verschärft wurden.
6
Zwar ließ sich ab der zweiten
Jahreshälfte im Bereich der globalen Lieferketten eine deutliche Entspannung beobachten, was sich in
niedrigeren Frachtraten für Rohstoffe und Container niederschlug. Dies war jedoch in erster Linie der
sich bereits abzeichnenden Konjunkturabkühlung geschuldet.
7
Entwicklung von Transportpreisen und Börsenindizes
Preisentwicklung für Rohstoff- und Containertransporte
DAX und Dow Jones (Indexpunkte in Tsd.)
Baltic Dry und HARPEX Index
(Indexpunkte)
Quelle: Refinitiv. Quelle: Finanz.net
Die Finanzmärkte zeigten sich von diesen Entwicklungen weitgehend unberührt. So blieben trotz der
zum Teil deutlichen Zinsschritte der Notenbanken die Realzinsen angesichts der hohen Inflationsraten
weiterhin negativ. Zwar war die Entwicklung des Dax- wie auch des Dow-Jones-Index seit Ausbruch des
Ukrainekrieges leicht rückläufig, ein Einbruch wie zu Beginn der COVID-19-Pandemie erfolgte jedoch
nicht. Im 4. Quartal 2022 war sogar bereits wieder eine deutliche Erholung zu verzeichnen.
Gleichzeitig führen die expansiven fiskalischen Maßnahmen rund um die COVID-19-Hilfsprogramme
und die Maßnahmen zur Abfederung der Energiepreissteigerungen in vielen Staaten zu erhöhter Unsi-
cherheit in Bezug auf die Stabilität der öffentlichen Haushalte. Diese schlagen sich entsprechend in den
Renditen von Staatsanleihen insbesondere Südamerika sowie Süd- und Osteuropa nieder.
8
Angesichts der multiplen Krisen sind die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung enorm. Die ange-
spannte Situation bei Energiepreisen und Inflation dürfte jedenfalls bis ins Jahr 2023 aufrechtbleiben,
wenngleich zum Zeitpunkt der Berichtslegung davon ausgegangen wird, dass der Peak der Preisstei-
gerungen überschritten ist. Die Periode moderaten Wirtschaftswachstums des vergangenen Jahrzehnts
mit Niedrigzinsen und -inflationsraten gemeinsam mit einer relativ hohen wirtschaftlichen und geopoliti-
schen Sicherheit scheint jedenfalls vorbei zu sein. Beunruhigend ist vor allem die steigende Ungleichheit
sowohl innerhalb von Volkswirtschaften wie auch zwischen den Staaten. Einmal mehr ist die Rolle Chi-
nas als globaler Unsicherheitsfaktor hervorzuheben. Das Land strebt zwar nach außen hin zunehmend
eine hegemoniale Rolle an, ist aber zugleich wirtschaftlich wie gesellschaftlich mit einer Reihe von Her-
ausforderungen konfrontiert, die es zu lösen gilt – von der Überalterung der Gesellschaft bis hin zu einer
drohenden Immobilien- und Wohlstandskrise.
6
IWF.
7
Fed.
8
IWF.
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
1 2 3 4 5 6 7 8 9 101112 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 1112
2021 2022
Baltic Dry
HARPEX
85
95
105
115
125
135
145
85
95
105
115
125
135
145
1 2 3 4 5 6 7 8 9 101112 1 2 3 4 5 6 7 8 9 101112
2021 2022
DAX Index
Dow Jones Index
Dow Jones (linke Achse)
DAX (rechte Achse)
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
5
TLP gelb (Adressatenkreis)
Europäische Wirtschaftsentwicklung
Europas Wirtschaft ist im Jahr 2022 noch vergleichsweise stark gewachsen. EU-weit lag das BIP um
3,3% über dem Vorjahreswert, in der Eurozone wurde ein Plus von 3,2% verzeichnet. Verantwortlich
dafür war der anhaltend starke Aufschwung im ersten Halbjahr. So betrug das BIP-Wachstum in der EU
in den ersten beiden Quartalen 2022 5,6% bzw. 4,3% im Vorjahrsvergleich, in der Eurozone waren es
5,5% bzw. 4,2%.
9
Einmal mehr gingen die entscheidenden Wachstumsimpulse vom Privatkonsum und dem Dienstleis-
tungssektor aus. Das Wachstum steht immer noch in Zusammenhang mit den Aufholeffekten infolge
der coronabedingten Einschränkungen des Wirtschaftslebens, die in vielen Staaten bis ins Jahr 2022
hineinwirkten. Auch die Industrieentwicklung konnte in der ersten Jahreshälfte noch vom allgemeinen
Aufschwung profitieren – trotz Ausbruch des Ukrainekrieges am 24.02.2022. Zur Jahresmitte hin be-
gannen sich die Vorzeichen unter dem Eindruck der Kriegsfolgen und der schwächelnden US-Konjunk-
tur jedoch auch hier einzutrüben. Im August sank der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone erstmals
seit Pandemieausbruch unter die 50-Punkte-Marke.
10
Zudem war und ist die europäische Wirtschaft von den Verwerfungen auf den Energiemärkten aufgrund
der großen Abhängigkeit von russischem Erdgas besonders betroffen. Die Verknappung des Gasange-
botes durch Russland in Verbindung mit dem Bestreben europäischer Staaten ihre Speicher zu füllen,
entwickelte eine spezielle Dynamik. Sie hat dazu geführt, dass der Preis für Erdgas in Europa im Ver-
gleich zum Vorjahresschnitt im Jahresmittel 2022 um knapp 150% gestiegen ist. Im Vergleich zum Jahr
2020 hat er sich sogar fast verzwölffacht. Verschärft wurde die Situation noch durch eine anhaltende
Hitzewelle und Dürre während des Sommers, die insbesondere die Stromversorgung aber auch die
Landwirtschaft in Zentral- und Südeuropa stark in Mitleidenschaft gezogen hat.
11
Die hohen Energiekosten führten sowohl direkt als auch indirekt über die Weitergabe im Wege der Er-
zeugerpreise zu einem massiven Anstieg der Verbraucherpreise. EU-weit lag die Jahresinflationsrate
bei 9,3%, in der Eurozone nur knapp darunter bei 8,5%.
12
Insbesondere in energieintensiven Industriebereichen wie der Stahl, Papier- oder Düngemittelerzeu-
gung führten die hohen Energiekosten in ganz Europa bereits vereinzelt zu Produktionskürzungen bzw.
Werkschließungen.
13
In anderen Bereichen wie der Automobil- und Maschinenbauindustrie hingegen
sorgten die vollen Auftragsbücher noch für längere Zeit für positive Entwicklungen. Im 4. Quartal 2022
drehte aber auch die gesamteuropäische Industriekonjunktur endgültig ins Minus.
14
Äußerst heterogen verläuft auch die Konjunkturentwicklung im Vergleich der europäischen Staaten des
RCG-Raumes. Während in Österreich und den meisten Staaten Osteuropas 2022 noch deutlich über-
durchschnittliche Wachstumsraten verzeichnet werden konnten, blieb die Konjunktur in Deutschland ein
weiteres Jahr in Folge deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Für das Jahr 2023 wird hier mit
einer Stagnation gerechnet.
15
Damit schließt Deutschland an die schwächelnde Vorkrisenentwicklung
an – die Industrie befand sich 2019 sogar in einer Rezession, die nur durch den Aufholprozess der Post-
COVID-19-Phase überlagert wurde. Der Industrieanteil an der Wertschöpfung sinkt seit Jahren kontinu-
ierlich.
16
Für 2023 stehen die Zeichen für die gesamteuropäische Wirtschaftsentwicklung auf Stagnation, wobei
hier vor allem die wirtschaftliche Entwicklung in Staaten mit höherem Industrieanteil dämpfend wirkt.
Trotz des Auslaufens von COVID-19-Hilfsprogrammen auf nationaler Ebene bleibt die finanzielle Situa-
tion der öffentlichen Haushalte in Europa angespannt. Zahlreiche Staaten setzen umfangreiche Maß-
nahmen zum Ausgleich der Teuerung, allen voran der hohen Energiekosten. Entsprechend dürften die
Budgetdefizite in den meisten Staaten der Eurozone sowohl 2022 als auch 2023 deutlich über dem
9
Eurostat.
10
Trading Economics.
11
Weltbank.
12
Europäische Kommission.
13
Handelsblatt, Kleine Zeitung, Kurier.
14
Oxford Economics.
15
IWF.
16
Handelsblatt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
6
TLP gelb (Adressatenkreis)
Maastricht-Ziel liegen. Die Schuldenlast der Eurostaaten im Verhältnis zum BIP liegt 2022 im Schnitt bei
93%, für 2023 wird ein ähnlich hoher Wert erwartet.
17
Gleichzeitig hat sich mit der stufenweisen Erhöhung des Leitzinses auf 2,5% bis Jahresende nach der
langen Nullzinsperiode nun auch das Finanzierungsumfeld für die Staaten verändert. Zwar sind die
Realzinsen weiterhin negativ. Angesichts der deutlich über dem 2%-Ziel liegenden Inflationserwartun-
gen in der mittleren Zukunft sind weitere Zinsschritte der EZB wahrscheinlich. Zudem hat die EZB mit
dem Ausstieg aus dem sogenannten Quantitative Easing, d. h. dem Ankauf von Staatsanleihen zur Aus-
weitung der Geldmenge, begonnen.
18
Österreichische Wirtschaftsentwicklung
Österreichs Wirtschaft hat sich im Jahr 2022 angesichts des schwierigen Umfeldes überraschend gut
entwickelt. Der Ausbruch des Ukrainekrieges traf die österreichische Konjunktur in einer Phase des
Aufschwungs. So konnten im ersten und im zweiten Quartal 2022 noch deutlich überdurchschnittliche
BIP-Wachstumsraten von rd. 10% bzw. 6% im Vergleich zum Vorjahresquartal erzielt werden. Getragen
wurde diese Entwicklung einmal mehr durch den aufholenden Privatkonsum im Nachgang der Lock-
downs, sowie durch Nettoexporte. Hingegen schrumpfte die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen
bereits.
19
Kennzahlen und Prognosen zur Wirtschaftslage in Österreich
Größe Einheit 2020
2021
2022
2023
Bruttoinlandsprodukt, real
Veränderung in %
-6,5
4,6
4,7
0,3
Industrieproduktion -5,5
9,9
7,0
-2,1
Warenexporte -7,3
12,9
6,0
-0,1
Warenimporte -6,2
14,2
3,1
0,1
Bruttoanlageinvestitionen, real -5,3
8,7
-1,0
0,
Private Konsumausgaben, real -8,0
3,6
3,8
1,3
Inflationsrate (Verbraucherpreise) 1,4
2,8
8,6
6,5
Maastricht-Defizit in % des BIP -8,0
-5,9
-3,3
-2,0
Arbeitslosenquote in % der Erwerbspersonen 9,9
8,0
6,3
6,5
Quelle: Statistik Austria, WIFO, Oxford Economics.
Zwar erwies sich die österreichische Industrie insbesondere im Vergleich zu Deutschland und Italien
noch vergleichsweise resilient, wenngleich es auch in Österreich zu einzelnen Produktionsstilllegungen
im Bereich der Papierindustrie aufgrund der drastischen Energiekostensteigerungen kam.
20
Die Wachs-
tumsraten der Industrieproduktion in den ersten drei Quartalen 2022, insbesondere im ersten und zwei-
ten Quartal, waren nach einem bereits starken Jahr 2021 erneut überdurchschnittlich. Gleichzeitig war
die verhaltene Investitionslaune bereits ein Vorbote der sich bereits abkühlenden Konjunkturerwartun-
gen. Über den Sommer drehten die Erwartungsindizes in der heimischen Sachgütererzeugung dann
endgültig ins Negative.
21
Mit der prognostizierten Stagnation der Gesamtwirtschaft beim wichtigsten
Handelspartner Deutschland wird für Jahr 2023 mit einer Abschwächung der österreichischen Indust-
riekonjunktur gerechnet.
17
IHS.
18
Handelsblatt.
19
OeNB.
20
Industriemagazin, Orf.at.
21
WIFO.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
7
TLP gelb (Adressatenkreis)
Entwicklung der Industrieproduktion (ohne Bauwirtschaft) in Österreich (Produktionsindex, arbeitstätig berei-
nigt, Änderung gegenüber dem Vorjahresquartal in %)
Quelle: Statistik Austria.
Der massive Anstieg der Energiekosten sorgte im Jahr 2022 auch für neue Rekorde bei den Inflations-
raten. Dieser war vor allem durch die hohe Abhängigkeit von russischem Erdgas sowohl in der Strom-
erzeugung wie auch beim Heizen bedingt. Die zur Jahresmitte 2022 einsetzende Abschwächung des
EUR-Wechselkurses gegenüber dem USD wirkte zusätzlich preistreibend auf die Importe, da vor allem
Energieprodukte und Rohstoffe vornehmlich in USD notieren. So wurde im September 2022 ein Preis-
anstieg von über 10% im Vergleich zur Vorjahresperiode verzeichnet – erstmals wieder seit der Ölkrise
in den 1970er-Jahren.
22
Die Jahresinflationsrate 2022 lag bei 8,6%. Zwar wird für das Jahr 2023 mit
einem Rückgang der Preissteigerungen gerechnet. Die verzögerte Weitergabe der Kostensteigerungen
in vielen Bereichen wird aber auch 2023 für deutlich überdurchschnittliche Steigerungen der Verbrau-
cherpreise sorgen.
23
Gesamtwirtschaftlich stehen die Zeichen daher im Jahr 2023 mit einem Wirtschaftswachstum nahe 0%
und weiterhin hoher Inflation auf Stagflation. Positive Wachstumsbeiträge werden erneut vor allem vom
Privatkonsum erwartet. Begünstigt wird diese Entwicklung vor allem von den überdurchschnittlichen
Lohnabschlüssen in vielen Branchen im Herbst 2022. Sie dürften trotz weiterhin hoher Inflation im
Schnitt einen Reallohnzuwachs für 2023 erlauben. Überraschend positiv bleibt auch die Entwicklung
auf dem heimischen Arbeitsmarkt. So lag die Arbeitslosenquote 2022 mit 6,3% unter dem Niveau der
Jahre 2018 und 2019. Für 2023 wird nur ein leichter Anstieg auf 6,5% erwartet. Angesichts des akuten
Fachkräftemangels neigen viele Unternehmen dazu, Beschäftigte trotz des aktuell schwierigen Umfel-
des vorerst einmal zu halten. Hingegen ist der leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zu 2022
vor allem dem erwarteten Zuzug ausländischer Arbeitskräfte geschuldet.
24
Fiskalisch bedeutet das Auslaufen der Coronahilfen eine Entlastung des öffentlichen Haushalts. Expan-
sive fiskalpolitische Maßnahmen zum Teuerungsausgleich wie Einmalzahlungen sowie die Abschaffung
der kalten Progression schlugen im Jahr 2022 mit rd. 5,2 Mrd. EUR an Sonderaufwänden zu Buche.
Diese führten somit zu einer leichten Verzögerung in der Rückführung des Budgetdefizits.
25
2022 lag
dieses bei -3,3% im Vergleich zu -5,9% im Jahr davor. Gleichzeitig wirken die hohe Inflation und das
Niedrigzinsumfeld weiterhin dämpfend auf die Staatschuldenquote und das Budgetdefizit. Letzteres
dürfte jedenfalls bereits im Jahr 2023 wieder unter die Maastricht-Obergrenze von 3% des BIP fallen.
22
Statistik Austria.
23
WIFO.
24
WIFO.
25
BMF.
-3,6%
-14,7%
-2,8%
-0,5%
1,1%
19,4%
4,8%
5,9%
12,2%
10,6%
6,2%
-20%
-15%
-10%
-5%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
1. Q 2. Q 3. Q 4. Q 1. Q 2. Q 3. Q 4. Q 1. Q 2. Q 3. Q
2020 2021 2022
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
8
TLP gelb (Adressatenkreis)
Kapitalmärkte und Staatshaushalt
Seit 2016 werden die erforderlichen Finanzmittel für die Infrastrukturinvestitionen der ÖBB-Infrastruk-
tur AG durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) am Kapitalmarkt aufgenom-
men. Die Finanzierungskosten sind daher durch das Zinsniveau von Bundesanleihen bestimmt. Nach
zweijähriger Negativperiode drehten die Emissionsrenditen für Bundesanleihen im Periodendurch-
schnitt 2022 bei einer durchschnittlichen Laufzeit von rd. 14 Jahren wieder ins Plus. Damit erreichten
sie einen auch im Vergleich zum Vorkrisenniveau beachtlichen Wert von 1,29%. Ebenso in der monat-
lichen Betrachtung wiesen die Emissionsrenditen unabhängig von der Laufzeit im gesamten Jahr 2022
positive Werte auf. Auch der Durchschnitt der Renditen aller aktuell im Umlauf befindlichen österreichi-
schen Bundesanleihen liegt nach drei Jahren negativer Entwicklungen nun mit einem Wert 1,279% im
Jahr 2022 erstmals wieder deutlich im positiven Bereich.
26
Das bedeutet, dass Anleger:innen angesichts
massiver öffentlicher Ausgaben und dem Anstieg der Verschuldung mittlerweile wieder einen Risikoauf-
schlag verlangen. Auch die abrupte Abkehr der EZB von ihrer Nullzinspolitik geht angesichts der dra-
matischen Inflationsentwicklung nicht spurlos am europäischen Anleihenmarkt vorüber. Im Verlauf des
Jahres 2023 ist mit einem Aufwärtstrend bei den Emissionsrenditen zu rechnen.
27
Die Bonität Öster-
reichs bleibt weiterhin hoch, der Ausblick aller maßgeblichen Ratingagenturen steht auf stabil.
28
26
OeNB.
27
Kurier, Tagesspiegel.
28
OeBFA.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
9
TLP gelb (Adressatenkreis)
B.2. Marktumfeld, Branchenentwicklung und Trends
Politische und regulatorische Rahmenbedingungen
Die gesellschaftlichen sowie politischen Rahmenbedingungen wurden laufend analysiert. Auf Basis die-
ser Analysen formulieren sie Positionspapiere, Stellungnahmen und Änderungsanträge für relevante
Gesetzgebungsinitiativen in Österreich sowie in Brüssel und bereiten Informationen für Entscheidungs-
träger:innen auf. Um die Qualität und Relevanz dieser Informationen zu gewährleisten, arbeiten die
Mitarbeiter:innen dabei eng mit ÖBB Expert:innen und externen Stakeholder:innen zusammen.
Im abgelaufenen Jahr waren sowohl die politische als auch die mediale Debatte in Österreich und in
Europa von Krisen geprägt – von COVID-19 über den Krieg in der Ukraine und die damit verbundene
Energiepreiskrise und hohe Inflation bis zur Klimakrise. Die wirtschaftliche Abfederung der Krisenfolgen
sowie die Mitgestaltung der Rahmenbedingungen für eine klimafreundliche Verkehrswende standen all-
gemein im politischen Fokus wie auch im Zentrum der Arbeit der damit betrauten ÖBB Mitarbeiter:innen.
Die Folgen der Pandemie für den ÖBB-Konzern waren 2022 noch deutlich spürbar – trotz des Anstiegs
der Fahrgäst:innenzahlen, insbesondere im Fernverkehr ab Mai 2022 sowie dem Anstieg der Güter-
mengen vor allem im ersten Halbjahr 2022. Dementsprechend engagierte sich der ÖBB-Konzern – in
erster Linie im Dialog mit der österreichischen und europäischen Politik – für die Abfederung der Sys-
temkosten. Gelungen ist dies u. a. durch die bis Jahresende 2022 verlängerte, befristete Aussetzung
des Wegeentgeltes. Die Grundlage dafür bildete die EU-Verordnung 2020 / 1429 auf Basis des EU-
COVID Krisenrahmens.
Österreichisches Beihilfemodell für den Schienengüterverkehr erneuert und notifiziert
Mit der Stabilisierung der Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs gegenüber dem Straßen-
transport per Lkw wurde ein wichtiger Meilenstein gesetzt. Diese wurde durch die Überarbeitung und
neuerliche Notifizierung des bestehenden österreichischen Beihilfemodells erreicht. Das heimische För-
dermodell trägt bereits seit Jahren wesentlich dazu bei, dass die steuerlichen und verkehrspolitischen
Nachteile der Schiene gegenüber der Straße zumindest teilweise ausgeglichen werden. Dadurch liegt
der Modal Split Anteil des Schienengüterverkehrs in Österreich mit rd. 29% am Gesamtgüterverkehrs-
aufkommen deutlich über den durchschnittlich 18% im EU-Raum.
Da der bisherige, EU-notifizierte Beihilferahmen Ende 2022 ausgelaufen ist, wurde seitens des ÖBB-
Konzerns ein Schwerpunkt auf die Mitarbeit an der Verlängerung und Überarbeitung des Beihilfemodells
für die nächste Periode gelegt, die von 2023 bis 2027 laufen wird. Im Zuge der Anpassung wurde auch
der maximale Förderrahmen für Schienengüterverkehr – speziell im sensiblen Alpenbereich – erhöht.
Gleichzeitig wurde das bisherige Modell um ein Trassenpreisförderungsmodell ergänzt, das für den
„Einzelwagenverkehr“ (EWV), den „Unbegleiteten Kombinierten Verkehr“ (UKV) und die „Rollende
Landstraße“ (RoLa) zum Tragen kommt. Für die Beihilfe sind im Bundeshaushalt 2023 Mittel in der
Höhe von rd. 173,0 Mio. EUR vorgesehen. Sie steht allen in Österreich agierenden Schienengüterver-
kehrsunternehmen zur Verfügung. 2021 wurden damit knapp 60% der gesamten heimischen Schienen-
güterverkehrsleistungen unterstützt.
Dieses erfolgreiche österreichische Beihilfemodell gilt international als Benchmark. Der ÖBB-Konzern
hat sich die Weiterverbreitung dieses Fördermodells zum Ziel gesetzt, um die Rahmenbedingungen für
den stark international ausgerichteten Schienengüterverkehr europaweit zu verbessern. Mittlerweile
wird dieses Modell in zahlreichen europäischen Staaten in gleicher oder ähnlicher Weise implementiert,
darunter Deutschland, Frankreich, Ungarn, Kroatien, Slowenien und die Slowakei.
Ukrainekrieg: Hilfe für Vertriebene und Stabilisierung der Warenströme
Das Jahr 2022 hat eine Aussage in trauriger Weise bestätigt: Nach der Krise ist vor der Krise. Auf das
vehemente Gegensteuern gegen die wirtschaftlichen Folgewirkungen der Pandemie für den ÖBB-Kon-
zern folgte mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24.02.2022 die größte Herausforderung seit
dem Zweiten Weltkrieg, sowohl für die europäische Wirtschaft als auch für das gesamte europäische
Bahnsystem.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
10
TLP gelb (Adressatenkreis)
Der ÖBB-Konzern war als Teil des Krisenmanagements stark engagiert. Das betrifft die Bewältigung
des Zustroms an Vertriebenen aus der Ukraine sowie die Stabilisierung der Internationalen Transport-
ketten. Das Engagement erfolgte insbesondere auf internationaler Ebene im Rahmen der Vorsitzfüh-
rung bei der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen (CER).
Im Bereich des Personenverkehrs ging es dabei ab dem ersten Tag des Krieges vor allem darum, flüch-
tende Frauen und Kinder in Sicherheit zu bringen. Im Laufe des Jahres 2022 wurden insgesamt knapp
500.000 sogenannte „Not-Tickets“ ausgestellt, die es Vertriebenen aus der Ukraine ermöglichten, mit
ÖBB Zügen an ein sicheres Ziel zu gelangen. Tausende Vertriebene wurden in ÖBB Bahnhöfen, allen
voran am Hauptbahnhof Wien, vorübergehend betreut und mit Essen und Schlafgelegenheit versorgt.
Dank der guten Zusammenarbeit mit den betroffenen Behörden und zahlreichen Hilfsorganisationen –
genannt seien hier vor allem die Caritas und die Volkshilfe – konnte rasche und effiziente Hilfe für Tau-
sende Vertriebene reibungslos organisiert werden. Eine exemplarische Einzelmaßnahme soll hier noch
genannt sein. Dem ÖBB-Konzern ist es auf Ersuchen des österreichischen Sportministeriums gemein-
sam mit der polnischen Bahn PKP gelungen alle 82 Schüler:innen der Sportschule Saporischnya nach
Wien zur evakuieren und sicher in Salzburg unterzubringen.
Im Bereich des Güterverkehrs ging es seit Kriegsbeginn vor allem darum, die notwendigen Rohstofflie-
ferungen für die heimische Wirtschaft, in erster Linie Erz und Öl, ebenso wie internationale Getrei-
detransporte sicherzustellen. Diese Rohstofftransporte erfolgten über Ungarn nach Österreich. Sie
konnten im Rahmen der EU Initiative „Solidarity Lanes“ und durch umfassendes Engagement der ÖBB
Tochtergesellschaft Rail Cargo Hungaria abgesichert werden. Im Fokus standen auch die in Afrika drin-
gend benötigten Getreidetransporte aus der Ukraine. Um diese erfolgreich abwickeln zu können, hat
die Rail Cargo Group- – im Zusammenspiel mit anderen Unternehmen – die sogenannte „Grain-
Lane“ geschaffen. Dabei handelt es sich um einen Online-Marktplatz für ukrainische Landwirt:innen,
Händler:innen, Logistikanbieter und Verbraucher:innen. Dank dieser Maßnahmen sowie aufgrund der
Priorisierung von Getreidetransporten seit Kriegsausbruch transportiert die RCG seit 01.03.2022 mo-
natlich rd. 150.000 t Getreide aus der Ukraine an ihren jeweiligen Bestimmungsort – nach Italien,
Deutschland, Österreich, der Slowakei und Slowenien wobei der Großteil davon zum Weitertransport
nach Afrika bestimmt ist.
Seit Ausbruch des Krieges sorgte der ÖBB-Konzern aber natürlich auch für Transporte von Gütern des
täglichen Bedarfs. Dabei handelte es sich um Lieferungen von Hilfsgütern ebenso wie von dringend
benötigter Sicherheitsausrüstung für die Eisenbahner:innen der ukrainischen Bahn Ukrzalisznytsia
(UZ).
Steigende Energiepreise als große Herausforderung für Bahnunternehmen
Zentrales Thema des Jahres 2022 waren die steigenden Energiepreise. Neben der gesellschaftspoliti-
schen Relevanz haben sie auch massive wirtschaftliche Auswirkung auf den gesamten ÖBB-Konzern.
Durch vorausschauendes Agieren konnten die Auswirkungen der enorm gestiegenen Energiepreise im
abgelaufenen Jahr noch im Rahmen gehalten werden. Gleichzeitig galt – und gilt – es aber, die Voraus-
setzungen sowohl für eine Abfederung der dadurch entstehenden Zusatzkosten für die Folgejahre zu
schaffen als auch die stabile Versorgung der Bahnunternehmen mit Strom sicherzustellen.
Auch in Österreich wurden mit dem Unternehmens-Energiekostenzuschussausgleichsgesetz 2022 so-
wie mit dem Strompreiskostenausgleichsgesetz auf Basis des EU-Krisenhilfenrahmens Unterstützungs-
maßnahmen gesetzt. Diese sind jedoch für den Bahnsektor weitestgehend nicht nutzbar. Allerdings ist
der Bahnsektor als besonders energieintensiver Bereich von der Explosion der Strompreise europaweit
massiv betroffen. So wurde im 2. Halbjahr 2022 seitens der CER unter Vorsitz von ÖBB CEO Matthä
eine umfassende Informations- und Lobbying-Initiative gestartet. Das Ziel war es, die europarechtlichen
Grundlagen für Krisenhilfe an Bahnunternehmen zu erwirken.
Zugleich galt es im Zuge der aktuellen Energiekrise möglicher Energieknappheit entgegenzuwirken und
die Abhängigkeit des Bahnsystems vom öffentlichen Strommarkt zu reduzieren. Dafür beschleunigte
und erweiterte der ÖBB-Konzern im abgelaufenen Jahr ihr Ausbauprogramm für die Produktion erneu-
erbarer Energie massiv. Bis 2030 sollen rd. 1,0 Mrd. EUR in den Ausbau der Strom-Eigenproduktion
investiert werden. So soll der Anteil der Bahnstrom-Eigenversorgung für die Bahnunternehmen im ÖBB
Netz auf bis zu 60% erhöht werden. Der ÖBB-Konzern arbeitet aktuell intensiv an der notwendigen
Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen mit, um die Beschleunigung der Umsetzung von Energie-
projekten voranzutreiben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
11
TLP gelb (Adressatenkreis)
Klimaschutz, der Dauerbrenner unter den Krisen
Eines der Kernthemen des letzten Jahres war – wenngleich medial von den zahlreichen anderen aktu-
ellen Krisen überdeckt – erneut der Klimawandel sowie seine Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft.
Eine entscheidende Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel kommt dabei dem Verkehrssektor
zu, dessen CO
2
-Ausstoß im Gegensatz zur Industrie 2022 weiter angestiegen ist. Als Österreichs größ-
tes Klimaschutzunternehmen übernimmt der ÖBB-Konzern Verantwortung für die angestrebte Verkehrs-
wende, u. a. mit einem klaren Dekarbonisierungspfad sowie einer öffentlichen Bewusstseinsbildung und
durch Kooperationen mit Umweltorganisationen.
Um dieser zentralen Aufgabe auch gerecht werden zu können, wurde auch im abgelaufenen Jahr wieder
ein Schwerpunkt für faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Schiene und Straße und Kostenwahrheit
gesetzt (Stichwort: Einbeziehung von Umwelt-, Sozial und Sicherheitskosten). Es war und ist Aufgabe
und erklärtes Ziel des ÖBB-Konzern, die Positionen des ÖBB-Konzerns bei allen konkreten klima-
schutzrelevanten Gesetzesvorhaben in Österreich und auf EU- Ebene einzubringen. Dies ist beispiels-
weise bei der Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes (AWG) gelungen. Zwar wurde diese bereits Ende
2021 vom Parlament beschlossen. Für die erfolgreiche Umsetzung mit Jänner 2023 mussten aber im
abgelaufenen Jahr die notwendigen unternehmerischen Vorbereitungsschritte gesetzt werden. Diese
waren die Voraussetzung, dass dieses Gesetz auch tatsächlich seine Wirkung entfalten kann und zur
gewünschten Verlagerung von Abfalltransporten auf die Schiene führt.
Weiters wurde intensiv an der Erstellung des Mobilitätsmasterplans 2030 und dem darauf aufbauenden
Masterplan Güterverkehr mitgearbeitet. Einige der wesentlichen Punkte dabei waren der Ausbau bzw.
die Förderung von Anschlussbahnen und Ladegleisen sowie der Bau und Ausbau von Güterverkehrs-
terminals. Das soll die reibungslose Vernetzung von Schiene und Straße voranzutreiben.
Im Bereich des Busverkehrs sind ein harter Billigstpreiswettbewerb, der damit einhergehende Qualitäts-
verlust beim Verkehrsangebot sowie der Mangel an Lenker:innen eine enorme Herausforderung für den
ÖBB Postbus. Um die dringend notwendige Verbesserung der Rahmenbedingungen und des Verkehrs-
angebots zu erreichen, wurde 2022 der Dialog mit Stakeholder:innen auf Bundes-, Länder- und Ge-
meindeebene massiv verstärkt. Damit soll vor allem in ländlichen Regionen mehr Menschen der Um-
stieg auf den öffentlichen (Bus-)Verkehr ermöglicht und erleichtert werden. Wesentliche Ziele sind dabei
u. a. die Verankerung des Bestbieterprinzips bei Ausschreibungen ebenso wie vertragliche Spielräume,
die eine Attraktivierung des Berufs Buslenker:in ermöglichen, aber auch eine Bewusstseinsbildung für
die zentrale Rolle und das große Potenzial des Busverkehrs als Alternative zum Zweitauto in ländlichen
Regionen.
Themenmanagement auf internationaler Ebene
Seit Februar 2020 führt ÖBB CEO Andreas Matthä den Vorsitz des Europäischen Eisenbahnverbandes
CER. Ein internationaler Arbeitsschwerpunkt lag demnach auch 2022 auf der Steuerung der inhaltlichen
Arbeit des CER. Dazu zählt die Setzung von Lobbyingschwerpunkten bei EU-Institutionen sowie die
Koordinierung von Positionen und Interessen unter den rd. 70 europäischen Bahnunternehmen im CER.
Ähnlich wie im nationalen Bereich stand 2022 dabei auch auf internationaler Ebene Krisenhilfe ganz
oben auf der Agenda. Die Initiative betraf zunächst für COVID-19 und in weiterer Folge die Energie-
preiskrise sowie die internationale Lieferkettenkrise infolge der Ukrainekrieges.
Hinzu kam die intensive Mitarbeit an der Neugestaltung der zentralen rechtlichen Rahmenbedingungen
für den Bahnsektor, die seitens der EU-Kommission im Rahmen des European Green Deals laufend
überarbeitet werden. Im Fokus standen 2022 dabei vor allem die Mitgestaltung der Überarbeitung der
TEN-T Richtlinie und der Richtlinie für die Europäischen Güterverkehrskorridore (RFC). Ebenso standen
auf der Agenda der „Aktionsplan für den Grenzüberschreitenden Fernverkehr“ samt der damit verbun-
denen Richtlinie zum Ticketing und den Leitlinien für Public-Service-Obligations (öffentliche Verkehrs-
diensteaufträge). Die PSO Leitlinien regeln vorrangig die Möglichkeiten für Umfang und Vergabe öffent-
licher Beauftragungen von Verkehrsdiensteverträgen. Das abzuwendende Szenario sind eine drohende
Einschränkung des Gestaltungsspielraums für nationale Verkehrspolitik und eine massive Beschrän-
kung von öffentlichen Verkehrsaufträgen. Sie sind als Instrument der Verkehrswende ein wesentlicher
Faktor. Um diese Einschränkungen zu verhindern, wurden von den ÖBB Positionspapiere verfasst, eine
Allianz mit anderen Bahnunternehmen, Institutionen, Verbänden und NGOs in Österreich und Brüssel
etabliert und rd. 100 Stakeholder:innengespräche auf verschiedensten Ebenen geführt. Übergeordne-
tes Ziel war und ist es dabei, die Wahlfreiheit für öffentliche Auftraggeber bei der Definition und Vergabe
von Verkehrsdienstleistungen aufrechtzuerhalten. Denn nur dann können funktionierende Mobilitätsmo-
delle bestehen bleiben und ausgeweitet werden, um die EU-Klimaziele im Verkehr zu erreichen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
12
TLP gelb (Adressatenkreis)
Einen weiteren Schwerpunkt auf EU-Ebene bildete im Jahr 2022 die Mitgestaltung des „Fit for 55“-
Pakets. Dieses umfasst Gesetzesinitiativen für ein Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr
(ETS) sowie einen Regelungsvorschlag für Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) und auch meh-
rere Richtlinienvorschläge im Bereich der Energiebesteuerung und der Energieeffizienz von Gebäuden.
Des Weiteren wurden Positionspapiere und Abänderungsanträge zur Nature-Restoration-Richtlinie ver-
fasst. Diese sollen sicherstellen, dass „bis 2050 die Ökosysteme in der EU wiederhergestellt sind“. An-
liegen des ÖBB-Konzerns war und ist hier ein vernünftiger Ausgleich zwischen widerstreitenden Anfor-
derungen von Klimaschutz einerseits und Naturschutz andererseits. Damit sollen rechtliche Risiken für
die Umsetzbarkeit von Bahninfrastrukturprojekten eingedämmt werden.
Veranstaltungshöhepunkt des abgelaufenen Jahres war der im Juli von den ÖBB in Wien gehostete
CEO-Summit 2022. 30 europäische Bahn-CEOs sind dafür nach Wien angereist. Im Zuge der Veran-
staltung wurden zwei wichtige Deklarationen als Bekenntnis und Selbstverpflichtung des europäischen
Bahnsektors unterzeichnet. Mit der „Verpflichtung des europäischen Eisenbahnsektors zur Unterstüt-
zung der Ukrainischen Eisenbahn (UZ)“, wurde durch die Unterzeichner u. a. die Lieferung von techni-
schen Geräten und Ersatzteilen für die Eisenbahn und die Unterstützung des Wiederaufbaus der ukra-
inischen Eisenbahn durch Know-how-Transfer zugesagt. Die zweite Deklaration ist ein „Erklärung zur
weiteren Digitalisierung des Eisenbahnsektors“.
Marktumfeld
Die Entwicklung der Betriebsleistung im Netz der ÖBB-Infrastruktur AG spiegelt den allgemeinen Auf-
schwung im Personen- und Güterverkehr auf der Schiene wider. So legten die zurückgelegten Zugkilo-
meter im Vergleich zum Vorjahr um 4,8% zu. In Bezug zum Jahr 2019 waren es 4,5%. Zuwächse gab
es dabei sowohl beim Personen- wie beim Güterverkehr. Die Betriebsleistung im Bahnpersonenverkehr
erreichte mit einem Plus von 5,8% im Vergleich zu 2021 sogar einen neuen Höchststand. Verantwortlich
dafür war die massiv gestiegene Nachfrage im Fernverkehr. Diese steht wohl im Zusammenhang mit
dem Klimaticket und den damit verbundenen Angebotsausweitungen sowohl bei den ÖBB wie bei den
Mitbewerbern. Auch im Güterverkehr konnte bei den Zugkilometern ein Zuwachs von 2,0% zum Vorjahr
verzeichnet werden. Das bedeutet eine Stabilisierung in etwa auf Vorkrisenniveau.
29
Auf europäischer Ebene wird aktuell die sogenannte TEN-T-Verordnung überarbeitet. Mit der EU-Ver-
ordnung 1315 / 2013 wurden im Jahr 2013 die transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-T) geschaffen.
Diese Verordnung umfasst mehrere Verkehrsmodi und teilt das europäische Transportnetz nach Priori-
tät in unterschiedliche Netzebenen ein. Der ambitionierte Gesetzesvorschlag der EU-Kommission für
den revidierten Gesetzestext wurde im Dezember 2021 veröffentlicht. Aus ÖBB Sicht sind positiv her-
vorzuheben: die vorgesehene Einführung sogenannter europäischer Transportkorridore, die Einführung
einer neuen Netzkategorie, genannt „erweitertes Kernnetz“. Dafür wurde ein Umsetzungshorizont bis
2040 definiert, und die Pyhrn- und Tauernstrecken sollen in diese Kategorie aufgenommen werden. Der
zuständige federführende Ausschuss im EU-Parlament ist der Ausschuss für Verkehr und Tourismus.
Abhängig von den Verhandlungen zwischen EU-Kommission, EU-Parlament und -Rat wird der finale
Gesetzestext für das zweite Halbjahr 2023 erwartet.
Der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsverkehrs bildet einen zentralen Baustein der europäischen Inf-
rastrukturpolitik. So hat Tschechien im Rahmen seiner Ratspräsidentschaft entsprechende Pläne kon-
kretisiert. Innerhalb des staatlichen Infrastrukturbetreibers Správa Železnic wurde eine eigene Organi-
sationseinheit geschaffen, die für die Planung, Vergabe und Abwicklung der entsprechenden Baulose
zuständig ist. Der erste Abschnitt entlang der Achse Prag – Brno - Ostrava soll 2030 in Betrieb genom-
men werden und Geschwindigkeiten bis 320 km/h ermöglichen.
30
Auch in Italien schreitet der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes voran. Im Jänner 2022 erfolgte
die Vergabe des Bauloses für den Abschnitt Verona-Padua an die italienische Salcef Gruppe. Dieser
Abschnitt ist Teil der geplanten Achse zwischen Turin, Mailand und Venedig und somit auch Teil des
sogenannten mediterranen Korridors im Rahmen des TEN-T-Netzes. Die Arbeiten sollen 2026 abge-
schlossen sein.
31
Eine wichtige Ergänzung im Hochgeschwindigkeitsnetz auf der Nord-Süd-Achse bildet
auch die Verbindung von Neapel nach Bari, die Ende 2023 fertiggestellt werden soll.
32
29
ÖBB Infrastruktur.
30
Railtech.com.
31
Salcef.
32
Orf.at.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
13
TLP gelb (Adressatenkreis)
Entlang des baltisch-adriatischen Korridors erfolgt mit der Errichtung des slowenischen Pekel-Tunnels
nördlich von Maribor ein wichtiger Lückenschluss für Güterverkehrsverbindungen – insbesondere zwi-
schen Österreich und Slowenien. Der Tunnelbau ist für Geschwindigkeiten bis 120 km / h und bis zu 90
Zügen pro Tag ausgelegt. Geplanter Eröffnungstermin ist Ende 2023.
33
Stark betroffen ist der österreichische internationale Bahnverkehr von der aktuellen Situation in Europa.
Ein wesentlicher Faktor sind die mittlerweile zahlreichen Baustellen als Folge der kontinuierlichen Stei-
gerung der Investitionen in die Schieneninfrastruktur in den Nachbarnländern, die den Bahnbetrieb zu-
sätzlich erschweren. Insbesondere die Industrie beklagt gravierende Probleme im Schienengüterver-
kehr.
33
Railtech.com.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
14
TLP gelb (Adressatenkreis)
B.3. Wirtschaftliche Entwicklung
a)
Ertragslage
Die wesentlichen Leistungsindikatoren für die erzielten Umsätze sind die in den bahneigenen Kraftwer-
ken produzierte Strommenge, die vermieteten Flächen der Immobilien, sowie die Zugkilometerleistung
und die Gesamtbruttotonnenkilometer, die auf dem Schienennetz der ÖBB-Infrastruktur AG erbracht
werden.
Die Erläuterungen zur Berechnung der Kennzahlen werden im Punkt „I. Berechnung der Kennzah-
len“ dargestellt.
Struktur der Gewinn-und-Verlust-Rechnung
Die Struktur der Gewinn-und-Verlust-Rechnung der ÖBB-Infrastruktur AG stellt sich folgendermaßen
dar:
Struktur der Gewinn-und-
in % der in % der Veränderung
Verlust-Rechnung in Mio. EUR
2022
Gesamterträge 2021
Gesamterträge Veränderung in %
Umsatzerlöse *) 961,8
28% 903,9
27% 57,9
6%
Andere aktivierte Eigenleistungen 350,1
10% 329,8
10% 20,3
6%
sonstige betriebliche Erträge und
Veränderung des Bestandes *)
2.153,5
62% 2.073,5
63% 80,0
4%
Gesamterträge 3.465,4
100% 3.307,2
100% 158,2
5%
davon aus Konzernbeziehungen 652,7
19% 677,3
20% -24,6
-4%
Materialaufwand 189,8
5% 115,7
3% 74,1
64%
Aufwendungen bezogene Leistungen 416,9
12% 399,2
12% 17,7
4%
Personalaufwand 1.153,4
33% 1.104,0
33% 49,4
4%
Abschreibungen 839,7
24% 815,9
25% 23,8
3%
So. betr. Aufwand 512,5
15% 492,5
15% 20,0
4%
Gesamtaufwand 3.112,3
90% 2.927,3
89% 185,0
6%
davon aus Konzernbeziehungen 562,6
16% 498,9
15% 63,7
13%
Betriebserfolg 353,1
10% 379,9
11% -26,8
-7%
Finanzergebnis -356,7
-10% -397,6
-12% 40,8
-10%
davon aus Konzernbeziehungen -4,3
0% 0,9
0% -5,2
-577%
Ergebnis vor Steuern -3,7
0% -17,7
-1% 14,0
-79%
Diese Leistungsindikatoren entwickelten sich wie folgt:
Bahnstrom (in GWh)
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Eigenerzeugung Bahnstrom in ÖBB-Kraftwerken 520
749
-229
-31%
Bahnstromverbrauch ab Oberleitung 1.800
1.763
38
2%
Nutzflächen der Immobilien (in Tausend m²)
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Fremdgenutzt (Konzernexterne)
1)
625
644
-19
-3%
Genutzt von Konzerngesellschaften 224
233
-9
-4%
Eigengenutzt von der ÖBB-Infrastruktur AG 584
566
18
3%
Leerstand und Allgemeinflächen 1.148
1.136
12
1%
Gebäudeflächen 2.580
2.578
2
0%
vermietete Außenflächen 18
18
0
1%
Gesamter Bestand 2.598
2.596
2
0%
1) Die gegenständliche Flächenkennzahl bezieht sich auf Gebäudeflächen sowie vermietete Außenflächen bei Gebäuden. Da Parkdecks der
Mobilitätskette zugehörig sind, werden deren Flächen dem Verkehrsstationsbereich zugerechnet.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
15
TLP gelb (Adressatenkreis)
Zugkilometer (in Mio. km)
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Reiseverkehr 114,3
108,0
6,3
6%
davon ÖBB-Konzern 106,4
103,0
3,4
3%
Güterverkehr 41,7
40,8
0,8
2%
davon ÖBB-Konzern 26,7
27,3
-0,5
-2%
Dienst- und Lokzüge 7,8
7,8
0,0
0%
davon ÖBB-Konzern 5,5
5,5
0,0
0%
Gesamter Bestand 163,7
156,6
7,1
5%
davon ÖBB-Konzern 138,6
135,7
2,9
2%
Entwicklung der Bruttotonnenkilometer nach Verkehrsart (in Mio. km)
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Reiseverkehr 32.810,4
30.370,7
2.439,7
8%
davon ÖBB-Konzern 30.303,7
28.884,6
1.419,1
5%
Güterverkehr 48.248,9
47.184,2
1.064,7
2%
davon ÖBB-Konzern 29.025,5
29.566,0
-540,5
-2%
Dienst- und Lokzüge 1.174,0
1.126,7
47,3
4%
davon ÖBB-Konzern 873,4
845,4
28,0
3%
Gesamter Bestand 82.233,3
78.681,6
3.551,7
5%
davon ÖBB-Konzern 60.202,6
59.296,0
906,6
2%
Der Betriebserfolg der ÖBB-Infrastruktur AG beträgt 353,1 Mio. EUR
(Vj: 379,9 Mio. EUR) oder 36,7% (Vj: 42,0%) der Umsatzerlöse mit einer Marge bezogen auf den Be-
triebserfolg von 63,3% (Vj:58,0%). Das Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (EBITDA)
liegt bei 1.192,8 Mio. EUR (Vj: 1.195,8 Mio. EUR) oder 124,0% (Vj: 132,3%) von den Umsatzerlösen
oder 34,4% (Vj: 36,2%) der Gesamterträge.
Die ÖBB-Infrastruktur AG erzielte im Berichtsjahr eine negatives Finanzergebnis von -356,7 Mio. EUR
(Vj: -397,6 Mio. EUR). Das Ergebnis vor Steuern erreichte im Berichtszeitraum -3,7 Mio. EUR (Vj: -17,7
Mio. EUR).
Die Gesamterträge der ÖBB-Infrastruktur AG beliefen sich im Jahr 2022 insgesamt auf 3.465,4 Mio.
EUR (Vj: 3 307,2 Mio. EUR), je Mitarbeiter entspricht dies einem Betrag von 211,9 TEUR (Vj: 201,3
TEUR).
Die Umsatzerlöse stellen sich im Jahr 2022 wie folgt dar:
Umsatzerlöse in Mio. Euro
2022
2021
Nutzungsentgelte Infrastrukturbenützung 366,7
384,9
Energielieferungen und Netznutzungsentgelte 212,8
199,1
Mieterlöse 151,2
128,7
Instandhaltung und Wartung 8,5
10,3
Erlöse aus Verwertungsobjekten 59,9
37,4
Sonstige übrige Umsatzerlöse 162,8
143,4
Summe 961,8
903,9
Der Rückgang des Nutzungsentgeltes für die Infrastrukturbenützung von 384,9 Mio. EUR um -18,2 Mio.
EUR auf 366,7 Mio. EUR ist im Geschäftsjahr auf die Aussetzung des Wegeentgelts für den Schienen-
güterverkehr und eigenwirtschaftlichen Personenverkehr zurückzuführen.
Die ÖBB-Infrastruktur AG verzeichnete im Jahr 2022 im Geschäftsbereich Energie im Bereich Energie-
lieferungen und Netznutzungsentgelte einen Umsatz von rd. 212,8 Mio. EUR (Vj: 199,1 Mio. EUR). Der
konzerninterne Umsatz hat sich um 10,7 Mio. EUR auf 173,7 Mio. EUR (Vj: 163,0 Mio. EUR) erhöht und
wird überwiegend mit der ÖBB-Produktion GmbH getätigt. Die Umsätze mit Konzernfremden haben
sich von 36,1 Mio. EUR um 3,0 Mio. EUR auf 39,1 Mio. EUR erhöht.
Die Erhöhung der Erlöse aus Energielieferungen resultiert im Wesentlichen aus einer Erhöhung der
Stromabnahmemengen durch die EVUs und aus einer Erhöhung der Strompreise im Geschäftsjahr
2021.
Die ÖBB-Infrastruktur AG erzielte im Bereich Immobilien Erlöse aus der Vermietung in Höhe von 151,2
Mio. EUR (Vj: 128,7 Mio. EUR) und Erlöse aus dem Verkauf von Verwertungsobjekten in Höhe von 59,9
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
16
TLP gelb (Adressatenkreis)
Mio. EUR (Vj: 37,4 Mio. EUR). Die sonstigen betrieblichen Erträge aus sonstigen Liegenschaftsverwer-
tung betrugen rd. 37,3 Mio. EUR (Vj: 45,8 Mio. EUR).
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist Eigentümerin der Schieneninfrastruktur samt Anlagen und Einrichtungen
mit einem Sachanlagevermögenswert von rd. 33,4 Mrd. EUR (Vj: 31,4 Mrd. EUR). Das Anlagevermögen
der ÖBB-Infrastruktur AG umfasst u.a. ca. 4.106 Gebäude, davon rund 1.037 Bahnhöfe und Haltestellen
(Verkehrsstationen), 9.710 Gleiskilometer, 13.163 Weichen, 6.640 Brücken und 254 Tunnel. Nutzungs-
entgelte, die das Unternehmen von Konzerngesellschaften und von externen Partnern für die Nutzung
des Anlagevermögens lukriert, trugen wesentlich zur Ertragskraft der ÖBB-Infrastruktur AG bei. Auftrag
des Unternehmens ist es, die Schieneninfrastruktur den Betreibern bedarfsgerecht zur Verfügung zu
stellen – und zwar bei gleichzeitiger nachhaltiger Wertsteigerung des Anlagevermögens. Für die ein-
geräumte Nutzung hat die ÖBB-Infrastruktur AG im Jahr 2022 Nutzungsentgelte in der Höhe von rd.
366,7 Mio. EUR (Vj: 384,9 Mio. EUR) erhalten, das sind 38,1% (Vj: 42,6%) des Umsatzes.
Die Betriebsaufwendungen der ÖBB-Infrastruktur AG betrugen im Jahr 2022 insgesamt rd. 3.112,3 Mio.
EUR (Vj: 2 927,3 Mio. EUR).
Als Eigentümerin der gesamten Schieneninfrastruktur samt Anlagen und Einrichtungen hat die ÖBB-Inf-
rastruktur AG im Jahr 2022 für den Bereich Immobilien Instandhaltung in Höhe von 33,4 Mio. EUR (Vj:
33,5 Mio. EUR) sowie Betriebskosten in Höhe von 190,8 Mio. EUR (Vj: 163,9 Mio. EUR) aufgewendet.
Der Personalaufwand betrug im Jahr 2022 1.153,4 Mio. EUR (Vj: 1.104,0 Mio. EUR). Die Personalin-
tensität als Relation zwischen Personalaufwand und Gesamtaufwand betrug 37,1% (Vj: 37,7%). Der
durchschnittliche Personalaufwand jedes Mitarbeiters der ÖBB-Infrastruktur AG beträgt 70,5 TEUR (Vj:
67,2 TEUR).
Die Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen beliefen sich auf 17,5% (Vj: 15,6%) der Ge-
samterträge. Der durchschnittliche Aufwand für Material und bezogene Leistungen pro Mitarbeiter belief
sich auf 37,1 TEUR (Vj: 31,3 TEUR). Die Materialintensität beträgt 19,5% (Vj: 17,6%).
Die Abschreibungen der immateriellen Vermögensgegenstände und Sachanlagen abzüglich der Auflö-
sung passivierter Kostenbeiträge beliefen sich im Jahr 2022 auf 839,7 Mio. EUR (Vj: 815,9 Mio. EUR).
Die Abschreibungsintensität als Relation zwischen Abschreibungen zuzüglich Betriebskosten und Ge-
samtaufwand betrug 33,1% (Vj: 33,5%). Der Anstieg der Abschreibungen um 23,8 Mio. EUR ist im We-
sentlichen auf die Investitionstätigkeit in die Infrastruktur und die damit einhergehenden Inbetriebnah-
men zurückzuführen.
An betrieblichen Steuern und Abgaben sowie sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind im Geschäfts-
jahr 2022 16,5 Mio. EUR (Vj: 38,1 Mio. EUR) bzw. 496,0 Mio. EUR (Vj: 454,5 Mio. EUR) angefallen. Die
Entwicklung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen ist zum einen auf stark gestiegene Energiekos-
ten in Bezug auf Aufwendungen für Fernwärme, sowie einem Anstieg der Aufwendungen für Büroerfor-
dernisse im Zusammenhang mit IT Software Innovation zurückzuführen.
b) Vermögens- und Finanzlage
Die Vermögenslage der ÖBB-Infrastruktur AG hat sich im Wesentlichen aufgrund von Investitionen ak-
tivseitig im Geschäftsjahr um 2.606,8 Mio. EUR auf einen Betrag von 36.518,3 Mio. EUR (Vj: 33 911,5
Mio. EUR) erhöht. Weitere Informationen zur Vermögenslage sind im Kapitel „c) Investitions- und Finan-
zierungsmaßnahmen“ angeführt.
Das Finanzergebnis der ÖBB-Infrastruktur AG wird im Geschäftsjahr 2022 mit rd. -356,7 Mio. EUR (Vj:
-397,6 Mio. EUR) ausgewiesen. Die geringeren Fremdfinanzierungskosten in Höhe von -39,6 Mio. EUR
im Vergleich zum Vorjahr resultiert im Wesentlichen aus dem Auslaufen von höher verzinsten Verbind-
lichen und zinsgünstigen neuen OeBFA-Finanzierungen. Die im Geschäftsjahr 2022 aktivierten Fremd-
kapitalzinsen gemäß § 203 Abs. 4 UGB betragen 110,8 Mio. EUR (Vj: 108,1 Mio. EUR). Im aktuellen
Geschäftsjahr verbesserte sich das Finanzergebnis um 40,8 Mio. EUR (Vj: 78,2 Mio. EUR).
Die Eigenkapitalquote per 31.12.2022 der ÖBB-Infrastruktur AG – unter Einbeziehung der Kostenbei-
träge von Dritten – beträgt rd. 19,9% (Vj: 21,0%). Die Fremdkapitalquote der ÖBB-Infrastruktur AG per
31.12.2022 beträgt – unter Einbeziehung der Kostenbeiträge von Dritten in das Eigenkapital – rd. 80,1%
(Vj: 79,0%). Die gesamte Fremdkapitalzinslast als Relation zwischen Fremdkapitalzinsen zuzüglich
zinsähnlicher Aufwendungen zu durchschnittlichem verzinslichen Fremdkapital liegt bei 2,1% (Vj: 2,5%).
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
17
TLP gelb (Adressatenkreis)
Dabei wurden die Verbindlichkeiten aus Cross-Border-Lease- und Sublease-Verträgen sowie die ent-
sprechenden Zinsaufwendungen außer Acht gelassen, da diesen Zinsaufwendungen gleich hohe Zins-
erträge gegenüberstehen. Des Weiteren wurden die Erträge und Aufwendungen aus Zinsenswaps bei
der Ermittlung des Zinsaufwandes saldiert.
Die Effektivverschuldung der ÖBB-Infrastruktur AG beträgt zum 31.12.2022 rd. 23,9 Mrd. EUR (Vj: 22,8
Mrd. EUR) und errechnet sich wie folgt:
in TEUR
2022
2021
Anleihen 8.883.831
10.383.002
Kreditinstitute 3.862.508
3.865.837
Konzernfinanzverbindlichkeiten 1.252.032
528.296
Eurofima 200.000
0
Finanzierung OeBFA 9.751.850
8.086.250
abzüglich monetäres UV (FIN) 0
0
abzüglich Ausleihungen gegenüber verbundenen Unternehmen 0
-5.333
abzüglich liquide Mittel -1.000
-1.717
abzüglich Veranlagungen 0
-20.328
abzüglich Sublease 0
0
Effektivverschuldung 23.949.221
22.836.007
Unter der Position „Veranlagungen“ wurden die aus der Auflösung von CBL-Transaktionen in den Jah-
ren 2010 und 2012 verbliebenen Depots ausgewiesen. Im Berichtsjahr wurde die letzte Cross-Border-
Leasing-Transaktionen (CBL) aufgelöst.
Die externen Finanzverbindlichkeiten der ÖBB-Infrastruktur AG betragen zum 31.12.2022 rd. 22,7 Mrd.
EUR (Vj: 22,3 Mrd. EUR).
2023 werden für die Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen sowie die Tilgung von fälligen Anleihen
Neufinanzierungen gemäß genehmigten Budget in Höhe von rd. 4,7 Mrd. EUR erforderlich.
Die ÖBB-Infrastruktur AG wird wie im Geschäftsjahr 2022 die notwendige Finanzierung im Jahr 2023
vor allem über Darlehen der Republik Österreich durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagen-
tur (OeBFA) anstatt über eigene Anleiheemissionen am Kapitalmarkt aufnehmen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
18
TLP gelb (Adressatenkreis)
Kapitalflussrechnung
31.12.2022 31.12.2021
EUR EUR
Netto-Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit
Ergebnis vor Steuern -6.612.667
-15.907.872
- Zuschreibung/ + Abschreibung auf Vermögensgegenstände des Investitionsbereichs 982.154.232
977.728.560
- Auflösung von Kostenbeiträgen von Dritten -141.730.962
-145.227.346
- Gewinne/ + Verluste aus dem Abgang von Vermögensgegenständen des
Investitionsbereichs
-19.244.153
-19.024.519
- Beteiligungserträge, Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen
des Finanzanlagevermögen sowie Zinsen und ähnlic
he Erträge/+ Zinsen und ähnliche
Aufwendungen 353.117.477
380.976.015
- sonstige fondsunwirksame Erträge/ + sonstige fondsunwirksame Aufwendungen 6.550.935
5.437.813
- Zunahme/ + Abnahme der Vorräte -579.913
-9.343.769
- Zunahme/ + Abnahme von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und der
sonstigen
Forderungen
-52.247.161
47.434.139
- Zunahme/ + Abnahme von Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen
und gegenüber beteiligten Unternehmen -9.781.204
-50.847.006
- Zunahme/ + Abnahme der aktiven Rechnungsabgrenzungsposten 17.023.893
5.377.712
- Abnahme/ + Zunahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen,
der sonstigen Verbindlichkeiten sowie der Verbindlichkeiten aus Wechsel und
Anzahlungen auf Bestellungen
-229.504.689
27.061.624
- Abnahme/ + Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen
und gegenüber beteiligten Unternehmen
126.016.748
-23.278.857
- Abnahme/ + Zunahme der passiven Rechnungsabgrenzungsposten -20.451.673
-21.690.252
- Abnahme/ + Zunahme Rückstellungen 23.378.443
36.171.662
Netto-Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit vor Steuern 1.028.089.305
1.194.867.905
- Zahlungen für Ertragsteuern 0
0
Netto-Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit nach Steuern
1.028.089.305
1.194.867.905
Netto-Geldfluss aus der Investitionstätigkeit
- Auszahlung für Anlagenzugang (ohne Finanzanlagen) -2.845.228.431
-2.510.838.297
+ Einzahlung aus Anlagenabgang (ohne Finanzanlagen) 25.983.912
89.335.339
- Auszahlung für den Erwerb von Finanzanlagen -200.000
-16.618.320
+ Einzahlung aus dem Abgang von Finanzanlagen 12.783.774
2.666.667
+ Einzahlung von Kostenbeiträgen von Dritten 205.165.547
180.082.928
+ Einzahlungen aus Beteiligungs-, Zinsen- und Wertpapiererträgen 18.749.912
32.233.627
Netto-Geldfluss aus der Investitionstätigkeit
-
2.582.745.287
-
2.223.138.056
Netto-Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit
- Vergabe/ + Tilgung von gewährten Krediten 0
0
- Auszahlung für die Tilgung von Finanzkrediten -5.372.746
-2.782.275
+ Einzahlung aus der Aufnahme von Krediten gegenüber beteiligten Unternehmen oder
gegen Sonstige 2.853.143.042
3.421.522.787
- Tilgung von Krediten gegenüber beteiligten Unternehmen oder gegen Sonstige 0
-400.000.000
- Auszahlung für dieTilgung von Anleihen -1.500.000.000
-1.050.000.000
- Auszahlung für Zinsen und ähnliche Aufwendungen -517.476.445
-532.249.806
Netto-Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit
830.293.851
1.436.490.705
Freier Geldstrom
Netto-Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit nach Steuern 1.028.089.305
1.194.867.905
Netto-Geldfluss aus der Investitionstätigkeit -2.582.745.287
-2.223.138.056
Freier Geldstrom -1.554.655.982
-1.028.270.151
Finanzmittelveränderungsrechnung
Finanzmittelbestand zum Periodenanfang
+ Forderungen gegenüber ÖBB-Finanzierungsservice GmbH - täglich fällig ²) -528.296.216
-934.995.370
+ Forderungen gegenüber Kreditinstituten - täglich fällig
1
) 1.678.434
155.710
- Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten - täglich fällig
1
) 0
0
+ Kassenbestand und Schecks 848
2.171
Finanzmittelbestand zum Periodenanfang -526.616.934
-934.837.489
Zahlungswirksame Veränderung des Finanzmittelbestandes
Netto-Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit vor Steuern 1.028.089.305
1.194.867.905
Netto-Geldfluss aus der Investitionstätigkeit -2.582.745.287
-2.223.138.056
Netto-Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit 830.293.851
1.436.490.705
Zahlungswirksame Veränderung des Finanzmittelbestandes -724.362.131
408.220.554
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
19
TLP gelb (Adressatenkreis)
Finanzmittelbestand zum Periodenende
- Verbindlichkeiten gegenüber ÖBB-Finanzierungsservice GmbH - täglich fällig
2
) -1.251.970.624
-528.296.216
+ Forderungen gegenüber Kreditinstituten - täglich fällig 989.624
1.678.434
- Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten - täglich fällig 0
0
+ Kassenbestand und Schecks 1.935
848
Finanzmittelbestand zum Periodenende -1.250.979.065
-526.616.934
1) Täglich fällige Posten (≤ 3 Monate) gem. Fußnote ²) sind Teil des Fondsmittelbestandes. Kurzfristige Posten (≤ 1 Jahr) sind im Cash Flow aus der operativen
Tätigkeit, langfristige Posten (> 1 Jahr) im Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit darzustellen.
2) Täglich fällige (≤ 3 Monate) Forderungen/Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und gegenüber der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH sind Teil der Fondsmittel
und nicht im Geldfluss aus der operativen Tätigkeit oder der Finanzierungstätigkeit anzusetzen.
Der negative Geldfluss aus der Investitions- und Finanzierungstätigkeit wurde einerseits aus positiven
Rückflüssen aus der betrieblichen Tätigkeit und andererseits aus kurzfristigen Darlehensaufnahmen
sowie über das konzerninterne Cash-Pooling finanziert.
c) Investitions- und Finanzierungsmaßnahmen
Investitionsschwerpunkte 2022
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern arbeitete auch 2022 intensiv an der Umsetzung des größten Baupro-
gramms aller Zeiten. Mit der im Rahmenplan 2023 bis 2028 des Bundesministeriums für Klimaschutz
gesicherten Investitionssumme von rd. 19,0 Mrd. EUR für die nächsten sechs Jahre werden zahlreiche
Neubau- sowie Modernisierungsprojekte und Erhaltungsarbeiten umgesetzt.
Mit dem Ausbau und der Qualitätssicherung des Schienennetzes werden etwa die Voraussetzungen
dafür geschaffen, dass insgesamt mehr Züge auf dem Schienennetz fahren können. Das bedeutet bes-
sere und schnellere Verbindungen für Bahnreisende.
Investitionen in die Hauptstrecken bringen mehr Geschwindigkeit zwischen den Ballungsräumen Öster-
reichs – und mehr Komfort innerhalb der Ballungsräume, wie etwa im Großraum Wien. Neben den
Hauptstrecken werden die Regionalbahnen attraktiviert und teilweise elektrifiziert. Das macht den Um-
stieg auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel Bahn auch in den ländlichen Gebieten attraktiv und
schont zusätzlich die Umwelt.
Geschaffen werden zudem mehr Kapazitäten für den Güterverkehr, damit längere, schwerere und damit
wirtschaftlichere Züge fahren können. Das sichert die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Straße. Ein
weiterer Schwerpunkt liegt auf der „Digitalisierung der Schiene“ für mehr Sicherheit und Effizienz im
Bahnbetrieb. Für Reisende optimieren die ÖBB auch das Mobilfunknetz entlang der Strecken. Auch wird
für eine zeitgemäße Information der Bahnreisenden in die Digitalisierung der Kund:inneninformation
investiert.
Großraum Wien
Zwei von drei Bahnreisenden sind in der Ostregion unterwegs. Viele von ihnen sind Pendler:innen und
benutzen regelmäßig das Streckennetz der ÖBB-Infrastruktur AG. Rd. 2.000 Schienenkilometer befin-
den sich in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland – das entspricht etwa 40% des Gesamtnetzes.
Daher arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG mit Hochdruck an Verbesserungen und Kapazitätserweiterun-
gen im Nahverkehr.
Im Jahr 2022 hat die ÖBB-Infrastruktur AG beispielsweise intensiv am Ausbau der Pottendorfer Linie
gearbeitet, um die Situation für die Pendler:innen aus dem Süden weiter zu verbessern. Von dort kom-
men 40% aller Pendler:innen. Neben dem Baustart im Wiener Bereich im Februar 2022 wurde auch im
niederösterreichischen Abschnitt Münchendorf bis Wampersdorf mit dem Bau des Bahnhofs Wampers-
dorf begonnen. Für den Abschnitt Wampersdorf – Ebenfurth inkl. der Schleife Ebenfurth wurden 2022
die Planungen weitergeführt bzw. zur Genehmigung eingereicht.
Mit dem viergleisigen Ausbau der Südstrecke zwischen Wien Meidling und Mödling inklusive der Errich-
tung zwei neuer Haltestellen wird das Mobilitätsangebot für den Süden von Wien und den Bezirk Möd-
ling noch attraktiver. Gemeinsam mit der Pottendorfer Linie stehen dann mit Projektabschluss sechs
leistungsfähige Gleise im Süden von Wien zur Verfügung. Dafür liefen 2022 die Planungen weiter.
Der Norden profitiert vom Ausbau der Nordbahn. Für dieses Projekt begannen Anfang des Jahres 2022
die Bauarbeiten im Südabschnitt – von Wien Süßenbrunn bis Gänserndorf. Für den Nordabschnitt –
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
20
TLP gelb (Adressatenkreis)
von Gänserndorf bis Bernhardsthal – laufen die Planungen. Insgesamt sollen rd. 66 km Strecke unter
laufendem Betrieb modernisiert sowie 17 Bahnhöfe und Haltestellen entlang der Strecke attraktiviert
und barrierefrei adaptiert werden. Auch soll das Park & Ride- und das Bike & Ride-Angebot ausgebaut
werden. Hinzu kommt die Auflassung von Eisenbahnkreuzungen, was höhere Fahrgeschwindigkeiten
der Züge erlauben wird.
Auf der Marchegger Ostbahn – auf dem Abschnitt Wien Aspern Nord – Siebenbrunn-Leopoldsdorf –
startete im Frühjahr 2022 der zweigleisige Vollausbau. Der Wiener Streckenabschnitt ist bereits zwei-
gleisig ausgebaut. In Niederösterreich wurden sieben Bahnhöfe modernisiert und mit Park & Ride- und
Bike & Ride-Anlagen ausgestattet und Eisenbahnkreuzungen durch Unter- beziehungsweise Überfüh-
rungen ersetzt. 2022 wurden etwa die Bahnhöfe Siebenbrunn-Leopoldsdorf, Breitensee und Schönfeld-
Lassee fertiggestellt. Die Elektrifizierung der gesamten Strecke ist mit Fahrplanwechsel 2022/2023 ab-
geschlossen.
Eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre ist die Modernisierung des Nadelöhrs des
öffentlichen Nahverkehrs im Großraum Wien – die sogenannte – „S-Bahn Wien Stammstrecke” zwi-
schen Wien Meidling und Wien Floridsdorf. Mit dem Programm S-Bahn Wien wurde ein umfassendes
Bündel an Baumaßnahmen geschnürt. Es soll sicherstellen, dass der öffentliche Nahverkehr zwischen
Wien und Niederösterreich langfristig pünktlich und zuverlässig bleibt. Neben der Modernisierung der
S-Bahn Wien Stammstrecke wird auch über die Stadtgrenzen hinaus entlang der Nord- und Südachsen
an Kontextprojekten gearbeitet. Ziel ist es auch in diesem Bereich mehr Kund:innen im öffentlichen
Nahverkehr transportieren zu können. Entlang der Nordwestbahn und der Südstrecke werden Bahn-
steige verlängert. Das ermöglicht es, zukünftig neue, moderne und längere Züge einsetzen zu können.
Diese wiederum bieten mehr Sitzplätze und somit einen höheren Komfort für die Reisende. In Wiener
Neustadt wird die nördliche Einfahrt in den Hauptbahnhof von drei auf vier Gleise ausgebaut, um die
Pottendorfer Linie effizient einzubinden. Neue Weichenverbindungen ermöglichen zudem einen flexib-
leren Betrieb bei der Durchbindung von Zügen. Weitere Kontextprojekte sind die Errichtung von Abstell-
und Wendeanlagen, die Digitalisierung des Zugsicherungssystems mittels ETCS L2 sowie die weitest-
gehende Herstellung von Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr. An den Planungen für all diese
Maßnahmen wurde 2022 intensiv gearbeitet. Der Start der ersten Bauarbeiten in Wien ist für Herbst
2023 geplant.
Ein weiteres wichtiges Puzzlestück im innerstädtischen Nahverkehr ist die Attraktivierung der Verbin-
dungsbahn zwischen Hütteldorf und Meidling. Sie soll in Zukunft einen 15-Minuten-Takt der S80 zwi-
schen Hütteldorf und Wien Aspern Nord ermöglichen. Die Planungen inkl. einem Gestaltungswettbe-
werb liefen 2022 weiter.
Die Modernisierungen der Kamptalbahn, Traisentalbahn, Erlauftalbahn oder Mattersburger Bahn wur-
den im Berichtszeitraum ebenfalls vorbereitet. Weiters wurde mit dem Ausbau der Franz-Josefs-Bahn
begonnen.
Eine attraktive Anbindung aus dem Osten Österreichs an den Flughafen und die Stadt Wien soll mit
dem Projekt Flughafenspange realisiert werden. Die neue Verbindung bedeutet für Pendler:innen kür-
zere Fahrtzeiten und bringt Entlastung für die stark befahrenen Ortsdurchfahrten. 2022 sind die Planun-
gen weiter vorangeschritten.
Erfolgsgeschichte Weststrecke geht weiter
Rd. ein Drittel aller Züge fahren auf der Weststrecke. Güter- und Personenverkehr nehmen laut Prog-
nosen weiterhin zu. Dementsprechend ist der Ausbau zwischen Linz und Wels sowie der Ausbau zwi-
schen Salzburg und Köstendorf notwendig, um der großen Nachfrage nach mehr Zügen und besseren
Verbindungen nachzukommen.
Im Berichtszeitraum wurden die im November 2021 gestarteten Bauarbeiten für den Ausbau der West-
strecke zwischen Marchtrenk und Wels fortgeführt. Künftig werden vier statt bisher zwei Gleise höhere
Kapazitäten auf der stark ausgelasteten Weststrecke sorgen. Das ermöglicht ein besseres Angebot im
Nahverkehr mit einem dichteren S-Bahn-Angebot und einen Taktfahrplan zwischen Linz und Wels. Das
gleiche gilt für den Fern- und Güterverkehr. Der Bahnhof Marchtrenk wird modernisiert. Für Ausbau des
Abschnittes zwischen Linz und Marchtrenk laufen die Planungen. Die Arbeiten auf der Westseite des
Linzer Hauptbahnhofs wurden weitergeführt. Für den Ausbau des Abschnittes zwischen Linz Verschie-
bebahnhof West und Linz Signalbrücke (inkl. Nahverkehrsknoten Linz Franckviertel) laufen die Planun-
gen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
21
TLP gelb (Adressatenkreis)
Mit dem neuen Bahnhof Neumarkt am Wallersee wurde im Jahr 2022 ein wichtiger Knotenpunkt zwi-
schen Weststrecke und Mattigtalbahn fertiggestellt. Für den Ausbau zwischen Köstendorf und Salzburg,
der zwei einröhrige Tunnel notwendig macht, lief 2022 das Behördenverfahren weiter und es wurden
intensive Gespräche mit Stakeholder:innen geführt.
Südstrecke in der Zielkurve
Stück für Stück wachsen die Tunnelprojekte und Streckenausbauten, die dafür sorgen, dass Reisende
zukünftig in weniger als zwei Stunden zwischen Wien und Graz und in 45 Minuten zwischen Graz und
Klagenfurt reisen können.
Beim 27,3 km langen Semmering-Basistunnel sind über 90% des Tunnels gegraben, sechs von 14 Vor-
trieben sind finalisiert. Es fehlen nur noch rd. 2,5 km Grabungsarbeiten. Die 130 km lange Koralmbahn
biegt indessen in die Zielgerade: Im Frühjahr 2022 wurde der Rohbau des Koralmtunnels auf Kärntner
Seite fertiggestellt. Im Fokus 2022 standen die technische Ausrüstung weiter Streckenteile, der Bau von
Bahnhöfen und Instandhaltungsstützpunkten sowie der letzte Rohbauabschnitt im Grazer Umfeld.
Mit Fahrplanwechsel 2022/2023 sind auf der 12 km langen, neu elektrifizierten und barrierefrei ausge-
bauten Strecke Klagenfurt – Weizelsdorf Züge umweltfreundlich mit grünem Bahnstrom anstatt Diesel
unterwegs.
Bahnhöfe und sonstige Investitionen
2022 durften sich unsere Reisenden wieder auf einige Verbesserungen und modernisierte Bahnhöfe
freuen. Dazu gehören etwa:
– Bahnhof Lienz
– Haltestelle Wien Matzleinsdorfer Platz
– Bahnhof Fehring
– Bahnhof Ternitz
– Bahnhof Friedberg
– Bahnhof Rohrbach-Vorau
– Bahnhof Grafendorf
– Haltestelle Rum
– Bahnhof Peggau Deutschfeistritz
– Bahnhof Thal
– Bahnhof Langenzersdorf
– Bahnhof Ulrichskirchen
– Bahnhof St. Georgen Gusen (Summerauerbahn)
– Traunkirchen und Traunkirchen Ort (Salzkammergutbahn)
– Obertraun-Dachsteinhöhlen und Obertraun-Koppenbrüllerhöhle (Salzkammergutbahn)
– Bahnhöfe Mattinghofen, Munderfing und Mauerkirchen
– Haltestellen Hard-Fußach und Lauterach-Unterfeld
Im Sommer 2022 wurde zudem der hochmoderne ÖBB Bildungscampus in St. Pölten eröffnet. Eine
leistungsstarke Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist für eine Bildungseinrichtung dieser Art ein
selbstverständlich. So wurde an der Traisentalbahn in unmittelbarer Nähe zum Haupteingang die neue
Bahn-Haltestelle „St. Pölten Bildungscampus“ errichtet.
Für einen attraktiven Einstieg in das System Bahn wurde 2022 das mehr als 700 Plätze fassende Park-
deck in Hollabrunn fertiggestellt.
Brennerachse
Der Bahnausbau im Tiroler Unterland dient zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der nördlichen Zulauf-
strecke zum Brenner Basistunnel. In wenigen Jahren werden Züge sicher, rasch und komfortabel zwi-
schen Innsbruck und Franzensfeste in Südtirol auf der Tunnelstrecke fahren. Dafür ist es von zentraler
Bedeutung den Schienenverkehr aus den Bevölkerungs- und Wirtschaftszentren Europas an den Tun-
nel heranzuführen. Das realisieren die Bahnen in Österreich, Italien und Deutschland mit dem Ausbau
der Eisenbahnachse München – Verona als Teil des europäischen Skandinavien-Mittelmeer-Kernnetz-
korridors. 2022 haben die ersten Arbeiten (Vorarbeiten für die Errichtung eines Rohbaustollens) im Ab-
schnitt Schaftenau – Radfeld gestartet.
Für den Abschnitt Staatsgrenze nach Kufstein – Schaftenau wurden im Jahr 2022 die Planungsarbeiten
fortgeführt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
22
TLP gelb (Adressatenkreis)
Der Brenner Basistunnel
Im Jahr 2022 wurden die Bauarbeiten der Rohbauwerke für den Brenner Basistunnel durch die Galleria
di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE fortgeführt. 154 km des gesamten Tunnelsystems
in der Länge von 230 km sind bereits ausgebrochen, davon 58 km Eisenbahntunnel, 54 km Erkundungs-
stollen und rund 42 km an sonstigen Tunnelbauwerken.
Im Baubereich „H21 Sillschlucht“ wurden nach dem Portalanschlag im Oktober 2021 die Tunnelbauar-
beiten Richtung Süden abgeschlossen. Auch die Flussbauarbeiten zur Herstellung des Rampenbau-
werkes in der Sill sind vollständig erfolgt. Die Hangabtragungsarbeiten wurden im Bereich des Vortun-
nels in offener Bauweise fertiggestellt ebenso wie die Bohrpfahlarbeiten im gesamten Baubereich. Die
Betonbauarbeiten für die Stützwand, für den Tunnel in offener Bauweise und für das Portalbauwerk
laufen. Die Herstellung der Eisenbahnbrücken ist ebenfalls in vollem Gange, die Montage begann noch
im November 2022. Insgesamt sind über 55% der Arbeiten abgeschlossen.
Im Bauabschnitt „H41 Sillschlucht-Pfons” wurde zu Jahresbeginn 2022 mit den Bauarbeiten begonnen.
Nach der Phase der Baustelleneinrichtung wurden im April unverzüglich die Ertüchtigungs- und Verstär-
kungsmaßnahmen im Erkundungsstollen sowie die restlichen Innenausbauarbeiten in den Verbindungs-
tunneln Innsbruck begonnen. Im Juli 2022 fand die offizielle Anschlagfeier statt. Unmittelbar im An-
schluss wurden die Sprengvortriebe im Bereich des Knotens Nothaltestelle Innsbruck aufgenommen.
Die Sprengvortriebe der Haupttunnel Richtung Innsbruck begannen noch im November 2022. Die Vor-
triebe der Tunnelbohrmaschinen (TBM) Richtung Süden beginnen 2023. Aktuell werden die TBM pro-
duziert. Die Abnahmen im Werk werden bereits rund um den Jahreswechsel erfolgen.
Im Baulos „H52 Hochstegen“ konnte ebenfalls in der ersten Jahreshälfte mit den Bauarbeiten begonnen
werden. Die Feierlichkeit zum offiziellen Tunnelanschlag fand im Mai 2022 statt. Aktuell wurden bereits
über 35% des Bauloses fertiggestellt. Die Arbeiten im Bereich der Haupttunnel Knoten Wolf sind zu ca.
55% abgeschlossen. Im Erkundungsstollen ist es gelungen, den hydrogeologisch sehr anspruchsvollen
Abschnitt der Rauhwacke im Bereich der Störzone „Hochstegen“ zu durchörtern. Noch im November
2022 begannen nach erfolgreicher Abstimmung mit den zuständigen Behörden die Injektions- und Vor-
triebsarbeiten auf der Haupttunnelebene in diesem Abschnitt.
Der verbleibende Bauabschnitt „H53 Pfons-Brenner“ befindet sich noch in der Ausschreibungsphase.
Auf italienischem Staatsgebiet sind die Baulose „H61 Mauls 2–3“ und „H71 Eisackunterquerung“ aktiv.
Im Baulos Mauls sind noch zwei kontinuierliche Vortriebe Richtung Brennergrenze aktiv. Im Mai 2022
erfolgte der Tunneldurchschlag zwischen den beiden italienischen Baulosen. Beim Baulos „H71 Eisa-
ckunterquerung“ wurden alle vier Tunnelröhren unter dem Fluss Eisack unter Anwendung eines Boden-
vereisungsverfahrens fertiggestellt und somit sind die Arbeiten an den Haupttunnelröhren in diesem
Baulos abgeschlossen.
Migration weiterer Streckenabschnitte in die fünf Betriebsführungszentralen
Darüber hinaus wurden im Jahr 2022 die Steuerbereiche der fünf Betriebsführungszentralen (BFZ) wie-
der deutlich erweitert. So wurden u. a. die Betriebsstellen Viehofen, Wampersdorf und Unter Purkersdorf
in die Betriebsführungszentrale (BFZ) Wien, die Betriebsstellen Hörsching, Marchtrenk, St. Georgen a.
d. Gusen, Weißenbach St. Gallen und Linz Wegscheid in die BFZ Linz, Schwanenstadt in die BFZ Salz-
burg, Leoben Donawitz, Weizelsdorf, Kühnsdorf Klopeinersee und Mittlern in die BFZ Villach und Telfs
Pfaffenhofen in die BFZ Innsbruck migriert. Damit werden bereits rd. 62% des Hauptnetzes der ÖBB-
Infrastruktur AG von den fünf Betriebsführungszentralen aus gesteuert.
Das BFZ-Ausfallkonzept beschreibt, wie im Störungs- bzw. Ereignisfall schnellstmöglich der Betrieb in
hoher Qualität abgewickelt werden kann und die Beeinträchtigungen im nationalen und internationalen
Zugverkehr so gering wie möglich gehalten werden können. Das Ausfallkonzept sieht vor, dass die BFZ-
Systeme und -Bedienplätze nahtlos von anderen BFZ-Standorten übernommen werden können, was
im Störfall die Betriebsführung deutlich erleichtert. In diesem Zusammenhang ist der Neubau der BFZ
Wien und die Errichtung von regionalen Ersatzarbeitsplätzen mit georedundanter IT-Serverlandschaft
geplant bzw. zum Teil bereits in Umsetzung. Seit Mai 2021 wird am Gelände des Bahnhofs Spittal am
Millstätter See ein neues Betriebsgebäude errichtet, das zukünftig die Ersatzarbeitsplätze des BFZ Vil-
lach und die Steuerung der Nebenbahnen beheimatet. Die Fertigstellung der EAP für die BFZ Villach
am Standort Spittal am Millstätter See ist mit Dezember 2023 vorgesehen. Die Hauptarbeiten an der
Errichtung des BFZ Wien Ost 2 starteten im Juli 2021 – die Inbetriebnahme ist aktuell mit Dezember
2023 vorgesehen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
23
TLP gelb (Adressatenkreis)
ETCS – European Train Control System
Das ETCS trägt zur Harmonisierung des europäischen Eisenbahnsystems und damit zu einem interope-
rablen und kostenoptimierten Zugang zum System Bahn bei. So wird die Position des Systems Bahn
gegenüber anderen Verkehrsträgern auf lange Sicht gestärkt.
Mit der Umsetzung des ETCS-Migrationsplans wird die Sicherstellung der Interoperabilität auf Basis
europäischer Vorgaben ermöglicht und gewährleistet. Damit können die gesetzlichen Vorgaben sowohl
in technischer als auch in zeitlicher Hinsicht eingehalten werden. Eine enge Koordination mit dem BFS-
Programm ist jedenfalls sichergestellt. Damit wird im laufend dichter und komplexer werdenden Bahn-
betrieb für die entsprechende Sicherheit, Pünktlichkeit und Qualität gesorgt und die Kund:innenanfor-
derungen werden bestmöglich erfüllt.
Digitalisierung in der ÖBB-Infrastruktur AG
Die ÖBB-Infrastruktur AG setzt Digitalisierung und Automatisierung ein, um Erfolgskriterien wie Pünkt-
lichkeit, Sicherheit und Kund:innenzufriedenheit weiterzuentwickeln sowie den Zugang zur Bahn zu er-
leichtern. Dabei wird interdisziplinär gedacht und Initiativen, die aus der Digitalisierung entstehen, im
Konzern abgestimmt vorangetrieben. Diese Initiativen realisieren Methoden der Automatisierung und
Digitalisierung im System Bahn, um durch mehr Effizienz die Kapazität, die Wirtschaftlichkeit und die
Qualität zu verbessern.
Vor dem Hintergrund der konkreten Herausforderung, die relevanten Themen mit den vielen Facetten
erfolgreich abzuwickeln, werden die notwendigen Prozesse etabliert und an der Bereitstellung der er-
forderlichen Fähigkeiten und Ressourcen gearbeitet. Damit wird eine zentrale Voraussetzung für einen
erfolgreichen und zielgerichteten Transformationsprozess geschaffen. Die Initiativen im Kontext der Di-
gitalisierung wurden in enger Abstimmung mit den betroffenen Bereichen innerhalb der ÖBB-Infrastruk-
tur AG definiert, denn nur so war es möglich wesentliche Verbesserungen, die einen direkten Mehrwert
in den operativen Bereichen mit sich bringen, zu erzielen. Erste messbare Projekte sind die Zuglauf-
checkpoints und das Zugpositionsservice (Projekt „Greenlight”). Letzteres umfasst die präzise Ortung
von Zugpositionen im Gleisbereich. Dabei werden Informationen über Fahrzeuge im Bahnnetz umfas-
send und standardisiert digital bereitgestellt, weiterführende betriebliche Prozesse unterstützt und die
Sicherheit weiter verbessert. Weitere Projekte sind das Digitale Stellwerk und die innovative Regional-
bahntechnik.
Mit dem Programm BFS zählte die ÖBB-Infrastruktur AG schon in der Vergangenheit zu den Vorreite-
rinnen bei den Themen Fernsteuerung und Digitalisierung im Bahnbetrieb. Um dies weiter voranzutrei-
ben, werden ältere Stellwerksbauarten sukzessive durch moderne elektronische Stellwerke ersetzt.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat im Berichtszeitraum mehrere Kooperationen mit Infrastrukturbetreibern
durchgeführt bzw. vertieft, um die internationalen Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich der Digi-
talisierung effizient zur Weiterentwicklung des Bahnbetriebs zu nutzen. Hierzu zählt zum Beispiel die
Kooperation zwischen SBB und ÖBB-Infrastruktur AG in den Gremien Reference CCS Architecture und
Systempillar. Außerdem ist die ÖBB-Infrastruktur AG seit 2019 Mitglied bei EULYNX und Founding
Member bei Shift2Rail II, um aktiv die Weiterentwicklung der Stellwerkstechnik voranzutreiben und die
Vorteile der Digitalisierung zu verankern.
Um eine Effizienzsteigerung im Bereich der Anlagenbereitstellung zu realisieren, setzt die ÖBB-Infra-
struktur AG auf das Thema „Building Information Modeling“ (BIM). BIM ist eine objektorientierte, infor-
mationsbasierte Planungsmethode und verknüpft dreidimensionale Konstruktionen mit weiteren Infor-
mationen wie Produkteigenschaften, Kosten, Bauablauf, betreiberrelevante Details etc. So werden di-
gitale Modelle „intelligent“. Seit 2016 arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG an der Weiterentwicklung und
Integration von BIM in die Projektabwicklung. Erste Projekte werden seit 2018 mit BIM umgesetzt (z. B.
Tunnelkette Granitztal). Da internationale Standards für BIM im Bereich Infrastruktur bislang noch fehl-
ten, arbeitete die ÖBB-Infrastruktur AG gemeinsam mit anderen Infrastrukturbetreibern aus der ganzen
Welt aktiv bei der Standardentwicklung – dem sogenannten IFC-Rail-Projekt von buildingSMART Inter-
national – mit. So konnte im Berichtszeitraum gemeinsam der IFC Standard für Eisenbahninfrastruktur
finalisiert und bei der ISO zur Standardisierung eingereicht werden Damit schafft die ÖBB-Infrastruk-
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
24
TLP gelb (Adressatenkreis)
tur AG die Voraussetzungen für einen international abgestimmten, homogenen und konsistenten Da-
tenfluss und damit die Voraussetzungen für eine weitere Effizienzsteigerung im Bereich der Instandhal-
tung von Anlagen.
Neben BIM gibt es zahlreiche weitere Digitalisierungsvorhaben in der ÖBB-Infrastruktur. Um einen ge-
samthaften Überblick über Daten zu bewahren und diese strukturiert zur Verfügung zu stellen, wurde
eine „ÖBB-Infra Datenfabrik” aufgebaut. Diese Datenfabrik hat den Fokus Prozesse, Methodiken und
technische Plattformen in einem hohen Reifegrad bereit- und optimierte datenbezogene Entscheidun-
gen für Planung und Steuerung der Geschäftsprozesse zur Verfügung zu stellen. Damit sollen in Zukunft
unter anderem prediktive Szenarien im Bereich Maßnahmenplanung und Instandhaltung verbessert und
datengetriebene Entscheidungen ermöglicht werden. Basis dafür ist ein virtuelles Datenabbild der ÖBB-
Infrastruktur AG in einem „Digital Twin ÖBB-Infrastruktur”, der das Gleis- und Streckennetz sowie die
darauf installierten Anlagen enthält.
Im Bereich des „Digitalen Arbeitsplatzes” ist die Umsetzung von zwei für die digitale Transformation
notwendigen Konzernprojekten (Digital Reach und Microsoft 365 Roll-out) bereits weit fortgeschritten.
Aufgrund der Veränderungen durch die Pandemie auf das Arbeitsleben wurden viele digitale Möglich-
keiten geschaffen, remote und digital zusammenzuarbeiten. Diese Projekte bilden die Grundlage der
Digitalisierung unserer operativen Einheiten mit mobilen digitalen Services. Dabei werden im ÖBB-Inf-
rastruktur-Konzern rd. 8.500 Mitarbeiter:innen zum ersten Mal mit einem persönlichen IT-User ausge-
stattet. Dadurch kann jede:r Mitarbeiter:in im Digital Reach somit in- und außerhalb der Arbeitszeit auf
die digitalen Services (z. B. Microsoft 365, HR-Portal, Intranet mobil) zugreifen. Weiters wird zur Um-
setzung des modernen, digitalen Arbeitsplatzes im Rahmen des strategischen Konzernprojektes „Micro-
soft 365” ein Roll-out der Cloudlösung Microsoft 365 in nichtbetriebskritischen Bereichen des ÖBB-Inf-
rastruktur-Konzerns durchgeführt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
25
TLP gelb (Adressatenkreis)
Darstellung der gesamten Rahmenplan- und sonstigen Investitionsprojekte
Projekt
Investitionen
2021 in Mio.
EUR
Voraussichtliche
bzw. erfolgte
Fertigstellung
Bahnhofsum- und neubauten
Bahnhof Arnoldstein 6,0 2020/2026
Bahnhof Dölsach 4,4 2022
Bahnhof Fehring 2,4 2022
Bahnhof Gramatneusiedl 20,0 2024
Haltestelle Langenzersdorf 1,7 2022
Haltestelle Leobendorf-Burg Kreuzenstein 4,8 2023
Bahnhof Mallnitz-Obervellach 2,1 2022
Bahnhof Mürzzuschlag 6,3 2024
Bahnhof Obertraun-Dachsteinhöhlen und Haltestelle Obertraun-Koppenbrüllerhöhle 8,3 2022
Haltestelle Rum 3,7 2022
Bahnhof Telfs-Pfaffenhofen 21,2 2023
Bahnhof Ternitz 6,2 2022
Bahnhof Thal 0,6 2022
Bahnhof Traun 1,5 2023
Bahnhof Traunkirchen und Haltestelle Traunkirchen Ort 9,2 2022
Bahnhof Tullnerbach-Pressbaum 16,6 2023
Haltestelle Ulrichskirchen 2,9 2022
Bahnhof Unter Purkersdorf 23,9 2022
Bahnhof Wartberg im Mürztal 17,3 2024
Wien Franz-Josefs-Bahnhof 12,3 2023
Haltestelle Wien Matzleinsdorfer Platz 8,3 2022/2025
Parkdecks
Hollabrunn; Errichtung Parkdeck 2,4 2022
Wiener Neustadt; Neuerrichtung Parkdeck 3 5,0 2023
Großraum Wien
Inzersdorf; Errichtung Terminal (Cargo
-
Center Wien)1)
1,8
2016/2025
Ausbau Marchegger Ast2)
59,2 2018/2025/20
35
Wien Meidling - Abzw. Altmannsdorf; zweigleisiger Ausbau 27,9 2023
Großraum Wien; Qualitätssicherung Nahverkehr 11,3 2027
Wien Hütteldorf
-
Wien Meidling; Verbindungsbahn
2,2
2028
Wien Meidling - Mödling; 4-gleisiger Ausbau 5,8 2034
Weststrecke
Attnang-Puchheim - Salzburg Hbf; Ausbau Bestandsstrecke3) 14,5 2029
Linz - Wels; 4-gleisiger Ausbau 77,3 2030
Linz Kleinmünchen (a) - Linz Hbf; 4-gleisiger Ausbau 2,0 2032
Neumarkt-Köstendorf - Salzburg; Neubaustrecke
7,6
Planungen
Südstrecke
Wien Blumental - Wampersdorf; 2-gleisiger Ausbau Pottendorfer Linie4) 43,7 2023
Wampersdorf - Wiener Neustadt; Streckenattraktivierung 9,6 2024
Graz - Klagenfurt; Koralmbahn (Projekte gem. Vertrag) inkl. Flughafenast 510,0 2025
Gloggnitz - Mürzzuschlag; Neubaustrecke (Semmering-Basistunnel) 404,8 2029
Bruck a.d. Mur - Graz; Bahnhofsumbauten 9,8 2030
Süßenbrunn - Bernhardsthal; Ausbau Bestandsstrecke 35,7 2030
Pyhrn
-
Schober
-
Achse
Linz Hbf - Summerau; Attraktivierung5) 15,0 2023
Linz - Selzthal; selektiv 2-gleisiger Ausbau und Bahnhofsumbauten 21,7 2034
Tauern
-
Achse
Karawankentunnel; sicherheitstechnische Maßnahmen 10,9 2021
Golling
-
Abtenau
-
Sulzau; Linienverbesserung Bereich Pass Lueg
11,5
2022
Brennerachse
Brenner Basistunnel 235,4 2032
Staatsgrenze n. Kufstein – Knoten Radfeld; Brenner Nordzulauf 15,7 2034
Arlbergachse
St. Margrethen - Lauterach; nahverkehrsgerechter Ausbau und Attraktivierung6) 13,0 2022
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
26
TLP gelb (Adressatenkreis)
Rahmenplan- und sonstigen Investitionsprojekte
Projekt
Voraussichtliche
bzw. erfolgte
Fertigstellung
Programme
Lärmschutz 4,7
Park & Ride 13,8
Streckenelektrifizierungen 31,6
Regionalbahnkonzept Streckenattraktivierungen 66,5
Sicherheit und Betriebsführungssysteme 221,6
Maßnahmen zur Kundenzufriedenheit (Mobilfunk, Datennetze, WLAN) 1,0
Reinvestitionen in das Schienennetz 607,9
Sonstige (inkl. immaterieller Vermögenswerte) 411
Gesamt Rahmenplan- und sonstige Investitionsprojekte 3.102,33
1)
Inbetriebnahme der Betriebsgleise, KLV- und WLV-Anlage erfolgte 2016. Die Umsetzung der Phase 2 erfolgt bis
2025.
2)
Inbetriebnahme des Wiener Abschnitts erfolgte 2018 (Erzherzog-Karl-Straße – Wien Aspern). Die Inbetriebnahme
des Vollausbaus im Bereich Stadlau bis Marchegg erfolgt bis 2025 und im Bereich Marchegg bis Staatsgrenze bis
2035.
3)
Inbetriebnahme des Bahnhofumbaus Neumarkt am Wallersee und Steindorf bei Straßwalchen bereits erfolgt.
4)
Inbetriebnahme des Abschnitts Hennersdorf – Münchendorf erfolgte 2019. Ausbau im Abschnitt Ebreichsdorf wird
bis 2023 umgesetzt.
5)
Inbetriebnahme der Bahnhofsumbauten St. Georgen an der Gusen sowie Lasberg-St. Oswald erfolgte 2022.
6)
Inbetriebnahme der neuen Haltestelle Lauterach Unterfeld erfolgte 2022.
Das Jahr 2022 stand für die ÖBB-Infrastruktur AG weiterhin wieder ganz im Zeichen der Fortsetzung
des laufenden Bahnausbaus. Mit 3,1 Mrd. EUR (Vj: 2,7 Mrd. EUR) Investitionsvolumen forcierte die
ÖBB-Infrastruktur AG im Jahr 2022 den Schienenausbau in Österreich und galt damit als Motor der
heimischen Verkehrsinfrastrukturentwicklung.
Das Anlagevermögen entwickelte sich wie folgt (in Mio. EUR):
0,0
5.000,0
10.000,0
15.000,0
20.000,0
25.000,0
30.000,0
35.000,0
40.000,0
31.12.06 31.12.08 31.12.10 31.12.12 31.12.14 31.12.16 31.12.18 31.12.20 31.12.22
Anlagevermögen zu Buchwerten
Arlbergstrecke; Maßnahmen zur Fahrplanstabilität 6,9 2028
Bregenz - Bludenz; Nahverkehrsausbau (Rheintalkonzept) 4,3 2031
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
27
TLP gelb (Adressatenkreis)
Insgesamt wurden im Geschäftsjahr 2022 bei den immateriellen Vermögensgegenständen und im Sach-
anlagevermögen 3.102,3 Mio. EUR (Vj: 2 720,5 Mio. EUR) in Neu- und Ersatzinvestitionen investiert.
Die Anlagenintensität zum 31.12.2022 der ÖBB-Infrastruktur AG beträgt rd. 96,5% (Vj: 97,8%).
Die Abschreibungsquote, welche die durchschnittlich angenommene Nutzungsdauer des Anlagevermö-
gens als Relation zwischen Abschreibung und Anlagevermögen zu Anschaffungskosten angibt, beträgt
für technische Anlagen 3,1% (Vj: 3,2%) und für bebaute Grundstücke 1,9% (Vj: 1,9%). Der Anlagenab-
nutzungsgrad (inkl. Grundstücke), welcher angibt, in wie weit das vorhandene Vermögen bereits abge-
schrieben ist, beträgt 34,5% (Vj: 34,8%). Im Geschäftsjahr 2022 hat die ÖBB-Infrastruktur AG mehr
investiert als die Abschreibung betragen hat, d.h. die Investitionsdeckung beträgt 316,1% (Vj: 283,1%).
Der Anlagendeckungsgrad als Verhältnis zwischen Eigenkapital zuzüglich langfristigen Fremdkapitals
zum Anlagevermögen zuzüglich langfristigen Umlaufvermögens beträgt 87,7% (Vj: 87,5%).
Österreich liegt bei den Pro-Kopf-Investitionen ins Schienennetz im europäischen Spitzenfeld:
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
28
TLP gelb (Adressatenkreis)
C. Forschung und Entwicklung
Dinge von morgen müssen heute gedacht werden. Mit diesem Auftrag hat es sich die ÖBB-Infrastruktur
AG im Jahr 2022 mehr denn je zur Aufgabe gemacht, mit dem Instrument der Forschung und Entwick-
lung die Vision der Bahninfrastruktur von morgen zu verwirklichen, wissend um ihre Vorbildfunktion und
Vorreiterrolle im Sektor.
Denn ohne Forschung keine Entwicklung und ohne Entwicklung keine neuen Forschungsfelder. Nur
durch „am Ball bleiben“ und „thinking outside the box“ kann etwas bewegt werden. Dynamisches und
dennoch gleichzeitig strategisches Agieren definieren die Handlungsstränge einer erfolgreichen For-
schung und Entwicklung.
Die 2021 etablierte F&E-Strategie #INFRA.F&E_2030 mit der darauf aufbauenden Forschungsroadmap
hat im Jahr 2022 so richtig Fahrt aufgenommen. Die definierten Ziele und Entwicklungsfelder wurden
weiter ausgebaut und im Alignment mit der Grundsatzstrategie der ÖBB-Infrastruktur AG #INFRA.mo-
bilitätswende weiterverfolgt. Sechs strategische Stoßrichtungen bilden die Grundpfeiler und Haupt-
adern, entlang derer sich 19 zugehörige operative F&E-Leuchtturminitiativen in die einzelnen Kernge-
biete auffächern und inhaltlich vertiefen.
Aufbauend auf den definierten Forschungszielen wurden neben vielen anderen F&E-Projekten die drei
Topinitiativen Rail4Future, TARO sowie ERJU weiter vorangetrieben bzw. etabliert, die essenziell für
das Bahnwesen der Zukunft sind. Diese drei Topinitiativen greifen ineinander und verschränken ihre
Interessen, sodass die Vision der zukünftigen Bahninfrastruktur von mehreren Seiten gleichzeitig ange-
steuert werden kann. Dabei orientieren sich die Forschungsaktivitäten dort, wo Europa thematisch durch
Harmonisierung, Regulierung und TSIs den Takt angibt, auch weiterhin in Zusammenarbeit mit Wissen-
schaft, Industrie und Bahnsektor in europäischen Forschungsinitiativen wie z. B. Shift2Rail und Eu-
rope´s Rail Joint Undertaking.
Im Rahmen des Projektes „Rail4Future – Resilient Digital Railway Systems to enhance Performance”,
das im April 2021 offiziell begonnen hat und welches sich zur Aufgabe gemacht hat, die Automatisierung
und Digitalisierung im System Bahn voranzutreiben, wurde im März 2022 ein großes hybrid aufgesetz-
tes Knowledge-Sharing Event veranstaltet. Vorständsmitglieder, Geschäftsführer:innen, Vertreter:innen
von Fördergebern wie BMK, FFG, den Ländern Wien und Steiermark sowie Vertreter:innen von For-
schungseinrichtungen und Universitäten diskutierten über aktuelle Herausforderungen und zukünftig
erforderliche Schritte für das Design und die Entwicklung der Bahninfrastruktur von morgen. Video-
Grußbotschaften von BM Frau Gewessler (BMK) und BM Frau Schramböck (BMW) wurden übermittelt.
Im Oktober 2022 wurde das Vorhaben mit der Auszeichnung „ICT Digitale Juwelen" gewürdigt. Die Aus-
zeichnung überreichte Staatssekretär für Digitalisierung Florian Tursky in feierlichem Rahmen.
Beim Projekt „TARO – Towards Automated Railway Operations“ liegt der Fokus auf Regionalbahntech-
nik, der Automatisierung des Verschubs sowie auf der Etablierung einer Digital-Twin-Infrastruktur. Wei-
terführende Erkenntnisse daraus umfassen konkrete Vorstufenprojekte für Automated Train Operation
(ATO).
Die Mitwirkung der ÖBB-Infrastruktur AG an der europäischen Bahnforschungsinitiative „Europe’s Rail
Joint Undertaking“ (ER-JU) hat im Jahr 2022 richtig Fahrt aufgenommen. Das ER-JU mit einem Projekt-
volumen von rd. 1,2 Mrd. EUR bis 2031 und der Zusammenarbeit von 25 europäischen Partnern aus
den Bereichen Bahnen, Industrie und Forschung setzt einen wichtigen und europäisch abgestimmten
Schritt in Richtung Weiterentwicklung des Systems Bahn und zur Schaffung einer integrierten und in-
teroperablen europäischen Gesamtlösung. Die ÖBB-Infrastruktur AG wird sich ab 2023 in vier For-
schungsfeldern mit großvolumigen Projekten einbringen: KI-basierte Konflikterkennung und -auflösung
in Echtzeit, ETCS Level 3 Full Moving Block, Automatisierung Verschub, Cost-efficient wayside Assets.
Unterstützt in ihren Forschungsvorhaben wird die ÖBB-Infrastruktur AG von nationalen und internatio-
nalen Forschungsprogrammen. Enge Zusammenarbeit auf nationaler Ebene besteht vor allem mit dem
BMK und der FFG durch Beteiligung von individuell geförderten Projekten sowie Teilnahme am Förder-
programm „COMET – Competence Centers for Excellent Technologies“ und der Forschungsinitiative
Verkehrsinfrastrukturforschung VIF.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat erstmals einen Jahresbericht retrospektiv zu ihren Forschungsaktivitäten
2021 erstellt, um sowohl nach innen als auch nach außen transparent Einblick in aktuelle Forschungs-
projekte zu geben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
29
TLP gelb (Adressatenkreis)
Mit Stichtag 31.12.2022 befanden sich in der ÖBB-Infrastruktur AG 80 teilweise zusammenhängende
und übergreifende F&E-Projekte in Bearbeitung. Darin enthalten sind auch jene Einzelprojekte, die im
Rahmen der Forschungsinitiativen Verkehrsinfrastrukturforschung VIF, Shift2Rail, TARO und Rail4Fu-
ture verfolgt werden.
Das aktuelle Projektportfolio hat ein Gesamtvolumen von rd. 24,5 Mio. EUR (für alle aktuell laufenden
Projekte und jeweiligen Laufzeiten bis inkl. 2025 ohne Abzug von Förderungen).
Auszug aktueller Projekte
Die nachfolgend auszugsweise beschriebenen F&E-Initiativen, die sich teilweise aus mehreren, aber in
sich zusammenhängenden Einzelprojekten aufbauen, werden im Kontext mit den F&E-Leuchtturminiti-
ativen, die im Zuge der strategischen Forschungsstoßrichtungen erarbeitet wurden, vorgestellt.
Automatisierung und Digitalisierung stellt eine, wenn nicht sogar die größte Herausforderung des Bahn-
wesens der Zukunft dar. Sowohl auf technischer als auch menschlicher Ebene. Diese Prozesse auch
zusätzlich in Hinblick auf Vereinheitlichung auf europäischer Ebene sowie in Anbetracht des voran-
schreitenden Klimawandels durchführen – ohne den Blick darauf zu verlieren, was im Moment aktuell
ist, macht das gesamte Vorhaben hochkomplex und ist genau das, was Forschung und Entwicklung als
interessantes Spannungsfeld ausmacht.
Komponenten und Materialien
Als zwei Leuchtturminitiativen der Stoßrichtung „Schlüsselkomponenten der Infrastruktur“ beschäftigen
sich Forschungsvorhaben innerhalb dieser Sektoren mit der Weiterentwicklung von Grundbaustoffen
und Einzelkomponenten des Schienenwesens.
Vor allem beim Thema „Beton als Basiswerkstoff“ wurden viele Forschungsinitiativen gestartet. Das
Thema „Nachhaltigkeit“ spielt auch hier eine große Rolle und die ÖBB-Infrastruktur AG nimmt sich der
Aufgabe an, aktiv nach energiearmen Alternativen zu suchen. Das Forschungsprojekt „ERESCON
III“ ging im Jahre 2022 in die bereits dritte Runde, wo bereits erwirtschaftetes Know-how bei der (Wei-
ter-)Entwicklung von ECO-Beton angewendet wurde. Konkret wurden neuartige Betonsorten und deren
Zusammensetzung und Eigenschaften überprüft und eine Auswahl geeigneter, lokal verfügbarer Stoffe
getroffen sowie die wissenschaftliche Bewertung der neu entwickelten Rezepturen untersucht.
Auch das Forschungsprojekt „DaBeFoNa“ – Nachweiskonzepte für dauerhafte Betone – schlägt in die-
selbe Kerbe. Nicht die Entwicklung, sondern die Überprüfung der Empfindlichkeit des CO
2
-reduzierten
Bindemittelsystems in Bezug auf die Dauerhaftigkeit und in weiterer Folge der Instandhaltungsmaßnah-
men steht hier im Fokus.
Die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes ist die Kernaufgabe des Bahnwesens. Gerade Instand-
haltungsmaßnahmen können den Bahnbetrieb beeinträchtigen. Minimierung dieser Maßnahmen durch
Lebensdauerverlängerung einzelner Schienenkomponenten macht ebenfalls einen essenziellen Teil der
aktuellen Forschungsprojekte aus. Im Sommer 2022 startete das Projekt „NONIs“. Durch Neuentwick-
lung optimierter und nachhaltiger Isolierstöße wird sich dieser Problematik angenommen. Defekte Iso-
lierstöße führen, gerade in urbaner Umgebung mit vielen Weichen, zu Störungen des Betriebsablaufs
und zu Verzögerungen im Zeitplan auf Kosten der Pünktlichkeit und Kund:innenzufriedenheit.
Klimaresilienz und Energieeffizienz
Umwelteinflüsse hatten immer schon große Auswirkungen auf den Bahnbetrieb. Um für neue und her-
ausfordernde Gegebenheiten in puncto Klima und Naturgefahren gewappnet zu sein, rüstet die ÖBB-
Infrastruktur AG bezüglich Früherkennungs- und Frühwarnsysteme auf. Gemeinsam mit der UBIMET
und der Universität für Bodenkultur hat die ÖBB-Infrastruktur das Projekt „KlimZug“ ins Leben gerufen.
Ziel dieses Projektes ist es, den Ausbau des ÖBB Wetterwarnsystems mittels einer Art künstlichen neu-
ronalen Netzes durch die Einspeisung meteorologischer Daten zu veranlassen.
Auch bezüglich alternativer Antriebe und deren Energieversorgung beschäftigt sich die F&E im Rahmen
des Projektes „AADE“. Der zukünftige Energiebedarf durch Verkehr und Transport wird untersucht und
geeignete Lösungen zur Energiebereitstellung gegenübergestellt. Die Innovation des Projekts liegt da-
bei in der umfassenden Betrachtung von Entwicklungen und Technologien aus dem Verkehrs- und Ener-
giebereich und deren mögliche Implementierung mit gegebenenfalls notendigen Adaptierungen in das
bestehende Netz.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
30
TLP gelb (Adressatenkreis)
Zugsvorbereitung und Verschub
Das Projekt „TARO“ beschäftigt sich mit dem Verschub der Zukunft, gleichzeitig wird dieses Thema
durch die europaweite Einführung einer digitalen, automatischen Kupplung (DAK) mit integrierter Strom-
und Datenbusleitung (DAK Stufe 4) dargestellt. Diese ersetzt langwierige händische Kupplungspro-
zesse und ermöglicht ausreichende Stromversorgung und eine sichere Datenleitung im Güterzug. Sie
dient damit als Enabler-Funktion für die Automatisierung von Betriebsabläufen und ermöglicht, die Zu-
gintegrität von Güterzügen zu überprüfen – an jedem Standort, zu jeder Zeit, europaweit.
Arbeitsplatz der Zukunft
Die 19 Leuchtturminitiativen wurden um eine weitere Initiative erweitert – Arbeitsplatz der Zukunft. Den
anstehenden Generationswechsel und den somit bevorstehenden Wissenstransfer von einer Expert:in-
nenebene auf die Fachkräfte von morgen wird die ÖBB-Infrastruktur AG in den kommenden Jahren auf
allen Ebenen spüren.
Weiterhin gilt es, den ÖBB-Infrastruktur-Konzern als einen der größten und besten Arbeitgeber des Lan-
des zu halten und im Idealfall sogar zu verbessern.
Dieser Task ist auch bei der F&E angekommen. Gemeinsam mit den diversen Geschäftsbereichen fin-
det Brainstorming in allen erdenklichen Bereichen statt. Im Jahr 2022 konnte das Projekt „Maxi-
mizeMe“ ins Leben gerufen werden, das gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut, der TU Wien und der
Pilotfabrik neuartige Methoden für Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten erarbeitet, bei gleichzeitiger
Beachtung von Inklusion- und Diversitätsförderungszielen am Arbeitsplatz. Auch hier spielt die Digitali-
sierung eine wichtige Rolle, die in diesem Bereich nicht mehr wegzudenken ist.
Im Herbst 2022 startete das Projekt „ZuZugLeben“, das sich der Entwicklung eines Zukunftbildes für
ÖBB Wohnsiedlungen und dessen Umsetzung widmet. Gemeinsam mit dem Geschäftsbereich Immo-
bilien wickelt die F&E das vom Klima- und Energiefonds im Rahmen der Smart-Cities-Initiative „Leucht-
türme für resiliente Städte 2040" geförderte Projekt ab.
Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung betragen im Geschäftsjahr 3,3 Mio. EUR (Vj. 3,8
Mio. EUR).
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
31
TLP gelb (Adressatenkreis)
D. Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Rahmenbedingungen und Herausforderungen
Seit mehr als 180 Jahren schafft der ÖBB-Infrastruktur-Konzern die Grundlage, um Menschen und Gü-
ter nachhaltig zu transportieren und trägt damit aktiv zur Steigerung der Lebensqualität sowie der Wett-
bewerbsfähigkeit Österreichs bei. Die Kund:innen werden mit einer leistungsfähigen Infrastruktur, ope-
rativer Exzellenz und attraktiven Services und Dienstleistungen begeistert – heute und auch in Zukunft.
Zu den Hauptaufgaben des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zählen die Bereitstellung von Fahrwegkapazi-
tät sowie die Planung, Errichtung, Instandhaltung und der Betrieb der Schieneninfrastruktur als auch
das Erbringen von Dienstleistungen im Eisenbahnbereich. Um die Aufgaben trotz wandelnder Rahmen-
bedingungen auch weiterhin mit hoher Qualität erfüllen zu können, muss unterschiedlichen Herausfor-
derungen begegnet werden:
– Kapazitäten schaffen für den Umstieg. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist das Rückgrat der Mobili-
tätswende in Österreich. Er ist gefordert, die entsprechenden Kapazitäten zu schaffen, um die Ver-
kehrsverlagerung im Personen- und Güterverkehr möglich zu machen.
– Sicherheit und Pünktlichkeit. Die zu erwartende steigende Zugdichte muss sicher und zuverlässig
abgewickelt werden können. Optimierte und digitalisierte Betriebsprozesse sowie eine gelebte Sicher-
heitskultur sind die Basis für die hohen zukünftigen Anforderungen.
– Liberalisierung. Die steigende Anzahl von EVUs im Schienennetz bedingt eine Weiterentwicklung
der „Spielregeln am Netz”. Verkehrsartenspezifische Widmung von Trassenkapazitäten und ein ver-
lässlicher Rechtsrahmen für die Nutzungsbedingungen des Schienennetzes sind notwendig.
– Finanzen stabilisieren. Bedingt durch den Anlagenzuwachs und die zunehmende Technologisierung
steigt die Komplexität und somit auch die (absoluten) Kosten. Neben einem verkehrspolitisch und
regulatorisch tauglichen Erlösmanagement muss der Kostenzuwachs durch Optimierung von Wert-
schöpfungstiefe, Innovationen, Steigerung der Arbeitsproduktivität und strategischen Allianzen ge-
dämpft werden.
– Klimaschutz und Nachhaltigkeit forcieren. Der „Green New Deal” und die Dekarbonisierung der
Wirtschaft stellen den Verkehrssektor vor gravierende Herausforderungen. Der ÖBB-Infrastruktur-
Konzern sieht sich gefordert, den ökologischen Wettbewerbsvorteil des Systems Bahn weiter auszu-
bauen. Energie und Klimaschutz müssen daher ins Zentrum des Handelns gestellt werden.
– Multimodale Zukunft gestalten. Der Mobilitätsmarkt erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Verkehrs-
systeme wachsen zusammen bzw. entwickeln sich immer mehr zu vernetzten Mobilitätsökosyste-
men, in welchen das System Bahn weiter an Bedeutung gewinnen wird. Durch Bereitstellung von
multimodaler Bahnhofs- und Terminalinfrastruktur sowie von Anlagen- und Betriebsdaten unterstützt
der ÖBB-Infrastruktur-Konzern diese Zukunft.
– Digitalisierung nutzen, um besser zu werden. Durch die Digitalisierung bieten sich Möglichkeiten,
Mehrwert für Kund:innen und Organisation zu schaffen. Eine zielgerichtete Nutzung der Digitalisierung
eröffnet die Chance, Menschen einfacher zu verbinden und Prozesse weiter zu optimieren.
– Generationenmanagement bewältigen und Diversität erhöhen. Um auch in Zukunft erfolgreich zu
bleiben, muss der ÖBB-Infrastruktur-Konzern weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber mit einer inspirie-
renden und motivierenden Kultur der Zusammenarbeit sein. Durch ein gezieltes Generationenma-
nagement wird das Know-how im Unternehmen abgesichert. Innovative Formen der Zusammenarbeit,
Diversität und gleichberechtigte Karrierechancen für alle Mitarbeiter:innen müssen den ÖBB-Infra-
struktur-Konzern als Arbeitgeber künftig auszeichnen.
Strategie und Strategieumsetzung – Wichtige Initiativen im Konzern
#INFRA.Mobilitätswende – Die Unternehmensstrategie der ÖBB-Infrastruktur AG
Unter dem Titel „#INFRA.Mobilitätswende“ legt die ÖBB-Infrastruktur AG ihre strategische Ausrichtung
für die kommenden zehn Jahre vor, um den Erfolg des Unternehmens nachhaltig abzusichern.
Die Vision: Die ÖBB-Infrastruktur AG ist eine starke Partnerin in der Mobilitätswende:
– Die ÖBB-Infrastruktur AG verbessert ihre Produktivität und Klimaeffizienz.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG schafft die Kapazitäten für den Umstieg auf die Schiene.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG vernetzt sich analog und digital mit ihren Kund:innen und Partner:innen.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG ist eine attraktive Arbeitgeberin mit Vielfalt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
32
TLP gelb (Adressatenkreis)
Um diese Vision zu erreichen und den Erfolg der Strategie zu messen, wurden folgende strategische
Ziele festgelegt:
– Die ÖBB-Infrastruktur AG schafft ein attraktives Angebot für die Mobilitätswende.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG stärkt den ökologischen Wettbewerbsvorteil der Bahn.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG steigert die Produktivität und Klimaeffizienz.
– Die ÖBB-Infrastruktur AG hält Sicherheit und Pünktlichkeit auf hohem Niveau.
Abgeleitet von der Vision und den strategischen Zielen baut die Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Kon-
zerns auf sechs strategischen Stoßrichtungen auf:
– Kund:innenzentriertes Geschäftsmodell – mehr Bahn für unsere Kund:innen. Der ÖBB-Infra-
struktur-Konzern schafft attraktive Services und stellt seine Kund:innen in den Mittelpunkt. Er ist in
Österreich und weiten Teilen Europas der Partner für zuverlässige und reibungslose Mobilität. Die
neuen Services bringen die analoge und digitale Welt zusammen. Gemeinsam mit Partner:innen ver-
bindet er die Schiene mit Straße, Schiff- und Luftfahrt. Er versteht die Anforderungen seiner Kund:in-
nen und die Kund:innen fühlen sich gut aufgehoben.
– Optimierte Wertschöpfungstiefe – mehr Fokus für unsere Kund:innen. Um die Ziele zu erreichen,
setzt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern seine Mitarbeiter:innen optimal ein und achtet sorgsam auf seine
finanziellen Mittel. Er konzentriert sich auf das Wesentliche und arbeitet in Zukunft einfacher und
transparenter zusammen. Überall dort, wo er Leistungen nicht selbst erbringen kann, legt er höchstes
Augenmerk auf verlässliche Partner:innen und langfristige Beziehungen.
– Digitalisierung – eine vernetzte Bahn für unsere Kund:innen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern will
den Bahnbetrieb sicherer, wirtschaftlicher und produktiver steuern und auf seinen Strecken kürzere
Taktfolgen erreichen. Er setzt dabei auf hoch verfügbare digitale Stellwerke und automatisiert künftig
noch stärker. Die Anlagen und Systeme sind miteinander vernetzt und liefern alle Daten in Echtzeit.
Der erhöhte Automatisierungsgrad bei der Zugproduktion steigert damit Sicherheit, Kapazität und
Wirtschaftlichkeit. Auf den Regionalbahnen nutzt er ab dem Jahr 2025 innovative und kostengünstige
Technik.
– Innovatives Anlagenmanagement – mehr Nachhaltigkeit für die Kund:innen. Der ÖBB-Infrastruk-
tur-Konzern investiert verantwortungsbewusst und ökologisch. Für den gesamten Lebenszyklus von
Anlagen gibt es Standards. Alle Teile sind digital geplant, passen optimal zueinander und sind jederzeit
hoch verfügbar. Gemeinsam mit seinen Partner:innen denkt er immer ökologisch und höchst effizient
– vom Design, der Planung und Beschaffung, über den Bau bis zum Ausscheiden.
– Energiewende und Klimaschutz – eine grüne Bahn für die Kund:innen. Der ÖBB-Infrastruktur-
Konzern leistet einen wesentlichen Beitrag, um den ökologischen Wettbewerbsvorteil des Systems
Bahn weiter auszubauen. Grüner Bahnstrom ist eine der Grundlagen für die klimafreundliche Mobilität.
Durch eine Ausbauoffensive für erneuerbare Energien, die Dekarbonisierung der Betriebsstätten und
die Steigerung der Energieeffizienz forciert er die Energiewende im System Bahn. Umfassende Öko-
logisierungsinitiativen in der Anlagenbereitstellung sowie in der Beschaffung stärken die Rolle des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns als österreichischer Leitbetrieb für Klimaschutz.
– Generationenmanagement und Diversität – mehr Vielfalt für die Kund:innen. Der ÖBB-Infra-
struktur-Konzern ist ein attraktiver Arbeitgeber und fördert Vielfalt, Inklusion und Chancengleichheit.
Bis 2030 werden viele engagierte und vielfältige Mitarbeiter:innen neu im Konzern aufgenommen, die
gemeinsam als Team an einer erfolgreichen Zukunft arbeiten. Der Konzern hat einen großen Gene-
rationenwandel vor sich. Es gilt, das bestehende Wissen sicher weiterzugeben und Raum für neue
Ansätze und Ideen zu schaffen.
Strategieumsetzungsprogramm „Nordstern“
Um die effiziente Umsetzung der Strategie zu gewährleisten, wurden analog zu den sechs strategischen
Stoßrichtungen sechs strategische Programme initiiert. Diese werden unter dem konzernübergreifen-
den Programm „Nordstern“ strukturiert und organisiert. Dieses Strategieprogramm wurde bereits 2018
mit dem Fokus auf die strategische Dimension „Wettbewerbsfähigkeit“ initiiert und wird um die Dimen-
sion „Operative Exzellenz“, „Neue Services“ sowie „Starkes Team“ erweitert.
Das Zielnetz als ein wesentlicher Ansatz zur Strategieumsetzung
Mit dem Zielnetz 2025+ werden die strategischen Weichen für den Ausbau und die Instandhaltung der
Eisenbahninfrastruktur in Österreich gestellt. Es schafft die Voraussetzungen dafür, dass Schritt für
Schritt ein Taktfahrplan im Personenverkehr eingeführt werden kann, und unterstützt die weitere Verla-
gerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene. Die Weiterentwicklung des Infrastrukturan-
gebotes bildet eine Grundlage für die Gewinnung von zusätzlicher Nachfrage für die Schiene. Auf Basis
des Zielnetzes 2025+ wird ein Netzentwicklungsplan (NEP) erstellt, welcher konkrete Zielsetzungen und
Vorgaben zur Dimensionierung der Infrastruktur des ÖBB Streckennetzes enthält.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
Darauf aufbauend werden in den Streckenentwicklungsplänen (SEPs) die Vorgaben und Inhalte aus
dem Zielnetz 2025+ und dem NEP in Etappen konkretisiert, priorisiert und auf die jeweilige Strecke
übergeleitet. Durch die Fokussierung auf strategische Ziele und Maßnahmen spezifizieren die SEPs die
Vorgaben für die Weiterentwicklung der Strecken. Sie zeigen somit den Weg zur Erreichung und Um-
setzung des Zielnetzes 2025+ auf und bilden ein wichtiges Instrument für die Operationalisierung. Um
auch künftig weiter die richtigen strategischen Maßnahmen setzen zu können, finden bereits jetzt die
Arbeiten für das Zielnetz 2040 statt. Fokus des Zielnetzes 2040 ist die Identifikation und Priorisierung
von Erweiterungsinvestitionen, vor allem für den Zeitraum 2030 bis 2040. Aufbauend auf dem Zielnetz
2025+ wird sich das Zielnetz 2040 auf folgende Schwerpunkte fokussieren:
– Taktfahrplan und Fahrzeiten: Verkürzung der Fahrzeiten und Weiterentwicklung des integrierten
Taktfahrplans, insbesondere entlang der österreichischen Hauptachsen zur Verbesserung der Vernet-
zung zwischen Fern, Nah- und Regionalverkehr sowie Einbettung des österreichischen Bahnnetzes
in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz.
– Ballungsräume und Kapazitäten: Ermöglichung dichterer Takte und neuer Angebote für den Nah-
und Regionalverkehr auf Grundlage der zu erwartenden Nachfrage, insbesondere in den Ballungs-
räumen sowie Sicherstellung ausreichender Kapazität für Verkehr und Substanzerhalt.
– Güterverkehr: Unterstützung der Verlagerungsziele im Güterverkehr durch eine wettbewerbsfähige
Schienengüterverkehrsinfrastruktur. Der Fokus liegt auf der Sicherstellung der benötigten Anlagen
sowie der Trassenkapazität und -qualität.
– Dekarbonisierung: Vollständige Dekarbonisierung des Bahnverkehrs bis 2040 durch einen wirt-
schaftlich optimalen Mix aus Elektrifizierung von Strecken und dem Einsatz von Fahrzeugen mit alter-
nativen Antriebstechnologien auf Grundlage der Elektrifizierungsstrategie.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
Infrastruktur – Investitionen in Ausbau und Sicherheit
Aufbauend auf dem Nationalen Energie- und Klimaplan wird das jährliche Investitionsprogramm um 5%
pro Jahr ausgeweitet. Dies findet sich auch im aktuellen – von der Bundesregierung beschlossenen –
Rahmenplan 2023 bis 2028 mit einem Gesamtvolumen von rd. 19,0 Mrd. EUR für die nächsten sechs
Jahre wieder. Mit diesem Rahmenplan wird an den vorherigen Rahmenplan 2022 bis 2027 angeknüpft.
Mit dem Ausbau und der Modernisierung des Netzes wird ein bedeutender Beitrag für die heimische
Wirtschaft geleistet. Dabei werden auch gezielte Investitionen im ländlichen Raum getätigt, welche ins-
besondere Impulse für die regionale Wirtschaft – Fokus Klein- und Mittelbetriebe – bringen.
Die größten Projekte des laufenden Ausbauprogramms betreffen die Brennerachse und die neue Süd-
strecke. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Elektrifizierung und Attraktivierung von Regionalbahnen
sowie der Stammstrecke der Wiener Schnellbahn. Der Ausbau von Güterverkehrterminals, die Fortfüh-
rung der Bahnhofsoffensive, des Park & Ride- und Lärmschutzprogramms sowie ein umfangreiches
Sicherheits- und Betriebsführungspaket (inklusive Digitalisierungsschwerpunkten) tragen ebenso we-
sentlich dazu bei, entsprechend dem Zielnetz 2025+ ein hoch attraktives System Schiene für Generati-
onen zu schaffen.
Mit Forschung und Entwicklung sowie Innovation zum Erfolg der Zukunft
Innovation als wichtiger Hebel für die Strategieerreichung
Innovation ist ein wesentlicher Hebel zur Erreichung der strategischen Ziele des ÖBB-Konzerns. Dabei
konnten in den vergangenen Jahren schon einige Erfolge erzielt werden. Es gilt jedoch, die Arbeit kon-
tinuierlich fortzusetzen und Innovation als starke Triebkraft zur Strategieumsetzung im Unternehmen
stärker zu verankern. Die Ableitung von Innovationsthemen aus der Strategie und der Fokus auf das
Kerngeschäft leisten einen wesentlichen Beitrag, um die Wettbewerbsfähigkeit des Systems Bahn wei-
ter zu stärken. Die Wirkung der Innovationskraft wird am Erreichen von strategischen Zielen gemessen.
Open Innovation
Um die Innovationskultur im ÖBB-Konzern zu stärken, wurde die Methode der „Open Innovation“ etab-
liert. Gemeinsam mit internen Stakeholder:innen und Kund:innen wird nach neuen Lösungen und Ser-
vices gesucht, um das Bahnfahren von morgen zu gestalten. Dazu zählen neben fachlich qualifizierten
Mitarbeiter:innen, geeigneten Räumlichkeiten wie dem „Open Innovation Lab“ auch eine breite Palette
an Methoden um Innovationen zu ermöglichen. Bei der Umsetzung von Innovationsinitiativen wird das
Prinzip „Rapid Prototyping” angewandt: Aus Ideen werden rasch Prototypen entwickelt, die sofort im
Markt bei den Kund:innen getestet und auf Basis des Feedbacks weiterentwickelt werden. Der sich
wiederholende Prozess erlaubt es, Ideen effizient und rasch zu relevanten Produkten, Services und
Prozessen zu gestalten. Diese Methode schafft die Möglichkeit, in kurzer Zeit Kund:innenbedürfnisse
zu verstehen und die Produkte dafür maßzuschneidern.
Ideenwerkstatt als kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)
Um das Potenzial aller ÖBB Mitarbeiter:innen für Ideen bestmöglich zu fördern und so gemeinsam die
Weiterentwicklung der Zukunft des Konzerns voranzubringen, gibt es die Ideenwerkstatt zur Einbrin-
gung von Verbesserungsvorschlägen. Damit wollen wir stetig unsere Produkte, Services und Prozesse
optimieren. Interne Fachexpert:innen prüfen, welche Ideen in die nächsten Schritte weitergetragen wer-
den. 2022 (Stand per 31.12.2022) wurden 439 Ideen in der Ideenwerkstatt durch Mitarbeiter:innen ein-
gebracht und 110 davon erfolgreich umgesetzt. Durch diese Verbesserungsmaßnahmen gelang es, seit
2015 ein berechnetes Einsparungspotenzial von rd. 18,1 Mio. EUR zu heben.
Forschung und Entwicklung als Grundlage für Innovationen
Eine strategiegeleitete Forschung und Entwicklung steht im Mittelpunkt des Entwicklungsbestrebens
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Durch klar definierte Corporate-Research-Areas werden mehrjährige
Perspektiven geschaffen und mit zugehörigen, langfristigen F&E-Roadmaps gesteuert. Gemeinsam mit
strategischen Partnern aus unterschiedlichen Kompetenznetzwerken positionieren sich die ÖBB als na-
tionaler Leadpartner der Bahnzulieferindustrie und Kernteampartner bei Konsortien. Die Beteiligung an
europäischen Forschungsprogrammen hat hohe Priorität, um Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
mit internationalen Partnern zu bündeln. Dies zeigt sich auch in der Initiative „Shift2Rail“. In einem ge-
meinsamen Bestreben mit anderen europäischen Bahnen, der Industrie und der Europäischen Kom-
mission werden Maßnahmen zusammengefasst, um die Bahn von morgen pünktlicher, zuverlässiger
und kosteneffizienter zu machen.
Sonstige wichtige Vorgänge
Ausblick ÖBB-Konzern
Die Konzernstrategie und die Gesellschafts- und Geschäftsstrategien der Teilkonzerne sowie der Betei-
ligungsgesellschaften sind die Grundlage für die Geschäftsentwicklungen der Gesellschaften. Dafür ist
die Einhaltung der Geschäftsaufträge und der definierten strategischen Konzernrahmen sicherzustellen
sowie die strategischen Handlungsfelder der Teilkonzerne in ihrer Geschäftstätigkeit abzubilden und
entsprechend auszuweisen. Für die Erreichung der in der Strategie definierten Ziele sind konkrete Initi-
ativen zu planen und deren Beitrag zur Zielerreichung zu quantifizieren. Dazu ist im Konzern das Trans-
formationsprogramm „Nordstern“ implementiert worden.
Transformationsprogramm „Nordstern“
Im Rahmen des Transformationsprogrammes „Nordstern“ wird mittels methodischer Begleitung konti-
nuierlich der Fortschritt der Strategieumsetzung nachverfolgt und der Veränderungsprozess sicherge-
stellt. Gleichzeit wird anhand konkreter Meilensteine den Mitarbeiter:innen des Konzerns der Wandel
verständlich gemacht. Das soll sie dabei unterstützen, sich aktiv an der Transformation zu beteiligen.
Im Konzern wurden strategische KPIs (KPI = Key Performance Indicator) definiert und geplant. Sie
dienen der weiteren Operationalisierung der Konzern-, Markt- und Funktionalstrategien sowie zur kon-
tinuierlichen Nachverfolgung deren Erreichung. Diese KPIs unterstützen die Konzerngesellschaften in
den konkreten Beschreibungen der Ziele. Strategieumsetzung heißt, Initiativen (also Programme und
Projekte) zu starten und durchzuführen, die zur Erreichung der Ziele beitragen. Für die weitere Strate-
gieumsetzung wurden und werden alle relevanten Initiativen (Projekte, Programm etc.) mit den strate-
gischen KPIs verknüpft. Dies soll die Ausrichtung der täglichen Arbeit anhand der Strategie verstärken.
Trend.Radar
Die ÖBB müssen selbst die Trends, die das Geschäft und die Branchen bewegen oder in Zukunft be-
einflussen könnten, inhaltlich kennen. Fehlt dieses Wissen, fehlt automatisch auch die Basis für ein
professionelles Management. Das Entdecken, Analysieren und Bewerten von Trends kann daher nicht
ausgelagert werden, sondern muss im Konzern erfolgen. Das Motto lautet: Heute in die Zukunft von
morgen investieren.
Deshalb gilt es, sich in regelmäßigen Abständen mit den Veränderungen im Marktumfeld auseinander-
zusetzen und die aktuellen Trends und deren Einfluss auf den ÖBB Konzern im Auge zu behalten. Dabei
kommt dem ÖBB Trend.Radar eine große Bedeutung zu. Die Trends „Autonomes Fahren auf der
Straße“, „Künstliche Intelligenz“ und „3D-Druck“ wurden und werden laufend von einem internen Team
analysiert, evaluiert und bewertet. Für weitere Trends, die auf Basis von Experten:inneneinschätzungen
kurz- und mittelfristig für den ÖBB-Konzern relevant sein werden, werden Trendteams zusammenge-
stellt und Trendanalysen angestoßen. Bei Trends, die im Zuge der Trendanalyse der Kategorie „Per-
form“ zugeordnet sind, kann davon ausgegangen werden, dass sie in den nächsten fünf Jahren für die
ÖBB relevant werden.
Daher müssen diese im operativen Geschäft berücksichtigt und durch entsprechende Initiativen adres-
siert werden.
Ausblick ÖBB-Infrastruktur-Konzern
Rahmenplan 2023 bis 2028
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern investiert in den nächsten Jahren rd. 19,0 Mrd. EUR in ein modernes
Eisenbahnnetz. Damit kann das größte Bahninfrastruktur-Paket aller Zeiten trotz herausfordernder
Rahmenbedingungen auch weiterhin stabil umgesetzt werden. Die Zeitpläne der Projekte wurden dem
aktuellen Stand der Projektentwicklung angepasst und fortgeschrieben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
36
TLP gelb (Adressatenkreis)
Im Vergleich zum Rahmenplan 2022 bis 2027 wird in den kommenden sechs Jahren noch stärker in
den (Um-)Bau von barrierefreien Bahnhöfen investiert werden. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern kann
damit sein Ziel, den Zugang zur Bahn einfach und bequem – also möglichst barrierefrei – zu gestalten,
weiter vorantreiben.
Auch im Gütertransport ist für die kommenden Jahre ein steigendes Interesse zu erwarten, sodass in
Zukunft mehr Verkehr auf der Schiene abgewickelt wird. Gründe dafür sind unter anderem eine Novelle
im Abfallwirtschaftsgesetz und ein überarbeitetes Fördersystem für Anschlussbahnen an Unternehmen.
Um die infrastrukturellen Voraussetzungen dafür weiter zu optimieren, wurden im Rahmenplan 2023 bis
2028 unter anderem Mittel für die Errichtung und Anpassung von Güter-Ladestellen vorgesehen. So
wird der Umschlag von Transporten zwischen Straße und Schiene noch attraktiver.
Im Großraum Wien wird zusätzlich in den Ausbau der Bahnhöfe zu multimodalen Mobilitäts-
Drehscheiben investiert, das beinhaltet auch die Errichtung von Park & Ride- und Bike & Ride-
Angeboten.
Konstant weiterverfolgt wird der Weg sowohl bei den Großprojekten entlang der Südstrecke als auch
bei den Regionalbahnen. Die geplanten Attraktivierungen und Elektrifizierungen sind nach wie vor auf
Schiene. Auch im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung sind maßgebliche Investitionen
vorgesehen, um weiterhin einen effizienten und sicheren Eisenbahnbetrieb zu gewährleisten. Dazu
zählen unter anderem die Weiterentwicklung der elektronischen Stellwerke oder die Aufrüstung des
Zugsicherungssystems auf ETCS (European Train Control System). Die automatisierte Betriebsführung
ermöglicht eine Ausweitung der Kapazitäten und die Optimierung von Pünktlichkeit und Sicherheit.
Zu Anpassungen kommt es bei der Inbetriebnahme der Neubaustrecke Schaftenau – Knoten Radfeld.
Diese orientiert sich auch an der aktualisierten, vorgesehenen Inbetriebnahme des Brenner
Basistunnels (voraussichtlich im Jahr 2032) und ist nun im Jahr 2034 vorgesehen. Die Übergangsphase
von zwei Jahren kann durch die Kapazitäten der Bestandstrecke abgedeckt werden.
Beim viergleisigen Ausbau der Weststrecke im Großraum Linz kommt es durch Anpassungen an die
aktuellen Projektentwicklungen zu einer Entflechtung der einzelnen Projekte. Aufgrund der
Verfahrenslage beim Ausbau Linz – Marchtrenk (Einsprüche zum eisenbahnrechtlichen sowie
naturschutzrechtlichen Bescheid werden aktuell vom Bundesverwaltungsgericht geprüft) wurde die
geplante Inbetriebnahme auf 2030 angepasst. Das Projekt Marchtrenk – Wels läuft planmäßig. Dem
nachgelagert kann aufgrund der gegenseitigen betrieblichen Abhängigkeiten die viergleisige
Durchbindung der Weststrecke zwischen Linz Kleinmünchen und der Ostseite des Linzer
Hauptbahnhofs erst im Nachgang, bis 2032, realisiert werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
37
TLP gelb (Adressatenkreis)
Nachhaltigkeit
Energie
Die Eigenproduktion von erneuerbarer Energie wird weiter forciert. Insgesamt sollen bis 2030 zusätzlich
277 GWh aus erneuerbarer Energie produziert werden. Im Bereich Wasserkraft wurde 2021 ein Revi-
talisierungsprojekt erfolgreich abgeschlossen und zwei Erweiterungsprojekte befinden sich aktuell in
Umsetzung. Bis 2030 sollen Fotovoltaik- und Windkraftanlagen jährlich 225 GWh Strom erzeugen. Be-
züglich der Errichtung von Fotovoltaikanlagen sollen diese Anlagen auf Freiflächen, Gebäuden, Bahn-
steigen, Schallschutzwänden aber auch auf versiegelten oder bereits vorbelasteten Flächen wie flächi-
gen P&R Anlagen oder Deponien errichtet werden.
Neben dem Ausbau der Solarkraft engagiert sich der ÖBB-Infrastruktur-Konzern auch im Bereich der
Windkraft. Im Herbst 2022 wurde die weltweit erste 16,7-Hz-Prototyp-Windkraftanlage in Betrieb ge-
nommen.
Überdies wird in den nächsten Jahren der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zur Raumwärmebereit-
stellung forciert: Ausstieg aus Gas- und Ölheizungen.
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist die ÖBB-Infrastruktur AG als Unternehmen von öf-
fentlichem Interesse mit einer Vielzahl von Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen konfrontiert. Bereits
seit dem Geschäftsjahr 2017 wird eine nichtfinanzielle Erklärung im Lagebericht veröffentlicht. Die An-
forderungen an die Qualität und Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung steigen von Jahr zu Jahr,
neue EU-Vorgaben für ein nachhaltiges Wirtschafts- und Finanzsystem im Rahmen des Green Deals
schaffen das entsprechende Regelwerk. Neben den Vorgaben der EU-Taxonomie-Verordnung zur Klas-
sifizierung von nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten werden durch die Corporate Sustainability Reporting
Directive ab dem Geschäftsjahr 2024 zusätzlich noch detailliertere Berichtspflichten (ökonomisch, öko-
logisch, sozial) eingeführt – unter anderem durch verpflichtende EU-Berichtsstandards. Dadurch soll die
Vergleichbarkeit erhöht und damit mehr Transparenz sichergestellt werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
Digitalisierung
Damit unsere Kund:innen auch in Zukunft die Vorteile der Digitalisierung nutzen können, erprobt die
ÖBB-Infrastruktur AG schon jetzt zukunftsweisende Stellwerkstechnologien (cloudfähige Lösungen)
und setzt im Bereich der Digitalisierung verstärkt auf Kooperationen mit Partnerbahnen (DACH). Smarte
Feldelemente, die Auflösung von begrenzten Stellbereichen sowie hardwareunabhängigere Reinvesti-
tionszyklen werden mittel- bis langfristig einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Life-Cycle-
Kosten und geringeren Instandhaltungsaufwendungen leisten.
Mit der Festlegung und Abnahme der Regionalbahnarchitektur 2026+ wurden im Zuge des Innovations-
programms „Regionalbahntechnik“ die Weichen zur Attraktivierung von Regionalbahnen gestellt. Durch
Bündelung innovativer Technologie für Regionalbahnen wird die Kapazität und Wirtschaftlichkeit dieser
Strecken optimiert. Das Programm liefert dabei die Grundlagen für einen gesamthaften Sicherungstech-
nik- und Telematik-Ausrüstungsstandard auf Regionalbahnen. Die wesentlichen Einsparungspotenziale
werden insbesondere durch die innovative Ausgestaltung von Eisenbahnkreuzungen, den Abbau von
Systembrüchen (z. B. durch Einsatz von ETCS L2 Only), die Vereinfachung sicherungstechnischer Sys-
teme sowie der Verwendung moderner Mobilfunksysteme erwartet.
Das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS Level 2 stellt die Basis jeglicher zukünftigen Auto-
matisierung im sicherheitsrelevanten Bereich des Bahnverkehrs dar. Die ÖBB-Infrastruktur AG verfolgt
das Ziel, ETCS Level 2 flächendeckend im starkbelasteten Streckennetz zu implementieren und so die
in die Jahre gekommenen punktförmigen Zugbeeinflussungen (PZBs) sukzessive zu ersetzen. Diese
Maßnahme trägt zu einer nachhaltigen Verbesserung der bestehenden Sicherheitsleistung bei.
Die Modernisierung der Planung, Disposition und Abwicklung von AVZ-Leistungen (Leistungen für An-
lagen, Verschub, Zugvorbereitung) wird als Prototyp im Projekt „PORTHOS” erprobt und anschließend
umgesetzt. Dadurch werden Medienbrüche reduziert und regelmäßige, manuelle Tätigkeiten minimiert.
Das Ziel besteht in der Realisierung einer hochgradig automatisierten Machbarkeitsprüfung und Dispo-
sition aller Verschubstandorte mittels standardisierter Schnittstellen. Ebenso werden durch eine neue,
prozessoptimierte Softwareumsetzung fünf Altapplikationen abgelöst. Auch die Digitalisierung betriebli-
cher Prozesse im Bahnbetrieb wird durch hochgradig systemische Unterstützung und die Übermittlung
von abfahrtsgenauen Fahrplänen und Zugpapieren via Datenschnittstellen zahlreiche manuelle Tätig-
keiten und Medienbrüche reduzieren. Dies ermöglicht den Entfall von Papierausdrucken, eine präzisere
Disposition, höhere Taktung sowie höhere betriebliche Sicherheit für Triebfahrzeugführer:innen, da ziel-
gerichtete Informationen vorhanden sein werden.
Um die zunehmende Anzahl an Zugfahrten disponieren zu können, wird eine automatisierte Konflikter-
kennung sowie -lösung stufenweise in die digitalen Traffic-Management-System-Module der ÖBB-Inf-
rastruktur AG implementiert. Mit den Entwicklungen aus dem Projekt „AZL – adaptive Zuglenkung“ wer-
den die Konflikte am Schienennetz auf Basis von Echtzeitdaten und mittels intelligenter Algorithmen
identifiziert. In einer stufenweise Umsetzung wird dann die automatisierte Lösung der Konflikte imple-
mentiert. Die Information des optimierten Betriebsablaufs wird über definierte Schnittstellen an die Trieb-
fahrzeugführer:innen des jeweiligen Zuges als Fahrempfehlung weitergegeben. Durch diese intelligente
Beeinflussung des Zugverkehrs kann die Effizienz weiter gesteigert werden, was sich positiv auf die
Betriebsqualität und den Energiebedarf auswirkt.
Im Zuge der Digitalisierung gewinnt auch die Datenerfassung und Datenanalyse von Sensoriken wie
etwa von Zuglaufcheckpoints stark an Bedeutung, da diese zunehmend sowohl als Grundlage für pre-
dictive Maintenance-Anwendungen und weiteren Optimierungen hinsichtlich Kostenreduktion als auch
zur Erhöhung der Sicherheit und Effizienz dienen. Durch digitalisierte Informationen und Lösungen in
der ÖBB-Infrastruktur AG wie z. B. dem ÖBB Infra-InfoHub können Informationen auch mit anderen
Verkehrsinfrastrukturbetreibern vernetzt werden und bilden so die Grundlage für ein multimodales Ver-
kehrsmanagement.
Als weiteres wichtiges strategisches Projekt arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG an einer zentralen digita-
len Kund:innenplattform, um die EVU Kund:innen mit einem 360-Grad-Blick noch besser servicieren zu
können. Mit dieser Plattform werden die Kund:innenprozesse mit den operativen Abläufen in der ÖBB
Infrastruktur verbunden.
Für die Digitalisierung der Geschäftsprozesse wurden die Projekte „DIEP“ (Digital integrierter End2End
Prozess) und „Vara“ (Vorhaben-, Auftrag- Ressourcen- und Abwicklungsmanagement) aufgesetzt. Ziel
ist es mit einem transparenten und standardisierten Datenfluss einen durchgehenden integrierten digi-
talen Prozess von Planen über Bauen bis zu Betreiben zu schaffen. Dabei werden die lokalen veralteten
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
39
TLP gelb (Adressatenkreis)
IT Tools sowie Medien- und Systembrüche durch eine moderne integrierte IT Lösung auf Basis von SAP
ersetzt. Fokus sind bei dieser Lösung die operativen Mitarbeiter:innen, damit diese zum richtigen Zeit-
punkt, am richtigen Ort und in der richtigen Form die richtigen Daten zur Verfügung haben, die sie für
ihre Arbeit benötigen und optimal unterstützen.
Die Umsetzung des digitalen Zwillings der ÖBB-Infrastruktur AG wird weiter vorangetrieben. Eine Echt-
zeitfähigkeit bedeutet, dass dieser in die operativen Prozesse der ÖBB-Infrastruktur AG integriert wer-
den muss und Daten sofort verfügbar gemacht werden müssen. Sensoriken für die einzelnen Objekte
des digitalen Zwillings werden mit den virtuellen Anlagen verknüpft, um zunehmend mehr Wissen und
Intelligenz aus den Daten zu schöpfen.
Durch den konsequenten Ausbau des Datennetzes wurden die technischen Grundlagen für die Netz-
werksegmentierung (Datennetztrennung) hergestellt. Damit einhergehend ist die Erhöhung der Daten-
netzsicherheit (Trennung der betrieblichen Netzsegmente von Office-Netzsegmenten), welche durch
den bereits umgesetzten Ausbau von Systemen für die Netzwerksicherheit weiter gestärkt wird.
Dies schafft auch die Voraussetzung für eine zunehmende Nutzung von hybriden Cloudservices, die
aufgrund der Flexibilität und Skalierbarkeit eine Voraussetzung für zahlreiche Digitalisierungsvorhaben
bilden. Die ÖBB-Infrastruktur AG arbeitet hier gemeinsam mit dem ÖBB-Konzern an den Rahmenbe-
dingungen und Basis für eine zunehmende sinnvolle Nutzung und Management dieser neuen Möglich-
keiten.
Ergebnisausblick
Die Budget- und Mittelfristplanung 2023 bis 2028 basiert auf den strategischen Konzernzielen. Das
Handeln des ÖBB-Konzerns in den kommenden sechs Jahren ist auf eine Angebotsausweitung mit dem
Fokus auf Kund:innennutzen und wirtschaftlich nachhaltiges Wachstum ausgerichtet.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
E. Konzernbeziehungen
Muttergesellschaft ÖBB-Holding AG
Die Muttergesellschaft ÖBB-Holding AG ist eine Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht. Die
Gründung und Errichtung der Gesellschaft erfolgte auf der Grundlage des § 2 Bundesbahnstrukturge-
setz 2003. Die ÖBB-Holding AG erbringt für die ÖBB-Infrastruktur AG und andere Konzerngesellschaf-
ten diverse Leistungen wie z. B. Marketing- und Treasury-Leistungen. Diese werden mittels Konzer-
numlage bzw. mittels Leistungsverrechnung an die Konzerngesellschaften verrechnet. Im Geschäftsjahr
2022 wurden der ÖBB-Infrastruktur AG rd. 1,5 Mio. EUR (Vj. rd. 1,8 Mio. EUR) verrechnet, die von der
ÖBB-Holding AG verrechnete Konzernumlage betrug rd. 18,4 Mio. EUR (Vj. rd. 18,8 Mio. EUR).
Unmittelbare Tochtergesellschaften der ÖBB-Holding AG sind vor allem die Teilkonzernmuttergesell-
schaften ÖBB-Personenverkehr Aktiengesellschaft („ÖBB-Personenverkehr AG”), die Rail Cargo Aus-
tria Aktiengesellschaft („Rail Cargo Austria AG”) und ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft („ÖBB-Infra-
struktur AG”).
ÖBB-Personenverkehr AG
Aufgabe der ÖBB-Personenverkehr AG ist insbesondere die Beförderung von Personen, einschließlich
der Erbringung gemeinwirtschaftlicher Leistungen sowie die Herstellung und das Betreiben aller hierzu
notwendigen Einrichtungen mit Ausnahme der Schieneninfrastruktur und die Besorgung aller damit
zusammenhängenden oder dadurch veranlassten Geschäfte sowie vor allem das Führen eines öffent-
lichen Personenverkehrs aufgrund von Tarifen und Fahrplänen. Im Geschäftsjahr 2022 wurden mit der
Gesellschaft rd. 237,9 Mio. EUR (Vj. rd. 346,6 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Diese Erträge resul-
tieren zum überwiegenden Teil aus der Verrechnung von Infrastrukturbenützungsentgelten. Der ÖBB-
Infrastruktur AG wurden rd. 14,8 Mio. EUR (Vj. rd. 15,5 Mio. EUR) im Wesentlichen für die außertarifi-
sche Beförderung von Mitarbeitern verrechnet.
Im Jahr 2022 wurde ein Bürogebäude angemietet, das teilweise mittels eines Sublease-Vertrags an
übrige Gesellschaften des ÖBB-Konzerns weitervermietet wurde, daraus ergeben sich Leasingforde-
rungen in Höhe von insgesamt rd. 106,0 Mio. EUR, die mit rd. 6,3 Mio. EUR die ÖBB-Personenverkehr
AG betreffen.
Rail Cargo Austria AG
Die Rail Cargo Austria AG hat insbesondere die Beförderung von Gütern einschließlich der Erbringung
von gemeinwirtschaftlichen Leistungen sowie die Herstellung und das Betreiben aller hierzu notwendi-
gen Einrichtungen mit Ausnahme der Schieneninfrastruktur und die Besorgung aller damit zusammen-
hängenden oder dadurch veranlassten Geschäfte sowie vor allem das Führen eines Güterverkehrs zur
Aufgabe. Mit der Gesellschaft wurden im Geschäftsjahr 2022 116,0 Mio. EUR (Vj. rd. 87,3 Mio. EUR)
Gesamterträge erzielt. Der ÖBB-Infrastruktur AG wurden 0,8 Mio. EUR (Vj. rd. 1,4 Mio. EUR) verrech-
net. Es wurden bezogene Leistungen in Höhe von rd. 0,0 Mio. EUR (Vj. rd. 0,0 Mio. EUR) aktiviert.
Mit der Rail Cargo Logistic Environmental Services GmbH wurden im Berichtsjahr Gesamterträge in
Höhe von 13,6 Mio. EUR (Vj. rd. 11,5 Mio. EUR) erzielt. Der ÖBB-Infrastruktur AG wurden 70,1 Mio.
EUR (Vj. rd. 73,9 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden bezogene Leistungen in Höhe von 25,8 Mio. EUR
(Vj. rd. 30,1 Mio. EUR) aktiviert.
ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH
Gemeinsame Tochtergesellschaft der ÖBB-Personenverkehr AG sowie der Rail Cargo Austria AG ist
die ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH („ÖBB-Produktion GmbH”). Aufgabe des Unternehmens ist ins-
besondere die Erbringung von Traktions- und Serviceleistungen für andere Eisenbahnunternehmen. Im
Geschäftsjahr 2022 wurden mit der Gesellschaft rd. 185,7 Mio. EUR (Vj. rd. 181,7 Mio. EUR) Gesamt-
erträge erzielt, welche zum überwiegenden Teil aus der Verrechnung von Traktionsstrom resultieren.
Der ÖBB-Infrastruktur AG wurden rd. 19,8 Mio. EUR (Vj. rd. 18,0 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden
bezogene Leistungen in Höhe von rd. 0,4 Mio. EUR (Vj. rd. 0,4 Mio. EUR) aktiviert.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
ÖBB-Technische Services Gesellschaft mbH
Gemeinsame Tochtergesellschaft der ÖBB-Personenverkehr AG sowie der Rail Cargo Austria AG ist
die ÖBB-Technische Services-Gesellschaft mbH. Aufgabe des Unternehmens ist insbesondere die Er-
bringung von Serviceleistungen im Zusammenhang mit Schienenfahrzeugen. Im Geschäftsjahr 2022
wurden mit der Gesellschaft rd. 34,3 Mio. EUR (Vj. rd. 28,7 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Der ÖBB-
Infrastruktur AG wurden rd. 14,6 Mio. EUR (Vj. rd. 6,4 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden bezogene
Leistungen in der Höhe von rd. 2,1 Mio. EUR (Vj. rd. 0,2 Mio. EUR) aktiviert.
ÖBB-Business Competence Center GmbH
Die ÖBB-Business Competence Center GmbH erbringt als konzerninterne Servicegesellschaft vorwie-
gend standardisierte, administrative Dienstleistungen. Im Geschäftsjahr 2022 wurden mit der Gesell-
schaft rd. 23,9 Mio. EUR (Vj. rd. 17,7 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Der ÖBB-Infrastruktur AG wur-
den rd. 119,9 Mio. EUR (Vj. rd. 99,4 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden bezogene Leistungen in der
Höhe von rd. 15,1 Mio. EUR (Vj. rd. 8,4 Mio. EUR) aktiviert.
Im Jahr 2022 wurde ein Bürogebäude angemietet, das teilweise mittels eines Sublease-Vertrags an
übrige Gesellschaften des ÖBB-Konzerns weitervermietet wurde, daraus ergeben sich Leasingforde-
rungen in Höhe von insgesamt rd. 106,0 Mio. EUR, die mit rd. 90,0 Mio. EUR die ÖBB-Business Com-
petence Center GmbH betreffen.
Die wichtigsten Tochtergesellschaften der ÖBB-Infrastruktur AG
Die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH bietet moderne Immobiliendienstleistungen an.
Mit rd. 23.000 Liegenschaften sind die ÖBB einer der größten Immobilieneigentümer Österreichs. Die
ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH – eine hundertprozentige Tochter der ÖBB-Infrastruk-
tur AG – agiert als gesamtheitlicher Immobiliendienstleister primär innerhalb des ÖBB-Konzerns. Ihr
Aufgabengebiet umfasst den Verkauf und die Verwertung von Immobilien, Projektentwicklung, Umset-
zung der Bahnhofsoffensive, Liegenschaftsverwaltung, Facility-Management und Raummanagement.
Sie entwickelt und verwertet nicht betriebsnotwendige Liegenschaften und betreut ein umfassendes
Portfolio von rd. 3.684 Gebäuden sowie 1.037 Personenbahnhöfen und Haltestellen über ihren gesam-
ten Lebenszyklus. Das Leistungsspektrum umfasst die kaufmännische und technische Hausverwaltung
sowie die Anlagenverantwortung für nahezu alle Hochbauanlagen des ÖBB-Konzerns inkl. Bahnhöfen.
Ihr Verantwortungsbereich umfasst zudem die Erstellung von hochbaurelevanten Qualitätsstandards
und Prüfsystemen. Rd. 800 Mitarbeiter:innen sorgen österreichweit für die professionelle und effiziente
Abwicklung des umfassenden Leistungsportfolios. Für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern konnten im Ge-
schäftsjahr 2022 aus der Verwertung von Liegenschaften Ergebnisbeiträge (Erlöse abzüglich Buchwerte
und Rückstellungen) in Höhe von rd. 72,7 Mio. EUR (Vj: rd. 71,3 Mio. EUR) erzielt werden.
Neben den Aufgaben in der Hausverwaltung im Bereich Bahnhofs- und Liegenschaftsmanagement ist
die Eigentümerrolle für sämtliche Liegenschaften (Hochbauten und Grundstücke) sowie für die Perso-
nenbahnhöfe hervorzuheben. Somit verantwortet die ÖBB-Immobilienmanagement GmbH das Gesamt-
bild des Bahnhofs im Sinne der Mobilitätskette mit Bahnhofsgebäude, Vorplätzen, Straßen, Wegen,
Park & Ride-Anlagen, Kund:innensanitäranlagen und Bahnsteigen bis zur Bahnsteigkante. Sie ist der
kompetente Ansprechpartner sowohl konzernintern als auch gegenüber Kund:innen, Anrainer:innen,
Gebietskörperschaften und Interessensgruppen. Eine der wichtigsten aussagekräftigen Qualitätskenn-
zahlen des ÖBB-Immobilienmanagements sind: Qualitätscheck, Störungskennziffern und Beschwer-
den.
Der gesetzte Zielwert für die Kund:innenzufriedenheit in Summe (Ø aller Kategorien im Qualitätscheck)
wurde im Jahr 2022 erreicht bzw. sogar um 1,2 Prozentpunkte überboten. Die Zielwerte wurden in sie-
ben von acht QC-Kategorien zumindest erreicht. Eine einzige Ausnahme bildete die Position „Sauber-
keit WC“. Dieser QC-Erfüllungsgrad verbesserte sich im Laufe des Jahres 2022, konnte bis zum Jah-
resende den geplanten Zielwert aber nicht vollständig erreichen.
Die Anforderungen betreffend Sauberkeit und Erhaltung im Hinblick auf den definierten Zielwert wurden
das zweite Jahr in Folge überboten. Im Bereich der Sicherheit liegt das Jahresergebnis ebenfalls leicht
über dem Zielwertkorridor. In der Barrierefreiheit wurde der Zielwert nur knapp verfehlt und befindet sich
dennoch auch einem hohen Niveau.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
42
TLP gelb (Adressatenkreis)
Die Anzahl der einzuleitenden, anlagenrelevanten Sofortmaßnahmen zur umgehenden Behebung der
festgestellten Mängel (ohne Kund:inneninformation, ohne Fahrweg) verzeichnete 2022 laut QC Ma-
nagement Report im Jahresverlauf eine rückläufige Entwicklung.
Die aktuelle Anzahl der Sofortmaßnahmen je Verkehrsstation liegt gemittelt pro Monat bei 0,13 und
somit niedriger als im Vorjahr (2021 mit 0,24).
Da sich die Sofortmaßnahmen konstant auf einem sehr guten niedrigen Niveau befinden, konzentriert
man sich in weiteren Analysen schwerpunktmäßig auf die Ursache von festgestellten Mängeln, um die
Qualität am Bahnhof weiterhin sicherzustellen bzw. noch zu verbessern.
Zu Beginn der Erhebung im Jahr 2013 lag die Anzahl der Sofortmaßnahmen vergleichsweise gemittelt
bei 7.000 pro Monat.
Die Gesamtzahl der Beschwerden im Geschäftsjahr 2022 beläuft sich auf 1.492. Die Gliederung der
Beschwerdezahl sieht wie folgt aus: Beschwerden Service 776, Sicherheit 305, Sauberkeit 411.
Die Rail Equipment GmbH und die Rail Equipment GmbH & Co KG sind Gesamtdienstleister für
schienen- und straßengebundene (Spezial-) Fahrzeuge des ÖBB-Konzerns und betreiben ein professi-
onelles Fuhrparkmanagement mit Schwerpunkt auf:
• Beratung
• Beschaffung ökonomisch und ökologisch
• Finanzierung
• Services, Wartung, Reifen, Versicherung etc.)
• Verwertung
Die Rail Equipment Gesellschaften stellen durch ein Reportingsystem eine optimale Kosten- und Infor-
mationstransparenz über alle anfallenden Fahrzeugkosten zur Verfügung.
Durch die neutrale Beratung, Bündelung der Beschaffung, sowie einer Ausrichtung der Wertschöpfungs-
kette an marktüblichen Bedingungen wird eine größtmögliche Kosteneffizienz erzielt. Darüber hinaus
unterstützen die Rail Equipment Gesellschaften mit dem Carsharing-Angebot „ÖBB Rail&Drive“ die stra-
tegische Ausrichtung des ÖBB-Konzerns zum Gesamtmobilitätsdienstleiser.
Die Reinigung der Bahnhöfe, die Sonderreinigung wie zum Beispiel Graffitientfernung sowie Sicher-
heits- und Servicedienstleistungen werden von der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG (vor-
mals Mungos Sicher & Sauber GmbH & Co KG wahrgenommen. Die Reinigungsleistungen umfassen
sowohl die tägliche bzw. regelmäßige Unterhaltsreinigung als auch die Sonderreinigung (etwa von Dä-
chern, das Auftragen von Bodenversiegelungen). Dabei ist die Expertise der Mitarbeiter:innen von be-
sonderer Bedeutung: Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG hat in jedem Bundesland bzw. Ge-
biet Mitarbeiter:innen mit der Meisterprüfung in der Reinigung – dadurch ist eine gute Beratung der
internen Auftraggeber sichergestellt. Für EVUs bietet die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG ei-
nen umfassenden Service bei der Graffitientfernung von Zügen. Die ÖBB-Operative Services GmbH &
Co KG ist seit 01.01.2017 Generaldienstleister für operative Sicherheitsleistungen im ÖBB-Konzern.
Auf den Bahnhöfen sorgen Securitys der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG für Sicherheit und
Ordnung – durch ein intelligentes, die tatsächliche Lage widerspiegelndes Flächenkonzept werden alle
Bahnhöfe in Österreich entweder durch mobile Streifen oder durch stationäre Mitarbeiter:innen betreut.
Seit 01.01.2019 sind neben den operativen Securityleistungen durch die Eingliederung der öffentlichen
Sicherheit (vormals Konzernsicherheit) auch die strategischen Securityleistungen Teil des Portfolios.
Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG entwickelt sich dadurch zu einem One-Stop-Shop im
Konzern und garantiert eine effiziente Leistungserbringung. Neben den Reinigungs- und Sicherheits-
dienstleistungen werden auch alle operativen Kund:inneninformationsleistungen der ÖBB Infrastruk-
tur AG an den Bahnhöfen von der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG abgewickelt. Die ÖBB-
Operative Services GmbH & Co KG ist mit seinen Produkten das Gesicht der ÖBB-Infrastruktur AG bei
den Endkund:innen. Des Weiteren tritt die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG seit 01.09.2019
auch als Arbeitskräfteüberlasser von definitiv gestellten Arbeitnehmer:innen ein.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
Weitere Beteiligungen der ÖBB-Infrastruktur AG
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist seit 2011 zu 50% an der Galleria di Base del Brennero – Brenner Basis-
tunnel BBT SE und damit am Großprojekt „Errichtung des Brenner Basistunnels” beteiligt. Die nötigen
Finanzmittel werden der ÖBB-Infrastruktur AG im jeweils geltenden Rahmenplan von der Republik Ös-
terreich zur Verfügung gestellt. Für den Erwerb der Anteile hat die Republik Österreich der ÖBB-Infra-
struktur AG über die ÖBB-Holding AG einen Gesellschafterzuschuss in Höhe der Anschaffungskosten
der Beteiligung geleistet.
Die WS Service GmbH wurde Ende 2013 gegründet und erbringt Dienstleistungen für und im Zusam-
menhang mit Weichen, insbesondere für deren Wartung, Inspektion und Instandsetzung. Die Beteili-
gung der ÖBB-Infrastruktur AG an der WS Service GmbH beträgt 51%.
Die Weichenwerk Wörth GmbH ist Österreichs Marktführer bei der Produktion von Weichen, Isolier-
stößen sowie weichenbezogenen Logistikleistungen und konnte sich vor allem im Oberbauhandel sowie
im Geschäftszweig Industrieweichen auch als Exporteur nach Südost- und Westeuropa positionieren.
Die Beteiligung an der Weichenwerk Wörth GmbH beträgt 43,05%.
Immobilienprojekte werden zum Teil in ausgegliederten Projektgesellschaften abgewickelt. Hier sind
insbesondere die ÖBB-Realitätenbeteiligungs GmbH & Co KG, die Elisabethstraße 7 Projektentwick-
lung GmbH & Co KG, die Elisabethstraße 9 Projektentwicklung GmbH & Co KG, die Gauermanngasse
2–4 Projektentwicklung GmbH & Co KG, die Operngasse 16 Projektentwicklung GmbH & Co KG und
die Mariannengasse 16–20 Projektentwicklung GmbH & Co KG hervorzuheben.
Zweigniederlassungen
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat keine Betriebsstätten bzw. Zweigniederlassungen.
F. Chancen- und Risikobericht
Das Chancen- und Risikomanagement begleitet alle relevanten Geschäftsprozesse und Finanzpositio-
nen der wesentlichen Konzernunternehmen und versteht sich daher als ein wichtiges Instrument der
Unternehmensführung. Ziel ist es, rechtzeitig Chancen und Risiken zu erkennen und proaktiv durch
geeignete Maßnahmen zu steuern. Das soll bestehende und zukünftige Erfolgs- und Wachstumspoten-
ziale absichern. Alle identifizierten Chancen und Risiken werden laufend einer qualitativen und quanti-
tativen Beurteilung unterzogen, vor allem hinsichtlich möglicher Auswirkungen und Eintrittswahrschein-
lichkeiten. Grundlage dafür sind die fortgeschriebenen Bewertungen oder Erfahrungswerte.
Chancen und Risiken sind im ÖBB-Konzern grundsätzlich als Ereignisse oder Entwicklungen definiert,
die zu einer positiven oder negativen Ergebnisabweichung gegenüber den Planungsannahmen führen
können. Daher erfolgt die Überarbeitung des Chancen- und Risikoportfolios synchron mit den Planungs-
prozessen.
Die verbindliche Konzernrichtlinie und das ebenfalls konzernweit verbindliche Chancen- und Risikoma-
nagement-Handbuch definieren Regeln, Spielräume und Mindestanforderungen des Risikomanage-
ments für alle einbezogenen Unternehmenseinheiten. Das oberste Ziel der Risikopolitik ist die uneinge-
schränkte Absicherung der Unternehmenstätigkeit. Demnach sollen Risiken nur dann eingegangen wer-
den, wenn ihre Dimension abschätzbar und damit gleichzeitig eine Steigerung der Erträge und des Un-
ternehmenswerts verbunden ist.
Ukrainekrise
Angesichts der geopolitischen Entwicklungen, vor allem in der Ukraine, führte das zentrale Risikoma-
nagement des ÖBB-Konzerns im Berichtszeitraum zusätzlich zur regulären Risikoinventur konzernweite
Ad-hoc-Analysen durch. Maßnahmen wurden definiert und mit Unterstützung der in der ÖBB-Holding
AG eingerichteten Krisenkoordination durchgeführt. Darüber hinaus wurden konzernweite Maßnahmen
zur Vermeidung von Sanktionsverstößen gesetzt. Dem Aufsichtsrat wurde über Risiken sowie der ein-
geleiteten Maßnahmen berichtet.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
Die für den ÖBB-Konzern relevanten Ungewissheiten und Auswirkungen der aktuellen Situation lassen
sich wie bisher den bereits bestehenden Risikokategorien zuordnen. Als wesentliche Unsicherheiten mit
potenziell hohen Auswirkungen wurden u. a. identifiziert (Auswahl):
– Gestiegene Marktrisiken
– Margenreduktion durch gestiegene Energiebeschaffungskosten
– Steigende Beschaffungskosten für Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen
– Engpässe bei Lieferungen von Erdgas nach Österreich und dadurch bedingtes Inkrafttreten staatlicher
Energielenkungsmaßnahmen
– Probleme bei den allgemeinen Lieferketten
– Cybersecurity
Prozess Chancen- und Risikomanagement
Dieser Prozess wird durch eine Risikomanagementsoftware unterstützt. Einzelrisiken und -chancen
werden in der konzernweiten Chancen- und Risikoplattform geprüft. In Folge wird ein Bericht an den
Vorstand der ÖBB-Holding AG erstellt, der die wichtigsten Risiken und die entsprechenden Gegenmaß-
nahmen oder Chancen abbildet. Auf dieser Grundlage werden dem Aufsichtsrat sowie dem Prüfungs-
ausschuss umfassende Informationen zur aktuellen Chancen- und Risikosituation zur Verfügung ge-
stellt.
An den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates werden einerseits die jeweils aktuellsten Chancen- und
Risikoreports, andererseits die Ergebnisse der Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Chancen- und
Risikomanagementsystems durch den Wirtschaftsprüfer, die im Zuge der Jahresabschlussprüfung ge-
mäß Regel 14.3.8.5 des Public-Corporate-Governance-Kodex überprüft werden, jährlich berichtet. So-
mit soll gewährleistet sein, dass sich der Aufsichtsrat ein kontinuierliches Bild von der Effizienz und der
Effektivität des implementierten Systems machen kann. Der regelmäßige Dialog mit dem Prüfungsaus-
schuss bietet darüber hinaus die Möglichkeit, neue risikobezogene Themen top down zu identifizieren
und im Rahmen des Risikomanagements weiterzubehandeln. Um formal eine stärkere Verzahnung ri-
sikonaher Funktionen (Risikomanagement, IKS, Compliance, Prozessmanagement etc.) voranzutrei-
ben, wurde 2017 zudem ein „Governance, Risk and Compliance”-Komitee eingerichtet.
Im ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist zur Sicherstellung des professionellen Umgangs mit Chancen und
Risiken sowie zur laufenden Umsetzung des Risiko- und Chancenmanagementprozesses die Funktion
eines Konzern-Risikomanagers eingerichtet: Er ist für den Chancen- und Risikomanagementprozess im
Konzern bzw. in der Gesellschaft verantwortlich. Im Konzern führt er die Chancen- und Risikokonsoli-
dierung und -aggregation durch und ermittelt dessen Gesamt-Chancen- und Risiko-Position, die jeweils
mit den Risikoakzeptanz- und Risikotragfähigkeitsgrenzen abgeglichen wird. Gegebenenfalls werden
daraus weiterer Handlungsbedarf abgeleitet und Maßnahmen initiiert. Der Risikomanager berichtet an
den Vorstand sowie an den Konzern-Chancen- und Risikomanager, er legt den Chancen-/Risikobericht
inkl. der Risikopriorisierung sowie der relevanten Steuerungs-Maßnahmen vor und übernimmt Bera-
tungs- und Schulungsaufgaben. Darüber hinaus sind in allen Geschäftsbereichen, Stabstellen und in
allen wesentlichen Beteiligungen dezentrale Risikomanager und -ansprechpartner definiert, welche die
risikoverantwortlichen Führungskräfte („Risk Owner”) bei der Erfassung der Chancen und Risiken im
jeweiligen Verantwortungsbereich unterstützen.
Die wichtigsten Chancen und Risiken, von denen keine bestandsgefährdend sind, verteilen sich wie
folgt auf die einzelnen Chancen- und Risikofelder:
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
45
TLP gelb (Adressatenkreis)
Strategie
Vor dem Hintergrund einiger sehr dynamischer und schwer vorhersehbarer Entwicklungen, insbeson-
dere der Ukrainekonflikt, Rohstoff- und Energiepreise, die Geldpolitik der Notenbanken und die Zinsent-
wicklung sowie eventuelle Lieferengpässe in Asien und geopolitischer Dynamiken ist das Erreichen
strategischer Ziele mitunter risikobehafteter als in den Vorjahren. Den sich immer dynamischer gestal-
teten Umfeldentwicklungen wird innerhalb des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns insofern entgegengetreten,
dass neben der strategischen Neuausrichtung unter dem Titel „#INFRA.mobilitätswende” auch das kon-
zern-initiierte Programm „Nordstern” sowie das Transformationsprogramm weiterlaufen. Mit beiden Pro-
grammen bereitet sich das Unternehmen auf wesentliche Herausforderungen und Risiken vor, die sich
aus den derzeitigen Gegebenheiten und Herausforderungen, insbesondere aus den Entwicklungen auf
dem Energiemarkt und sämtlichen daraus direkt oder indirekt resultierenden Folgen, aus dem verschärf-
ten Wettbewerbsdruck und dem technologischen Wandel in den nächsten zehn Jahren, ergeben. Zu-
dem soll das Fundament der operativen Exzellenz gestärkt werden. Für die definierten Maßnahmen zur
Umsetzung der Initiativen, die in der Budget- bzw. Mittelfristplanung eingearbeitet wurden, wird ein re-
gelmäßiges Monitoring durchgeführt.
Beim Auftreten weiterer COVID-19-Wellen bzw. von Pandemien im Allgemeinen könnten die Auswirkun-
gen sämtlicher angeordneter Maßnahmen der Behörden (v. a. zeitlich limitierte Entgeltreduktionen bzw.
Entgelterlass) mittelfristig zu einer Verschlechterung des Ergebnisses und der Liquidität führen. Die Er-
fahrungen und Erkenntnisse der vergangenen Monate zur Bewältigung der Pandemie wirken jedoch
risikomindernd.
Operativer Betrieb
Risiken aus höherer Gewalt und Naturgefahren wird mit etablierten Systemen und Programmen begeg-
net. So ist etwa ein Naturgefahrenmanagement implementiert (inkl. Wetterinformationssystem, Hoch-
wasserinformationssystem, Naturgefahrenhinweiskarte). Klimarisiken haben auf die Eigenerzeugung
von Bahnstrom mitunter hohen Einfluss – durch ein Trockenjahr kann sich zwischen der Eigenerzeu-
gungsprognose und der tatsächlichen Erzeugung eine nicht unerhebliche Differenz ergeben. Dadurch
müssen Mindermengen auf dem Markt gedeckt werden, wobei bei einem Trockenjahr tendenziell auch
mit höheren Preisen zu rechnen ist – durch die Energiepreisentwicklungen des letzten Jahres wäre ein
Risikoeintritt mit entsprechend gestiegenen Auswirkungen verbunden. Diesem Risiko begegnet man
u.a. durch Speicheroptimierung und einer rollierenden Beschaffungsstrategie, um die Auswirkungen im
Falle des Risikoeintritts möglichst gering zu halten. Ausfallsrisiken im Bereich sämtlicher Telekommuni-
kationsservices und der wesentlichen Datennetzdienste für den Bahnbetrieb begegnet man mit präven-
tiven Maßnahmen zur Risikoreduktion wie Notfallplänen, Schaffung von Redundanzen oder einer örtli-
chen Verlagerung der Anlagenräume. Trotz grundsätzlich extrem hoher Ausfallssicherheit der Betriebs-
führungszentralen können Teil- oder Totalausfälle durch Terrorismus, Sabotage oder Elementarereig-
nisse wie Brand nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Daher ist ein gesamtheitliches Ausfallskonzept
für Schlüsselelemente wie Stellwerke, Fernsteuerbereiche, BFZ-Zellen und Kund:inneninformationssys-
teme Teil der Betriebsführungsstrategie. Um das Risiko eines Umsatzrückgangs und Mehraufwands
durch Qualitätsprobleme bei Anlagen, u. a. bei Rollmaterial und Lokomotiven, zu vermindern, werden
als Maßnahmen regelmäßige Überprüfungen der Anlagen durchgeführt. Zur Risikominderung von durch
ÖBB Mitarbeiter:innen verursachten Unfällen werden laufend Schulungs- und Informationsveranstaltun-
gen organisiert. Das Risiko terroristischer Attacken wird sowohl durch gezielte Maßnahmen und Anwei-
sungen (Verhaltensempfehlungen) als auch durch die enge Zusammenarbeit mit dem Bundesministe-
rium für Inneres gemindert. Um auf die Auswirkungen eines Blackouts infrastrukturseitig besser vorbe-
reitet zu sein, wurden einerseits spezifische Störfallkonzepte im Betriebs- und Energiebereich erstellt,
andererseits Blackout-Krisenstabsübungen durchgeführt. Zweck der Krisenstabsübung ist es, Abläufe
zu simulieren und etwaige Schwachstellen aufzuzeigen. Ein konzernübergreifendes Projekt zur Black-
out-Vorsorge unter der Federführung der ÖBB-Infrastruktur AG wurde 2022 initiiert bzw. umgesetzt. Die
bestehenden Notfall- und Krisenpläne werden laufend evaluiert und durch jährlich durchgeführte Übun-
gen überprüft. Aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf russische Gaslieferungen wurde unter Feder-
führung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ein stufenweiser Notfallplan entwickelt (in Hinblick auf einen
Gaslieferstopp bzw. einen Energielenkungsfall) und im Oktober konzernweit in Kraft gesetzt. Zielset-
zung ist, dass bei Bedarf durch zielgerichtete Maßnahmen der Bahnverkehr auch mit reduzierter Ener-
gieverfügbarkeit aufrechterhalten werden kann.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
Absatz und Vertrieb
Risiken bestehen vor allem durch die von der Ukrainekrise getriebenen Unsicherheiten in Bezug auf
Konjunkturentwicklung und die damit verbundenen Transportmengen im Güterverkehr (höhere Energie-
preise bedeuten einen Rückgang der industriellen Produktion), durch steigenden Wettbewerb, durch
verschärften Kostendruck (durch hohe und volatile Strompreise) und regulatorische Sachverhalte (re-
gulatorische Verfahren in Bezug auf Infrastrukturbenützungsentgelte bzw. Bahnstromnetzentgelte). Die
Beobachtung und Analyse des Kund:innenverhaltens sowie eine gezielte Anpassung des Angebots min-
dern diese Risiken ebenso wie rollierende Energiebeschaffung, um Kund:innen wettbewerbsfähige
Preise bieten zu können. Durch diese Maßnahme wird auch die Chance erhöht, neue Kund:innen zu
gewinnen und das Marktpotenzial bestehender Kund:innen weiter auszuschöpfen.
Personal, Führung und Organisation
Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklung der Inflation führen zu Risiken in Bezug auf geplante Ge-
haltsvalorisierungen, da es jährlich zu planabweichenden Gehaltsabschlüssen kommen kann. Um die-
sem Risiko zu begegnen, wurden bereits diverse Kompensationsmaßnahmen entwickelt, um bei Schla-
gendwerden dieses Risikos entsprechend reagieren zu können und die Ergebniseffekte möglichst ge-
ring zu halten.
Auch wenn derzeit die Lage weit weniger entspannt ist als im Vorjahr, kann die Ansteckung von Mitar-
beiter:innen mit dem Coronavirus nach wie vor zu Ressourcenengpässen führen. Risikomindernd wir-
ken strenge Hygiene- und Abstandregelungen sowie organisatorische Maßnahmen wie z. B. Besucher-
beschränkungen, ein weiteres Impfangebot im Konzern, Reduktion von Teilnehmer:innen bei Präsenz-
meetings und verstärkte Reinigung je nach Ampelschaltung (siehe Erläuterung nachfolgend bei „Recht
und Haftung“). Steht die Ampel in einer Region auf Rot, erfolgt die Dienstübergabe in Betriebsführungs-
zentralen virtuell, es besteht Maskenpflicht (außer am Arbeitsplatz), es gilt eine weitgehende Home-
office-Regelung, es gibt keine Präsenzbesprechungen u. v. m. Innerhalb Europas wird aktuell von kei-
nen weiteren Beeinträchtigungen für die wirtschaftliche Entwicklung im Prognosehorizont ausgegangen.
Darüber hinausgehende Effekte aus allgemeinen Annahmen zu möglichen Pandemierisiken finden je-
doch nach wie vor im Chancen- und Risikomanangement Berücksichtigung.
Des Weiteren besteht das Risiko, dass durch Nicht- bzw. Teilumsetzung von geplanten Maßnahmen,
wie z. B. Effizienzsteigerungen oder Recruiting und Wissenstransfer, Personalmehraufwand entsteht.
Um dieses Risiko zu mindern, erfolgt ein umfassendes Monitoring.
Finanzen / Rechnungswesen
Nahezu alle Energie-Absicherungsgeschäfte der ÖBB-Infrastruktur AG gelten gemäß IFRS 9 als Deri-
vat. Der überwiegende Teil der Absicherungsgeschäfte kann unter der Voraussetzung, dass der Bezug
garantiert ist, als Cashflow Hedge dargestellt werden, und die Bewertung zum Fair Value ist damit nicht
GuV-wirksam (das ist bei rd. 90% des Portfolios gegeben). Ein kleiner Teil der Planeinkaufsmenge muss
aufgrund von Schwankungen der Eigenerzeugung bzw. des tatsächlichen Verbrauchs ergebniswirksam
zum Fair Value bewertet werden. Mit hohen Volatilitäten an den Energiemärkten (mit teilweise extremen
Preisschwankungen innerhalb von wenigen Tagen, wie sie z. B. im 3. Quartal 2022 festzustellen waren),
gehen je nach Marktentwicklung entsprechende Bewertungsrisiken / -chancen einher, die als „Bilanzie-
rungsrisiko Strom“ erfasst sind.
Recht und Haftung
Der „Code of Conduct” enthält und regelt die ethischen Grundsätze und allgemeinen Prinzipien, an
denen das wirtschaftliche Handeln des Konzerns ausgerichtet ist. Durch diesen Kodex wird das Risiko
von Kosten durch Strafen bei Verstößen gegen kartellrechtliche Bestimmungen gemindert. Das 2013
eingerichtete Compliance-Team arbeitet vor allem in diesem Risikofeld als Teil eines Risikofrüherken-
nungs- und Überwachungssystems. Das dient in weiterer Folge auch der Risikovermeidung und somit
auch der Schadensabwehr.
Die Änderung von Rechtsvorschriften und Regelwerken kann – sowohl auf nationaler als auch auf in-
ternationaler
Ebene – zu erhöhten Systemkosten führen (wie z. B. durch neue technische oder organisatorische Vor-
gaben). Dementsprechend sorgfältig werden die Entwicklungen auf mögliche Auswirkungen untersucht,
um frühzeitig reagieren zu können.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
Entsprechend dem Verbandverantwortlichkeitsgesetz kann ein Unternehmen für gerichtlich strafbare
Taten seiner Mitarbeiter:innen oder Entscheidungsträger:innen verantwortlich gemacht und bestraft wer-
den. Das gilt auch für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern. Diesem Risiko gilt es zu begegnen. So werden
im Rahmen des rechtlichen Risikomanagements strafrechtlich bedeutsame Bereiche identifiziert. Des
Weiteren werden etwa im Bereich der Fahrlässigkeits-, Umwelt- und Korruptionstatbestände der Ist-
Stand bewertet und Maßnahmen zur Risikovermeidung gesetzt. Mit der Einführung von Kontroll- und
Berichtssystemen wurden Vorsorgemaßnahmen getroffen, ebenso wie mit der Erlassung allgemeiner
Verhaltensanweisungen durch den „Code of Conduct”. Entsprechende Schulungen und die Schaffung
klarer Verantwortlichkeitsbereiche dienen ebenfalls einer Risikominimierung.
Einkauf und Beschaffung
Risiken ergeben sich vor allem aus den erheblichen Preissteigerungen auf den Energiemärkten im ab-
gelaufenen Jahr – Preisrisiken, Kreditrisiken und auch Bewertungsrisiken begegnet man neben dem
Ausbau der Eigenerzeugung durch risikominimierende Beschaffungs- und Marktstrategien im Energie-
bereich, die im Kontext der Preisentwicklungen und -volatilitäten gründlich evaluiert und gegebenenfalls
angepasst werden. Insbesondere liegen die vertraglichen Regelungen mit den Kunden im Fokus – hohe
und sehr volatile Strompreise erfordern verbindliche Abnahmemengen. Andernfalls wäre das kunden-
seitig verursachte Verbrauchsrisiko (Mengen- und Preiskomponente) für die ÖBB-Infrastruktur AG nicht
tragbar.
Nach den COVID-19-bedingten Lieferengpässen, Kosten- bzw. Preissteigerungen u.a. bei einzelnen
Bauprodukten bzw. Komponenten und der leichten Erholung Ende 2021 sind seit Beginn des Jahres
2022 bzw. des Ukrainekrieges wieder steigende Preise bzw. ein zunehmendes Risiko für Liefereng-
pässe festzustellen. Durch eine konzernweit eingerichtete Taskforce unter dem Lead des strategischen
Konzerneinkaufs (ÖBB-Holding AG), die sich speziell mit den Folgen der Ukrainekrise beschäftigt, durch
eng getaktetes Monitoring und zielgerichtete Steuerungs- und Substitutionsmaßnahmen konnten die
Auswirkungen auf den Betrieb bislang reduziert werden. Weitere Auswirkungen werden laufend evalu-
iert und bestmöglich antizipiert, um z. B. etwaige terminliche und finanzielle Konsequenzen auf Baupro-
jekte frühzeitig zu bewerten und bestmöglich zu kompensieren. Die erheblichen Preissteigerungen auf
den Energiemärkten werden mitunter erst zeitverzögert auf andere Preisindizes einwirken, sodass Ri-
siken für planabweichende Preisvalorisierungen nicht ausgeschlossen werden können. Die Beobach-
tung und Analyse der Märkte ermöglicht eine entsprechende Vertragsgestaltung zur Risikominderung.
Informationsverarbeitung
Systemausfälle können bei den operativen Teilbereichen Mehraufwendungen und Umsatzeinbußen
auslösen. Um dieses Risiko zu mindern, werden laufend eine Vielzahl von Maßnahmen gesetzt, zur
Erhöhung der Verfügbarkeit der IT (z. B. Ausstattung der Serverräume) ebenso wie zur Erhöhung der
Vertraulichkeit (u. a. Awareness-Schulung der Mitarbeiter:innen) und der Integrität der Daten (z. B. Back-
up-Sicherungen). Neben den technischen Absicherungen sorgt der „Chief Information Security Officer”
des Konzerns für eine konzernweite einheitliche Steuerung und Überwachung (Security-Governance)
der Informationssicherheit. Diese Aufgabe erfüllt der „Chief Information Security Officer” gemeinsam mit
den Ansprechpersonen in den Teilkonzernen und Gesellschaften. Die Security-Governance muss ge-
währleisten, dass durch die regelmäßige Prüfung der umgesetzten Maßnahmen Schäden – z. B. durch
Schadsoftware – oder identifizierte Risiken gemindert werden. Um der verstärkten Bedrohungslage für
Cyberangriffe entgegenzutreten, wurde das Programm „Information Security Next Level“ ins Leben ge-
rufen, in dem es um die Erstellung eines detaillierten Regelwerkes zur Informationssicherheit inklusive
zugehöriger Prozesse, die Gewährleistung der Umsetzung des NIS-Gesetzes (NISG-Audit wurde be-
reits erfolgreich abgeschlossen), die Sicherstellung einer vollständigen und nachhaltigen Asseterfas-
sung von IT / OT sowie um die Umsetzung der Konzernprojekte TOM (Target Operating Model) und
PROTECT+ geht.
Tochtergesellschaften und Beteiligungen
In diesem Risikofeld werden Tochtergesellschaften und Beteiligungen betrachtet. Hier besteht das Ri-
siko, dass Budgetwerte nicht erreicht werden. Im Immobilienbereich sind die Verwertungserlöse und die
exakten Realisierungszeitpunkte von den jeweiligen Marktentwicklungen abhängig. Die Risikosteue-
rung erfolgt frühzeitig schon in der Verhandlungsgestaltung sowie durch gezieltes Portfoliomanagement.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
Risiken im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten
Originäre Finanzinstrumente
Der Bestand an originären Finanzinstrumenten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ist in der Bilanz ersicht-
lich. Es handelt sich hierbei um Forderungen und Verbindlichkeiten aus der Finanzierungstätigkeit, For-
derungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen sowie Leistungen, Finanzanlagen und Wertpapiere. De-
taillierte Informationen finden sich in den entsprechenden Angaben in den Erläuterungen zum Konzern-
abschluss.
Derivative Finanzinstrumente
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern setzt derviative Finanzinstrumente zur Absicherung von Zinsänderungs-
und Rohstoffpreisrisiken ein. Des Weiteren besteht ein Derivat, um Inkongruenzen aus Zahlungsströ-
men aus ehemaligen CBL-Transaktionen auszugleichen. Derivative Finanzinstrumente werden nur un-
ter Bezugnahme auf ein Grundgeschäft abgeschlossen. Derivative Finanzinstrumente werden im Ein-
klang mit den anzuwendenden Rechnungslegungsvorschriften bewertet.
Das letzte im ÖBB-Infrastruktur-Konzern eingesetzte Finanzderivat ist ein strukturiertes Derivat mit ei-
nem Nominale von rd. 20.0 Mio. EUR und wrude im aktuellen Berichtsjahr aufgelöst.
Risikodefinition und Risikomanagement in Bezug auf Finanzinstrumente
Die ÖBB-Holding AG führt die Finanzgeschäfte mit Ausnahme von Sicherungsinstrumenten für Com-
modities im Namen und auf Rechnung von Konzerngesellschaften durch – auf Basis deren Auftrags und
nur nach deren Zustimmung. Die ÖBB-Holding AG hat ein risikoorientiertes Kontrollumfeld geschaffen.
Es umfasst u. a. Richtlinien und Abläufe für die Beurteilung von Risiken sowie die Genehmigung, das
Berichtswesen und die Überwachung von Finanzinstrumenten. Oberste Priorität bei allen Finanzaktivi-
täten nimmt der Schutz des Vermögens der Konzerngesellschaften ein. Eine wesentliche Aufgabe der
damit beauftragten Abteilung Konzernfinanzen ist die Identifizierung, Bewertung und Begrenzung fi-
nanzwirtschaftlicher Risiken. Risikobegrenzung bedeutet nicht das völlige Ausschließen finanzieller Ri-
siken. Risikobegrenzung meint eine sinnvolle und transparente Steuerung der quantifizierbaren Risi-
kopositionen innerhalb eines konkret zu vereinbarenden Handlungsrahmens mit den Konzerngesell-
schaften. Die Konzernrichtlinie untersagt die Ausgabe oder das Halten von Finanzinstrumenten zu spe-
kulativen Zwecken. Zudem wurden durch Konzernrichtlinien die zulässigen Finanzgeschäfte definiert.
Nachstehend werden die wichtigsten Finanzierungsrisiken näher erörtert.
Liquiditätsrisiko
Das übergeordnete Ziel des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns im Bereich Finanzen ist die Sicherstellung des
notwendigen Liquiditätsspielraums. Liquiditätsrisiko ist das Risiko, dass ein Unternehmen Schwierigkei-
ten bei der Erfüllung seiner sich aus den finanziellen Verbindlichkeiten ergebenden Verpflichtungen ha-
ben könnte. Diese können über die Zahlung von Bargeld oder die Lieferung eines anderen finanziellen
Vermögenswerts beglichen werden. Eine konsequente Sicherstellung der Liquidität aller Konzerngesell-
schaften ist eine der Hauptaufgaben der Abteilung Konzernfinanzen des ÖBB-Konzerns.
Die Erfüllung dieser Aufgabe erfolgt durch Liquiditätsplanungen, die Vereinbarung ausreichender Kre-
ditlinien und eine hinreichende Diversifizierung der Kreditgeber.
Zinsänderungsrisiko
Risiken aus Marktzinsänderungen können das Finanzergebnis des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns auf-
grund der gegebenen Bilanzstruktur beeinflussen. Es gilt daher, den Einfluss von möglichen Marktzins-
schwankungen auf die Ergebnisentwicklung zu beschränken, wobei das Niveau mit den Konzerngesell-
schaften abzustimmen ist.
Der Abschluss geeigneter derivativer Finanzinstrumente für das Management von Zinsrisiken basiert
auf Portfolioanalysen und -empfehlungen der Abteilung Konzernfinanzen und auf den entsprechenden
Entscheidungen der Konzerngesellschaften. Derzeit bestehen keine derartigen Derivate.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
49
TLP gelb (Adressatenkreis)
Währungsrisiko
Die Gesellschaften des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns unterliegen nahezu keinen Fremdwährungsrisiken.
Die Finanzierungen sind überwiegend in Euro denominiert.
Kontrahentenrisiko
Das Kontrahentenrisiko erfasst das Schadenspotenzial hinsichtlich Nichterfüllung finanzieller Verpflich-
tungen durch Geschäftspartner. Die Risiken beziehen sich vorwiegend auf Geldmarktgeschäfte, Forde-
rungen aus Lieferungen und Leistungen, Veranlagungen, barwertig positive Comodity Derivate. Dem
Kontrahentenrisiko-Management unterliegen Limits, die für jeden Finanzpartner individuell vergeben
und täglich auf Einhaltung überprüft werden.
Rohstoffrisiko
Die ÖBB-Infrastruktur AG betreibt eigene Wasserkraftwerke. Sie trägt die technische, wirtschaftliche
und rechtliche Verantwortung für die Energieanlagen und leitet das energiewirtschaftliche Kompetenz-
zentrum für die Energiebeschaffung der ÖBB. Energieanlagen sind Kraftwerke, Frequenzumformer, Un-
terwerke sowie Hauptversorgungsanlagen und Leitstellen. Das Risikomanagement im Energiebereich
wird direkt durch die ÖBB-Infrastruktur AG sichergestellt.
Rd. zwei Drittel des benötigten Bahnstroms und der gesamte Strom zur Versorgung der Betriebsanlagen
(Bahnhöfe etc.) werden am Strommarkt beschafft. Daher ist der ÖBB-Infrastruktur-Konzern von Strom-
preisvolatilität stark betroffen. Die Risikomanagementstrategie sieht daher eine Preisabsicherung vor.
Für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist es besonders relevant, dass die Preise im Vorfeld bereits abge-
sichert und fixiert sind, da auch die Preise, die an Kund:innen verrechnet werden, bis 30.09. des Jahres
vor Lieferbeginn fixiert werden. Die Preisabsicherung erfolgt über den Abschluss von Forwards für die
geplanten Einkaufsmengen von Bahnstrom, Verlustenergie und Betriebsanlagen. Neben der Preisabsi-
cherung dient die Absicherung aber auch der Erhöhung der Planungssicherheit, die als Basis der Preis-
kalkulation notwendig ist. Weiterführende Informationen dazu befinden sich in Erläuterung 29.4. zum
Konzernabschluss.
Internes Kontrollsystem
Das interne Kontrollsystem bildet einen wesentlichen Bestandteil der unternehmensweiten Risikosteu-
erung und trägt durch die systematische Steuerung prozessbezogener Risiken durch die zielgerichtete
Implementierung risikomindernder und regelmäßig überwachter organisatorischer Kontrollmaßnahmen
unterstützend zur Erreichung der Gesellschaftsziele sowie zur Sicherung und zum Schutz des Gesell-
schaftsvermögens bei. Für eine regelkonforme Finanzberichterstattung unterstützt es darüber hinaus
die Zuverlässigkeit der Rechnungslegungsprozesse.
Das IKS umfasst folgende Elemente: Identifikation, Analyse, Bewertung, Steuerung, Wirksamkeitsüber-
wachung, Dokumentation und Kommunikation von IKS-relevanten Prozessen, Risiken und Kontrollen
sowie die Überwachung dieser Aktivitäten.
Das vom Vorstand eingerichtete interne Kontrollsystem orientiert sich am international bewährten Rah-
menkonzept COSO (Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission). Dieses
stellt ein anerkanntes Konzept zur Ausgestaltung eines internen Kontrollsystems zur Verfügung. Der
Umfang und die Ausrichtung des IKS entsprechen den unternehmensspezifischen Anforderungen sowie
den Vorgaben des ÖBB-Konzerns.
Zielsetzung
Zielsetzungen des IKS sind die Regelkonformität der Finanzberichterstattung (Financial Reporting), die
Förderung der betrieblichen Effizienz (Operations) und die Einhaltung gesetzlicher Verpflichtungen und
interner Richtlinien (Compliance). Durch die Identifizierung und Bewertung von Risiken, die diese Ziel-
setzungen gefährden und die Implementierung risikoreduzierender Kontrollen, wird hinreichende Si-
cherheit für die Erreichung dieser Ziele gewährleistet.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
Organisation und Umsetzung
Neben den gesetzlichen Bestimmungen und den gesellschaftsspezifischen Anforderungen an das IKS
der Gesellschaften, sind im ÖBB-Konzern Mindeststandards und Prozesse für das IKS durch zentrale
Richtlinien geregelt. Diese werden von der ÖBB-Holding AG erstellt und regelmäßig den aktuellen Kon-
zernerfordernissen angepasst. Für die Konzerngesellschaften ist die Umsetzung dieser Richtlinien ver-
pflichtend. Diese Richtlinien enthalten neben der Festlegung von Zuständigkeiten und Verantwortlich-
keiten auch Methoden für die Festlegung des Anwendungsbereichs des IKS, der Identifikation und Be-
wertung von Risiken und der Dokumentation und Überwachung von Kontrollen.
Sicherstellung der Wirksamkeit
Das IKS wird durch periodische Evaluierungen der Risiken und der Kontrollen an geänderte Anforde-
rungen angepasst und weiterentwickelt. Zur Sicherstellung der Wirksamkeit der Kontrollen werden diese
in regelmäßigen Abständen mittels IKS-Tests überwacht. Dabei wird die ordnungsgemäße Ausführung
der zu testenden Kontrollen anhand von Nachweisen überprüft. Im Falle von festgestellten Abweichun-
gen werden Gegensteuerungsmaßnahmen eingeleitet, um die risikoreduzierende Wirkung der Kontrolle
wiederherzustellen.
Ergänzend zu den IKS-Tests wird das IKS durch die Konzernrevision punktuell im Zuge ihrer Prüfungs-
tätigkeiten geprüft. Die Prüfung des IKS im Rechnungslegungsprozess ist fixer Bestandteil der Ab-
schlussprüfung durch die Wirtschaftsprüfer:innen. Der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats überwacht
die Wirksamkeit des IKS auf Basis einer regelmäßigen Berichterstattung durch den Vorstand.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
G. Nichtfinanzielle Erklärung
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft ist verpflichtet, eine nichtfinanzielle Erklärung gemäß §243b
UGB aufzustellen.
Die nichtfinanzielle Erklärung wird jährlich im Konzernlagebericht ausgegeben und beinhaltet ebenfalls
die nichtfinanzielle Erklärung, die gemäß § 243b UGB im Einzelabschluss aufzustellen ist. Relevante
Kennzahlen für den Einzelabschluss der ÖBB-Infrastruktur AG werden als „davon-Angabe“ gesondert
im Konzernlagebericht dargestellt.
Gemäß § 267a UGB (Konzernabschluss) sowie gemäß dem Bundesgesetz BGBl. I Nr. 20/2017 – Na-
DiVeG – ergänzt die „Nichtfinanzielle Erklärung“ (NFI-Erklärung) den Lagebericht des ÖBB-Infrastruk-
tur-Konzerns. Die Angaben und Daten für den aktuellen Lagebericht beziehen sich auf das Geschäfts-
jahr 2022, die Vorjahreszahlen 2021 werden zu Vergleichszwecken angeführt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Lagebericht | Einzelabschluss
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TLP gelb (Adressatenkreis)
H. Anmerkung zum Lagebericht
Dieser Lagebericht enthält Aussagen und Prognosen, die sich auf die zukünftige Entwicklung des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns und des wirtschaftlichen Umfelds beziehen. Sämtliche Prognosen wurden auf-
grund der am Erstellungszeitpunkt zur Verfügung stehenden Informationen getroffen. Es können daher
die tatsächlich eintretenden Entwicklungen von den im Lagebericht geschilderten Erwartungen abwei-
chen.
I. Berechnung der Kennzahlen
Anlagenintensität: Anlagevermögen / Gesamtvermögen
Anlagendeckungsgrad: (Eigenmittel + langfristiges Fremdkapital) /
(Anlagevermögen + langfristiges Umlaufvermögen)
Eigenmittel: Eigenkapital + Kostenbeiträge von Dritten
Eigenkapitalquote: Eigenmittel / Gesamtkapital
Marge: Betriebserfolg / Gesamterträge
Free Cash Flow: Cash Flow aus dem Ergebnis + Cash Flow aus der Investitionstätigkeit
Investitionsquote: Investitionen in IAV und SAV / Gesamterträge
Investitionen in IAV und SAV / Buchwerte IAV und SAV per 1.1.
Materialintensität: Materialaufwand und bezogene Leistungen / Gesamtaufwendungen
Personalintensität: Personalaufwand / Gesamtaufwendungen
Fremdkapitalquote: Fremdkapital / Gesamtkapital
Fremdkapitalzinslast: (Fremdkapitalzinsen + zinsähnliche Aufwendungen)
/ durchschn. Fremdkapital
Anlagenabnutzungsgrad*): kumulierte Abschreibung / Anschaffungskosten
Abschreibungsintensität: (Abschreibung + Betriebskosten) / Gesamtaufwand
Investitionsdeckung*): Investitionen des laufenden Jahres / Abschreibung
*)jeweils des Sachanlagevermögens und der immateriellen Vermögenswerte
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 1
An die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft,
Wien
Wir haben die Prüfung des Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2022 der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien
(im Folgenden auch kurz "Gesellschaft" genannt),
abgeschlossen und erstatten über das Ergebnis dieser Prüfung den folgenden Bericht:
1. PRÜFUNGSVERTRAG UND AUFTRAGSDURCHFÜHRUNG
In der ordentlichen Hauptversammlung vom 23. Mai 2022 der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien, wurden wir zum
Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2022 gewählt bzw. bestellt. Die Gesellschaft, vertreten durch den Aufsichtsrat,
schloss mit uns einen Prüfungsvertrag, den Jahresabschluss zum 31. Dezember 2022 unter Einbeziehung der Buchführung
und den Lagebericht gemäß den §§ 269 ff UGB zu prüfen. Über die ebenfalls vereinbarte Prüfung des Konzernabschlusses
zum 31. Dezember 2022 berichten wir mittels gesonderten Berichtes.
Die geprüfte Gesellschaft ist ein Unternehmen von öffentlichem Interesse gemäß § 189a UGB und unterliegt der Verpflich-
tung zur Einrichtung eines Aufsichtsrates.
Bei der Gesellschaft handelt es sich um eine große Gesellschaft iSd § 221 UGB.
Bei der gegenständlichen Prüfung handelt es sich um eine Pflichtprüfung.
Diese Prüfung erstreckte sich darauf, ob bei der Erstellung des Jahresabschlusses und der Buchführung die gesetzlichen
Vorschriften und die ergänzenden Bestimmungen der Satzung beachtet wurden. Der Lagebericht ist darauf zu prüfen, ob er
mit dem Jahresabschluss in Einklang steht und ob er nach den geltenden rechtlichen Anforderungen aufgestellt wurde,
sowie ob er zutreffende Angaben nach § 243a UGB enthält.
Es ist auch festzustellen, ob als Bestandteil des Lageberichtes eine nichtfinanzielle Erklärung oder ein nichtfinanzieller
Bericht (§ 243b UGB) erstellt worden ist.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 2
Für die Berichterstattung zu Artikel 11 der Verordnung (EU) 537/2014 (EU-VO) wird auf den gesonderten Bericht an den
Prüfungsausschuss verwiesen; die Berichterstattung zu Artikel 11 der genannten Verordnung ist nicht Gegenstand dieses
Berichts.
Bei unserer Prüfung beachteten wir die in Österreich geltenden gesetzlichen Vorschriften und die berufsüblichen Grunds-
ätze ordnungsgemäßer Durchführung von Abschlussprüfungen. Diese Grundsätze erfordern die Anwendung der internatio-
nalen Prüfungsstandards (International
Standards on Auditing (ISA)). Wir weisen darauf hin, dass die Abschlussprüfung mit hinreichender Sicherheit die Richtig-
keit des Abschlusses gewährleisten soll. Eine absolute Sicherheit lässt sich nicht erreichen, weil jedem internen Kontroll-
system die Möglichkeit von Fehlern immanent ist und auf Grund der stichprobengestützten Prüfung ein unvermeidbares
Risiko besteht, dass wesentliche falsche Darstellungen im Jahresabschluss unentdeckt bleiben. Die Prüfung erstreckte
sich nicht auf Bereiche, die üblicherweise den Gegenstand von Sonderprüfungen bilden.
Wir führten die Prüfung mit Unterbrechungen im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2022 (Vorprüfung) sowie von Jänner
bis März 2023 (Hauptprüfung) überwiegend remote durch. Die Prüfung wurde mit dem Datum dieses Berichtes materiell
abgeschlossen.
Für die ordnungsgemäße Durchführung des Auftrages ist Herr Mag. Christoph Harreither,
Wirtschaftsprüfer, verantwortlich.
Grundlage für unsere Prüfung ist der mit der Gesellschaft abgeschlossene Prüfungsvertrag, bei dem die von der Kammer
der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer herausgegebenen "Allgemeine Auftragsbedingungen für Wirtschaftstreuhandbe-
rufe" (Beilage 3) einen integrierten Bestandteil bilden. Diese Auftragsbedingungen gelten nicht nur zwischen der Gesell-
schaft und dem Abschlussprüfer, sondern auch gegenüber Dritten. Bezüglich unserer Verantwortlichkeit und Haftung als
Abschlussprüfer gegenüber der Gesellschaft und gegenüber Dritten kommt § 275 UGB zur Anwendung.
2. AUFGLIEDERUNG UND ERLÄUTERUNG VON WESENTLICHEN
POSTEN DES JAHRESABSCHLUSSES
Alle erforderlichen Aufgliederungen und Erläuterungen von wesentlichen Posten des Jahresabschlusses sind im Anhang
des Jahresabschlusses und Lagebericht enthalten. Wir verweisen daher auf die entsprechenden Angaben des Vorstandes
im Anhang des Jahresabschlusses und im Lagebericht.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 3
3. ZUSAMMENFASSUNG DES PRÜFUNGSERGEBNISSES
3.1. Feststellungen zur Gesetzmäßigkeit von Buchführung, Jahresabschluss
und zum Lagebericht sowie zur nichtfinanziellen Erklärung
Bei unseren Prüfungshandlungen stellten wir die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften, der ergänzenden Bestimmun-
gen der Satzung und der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung fest.
Im Rahmen unseres risiko- und kontrollorientierten Prüfungsansatzes haben wir – soweit wir dies für unsere Prüfungsaus-
sage für notwendig erachteten – die internen Kontrollen in Teilbereichen des Rechnungslegungsprozesses in die Prüfung
einbezogen.
Hinsichtlich der Gesetzmäßigkeit des Jahresabschlusses und des Lageberichtes verweisen wir auf unsere Ausführungen im
Bestätigungsvermerk.
Die Gesellschaft hat eine nichtfinanzielle Erklärung im Lagebericht gemäß § 243b UGB für das
Geschäftsjahr 2022 aufgestellt. Eine materielle Prüfung der nichtfinanziellen Erklärung war nicht Gegenstand der Ab-
schlussprüfung.
3.2. Erteilte Auskünfte
Die gesetzlichen Vertreter erteilten die von uns verlangten Aufklärungen und Nachweise. Eine von den gesetzlichen Vertre-
tern unterfertigte Vollständigkeitserklärung haben wir zu unseren Akten genommen.
3.3. Berichterstattung im Zusammenhang mit dem Bundes-Public Corporate Governance
Kodex (B-PCGK)
Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Österreichischen Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft haben uns einen Ent-
wurf des Corporate-Governance-Bericht 2022 für den ÖBB-Konzern einschließlich der zum Kodex abgegebenen Erklärung
vorgelegt. Im Zuge unserer Jahresabschlussprüfung haben wir keine Tatsachen festgestellt, die eine Unrichtigkeit der Erklä-
rung in Bezug auf die geprüfte Gesellschaft ergeben.
Die Gesellschaft unterliegt dem Bundes-Public-Corporate-Governance-Kodex. Die ÖBB-Holding AG, Wien, hat einen kon-
solidierten Corporate-Governance-Bericht aufgestellt, der im Geschäftsjahr 2022 einer Evaluierung gem. Regel 15.5 des
B-PCGK unterzogen wurde. Für die diesbezügliche Berichterstattung wird auf den gesonderten Bericht verwiesen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 4
3.4. Stellungnahme zu Tatsachen nach § 273 Abs 2 und Abs 3 UGB
(Ausübung der Redepflicht)
3.4.1. Stellungnahme zu Tatsachen nach § 273 Abs 2 UGB
Bei Wahrnehmung unserer Aufgaben als Abschlussprüfer haben wir keine Tatsachen festgestellt, die den Bestand der ge-
prüften Gesellschaft gefährden oder ihre Entwicklung wesentlich beeinträchtigen können oder die schwerwiegende Ver-
stöße der gesetzlichen Vertreter oder von Arbeitnehmern gegen Gesetz oder Satzung erkennen lassen. Wesentliche Schwä-
chen bei der internen Kontrolle des Rechnungslegungsprozesses sind uns nicht zur Kenntnis gelangt.
3.4.2. Stellungnahme zu Tatsachen nach § 273 Abs 3 UGB
Mit Schreiben vom 23. November 2022 haben wir gegenüber dem Vorstand und dem Aufsichtsrat unsere Redepflicht ge-
mäß § 273 Abs 3 UGB ausgeübt, da die maßgeblichen Kennzahlen des Unternehmensreorganisationsgesetztes auf Basis
des Monatsabschlusses zum 30. September 2022 seitens der Gesellschaft über- bzw. unterschritten wurden und somit die
Voraussetzungen für die Vermutung des Reorganisationsbedarfs gemäß § 22 Abs 1 Z 1 URG erfüllt waren.
Ein vom Vorstand in Auftrag gegebenes Gutachten im Sinne des § 23 URG hat ergeben, dass angesichts der gesetzlich und
vertraglich festgelegten Finanzierungsverpflichtung der Republik Österreich davon auszugehen ist, dass trotz Vorliegen
entsprechender Kennzahlen kein Reorgani-sationsbedarf im Sinne des Unternehmensreorganisationsgesetzes besteht.
Zum 31. Dezember 2022 beträgt die Eigenmittelquote rd. 4,4 % die fiktive Schuldentilgungsdauer beträgt rd. 36 Jahre. Die
Ableitung der beiden Kennzahlen ist in Beilage 2.1 dargestellt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 5
4. BESTÄTIGUNGSVERMERK
*)
Bericht zum Jahresabschluss
Prüfungsurteil
Wir haben den Jahresabschluss der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien,
bestehend aus der Bilanz zum 31. Dezember 2022, der Gewinn- und Verlustrechnung für das an diesem Stichtag endende
Geschäftsjahr und dem Anhang, geprüft.
Nach unserer Beurteilung entspricht der beigefügte Jahresabschluss den gesetzlichen Vorschriften und vermittelt ein mög-
lichst getreues Bild der Vermögens- und Finanzlage zum 31. Dezember 2022 sowie der Ertragslage der Gesellschaft für
das an diesem Stichtag endende Geschäftsjahr in Übereinstimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen
Vorschriften.
Grundlage für das Prüfungsurteil
Wir haben unsere Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-Verordnung Nr. 537/2014 (im Folgenden EU-VO) und
mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung durchgeführt. Diese Grundsätze erfordern die An-
wendung der International Standards on Auditing (ISA). Unsere Verantwortlichkeiten nach diesen Vorschriften und Standards
sind im Abschnitt "Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Jahresabschlusses" unseres Bestätigungs-
vermerks weitergehend beschrieben. Wir sind von der Gesellschaft unabhängig in Übereinstimmung mit den österreichischen
unternehmensrechtlichen und berufsrechtlichen Vorschriften, und wir haben unsere sonstigen beruflichen Pflichten in Über-
einstimmung mit diesen Anforderungen erfüllt. Wir sind der Auffassung, dass die von uns bis zum Datum des Bestätigungsver-
merks erlangten Prüfungsnachweise ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu diesem
Datum zu dienen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 6
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte sind solche Sachverhalte, die nach unserem pflichtgemäßen Ermessen am bedeut-
samsten für unsere Prüfung des Jahresabschlusses des Geschäftsjahres waren. Diese Sachverhalte wurden im Zusammen-
hang mit unserer Prüfung des Jahresabschlusses als Ganzes und bei der Bildung unseres Prüfungsurteils hierzu berücksich-
tigt, und wir geben kein gesondertes Prüfungsurteil zu diesen Sachverhalten ab.
Nachfolgend stellen wir die aus unserer Sicht besonders wichtigen Prüfungssachverhalte dar:
Abgrenzung zwischen aktivierungspflichtigen Investitionen und sofort aufwandswirksamen Instand-haltungsaufwendungen
Beschreibung / Risiko:
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft investiert im Auftrag der Bundesregierung jährlich mehr als zwei Milliarden Euro
in das österreichische Schienennetz. Neben Investitionen in den Neubau von Schieneninfrastruktur tätigt die Gesellschaft
wesentliche Ausgaben für die Erneuerung und die Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur.
Während als Investitionen einzustufende Maßnahmen aktiviert und damit im Wege der Abschreibung über mehrere Jahre
aufwandswirksam verteilt werden, schlagen sich lnstandhaltungsmaßnahmen sofort als Aufwand im Ergebnis nieder. Wie
bei allen großen Infrastrukturunternehmen kommt der Abgrenzung zwischen Investitions- und lnstandhaltungsmaßnahmen
und deren richtiger Abbildung im Jahresabschluss der ÖBB-lnfrastruktur Aktiengesellschaft besondere Bedeutung zu. Ge-
rade bei Maßnahmen, die die bestehende Infrastruktur betreffen, kann es zu Abgrenzungs- bzw. Klassifizierungsproblemen
kommen.
Die Angaben zu den Bilanzierungsgrundsätzen sind im Anhang unter Punkt "B. Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden,
Sachanlagen" enthalten. Informationen zu den im Geschäftsjahr aufwands-wirksam erfassten lnstandhaltungsleistungen
finden sich im Anhang unter Punkt "D. Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung, bezogene Leistungen".
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 7
Adressierung im Rahmen der Abschlussprüfung:
Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten umfasst:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über den relevanten Prozess u
nd die wesentlichen Schlüsselkontrollen betreffend korrekter Kategorisierung und Bilanzierung von aktivierungspflichtigen
Investitionen bzw. aufwandswirksamen Instandhaltungsmaßnahmen
erlangt, die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt und ausgewählte Schlüssel-kontrollen im
Prozess auf deren Wirksamkeit getestet ("Funktionsprüfung"). Davon
betroffen sind insbesondere Schlüsselkontrollen anlässlich der Eröffnung von Aufträgen im
SAP-System.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig nach-gelagerte Kontrollen im
Bereich Sachanlagen durchführen, geführt, ein Verständnis über deren Tätigkeiten gewonnen und deren Kompetenz und
fachliche Qualität beurteilt. Ferner haben wir Interne Revisionsberichte mit Bezug auf den besonders wichtigen Prüfsach-
verhalt eingeholt,
gelesen und hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prüfungsstrategie gewürdigt und zusätzliche Prüfungshandlungen ge-
setzt.
Wir haben die internen Bilanzierungsrichtlinien ("Aktivierungshandbuch") hinsichtlich Übereinstim-mung mit den Bilanzie-
rungs- und Bewertungsgrundsätzen nach UGB geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben von Zu-gängen im Bereich vom
Sachanlagevermögen, Stichproben im Bereich von Investitions- und Instandhaltungsaufträgen, sowie anhand ausgewähl-
ter Stichproben von wesentlichen Projekten die korrekte Erfassung als Zugang zu Sachanlagen oder Aufwand in Überein-
stimmung mit der internen Bilanzierungsrichtlinie ("Aktivierungshandbuch") geprüft. Die Auswahl der Stichproben von
wesentlichen Projekten erfolgte anhand einer Zufallsauswahl und auf Basis von definierten Risikokriterien unter Berück-
sichtigung der Projektgröße.
Die Prüfungshandlungen umfassten insbesondere die Durchsicht von Projektbeschreibungen, die Diskussion von Projek-
tinhalten mit den Projektverantwortlichen und Projektcontrollern und daraus abgeleitet die Würdigung der getroffenen Bi-
lanzierungsentscheidungen. Soweit erforderlich haben wir bei den in den Stichproben enthaltenen Projekten auch in Ab-
rechnungs- und Vertragsunterlagen Einsicht genommen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 8
Ansatz und Bewertung von Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren
Beschreibung / Risiko:
Zum 31. Dezember 2022 bestehen mehrere regulierungsrechtliche Verfahren. Diese Verfahren, welche sich in unterschied-
lichen verfahrensrechtlichen Stadien befinden, betreffen den Zeitraum ab Dezember 2011 bis 2022. Inhaltlich geht es
dabei vor allem um Fragen der Ermittlung und Festlegung des Infrastrukturbenützungsentgelts (ab Dezember 2011 bis
Dezember 2017), der Entgelte nach dem neuen Wegeentgeltmodell für den Zeitraum Dezember 2019 bis Dezember 2022
(Produkt "Zugtrasse" hinsichtlich direkt zuordenbarer Kosten und gesetzeskonformer Marktaufschläge bis einschließlich
der Netzfahrplanperiode 2021) sowie um die Zulässigkeit
der Höhe der Stationsentgelte bei der Nutzung von Serviceeinrichtungen ab Dezember 2011 bis 2021. Bei der Ermittlung
der Rückstellungen zu den Wegeentgelten wurde insbesondere auch der nachträgliche Entfall der Marktaufschläge für be-
stimmte Netzfahrplanperioden bis zum Bilanzstichtag berücksichtigt.
Der Ausgang der anhängigen Verfahren kann dazu führen, dass die bisher verrechneten Entgelte abgeändert werden und es
dadurch zu einer Rückerstattungspflicht der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft kommt.
Diese Risiken werden individuell je Sachverhalt bzw. Verfahren unter Einbindung von Experten
bewertet und in Form von Rückstellungen bilanziell berücksichtigt.
Die Bilanzierung und Bewertung dieser Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren sind im Rahmen der Prüfung
von besonderer Bedeutung, da die Beträge wesentlich sind, die Bewertung komplex ist und wesentliche Ermessensent-
scheidungen erfordert. Das Erfordernis für und
die Höhe dieser Rückstellungen sind maßgeblich von der Annahme und Einschätzung des Managements zum Ausgang der
Verfahren abhängig. Bewertungsunsicherheiten bestehen insbesondere aufgrund von schwierig abzuschätzenden Ergeb-
nissen bei der Auslegung von bisher weitgehend nicht ausjudizierten Rechtsfragen durch die Aufsichtsbehörde, Verwal-
tungsgerichte bzw. Gerichtshöfe, aufgrund möglicher Einschränkungen der zeitlichen Wirkung von Entscheidungen sowie
hinsichtlich Art, Umfang und Höhe von anerkannten Kosten und Marktaufschlägen als Basis für
die Verrechnung von Tarifen für die Nutzung der Schieneninfrastruktur.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den Rückstellungen für regulierungsrechtli-
che Verfahren befinden sich im Anhang unter Punkt "B. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze, Rückstellungen"
sowie "C. Erläuterungen zur Bilanz, Rückstellungen".
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 9
Adressierung im Rahmen der Abschlussprüfung:
Wir haben die Einschätzung des Managements betreffend Ansatz und Höhe der Rückstellungen hinterfragt und geprüft.
Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten umfasst:
Wir haben den Prozess betreffend Ansatz und Bewertung der Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren erhoben
und die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt.
Im Rahmen unserer Prüfung haben wir uns mit den für die Rückstellungsbildung verwendeten Rechts- und Datengrundla-
gen auseinandergesetzt und haben auf dieser Basis die Angemessenheit der für die Bewertung herangezogenen Prämissen
beurteilt. Insbesondere haben wir dabei den Status der Verfahren, einschließlich der aktuellen Entwicklungen im Jahr
2022, mit dem Management, den Mitarbeitern des zuständigen Fachbereiches und den beigezogenen Rechtsanwälten
besprochen. Weiters haben wir uns mit den im Zuge der Verfahren vor der Schienen-Control Kommission erstellten Sach-
verständigengutachten befasst und die daraus von der Gesellschaft abgeleiteten Schlussfolgerungen gewürdigt.
Das Berechnungsschema der Rückstellungen haben wir anhand der einfließenden Bewertungsparameter nachvollzogen.
Die Gesellschaft bezieht bei der Berechnung der Rückstellung insbesondere extern erstellte
Sachverständigengutachten und juristische Stellungnahmen von externen Rechtsanwälten mit ein. Diese haben wir im
Rahmen der Prüfung eingeholt und uns davon überzeugt, dass deren Ergebnisse angemessen und deren Arbeiten für un-
sere Zwecke adäquat sind. Weiters haben wir uns
einen Eindruck über deren Kompetenz, Fähigkeiten und Objektivität verschafft.
Schließlich haben wir die Entwicklung dieser Verfahren nach dem Bilanzstichtag bis zum Zeitpunkt der Erteilung des Bestä-
tigungsvermerks durch Befragung des Vorstandes und der Mitarbeiter des Fachbereiches kritisch gewürdigt.
Wir haben die Angemessenheit der Angaben im Anhang zur Bewertung und Bilanzierung dieser Rückstellungen beurteilt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 1
BESTÄTIGUNGSVERMERK
Bericht zum Jahresabschluss
Prüfungsurteil
Wir haben den Jahresabschluss der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien,
bestehend aus der Bilanz zum 31. Dezember 2022, der Gewinn- und Verlustrechnung für das an diesem Stichtag endende
Geschäftsjahr und dem Anhang, geprüft.
Nach unserer Beurteilung entspricht der beigefügte Jahresabschluss den gesetzlichen Vorschriften und vermittelt ein mög-
lichst getreues Bild der Vermögens- und Finanzlage zum 31. Dezember 2022 sowie der Ertragslage der Gesellschaft für
das an diesem Stichtag endende Geschäftsjahr in Übereinstimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen
Vorschriften.
Grundlage für das Prüfungsurteil
Wir haben unsere Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-Verordnung Nr. 537/2014 (im Folgenden EU-VO) und
mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung durchgeführt. Diese Grundsätze erfordern die An-
wendung der International Standards on Auditing (ISA). Unsere Verantwortlichkeiten nach diesen Vorschriften und Standards
sind im Abschnitt "Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Jahresabschlusses" unseres Bestätigungs-
vermerks weitergehend beschrieben. Wir sind von der Gesellschaft unabhängig in Übereinstimmung mit den österreichischen
unternehmensrechtlichen und berufsrechtlichen Vorschriften, und wir haben unsere sonstigen beruflichen Pflichten in Über-
einstimmung mit diesen Anforderungen erfüllt. Wir sind der Auffassung, dass die von uns bis zum Datum des Bestätigungsver-
merks erlangten Prüfungsnachweise ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu diesem
Datum zu dienen.
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte sind solche Sachverhalte, die nach unserem pflichtgemäßen Ermessen am bedeut-
samsten für unsere Prüfung des Jahresabschlusses des Geschäftsjahres waren. Diese Sachverhalte wurden im Zusammen-
hang mit unserer Prüfung des Jahresabschlusses als Ganzes und bei der Bildung unseres Prüfungsurteils hierzu berücksich-
tigt, und wir geben kein gesondertes Prüfungsurteil zu diesen Sachverhalten ab.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 2
Nachfolgend stellen wir die aus unserer Sicht besonders wichtigen Prüfungssachverhalte dar:
Abgrenzung zwischen aktivierungspflichtigen Investitionen und sofort aufwandswirksamen Instand-haltungsaufwendungen
Beschreibung / Risiko:
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft investiert im Auftrag der Bundesregierung jährlich mehr als zwei Milliarden Euro
in das österreichische Schienennetz. Neben Investitionen in den Neubau von Schieneninfrastruktur tätigt die Gesellschaft
wesentliche Ausgaben für die Erneuerung und die Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur.
Während als Investitionen einzustufende Maßnahmen aktiviert und damit im Wege der Abschreibung über mehrere Jahre
aufwandswirksam verteilt werden, schlagen sich lnstandhaltungsmaßnahmen sofort als Aufwand im Ergebnis nieder. Wie
bei allen großen Infrastrukturunternehmen kommt der Abgrenzung zwischen Investitions- und lnstandhaltungsmaßnahmen
und deren richtiger Abbildung im Jahresabschluss der ÖBB-lnfrastruktur Aktiengesellschaft besondere Bedeutung zu. Ge-
rade bei Maßnahmen, die die bestehende Infrastruktur betreffen, kann es zu Abgrenzungs- bzw. Klassifizierungsproblemen
kommen.
Die Angaben zu den Bilanzierungsgrundsätzen sind im Anhang unter Punkt "B. Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden,
Sachanlagen" enthalten. Informationen zu den im Geschäftsjahr aufwands-wirksam erfassten lnstandhaltungsleistungen
finden sich im Anhang unter Punkt "D. Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung, bezogene Leistungen".
Adressierung im Rahmen der Abschlussprüfung:
Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten umfasst:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über den relevanten Prozess und die wesentlichen Schlüs-
selkontrollen betreffend korrekter Kategorisierung und Bilanzierung von aktivierungspflichtigen Investitionen bzw. auf-
wandswirksamen Instandhaltungsmaßnahmen
erlangt, die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt und ausgewählte Schlüssel-kontrollen im
Prozess auf deren Wirksamkeit getestet ("Funktionsprüfung"). Davon
betroffen sind insbesondere Schlüsselkontrollen anlässlich der Eröffnung von Aufträgen im
SAP-System.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig nach-ge-lagerte Kontrollen im
Bereich Sachanlagen durchführen, geführt, ein Verständnis über deren Tätigkeiten gewonnen und deren Kompetenz und
fachliche Qualität beurteilt. Ferner haben wir Interne Revisionsberichte mit Bezug auf den besonders wichtigen Prüfsach-
verhalt eingeholt, gelesen und hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prüfungsstrategie gewürdigt und zusätzliche Prüfungs-
handlungen gesetzt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 3
Wir haben die internen Bilanzierungsrichtlinien ("Aktivierungshandbuch") hinsichtlich Übereinstim-mung mit den Bilanzie-
rungs- und Bewertungsgrundsätzen nach UGB geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben von Zu-gängen im Bereich vom
Sachanlagevermögen, Stichproben im Bereich von Investitions- und Instandhaltungsaufträgen, sowie anhand ausgewähl-
ter Stichproben von wesentlichen Projekten die korrekte Erfassung als Zugang zu Sachanlagen oder Aufwand in Überein-
stimmung mit der internen Bilanzierungsrichtlinie ("Aktivierungshandbuch") geprüft. Die Auswahl der Stichproben von
wesentlichen Projekten erfolgte anhand einer Zufallsauswahl und auf Basis von definierten Risikokriterien unter Berück-
sichtigung der Projektgröße.
Die Prüfungshandlungen umfassten insbesondere die Durchsicht von Projektbeschreibungen, die Diskussion von Projek-
tinhalten mit den Projektverantwortlichen und Projektcontrollern und daraus abgeleitet die Würdigung der getroffenen Bi-
lanzierungsentscheidungen. Soweit erforderlich haben wir bei den in den Stichproben enthaltenen Projekten auch in Ab-
rechnungs- und Vertragsunterlagen Einsicht genommen.
Ansatz und Bewertung von Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren
Beschreibung / Risiko:
Zum 31. Dezember 2022 bestehen mehrere regulierungsrechtliche Verfahren. Diese Verfahren, welche sich in unterschied-
lichen verfahrensrechtlichen Stadien befinden, betreffen den Zeitraum ab Dezember 2011 bis 2022. Inhaltlich geht es
dabei vor allem um Fragen der Ermittlung und Festlegung des Infrastrukturbenützungsentgelts (ab Dezember 2011 bis
Dezember 2017), der Entgelte nach dem neuen Wegeentgeltmodell für den Zeitraum Dezember 2019 bis Dezember 2022
(Produkt "Zugtrasse" hinsichtlich direkt zuordenbarer Kosten und gesetzeskonformer Marktaufschläge bis einschließlich
der Netzfahrplanperiode 2021) sowie um die Zulässigkeit der Höhe der Stationsentgelte bei der Nutzung von Serviceein-
richtungen ab Dezember 2011 bis 2021. Bei der Ermittlung der Rückstellungen zu den Wegeentgelten wurde insbesondere
auch der nachträgliche Entfall der Marktaufschläge für bestimmte Netzfahrplanperioden bis zum Bilanzstichtag berück-
sichtigt.
Der Ausgang der anhängigen Verfahren kann dazu führen, dass die bisher verrechneten Entgelte abgeändert werden und es
dadurch zu einer Rückerstattungspflicht der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft kommt.
Diese Risiken werden individuell je Sachverhalt bzw. Verfahren unter Einbindung von Experten bewertet und in Form von
Rückstellungen bilanziell berücksichtigt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 4
Die Bilanzierung und Bewertung dieser Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren sind im Rahmen der Prüfung
von besonderer Bedeutung, da die Beträge wesentlich sind, die Bewertung komplex ist und wesentliche Ermessensent-
scheidungen erfordert. Das Erfordernis für und die Höhe dieser Rückstellungen sind maßgeblich von der Annahme und Ein-
schätzung des Managements zum Ausgang der Verfahren abhängig. Bewertungsunsicherheiten bestehen insbesondere
aufgrund von schwierig abzuschätzenden Ergebnissen bei der Auslegung von bisher weitgehend nicht ausjudizierten
Rechtsfragen durch die Aufsichtsbehörde, Verwaltungsgerichte bzw. Gerichtshöfe, aufgrund möglicher Einschränkungen
der zeitlichen Wirkung von Entscheidungen sowie hinsichtlich Art, Umfang und Höhe von anerkannten Kosten und Markt-
aufschlägen als Basis für die Verrechnung von Tarifen für die Nutzung der Schieneninfrastruktur.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den Rückstellungen für regulierungsrechtli-
che Verfahren befinden sich im Anhang unter Punkt "B. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze, Rückstellungen"
sowie "C. Erläuterungen zur Bilanz, Rückstellungen".
Adressierung im Rahmen der Abschlussprüfung:
Wir haben die Einschätzung des Managements betreffend Ansatz und Höhe der Rückstellungen hinterfragt und geprüft.
Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten umfasst:
Wir haben den Prozess betreffend Ansatz und Bewertung der Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren erhoben
und die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt.
Im Rahmen unserer Prüfung haben wir uns mit den für die Rückstellungsbildung verwendeten Rechts- und Datengrundla-
gen auseinandergesetzt und haben auf dieser Basis die Angemessenheit der für die Bewertung herangezogenen Prämissen
beurteilt. Insbesondere haben wir dabei den Status der Verfahren, einschließlich der aktuellen Entwicklungen im Jahr
2022, mit dem Management, den Mitarbeitern des zuständigen Fachbereiches und den beigezogenen Rechtsanwälten
besprochen. Weiters haben wir uns mit den im Zuge der Verfahren vor der Schienen-Control Kommission erstellten Sach-
verständigengutachten befasst und die daraus von der Gesellschaft abgeleiteten Schlussfolgerungen gewürdigt.
Das Berechnungsschema der Rückstellungen haben wir anhand der einfließenden Bewertungsparameter nachvollzogen.
Die Gesellschaft bezieht bei der Berechnung der Rückstellung insbesondere extern erstellte Sachverständigengutachten
und juristische Stellungnahmen von externen Rechtsanwälten mit ein. Diese haben wir im Rahmen der Prüfung eingeholt
und uns davon überzeugt, dass deren Ergebnisse angemessen und deren Arbeiten für unsere Zwecke adäquat sind. Weiters
haben wir uns einen Eindruck über deren Kompetenz, Fähigkeiten und Objektivität verschafft.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 5
Schließlich haben wir die Entwicklung dieser Verfahren nach dem Bilanzstichtag bis zum Zeitpunkt der Erteilung des Bestä-
tigungsvermerks durch Befragung des Vorstandes und der Mitarbeiter des Fachbereiches kritisch gewürdigt.
Wir haben die Angemessenheit der Angaben im Anhang zur Bewertung und Bilanzierung dieser Rückstellungen beurteilt.
Bewertung von derivativen Finanzinstrumenten im Strombereich / Sonstige Rückstellungen, Drohverlustrückstellung
Beschreibung / Risiko:
Die von der ÖBB-Infrastruktur AG betriebene Eisenbahninfrastruktur umfasst neben dem Schienennetz u.a. auch das 16,7 Hz-
Bahnstromnetz zur Übertragung des Traktionsstroms. Ferner werden Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.) und ausgewählte Groß-
baustellen mit Energie versorgt.
Zur Bereitstellung des Transaktionsstroms betreibt die ÖBB-Infrastruktur AG mehrere Kraftwerke und hat langfristige Lieferver-
träge mit mehreren Energieversorgungsunternehmen abgeschlossen. Zusätzlich erforderliche Strommengen werden durch
Stromhandelsgeschäfte am Strommarkt
(OTC-Handel) beschafft.
Insbesondere ist die ÖBB-Infrastruktur AG angesichts von Strompreisvolatilitäten von Preisschwankungs- und Ausfallsrisiken
bei Handelspartnern betroffen. Die Risikomanagementstrategie sieht daher eine Preisabsicherung vor. Die ÖBB-Infrastruktur
AG sichert rd. 1.200 GWh je Lieferjahr rollierend über drei Jahre für den Bezug von Bahnstrom sowie rd. 310 GWh für Betriebs-
anlagen ab.
Insofern abgeschlossene Ein- und Verkaufsgeschäfte durch gegenläufige Geschäfte geschlossen wurden, wendet die ÖBB-
Infrastruktur AG Vorschriften zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen bzw. Bewertungseinheiten gemäß AFRAC Stellung-
nahme 15. Derivate und Sicherungsinstrumente (UGB) an. Für Derivate mit negativem Marktwert zum Stichtag ohne Bewer-
tungseinheit wird mit einer sonstigen Rückstellung für drohende Verluste aus langfristigen Stromein- oder verkaufsverträgen
in der Höhe von 56,7 Mio. EUR (Vj.: 18,8 Mio EUR) im Jahresabschluss vorgesorgt.
Das Risiko für den Jahresabschluss ergibt sich daraus, dass bei der Verwendung von Bewertungsmodellen zur Ermittlung der
beizulegenden Zeitwerte die darin enthaltenen Annahmen und Parameter in hohem Ausmaß ermessensbehaftet sind und
dass an die Bildung von Bewertungseinheiten formelle und materielle Anforderungen geknüpft sind.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den derivativen Finanzinstrumenten befinden sich
im Anhang unter Punkt "B. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze, Derivative Finanzinstrumente, C. Erläuterung zur Bi-
lanz, sonstige Rückstellungen" und "D. Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung, Materialaufwand", sowie "E. Sons-
tige Angaben, Risiken in Zusammenhang mit Finanzinstrumenten"
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 6
Adressierung im Rahmen der Konzernabschlussprüfung:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über die implementierten Richtlinien, das internen Kontroll-
systems, die Risikomanagementstrategie und deren Dokumentation
(iW Handbuch Risikomanagement Energiewirtschaft, Geschäftsordnung für das Risiko-Komitee Energiewirtschaft ) sowie we-
sentliche Schlüsselkontrollen erlangt, die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt und ausgewählte
Schlüsselkontrollen im Prozess auf deren Wirksamkeit getestet ("Funktionsprüfung"). Davon betroffen sind insbesondere
Schlüsselkontrollen wie Kontrollen, dass nur mit genehmigten Handelspartnern Geschäfte abgeschlossen wurden, Kreditli-
mitreports und Sperren von Handelspartnern, sowie Prüfung der korrekten Übernahme von Marktpreisen ins Handelssystem.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig nach-gelagerte Kontrollen im
Bereich Energie/Portfoliomanagement durchführen, geführt, ein Verständnis über deren Tätigkeiten gewonnen und deren
Kompetenz und fachliche Qualität beurteilt. Ferner haben wir die internen Revisionsberichte mit Prüfungsgegenstand im
Bereich Stromhandel eingeholt, gelesen und hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prüfungsstrategie gewürdigt und zusätz-
liche Prüfungshandlungen gesetzt.
Für das Handelssystem "BelVis" haben wir im Rahmen der Prüfung unter Beiziehung unserer IT-Experten die Generellen IT-
Kontrollen (IT-Environment, IT-Prozesse, IT-Internes Kontrollsystem) mit Schwerpunkt auf das Änderungsmanagement, Sys-
temsicherheit und Zugriffsschutz geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben einzelne Stromhandelsge-
schäfte hinsichtlich Existenz, Vollständigkeit und Bewertung geprüft. Die Prüfungshandlungen umfassten insbesondere die
Einholung von externen Bestätigungen sowie den Abgleich mit Verträgen und anderen Nachweisen.
Des weiteren haben wir die Bewertungsmodelle und die zugrunde liegenden Bewertungsparameter zur Ermittlung der bei-
zulegenden Zeitwerte auf ihre Angemessenheit und konsistente Anwendung hin geprüft. Wir haben in Stichproben wesent-
liche verwendete Parameter mit extern zugänglichen Werten und die Berechnung der Zeitwerte nachvollzogen.
Bewertungseinheiten wurden in Stichproben insbesondere dahingehend beurteilt, ob die Dokumentation der Sicherungs-
beziehung und der Effektivität der Sicherung vorhanden ist und den Vorgaben gemäß AFRAC 15 entspricht. Die durchge-
führten Effektivitätstests wurden in Bezug auf ihre Angemessenheit kritisch gewürdigt.
Der korrekte Ausweis im Jahresabschluss wurde von uns geprüft. Weiters haben wir überprüft, ob die Angaben im Anhang
angemessen und vollständig sind.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
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Sonstige Informationen
Die gesetzlichen Vertreter sind für die sonstigen Informationen verantwortlich. Die sonstigen Informationen umfassen alle
Informationen im Geschäftsbericht, ausgenommen den Jahresabschluss, den Lagebericht und den Bestätigungsvermerk.
Der Geschäftsbericht wird uns voraussichtlich nach dem Datum des Bestätigungsvermerks zur Verfügung gestellt.
Unser Prüfungsurteil zum Jahresabschluss erstreckt sich nicht auf diese sonstigen Informationen, und wir werden keine Art
der Zusicherung darauf geben.
Im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Jahresabschlusses haben wir die Verantwortlichkeit, diese sonstigen Informa-
tionen zu lesen, sobald diese vorhanden sind, und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen Informationen wesentliche Un-
stimmigkeiten zum Jahresabschluss oder zu unseren bei der Abschlussprüfung erlangten Kenntnissen aufweisen oder an-
derweitig falsch dargestellt erscheinen.
Verantwortlichkeiten der gesetzlichen Vertreter
und des Prüfungsausschusses für den Jahresabschluss
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Jahresabschlusses und dafür, dass dieser in Überein-
stimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften ein möglichst getreues Bild der Vermögens-,
Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft vermittelt. Ferner sind die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die internen
Kontrollen, die sie als notwendig erachten, um die Aufstellung eines Jahresabschlusses zu ermöglichen, der frei von we-
sentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist.
Bei der Aufstellung des Jahresabschlusses sind die gesetzlichen Vertreter dafür verantwortlich, die Fähigkeit der Gesell-
schaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu beurteilen, Sachverhalte im Zusammenhang mit der Fortführung der
Unternehmenstätigkeit - sofern einschlägig - anzugeben, sowie dafür, den Rechnungslegungsgrundsatz der Fortführung
der Unternehmenstätigkeit anzuwenden, es sei denn, die gesetzlichen Vertreter beabsichtigen, entweder die Gesellschaft
zu liquidieren oder die Unternehmenstätigkeit einzustellen oder haben keine realistische Alternative dazu.
Der Prüfungsausschuss ist verantwortlich für die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses der Gesellschaft.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 8
Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Jahresabschlusses
Unsere Ziele sind, hinreichende Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Jahresabschluss als Ganzes frei von wesentlichen fal-
schen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist, und einen Bestätigungsvermerk zu erteilen, der
unser Prüfungsurteil beinhaltet. Hinreichende
Sicherheit ist ein hohes Maß an Sicherheit, aber keine Garantie dafür, dass eine in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit
den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, durchgeführte
Abschlussprüfung eine wesentliche falsche Darstellung, falls eine solche vorliegt, stets aufdeckt. Falsche Darstellungen kön-
nen aus dolosen Handlungen oder Irrtümern resultieren und werden als wesentlich angesehen, wenn von ihnen einzeln oder
insgesamt vernünftigerweise erwartet werden könnte, dass sie die auf der Grundlage dieses Jahresabschlusses getroffenen
wirtschaftlichen Entscheidungen von Nutzern beeinflussen.
Als Teil einer Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungs-
mäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, üben wir während der gesamten Abschlussprüfung
pflichtgemäßes Ermessen aus und bewahren eine kritische Grundhaltung.
Darüber hinaus gilt:
• Wir identifizieren und beurteilen die Risiken wesentlicher falscher Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder
Irrtümern im Abschluss, planen Prüfungshandlungen als Reaktion auf diese Risiken, führen sie durch und erlangen Prü-
fungsnachweise, die ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu dienen. Das Risiko, dass
aus dolosen Handlungen resultierende wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden, ist höher als ein aus
Irrtümern resultierendes, da dolose Handlungen kollusives Zusammenwirken, Fälschungen, beabsichtigte Unvollständig-
keiten, irreführende Darstellungen oder das Außerkraftsetzen interner Kontrollen beinhalten können.
• Wir gewinnen ein Verständnis von dem für die Abschlussprüfung relevanten internen Kontrollsystem, um Prüfungs-
handlungen zu planen, die unter den gegebenen Umständen angemessen sind, jedoch nicht mit dem Ziel, ein Prü-
fungsurteil zur Wirksamkeit des internen Kontrollsystems der Gesellschaft abzugeben.
• Wir beurteilen die Angemessenheit der von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rechnungslegungsmethoden sowie
die Vertretbarkeit der von den gesetzlichen Vertretern dargestellten geschätzten Werte in der Rechnungslegung und da-
mit zusammenhängende Angaben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 9
• Wir ziehen Schlussfolgerungen über die Angemessenheit der Anwendung des Rechnungslegungsgrundsatzes der Fortfüh-
rung der Unternehmenstätigkeit durch die gesetzlichen Vertreter sowie, auf der Grundlage der erlangten Prüfungsnach-
weise, ob eine wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die erhebliche
Zweifel an der Fähigkeit der Gesellschaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können. Falls wir die
Schlussfolgerung ziehen, dass eine wesentliche Unsicherheit besteht, sind wir verpflichtet, in unserem Bestätigungsver-
merk auf die dazugehörigen Angaben im Jahresabschluss aufmerksam zu machen oder, falls diese Angaben unangemes-
sen sind, unser Prüfungsurteil zu modifizieren. Wir ziehen unsere Schlussfolgerungen auf der Grundlage der bis zum Da-
tum unseres Bestätigungsvermerks erlangten Prüfungsnachweise. Zukünftige Ereignisse oder Gegebenheiten können
jedoch die Abkehr der Gesellschaft von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit zur Folge haben.
• Wir beurteilen die Gesamtdarstellung, den Aufbau und den Inhalt des Jahresabschlusses einschließlich der Anga-
ben sowie ob der Jahresabschluss die zugrunde liegenden Geschäftsvorfälle und Ereignisse in einer Weise wiedergibt,
dass ein möglichst getreues Bild erreicht wird.
Wir tauschen uns mit dem Prüfungsausschuss unter anderem über den geplanten Umfang und die geplante zeitliche Ein-
teilung der Abschlussprüfung sowie über bedeutsame Prüfungsfeststellungen, einschließlich etwaiger bedeutsamer Män-
gel im internen Kontrollsystem, die wir während unserer Abschlussprüfung erkennen, aus.
Wir geben dem Prüfungsausschuss auch eine Erklärung ab, dass wir die relevanten beruflichen Verhaltensanforderungen
zur Unabhängigkeit eingehalten haben, und tauschen uns mit ihm über alle Beziehungen und sonstigen Sachverhalte aus,
von denen vernünftigerweise angenommen werden kann, dass sie sich auf unsere Unabhängigkeit und - sofern einschlägig
- damit zusammenhängende Schutzmaßnahmen auswirken.
Wir bestimmen von den Sachverhalten, über die wir uns mit dem Prüfungsausschuss ausgetauscht haben, diejenigen
Sachverhalte, die am bedeutsamsten für die Prüfung des Jahresabschlusses des Geschäftsjahres waren und daher die
besonders wichtigen Prüfungssachverhalte sind. Wir beschreiben diese Sachverhalte in unserem Bestätigungsvermerk, es
sei denn, Gesetze oder andere Rechtsvorschriften schließen die öffentliche Angabe des Sachverhalts aus oder wir bestim-
men in äußerst seltenen Fällen, dass ein Sachverhalt nicht in unserem Bestätigungsvermerk mitgeteilt werden sollte, weil
vernünftigerweise erwartet wird, dass die negativen Folgen einer solchen Mitteilung deren Vorteile für das öffentliche Inte-
resse übersteigen würden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 10
Sonstige gesetzliche und andere rechtliche Anforderungen
Bericht zum Lagebericht
Der Lagebericht ist aufgrund der österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften darauf zu prüfen, ob er mit dem
Jahresabschluss in Einklang steht und ob er nach den geltenden rechtlichen Anforderungen aufgestellt wurde.
Zu der im Lagebericht enthaltenen nichtfinanziellen Erklärung ist es unsere Verantwortlichkeit zu prüfen, ob sie aufgestellt
wurde, sie zu lesen und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen Informationen wesentliche Unstimmigkeiten zum Jahresab-
schluss oder zu unseren bei der Abschlussprüfung erlangten Kenntnisse aufweisen oder anderweitig falsch dargestellt
erscheinen.
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Lageberichts in Übereinstimmung mit den österrei-
chischen unternehmensrechtlichen Vorschriften.
Wir haben unsere Prüfung in Übereinstimmung mit den Berufsgrundsätzen zur Prüfung des Lageberichts durchgeführt.
Urteil
Nach unserer Beurteilung ist der Lagebericht nach den geltenden rechtlichen Anforderungen aufgestellt worden, enthält
die nach § 243a UGB zutreffenden Angaben, und steht in Einklang mit dem Jahresabschluss.
Erklärung
Angesichts der bei der Prüfung des Jahresabschlusses gewonnenen Erkenntnisse und des gewonnenen Verständnisses
über die Gesellschaft und ihr Umfeld wurden wesentliche fehlerhafte Angaben im Lagebericht nicht festgestellt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 11
Zusätzliche Angaben nach Artikel 10 der EU-VO
Wir wurden von der Hauptversammlung am 23. Mai 2022 als Abschlussprüfer gewählt. Wir sind ununterbrochen seit dem
Geschäftsjahr 2020 Abschlussprüfer.
Wir erklären, dass das Prüfungsurteil im Abschnitt "Bericht zum Jahresabschluss" mit dem zusätzlichen Bericht an den
Prüfungsausschuss nach Artikel 11 der EU-VO in Einklang steht.
Wir erklären, dass wir keine verbotenen Nichtprüfungsleistungen (Artikel 5 Abs 1 der EU-VO) erbracht haben und dass wir
bei der Durchführung der Abschlussprüfung unsere Unabhängigkeit von der geprüften Gesellschaft gewahrt haben.
Auftragsverantwortlicher Wirtschaftsprüfer
Der für die Abschlussprüfung auftragsverantwortliche Wirtschaftsprüfer ist Herr Mag. Christoph Harreither.
Wien, am 20. März 2023
Ernst & Young
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H.
Mag. Christoph Harreither eh
ppa Mag. Victoria Scherich eh
Wirtschaftsprüfer
Wirtschaftsprüferin
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 10
Bewertung von derivativen Finanzinstrumenten im Strombereich / Sonstige Rückstellungen, Drohverlustrückstellung
Beschreibung / Risiko:
Die von der ÖBB-Infrastruktur AG betriebene Eisenbahninfrastruktur umfasst neben dem Schienennetz u.a. auch das 16,7 Hz-
Bahnstromnetz zur Übertragung des Traktionsstroms. Ferner werden Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.) und ausgewählte Groß-
baustellen mit Energie versorgt.
Zur Bereitstellung des Transaktionsstroms betreibt die ÖBB-Infrastruktur AG mehrere Kraftwerke und hat langfristige Lieferver-
träge mit mehreren Energieversorgungsunternehmen abgeschlossen. Zusätzlich erforderliche Strommengen werden durch
Stromhandelsgeschäfte am Strommarkt
(OTC-Handel) beschafft.
Insbesondere ist die ÖBB-Infrastruktur AG angesichts von Strompreisvolatilitäten von Preisschwankungs- und Ausfallsrisiken
bei Handelspartnern betroffen. Die Risikomanagementstrategie sieht
daher eine Preisabsicherung vor. Die ÖBB-Infrastruktur AG sichert rd. 1.200 GWh je Lieferjahr
rollierend über drei Jahre für den Bezug von Bahnstrom sowie rd. 310 GWh für Betriebsanlagen ab.
Insofern abgeschlossene Ein- und Verkaufsgeschäfte durch gegenläufige Geschäfte geschlossen wurden, wendet die ÖBB-
Infrastruktur AG Vorschriften zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen bzw. Bewertungseinheiten gemäß AFRAC Stellung-
nahme 15. Derivate und Sicherungsinstrumente (UGB) an. Für Derivate mit negativem Marktwert zum Stichtag ohne Bewer-
tungseinheit wird mit
einer sonstigen Rückstellung für drohende Verluste aus langfristigen Stromein- oder verkaufsver-trägen in der Höhe von 56,7
Mio. EUR (Vj.: 18,8 Mio EUR) im Jahresabschluss vorgesorgt.
Das Risiko für den Jahresabschluss ergibt sich daraus, dass bei der Verwendung von Bewertungs-modellen zur Ermittlung der
beizulegenden Zeitwerte die darin enthaltenen Annahmen und Parameter in hohem Ausmaß ermessensbehaftet sind und
dass an die Bildung von Bewertungseinheiten
formelle und materielle Anforderungen geknüpft sind.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den derivativen Finanzinstrumenten befinden sich
im Anhang unter Punkt "B. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze,
Derivative Finanzinstrumente, C. Erläuterung zur Bilanz, sonstige Rückstellungen" und "D. Erläuterungen zur Gewinn- und
Verlustrechnung, Materialaufwand", sowie "E. Sonstige Angaben, Risiken
in Zusammenhang mit Finanzinstrumenten"
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 11
Adressierung im Rahmen der Konzernabschlussprüfung:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über die implementierten Richtlinien, das internen Kontroll-
systems, die Risikomanagementstrategie und deren Dokumentation
(iW Handbuch Risikomanagement Energiewirtschaft, Geschäftsordnung für das Risiko-Komitee Energiewirtschaft ) sowie we-
sentliche Schlüsselkontrollen erlangt, die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt und ausgewählte
Schlüsselkontrollen im Prozess auf deren Wirksamkeit getestet ("Funktionsprüfung"). Davon betroffen sind insbesondere
Schlüsselkontrollen wie Kontrollen, dass nur mit genehmigten Handelspartnern Geschäfte abgeschlossen wurden, Kreditli-
mit-reports und Sperren von Handelspartnern, sowie Prüfung der korrekten Übernahme von Marktpreisen ins Handelssystem.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig
nach-gelagerte Kontrollen im Bereich Energie/Portfoliomanagement durchführen, geführt, ein Verständnis über deren
Tätigkeiten gewonnen und deren Kompetenz und fachliche Qualität beurteilt. Ferner haben wir die internen Revisionsbe-
richte mit Prüfungsgegenstand im Bereich Stromhandel eingeholt, gelesen und hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prü-
fungsstrategie gewürdigt und zusätzliche Prüfungshandlungen gesetzt.
Für das Handelssystem "BelVis" haben wir im Rahmen der Prüfung unter Beiziehung unserer
IT-Experten die Generellen IT-Kontrollen (IT-Environment, IT-Prozesse, IT-Internes Kontrollsystem) mit Schwerpunkt auf das
Änderungsmanagement, Systemsicherheit und Zugriffsschutz geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben
einzelne Stromhandelsgeschäfte hinsichtlich Existenz, Vollständigkeit und Bewertung geprüft. Die Prüfungshandlungen
umfassten insbesondere die Einholung von externen Bestätigungen sowie den Abgleich mit Verträgen und anderen Nach-
weisen.
Des weiteren haben wir die Bewertungsmodelle und die zugrunde liegenden Bewertungsparameter zur Ermittlung der bei-
zulegenden Zeitwerte auf ihre Angemessenheit und konsistente Anwendung hin geprüft. Wir haben in Stichproben wesent-
liche verwendete Parameter mit extern zugänglichen Werten und die Berechnung der Zeitwerte nachvollzogen.
Bewertungseinheiten wurden in Stichproben insbesondere dahingehend beurteilt, ob die Dokumentation der Sicherungs-
beziehung und der Effektivität der Sicherung vorhanden ist und den
Vorgaben gemäß AFRAC 15 entspricht. Die durchgeführten Effektivitätstests wurden in Bezug auf ihre Angemessenheit
kritisch gewürdigt.
Der korrekte Ausweis im Jahresabschluss wurde von uns geprüft. Weiters haben wir überprüft, ob die Angaben im Anhang
angemessen und vollständig sind.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 12
Sonstige Informationen
Die gesetzlichen Vertreter sind für die sonstigen Informationen verantwortlich. Die sonstigen Informationen umfassen alle
Informationen im Geschäftsbericht, ausgenommen den Jahresabschluss, den Lagebericht und den Bestätigungsvermerk.
Der Geschäftsbericht wird uns voraussichtlich nach dem Datum des Bestätigungsvermerks zur Verfügung gestellt.
Unser Prüfungsurteil zum Jahresabschluss erstreckt sich nicht auf diese sonstigen Informationen, und wir werden keine Art
der Zusicherung darauf geben.
Im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Jahresabschlusses haben wir die Verantwortlichkeit, diese sonstigen Informa-
tionen zu lesen, sobald diese vorhanden sind, und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen Informationen wesentliche Un-
stimmigkeiten zum Jahresabschluss oder zu unseren bei der Abschlussprüfung erlangten Kenntnissen aufweisen oder an-
derweitig falsch dargestellt erscheinen.
Verantwortlichkeiten der gesetzlichen Vertreter
und des Prüfungsausschusses für den Jahresabschluss
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Jahresabschlusses und dafür, dass dieser in Überein-
stimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften ein möglichst getreues Bild der Vermögens-,
Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft vermittelt. Ferner sind die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die internen
Kontrollen, die sie als notwendig erachten, um die Aufstellung eines Jahresabschlusses zu ermöglichen, der frei von we-
sentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist.
Bei der Aufstellung des Jahresabschlusses sind die gesetzlichen Vertreter dafür verantwortlich, die Fähigkeit der Gesell-
schaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu beurteilen, Sachverhalte im Zusammenhang mit der Fortführung der
Unternehmenstätigkeit - sofern einschlägig - anzugeben, sowie dafür, den Rechnungslegungsgrundsatz der Fortführung
der Unternehmenstätigkeit anzuwenden, es sei denn, die gesetzlichen Vertreter beabsichtigen, entweder die Gesellschaft
zu liquidieren oder die Unternehmenstätigkeit einzustellen oder haben keine realistische Alternative dazu.
Der Prüfungsausschuss ist verantwortlich für die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses der Gesellschaft.
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Seite 13
Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Jahresabschlusses
Unsere Ziele sind, hinreichende Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Jahresabschluss als Ganzes frei von wesentlichen fal-
schen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist, und einen Bestätigungsvermerk zu erteilen, der
unser Prüfungsurteil beinhaltet. Hinreichende
Sicherheit ist ein hohes Maß an Sicherheit, aber keine Garantie dafür, dass eine in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit
den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, durchgeführte
Abschlussprüfung eine wesentliche falsche Darstellung, falls eine solche vorliegt, stets aufdeckt. Falsche Darstellungen kön-
nen aus dolosen Handlungen oder Irrtümern resultieren und werden als wesentlich angesehen, wenn von ihnen einzeln oder
insgesamt vernünftigerweise erwartet werden könnte, dass sie die auf der Grundlage dieses Jahresabschlusses getroffenen
wirtschaftlichen Entscheidungen von Nutzern beeinflussen.
Als Teil einer Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungs-
mäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, üben wir während der gesamten Abschlussprüfung
pflichtgemäßes Ermessen aus und bewahren eine kritische Grundhaltung.
Darüber hinaus gilt:
• Wir identifizieren und beurteilen die Risiken wesentlicher falscher Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder
Irrtümern im Abschluss, planen Prüfungshandlungen als Reaktion auf diese Risiken, führen sie durch und erlangen Prü-
fungsnachweise, die ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu dienen. Das Risiko, dass
aus dolosen Handlungen resultierende wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden, ist höher als ein aus
Irrtümern resultierendes, da dolose Handlungen kollusives Zusammenwirken, Fälschungen, beabsichtigte Unvollständig-
keiten, irreführende Darstellungen oder das Außerkraftsetzen interner Kontrollen beinhalten können.
• Wir gewinnen ein Verständnis von dem für die Abschlussprüfung relevanten internen Kontrollsystem, um Prüfungs-
handlungen zu planen, die unter den gegebenen Umständen angemessen sind, jedoch nicht mit dem Ziel, ein Prü-
fungsurteil zur Wirksamkeit des internen Kontrollsystems der Gesellschaft abzugeben.
• Wir beurteilen die Angemessenheit der von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rechnungslegungsmethoden sowie
die Vertretbarkeit der von den gesetzlichen Vertretern dargestellten geschätzten Werte in der Rechnungslegung und da-
mit zusammenhängende Angaben.
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Seite 14
• Wir ziehen Schlussfolgerungen über die Angemessenheit der Anwendung des Rechnungslegungsgrundsatzes der Fortfüh-
rung der Unternehmenstätigkeit durch die gesetzlichen Vertreter sowie, auf der Grundlage der erlangten Prüfungsnach-
weise, ob eine wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die erhebliche
Zweifel an der Fähigkeit der Gesellschaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können. Falls wir die
Schlussfolgerung ziehen, dass eine wesentliche Unsicherheit besteht, sind wir verpflichtet, in unserem Bestätigungsver-
merk auf die dazugehörigen Angaben im Jahresabschluss aufmerksam zu machen oder, falls diese Angaben unangemes-
sen sind, unser Prüfungsurteil zu modifizieren. Wir ziehen unsere Schlussfolgerungen auf der Grundlage der bis zum Da-
tum unseres Bestätigungsvermerks erlangten Prüfungsnachweise. Zukünftige Ereignisse oder Gegebenheiten können
jedoch die Abkehr der Gesellschaft von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit zur Folge haben.
• Wir beurteilen die Gesamtdarstellung, den Aufbau und den Inhalt des Jahresabschlusses einschließlich der Anga-
ben sowie ob der Jahresabschluss die zugrunde liegenden Geschäftsvorfälle und Ereignisse in einer Weise wiedergibt,
dass ein möglichst getreues Bild erreicht wird.
Wir tauschen uns mit dem Prüfungsausschuss unter anderem über den geplanten Umfang und die geplante zeitliche Ein-
teilung der Abschlussprüfung sowie über bedeutsame Prüfungsfeststellungen, einschließlich etwaiger bedeutsamer Män-
gel im internen Kontrollsystem, die wir während unserer Abschlussprüfung erkennen, aus.
Wir geben dem Prüfungsausschuss auch eine Erklärung ab, dass wir die relevanten beruflichen Verhaltensanforderungen
zur Unabhängigkeit eingehalten haben, und tauschen uns mit ihm über alle Beziehungen und sonstigen Sachverhalte aus,
von denen vernünftigerweise angenommen werden kann, dass sie sich auf unsere Unabhängigkeit und - sofern einschlägig
- damit zusammenhängende Schutzmaßnahmen auswirken.
Wir bestimmen von den Sachverhalten, über die wir uns mit dem Prüfungsausschuss ausgetauscht haben, diejenigen
Sachverhalte, die am bedeutsamsten für die Prüfung des Jahresabschlusses des Geschäftsjahres waren und daher die
besonders wichtigen Prüfungssachverhalte sind. Wir beschreiben diese Sachverhalte in unserem Bestätigungsvermerk, es
sei denn, Gesetze oder andere Rechtsvorschriften schließen die öffentliche Angabe des Sachverhalts aus oder wir bestim-
men in äußerst seltenen Fällen, dass ein Sachverhalt nicht in unserem Bestätigungsvermerk mitgeteilt werden sollte, weil
vernünftigerweise erwartet wird, dass die negativen Folgen einer solchen Mitteilung deren Vorteile für das öffentliche Inte-
resse übersteigen würden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 15
Sonstige gesetzliche und andere rechtliche Anforderungen
Bericht zum Lagebericht
Der Lagebericht ist aufgrund der österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften darauf zu prüfen, ob er mit dem
Jahresabschluss in Einklang steht und ob er nach den geltenden rechtlichen Anforderungen aufgestellt wurde.
Zu der im Lagebericht enthaltenen nichtfinanziellen Erklärung ist es unsere Verantwortlichkeit zu prüfen, ob sie aufgestellt
wurde, sie zu lesen und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen Informationen wesentliche Unstimmigkeiten zum Jahresab-
schluss oder zu unseren bei der Abschlussprüfung erlangten Kenntnisse aufweisen oder anderweitig falsch dargestellt
erscheinen.
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Lageberichts in Übereinstimmung mit den österrei-
chischen unternehmensrechtlichen Vorschriften.
Wir haben unsere Prüfung in Übereinstimmung mit den Berufsgrundsätzen zur Prüfung des Lageberichts durchgeführt.
Urteil
Nach unserer Beurteilung ist der Lagebericht nach den geltenden rechtlichen Anforderungen aufgestellt worden, enthält
die nach § 243a UGB zutreffenden Angaben, und steht in Einklang mit dem Jahresabschluss.
Erklärung
Angesichts der bei der Prüfung des Jahresabschlusses gewonnenen Erkenntnisse und des gewonnenen Verständnisses
über die Gesellschaft und ihr Umfeld wurden wesentliche fehlerhafte Angaben im Lagebericht nicht festgestellt.
Zusätzliche Angaben nach Artikel 10 der EU-VO
Wir wurden von der Hauptversammlung am 23. Mai 2022 als Abschlussprüfer gewählt. Wir sind ununterbrochen seit dem
Geschäftsjahr 2020 Abschlussprüfer.
Wir erklären, dass das Prüfungsurteil im Abschnitt "Bericht zum Jahresabschluss" mit dem zusätzlichen Bericht an den
Prüfungsausschuss nach Artikel 11 der EU-VO in Einklang steht.
Wir erklären, dass wir keine verbotenen Nichtprüfungsleistungen (Artikel 5 Abs 1 der EU-VO) erbracht haben und dass wir
bei der Durchführung der Abschlussprüfung unsere Unabhängigkeit von der geprüften Gesellschaft gewahrt haben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 16
Auftragsverantwortlicher Wirtschaftsprüfer
Der für die Abschlussprüfung auftragsverantwortliche Wirtschaftsprüfer ist Herr Mag. Christoph Harreither.
Wien, am 20. März 2023
Ernst & Young
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H.
Mag. Christoph Harreither eh
ppa Mag. Victoria Scherich eh
Wirtschaftsprüfer
Wirtschaftsprüferin
__________
*) Die Veröffentlichung oder Weitergabe des Jahresabschlusses mit unserem Bestätigungsvermerk darf nur in der von uns bestätigten Fassung erfolgen. Dieser Bestä-
tigungsvermerk bezieht sich ausschließlich auf den deutschsprachigen und vollständigen Jahresabschluss samt Lagebericht. Für abweichende Fassungen sind die
Vorschriften des § 281 Abs 2 UGB zu beachten.
Jahresfinanzbericht des Konzerns
der
ÖBB-Infrastruktur
Aktiengesellschaft
für das Geschäftsjahr 2022
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
2
Jahresfinanzbericht des Konzerns
der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
für das Geschäftsjahr 2022
KONZERNABSCHLUSS
KONZERN-GEWINN-UND-VERLUST-RECHNUNG 4
KONZERN-GESAMTERGEBNISRECHNUNG 5
KONZERN-BILANZ 6
KONZERN-GELDFLUSSRECHNUNG 7
DARSTELLUNG DER VERÄNDERUNG DES KONZERN-EIGENKAPITALS 8
ERLÄUTERUNGEN ZUM KONZERNABSCHLUSS PER 31.12.2022 9
A. Grundlagen und Methoden 9
B. Erläuterungen zur Konzern-Bilanz und Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung 29
C. Sonstige Angaben zum Konzernabschluss 56
KONZERNLAGEBERICHT 1
A. Struktur und Beteiligungen 2
B. Rahmenbedingungen und Marktumfeld 6
C. Wirtschafts- und Prognosebericht 15
D. Forschung und Entwicklung 35
E. Konzernbeziehung 37
F. Chancen- und Risikobericht 38
G. Nichtfinanzielle Erklärung 44
H. Anmerkungen zum Konzernlagebericht 139
ERKLÄRUNG DER GESETZLICHEN VERTRETER DES EMITTENTEN GEM. § 124 (1) BÖRSEG 141
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
3
Inhaltsverzeichnis
Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung 2022 .................................................................................................... 4
Konzern-Gesamtergebnisrechnung 2022 ............................................................................................................ 5
Konzern-Bilanz zum 31.12.2022 ........................................................................................................................ 6
Konzern-Geldflussrechnung 2022 ...................................................................................................................... 7
Darstellung der Veränderung des Konzern-Eigenkapitals 2022 ............................................................................ 8
Erläuterungen zum Konzernabschluss per 31.12.2022 ........................................................................................ 9
A.
GRUNDLAGEN UND RECHNUNGSLEGUNGSMETHODEN ............................................................................................ 9
1. Rechnungslegungsgrundsätze .............................................................................................................................. 9
2. Konsolidierungsgrundsätze und Konsolidierungskreis ......................................................................................... 11
3. Zusammenfassung der wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden ................................................. 13
B.
ERLÄUTERUNGEN ZUR KONZERN-BILANZ UND KONZERN-GEWINN-UND-VERLUST-RECHNUNG ............................. 29
4. Umsatzerlöse .................................................................................................................................................... 29
5. Andere aktivierte Eigenleistungen ..................................................................................................................... 30
6. Sonstige betriebliche Erträge............................................................................................................................. 30
7. Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen .................................................................................... 30
8. Personalaufwand und Beschäftigte ................................................................................................................... 30
9. Abschreibungen ................................................................................................................................................ 31
10. Sonstige betriebliche Aufwendungen und Wertminderungsaufwendungen aus Forderungen .......................... 31
11. Zinserträge und Zinsaufwendungen .................................................................................................................. 32
12. Sonstiges Finanzergebnis .................................................................................................................................. 33
13. Ertragsteuern .................................................................................................................................................... 33
14. Sachanlagen ..................................................................................................................................................... 36
15. Immaterielle Vermögenswerte .......................................................................................................................... 39
16. Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien .................................................................................................. 41
17. Nach der Equity-Methode bilanzierte Unternehmen ......................................................................................... 41
18. Sonstige finanzielle Vermögenswerte ............................................................................................................... 43
19. Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte und zur Veräußerung gehaltene Schulden ................................. 44
20. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen ........................................................ 45
21. Vorräte ............................................................................................................................................................. 47
22. Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente ................................................................................................. 48
23. Grundkapital, Anteile nicht beherrschender Gesellschafter ............................................................................... 48
24. Rücklagen und erwirtschaftetes Ergebnis .......................................................................................................... 49
25. Finanzverbindlichkeiten .................................................................................................................................... 49
26. Rückstellungen ................................................................................................................................................. 52
27.
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeiten .......................................... 55
C.
SONSTIGE ANGABEN ZUM KONZERNABSCHLUSS .................................................................................................... 56
28.
Sonstige Haftungen und Eventualverbindlichkeiten .......................................................................................... 56
29.
Finanzinstrumente ............................................................................................................................................ 56
30.
Leasingtransaktionen ........................................................................................................................................ 70
31.
Vereinbarungen von Dienstleistungslizenzen (SIC 29) ....................................................................................... 72
32.
Transaktionen mit nahestehenden Unternehmen und nahestehenden Personen .............................................. 73
33.
Segmentberichterstattung ................................................................................................................................ 79
34.
Erläuterungen zur Geldflussrechnung ............................................................................................................... 79
35.
Konzernunternehmen ....................................................................................................................................... 80
36.
Ereignisse nach dem Bilanzstichtag ................................................................................................................... 82
37.
Die Organe der Muttergesellschaft des Konzerns .............................................................................................. 83
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
4
Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung 2022
2022
2021
Erläuterung
in TEUR
in TEUR
Umsatzerlöse
4
984.368,0
931.567,7
Bestandsveränderungen 1.721,7
323,9
Andere aktivierte Eigenleistungen
5
355.659,1
334.090,4
Sonstige
betriebliche Erträge
6
2.136.593,6
2.052.885,6
Gesamterträge
3.478.342,4
3.318.867,6
Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen 7
-560.411,3 -488.735,3
Personalaufwand
8
-
1.282.606,0
-
1.221.602,5
Abschreibungen 9
-881.745,2 -860.830,6
Sonstige betriebliche Aufwendungen
10
-
357.751,7
-
345.986,2
Wertminderungsaufwendungen/-aufholungen aus Forderungen aus Lieferungen
und Leistungen
20
869,3
-476,6
Betriebsergebnis (EBIT ohne Ergebnis aus nach der Equity-Methode
bilanzie
rten Unternehmen)
396.697,5
401.236,4
Ergebnis aus nach der Equity-Methode bilanzierten Unternehmen 17
1.197,8
615,1
Zinserträge
11
20.704,3
16.746,3
Zinsaufwendungen
11
-
388.170,5
-
427.112,7
Sonstiger Finanzertrag 12
12.265,8
28.434,5
Sonstiger Finanzaufwand
12
-
58.364,5
-
9.042,6
Finanzergebnis inkl. Ergebnis aus nach der Equity-Methode bilanzierten
Unternehmen
-
412.367,2
-
390.359,5
Ergebnis vor Ertragsteuern (EBT) -15.669,6 10.877,0
Ertragsteuern 13
15.802,2
76.416,7
Konzernjahresergebnis 132,5
87.293,7
Konzernjahresergebnis anteilig zugerechnet:
der Aktionärin des Mutterunternehmens
-
231,1
86.703,3
den nicht beherrschenden Gesellschaftern 363,6
590,3
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
5
Konzern-Gesamtergebnisrechnung 2022
2022
2021
Erläuterung
in TEUR
in TEUR
Konzernjahresergebnis 132,5
87.293,7
Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste 6.400,4
-33,4
Steuereffekte
-
33,6
-
4,5
Posten, die in künftigen Perioden nicht in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung
umgegliedert werden
6.366,8
-
37,9
Unrealisiertes Ergebnis aus Cashflow Hedges
24
261.936,5
330.249,6
Umgliederung realisiertes Ergebnis aus Cashflow Hedges 24
-200.586,0
-49.856,0
Steuereffekte
-
10.709,8
-
70.098,4
Posten, die in die Gewinn- und Verlust-Rechnung umgegliedert wurden oder
künftig umgegliedert werden können
50.640,7
210.295,2
Sonstiges Ergebnis nach Steuern
57.007,5
210.257,3
Konzerngesamtergebnis
57.140,0
297.551,0
Konzerngesamtergebnis anteilig zugerechnet:
der Aktionärin des Mutterunternehmens 56.776,4
296.960,7
den nicht beherrschenden Gesellschaftern
363,6
590,3
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
6
Konzern-Bilanz zum 31.12.2022
31.12.2022
31.12.2021
Vermögen
Erläuterung
in TEUR
in TEUR
Langfristige Vermögenswerte
Sachanlagen
14
26.478.775,1
Immaterielle Vermögenswerte
15
913.580,6
818.339,2
Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien 16
234.839,2
191.722,8
Nach der Equity
-
Methode bilanzierte Unternehmen
17
49.609,4
50.483,5
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 18
301.119,8
192.253,0
Sonstige Forderungen und Vermögenswerte
20
77.554,9
89.264,5
Latente Steueransprüche
13
78.962,5
73.168,1
29.959.412,8
27.894.006,1
Kurzfristige Vermögenswerte
Vorräte 21
85.374,8
90.832,7
Forderungen aus Lieferungen und Le
istungen
20
189.819,2
173.594,8
Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 20
351.214,7
283.282,7
Sonstige finanzielle Vermögenswerte
18
415.406,7
392.393,0
Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte
19
78,6
35.592,4
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquival
ente
22
32.438,1
32.096,9
1.074.332,0
1.007.792,5
31.033.744,8
28.901.798,6
31.12.2022
31.12.2021
Eigenkapital und Schulden
Erläuterung
in TEUR
in TEUR
Eigenkapital
Grundkapital
23
500.000,0
500.000,0
Kapitalrücklagen 24
538.884,2
538.884,2
Cashflow
-
Hedge
-
Rücklage
24
267.517,4
216.876,7
Neubewertung leistungsorientierter Versorgungspläne 24
-3.104,0 -9.470,8
Erwirtschaftetes Ergebnis
24
489.981,5
490.212,6
dem Aktionär des Mutterunternehmens zurechenbares Eigenkapital 1.793.279,1
1.736.502,7
Anteile nicht beherrschender Gesellschafter
23
559,6
786,3
1.793.838,7
1.737.289,1
Langfristige Schulden
Finanzverbindlichkeiten
25
23.870.746,8
22.097.995,5
Rückstellungen 26
214.656,0
244.034,8
Sonstige Verbindlichk
eiten
27
19.860,6
20.250,6
24.105.263,4
22.362.280,9
Kurzfristige Schulden
Finanzverbindlichkeiten 25
2.832.523,5
2.431.038,1
Rückstellungen
26
202.129,9
191.564,3
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
27
1.126.546,5
842.340,1
So
nstige Verbindlichkeiten
27
967.042,7
1.305.788,6
Schulden im Zusammenhang mit zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerten
19
6.400,0
31.497,4
5.134.642,7
4.802.228,6
31.033.744,8
28.901.798,6
28.303.746,4
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
7
Konzern-Geldflussrechnung 2022
2022
2021
Erläuterung
in TEUR
in TEUR
Ergebnis vor Ertragsteuern (EBT)
-
15.670
10.877
Unbare Aufwendungen und Erträge
+ Abschreibung auf Sachanlagen, immaterielle Vermögenswerte und als
Finanzinvestition gehaltene Immobilien
9
1.027.688
1.010.583
+ Abschreibung /
-
Zuschreibung auf langfristige finanzielle Vermögenswerte
-
177
-
139
-
Auflösung von Kostenbeiträgen von Dritten
9
-
145.943
-
149.753
+ Verluste / - Gewinne aus dem Abgang von Sachanlagen, immateriellen
Vermögenswerten und als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien
-19.996 -20.140
+ Verluste / - Gewinne aus dem Abgang von zur Veräußerung gehaltener
Vermögensgruppen
19
-2.459 0
- sonstige zahlungsunwirksame Erträge / + sonstige zahlungsunwirksame
Aufwendungen
-
3.374
-
566
+ Zinsaufwand
11
388.171
427.113
-
Zinsertrag
11
-
20.704
-
16.746
Veränderungen der Vermögenswerte und Schulden
-
Zunahme / + Abnahme von Vorräten
21
- Zunahme / + Abnahme der Forderungen aus L+L sowie anderer
Vermögenswerte
-
78.849
-
439.697
+ Zunahme / - Abnahme der Verbindlichkeiten aus L+L sowie anderer Schulden
und Abgrenzungen
-22.876
+ Zunahme /
-
Abnahme von Rückstellungen
26
-
20.664
24.624
-
Gezahlte Zinsen
-
521.416
-
534.908
+ Erhaltene Zinsen
11.231
8.693
- Gezahlte Ertragsteuern 13
-2 -2
Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit a)
578.613
710.296
+ Einzahlungen aus dem Abgang von Sachanlagen und immateriellen
Vermögenswerten
31.246
99.569
- Auszahlungen für Investitionen in Sachanlagen und immaterielle
Vermögenswerte
14, 15
-
2.894.501
-
2.652.579
- Auszahlungen für Investitionen in finanzielle Vermögenswerte -200 -618
+ Einzahlungen von Kostenbeiträgen von Dritten
14, 15
233.746
180.418
+ Einzahlungen aus dem Verkauf von Tochterunternehmen
19
32.380
0
+ Erhaltene Dividenden
1.729
3.111
+ Einzahlung aus der Tilgung von gewährten Krediten (aus Investitionstät
igkeit)
5.333
0
Geldfluss aus der Investitionstätigkeit b)
-
2.590.266
-
2.370.099
- Auszahlung an nicht beherrschende Gesellschafter -590 -454
+ Einzahlungen aus der Aufnahme von Finanzverbindlichkeiten
25, 34
0
79.140
- Auszahlungen für die Tilgung von Finanzverbindlichkeiten 34
-1.517.664 -1.056.182
-
Auszahlung aus der Tilgung von Leasingverbindlichkeiten
34
-
10.045
-
8.624
+ Einzahlung aus der Aufnahme von sonstigen Darlehen (aus
Finanzierungstätigkeit)
34
- Auszahlung für die Rückzahlung von sonstigen Darlehen (aus
Finanzierungstätigkeit)
34
-400.000
Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit c)
1.324.844
2.035.403
Liquide Mittel zum Periodenbeginn
-
533.679
-
909.279
Veränder
ungen der liquiden Mittel aus den Geldflüssen (Cashflow) (a+b+c)
-
686.809
375.600
Liquide Mittel zum Periodenende
-
1.220.488
-
533.679
Hinsichtlich der Zusammensetzung des Finanzmittelfonds wird auf Erläuterung 34 verwiesen.
3.652
4.340
386.017
2.853.143 3.421.523
0
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
8
Darstellung der Veränderung des Konzern-Eigenkapitals 2022
in TEUR
Grund-
kapital
Kapital-
rücklagen
Cashflow-
Hedge-
Rücklage
Neubewertung
leistungs-
orientierter
Versorgungs-
pläne
Erwirt-
schaftetes
Ergebnis
Summe
Eigenkapital
Anteile nicht
beherrschender
Gesellschafter
Gesamtes
Eigenkapital
Stand 01.01.2021 500.000,0
538.884,2
6.581,5
-9.433,0
403.509,3
1.439.542,0
650,7
1.440.192,7
Konzernjahresergebnis
86.703,3
86.703,3
590,3
87.293,7
Sonstiges Ergebnis
210.295,2
-
37,9
210.257,3
210.257,3
Konzerngesamtergebnis
210.295,2
-37,9
86.703,3
296.960,7
590,3
297.551,0
Ausschüttungen an nicht
beherrschende Gesellschafter
-
454,7
-
454,7
Stand am 31.12.2021
500.000,0
538.884,2
216.876,7
-
9.470,8
490.212,6
1.736.502,7
786,3
1.737.289,1
in TEUR
Grund-
kapital
Kapital-
rücklagen
Cashflow-
Hedge-
Rücklage
Neubewertung
leistungs-
orientierter
Versorgungs-
pläne
Erwirt-
schaftetes
Ergebnis
Summe
Eigenkapital
Anteile nicht
beherrschender
Gesellschafter
Gesamtes
Eigenkapital
Stand 01.01.2022 500.000,0
538.884,2
216.876,7
-9.470,8
490.212,6
1.736.502,7
786,3
1.737.289,1
Konzernjahresergebnis
-
231,1
-
231,1
363,6
132,5
Sonstiges Ergebnis
50.640,7
6.366,8
57.007,5
57.007,5
Konzerngesamtergebnis
50.640,7
6.366,8
-
231,1
56.776,4
363,6
57.140,0
Ausschüttungen an nicht
beherrschende Gesellschafter
-
590,3
-
590,3
Stand am 31.12.2022
500.000,0
538.884,2
267.517,4
-
3.104,0
489.981,5
1.793.279,1
559,6
1.793.838,7
Weitere Angaben zur Darstellung der Veränderung des Eigenkapitals sind in den Erläuterungen 23 und 24 enthalten.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
9
Erläuterungen zum Konzernabschluss per 31.12.2022
A. GRUNDLAGEN UND RECHNUNGSLEGUNGSMETHODEN
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft (fortan ÖBB-Infrastruktur AG) mit Sitz in Österreich, 1020 Wien, Praterstern 3,
FN 71396 w, ist eine eingetragene Aktiengesellschaft im Sinne des österreichischen Aktiengesetzes, deren Anteile von der
Österreichische Bundesbahnen Holding Aktiengesellschaft (fortan ÖBB-Holding AG) gehalten werden. Die Anteile der
ÖBB-Holding AG sind zu 100% dem österreichischen Bund vorbehalten.
Die ÖBB-Infrastruktur AG und ihre Tochterunternehmen bilden den Konzern der ÖBB-Infrastruktur AG (fortan
ÖBB-Infrastruktur-Konzern). Das Grundkapital ist unverändert gegenüber dem Vorjahr in 100.000 Stückaktien zerlegt. Die
Aktien sind Namensaktien und lauten auf die ÖBB-Holding AG. Die Aktien werden nicht öffentlich gehandelt. Der
Teilkonzern steht mit der ÖBB-Holding AG in einem Konzernverhältnis und gehört ihrem Vollkonsolidierungskreis an. Der
Konzernabschluss der ÖBB-Holding AG wird im Firmenbuch unter FN 247642 f beim Handelsgericht Wien eingereicht.
Aufgabe der ÖBB-Infrastruktur AG ist insbesondere die eines Eisenbahninfrastrukturunternehmens, von dem eine
bedarfsgerechte und sichere Schieneninfrastruktur (einschließlich Hochleistungsstrecken) geplant, gebaut,
instandgehalten (Wartung, Inspektion, Entstörung, Instandsetzung und Reinvestition), bereitgestellt und betrieben wird.
Weiters können auch Verschubleistungen erbracht werden.
Zu den Kerntätigkeiten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns gehören auch der Energieeinkauf, die Energieversorgung und das
Stromportfoliomanagement sowie die Vermietung und Entwicklung von Immobilien.
Gemäß § 51 Bundesbahngesetz in der geltenden Fassung bedarf die ÖBB-Infrastruktur AG weder zum Bau noch zum
Betrieb von Haupt- und Nebenbahnen einer Konzession nach dem Eisenbahngesetz 1957. Für die Planung und den Bau
neuer Schieneninfrastrukturvorhaben kommen ihr die Rechte und Pflichten eines Eisenbahnunternehmens zu.
Die Finanzierung der Investitionen für den Schieneninfrastrukturausbau wie auch der Betrieb und die Erhaltung werden
über die selbst erwirtschafteten Cashflows, über Fremdkapitalaufnahmen sowie Haftungen und Finanzierungen des
Bundes auf Basis mehrjähriger Rahmenpläne bzw. Zuschussverträge sichergestellt. Die Verwaltung, Entwicklung und
Verwertung der Immobilien des ÖBB-Konzerns werden durch eine Tochtergesellschaft der ÖBB-Infrastruktur AG, die
ÖBB-Immobilienmanagement GmbH, wahrgenommen. Der Bau des Brenner Basistunnels, sämtlicher erforderlicher
Bauwerke, soweit diese für die Bauarbeiten und den anschließenden Betrieb notwendig sind, sowie die Bereitstellung der
Anlagen nach Fertigstellung für die Netzzugangsberechtigten in der Betriebsphase ist Aufgabe der Galleria di Base del
Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE, eines Gemeinschaftsunternehmens des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns.
1. Rechnungslegungsgrundsätze
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist gemäß § 244 Unternehmensgesetzbuch (UGB) verpflichtet, einen Konzernabschluss zu
erstellen. Der Konzernabschluss zum 31.12.2022 wurde gemäß § 245a (1) UGB in Verbindung mit der „IFRS-Verordnung”
in Übereinstimmung mit den vom International Accounting Standards Board („IASB”) verabschiedeten International
Financial Reporting Standards („IFRS”, „IAS”) und den Interpretationen des International Financial Reporting Interpretation
Committee („IFRIC”, „SIC”), welche zum 31.12.2022 in Geltung und von der Europäischen Union übernommen waren,
sowie den zusätzlichen Anforderungen des § 245a UGB erstellt. Mit diesem Konzernabschluss nach IFRS stellt die
ÖBB- Infrastruktur AG gemäß § 245a UGB einen befreienden Konzernabschluss nach international anerkannten
Rechnungslegungsgrundsätzen auf.
Der Konzernabschluss ist in Euro (EUR) aufgestellt. Die in diesen Erläuterungen angegebenen Beträge sind in
Millionen Euro (Mio. EUR) bzw. in Tausend Euro (TEUR) dargestellt, es sei denn, eine andere Währungseinheit ist
angegeben. Nachdem bei der gerundeten Darstellung in der internen Rechengenauigkeit auch die nicht dargestellten
Ziffern berücksichtigt werden, können Rundungsdifferenzen auftreten. Im Interesse der Lesefreundlichkeit wurde teilweise
auf eine explizit geschlechtsspezifische Schreibweise verzichtet.
Erläuterungen zu den geänderten oder neuen IFRS-Regelungen
Gegenüber dem Konzernabschluss zum 31.12.2021 haben sich folgende Standards und Interpretationen geändert bzw.
waren aufgrund der Übernahme in das EU-Recht oder des Inkrafttretens der Regelung erstmalig verpflichtend anzuwenden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
10
Überarbeitete und geänderte Standards / Interpretationen
Geltend ab
1)
wesentliche
Auswirkungen auf den
Konzernabschluss
IFRS 3
Verweis auf das Rahmenkonzept
01.01.2022
nein
IAS 16
Erträge vor Erreichen des betriebsbereiten Zustandes
01.01.2022
nein
IAS 37 Belastende Verträge – Kosten der Vertragserfüllung 01.01.2022 nein
A
IP 2018
-
2020
Jährliche Verbesserungen Zyklus 2018
-
2020
01.01.2022
nein
1)
Anzuwenden auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem angegebenen Datum beginnen.
Ausblick auf zukünftige IFRS-Änderungen
Die folgenden Standards und Interpretationen wurden vom IASB verabschiedet und mit Ausnahme jener, die durch
Fußnote 2 gekennzeichnet sind, von der EU übernommen. Von der Wahlmöglichkeit, einzelne Standards vorzeitig
anzuwenden, wurde nicht Gebrauch gemacht.
Standards / Interpretationen
Geltend ab
1)
voraussichtlich
wesentliche
Auswirkungen auf den
Konzernabschluss
Neue Standards und Interpretationen
IFRS 17
Versicherungsverträge
01.01.2023
wird analysiert
IFRS 17 Erstmalige Anwendung von IFRS 17 und IFRS 9 01.01.2023 nein
Änderungen zu Standards u
nd Interpretationen
IAS 1 Angaben zu Rechnungslegungsmethoden 01.01.2023 nein
IAS 8
Definition von rechnungslegungsbezogenen Schätzungen
01.01.2023
nein
IAS 12
Latente Steuern in Zusammenhang mit Vermögenswerten und
Schuldung aus einer einzigen Tran
saktion
01.01.2023
nein
IAS 1 Klassifizierung von Schulden als kurz- oder langfristig 01.01.2024
2)
nein
IFRS 16
Sale
-
and
-
Lease
-
Back
-
Transaktionen
01.01.2024
2)
wird analysiert
IAS 1
Klassifizierung von Schulden mit Covenants
01.01.2024
2)
nein
1)
Anzuwenden auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem angegebenen Datum beginnen.
2)
Von EU noch nicht übernommen.
Die Änderung an IFRS 16 beinhaltet Vorgaben für die Folgebewertung bei Leasingverhältnissen im Rahmen eines Sale-
and-Lease-Back für Verkäufer-Leasingnehmer. Hierdurch soll vor allem die Folgebewertung von Leasingverbindlichkeiten
vereinheitlicht werden, um so unangemessene Gewinnrealisierungen zu verhindern. Grundsätzlich führt die Änderung
dazu, dass bei der Folgebewertung von Leasingverbindlichkeiten im Rahmen eines Sale-and-Lease-Back die zu
Laufzeitbeginn erwarteten Zahlungen zu berücksichtigen sind. In jeder Periode wird die Leasingverbindlichkeit um die
erwarteten Zahlungen reduziert und die Differenz zu den tatsächlichen Zahlungen erfolgswirksam erfasst. Die Auswirkung
der Änderungen an IFRS 16 wird im ÖBB-Infrastruktur-Konzern derzeit evaluiert.
Es wird aktuell analysiert, ob im ÖBB-Infrastruktur-Konzern Verträge vorliegen, die unter IFRS 17 fallen könnten.
Es gibt keine anderen Standards, die noch nicht in Kraft sind und voraussichtlich in der aktuellen oder zukünftigen
Berichtsperiode sowie auf absehbare zukünftige Transaktionen einen wesentlichen Einfluss auf den
ÖBB-Infrastruktur-Konzern hätten.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
11
2.
Konsolidierungsgrundsätze und Konsolidierungskreis
Konsolidierungsgrundsätze
Bilanzstichtag
Sämtliche in den Konzernabschluss einbezogene vollkonsolidierte Unternehmen haben einheitlich den Abschlussstichtag
31.12.
Währungsumrechnung
Die Währungsumrechnung erfolgt nach dem Konzept der funktionalen Währung. Die funktionale Währung aller in den
Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen ist die jeweilige Landeswährung. Der Konzernabschluss wird in Euro,
in der funktionalen Währung des Mutterunternehmens, aufgestellt.
Nachdem alle Tochterunternehmen den Euro als funktionale Währung haben, war im Rahmen der Erstellung des
Konzernabschlusses keine Währungsumrechnung aus der Einbeziehung ausländischer Geschäftsbetriebe notwendig.
Fremdwährungstransaktionen werden von den Konzernunternehmen zunächst zu dem am Tag des Geschäftsvorfalls
jeweils gültigen Kassakurses in die funktionale Währung umgerechnet. Monetäre Vermögenswerte und Schulden in einer
Fremdwährung werden zu jedem Stichtag unter Verwendung des Stichtagskassakurses in die funktionale Währung
umgerechnet. Umrechnungsdifferenzen aus finanziellen Vermögenswerten und finanziellen Verbindlichkeiten werden in
den Finanzaufwendungen bzw. Finanzerträgen erfasst. Nicht monetäre Posten, die zu historischen Anschaffungs- bzw.
Herstellungskosten in einer Fremdwährung bewertet werden, werden mit dem Kurs am Tag des Geschäftsvorfalls
umgerechnet. Nicht monetäre Posten, die mit ihrem beizulegenden Zeitwert in einer Fremdwährung bewertet werden,
werden mit dem Kurs umgerechnet, der zum Zeitpunkt der Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts gültig ist.
Konsolidierung
Tochterunternehmen (Kapitalkonsolidierung)
Tochterunternehmen sind vom Konzern beherrschte Unternehmen. Der Konzern beherrscht ein Unternehmen, wenn er
schwankenden Renditen aus seinem Engagement bei dem Unternehmen ausgesetzt ist bzw. Anrechte auf diese besitzt
und die Fähigkeit hat, diese Renditen mithilfe seiner Verfügungsgewalt über das Unternehmen zu beeinflussen. Die
Abschlüsse von Tochterunternehmen sind im Konzernabschluss ab dem Zeitpunkt enthalten, an dem die Beherrschung
beginnt, und bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Beherrschung endet.
Die Ergebnisse der im Laufe des Jahres erworbenen oder veräußerten Tochterunternehmen werden entsprechend vom
Erwerbszeitpunkt oder bis zum Abgangszeitpunkt in die Konzern-Gesamtergebnisrechnung einbezogen. Verliert der
Konzern die Beherrschung über ein Tochterunternehmen, werden die Vermögenswerte und Schulden des
Tochterunternehmens und andere Bestandteile am Eigenkapital ausgebucht.
Die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden werden im ÖBB-Infrastruktur-Konzern einheitlich von allen
Tochtergesellschaften angewendet.
Unternehmenszusammenschlüsse
Unternehmenszusammenschlüsse werden unter Anwendung der Erwerbsmethode bilanziert. Die Anschaffungskosten
eines Unternehmenserwerbs bemessen sich als Summe der übertragenen Gegenleistung, bewertet mit dem beizulegenden
Zeitwert zum Erwerbszeitpunkt, und der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter am erworbenen Unternehmen. Bei
jedem Unternehmenszusammenschluss bewertet der Erwerber die Anteile nicht beherrschender Gesellschafter am
erworbenen Unternehmen zum entsprechenden Anteil des identifizierbaren Nettovermögens des erworbenen
Unternehmens. Im Rahmen des Unternehmenszusammenschlusses angefallene Kosten werden als Aufwand erfasst und
in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen ausgewiesen.
Erwirbt der Konzern ein Unternehmen, beurteilt er die geeignete Klassifizierung und Designation der finanziellen
Vermögenswerte und übernommenen Schulden in Übereinstimmung mit den Vertragsbedingungen, wirtschaftlichen
Gegebenheiten und den zum Erwerbszeitpunkt vorherrschenden Bedingungen. Dies beinhaltet auch eine Trennung der in
Basisverträgen eingebetteten Derivate. Bei sukzessiven Unternehmenszusammenschlüssen wird der vom Erwerber zuvor
an dem erworbenen Unternehmen gehaltene Eigenkapitalanteil zum beizulegenden Zeitwert zum Erwerbszeitpunkt neu
bestimmt und der daraus resultierende Gewinn oder Verlust erfolgswirksam erfasst. Eine vereinbarte bedingte
Gegenleistung wird zum Erwerbszeitpunkt zum beizulegenden Zeitwert erfasst. Nachträgliche Änderungen des
beizulegenden Zeitwerts einer bedingten Gegenleistung, die einen Vermögenswert oder eine Schuld darstellt, werden in
Übereinstimmung mit IFRS 9 „Finanzinstrumente” entweder in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung oder im sonstigen
Ergebnis erfasst. Eine bedingte Gegenleistung, die als Eigenkapitalinstrument eingestuft ist, wird nicht neu bewertet, ihre
spätere Abgeltung wird im Eigenkapital bilanziert.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
12
Der Geschäfts- oder Firmenwert wird bei erstmaligem Ansatz zu Anschaffungskosten, die sich am Überschuss der
übertragenen Gegenleistung und des Betrags der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter über die erworbenen
identifizierbaren Vermögenswerte und übernommenen Schulden bemessen, bewertet. Liegt diese Gegenleistung unter
dem beizulegenden Zeitwert des Reinvermögens des erworbenen Tochterunternehmens, wird der Unterschiedsbetrag in
der Gewinn-und-Verlust-Rechnung erfasst. Nach dem erstmaligen Ansatz wird der Geschäfts- oder Firmenwert zu
Anschaffungskosten abzüglich kumulierter Wertminderungsaufwendungen bewertet. Zum Zweck des
Wertminderungstests wird der im Rahmen eines Unternehmenszusammenschlusses erworbene Geschäfts- oder
Firmenwert ab dem Erwerbszeitpunkt den zahlungsmittelgenerierenden Einheiten des Konzerns zugeordnet, die vom
Unternehmenszusammenschluss erwartungsgemäß Synergien erzielen. Dies gilt unabhängig davon, ob andere
Vermögenswerte oder Schulden des erworbenen Unternehmens diesen zahlungsmittelgenerierenden Einheiten
zugeordnet werden.
Wenn ein Geschäfts- oder Firmenwert einer zahlungsmittelgenerierenden Einheit zugeordnet wurde und ein
Geschäftsbereich dieser Einheit veräußert wird, wird der dem veräußerten Geschäftsbereich zuzurechnende Geschäfts-
oder Firmenwert als Bestandteil des Buchwerts des Geschäftsbereichs bei der Ermittlung des Ergebnisses aus der
Veräußerung dieses Geschäftsbereichs berücksichtigt. Der Wert des veräußerten Anteils des Geschäfts- oder Firmenwerts
wird auf der Grundlage der relativen Werte des veräußerten Geschäftsbereichs und des verbleibenden Teils der
zahlungsmittelgenerierenden Einheit ermittelt.
Assoziierte Unternehmen
Ein assoziiertes Unternehmen ist ein Unternehmen, bei dem der Konzern über maßgeblichen Einfluss verfügt.
Maßgeblicher Einfluss ist die Möglichkeit, an den finanz- und geschäftspolitischen Entscheidungen des
Beteiligungsunternehmens mitzuwirken, nicht aber die Beherrschung oder die gemeinsame Beherrschung der
Entscheidungsprozesse.
Anteile an assoziierten Unternehmen werden im Konzernabschluss unter Anwendung der Equity-Methode einbezogen,
soweit diese nicht als zur Veräußerung gehalten klassifiziert werden. Die erstmalige Erfassung erfolgt zu
Anschaffungskosten. Diese werden in der Folge um die Veränderungen des Anteils des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns am
Reinvermögen nach dem Erwerbszeitpunkt sowie Verluste durch Wertminderungen angepasst. Verluste, die den
Beteiligungsansatz am assoziierten Unternehmen übersteigen, werden nicht erfasst, wenn keine Verpflichtung zu
Nachschüssen besteht.
Übersteigen die Anschaffungskosten für den Anteil des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns die beizulegenden Zeitwerte der
identifizierbaren Vermögenswerte und Schulden des assoziierten Unternehmens zum Erwerbszeitpunkt, wird der
Unterschiedsbetrag als Firmenwert im Rahmen des Beteiligungsansatzes bilanziert. Unterschreiten die Anschaffungskosten
des Anteils des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns die beizulegenden Zeitwerte der identifizierbaren Vermögenswerte und
Schulden zum Erwerbszeitpunkt, wird der Unterschiedsbetrag in der Periode des Erwerbs ertragswirksam erfasst.
Gemeinschaftsunternehmen
Eine gemeinsame Vereinbarung ist eine Vereinbarung, bei dem zwei oder mehr Parteien, die die gemeinschaftliche
Führung innehaben, Rechte am Nettovermögen der Vereinbarung haben.
Als Gemeinschaftsunternehmen werden vertragliche Vereinbarungen zweier oder mehrerer Partner über eine
wirtschaftliche Tätigkeit, die von ihnen gemeinschaftlich geführt wird, verstanden. Bestehen diese Rechte am
Nettovermögen der Vereinbarung und nicht an deren Vermögenswerten und Verpflichtungen für deren Schulden, werden
diese Gemeinschaftsunternehmen nach der Equity-Methode in den Konzernabschluss einbezogen.
Schuldenkonsolidierung
Im Rahmen der Schuldenkonsolidierung werden Forderungen mit den korrespondierenden Verbindlichkeiten und
Rückstellungen zwischen den in den Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen aufgerechnet.
Aufwands- und Ertragskonsolidierung
Sämtliche konzerninterne Aufwendungen und Erträge werden im Zuge der Aufwands- und Ertragskonsolidierung
eliminiert. Im Falle von Anlagenherstellungen im ÖBB-Infrastruktur-Konzern werden die darauf entfallenden Umsatzerlöse
unter Berücksichtigung der Zwischenergebniseliminierung als aktivierte Eigenleistungen ausgewiesen.
Zwischenergebniseliminierung
Im Konzernabschluss werden Zwischengewinne aus internen Anlagenverkäufen oder Anlagenherstellungen sowie aus
Einlagen von Vermögenswerten in die Tochtergesellschaften eliminiert.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
13
Zusammensetzung und Veränderung des Konsolidierungskreises
Der Konsolidierungskreis umfasst neben der ÖBB-Infrastruktur AG 13 (Vj: 14) weitere vollkonsolidierte und drei (Vj: vier)
assoziierte bzw. Gemeinschaftsunternehmen (davon ein ausländisches; Vj: ein), die nach der Equity-Methode einbezogen
werden, somit insgesamt 17 (Vj: 19) Unternehmen. Die in den Konzernabschluss einbezogenen Unternehmen sind in
Erläuterung 35 angeführt.
Der Konsolidierungskreis ist so abgegrenzt, dass der Konzernabschluss ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz-
und Ertragslage des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns vermittelt. Bei den nicht in per Vollkonsolidierung einbezogenen
Unternehmen handelt es sich um Unternehmen mit geringem Geschäftsvolumen, wobei der Umsatz, die Vermögenswerte
und die Schulden insgesamt und jeweils unter 1% der Konzernwerte liegen.
Konsolidierungskreis
Voll-
konsolidierung
Erfassung nach der
Equity-Methode
Gesamt
Stand 31.12.2021
15
4
19
davon ausländische Gesellschaften 0
1
1
Abgang
-
1
-
1
-
2
Stand 31.12.2022 14
3
17
davon ausländische Gesellschaften
0
1
1
Im Berichtsjahr wurden die Anteile der Güterterminal Werndorf Projekt GmbH, Wien, veräußert, womit dieses
Unternehmen nicht mehr als verbundenes vollkonsolidiertes Unternehmen in den Konzernabschluss einbezogen wird. Die
Vermögenswerte und Schulden dieses Unternehmens wurden per 31.12.2021 als „zur Veräußerung gehalten”
ausgewiesen. Das Unternehmen Breitspur Planungsgesellschaft mbH in Liqu., Wien, befindet sich in Liquidation, womit
kein maßgeblicher Einfluss auf dieses Unternehmen mehr vorliegt und das Unternehmen per 31.12.2022 nicht mehr nach
der Equity-Methode erfasst wurde. 2021 gab es keine Änderung des Konsolidierungskreises.
3.
Zusammenfassung der wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
Grundlagen der Erstellung des Abschlusses
Die Erstellung des Konzernabschlusses erfolgt grundsätzlich unter Anwendung des Prinzips der fortgeführten
Anschaffungskosten. Hiervon ausgenommen sind derivative Finanzinstrumente und Eigenkapitalinstrumente, die zum
beizulegenden Zeitwert bewertet werden, sowie Personalrückstellungen, die nach der PUC-Methode bilanziert sind.
Sachanlagen und als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien
Sachanlagen und als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien gemäß IAS 40 werden zu Anschaffungs- oder
Herstellungskosten abzüglich Abschreibungen und etwaigen Wertminderungen angesetzt. Die Anschaffungs- und
Herstellungskosten enthalten bestimmte Aufwendungen, die während der Errichtung und des Ausbaus des
Schieneninfrastrukturnetzes anfallen, wie zum Beispiel Kaufpreise, Material- und Personalaufwendungen, direkt
zurechenbare fixe und variable Gemeinkosten, den Barwert der Verpflichtungen aus dem Abbruch, dem Abräumen von
Vermögenswerten und der Wiederherstellung von Standorten sowie Fremdkapitalkosten, soweit es sich um qualifizierte
Vermögenswerte handelt. Umsatzsteuer, die von Lieferanten in Rechnung gestellt wird und zum Vorsteuerabzug
berechtigt, ist nicht Bestandteil der Anschaffungs- oder Herstellungskosten.
Bedeutsame Teile einer Anlage werden gesondert aktiviert, wenn diese Teile eine unterschiedliche Nutzungsdauer zum
Rest der Anlage aufweisen. Dies erfolgt nicht, wenn deren Anschaffungskosten im Verhältnis zu den gesamten
Anschaffungskosten des Gegenstands nicht signifikant sind.
Abschreibungen auf Sachanlagen und auf als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien werden linear über die geschätzte
Nutzungsdauer berechnet und in der Position Abschreibungen in der Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung ausgewiesen.
Einbauten in fremden Gebäuden werden ebenfalls über die geschätzte Nutzungsdauer oder über die kürzere
Vertragslaufzeit abgeschrieben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
14
Im Geschäftsjahr 2021 und im Geschäftsjahr 2022 wurden keine wesentlichen Änderungen der Nutzungsdauern
vorgenommen. Die Nutzungsdauern betragen unverändert zum Vorjahr:
Jahre
Bauten
Unterbau 20–150
Kraftwerksanlagen
80
Tunnel und Galerien
80 bzw. 1
50
Bahnkörper
100
Sonstige Unterbauanlagen
20 bzw. 80
Hochbau 10–50
Oberbau
35
–
40
Sicherungs- und Fernmeldeanlagen 5–30
Fahrpark
5
–
25
Technische Anlagen und Maschinen
Starkstrom- und Beleuchtungsanlagen 5–50
Geräte und Werkzeuge
4
–
20
Maschinen und maschinelle Anlagen 9–15
Hinsichtlich der Nutzungsdauern der gemäß IFRS 16 bilanzierten Nutzungsrechte liegen den linearen Abschreibungen im
Geschäftsjahr 2022 und im Geschäftsjahr 2021 folgende Nutzungsdauern zugrunde:
Jahre
Nutzungsrechte Grundstücke und Bauten
2
–
35
Nutzungsrechte Fahrpark 4–5 (Vj: 2–5)
Nutzungsrechte technische Anlagen und Maschinen
8 (Vj: 2
–
8)
Nutzungsrechte andere Anlagen, Betriebs
-
und Geschäftsausstattung
6
Instandhaltungsmaßnahmen und Reparaturen werden im Jahr des Anfalls als Aufwand erfasst, Ersatz-, Erweiterungs-
sowie wertsteigernde Investitionen werden aktiviert. Die Unterscheidung zwischen sofort aufwandswirksamen
Instandhaltungsmaßnahmen und Reparaturen sowie aktivierungspflichtigen Investitionsmaßnahmen erfolgt auf Basis der
Regelungen des IAS 16 und daraus abgeleiteten Bilanzierungsgrundsätzen für konzernspezifische Sachverhalte. Bei
Anlagenabgängen werden die Anschaffungskosten und die kumulierten Abschreibungen als Abgang erfasst, wobei die
Gewinne oder Verluste in den sonstigen betrieblichen Erträgen oder Aufwendungen erfasst werden. Die dargestellten
Nutzungsdauern und Abschreibungsmethoden gelten auch für jene Vermögenswerte, die im Posten „Als
Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien” ausgewiesen werden.
Vermögensbezogene Zuschüsse (Kostenbeiträge zu Vermögenswerten)
Die dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern gewährten Zuwendungen (Investitionszuschüsse) werden bilanziell erfasst, sofern
Sicherheit darüber besteht, dass die Zahlung erfolgen wird und die notwendigen Bedingungen für den Erhalt der
Zuwendungen erfüllt werden. Die vermögenswertorientierten Zuwendungen, vor allem Kostenbeiträge, werden direkt
aktivseitig von den bezuschussten Vermögenswerten abgesetzt. In der Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung werden
die Abschreibungen gekürzt um die Erträge aus der Auflösung der Kostenbeiträge ausgewiesen. Kostenbeiträge werden
grundsätzlich über die Nutzungsdauer des bezuschussten Vermögenswerts abgeschrieben.
Firmenwerte und sonstige immaterielle Vermögenswerte
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern bilanziert gegenwärtig keine Firmenwerte oder sonstigen immateriellen Vermögenswerte
mit unbestimmter Nutzungsdauer.
Immaterielle Vermögenswerte mit bestimmter Nutzungsdauer werden zu Anschaffungskosten vermindert um lineare
Abschreibungen angesetzt.
Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte werden linear über die geschätzte Nutzungsdauer berechnet und in
der Position Abschreibungen in der Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung ausgewiesen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
15
Den linearen Abschreibungen liegen im Geschäftsjahr 2022 unverändert zum Vorjahr folgende Nutzungsdauern zugrunde:
Jahre
Kostenbeiträge
5
–
80
Konzessionen, Schutzrechte, Lizenzen
4
–
20
Entwicklungskosten 4
Software
2
–
15
Sonstige immaterielle Vermögenswerte 5–20
Wertminderung von Sachanlagen, immateriellen Vermögenswerten und als Finanzinvestitionen
gehaltenen Immobilien
Sachanlagen, immaterielle Vermögenswerte und als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien mit bestimmter
Nutzungsdauer werden auf Wertminderungen untersucht, wenn Ereignisse oder Änderungen der Verhältnisse darauf
hinweisen, dass der Buchwert eines Vermögenswerts über dem erzielbaren Betrag liegt. Die Werthaltigkeitsprüfung wird
dabei für alle Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerte durchgeführt. Entsprechend den Vorschriften des IAS 36
„Wertminderung von Vermögenswerten” wird ein Aufwand aus Wertminderung erfasst, wenn der Buchwert über dem
höheren Wert, der sich aus beizulegendem Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten oder dem Nutzungswert ergibt, liegt.
Der beizulegende Zeitwert nach Abzug von Veräußerungskosten entspricht jenem Betrag, der in einer fremdüblichen
Verkaufstransaktion erzielbar ist. Der Nutzungswert entspricht den geschätzten künftigen abgezinsten Netto-
Zahlungsströmen, die aus der fortgesetzten Nutzung eines Vermögenswerts und seines Abgangs am Ende der
Nutzungsdauer zu erwarten sind. Wertminderungen werden in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung im Posten
„Abschreibungen” erfasst. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ermittelt grundsätzlich den Nutzungswert, da davon
auszugehen ist, dass der Nutzungswert über dem beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten liegt.
Wenn Änderungen der Verhältnisse darauf hindeuten, dass der Buchwert eines Vermögenswerts über dem erzielbaren
Betrag liegt, wird im Rahmen der Werthaltigkeitsprüfung der Nutzungswert berechnet. Der Nutzungswert entspricht den
geschätzten künftigen Netto-Zahlungsströmen der zahlungsmittelgenerierenden Einheiten auf Basis der Geschäftspläne,
die aus bisherigen Ergebnissen und den besten Schätzungen des Vorstands bezüglich künftiger Entwicklungen abgeleitet
wurden. Die in den Geschäftsplänen (Budget 2023 und Mittelfristplanung 2024 bis 2028) angenommenen
Wachstumsraten spiegeln die gewichteten durchschnittlichen Wachstumsraten auf Basis der Marktschätzungen wider.
Zahlungsstromprognosen, die über den Zeitraum des Geschäftsplans hinausgehen, werden auf Basis einer konstanten
Wachstumsrate für die nachfolgenden Jahre ermittelt und übersteigen nicht die langfristige gewichtete durchschnittliche
Wachstumsrate der Branche und des Landes, in der oder dem die zahlungsmittelgenerierende Einheit tätig ist.
Liegt der erzielbare Betrag dabei über dem Buchwert, dann liegt für die betreffende zahlungsmittelgenerierende Einheit
keine Wertminderung vor. Wenn der erzielbare Betrag der zahlungsmittelgenerierenden Einheit geringer ist als der
Buchwert, dann wird für diese Einheit ein Aufwand aus Wertminderung erfasst. Die Wertminderung wird anteilig den
Vermögenswerten der zahlungsmittelgenerierenden Einheit zugeordnet, wobei die Vermögenswerte der
zahlungsmittelgenerierenden Einheit nicht unter ihren erzielbaren Betrag abgeschrieben werden dürfen. Die
Buchwertminderungen stellen Aufwendungen aus der Wertminderung für die einzelnen Vermögenswerte dar.
Gibt es einen Anhaltspunkt dafür, dass eine Wertminderung von Vermögenswerten nicht mehr vorliegt, dann ist die
Wertminderung ganz oder teilweise erfolgswirksam rückgängig zu machen, maximal bis zu den fortgeführten
Anschaffungs- oder Herstellungskosten.
Es wurden weder 2021 noch 2022 für eine zahlungsmittelgenerierende Einheit Indikatoren für eine mögliche
Wertminderung festgestellt, weshalb keine Wertminderungstests durchgeführt wurden. Für die
zahlungsmittelgenerierende Einheit Schieneninfrastruktur ist aufgrund folgender Präambel zu den Zuschussverträgen
gemäß § 42 Bundesbahngesetz gegenwärtig kein Indikator für eine Wertminderung gegeben: „Die ÖBB-Infrastruktur AG
ist ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen, dessen Aufgaben im öffentlichen Interesse liegen und in § 31
Bundesbahngesetz näher bestimmt sind. Die Grundlage für die Finanzierung der Gesellschaft bildet
§ 47 Bundesbahngesetz, wonach der Bund dafür zu sorgen hat, dass der ÖBB-Infrastruktur AG die zur Erfüllung ihrer
Aufgaben und zur Aufrechterhaltung ihrer Liquidität und des Eigenkapitals erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen,
soweit die Aufgaben vom Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz umfasst sind. Die in dieser Bestimmung vom
Bund gesetzlich normierte Zusage findet in den Zuschussverträgen nach § 42 (1) und (2) Bundesbahngesetz ihre konkrete
Umsetzung. Nach Verständnis der Vertragspartner ist das Ziel der Zuschussverträge, unabhängig von der jeweiligen
Vertragslaufzeit, die Werthaltigkeit der für die Aufgaben gemäß § 31 Bundesbahngesetz eingesetzten Vermögenswerte
des Teilkonzerns der ÖBB-Infrastruktur AG dauerhaft sicherzustellen, womit auch dem gesetzlichen Auftrag des
Bundesbahngesetzes entsprochen wird.”
Nähere Informationen werden im Kapitel „Leistungsbeziehungen mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-
Investitionen und die Haftung des Bundes” in Erläuterung 32 gegeben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
16
Wertminderung von Anteilen an assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen
Im Anschluss an die Fortschreibung des Buchwerts der nach der Equity-Methode bilanzierten Beteiligung ist gemäß
IAS 28.40 und IFRS 11 zu jedem Bilanzstichtag zu überprüfen, ob objektive Hinweise für eine Wertminderung des
Buchwerts vorliegen. Bei Vorliegen von Indikatoren ist der erzielbare Betrag der Beteiligung gemäß IAS 36 zu ermitteln.
Ist eine Wertminderung eingetreten, ist die Beteiligung entsprechend abzuwerten. Hinsichtlich etwaiger Wertminderungen
der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmens Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE sowie der
Anteile an assoziierten Unternehmen wird auf den obigen Absatz „Wertminderung von Sachanlagen, immateriellen
Vermögenswerten und als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien“ verwiesen.
Falls Indikatoren vorliegen, die auf eine Wertminderung der Beteiligung an dem at equity bilanzierten Unternehmen
hindeuten, wird der Ansatz auf seine Werthaltigkeit überprüft. Es erfolgt keine separate Prüfung des anteiligen Geschäfts-
oder Firmenwerts. Die Prüfung wird für den gesamten Beteiligungsbuchwert durchgeführt. Daher werden
Wertminderungen nicht gesondert dem im Beteiligungsbuchwert enthaltenen Geschäfts- oder Firmenwert zugeordnet
und können auch in Folgeperioden wieder vollständig wertaufgeholt werden.
Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und Schulden sowie zur Veräußerung
gehaltene Gruppen von Vermögenswerten und Schulden
Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und Schulden sowie zur Veräußerung gehaltene langfristige
Gruppen von Vermögenswerten und Schulden werden mit dem Buchwert oder dem niedrigeren beizulegenden Zeitwert
abzüglich Veräußerungskosten bewertet. Vermögenswerte, die als zur Veräußerung gehalten eingestuft werden, werden
keiner weiteren Abschreibung unterzogen und als gesonderter Posten in der Bilanz ausgewiesen. Gewinne oder Verluste
aus dem Verkauf dieser Vermögenswerte und Schulden werden zusammen mit den Gewinnen und Verlusten aus dem
Abgang von Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten als sonstiger betrieblicher Ertrag oder Aufwand bzw. im
übrigen Finanzergebnis, soweit es sich um Beteiligungen handelt, ausgewiesen. Eine Umgliederung von den langfristigen
Vermögenwerten zu den zur Veräußerung gehaltenen langfristigen Vermögenswerten sowie von den langfristigen
Schulden zu den zur Veräußerung gehaltenen langfristigen Schulden erfolgt nur dann, wenn ein entsprechender
Aufsichtsratsbeschluss vorliegt und mit einer Veräußerung innerhalb von zwölf Monaten auch gerechnet wird.
Vorräte
Die Vorräte umfassen einerseits Materialbestände und Ersatzteile, die vor allem für den eigenen Schienennetzausbau, die
Instandhaltung und Entstörung des Schienennetzbetriebs eingesetzt werden, und andererseits Verwertungsobjekte.
Die Bewertung der Materialbestände und Ersatzteile erfolgt zu dem niedrigeren Wert aus Anschaffungs- oder
Herstellungskosten und Nettoveräußerungswert, wobei die Anschaffungs- und Herstellungskosten nach dem gleitenden
Durchschnittspreisverfahren ermittelt werden. Der Nettoveräußerungswert wird aufgrund der bei einer normalen
Geschäftsentwicklung geschätzten Verkaufspreise abzüglich der noch anfallenden Kosten bis zur Fertigstellung und
Vertriebskosten ermittelt. Eigengefertigte Vorräte sowie aufgearbeitete wiederverwendbare Materialien werden zu
Herstellungskosten aktiviert. Für nicht gängiges Vorratsmaterial und überhöhte Herstellungskosten aus Eigenfertigungen
werden entsprechende Wertberichtigungen vorgenommen. Für Ersatzteile und Materialien stellen
Wiederbeschaffungskosten die beste verfügbare Bewertungsgrundlage für den Nettoveräußerungspreis dar.
In den Vorräten werden des Weiteren betrieblich nicht mehr genutzte Liegenschaften, die für den späteren Verkauf
entwickelt werden („Verwertungsobjekte”), dargestellt. Es handelt sich um ehemalige Bahnhofs- und Eisenbahnanlagen
sowie Betriebsgebäude“, die dem dauernden Betrieb dienten. Betroffen sind wesentliche Projekte, die in großem Umfang
entwickelt werden. Diese Verwertungsobjekte werden zum Verkauf im normalen Geschäftsgang gehalten oder befinden
sich in der Herstellung bzw. Entwicklung für einen Verkauf.
Die Verwertungsobjekte werden mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten aktiviert und zum Stichtag mit dem
niedrigeren Wert aus Buchwert und Nettoveräußerungswert bewertet. Der Nettoveräußerungswert ist der geschätzte
Verkaufspreis abzüglich der noch anfallenden Herstellungskosten und allfälliger Kosten der Veräußerung.
Finanzinstrumente
Ansatz und Ausbuchung
Finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten werden angesetzt, wenn der ÖBB-Infrastruktur-Konzern Partei der
vertraglichen Regelungen des Finanzinstruments wird. Finanzielle Vermögenswerte werden ausgebucht, sobald
– sämtliche Rechte auf Zahlungsströme aus dem finanziellen Vermögenswert erloschen sind oder beglichen wurden
oder
– sämtliche aus dem Vermögenswert resultierenden Chancen und Risiken auf eine andere Partei übertragen wurden
oder
– die Verfügungsmacht an dem finanziellen Vermögenswert zur Gänze auf eine andere Partei übertragen wurde.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
17
Eine finanzielle Verbindlichkeit darf nur dann ausgebucht werden, wenn diese getilgt wurde, das heißt, wenn die im
Vertrag festgelegte Verpflichtung entweder beglichen, aufgehoben oder ausgelaufen ist. Käufe und Verkäufe von
finanziellen Vermögenswerten werden am Abrechnungstag (Erfüllungstag), derivative Finanzinstrumente werden am
Abschlusstag (Handelstag) erfasst.
Finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten werden bei der Ersterfassung mit dem beizulegenden Zeitwert der
erhaltenen oder erbrachten Leistung angesetzt. Transaktionskosten werden dabei berücksichtigt, außer bei den
erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Finanzinstrumenten.
Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern stuft finanzielle Vermögenswerte in die folgenden Bewertungskategorien ein:
– zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet
– erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert (FVOCI) bewertet
– erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert (FVTPL) bewertet
Die Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten mit Fremdkapitalcharakter ist abhängig vom
Geschäftsmodell des Unternehmens zur Steuerung der finanziellen Vermögenswerte und von den vertraglichen
Zahlungsströmen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern klassifiziert Schuldinstrumente nur dann um, wenn sich das
Geschäftsmodell zur Steuerung solcher Vermögenswerte ändert. Da im ÖBB-Infrastruktur-Konzern derzeit keine
Schuldinstrumente erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert gehalten werden, entfällt eine weitere Erläuterung.
Schuldinstrumente bewertet zu fortgeführten Anschaffungskosten
Ein Schuldinstrument wird zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet, wenn die beiden nachfolgenden
Voraussetzungen erfüllt werden:
– Der Vermögenswert wird im Rahmen eines Geschäftsmodells gehalten, dessen Zielsetzung darin besteht, aus den
gehaltenen Vermögenswerten vertragliche Cashflows zu vereinnahmen.
– Die Vertragsbedingungen des finanziellen Vermögenswertes führen zu festgelegten Zeitpunkten zu Cashflows, die
ausschließlich Tilgungs- und Zinszahlungen auf den ausstehenden Kapitalbetrag darstellen.
Zinserträge aus diesen finanziellen Vermögenswerten werden unter Anwendung der Effektivzinsmethode im
Finanzergebnis ausgewiesen.
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, sonstige Forderungen sowie finanzielle Vermögenswerte (z. B. Wertpapiere)
werden zu fortgeführten Anschaffungskosten abzüglich Wertminderungen bewertet.
Zahlungsmittel- und Zahlungsmitteläquivalente
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern weist Kassenbestände, Guthaben bei Kreditinstituten mit Restlaufzeiten seit
Erwerbszeitpunkt von bis zu drei Monaten und Guthaben beim verbundenen Unternehmen ÖBB-
Finanzierungsservice GmbH, welches die Liquiditätssteuerung zwischen den Gesellschaften des ÖBB-Holding-Konzerns
durchführt, als liquide Mittel aus. Geldmarktveranlagungen mit Laufzeiten über drei Monate werden zusammen mit
Wertpapieren als kurzfristige sonstige finanzielle Vermögenswerte ausgewiesen. Die Zahlungsmittel und
Zahlungsmitteläquivalente abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH
fließen in den Finanzmittelfonds für die Geldflussrechnung ein.
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werden ab dem Zeitpunkt, zu dem sie entstanden sind, angesetzt. Jeder
unbedingte Anspruch auf den Erhalt einer Gegenleistung wird als Forderung ausgewiesen. Forderungen aus Lieferungen
und Leistungen ohne wesentliche Finanzierungskomponente werden beim erstmaligen Ansatz zum Transaktionspreis
bewertet.
Eigenkapitalinstrumente bewertet erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert
Der Konzern bewertet alle gehaltenen Eigenkapitalinstrumente erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert.
Schuldinstrumente bewertet erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert
Ein Schuldinstrument, das weder zu fortgeführten Anschaffungskosten noch erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert
bewertet wird, wird erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hält keine
Schuldinstrumente, welche erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bilanziert werden.
Derivate
Die derivativen Finanzinstrumente werden zum beizulegenden Zeitwert bewertet. Änderungen des beizulegenden
Zeitwerts von derivativen Finanzinstrumenten werden erfolgswirksam oder im sonstigen Ergebnis erfasst, je nachdem, ob
das derivative Finanzinstrument zur Absicherung der beizulegenden Zeitwerte von Bilanzposten („Fair Value Hedge”) oder
der Fluktuation von künftigen Zahlungsströmen („Cashflow Hedge”) eingesetzt wird. Bei derivativen Finanzinstrumenten,
die Bilanzposten absichern, werden Veränderungen des beizulegenden Zeitwerts des abgesicherten Risikos und des
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
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derivativen Finanzinstruments ergebniswirksam erfasst. Bei derivativen Finanzinstrumenten, die als Cashflow Hedge
qualifiziert sind, werden Veränderungen des beizulegenden Zeitwerts des effektiven Teils des Sicherungsinstruments über
das sonstige Ergebnis im Eigenkapital (Cashflow-Hedge-Rücklage) erfasst. Die in der Cashflow-Hedge-Rücklage
ausgewiesenen Effekte werden ergebniswirksam erfasst, wenn das Grundgeschäft ergebniswirksam wird. Änderungen
des beizulegenden Zeitwerts des ineffektiven Teils eines Sicherungsgeschäftes und von derivativen Finanzinstrumenten,
die nicht als Sicherungsgeschäft einzustufen sind, werden sofort ergebniswirksam erfasst. Hedge Accounting wird im
ÖBB-Infrastruktur-Konzern angewendet. Zum Hedge Accounting siehe Erläuterung 29.3.
Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Verbindlichkeiten
Finanzielle Verbindlichkeiten werden zu fortgeführten Anschaffungskosten (FLAC) oder erfolgswirksam zum
beizulegenden Zeitwert (FVTPL) bewertet. Eine finanzielle Verbindlichkeit wird zu FVTPL eingestuft, wenn sie als zu
Handelszwecken gehalten eingestuft wird oder ein Derivat ist.
Finanzielle Verbindlichkeiten (FLAC)
werden bei ihrem erstmaligen Ansatz mit dem beizulegenden Zeitwert und in der
Folgebewertung mit den fortgeführten Anschaffungskosten mittels der Effektivzinsmethode bewertet.
Finanzielle Verbindlichkeiten (FVTPL)
werden zum beizulegenden Zeitwert bewertet und ein aus der Folgebewertung
resultierender Gewinn oder Verlust wird erfolgswirksam erfasst.
Wertminderung von finanziellen Vermögenswerten (IFRS 9)
Der Konzern beurteilt auf zukunftsgerichteter Basis das mit Schuldinstrumenten, die zu fortgeführten Anschaffungskosten
oder erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden, verbundene Ausfallrisiko. Das Ausfallrisiko ist das Risiko
von finanziellen Verlusten, falls ein Kunde oder die Vertragspartei eines Finanzinstruments seinen bzw. ihren vertraglichen
Verpflichtungen nicht nachkommt. Die Buchwerte der finanziellen Vermögenswerte entsprechen dem maximalen
Ausfallrisiko.
IFRS 9 sieht bei der Ermittlung des erwarteten Verlusts ein generelles Wertminderungsmodell (Dreistufenmodell) sowie
eine vereinfachte Methode vor.
Generelles Wertminderungsmodell
Nach dem generellen Wertminderungsmodell wird nach drei Wertminderungsstufen unterschieden. Die Höhe der
Wertminderung bemisst sich entsprechend der Zuordnung des Finanzinstruments zu einer dieser drei Stufen. Das generelle
Wertminderungsmodell kommt für alle Finanzinstrumente, mit Ausnahme der Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen, zur Anwendung.
Stufe 1: erwartete Kreditverluste innerhalb der nächsten zwölf Monate
In Stufe 1 sind grundsätzlich alle Finanzinstrumente bei Zugang sowie Finanzinstrumente, die keine signifikante
Verschlechterung der Kreditqualität seit Zugang erfahren haben, einzuordnen. Der erwartete Verlust entspricht dem
Barwert der erwarteten Zahlungsausfälle, die aus möglichen Ausfallereignissen innerhalb der nächsten zwölf Monate
(12-Month-Expected-Credit-Loss) nach dem Bilanzstichtag entstehen.
Stufe 2: erwartete Kreditverluste über die gesamte Laufzeit – keine beeinträchtigte Bonität
Liegt eine signifikante Erhöhung des Ausfallrisikos, jedoch kein objektiver Hinweis auf eine Wertminderung vor, ist die
Risikovorsorge bis zur Höhe der erwarteten Verluste über die gesamte Restlaufzeit aufzustocken. Ein Transfer von Stufe 1
zu Stufe 2 wird widerlegbar vermutet, wenn die vertraglichen Zahlungsströme seit mehr als 30 Tagen überfällig sind.
Stufe 3: erwartete Kreditverluste über die gesamte Laufzeit – bonitätsbeeinträchtigt
Gibt es einen objektiven Hinweis, dass eine Wertminderung bei einem finanziellen Vermögenswert vorliegt, so ist dieser
in Stufe 3 zu transferieren. Sind die vertraglichen Zahlungsströme seit mehr als 90 Tagen überfällig, so besteht die
widerlegbare Vermutung, dass ein objektiver Hinweis auf einen Kreditausfall besteht. Somit muss das Finanzinstrument
nach Stufe 3 transferiert werden. Die Festlegung, ob ein finanzieller Vermögenswert eine wesentliche Erhöhung des
Kreditrisikos erfahren hat, basiert auf zumindest einmal jährlich durchgeführten Einschätzung der
Ausfallwahrscheinlichkeiten, welche sowohl externe Ratinginformationen als auch interne Informationen über die
Kreditqualität des finanziellen Vermögenswerts berücksichtigen.
Die Ausfallwahrscheinlichkeit wird zum Zeitpunkt des erstmaligen Ansatzes von Vermögenswerten und das Vorliegen einer
signifikanten Erhöhung des Ausfallrisikos während aller Berichtsperioden berücksichtigt. Um zu beurteilen, ob sich das
Ausfallsrisiko signifikant erhöht hat, wird das Ausfallrisiko im Hinblick auf den Vermögenswert am Abschlussstichtag mit
dem Ausfallsrisiko im Zeitpunkt des erstmaligen Ansatzes verglichen. Dabei werden verfügbare angemessene und
belastbare zukunftsorientierte Informationen berücksichtigt.
Unabhängig von obenstehender Analyse liegt eine signifikante Erhöhung des Kreditrisikos vor, wenn die Erfüllung der
vertraglichen Zahlungsströme mehr als 30 Tage überfällig ist. Ein Ausfall im Hinblick auf einen finanziellen Vermögenswert
liegt vor, wenn die Vertragspartei die Vornahme von vertraglichen Zahlungen innerhalb von 90 Tagen nach Fälligkeit
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
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versäumt. Finanzielle Vermögenswerte werden abgeschrieben, wenn nach angemessener Einschätzung eine
Realisierbarkeit nicht mehr erwartet wird. Wurden Forderungen abgeschrieben, werden Vollstreckungsmaßnahmen
fortgesetzt, um die fällige Forderung noch zu realisieren. Realisierte Beträge werden im Gewinn oder Verlust erfasst.
Finanzinstrumente mit niedrigem Kreditrisiko
Der ÖBB-Konzern wendet für Schuldinstrumente mit niedrigem Kreditrisiko, die ein Investment-Grade-Rating besitzen, die
Erleichterungsbestimmung von der Stufenzuordnung an und ordnet diese stets der Stufe 1 zu. Der ÖBB-Infrastruktur-
Konzern sieht dies bei einem Rating von BBB- oder höher bei Standard & Poor’ s als gegeben an.
Vereinfachtes Wertminderungsmodell
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
Für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen wendet der ÖBB-Infrastruktur-Konzern den gemäß IFRS 9 verpflichtend
anzuwendenden vereinfachten Ansatz an, dem zufolge die über die Laufzeit erwarteten Kreditverluste ab dem erstmaligen
Ansatz der Forderungen zu erfassen sind. Nach dem vereinfachten Wertminderungsmodell ist für alle Instrumente,
unabhängig von ihrer Kreditqualität, eine Risikovorsorge in Höhe der erwarteten Verluste über die Restlaufzeit zu erfassen.
Das vereinfachte Verfahren ist auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen oder Vermögenswerte, die in den
Anwendungsbereich von IFRS 15 fallen und die keine signifikante Finanzierungskomponente enthalten, anzuwenden.
Soweit objektive Hinweise auf Wertminderungen bestehen (z.B. Insolvenzen) werden Einzelwertberichtigungen gebildet.
Das Ausfallrisiko für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen wird auf kollektiver Basis ermittelt. Das Ausfallrisiko des
Konzerns wird hauptsächlich durch die individuellen Merkmale der Kunden beeinflusst. Für die Forderungen aus
Lieferungen und Leistungen wurden die geschätzten erwarteten Zahlungsausfälle auf Grundlage von Erfahrungen mit
tatsächlichen Zahlungsausfällen der letzten acht Jahre unter Anwendung des vereinfachten Wertminderungsmodells
ermittelt. Die historischen Ausfallsraten werden um künftig zu erwartende Veränderungen von gesamtwirtschaftlichen
Faktoren, wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Arbeitslosenquote sowie von Insolvenzquoten, angepasst.
Beizulegender Zeitwert von Finanzinstrumenten
Bei liquiden Mitteln, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie Forderungen an und
Verbindlichkeiten gegenüber nahestehenden Unternehmen entsprechen die Buchwerte annähernd den beizulegenden
Zeitwerten. Mit Ausnahme der liquiden Mittel handelt es sich um die Fair Value-Hierarchieebene 3.
Der beizulegende Zeitwert langfristiger Finanzforderungen, sonstiger finanzieller Vermögenswerte ohne Börsekurs,
Finanzverbindlichkeiten und Swap-Vereinbarungen basiert auf dem Barwert der künftig zu erwartenden Zahlungsströme,
abgezinst mit dem vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern geschätzten aktuellen Zinssatz, zu dem vergleichbare
Finanzinstrumente abgeschlossen werden können. Ein etwaiges Kreditrisiko wird bei der Ermittlung der beizulegenden
Zeitwerte berücksichtigt. Es handelt sich dabei um Fair Values der Hierarchieebene 2.
Der beizulegende Zeitwert von börsenotierten Wertpapieren und Anleihen wird entweder der Fair Value-Hierarchieebene
1 oder 2 zugeordnet (Erläuterung 29.7).
Der beizulegende Zeitwert von Eigenkapitalinstrumenten wird unter zur Hilfenahme von Multiples ermittelt und der Fair-
Value-Hierarchieebene 3 zugeordnet.
Rückstellungen
Rückstellungen werden gebildet, wenn der ÖBB-Infrastruktur-Konzern eine gegenwärtige Verpflichtung (rechtlicher oder
faktischer Natur) aus einem vergangenen Ereignis hat und es wahrscheinlich ist, dass die Erfüllung der Verpflichtung mit
dem Abfluss von Ressourcen einhergeht und eine verlässliche Schätzung des Betrags der Rückstellung möglich ist.
Der angesetzte Rückstellungsbetrag ist der beste Schätzwert, der sich am Abschlussstichtag für die hinzugebende Leistung
ergibt, um die gegenwärtige Verpflichtung zu erfüllen. Dabei sind bei der Verpflichtung inhärente Risiken und
Unsicherheiten zu berücksichtigen. Wird eine Rückstellung auf Basis der für die Erfüllung der Verpflichtung geschätzten
Zahlungsströme bewertet, sind diese Zahlungsströme abzuzinsen, sofern der Zinseffekt wesentlich ist.
Kann davon ausgegangen werden, dass Teile oder der gesamte zur Erfüllung der Rückstellung notwendige wirtschaftliche
Nutzen durch einen außenstehenden Dritten erstattet wird, wird dieser Anspruch als Vermögenswert aktiviert, wenn die
Erstattung so gut wie sicher ist und ihr Betrag zuverlässig geschätzt werden kann. Weitere Angaben sind in Erläuterung
26.2 enthalten.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
20
Leasingverhältnisse
Leasingnehmer
Bei Vertragsbeginn beurteilt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern, ob der Vertrag ein Leasingverhältnis begründet oder
beinhaltet. Dies ist der Fall, wenn der Vertrag dazu berechtigt, die Nutzung eines identifizierten Vermögenswertes gegen
Zahlung eines Entgelts für einen bestimmten Zeitraum zu kontrollieren. Um zu beurteilen, ob ein Vertrag das Recht zur
Kontrolle eines identifizierten Vermögenswertes beinhaltet, legt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern die Definition eines
Leasingverhältnisses nach IFRS 16 zugrunde.
Am Bereitstellungsdatum erfasst der ÖBB-Infrastruktur-Konzern einen Vermögenswert für das gewährte Nutzungsrecht
sowie eine Leasingverbindlichkeit. Das Nutzungsrecht wird erstmalig zu Anschaffungskosten bewertet, die der erstmaligen
Bewertung der Leasingverbindlichkeit entsprechen, angepasst um am oder vor dem Bereitstellungsdatum geleistete
Zahlungen zuzüglich etwaiger anfänglicher direkter Kosten sowie der geschätzten Kosten zur Demontage oder
Beseitigung des zugrunde liegenden Vermögenswertes bzw. des Standorts, an dem sich dieser befindet, abzüglich
etwaiger erhaltener Leasinganreize.
Anschließend wird das Nutzungsrecht vom Bereitstellungsdatum bis zum Ende des Leasingzeitraums linear abgeschrieben,
es sei denn, das Eigentum an dem zugrunde liegenden Vermögenswert geht zum Ende der Laufzeit des
Leasingverhältnisses auf den ÖBB-Infrastruktur-Konzern über oder in den Kosten des Nutzungsrechtes ist berücksichtigt,
dass der ÖBB-Infrastruktur-Konzern eine Kaufoption wahrnehmen wird. In diesem Fall wird das Nutzungsrecht über die
Nutzungsdauer des zugrunde liegenden Vermögenswertes abgeschrieben, welche nach den Vorschriften für Sachanlagen
ermittelt wird. Zusätzlich wird das Nutzungsrecht sofern notwendig fortlaufend um Wertminderungen berichtigt und um
bestimmte Neubewertungen der Leasingverbindlichkeit angepasst.
Erstmalig wird die Leasingverbindlichkeit zum Barwert der am Bereitstellungsdatum noch nicht geleisteten
Leasingzahlungen mit dem Leasingverhältnis zugrunde liegenden Zinssatz oder, wenn sich dieser nicht ohne Weiteres
bestimmen lässt, mit dem Grenzfremdkapitalzinssatz des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns abgezinst.
Die in die Bewertung der Leasingverbindlichkeit einbezogenen Leasingzahlungen umfassen:
– feste Zahlungen, einschließlich de facto feste Zahlungen,
– variable Leasingzahlungen, die an einen Index oder (Zins-)Satz gekoppelt sind, erstmalig bewertet anhand des am
Bereitstellungsdatum gültigen Indexes bzw. (Zins-)Satzes,
– Beträge, die aufgrund einer Restwertgarantie voraussichtlich zu zahlen sind, und
– den Ausübungspreis einer Kauf- oder Verlängerungsoption, wenn der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hinreichend sicher
ist, diese auszuüben, sowie Strafzahlungen für eine vorzeitige Kündigung des Leasingverhältnisses, es sei denn, der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist hinreichend sicher, nicht vorzeitig zu kündigen.
Die Leasingverbindlichkeit wird zum fortgeführten Buchwert unter Nutzung der Effektivzinsmethode bewertet. Sie wird
neu bewertet, wenn sich die künftigen Leasingzahlungen aufgrund eines Index- oder (Zins-)Satzänderung verändern, wenn
der ÖBB-Infrastruktur-Konzern seine Schätzung zu den voraussichtlichen Zahlungen im Rahmen einer Restwertgarantie
anpasst, wenn der ÖBB-Infrastruktur-Konzern seine Einschätzung über die Ausübung einer Kauf-, Verlängerungs- oder
Kündigungsoption ändert oder sich eine de facto feste Leasingverbindlichkeit ändert.
Bei einer solchen Neubewertung der Leasingverbindlichkeit wird eine entsprechende Anpassung des Buchwertes des
Nutzungsrechtes vorgenommen bzw. wird diese erfolgswirksam vorgenommen, wenn sich der Buchwert des
Nutzungsrechtes auf Null verringert hat.
In der Bilanz weist der ÖBB-Infrastruktur-Konzern Nutzungsrechte, die nicht der Definition einer als Finanzinvestition
gehaltenen Immobilie erfüllen, in den Sachanlagen und Leasingverbindlichkeiten in den Finanzverbindlichkeiten aus.
Die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden zu den Cross-Border-Leasing-Transaktionen werden in Erläuterung 30.3
dargestellt.
Kurzfristige Leasingverhältnisse und Leasingverhältnisse, denen Vermögenswerte von geringem Wert zugrunde
liegen
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat von der Erleichterung Gebrauch gemacht, Nutzungsrechte und
Leasingverbindlichkeiten für Leasingverhältnisse, denen Vermögenswerte von geringem Wert (bis 5.000,00 EUR) zugrunde
liegen, sowie für kurzfristige Leasingverhältnisse und immaterielle Vermögenswerte nicht anzusetzen. Der ÖBB-
Infrastruktur-Konzern erfasst die mit diesen Leasingverhältnissen in Zusammenhang stehenden Leasingzahlungen über die
Laufzeit des Leasingverhältnisses linear als Aufwand.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
21
Leasinggeber
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern tritt auch als Leasinggeber auf und stuft bei Vertragsbeginn jedes Leasingverhältnis
entweder als Finanzierungsleasing oder Operating-Leasingverhältnis ein.
Zur Einstufung jedes Leasingverhältnisses hat der ÖBB-Infrastruktur-Konzern eine Gesamteinschätzung vorgenommen, ob
das Leasingverhältnis im Wesentlichen alle Risiken und Chancen, die mit dem Eigentum an dem zugrunde liegenden
Vermögenswert verbunden sind, überträgt. Wenn dies der Fall ist, wird das Leasingverhältnis als Finanzierungsleasing
eingestuft; wenn nicht, ist es ein Operating-Leasingverhältnis. Im Rahmen dieser Beurteilung berücksichtigt der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern bestimmte Indikatoren, wie zum Beispiel, ob das Leasingverhältnis den überwiegenden Teil der
wirtschaftlichen Nutzungsdauer des Vermögenswertes umfasst.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern bilanziert das Hauptleasingverhältnis und das Unterleasingverhältnis separat, wenn er als
zwischengeschalteter Leasinggeber auftritt. Er stuft das Unterleasingverhältnis auf Grundlage seines Nutzungsrechtes aus
dem Hauptleasingverhältnis und nicht auf Grundlage des zugrunde liegenden Vermögenswertes ein. Wenn es sich bei
dem Hauptleasingverhältnis um ein kurzfristiges Leasingverhältnis handelt, auf das der ÖBB-Infrastruktur-Konzern die oben
beschriebenen Ausnahmen anwendet, stuft er das Unterleasingverhältnis als Operating-Leasingverhältnis ein.
Leasingzahlungen aus Operating-Leasingverhältnissen werden vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern über die Laufzeit des
Leasingverhältnisses linear als Ertrag in den Umsatzerlösen erfasst.
Verpflichtungen gegenüber Arbeitnehmer:innen
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist lediglich eine einzelvertraglich gewährte Pensionsverpflichtung für ein ehemaliges
Vorstandsmitglied eingegangen. Darüber hinaus gibt es nur beitragsorientierte Versorgungspläne für Pensionen. In diesem
Fall leistet der ÖBB-Infrastruktur-Konzern aufgrund gesetzlicher oder vertraglicher Verpflichtungen Zahlungen in
privatwirtschaftliche oder öffentlich-rechtliche Pensionssysteme und Vorsorgekassen für Mitarbeiter:innen. Außer der
Beitragszahlung bestehen keine weiteren Verpflichtungen. Die regelmäßigen Beitragsleistungen werden als
Personalaufwand in der jeweiligen Periode erfasst.
Alle anderen Verpflichtungen (Abfertigungen für Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis vor dem 01.01.2003 begonnen
hat, und Jubiläumsgelder) resultieren aus ungedeckten leistungsorientierten Versorgungssystemen und werden
entsprechend rückgestellt. Für die Ermittlung der Rückstellung wendet der ÖBB-Infrastruktur-Konzern in Übereinstimmung
mit IAS 19 „Leistungen an Arbeitnehmer” das Anwartschaftsbarwertverfahren (PUC-Methode) an. Die Neubewertung der
Nettoschulden enthält nur versicherungsmathematische Gewinne oder Verluste. Die zukünftigen Verpflichtungen werden
nach versicherungsmathematischen Grundsätzen bewertet und basieren auf einer sachgerechten Schätzung des
Abzinsungsfaktors und der Gehaltssteigerungen sowie der Fluktuation. Nach dieser Methode erfasst der Konzern
versicherungsmathematische Gewinne und Verluste aus Rückstellungen für Abfertigungen im sonstigen Ergebnis sowie
aus Rückstellungen für Jubiläumsgelder im Personalaufwand.
Infolge einer gesetzlichen Änderung unterliegen Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis in Österreich nach dem
01.01.2003 begonnen hat, bezüglich der Verpflichtungen aus Abfertigungen einem beitragsorientierten Versorgungsplan.
Es werden Beiträge in einen beitragsorientierten Versorgungsplan eingezahlt.
Weitere Informationen sind in Erläuterung 26.1 enthalten.
Änderungen bestehender Rückstellungen für Entsorgungs-, Wiederherstellungs- und ähnliche
Verpflichtungen
Die Anschaffungskosten von Sachanlagen umfassen gemäß IAS 16 „Sachanlagen” auch die erstmals geschätzten Kosten
für die Demontage und das Entfernen des Gegenstands sowie die Wiederherstellung des Standorts, an dem er sich
befindet. Rückstellungen für Entsorgungs-, Wiederherstellungs- und ähnliche Verpflichtungen werden nach den
Vorschriften von IAS 37 „Rückstellungen, Eventualverbindlichkeiten und Eventualforderungen” bewertet. Auswirkungen
von Bewertungsänderungen von bestehenden Rückstellungen für Entsorgungs-, Wiederherstellungs- und ähnliche
Verpflichtungen werden gemäß IFRIC 1 „Änderungen bestehender Rückstellungen für Entsorgungs-, Wiederherstellungs-
und ähnliche Verpflichtungen” bilanziert. Die Vorschriften sehen vor, dass jede Erhöhung derartiger Verpflichtungen, die
den Zeitablauf widerspiegeln, ergebniswirksam zu erfassen ist. Bewertungsänderungen, die auf Änderungen der
geschätzten Fälligkeit oder Höhe des Abflusses von Ressourcen, der zur Erfüllung der Verpflichtung erforderlich ist, oder
auf einer Änderung des Abzinsungssatzes beruhen, sind zu den Anschaffungskosten des dazugehörigen Vermögenswertes
in der laufenden Periode hinzuzufügen oder davon abzuziehen. Der von den Anschaffungskosten des Vermögenswertes
abgezogene Betrag darf seinen Buchwert nicht übersteigen.
Vertragsvermögenswerte und Vertragsverbindlichkeiten
Vertragsvermögenswerte betreffen bedingte Ansprüche des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns auf eine Gegenleistung für die
vollständige Erfüllung der vertraglichen Leistungen. Ansprüche aus Vertragsvermögenswerten werden abzüglich der
bereits an den Kunden verrechneten Beträge ebenfalls in der Position Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
ausgewiesen. Die Verrechnung an den Kunden erfolgt, wenn der Konzern seine Leistungsverpflichtung erbracht hat.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
22
Vertragsverbindlichkeiten beziehen sich auf Zahlungen, die vorzeitig, also vor Erfüllung der vertraglichen
Leistungsverpflichtung, erhalten wurden. Diese werden als Umsatzerlöse erfasst, sobald der ÖBB-Infrastruktur-Konzern
die vertragliche Leistungsverpflichtung erbringt. Vertragsverbindlichkeiten enthalten Anzahlungen sowie andere vorzeitig
erhaltene Einzahlungen auf Erlöse für Folgeperioden, die als gesonderter Posten in der Bilanz ausgewiesen werden. In
beiden Berichtsjahren wurden keine Vertragsverbindlichkeiten identifiziert.
Ertragsrealisierung
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern erfasst einen Erlös, wenn er durch Übertragung eines zugesagten Gutes oder einer
zugesagten Dienstleistung auf einen Kunden eine Leistungsverpflichtung erfüllt. Als übertragen gilt ein Vermögenswert
oder eine Dienstleistung dann, wenn der Kunde die Verfügungsgewalt über diesen Vermögenswert oder die Dienstleistung
erlangt.
Sollten signifikante Finanzierungskomponenten vorliegen, werden diese dann getrennt von den Erlösen aus Verträgen mit
den Kunden in der Gesamtergebnisrechnung ausgewiesen, wenn bei Vertragsbeginn erwartet wird, dass die Zeitspanne
zwischen der Übertragung und der Bezahlung des Gutes oder der Dienstleistung mehr als ein Jahr beträgt. Der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat keine Verträge identifiziert, bei denen der Zeitraum zwischen der Übertragung des
versprochenen Guts bzw. der Dienstleistung auf den Kunden und die Zahlung durch den Kunden ein Jahr überschreitet.
Entsprechend wird die zugesagte Gegenleistung nicht um den Zeitwert des Geldes angepasst.
Sollten im wesentlichen Umfang aktivierbare Kosten im Rahmen der Vertragsanbahnung oder im Zusammenhang mit der
Erfüllung eines Vertrags mit einem Kunden entstehen und die Vertragslaufzeit mehr als ein Jahr betragen, werden diese
aktiviert. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat keine derartigen Verträge identifiziert, bei denen die Vertragslaufzeit ein Jahr
überschreitet und bei deren Vertragsanbahnung oder bei deren Vertragserfüllung aktivierbare Kosten, die nicht schon
aufgrund von IAS 16 aktiviert wurden, im wesentlichen Umfang angefallen sind. Entsprechend wurden keine
Vertragsanbahnungs- oder Vertragserfüllungskosten aktiviert.
Beschreibung der wesentlichsten Erlösposten aus Verträgen mit Kunden
Infrastrukturbenützungsentgelt (IBE)
Für die Benutzung der Schieneninfrastruktur des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns wird den Eisenbahnverkehrsunternehmen
(EVU) Wegeentgelt verrechnet. Die Verträge beinhalten die Bestellungen der einzelnen EVU und werden vom
ÖBB-Infrastruktur-Konzern mit den EVU abgeschlossen. Grundlage für diese Bestellungen sind die Schienennetz-
Nutzungsbedingungen (SNNB), welche eine Aufstellung zu den einzelnen Leistungen je Netzfahrplanperiode (z.B. für die
Zugtrassen, Zugfahrt und sonstige Leistungen, Verkehrsstationen, Verschub) enthalten. In den SNNB werden die Entgelte
je Leistung sowie etwaige Zu- bzw. Abschläge veröffentlicht. Sie gelangen diskriminierungsfrei gegenüber allen EVU zur
Anwendung (ohne Gewährung von Rabatten).
Die grundlegenden Bestimmungen zur Berechnung und Festsetzung der Infrastrukturbenützungsentgelte (Wegeentgelte)
und der Dienstleistungsentgelte sind in den §§ 67 bis 69b Eisenbahngesetz enthalten. Grundlegend für die Entgeltbildung
ist die Definition der zu erbringenden Leistungen für die EVU. Eine wesentliche Leistung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
ist das sogenannte Produkt „Zugtrasse” (Mindestzugangspaket). Das Mindestzugangspaket beinhaltet das Hauptangebot
an Leistungen, ohne dem ein geordneter Zugang zur Eisenbahninfrastruktur nicht möglich wäre.
Die Wegeentgelte werden in den SNNB der ÖBB-Infrastruktur AG jährlich gesetzeskonform veröffentlicht. Auf Basis der
veröffentlichten SNNB bestellen die EVU ihre Zugtrassen für die Netzfahrplanperiode seit Dezember 2017. Die
Verrechnung der Leistungen erfolgt monatlich und basiert auf einer IST-Verrechnung. Die bestellten Leistungen werden
einen Monat im Nachhinein an den Kunden verrechnet. Dem Kunden fließt der Nutzen aus der Leistung des Unternehmens
zu und er nutzt die Leistung während diese erbracht wird. Allfällige Rückerstattungsansprüche, die sowohl dem Grunde
als auch der Höhe nach ungewiss sind, von künftigen Ereignissen abhängen und zu einem drohenden Ressourcenabfluss
in Zukunft führen können, werden gemäß IAS 37 erfasst. Es wird die Höhe der möglichen Rückforderung geschätzt und
eine entsprechende Rückstellung gebildet.
Die Abrechnung der erbachten Leistungen erfolgt monatlich im Nachhinein. Die Erfassung der Abrechnung für den Monat
Dezember erfolgt im Lieferjahr. Es sind daher keine Abgrenzungen erforderlich.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
23
Energielieferungen und Netznutzungsentgelte
Die Leistungsverpflichtung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns besteht in der Lieferung von Bahnstrom zur Versorgung von
Triebfahrzeugen, von Hilfsbetrieben, bei Hinterstellung von Wagenmaterial und von ortsfesten Anlagen der Kunden. Es
werden Jahresbestellmengen, Nachbestellmengen und Kurzfristbestellmengen unterschieden. Des Weiteren wird das
Bahnstromnetz des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zur Belieferung mit Bahnstrom zur Verfügung gestellt. Die Verrechnung
des Netznutzungsentgelts erfolgt gemäß den jeweils gültigen Schienennetznutzungsbedingungen. Die Entgelte werden
jährlich von der ÖBB-Infrastruktur AG gesetzeskonform veröffentlicht.
Der Transaktionspreis wird in den Verträgen festgelegt. Die fest kontrahierte Menge wird für Hochzeit- und Niederzeittarife
sowie für Rückspeisung ermittelt, und zwar aufgrund der Bekanntgabe durch die Kunden. Für diese Hochzeit- und
Niederzeittarife wird der Energiepreis je MWh festgelegt.
Bei den vereinbarten Tarifen handelt es sich um den Stand-alone-Selling-Price. Das ist der jeweilige Preis, zu dem diese
Leistung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns auch an alle anderen Kunden verkauft wird. Insbesondere beim Netzentgelt
handelt es sich um regulierte Preise von denen nicht abgewichen werden kann. Alle Leistungsverpflichtungen werden
zeitgleich mit der Energielieferung erbracht, weshalb eine Aufteilung des Transaktionspreises nicht erfolgen muss.
Die Lieferung des Bahnstroms und die Dienstleistung der Netznutzung und Umformung erfolgt kontinuierlich, das heißt,
den Kunden fließt der Nutzen aus der Leistung des Unternehmens zu und sie nutzen die Leistung während diese erbracht
wird. Der Kontrollübergang erfolgt mit dem Verbrauch durch die Kunden.
Die Abrechnung der erbachten Leistungen erfolgt monatlich im Nachhinein. Die Erfassung der Abrechnung für den Monat
Dezember erfolgt im Lieferjahr. Es sind daher keine Abgrenzungen erforderlich.
Erlöse aus Verwertungsobjekten
Die Verwertungsobjekte betreffen jene Liegenschaften, welche betrieblich nicht mehr genutzt und für den späteren
Verkauf entwickelt werden. Es handelt sich um ehemalige Bahnhofs- und Eisenbahnanlagen, die dem dauernden Betrieb
dienten. Betroffen sind wesentliche Projekte, wie zum Beispiel die Flächen des ehemaligen Südbahnhofs, des
Frachtenbahnhofs Wien Nord sowie des Nordwestbahnhofs, die in großem Umfang entwickelt werden. Die Erlöse werden
erfasst, wenn die Verfügungsmacht über das Grundstück an den Kunden übergegangen ist.
Die Umsatzerlöse entsprechen dem vertraglich vereinbarten Transaktionspreis. Mehrheitlich ist die Gegenleistung fällig,
wenn der Rechtstitel übergegangen ist. In seltenen Fällen können aufgeschobene Zahlungen vereinbart werden, die
jedoch im Allgemeinen zwölf Monate nicht überschreiten. Im Transaktionspreis wird daher keine signifikante
Finanzierungskomponente berücksichtigt.
Sonstige Umsatzerlöse
Die sonstigen Umsatzerlöse enthalten Umsatzerlöse aus Telekommunikationsleistungen, Reparaturleistungen, Reinigungs-
und Sicherheitsleistungen und Leistungen im Zusammenhang mit dem Betrieb der Container-Terminals, die überwiegend
zeitraumbezogen erfasst werden.
Mieterlöse
Mieterlöse fallen für die Vermietung und die Verpachtung von Immobilien und von Pkws an und fallen unter IFRS 16. Es
handelt sich um Festpreisverträge, bei denen die Erlöse in der Berichtsperiode, in der die Dienstleistungen erbracht werden,
erfasst werden. Mieten werden periodengerecht entsprechend den Vertragskonditionen erfasst. Umsatzmieten sind
Mieten, die in Abhängigkeit von den vom Mieter erzielten Umsätzen verrechnet werden, und werden dann realisiert, wenn
die Höhe der Erträge hinreichend verlässlich bestimmt werden kann.
Erfolgsbezogene Zuwendungen
Dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern gewährte Aufwandszuschüsse werden bei Erfüllung der Ansatzvoraussetzungen sofort
erfasst und entsprechend dem zeitlichen Anfall der Aufwendungen ergebniswirksam realisiert. Hinsichtlich der
Besonderheiten der Zuschüsse zur Finanzierung der Infrastruktur wird auf die Ausführungen in Erläuterung 32 verwiesen.
Bei dem gewährten Bundeszuschuss gemäß § 42 Abs. 1 und 2 Bundesbahngesetz für Betriebsführung, Inspektion,
Wartung, Entstörung und Instandsetzung sowie Erweiterungs- und Reinvestitionen (Annuitätenzuschuss) handelt es sich
um eine Zuwendung der öffentlichen Hand, da der Bund durch diesen Zuschuss den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur
fördern möchte, womit der ÖBB-Infrastruktur-Konzern diese Zuschüsse in den sonstigen betrieblichen Erträgen darstellt.
Derartige Zuschüsse werden in der Gewinn-und-Verlustrechnung nicht mit den bezuschussten Aufwendungen saldiert.
Zinsen und Dividenden
Zinsen werden unter Anwendung der Effektivzinsmethode gemäß IFRS 9 erfasst. Dividenden werden bei Entstehung des
Rechtsanspruchs der Aktionäre auf Zahlung erfasst.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
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Gemäß IAS 23 „Fremdkapitalkosten” werden Fremdkapitalaufwendungen für wesentliche qualifizierte Vermögenswerte
aktiviert. Weitere Angaben sind in Erläuterung 14 enthalten.
Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen
Forschungsaufwendungen beziehen sich gemäß IAS 38 „Immaterielle Vermögenswerte” auf die eigenständige und
planmäßige Suche mit der Aussicht, neue wissenschaftliche oder technische Erkenntnisse zu gewinnen, und werden als
Aufwand in jener Periode erfasst, in der sie anfallen. Entwicklungsaufwendungen sind Kosten, die anfallen, wenn
Forschungserkenntnisse angewendet werden, um diese technisch und wirtschaftlich realisierbar zu machen. Wenn eine
Trennung von Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen nicht möglich ist, sind Entwicklungsaufwendungen gemäß
IAS 38 in jener Periode als Aufwand zu erfassen, in der sie anfallen. Werden die Aktivierungsvoraussetzungen des IAS 38
erfüllt, sind Entwicklungsaufwendungen als immaterielle Vermögenswerte zu aktivieren.
Steuerliche Verhältnisse
Gemäß § 50 (2) Bundesbahngesetz in der Fassung BGBl Nr. 95/2009 besteht für die ÖBB-Infrastruktur AG ab 2005 eine
Befreiung von bundesgesetzlichen Abgaben, mit Ausnahme der Umsatzsteuer, von den Bundesverwaltungsabgaben sowie
von Gerichts- und Justizverwaltungsabgaben, soweit sich diese Abgaben und Gebühren aus der Erfüllung der jeweiligen
im Bundesbahngesetz vorgesehenen Aufgaben der ÖBB-Infrastruktur AG ergeben (Teilsteuerbefreiung).
Im Wesentlichen wurden folgende Bereiche als ertragsteuerpflichtig eingestuft:
– Erträge aus dem Stromgeschäft
– Erbringung von nicht eisenbahninfrastrukturbezogenen Leistungen
– Bewirtschaftung (inkl. Entwicklung und Verkauf) von Immobilien, die kein Eisenbahnvermögen im Sinne des
§ 10a Eisenbahngesetz darstellen
– Beteiligungsverwaltung
Im Dezember 2005 wurde ein Gruppenvertrag mit der ÖBB-Holding AG als Gruppenträger mit einem Großteil der
Tochterunternehmen des Gesamtkonzerns abgeschlossen, darunter auch mit der ÖBB-Infrastruktur AG und deren
Tochtergesellschaften als Gruppenmitgliedern. Demnach wurden zwischen dem Gruppenträger und den
Gruppenmitgliedern Regelungen über den Steuerausgleich vereinbart. Die nach diesen Bestimmungen ermittelten
positiven Steuerumlagen werden nach der Stand-alone-Methode (geht von der steuerlichen Selbstständigkeit der
einzelnen Gruppenmitglieder für die Berechnung der Umlage aus) berechnet. Negative Steuerumlagen werden erst bei
effektiver Nutzung der Verluste durch den Gruppenträger den betroffenen Gruppenmitgliedern abgegolten. Die
Steuerumlagen werden nach Abschluss der steuerlichen Außenprüfung nach rechtskräftiger Veranlagung der
Körperschaftsteuer des Gruppenträgers fällig.
Mit der ÖBB-Holding AG als Organträger besteht eine umsatzsteuerliche Organschaft gemäß § 2 Abs 2 UStG.
Latente Steuern
Latente Steuern werden – unter Bedachtnahme auf bestehende Ausnahmebestimmungen – für alle temporären
Differenzen zwischen der Steuerbasis der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten („tax base”) sowie ihren Buchwerten im
IFRS-Abschluss angesetzt (sog. Verbindlichkeitenmethode), insoweit es sich um Vermögenswerte und Schulden handelt,
die mit dem nicht steuerbefreiten Geschäftsbetrieb im Zusammenhang stehen.
Wenn im Rahmen einer Transaktion, die keinen Unternehmenszusammenschluss darstellt, latente Steuern aus dem
erstmaligen Ansatz eines Vermögenswerts oder einer Verbindlichkeit entstehen, die zum Zeitpunkt der Transaktion weder
einen Effekt auf den bilanziellen Gewinn oder Verlust noch auf das steuerliche Einkommen hat, unterbleibt die
Steuerabgrenzung sowohl zum Zeitpunkt des Erstansatzes als auch danach.
Latente Steuerschulden, die durch temporäre Differenzen im Zusammenhang mit Beteiligungen an Tochterunternehmen
und assoziierten Unternehmen entstehen, werden angesetzt, es sei denn, dass der Zeitpunkt der Umkehrung der
temporären Differenzen vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern bestimmt werden kann und es wahrscheinlich ist, dass sich die
temporären Differenzen in absehbarer Zeit aufgrund dieses Einflusses nicht umkehren werden.
Latente Steuern werden unter Anwendung der Steuersätze (und Steuervorschriften) bewertet, die am Bilanzstichtag gelten
oder im Wesentlichen gesetzlich verabschiedet sind und deren Geltung zum Zeitpunkt der Realisierung der latenten
Steueransprüche oder der Begleichung der latenten Steuerschulden erwartet wird.
Latente Steueransprüche werden in dem Umfang angesetzt, in dem es wahrscheinlich ist, dass künftiges zu versteuerndes
Einkommen, gegen das die temporären Differenzen und Verlustvorträge verwendet werden können, verfügbar sein wird.
Latente Steuern werden direkt mit dem Eigenkapital verrechnet oder diesem gutgeschrieben, wenn sich die Steuer auf
Posten bezieht, die in derselben oder in einer anderen Periode mit dem Eigenkapital verrechnet oder diesem
gutgeschrieben werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
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Verwendung von Schätzungen und Ermessensausübungen
Im Zuge der Erstellung des Konzernabschlusses muss der Vorstand Schätzungen vornehmen und Annahmen treffen, die
die Höhe der ausgewiesenen Vermögenswerte und Schulden, der angeführten Eventualverbindlichkeiten am
Bilanzstichtag und die Aufwendungen und Erträge während des Berichtzeitraums beeinflussen können. Die tatsächlichen
Werte können von diesen Schätzungen abweichen. Sämtliche Schätzungen und Beurteilungen werden regelmäßig
aktualisiert und basieren auf historischen Erfahrungen und weiteren Faktoren einschließlich Erwartungen hinsichtlich
zukünftiger Ereignisse, die unter den gegebenen Umständen vernünftig erscheinen.
Bei der Anwendung der Bilanzierungsmethoden des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns trifft der Vorstand
Ermessensentscheidungen, beispielweise bei der Anwendung von Hedge Accounting, bei der Einschätzung der
Übertragung von relevanten Risiken bei Leasinggeschäften, bei der Einschätzung, inwieweit Verlängerungs- oder
Kündigungsoptionen als Leasingnehmer bei der Beurteilung der Laufzeit von Leasingverträgen ausgeübt werden, sowie
bei der Erfassung und Bilanzierung von Bundeszuschüssen gem. §§ 41f BBG. Weiteres hat der Vorstand zum Bilanzstichtag
wichtige zukunftsbezogene Annahmen getroffen und wesentliche Quellen von Schätzungsunsicherheiten zum
Bilanzstichtag identifiziert, die mit dem Risiko einer wesentlichen Änderung der Buchwerte von Vermögenswerten und
Schulden im nächsten Geschäftsjahr behaftet sind:
a. Versorgungspläne für Arbeitnehmer:innen
Die Bewertung der Abfertigungs- und Jubiläumsgeldansprüche beruht auf einer Methode, bei der Parameter wie der
erwartete Abzinsungsfaktor, langfristige Gehaltssteigerungen sowie Fluktuationsraten angewendet werden. Wenn sich
die relevanten Parameter wesentlich anders entwickeln als erwartet, kann dies wesentliche Auswirkungen auf die
Rückstellung und in der Folge auf die Aufwendungen für Abfertigungs- und Jubiläumsverpflichtungen des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns haben. Bei den langfristigen Personalrückstellungen (Abfertigung und Jubiläen) wurde in
beiden Geschäftsjahren der Abzinsprozentsatz, die Gehaltssteigerungen und die Fluktuationen an die neuen
Gegebenheiten angepasst. Die Auswirkung möglicher Änderungen von Parametern ist in Erläuterung 26.1 dargestellt.
b. Einschätzungen der Nutzungsdauern der Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerte
Die Nutzungsdauern werden nach den Gegebenheiten des Unternehmens bei üblicher Instandhaltung festgelegt. Die
tatsächliche Nutzung kann von diesen Einschätzungen abweichen. Eine Sensitivitätsanalyse ergab, dass sich die
Abschreibung bei einer Veränderung der Nutzungsdauer (Restnutzungsdauer) um +/- 1 Jahr um rd. 115,9 Mio. EUR
(Vj: rd. 113,9 Mio. EUR) erhöht oder um rd. 91,2 Mio. EUR (Vj: rd. 86,3 Mio. EUR) verringert. Die Angemessenheit der
Nutzungsdauern wird jährlich oder anlassbezogen überprüft.
Die 2021 festgelegten Nutzungsdauern gelten grundsätzlich unverändert 2022. Im Geschäftsjahr 2021 wurden die
Nutzungsdauern für bestimmte Vermögenswerte in den anderen Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattungen von fünf
auf acht Jahre verlängert. Dadurch hat sich die jährliche Abschreibung in Höhe von rd. 1,3 Mio. EUR verringert. Es handelte
sich hierbei um eine Schätzungsänderung, die prospektiv zur Anwendung kam.
c. Rückstellungen
Die Rückstellungen werden nach der bestmöglichen Schätzung bemessen, das heißt mit dem Betrag, den das
Unternehmen bei vernünftiger Betrachtung zur Erfüllung der Verpflichtung zum Bilanzstichtag oder zur Übertragung der
Verpflichtung auf einen Dritten am Bilanzstichtag zahlen müsste. Im Geschäftsjahr 2022 wurden die bereits im Vorjahr
bestehenden Rückstellungen für in der Vergangenheit verrechnete Infrastrukturbenützungsentgelte entsprechend
angepasst; sie reflektieren den aktuellen Stand der regulierungsrechtlichen Verfahren. Die erforderlichen Anpassungen
sind aus dem Rückstellungsspiegel ersichtlich.
Zum 31.12.2022 bestehen mehrere regulierungsrechtliche Verfahren. Diese Verfahren, welche sich in unterschiedlichen
verfahrensrechtlichen Stadien befinden, betreffen den Zeitraum ab Dezember 2011 bis 2022. Inhaltlich geht es dabei vor
allem um Fragen der Ermittlung und Festlegung des Infrastrukturbenützungsentgelts (ab Dezember 2011 bis Dezember
2017), der Entgelte nach dem neuen Wegeentgeltmodell für den Zeitraum Dezember 2019 bis Dezember 2022 (Produkt
„Zugtrasse” hinsichtlich direkt zuordenbarer Kosten und gesetzeskonformer Marktaufschläge bis einschließlich der
Netzfahrplanperiode 2021) sowie um die Zulässigkeit der Höhe der Stationsentgelte bei der Nutzung von
Serviceeinrichtungen ab Dezember 2011 bis 2021. Bei der Ermittlung der Rückstellungen zu den Wegeentgelten wurde
insbesondere auch der nachträgliche Entfall der Marktaufschläge für bestimmte Netzfahrplanperioden bis zum
Bilanzstichtag berücksichtigt.
Weitere Verfahren betreffen die Bahnstromnetznutzungsentgelte für den Zeitraum ab 2016. Für die Entgeltjahre 2019
und 2020 wurden im April 2021 Bescheide von der SCK erlassen, gegen die Beschwerden beim Bundesverwaltungsgericht
(BVwG) eingebracht wurden. Da diese Beschwerden keine aufschiebende Wirkung entfalten, wurden den EVU im
Geschäftsjahr 2021 entsprechende Gutschriften ausgestellt.
Der Ausgang der anhängigen Verfahren kann dazu führen, dass die bisher von der ÖBB-Infrastruktur AG verrechneten
Entgelte abgeändert werden und es dadurch zu einer Rückerstattungspflicht für die ÖBB-Infrastruktur AG kommt (auch
eine Nachforderung von Entgelten ist denkbar, aber rechtlich strittig). Diese Risiken wurden individuell je Sachverhalt bzw.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
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Verfahren unter Einbindung von Expert:innen bewertet und in Form von Rückstellungen bilanziell berücksichtigt. Die
Notwendigkeit und die Höhe der Rückstellungen sind maßgeblich von der Annahme und Einschätzung des Managements
zum Ausgang der Verfahren abhängig. Bewertungsunsicherheiten bestehen insbesondere aufgrund von schwierig
abzuschätzenden Ergebnissen bei der Auslegung von bisher weitgehend nicht ausjudizierten Rechtsfragen durch die
Aufsichtsbehörde, Verwaltungsgerichte bzw. Gerichtshöfe, möglichen Einschränkungen der zeitlichen Wirkung von
Entscheidungen sowie hinsichtlich Art, Umfang und Höhe von anerkannten Kosten und Marktaufschlägen als Basis für die
Verrechnung von Tarifen für die Nutzung der Schieneninfrastruktur.
Nur wenn in absehbarer Zukunft mit einer Stilllegung einzelner Strecken gerechnet wird oder jene bereits eingeleitet wurde,
werden die Stilllegungskosten geschätzt und rückgestellt. Die Höhe der erwarteten Stilllegungskosten hängt maßgeblich
von den Annahmen der Rückbauszenarien ab.
Die Rückstellung für Umweltschutzmaßnahmen betrifft die mit der Beseitigung von Kontaminationen von Liegenschaften
und Flächen der Gesellschaft anfallenden Kosten. Die Grundlagen der Kostenschätzung beruhen auf dem vermuteten
Kontaminationsumfang. Der Kostenschätzung liegt eine konservative Sanierung, sprich Totalaushub mit anschließender
Deponierung, zugrunde. Sollten mit der zuständigen Behörde andere Sanierungsmaßnahmen abgesprochen werden, die
zu einer Reduktion der finanziellen Aufwendungen führen, wird dies in der jährlichen Aufstellung berücksichtigt.
Im Rahmen der Rückstellung für Freimachungskosten wird für vertragliche Verpflichtungen im Zusammenhang mit
Grundstücksveräußerungen bzw. künftig anfallende Kosten in Zusammenhang mit bereits verkauften, aber noch in
Entwicklung befindliche Liegenschaften Vorsorge getroffen.
Eine Sensitivitätsanalyse ergab, dass sich die Rückstellungen für Umweltrisiken und für Stilllegungskosten bei einer
Veränderung der Kosten um +/- 10% um rd. 3,8 Mio. EUR erhöht oder um rd. 3,8 Mio. EUR verringert. Auf die Ermittlung
von Sensitivitäten für die Rückstellung von Freimachungskosten wurde verzichtet, da die Rückstellung aus vielen
Einzelbeträgen besteht für die unterschiedliche Parameter, Schätzungen und Berechnungen zu Anwendung kommen. Die
Änderung einzelner Parameter würde daher keine besondere Aussagekraft haben. Hinsichtlich der regulierungsrechtlichen
Verfahren wird auf die Schutzklausel IAS 37.92 verwiesen (Erläuterung 26.2).
Die Rückstellungsbeträge finden sich unter Erläuterung 26.2.
d. Ertragsteuern
Latente Steueransprüche wurden für temporäre Differenzen zwischen der Steuerbasis und den Buchwerten von
Vermögenswerten und Schulden sowie für Verlustvorträge gebildet. Hinsichtlich der steuerlichen Situation der
ÖBB-Infrastruktur AG wird auf die Teilsteuerbefreiung verwiesen (angeführt unter der Überschrift „Steuerliche
Verhältnisse“). Bei der Beurteilung der Werthaltigkeit latenter Steueransprüche trifft der Vorstand eine Einschätzung
hinsichtlich der voraussichtlichen Nutzung innerhalb des steuerlichen Planungszeitraums von fünf Jahren (Erläuterung 13).
Die auf bestehende Verlustvorträge und temporäre Differenzen aktivierten latenten Steueransprüche basieren auf einer
Schätzung der steuerpflichtigen Ergebnisse für die nächsten fünf Jahre. Sollte sich die steuerliche Einschätzung über die
Qualifizierung der Teilbereiche der ÖBB-Infrastruktur AG als steuerfrei und steuerpflichtig ändern oder sollten in der
Zukunft nicht ausreichende steuerpflichtige Ergebnisse zu Verfügung stehen, kann dies erhebliche Auswirkungen auf die
Höhe der latenten Steueransprüche haben.
Steuersachverhalte unterliegen hinsichtlich ihrer Beurteilung durch die Steuerbehörden Unsicherheiten und es ist nicht
auszuschließen, dass diese in Einzelfällen zu anderen Ergebnissen als die ÖBB-Infrastruktur AG kommen können. Sollten
Änderungen in der Beurteilung wahrscheinlich sein, wird eine entsprechende Rückstellung gebildet.
e. Finanzielle Verpflichtungen
Gegen oder von der ÖBB-Infrastruktur AG und deren Tochtergesellschaften sind im Rahmen der gewöhnlichen
Geschäftstätigkeit verschiedene Verfahren, Prozesse sowie sonstige Ansprüche anhängig. Diese Sachverhalte sind mit
zahlreichen Unsicherheiten behaftet und die Ergebnisse der Verhandlungen und Prozesse lassen sich nicht mit Sicherheit
voraussagen. Demzufolge ist der Vorstand nicht in der Lage, den Gesamtbetrag möglicher finanzieller Verpflichtungen
und Forderungen oder deren Auswirkung auf die Finanzlage des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zum 31.12.2022 mit
abschließender Gewissheit festzustellen. Diese Verfahren könnten bei ihrem Abschluss die Ergebnisse materiell
beeinflussen. Der Vorstand ist jedoch der Ansicht, dass bei endgültiger Bereinigung solcher Fälle die Auswirkungen die
dafür gebildeten Rückstellungen nicht wesentlich übersteigen und daher keine wesentlichen Konsequenzen auf den
Konzernabschluss haben werden.
f. Informationen in Bezug auf klimapolitische Aspekte und Risiken (Klimawandel)
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern versteht Nachhaltigkeit ganzheitlich und verknüpft erfolgreiches Wirtschaften mit
ökologischer Verträglichkeit und sozialer Verantwortung. Damit wird eine nachhaltige Unternehmensausrichtung im Sinne
des Vorsorgeprinzips erreicht. Auf Basis dieses ganzheitlichen Ansatzes werden sowohl die Chancen als auch die Risiken
durch das Unternehmen auf die Umgebung und ebenso für das Unternehmen selbst in Bezug auf die Nachhaltigkeit
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
27
ermittelt. Auf Basis einer Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse, welche im ÖBB-Infrastruktur-Konzern 2022 das erste Mal
durchgeführt wurde, sowie einer allgemeineren Chancen- und Risikoanalyse konnten folgende Themen identifiziert
werden, die eine Auswirkung auf den ÖBB-Infrastruktur-Konzern haben.
– Das Risiko von vermehrten Extremwetterereignissen (Hochwasser, Muren, Stürme, Hitzewellen etc.) hat sowohl eine
Auswirkung auf den Betrieb der Züge/Busse und die Infrastruktur als auch die Kundinnen und Kunden. Um diesem
entgegenzuwirken, werden im ÖBB-Konzern entsprechende Maßnahmen gesetzt, wie zum Beispiel die Einführung von
geeigneten Monitoring- und Frühwarnsystemen sowie gezielte Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte zur
Erhöhung der Resilienz von Anlagen, Systemen und Fahrzeugen.
– Der Klimawandel birgt aber auch eine Chance für das Unternehmen im Hinblick auf Wachstum des öffentlichen Verkehrs
und Ausbau des Bahn- und Busangebots, wodurch sich eine mögliche Steigerung von Erlösen/Umsätzen ergeben kann.
In weiterer Folge ist dies aber auch mit erforderlichen Investitionen in den Ausbau der Kapazität des Systems Bahn
verbunden.
– Aufgrund des Klimawandels und damit verbundenen Entwicklungen ergibt sich für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern direkt
und indirekt das Risiko der Steigerung der Energiepreise, und zwar sowohl für erneuerbare Energie (durch Verknappung
am Markt) als auch für fossile Energie (durch Einführung der CO
2
-Abgabe).
Das Management hat die Auswirkungen des Klimawandels im Zuge der Erstellung des Konzernabschlusses berücksichtigt.
Aus der Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse ergaben sich keine Auswirkungen auf Rückstellungsbildungen oder Indizien
für Wertminderungen von Vermögenswerten oder notwendige Anpassungen von Nutzungsdauern. Darüber hinaus
wurden keine mit dem Klimawandel zusammenhängenden Aspekte erkannt, die zu einer Anpassung der Buchwerte von
Vermögenswerten und Schulden im aktuellen Konzernabschluss führen würden.
Unterscheidung der Fristigkeiten
Latente Steuern sind gemäß IAS 12 als langfristig auszuweisen. Der kurzfristige Anteil wird daher entsprechend im Anhang
angegeben (Erläuterung 13). Verwertungsobjekte werden in den Vorräten ausgewiesen, obwohl mit der Realisierung nicht
innerhalb der nächsten zwölf Monate zu rechnen ist. Der langfristige Anteil wird im Anhang angegeben (Erläuterung 21).
Wenn Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen langfristig
sind, werden diese unter den kurzfristigen Posten gemäß IAS 1 „Darstellung des Abschlusses” ausgewiesen und in
Erläuterung 20 und Erläuterung 27 angeführt.
Saldierungen
Saldiert werden Buchwertabgänge und Erlöse aus dem Abgang von Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten
und werden in den sonstigen betrieblichen Erträgen oder sonstigen betrieblichen Aufwendungen ausgewiesen
(Erläuterung 29.5). Des Weiteren werden Erträge aus der Strukturierung und Profilierung des Stromeinkaufs sowie aus der
Ausgleichsenergie saldiert.
Konzentration von Risiken
Zu den Bilanzstichtagen bestand keine besondere Abhängigkeit von einzelnen konzernfremden Kunden, Lieferanten oder
Kreditgebern, deren plötzlicher Ausfall den Geschäftsbetrieb maßgeblich beeinträchtigen könnte. Des Weiteren besteht
keine Konzentration von Personaldienstleistungen oder Anbietern sonstiger Dienstleistungen, Franchise- und
Lizenzrechten oder sonstiger Rechte, auf die der ÖBB-Infrastruktur-Konzern angewiesen ist und deren plötzlicher Wegfall
den Geschäftsbetrieb ernsthaft gefährden könnte. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern veranlagt liquide Mittel bei Kredit- und
Finanzinstituten mit guter Bonität sowie bei der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH. Hinsichtlich der von der Republik
Österreich gewährten Finanzierungen und Zuschüsse sowie Zuschussvereinbarungen und der Abhängigkeit von
Gesellschaften des übrigen ÖBB-Konzerns wird auf die Ausführungen unter Erläuterung 32 verwiesen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
28
COVID-Pandemie und Ukrainekrise – finanzielle Auswirkungen
Die COVID-Pandemie hatte finanzielle Auswirkungen auf die Berichtsjahre 2022 und 2021. Die wesentlichsten
Auswirkungen auf die Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung sind im Folgenden ausgeführt.
Bis zum Bilanzerstellungszeitpunkt hat der ÖBB-Infrastruktur-Konzern COVID-19-Investitionsprämien in Höhe von
insgesamt rd. 0,4 Mio. EUR (Vj: rd. 0,4 Mio. EUR) erhalten und bilanziell erfasst. Die Investitionszuschüsse werden für den
Fahrpark verwendet. Aufgrund der Reduktion des Infrastrukturbenutzungsentgelts für Österreich verringern sich die
Umsatzerlöse aus Infrastrukturbenützung um rd. 85,9 Mio. EUR (Vj: rd. 129,6 Mio. EUR); sie wurden aufgrund § 42 BBG
durch den Bund refundiert und erhöhen die sonstigen betrieblichen Erträge. Die gewährten Mietgutschriften aufgrund
der eingeschränkten Nutzung beliefen sich 2021 letztmalig auf rd. 5,1 Mio. EUR.
Refundierungsbeträge aufgrund von Absonderungsbescheiden gemäß Epidemiegesetz für freigestellte Mitarbeiter:innen
mit Risikoattest gem. ASVG und für Mitarbeiter:innen in Kurzarbeit wurden in Höhe von rd. 4,7 Mio. EUR
(Vj: rd. rd. 9,9 Mio. EUR) beantragt oder bereits vereinnahmt und in den sonstigen betrieblichen Erträgen erfasst. Der
zusätzliche Aufwand für die Bestellung von Schutzmasken und Desinfektionsmittel beträgt rd. 1,1 Mio. EUR
(Vj: rd. 1,5 Mio. EUR) und wird im sonstigen betrieblichen Aufwand ausgewiesen.
Aufgrund des Krieges in der Ukraine kam es während des Jahres 2022 zu enormen Preissprüngen auf den Energiemärkten,
die Ende August zu einem noch nie dagewesenen Allzeithoch führten. Die europaweite Trockenperiode übte zusätzlichen
Druck auf die Energiepreise aus. Aufgrund der guten Versorgungslage – es konnten einerseits die russischen
Gaslieferungen ersetzt und die Gasspeicher gut gefüllt werden, wenn auch zu hohen Preisen, und andererseits herrschten
ungewöhnlich milde Temperaturen, wodurch vergleichsweise wenig Gas ausgespeichert werden musste – ließ die
Preisvolatilität in Folge etwas nach und das allgemeine Preisniveau ging zurück, verblieb dennoch auf einem hohen Niveau.
Weiterhin herrscht auf den Energiemärkten geringe Liquidität und hohe Volatilität. Die Preise waren bis zum Bilanzstichtag
eher rückläufig. Dieser Trend setzte sich zum Jahresbeginn fort, schwankt aber mit den Temperaturen. Durch den
fortgesetzten Krieg und die ungewisse Versorgungslage im kommenden Winter bleibt die Marktsituation weiterhin
angespannt und ist mit Unsicherheiten behaftet.
Mögliche künftige Auswirkungen der Ukrainekrise auf die Bewertung einzelner Vermögenswerte und Schulden werden
fortlaufend analysiert. Von den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine ist die Geschäftstätigkeit und damit die
Vermögens-, Finanz- und Ertragslage mittelbar betroffen. Die mittelbare Betroffenheit ergibt sich aus gestiegenen Energie-
und Rohstoffpreisen, Änderungen der Zinslandschaft und der Wechselkurse. Bei der Ermittlung der Risikovorsorge für
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind in den Vorjahren vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie
zusätzlich Vorsorgen in Form eines Skalarfaktors berücksichtigt worden. Diese Anpassung wurde im Geschäftsjahr 2022
aufgrund der Risikolage verursacht durch die Ukrainekrise beibehalten.
Zum 31.12.2022 wurde die Equity-Beteiligung an der Breitspur Planungsgesellschaft mbH, Wien um rd. 0,3 Mio. EUR
abgewertet, da die Gesellschaft liquidiert wird. Da der Unternehmensgegenstand die Planung der Weiterführung der
Breitspur-Schieneninfrastruktur von der Grenze der Ukraine durch die Slowakei nach und in Österreich ist, wurde aufgrund
des Kriegs in der Ukraine eine Wertminderung vorgenommen.
Zudem ergaben sich aufgrund der hohen Inflationsraten durch tarifliche Vereinbarungen Kostensteigerungen bei den
Personalaufwendungen.
Alle Tochterunternehmen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns haben ihren Sitz in Österreich. Es gibt keine wesentliche
Geschäftstätigkeit mit Kunden oder Lieferanten aus der Ukraine oder Russland weshalb aus diesem Grund keine
wesentlichen Wertberichtigungen für erwartete Kreditverluste aus Forderungen in diesen Ländern gebildet werden
mussten.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
29
B.
ERLÄUTERUNGEN ZUR KONZERN-BILANZ UND KONZERN-GEWINN-UND-VERLUST-
RECHNUNG
4.
Umsatzerlöse
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Infrastrukturbenützung 366,7
384,9
Energielieferungen und Netznutzungsentgelte
212,2
198,9
Mieterlöse 156,5
135,4
Erlöse aus Verwertungsobjekten
59,9
37,4
Sonstige Umsatzerlöse
189,1
175,0
Gesamt
984,4
931,6
davon
gegenüber verbundenen Unternehmen
648,4
671,3
Das Infrastrukturbenützungsentgelt wird überwiegend von Gesellschaften des übrigen ÖBB-Holding-Konzerns für die
Bereitstellung der Bahninfrastruktur bezahlt. In den Erlösen „Energielieferungen und Netznutzungsentgelten” sind
Netznutzungsentgelte in Höhe von rd. 73,7 Mio. EUR (Vj: rd. 87,7 Mio. EUR) enthalten.
Im Geschäftsjahr 2022 wurden wegen des Entfalls der Marktaufschläge für die Netzfahrplanperiode 2022 (12.12.2021
bis 31.12.2022) beim Infrastrukturbenützungsentgelt Gutschriften an Kunden in Höhe von rd. 136,9 Mio. EUR (Vj: keine)
ausgestellt, wovon rd. 6,7 Mio. EUR auf das Geschäftsjahr 2021 entfielen. Der Bund hat diesen Betrag zur Gänze im
Rahmen des § 42 vergütet.
Mieterlöse fallen für die Vermietung und die Verpachtung von Immobilien an.
Weiters enthalten die sonstigen Umsatzerlöse solche aus Telekommunikationsleistungen, aus Reparaturleistungen, aus
Reinigungs- und Sicherheitsleistungen, aus Leistungen im Zusammenhang mit dem Betrieb der Container-Terminals sowie
Fertigungsaufträge für Dritte.
Die Umsatzerlöse aus Verträgen mit Kunden können in folgende Kategorien gemäß IFRS 15 gegliedert werden:
2022
Laufzeit des Vertrags Zeitpunkt der Übertragung Vertriebskanäle
in Mio. EUR
Umsatzerlöse
gem. IFRS 15
kurzfristig
langfristig
zeitpunkt-
bezogen
zeitraum-
bezogen*
Direkt-
verkauf
Zwischen-
händler
Umsatzerlöse
Infrastrukturbenützung
366,7
366,
7
0,0
0,0
366,7
366,7
0,0
Energielieferungen und
Netznutzungsentgelte
212,2
212,2
0,0
0,0
212,2
212,2
0,0
Erlöse aus
Verwertungsobjekten
59,9
59,9
0,0
59,9
0,0
59,9
0,0
Sonstige Umsatzerlöse
180,8
180,8
0,0
16,
1
164,
7
180,8
0,0
Gesamt
819,6
819,6
0,0
7
6,1
743,5
819,6
0,0
*Die zeitraumbezogenen Erlöse werden entsprechend der tatsächlichen Leistungserbringung erfasst.
2021
Laufzeit des Vertrags Zeitpunkt der Übertragung Vertriebskanäle
in Mio. EUR
Umsatzerlöse
gem. IFRS 15
kurzfristig
langfristig
zeitpunkt-
bezogen
zeitraum-
bezogen*
Direkt-
verkauf
Zwischen-
händler
Umsatzerlöse
Infrastrukturbenützung 384,9
384,9
0,0
0,0
384,9
384,9
0,0
Energielieferungen und
Netznutzungsentgelte
198,9
198,9
0,0
0,0
198,9
198,9
0,0
Erlöse aus
Verwertungsobjekten
37,4
37,4
0,0
37,4
0,0
37,4
0,0
Sonstige Umsatzerlöse 169,2
169,2
0,0
46,9
122,3
169,2
0,0
Gesamt
790,4
790,4
0,0
84,3
706,1
790,4
0,0
*Die zeitraumbezogenen Erlöse werden entsprechend der tatsächlichen Leistungserbringung erfasst.
Die Mieterlöse über rd. 156,5 Mio. EUR (Vj: rd. 135,4 Mio. EUR) werden in der obigen Tabelle nicht dargestellt, da diese
von IFRS 15 ausgenommen sind. Die Zusammensetzung der Umsatzerlöse nach geografischen Gesichtspunkten ist aus
Erläuterung 33 (Segmentberichterstattung) ersichtlich.
Alle ausstehenden Erlöse betreffen Zeiträume von höchstens einem Jahr oder werden mit einem festen Leistungssatz
abgerechnet. Wie nach IFRS 15 zulässig, wird der Transaktionspreis, der diesen nicht erfüllten Leistungsverpflichtungen
zugeordnet wird, nicht offengelegt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
30
5.
Andere aktivierte Eigenleistungen
Bei der Ermittlung der im Zusammenhang mit der Herstellung von Anlagen zu aktivierenden Eigenleistungen wurden direkt
zurechenbare Personalaufwendungen, Materialaufwendungen und angemessene Teile der Materialgemeinkosten sowie
Fertigungsgemeinkosten eingerechnet. Diese Eigenleistungen fallen maßgeblich im Zusammenhang mit der Errichtung
oder Erweiterung der Eisenbahninfrastruktur an. Die aktivierten Eigenleistungen betreffen im Ausmaß von rd. 55%
(Vj: rd. 55%) Personalkosten, rd. 29% (Vj: rd. 28%) Materialkosten und im Ausmaß von rd. 16% (Vj: rd. 17%)
Sachaufwendungen.
6.
Sonstige betriebliche Erträge
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Beitrag des Bundes gemäß § 42 Bundesbahngesetz
2.063,1
1.970,4
Erträge aus dem Abgang von Sachanlagen, immateriellen Vermögenswerten, als Finanzinvestitionen
gehaltenen Immobilien
und zur Veräußerung gehaltenen langfristigen Vermögenswerten
41,3
52,6
Übrige sonstige betriebliche Erträge
32,2
29,8
Gesamt
2.136,6
2.052,9
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
2,6
0,6
Der Beitrag des Bundes gemäß § 42 Bundesbahngesetz wird für die Bereitstellung, den Betrieb, die Instandhaltung der
Schieneninfrastruktur und für Erweiterungs- und Reinvestitionen sowie für die Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben
insoweit geleistet, als die von den Nutzern der Schieneninfrastruktur zu erzielenden Erlöse die bei sparsamer und
wirtschaftlicher Geschäftsführung anfallenden Aufwendungen nicht abdecken können. Nähere Angaben zum
Zuschussvertrag sind in Erläuterung 32 enthalten. Hinsichtlich der Vergütung für die entfallenen Marktaufschläge wird auf
die Erläuterung 4 verwiesen.
7.
Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Materialaufwand 153,2
108,4
Aufwendungen für bezogene Leistungen
407,2
380,3
davon Instandhaltungsaufwendungen 334,8
308,0
Gesamt 560,4
488,7
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
125,1
105,4
Der Posten Materialaufwand enthält in der Höhe von rd. 103,2 Mio. EUR (Vj: rd. 74,3 Mio. EUR) den Aufwand für den
Fremdbezug von Traktionsstrom und den Zukauf von Strom für den Weiterverkauf an Dritte. Die im Aufwand erfassten
Herstellungskosten der verkauften Verwertungsobjekte betragen rd. 20,6 Mio. EUR (Vj: rd. 9,8 Mio. EUR).
Die Aufwendungen für bezogene Leistungen betreffen im Wesentlichen nicht aktivierungsfähige Lieferungen und
Leistungen im Zusammenhang mit Reparaturen, Instandhaltungen (insbesondere Schieneninfrastruktur),
Entsorgungskosten, Reinigungen und sonstigen Leistungen sowie Transportleistungen (Dienstgutfrachten).
8.
Personalaufwand und Beschäftigte
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Löhne und Gehälter 1.011,5
968,0
Gesetzlich vorgeschriebene Sozialabgaben
249,6
242,4
Aufwendungen für Abfertigungen
11,1
8,0
Aufwendungen für Altersversorgung
10,4
3,3
Gesamt
1.282,6
1.221,6
Der Zinsaufwand aus der Aufzinsung der Personalrückstellungen wird im Personalaufwand ausgewiesen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
31
Die Mitarbeiter:innenstruktur ist wie folgt:
Veränderung Durchschnitt
Anzahl Mitarbeiter:innen
31.12.2022
31.12.2021
Stichtag
in %
2022
2021
Angestellte
5.599
5.076
523
10%
5.358
4.913
Arbeiter:innen
3.599
3.319
280
8%
3.516
3.237
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung
7.678
8.517
-
839
-
10%
8.076
8.920
Gesamt aktive Mitarbeiter:innen
16.876
16.912
-
36
0%
16.950
17.070
Lehrlinge 1.498
1.523
-25
-2%
1.349
1.374
Gesamt mit Lehrlingen 18.374
18.435
-61
0%
18.299
18.444
Veränderung Durchschnitt
Anzahl Mitarbeiter:innen FTE
31.12.2022
31.12.2021
Stichtag
in %
2022
2021
Angestellte
5.452,8
4.963,6
489,2
10%
5.223,4
4.799,0
Arbeiter:innen
3.587,3
3.309,0
278,3
8%
3
.505,8
3.227,1
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung 7.527,0
8.352,7
-825,7
-10%
7.918,3
8.753,6
Gesamt aktive Mitarbeiter:innen
16.567,1
16.625,3
-
58,2
0%
16.647,5
16.779,7
Lehrlinge
1.498,0
1.523,0
-
25,0
-
2%
1.348,9
1.373,8
Gesamt mit Lehrlingen
18
.065,1
18.148,3
-
83,2
0%
17.996,4
18.153,5
9.
Abschreibungen
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Abschreibungen auf Sachanlagen 980,5
964,2
Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte
42,5
42,4
Abschreibungen auf als Finanzinvestition g
ehaltene Immobilien
4,6
4,1
abzüglich Auflösung Kostenbeiträge
-
145,9
-
149,8
Abschreibung Gesamt
881,
7
860,8
10.
Sonstige betriebliche Aufwendungen und Wertminderungsaufwendungen aus Forderungen
aus Lieferungen und Leistungen
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen und die Wertminderungsaufwendungen aus Forderungen aus Lieferungen
und Leistungen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns setzen sich wie folgt zusammen:
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Betriebskosten (inkl. IT)
113,2
91,9
Büroerfordernisse 65,5
58,6
Verluste aus Anlagenabgängen
21,3
32,5
Holdingumlage 18,4
18,8
Betriebliche Steuern
18,0
38,3
Reisegebühren
16,2
15,6
Aus- und Fortbildung 7,5
5,5
Übrige
97,7
84,8
Summe sonstige betriebliche Aufwendungen 357,8
346,0
Wertminderu
ngen/
-
aufholungen
zu Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
-
0,9
0,5
Gesamt 356,9
346,5
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
158,0
140,7
Im Posten betriebliche Steuern sind alle nicht ertragsabhängigen Steuern (Elektrizitätsabgabe, Kfz-Steuer, Grundsteuer,
Straßenbenützungsabgabe, sonstige Steuern und Abgaben etc.) erfasst.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
32
Die übrigen sonstigen betrieblichen Aufwendungen betreffen insbesondere die Kosten für kurzfristige Mietverhältnisse
bzw. Mietverhältnisse über Vermögenswerte von geringem Wert sowie Lizenzaufwendungen, Aufwandsentschädigungen,
Versicherungen, Schadensfälle, Marketing- und Werbekosten, die Anmietung von Personal, Zahlungen an verbundene
Unternehmen für Beförderungsleistungen an Mitarbeiter:innen sowie Betriebsküchen.
Die Aufwendungen für Leistungen der Abschlussprüfer:innen des Konzernabschlusses und der Einzelabschlüsse sind
ebenfalls in den übrigen sonstigen betrieblichen Aufwendungen enthalten und setzen sich wie folgt zusammen:
2022
2021
in TEUR
in TEUR
Jahre
s
-
und Konzernabschlussprüfung
385
363
Andere Bestätigungsleistungen 51
48
Sonstige Leistungen
74
32
Gesamt 510
443
Die Jahres- und Konzernabschlussprüfung wurde im Geschäftsjahr 2022 wie im Vorjahr von der Ernst & Young
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H. durchgeführt. Zusätzlich zur Abschlussprüfung wurden im Geschäftsjahr 2022 und
2021 die Prüfung der nichtfinanziellen Erklärung im Konzernlagebericht und des Jahresfinanzberichts im XHTML-Format
verrechnet.
11.
Zinserträge und Zinsaufwendungen
Das Zinsergebnis des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns setzt sich wie folgt zusammen:
2022
2021
Zinsergebnis
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Zinserträge 20,7
16,7
Zinsaufwendungen
-
388,2
-
427,1
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
-
3,8
-
0,7
Gesamt
-
367,5
-
410
,4
davon gegenüber verbundenen Unternehmen -3,8
-0,7
Die Zinserträge betreffen die Veranlagung der im Berichtsjahr aufgelösten Cross-Border-Leasing-Transaktionen und Zinsen
aus Depots ehemaliger Cross-Border-Leasing-Transaktionen sowie Negativzinsen in Höhe von rd. 8,8 Mio. EUR
(Vj: rd. 10,8 Mio. EUR) aus aufgenommenen Darlehen. Die Zinserträge werden nach der Effektivzinsmethode erfasst.
Die Zinsaufwendungen betragen vor Aktivierung von Fremdkapitalzinsen rd. 499,0 Mio. EUR (Vj: rd. 535,2 Mio. EUR).
Diese entfallen mit rd. 305,4 Mio. EUR (Vj: rd. 362,8 Mio. EUR) auf Anleihen, mit rd. 105,2 Mio. EUR
(Vj: rd. 105,4 Mio. EUR) auf Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und mit rd. 57,7 Mio. EUR (Vj: rd. 39,3 Mio. EUR)
auf die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA). Darüber hinaus fallen Zinsaufwendungen für
EUROFIMA-Darlehen und sonstige Kreditaufnahmen sowie zinsähnliche Aufwendungen an. Von den gesamten
Zinsaufwendungen wurden rd. 110,8 Mio. EUR (Vj: rd. 108,1 Mio. EUR) gemäß IAS 23 Zinsen auf Herstellungskosten
qualifizierter Vermögenswerte aktiviert (siehe Erläuterung 14).
Die Aufwendungen für Haftungsentgelte betragen rd. 12,9 Mio. EUR (Vj: rd. 14,4 Mio. EUR). Die übrigen
Zinsaufwendungen beinhalten insbesondere Zinsaufwendungen und -abgrenzungen aus ehemaligen Cross-Border-
Leasing-Transaktionen von rd. 1,3 Mio. EUR (Vj: rd. 1,3 Mio. EUR).
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
33
12.
Sonstiges Finanzergebnis
Das sonstige Finanzergebnis des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns setzt sich wie folgt zusammen:
2022
2021
Sonstiges Finanzergebnis
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Sonstige Finanzerträge
12,3
28,4
davon aus Bewertungs- und Kursdifferenzen 8,5
7,2
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
3,0
0,0
davon aus der Bewertung von Derivaten 0,5
20,0
Sonstige Finanzaufwendungen
-
58,4
-
9,0
davon aus der Bewertung von Derivaten
-
44,5
-
0,8
davon aus Bewertungs
-
und Kursdifferenzen
-
9,7
-
7,2
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
-
2,0
-
1,0
Gesamt
-
46,1
19,4
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
1,0
-
1,0
Die sonstigen Finanzerträge betreffen neben Kursdifferenzen insbesondere Weiterverrechnungen im Zusammenhang mit
Cross-Border-Leasing-Transaktionen sowie Bewertungsergebnisse aus Derivaten.
Die sonstigen Finanzaufwendungen resultieren neben Kursdifferenzen insbesondere aus Änderungen des beizulegenden
Zeitwerts von derivativen Finanzinstrumenten. In den sonstigen Finanzaufwendungen sind Aufwendungen aus dem
Auslaufen von Cross-Border-Leasing-Transaktionen sowie Aufwendungen aus der Bewertung enthalten, die an andere
verbundene Unternehmen weiterverrechnet wurden.
13.
Ertragsteuern
Steueraufwand/Steuerertrag
Der Posten Ertragsteuern setzt sich wie folgt zusammen:
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Aufwand/Ertrag aus Steuerumlage (Gruppenbesteuerung) -0,7
-0,7
Latenter Steueraufwand/-ertrag
16,5
77,1
davon aus Steuersatzanpassungen
-
10,8
0,0
Ertragsteuern 15,8
76,4
Die Steuern werden mit 25% des geschätzten steuerpflichtigen Gewinns für das Geschäftsjahr berechnet. Im Jänner 2022
wurde in Österreich die stufenweise Senkung des Körperschaftsteuersatzes von 25% auf 23% beschlossen. Ab 01.01.2023
gilt für das Kalenderjahr 2023 ein Körperschaftsteuersatz von 24% und ab 01.01.2024 beträgt dieser 23%.
Für das Kalenderjahr 2022 wurden für die Berechnung der latenten Steueransprüche und der latenten Steuerschulden der
ab dem 01.01.2023 geltende Steuersatz von 24% und der ab dem 01.01.2024 geltende zukünftige Steuersatz von 23%
für die Bewertung der bilanzierten latenten Steueransprüche und latenten Steuerschulden herangezogen, je nach dem
wann mit der Umkehrung der temporären Differenzen zu rechnen ist.
Die latenten Steuern entwickelten sich wie folgt:
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Latente Steueransprüche 73,2
66,2
Bilanzansätze zum 01.01.
73,2
66,2
Veränderung latenter Steuer
im sonstigen Ergebnis erfasst
-
10,7
-
70,1
erfolgswirksam erfasst
16,5
77,1
Bilanzansätze zum 31.12.
79,0
73,2
davon latente Steueransprüche
79,0
73,2
davon latente Steuerschulden 0,0
0,0
Latente Steuern, die im sonstigen Ergebnis erfasst wurden, resultieren im Wesentlichen aus Wertunterschieden zwischen
IFRS-Buchwerten und Steuerbemessungsgrundlagen im Bereich der Rücklagen aus Stromderivaten sowie
versicherungsmathematischen Gewinnen und Verlusten gemäß IAS 19.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
34
Die latenten Steuern sind angesichts der zugrunde liegenden Bewertungsunterschiede zwischen den Buchwerten im
IFRS-Konzernabschluss und den relevanten Steuerbemessungsgrundlagen im Ausmaß von rd. 61,5 Mio. EUR
(Vj: rd. 48,8 Mio. EUR) als langfristig einzuschätzen. Die wesentlichen kurzfristigen aktiven latenten Steuern betreffen die
Vorräte in Höhe von rd. 0,6 Mio. EUR (Vj: rd. 7,6 Mio. EUR) und die latenten Steuern auf Verlustvorträge in Höhe von
rd. 83,9 Mio. EUR (Vj: rd. 76,3 Mio. EUR), die im Geschäftsjahr 2023 voraussichtlich verwendet werden können. Diesen
stehen kurzfristige passive latente Steuern resultierend im Wesentlichen aus Stromderivaten in Höhe von
rd. -67,0 Mio. EUR (Vj: rd. -59,5 Mio. EUR) gegenüber.
Die folgende Tabelle zeigt die wesentlichen Ursachen für den Unterschied zwischen den in der Gewinn-und-Verlust-
Rechnung ausgewiesenen Ertragsteuern und den sich unter Anwendung des gesetzlichen Steuersatzes von 25% auf das
steuerpflichtige Jahresergebnis ergebenden Ertragsteuern.
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Jahresergebnis vor Ertragsteuern nach IFRS
-
15,7
10,9
Anpassung steuerfreier Anteil gem. § 50 (2) Bundesbahngesetz 147,3
122,8
IFRS-Jahresergebnis – steuerpflichtiger Teil
131,6
133,7
Konzernsteuersatz 25%
25%
Erwarteter Aufwand (-) bzw. Ertrag (+) aus Steuern im Geschäftsjahr -32,9
-33,4
Steuersatzänderungen
-
10,8
0,0
Beteiligungserträge
1,0
7,0
Ansatz von bisher nicht berücksichtigten steuerlichen Verlusten
55,6
95,6
Nicht abzugsfähige Betrieb
sausgaben und andere Hinzurechnungen
2,9
7,3
Steuern vom Einkommen 15,8
76,4
Effektiver Körperschaftsteuersatz
-
12,0%
-
57,1%
*) Kleinstbeträge.
Der effektive Körperschaftsteuersatz von -12,0% (Vj: -57,1%), welcher wesentlich vom gesetzlichen
Körperschaftsteuersatz von 25% abweicht, resultiert hauptsächlich aus Ansatzanpassungen der latenten Steuern aus
Verlustvorträgen sowie sonstiger aktiver Steuerlatenzen. Aufgrund der Änderung des latenten Steuersatzes von 25% auf
24% bzw. 23% und der daraus folgenden Neubewertung der latenten Steueransprüche und -verbindlichkeiten reduziert
sich der Steuerertrag um rd. 6,2 Mio. EUR. Die im sonstigen Ergebnis erfassten Steuerbeträge der Cashflow Hedges aus
Stromderivaten reduzierten sich dadurch um rd. 4,6 Mio. EUR. Daraus ergibt sich ein Gesamteffekt in Höhe von rd. 10,8
Mio. EUR.
Latente Steueransprüche und latente Steuerschulden zum 31.12.2022 sind das Ergebnis temporärer
Bewertungsunterschiede zwischen den Buchwerten im Konzernabschluss und den relevanten
Steuerbemessungsgrundlagen sowie steuerlicher Verlustvorträge. Ansatzanpassungen waren erforderlich, da die
künftigen steuerlichen Ergebnisse, die eine Bilanzierung aktiver latenter Steuern rechtfertigen, neu eingeschätzt wurden.
Die latenten Steuern entfallen auf folgende wesentliche Bilanzposten, Verlustvorträge und Steuergutschriften:
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
35
latente Steuer-
latente Steuer-
ansprüche
schulden
ansprüche
schulden
in Mio. EUR
31.12.2022
31.12.2022
31.12.2021
31.12.2021
Vermögenswerte
Sachanlagen
8,2
-
4,5
10,2
-
5,9
Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien 4,6
-5,6
5,0
-6,0
Finanzielle Vermö
genswerte
0,4
-
123,4
0,0
-
119,7
Vorräte
5,8
0,0
7,6
0,0
18,9
-
133,5
22,8
-
131,6
Schulden
Finanzverbindlichkeiten
4,7
0,0
5,0
0,0
Rückstellungen 0,3
-13,7
0,4
-4,8
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten
46,2
-
0,1
114,7
-
72,3
51,2
-13,8
120,1
-77,1
Steuerliche Verlustvorträge
156,1
0,0
138,9
0,0
Latente Steueransprüche
bzw. latente Steuerschulden
226,2
-147,3
281,9
-208,7
Saldierung -147,3
147,3
-208,7
208,7
Saldierte latente Steueransprüche
bzw. latente Steuerschu
lden
79,0
0,0
73,2
0,0
Bei der Beurteilung der Werthaltigkeit latenter Steueransprüche trifft der Vorstand eine Einschätzung hinsichtlich der
voraussichtlichen Nutzung innerhalb des steuerlichen Planungszeitraums von fünf Jahren. Die Nutzbarkeit von latenten
Steueransprüchen setzt ausreichend steuerpflichtiges Einkommen in jenen Perioden voraus, in denen die temporären
Unterschiede und Verlustvorträge verwendet werden können. Der Vorstand zieht die geplante Auflösung von latenten
Steuerschulden und das geschätzte künftige steuerpflichtige Einkommen für diese Beurteilung heran.
Unter Heranziehung des steuerpflichtigen Einkommens früherer Jahre sowie der Prognosen über das steuerpflichtige
Einkommen zukünftiger Jahre, in denen Steueransprüche genutzt werden können, ist der Vorstand der Auffassung, dass
die Realisierung der Steuervorteile aus den latenten Steueransprüchen im Ausmaß von rd. 79,0 Mio. EUR
(Vj: rd. 73,2 Mio. EUR) wahrscheinlich ist. Die temporären Unterschiede in den Positionen Sachanlagen und als
Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien resultieren im Wesentlichen aus dem unterschiedlichen Abschreibungsbeginn
(pro rata temporis nach IFRS im Vergleich zur Halbjahresregel nach Steuerrecht) sowie aus abweichenden steuerlichen
Anschaffungskosten und aus der Bilanzierung von Sachverhalten gemäß IFRS 16. Die temporären Unterschiede in den
Vorräten resultieren aus abweichenden steuerlichen Anschaffungskosten. Die temporären Unterschiede aus den
finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten entstehen aufgrund der unterschiedlichen Bewertung der
Stromderivate nach IFRS (Bewertung zum beizulegenden Zeitwert) und Steuerrecht (Drohverlustrückstellung). In den
Finanzverbindlichkeiten sind im Wesentlichen die temporären Unterschiede aus den Leasingverbindlichkeiten gemäß
IFRS 16 abgebildet.
Die steuerlichen Verlustvorträge stammen aus Gesellschaften in Österreich und sind zeitlich unbegrenzt vortragsfähig. Die
jährliche Verrechnung mit Verlustvorträgen ist in Österreich mit 75% des jeweiligen steuerlichen Ergebnisses begrenzt,
allerdings resultieren rd. 1.880,5 Mio. EUR (Vj: rd. 1.996,6 Mio. EUR) aus den Vorgruppenverlusten der
ÖBB-Infrastruktur AG und sind daher zur Gänze gegen in künftigen Perioden erzielte steuerliche Ergebnisse verrechenbar.
Die Veränderung resultiert aus der Berücksichtigung der Differenzen, die sich aufgrund der im Geschäftsjahr erfolgten
Veranlagungen und den ursprünglich berücksichtigten steuerlichen Ergebnissen ergeben haben.
Für steuerliche Verlustvorträge in Höhe von rd. 1.216,6 Mio. EUR (Vj: rd. 1.440,8 Mio. EUR) werden keine latenten Steuern
angesetzt, da die Verwertung in absehbarer Zukunft nicht gesichert ist.
Auf temporäre Differenzen in Höhe von rd. 9,3 Mio. EUR (Vj: rd. 9,3 Mio. EUR) aus Anteilen an assoziierten Unternehmen
und Tochtergesellschaften wurden keine latenten Steuern angesetzt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
36
14.
Sachanlagen
Die Gliederung der Sachanlagen, die Veränderungen im Geschäftsjahr und die Entwicklung der Kostenbeiträge zu den
Sachanlagen sind aus dem folgenden Anlagenspiegel ersichtlich.
in Mio. EUR
Grundstücke
und Bauten
Nutzungs-
rechte
Grund-
stücke und
Bauten
Fahrpark
Technische
Anlagen u.
Maschinen
Andere
Anlagen,
Betriebs- u.
Geschäfts-
ausstattung
Nutzungs-
rechte
übrige
Sach-
anlagen
Anlagen in
Bau
Gesamt
Anschaffungs- und
Herstellungskosten 2022
Anschaffungs-/Herstellungskosten
Stand 01.01.2022
30.410,3
96,3
439,8
10.751,2
182,8
0,6
7.077,9
48.958,9
Zugänge
744,6
172,4
17,6
253,9
18,1
0,0
1.844,4
3.051,1
Abgänge
-
115,4
-
110,6
-
12,7
-
64,8
-
4,1
-
0,1
-
2,9
-
310,6
Umbuchungen
332,1
0,0
1,1
208,8
-
0,5
0,0
-
552,0
-
10,5
Anschaffungs-
/Herstellungskosten Stand
31.12.2022
31.371,6
158,1
445,8
11.149,1
196,4
0,5
8.367,4
51.689,0
Kumulierte Abschreibungen
Stand 01.01.2022
-
10.512,5
-
23,9
-
313,1
-
6.294,2
-
149,2
-
0,5
0,0
-
17.293,3
Abschreibungen -579,1
-10,2
-31,4
-346,8
-12,9
-0,1
0,0
-980,5
Abgänge
94,4
0,8
11,3
60,1
4,1
0,2
0,0
170,9
Umbuchungen
0,5
0,0
0,0
-
2,3
2,1
0,0
0,0
0,3
Kumulierte Abschreibungen
Stand 31.12.2022
-10.996,7
-33,2
-333,2
-6.583,2
-155,9
-0,4
0,0
-18.102,6
Buchwerte vor Kostenbeiträgen
per 01.01.2022
19.897,8
72,4
126,7
4.457,0
33,6
0,1
7.077,9
31.665,6
Buchwerte vor Kostenbeiträgen
per 31.12.2022
20.374,9
124,9
112,6
4.565,9
40,4
0,1
8.367,4
33.586,4
Kostenbeiträge 2022
St
and 01.01.2022
-
9.642,1
0,0
-
5,4
-
2.961,1
-
4,9
0,0
-
909,6
-
13.523,1
Zugänge -54,1
0,0
0,0
-19,8
0,0
0,0
-171,0
-244,9
Abgänge
53,0
0,0
0,0
23,8
0,1
0,0
0,2
77,0
Umbuchungen
-
19,4
0,0
0,0
-
10,9
0,0
0,0
31,7
1,4
Stand 31.12.2022
-
9.662,6
0,0
-
5,4
-
2.968,
0
-
4,9
0,0
-
1.048,8
-
13.689,6
Kumulierte Abschreibungen
Stand 01.01.2022
5.798,9
0,0
5,0
2.527,8
4,5
0,0
0,0
8.336,2
Abschreibungen
101,3
0,0
0,1
39,1
0,1
0,0
0,0
140,5
Abgänge -46,0
0,0
0,0
-23,0
-0,1
0,0
0,0
-69,1
Umbuchungen
-
0,7
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
-
0,7
Kumulierte Abschreibungen
Stand 31.12.2022
5.853,5
0,0
5,1
2.543,8
4,5
0,0
0,0
8.407,0
Kostenbeiträge per 01.01.2022
-
3.843,2
0,0
-
0,4
-
433,3
-
0,4
0,0
-
909,6
-
5.186,9
Kostenbeiträge per 31.12.2022
-
3.809
,1
0,0
-
0,3
-
424,1
-
0,4
0,0
-
1.048,8
-
5.282,6
Buchwert nach Kostenbeiträgen
per 01.01.2022
16.054,6
72,4
126,3
4.023,7
33,2
0,2
6.168,3
26.478,8
Buchwert nach Kostenbeiträgen
per 31.12.2022
16.565,8
124,9
112,4
4.141,8
40,1
0,1
7.318
,6
28.303,7
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
37
in Mio. EUR
Grund-
stücke und
Bauten
Nutzungs-
rechte
Grund-
stücke und
Bauten
Fahrpark
Technische
Anlagen u.
Maschinen
Andere
Anlagen,
Betriebs- u.
Geschäfts-
ausstattung
Nutzungs-
rechte
übrige
Sach-
anlagen
Anlagen in
Bau
Gesamt
Anschaffungs- und
Herstellungskosten
2021
Anschaffungs-/Herstellungskosten
Stand 01.01.2021
29.510,7
93,7
436,5
10.419,8
183,2
1,3
5.906,6
46.551,9
Zugänge
778,7
2,6
32,1
211,6
9,0
0,0
1.702,3
2.736,3
Abgänge
-
162,8
0,0
-
29,4
-
47,0
-
10,8
-
0,7
-
4,3
-
255,0
Umbuchungen 283,7
0,0
0,6
166,9
1,4
0,0
-526,6
-74,0
Anschaffungs-/Herstellungskosten
Stand 31.12.2021
30.410,3
96,3
439,8
10.751,2
182,8
0,6
7.077,9
48.958,9
Kumulierte Abschreibungen
Stand 01.01.2021
-
1
0.061,5
-
15,6
-
303,9
-
5.991,7
-
147,6
-
0,6
0,0
-
16.520,8
Abschreibungen -567,5
-8,3
-32,9
-343,4
-11,9
-0,2
0,0
-964,2
Abgänge
116,5
0,0
23,7
40,9
10,3
0,3
0,0
191,7
Kumulierte Abschreibungen
Stand 31.12.2021
-
10.512,5
-
23,9
-
313,1
-
6.294,2
-
149,2
-
0,5
0,0
-
17.293,3
Buchwerte vor Kostenbeiträgen
per 01.01.2021
19.449,2
78,1
132,6
4.428,1
35,6
0,7
5.906,6
30.031,0
Buchwerte vor Kostenbeiträgen
per 31.12.2021
19.897,8
72,4
126,7
4.457,0
33,6
0,1
7.077,9
31.665,6
K
ostenbeiträge 2021
Stand 01.01.2021 -9.649,4
0,0
-5,2
-2.945,4
-4,9
0,0
-799,0
-13.403,9
Zugänge
-
44,3
0,0
-
0,2
-
15,7
0,0
0,0
-
164,2
-
224,4
Abgänge 68,4
0,0
0,0
12,3
0,0
0,0
0,1
80,8
Umbuchungen
-
16,8
0,0
0,0
-
12,3
0,0
0,0
53,5
24,4
Stand 31.12.2021 -9.642,1
0,0
-5,4
-2.961,1
-4,9
0,0
-909,6
-13.523,1
Kumulierte Abschreibungen
Stand 01.01.2021 5.756,8
0,0
4,9
2.500,0
4,4
0,0
0,0
8.266,1
Abschreibungen
105,0
0,0
0,1
39,3
0,1
0,0
0,0
144,5
Abgänge
-
62,9
0,0
0,0
-
11,
5
0,0
0,0
0,0
-
74,4
Kumulierte Abschreibungen
Stand 31.12.2021
5.798,9
0,0
5,0
2.527,8
4,5
0,0
0,0
8.336,2
Kostenbeiträge per 01.01.2021 -3.892,6
0,0
-0,3
-445,4
-0,5
0,0
-799,0
-5.137,8
Kostenbeiträge per 31.12.2021
-
3.843,2
0,0
-
0,
4
-
433,3
-
0,4
0,0
-
909,6
-
5.186,9
Buchwert nach Kostenbeiträgen
per 01.01.2021
15.556,6
78,1
132,3
3.982,7
35,1
0,7
5.107,6
24.893,2
Buchwert nach Kostenbeiträgen
per 31.12.2021
16.054,6
72,4
126,3
4.023,7
33,2
0,2
6.168,3
26.478,8
Unter „Nutzungsrechte übrige Sachanlagen” werden am Bilanzstichtag im Wesentlichen Nutzungsrechte aus geleastem
Fahrpark, aus technischen Anlagen und Maschinen und geleaste andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung,
welche gemeinsam dargestellt werden, ausgewiesen.
Die Zugänge der Nutzungsrechte Grundstücke und Bauten betreffen in Höhe von rd. 164,7 Mio. EUR die Anmietung einer
Immobile in der Lassallestraße. Die Abgänge betreffen in Höhe von rd. 106,0 Mio. EUR Sub-Leasing-Verträge mit
verbundenen Unternehmen des übrigen ÖBB-Konzerns für diese Immobilie, die als Finanzierungsleasing klassifiziert
wurden.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern erhielt nicht rückzahlbare Investitionszuschüsse für Sachanlagen, die
anschaffungskostenmindernd dargestellt werden. Sowohl die Abschreibung bezuschusster Vermögenswerte als auch die
Auflösung der Kostenbeiträge werden ergebniswirksam unter dem Posten „Abschreibungen” ausgewiesen.
Die Zugänge im Geschäftsjahr 2022 exklusive Nutzungsrechte betragen rd. 2.878,7 Mio. EUR (Vj: rd. 2.733,7 Mio. EUR)
und betreffen im Wesentlichen Rahmenplanprojekte und Investitionen in die Südstrecke, Investitionen in Bahnhofsum-
und -neubauten, Ausbauarbeiten im Großraum Wien und Investitionen in den Ausbau der Weststrecke. Dabei handelt es
sich hauptsächlich um Bauten, technische Anlagen und Maschinen sowie Anlagen in Bau.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
38
Bei den Umbuchungen handelt es sich einerseits um die aus dem Posten „Anlagen in Bau” auf die spezifischen
Anlagenkonten umgebuchten Werte für fertiggestellte Anlagen des Sachanlagevermögens und der immateriellen
Vermögenswerte und andererseits um von oder zu den Bilanzposten „Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte”
(Erläuterung 19) sowie von oder zu den „Vorräten” (Erläuterung 21) umgegliederte Werte. Zu den Angaben zu
Schätzungsänderungen wird auf Erläuterung 3 unter „Einschätzungen der Nutzungsdauern der Sachanlagen und
immateriellen Vermögenswerte” verwiesen.
Im Geschäftsjahr aktivierte der ÖBB-Infrastruktur-Konzern gemäß den Regelungen des IAS 23 Zinsen auf
Herstellungskosten qualifizierter Vermögenswerte in Höhe von rd. 110,8 Mio. EUR (Vj: rd. 108,1 Mio. EUR). Der zugrunde
liegende Fremdkapitalzinssatz beträgt rd. 2,0% (Vj: 2,3%). Von den Bundeszuschüssen wurde ein Betrag von
rd. 104,2 Mio. EUR (Vj: rd. 103,6 Mio. EUR) als Kostenbeitrag für aktivierte Zinsen erfasst.
Per 31.12.2022 betrugen die vertraglichen Verpflichtungen für den Erwerb von Sachanlagen (Bestellobligo)
rd. 2.115,8 Mio. EUR (Vj: rd. 2.531,1 Mio. EUR).
Anlagen des Fahrparks und sonstige technische Anlagen und Maschinen dienen in Höhe von rd. 44,6 Mio. EUR
(Vj: rd. 50,9 Mio. EUR) als Besicherung für EUROFIMA-Darlehen.
Verluste aus dem Abgang von Sachanlagen sind in Höhe von rd. 21,3 Mio. EUR angefallen (Vj: rd. 32,5 Mio. EUR), wobei
sich diese aus der Verschrottung und dem Abbruch von Vermögenswerten und dem Verkauf von Fahrzeugen und sonstiger
Betriebsausstattung sowie Abtretungen ins öffentliche Gut ergaben. Die Erträge aus dem Abgang von Sachanlagen
betragen rd. 41,3 Mio. EUR (Vj: rd. 52,6 Mio. EUR) und betreffen insbesondere Liegenschaftsverkäufe. In den
Berichtsjahren wurden Entschädigungsbeiträge in Höhe von rd. 0,1 Mio. EUR (Vj: rd. 0,1 Mio. EUR) vereinnahmt.
Kostenbeiträge von Dritten
Die Entwicklung der Kostenbeiträge ist aus den Anlagenspiegeln ersichtlich. Die wesentlichen Kostenbeitragsgeber sind
die Republik Österreich, die ehemalige Eisenbahn-Hochleistungsstrecken AG und die Schieneninfrastrukturfinanzierungs
GmbH.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
39
15.
Immaterielle Vermögenswerte
Die Gliederung der immateriellen Vermögenswerte und die Veränderungen im Geschäftsjahr sind aus dem folgenden
Anlagenspiegel ersichtlich.
in Mio. EUR
Konzessionen,
Schutzrechte,
Lizenzen sowie
Entwicklungs-
kosten
Kostenbeiträge an
Dritte
Immaterielle
Vermögenswerte
in Entwicklung
Summe
Anschaffungs- und Herstellungskosten 2022
Anschaffungs
-
/Herstellungskosten Stand 01.01.2022
219,6
1.544,5
97,4
1.861,5
Zugänge
11,5
123,8
75,8
211,2
Abgänge -2,2
0,0
-0,3
-2,4
Umbuchungen
6,7
25,5
-
32,2
0,1
Anschaffungs-/Herstellungskosten Stand 31.12.2022 235,6
1.693,8
140,8
2.070,2
Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01.2022 -159,8
-296,6
0,0
-456,4
Abschreibungen
-
17,5
-
25,1
0,0
-
42,5
A
bgänge
2,1
0,0
0,0
2,1
Umbuchungen
0,3
-
0,7
0,0
-
0,4
Kumulierte Abschreibungen Stand 31.12.2022
-
174,9
-
322,4
0,0
-
497,3
Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 01.01.2022
59,8
1.247,9
97,4
1.405,1
Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 31.12.2022
60,7
1.371,4
140,8
1.573,0
Kostenbeiträge 2022
Stand 01.01.2022
-
35,6
-
686,8
0,0
-
722,4
Zugänge -1,8
-75,6
0,0
-77,4
Abgänge
0,1
0,0
0,0
0,0
Umbuchungen
2,1
-
3,5
0,0
-
1,4
Stand 31.12.2022
-
35,3
-
765,9
0,0
-
801,2
Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01.2022 27,0
108,8
0,0
135,8
Abschreibungen
1,7
3,7
0,0
5,4
Abgänge -0,1
0,0
0,0
-0,1
Umbuchungen
0,0
0,7
0,0
0,7
Kumulierte Abschreibungen Stand 31.12.2022 28,6
113,2
0,0
141,8
Kostenbeiträge per 01.01.2022
-
8,6
-
57
8,0
0,0
-
586,6
Kostenbeiträge per 31.12.2022
-
6,7
-
652,7
0,0
-
659,4
Buchwerte nach Kostenbeiträgen per 01.01.2022
51,2
669,9
97,4
818,5
Buchwerte nach Kostenbeiträgen per 31.12.2022
54,0
718,8
140,8
913,6
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
40
in Mio. EUR
Konzessionen,
Schutzrechte,
Lizenzen sowie
Entwicklungs-
kosten
Kostenbeiträge
an Dritte
Immaterielle
Vermögenswerte in
Entwicklung
Summe
Anschaffungs- und Herstellungskosten 2021
Anschaffungs
-
/Herstellungskosten Stand 01.01.2021
204,7
1.489,7
55,6
1.750,0
Zugänge
9,1
44,2
61,2
114,5
Abgänge -2,7
-0,3
-1,0
-4,0
Umbuchungen
8,5
10,9
-
18,4
1,0
Anschaffungs-/Herstellungskosten Stand 31.12.2021 219,6
1.544,5
97,4
1.861,5
Kumulierte Abschreibungen Stand 01.01.2021 -144,5
-272,3
0,0
-416,8
Abschre
ibungen
-
17,9
-
24,5
0,0
-
42,4
Abgänge
2,6
0,2
0,0
2,8
Kumulierte Abschreibungen Stand 31.12.2021
-
159,8
-
296,6
0,0
-
456,4
Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 01.01.2021
60,2
1.217,4
55,6
1.333,2
Buchwerte vor Kostenbeiträgen per 31.12.2021
59,
8
1.247,9
97,4
1.405,1
Kostenbeiträge 2021
Stand 01.01.2021 -33,0
-640,9
0,0
-673,9
Zugänge
-
2,7
-
45,6
0,0
-
48,3
Abgänge 0,0
0,0
0,0
0,0
Umbuchungen
0,1
-
0,3
0,0
-
0,2
Stand 31.12.2021 -35,6
-686,8
0,0
-722,4
Kumulierte
Abschreibungen Stand 01.01.2021
25,3
105,2
0,0
130,5
Abschreibungen 1,7
3,6
0,0
5,3
Kumulierte Abschreibungen Stand 31.12.2021
27,0
108,8
0,0
135,8
Kostenbeiträge per 01.01.2021
-
7,7
-
535,7
0,0
-
543,4
Kostenbeiträge per 31.12.2021 -8,6
-578,0
0,0
-586,6
Buchwerte nach Kostenbeiträgen per 01.01.2021 52,5
681,7
55,6
789,8
Buchwerte nach Kostenbeiträgen per 31.12.2021
51,2
669,9
97,4
818,5
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern erhielt nicht rückzahlbare Investitionszuschüsse für immaterielle Vermögenswerte, die
anschaffungskostenmindernd dargestellt werden. Sowohl die Abschreibung dieser Vermögenswerte als auch die
Auflösung sämtlicher Kostenbeiträge werden ergebniswirksam unter dem Posten „Abschreibungen” ausgewiesen. Die
durchschnittliche Restnutzungsdauer von Kostenbeiträgen an Dritte beträgt etwa 33,7 Jahre (Vj: 32,1 Jahre).
Bei den immateriellen Vermögenswerten in Entwicklung handelt es sich um zugekaufte immaterielle Vermögenswerte, die
aber noch nicht fertig gestellt waren und noch nicht genutzt werden.
Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung betragen rd. 4,1 Mio. EUR (Vj: rd. 4,4 Mio. EUR). Im Geschäftsjahr
wurden Aufwendungen über rd. 0,8 Mio. EUR (Vj: rd. 0,6 Mio. EUR) als Entwicklungskosten im Anlagevermögen unter
der Position „Konzessionen, Schutzrechte, Lizenzen und Entwicklungskosten” aktiviert.
Die Zugänge in der Position „Kostenbeiträge an Dritte” resultieren im Wesentlichen aus geleisteten Kostenbeiträgen an
die Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
41
16.
Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien
Es werden dieser Kategorie nur Immobilien zugeordnet, die nicht als Eisenbahnvermögen (§ 10a Eisenbahngesetz)
qualifiziert und daher frei an Dritte vermietet werden oder veräußerbar sind. Im Wesentlichen werden daher Immobilien
zu Vermietungszwecken sowie Baurechte unter den als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien ausgewiesen. Die
Nutzungsdauer dieser Immobilien entspricht den Nutzungsdauern jener Immobilien, die unter den Sachanlagen
ausgewiesen werden.
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Anschaffungs- und Herstellungskosten
Stand 01.01.
367,7
344,6
Zugänge
20,4
13,6
Zugänge aufgrund Übertragung aus dem Bestand der Vorräte
0,0
11,1
Zugänge zu Anschaffungskosten aus nachträglichen Anschaffungen
16,3
3,1
Abgänge zu Anschaffungskosten -7,4
-7,2
Umbuchungen aus/zu Sachanlagen
11,8
2,5
Stand 31.12. 408,8
367,7
Kumulierte Abschreibungen
Stand 01.01.
-
176,0
-
178,3
Abschreibungen
-
4,1
-
4,1
Wertminderungen
-
0,5
0,0
Abgänge
6,7
6,4
S
tand 31.12.
-
174,0
-
176,0
Nettobuchwert Stand 01.01. 191,7
166,2
Nettobuchwert Stand 31.12.
234,8
191,7
Wenn als Finanzinvestition gehaltene Immobilien vermietet werden, erfolgt dies im Rahmen von operativen
Leasingverhältnissen. Die daraus resultierenden Mieterträge beliefen sich ohne Betriebskosten auf rd. 20,4 Mio. EUR
(Vj: rd. 20,0 Mio. EUR), denen direkt zurechenbare Aufwendungen (einschließlich Reparaturen und Instandhaltungen,
allerdings ohne Betriebskosten) in Höhe von rd. 5,1 Mio. EUR (Vj: rd. 6,2 Mio. EUR) gegenüberstehen. Darüber hinaus
fielen betriebliche Aufwendungen in der Höhe von rd. 0,0 Mio. EUR (Vj: rd. 0,4 Mio. EUR) an, denen keine Mieteinnahmen
gegenüberstehen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist keine Verträge für die Instandhaltung seiner als Finanzinvestitionen
gehaltenen Immobilien eingegangen, die zu einer diesbezüglichen Verpflichtung führen.
Der beizulegende Zeitwert beträgt rd. 1.060,0 Mio. EUR (Vj: rd. 844,8 Mio. EUR). Für 79% (Vj: 80%) der Immobilien
erfolgt die Bewertung mithilfe externer Gutachten, welche nicht ausschließlich auf Marktdaten beruhen und daher der
Hierarchiestufe 3 zugeordnet sind. Die beizulegenden Zeitwerte für die restlichen zu Investitionszwecken gehaltenen
Immobilien wurden von konzerninternen Expert:innen der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH mit einer Discounted
Cashflow-Berechnung auf Basis der tatsächlichen Mieten für das jeweilige Mietobjekt ermittelt. Die so ermittelten
beizulegenden Marktwerte wurden ebenso der Hierarchiestufe 3 gemäß IFRS 13 zugeordnet.
17.
Nach der Equity-Methode bilanzierte Unternehmen
Beteiligungen, die nach der Equity-Methode bilanziert werden, umfassen in beiden Berichtsjahren Anteile an einem
Gemeinschaftsunternehmen und an zwei (Vj: drei) assoziierten Unternehmen.
Eigentumsanteil in %
Name und Sitz des Gemeinschaftsunternehmens
31.12.2022
31.12.2021
Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE, I-39100 Bozen 50,0
50,0
Eigentumsanteil in %
Name und Sitz des assoziierten Unternehmens
31.12.2022
31.12.2021
LCA Logistik Center Austria Süd GmbH, A
-
9586 Fürnitz
50,0
50,0
Weichenwerk Wörth GmbH, A
-
3151 St. Georgen am Steinfeld
43,1
43,1
Breitspur Planungsgesellschaft mbH in Liqu., A
-
1010 Wien
Entkonsolidierung
27,7
Eine Zusammenfassung der Finanzinformationen für die nach der Equity-Methode bilanzierten Unternehmen, an denen die
ÖBB-Infrastruktur AG zum Bilanzstichtag beteiligt ist, wird in den folgenden Tabellen dargestellt. Die Tabelle zeigt auch eine
Überleitung der zusammengefassten Finanzinformationen auf den Buchwert des Anteils des Konzerns. Die Werte der
Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE sind vorläufig und an die Rechnungslegungsmethode im Konzern
angepasst.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
42
Galleria di Base del Brennero –
Brenner Basistunnel BBT SE
übrige assoziierte Unternehmen
aufsummiert
in Mio. EUR
31.12.2022
31.12.2021
31.12.2022
31.12.2021
Umsatzerlöse
0,0
0,0
47,7
46,7
Planmäßige Abschreibungen -0,7
-0,7
-1,0
-1,0
Zinserträge
0,1
0,1
0,0
0
Zinsaufwendungen -0,0 *)
-0,0 *)
-0,0 *)
-0,0 *)
Ertragsteueraufwand
0,0 *)
0,0 *)
0,0 *)
0,0 *)
Jahresüberschuss aus fortgeführten
Geschäftsbereichen
0,0
0,0
1,9
0,8
Gesamtergebnis
0,0
0,0
2,6
-
11,7
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente
107,6
143,5
2,4
3,9
Sonstige kurzfristige Vermögenswerte
223,9
118,3
15,2
15,8
Langfristige Vermögenswerte 12,6
12,8
22,8
22,3
Kurzfristige Schulden
261,1
168,7
13,1
13,4
Langfristige Schulden 1,9
24,8
4,3
4,4
Nettovermögen 100%
81,1
81,1
23,0
24,2
Anteil des Konzerns am Nettovermögen per 01.01.
40,6
40,6
9,9
12,5
Gesamtergebnis, das dem Konzern zuzurechnen ist
0,0
0,0
1,5
0,4
Abwertung Anteile 0,0
0,0
-0,3
0,0
Abgang Anteile
0,0
0,0
-
0,6
0,0
vom assoziierten Unternehmen erhaltene Dividenden 0,0
0,0
-1,7
-3,1
Buchwert des Anteils per 31.12.
40,6
40,6
8,9
9,9
*) Kleinstbetrag.
Die Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE (fortan BBT SE) ist die einzige gemeinsame Vereinbarung des
Konzerns. Die BBT SE ist eine eigenständige juristische Person. Der Konzern hat einen Residualanspruch am Nettovermögen,
dementsprechend hat der Konzern seinen Anteil als ein Gemeinschaftsunternehmen eingestuft. Der Zweck und die Aufgabe
der Gesellschaft BBT SE sind Planung und Bau des Brenner Basistunnels. Das Gesamtprojekt umfasst den Bau des
Eisenbahntunnels zwischen Tulfes/Innsbruck und Franzensfeste mit den Haupt-, Erkundungs- und den Zufahrtstunneln,
Multifunktionsstellen, technischen Anlagen, der Betriebsleitzentrale, den erforderlichen Deponien und den Brücken und
Stellen, die für die Durchführung der Bauarbeiten erforderlich sind, sowie die Inbetriebnahme des Tunnels. Gemäß den
Bestimmungen des Staatsvertrags vom 30.04.2004 ist das Gesellschaftskapital der BBT SE zu jeweils 50% zwischen Italien
und Österreich aufgeteilt. Auf österreichischer Seite sind die 50% zur Gänze im Besitz der ÖBB-Infrastruktur AG. Die 50%
des italienischen Teils sind zur Gänze im Besitz der TFB Societá di Partecipazioni S.p.A. Die ÖBB-Infrastruktur AG hat sich
verpflichtet, den Bau des Brenner Basistunnels zu 50% zu finanzieren und erhält dafür vom Bund einen 100%igen Zuschuss
als Kostenbeitrag. Gemäß Vereinbarungen zwischen Italien und Österreich haben sich die beiden Länder bereit erklärt,
zusätzliche Beiträge im Verhältnis ihrer Anteile zu leisten, um etwaige Verluste bei Bedarf auszugleichen.
Die BBT SE weist in ihrem vorläufigen Jahresabschluss neben den oben angeführten Werten Gesamterträge (sonstige
betriebliche Erträge) in Höhe von rd. 24,4 Mio. EUR (Vj: rd. 23,3 Mio. EUR) und Gesamtaufwendungen in Höhe von
rd. 24,8 Mio. EUR (Vj: rd. 23,4 Mio. EUR) aus. An die BBT SE wurden rd. 100,0 Mio. EUR (Vj: rd. 30,0 Mio. EUR) als
geleistete Kostenbeiträge gezahlt. Die vertraglich mit dem Land Tirol im Zuge des Anteilserwerbs vereinbarten
Refundierungen, sowie die vom Bund geleisteten Zahlungen in Zusammenhang mit der Querfinanzierung Straße beliefen
sich auf rd. 69,7 Mio. EUR (Vj: rd. 36,0 Mio. EUR).
Der Bilanzstichtag der Weichenwerk Wörth GmbH ist der 31.03. Die Gesellschaft wird auf Grundlage eines
Zwischenabschlusses per 31.12. einbezogen. Die Geschäftstätigkeit der Weichenwerk Wörth GmbH umfasst die Erzeugung
und das Recycling von Weichen und Komponenten, von Prellböcken, Isolierstößen sowie die Logistik und den Transport der
erzeugten Produkte sowie Servicetätigkeiten an Weichen.
Das Unternehmen Breitspur Planungsgesellschaft mbH in Liqu. befindet sich in Liquidation, womit zum 31.12.2022 kein
maßgeblicher Einfluss auf dieses Unternehmen mehr vorliegt und daher auch keine Erfassung nach der Equity-Methode
erfolgte. Unternehmensgegenstand der Gesellschaft war die Planung der Weiterführung der 1520-Millimeter-Breitspur-
Schieneninfrastruktur von der Grenze der Ukraine durch die Slowakei nach und in Österreich. Im Jänner 2021 kam es zu
einer Erhöhung der Anteile um 2,74 % auf 27,74%, nachdem nicht alle Eigentümer im gleichen Ausmaß bei einer
Kapitalerhöhung teilgenommen haben.
Unternehmensgegenstand der LCA Logistik Center Austria Süd GmbH ist die Standortentwicklung eines Dry Ports
(Außenstelle des Hafens Triest) in Fürnitz, Kärnten. Der anteilige Verlust wurde zur Gänze in der Equity-Bewertung
berücksichtigt und durch Gesellschafterzuschüsse im Eigenkapital abgedeckt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
43
18.
Sonstige finanzielle Vermögenswerte
2022
in Mio. EUR
kurzfristig
langfristig
Gesamt
Beteiligungen 0,0
1,5
1,5
Finanzielle Vermögenswerte – Leasing
4,3
109,1
113,4
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 4,3
109,1
113,4
Übrige
finanzielle Vermögenswerte
411,1
190,4
601,5
Gesamt 415,4
301,0
716,4
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
4,3
109,2
113,5
davon zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet
6,6
189,6
196,2
2021
in Mio. EUR
kurzfristig
langfristig
Gesamt
Beteiligungen
0,0
0,8
0,8
Finanzielle Vermögenswerte – Leasing 0,0
27,0
27,0
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
0,0
6,6
6,6
Übrige finanzielle Vermögenswerte 392,4
164,5
556,9
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
1,9
0,0
1,9
Gesamt 392,4
192,3
584,7
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
1,9
6,6
8,5
davon zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet
4,5
100,6
105,1
Finanzielle Vermögenswerte – Leasing
Im Geschäftsjahr 2022 sind Finanzierungsleasingforderungen aus dem Sub-Lease-Vertrag mit Gesellschaften des übrigen
ÖBB-Konzerns zur Immobilie in der Lassallestraße in Höhe von rd. 106,0 Mio. EUR enthalten.
Im Berichtsjahr wurde die letzte Cross-Border-Leasing-Transaktionen (CBL) aufgelöst. In diesem Zusammenhang werden
per 31.12.2022 lediglich Forderungen aus weiterverrechneten Ansprüchen gegenüber anderen Gesellschaften des
ÖBB-Konzerns resultierend aus der Beendigung von Leasingtransaktionen im Ausmaß von rd. 7,5 Mio. EUR
(Vj: rd. 6,6 Mio. EUR) ausgewiesen. Im vorhergehenden Berichtsjahr betrafen die finanziellen Vermögenswerte im
Zusammenhang mit Leasing mit rd. 20,4 Mio. EUR Vermögenswerte aus Cross-Border-Leasing-Transaktionen (CBL) für die
Verfügungsbeschränkungen bestanden haben.
Übrige finanzielle Vermögenswerte
Des Weiteren wurden übrige finanzielle Vermögenswerte von rd. 0,0 Mio. EUR (Vj: 24,2 Mio. EUR) zur Besicherung von
Leasingverbindlichkeiten verpfändet. Nähere Angaben zu den Leasing- und CBL-Geschäften sind unter den Erläuterungen
30.1 und 30.3 enthalten. Außerdem sind Derivate im Zusammenhang mit Stromgeschäften im Ausmaß von
rd. 223,1 Mio. EUR (Vj: rd. 194,5 Mio. EUR), welche in keiner Hedge-Beziehung stehen, und über rd. 295,7 Mio. EUR
(Vj: rd. 284,3 Mio. EUR), welche in einer Hedge-Beziehung stehen sowie verbliebene Depots aus aufgelösten
CBL-Transaktionen über rd. 81,7 Mio. EUR (Vj: rd. 51,5 Mio. EUR) enthalten.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
44
Wertberichtigungen
Die folgende Tabelle zeigt eine Zusammenfassung des Ausfallrisikos für die finanziellen Vermögenswerte.
Finanzielle Vermögenswerte zum 31.12.2022
bewertet zu fortgeführten Anschaffungskosten
in Mio. EUR
Kreditrating *)
Brutto-Buchwert
Wertberichtigung
(Erwarteter 12-Monats-
Kreditverlust)
Netto-
Buchwert
Einstufung „geringes Risiko” AAA bis A
139,3
0,0
**)
139,3
Einstufung
„
mittleres Risiko
”
BBB bis B
56,9
0,0
**)
56,8
Einstufung
„
zweifelhaft
”
CCC bis C
0,0
0,0
0,0
Einstufung „Verlust” D
0,0
0,0
0,0
Gesamtexposure
196,2
0,0
196,2
*) Entspricht der Einstufung bei einer externen Ratingagentur (Standard & Poor’s).
**) Kleinstbetrag.
Finanzielle Vermögenswerte zum 31.12.2021
bewertet zu fortgeführten Anschaffungskosten
in Mio. EUR
Kreditrating *)
Brutto-Buchwert
Wertberichtigung
(Erwarteter 12-Monats-
Kreditverlust)
Netto-
Buchwert
Einstufung
„
geringes Risiko
”
AAA bis A
55,2
0,0
**)
55,2
Einstufung
„
mittleres Risiko
”
BBB bis B
49,9
0,0
**)
49,9
Einstufung „zweifelhaft” CCC bis C
0,0
0,0
0,0
Einstufung
„
Verlust
”
D
0,0
0,0
0,0
Gesamtexposure
105,1
0,0
105,1
*) Entspricht der Einstufung bei einer externen Ratingagentur (Standard & Poor’s).
**) Kleinstbetrag.
Die Wertberichtigung und die Bruttowerte für finanzielle Vermögenswerte bewertet zu fortgeführten Anschaffungskosten
sind wie folgt:
Ausfallrisiko von finanziellen Vermögenswerten bewertet zu fortgeführten Anschaffungskosten zum
31.12.
in Mio. EUR
2022
2021
Bruttobuchwert
196,2
105,1
Wertberichtigung
0,0
*)
0,0
davon erwarteter 12-Monats-Kreditverlust 0,0
*)
0,0
Buchwert
196,2
105,1
*) Kleinstbetrag.
19.
Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte und zur Veräußerung gehaltene Schulden
Der Bilanzposten der zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerte stellt sich folgendermaßen dar:
2022
2021
Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Stand 01.01.
35,6
0,1
Zugänge (Veräußerungsgruppe) 0,0
35,5
Abgänge durch Veräußerung
-
35,5
0,0
Stand 31.12. 0,1
35,6
davon zu fortgeführten Anschaffungskosten ausgewiesen
0,1
35,6
Bei Zugängen der Veräußerungsgruppe im Geschäftsjahr 2021 handelte es sich um die Vermögenswerte des
Tochterunternehmens Güterterminal Werndorf Projekt GmbH. Es wurden sämtliche Anteile (100%) mit Vertrag vom
25.02.2022 an die Steirische Infrastruktur- Beteiligungs GmbH und an die Cargo-Center-Graz Betriebsgesellschaft m.b.H.
verkauft. Das Closing erfolgte am 28.03.2022.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
45
Die Vermögenswerte und Schulden der zur Veräußerung gehaltenen Vermögensgruppe zum 31.12.2021 gliederte sich
wie folgt:
2021
Aufschlüsselung der Vermögenswerte und Schulden der zur Veräußerung gehaltenen Vermögensgruppe
in TEUR
Sachanlagen 34.519,7
Immaterielle Anlagen
52,5
Latente Steueransprüche
364,7
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 562,6
Sonstige Forderungen
13,1
Vermögenswerte im Zusammenhang mit der zur Veräußerung gehaltenen Vermögensgruppe
35.512,6
Finanzverbindlichkeiten
24.930,5
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
155,0
Sonstige Verbindlichkeiten
11,9
Schulden im Zusammenhang mit der zur Veräußerung gehaltenen Vermögensgruppe
25.097,4
Der Kaufpreis sowie die vom Erwerber übernommenen Verbindlichkeiten gegenüber der ÖBB-Infrastruktur AG übersteigen
das übertragene Nettovermögen. Bei den übrigen zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerten mit einem Wert von
rd. 0,1 Mio. EUR (Vj: rd. 0,1 Mio. EUR) handelt es sich um Grundstücke und Bauten. Die Verträge wurden bereits
abgeschlossen, der wirtschaftliche Übergang erfolgt aber erst 2023. Nach dem Bilanzstichtag per 31.12.2022 wurden
keine wesentlichen Vermögenswerte zum Verkauf bestimmt.
Die beizulegenden Zeitwerte entsprechen den vereinbarten Kaufpreisen oder den erwarteten Verhandlungsergebnissen
mit den Vertragspartnern, womit die Zuordnung des beizulegenden Werts zur Hierarchiestufe 3 gemäß IFRS 13 erfolgt.
Ein Ausweis unter zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte erfolgt nur dann, wenn entsprechende
Aufsichtsratsbeschlüsse vorliegen und mit der Veräußerung im folgenden Geschäftsjahr höchstwahrscheinlich zu rechnen
ist.
Die für 2023 zu erwartenden Erlöse für zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte liegen alle über den aktuellen
Buchwerten der Vermögenswerte. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat im Berichtsjahr Gewinne aus der Veräußerung von
der zur Veräußerung gehaltenen Vermögensgruppe in Höhe von rd. 2,4 Mio. EUR und aus den übrigen zur Veräußerung
gehaltenen Vermögenswerten in Höhe von rd. 2,9 Mio. EUR (Vj: rd. 3,9 Mio. EUR) erfasst, die gemeinsam mit dem
Ergebnis aus der Veräußerung von übrigen Anlagen in den sonstigen betrieblichen Erträgen ausgewiesen werden.
Bei den übrigen zur Veräußerung gehaltenen Schulden in Höhe von rd. 6,4 Mio. EUR handelt es sich um eine Rückstellung
für einen Kostenbeitrag, den die ÖBB-Infrastruktur AG an den Erwerber einer Bahnstrecke leisten wird, da der Erwerber
auch die Stilllegungsverpflichtung übernimmt. Dieser Betrag wird zum Buchwert ausgewiesen.
20.
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen
Dieser Posten gliedert sich wie folgt:
31.12.2022
in Mio. EUR
kurzfristig
langfristig
Gesamt
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 189,8
0,0
189,8
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 54,7
0,0
54,7
davon Vertragsvermögen
swerte (Fertigungsaufträge)
22,9
0,0
22,9
Sonstige Forderungen und Vermögenswerte
351,2
77,6
428,8
davon Finanzinstrumente 74,9
0,6
75,5
Gesamt 541,0
77,6
618,6
31.12.2021
in Mio. EUR
kurzfristig
langfristig
Gesamt
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 173,6
0,0
173,6
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
66,3
0,0
66,3
davon Vertragsvermögenswerte (Fertigungsaufträge) 18,7
0,0
18,7
Sonstige Forderungen und Vermögenswerte
283,3
89,3
372,6
davon Finanzinstrumente 42,2
0,2
42,4
Gesamt
456,9
89,3
546,2
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
46
Die Buchwerte der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstigen Forderungen (soweit es sich um
Finanzinstrumente handelt) entsprechen aufgrund der kurzen Laufzeit annähernd dem beizulegenden Zeitwert. In den
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind in der Höhe von rd. 2,7 Mio. EUR (Vj: rd. 2,6 Mio. EUR) Forderungen
mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr enthalten.
In den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werden Vertragsvermögenswerte in Höhe von rd. 16,0 Mio. EUR
(Vj: rd. 12,5 Mio. EUR) im Zusammenhang mit Leistungen für Dritte erfasst, bei denen die Leistungserstellung noch nicht
abgeschlossen ist.
Bei den sonstigen Forderungen und Vermögenswerten handelt es sich vor allem um vorausbezahlte Haftungsentgelte an
den Bund von rd. 78,8 Mio. EUR (Vj: rd. 91,5 Mio. EUR), Vorsteuer auf Anzahlungsrechnungen über rd. 53,2 Mio. EUR
(Vj: rd. 40,9 Mio. EUR), Vorsteuerguthaben aus den Voranmeldungszeiträumen November und Dezember in Höhe von
rd. 165,5 Mio. EUR (Vj: rd. 141,0 Mio. EUR), die im Dezember ausbezahlten Gehälter für Jänner in der Höhe von
rd. 30,0 Mio. EUR (Vj: rd. 30,5 Mio. EUR) sowie Forderungen aus Kostenbeiträgen von rd. 23,1 Mio. EUR
(Vj: rd. 12,4 Mio. EUR) und Grundstücksverkäufen von rd. 28,8 Mio. EUR (Vj: rd. 14,4 Mio. EUR).
Die Wertberichtigungen entwickelten sich wie folgt:
Forderungen aus
Lieferung u. Leistungen
Sonstige Forderungen
in Mio. EUR
2022
2021
2022
2021
Stand 01.01. 20,0
20,1
0,4
0,4
Verbrauch
-
2,4
-
0,7
0,0
0,0
Nettoneubewertung der Wertberichtigungen
-
0,9
0,5
0,0
0,0
Stand 31.12. 16,9
20,0
0,4
0,4
Eine Zusammenfassung des Ausfallrisikos für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige Forderungen
zeigt die folgende Tabelle:
Ausfallsrisiko
in Mio. EUR
2022
2021
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 206,7
193,6
Sonstige Forderungen
75,9
42,8
Gesamter Bruttobuchwert Forderungen 282,6
236,4
abzüglich Wertminderung
17,2
20,2
Buchwert 265,4
216,1
Die nachfolgende Tabelle enthält Informationen über das Ausfallrisiko und die erwarteten Kreditverluste aus Lieferungen
und Leistungen:
31.12.2022
Analyse des Ausfallsrisikos nach
Fälligkeit der Forderungen aus
L+L
in Mio. EUR
Brutto-Buchwert
(vor Abzug von
Wertberichtigung)
Einzelwert-
berichtigung
Brutto-
Buchwert nach
EWB
Pauschale Einzelwert-
berichtigung (IFRS 9)
in %
Netto-
Buchwert
nicht überfällig 177,4
0,1
177,2
1,1
0,6%
176,1
bis 90 Tage überfällig
9,3
0,0
9,3
0,4
3,9%
8,9
90 bis 180 Tage überfällig 1,5
0,4
1,2
0,3
25,7%
0,9
180 bis 360 Tage überfällig
2,5
0,8
1,7
1,1
65,1%
0,6
über 360 T
age überfällig
16,0
11,7
4,3
0,9
21,8%
3,3
Gesamtexposure
206,7
13,1
193,6
3,8
2,0%
189,8
31.12.2021
Analyse des Ausfallsrisikos nach
Fälligkeit der Forderungen aus
L+L
in Mio. EUR
Brutto-Buchwert
(vor Abzug von
Wertberichtigung)
Einzelwert-
berichtigung
Brutto-
Buchwert nach
EWB
Pauschale Einzelwert-
berichtigung (IFRS 9)
in %
Netto-
Buchwert
nicht überfällig
157,9
0,7
157,2
0,3
0,2%
156,9
bis 90 Tage überfällig
5,5
0,3
5,1
0,3
5,2%
4,9
90 bis 180 Tage überfällig
1,1
0,3
0,8
0,2
32,4%
0,5
180 bis 360 Tage überfällig
3,8
1,0
2,8
1,0
35,1%
1,8
über 360 Tage überfällig 25,3
14,7
10,6
1,1
10,3%
9,5
Gesamtexposure
193,6
17,1
176,5
2,9
1,7%
173,6
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
47
Die nachfolgende Tabelle enthält Informationen über das Ausfallrisiko und die erwarteten Kreditverluste aus den sonstigen
Forderungen:
31.12.2022
Analyse des Ausfallrisikos der
sonstigen Forderungen
in Mio. EUR
Kreditrating *)
Brutto-Buchwert (vor Abzug von
Wertberichtigung)
Wertberichtigung
in %
Netto-Buchwert
Einstufung „geringes Risiko” AAA bis A
72,0
0,0
**)
0,0%
71,9
Einstufung
„
mittleres Risiko
”
BBB bis B
0,3
0,0
0,0%
0,3
Einstufung „zweifelhaft” CCC bis C
0,4
0,4
100%
0,0
Einstufung
„
Verlust
”
D
0,0
0,0
0%
0,0
Gesamtexposure
72,6
0,4
0,5%
72,2
*) Entspricht der Einstufung bei einer externen Ratingagentur (Standard & Poor’s).
**) Kleinstbetrag.
*) Entspricht der Einstufung bei einer externen Ratingagentur (Standard & Poor’s).
**) Kleinstbetrag.
Weitere Angaben sind in Erläuterung 29.2.c enthalten.
21.
Vorräte
Dieser Bilanzposten stellt sich folgendermaßen dar:
31.12.2022
31.12.2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Vorräte 86,2
91,7
abzüglich Wertberichtigungen -0,8
-0,9
Gesamt
85,4
90,8
davon Verwertungsobjekte
44,2
56,4
Die Bewertung der Vorräte erfolgt zu dem niedrigeren Wert aus Anschaffungs- oder Herstellungskosten und
Nettoveräußerungswert, wobei die Anschaffungs- und Herstellungskosten nach dem gleitenden
Durchschnittspreisverfahren ermittelt werden. Der Nettoveräußerungswert wird aufgrund der bei einer normalen
Geschäftsentwicklung geschätzten Verkaufspreise abzüglich der noch anfallenden Herstellungs- und Vertriebskosten
ermittelt.
Die Vorräte umfassen Materialbestände und Ersatzteile für den Ausbau und die Instandhaltung des Schienennetzbetriebs
sowie Verwertungsobjekte. Die Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Leistungen sind aus Erläuterung 7
ersichtlich. Wertaufholungen von in der Vergangenheit auf Vorräte vorgenommenen Wertberichtigungen fanden wie im
Vorjahr nicht statt. Die Verwertungsobjekte betreffen jene Liegenschaften, die betrieblich nicht mehr genutzt und für den
späteren Verkauf entwickelt werden. Es handelt sich um ehemalige Bahnhofs- und Eisenbahnanlagen, die dem dauernden
Betrieb dienten. Betroffen sind wesentliche Projekte, wie zum Beispiel die Flächen des ehemaligen Südbahnhofs, des
Frachtenbahnhofs Wien Nord sowie den Nordwestbahnhof, die in großem Umfang entwickelt werden.
Die Wertminderungen des Berichtsjahres 2022 betragen rd. 0,8 Mio. EUR (Vj: rd. 0,9 Mio. EUR) und werden in den
Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen ausgewiesen.
Von den Verwertungsobjekten mit einem Buchwert von rd. 44,2 Mio. EUR (Vj: rd. 56,4 Mio. EUR) sind rd. 41,3 Mio. EUR
(Vj: rd. 43,6 Mio. EUR) als langfristig einzustufen.
31.12.2021
Analyse des Ausfallrisikos der
sonstigen Forderungen
in Mio. EUR
Kreditrating *)
Brutto-Buchwert (vor Abzug von
Wertberichtigung)
Wertberichtigung
in %
Netto-Buchwert
Einstufung
„
geringes Risiko
”
AAA bis A
38,2
0,0
**)
0,0%
38,2
Einstufung „mittleres Risiko” BBB bis B
0,4
0,0
0,3%
0,4
Einstufung
„
zweifelhaft
”
CCC bis C
0,4
0,4
100%
0,0
Einstufung
„
Verlust
”
D
0,0
0,0
0%
0,0
Gesamtexpo
sure
39,0
0,4
0,9%
38,6
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
48
22.
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente
Dieser Posten gliedert sich wie folgt:
31.12.2022
31.12.2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Kassenbestand
0,0
*)
0,0
*)
Guthaben bei Kreditinstituten
1,0
1,7
Kontokorrentkonto ÖBB
-
Finanzierungsservice GmbH (Konzerncleari
ng)
31,4
30,4
Gesamt
32,4
32,1
*) Kleinstbetrag.
Dieser Posten beinhaltet Veranlagungen sowie Guthaben bei Kreditinstituten, der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH sowie
Kassenbestände, die alle kurzfristig sind (Fristigkeit unter drei Monaten). Der Buchwert dieser Vermögenswerte entspricht
ihrem beizulegenden Zeitwert. Sämtliche Bestandteile der liquiden Mittel stehen zur freien Verfügung des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Nähere Angaben zum Finanzmittelfonds gemäß Geldflussrechnung werden in Erläuterung 34
gemacht.
23.
Grundkapital, Anteile nicht beherrschender Gesellschafter
Grundkapital
Das Grundkapital der ÖBB-Infrastruktur AG beträgt unverändert 500,0 Mio. EUR und ist zur Gänze einbezahlt. Das
Grundkapital ist in 100.000 Namensaktien unterteilt. Sämtliche Anteile werden von der ÖBB-Holding AG gehalten.
Anteile nicht beherrschender Gesellschafter
Dieser Posten wurde für die nicht der ÖBB-Infrastruktur AG gehörenden Anteile am Eigenkapital der jeweiligen
vollkonsolidierten Tochterunternehmen gebildet. Die Entwicklung dieses Postens wird in der Aufstellung der Veränderung
des Eigenkapitals dargestellt.
Die nachstehende Tabelle zeigt 100% der Finanzinformationen zur WS Service GmbH, jener Tochtergesellschaft des
Konzerns mit Anteilen nicht beherrschender Gesellschafter (49%).
31.12.2022
31.12.2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Langfristige Vermögenswerte
0,4
0,4
Kurzfristige Vermögenswerte 4,7
4,7
Langfristige Schulden
0,0
*)
0,0
*)
Kurzfristige Schulden
4,0
3,5
Nettovermögen 1,1
1,6
Buchwert der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter (anteilig) 0,5
0,8
Umsatzerlöse 11,5
11,2
Gewinn
0,7
1,2
Sonstiges Ergebnis
0,0
0,0
Gesamtergebnis
0,7
1,2
Nicht beherrschenden Gesellschaftern zugeordnete
r Gewinn
0,4
0,6
Nicht beherrschenden Gesellschaftern zugeordnetes sonstiges Ergebnis
0,0
0,0
Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit
1,3
1,7
Cashflow aus der Investitionstätigkeit
-
0,1
-
0,1
Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit
-
1,2
-
0,9
Nettoerhöhung (Nettoabnahme) der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente
0,0
0,7
*) Kleinstbetrag.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
49
24.
Rücklagen und erwirtschaftetes Ergebnis
Die Kapitalrücklagen betragen unverändert zum Vorjahr rd. 538,9 Mio. EUR (Vj: rd. 538,9 Mio. EUR). Diese ergeben sich
im Wesentlichen aus Umgründungsvorgängen in der Vergangenheit.
Die Cashflow-Hedge-Rücklage entwickelt sich wie folgt:
Cashflow
-
Hedge
-
Rücklage
in Mio. EUR
Entwicklung
Buchwert
darin
enthaltene
Ertragsteuern
Stand 01.01.2021
6,6
-
2,2
Änderung der beizulegenden Zeitwerte
247,7
-
82,6
Realisierung von Gewinnen und Verlusten -37,4
12,5
Stand 31.12.2021 = 01.01.2022
216,9
-
72,3
Änderung der beizulegenden Zeitwerte 196,4
-65,5
Realisierung von Gewinnen und Verlusten
-
145,8
54,8
Stand 31.12.2022 267,5
-83,0
Darüber hinaus werden versicherungsmathematische Verluste aus der Neubewertung der Abfertigungsrückstellungen in
Höhe von rd. 3,1 Mio. EUR (Vj: rd. 9,5 Mio. EUR) in der Position „Neubewertung leistungsorientierter Versorgungspläne”
ausgewiesen. Weitere Erläuterungen zum Eigenkapital finden sich in der Aufstellung der Veränderungen des Eigenkapitals.
Die im sonstigen Ergebnis enthaltenen Ertragsteuern betreffen nur die steuerpflichtigen Sachverhalte. Der im Geschäftsjahr
2022 in die Gewinn- und Verlust Rechnung umgebuchte Betrag an Ertragsteuern in Höhe von rd. 54,8 Mio. EUR enthält
rd. 4,6 Mio. EUR, die aus der Steuersatzänderung resultieren (Erläuterung 13). Die Cashflow-Hedge-Rücklage betrifft
ausschließlich Commodity-Derivate und hier ausschließlich Strom-Forwards.
25.
Finanzverbindlichkeiten
Die Finanzverbindlichkeiten setzen sich wie folgt zusammen:
2022
in Mio. EUR
bis 1 Jahr
1 bis 5 Jahre
mehr als 5 Jahre
Gesamt
Anleihen
1.000,0
3.557,2
4.326,1
8.883,3
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 9,1
575,2
3.344,0
3.928,3
Finanzverbindlichkeiten Leasing
16,1
55,8
170,1
242,0
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 0,1
0,2
0,6
0,9
Übrige Finanzverbindlichkeiten
1.807,3
1.902,0
9.940,3
13.649,6
davon gegenüber dem Bund (OeBFA) 195,0
1.787,2
9.934,2
11.916,4
davon
gegenüber verbundenen Unternehmen
1.253,2
0,0
0,0
1.253,2
Gesamt 2.832,5
6.090,2
17.780,5
26.703,3
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
1.253,3
0,2
0,6
1.254,1
2021
in Mio. EUR
bis 1 Jahr
1 bis 5 Jahre
mehr als 5 Jahre
Gesamt
Anleihen
1.498,6
4.552,4
4.326,5
10.377,5
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 14,8
378,0
3.552,9
3.945,7
Finanzverbindlichkeiten Leasing
8,6
47,5
41,4
97,5
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
0,0
0,2
0,7
0,9
Übrige Finanzverbindlichkeiten
909,0
397,2
8.802,1
10.108,3
davon gegenüber dem Bund (OeBFA)
0,0
350,0
8.736,8
9.086,8
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 541,1
0,0
0,0
541,1
Gesamt
2.431,0
5.375,1
16.722,9
24.529,0
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 541,1
0,2
0,7
542,0
Von den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten betreffen rd. 3.838,1 Mio. EUR (Vj: rd. 3.843,4 Mio. EUR)
Finanzierungen durch die Europäische Investitionsbank (EIB).
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
50
Haftungen des Bundes
Haftungen des Bundes bestehen für Anleihen mit einem Buchwert in Höhe von rd. 8.823,6 Mio. EUR
(Vj: rd. 10.322,0 Mio. EUR). Weiteres sind Verbindlichkeiten bei der EUROFIMA mit einem Buchwert in Höhe von
rd. 87,9 Mio. EUR (Vj: rd. 87,9 Mio. EUR) durch Haftungen des Bundes abgesichert.
Emittierte Anleihen
Die Anleihen mit einem Gesamtnominalwert in Höhe von rd. 8.825,0 Mio. EUR (Vj: rd. 10.325,0 Mio. EUR) gliedern sich
wie folgt:
Nominal
Währun
g
Laufzeit
ISIN
Zinssatz
100.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS0243862876
2,9900%
100.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS0244522396
2,9900%
100.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS0252697130
3,5000%
50.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS025272
1450
3,5000%
100.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS0275973278
3,4900%
80.000.000,00
EUR
2006 bis 2036
XS0275974599
3,4900%
100.000.000,00
EUR
2007 bis 2037
XS0321318163
4,0000%
100.000.000,00
EUR
2007 bis 2037
XS0324893626
4,0000%
50.000.000,00
EUR
2007
bis 2037
XS0324895670
4,0000%
100.000.000,00
EUR
2007 bis 2037
XS0328866982
4,0000%
50.000.000,00
EUR
2007 bis 2037
XS0331427905
4,0000%
50.000.000,00
EUR
2007 bis 2037
XS0336043517
3,9900%
50.000.000,00
EUR
2010 bis 2030
XS0497430172
4,2100%
70.000.0
00,00
EUR
2010 bis 2030
XS0503724642
4,2000%
100.000.000,00
EUR
2010 bis 2030
XS0512125849
3,9000%
1.500.000.000,00
EUR
2010 bis 2025
XS0520578096
3,8750%
1.000.000.000,00
EUR
2011 bis 2026
XS0691970601
3,5000%
200.000.000,00
EUR
2011 bis 2031
XS071761
4951
4,0000%
1.350.000.000,00
EUR
2012 bis 2032
XS0782697071
3,3750%
1.000.000.000,00
EUR
2013 bis 2023
XS0949964810
2,2500%
75.000.000,00
EUR
2013 bis 2033
XS0954197470
2,1250%
1.000.000.000,00
EUR
2013 bis 2033
XS0984087204
3,0000%
1.000.000.000,00
EUR
2014 bis 2024
XS1138366445
1,0000%
500.000.000,00
EUR
2014 bis 2029
XS1071747023
2,2500%
Von 2005 bis 2014 hat die ÖBB-Infrastruktur AG ein Euro-Medium-Term-Note-Programm (EMTN) aufgelegt. Die
Zahlungen hinsichtlich der unter diesem Rahmenvertrag ausgegebenen Anleihen sind von der Republik Österreich
unbedingt und unwiderruflich garantiert. Alle oben angeführten Anleihen wurden von der ÖBB-Infrastruktur AG im
Rahmen dieses Programms begeben.
2015 wurden sechs Anleihen (rd. 108,5 Mio. USD) begeben, von denen drei (Vj: drei) in Höhe von rd. 63,8 Mio. USD
(Vj: rd. 61,9 Mio. USD) mit den CUSIP-Nummern A5790#AD0 (Laufzeitende 2026), A5790#AE8 (Laufzeitende 2025) und
A5790#AF5 (Laufzeitende 2025) noch aushaften.
Finanzverbindlichkeiten Leasing
Im aktuellen Berichtsjahr wurde die letzte Cross-Border-Leasing-Transaktionen (CBL) aufgelöst, womit per 31.12.2021
letztmalig Verbindlichkeiten aus Leasing gegenüber sonstige Unternehmen, in Höhe von rd. 20,4 Mio. EUR ausgewiesen
wurden.
Die Leasingverbindlichkeiten nach IFRS 16 haben sich im Geschäftsjahr 2022 aufgrund der Anmietung einer Immobilie in
der Lassallestraße um rd. 166,6 Mio. EUR erhöht. Die Finanzverbindlichkeiten aus Leasingverhältnissen nach IFRS 16
betragen rd. 242,0 Mio. EUR (Vj: rd. 77,1 Mio. EUR). Hinsichtlich dinglich bestellter Sicherheiten wird auf Erläuterung 14
verwiesen.
Übrige Finanzverbindlichkeiten
Von den übrigen Finanzverbindlichkeiten in Höhe von rd. 13.649,6 Mio. EUR (Vj: rd. 10.108,3 Mio. EUR) betreffen mit
einem Buchwert von rd. 11.916,4 Mio. EUR (Vj: rd. 9.086,8 Mio. EUR) Verbindlichkeiten gegenüber dem Bund (OeBFA).
Von den Verbindlichkeiten gegenüber dem Bund (OeBFA) sind rd. 195,0 Mio. EUR (Vj: 0,0 Mio. EUR) kurzfristig. Es
bestehen 85 Finanzierungen mit Laufzeiten bis in das Jahr 2120.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
51
Die ÖBB-Infrastruktur AG nimmt ab dem Jahr 2017 die notwendige Finanzierung vor allem über Darlehen der Republik
Österreich in Erledigung durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) anstatt über eigene
Anleiheemissionen am Kapitalmarkt auf. Alle bestehenden Anleihen der ÖBB-Infrastruktur AG und deren Garantien durch
die Republik Österreich bleiben von dieser Erweiterung der Finanzierungsinstrumente der ÖBB-Infrastruktur AG unberührt.
Die Konditionen der langfristigen Finanzverbindlichkeiten gegenüber dem Bund (OeBFA) sind wie folgt:
Nominale Währung
Laufzeit
Nominalzinssatz
Effektivverzinsung
400.000.000,00
EUR
2017 bis 2027
0,5000%
0,5532%
50.00
0.000,00
EUR
2017 bis 2027
6,2500%
0,3983%
100.000.000,00
EUR
2017 bis 2034
2,4000%
1,0777%
200.000.000,00
EUR
2017 bis 2047
1,5000%
1,5492%
553.650.000,00
EUR
2017 bis 2086
1,5000%
1,7704%
250.000.000,00
EUR
2018 bis 2117
2,1000%
1,8725%
800.000.000,
00
EUR
2019 bis 2117
2,1000%
1,2845%
964.600.000,00
EUR
2019 bis 2029
0,5000%
-
0,2831%
250.000.000,00
EUR
2020 bis 2030
0,0000%
-
0,2148%
1.400.000.000,00
EUR
2020 bis 2040
0,0000%
-
0,0840%
100.000.000,00
EUR
2020 bis 2040
0,0000%
0,0150%
150.000.000,0
0
EUR
2020 bis 2026
0,7500%
-
0,6520%
200.000.000,00
EUR
2021 bis 2023
0,0000%
-0,6930%
182.000.000,00
EUR
2021 bis 2027
0,5000%
-
0,6150%
200.000.000,00
EUR
2021 bis 2028
0,7500%
-
0,2800%
850.000.000,00
EUR
2021 bis 2031
0,0000%
-0,1751%
1.066.000.000,
00
EUR
2021 bis 2036
0,2500%
0,3106%
200.000.000,00
EUR
2021 bis 2037
4,1500%
0,1210%
370.000.000,00
EUR
2021 bis 2051
0,7500%
0,3102%
125.000.000,00
EUR
2021 bis 2071
0,7000%
0,7786%
25.000.000,00
EUR
2021 bis 2086
1,5000%
0,7750%
280.000.000,00
EUR
2022 bis 2024
1,6500%
1,2350%
200.000.000,00
EUR
2022 bis 2026
2,0000%
2,1070%
90.000.000,00
EUR
2022 bis 2026
0,7500%
1,6620%
468.850.000,00
EUR
2022 bis 2027
0,5000%
2,1300%
785.600.000,00
EUR
2022 bis 2028
0,0000%
1,9450%
272.000.000,00
EUR
2022 bi
s 2030
0,0000%
2,1250%
250.000.000,00
EUR
2022 bis 2031
0,0000%
1,7160%
150.000.000,00
EUR
2022 bis 2032
0,9000%
2,9300%
290.000.000,00
EUR
2022 bis 2047
1,5000%
2,5500%
400.000.000,00
EUR
2022 bis 2051
0,7500%
2,4740%
60.000.000,00
EUR
2022 bis 2071
0,7
000%
2,1420%
25.000.000,00
EUR
2022 bis 2086
1,5000%
2,4660%
65.000.000,00
EUR
2022 bis 2120
0,8500%
2,3080%
11.772.700.000,00
EUR
Gesamt
Die übrigen Finanzverbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen bestehen gegenüber der
ÖBB-Finanzierungsservice GmbH und betreffen im Wesentlichen Verbindlichkeiten aus der laufenden Finanzierung im
Ausmaß von rd. 1.252,9 Mio. EUR (Vj: rd. 565,8 Mio. EUR). Diese Verbindlichkeiten sind Teil des Zahlungsmittelfonds des
Cashflows.
Die übrigen Finanzverbindlichkeiten gegenüber sonstigen Unternehmen bestehen im Wesentlichen aus
EUROFIMA-Darlehen in der Höhe von rd. 87,9 Mio. EUR (Vj: rd. 87,9 Mio. EUR), aus Zinsabgrenzungen in Höhe von
rd. 163,5 Mio. EUR (Vj: rd. 188,9 Mio. EUR) sowie aus derivativen Finanzinstrumenten in Höhe von rd. 196,8 Mio. EUR
(Vj: rd. 175,0 Mio. EUR). Von den derivativen Finanzinstrumenten betreffen Derivate mit einem Buchwert von
rd. 6,0 Mio. EUR (Vj: rd. 0,7 Mio. EUR) Hedging-Instrumente.
In beiden Geschäftsjahren hat der ÖBB-Infrastruktur-Konzern sämtliche Verpflichtungen aus den Darlehens- und
Kreditverträgen erfüllt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
52
26.
Rückstellungen
Bei der Ermittlung der Rückstellungen wurde beurteilt, ob eine Inanspruchnahme des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
wahrscheinlich ist und die voraussichtliche Höhe der Rückstellung zuverlässig geschätzt werden kann. Die Rückstellung
wird in der Höhe der wahrscheinlichen Inanspruchnahme angesetzt. Bei gleich wahrscheinlichen Szenarien wird der
aufgrund der Wahrscheinlichkeiten ermittelte Erwartungswert rückgestellt.
26.1.
Personalrückstellungen
31.12.2022
31.12.2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Gesetzliche Abfertigungen
31,8
36,9
Pensionen
0,8
1,1
Jubiläumsgelder 116,7
132,9
Gesamt 149,2
170,9
Bis auf die versicherungsmathematischen Gewinne oder Verluste aus der Rückstellung für gesetzliche Abfertigungen und
Pensionen werden sämtliche erfolgswirksamen Veränderungen der Personalrückstellungen im Personalaufwand
ausgewiesen.
Versicherungsmathematische Annahmen
Die folgende Tabelle zeigt die bei der Bewertung von Verpflichtungen aus Jubiläumsgeldzuwendungen, Abfertigungen
und Pensionen verwendeten Annahmen:
31.12.2022
31.12.2021
Abzinsungsfaktor Abfertigung
4,20%
1,30%
Abzinsungsfaktor Pension 4,20%
1,25%
Abzinsungsfaktor Jubiläum
4,10%
1,00%
Gehaltssteigerungen 5,20%
3,90%
Pensionssteigerungen
2,00%
2,00%
Fluktuation
srate Jubiläum Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung
0,00 bis 1,29%
0,00 bis 1,24%
Fluktuationsrate Jubiläum übrige Angestellte
0,00 bis 7,61%
0,00 bis 7,42%
Bei den Abfertigungs- und Jubiläumsgeldern ist der Konzern üblicherweise folgenden versicherungsmathematischen
Risiken ausgesetzt: Zinsänderungsrisiko und Gehaltsrisiko.
Zinsänderungsrisiko: Ein Rückgang des Anleihezinssatzes führt zu einer Erhöhung der Rückstellungen.
Gehaltsrisiko: Der Barwert der Rückstellungen wird auf Basis der zukünftigen Gehälter der begünstigten
Arbeitnehmer:innen ermittelt. Somit führen Gehaltserhöhungen der begünstigten Arbeitnehmer:innen zu einer Erhöhung
der Rückstellungen.
Gesetzliche Abfertigungen
Für die sich aus einzelnen dienstrechtlichen oder vertraglichen Bestimmungen ergebenden Abfertigungsansprüche jener
Dienstnehmer:innen, die nicht Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung sind, wird eine Rückstellung für Abfertigungen
eingestellt. Die Berechnung der Rückstellung erfolgt versicherungsmathematisch nach dem
Anwartschaftsbarwertverfahren (PUC-Methode), das für Bewertungen nach IAS 19 vorgeschrieben ist, und richtet sich
nach den biometrischen Rechnungsgrundlagen der Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ) 2018-P – gemischter Bestand –
Rechnungsgrundlagen für Pensionsversicherung.
Verpflichtungen aus Abfertigungen für Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis vor dem 01.01.2003 begonnen hat,
werden wie nachfolgend beschrieben durch leistungsorientierte Pläne abgedeckt. Infolge einer gesetzlichen Änderung
unterliegen Mitarbeiter:innen, deren Dienstverhältnis in Österreich nach dem 01.01.2003 begonnen hat, einem
beitragsorientierten Versorgungsplan. In diesem Zusammenhang hat der ÖBB-Infrastruktur-Konzern in den Jahren 2022
und 2021 rd. 6,4 Mio. EUR bzw. rd. 5,5 Mio. EUR in den beitragsorientierten Versorgungsplan (VBV Vorsorgekasse AG
und APK-PENSIONSKASSE AG) eingezahlt.
Bei Pensionsantritt erhalten berechtigte Mitarbeiter:innen eine Abfertigung, die – abhängig von ihrer Dienstzeit – ein
Mehrfaches ihres monatlichen Entgelts, maximal aber zwölf Monatsentgelte beträgt. Bei Beendigung des
Dienstverhältnisses werden maximal drei Monatsentgelte sofort, darüber hinausgehende Beträge verteilt über einen
Zeitraum von höchstens zehn Monaten ausgezahlt. Im Falle des Todes haben die Erbberechtigten der Mitarbeiter:innen
Anspruch auf 50% der Abfertigung.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
53
Die folgende Tabelle zeigt die Komponenten der Nettoabfertigungsaufwendungen der Periode sowie die Entwicklung der
Abfertigungsrückstellung in den beiden Berichtsjahren:
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Barwert der Verpflichtung zum 01.01. 36,9
35,9
Die
nstzeitaufwand
1,5
1,5
Zinsaufwand
0,5
0,4
Im Periodenergebnis erfasst 2,0
1,9
Versicherungsmathematische Verluste (+) / Gewinne (-) aus Änderungen demografischer Annahmen 0,0
0,0
Versicherungsmathematische Verluste (+) / Gewinne (-) aus Änderungen finanzieller Annahmen -8,2
0,0
Erfahrungsbedingte Anpassungen
2,1
0,1
Im sonstigen Ergebnis erfasst -6,1
0,1
Abfertigungszahlungen
-
1,1
-
0,8
Unternehmensverkäufe und
-
erwerbe sowie Übertritte im Konzern
0,1
-
0,2
Barwert der Verpflichtung zu
m 31.12.
31,8
36,9
Abfertigungsrückstellungen in Höhe von rd. 1,5 Mio. EUR werden in 2023, in Höhe von rd. 3,5 Mio. EUR in 2024 bis 2028
und in Höhe von rd. 26,8 Mio. EUR nach 2028 fällig. Die mittlere Restlaufzeit (Duration) beträgt 14,1 (Vj: 15,7) Jahre.
In der nachfolgenden Sensitivitätsanalyse für Abfertigungsverpflichtungen wird die Auswirkung resultierend aus
Änderungen wesentlicher versicherungsmathematischer Annahmen auf die Verpflichtungen dargestellt. Es wurde jeweils
ein wesentlicher Einflussfaktor verändert, während die übrigen Einflussgrößen konstant gehalten wurden. In der Realität
ist es jedoch eher unwahrscheinlich, dass diese Einflussgrößen nicht korrelieren. Die Ermittlung der Verpflichtung unter
Anwendung von geänderten Parametern erfolgt analog zur Ermittlung der tatsächlichen Verpflichtung nach der
Projected-Unit-Credit-Methode (PUC-Methode) gemäß IAS 19.
Eine Änderung der versicherungsmathematischen Parameter würde sich wie folgt auswirken:
Sensitivitätsanalyse der
Rückstellung für
Abfertigungen
Veränderung der
Annahme
Erhöhung des Parameters/
Veränderung DBO
Reduktion des Parameters/
Veränderung DBO
in %
2022 in Mio. EUR
2021 in Mio. EUR
2022 in Mio. EUR
2021 in Mio. EUR
Zinssatz +/-0,2
-0,9
-1,1
0,9
1,2
Bezugserhöhung
+/
-
0,2
0,8
1,1
-
0,9
-
1,1
Jubiläumsgelder
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Definitivstellung sowie bestimmte Angestellte (im Folgenden „Mitarbeiter:innen”)
haben einen Anspruch auf Jubiläumsgelder. Gemäß den gesetzlichen und vertraglichen Bestimmungen erhalten die
Berechtigten nach 25 Dienstjahren zwei Monatsgehälter und nach 40 Dienstjahren vier Monatsgehälter. Mitarbeiter:innen,
die zum Zeitpunkt des Pensionsantritts mindestens 35 Dienstjahre geleistet haben, wird ebenfalls ein anteiliges
Jubiläumsgeld von bis zu vier Monatsgehältern ausgezahlt.
Die Berechnung der Rückstellung wurde versicherungsmathematisch nach der PUC-Methode erstellt, welche für
Bewertungen nach IAS 19 vorgeschrieben ist. Sie erfolgt nach den biometrischen Rechnungsgrundlagen der
Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ) 2018-P – gemischter Bestand – Rechnungsgrundlagen für Pensionsversicherung.
Die Rückstellung wird über die Dienstzeit unter Anwendung eines Fluktuationsabschlags für Mitarbeiter:innen, die
vorzeitig aus dem Dienstverhältnis ausscheiden, gebildet. Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste werden
sofort in der Periode, in der sie anfallen, ergebniswirksam erfasst.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
54
Die folgende Tabelle zeigt die Komponenten der Jubiläumsgeldaufwendungen der Periode sowie die Entwicklung der
Jubiläumsrückstellungen in den beiden Berichtsjahren:
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Barwert der Verpflichtung zum 01.01. 132,9
136,1
Dienstzeitaufwand
6,9
6,7
Zinsaufwand
1,3
0,7
Jubiläumsgeldzahlungen -9,6
-10,7
Unternehmensverkäufe und
-
käufe sowie Übertritte im Konzern
-
0,1
-
0,4
Versicherungsmathematische Verluste (+) / Gewinne (-) -19,7
-1,5
Er
fahrungsbedingte Anpassungen
5,0
2,0
Barwert der Verpflichtung zum 31.12. 116,7
132,9
Die mittlere Restlaufzeit (Duration) beträgt 8,1 (Vj: 9,1) Jahre.
Eine Änderung der versicherungsmathematischen Parameter würde sich wie folgt auswirken:
Sensitivitätsanalyse der
Rückstellung für
Jubiläumsgelder
Veränderung der
Annahme
Erhöhung des Parameters/
Veränderung DBO
Reduktion des Parameters/
Veränderung DBO
in %
2022 in Mio. EUR
2021 in Mio. EUR
2022 in Mio. EUR
2021 in Mio. EUR
Zinssatz +/-0,2
-1,8
-2,3
1,8
2,5
Bezugserhöhung
+/
-
0,2
1,8
2,4
-
1,8
-
2,3
Pensionen
Beitragsorientierte Versorgungssysteme
In Österreich werden Pensionsleistungen für Angestellte grundsätzlich durch die Sozialversicherungsträger sowie für
Bahnbedienstete durch die Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau und aufgrund § 52 Bundesbahngesetz vom
Bund erbracht. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist gesetzlich verpflichtet, Beiträge für Pensionen und Gesundheitsvorsorge
für aktive Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung an die Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau zu leisten.
Zusätzlich bietet die Gesellschaft allen Angestellten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns in Österreich einen
beitragsorientierten Versorgungsplan an. Die Beiträge der Gesellschaft berechnen sich als Prozentsatz des Entgelts und
dürfen 1,2% nicht übersteigen. Die Aufwendungen dieses Plans beliefen sich in den Jahren 2022 und 2021 auf
rd. 10,3 Mio. EUR bzw. rd. 3,2 Mio. EUR.
Leistungsorientiertes Versorgungssystem
Für ein ehemaliges Vorstandsmitglied besteht ein leistungsorientierter Pensionsplan (Auszahlungen ab dem
60. Lebensjahr), für den der ÖBB-Infrastruktur-Konzern seit 2010 Zahlungen leistet. Der Plan, der über keine
Kapitaldeckung verfügt, sieht Pensionszahlungen vor, die einen von den Beschäftigungsjahren abhängigen Prozentsatz
des Gehalts betragen. Die Pension beläuft sich auf höchstens 13,2% des Letztbezugs, einschließlich der staatlichen
Altersversorgung. Die Bewertung erfolgte nach versicherungsmathematischen Grundsätzen unter Annahme eines
Abzinsungsfaktors von 4,20% (Vj: 1,25%) und eines Pensionsantrittsalters von 60 Jahren.
26.2.
Sonstige Rückstellungen
in Mio. EUR
Stand
01.01.2022
Verbrauch
Auflösung
Zinseffekte
Zuführung
Stand
31.12.2022
Umweltschutzmaßnahmen
33,6
-
0,9
0,0
0,0
2,4
35,1
Stilllegungskosten
31,5
-
2,7
-
6,5
-
1,0
0,0
21,3
Freimachungen und ähnliche Verpflichtungen
20,3
-
2,6
-
1,5
0,6
3,0
19,8
Haftpflichtrenten
2,4
-
0,2
-
0,1
0,1
0,0
2,2
Übrige sonstige 177,0
-2,4
-5,0
7,2
12,4
189,2
Summe sonstige Rückstellungen
264,7
-
8,8
-13,1
6,9
17,8
267,5
davon langfristig
73,1
65,4
Die Rückstellung für Umweltschutzmaßnahmen betrifft erwartete Sanierungsmaßnahmen von Bodenkontaminierungen.
Sie wurde aufgrund der entsprechenden gesetzlichen Vorschriften mit den wahrscheinlich zu erwartenden Aufwendungen
erfasst und in Höhe von rd. 0,0 Mio. EUR (Vj: rd. 0,4 Mio. EUR) aufgelöst.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
55
Die Rückstellung für Stilllegungskosten betrifft künftige Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Abbruch und dem
Abräumen von Vermögenswerten und die Wiederherstellung von Standorten. Dabei handelt es sich um bereits stillgelegte
oder in naher Zukunft stillzulegende Bahnstrecken. Diese Rückstellung wurde nur für jene Strecken gebildet, von denen mit
einer ausreichenden Sicherheit ausgegangen werden kann, dass diese stillgelegt werden.
Die Rückstellung für Freimachungen und ähnliche Verpflichtungen beinhaltet vertraglich vereinbarte Verpflichtungen zur
Beseitigung von bestehenden rechtlichen und technischen Belastungen und ähnliche Verpflichtungen im Zusammenhang
mit bereits durchgeführten Grundstücksverkäufen.
Die Verpflichtungen aus Haftpflichtrenten werden auf Basis von biometrischen Rechnungsgrundlagen errechnet und mit
einem Diskontierungszinssatz von 3,25% (Vj: 0,02%) abgezinst.
In den übrigen sonstigen Rückstellungen sind im Wesentlichen Vorsorgen für Rechtsstreitigkeiten enthalten.
Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten werden für alle im Zeitpunkt der Bilanzerstellung erkennbaren prozessualen Risiken
nach unternehmerischer Beurteilung gebildet. Die Rückstellung setzt sich aus einer Vielzahl von Rechtsstreitigkeiten
zusammen, die sich aus der Tätigkeit des Unternehmens ergeben. Es sind auch Rückstellungen für Rückforderungen an
Infrastrukturbenützungsentgelt und Bahnstromnetznutzungsentgelt im Hinblick auf laufende regulierungsrechtliche
Verfahren enthalten. Da eine Offenlegung von Informationen nach IAS 37.92 die Lage des Unternehmens in diesen
Verfahren ernsthaft beeinträchtigen könnte, werden keine Angaben über die Höhe der Rückstellung oder etwaige darüber
hinausgehende Eventualverbindlichkeiten gemacht. Diesbezüglich wird auf den Abschnitt Verwendung von Schätzungen
und Ermessensausübungen unter Erläuterung 3 verwiesen.
Erwarteter Zahlungszeitpunkt für die Rückstellungen
Langfristige Rückstellungen werden soweit anwendbar laufzeitabhängig mit Zinssätzen von 3,17% bis 3,44%
(Vj: 0% bis 0,43%) abgezinst. Anpassungen aufgrund der Änderung des Diskontierungsfaktors fielen in einem
unwesentlichen Umfang an. Von den sonstigen Rückstellungen sind rd. 65,4 Mio. EUR (Vj: rd. 73,1 Mio. EUR) als
langfristig einzustufen. Bei diesen Rückstellungen liegt der erwartete Zahlungszeitpunkt nach 2023. Bei den als kurzfristig
eingestuften Rückstellungen wird damit gerechnet, dass es im Jahr 2023 zu einem Mittelabfluss kommt, wobei
überwiegend die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten sowie Teile der Rückstellungen für Umweltschutzmaßnahmen
und Stilllegungskosten, Freimachungskosten und ähnliche Verpflichtungen als kurzfristig eingestuft wurden. Sofern
Unsicherheiten über die Fälligkeit bestehen, wurden die betroffenen Rückstellungen überwiegend als kurzfristig eingestuft
(betrifft im Wesentlichen die übrigen sonstigen Rückstellungen).
27.
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeiten
2022
in Mio. EUR
kurzfristig
langfristig
Gesamt
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.126,5
0,0
1.126,5
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
181,5
0,0
181,5
davon gegenüber
Dritten
945,0
0,0
945,0
Sonstige Verbindlichkeiten 967,0
19,9
986,9
davon Abgrenzung Bundeszuschüsse
737,9
0,0
737,9
davon Abgrenzungen Personal 81,9
0,0
81,9
davon aus betrieblichen Steuern
23,3
0,0
23,3
davon im Rahmen der sozialen Sicherheit
19,1
0,0
19,1
davon Ertragsteuerumlage
5,7
0,0
5,7
davon übrige sonstige Verbindlichkeiten
99,1
19,9
119,0
Gesamt
2.093,5
19,9
2.113,4
2021
in Mio. EUR
kurzfristig
langfristig
Gesamt
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 842,3
0,0
842,3
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 54,8
0,0
54,8
davon gegenüber Dritten
787,5
0,0
787,5
Sonstige Verbindlichkeiten 1.305,8
20,3
1.326,1
davon Abgrenzung Bundeszuschüsse
1.104,3
0,0
1.104,3
davon Abgrenzungen Personal
71,7
0,0
71,7
dav
on aus betrieblichen Steuern
25,4
0,0
25,4
davon im Rahmen der sozialen Sicherheit
17,3
0,0
17,3
davon Ertragsteuerumlage
5,0
0,0
5,0
davon übrige sonstige Verbindlichkeiten
82,1
20,3
102,4
Gesamt
2.148,1
20,3
2.168,4
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
56
In den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sind in der Höhe von rd. 61,8 Mio. EUR (Vj: rd. 64,7 Mio. EUR)
Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr enthalten, die aber aufgrund von IAS 1.70 trotzdem als
kurzfristig auszuweisen sind.
In den Abgrenzungen für Personal werden vor allem die Posten Überstunden und nicht konsumierte Urlaube in Höhe von
rd. 70,2 Mio. EUR (Vj: rd. 63,5 Mio. EUR) ausgewiesen.
Die übrigen sonstigen Abgrenzungen innerhalb der sonstigen Verbindlichkeiten enthalten im Wesentlichen abzugrenzende
Erträge aus Baurechts- und Mietverträgen über rd. 12,7 Mio. EUR (Vj: rd. 12,9 Mio. EUR).
Weitere Angaben zu der Abgrenzung Bundeszuschüsse finden sich in der Erläuterung 32.
C.
SONSTIGE ANGABEN ZUM KONZERNABSCHLUSS
28.
Sonstige Haftungen und Eventualverbindlichkeiten
2022
2021
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Haftungen aus Leasingverhältnissen
0,0
44,5
Sonstige Eventualschulden 16,0
19,5
Gesamt
16,0
64,0
Haftungen aus Leasingverhältnissen (Cross-Border-Leasing)
Die Haftungen aus Leasingverhältnissen per 31.12.2021 betrafen jene Cross-Border-Leasing-Transaktionen, die keinen
wirtschaftlichen Gehalt aufweisen und bei denen folglich die dazugehörigen Veranlagungen und Verpflichtungen nicht in
der Bilanz erfasst werden. Zum 31.12.2021 bestanden diesbezüglich Regressansprüche gegenüber anderen Gesellschaften
des ÖBB-Konzerns in Höhe von rd. 44,5 Mio. EUR. Aufgrund der Auflösung der letzten Cross-Border-Leasing-Transaktion
2022 bestehen keine Eventualverbindlichkeiten mehr.
Die angegebenen sonstigen Eventualschulden betreffen Garantien und ungewisse Schulden, wobei der Umfang der
Mittelabflüsse vom künftigen Geschäftsverlauf abhängig ist.
29.
Finanzinstrumente
29.1.
Risikomanagement
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern unterliegt Markt- (Zins- und Währungsrisiko), Kredit- (Bonität der Vertragspartner) und
Liquiditätsrisiken. Finanzielles Risikomanagement wird als Management von Marktrisiken angesehen und bedeutet die
ökonomisch orientierte Steuerung der Portfolios der Einzelgesellschaften im Hinblick auf die Entwicklung von Zinsen,
Währungen und Commodities. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern verwendet derivative Finanzinstrumente, um diese Risiken
wirtschaftlich abzusichern. Derivative Finanzinstrumente werden nur unter Bezugnahme auf ein Grundgeschäft
abgeschlossen.
Kernaufgabe des Risikomanagements ist die Identifizierung, Bewertung und Begrenzung finanzwirtschaftlicher Risiken.
Risikobegrenzung bedeutet nicht die völlige Ausschließung finanzieller Risiken, sondern eine sinnvolle Steuerung jederzeit
quantifizierter Risikopositionen innerhalb eines konkret vorgegebenen Handlungsrahmens.
Die ÖBB-Holding AG, die Finanzgeschäfte mit Ausnahme von Sicherungsinstrumenten für Commodities im Namen und
auf Rechnung der ÖBB-Infrastruktur AG und ihrer Tochterunternehmen nur nach deren Zustimmung und Auftrag
durchführt, hat ein risikoorientiertes Kontrollumfeld geschaffen, das unter anderem Richtlinien und Abläufe für die
Beurteilung von Risiken, die Genehmigung, das Berichtswesen und die Überwachung von Finanzinstrumenten umfasst.
An oberster Stelle steht bei sämtlichen Finanzaktivitäten der Schutz des Vermögens des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns.
29.2. Risikoarten
Finanzrisiken sind wie folgt definiert:
– 29.2.a. Zinsrisiko
– 29.2.b. Währungsrisiko
– 29.2.c. Kreditrisiko
– 29.2.d. Liquiditätsrisiko
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
57
– 29.4. Commodity-Risiken (Strompreisschwankungen)
29.2.a. Zinsrisiko
Risiken aus Zinssatzänderungen stellen Risiken für die Ertragskraft und den Wert des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns dar und
können in folgenden Erscheinungsformen auftreten:
– Zinszahlungsrisiko (erhöhter Zinsaufwand aufgrund der Marktentwicklung)
– Barwertrisiko (Wertänderung des Portfolios)
Risiken aus Marktzinsänderungen können das Finanzergebnis des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns aufgrund der gegebenen
Bilanzstruktur beeinflussen. Es gilt daher, mögliche Marktzinsschwankungen über ein bestimmtes Niveau hinaus zum
Beispiel mit dem Einsatz derivativer Finanzinstrumente einzuschränken, um deren Einfluss auf die Ergebnisentwicklung
gering zu halten.
Der Abschluss geeigneter derivativer Instrumente zum Management von Zinsrisiken (Zinsswaps) basiert auf
Portfolioanalysen und -empfehlungen seitens der ÖBB-Holding AG und entsprechenden Entscheidungen der
Gesellschaften des Teilkonzerns ÖBB-Infrastruktur AG. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern unterliegt Zinsrisiken hauptsächlich
in der Eurozone. Unter Berücksichtigung der gegebenen Schuldenstruktur werden bei Bedarf Zinsderivate eingesetzt, um
die Risikostrategie möglichst effizient umzusetzen.
Finanzinstrumente (kurz- und langfristig)
31.12.2022
in Mio. EUR
Buchwert Financial In-
struments (siehe
Erläuterung 29.5)
nichtzinssensitive
Finanzinstrumente
fixverzinsliche
Finanzinstrumente
variabel verzinsliche
Finanzinstrumente
Finanzielle Vermögenswerte
716,5
528,8
187,7
0,0
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 166,9
166,9
0,0
0,0
Sonstige Forderungen und Vermögenswerte
75,5
75,5
0,0
0,0
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 32,4
0,0
0,0
32,4
Gesamt
991,3
771,2
187,7
32,4
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 199,6
62,2
106,0
31,4
Finanzverbindlichkeiten
26.703,2
609,6
24.840,7
1.252,9
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.123,2
1.123,2
0,0
0,0
sonstige Verbindlichkeiten
771,8
771,8
0,0
0,0
Gesamt 28.598,2
2.504,6
24.840,7
1.252,9
davon gegenüber dem Bund (OeBFA)
11.916,4
0,0
11.916,4
0,0
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 1.435,6
182,7
0,0
1.252,9
Finanzinstrumente (kurz- und langfristig)
31.12.2021
in Mio. EUR
Buchwert Financial In-
struments (siehe
Erläuterung 29.5)
nichtzinssensitive
Finanzinstrumente
fixverzinsliche
Finanzinstrumente
variabel verzinsliche
Finanzinstrumente
Finanzielle Vermögenswerte
584,7
488,6
96,1
0,0
Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen
154,9
154,9
0,0
0,0
Sonstige Forderungen und Vermögenswerte 42,4
42,4
0,0
0,0
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente
32,1
0,0
0,0
32,1
Gesamt 814,1
685,9
96,1
32,1
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
105,2
74,8
0,0
30,4
Finanzverbindlichkeiten
24.529,0
447,9
23.537,6
543,5
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
838,9
838,9
0,0
0,0
sonstige Verbindlichkeiten
1.133,1
1.128,5
0,0
4,6
Gesamt
26.501,0
2.415,3
23.537,6
548,1
davon gegenüber dem Bund (OeBFA)
9.086
,8
0,0
9.086,8
0,0
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
596,8
56,0
0,0
540,8
Weltweit wird eine grundlegende Reform der wichtigsten Referenzzinssätze vorgenommen, einschließlich des Ersatzes
einiger „Interbank Offered Rates” (IBORs) durch alternative, nahezu risikofreie Zinssätze (als „IBOR-Reform” bezeichnet).
Es besteht Ungewissheit über den Zeitpunkt und die Methoden des Übergangs. Der EURIBOR ist weiterhin
uneingeschränkt als Referenzzins verwendbar. Dies ermöglicht es den Marktteilnehmern, den EURIBOR weiterhin für
bestehende Verträge zu verwenden. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern geht davon aus, dass der EURIBOR auf absehbare Zeit
(zumindest bis 2025) als Referenzzinssatz bestehen bleiben wird.
Keiner der aktuellen an EURIBOR-gebundenen Kreditverträge des Konzerns enthält angemessene und robuste
Rückfallklauseln für eine Einstellung des Referenzzinssatzes. Verschiedene Industriegruppen arbeiten an entsprechenden
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
58
Rückfallklauseln für unterschiedliche Instrumente und EURIBORs, die der Konzern gegebenenfalls umsetzen wird. Der
Konzern hat den Markt und die Ergebnisse der verschiedenen Industriearbeitsgruppen, die den Übergang zu den neuen
Referenzzinssätzen steuern, genau beobachtet. Dies schließt Ankündigungen der zuständigen Aufsichtsbehörden ein. Als
Reaktion werden laufende Abstimmungen mit den Geschäftsbanken, Gespräche mit den SAP-Berater:innen bezüglich
Abbildung der Rückfallklauseln sowie ein Austausch mit der Treasury-Interessensgemeinschaft vorgenommen.
Sensitivitätsanalyse Zinsrisiko
Zur Darstellung von Marktrisiken verlangt IFRS 7 Sensitivitätsanalysen, welche die Auswirkungen hypothetischer
Änderungen der Marktzinssätze auf das Ergebnis und das Eigenkapital zeigen. Die periodischen Auswirkungen werden
bestimmt, indem die hypothetischen Änderungen der Risikovariablen auf den Bestand der Finanzinstrumente zum
Abschlussstichtag angewendet werden. Dabei wird unterstellt, dass der Bestand zum Abschlussstichtag repräsentativ für
das Gesamtjahr ist.
Marktzinssatzänderungen von originären Finanzinstrumenten mit fester Verzinsung wirken sich nur dann auf das Ergebnis
aus, wenn diese zum beizulegenden Zeitwert bewertet sind. Demnach unterliegen alle zu fortgeführten
Anschaffungskosten bewerteten Finanzinstrumente mit fester Verzinsung keinen Zinsrisiken.
Marktzinssatzänderungen von originären, variabel verzinslichen Finanzinstrumenten, deren Zinszahlungen nicht im
Rahmen von Cashflow Hedges gegen Zinsänderungsrisiken gesichert sind, werden bei der Berechnung der
ergebnisbezogenen Sensitivitäten miteinbezogen.
Marktzinssatzänderungen von derivativen Finanzinstrumenten, die nicht in eine Sicherungsbeziehung nach IFRS 9
eingebunden sind, haben Auswirkungen auf die sonstigen Finanzaufwendungen und -erträge (Bewertungsergebnis aus
der Anpassung der finanziellen Vermögenswerte an den beizulegenden Zeitwert) und werden daher bei den
ergebnisbezogenen Sensitivitätsberechnungen berücksichtigt.
Wirksamkeit in GuV Wirksamkeit im Eigenkapital
Sensitivitätsanalyse Zinsrisiko 31.12.2022
in Mio. EUR
+100
Basispunkte
-100
Basispunkte
+100
Basispunkte
-100
Basispunkte
Vermögenswerte
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente
0,9
-
0,1
0,0
0,0
Schulden
Finanzverbindlichkeiten -12,5
12,5
0,0
0,0
Wirksamkeit in GuV Wirksamkeit im Eigenkapital
Sensitivitätsanalyse Zinsrisiko 31.12.2021
in Mio. EUR
+100
Basispunkte
-100
Basispunkte
+100
Basispunkte
-100
Basispunkte
Vermögenswerte
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 0,9
0,0
0,0
0,0
Schulden
Finanzverbindlichkeiten
-
5,4
5,3
0,1
0,0
Die in den Zahlungsmitteln ausgewiesenen Verrechnungssalden mit der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH haben bis
September 2022 einen Mindestzinssatz von 0%, Negativzinsen wurden nicht verrechnet.
Zum 31.12.2022 und zum 31.12.2021 bestehen keine Zinsderivate, welche in einer Sicherungsbeziehung designiert waren.
29.2.b. Währungsrisiko
Die Fremdwährungsrisiken des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns resultieren vorwiegend aus originären finanziellen
Verbindlichkeiten in Fremdwährung. Zum Abschlussstichtag unterlag der ÖBB-Infrastruktur-Konzern keinen wesentlichen
Risiken aus auf Fremdwährung lautenden Verbindlichkeiten.
Bei Cross-Border-Leasing-Transaktionen sowie verbliebenen Positionen aus aufgelösten CBL-Transaktionen (betrifft auch
die US-Dollar-Anleihen) werden nahezu alle Zahlungsströme fristenkongruent in US-Dollar abgewickelt. Sofern es bei den
Veranlagungen zu keinen Ausfällen kommt, besteht somit kein Fremdwährungsrisiko.
Die nachfolgende Tabelle zeigt das Nettofremdwährungsrisiko:
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
59
Währungssensitive Finanzinstrumente
2022
in Mio. USD
2021
in Mio. USD
Übrige finanzielle Vermögenswerte
87,0
109,0
Übrige finanziell
e Verbindlichkeiten
-95,0
-
115,0
Nettofremdwährungsrisiko -8,0
-6,0
Sensitivitätsanalyse Währungsrisiko
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern war demnach in beiden Geschäftsjahren nur im geringen Umfang Währungsrisiken aus
ungesicherten Fremdwährungsverbindlichkeiten ausgesetzt. Wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar um 10%
aufgewertet (abgewertet) worden wäre, gäbe es zu beiden Bilanzstichtagen keine wesentlichen Ergebniseffekte.
29.2.c. Kreditrisiko
Das Kontrahentenrisiko erfasst das Schadenspotenzial aufgrund von Nichterfüllung finanzieller Verpflichtungen durch
Finanzpartner (vornehmlich Geldmarktgeschäfte, Veranlagungen, barwertig positive Derivate). Die dem
Kontrahentenrisiko-Management zugrunde liegenden und für jeden Finanzpartner individuell vergebenen Limits werden
täglich auf Einhaltung überprüft. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern unterhält Geschäftsbeziehungen nur zu Finanzpartnern,
die über ein definiertes Rating verfügen und für die eine objektive Risikoeinstufung des Kapitalmarkts vorliegt.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat ein Kontrahentenrisiko-Management eingeführt, bei dem die Limitermittlung und
Limitvergabe primär auf der Auswertung von Credit-Default-Swap-Daten der ÖBB-Holding-Konzern-Finanzpartner basiert.
Hierdurch ist eine schnelle Reaktion auf sich verändernde Risikoeinschätzungen des Kapitalmarkts hinsichtlich der
Finanzpartner sichergestellt. Die jeweils aktuellen Limits und deren Ausnutzung werden täglich überwacht, um auf
Marktstörungen zeitnah und risikoorientiert reagieren zu können.
Zum 31.12.2021 bestanden auch Kontrahentenrisiken im Zusammenhang mit Cross-Border-Leasing. Bei Cross-Border-
Leasing-Transaktionen wurden Wertpapierdepots, Payment Undertaking Agreements (Zahlungsvereinbarungen) und
Swaps mit Finanzpartnern abgeschlossen, um Leasingraten während und den Kaufpreis am Ende der Laufzeit zu bezahlen.
Nähere Angaben zu den Cross-Border-Leasing-Verträgen finden sich in Erläuterung 30.3.
Die finanziellen Vermögenswerte des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns umfassen hauptsächlich Zahlungsmittel und
Zahlungsmitteläquivalente, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, sonstige Forderungen und Wertpapiere. Diese
Positionen stellen die maximale Gefährdung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns durch das Ausfallsrisiko im Verhältnis zu den
finanziellen Vermögenswerten dar.
Dieses Kreditrisiko setzt sich wie folgt zusammen:
Kreditrisiko aus finanziellen Finanzinstrumenten
in Mio. EUR
Bruttoexposure
(Buchwert zuzüglich
Wertberichtigungen)
abzüglich
Sicherheiten (Fair
Value)
Nettoexposure
Gesamtexposure 2022
Finanzielle Vermögenswerte 716,4
0,0
716,4
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
183,8
-
3,1
180,7
Sonstige Forderungen und Vermögenswerte
75,9
0,0
75,9
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 32,4
0,0
32,4
Risiko lang
-
und kurzfristiger Vermögenswerte
1.008,4
-
3,1
1.005,4
Kreditrisiko aus übernommenen Haftungen 16,0
0,0
16,0
Gesamtkreditrisiko 31.12.2022 1.024,4
-3,1
1.021,4
Gesamtexposure 2021
Finanzielle Vermögenswerte 584,7
0,0
584,7
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
174,8
-
26,7
148,1
Sonstige Forderungen und Vermögenswerte
42,8
0,0
42,8
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 32,1
0,0
32,1
Risiko lang
-
und kurzfristiger Vermögenswerte
834,3
-
26,7
807,6
Kreditrisiko aus übernommenen Haftungen 64,0
-44,5
19,5
Gesamtkreditrisiko 31.12.2021 898,3
-71,2
827,1
Hinsichtlich der Fälligkeit der Forderungen wird auf Erläuterung 20 verwiesen. Die Sicherheiten bei den Forderungen aus
Lieferungen und Leistungen bestehen aus Treuhandgeldern für Verwertungsobjekte.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
60
29.2.d. Liquiditätsrisiko
Das übergeordnete Ziel im Bereich Finanzen im ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist die Sicherstellung des notwendigen
Liquiditätsspielraums für alle Gesellschaften des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Liquiditätsrisiko für den ÖBB-Infrastruktur-
Konzern bedeutet zudem jede Einschränkung der Verschuldungs- und Kapitalaufnahmefähigkeit (zum Beispiel durch eine
schlechtere Kreditbeurteilung einer Ratingagentur oder durch ein bankeninternes Rating) im Hinblick auf Volumen und
Konditionen für die Bereitstellung von finanziellen Mitteln, wodurch die Umsetzung der Unternehmensstrategie oder der
finanzielle Handlungsspielraum beeinträchtigt werden könnten.
Die Aufgabe liegt daher in der Analyse des Liquiditätsrisikos sowie in der konsequenten Sicherung der Liquidität (vor allem
durch Liquiditätsplanung, Vereinbarung ausreichender Kreditlinien und ausreichende Diversifizierung der Kreditgeber). Aus
den nachfolgenden Tabellen sind die vertraglich vereinbarten (undiskontierten) Zins- und Tilgungszahlungen der originären
und derivativen finanziellen Verbindlichkeiten ersichtlich. Die tatsächlich erwarteten Fälligkeiten weichen von den
vertraglich vereinbarten nicht ab.
Überleitung der Buchwerte
auf originäre und finanzielle
Verbindlichkeiten
zum 31.12.2022
in Mio. EUR
Buchwert der
kurzfristigen
Verbindlichkeiten
Buchwert der
langfristigen
Verbindlichkeiten
Gesamt
abzüglich
Non
Financial
Instruments
Financial
Instruments
Originäre
Finanzverbind-
lichkeiten
Derivative
finanzielle
Verbind-
lichkeiten
Anleihen
1.000,0
7.883,3
8.883,3
0,0
8.883,3
8.883,3
0,0
Verbindlichkeiten gegenüber
Kreditinstituten
9,1
3.919,2
3.928,3
0,0
3.928,3
3.928,3
0,0
Verbindlichkeiten aus
Finanzierungsleasing und CBL
16,1
225,9
242,0
0,0
242,0
242,0
0,0
Übrige
Finanzverbindlichkeiten
1.807,3
11.842,3
13.649,6
0,0
13.649,6
13.452,8
196,8
Verbindlichkeiten aus
Lieferungen und Leistungen
1.126,5
0,0
1.126,5
3,3
1.123,2
1.12
3,2
0,0
Sonstige Verbindlichkeiten
967,0
19,9
986,9
215,1
771,8
771,8
0,0
4.926,0
23.890,6
28.816,6
218,4
28.598,2
28.401,4
196,8
Überleitung der Buchwerte
auf originäre und finanzielle
Verbindlichkeiten
zum 31.12.2021
in Mio. EUR
Buchwert der
kurzfristigen
Verbindlichkeiten
Buchwert der
langfristigen
Verbindlichkeiten
Gesamt
abzüglich
Non
Financial
Instruments
Financial
Instruments
Originäre
Finanzverbind-
lichkeiten
Derivative
finanzielle
Verbind-
lichkeiten
Anleihen
1.498,6
8.
878,9
10.377,5
0,0
10.377,5
10.377,5
0,0
Verbindlichkeiten gegenüber
Kreditinstituten
14,8
3.930,9
3.945,7
0,0
3.945,7
3.945,7
0,0
Verbindlichkeiten aus
Finanzierungsleasing und CBL
8,6
88,9
97,5
0,0
97,5
97,5
0,0
Übrige
Finanzverbindlichkeiten
909,0
9.
199,3
10.108,3
0,0
10.108,3
9.933,4
175,0
Verbindlichkeiten aus
Lieferungen und Leistungen
842,3
0,0
842,3
3,4
838,9
838,9
0,0
Sonstige Verbindlichkeiten 1.305,8
20,3
1.326,1
193,0
1.133,1
1.133,1
0,0
4.579,1
22.118,3
26.697,4
196,4
26.501,0
26.326,1
175,0
nicht
zahlungs-
wirksame
Cashflows 2023
zu zahlungswirk-
samen Buchwerten
Cashflows 2024-2027
zu zahlungswirk-
samen Buchwerten
Cashflows 2028ff
zu zahlungswirk-
samen Buchwerten
Buchwert
Buchwerte
Zinsen *)
Tilgung *)
Zinsen
Tilgung
Zinsen
Tilgung
in Mio. EUR
31.12.2022
31.12.2022
2023
2023
2024-2027
2024-2027
2028ff
2028ff
Originäre finanzielle Verbindlichkeiten
Anleihen
8.883,3
0,0
266,5
1.000,0
794,7
3.557,2
836,3
4.326,1
Verbindlichkeiten gegenüber
Kreditinstituten
3.928,3
0,0
104,8
9,1
387,3
575,2
437,2
3.344,0
Finanzverbindlichkeiten Leasing und CBL
242,0
0,0
4,2
16,1
14,7
55,8
23,9
170,1
Übrige Finanzverbindlichkeiten
13.452,8
24,9
85,6
1.443,7
326,5
1.879,5
3.054,4
9.934,3
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und
Leistungen
1.123,2
0,0
0,0
1.061,4
0,0
61,8
0,0
0,0
Sonstige Verbindlichkeiten
771,8
0,0
0,0
771,8
0,0
0,0
0,0
0,0
Summe
28.401,4
24,9
461,1
4.302,1
1.523,2
6.129,5
4.351,8
17.774,5
*) Die übrigen Finanzverbindlichkeiten enthalten Verbindlichkeiten aus abgegrenzten Zinszahlungen für Anleihen und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten.
Die tatsächlichen Zinszahlungen 2022 aus diesen abgegrenzten Verbindlichkeiten werden in der Zeile Anleihen und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
und nicht bei den übrigen Finanzverbindlichkeiten dargestellt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
61
nicht
zahlungs-
wirksame
Cashflows 2022
zu zahlungswirk-
samen Buchwerten
Cashflows 2023-2026
zu zahlungswirk-
samen Buchwerten
Cashflows 2027ff
zu zahlungswirk-
samen Buchwerten
Buchwert
Buchwerte
Zinsen *)
Tilgung *)
Zinsen
Tilgung
Zinsen
Tilgung
in Mio. EUR
31.12.2021
31.12.2021
2022
2022
2023-2026
2023-2026
2027ff
2027ff
Originäre finanzielle Verbindl
ichkeiten
Anleihen
10.377,5
0,0
339,6
1.498,6
920,3
4.552,4
977,1
4.326,5
Verbindlichkeiten gegenüber
Kreditinstituten
3.945,7
0,0
105,1
14,8
402,1
378,0
526,3
3.552,9
Finanzverbindlichkeiten Leasing und CBL 97,5
20,4
0,6
8,6
2,1
27,1
1,5
41,4
Übrige Finanzverbindlichkeiten
9.933,4
22,0
65,2
541,1
259,7
378,0
2.860,3
8.796,8
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und
Leistungen
838,9
0,0
0,0
774,2
0,0
64,7
0,0
0,0
Sonstige Verbindlichkeiten
1.133,1
0
,0
0,0
1.133,1
0,0
0,0
0,0
0,0
Summe
26.326,1
42,4
510,5
3.970,4
1.584,2
5.400,2
4.365,2
16.717,6
*) Die übrigen Finanzverbindlichkeiten enthalten Verbindlichkeiten aus abgegrenzten Zinszahlungen für Anleihen und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten.
Die tatsächlichen Zinszahlungen 2021 aus diesen abgegrenzten Verbindlichkeiten werden in der Zeile Anleihen und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
und nicht bei den übrigen Finanzverbindlichkeiten dargestellt.
Die oben dargestellten Zinsen und Tilgungen der finanziellen Verbindlichkeiten beinhalten nicht jene aus bestehenden
Cross-Border-Leasing-Transaktionen (bis 31.12.2021) oder Restpositionen aus bereits aufgelösten Cross-Border-Leasing-
Transaktionen in Höhe von rd. 24,9 Mio. EUR (Vj: rd. 42,4 Mio. EUR). Diesen Tilgungen und Zinsen stehen gleichlautende
Einnahmen gegenüber, welche im Cashflow mit Zinsen und Tilgungen der finanziellen Verbindlichkeiten saldiert wurden,
da die Zahlungen nicht über die Bankkonten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns gehen. Vielmehr werden die Einnahmen aus
den Vermögenswerten vom Schuldner direkt an den Gläubiger überwiesen.
Cashflows 2023 Cashflows 2024–2027 Cashflows 2028ff
Buchwert
Zinsen
Tilgung
Zinsen
Tilgung
Zinsen
Tilgung
in Mio. EUR
31.12.2022
2023
2023
2024–2027
2024–2027
2028ff
2028ff
Derivative finanzielle Verbindlichkeiten
Zinsderivate ohne Hedge-Beziehung 0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
Stromderivate
–
Cashflow Hedges
6,0
0,0
0,0
0,0
50,9
0,0
0,0
Son
stige Derivate ohne Hedge
-
Beziehung
190,8
0,0
276,5
0,0
32,2
0,0
0,0
Gesamt
196,8
0,0
276,5
0,0
83,1
0,0
0,0
Finanzgarantien
Sonstige Eventualverbindlichkeiten
16,0
0,0
5,1
0,0
5,5
0,0
5,4
Cashflows 2022 Cashflows 2023–2026 Cashflows 2027ff
Buchwert
Zinsen
Tilgung
Zinsen
Tilgung
Zinsen
Tilgung
in Mio. EUR
31.12.2021
2022
2022
2023–2026
2023–2026
2027ff
2027ff
Derivative finanzielle Verbindlichkeiten
Zinsderivate ohne Hedge
-
Beziehung
0,9
0,8
0,0
0,
0
0,0
0,0
0,0
Stromderivate
–
Cashflow Hedges
0,7
0,0
0,0
0,0
10,5
0,0
0,0
Sonstige Derivate ohne Hedge
-
Beziehung
173,4
0,0
0,1
0,0
4,6
0,0
0,0
Gesamt
175,0
0,8
0,1
0,0
15,1
0,0
0,0
Finanzgarantien
Sonstige Eventualverbindlichkeiten
19,5
0,0
11,9
0,0
7,6
0,0
0,0
Einbezogen wurden alle Finanzinstrumente, die am Abschlussstichtag im Bestand und für die bereits Zahlungen vertraglich
vereinbart waren. Planzahlen für zukünftige neue Schulden wurden bei den dargestellten künftigen Zahlungsströmen nicht
berücksichtigt. Fremdwährungsbeträge wurden jeweils mit dem Stichtagskurs umgerechnet. Die variablen Zinszahlungen
aus den Finanzinstrumenten wurden unter Zugrundelegung der am 31.12.2022 und am 31.12.2021 bestehenden
Zinssätze ermittelt.
Hinsichtlich der derivativen finanziellen Vermögenswerte ist von folgenden Auszahlungen auszugehen:
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
62
Buchwert
in Mio. EUR
31.12.2022
Cashflows 2023
Cashflows 2024–2027
Cashflows 2028ff
Derivative finanzielle Vermögenswerte
Stromderivate ohne Hedge
-
Beziehung
223,1
100,7
18,9
0,0
Stromderivate – Cashflow Hedges 295,7
64,5
133,4
0,0
Gesamt
518,8
165,2
152,3
0,0
Buchwert
in Mio. EUR
31.12.2021
Cashflows 2022
Cashflows 2023–2026
Cashflows 2027ff
Derivative finanzielle Vermögenswerte
Stromderivate ohne Hedge
-
Beziehung
194,5
81,8
18,1
0,0
Stromderivate
–
Cashflow Hedges
284,3
74,
8
115,3
0,0
Gesamt
478,8
156,6
133,4
0,0
29.3.
Sicherungsmaßnahmen
Hedge Accounting
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern wendet Vorschriften zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen gemäß IFRS 9 (Hedge
Accounting) zur Sicherung von Bilanzposten und zukünftigen Zahlungsströmen an. Dies mindert Volatilitäten in der
Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Nach Art des abgesicherten Grundgeschäfts ist zwischen Fair Value Hedge und Cashflow
Hedge zu unterscheiden.
Bei Cashflow Hedges wird der effektive Teil der Wertänderung des Sicherungsinstruments zunächst im sonstigen Ergebnis
im Eigenkapital erfasst und zu dem Zeitpunkt, zu dem die erwarteten Zahlungsströme erfolgswirksam werden, in den
Gewinn oder Verlust umgegliedert. Demgegenüber erfolgt bei Fair Value Hedges eine erfolgswirksame Anpassung des
Buchwerts des gesicherten Grundgeschäfts um Marktwertschwankungen des gesicherten Risikos.
Die von IFRS 9 gestellten Anforderungen an die Anwendung des Hedge Accountings werden vom
ÖBB-Infrastruktur-Konzern wie folgt erfüllt:
Bei Beginn einer Sicherungsmaßnahme werden sowohl die Beziehung zwischen dem als Sicherungsinstrument
eingesetzten Finanzinstrument und dem Grundgeschäft als auch das Ziel der Absicherung dokumentiert. Dazu zählt
sowohl die konkrete Zuordnung der Sicherungsinstrumente zu den entsprechenden Vermögenswerten sowie Schulden
und geplanten Transaktionen als auch die Einschätzung des Wirksamkeitsgrades der eingesetzten Sicherungsinstrumente.
Bestehende Sicherungsmaßnahmen werden fortlaufend daraufhin überprüft, ob die Anforderungen an die Wirksamkeit
der Absicherung weiterhin erfüllt sind. Ist dies nicht der Fall und eine Rekalibrierung der Sicherungsbeziehung nicht
möglich oder läuft das Sicherungsinstrument aus oder wird veräußert oder beendet, dann wird die Hedge-Beziehung
beendet.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern führt auch Sicherungsmaßnahmen durch, die nicht die formalen Anforderungen des IFRS 9
erfüllen, jedoch gemäß den Grundsätzen des Risikomanagements wirtschaftlich effektiv zur Sicherung des finanziellen
Risikos beitragen.
29.4.
Commodity-Risiken
Der Bereich Energieanlagenmanagement/Energiewirtschaft der ÖBB-Infrastruktur AG ist für die Beschaffung
leitungsgebundener Energieträger sowie energienaher Produkte (Emissionszertifikate, Herkunftsnachweise) im
ÖBB-Konzern zuständig. Sämtliche dieser Produkte werden entweder an interne oder externe Kunden geliefert oder zum
Betrieb des 16,7-Hz-Bahnstromnetzes herangezogen. Preisschwankungen dieser Produkte beeinflussen die Aufwände des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns bzw. des ÖBB-Konzerns und stellen somit ein Marktrisiko dar. Da rund zwei Drittel des
benötigten Bahnstroms und der gesamte Strom zur Versorgung der Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.) auf dem Strommarkt
beschafft werden, ist der ÖBB-Infrastruktur-Konzern von Strompreisvolatilität stark betroffen. Die
Risikomanagementstrategie sieht daher eine Preisabsicherung vor.
Ein wesentliches Risiko bei der Beschaffung von Energie besteht in der Schwankung der Marktpreise. Dies ist insbesondere
auch vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die Verkaufspreise für Bahnstrom sowie die Tarife für Betriebsanlagen für
jedes Kalenderjahr bereits im vierten Quartal vor Lieferbeginn fixiert oder die Tarife für die Bahnstromnetznutzung sogar
noch ein Jahr früher erstmalig verlautbart werden müssen. Daher ist es für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern besonders
relevant, die Preise im Vorfeld bereits abgesichert bzw. fixiert zu haben. Die Preisabsicherung erfolgt mittels des
Abschlusses von Forwards für die geplanten Einkaufsmengen für Bahnstrom, Verlustenergie und Betriebsanlagen. Neben
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
63
der Absicherung der Preise dient die Absicherung aber auch der Erhöhung der Planungssicherheit, welche als Basis der
Preiskalkulation notwendig ist.
Vor dem Hintergrund der Beschaffungsstrategien und zur Risikodiversifizierung wurde seitens des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns eine langfristige rollierende Beschaffung (Rolling Hedge) beschlossen. Der definierte
Beschaffungszeitraum variiert in Abhängigkeit von den gesicherten Grundgeschäften (bis zu drei Jahre für Energie). Durch
das Portfoliomanagement Energiewirtschaft muss zu definierten Zeitpunkten ein bestimmter Prozentsatz der zu
beschaffenden Menge (eine geforderte Eindeckung, die Soll-Einkaufsmenge) je Beschaffungsjahr eingekauft sein. Um die
Preiserwartung des Portfoliomanagements bei der Beschaffung einfließen zu lassen, wurde ein oberer und unterer
Mengenkorridor definiert. Abhängig von der Preiserwartung besteht die Möglichkeit, innerhalb des unteren und oberen
Korridors mehr oder weniger Menge als die Soll-Einkaufsmenge preislich abzusichern. Am Ende des
Beschaffungszeitraums entfällt dieser Korridor, das heißt, die Soll-Einkaufsmenge entspricht einer Eindeckung zu 100%.
29.4.1. Cashflow Hedges
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat Stromgeschäfte (langfristige Beschaffungsverträge, Stromforwards einkaufsseitig)
abgeschlossen. Diese Stromgeschäfte dienen unter Berücksichtigung der Bewirtschaftung des Erzeugungsportfolios und
der langfristigen Einkaufsverträge der Absicherung des Strombeschaffungspreises für die geplanten Einkaufsmengen. Die
Termingeschäfte werden über den OTC-Markt (Forwards) getätigt. Die Zahlungsstromänderungen der geplanten
Stromeinkäufe, die sich durch die Änderung des Strompreises ergeben, werden durch die Zahlungsstromänderungen der
Forwards, die als Derivate nach IFRS 9 einzustufen waren, ausgeglichen. Mit den Sicherungsmaßnahmen wird das Ziel
verfolgt, die variablen Strompreise der geplanten Stromeinkäufe zu fixieren. Insofern abgeschlossene Einkaufskontrakte
durch gegenläufige Geschäfte geschlossen wurden, nachdem die endgültigen Bezugskontrakte verhandelt worden waren,
werden beide Geschäfte erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bilanziert. Der bis zur Schließung im sonstigen
Ergebnis erfasste Betrag wird bei Settlement des Forwards in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung umgebucht
(Betriebsanlagen geschlossen).
Bei als Cashflow Hedge designierten Strom-Forwards designiert die ÖBB-Infrastruktur AG nur die auf den European-
Energy-Exchange-Settlement-Preis bezogene Preiskomponente der erwarteten künftigen Beschaffung als gesichertes
Risiko. Die gesicherte Risikokomponente hat in der Vergangenheit 100% der Änderungen des beizulegenden Zeitwerts
des Grundgeschäfts abgedeckt. Mit der Strompreiszonentrennung ab dem 01.10.2018 in die Bereiche Deutschland und
Österreich deckt das Sicherungsgeschäft nicht mehr den Transportaufschlag ab.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern sichert rd. 1.200 GWh je Lieferjahr rollierend über drei Jahre für den Bezug von Bahnstrom
und Verlustenergie sowie rd. 310 GWh für Betriebsanlagen ab.
Der Ausweis der Derivate mit einem positiven beizulegenden Zeitwert erfolgt je nach Laufzeitband in den kurzfristigen
oder langfristigen finanziellen Vermögenwerten (Erläuterung 18). Derivate mit einem negativen beizulegenden Zeitwert
werden je nach Laufzeitband in den kurzfristigen oder langfristigen Finanzverbindlichkeiten ausgewiesen (Erläuterung 25).
Stromderivate in Hedge-Beziehung
31.12.2022
Nominal
(Kontraktpreis)
Durchschnittlicher
Ausübungspreis
Beizulegender
Zeitwert
Laufzeitende
Anzahl Forwards
MWh
in Mio. EUR
in EUR
in Mio. EUR
Bestand 193
2.523.888
248,8
289,7
davon Laufzeitende 2023
63
1.058.040
64,5
61,0
185,7
davon Laufzeitende 2024 96
1.071.648
128,7
120,1
96,1
davon Laufzeitende 20
25
34
394.200
55,6
141,1
7,9
Stromderivate in Hedge-Beziehung
31.12.2021
Nominal
(Kontraktpreis)
Durchschnittlicher
Ausübungspreis
Beizulegender
Zeitwert
Laufzeitende
Anzahl Forwards
MWh
in Mio. EUR
in EUR
in Mio. EUR
Bestand 539
3.273.158
200,7
283,5
davon Laufzeitende 2022
289
1.322.360
74,8
56,6
193,4
davon Laufzeitende 2023 203
1.353.558
84,9
62,7
79,2
davon Laufzeitende 2024
45
570.960
38,8
68,0
11,0
d
avon Laufzeitende 2025
2
26.280
2,2
82,6
0
,1
Grundsätzlich erfolgt im Rahmen der Widmung eines Derivates als Sicherungsinstrument eine prospektive
Effektivitätsmessung sowie zu jedem Bilanzstichtag eine Überprüfung der Wirksamkeit der Sicherungsbeziehung und die
Ermittlung einer möglichen Ineffektivität. Die Messung der Ineffektivität erfolgt durch Vergleich der kumulierten
Änderungen des beizulegenden Zeitwerts der designierten Sicherungsinstrumente seit Designation der
Sicherungsbeziehung und der kumulierten Änderungen des beizulegenden Zeitwerts des gesicherten Grundgeschäfts in
Bezug auf das gesicherte Risiko. Zur Ermittlung der kumulierten Änderungen des beizulegenden Zeitwerts des gesicherten
Grundgeschäfts in Bezug auf das Risiko der Änderungen des European-Energy-Exchange-Settlement-Preises wird ein
hypothetisches Derivat gebildet.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
64
Ineffektivitäten können sich daraus ergeben, dass den abgeschlossenen Beschaffungsgeschäften unter Umständen andere
Lastprofile zugrunde liegen und sich im Rahmen der Kaskadierung und Profilierung Mengenabweichungen ergeben
können, da sich das hypothetische Derivat in diesem Fall nicht ändert. Des Weiteren können Ineffektivitäten auftreten,
wenn das Kreditrisiko des Handelspartners stark von jenem der ÖBB-Infrastruktur AG abweicht. Darüber hinaus kann es
aufgrund von Verringerungen der Planeinkaufsmenge zu einer kurzfristigen Übersicherung kommen, die sich jedoch im
Zeitablauf wieder ausgleicht.
Die Marktwertermittlung der Stromeinkaufsforwards zum Bilanzstichtag erfolgt auf Basis von European-Energy-Exchange-
Futures-Notierungen, die unter Heranziehen aktueller Zinskurven diskontiert werden.
Beträge, welche aus dem sonstigen Ergebnis in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung umgebucht werden, sind im
Materialaufwand erfasst.
Das kumulierte sonstige Ergebnis aus den Stromforwards, die als Cashflow Hedge designiert waren, stellt sich wie folgt
dar:
Weitere Erläuterungen zu den latenten Steuern finden sich in Erläuterung 13.
29.4.2. Sonstige Stromderivate
Die folgende Tabelle zeigt das Fristigkeitsband jene
r Forwards, die zwar zu Sicherungszwecken abgeschlossen werden,
aber unter anderem aufgrund der Schwankungen der Verbrauchsmenge nicht die formalen Anforderungen des IFRS 9 für
Cashflow Hedges erfüllen.
Stromderivate ohne Hedge-Beziehungen
31.12.2022
Anzahl Forwards
Nominal-
volumen
Durchschnittlicher
Ausübungspreis
Beizulegender
Zeitwert
Laufzeitende
Einkauf
MWh
in Mio. EUR
in EUR
in Mio. EUR
Bestand 744
1.884.344 423,9
41,6
davon Laufzeitende 2023
600
1.642.004
377,1
229,7
31,8
davon Laufzeitende 2024 143
233.580
45,4
194,4
9,8
davon Laufzeitende 2025
1
8.760
1,3
153,0
0,1
Stromderivate ohne Hedge-Beziehungen
31.12.2022
Anzahl
Forwards
Nominal-
volumen
Durchschnittlicher
Ausübungspreis
Beizulegender
Zeitwert
Laufzeitende
Verkauf
MWh
in Mio. EUR
in EUR
in Mio. EUR
Bestand 84
1.553.158 359,9
-4,8
davon Laufzeitende 2023
65
1.375.4
26
318,9
231,9
-
6,5
davon Laufzeitende 2024 19
177.732
41,1
231,1
1,7
Stromderivate ohne Hedge-Beziehungen
31.12.2021
Anzahl
Forwards
Nominal-
volumen
Durchschnittlicher
Ausübungspreis
Beizulegender
Zeitwert
Laufzeitende
Einkauf
MWh
in Mio. EUR
in EUR
in Mio. EUR
Bestand
403
1.527.959
99,7
194,5
davon Laufzeitende 2022
381
1.256.351
81,4
64,8
179,8
davon Laufzeitende 2023
20
254.040
17,3
68,1
14,2
davon Laufzeitende 2024 2
17.568
1,0
59,4
0,5
Stromforwards
in Mio. EUR
CFH
CFH geschlossen
OCI gesamt
Latente Steuern
OCI nach Steuern
Stand 31.12.2020
9,8
-
1,1
8,8
2,2
6,6
Bahnstrom
310,4
0,0
310,4
77,6
232
,8
Betriebsanlagen
19,9
0,0
19,9
5,0
14,9
Betriebsanlagen geschlossen
-
6,2
6,2
0,0
0,0
0,0
Umbuchung GuV 2021
-
50,9
1,0
-
49,9
-
12,5
-
37,4
Stand 31.12.2021
283,0
6,2
289,2
72,3
216,9
Bahnstrom
204,7
0,0
204,7
51,2
153,6
Betriebsanlagen
57,2
0,0
57,2
1
4,3
42,9
Betriebsanlagen geschlossen
-
59,5
59,5
0,0
0,0
0,0
Umbuchung GuV 2022
-
195,7
-
4,9
-
200,6
-
54,8
-
145,8
Stand 31.12.2022
289,7
60,8
350,5
83,0
267,5
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
65
Stromderivate ohne Hedge-Beziehungen
31.12.2021
Anzahl
Forwards
Nominal-
volumen
Durchschnittlicher
Ausübungspreis
Beizulegender
Zeitwert
Laufzeitende
Verkauf
MWh
in Mio. EUR
in EUR
in Mio. EUR
Bestand
73
1.552.898
109,6
-
168,7
davon Laufzeitende 2022 61
1.129.274
81,3
72,0
-146,0
davon Laufzeitende 2023
11
420.480
28,0
66,6
-
22,6
davon Laufzeitende 2024 1
3.144
0,3
89,1
-0,1
Der Ausweis der Derivate mit einem positiven beizulegenden Zeitwert erfolgt in den kurzfristigen finanziellen
Vermögenwerten (Erläuterung 18). Derivate mit einem negativen beizulegenden Zeitwert werden in den
Finanzverbindlichkeiten ausgewiesen (Erläuterung 25). Veränderungen des beizulegenden Zeitwertes der Stromderivate
ohne Hedge-Beziehung werden in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung im sonstigen Finanzergebnis erfasst.
29.4.3. Sensitivitäten Stromderivate
Eine Erhöhung beziehungsweise Reduktion des Strompreises um 10% bei gleichbleibender Einschätzung des Kreditrisikos
und der Zinskomponente würde zu einer Erhöhung bzw. Reduktion des sonstigen Ergebnisses um rd. 29,0 Mio. EUR und
einer Erhöhung bzw. Reduktion des Finanzertrages in der Gewinn- und Verlustrechnung von rd. 3,7 Mio. EUR führen.
Diese Beträge sind vor der Berücksichtigung von Ertragsteuern.
29.5.
Zusätzliche Angaben gemäß IFRS 7
Kapitalmanagement
Die finanzwirtschaftliche Steuerung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zielt auf die Erhaltung einer hervorragenden
Bonitätseinstufung ab. Aufgrund der speziellen Situation und der gesetzlich festgelegten Aufgabe des Unternehmens,
aber auch aufgrund der Vereinbarung mit der öffentlichen Hand, Infrastrukturaufwendungen (sowohl Errichtung als auch
Betrieb und Instandhaltung), die nicht in der Ertragskraft des Unternehmens Deckung finden, zu bezuschussen, erfolgt die
Steuerung der Kapitalstruktur vor allem mit Kennzahlen, welche die Verschuldung messen und mit den jeweiligen
Planwerten verglichen werden. Grundsätzlich wird der Finanzierungsbedarf im jährlich stattfindenden Planungsprozess
ermittelt, wobei die Tilgungen der nächsten Jahre, die geplanten Investitionen, die vom Bund geleisteten Zuschüsse sowie
der operative Cashflow berücksichtigt werden. Der sich daraus ergebende Finanzierungsbedarf wird kurzfristig über
Kreditlinien bzw. den konzerninternen Cashpool sowie langfristig durch externe Finanzierungen gedeckt. Das
Unternehmen definiert Eigenkapital als Grundkapital, Rücklagen, erwirtschaftetes Ergebnis. Das gemanagte Eigenkapital
beträgt zum 31.12.2022 rd. 1.793,3 Mio. EUR (Vj: rd. 1.736,5 Mio. EUR).
Zusätzliche Angaben zu den Finanzinstrumenten
Zahlungsmittel, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige finanzielle Forderungen haben überwiegend
kurze Restlaufzeiten. Daher entsprechen deren Buchwerte zum Abschlussstichtag näherungsweise den beizulegenden
Zeitwerten. Die beizulegenden Zeitwerte von sonstigen langfristigen Forderungen entsprechen den Barwerten der mit den
Vermögenswerten verbundenen Zahlungen unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Zinsparameter.
Die bilanzierten Werte der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige finanzielle Verbindlichkeiten
stellen näherungsweise die beizulegenden Zeitwerte dar. Langfristige sonstige Forderungen und Vermögenswerte oder
langfristige sonstige Verbindlichkeiten und Schulden sind im Wesentlichen Non-Financial Instruments. Die beizulegenden
Zeitwerte von Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und sonstige finanzielle Verbindlichkeiten werden als Barwerte
der mit den Schulden verbundenen Zahlungen unter Zugrundelegung der jeweils gültigen Zinskurve ermittelt. In der
untenstehenden Überleitungsrechnung werden die Non-Financial Instruments und die Finanzinstrumente aus Hedge
Accounting in einer eigenen Spalte dargestellt, um eine Überleitung zum Buchwert des Bilanzpostens zu ermöglichen.
Die bei den jeweiligen Bilanzposten angegebenen beizulegenden Zeitwerte in den nachstehenden Tabellen beziehen sich
nur auf die Finanzinstrumente. Alle finanziellen Vermögenswerte und Schulden werden mit Ausnahme der Position
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente (Cash) und der emittierten Anleihen mit einer ISIN-Nummer, die in den
Finanzverbindlichkeiten ausgewiesen werden, durchgängig gemäß Level 2 bewertet. Level-2-Bewertungen beruhen auf
anderen Eingangsparametern als die auf Stufe 1 enthaltenen notierten Preise, die für den Vermögenswert oder die Schuld
entweder unmittelbar oder mittelbar am Markt beobachtbar sind. Bei langfristigen Finanzinstrumenten findet die
Bewertung aufgrund abgezinster Zahlungsströme statt.
Für die angegebenen beizulegenden Zeitwerte der emittierten Anleihen mit einer ISIN-Nummer in Höhe von
rd. 8.802,1 Mio. EUR (Vj: rd. 12.146,7 Mio. EUR) werden Marktpreise herangezogen. Davon liegen für
rd. 8.802,1 Mio. EUR (Vj: rd. 12.146,7 Mio. EUR) unangepasste notierte Preise vor (Level-1-Bewertung). Level-1-
Bewertungen sind solche, die sich aus notierten Preisen (unangepasst) auf aktiven Märkten für identische finanzielle
Vermögenswerte oder Schulden ergeben. Die Quelle für die Notierungen ist Reuters. Die Anleihen wurden über die Börsen
in Luxemburg und Wien begeben. Der beizulegende Zeitwert der Anleihen mit CUSIP-Nummern, die 2015 erstmals
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
66
begeben wurden, beträgt rd. 57,6 Mio. EUR (Vj: rd. 58,6 Mio. EUR). Diese wurden mit einem Bewertungsmodell, das auf
Marktparametern basiert, gemäß Level 2 bewertet.
Finanzielle
Vermögenswerte zum
31.12.2022
in Mio. EUR
Buchwert
abzüglich
Non-
Financial
Instruments
Financial
Instruments
FVtPL EK-
Instrumente
zwingend
zum FVtPL
zu
fortgeführten
Anschaffungs
kosten
Cash
Hedge
Accoun-
ting
Fair
Value
Langfristige Vermögenswerte
Finanzielle Vermögenswerte
301,1
0,0
301,1
1,5
0,0
189,6
0,0
110,0
301,1
Sonstige Forderungen und
Vermögenswerte
77,6
77,0
0,6
0,0
0,0
0,6
0,0
0,0
0,6
Kurzfristige Vermögenswerte
Finanzielle Vermögenswerte 415,4
0,0
415,4
0,0
223,1
6,6
0,0
185,7
415,4
Forderungen aus Lieferungen
und Leistungen
189,8
22,9
166,9
0,0
0,0
166,9
0,0
0,0
166,9
Sonstige Forderungen und
Vermögenswerte
351,2
276,3
74,9
0,0
0,0
74,9
0,0
0,0
74,9
Zahlungsmittel und
Zahlungsmitteläquivalente
32,4
0,0
32,4
0,0
0,0
0,0
32,4
0,0
32,4
Summe Buchwert je
Kategorie
1,5
223,1
438,6
32,4
295,7
Finanzverbindlichkeiten
zum 31.12.2022
in Mio. EUR
Buchwert
abzüglich
Non-
Financial
Instruments
Financial
Instruments
At
Amortised
Cost
At Fair Value
through Profit
and Loss
(Held for
Trading)
Hedge
Accounting
Leasing
Fair Value *)
Langfristige Verbindlichkeiten
Finanzverbindlichkeiten 23.870,7
0,0
23.870,7
23.638,8
0,0
6,0
225,9
20.654,2
Sonstige Verbindlichkeiten
19,9
19,9
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
Kurzfristige Verbindlichkeiten
Finanzverbindlichkeiten
2.832,5
0,0
2.832,5
2.625,6
190,8
0,0
16,1
2.816,0
Verbindlichkeiten aus
Lieferungen und Leistungen
1.126,5
3,3
1.123,2
1.123,2
0,0
0,0
0,0
1.123,2
Sonstige Verbindlichkeiten 967,0
195,2
771,8
771,8
0,0
0,0
0,0
771,8
Summe Buchwert je Kategorie
28.159,4
190,8
6,0
242,0
*) Die angegebenen Fair Values zu den Finanzverbindlichkeiten enthalten keine Werte für die Leasingverbindlichkeiten.
Finanzielle Vermögenswerte
zum 31.12.2021
in Mio. EUR
Buchwert
abzüglich
Non-
Financial
Instru
ments
Financial
Instruments
FVtPL EK-
Instrumente
zwingend
zum
FVtPL
zu
fortgeführten
Anschaffungs-
kosten
Cash
Hedge
Accoun-
ting
Fair
Value
Langfristige
Vermögenswerte
Finanzielle Vermögenswerte 192,3
0,0
192,3
0,8
0,0
100,6
0,0
90,9
192,3
Sonstige Forderungen und
Vermögenswerte
89,3
89,1
0,2
0,0
0,0
0,2
0,0
0,0
0,2
Kurzfristige Vermögenswerte
Finanzielle Vermögenswerte
392,4
0,0
392,4
0,0
194,5
4,5
0,0
193,4
392,4
Forderungen aus Lieferungen
und Lei
stungen
173,6
18,7
154,9
0,0
0,0
154,9
0,0
0,0
154,9
Sonstige Forderungen und
Vermögenswerte
283,3
241,1
42,2
0,0
0,0
42,2
0,0
0,0
42,2
Zahlungsmittel und
Zahlungsmitteläquivalente
32,1
0,0
32,1
0,0
0,0
0,0
32,1
0,0
32,1
Summe Buchwert je
Kategorie
0,8
194,5
302,4
32,1
284,3
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
67
Finanzverbindlichkeiten zum
31.12.2021
in Mio. EUR
Buchwert
abzüglich
Non-
Financial
Instruments
Financial
Instruments
At
Amortised
Cost
At Fair Value
through Profit
and Loss
(Held for
Trading)
Hedge
Accounting
Leasing
Fair
Value *)
Langfristige Verbindlichkeiten
Finanzverbindlichkeiten
22.098,0
0,0
22.098,0
22.024,2
4,6
0,7
68,5
25.826,5
Sonstige Verbindlichkeiten
20,3
20,3
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
Kurzfristige Verbindlichkeiten
Finanzverbindlichkeiten
2.431,0
0,0
2.431,0
2.252,7
169,7
0,0
8,6
2.464,0
Verbindlichkeiten aus Lieferungen
und Leistungen
842,3
3,4
838,9
838,9
0,0
0,0
0,0
838,9
Sonstige Verbin
dlichkeiten
1.305,8
172,7
1.133,1
1.133,1
0,0
0,0
0,0
1.133,1
Summe Buchwert je Kategorie
26.248,9
174,3
0,7
77,1
*) Die angegebenen Fair Values zu den Finanzverbindlichkeiten enthalten keine Werte für die Leasingverbindlichkeiten.
Saldierung von Finanzinstrumenten
Gemäß den Regelungen des IFRS 7.13C sind die in der Bilanz tatsächlich durchgeführten Saldierungen und potenziellen
Aufrechnungsbeträge darzustellen. Da keine Vereinbarungen betreffend tatsächlicher Saldierungen bestehen, werden in
den nachfolgenden Tabellen nur die potenziellen Aufrechnungsbeträge aus Stromderivaten aufgrund von
Nettingvereinbarungen und sonstigen Vereinbarungen mit Vertragspartnern dargestellt:
per 31.12.2022
in Mio. EUR
Buchwerte brutto
gebucht
potenzielle
Aufrechnungsbeträge, die nicht
in der Bilanz saldiert werden
Nettobeträge nach
potenzieller Saldierung
Stromderivate Aktiv
223,1
-
59,7
163,4
Stromderivate Passiv -186,3
59,7
-126,6
per 31.12.2021
in Mio. EUR
Buchwerte brutto
gebucht
potenzielle
Aufrechnungsbeträge, die nicht
in der Bilanz saldiert werden
Nettobeträge nach
potenzieller Saldierung
Stromderivate Aktiv
194,5
-
108,3
86,2
Stromderivate Passiv
-
168,8
108,3
-
60,5
Erläuterungen zur Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung und zur Konzern-Bilanz
Die Zinsergebnisse, die nicht aus Finanzinstrumenten nach den Kategorien des IFRS 9 resultieren, setzen sich insbesondere
aus der Aufzinsung von sonstigen Rückstellungen zusammen.
Nettofinanzergebnisse nach Bewertungsklassen
Das Nettoergebnis, unterteilt nach Bewertungsklassen, ist aus nachfolgender Aufstellung zu entnehmen:
Ergebnis aus der Folgebewertung
31.12.2022
in Mio. EUR
Zinsergebnis
zum Fair
Value
Währungs-
umrechnung
Wert-
berichtigung
(Impairment)/
Wertaufholung
Ergebnis aus
dem Abgang
Ergebnis aus
Beteiligungen
Sonstiges
Financial Assets measured at
amortised cost (FAAC)
10,8
0,0
8,5
0,2
0,0
0,0
1,0
FVtPL (EK
-
Instrumente)
0,0
0,2
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
Financial Instruments measured
at
FVtPL (Pflichtansatz)
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
-
44,0
Financial Liabilities measured at
Amortised Cost (FLAC)
*)
-
369,1
0,0
-
8,3
0,0
2,4
0,0
0,0
*) In den Zinsaufwendungen sind Negativzinsen aus Darlehen in Höhe von rd. 8,8 Mio. EUR saldiert.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
68
Ergebnis aus der Folgebewertung
31.12.2021
in Mio. EUR
Zinsergebnis
zum Fair
Value
Währungs-
umrechnung
Wert-
berichtigung
(Impairment)/
Wertaufholung
Ergebnis aus
dem Abgang
Ergebnis aus
Beteiligungen
Sonstiges
Financial Assets measured at
amortised cost (FAAC)
5,9
0,0
7,2
0,0
0,0
0,0
-
1,0
FVtPL (EK
-
Instrumente)
0,0
0,1
0,0
0,0
0,0
3,1
0,0
Financial Instruments
measured at FVtPL
(Pflichtansatz)
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
20,3
Financial Liabilities measured
at Amortised Cost (FLAC)
*)
-410,9
0,0
-7,2
0,0
0,0
0,0
0,0
*) In den Zinsaufwendungen sind Negativzinsen aus Darlehen in Höhe von rd. 10,8 Mio. EUR saldiert.
Die im Beteiligungsergebnis enthalten Beträgen betreffen ausschließlich Dividenden.
Das Zinsergebnis aus finanziellen Verbindlichkeiten der Bewertungsklasse „Financial Liabilities Measured at Amortised Cost”
schließt im Wesentlichen Zinsaufwendungen aus Anleihen und Krediten sowie Cross-Border-Leasing-Transaktionen ein.
Die übrigen Komponenten des Nettoergebnisses erfasst der ÖBB-Infrastruktur-Konzern im sonstigen Finanzaufwand bzw.
im sonstigen Finanzertrag. Der nach der Effektivzinsmethode berechnete Gesamtzinsertrag beträgt rd. 10,8 Mio. EUR
(Vj: rd. 5,9 Mio. EUR).
Erträge (Vj: Aufwendungen) aus Wertberichtigungen von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstigen
Forderungen und Vermögenswerten in Höhe von rd. 0,9 Mio. EUR (Vj: rd. 0,5 Mio. EUR) sind nicht im Nettofinanzergebnis,
sondern im operativen Ergebnis enthalten. Nähere Informationen dazu gibt Erläuterung 20.
29.6.
Derivative Finanzinstrumente
In den nachfolgenden Tabellen sind die bilanzierten beizulegenden Zeitwerte sämtlicher derivativer Finanzinstrumente
dargestellt. Dabei wird unterschieden, ob diese in eine wirksame Sicherungsbeziehung gemäß IFRS 9 (Cashflow Hedge)
eingebunden sind oder nicht.
Vermögenswerte Schulden
in Mio. EUR
Buchwerte
31.12.2022
Buchwerte
31.12.2021
Buchwerte
31.12.2022
Buchwerte
31.12.2021
Zinsswaps
ohne Hedge-Beziehung 0,0
0,0
0,0
0,9
Stromderivate
ohne Hedge-Beziehung 223,1
194,5
186,3
168,8
Cashflow Hedges
295,7
284,3
6,0
0,7
Sonstige Derivate
ohne Hedge-Beziehung 0,0
0,0
4,5
4,6
Summe
518,8
478,8
196,8
175,0
Die sonstigen Derivate ohne Hedge-Beziehung betreffen Swaps im Zusammenhang mit der Restposition einer aufgelösten
Cross-Border-Leasing-Transaktion.
29.7.
Fair Value-Hierarchie
Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie die beizulegenden Zeitwerte jener Vermögenswerte und Schulden ermittelt wurden,
die zum beizulegenden Zeitwert bilanziert werden, wobei eine Klassifizierung in eine dreistufige Hierarchie die Marktnähe
der in die Ermittlung eingehenden Daten widerspiegelt.
31.12.2022
in Mio. EUR
Level 2
Level 3
Summe
Derivate unter Hedge Accounting
295,7
0,0
295,7
Derivate ohne Hedge
-
Beziehung
223,1
0,0
223,1
Eigenkapitalinstrumente 0,0
1,5
1,5
Finanzielle Vermögenswerte
518,8
1,5
5
20,3
Derivate unter Hedge Accounting
6,0
0,0
6,0
Derivate ohne Hedge
-
Beziehung
190,8
0,0
190,8
Finanzielle Schulden
196,8
0,0
196,8
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
69
31.12.2021
in Mio. EUR
Level 2
Level 3
Summe
Derivate unter Hedge Accounting
284,3
0,0
284,3
Deriv
ate ohne Hedge
-
Beziehung
194,5
0,0
194,5
Eigenkapitalinstrumente
0,0
0,8
0,8
Finanzielle Vermögenswerte
478,8
0,8
479,6
Derivate unter Hedge Accounting
0,7
0,0
0,7
Derivate ohne Hedge-Beziehung 174,3
0,0
174,3
Finanzielle Schulden 175,0
0,0
175,0
Die verschiedenen Levels wurden wie folgt bestimmt:
Level 1:
Notierte Preise (unangepasst) finden sich auf einem aktiven Markt für identische Finanzinstrumente.
Level 2:
Es wurden andere Parameter als jene in Ebene 1, die für das Finanzinstrument beobachtbar sind (entweder
direkt, das heißt als Preise, oder indirekt, das heißt abgeleitet aus Preisen), verwendet.
Level 3:
Es wurden Parameter verwendet, die nicht ausschließlich auf beobachtbaren Marktdaten basieren.
Transfers zwischen den einzelnen Ebenen fanden nicht statt. Hinsichtlich weiterer Details zu diesen Finanzinstrumenten
wird auf Erläuterung 29.1. verwiesen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
70
30.
Leasingtransaktionen
30.1.
Leasinggeber
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist Eigentümerin der Schieneninfrastruktur sowie des weitaus überwiegenden Teiles der
Immobilien im ÖBB-Konzern.
Bei den an Dritte vermieteten Vermögenswerten handelt es sich einerseits um als Finanzinvestition gehaltene Immobilien
(IAS 40) und andererseits um Gebäude, die teilweise vermietet werden, deren Anteil aber nicht überwiegend ist und die
daher nicht unter IAS 40 fallen oder gesondert ausgewiesen werden können. Der weitaus überwiegende Teil der
Mietverhältnisse ist kündbar. Die Infrastruktur, die der Rail Cargo Austria AG, der ÖBB-Personenverkehr AG und anderen
Bahnbetreibern zur Nutzung gegen Entgelt zur Verfügung gestellt wird, wird auf Basis einer aktuellen Preisliste (gefahrene
Kilometer oder transportierte Bruttotonnen) verrechnet, weshalb es sich dabei nicht um ein Leasing-, sondern um ein
Dienstleistungsverhältnis handelt.
Es gibt in beiden Berichtsjahren rd. 26.000 Mietverträge, die überwiegend unbefristet und unter Einhaltung einer
Kündigungsfrist von maximal sechs Monaten aufgelöst werden könnten. Davon sind rd. 4.000 (Vj: rd. 4.100) externe
befristete Mietverträge, die zwischen 2023 und 2112 (Vj: 2022 und 2112) enden, und innerhalb des ÖBB-Konzerns 28
(Vj: 60) Verträge, die zwischen 2023 und 2114 (Vj: 2022 und 2114) enden, wobei es sich bei den langfristigen Verträgen
um eingeräumte Baurechte an Grund und Boden handelt, welche als operatives Leasing klassifiziert wurden. Die bedingten
Mieterträge beziehen sich ausschließlich auf Mietverträge und sind gegenüber Dritten und nicht mit Konzerngesellschaften
abgeschlossen.
Da es sich bei den vermieteten Objekten mit Ausnahme der als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien um nicht
abtrennbare Teilflächen von Gebäuden wie beispielsweise Bahnhöfe handelt, ist eine Angabe der Buchwerte weder
zielführend noch möglich.
Operatives Leasing
Die undiskontierten Mindestleasingzahlungen aus den befristeten operativen Leasingverträgen an den Bilanzstichtagen
betragen:
31.12.2022
in Mio. EUR
Gesamt
bis zu 1 Jahr
1 bis 5 Jahre
mehr als 5 Jahre
Grundstücke und Bauten 694,4
51,0
121,0
522,4
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 84,5
1,3
4,2
79,0
Fahrpark
8,1
3,2
4,8
0,1
davon gegenüber verbundenen Unternehmen 7,1
2,8
4,2
0,1
31.12.2021
in Mio. EUR
Gesamt
bis zu 1 Jahr
1 bis 5 Jahre
mehr als 5 Jahre
Grundstücke und Bauten
615,8
45,2
113,4
457,2
davon gegenüber verbundenen Unternehmen
84,7
1,4
4,5
78,8
Fahrpark
8,5
3,7
4,7
0,1
davon gegenüber verbund
enen Unternehmen
7,6
3,4
4,1
0,1
An bedingten Mietzahlungen wurden im Jahr 2022 rd. 9,2 Mio. EUR (Vj: rd. 7,5 Mio. EUR) ertragswirksam erfasst.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
71
Finanzierungsleasing
Die nachfolgende Tabelle stellt eine Fälligkeitsanalyse der Leasingforderungen dar und zeigt die nach dem Bilanzstichtag
zu erhaltenden nicht diskontierten Leasingzahlungen.
Für den 31.12.2022
in Mio. EUR
Mindestleasing-
zahlungen
Enthaltener
Zinsertrag
Netto-
investitionen
2023
6,6
-
2,3
4,3
2024 bis 2027
26,1
-
8,1
18,0
nach 2027
98,1
-
14,4
83,7
Summe der Mindestleasingzahlungen
130,8
-
24,8
106,0
Im Geschäftsjahr 2022 sind unter den finanziellen Vermögenswerten Finanzierungsleasingforderungen aus dem Sub-
Lease-Vertrag mit anderen Gesellschaften des ÖBB-Konzerns zur Immobilie in der Lassallestraße in Höhe von
rd. 106,0 Mio. EUR enthalten. Im Geschäftsjahr 2021 hatte der Konzern kein Finanzierungsleasing als Leasinggeber.
30.2.
Leasingnehmer
Nutzungsrechte
Die Leasingverträge betreffen hauptsächlich Gebäude. Die Leasingverträge haben eine maximale Laufzeit bis 2039. Die
Nutzungsrechte werden als Sachanlagen dargestellt (Erläuterung 14). Für Leasingverträge wird der vereinbarte Zeitraum,
für den ein Kündigungsverzicht oder eine Verlängerungsoption besteht, zur Schätzung der Laufzeit des Leasingvertrages
herangezogen. Bei unbefristet abgeschlossenen Verträgen für die bei einer Kündigung ein wesentlich wirtschaftlicher
Nachteil entstehen würde, wird die Leasinglaufzeit geschätzt.
Leasingverbindlichkeiten
Die folgende Tabelle stellt eine Fälligkeitsanalyse der Leasingverbindlichkeiten dar und zeigt die nach dem Bilanzstichtag
zu zahlenden nicht diskontierten Leasingzahlungen.
Für den 31.12.2022
in Mio. EUR
Mindestleasing-
zahlungen
Enthaltener
Zinsaufwand
Barwert
2023 20,3
-4,2
16,1
2024 bis 2027
70,5
-
14,7
55,8
nach 2027
194,0
-
23,9
170,1
Summe
284,8
-
42,8
242,0
Für den 31.12.2021
in Mio. EUR
Mindestleasing-
zahlungen
Enthaltener
Zinsaufwand
Barwert
2022
9,2
-
0,6
8,6
2023 bis 2026
8,7
-
2,0
6,7
nach 2026
63,3
-
1,5
61,8
Summe
81,2
-
4,1
77,1
Zum 31.12.2022 haben sich die Leasingverbindlichkeiten aufgrund der Anmietung einer Immobilie in der Lassallestraße
um rd. 166,6 Mio. EUR erhöht.
In der Konzern-Gewinn- und Verlust-Rechnung erfasste Beträge
in Mio. EUR
2022
2021
Zinsaufwendungen für Leasingverbindlichkeiten
2,3
0,7
Aufwendungen für kurzfristige
Leasingverhältnisse
0,6
0,7
Aufwendungen für Leasingverhältnisse über einen Vermögenswert von geringem Wert
0,4
0,4
Abschreibungen auf Nutzungsrechte
10,3
8,5
Ertrag aus dem Unterleasing von Nutzungsrechten 0,7
0,0
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
72
In der Konzern-Geldflussrechnung erfasste Beträge
in Mio. EUR
2022
2021
Gesamter Zahlungsmittelabfluss für Leasingverhältnisse
11,2
9,3
davon Tilgungsanteil 9,9
8,6
davon Zinsanteil
1,3
0,7
Die gesamten Zahlungsmittelabflüsse setzen sich aus Zinsen und Tilgung zusammen, wobei die Tilgungen im
Finanzierungs- und die Zinsen im operativen Cashflow dargestellt sind. Zahlungen für kurzfristige Leasingverhältnisse und
für Leasingverhältnisse über Vermögenswerte mit geringen Werten werden im operativen Cashflow dargestellt.
Verlängerungsoptionen
Einige Immobilienmietverträge enthalten Verlängerungsoptionen, die bis zu einem Jahr vor Ablauf der unkündbaren
Vertragslaufzeit vom Konzern ausübbar sind. Der Konzern beurteilt am Bereitstellungsdatum und erneut bei Eintritt einer
signifikanten Änderung von Umständen, ob die Ausübung der Verlängerungsoption hinreichend sicher ist. Die
Leasingverträge enthalten keine besonderen Beschränkungen oder Zusagen.
30.3.
Cross-Border-Leasing-Verträge
Im Zeitraum von Mai 1995 bis Dezember 2002 haben die Österreichischen Bundesbahnen (nunmehr ÖBB-Infrastruktur AG)
17 Cross-Border-Leasing-Transaktionen (CBL-Transaktionen) über Infrastrukturanlagen und Rollmaterial abgeschlossen. Die
letzte offene CBL-Transaktion wurde im Jahr 2022 beendet. Aus der Beendigung dieser sowie einer Transaktion aus
Vorjahren bestehen Ansprüche gegenüber verbundene Tochterunternehmen des übrigen ÖBB-Konzerns in Höhe von
rd. 7,5 Mio. EUR (Vj: rd. 6,6 Mio. EUR).
Bilanzielle Behandlung bis 31.12.2021
Sofern die bilanzielle Erfassung geboten war, wurden die Wertpapiere (Veranlagungen bei Banken und PUAs) mit den
fortgeführten Anschaffungskosten bewertet. Den finanziellen Vermögenswerten standen zunächst
Leasingverbindlichkeiten gegenüber. Im Zuge einer Ratingverschlechterung eines Tilgungsträgers in der Vergangenheit
wurden vertragsgemäß US-Treasuries zur Absicherung fremdfinanziert über Kredite und Anleihen angeschafft. Die
Umrechnung der Fremdwährungsbeträge erfolgt zum jeweiligen Stichtagskurs. Allfälligen wechselkursbedingten
Wertminderungen und Wertsteigerungen stehen gegengleiche Wechselkurseffekte bei den Leasingverbindlichkeiten
gegenüber. Wechselkurseffekte bei den oben erwähnten US-Treasuries und den entsprechenden Fremdfinanzierungen
wurden innerhalb des Konzerns weiterverrechnet.
Im Konzernabschluss zum 31.12.2021 betrugen die finanziellen Vermögenswerte im Zusammenhang mit nicht
verknüpften Leasingtransaktionen rd. 20,4 Mio. EUR und die damit im Zusammenhang stehenden
Finanzverbindlichkeiten rd. 20,4 Mio. EUR. Die Wertminderungen wurden in Abhängigkeit von historischen
Ausfallswahrscheinlichkeiten gemessen am Rating der Vertragspartner und der Restlaufzeit der Transaktion ermittelt. Per
31.12.2021 bestanden Wertberichtigungen in Höhe von rd. 0,01 Mio. EUR auf Veranlagungen.
Behandlung von Transaktionen ohne gesonderten wirtschaftlichen Gehalt (verknüpfte Transaktionen) per
31.12.2021
Bei Transaktionen, die keinen wirtschaftlichen Gehalt hatten und infolgedessen auch nicht als Leasingverhältnis zu
bilanzieren waren, wurden keine Vermögenswerte und Verbindlichkeiten erfasst. Die zivilrechtlichen Verpflichtungen aus
den Leasingverhältnissen wurden für den Fall, dass die jeweiligen Vertragspartner unter den Schuldübernahmeverträgen
den Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, als Eventualverbindlichkeiten dargestellt. Zum 31.12.2021 betrugen die
Eventualverbindlichkeiten aus CBL-Transaktionen rd. 44,5 Mio. EUR.
31.
Vereinbarungen von Dienstleistungslizenzen (SIC 29)
Die folgenden Erläuterungen und Angaben beziehen sich auf die Erfordernisse des SIC 29 (Vereinbarungen von
Dienstleistungslizenzen). Darunter versteht man Vereinbarungen zwischen Unternehmen über die Erbringung von
Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit Zugang zu wichtigen wirtschaftlichen und öffentlichen Einrichtungen gewähren.
Konzessionen Liechtenstein und Schweiz
Vereinbarungen von Dienstleistungslizenzen im Sinne des SIC 29 betreffen den Bereich Schieneninfrastruktur.
In Übereinstimmung mit unionsrechtlichen Vorgaben und nach den nationalen Rechtsordnungen der beteiligten Länder
benötigt die ÖBB-Infrastruktur AG als Infrastrukturbetreiberin jener Strecken oder Streckenteile ihres Netzes, die auf
ausländischem Territorium liegen Konzessionen der jeweiligen nationalen Eisenbahnbehörden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
73
– Für die Strecke auf liechtensteinischem Staatsgebiet wurde der ÖBB-Infrastruktur AG mit Beschluss der Regierung des
Fürstentums Liechtenstein vom 15.12.2020, LNR 2020-1825/BNR 2020/1848 AP 330.0 die bis dahin bestehende
Eisenbahn-Konzession als „Infrastruktur-Konzession auf der Strecke liechtensteinisch-österreichische Staatsgrenze bei
Schaanwald bis zur liechtensteinisch-schweizerischen Staatsgrenze bei Schaan” erteilt. Diese Konzession ist auf 47 Jahre
befristet und erlischt am 31.12.2067.
– Für die Teilstrecken auf Schweizer Staatsgebiet wurde der ÖBB-Infrastruktur AG mit Verfügungen des Eidgenössischen
Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation vom 03.03.2017 sowie vom 04.11.2021 die bis dahin
bestehende „Konzession Nr. 5030 für Bau und Betrieb einer Eisenbahninfrastruktur“
• für die Strecke St. Margrethen – Grenze (– Bregenz) für die Dauer von fünfzig Jahren, das heißt bis zum 31.12.2067
und
• für die Strecke Buchs SG – Grenze (– Feldkirch) bis zum 31.12.2067 erneuert.
Die ÖBB-Infrastruktur AG verfügt damit für die auf ausländischem Staatsgebiet befindlichen Teilabschnitte der
bestehenden grenzüberschreitenden Eisenbahnstrecken in die Schweiz und nach Liechtenstein über aktuelle und gültige
Infrastrukturkonzessionen als Infrastrukturbetreiberin bis zum Ende des Jahres 2067 im Sinne der einschlägigen
unionsrechtlichen Vorgaben und hat damit dort – vergleichbar der ihr in Österreich durch § 51 Bundesbahngesetz
eingeräumten Rechtsstellung – die Rechte und Pflichten eines Eisenbahninfrastrukturbetreibers für die von den
Konzessionen erfassten Strecken.
Nachdem am 20.08.2020 die liechtensteinische Regierungsvorlage über die Genehmigung eines Verpflichtungskredites in
einer Volksabstimmung abgelehnt wurde, fehlt die erforderliche Finanzierungsgrundlage für das mit Bescheiden des
BMVIT vom 11.06.2015, BMVIT-820.371/0001-IV/SCH2/2015 und Entscheid der Regierung des Fürstentums Liechtenstein
vom 16.12.2016 behördlich genehmigte Ausbauvorhaben zu Reinvestition, selektivem zweigleisigem Ausbau und
Modernisierung der Strecke Feldkirch – Buchs.
Bis zur Erzielung eines trilateralen Konsenses der beteiligten Staaten und der ÖBB-Infrastruktur AG über einen allfälligen
Ausbau, der allerdings mittelfristig nicht zur Diskussion steht, wird damit die Strecke Feldkirch – Buchs im Wesentlichen in
ihrem derzeitigen Bestand in einem guten, für die Abwicklung eines sicheren und ordentlichen Eisenbahnbetriebes
geeigneten Zustand zu erhalten und Eisenbahnverkehrsunternehmen zur Führung von Verkehren im Rahmen ihres
Zugangsrechtes zur Verfügung zu stellen sein.
Diesbezüglich ist eine Sanierung der Bestandsstrecke, voraussichtlich ab 2024ff. vorgesehen. Die Infrastrukturvermögen in
Liechtenstein und der Schweiz stehen im Eigentum der ÖBB-Infrastruktur AG und haben zum 31.12.2022 einen Buchwert
von rd. 25,5 Mio. EUR (Vj: rd. 26,9 Mio. EUR). Die Konzessionärin übernimmt die Beförderung von Personen, Reisegepäck
und Gütern.
32.
Transaktionen mit nahestehenden Unternehmen und nahestehenden Personen
Lieferungen an oder von nahestehenden Unternehmen oder nahestehenden Personen
Nahestehende Unternehmen bzw. nahestehende Personen beinhalten verbundene, nicht vollkonsolidierte Unternehmen
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns oder des ÖBB-Holding-Konzerns, assoziierte Unternehmen mit eventuellen
Tochterunternehmen, Gemeinschaftsunternehmen mit eventuellen Tochterunternehmen, die Aktionärin der ÖBB-
Holding AG (Republik Österreich) sowie deren wesentlichste Tochtergesellschaften und die Mitglieder des Managements
in Schlüsselpositionen (Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats der ÖBB-Infrastruktur AG und Mitglieder der
Geschäftsführungen und der Aufsichtsräte von vollkonsolidierten Tochterunternehmen der ÖBB-Infrastruktur AG) und die
nahen Familienangehörigen sowie die nahestehenden Unternehmen der Mitglieder des Managements in
Schlüsselpositionen.
Mit Gesellschaften, an denen die Republik Österreich direkt oder indirekt Beteiligungen hält (z.B. Österreichische Bundes-
und Industriebeteiligungen GmbH, OMV Aktiengesellschaft, Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-
Aktiengesellschaft, Telekom Austria AG, Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH, Verbund AG), die
ebenfalls als nahestehende Unternehmen gemäß IAS 24 einzustufen sind, bestehen Geschäftsbeziehungen innerhalb des
Leistungsspektrums des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zu fremdüblichen Bedingungen. Die im Berichtsjahr mit diesen
Unternehmen im Sinne von IAS 24 durchgeführten Transaktionen betrafen alltägliche Geschäfte des operativen
Geschäftsbereichs. Wesentliche Transaktionen (Umsatzerlöse in Höhe von rd. 38,3 Mio. EUR [Vj: rd. 19,6 Mio. EUR],
Aufwendungen in Höhe von rd. 120,9 Mio. EUR [Vj: rd. 90,0 Mio. EUR]) wurden mit dem Konzern der Verbund AG
getätigt. Die zum Bilanzstichtag offenen Posten dieser Unternehmen werden in den Forderungen und Verbindlichkeiten
aus Lieferungen und Leistungen ausgewiesen. Die übrigen Transaktionen waren insgesamt von untergeordneter
Bedeutung und lagen unter 2% der Aufwendungen für Material sowie bezogene Leistungen und der Umsatzerlöse.
Einkäufe wurden zu Marktpreisen abzüglich handelsüblicher Mengenrabatte sowie sonstiger auf Basis des Umfangs der
Geschäftsbeziehungen gewährter Rabatte getätigt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
74
Nachfolgend wird auf das Volumen der Transaktionen zwischen dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern und nahestehenden
Unternehmen des übrigen ÖBB-Konzerns sowie die aus diesen Transaktionen offenen Forderungen und Verbindlichkeiten
zum Geschäftsjahresende eingegangen:
Verbundene
Unternehmen
Teilkonzern Rail
Cargo Austria
Verbundene
Unternehmen
Teilkonzern ÖBB-
Personenverkehr
Verbundene nicht
vollkonsolidierte
Unternehmen der
ÖBB-Infrastruktur
Übrige verbundene
Unternehmen
in Mio. EUR
2022
2021
2022
2021
2022
2021
2022
2021
Verkauf von Waren/Dienstleistungen 140,1
108,0
293,0
393,6
0,0
0,0
217,8
170,3
Erwerb von
Waren/Dienstleistungen/Anlagevermögen
46,3
46,3
66,7
62,8
0,0
0,0
170,1
137,0
Forderungen aus Lieferung und Leistung
5,6
3,9
6,4
35,0
0,0
0,0
42,7
27,4
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 0,0
0,0
22,9
6,9
0,0
0,0
90,6
1,6
Verbindlichkeiten aus Lieferung und
Leistung
11,1
8,8
30,2
16,6
0,0
0,0
140,1
29,5
Sonstige finanzielle Schulden
0,0
0,0
0,0
0,1
0,3
0,3
1.253,8
541,6
Transaktionen mit verbundenen Unternehmen des übrigen ÖBB-Konzerns werden in den Erläuterungen zu den einzelnen
Positionen zum Konzernabschluss gesondert angegeben. Die finanziellen Schulden gegenüber den übrigen verbundenen
Unternehmen bestehen im Wesentlichen gegenüber der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH.
Seitens des Mutterunternehmens ÖBB-Holding AG wurden im Berichtsjahr Leistungen unter anderem in den Bereichen
Controlling, Finanzen, Kommunikation, Marketing, Produktion, Technik, Sicherheit, Revision, Konzernrechnungswesen,
-bilanzierung und -steuern, Strategie, Unternehmensentwicklung, Recht, Compliance sowie strategischer Konzerneinkauf,
strategisches IT-Management und strategisches Personalmanagement erbracht, die mittels Einzelvereinbarungen oder im
Umlagenweg zur Verrechnung gelangt sind. Die Umsatzerlöse betrugen rd. 4,5 Mio. EUR (Vj: rd. 2,9 Mio. EUR), die
Aufwendungen rd. 21,4 Mio. EUR (Vj: rd. 21,0 Mio. EUR). Per 31.12.2022 werden Forderungen über rd. 169,5 Mio. EUR
(Vj: rd. 145,0 Mio. EUR) und Verbindlichkeiten über rd. 10,4 Mio. EUR (Vj: rd. 9,7 Mio. EUR) ausgewiesen. Die
Forderungen gegenüber der ÖBB-Holding AG bestehen insbesondere aus Umsatzsteuerguthaben
(Umsatzsteuerorganschaft).
Im Jahr 2022 wurde ein Bürogebäude angemietet, das teilweise mittels eines Sublease-Vertrags an Gesellschaften des
übrigen ÖBB-Konzerns weitervermietet wurden. Daraus ergeben sich Leasingforderungen in Höhe von insgesamt rd. 106,0
Mio. EUR, die mit rd. 90,0 Mio. EUR auf die ÖBB-Business Competence Center GmbH, mit rd. 9,6 Mio. EUR auf die
ÖV Ticketshop GmbH und mit rd. 6,3 Mio. EUR auf die ÖBB-Personenverkehr AG verteilen.
Nachfolgend werden die Konzernbeziehungen zu den assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen
dargestellt. Den Mitgliedern der Vorstände und der Aufsichtsräte des Mutterunternehmens ÖBB-Holding AG und der ÖBB-
Infrastruktur AG sowie denen nahestehende Unternehmen oder Personen wurden weder Vorschüsse und Kredite gewährt
noch zugunsten dieser Personen Haftungsverhältnisse eingegangen. Bei der angeführten Transaktion handelt es sich um
Umsätze im Zusammenhang mit Immobilien zwischen dem ÖBB-Infrastruktur Konzern und einem dem Aufsichtsrat
nahestehenden Unternehmen.
Aufsichtsräten
nahestehende Unternehmen
Assoziierte
Unternehmen
Gemeinschafts-
unternehmen
in Mio. EUR
2022
2021
2022
2021
2022
2021
Verkauf von Waren/Dienstleistungen (Gesamterträge) 0,1
0,1
4,2
4,1
0,5
0,4
Erwerb von Waren/Dienstleistungen/Anlagevermögen
(Gesamtaufwendungen)
0,0
0,0
33,3
33,4
0,0
0,0
Forderungen aus Lieferung und Leistung
0,0
*)
0,0
*)
0,5
0,9
0,0
0,4
Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung
0,0
0,0
2,2
2,4
0,0
0,0
*) Kleinstbetrag.
Informationen über gegebene Garantien gegenüber verbundenen Unternehmen sind in Erläuterung 28 enthalten.
Leistungsbeziehungen mit dem Bund, Rahmenplan für Infrastruktur-Investitionen und die
Haftung des Bundes
Allgemein
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen, dessen Aufgaben im öffentlichen Interesse liegen
und in § 31 Bundesbahngesetz näher bestimmt sind. Die Grundlage für die Finanzierung der Gesellschaft bildet
§ 47 Bundesbahngesetz, wonach der Bund dafür zu sorgen hat, dass der ÖBB-Infrastruktur AG die zur Erfüllung ihrer
Aufgaben und zur Aufrechterhaltung ihrer Liquidität und des Eigenkapitals erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen,
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
75
soweit die Aufgaben vom Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz umfasst sind. Die in dieser Bestimmung vom
Bund gesetzlich normierte Zusage findet in den Zuschussverträgen nach § 42 (1) und (2) Bundesbahngesetz ihre konkrete
Umsetzung. Nach Verständnis der Vertragspartner ist das Ziel der Zuschussverträge, unabhängig von der jeweiligen
Vertragslaufzeit, die Werthaltigkeit der für die Aufgaben gemäß § 31 Bundesbahngesetz eingesetzten Vermögenswerte
der ÖBB-Infrastruktur AG dauerhaft sicherzustellen, womit auch dem gesetzlichen Auftrag des Bundesbahngesetzes
entsprochen wird.
Die ÖBB-Infrastruktur AG trägt die Kosten für die Erfüllung ihrer Aufgaben. Hierzu leistet der Bund der ÖBB-Infrastruktur AG
– gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz über deren Ersuchen insbesondere für den Betrieb der Schieneninfrastruktur und
deren Bereitstellung an die Nutzer insoweit und solange einen Zuschuss, als die unter den jeweiligen Marktbedingungen
von den Nutzern der Schieneninfrastruktur zu erzielenden Erlöse die bei sparsamer und wirtschaftlicher
Geschäftsführung anfallenden Aufwendungen nicht abdecken, und
– gemäß § 42 (2) Bundesbahngesetz Zuschüsse zur Instandhaltung, zur Planung und zum Bau von Schieneninfrastruktur.
Über die Zuschüsse gemäß § 42 (1) und (2) Bundesbahngesetz sind zwischen dem Bundesministerium für Klimaschutz,
Umwelt, Energie Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Finanzen
(BMF) und der ÖBB-Infrastruktur AG zwei gesonderte Verträge mit jeweils sechsjähriger Laufzeit abzuschließen, in denen
der Zuschussgegenstand, die Höhe der dafür zu gewährenden Zuschüsse, die allgemeinen und besonderen
Zuschussbedingungen und die Zahlungsmodalitäten festzulegen sind.
Die Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH (SCHIG) überwacht die Einhaltung der von der
ÖBB-Infrastruktur AG in den Zuschussverträgen gemäß § 42 Bundesbahngesetz übernommenen Verpflichtungen. Die
Überwachung bezieht sich auf eine sparsame, wirtschaftliche und zweckmäßige Mittelverwendung bei der Planung, dem
Bau, der Instandhaltung, der Bereitstellung und dem Betrieb einer bedarfsgerechten und sicheren Schieneninfrastruktur.
Der Rahmenplan 2023 bis 2028 wurde von der Republik Österreich am 21.10.2022 im Ministerrat beschlossen und dem
Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG am 30.11.2022 vorgelegt.
Finanzierung der Infrastruktur
Der Zuschussvertrag gemäß § 42 (2) Bundesbahngesetz beruht auf dem gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz von der ÖBB-
Infrastruktur AG zu erstellenden Geschäftsplan. Ein Bestandteil des Geschäftsplanes ist der von der ÖBB-Infrastruktur AG
gemäß § 42 (7) Bundesbahngesetz zu erstellende sechsjährige Rahmenplan, der jahresweise die Mittel für die
Instandhaltung (insbesondere Instandsetzung und Reinvestition) sowie für die Erweiterungsinvestitionen zu enthalten hat.
Geschäftsplan und Rahmenplan sind jährlich jeweils um ein Jahr zu ergänzen und auf den neuen sechsjährigen Zeitraum
anzupassen.
Gemäß Zuschussvertrag 2022 bis 2027 beträgt der durch den Bund zu übernehmende Anteil für Erweiterungsinvestitionen
und Reinvestitionen gemäß Rahmenplan 2022 bis 2027 (mit Ausnahme des Brenner Basistunnels) 80% der jährlichen
Investitionsausgaben, für welche Zuschüsse in Form einer auf 30 Jahre umgelegten Annuität geleistet werden. Für das
Projekt Brenner Basistunnel leistet der Bund einen Zuschuss in Höhe von 100% in Form einer auf 50 Jahre umgelegten
Annuität. Als Zinssatz wird der jeweils aktuelle Satz für Langfristfinanzierungen der ÖBB-Infrastruktur AG herangezogen.
Der durch den Bund zu übernehmende Anteil für Erweiterungsinvestitionen (ohne Brenner Basistunnel) und
Reinvestitionen wird laufend überprüft und gegebenenfalls für die zukünftigen Zuschüsse an die aktuellen Erfordernisse
angepasst.
Für Inspektion und Wartung, Entstörung sowie Instandsetzung der von der ÖBB-Infrastruktur AG zu betreibenden
Schieneninfrastruktur leistet der Bund ebenfalls einen Zuschuss. Dessen Höhe wird unter Berücksichtigung der
Liquiditätserfordernisse auf Basis des Geschäftsplanes der ÖBB-Infrastruktur AG, der vorgegebenen Begrenzung des
Gesamtzuschusses gemäß § 42 Bundesbahngesetz und der Erreichung der Zielvorgaben (Performance- bzw. Outputziele)
laut Zuschussvertrag gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz festgelegt. Änderungen der Funktionalität und/oder des
Umfanges der von der ÖBB-Infrastruktur AG zu betreibenden Schieneninfrastruktur haben eine Erhöhung oder
Verminderung des Zuschusses zur Folge. Vor derartigen Änderungen ist daher von der ÖBB-Infrastruktur AG das
Einvernehmen mit dem BMK und dem BMF herzustellen.
Im Jahr 2022 wurde auf Basis der gültigen Zuschussvereinbarung 2022 bis 2027 gemäß § 42 (2) Bundesbahngesetz ein
Zuschuss in Höhe von rd. 1.260,4 Mio. EUR (Vj: rd. 1.078,0 Mio. EUR) für Erweiterungs- und Reinvestitionen gewährt,
wobei nur 1.064,1 Mio. EUR ausbezahlt wurden. Für Inspektion, Wartung und Entstörung wurden rd. 430,7 Mio. EUR
(Vj: rd. 603,3 Mio. EUR) gewährt.
Für Errichtungskosten des Brenner Basistunnels hat die ÖBB-Infrastruktur AG Kostenbeiträge in Höhe von
rd. 100,0 Mio. EUR (Vj: rd. 30,0 Mio. EUR) an die BBT SE geleistet. Die vertraglich mit dem Land Tirol im Zuge des
Anteilserwerbs vereinbarten Zahlungen sowie die vom Bund an die ÖBB-Infrastruktur AG geleisteten Zahlungen in
Zusammenhang mit der Querfinanzierung Straße beliefen sich auf rd. 69,7 Mio. EUR (Vj: rd. 36,0 Mio. EUR).
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
76
Betrieb der Infrastruktur und Lehrlingskosten
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat dem BMK sowie dem BMF einen jährlichen Rationalisierungs- und Einsparungsplan mit einer
Vorschaurechnung vorzulegen.
Grundlage des Vertrags über den Zuschuss gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz ist insbesondere der von der
ÖBB-Infrastruktur AG auf sechs Jahre zu erstellende Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz mit einer genauen
Beschreibung der zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlichen Maßnahmen zur bedarfsgerechten und sicheren
Bereitstellung der Schieneninfrastruktur einschließlich der Zeit- und Kostenpläne sowie der Rationalisierungspläne und
einer Vorschau der Benützungs- und anderen Entgelte.
Das BMK hat gemäß § 45 Bundesbahngesetz die SCHIG mit der Überwachung der Einhaltung der von der
ÖBB-Infrastruktur AG im Zuschussvertrag übernommenen Verpflichtungen beauftragt.
Durch diesen Zuschussvertrag werden die von der ÖBB-Infrastruktur AG im Zusammenhang mit dem Zuschuss gemäß
§ 42 Bundesbahngesetz zu erreichenden Zielvorgaben definiert.
Die von der ÖBB-Infrastruktur AG konkret zu erreichenden Zielvorgaben gliedern sich insbesondere in allgemeine,
Qualitäts-, Sicherheits- und Effizienzzielvorgaben, die unter Bedachtnahme auf die gesetzlichen Aufgaben der
ÖBB-Infrastruktur AG vereinbart werden; sie sind im zwischen Bund und der ÖBB-Infrastruktur AG vereinbarten
Geschäftsplan gemäß § 42 (6) Bundesbahngesetz festgelegt.
Die Einhaltung der sich für die ÖBB-Infrastruktur AG aus dem Bundesbahngesetz ergebenden Verpflichtung der Sicherung
und der laufenden Verbesserung der Qualität und der Sicherheit der zu betreibenden Schieneninfrastruktur wird im
Zusammenhang mit der Zuschussgewährung über Kennzahlen bewertet.
Die jährlichen Zuschussbeträge sind, sofern zwischen ÖBB-Infrastruktur AG und Bund nichts anderes vereinbart wird, im
Zuge der Fortschreibung um den anteiligen Betriebsführungsaufwand für jene Schieneninfrastruktur zu reduzieren, die an
andere Betreiber übertragen bzw. abweichend von den Bestimmungen zum Geschäftsplan gemäß
§ 42 (6) Bundesbahngesetz durch die ÖBB-Infrastruktur AG nicht mehr betrieben wird.
Die gesamten gemäß § 42 Bundesbahngesetz im Jahr 2022 gewährten Zuschüsse betragen rd. 2.403,5 Mio. EUR
(Vj: rd. 2.594,4 Mio. EUR). Der Zuschuss für Erweiterungs- und Reinvestitionsinvestitionen in Höhe von
rd. 1.221,0 Mio. EUR (Vj: rd. 1.078,0 Mio. EUR) wurde aufgrund der Grund der durchgeführte Investitionsmaßnahmen
und entsprechend der Zinsentwicklung in der Gewinn- und Verlustrechnung um rd. 20,1 Mio. EUR (Vj: rd. 92,8 Mio. EUR)
auf rd. 1.241,0 Mio. EUR (Vj: rd. 985,3 Mio. EUR) erhöht. Der Zuschuss für die Betriebsführung sowie Inspektion, Wartung,
Entstörung und Instandsetzung in Höhe von rd. 1.182,5 Mio. EUR (Vj: rd. 1.516,4 Mio. EUR) wurde durch eine
Verbesserung in der operativen Geschäftsabwicklung sowie der günstigeren Zinsentwicklung in der Gewinn- und
Verlustrechnung in Summe um rd. 363,5 Mio. EUR (Vj: rd. 531,1 Mio. EUR) reduziert. Der auf die gemäß IAS 23 aktivierten
Zinsen entfallende Zuschuss in Höhe von rd. 104,2 Mio. EUR (Vj: rd. 103,6 Mio. EUR) ist als Investitionszuschuss zu sehen
und dient zur Abdeckung künftiger Aufwendungen, die in Form von Abschreibungen anfallen. Der Ausweis im
Jahresabschluss erfolgt als Reduktion des Zuschusses gemäß § 42 (1) Bundesbahngesetz und wird als Kostenbeitrag
dargestellt. Somit wurde für Betriebsführung sowie Inspektion, Wartung, Entstörung und Instandsetzung ein Betrag in
Höhe von rd. 822,1 Mio. EUR (Vj: rd. Mio. 985,2 EUR) ertragswirksam ausgewiesen. Die abgegrenzten Beträge im
Zusammenhang mit den Zuschüssen für Erweiterungs- und Reinvestitionen in Höhe von rd. 24,3 Mio. EUR
(Vj: rd. 89,1 Mio. EUR) sowie im Zusammenhang mit der Betriebsführung und Lehrlingsausbildung in Höhe von
rd. 70,4 Mio. EUR (Vj: rd. 206,1 Mio. EUR) werden unter den sonstigen Verbindlichkeiten ausgewiesen, der abgegrenzte
Betrag aus der Instandhaltung in Höhe von rd. 15,9 Mio. EUR (Vj: rd. 6,4 Mio. EUR) in der passiven Rechnungsabgrenzung.
Die Spitzabrechnung der Annuität des Brenner Basistunnels ergibt einen Tilgungsanteil für die ÖBB-Infrastruktur AG in
Höhe von rd. 4,2 Mio. EUR (Vj: rd. 3,7 Mio. EUR), welcher in der passiven Rechnungsabgrenzung ausgewiesen wird.
Die Entwicklung der Zuschüsse im Jahr 2022 stellt sich demnach wie folgt dar:
in Mio. EUR
Gesamter Zuschuss
Abgrenzungen
Ertragswirksam 2022
§ 42 (1) Betriebsführung 751,8
-344,6
407,3
§ 42 (2) Inspektion, Wartung, Entstörung und Instandsetzung
430,7
-
15,9
414,8
§ 42 (2) Erw
eiterungs
-
und Reinvestitionen
1.221,0
20,1
1.241,0
Summe
sonstiger betrieblicher Ertrag
2.403,5
-
340,3
2.063,1
Im Berichtsjahr wurde im Dezember ein Betrag in Höhe von rd. 582,5 Mio. EUR an den Bund zurückbezahlt. Die
Rückzahlung betrifft sowohl zum 31.12.2021 bereits bilanzierte Verbindlichkeiten als auch im Jahr 2022 erhaltene
Bundeszuschüsse.
Die Entwicklung der Zuschüsse stellte sich im Jahr 2021 wie folgt dar:
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
77
in Mio. EUR
Gesamter Zuschuss
Abgrenzungen
Ertragswirksam 2021
§ 42 (1) Betriebsführung
913,1
-
524,7
388,4
§ 42 (2) Inspektion, Wartung, Entstörung und Instandsetzung 603,3
-6,4
596,9
§ 42 (2) Erweiterungs
-
und Reinvestitionen
1.078,0
-
9
2,8
985,2
Summe
sonstiger betrieblicher Ertrag
2.594,4
-
623,9
1.970,5
Hinsichtlich der vom Bund übernommenen Haftungen und Finanzierung ab dem Jahr 2017, die vor allem über Darlehen
der Republik Österreich in Erledigung durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) aufgenommen
werden, wird auf Erläuterung 25 verwiesen.
Darüber hinaus gab es weitere Zuwendungen (i. d. R. Kostenbeiträge zu Investitionsmaßnahmen) seitens der
österreichischen Landesregierungen und Gemeinden in Höhe von rd. 53,1 Mio. EUR (Vj: rd. 69,1 Mio. EUR), wobei daraus
zum Bilanzstichtag noch offene Forderungen in Höhe von rd. 1,4 Mio. EUR (Vj: rd. 0,5 Mio. EUR) bestehen. Des Weiteren
wurden Förderungen der EU in Höhe von rd. 43,1 Mio. EUR (Vj: rd. 42,3 Mio. EUR) gewährt. Bei den
Investitionszuschüssen und den EU-Förderungen handelt es sich um Kostenbeiträge der öffentlichen Hand oder der EU,
die anschaffungskostenmindernd angesetzt wurden.
Bezüge der Mitglieder des Vorstands und der Mitglieder der Geschäftsführungen der
Tochterunternehmen
Der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG besteht an beiden Bilanzstichtagen aus drei Mitgliedern. Den Mitgliedern des
Vorstands wurden weder Vorschüsse und Kredite gewährt, noch wurden zugunsten dieser Personen Haftungsverhältnisse
eingegangen. Für die gewährten Gesamtbezüge des Vorstands wurden für die in den Berichtsjahren aktiven Vorstände
gemäß § 266 Z 2 UGB rd. 1.115 TEUR (Vj: rd. 1.127 TEUR) aufgewendet, die auch variable Komponenten und
Sachbezüge sowie 2022 nachträgliche variable Zahlungen für Vorperioden für ein ausgeschiedenes Vorstandsmitglied
enthalten. Gesetzliche Beiträge an die Vorsorgekasse für Mitarbeiter:innen wurden über rd. 15 TEUR (Vj: rd. 18 TEUR)
geleistet. Die Urlaubsrückstellungen verringerten sich um rd. 5 TEUR von rd. 33 TEUR auf rd. 38 TEUR. An Pensionskassen
wurden rd. 80 TEUR (Vj: rd. 147 TEUR) entrichtet. Die Rückstellungen betreffend Zielvereinbarungen betragen zum
31.12.2022 rd. 407 TEUR (Vj: rd. 392 TEUR). Für ehemalige Vorstandsmitglieder fielen Pensionszahlungen in Höhe von
rd. 45 TEUR (Vj: rd. 44 TEUR) an. Die Rückstellungen für Pensionen wurden um rd. 331 TEUR verringert (Vj: rd. 98 TEUR
verringert).
Die Gesamtvergütung der Mitglieder des Vorstands setzt sich aus einer fixen und einer variablen Komponente zusammen.
Die Höhe der jährlichen variablen Komponenten richtet sich nach der Erreichung von Zielen, die zu Beginn des
Geschäftsjahres mit dem Präsidium des Aufsichtsrats vereinbart werden.
Aufgrund der erschwerten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen infolge der COVID-19-Krise haben sich die
Vorstandsmitglieder 2021 bereiterklärt, einen freiwilligen Solidarbeitrag durch Verzicht auf ein Monatsgehalt zu leisten.
In den Anstellungsverträgen der Topführungskräfte (Vorstandsmitglieder der Mutterunternehmen und
Geschäftsführer:innen von Gesellschaften auf ähnlichen Ebenen) wurde eine leistungsorientierte Komponente vereinbart,
wodurch sich der Erfolg des Unternehmens maßgeblich auf die Entlohnung niederschlägt. Grundsätzlich erhalten die Top-
Führungskräfte einen Lohnbestandteil von 2/3 als Fixum und einen Bestandteil von 1/3 als erfolgsabhängige Komponente.
Zwecks Zieldefinition wird jährlich am Beginn des Geschäftsjahres individuell je Gesellschaft eine Score-Card erstellt, in der
klar vereinbarte, hauptsächlich quantitative ökonomische, soziale und ökologische Zielgrößen festgelegt werden. Die
Zielgrößen orientieren sich am Erfolg des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Die tatsächlich ausbezahlten variablen
Lohnbestandteile sind in den oben genannten Bezügen der Vorstandsmitglieder bereits eingerechnet.
Die Vorstandsmitglieder der ÖBB-Infrastruktur AG nehmen an einem beitragsorientierten außerbetrieblichen
Pensionskassenmodell teil, außer es handelt sich bei den Vorständen um Mitarbeiter:innen, die in einem für die Zeit der
Vorstandstätigkeit karenzierten definitiven ÖBB Dienstverhältnis nach den allgemeinen Vertragsbedingungen für
Dienstverhältnisse bei den Österreichischen Bundesbahnen (AVB) stehen. Im Zusammenhang mit dieser
Pensionskassenregelung wurden 2021 sämtliche per 31.12.2020 gebildeten Rückstellungen in Höhe von rd. 95 TEUR
aufgelöst. Es erfolgte eine vertraglich vereinbarte Einzahlung als Beitragszahlung zur Pensionskasse in Höhe von
rd. 119 TEUR. Eine Pensionszusage seitens des Unternehmens gibt es nicht.
Für die gewährten Gesamtbezüge der Geschäftsführer:innen von Tochterunternehmen wurden für die in den
Berichtsjahren aktiven Geschäftsführer:innen für ihre Tätigkeit als Geschäftsführer:in rd. 852 TEUR (Vj: rd. 634 TEUR)
aufgewendet, die auch variable Komponenten und Sachbezüge enthalten. Geschäftsführer:innen, die gleichzeitig
Dienstnehmer:innen im ÖBB-Konzern sind, erhalten keine gesonderten Bezüge für ihre Geschäftsführungstätigkeit.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
78
Bezüge der Mitglieder des Aufsichtsrats
Gemäß der Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG kann den Aufsichtsratsmitgliedern eine
Vergütung zuerkannt werden. Die Basisvergütung für ein Aufsichtsratsmandat beträgt unverändert zum Vorjahr 14 TEUR
pro Jahr. Zusätzlich erhält das Aufsichtsratsmitglied für jede Sitzung eines Aufsichtsrats, des Präsidiums oder eines
Ausschusses ein Sitzungsgeld in der Höhe von 800 EUR. Vorsitzende eines Aufsichtsrats erhalten die doppelte
Basisvergütung. Mitglieder des Aufsichtsrats, die Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer:innen, Belegschaftsvertreter:innen
oder Dienstnehmer:innen im ÖBB-Konzern sind, erhalten keine Aufsichtsratsvergütungen.
Die Aufsichtsratsvergütungen der Kapitalvertreter:innen der Aufsichtsratsmitglieder der ÖBB-Infrastruktur AG für ihre
Tätigkeit im ÖBB-Infrastruktur-Konzern betrugen rd. 164 TEUR (Vj: rd. 168 TEUR). Es wurden keine Bezüge für übrige
Aufsichtsratsmitglieder bei den Konzerngesellschaften bezahlt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
79
33.
Segmentberichterstattung
Ein Geschäftssegment ist ein Bereich eines Unternehmens, das Geschäftstätigkeiten betreibt, mit denen Erträge
erwirtschaftet werden können, bei denen Aufwendungen anfallen und dessen Betriebsergebnisse regelmäßig vom
Hauptentscheidungsträger des Unternehmens im Hinblick auf Entscheidungen über die Allokation von Ressourcen zu
diesem Segment und die Bewertung seiner Ertragskraft überprüft werden. Es ist eine Gruppe von Vermögenswerten und
betrieblichen Aktivitäten, welche Produkte oder Dienstleistungen bereitstellt, die bezüglich ihrer Risiken und Chancen
unterschiedlich zu denen anderer Geschäftsbereiche sind und für die einschlägigen Finanzinformationen vorliegen.
Informationen zur Segmentberichterstattung
Die Segmentberichterstattung wird im ÖBB-Infrastruktur-Konzern gemäß der Managementstruktur durchgeführt. Der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern verfügt nur über ein Segment – Schieneninfrastruktur.
Informationen auf Unternehmensebene
Wichtige Kunden gemäß IFRS 8.34 sind die ÖBB-Personenverkehr AG (Gesamterträge über rd. 246,1 Mio. EUR
[Vj: rd. 352,6 Mio. EUR]), die ÖBB-Produktion GmbH (Gesamterträge über rd. 187,9 Mio. EUR [Vj: rd. 184,1 Mio. EUR])
und die Rail Cargo Austria AG (Gesamterträge über rd. 117,5 Mio. EUR [Vj: rd. 88,7 Mio. EUR]). Diese Erträge resultieren
überwiegend aus dem Infrastrukturbenützungsentgelt und dem Verkauf von Traktionsstrom. Diese Gesellschaften sind Teil
des ÖBB-Konzerns und somit verbundene Unternehmen.
Die folgende Tabelle enthält nach Sitz des Kunden eine Gliederung der Konzernumsätze nach geografischen Märkten,
ungeachtet der Herkunft der Waren und Dienstleistungen.
2022
2021
Umsatzerlöse
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Österreich
939,4
907,7
Deutschla
nd
16,8
12,0
Übrige Märkte 28,2
11,9
Gesamt
984,4
931,6
2022
2021
Bestandsveränderungen, aktivierte Eigenleistungen, sonstige betriebliche Erträge
in Mio. EUR
in Mio. EUR
Österreich 2.493,3
2.387,2
Deutschland
0,0
0,1
Übrige Märkte
0
,7
0,0
Gesamt
2.494,0
2.387,3
Die Darstellung der Buchwerte des Segmentvermögens und der Zugänge zu den Sachanlagen und immateriellen
Vermögenswerten, gegliedert nach geografischen Gebieten, entfällt, nachdem sich alle Vermögenswerte, bis auf jene in
Liechtenstein und in der Schweiz in Höhe von rd. 25,5 Mio. EUR (Vj: rd. 26,9 Mio. EUR), im Inland befinden. Die Zugänge
zu den Sachanlagen in Liechtenstein und in der Schweiz betragen rd. 1,2 Mio. EUR (Vj: rd. 3,0 Mio. EUR). Die externen
Umsatzerlöse, unterteilt nach Dienstleistungen, sind aus Erläuterung 4 ersichtlich.
34.
Erläuterungen zur Geldflussrechnung
Die Geldflussrechnung zeigt, wie sich die Zahlungsmittel des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns im Laufe des Berichtsjahres durch
Mittelzu- und -abflüsse verändert haben. Innerhalb der Geldflussrechnung wird zwischen Zahlungsströmen aus der
Geschäftstätigkeit, der Investitionstätigkeit und der Finanzierungstätigkeit unterschieden. Die Darstellung der operativen
Teile der Geldflussrechnung erfolgt nach der indirekten Methode. Es gab keine wechselkursbedingten Änderungen der
liquiden Mittel.
Der Fonds der liquiden Mittel setzt sich neben Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten auch aus kurzfristigen
Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber der ÖBB-Finanzierungsservice GmbH zusammen. Gegenüber der
ÖBB-Finanzierungsservice GmbH bestehen kurzfristige Forderungen (Ausweis unter den Zahlungsmitteln und
Zahlungsmitteläquivalenten) in Höhe von rd. 31,4 Mio. EUR (Vj: rd. 30,4 Mio. EUR) sowie kurzfristige Verbindlichkeiten
(Ausweis unter den kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten) in Höhe von rd. 1.252,9 Mio. EUR (Vj: rd. 565,8 Mio. EUR).
Jener Teil der Zinszahlung, der nach IAS 23 als Teil der Herstellungskosten von qualifizierten Vermögenswerten aktiviert
wird, wird im operativen Cashflow ausgewiesen. Die in dem Zusammenhang erhaltenen Bundeszuschüsse in Höhe von
rd. 104,2 Mio. EUR (Vj: rd. 103,6 Mio. EUR) werden ebenfalls im operativen Cashflow unter Veränderungen von
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Schulden und Abgrenzungen dargestellt.
Im Zusammenhang mit dem Abgang der Güterterminal Werndorf GmbH werden in der Geldflussrechnung in Höhe von
rd. 32,4 Mio. EUR Einzahlungen aus dem Verkauf von Tochterunternehmen, gesondert dargestellt. Dieser Betrag setzt sich
aus dem Kaufpreis, den durch den Erwerber übernommenen und bezahlten Schulden abzüglich der übertragenen
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
80
Zahlungsmittel zusammen. Die nach Hauptgruppen gegliederten Vermögenswerte und Schulden sind aus Erläuterung 19
ersichtlich.
Die wesentlichen Non-Cash-Transaktionen betreffen die Auflösung einer CBL-Transaktion und die Veränderung von
verbliebenen Vermögenswerten und Schulden aus ehemaligen CBL-Transaktionen. Im Berichtsjahr wurde erstmals das
nach IFRS 16 bilanzierte Leasingobjekt Lassallestraße ausgewiesen, was zu einer zusätzlichen Leasingverbindlichkeit in
Höhe von rd. 166,6 Mio. EUR führt. Die Tabelle zeigt die Angaben über die Änderungen von Finanzverbindlichkeiten,
deren Einzahlungen und Auszahlungen in der Kapitalflussrechnung im Cashflow aus Finanzierungstätigkeit gezeigt werden.
in Mio. EUR
Stand per
31.12.2021
zahlungs-
wirksame
Änderungen
Wechselkurs-
änderungen
übrige
Änderungen
Fremdkapital
übrige
Änderungen
Eigenkapital
Stand per
31.12.2022
Langfristige Finanzverbindlichkeiten
Anleihen
8.878,9
-
1.500,0
3,3
501,1
0,0
7.883,3
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 3.930,9
-14,3 0,0
2,6
0,0
3.919,2
Finanzverbindlichkeiten Leasing
88,9
0,0
0,0
137,1
0,0
225,9
Übrige Finanzverbindlichkeiten 9.199,3
2.853,1
-1,6 -213,9 5,3
11.842,3
Gesamt langfristige Schulden
22.098,1
1.338,8
1,7
426,9
5,3
23.870,7
Kurzfristige Finanzverbindlichkeiten
Anleihen
1.498,6
0,0
0,0
-
498,6
0,0
1.000,0
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 14,8
-3,4 0,0
-2,3 0,0
9,1
Finanzverbindlichkeiten Leasing
8,6
-
10,0
0,0
17,5
0,0
16,1
Übrige Finanzverbindlichkeiten 343,2
0,0
0,0
211,2
0,0
554,4
Gesamt ohne übrige
Finanzverbindlichkeiten, die Teil des Fonds
der liquiden Mittel sind
1.865,2
-
13,4
0,0
-
272,2
0,0
1.579,6
in Mio. EUR
Stand per
31.12.2020
zahlungs-
wirksame
Änderungen
Umgliederung
in zur
Veräußerung
gehaltene
Schulden
Wechselkurs-
änderungen
übrige
Änderungen
Fremdkapital
übrige
Änderungen
Eigenkapital
Stand per
31.12.2021
Langfristige Finanzverbindlichkeiten
Anleihen
10.370,5
0,0
0,0
4,1
-
1.495,7
0,0
8.878,9
Verbindlichkeiten gegenüber
Kreditinstituten
3.865,7
67,7
0,0
0,0
-
2,5
0,0
3.930,9
Finanzverbindlichkeiten Leasing
92,6
-
0,2
0,0
0,0
-
3,5
0,0
88,9
Übrige Finanzverbindlichkeiten
5.805,6
3.421,5
0,0
-
1,6
-
26,6
0,5
9.199,3
Gesamt langfristige Schulden
20.134,4
3.489,1
0,0
2,5
-
1.528,3
0,5
22.098,1
Kurzfristige Finanzverbindlichkeiten
Anleihen
1.050,1
-
1.050,0
0,0
0,0
1.498,5
0,0
1.498,6
Verbindlichkeiten gegenüber
Kreditinstituten
6,9
5,2
0,0
0,0
2,7
0,0
14,8
Finanzverbindlichkeiten Leasing 8,3
-8,4 0,0
0,0
8,7
0,0
8,6
Übrige
Finanzverbindlichkeiten
628,0
-
400,
0
-
24,9
0,0
140,
2
0,
0
343,2
Gesamt ohne übrige
Finanzverbindlichkeiten, die Teil des
Fonds der liquiden Mittel sind
1.693,3
-
1.453,
2
-
24,9
0,0
1.650,
1
0,
0
1.865,2
D
er Rückgang der Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit beendeten CBL-Transaktionen wird ebenfalls unter den
übrigen Änderungen dargestellt, da die Zahlungen nicht über die Bankkonten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns abgewickelt
werden. Vielmehr werden die Einnahmen aus den Vermögenswerten vom Schuldner direkt an den Gläubiger überwiesen.
Davon betroffen sind insbesondere die Finanzverbindlichkeiten Leasing und übrigen Finanzverbindlichkeiten.
35. Konzernunternehmen
Nachfolgende Tabellen geben Information über die zum 31.12.2022 bestehenden Tochterunternehmen, assoziierten
Unternehmen, Beteiligungen sowie sonstigen Anteile des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns.
Im Berichtsjahr wurden die Anteile der Güterterminal Werndorf Projekt GmbH veräußert, womit dieses Unternehmen nicht
mehr als verbundenes vollkonsolidiertes Unternehmen in den Konzernabschluss einbezogen wird. Im Vorjahr gab es keine
wesentliche Änderung bei den in den Konzernabschluss einbezogenen Gesellschaften. Der Geschäftsgegenstand der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
81
Konzernunternehmen wird mit den Buchstaben a) bis h) beschrieben. Sollte eine Angabe mit Vj: gekennzeichnet sein,
bezieht sich die Angabe auf das Vorjahr, ansonsten betrifft sie beide Jahre.
ÖBB
-
Infrastruktur
-
Konzern
Land, Sitz
Konsolidierungsart
100%
ÖBB
-
Infrastruktur Aktiengesellschaft
A
-
1020 Wien
V
c)
├► 100% Austrian Rail Construction & Consulting GmbH A-1020 Wien V0
f)
├►
100%
Austrian Rail Construction & Consulting GmbH & Co KG
A
-
1020 Wien
V0
f)
├► 100% ÖBB-Operative Services GmbH
(vormals: Mungos Sicher & Sauber GmbH)
A
-
1150 Wien
V
e)
├► 100% ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG
(vormals: Mungo
s Sicher & Sauber GmbH & Co KG)
A-1150 Wien V
e)
├►
100%
Netz
-
und Streckenentwicklung GmbH
A
-
1020 Wien
V0
d)
├►
100%
Ö
BB
-
G
ü
terzentrum Wien S
ü
d Betriebsgesellschaft m.b.H.
A
-
1020 Wien
V0
b)
├► 100% ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH A-1020 Wien V
a)
├►
100%
Ö
BB
-
Projektentwicklung GmbH
A
-
1020 Wien
V
b)
├► 100% ÖBB-Realitätenbeteiligungs GmbH & Co KG A-1020 Wien V
b)
├►
100%
Elisabethstra
ß
e 7 Projektentwicklung GmbH & Co KG
A
-
1020 Wien
V
b)
├►
100%
Elisabethstra
ß
e 9 Projektentwic
klung GmbH & Co KG
A
-
1020 Wien
V
b)
├►
100%
Gauermanngasse 2
–
4
Projektentwicklung GmbH & Co KG
A
-
1020 Wien
V
b)
├►
100%
Mariannengasse 16
–
20
Projektentwicklung GmbH & Co KG
A
-
1020 Wien
V
b)
└► 100% Operngasse 16 Projektentwicklung GmbH & Co KG A-1020 Wien V
b)
├►
100%
Ö
BB
-
Stiftungs Management Gesellschaft mbH
A
-
1020 Wien
V0
h)
├► 100% Rail Equipment GmbH A-1040 Wien V
g)
├►
100%
Rail Equipment GmbH & Co KG
A
-
1040 Wien
V
g)
├►
51%
WS Service GmbH
A
-
3151 St. Georgen am Steinfeld
V
c)
├► 50% LCA Logistik Center Austria Süd GmbH A-9586 Fürnitz E
b)
├►
50%
Galleria di Base del Brennero
–
Brenner Basistunnel BBT SE
I
-
39100 Bozen
E
c)
├►
43,05%
Weichenwerk W
ö
rth GmbH
A
-
3151 St. Georgen am Steinfeld
E
c)
├► 27,74% (Vj: 25%) Breitspur Planungsgesellschaft mbH in Liqu.
(Erhöhung der Anteile im Jänner 2021,
in Liquidation seit Dezember 2022)
A
-
1010 Wien
0 (Vj: E)
d)
├► 8% HIT Rail B.V. NL-3511 SB Utrecht 0
k.A.
├► KG-Anteil UIRR s.c.r.l. (Internationale Vereinigung für den
Kombinierten Verkehr Schiene
-
Stra
ß
e)
B
-
1000 Brussels
0
k.A.
└►
KG
-
Anteil
Tiefgarage Stuben Gesellschaft m.b.H. & Co. KG
A
-
6762 Stuben/Arlberg
0
k.A.
Abkürzungen:
V verbundenes vollkonsolidiertes Unternehmen
V0 verbundenes, aufgrund untergeordneter Bedeutung nicht vollkonsolidiertes Unternehmen
E Beteiligungsunternehmen, nach der Equity-Methode bilanziert (assoziiertes Unternehmen)
0 sonstiges Beteiligungsunternehmen
k. A. keine Angaben
Erläuterung der Geschäftsgegenstände der Konzernunternehmen:
a) Bewirtschaftung, Verwaltung und Verwertung von Immobilien.
b) Projektentwicklung und Verwertung von Liegenschaften.
c) Planung und Bau (einschließlich Ersatzinvestitionen, soweit sie über Wartung oder Instandsetzung hinausgehen) von Schieneninfrastruktur sowie Planung und
Bau von damit in Zusammenhang stehenden Projekten und Projektteilen und die Zurverfügungstellung von Schieneninfrastruktur.
d) Optimierung und Harmonisierung der Infrastrukturplanung und Entwicklung.
e) Reinigung bzw. Sonderreinigung (beispielsweise Graffitientfernung) von Bahnhöfen sowie Sicherheits- und Servicedienstleistungen.
f) Forschung und Entwicklung, insbesondere im Zusammenhang mit der Schieneninfrastruktur.
g) Beschaffung, Einkauf, Finanzierung, Instandhaltung und konzernübergreifende Vermietung von schienengebundenen Spezial-und Straßenfahrzeugen.
h) berufliche Aus- und Weiterbildung.
Nachfolgend werden Eigenkapital und Jahresergebnis jener Konzernunternehmen dargestellt, die nicht in den
Konzernabschluss einbezogen wurden und an denen zumindest 20% der Anteile gehalten werden. Die Angaben zum
Eigenkapital und zum Jahresergebnis wurden aus den Jahresabschlüssen gemäß jeweiligem nationalem Bilanzierungsrecht
übernommen.
Eigenkapital in TEUR
Jahresergebnis in TEUR
ÖBB-Infrastruktur-Konzern
31.12.2022
31.12.2021
2022
2021
100%
Austrian Rail Construction & Consulting GmbH
165
166
0
28
100% Austrian Rail Construction & Consulting GmbH & Co KG 208
207
-2 -3
100%
Netz
-
und Streckenentwicklung GmbH
96
102
-
6
19
100% ÖBB-Güterzentrum Wien Süd Betriebsgesellschaft m.b.H. 34
24
-1 1
100%
ÖBB
-
Stiftungs Management Gesellschaft mbH
99
99
0
27
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
82
36. Ereignisse nach dem Bilanzstichtag
Der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG hat den geprüften Konzernabschluss zum 31.12.2022 am 20.03.2023 zur
Weitergabe an den Aufsichtsrat freigegeben. Der Vorstand schlägt vor, den Bilanzgewinn der ÖBB-Infrastruktur AG in
Höhe von 235.223.712,69 EUR auf neue Rechnung vorzutragen.
Darüber hinaus gibt es keine berichtspflichtigen Ereignisse nach dem Bilanzstichtag, die eine wesentliche Auswirkung auf
die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernabschluss I Konzernlagebericht
83
37.
Die Organe der Muttergesellschaft des Konzerns
Im Geschäftsjahr 2022 (bis zum Zeitpunkt der Aufstellung des Konzernabschlusses) waren folgende Personen als Mitglieder
des Vorstands oder als Mitglieder des Aufsichtsrats der ÖBB-Infrastruktur AG bestellt:
Vorstand
smitglieder
Mag.
a
Silvia Angelo
Dipl.-Ing.
in
Judith Engel, MBA MSc MSc
Dipl.
-
Ing. Dr. Johann Pluy
Aufsichtsratsmitglieder
Dipl.-Ing. Herbert Kasser Vorsitzender
Mag. Arnold Schiefer
1.
Stellvertreter des Vorsitzenden
Mag.
a
Iris Appian
o
-
Kugler
2.
Stellvertreterin des Vorsitzenden
Dipl.
-
Ing.
in
Claudia Nutz
Mag.
a
Waltraud Schmid
Mag. Georg Schöppl
Günter Blumthaler bis 14.02.2023 Belegschaftsvertreter
Karl Buchheit
Belegschaftsvertreter
Peter Dyduch Belegschaftsvertreter
Gerhard Siegl
ab
14.02
.2023
Belegschaftsvertreter
Wien, am 20.03.2023
Die Vorstandsmitglieder
Mag.
a
Silvia Angelo Dipl.-Ing.
in
Judith Engel, MBA MSc MSc Dipl.-Ing. Dr. Johann Pluy
(Ressort Finanzen, Services, Immobilien)
(Ressort Netzausbau und
Infrastruktur
bereitstellung
)
(Ressort Betrieb, Markt, Digitalisierung)
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
1
Inhaltsverzeichnis
A.
Struktur und Beteiligungen .................................................................................................................................. 2
B.
Rahmenbedingungen und Marktumfeld .............................................................................................................. 6
B.1.
Konjunkturelle Rahmenbedingungen ................................................................................................................... 6
B.2.
Politische und regulatorische Rahmenbedingungen ........................................................................................... 11
B.3.
Marktumfeld ...................................................................................................................................................... 14
C.
Wirtschafts- und Prognosebericht ...................................................................................................................... 15
C.1.
Umsatzentwicklung und Leistungsindikatoren ................................................................................................... 15
C.2.
Ertragslage ......................................................................................................................................................... 17
C.3.
Vermögens- und Finanzlage ............................................................................................................................... 19
C.4.
Investitionen und Finanzierungsmaßnahmen ..................................................................................................... 20
C.5.
Die Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns .................................................................................................... 28
C.6.
Sonstige wichtige Vorgänge und Ausblick ......................................................................................................... 31
D.
Forschung und Entwicklung ............................................................................................................................... 35
E.
Konzernbeziehungen ......................................................................................................................................... 37
F.
Chancen- und Risikobericht ............................................................................................................................... 38
G.
Nichtfinanzielle Erklärung .................................................................................................................................. 44
G.1.
Statement des Vorstands zur nichtfinanziellen Erklärung ................................................................................... 44
G.2.
Allgemein ........................................................................................................................................................... 47
G.3.
Umweltbelange.................................................................................................................................................. 63
G.4.
Sozial- und Arbeitnehmerbelange (inkl. Stakeholder:innenmanagement) .......................................................... 93
G.5.
Achtung der Menschenrechte .......................................................................................................................... 122
G.6.
Bekämpfung von Korruption und Bestechung ................................................................................................. 122
G.7.
GRI-Inhaltsindex ............................................................................................................................................... 125
H.
Anmerkungen zum Konzernlagebericht ........................................................................................................... 139
Erklärung gem. § 124 (1) BörseG 141
Konzernlagebericht
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
2
A.
Struktur und Beteiligungen
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat einerseits die Nutzung und die Bereitstellung der österreichischen Schieneninfrastruktur
wirtschaftlich, effizient und für alle Eisenbahnverkehrsunternehmen diskriminierungsfrei sicherzustellen. Andererseits
errichtet der ÖBB-Infrastruktur-Konzern österreichische Schieneninfrastruktur im Auftrag der Republik Österreich. Die
Finanzierung der Investitionen für den Schieneninfrastrukturausbau wird über den erwirtschafteten Cashflow, über
Fremdkapital sowie Haftungen und Zuschüsse des Bundes auf Basis mehrjähriger Rahmenpläne sichergestellt. Die
Verwaltung, Entwicklung und Verwertung der Immobilien des ÖBB-Konzerns werden durch die Tochtergesellschaft der
ÖBB-Infrastruktur AG, die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH wahrgenommen.
Die nachfolgende Prozesslandkarte bietet einen Überblick über alle wesentlichen und wertschöpfenden Prozesse des
Unternehmens. Die Darstellung der Zusammenhänge samt Fokussierung auf Kund:innen und Wertschöpfung steht hierbei
im Mittelpunkt. Sie ist nach Prozesskategorie (Geschäfts-, Management- und Unterstützungsprozesse) gegliedert und nach
Detaillierungsebenen aufgebaut.
Die ÖBB-Infrastruktur AG betreibt ein zertifiziertes integriertes Managementsystem (IMS), welches die Verbesserung in
den Bereichen, Qualität, Umwelt- und Arbeitnehmer:innenschutz, betriebliche Sicherheit und Asset-Management
unterstützt und überwacht. Das IMS umfasst die ÖBB-Infrastruktur AG inkl. Tochtergesellschaften mit 100% Beteiligung.
Die Wirksamkeit des IMS wird laufend durch ein akkreditiertes Zertifizierungsunternehmen geprüft. Unternehmensintern
unterstützen z.B. interne Audits sowie die Ideenwerkstatt, die Normkonformität sowie eine kontinuierliche Verbesserung
sicherzustellen. Dabei wird dem üblichen Managementkreislauf „Plan – Do – Check – Act“ Rechnung getragen.
Maßnahmen, Ziele und Wirksamkeit des integrierten Managementsystems werden laufend im Zuge der implementierten
Steuerungslogik (z. B. Plattform Qualität, Plattform Umwelt und Nachhaltigkeit, Sicherheitsmanagementsystem,
Arbeitnehmer:innenschutz-Plattform) geprüft. Bei festgestellten Abweichungen und Risiken werden über die
entsprechenden Gremien korrigierende Maßnahmen gesetzt. Darüber hinaus werden im Rahmen einer jährlichen
„Managementbewertung“ dem Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG wesentliche Ergebnisse und Schwerpunkte des IMS
zur Kenntnis gebracht und dabei ggf. erforderliche strategische Entscheidungen zur Weiterentwicklung beschlossen. So
wurde z. B. das interne Auditwesen um die Möglichkeit zur Durchführung von „Remote-Audits“ erweitert (Audits, die
„online“ unter Berücksichtigung der Vorgaben von Informationssicherheit und Datenschutz abgewickelt werden).
UP
Personal betreuen
Energiemanagement
durchführen
Rechtssicherheit & Rechte
sicherstellen
Flottenmanagement
organisieren
Einkauf & Beschaffung
organisieren
Prozesslandkarte - Teilkonzern ÖBB - Infrastruktur
Betrieb führen
GP_01
Infrastruktur managen
GP_02
Kunden, Produkte & Fahrwegkapazitäten managen
Zug- & Verschubleistungen
operativ abwickeln
Kundeninformation zur
Verkehrsabwicklung durchführen
Verrechnung durchführen
Vertrieb
durchführen
Produkt-
management
durchführen
Rechnung
legen
Kunden-
information
abwickeln
Betrieb
abwickeln
Fahrweg
Kapazitäten
optimieren
Qualität Kunden-
information
sichern
Infrastruktur entwickeln Infrastruktur bereitstellen Infrastrukturabgang managen
Strategische
Entwickl-
ung (SIE)
durchführen
Anlagen &
Systembe-
darf prüfen
Operative Entwicklung
(OIE) &
Maßnahmenplanung
durchführen
Budget
managen
Anlagen &
Systeme
bestellen
Anlagen & Systeme
planen und bauen
Anlagen & Systeme
bereitstellen
Entbehrlichkeit & Ver-
wertungsmöglich-
keiten prüfen
Anlagen &
Systemabgang
managen
Rechnungswesen
organisieren
Informationstechnologie
bereitstellen
Terminalservice betreiben
Fahrweg
Kapazitäten
planen & zuteilen
Fahrweg
Restkapazitäten
planen & zuteilen
Reklamation
bearbeiten
Qualität Zug- &
Verschubleistung
sichern
MP
Unternehmensstrategie
entwickeln
Unternehmen steuern &
Controlling durchführen
Unternehmen organisieren &
entwickeln
Governance & Compliance
managen
Notfall managen
Qualität-, Sicherheit- &
Umwelt managen
Unternehmens-
kommunikation durchführen
Marketing managen Risiko managen Personal managen
Finanzen managen
Warenversorgung
organisieren
Regelwerke & QSU
Dokumente bereitstellen
Eisenbahnspezifische
Bildung durchführen
Prozesse managen
Sauberkeit & Sicherheit
bereitstellen
Abfallwirtschaft &
Umwelttechnik bereitstellen
Daten bereitstellen
Datenbereitstellung managen
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
3
Die ÖBB-Infrastruktur AG und ihre Tochtergesellschaften sind gemäß den nachfolgend angeführten Normen zertifiziert.
ÖNORM EN
ISO 9001:
2015
ÖNORM EN
ISO 14001:
2015
ISO 45001:
2018
ISO 55001:
2014
SMS gem. Eisen-
bahngesetz / VO
(EU) 2018 / 762
SCC
ÖBB-Infrastruktur AG X
X
X
X
X
ÖBB
-
Immobilienmanagement GmbH
X
X
X
Rail Equipment GmbH & Co KG
X
X
X
ÖBB
-
Operative Services GmbH & Co KG
X
X
X
X
Die Muttergesellschaft Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft (fortan ÖBB-Holding AG) ist eine
Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht. Der Sitz der Gesellschaft ist Am Hauptbahnhof 2, A-1100 Wien, und die
Gesellschaft ist in dem beim Handelsgericht Wien geführten Firmenbuch unter der FN 247642f eingetragen. Der Bund
hält sämtliche Anteile der ÖBB-Holding AG, diese hält sämtliche Anteile der ÖBB-Infrastruktur AG. Die ÖBB-
Infrastruktur AG ist ebenfalls eine Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht und ist beim Handelsgericht Wien mit
der Firmenbuchnummer FN 71396w registriert. Der Sitz der Gesellschaft ist Praterstern 3, A-1020 Wien.
Die Beteiligungen
In der Beteiligungsübersicht im Anhang des Konzernabschlusses des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns sind seine Beteiligungen
vollständig angeführt. Einen Überblick über die Anzahl der Beteiligungen im In- und Ausland sowie die ÖBB-
Infrastruktur AG liefert folgende Übersicht:
per 31.12.2022
per 31.12.2021
Beteiligungen >50%
19
20
Beteiligung
20
–
50%
4
4
davon im Ausland 1
1
Beteiligungen <20%
1
1
davon im Ausland 1
1
Summe
24
25
davon im Ausland 2
2
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern mit insgesamt 18.374 Mitarbeiter:innen (Stand 31.12.2022) betreibt in Österreich 1.037
Personenbahnhöfe und Haltestellen sowie die Schieneninfrastruktur, die von der ÖBB-Personenverkehr AG, der Rail Cargo
Austria AG, zwei weiteren zum ÖBB-Konzern gehörenden Gesellschaften und von anderen, nicht zum ÖBB-Konzern
gehörenden Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVUs) genützt werden.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat folgende wesentliche Tochtergesellschaften und Beteiligungen:
ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH
Die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH bietet
moderne Immobiliendienstleistungen an. Mit rd. 23.000
Liegenschaften sind die ÖBB einer der größten Immobilieneigentümer Österreichs. Die ÖBB-Immobilienmanagement
Gesellschaft mbH – eine hundertprozentige Tochter der ÖBB-Infrastruktur AG – agiert als gesamtheitlicher
Immobiliendienstleister primär innerhalb des ÖBB-Konzerns. Ihr Aufgabengebiet umfasst den Verkauf und die Verwertung
von Immobilien, Projektentwicklung, Umsetzung der Bahnhofsoffensive, Liegenschaftsverwaltung, Facility-Management
und Raummanagement. Sie entwickelt und verwertet nicht betriebsnotwendige Liegenschaften und betreut ein
umfassendes Portfolio von rd. 3.684 Gebäuden sowie 1.037 Personenbahnhöfen und Haltestellen über ihren gesamten
Lebenszyklus. Das Leistungsspektrum umfasst die kaufmännische und technische Hausverwaltung sowie die
Anlagenverantwortung für nahezu alle Hochbauanlagen des ÖBB-Konzerns inkl. Bahnhöfen. Ihr Verantwortungsbereich
umfasst zudem die Erstellung von hochbaurelevanten Qualitätsstandards und Prüfsystemen. Rd. 800 Mitarbeiter:innen
sorgen österreichweit für die professionelle und effiziente Abwicklung des umfassenden Leistungsportfolios. Für den ÖBB-
Infrastruktur-Konzern konnten im Geschäftsjahr 2022 aus der Verwertung von Liegenschaften Ergebnisbeiträge (Erlöse
abzüglich Buchwerte und Rückstellungen) in Höhe von rd. 72,7 Mio. EUR (Vj: rd. 71,3 Mio. EUR) erzielt werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
4
Neben den Aufgaben in der Hausverwaltung im Bereich Bahnhofs- und Liegenschaftsmanagement ist die Eigentümerrolle
für sämtliche Liegenschaften (Hochbauten und Grundstücke) sowie für die Personenbahnhöfe hervorzuheben. Somit
verantwortet die ÖBB-Immobilienmanagement GmbH das Gesamtbild des Bahnhofs im Sinne der Mobilitätskette mit
Bahnhofsgebäude, Vorplätzen, Straßen, Wegen, Park & Ride-Anlagen, Kund:innensanitäranlagen und Bahnsteigen bis zur
Bahnsteigkante. Sie ist der kompetente Ansprechpartner sowohl konzernintern als auch gegenüber Kund:innen,
Anrainer:innen, Gebietskörperschaften und Interessensgruppen. Eine der wichtigsten aussagekräftigen
Qualitätskennzahlen des ÖBB-Immobilienmanagements sind: Qualitätscheck, Störungskennziffern und Beschwerden.
Der gesetzte Zielwert für die Kund:innenzufriedenheit in Summe (Ø aller Kategorien im Qualitätscheck) wurde im Jahr
2022 erreicht bzw. sogar um 1,2 Prozentpunkte überboten. Die Zielwerte wurden in sieben von acht QC-Kategorien
zumindest erreicht. Eine einzige Ausnahme bildete die Position „Sauberkeit WC“. Dieser QC-Erfüllungsgrad verbesserte
sich im Laufe des Jahres 2022, konnte aber den geplanten Zielwert nicht vollständig erreichen. Die Anforderungen
betreffend Sauberkeit und Erhaltung im Hinblick auf den definierten Zielwert wurden das zweite Jahr in Folge überboten.
Im Bereich der Sicherheit liegt das Jahresergebnis ebenfalls leicht über dem Zielwertkorridor. In der Barrierefreiheit wurde
der Zielwert nur knapp verfehlt und befindet sich dennoch auch einem hohen Niveau.
Die Anzahl der einzuleitenden, anlagenrelevanten Sofortmaßnahmen zur umgehenden Behebung der festgestellten
Mängel (ohne Kund:inneninformation, ohne Fahrweg) verzeichnete 2022 laut QC Management Report im Jahresverlauf
eine rückläufige Entwicklung. Die aktuelle Anzahl der Sofortmaßnahmen je Verkehrsstation liegt gemittelt pro Monat bei
0,13 und somit niedriger als im Vorjahr (2021 mit 0,24).
Da sich die Sofortmaßnahmen konstant auf einem sehr guten niedrigen Niveau befinden, konzentriert man sich in
weiteren Analysen schwerpunktmäßig auf die Ursache von festgestellten Mängeln, um die Qualität am Bahnhof weiterhin
sicherzustellen bzw. noch zu verbessern.
Zu Beginn der Erhebung im Jahr 2013 lag die Anzahl der Sofortmaßnahmen vergleichsweise gemittelt bei 7.000 pro
Monat.
Die Gesamtzahl der Beschwerden im Geschäftsjahr 2022 beläuft sich auf 1.492. Die Gliederung der Beschwerdezahl sieht
wie folgt aus: Beschwerden Service 776, Sicherheit 305, Sauberkeit 411.
ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG (vormals Mungos Sicher & Sauber GmbH & Co KG)
Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG ist der konzerninterne umfassende Anbieter von Sicherheits- und
Sauberkeitsdienstleistungen. Im Bereich der Reinigung werden österreichweit die Bahnhöfe – und somit der für die
Kund:innen sichtbare Bereich – durch Personal der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG gereinigt. Die
Reinigungsleistungen umfassen sowohl die tägliche bzw. regelmäßige Unterhaltsreinigung als auch die Sonderreinigung
(etwa von Dächern, das Auftragen von Bodenversiegelungen). Dabei ist die Expertise der Mitarbeiter:innen von besonderer
Bedeutung: Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG hat in jedem Bundesland bzw. Gebiet Mitarbeiter:innen mit der
Meisterprüfung in der Reinigung – dadurch ist eine gute Beratung der internen Auftraggeber sichergestellt. Für EVUs bietet
die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG einen umfassenden Service bei der Graffitientfernung von Zügen. Die ÖBB-
Operative Services GmbH & Co KG ist seit 01.01.2017 Generaldienstleister für operative Sicherheitsleistungen im ÖBB-
Konzern. Auf den Bahnhöfen sorgen Securitys der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG für Sicherheit und Ordnung –
durch ein intelligentes, die tatsächliche Lage widerspiegelndes Flächenkonzept werden alle Bahnhöfe in Österreich
entweder durch mobile Streifen oder durch stationäre Mitarbeiter:innen betreut. Seit 01.01.2019 sind neben den
operativen Securityleistungen durch die Eingliederung der öffentlichen Sicherheit (vormals Konzernsicherheit) auch die
strategischen Securityleistungen Teil des Portfolios. Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG entwickelt sich dadurch
zu einem One-Stop-Shop im Konzern und garantiert eine effiziente Leistungserbringung. Neben den Reinigungs- und
Sicherheitsdienstleistungen werden auch alle operativen Kund:inneninformationsleistungen der ÖBB Infrastruktur AG an
den Bahnhöfen von der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG abgewickelt. Die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG
ist mit seinen Produkten das Gesicht der ÖBB-Infrastruktur AG bei den Endkund:innen. Des Weiteren tritt die ÖBB-
Operative Services GmbH & Co KG seit 01.09.2019 auch als Arbeitskräfteüberlasser von definitiv gestellten
Arbeitnehmer:innen ein.
Rail Equipment GmbH & Co KG
Die Beschaffung und konzernübergreifende Vermietung und Verwertung von schienengebundenen Spezialfahrzeugen und
Geräten sowie Straßenfahrzeugen, deren Einkauf, Finanzierung sowie Instandhaltung und Wartung liegen im
Aufgabenbereich der Rail Equipment GmbH & Co KG. Darüber hinaus unterstützt die Rail Equipment GmbH & Co KG mit
dem Carsharing-Angebot „ÖBB Rail&Drive“ die strategische Ausrichtung des ÖBB-Konzerns zum
Gesamtmobilitätsdienstleister.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
5
WS Service GmbH
Die WS Service GmbH wurde Ende 2013 gegründet und erbringt Dienstleistungen für und im Zusammenhang mit
Weichen. Die Beteiligung der ÖBB-Infrastruktur AG an der WS Service GmbH beträgt 51%, zu 49% ist die voestalpine
Turnout Technology Zeltweg GmbH beteiligt. Die WS Service GmbH erbringt Leistungen an Weichen und angrenzenden
Gleisen, insbesondere im Bereich der Wartung, Inspektion und Instandsetzung.
Das für die Abwicklung des Leistungsspektrums der WS Service GmbH erforderliche Personal wurde bis 2021 von der
ÖBB-Infrastruktur AG geleast. Seit Anfang 2022 werden die Mitarbeiter:innen über die ÖBB-Infrastruktur AG am externen
Markt aufgenommen und an die WS Service GmbH verleast. Derzeit hat die WS Service GmbH rd. 110 von der ÖBB-
Infrastruktur AG überlassene Mitarbeiter:innen.
Im Jahr 2019 schrieb die ÖBB-Infrastruktur AG die Leistungen über Weicheninstandhaltungen im gesamten Streckennetz
der ÖBB-Infrastruktur AG aus. Im August 2019 erhielt die WS Service GmbH den Zuschlag für diese Ausschreibung. Es
wurde ein Rahmenvertrag abgeschlossen, der von 01.09.2019 bis 31.12.2020 gültig war, inklusive Option zweimal für
jeweils zwei Jahre zu verlängern. Im abgelaufenen Jahr wurde auch die zweite Option der Verlängerung von der ÖBB-
Infrastruktur AG gezogen. Der Rahmenvertrag wurde um weitere zwei Jahre bis 31.12.2024 verlängert.
Die WS Service GmbH legt sehr großen Wert auf Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter:innen. So betreibt sie am Standort
des Firmensitzes in St. Georgen die WS Akademie, wo sowohl Mitarbeiter:innen der ÖBB-Infrastruktur AG als auch
externer Firmen an Weichenobjekten im Zuge von Kursen trainieren können.
Weiters hat sich die WS Service GmbH auch im Bereich der Anschluss- und Privatbahnen als verlässlicher Partner etabliert.
In Kooperation mit der Rail Cargo Austria AG werden Anschlussbahnen umfassend betreut, um den
Anschlussbahnbetreibern einen rechtssicheren Zustand ihrer Anlagen zu gewährleisten.
Zusätzlich wurde 2022 mit dem Aufbau eines Montagetrupps im Bereich der Leit- und Sicherungstechnik begonnen, um
die ÖBB-Infrastruktur AG zukünftig bei Instandsetzung und Reinvestitionstätigkeit bundesweit zu unterstützen.
Weichenwerk Wörth GmbH
Die Weichenwerk Wörth GmbH ist Österreichs Marktführer bei der Produktion von Weichen, Isolierstößen sowie
weichenbezogenen Logistikleistungen und konnte sich vor allem im Oberbauhandel sowie im Geschäftszweig
Industrieweichen auch als Exporteur nach Südost- und Westeuropa positionieren. Die Beteiligung an der Weichenwerk
Wörth GmbH beträgt 43,05%.
Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE
Die Galleria di Base del Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE wurde auf Grundlage des Staatsvertrages zwischen der
Republik Österreich und der italienischen Republik als Projektgesellschaft gegründet, welche als Ziel die Verwirklichung
von Eisenbahninfrastrukturanlagen auf der Brennerachse zwischen Innsbruck und Franzensfeste hat. Entsprechend dem
Staatsvertrag werden die Projektkosten zu gleichen Teilen durch beide Vertragsparteien getragen. Für die Republik
Österreich wurde deshalb die ÖBB-Infrastruktur AG als Eigentümer an der Galleria di Base del Brennero – Brenner
Basistunnel BBT SE zu einem Anteil von 50% eingesetzt. Die nötigen Finanzmittel werden der ÖBB-Infrastruktur AG im
jeweils geltenden Rahmenplan von der Republik Österreich zur Verfügung gestellt.
Weitere wesentliche Tochtergesellschaften
Immobilienprojekte werden zum Teil in ausgegliederten Projektgesellschaften abgewickelt. Hier sind insbesondere die
ÖBB-Realitätenbeteiligungs GmbH & Co KG, die Elisabethstraße 7 Projektentwicklung GmbH & Co KG, die
Elisabethstraße 9 Projektentwicklung GmbH & Co KG, die Gauermanngasse 2–4 Projektentwicklung GmbH & Co KG, die
Operngasse 16 Projektentwicklung GmbH & Co KG und die Mariannengasse 16–20 Projektentwicklung GmbH & Co KG
hervorzuheben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
6
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern stellt nicht nur die österreichische Schieneninfrastruktur zur Verfügung, sondern ist auch
Arbeitgeber für insgesamt 18.374 Mitarbeiter:innen. Die ÖBB-Infrastruktur AG arbeitet mit Partnern in den folgenden
Bereichen zusammen:
– Bau
– Transport
– Technische Betriebsmittel
– Informationstechnologie und Telekommunikation
– Facility-Management
– Büromaterial
– Entsorgung etc.
Zweigniederlassungen
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern verfügt über keine Betriebsstätten bzw. Zweigniederlassungen.
B.
Rahmenbedingungen und Marktumfeld
B.1. Konjunkturelle Rahmenbedingungen
Globale Wirtschaftsentwicklung
Die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2022 stand ganz im Zeichen der Auswirkungen des Ukrainekrieges und der
Energiekrise mit dramatischen Folgen für Einkommens- und Lebensbedingungen in vielen Staaten.
So wird für die Weltwirtschaft insgesamt mit einem stabilen BIP-Wachstum im Jahr 2022 von 3,4% gerechnet. Für 2023
wird aktuell ein Zuwachs um 2,9% prognostiziert. Damit liegen die Wachstumsraten deutlich unter dem Durchschnitt des
letzten Jahrzehnts vor Ausbruch der Coronapandemie.
1
Wirtschaftsentwicklung weltweit
(Änderungen gegenüber dem Vorjahr in %)
Kennzahlen und Prognosen zur globalen Wirtschaftslage
2020
2021
2022
2023
Bruttoinlandsprodukt, real
Eurozone -6,1
5,3
3,2
0,3
USA
-
3,4
5,9
2,0
1,4
China 2,2
8,4
3,0
5,2
Welt
-
3,0
6,2
3,4
2,9
Welthandel (Güter und Dienstleistungen), real
-
7,8
10,4
5,4
2,4
Wertschöpfung Industrieproduktion, real
-
4,7
6,6
2,3
1,0
Verbraucherpreise
Industrieländer
0,7
3,1
7,3
4,6
Entwicklungs- /
Schwellenländer
5,1
5,9
9,9
8,1
Rohölpreis (in USD)
-
31,7
65,8
39,8
-
16,2
Rohstoffpreis (in USD)
6,5
26,4
7,0
-
6,3
Quelle: IWF, Europäische Kommission, Oxford Economics.
Bereits vor Ausbruch des Krieges hatte die globale Konjunkturentwicklung nach dem rasanten Aufschwung im Jahr 2021
an Fahrt verloren. Verantwortlich dafür war zum einen das schwache Wachstum Chinas, verursacht durch die weiterhin
äußerst rigide Null-COVID-19-Politik. Sie führte zu negativen Folgen für die chinesische Binnennachfrage, die sich auch in
einem deutlichen Rückgang des Importwachstums bemerkbar machten. Des Weiteren kam es aufgrund der zeitweiligen
COVID-19-bedingten Hafenschließungen und dem Ausfall von Produktionsanlagen weiterhin zu Störungen der globalen
Lieferketten.
2
1
IWF.
2
Trading Economics, DVZ.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
7
Zum anderen rutschte die US-Wirtschaft zu Jahresbeginn in eine technische Rezession, mit negativen Wachstumsraten in
zwei aufeinanderfolgenden Quartalen.
3
Diese Entwicklung war die Folge des lieferkettenbedingten Angebotsschocks,
eines akuten Arbeitskräftemangels und hoher Inflationsraten auf der einen Seite sowie der entsprechend drastischen
Zinswende der US-Notenbank Fed auf der anderen Seite. So wurden als Reaktion auf die galoppierende Kerninflation die
Leitzinsen im Jahresverlauf schrittweise von 0,25% im Jänner 2022 auf 4,5% bis Dezember 2022 angehoben.
4
Auch die Energie- und Rohstoffpreise hatten bereits zu Beginn des Jahres 2022 neue Höchststände erreicht. Diese
Preisentwicklung wurde durch die unerwartet starke Nachfragerholung nach den COVID-19-bedingten Einschränkungen
in vielen Staaten verursacht. Mit Kriegsbeginn Ende Februar 2022 hat sich diese Situation weiter verschärft. So lag der
Ölpreis (Brent) im Jahresmittel um 42% über dem Wert des Vorjahres. Im Juni wurde sogar ein 10-Jahres-Höchststand von
knapp 120 USD je Barrel erreicht. Auch Kupfer und andere Rohstoffpreise erreichten neue Allzeithöchststände. Besonders
dramatisch war der Anstieg des Gaspreises. Im Schnitt lag der weltweite Gaspreis-Index im Gesamtjahr 2022 trotz
deutlicher Entspannung zu Jahresende um 115% über dem Niveau des Vorjahres.
5
Diese Entwicklung schlägt sich auch in den Inflationsraten nieder. Dramatisch ist insbesondere die Entwicklung der
sogenannten Kerninflation, ohne Lebensmittel- und Energiepreise, die im globalen Jahresschnitt 6,6% erreichte. Vor allem
Entwicklungs- und Schwellenländer sind von dieser Entwicklung getroffen, wodurch globale Ungleichgewichte weiter
verschärft wurden.
6
Zwar ließ sich ab der zweiten Jahreshälfte im Bereich der globalen Lieferketten eine deutliche
Entspannung beobachten, was sich in niedrigeren Frachtraten für Rohstoffe und Container niederschlug. Dies war jedoch
in erster Linie der sich bereits abzeichnenden Konjunkturabkühlung geschuldet.
7
Entwicklung von Transportpreisen und Börsenindizes
Preisentwicklung für Rohstoff- und Containertransporte DAX und Dow Jones (Index 2010=100)
Baltic Dry und HARPEX Index (Indexpunkte)
Quelle: Refinitiv.
Die Finanzmärkte zeigten sich von diesen Entwicklungen weitgehend unberührt. So blieben trotz der zum Teil deutlichen
Zinsschritte der Notenbanken die Realzinsen angesichts der hohen Inflationsraten weiterhin negativ. Zwar war die
Entwicklung des Dax- wie auch des Dow-Jones-Index seit Ausbruch des Ukrainekrieges leicht rückläufig, ein Einbruch wie
zu Beginn der COVID-19-Pandemie erfolgte jedoch nicht. Im 4. Quartal 2022 war sogar bereits wieder eine deutliche
Erholung zu verzeichnen.
3
BEA, IWF.
4
OeNB, Orf.at.
5
Weltbank.
6
IWF.
7
Fed.
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
1 2 3 4 5 6 7 8 9 1011 12 1 2 3 4 5 6 7 8 9 101112
2021 2022
Baltic Dry
HARPEX
85
95
105
115
125
135
145
85
95
105
115
125
135
145
1 2 3 4 5 6 7 8 9 101112 1 2 3 4 5 6 7 8 9 101112
2021 2022
DAX Index
Dow Jones Index
Dow Jones (linke Achse)
DAX (rechte Achse)
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
8
Gleichzeitig führen die expansiven fiskalischen Maßnahmen rund um die COVID-19-Hilfsprogramme und die Maßnahmen
zur Abfederung der Energiepreissteigerungen in vielen Staaten zu erhöhter Unsicherheit in Bezug auf die Stabilität der
öffentlichen Haushalte. Diese schlagen sich entsprechend in den Renditen von Staatsanleihen insbesondere Südamerika
sowie Süd- und Osteuropa nieder.
8
Angesichts der multiplen Krisen sind die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung enorm. Die angespannte Situation
bei Energiepreisen und Inflation dürfte jedenfalls bis ins Jahr 2023 aufrechtbleiben, wenngleich zum Zeitpunkt der
Berichtslegung davon ausgegangen wird, dass der Peak der Preissteigerungen überschritten ist. Die Periode moderaten
Wirtschaftswachstums des vergangenen Jahrzehnts mit Niedrigzinsen und -inflationsraten gemeinsam mit einer relativ
hohen wirtschaftlichen und geopolitischen Sicherheit scheint jedenfalls vorbei zu sein. Beunruhigend ist vor allem die
steigende Ungleichheit sowohl innerhalb von Volkswirtschaften wie auch zwischen den Staaten. Einmal mehr ist die Rolle
Chinas als globaler Unsicherheitsfaktor hervorzuheben. Das Land strebt zwar nach außen hin zunehmend eine
hegemoniale Rolle an, ist aber zugleich wirtschaftlich wie gesellschaftlich mit einer Reihe von Herausforderungen
konfrontiert, die es zu lösen gilt – von der Überalterung der Gesellschaft bis hin zu einer drohenden Immobilien- und
Wohlstandskrise.
Europäische Wirtschaftsentwicklung
Europas Wirtschaft ist im Jahr 2022 noch vergleichsweise stark gewachsen. EU-weit lag das BIP um 3,3% über dem
Vorjahreswert, in der Eurozone wurde ein Plus von 3,2% verzeichnet. Verantwortlich dafür war der anhaltend starke
Aufschwung im ersten Halbjahr. So betrug das BIP-Wachstum in der EU in den ersten beiden Quartalen 2022 5,6% bzw.
4,3% im Vorjahrsvergleich, in der Eurozone waren es 5,5% bzw. 4,2%.
9
Einmal mehr gingen die entscheidenden Wachstumsimpulse vom Privatkonsum und dem Dienstleistungssektor aus. Das
Wachstum steht immer noch in Zusammenhang mit den Aufholeffekten infolge der coronabedingten Einschränkungen
des Wirtschaftslebens, die in vielen Staaten bis ins Jahr 2022 hineinwirkten. Auch die Industrieentwicklung konnte in der
ersten Jahreshälfte noch vom allgemeinen Aufschwung profitieren – trotz Ausbruch des Ukrainekrieges am 24.02.2022.
Zur Jahresmitte hin begannen sich die Vorzeichen unter dem Eindruck der Kriegsfolgen und der schwächelnden US-
Konjunktur jedoch auch hier einzutrüben. Im August sank der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone erstmals seit
Pandemieausbruch unter die 50-Punkte-Marke.
10
Zudem war und ist die europäische Wirtschaft von den Verwerfungen auf den Energiemärkten aufgrund der großen
Abhängigkeit von russischem Erdgas besonders betroffen. Die Verknappung des Gasangebotes durch Russland In
Verbindung mit dem Bestreben europäischer Staaten ihre Speicher zu füllen, entwickelte eine spezielle Dynamik. Sie hat
dazu geführt, dass der Preis für Erdgas in Europa im Vergleich zum Vorjahresschnitt im Jahresmittel 2022 um knapp 150%
gestiegen ist. Im Vergleich zum Jahr 2020 hat er sich sogar fast verzwölffacht. Verschärft wurde die Situation noch durch
eine anhaltende Hitzewelle und Dürre während des Sommers, die insbesondere die Stromversorgung, aber auch die
Landwirtschaft in Zentral- und Südeuropa stark in Mitleidenschaft gezogen hat.
11
Die hohen Energiekosten führten sowohl direkt als auch indirekt über die Weitergabe im Wege der Erzeugerpreise zu
einem massiven Anstieg der Verbraucherpreise. EU-weit lag die Jahresinflationsrate bei 9,3%, in der Eurozone nur knapp
darunter bei 8,5%.
12
Insbesondere in energieintensiven Industriebereichen wie der Stahl-, Papier- oder Düngemittelerzeugung führten die
hohen Energiekosten in ganz Europa bereits vereinzelt zu Produktionskürzungen bzw. Werkschließungen.
13
In anderen
Bereichen wie der Automobil- und Maschinenbauindustrie hingegen sorgten die vollen Auftragsbücher noch für längere
Zeit für positive Entwicklungen. Im 4. Quartal 2022 drehte aber auch die gesamteuropäische Industriekonjunktur endgültig
ins Minus.
14
8
IWF.
9
Eurostat.
10
Trading Economics.
11
Weltbank.
12
Europäische Kommission.
13
Handelsblatt, Kleine Zeitung, Kurier.
14
Oxford Economics.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
9
Äußerst heterogen verläuft auch die Konjunkturentwicklung im Vergleich der europäischen Staaten des RCG-Raumes.
Während in Österreich und den meisten Staaten Osteuropas 2022 noch deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten
verzeichnet werden konnten, blieb die Konjunktur in Deutschland ein weiteres Jahr in Folge deutlich unter dem
europäischen Durchschnitt. Für das Jahr 2023 wird hier mit einer Stagnation gerechnet.
15
Damit schließt Deutschland an
die schwächelnde Vorkrisenentwicklung an – die Industrie befand sich 2019 sogar in einer Rezession, die nur durch den
Aufholprozess der Post-COVID-19-Phase überlagert wurde. Der Industrieanteil an der Wertschöpfung sinkt seit Jahren
kontinuierlich.
16
Für 2023 stehen die Zeichen für die gesamteuropäische Wirtschaftsentwicklung auf Stagnation, wobei hier vor allem die
wirtschaftliche Entwicklung in Staaten mit höherem Industrieanteil dämpfend wirkt.
Trotz des Auslaufens von COVID-19-Hilfsprogrammen auf nationaler Ebene bleibt die finanzielle Situation der öffentlichen
Haushalte in Europa angespannt. Zahlreiche Staaten setzen umfangreiche Maßnahmen zum Ausgleich der Teuerung, allen
voran der hohen Energiekosten. Entsprechend dürften die Budgetdefizite in den meisten Staaten der Eurozone sowohl
2022 als auch 2023 deutlich über dem Maastricht-Ziel liegen. Die Schuldenlast der Eurostaaten im Verhältnis zum BIP liegt
2022 im Schnitt bei 93%, für 2023 wird ein ähnlich hoher Wert erwartet.
17
Gleichzeitig hat sich mit der stufenweisen Erhöhung des Leitzinses auf 2,5% bis Jahresende nach der langen
Nullzinsperiode nun auch das Finanzierungsumfeld für die Staaten verändert. Zwar sind die Realzinsen weiterhin negativ.
Angesichts der deutlich über dem 2%-Ziel liegenden Inflationserwartungen in der mittleren Zukunft sind weitere
Zinsschritte der EZB wahrscheinlich. Zudem hat die EZB mit dem Ausstieg aus dem sogenannten Quantitative Easing, d. h.
dem Ankauf von Staatsanleihen zur Ausweitung der Geldmenge, begonnen.
18
Österreichische Wirtschaftsentwicklung
Österreichs Wirtschaft hat sich im Jahr 2022 angesichts des schwierigen Umfeldes überraschend gut entwickelt. Der
Ausbruch des Ukrainekrieges traf die österreichische Konjunktur in einer Phase des Aufschwungs. So konnten im ersten
und im zweiten Quartal 2022 noch deutlich überdurchschnittliche BIP-Wachstumsraten von rd. 10% bzw. 6% im Vergleich
zum Vorjahresquartal erzielt werden. Getragen wurde diese Entwicklung einmal mehr durch den aufholenden
Privatkonsum im Nachgang der Lockdowns sowie durch Nettoexporte. Hingegen schrumpfte die Entwicklung der
Bruttoanlageinvestitionen bereits.
19
Kennzahlen und Prognosen zur Wirtschaftslage in Österreich
Größe
Einheit 2020
2021
2022
2023
Bruttoinlandsprodukt, real
Veränderung in %
-6,5
4,6
4,7
0,3
Industrieproduktion
-
5,5
9,
9
7,0
-
2,1
Warenexporte -7,3
12,9
6,0
-0,1
Warenimporte
-
6,2
14,2
3,1
0,1
Bruttoanlageinvestitionen, real
-
5,3
8,7
-
1,0
0,
2
Private Konsumausgaben, real
-
8,0
3,6
3,8
1,
3
Inflationsrate
(Verbraucherpreise)
1,4
2,8
8,
6
6,5
Maastricht-Defizit in % des BIP -8,0
-5,9
-3,3
-2,0
Arbeitslosenquote
in % der Erwerbspersonen
9,9
8,0
6,
3
6,
5
Quelle: Statistik Austria, WIFO, Oxford Economics.
Zwar erwies sich die österreichische Industrie insbesondere im Vergleich zu Deutschland und Italien noch vergleichsweise
resilient, wenngleich es auch in Österreich zu einzelnen Produktionsstilllegungen im Bereich der Papierindustrie aufgrund
der drastischen Energiekostensteigerungen kam.
20
Die Wachstumsraten der Industrieproduktion in den ersten drei
Quartalen 2022, insbesondere im ersten und zweiten Quartal, waren nach einem bereits starken Jahr 2021 erneut
überdurchschnittlich. Gleichzeitig war die verhaltene Investitionslaune bereits ein Vorbote der sich bereits abkühlenden
Konjunkturerwartungen. Über den Sommer drehten die Erwartungsindizes in der heimischen Sachgütererzeugung dann
endgültig ins Negative.
21
Mit der prognostizierten Stagnation der Gesamtwirtschaft beim wichtigsten Handelspartner
Deutschland wird für Jahr 2023 mit einer Abschwächung der österreichischen Industriekonjunktur gerechnet.
15
IWF.
16
Handelsblatt.
17
IHS.
18
Handelsblatt.
19
OeNB.
20
Industriemagazin, Orf.at.
21
WIFO.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
10
Entwicklung der Industrieproduktion (inklusive Bauwirtschaft) in Österreich
(Produktionsindex, arbeitstätig bereinigt, Änderung gegenüber dem Vorjahresquartal in %)
Quelle: Statistik Austria.
Der massive Anstieg der Energiekosten sorgte im Jahr 2022 auch für neue Rekorde bei den Inflationsraten. Dieser war vor
allem durch die hohe Abhängigkeit von russischem Erdgas sowohl in der Stromerzeugung wie auch beim Heizen bedingt.
Die zur Jahresmitte 2022 einsetzende Abschwächung des EUR-Wechselkurses gegenüber dem USD wirkte zusätzlich
preistreibend auf die Importe, da vor allem Energieprodukte und Rohstoffe vornehmlich in USD notieren. So wurde im
September 2022 ein Preisanstieg von über 10% im Vergleich zur Vorjahresperiode verzeichnet – erstmals wieder seit der
Ölkrise in den 1970er-Jahren.
22
Die Jahresinflationsrate 2022 lag bei 8,6%. Zwar wird für das Jahr 2023 mit einem
Rückgang der Preissteigerungen gerechnet. Die verzögerte Weitergabe der Kostensteigerungen in vielen Bereichen wird
aber auch 2023 für deutlich überdurchschnittliche Steigerungen der Verbraucherpreise sorgen.
23
Gesamtwirtschaftlich stehen die Zeichen daher im Jahr 2023 mit einem Wirtschaftswachstum nahe 0% und weiterhin
hoher Inflation auf Stagflation. Positive Wachstumsbeiträge werden erneut vor allem vom Privatkonsum erwartet.
Begünstigt wird diese Entwicklung vor allem von den überdurchschnittlichen Lohnabschlüssen in vielen Branchen im
Herbst 2022. Sie dürften trotz weiterhin hoher Inflation im Schnitt einen Reallohnzuwachs für 2023 erlauben.
Überraschend positiv bleibt auch die Entwicklung auf dem heimischen Arbeitsmarkt. So lag die Arbeitslosenquote 2022
mit 6,3% unter dem Niveau der Jahre 2018 und 2019. Für 2023 wird nur ein leichter Anstieg auf 6,5% erwartet.
Angesichts des akuten Fachkräftemangels neigen viele Unternehmen dazu, Beschäftigte trotz des aktuell schwierigen
Umfeldes vorerst einmal zu halten. Hingegen ist der leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zu 2022 vor allem
dem erwarteten Zuzug ausländischer Arbeitskräfte geschuldet.
24
Fiskalisch bedeutet das Auslaufen der Coronahilfen eine Entlastung des öffentlichen Haushalts. Expansive fiskalpolitische
Maßnahmen zum Teuerungsausgleich wie Einmalzahlungen sowie die Abschaffung der kalten Progression schlugen im
Jahr 2022 mit rd. 5,2 Mrd. EUR an Sonderaufwänden zu Buche. Diese führten somit zu einer leichten Verzögerung in der
Rückführung des Budgetdefizits.
25
2022 lag dieses bei -3,3% im Vergleich zu -5,9% im Jahr davor. Gleichzeitig wirken die
hohe Inflation und das Niedrigzinsumfeld weiterhin dämpfend auf die Staatschuldenquote und das Budgetdefizit.
Letzteres dürfte jedenfalls bereits im Jahr 2023 wieder unter die Maastricht-Obergrenze von 3% des BIP fallen.
22
Statistik Austria.
23
WIFO.
24
WIFO.
25
BMF.
-3,6%
-14,7%
-2,8%
-0,5%
1,1%
19,4%
4,8%
5,9%
12,2%
10,6%
6,2%
-20%
-15%
-10%
-5%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
1. Q 2. Q 3. Q 4. Q 1. Q 2. Q 3. Q 4. Q 1. Q 2. Q 3. Q
2020 2021 2022
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
11
Kapitalmärkte und Staatshaushalt
Seit 2016 werden die erforderlichen Finanzmittel für die Infrastrukturinvestitionen der ÖBB-Infrastruktur AG durch die
Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) am Kapitalmarkt aufgenommen. Die Finanzierungskosten sind daher
durch das Zinsniveau von Bundesanleihen bestimmt. Nach zweijähriger Negativperiode drehten die Emissionsrenditen für
Bundesanleihen im Periodendurchschnitt 2022 bei einer durchschnittlichen Laufzeit von rd. 14 Jahren wieder ins Plus.
Damit erreichten sie einen auch im Vergleich zum Vorkrisenniveau beachtlichen Wert von 1,29%. Ebenso in der
monatlichen Betrachtung wiesen die Emissionsrenditen unabhängig von der Laufzeit im gesamten Jahr 2022 positive
Werte auf. Auch der Durchschnitt der Renditen aller aktuell im Umlauf befindlichen österreichischen Bundesanleihen liegt
nach drei Jahren negativer Entwicklungen nun mit einem Wert 1,279% im Jahr 2022 erstmals wieder deutlich im positiven
Bereich.
26
Das bedeutet, dass Anleger:innen angesichts massiver öffentlicher Ausgaben und dem Anstieg der Verschuldung
mittlerweile wieder einen Risikoaufschlag verlangen. Auch die abrupte Abkehr der EZB von ihrer Nullzinspolitik geht
angesichts der dramatischen Inflationsentwicklung nicht spurlos am europäischen Anleihenmarkt vorüber. Im Verlauf des
Jahres 2023 ist mit einem Aufwärtstrend bei den Emissionsrenditen zu rechnen.
27
Die Bonität Österreichs bleibt weiterhin
hoch, der Ausblick aller maßgeblichen Ratingagenturen steht auf stabil.
28
B.2. Politische und regulatorische Rahmenbedingungen
Die gesellschaftlichen sowie politischen Rahmenbedingungen wurden laufend analysiert. Auf Basis dieser Analysen
formulieren sie Positionspapiere, Stellungnahmen und Änderungsanträge für relevante Gesetzgebungsinitiativen in
Österreich sowie in Brüssel und bereiten Informationen für Entscheidungsträger:innen auf. Um die Qualität und Relevanz
dieser Informationen zu gewährleisten, arbeiten die Mitarbeiter:innen dabei eng mit ÖBB Expert:innen und externen
Stakeholder:innen zusammen.
Im abgelaufenen Jahr waren sowohl die politische als auch die mediale Debatte in Österreich und in Europa von Krisen
geprägt – von COVID-19 über den Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Energiepreiskrise und hohe Inflation bis
zur Klimakrise. Die wirtschaftliche Abfederung der Krisenfolgen sowie die Mitgestaltung der Rahmenbedingungen für eine
klimafreundliche Verkehrswende standen allgemein im politischen Fokus wie auch im Zentrum der Arbeit der damit
betrauten ÖBB Mitarbeiter:innen.
Die Folgen der Pandemie für den ÖBB-Konzern waren 2022 noch deutlich spürbar – trotz des Anstiegs der
Fahrgäst:innenzahlen, insbesondere im Fernverkehr ab Mai 2022 sowie dem Anstieg der Gütermengen vor allem im ersten
Halbjahr 2022. Dementsprechend engagierte sich der ÖBB-Konzern– in erster Linie im Dialog mit der österreichischen und
europäischen Politik – für die Abfederung der Systemkosten. Gelungen ist dies u. a. durch die bis Jahresende 2022
verlängerte, befristete Aussetzung des Wegeentgeltes. Die Grundlage dafür bildete die EU-Verordnung 2020 / 1429 auf
Basis des EU-COVID Krisenrahmens.
Österreichisches Beihilfemodell für den Schienengüterverkehr erneuert und notifiziert
Mit der Stabilisierung der Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs gegenüber dem Straßentransport per Lkw
wurde ein wichtiger Meilenstein gesetzt. Diese wurde durch die Überarbeitung und neuerliche Notifizierung des
bestehenden österreichischen Beihilfemodells erreicht. Das heimische Fördermodell trägt bereits seit Jahren wesentlich
dazu bei, dass die steuerlichen und verkehrspolitischen Nachteile der Schiene gegenüber der Straße zumindest teilweise
ausgeglichen werden. Dadurch liegt der Modal-Split-Anteil des Schienengüterverkehrs in Österreich mit rd. 29% am
Gesamtgüterverkehrsaufkommen deutlich über den durchschnittlich 18% im EU-Raum.
Da der bisherige, EU-notifizierte Beihilferahmen Ende 2022 ausgelaufen ist, wurde seitens des ÖBB-Konzerns ein
Schwerpunkt auf die Mitarbeit an der Verlängerung und Überarbeitung des Beihilfemodells für die nächste Periode gelegt,
die von 2023 bis 2027 laufen wird. Im Zuge der Anpassung wurde auch der maximale Förderrahmen für
Schienengüterverkehr – speziell im sensiblen Alpenbereich – erhöht. Gleichzeitig wurde das bisherige Modell um ein
Trassenpreisförderungsmodell ergänzt, das für den „Einzelwagenverkehr“ (EWV), den „Unbegleiteten Kombinierten
Verkehr“ (UKV) und die „Rollende Landstraße“ (RoLa) zum Tragen kommt. Für die Beihilfe sind im Bundeshaushalt 2023
Mittel in der Höhe von rd. 173,0 Mio. EUR vorgesehen. Sie steht allen in Österreich agierenden
Schienengüterverkehrsunternehmen zur Verfügung. 2021 wurden damit knapp 60% der gesamten heimischen
Schienengüterverkehrsleistungen unterstützt.
Dieses erfolgreiche österreichische Beihilfemodell gilt international als Benchmark. Der ÖBB-Konzern hat sich die
Weiterverbreitung dieses Fördermodells zum Ziel gesetzt, um die Rahmenbedingungen für den stark international
ausgerichteten Schienengüterverkehr europaweit zu verbessern. Mittlerweile wird dieses Modell in zahlreichen
europäischen Staaten in gleicher oder ähnlicher Weise implementiert, darunter Deutschland, Frankreich, Ungarn, Kroatien,
Slowenien und die Slowakei.
26
OeNB.
27
Kurier, Tagesspiegel.
28
OeBFA.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
12
Ukrainekrieg: Hilfe für Vertriebene und Stabilisierung der Warenströme
Das Jahr 2022 hat eine Aussage in trauriger Weise bestätigt: Nach der Krise ist vor der Krise. Auf das vehemente
Gegensteuern gegen die wirtschaftlichen Folgewirkungen der Pandemie für den ÖBB-Konzern folgte mit dem Angriff
Russlands auf die Ukraine am 24.02.2022 die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg, sowohl für die
europäische Wirtschaft als auch für das gesamte europäische Bahnsystem.
Der ÖBB-Konzern war als Teil des Krisenmanagements stark engagiert. Das betrifft die Bewältigung des Zustroms an
Vertriebenen aus der Ukraine sowie die Stabilisierung der Internationalen Transportketten. Das Engagement erfolgte
insbesondere auf internationaler Ebene im Rahmen der Vorsitzführung bei der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen
(CER).
Im Bereich des Personenverkehrs ging es dabei ab dem ersten Tag des Krieges vor allem darum, flüchtende Frauen und
Kinder in Sicherheit zu bringen. Im Laufe des Jahres 2022 wurden insgesamt knapp 500.000 sogenannte „Not-
Tickets“ ausgestellt, die es Vertriebenen aus der Ukraine ermöglichten, mit ÖBB Zügen an ein sicheres Ziel zu gelangen.
Tausende Vertriebene wurden in ÖBB Bahnhöfen, allen voran am Hauptbahnhof Wien, vorübergehend betreut und mit
Essen und Schlafgelegenheit versorgt. Dank der guten Zusammenarbeit mit den betroffenen Behörden und zahlreichen
Hilfsorganisationen – genannt seien hier vor allem die Caritas und die Volkshilfe – konnte rasche und effiziente Hilfe für
Tausende Vertriebene reibungslos organisiert werden. Eine exemplarische Einzelmaßnahme soll hier noch genannt sein.
Dem ÖBB-Konzern ist es auf Ersuchen des österreichischen Sportministeriums gemeinsam mit der polnischen Bahn PKP
gelungen, alle 82 Schüler:innen der Sportschule Saporischnya nach Wien zur evakuieren und sicher in Salzburg
unterzubringen.
Im Bereich des Güterverkehrs ging es seit Kriegsbeginn vor allem darum, die notwendigen Rohstofflieferungen für die
heimische Wirtschaft, in erster Linie Erz und Öl, ebenso wie internationale Getreidetransporte sicherzustellen. Diese
Rohstofftransporte erfolgten über Ungarn nach Österreich. Sie konnten im Rahmen der EU Initiative „Solidarity Lanes“ und
durch umfassendes Engagement der ÖBB Tochtergesellschaft Rail Cargo Hungaria abgesichert werden. Im Fokus standen
auch die in Afrika dringend benötigten Getreidetransporte aus der Ukraine. Um diese erfolgreich abwickeln zu können,
hat die Rail Cargo Group – im Zusammenspiel mit anderen Unternehmen – die sogenannte „Grain-Lane“ geschaffen.
Dabei handelt es sich um einen Online-Marktplatz für ukrainische Landwirt:innen, Händler:innen, Logistikanbieter und
Verbraucher:innen. Dank dieser Maßnahmen sowie aufgrund der Priorisierung von Getreidetransporten seit
Kriegsausbruch transportiert die RCG seit 01.03.2022 monatlich rd. 150.000 t Getreide aus der Ukraine an ihren jeweiligen
Bestimmungsort – nach Italien, Deutschland, Österreich, der Slowakei und Slowenien wobei der Großteil davon zum
Weitertransport nach Afrika bestimmt ist.
Seit Ausbruch des Krieges sorgte der ÖBB-Konzern aber natürlich auch für Transporte von Gütern des täglichen Bedarfs.
Dabei handelte es sich um Lieferungen von Hilfsgütern ebenso wie von dringend benötigter Sicherheitsausrüstung für die
Eisenbahner:innen der ukrainischen Bahn Ukrzalisznytsia (UZ).
Steigende Energiepreise als große Herausforderung für Bahnunternehmen
Zentrales Thema des Jahres 2022 waren die steigenden Energiepreise. Neben der gesellschaftspolitischen Relevanz haben
sie auch massive wirtschaftliche Auswirkung auf den gesamten ÖBB-Konzern. Durch vorausschauendes Agieren konnten
die Auswirkungen der enorm gestiegenen Energiepreise im abgelaufenen Jahr noch im Rahmen gehalten werden.
Gleichzeitig galt – und gilt – es aber, die Voraussetzungen sowohl für eine Abfederung der dadurch entstehenden
Zusatzkosten für die Folgejahre zu schaffen als auch die stabile Versorgung der Bahnunternehmen mit Strom
sicherzustellen.
Auch in Österreich wurden mit dem Unternehmens-Energiekostenzuschussausgleichsgesetz 2022 sowie mit dem
Strompreiskostenausgleichsgesetz auf Basis des EU-Krisenhilfenrahmens Unterstützungsmaßnahmen gesetzt. Diese sind
jedoch für den Bahnsektor weitestgehend nicht nutzbar. Allerdings ist der Bahnsektor als besonders energieintensiver
Bereich von der Explosion der Strompreise europaweit massiv betroffen. So wurde im 2. Halbjahr 2022 seitens der CER
unter Vorsitz von ÖBB CEO Matthä eine umfassende Informations- und Lobbying-Initiative gestartet. Das Ziel war es, die
europarechtlichen Grundlagen für Krisenhilfe an Bahnunternehmen zu erwirken.
Zugleich galt es, im Zuge der aktuellen Energiekrise möglicher Energieknappheit entgegenzuwirken und die Abhängigkeit
des Bahnsystems vom öffentlichen Strommarkt zu reduzieren. Dafür beschleunigte und erweiterte der ÖBB-Konzern im
abgelaufenen Jahr ihr Ausbauprogramm für die Produktion erneuerbarer Energie massiv. Bis 2030 sollen rd. 1,0 Mrd. EUR
in den Ausbau der Strom-Eigenproduktion investiert werden. So soll der Anteil der Bahnstrom-Eigenversorgung für die
Bahnunternehmen im ÖBB Netz auf bis zu 60% erhöht werden. Der ÖBB-Konzern arbeitet aktuell intensiv an der
notwendigen Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen mit, um die Beschleunigung der Umsetzung von
Energieprojekten voranzutreiben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
13
Klimaschutz, der Dauerbrenner unter den Krisen
Eines der Kernthemen des letzten Jahres war – wenngleich medial von den zahlreichen anderen aktuellen Krisen
überdeckt – erneut der Klimawandel sowie seine Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft. Eine entscheidende Bedeutung
im Kampf gegen den Klimawandel kommt dabei dem Verkehrssektor zu, dessen CO
2
-Ausstoß im Gegensatz zur Industrie
2022 weiter angestiegen ist. Als Österreichs größtes Klimaschutzunternehmen übernimmt der ÖBB-Konzern
Verantwortung für die angestrebte Verkehrswende, u. a. mit einem klaren Dekarbonisierungspfad sowie einer öffentlichen
Bewusstseinsbildung und durch Kooperationen mit Umweltorganisationen.
Um dieser zentralen Aufgabe auch gerecht werden zu können, wurde auch im abgelaufenen Jahr wieder ein Schwerpunkt
für faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Schiene und Straße und Kostenwahrheit gesetzt (Stichwort: Einbeziehung
von Umwelt-, Sozial und Sicherheitskosten). Es war und ist Aufgabe und erklärtes Ziel des ÖBB-Konzerns, die Positionen
des ÖBB-Konzerns bei allen konkreten klimaschutzrelevanten Gesetzesvorhaben in Österreich und auf EU- Ebene
einzubringen. Dies ist beispielsweise bei der Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes (AWG) gelungen. Zwar wurde diese
bereits Ende 2021 vom Parlament beschlossen. Für die erfolgreiche Umsetzung mit Jänner 2023 mussten aber im
abgelaufenen Jahr die notwendigen unternehmerischen Vorbereitungsschritte gesetzt werden. Diese waren die
Voraussetzung, dass dieses Gesetz auch tatsächlich seine Wirkung entfalten kann und zur gewünschten Verlagerung von
Abfalltransporten auf die Schiene führt.
Weiters wurde intensiv an der Erstellung des Mobilitätsmasterplans 2030 und dem darauf aufbauenden Masterplan
Güterverkehr mitgearbeitet. Einige der wesentlichen Punkte dabei waren der Ausbau bzw. die Förderung von
Anschlussbahnen und Ladegleisen sowie der Bau und Ausbau von Güterverkehrsterminals. Das soll die reibungslose
Vernetzung von Schiene und Straße voranzutreiben.
Im Bereich des Busverkehrs sind ein harter Billigstpreiswettbewerb, der damit einhergehende Qualitätsverlust beim
Verkehrsangebot sowie der Mangel an Lenker:innen eine enorme Herausforderung für den ÖBB Postbus. Um die dringend
notwendige Verbesserung der Rahmenbedingungen und des Verkehrsangebots zu erreichen, wurde 2022 der Dialog mit
Stakeholder:innen auf Bundes-, Länder- und Gemeindeebene massiv verstärkt. Damit soll vor allem in ländlichen Regionen
mehr Menschen der Umstieg auf den öffentlichen (Bus-)Verkehr ermöglicht und erleichtert werden. Wesentliche Ziele sind
dabei u. a. die Verankerung des Bestbieterprinzips bei Ausschreibungen ebenso wie vertragliche Spielräume, die eine
Attraktivierung des Berufs Buslenker:in ermöglichen, aber auch eine Bewusstseinsbildung für die zentrale Rolle und das
große Potenzial des Busverkehrs als Alternative zum Zweitauto in ländlichen Regionen.
Themenmanagement auf internationaler Ebene
Seit Februar 2020 führt ÖBB CEO Andreas Matthä den Vorsitz des Europäischen Eisenbahnverbandes CER. Ein
internationaler Arbeitsschwerpunkt lag demnach auch 2022 auf der Steuerung der inhaltlichen Arbeit des CER. Dazu zählt
die Setzung von Lobbyingschwerpunkten bei EU-Institutionen sowie die Koordinierung von Positionen und Interessen
unter den rd. 70 europäischen Bahnunternehmen im CER. Ähnlich wie im nationalen Bereich stand 2022 dabei auch auf
internationaler Ebene Krisenhilfe ganz oben auf der Agenda. Die Initiative betraf zunächst COVID-19 und in weiterer Folge
die Energiepreiskrise sowie die internationale Lieferkettenkrise infolge des Ukrainekrieges.
Hinzu kam die intensive Mitarbeit an der Neugestaltung der zentralen rechtlichen Rahmenbedingungen für den
Bahnsektor, die seitens der EU-Kommission im Rahmen des European-Green-Deals laufend überarbeitet werden. Im Fokus
standen 2022 dabei vor allem die Mitgestaltung der Überarbeitung der TEN-T-Richtlinie und der Richtlinie für die
Europäischen Güterverkehrskorridore (RFC). Ebenso standen auf der Agenda der „Aktionsplan für den
Grenzüberschreitenden Fernverkehr“ samt der damit verbundenen Richtlinie zum Ticketing und den Leitlinien für Public-
Service-Obligations (öffentliche Verkehrsdiensteaufträge). Die PSO-Leitlinien regeln vorrangig die Möglichkeiten für
Umfang und Vergabe öffentlicher Beauftragungen von Verkehrsdiensteverträgen. Das abzuwendende Szenario sind eine
drohende Einschränkung des Gestaltungsspielraums für nationale Verkehrspolitik und eine massive Beschränkung von
öffentlichen Verkehrsaufträgen. Sie sind als Instrument der Verkehrswende ein wesentlicher Faktor. Um diese
Einschränkungen zu verhindern, wurden von den ÖBB Positionspapiere verfasst, eine Allianz mit anderen
Bahnunternehmen, Institutionen, Verbänden und NGOs in Österreich und Brüssel etabliert und rd. 100
Stakeholder:innengespräche auf verschiedensten Ebenen geführt. Übergeordnetes Ziel war und ist es dabei, die
Wahlfreiheit für öffentliche Auftraggeber bei der Definition und Vergabe von Verkehrsdienstleistungen
aufrechtzuerhalten. Denn nur dann können funktionierende Mobilitätsmodelle bestehen bleiben und ausgeweitet werden,
um die EU-Klimaziele im Verkehr zu erreichen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
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Einen weiteren Schwerpunkt auf EU-Ebene bildete im Jahr 2022 die Mitgestaltung des „Fit for 55“-Pakets. Dieses umfasst
Gesetzesinitiativen für ein Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr (ETS) sowie einen Regelungsvorschlag für
Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) und auch mehrere Richtlinienvorschläge im Bereich der Energiebesteuerung
und der Energieeffizienz von Gebäuden. Des Weiteren wurden Positionspapiere und Abänderungsanträge zur Nature-
Restoration-Richtlinie verfasst. Diese sollen sicherstellen, dass „bis 2050 die Ökosysteme in der EU wiederhergestellt sind“.
Anliegen des ÖBB-Konzerns war und ist hier ein vernünftiger Ausgleich zwischen widerstreitenden Anforderungen von
Klimaschutz einerseits und Naturschutz andererseits. Damit sollen rechtliche Risiken für die Umsetzbarkeit von
Bahninfrastrukturprojekten eingedämmt werden.
Veranstaltungshöhepunkt des abgelaufenen Jahres war der im Juli von den ÖBB in Wien gehostete CEO-Summit 2022.
30 europäische Bahn-CEOs sind dafür nach Wien angereist. Im Zuge der Veranstaltung wurden zwei wichtige
Deklarationen als Bekenntnis und Selbstverpflichtung des europäischen Bahnsektors unterzeichnet. Mit der „Verpflichtung
des europäischen Eisenbahnsektors zur Unterstützung der Ukrainischen Eisenbahn (UZ)“, wurde durch die Unterzeichner
u. a. die Lieferung von technischen Geräten und Ersatzteilen für die Eisenbahn und die Unterstützung des Wiederaufbaus
der ukrainischen Eisenbahn durch Know-how-Transfer zugesagt. Die zweite Deklaration ist ein „Erklärung zur weiteren
Digitalisierung des Eisenbahnsektors“.
B.3. Marktumfeld
Die Entwicklung der Betriebsleistung im Netz der ÖBB-Infrastruktur AGspiegelt den allgemeinen Aufschwung im Personen-
und Güterverkehr auf der Schiene wider. So legten die zurückgelegten Zugkilometer im Vergleich zum Vorjahr um 4,8%
zu. In Bezug zum Jahr 2019 waren es 4,5%. Zuwächse gab es dabei sowohl beim Personen- wie beim Güterverkehr. Die
Betriebsleistung im Bahnpersonenverkehr erreichte mit einem Plus von 5,8% im Vergleich zu 2021 sogar einen neuen
Höchststand. Verantwortlich dafür war die massiv gestiegene Nachfrage im Fernverkehr. Diese steht wohl im
Zusammenhang mit dem Klimaticket und den damit verbundenen Angebotsausweitungen sowohl bei den ÖBB wie bei
den Mitbewerbern. Auch im Güterverkehr konnte bei den Zugkilometern ein Zuwachs von 2,0% zum Vorjahr verzeichnet
werden. Das bedeutet eine Stabilisierung in etwa auf Vorkrisenniveau.
29
Auf europäischer Ebene wird aktuell die sogenannte TEN-T-Verordnung überarbeitet. Mit der EU-Verordnung 1315 / 2013
wurden im Jahr 2013 die transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-T) geschaffen. Diese Verordnung umfasst mehrere
Verkehrsmodi und teilt das europäische Transportnetz nach Priorität in unterschiedliche Netzebenen ein. Der ambitionierte
Gesetzesvorschlag der EU-Kommission für den revidierten Gesetzestext wurde im Dezember 2021 veröffentlicht. Aus ÖBB
Sicht sind positiv hervorzuheben: die vorgesehene Einführung sogenannter europäischer Transportkorridore, die
Einführung einer neuen Netzkategorie, genannt „erweitertes Kernnetz“. Dafür wurde ein Umsetzungshorizont bis 2040
definiert, und die Pyhrn- und Tauernstrecken sollen in diese Kategorie aufgenommen werden. Der zuständige
federführende Ausschuss im EU-Parlament ist der Ausschuss für Verkehr und Tourismus. Abhängig von den Verhandlungen
zwischen EU-Kommission, EU-Parlament und -Rat wird der finale Gesetzestext für das zweite Halbjahr 2023 erwartet.
Der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsverkehrs bildet einen zentralen Baustein der europäischen Infrastrukturpolitik. So
hat Tschechien im Rahmen seiner Ratspräsidentschaft entsprechende Pläne konkretisiert. Innerhalb des staatlichen
Infrastrukturbetreibers Správa Železnic wurde eine eigene Organisationseinheit geschaffen, die für die Planung, Vergabe
und Abwicklung der entsprechenden Baulose zuständig ist. Der erste Abschnitt entlang der Achse Prag – Brno – Ostrava
soll 2030 in Betrieb genommen werden und Geschwindigkeiten bis 320 km/h ermöglichen.
30
Auch in Italien schreitet der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes voran. Im Jänner 2022 erfolgte die Vergabe des
Bauloses für den Abschnitt Verona – Padua an die italienische Salcef-Gruppe. Dieser Abschnitt ist Teil der geplanten Achse
zwischen Turin, Mailand und Venedig und somit auch Teil des sogenannten mediterranen Korridors im Rahmen des TEN-
T-Netzes. Die Arbeiten sollen 2026 abgeschlossen sein.
31
Eine wichtige Ergänzung im Hochgeschwindigkeitsnetz auf der
Nord-Süd-Achse bildet auch die Verbindung von Neapel nach Bari, die Ende 2023 fertiggestellt werden soll.
32
29
ÖBB Infrastruktur.
30
Railtech.com.
31
Salcef.
32
Orf.at.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
15
Entlang des baltisch-adriatischen Korridors erfolgt mit der Errichtung des slowenischen Pekel-Tunnels nördlich von Maribor
ein wichtiger Lückenschluss für Güterverkehrsverbindungen – insbesondere zwischen Österreich und Slowenien. Der
Tunnelbau ist für Geschwindigkeiten bis 120 km / h und bis zu 90 Zügen pro Tag ausgelegt. Geplanter Eröffnungstermin
ist Ende 2023.
33
Stark betroffen ist der österreichische internationale Bahnverkehr von der aktuellen Situation in Europa. Ein wesentlicher
Faktor sind die mittlerweile zahlreichen Baustellen als Folge der kontinuierlichen Maßnahmen in der Schieneninfrastruktur,
die den Bahnbetrieb zusätzlich erschweren. Insbesondere die Industrie beklagt gravierende Probleme im
Schienengüterverkehr.
C.
Wirtschafts- und Prognosebericht
Die beiden Berichtsjahre waren geprägt durch den Einfluss der weltweiten COVID-19-Krise. Konkrete Auskunft über die
Bilanz- und GuV-Effekte werden in den Erläuterungen zum Konzernabschluss in Abschnitt 3 gegeben. Für eine
Einschätzung der Auswirkungen der Ukrainekrise wird auf die ergänzenden Erläuterungen im Lagebericht verwiesen.
C.1. Umsatzentwicklung und Leistungsindikatoren
Überblick
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Zugkilometerleistung in Mio.
163,8
156,6
7,2
5%
Bruttotonnenkilometer in Mio. 82.233,3
78.681,6
3.551,7
5%
Eigenerzeugung Bahnstrom in ÖBB Kraftwerken in GWh
520
749
-
229
-
31%
Bahnstrom ab Oberleitung in GWh
1.800
1.763
37
2%
Gebäudeflächen inkl. vermietbarer Außenflächen in Tausend m² 2.599
2.597
2
0%
Umsatzerlöse in Mio. EUR
984,4
931,6
52,8
6%
Gesamterträge in Mio. EUR 3.478,3
3.318,9
159,4
5%
Gesamterträge je Mitarbeiter:in in TEUR
190
180
10
6%
Leistungsindikatoren
Als wichtiger Indikator zur Beurteilung der operativen Leistungserbringung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns dient die
Entwicklung der Zugkilometerleistung (Zkm). Im Vergleich zum Vorjahr stieg das Leistungsvolumen um rd. 7,2 Mio. Zkm
auf insgesamt rd. 163,8 Mio. Zkm (Vj: rd. 156,6 Mio. Zkm).
Entwicklung der Zugkilometer
nach Verkehrsart
in Mio.
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Reiseverkehr
114,3
108,0
6,3
6%
davon ÖBB-Konzern 106,4
103,0
3,4
3%
Güterverkehr
41,7
40,8
0,9
2%
davon ÖBB-Konzern 26,7
27,3
-0,6
-2%
Dienst
-
und Lokzüge
7,8
7,8
0,0
0%
davon ÖBB
-
Konzern
5,5
5,5
0,0
0%
Gesamt
163,8
156,6
7,2
5%
davon ÖBB
-
Konzern
138,6
135,8
2,8
2%
Einen weiteren Indikator zur Beurteilung des Geschäftsverlaufs bildet die Entwicklung der Bruttotonnenkilometer (BTkm).
Während im Geschäftsjahr 2021 rd. 19,4 Mrd. BTkm oder 25% der Gesamtmenge auf externe
Eisenbahnverkehrsunternehmen entfielen, belief sich dieser Wert für 2022 auf rd. 22,0 Mrd. BTkm, was 27% der
Gesamtmenge entspricht.
33
Railtech.com.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
16
Entwicklung der Bruttotonnenkilometer
nach Verkehrsart
in Mio.
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Reiseverkehr
32.810,4
30.370,7
2.439,7
8%
davon ÖBB-Konzern 30.303,7
28.884,6
1.419,1
5%
Güterverkehr
48.248,9
47.184,2
1.064,7
2%
davon ÖBB
-
Konzern
29.025,5
29.566,0
-
540,5
-
2%
Dienst- und Lokzüge 1.174,0
1.126,7
47,3
4%
davon
ÖBB
-
Konzern
873,4
845,4
28,0
3%
Gesamt 82.233,3
78.681,6
3.551,7
5%
davon ÖBB
-
Konzern
60.202,6
59.296,0
906,6
2%
Weitere wesentliche Leistungsindikatoren für die erzielten Umsätze sind die Eigenerzeugung von Bahnstrom in ÖBB
Kraftwerken sowie die vermietbaren Flächen der Immobilien.
Der Strombereich entwickelte sich wie folgt:
Bahnstrom
in GWh
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Eigenerzeugung Bahnstrom in ÖBB Kraftwerken
520
749
-
229
-
31%
Bahnstrom ab Oberleitung 1.800
1.763
37
2%
Eine Erklärung für den kurzfristigen Rückgang der Eigenerzeugung von Bahnstrom in ÖBB Kraftwerken befindet sich im
Kapitel G.3. Umweltbelange.
Die vermietbaren Flächen entwickelten sich wie folgt:
Gebäudeflächen inkl. vermietbarer Außenflächen
in Tausend m²
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
ÖBB-Konzernexterne Nutzung 625
644
-19
-3%
ÖBB
-
Konzerninterne Nutzung
224
233
-
9
-
4%
Eigennutzung ÖBB-Infrastruktur AG 584
566
18
3%
Allgemeinflächen und Leerstand
1.148
1.136
12
1%
Gebäudeflächen 2.581
2.579
2
0%
Vermietete Außenflächen
18
18
0
0%
Gesamter Bestand 2.599
2.597
2
0%
Die Grundfläche von Gebäuden inkl. der vermietbaren Außenflächen betrug wie im Vorjahr rd. 2,6 Mio. m
2
, davon ist
etwa ein Viertel extern vermietet. Der Rest wird konzernintern vermietet, vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern selbst genutzt
oder sind Allgemeinflächen und Leerstand.
Umsatzerlöse und Gesamterträge
Umsatzerlöse ÖBB-Infrastruktur-Konzern
in Mio. EUR
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Unkonsolidierte Umsatzerlöse
1.266,2
1.201,6
64,6
5%
Abzüglich Innenumsatz des Konzerns
-
281,8
-
270,0
-
11,8
4%
Umsatzerlöse
984,4
931,6
52,8
6%
Sonstige Erträge (konsolidiert)
2.493,9
2.387,3
106,6
4%
Gesamterträge
3.478,3
3.318,9
159,4
5%
davon mit übrigem ÖBB
-
Konzern
650,8
671,8
-
21,0
-
3%
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
17
Wie bereits angeführt, erreichten die Konzernumsatzerlöse rd. 984,4 Mio. EUR (Vj: rd. 931,6 Mio. EUR).
Der Umsatz je Mitarbeiter:in beträgt bei durchschnittlich 18.299 Mitarbeiter:innen (Vj: 18.444 Mitarbeiter:innen)
rd. 54 TEUR (Vj: rd. 51 TEUR).
Die Umsatzerlöse werden überwiegend in Österreich erzielt. Umsätze in der Höhe von rd. 45,0 Mio. EUR
(Vj: rd. 23,8 Mio. EUR) wurden mit Kund:innen aus dem Ausland erwirtschaftet. Diese betreffen im Wesentlichen
Energielieferungen und das Infrastrukturbenützungsentgelt (Wege- und Dienstleistungsentgelt).
C.2. Ertragslage
Überblick
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
EBIT
34
in Mio. EUR
396,7
401,2
-
4,5
-
1%
EBIT
-
Marge
35
in %
11,4%
12,1%
-
0,7%
-
6%
EBITDA
36
in Mio. EUR 1.278,4
1.262,1
16,3
1%
EBT in Mio. EUR
-
15,7
10,9
-
26,6
>100%
Eigenkapitalrentabilität
37
in % -0,9%
0,6%
-1,5%
>100%
Gesamtkapitalrentabilität
38
in %
1,3%
1,4%
-
0,1%
-
7%
34
Das EBIT entspricht dem Betriebsergebnis (ohne Ergebnis aus nach der Equity-Methode bilanzierten Unternehmen) der Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung.
35
EBIT-Marge: EBIT / Gesamterträge.
36
EBITDA: EBIT + Abschreibungen.
37
Eigenkapitalrentabilität: EBT / Eigenkapital.
38
Gesamtkapitalrentabilität: EBIT / Gesamtkapital.
384,9
198,9
135,4
212,4
366,7
212,2
156,5
249,0
Infrastrukturbenützung Energielieferungen
und Netznutzung
Mieten und Pachten Sonstige Umsatzerlöse
Entwicklung der Konzernumsatzerlöse
in Mio. EUR
2021: 931,6
2022: 984,4
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
18
Struktur der Gewinn-und-Verlust-Rechnung
Die Struktur der Gewinn-und-Verlust-Rechnung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns stellt sich folgendermaßen dar:
Struktur der Gewinn-und-
Verlust-Rechnung
in Mio. EUR
2022
in % der
Gesamterträge
2021
in % der
Gesamterträge
Veränderung
Veränderung
in %
Umsatzerlöse 984,4
28%
931,6
28%
52,8
6%
davon ÖBB
-
Infrastruktur AG
965,3
910,8
Andere aktivierte Eigenleistungen 355,7
10%
334,1
10%
21,6
6%
Sonstige betriebliche Erträge
und Veränderung des Bestandes
2.138,2
62%
2.053,2
62%
85,0
4%
Gesamterträge
3.478,3
100%
3.318,9
100%
159,4
5%
davon gegenüber übrigem Konzern
650,8
19%
671,8
20%
-
21,0
-
3%
Materialaufwand
153,2
4%
108,4
3%
44,8
41%
Aufwendungen bezogene Leistungen 407,2
12%
380,3
12%
26,9
7%
Personalaufwand
1.282,6
37%
1.221,6
37%
61,0
5%
davon ÖBB-Infrastruktur AG 1.159,4
1.103,9
Abschreibungen
881,7
25%
860,8
26%
20,9
2%
So. betr. Aufwand (inkl.
Wertminderungen für Ford. aus L+L)
356,9
10%
346,6
10%
10,3
3%
Gesamtaufwand 3.081,6
88%
2.917,7
88%
163,9
6%
davon gegenüber übrigem Konzern
283,2
8%
246,2
7%
37,0
15%
EBIT 396,7
11%
401,2
12%
-4,5
-1%
Finanzergebnis
-
412,4
-
12%
-
390,3
-
12%
-
22,1
-
6%
davon gegenüber übrigem Konzern
-
7,9
0%
-
5,9
0%
-
2,0
0%
EBT
-
15,7
-
1%
10,9
0%
-
26,6
>100%
Die Gesamterträge des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns beliefen sich im Berichtsjahr auf rd. 3.478,3 Mio. EUR
(Vj: rd. 3.318,9 Mio. EUR), wovon rd. 650,8 Mio. EUR (Vj: rd. 671,8 Mio. EUR) auf Gesellschaften anderer Teilkonzerne
des ÖBB-Konzerns entfallen.
Je Mitarbeiter:in bedeutet das bei durchschnittlich 18.299 Mitarbeiter:innen (Vj: 18.444 Mitarbeiter:innen) einen Ertrag
von rd. 190 TEUR (Vj: rd. 180 TEUR).
Die Gesamtaufwendungen im ÖBB-Infrastruktur-Konzern erreichten rd. 3.081,6 Mio. EUR (Vj: rd. 2.917,7 Mio. EUR) und
verteilen sich auf folgende Aufwandsarten:
108,4
380,3
1.221,6
860,8
346,6
153,2
407,2
1.282,6
881,7
356,9
Materialaufwand Aufw. bez. Leist. Personalaufwand Abschreibungen So. betr. Aufwand
Entwicklung der betrieblichen Aufwendungen
in Mio. EUR
2021: 2.917,7 2022: 3.081,6
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
19
Der durchschnittliche Personalaufwand je Mitarbeiter:in des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns beträgt rd. 70 TEUR
(Vj: rd. 66 TEUR). Dies entspricht wie im Vorjahr einer Personalintensität
39
von 42%.
Die Materialintensität
40
belief sich auf 5% (Vj: 4%). Der durchschnittliche Aufwand für Material und bezogene Leistungen
pro Mitarbeiter:in betrug rd. 31 TEUR (Vj: rd. 27 TEUR).
Im ÖBB-Infrastruktur-Konzern wurde im Berichtsjahr ein negatives Finanzergebnis von rd. 412,4 Mio. EUR
(Vj: rd. 390,3 Mio. EUR) erzielt.
Das EBT ist auf rd. -15,7 Mio. EUR (Vj: rd. 10,9 Mio. EUR) gesunken.
C.3. Vermögens- und Finanzlage
Überblick
31.12.2022
31.12.2021
Veränderung
Veränderung
in %
Bilanzsumme in Mio. EUR
31.033,
7
28.901,8
2.131,
9
7%
Sachanlagenintensität
41
in %
91%
92%
-
1%
-
1%
Sachanlagendeckungsgrad
42
in %
6%
7%
-
1%
-
14%
Sachanlagendeckungsgrad II
43
in % 92%
91%
1%
1%
Eigenkapitalquote
44
in %
6%
6%
0%
0%
Bilanzstruktur
Die Entwicklung der Bilanzstruktur des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zeigt folgendes Bild:
Struktur der Konzern-Bilanz
in Mio. EUR
31.12.2020
31.12.2021
Struktur
2021
31.12.2022
Struktur
2022
Veränderung
von 2021
auf 2022
Langfristige Vermögenswerte 26.170,2
27.894,0
97%
29.959,4
97%
2.065,4
Kurzfristige Vermögenswerte
646,7
1.007,8
4%
1.074,3
4%
66,5
Bilanzsumme 26.816,9
28.901,8
100%
31.033,7
100%
2.131,9
Eigenkapital
1.440,2
1.737,3
6%
1.793,8
6%
56,5
Langfristiges Fremdkapital 20.424,2
22.362,3
77%
24.105,3
78%
1.743,0
Kurzfristiges Fremdkapital
4.952,5
4.802,2
17%
5.134,6
17%
332,4
Die Bilanzsumme des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns stieg im Berichtsjahr auf rd. 31.033,7 Mio. EUR
(Vj: rd. 28.901,8 Mio. EUR) an. Der Anstieg der langfristigen Vermögenswerte ist vorwiegend bedingt durch die
Investitionen in das Sachanlagevermögen. Nähere Angaben zu den Investitionen im Geschäftsjahr werden im
Kapitel C.4. Investitionen und Finanzierungsmaßnahmen gemacht.
Nach einem Anstieg des Eigenkapitals auf rd. 1.793,8 Mio. EUR (Vj: rd. 1.737,3 Mio. EUR) ergibt sich wie im Vorjahr eine
Eigenkapitalquote von 6%.
Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen stiegen von rd. 173,6 Mio. EUR auf rd. 189,8 Mio. EUR. Das Working
Capital
45
lag bei rd. -895,5 Mio. EUR (Vj: rd. -634,6 Mio. EUR).
39
Personalintensität: Personalaufwand / Gesamtaufwendungen.
40
Materialintensität: Materialaufwand / Gesamtaufwendungen.
41
Sachanlagenintensität: Sachanlagevermögen / Gesamtvermögen.
42
Sachanlagendeckungsgrad: Eigenkapital / Sachanlagevermögen.
43
Sachanlagendeckungsgrad II: (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) / Sachanlagevermögen.
44
Eigenkapitalquote: Eigenkapital / Gesamtkapital.
45
Working Capital: Vorräte (exkl. Verwertungsobjekte) + Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen –
Geleistete Anzahlungen für Vorräte.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
20
Die Verbindlichkeiten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns erhöhten sich im Berichtsjahr in Summe um 8% auf
rd. 28.816,7 Mio. EUR (Vj: rd. 26.697,4 Mio. EUR).
Angaben zu wesentlichen Rückstellungen werden in Erläuterung 26 zum Konzernabschluss gemacht.
Erläuterungen zur Konzern-Geldflussrechnung
Der Free Cashflow
46
ging im Geschäftsjahr auf rd. -2.011,6 Mio. EUR (Vj: rd. -1.659,8 Mio. EUR) zurück.
Auszug aus der Konzern-Geldflussrechnung
in Mio. EUR
31.12.2022
31.12.2021
Veränderung
Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit 578,6
710,3
-131,7
Geldfluss aus der Investitionstätigkeit
-
2.590,2
-
2.370,1
-
220,1
Free Cashflow
-
2.011,6
-
1.659,8
-
351,8
Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit 1.324,8
2.035,4
-710,6
Zahlungswirksame Veränderung der Fondsmittel
-
686,8
375,6
-
1.062,4
Die ausführliche Darstellung der Konzern-Geldflussrechnung befindet sich in der Erläuterung 34 zum Konzernabschluss.
C.4. Investitionen und Finanzierungsmaßnahmen
Überblick
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Investitionen in Mio. EUR
3.262,3
2.850,8
411,5
14%
Sachanlageninvestitionsquote der Gesamterträge
47
in%
88%
82%
6%
7%
Sachanlageninvestitionsquote der Buchwerte
48
in%
12%
11%
1%
5%
In Summe investierte der ÖBB-Infrastruktur-Konzern im Berichtsjahr rd. 3.262,3 Mio. EUR (Vj: rd. 2.850,8 Mio. EUR),
woraus sich eine Sachanlageninvestitionsquote von 88% (Vj: 82%) der Gesamterträge und von 12% (Vj: 11%) der
Buchwerte zum 01.01. errechnet. Die Berechnung erfolgt von den Bruttoinvestitionen vor Abzug der Kostenbeiträge.
46
Free Cashflow:
Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit + Cashflow aus der Investitionstätigkeit.
47
Sachanlageninvestitionsquote der Gesamterträge: Investitionen in das Sachanlagevermögen / Gesamterträge.
48
Sachanlageninvestitionsquote der Buchwerte: Investitionen in das Sachanlagevermögen / Buchwert Sachanlagevermögen zum 01.01.
24.963,9
26.697,4
28.816,7
22.787,3
24.529,0
26.703,3
31.12.2020 31.12.2021 31.12.2022
Verbindlichkeiten
in Mio. EUR
Verbindlichkeiten
davon Finanzverbindlichkeiten
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
21
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat die Möglichkeit, Fremdkapital über Darlehen der Republik Österreich in Erledigung durch die
Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) zu finanzieren anstatt über eigene Anleiheemissionen am
Kapitalmarkt. Alle bestehenden Anleihen der ÖBB-Infrastruktur AG und deren Garantien durch die Republik Österreich
bleiben von dieser Erweiterung der Finanzierungsinstrumente der ÖBB-Infrastruktur AG unberührt. Weiterführende
Informationen dazu befinden sich in Erläuterung 25 zum Konzernabschluss.
Österreich liegt bei den Pro-Kopf-Investitionen ins Schienennetz im europäischen Spitzenfeld:
22.537,4
23.575,5
24.893,1
26.478,8
28.303,7
31.12.2018 31.12.2019 31.12.2020 31.12.2021 31.12.2022
Entwicklung des Sachanlagevermögens
in Mio. EUR
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
22
Investitionsschwerpunkte 2022
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern arbeitete auch 2022 intensiv an der Umsetzung des größten Bauprogramms aller Zeiten.
Mit der im Rahmenplan 2023 bis 2028 des Bundesministeriums für Klimaschutz gesicherten Investitionssumme von
rd. 19,0 Mrd. EUR für die nächsten sechs Jahre werden zahlreiche Neubau- sowie Modernisierungsprojekte und
Erhaltungsarbeiten umgesetzt.
Mit dem Ausbau und der Qualitätssicherung des Schienennetzes werden etwa die Voraussetzungen dafür geschaffen,
dass insgesamt mehr Züge auf dem Schienennetz fahren können. Das bedeutet bessere und schnellere Verbindungen für
Bahnreisende.
Investitionen in die Hauptstrecken bringen mehr Geschwindigkeit zwischen den Ballungsräumen Österreichs – und mehr
Komfort innerhalb der Ballungsräume, wie etwa im Großraum Wien. Neben den Hauptstrecken werden die
Regionalbahnen attraktiviert und teilweise elektrifiziert. Das macht den Umstieg auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel
Bahn auch in den ländlichen Gebieten attraktiv und schont zusätzlich die Umwelt.
Geschaffen werden zudem mehr Kapazitäten für den Güterverkehr, damit längere, schwerere und damit wirtschaftlichere
Züge fahren können. Das sichert die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Straße. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der
„Digitalisierung der Schiene“ für mehr Sicherheit und Effizienz im Bahnbetrieb. Für Reisende optimieren die ÖBB auch das
Mobilfunknetz entlang der Strecken. Auch wird für eine zeitgemäße Information der Bahnreisenden in die Digitalisierung
der Kund:inneninformation investiert.
Großraum Wien
Zwei von drei Bahnreisenden sind in der Ostregion unterwegs. Viele von ihnen sind Pendler:innen und benutzen
regelmäßig das Streckennetz der ÖBB-Infrastruktur AG. Rd. 2.000 Schienenkilometer befinden sich in Wien,
Niederösterreich und dem Burgenland – das entspricht etwa 40% des Gesamtnetzes. Daher arbeitet die ÖBB-
Infrastrutktur AG mit Hochdruck an Verbesserungen und Kapazitätserweiterungen im Nahverkehr.
Im Jahr 2022 hat die ÖBB-Infrastruktur AG beispielsweise intensiv am Ausbau der Pottendorfer Linie gearbeitet, um die
Situation für die Pendler:innen aus dem Süden weiter zu verbessern. Von dort kommen 40% aller Pendler:innen. Neben
dem Baustart im Wiener Bereich im Februar 2022 wurde auch im niederösterreichischen Abschnitt Münchendorf bis
Wampersdorf mit dem Bau des Bahnhofs Wampersdorf begonnen. Für den Abschnitt Wampersdorf – Ebenfurth inkl. der
Schleife Ebenfurth wurden 2022 die Planungen weitergeführt bzw. zur Genehmigung eingereicht.
Mit dem viergleisigen Ausbau der Südstrecke zwischen Wien Meidling und Mödling inklusive der Errichtung zwei neuer
Haltestellen wird das Mobilitätsangebot für den Süden von Wien und den Bezirk Mödling noch attraktiver. Gemeinsam
mit der Pottendorfer Linie stehen dann mit Projektabschluss sechs leistungsfähige Gleise im Süden von Wien zur
Verfügung. Dafür liefen 2022 die Planungen weiter.
Der Norden profitiert vom Ausbau der Nordbahn. Für dieses Projekt begannen Anfang des Jahres 2022 die Bauarbeiten
im Südabschnitt – von Wien Süßenbrunn bis Gänserndorf. Für den Nordabschnitt – von Gänserndorf bis Bernhardsthal –
laufen die Planungen. Insgesamt sollen rd. 66 km Strecke unter laufendem Betrieb modernisiert sowie 17 Bahnhöfe und
Haltestellen entlang der Strecke attraktiviert und barrierefrei adaptiert werden. Auch soll das Park & Ride- und das Bike &
Ride-Angebot ausgebaut werden. Hinzu kommt die Auflassung von Eisenbahnkreuzungen, was höhere
Fahrgeschwindigkeiten der Züge erlauben wird.
Auf der Marchegger Ostbahn – auf dem Abschnitt Wien Aspern Nord – Siebenbrunn-Leopoldsdorf – startete im Frühjahr
2022 der zweigleisige Vollausbau. Der Wiener Streckenabschnitt ist bereits zweigleisig ausgebaut. In Niederösterreich
wurden sieben Bahnhöfe modernisiert und mit Park & Ride- und Bike & Ride-Anlagen ausgestattet und
Eisenbahnkreuzungen durch Unter- beziehungsweise Überführungen ersetzt. 2022 wurden etwa die Bahnhöfe
Siebenbrunn-Leopoldsdorf, Breitensee und Schönfeld-Lassee fertiggestellt. Die Elektrifizierung der gesamten Strecke ist
mit Fahrplanwechsel 2022/2023 abgeschlossen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
23
Eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre ist die Modernisierung des Nadelöhrs des öffentlichen
Nahverkehrs im Großraum Wien – die sogenannte „S-Bahn Wien Stammstrecke” zwischen Wien Meidling und Wien
Floridsdorf. Mit dem Programm S-Bahn Wien wurde ein umfassendes Bündel an Baumaßnahmen geschnürt. Es soll
sicherstellen, dass der öffentliche Nahverkehr zwischen Wien und Niederösterreich langfristig pünktlich und zuverlässig
bleibt. Neben der Modernisierung der S-Bahn-Wien-Stammstrecke wird auch über die Stadtgrenzen hinaus entlang der
Nord- und Südachsen an Kontextprojekten gearbeitet. Ziel ist es, auch in diesem Bereich mehr Kund:innen im öffentlichen
Nahverkehr transportieren zu können. Entlang der Nordwestbahn und der Südstrecke werden Bahnsteige verlängert. Das
ermöglicht es, zukünftig neue, moderne und längere Züge einsetzen zu können. Diese wiederum bieten mehr Sitzplätze
und somit einen höheren Komfort für die Reisende. In Wiener Neustadt wird die nördliche Einfahrt in den Hauptbahnhof
von drei auf vier Gleise ausgebaut, um die Pottendorfer Linie effizient einzubinden. Neue Weichenverbindungen
ermöglichen zudem einen flexibleren Betrieb bei der Durchbindung von Zügen. Weitere Kontextprojekte sind die
Errichtung von Abstell- und Wendeanlagen, die Digitalisierung des Zugsicherungssystems mittels ETCS L2+ sowie die
weitestgehende Herstellung von Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr. An den Planungen für all diese Maßnahmen
wurde 2022 intensiv gearbeitet. Der Start der ersten Bauarbeiten in Wien ist für Herbst 2023 geplant.
Ein weiteres wichtiges Puzzlestück im innerstädtischen Nahverkehr ist die Attraktivierung der Verbindungsbahn zwischen
Hütteldorf und Meidling. Sie soll in Zukunft einen 15-Minuten-Takt der S80 zwischen Hütteldorf und Wien Aspern Nord
ermöglichen. Die Planungen inkl. einem Gestaltungswettbewerb liefen 2022 weiter.
Die Modernisierungen der Kamptalbahn, Traisentalbahn, Erlauftalbahn oder Mattersburger Bahn wurden im
Berichtszeitraum ebenfalls vorbereitet. Weiters wurde mit dem Ausbau der Franz-Josefs-Bahn begonnen.
Eine attraktive Anbindung aus dem Osten Österreichs an den Flughafen und die Stadt Wien soll mit dem Projekt
„Flughafenspange“ realisiert werden. Die neue Verbindung bedeutet für Pendler:innen kürzere Fahrtzeiten und bringt
Entlastung für die stark befahrenen Ortsdurchfahrten. 2022 sind die Planungen weiter vorangeschritten.
Erfolgsgeschichte Weststrecke geht weiter
Rd. ein Drittel aller Züge fahren auf der Weststrecke. Güter- und Personenverkehr nehmen laut Prognosen weiterhin zu.
Dementsprechend ist der Ausbau zwischen Linz und Wels sowie der Ausbau zwischen Salzburg und Köstendorf
notwendig, um der großen Nachfrage nach mehr Zügen und besseren Verbindungen nachzukommen.
Im Berichtszeitraum wurden die im November 2021 gestarteten Bauarbeiten für den Ausbau der Weststrecke zwischen
Marchtrenk und Wels fortgeführt. Künftig werden vier statt bisher zwei Gleise höhere Kapazitäten auf der stark
ausgelasteten Weststrecke sorgen. Das ermöglicht ein besseres Angebot im Nahverkehr mit einem dichteren S-Bahn-
Angebot und einen Taktfahrplan zwischen Linz und Wels. Das gleiche gilt für den Fern- und Güterverkehr. Der Bahnhof
Marchtrenk wird modernisiert. Für Ausbau des Abschnittes zwischen Linz und Marchtrenk laufen die Planungen. Die
Arbeiten auf der Westseite des Linzer Hauptbahnhofs wurden weitergeführt. Für den Ausbau des Abschnittes zwischen
Linz Verschiebebahnhof West und Linz Signalbrücke (inkl. Nahverkehrsknoten Linz Franckviertel) laufen die Planungen.
Mit dem neuen Bahnhof Neumarkt am Wallersee wurde im Jahr 2022 ein wichtiger Knotenpunkt zwischen Weststrecke
und Mattigtalbahn fertiggestellt. Für den Ausbau zwischen Köstendorf und Salzburg, der zwei einröhrige Tunnel
notwendig macht, lief 2022 das Behördenverfahren weiter und es wurden intensive Gespräche mit Stakeholder:innen
geführt.
Südstrecke in der Zielkurve
Stück für Stück wachsen die Tunnelprojekte und Streckenausbauten, die dafür sorgen, dass Reisende zukünftig in weniger
als zwei Stunden zwischen Wien und Graz und in 45 Minuten zwischen Graz und Klagenfurt reisen können.
Beim 27,3 km langen Semmering-Basistunnel sind über 90% des Tunnels gegraben, sechs von 14 Vortrieben sind
finalisiert. Es fehlen nur noch rd. 2,5 km Grabungsarbeiten. Die 130 km lange Koralmbahn biegt indessen in die Zielgerade:
Im Frühjahr 2022 wurde der Rohbau des Koralmtunnels auf Kärntner Seite fertiggestellt. Im Fokus 2022 standen die
technische Ausrüstung weiter Streckenteile, der Bau von Bahnhöfen und Instandhaltungsstützpunkten sowie der letzte
Rohbauabschnitt im Grazer Umfeld.
Mit Fahrplanwechsel 2022/2023 sind auf der 12 km langen, neu elektrifizierten und barrierefrei ausgebauten Strecke
Klagenfurt – Weizelsdorf Züge umweltfreundlich mit grünem Bahnstrom anstatt Diesel unterwegs.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
24
Bahnhöfe und sonstige Investitionen
2022 durften sich unsere Reisenden wieder auf einige Verbesserungen und modernisierte Bahnhöfe freuen. Dazu gehören
etwa:
– Bahnhof Lienz
– Haltestelle Wien Matzleinsdorfer Platz
– Bahnhof Fehring
– Bahnhof Ternitz
– Bahnhof Friedberg
– Bahnhof Rohrbach-Vorau
– Bahnhof Grafendorf
– Haltestelle Rum
– Bahnhof Peggau Deutschfeistritz
– Bahnhof Thal
– Bahnhof Langenzersdorf
– Bahnhof Ulrichskirchen
– Bahnhof St. Georgen Gusen (Summerauerbahn)
– Traunkirchen und Traunkirchen Ort (Salzkammergutbahn)
– Obertraun-Dachsteinhöhlen und Obertraun-Koppenbrüllerhöhle (Salzkammergutbahn)
– Bahnhöfe Mattinghofen, Munderfing und Mauerkirchen
– Haltestellen Hard-Fußach und Lauterach-Unterfeld
Im Sommer 2022 wurde zudem der hochmoderne ÖBB Bildungscampus in St. Pölten eröffnet. Eine leistungsstarke
Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist für eine Bildungseinrichtung dieser Art selbstverständlich. So wurde an der
Traisentalbahn in unmittelbarer Nähe zum Haupteingang die neue Bahn-Haltestelle „St. Pölten Bildungscampus“ errichtet.
Für einen attraktiven Einstieg in das System Bahn wurde 2022 das mehr als 700 Plätze fassende Parkdeck in Hollabrunn
fertiggestellt.
Brennerachse
Der Bahnausbau im Tiroler Unterland dient zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der nördlichen Zulaufstrecke zum Brenner
Basistunnel. In wenigen Jahren werden Züge sicher, rasch und komfortabel zwischen Innsbruck und Franzensfeste in
Südtirol auf der Tunnelstrecke fahren. Dafür ist es von zentraler Bedeutung den Schienenverkehr aus den Bevölkerungs-
und Wirtschaftszentren Europas an den Tunnel heranzuführen. Das realisieren die Bahnen in Österreich, Italien und
Deutschland mit dem Ausbau der Eisenbahnachse München – Verona als Teil des europäischen Skandinavien-Mittelmeer-
Kernnetzkorridors. 2022 haben die ersten Arbeiten (Vorarbeiten für die Errichtung eines Rohbaustollens) im Abschnitt
Schaftenau – Radfeld gestartet.
Für den Abschnitt Staatsgrenze nach Kufstein – Schaftenau wurden im Jahr 2022 die Planungsarbeiten fortgeführt.
Der Brenner Basistunnel
Im Jahr 2022 wurden die Bauarbeiten der Rohbauwerke für den Brenner Basistunnel durch die Galleria di Base del
Brennero – Brenner Basistunnel BBT SE fortgeführt. 154 km des gesamten Tunnelsystems in der Länge von 230 km sind
bereits ausgebrochen, davon 58 km Eisenbahntunnel, 54 km Erkundungsstollen und rund 42 km an sonstigen
Tunnelbauwerken.
Im Baubereich „H21 Sillschlucht“ wurden nach dem Portalanschlag im Oktober 2021 die Tunnelbauarbeiten Richtung
Süden abgeschlossen. Auch die Flussbauarbeiten zur Herstellung des Rampenbauwerkes in der Sill sind vollständig erfolgt.
Die Hangabtragungsarbeiten wurden im Bereich des Vortunnels in offener Bauweise fertiggestellt ebenso wie die
Bohrpfahlarbeiten im gesamten Baubereich. Die Betonbauarbeiten für die Stützwand, für den Tunnel in offener Bauweise
und für das Portalbauwerk laufen. Die Herstellung der Eisenbahnbrücken ist ebenfalls in vollem Gange, die Montage
begann noch im November 2022. Insgesamt sind über 55% der Arbeiten abgeschlossen.
Im Bauabschnitt „H41 Sillschlucht-Pfons” wurde zu Jahresbeginn 2022 mit den Bauarbeiten begonnen. Nach der Phase
der Baustelleneinrichtung wurden im April unverzüglich die Ertüchtigungs- und Verstärkungsmaßnahmen im
Erkundungsstollen sowie die restlichen Innenausbauarbeiten in den Verbindungstunneln Innsbruck begonnen. Im Juli 2022
fand die offizielle Anschlagfeier statt. Unmittelbar im Anschluss wurden die Sprengvortriebe im Bereich des Knotens
Nothaltestelle Innsbruck aufgenommen. Die Sprengvortriebe der Haupttunnel Richtung Innsbruck begannen noch im
November 2022. Die Vortriebe der Tunnelbohrmaschinen (TBM) Richtung Süden beginnen 2023. Aktuell werden die TBM
produziert. Die Abnahmen im Werk werden bereits rund um den Jahreswechsel erfolgen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
25
Im Baulos „H52 Hochstegen“ konnte ebenfalls in der ersten Jahreshälfte mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die
Feierlichkeit zum offiziellen Tunnelanschlag fand im Mai 2022 statt. Aktuell wurden bereits über 35% des Bauloses
fertiggestellt. Die Arbeiten im Bereich der Haupttunnel Knoten Wolf sind zu ca. 55% abgeschlossen. Im Erkundungsstollen
ist es gelungen, den hydrogeologisch sehr anspruchsvollen Abschnitt der Rauhwacke im Bereich der Störzone
„Hochstegen“ zu durchörtern. Noch im November 2022 begannen nach erfolgreicher Abstimmung mit den zuständigen
Behörden die Injektions- und Vortriebsarbeiten auf der Haupttunnelebene in diesem Abschnitt.
Der verbleibende Bauabschnitt „H53 Pfons-Brenner“ befindet sich noch in der Ausschreibungsphase.
Auf italienischem Staatsgebiet sind die Baulose „H61 Mauls 2–3“ und „H71 Eisackunterquerung“ aktiv. Im Baulos Mauls
sind noch zwei kontinuierliche Vortriebe Richtung Brennergrenze aktiv. Im Mai 2022 erfolgte der Tunneldurchschlag
zwischen den beiden italienischen Baulosen. Beim Baulos „H71 Eisackunterquerung“ wurden alle vier Tunnelröhren unter
dem Fluss Eisack unter Anwendung eines Bodenvereisungsverfahrens fertiggestellt und somit sind die Arbeiten an den
Haupttunnelröhren in diesem Baulos abgeschlossen.
Migration weiterer Streckenabschnitte in die fünf Betriebsführungszentralen
Darüber hinaus wurden im Jahr 2022 die Steuerbereiche der fünf Betriebsführungszentralen (BFZ) wieder deutlich
erweitert. So wurden u. a. die Betriebsstellen Viehofen, Wampersdorf und Unter Purkersdorf in die
Betriebsführungszentrale (BFZ) Wien, die Betriebsstellen Hörsching, Marchtrenk, St. Georgen a. d. Gusen, Weißenbach
St. Gallen und Linz Wegscheid in die BFZ Linz, Schwanenstadt in die BFZ Salzburg, Leoben Donawitz, Weizelsdorf,
Kühnsdorf Klopeinersee und Mittlern in die BFZ Villach und Telfs Pfaffenhofen in die BFZ Innsbruck migriert. Damit werden
bereits rd. 62% des Hauptnetzes der ÖBB-Infrastruktur AG von den fünf Betriebsführungszentralen aus gesteuert.
Das BFZ-Ausfallkonzept beschreibt, wie im Störungs- bzw. Ereignisfall schnellstmöglich der Betrieb in hoher Qualität
abgewickelt werden kann und die Beeinträchtigungen im nationalen und internationalen Zugverkehr so gering wie
möglich gehalten werden können. Das Ausfallkonzept sieht vor, dass die BFZ-Systeme und -Bedienplätze nahtlos von
anderen BFZ-Standorten übernommen werden können, was im Störfall die Betriebsführung deutlich erleichtert. In diesem
Zusammenhang ist der Neubau der BFZ Wien und die Errichtung von regionalen Ersatzarbeitsplätzen mit georedundanter
IT-Serverlandschaft geplant bzw. zum Teil bereits in Umsetzung. Seit Mai 2021 wird am Gelände des Bahnhofs Spittal am
Millstätter See ein neues Betriebsgebäude errichtet, das zukünftig die Ersatzarbeitsplätze des BFZ Villach und die Steuerung
der Nebenbahnen beheimatet. Die Fertigstellung der EAP für die BFZ Villach am Standort Spittal am Millstätter See ist mit
Dezember 2023 vorgesehen. Die Hauptarbeiten an der Errichtung des BFZ Wien Ost 2 starteten im Juli 2021 – die
Inbetriebnahme ist aktuell mit Dezember 2023 vorgesehen.
ETCS – European Train Control System
Das ETCS trägt zur Harmonisierung des europäischen Eisenbahnsystems und damit zu einem interoperablen und
kostenoptimierten Zugang zum System Bahn bei. So wird die Position des Systems Bahn gegenüber anderen
Verkehrsträgern auf lange Sicht gestärkt.
Mit der Umsetzung des ETCS-Migrationsplans wird die Sicherstellung der Interoperabilität auf Basis europäischer Vorgaben
ermöglicht und gewährleistet. Damit können die gesetzlichen Vorgaben sowohl in technischer als auch in zeitlicher
Hinsicht eingehalten werden. Eine enge Koordination mit dem BFS-Programm ist jedenfalls sichergestellt. Damit wird im
laufend dichter und komplexer werdenden Bahnbetrieb für die entsprechende Sicherheit, Pünktlichkeit und Qualität
gesorgt und die Kund:innenanforderungen werden bestmöglich erfüllt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
26
Digitalisierung in der ÖBB-Infrastruktur AG
Die ÖBB-Infrastruktur AG setzt Digitalisierung und Automatisierung ein, um Erfolgskriterien wie Pünktlichkeit, Sicherheit
und Kund:innenzufriedenheit weiterzuentwickeln sowie den Zugang zur Bahn zu erleichtern. Dabei wird interdisziplinär
gedacht und Initiativen, die aus der Digitalisierung entstehen, im Konzern abgestimmt vorangetrieben. Diese Initiativen
realisieren Methoden der Automatisierung und Digitalisierung im System Bahn, um durch mehr Effizienz die Kapazität, die
Wirtschaftlichkeit und die Qualität zu verbessern.
Vor dem Hintergrund der konkreten Herausforderung, die relevanten Themen mit den vielen Facetten erfolgreich
abzuwickeln, werden die notwendigen Prozesse etabliert und an der Bereitstellung der erforderlichen Fähigkeiten und
Ressourcen gearbeitet. Damit wird eine zentrale Voraussetzung für einen erfolgreichen und zielgerichteten
Transformationsprozess geschaffen. Die Initiativen im Kontext der Digitalisierung wurden in enger Abstimmung mit den
betroffenen Bereichen innerhalb der ÖBB-Infrastruktur AG definiert, denn nur so war es möglich wesentliche
Verbesserungen, die einen direkten Mehrwert in den operativen Bereichen mit sich bringen, zu erzielen. Erste messbare
Projekte sind die Zuglaufcheckpoints und das Zugpositionsservice (Projekt „Greenlight”). Letzteres umfasst die präzise
Ortung von Zugpositionen im Gleisbereich. Dabei werden Informationen über Fahrzeuge im Bahnnetz umfassend und
standardisiert digital bereitgestellt, weiterführende betriebliche Prozesse unterstützt und die Sicherheit weiter verbessert.
Weitere Projekte sind das Digitale Stellwerk und die innovative Regionalbahntechnik.
Mit dem Programm BFS zählte die ÖBB-Infrastruktur AG schon in der Vergangenheit zu den Vorreiterinnen bei den Themen
Fernsteuerung und Digitalisierung im Bahnbetrieb. Um dies weiter voranzutreiben, werden ältere Stellwerksbauarten
sukzessive durch moderne elektronische Stellwerke ersetzt.
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat im Berichtszeitraum mehrere Kooperationen mit Infrastrukturbetreibern durchgeführt bzw.
vertieft, um die internationalen Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung effizient zur
Weiterentwicklung des Bahnbetriebs zu nutzen. Hierzu zählt zum Beispiel die Kooperation zwischen SBB und ÖBB-
Infrastruktur AG in den Gremien Reference CCS Architecture und Systempillar. Außerdem ist die ÖBB-Infrastruktur AG seit
2019 Mitglied bei EULYNX und Founding Member bei Shift2Rail II, um aktiv die Weiterentwicklung der Stellwerkstechnik
voranzutreiben und die Vorteile der Digitalisierung zu verankern.
Um eine Effizienzsteigerung im Bereich der Anlagenbereitstellung zu realisieren, setzt die ÖBB-Infrastruktur AG auf das
Thema „Building Information Modeling“ (BIM). BIM ist eine objektorientierte, informationsbasierte Planungsmethode und
verknüpft dreidimensionale Konstruktionen mit weiteren Informationen wie Produkteigenschaften, Kosten, Bauablauf,
betreiberrelevante Details etc. So werden digitale Modelle „intelligent“. Seit 2016 arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG an
der Weiterentwicklung und Integration von BIM in die Projektabwicklung. Erste Projekte werden seit 2018 mit BIM
umgesetzt (z. B. Tunnelkette Granitztal). Da internationale Standards für BIM im Bereich Infrastruktur bislang noch fehlten,
arbeitete die ÖBB-Infrastruktur AG gemeinsam mit anderen Infrastrukturbetreibern aus der ganzen Welt aktiv bei der
Standardentwicklung – dem sogenannten IFC-Rail-Projekt von buildingSMART International – mit. So konnte im
Berichtszeitraum gemeinsam der IFC Standard für Eisenbahninfrastruktur finalisiert und bei der ISO zur Standardisierung
eingereicht werden Damit schafft die ÖBB-Infrastruktur AG die Voraussetzungen für einen international abgestimmten,
homogenen und konsistenten Datenfluss und damit die Voraussetzungen für eine weitere Effizienzsteigerung im Bereich
der Instandhaltung von Anlagen.
Neben BIM gibt es zahlreiche weitere Digitalisierungsvorhaben in der ÖBB-Infrastruktur. Um einen gesamthaften Überblick
über Daten zu bewahren und diese strukturiert zur Verfügung zu stellen, wurde eine „ÖBB-Infra Datenfabrik” aufgebaut.
Diese Datenfabrik hat den Fokus, Prozesse, Methodiken und technische Plattformen in einem hohen Reifegrad bereit- und
optimierte datenbezogene Entscheidungen für Planung und Steuerung der Geschäftsprozesse zur Verfügung zu stellen.
Damit sollen in Zukunft unter anderem prediktive Szenarien im Bereich Maßnahmenplanung und Instandhaltung
verbessert und datengetriebene Entscheidungen ermöglicht werden. Basis dafür ist ein virtuelles Datenabbild der ÖBB-
Infrastruktur AG in einem „Digital Twin ÖBB-Infrastruktur”, der das Gleis- und Streckennetz sowie die darauf installierten
Anlagen enthält.
Im Bereich des „Digitalen Arbeitsplatzes” ist die Umsetzung von zwei für die digitale Transformation notwendigen
Konzernprojekten (Digital Reach und Microsoft 365 Roll-out) bereits weit fortgeschritten. Aufgrund der Veränderungen
durch die Pandemie auf das Arbeitsleben wurden viele digitale Möglichkeiten geschaffen, remote und digital
zusammenzuarbeiten. Diese Projekte bilden die Grundlage der Digitalisierung unserer operativen Einheiten mit mobilen
digitalen Services. Dabei werden im ÖBB-Infrastruktur-Konzern rd. 8.500 Mitarbeiter:innen zum ersten Mal mit einem
persönlichen IT-User ausgestattet. Dadurch kann jede:r Mitarbeiter:in im Digital Reach somit in- und außerhalb der
Arbeitszeit auf die digitalen Services (z. B. Microsoft 365, HR-Portal, Intranet mobil) zugreifen. Weiters wird zur Umsetzung
des modernen, digitalen Arbeitsplatzes im Rahmen des strategischen Konzernprojektes „Microsoft 365” ein Roll-out der
Cloudlösung Microsoft 365 in nichtbetriebskritischen Bereichen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns durchgeführt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
27
Darstellung der gesamten Rahmenplan- und sonstigen Investitionsprojekte
Projekt
Investitionen
2022
in Mio. EUR
Voraussichtliche
bzw. erfolgte
Inbetriebnahme /
Fertigstellung
Bahnhofsum
-
und
-
neubauten
Bahnhof Arnoldstein
6,0
2020 /
2026
Bahnhof Dölsach
4,4
2022
Bahnhof Fehring
2,4
2022
Bahnhof Gramatneusiedl 20,0
2024
Haltestelle Langenzersdorf
1,7
2022
Haltestelle Leobendorf-Burg Kreuzenstein 4,8
2023
Bahnhof Mallnitz
-
Obervellach
2,1
2022
Bahnhof Mürzzuschlag
6,3
2024
Bahnhof Obertraun-Dachsteinhöhlen und Haltestelle Obertraun-
Koppenbrüllerhöhle
8,3
2022
Haltestelle Rum
3,7
2022
Bahnhof Telfs
-
Pfaffenhofen
21,2
2023
Bahnhof Ternitz
6,2
2022
Bahnhof Thal
0,6
2022
Bahnhof Traun 1,5
2023
Bahnhof Traunkirchen und Haltestelle Traunkirchen Ort
9,2
2022
Bahnhof Tullnerbach-Pressbaum 16,6
2023
Haltestelle Ulrichskirchen
2,9
2022
Bahnhof Unter Purkersdorf
23,9
2022
Bahnhof Wartberg im Mürztal 17,3
2024
Wien Franz
-
Josefs
-
Bahnhof
12,3
2023
Haltestelle Wien Matzleinsdorfer Platz 8,3
2022 / 2025
Parkdecks
Hollabrunn; Errichtung Parkdeck
2,4
2022
Wiener Neustadt; Neuerrichtung Parkdeck 3 5,0
2023
Großraum Wien
Inzersdorf; Errichtung Terminal (Cargo
-
Center Wien)
1)
1,8
2016 /
2025
Ausbau Marchegger Ast
2)
59,2
2018 / 2025 /
2035
Wien Meidling
–
Abzw. Altmannsdorf; zweigleisiger Ausbau
27,9
2023
Großraum Wien; Qualitätssicherung Nahverkehr
11,3
2027
Wien Hütteldorf – Wien Meidling; Verbindungsbahn 2,2
2028
Wien Meidling
–
Mödling; 4
-
gleisiger Ausbau
5,8
2034
Weststrecke
Attnang-Puchheim - Salzburg Hbf; Ausbau Bestandsstrecke
3)
14,5
2029
Linz
–
Wels; 4
-
gleisiger Ausbau
77,3
2030
Linz Kleinmünchen (a) – Linz Hbf; 4-gleisiger Ausbau 2,0
2032
Neumarkt
-
Köstendorf
–
Salzburg; Neubaustrecke
7,6
Planungen
Südstrecke
Wien Blumental – Wampersdorf;
2
-
gleisiger Ausbau Pottendorfer Linie
4)
43,7
2023
Wampersdorf – Wiener Neustadt; Streckenattraktivierung 9,6
2024
Graz - Klagenfurt;
Koralmbahn
(Projekte gem. Vertrag) inkl. Flughafenast
510,0
2025
Gloggnitz – Mürzzuschlag;
Neubaustrecke (Semmering
-
Basistunnel)
404,8
2029
Bruck a.d. Mur – Graz; Bahnhofsumbauten 9,8
2030
Süßenbrunn
–
Bernhardsthal; Ausbau Bestandsstrecke
35,7
2030
Pyhrn-Schober-Achse
Linz Hbf – Summerau; Attraktivierung
5)
15,0
2023
Linz – Selzthal;
selektiv 2
-
gleisiger Ausbau und Bahnhofsumbauten
21,7
2034
Tauernachse
Karawankentunnel; sicherheitstechnische Maßnahmen 10,9
2021
Golling
-
Abtenau
–
Sulzau;
Linienverbesserung Bereich Pass Lueg
11,5
2022
Brennerachse
Brenner Basistunnel 235,4
2032
Staatsgrenze n. Kufstein
–
Knoten Radfeld; Brenner Nordzulauf
15,7
2034
Arlbergachse
St. Margrethen – Lauterach;
nahverkehrsgerechter Ausbau und Attraktivierung
6)
13,0
2022
Arlbergstrecke; Maßnahmen zur Fahrplanstabilität 6,9
2028
Bregenz
-
Bludenz; Nahverkehrsausbau (Rheintalkonzept)
4,3
2031
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
28
Programme
Lärmschutz
4,7
Park & Ride
13,8
Streckenelektrifizierungen
31,6
Regionalbahnkonzept
Streckenattraktivierungen
66,5
Sicherheit und Betriebsführungssysteme 221,6
Maßnahmen zur Kund:innenzufriedenheit
(Mobilfunk, Datennetze, WLAN)
1,0
Reinvestitionen in
das Schienennetz
607,9
Sonstige (inkl. immaterieller
Vermögenswerte)
570,8
Gesamt Rahmenplan- und
sonstige Investitionsprojekte
3.262,3
1)
Inbetriebnahme der Betriebsgleise, KLV- und WLV-Anlage erfolgte 2016. Die Umsetzung der Phase 2 erfolgt bis 2025.
2)
Inbetriebnahme des Wiener Abschnitts erfolgte 2018 (Erzherzog-Karl-Straße – Wien Aspern). Die Inbetriebnahme des Vollausbaus im Bereich Stadlau bis Marchegg
erfolgt bis 2025 und im Bereich Marchegg bis Staatsgrenze bis 2035.
3)
Inbetriebnahme des Bahnhofumbaus Neumarkt am Wallersee und Steindorf bei Straßwalchen bereits erfolgt.
4)
Inbetriebnahme des Abschnitts Hennersdorf – Münchendorf erfolgte 2019. Ausbau im Abschnitt Ebreichsdorf wird bis 2023 umgesetzt.
5)
Inbetriebnahme der Bahnhofsumbauten St. Georgen an der Gusen sowie Lasberg-St. Oswald erfolgte 2022.
6)
Inbetriebnahme der neuen Haltestelle Lauterach Unterfeld erfolgte 2022.
C.5. Die Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Rahmenbedingungen und Herausforderungen
Seit mehr als 180 Jahren schafft der ÖBB-Infrastruktur-Konzern die Grundlage, um Menschen und Güter nachhaltig zu
transportieren und trägt damit aktiv zur Steigerung der Lebensqualität sowie der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs bei.
Die Kund:innen werden mit einer leistungsfähigen Infrastruktur, operativer Exzellenz und attraktiven Services und
Dienstleistungen begeistert – heute und auch in Zukunft.
Zu den Hauptaufgaben des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zählen die Bereitstellung von Fahrwegkapazität sowie die Planung,
Errichtung, Instandhaltung und der Betrieb der Schieneninfrastruktur als auch das Erbringen von Dienstleistungen im
Eisenbahnbereich. Um die Aufgaben trotz wandelnder Rahmenbedingungen auch weiterhin mit hoher Qualität erfüllen
zu können, muss unterschiedlichen Herausforderungen begegnet werden:
–
Kapazitäten schaffen für den Umstieg.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist das Rückgrat der Mobilitätswende in
Österreich. Er ist gefordert, die entsprechenden Kapazitäten zu schaffen, um die Verkehrsverlagerung im Personen- und
Güterverkehr möglich zu machen.
–
Sicherheit und Pünktlichkeit.
Die zu erwartende steigende Zugdichte muss sicher und zuverlässig abgewickelt werden
können. Optimierte und digitalisierte Betriebsprozesse sowie eine gelebte Sicherheitskultur sind die Basis für die hohen
zukünftigen Anforderungen.
–
Liberalisierung.
Die steigende Anzahl von EVUs im Schienennetz bedingt eine Weiterentwicklung der „Spielregeln am
Netz”. Verkehrsartenspezifische Widmung von Trassenkapazitäten und ein verlässlicher Rechtsrahmen für die
Nutzungsbedingungen des Schienennetzes sind notwendig.
–
Finanzen stabilisieren.
Bedingt durch den Anlagenzuwachs und die zunehmende Technologisierung steigt die
Komplexität und somit auch die (absoluten) Kosten. Neben einem verkehrspolitisch und regulatorisch tauglichen
Erlösmanagement muss der Kostenzuwachs durch Optimierung von Wertschöpfungstiefe, Innovationen, Steigerung der
Arbeitsproduktivität und strategischen Allianzen gedämpft werden.
–
Klimaschutz und Nachhaltigkeit forcieren.
Der „Green New Deal” und die Dekarbonisierung der Wirtschaft stellen
den Verkehrssektor vor gravierende Herausforderungen. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern sieht sich gefordert, den
ökologischen Wettbewerbsvorteil des Systems Bahn weiter auszubauen. Energie und Klimaschutz müssen daher ins
Zentrum des Handelns gestellt werden.
–
Multimodale Zukunft gestalten.
Der Mobilitätsmarkt erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Verkehrssysteme wachsen
zusammen bzw. entwickeln sich immer mehr zu vernetzten Mobilitätsökosystemen, in welchen das System Bahn weiter
an Bedeutung gewinnen wird. Durch Bereitstellung von multimodaler Bahnhofs- und Terminalinfrastruktur sowie von
Anlagen- und Betriebsdaten unterstützt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern diese Zukunft.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
29
–
Digitalisierung nutzen, um besser zu werden
. Durch die Digitalisierung bieten sich Möglichkeiten, Mehrwert für
Kund:innen und Organisation zu schaffen. Eine zielgerichtete Nutzung der Digitalisierung eröffnet die Chance,
Menschen einfacher zu verbinden und Prozesse weiter zu optimieren.
–
Generationenmanagement bewältigen und Diversität erhöhen
. Um auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben, muss der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber mit einer inspirierenden und motivierenden Kultur der
Zusammenarbeit sein. Durch ein gezieltes Generationenmanagement wird das Know-how im Unternehmen abgesichert.
Innovative Formen der Zusammenarbeit, Diversität und gleichberechtigte Karrierechancen für alle Mitarbeiter:innen
müssen den ÖBB-Infrastruktur-Konzern als Arbeitgeber künftig auszeichnen.
#INFRA.Mobilitätswende – Die Unternehmensstrategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Unter dem Titel „#INFRA.Mobilitätswende“ legt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern seine strategische Ausrichtung für die
kommenden zehn Jahre vor, um den Erfolg des Konzerns nachhaltig abzusichern.
Die Vision: Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist ein starker Partner in der Mobilitätswende:
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern verbessert seine Produktivität und Klimaeffizienz.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern schafft die Kapazitäten für den Umstieg auf die Schiene.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern vernetzt sich analog und digital mit seinen Kund:innen und Partner:innen.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist ein attraktiver Arbeitgeber mit Vielfalt.
Um diese Vision zu erreichen und den Erfolg der Strategie zu messen, wurden folgende strategische Ziele festgelegt:
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern schafft ein attraktives Angebot für die Mobilitätswende.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern stärkt den ökologischen Wettbewerbsvorteil der Bahn.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern steigert die Produktivität und Klimaeffizienz.
– Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hält Sicherheit und Pünktlichkeit auf hohem Niveau.
Abgeleitet von der Vision und den strategischen Zielen baut die Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns auf sechs
strategischen Stoßrichtungen auf:
–
Kund:innenzentriertes Geschäftsmodell – mehr Bahn für unsere Kund:innen.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern schafft
attraktive Services und stellt seine Kund:innen in den Mittelpunkt. Er ist in Österreich und weiten Teilen Europas der
Partner für zuverlässige und reibungslose Mobilität. Die neuen Services bringen die analoge und digitale Welt
zusammen. Gemeinsam mit Partner:innen verbindet er die Schiene mit Straße, Schiff- und Luftfahrt. Er versteht die
Anforderungen seiner Kund:innen, und die Kund:innen fühlen sich gut aufgehoben.
–
Optimierte Wertschöpfungstiefe – mehr Fokus für unsere Kund:innen.
Um die Ziele zu erreichen, setzt der ÖBB-
Infrastruktur-Konzern seine Mitarbeiter:innen optimal ein und achtet sorgsam auf seine finanziellen Mittel. Er
konzentriert sich auf das Wesentliche und arbeitet in Zukunft einfacher und transparenter zusammen. Überall dort, wo
er Leistungen nicht selbst erbringen kann, legt er höchstes Augenmerk auf verlässliche Partner:innen und langfristige
Beziehungen.
–
Digitalisierung – eine vernetzte Bahn für unsere Kund:innen.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern will
den Bahnbetrieb
sicherer, wirtschaftlicher und produktiver steuern und auf seinen Strecken kürzere Taktfolgen erreichen. Er setzt dabei
auf hoch verfügbare digitale Stellwerke und automatisiert künftig noch stärker. Die Anlagen und Systeme sind
miteinander vernetzt und liefern alle Daten in Echtzeit. Der erhöhte Automatisierungsgrad bei der Zugproduktion
steigert damit Sicherheit, Kapazität und Wirtschaftlichkeit. Auf den Regionalbahnen nutzt er ab dem Jahr 2025
innovative und kostengünstige Technik.
–
Innovatives Anlagenmanagement – mehr Nachhaltigkeit für die Kund:innen
.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern
investiert verantwortungsbewusst und ökologisch. Für den gesamten Lebenszyklus von Anlagen gibt es Standards. Alle
Teile sind digital geplant, passen optimal zueinander und sind jederzeit hoch verfügbar. Gemeinsam mit seinen
Partner:innen denkt er immer ökologisch und höchst effizient – vom Design, der Planung und Beschaffung, über den
Bau bis zum Ausscheiden.
–
Energiewende und Klimaschutz – eine grüne Bahn für die Kund:innen.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern leistet einen
wesentlichen Beitrag, um den ökologischen Wettbewerbsvorteil des Systems Bahn weiter auszubauen. Grüner
Bahnstrom ist eine der Grundlagen für die klimafreundliche Mobilität. Durch eine Ausbauoffensive für erneuerbare
Energien, die Dekarbonisierung der Betriebsstätten und die Steigerung der Energieeffizienz forciert er die Energiewende
im System Bahn. Umfassende Ökologisierungsinitiativen in der Anlagenbereitstellung sowie in der Beschaffung stärken
die Rolle des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns als österreichischer Leitbetrieb für Klimaschutz.
–
Generationenmanagement und Diversität – mehr Vielfalt für die Kund:innen.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist
ein attraktiver Arbeitgeber und fördert Vielfalt, Inklusion und Chancengleichheit. Bis 2030 werden viele engagierte
und vielfältige Mitarbeiter:innen neu im Konzern aufgenommen, die gemeinsam als Team an einer erfolgreichen
Zukunft arbeiten. Der Konzern hat einen großen Generationenwandel vor sich. Es gilt, das bestehende Wissen sicher
weiterzugeben und Raum für neue Ansätze und Ideen zu schaffen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
30
Strategieumsetzungsprogramm „Nordstern“
Um die effiziente Umsetzung der Strategie zu gewährleisten, wurden analog zu den sechs strategischen Stoßrichtungen
sechs strategische Programme initiiert. Diese werden unter dem konzernübergreifenden Programm
„Nordstern“ strukturiert und organisiert. Dieses Strategieprogramm wurde bereits 2018 mit dem Fokus auf die strategische
Dimension „Wettbewerbsfähigkeit“ initiiert und wird um die Dimension „Operative Exzellenz“, „Neue Services“ sowie
„Starkes Team“ erweitert.
Das Zielnetz als ein wesentlicher Ansatz zur Strategieumsetzung
Mit dem Zielnetz 2025+ werden die strategischen Weichen für den Ausbau und die Instandhaltung der
Eisenbahninfrastruktur in Österreich gestellt. Es schafft die Voraussetzungen dafür, dass Schritt für Schritt ein Taktfahrplan
im Personenverkehr eingeführt werden kann, und unterstützt die weitere Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße
auf die Schiene. Die Weiterentwicklung des Infrastrukturangebotes bildet eine Grundlage für die Gewinnung von
zusätzlicher Nachfrage für die Schiene. Auf Basis des Zielnetzes 2025+ wird ein Netzentwicklungsplan (NEP) erstellt,
welcher konkrete Zielsetzungen und Vorgaben zur Dimensionierung der Infrastruktur des ÖBB Streckennetzes enthält.
Darauf aufbauend werden in den Streckenentwicklungsplänen (SEPs) die Vorgaben und Inhalte aus dem Zielnetz 2025+
und dem NEP in Etappen konkretisiert, priorisiert und auf die jeweilige Strecke übergeleitet. Durch die Fokussierung auf
strategische Ziele und Maßnahmen spezifizieren die SEPs die Vorgaben für die Weiterentwicklung der Strecken. Sie zeigen
somit den Weg zur Erreichung und Umsetzung des Zielnetzes 2025+ auf und bilden ein wichtiges Instrument für die
Operationalisierung. Um auch künftig weiter die richtigen strategischen Maßnahmen setzen zu können, finden bereits
jetzt die Arbeiten für das Zielnetz 2040 statt. Fokus des Zielnetzes 2040 ist die Identifikation und Priorisierung von
Erweiterungsinvestitionen, vor allem für den Zeitraum 2030 bis 2040. Aufbauend auf dem Zielnetz 2025+ wird sich das
Zielnetz 2040 auf folgende Schwerpunkte fokussieren:
–
Taktfahrplan und Fahrzeiten
: Verkürzung der Fahrzeiten und Weiterentwicklung des integrierten Taktfahrplans,
insbesondere entlang der österreichischen Hauptachsen zur Verbesserung der Vernetzung zwischen Fern, Nah- und
Regionalverkehr sowie Einbettung des österreichischen Bahnnetzes in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz.
–
Ballungsräume und Kapazitäten:
Ermöglichung dichterer Takte und neuer Angebote für den Nah- und Regionalverkehr
auf Grundlage der zu erwartenden Nachfrage, insbesondere in den Ballungsräumen sowie Sicherstellung ausreichender
Kapazität für Verkehr und Substanzerhalt.
–
Güterverkehr:
Unterstützung der Verlagerungsziele im Güterverkehr durch eine wettbewerbsfähige
Schienengüterverkehrsinfrastruktur. Der Fokus liegt auf der Sicherstellung der benötigten Anlagen sowie der
Trassenkapazität und -qualität.
–
Dekarbonisierung:
Vollständige Dekarbonisierung des Bahnverkehrs bis 2040 durch einen wirtschaftlich optimalen Mix
aus Elektrifizierung von Strecken und dem Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen Antriebstechnologien auf Grundlage
der Elektrifizierungsstrategie.
Infrastruktur – Investitionen in Ausbau und Sicherheit
Aufbauend auf dem Nationalen Energie- und Klimaplan wird das jährliche Investitionsprogramm um 5% pro Jahr
ausgeweitet. Dies findet sich auch im aktuellen – von der Bundesregierung beschlossenen – Rahmenplan 2023 bis 2028
mit einem Gesamtvolumen von rd. 19,0 Mrd. EUR für die nächsten sechs Jahre wieder. Mit diesem Rahmenplan wird an
den vorherigen Rahmenplan 2022 bis 2027 angeknüpft.
Mit dem Ausbau und der Modernisierung des Netzes wird ein bedeutender Beitrag für die heimische Wirtschaft geleistet.
Dabei werden auch gezielte Investitionen im ländlichen Raum getätigt, welche insbesondere Impulse für die regionale
Wirtschaft – Fokus Klein- und Mittelbetriebe – bringen.
Die größten Projekte des laufenden Ausbauprogramms betreffen die Brennerachse und die neue Südstrecke. Ein weiterer
Schwerpunkt liegt auf der Elektrifizierung und Attraktivierung von Regionalbahnen sowie der Stammstrecke der Wiener
Schnellbahn. Der Ausbau von Güterverkehrterminals, die Fortführung der Bahnhofsoffensive, des Park & Ride- und
Lärmschutzprogramms sowie ein umfangreiches Sicherheits- und Betriebsführungspaket (inklusive
Digitalisierungsschwerpunkten) tragen ebenso wesentlich dazu bei, entsprechend dem Zielnetz 2025+ ein hoch attraktives
System Schiene für Generationen zu schaffen.
Mit Forschung und Entwicklung sowie Innovation zum Erfolg in der Zukunft
Innovation als wichtiger Hebel für die Strategieerreichung
Innovation ist ein wesentlicher Hebel zur Erreichung der strategischen Ziele des ÖBB-Konzerns. Dabei konnten in den
vergangenen Jahren schon einige Erfolge erzielt werden. Es gilt jedoch, die Arbeit kontinuierlich fortzusetzen und
Innovation als starke Triebkraft zur Strategieumsetzung im Unternehmen stärker zu verankern. Die Ableitung von
Innovationsthemen aus der Strategie und der Fokus auf das Kerngeschäft leisten einen wesentlichen Beitrag, um die
Wettbewerbsfähigkeit des Systems Bahn weiter zu stärken. Die Wirkung der Innovationskraft wird am Erreichen von
strategischen Zielen gemessen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
31
Open Innovation
Um die Innovationskultur im ÖBB-Konzern zu stärken, wurde die Methode der „Open Innovation“ etabliert. Gemeinsam
mit internen Stakeholder:innen und Kund:innen wird nach neuen Lösungen und Services gesucht, um das Bahnfahren von
morgen zu gestalten. Dazu zählen neben fachlich qualifizierten Mitarbeiter:innen, geeigneten Räumlichkeiten wie dem
„Open Innovation Lab“ auch eine breite Palette an Methoden um Innovationen zu ermöglichen. Bei der Umsetzung von
Innovationsinitiativen wird das Prinzip „Rapid Prototyping” angewandt: Aus Ideen werden rasch Prototypen entwickelt,
die sofort im Markt bei den Kund:innen getestet und auf Basis des Feedbacks weiterentwickelt werden. Der sich
wiederholende Prozess erlaubt es, Ideen effizient und rasch zu relevanten Produkten, Services und Prozessen zu gestalten.
Diese Methode schafft die Möglichkeit, in kurzer Zeit Kund:innenbedürfnisse zu verstehen und die Produkte dafür
maßzuschneidern.
Ideenwerkstatt als kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)
Um das Potenzial aller ÖBB Mitarbeiter:innen für Ideen bestmöglich zu fördern und so gemeinsam die Weiterentwicklung
der Zukunft des Konzerns voranzubringen, gibt es die Ideenwerkstatt zur Einbringung von Verbesserungsvorschlägen.
Damit wollen wir stetig unsere Produkte, Services und Prozesse optimieren. Interne Fachexpert:innen prüfen, welche Ideen
in die nächsten Schritte weitergetragen werden. 2022 (Stand per 31.12.2022) wurden 439 Ideen in der Ideenwerkstatt
durch Mitarbeiter:innen eingebracht und 110 davon erfolgreich umgesetzt. Durch diese Verbesserungsmaßnahmen
gelang es, seit 2015 ein berechnetes Einsparungspotenzial von rd. 18,1 Mio. EUR zu heben.
Forschung und Entwicklung als Grundlage für Innovationen
Eine strategiegeleitete Forschung und Entwicklung steht im Mittelpunkt des Entwicklungsbestrebens des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns. Durch klar definierte Corporate-Research-Areas werden mehrjährige Perspektiven geschaffen und
mit zugehörigen, langfristigen F&E-Roadmaps gesteuert. Gemeinsam mit strategischen Partnern aus unterschiedlichen
Kompetenznetzwerken positionieren sich die ÖBB als nationaler Leadpartner der Bahnzulieferindustrie und
Kernteampartner bei Konsortien. Die Beteiligung an europäischen Forschungsprogrammen hat hohe Priorität, um
Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten mit internationalen Partnern zu bündeln. Dies zeigt sich auch in der Initiative
„Shift2Rail“. In einem gemeinsamen Bestreben mit anderen europäischen Bahnen, der Industrie und der Europäischen
Kommission werden Maßnahmen zusammengefasst, um die Bahn von morgen pünktlicher, zuverlässiger und
kosteneffizienter zu machen.
C.6. Sonstige wichtige Vorgänge und Ausblick
Ausblick ÖBB-Konzern
Die Konzernstrategie und die Gesellschafts- und Geschäftsstrategien der Teilkonzerne sowie der Beteiligungsgesellschaften
sind die Grundlage für die Geschäftsentwicklungen der Gesellschaften. Dafür ist die Einhaltung der Geschäftsaufträge und
der definierten strategischen Konzernrahmen sicherzustellen sowie die strategischen Handlungsfelder der Teilkonzerne in
ihrer Geschäftstätigkeit abzubilden und entsprechend auszuweisen. Für die Erreichung der in der Strategie definierten
Ziele sind konkrete Initiativen zu planen und deren Beitrag zur Zielerreichung zu quantifizieren. Dazu ist im Konzern das
Transformationsprogramm „Nordstern“ implementiert worden.
Transformationsprogramm „Nordstern“
Im Rahmen des Transformationsprogrammes „Nordstern“ wird mittels methodischer Begleitung kontinuierlich der
Fortschritt der Strategieumsetzung nachverfolgt und der Veränderungsprozess sichergestellt. Gleichzeit wird anhand
konkreter Meilensteine den Mitarbeiter:innen des Konzerns der Wandel verständlich gemacht. Das soll sie dabei
unterstützen, sich aktiv an der Transformation zu beteiligen.
Im Konzern wurden strategische KPIs (KPI = Key Performance Indicator) definiert und geplant. Sie dienen der weiteren
Operationalisierung der Konzern-, Markt- und Funktionalstrategien sowie zur kontinuierlichen Nachverfolgung deren
Erreichung. Diese KPIs unterstützen die Konzerngesellschaften in den konkreten Beschreibungen der Ziele.
Strategieumsetzung heißt, Initiativen (also Programme und Projekte) zu starten und durchzuführen, die zur Erreichung der
Ziele beitragen. Für die weitere Strategieumsetzung wurden und werden alle relevanten Initiativen (Projekte, Programm
etc.) mit den strategischen KPIs verknüpft. Dies soll die Ausrichtung der täglichen Arbeit anhand der Strategie verstärken.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
32
Trend.Radar
Die ÖBB müssen selbst die Trends, die das Geschäft und die Branchen bewegen oder in Zukunft beeinflussen könnten,
inhaltlich kennen. Fehlt dieses Wissen, fehlt automatisch auch die Basis für ein professionelles Management. Das
Entdecken, Analysieren und Bewerten von Trends kann daher nicht ausgelagert werden, sondern muss im Konzern
erfolgen. Das Motto lautet: Heute in die Zukunft von morgen investieren.
Deshalb gilt es, sich in regelmäßigen Abständen mit den Veränderungen im Marktumfeld auseinanderzusetzen und die
aktuellen Trends und deren Einfluss auf den ÖBB-Konzern im Auge zu behalten. Dabei kommt dem ÖBB Trend.Radar eine
große Bedeutung zu. Die Trends „Autonomes Fahren auf der Straße“, „Künstliche Intelligenz“ und „3D-Druck“ wurden
und werden laufend von einem internen Team analysiert, evaluiert und bewertet. Für weitere Trends, die auf Basis von
Expert:inneneinschätzungen kurz- und mittelfristig für den ÖBB-Konzern relevant sein werden, werden Trendteams
zusammengestellt und Trendanalysen angestoßen. Bei Trends, die im Zuge der Trendanalyse der Kategorie
„Perform“ zugeordnet sind, kann davon ausgegangen werden, dass sie in den nächsten fünf Jahren für die ÖBB relevant
werden.
Daher müssen diese im operativen Geschäft berücksichtigt und durch entsprechende Initiativen adressiert werden.
Ausblick ÖBB-Infrastruktur-Konzern
Rahmenplan 2023 bis 2028
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern investiert in den nächsten Jahren rd. 19,0 Mrd. EUR in ein modernes Eisenbahnnetz. Damit
kann das größte Bahninfrastruktur-Paket aller Zeiten trotz herausfordernder Rahmenbedingungen auch weiterhin stabil
umgesetzt werden. Die Zeitpläne der Projekte wurden dem aktuellen Stand der Projektentwicklung angepasst und
fortgeschrieben.
Im Vergleich zum Rahmenplan 2022 bis 2027 wird in den kommenden sechs Jahren noch stärker in den (Um-)Bau von
barrierefreien Bahnhöfen investiert werden. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern kann damit sein Ziel, den Zugang zur Bahn
einfach und bequem – also möglichst barrierefrei – zu gestalten, weiter vorantreiben.
Auch im Gütertransport ist für die kommenden Jahre ein steigendes Interesse zu erwarten, sodass in Zukunft mehr Verkehr
auf der Schiene abgewickelt wird. Gründe dafür sind unter anderem eine Novelle im Abfallwirtschaftsgesetz und ein
überarbeitetes Fördersystem für Anschlussbahnen an Unternehmen. Um die infrastrukturellen Voraussetzungen dafür
weiter zu optimieren, wurden im Rahmenplan 2023 bis 2028 unter anderem Mittel für die Errichtung und Anpassung von
Güter-Ladestellen vorgesehen. So wird der Umschlag von Transporten zwischen Straße und Schiene noch attraktiver.
Im Großraum Wien wird zusätzlich in den Ausbau der Bahnhöfe zu multimodalen Mobilitäts-Drehscheiben investiert, das
beinhaltet auch die Errichtung von Park & Ride- und Bike & Ride-Angeboten.
Konstant weiterverfolgt wird der Weg sowohl bei den Großprojekten entlang der Südstrecke als auch bei den
Regionalbahnen. Die geplanten Attraktivierungen und Elektrifizierungen sind nach wie vor auf Schiene. Auch im Bereich
der Digitalisierung und Automatisierung sind maßgebliche Investitionen vorgesehen, um weiterhin einen effizienten und
sicheren Eisenbahnbetrieb zu gewährleisten. Dazu zählen unter anderem die Weiterentwicklung der elektronischen
Stellwerke oder die Aufrüstung des Zugsicherungssystems auf ETCS (European Train Control System). Die automatisierte
Betriebsführung ermöglicht eine Ausweitung der Kapazitäten und die Optimierung von Pünktlichkeit und Sicherheit.
Zu Anpassungen kommt es bei der Inbetriebnahme der Neubaustrecke Schaftenau – Knoten Radfeld. Diese orientiert sich
auch an der aktualisierten vorgesehenen Inbetriebnahme des Brenner Basistunnels (voraussichtlich im Jahr 2032) und ist
nun im Jahr 2034 vorgesehen. Die Übergangsphase von zwei Jahren kann durch die Kapazitäten der Bestandstrecke
abgedeckt werden.
Beim viergleisigen Ausbau der Weststrecke im Großraum Linz kommt es durch Anpassungen an die aktuellen
Projektentwicklungen zu einer Entflechtung der einzelnen Projekte. Aufgrund der Verfahrenslage beim Ausbau Linz –
Marchtrenk (Einsprüche zum eisenbahnrechtlichen sowie naturschutzrechtlichen Bescheid werden aktuell vom
Bundesverwaltungsgericht geprüft) wurde die geplante Inbetriebnahme auf 2030 angepasst. Das Projekt Marchtrenk –
Wels läuft planmäßig. Dem nachgelagert kann aufgrund der gegenseitigen betrieblichen Abhängigkeiten die viergleisige
Durchbindung der Weststrecke zwischen Linz Kleinmünchen und der Ostseite des Linzer Hauptbahnhofs erst im Nachgang,
bis 2032, realisiert werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
33
Nachhaltigkeit
Energie
Die Eigenproduktion von erneuerbarer Energie wird weiter forciert. Insgesamt sollen bis 2030 zusätzlich 277 GWh aus
erneuerbarer Energie produziert werden. Im Bereich Wasserkraft wurde 2021 ein Revitalisierungsprojekt erfolgreich
abgeschlossen und zwei Erweiterungsprojekte befinden sich aktuell in Umsetzung. Bis 2030 sollen Fotovoltaik- und
Windkraftanlagen jährlich 225 GWh Strom erzeugen. Bezüglich der Errichtung von Fotovoltaikanlagen sollen diese
Anlagen auf Freiflächen, Gebäuden, Bahnsteigen, Schallschutzwänden aber auch auf versiegelten oder bereits
vorbelasteten Flächen wie flächigen P&R-Anlagen oder Deponien errichtet werden.
Neben dem Ausbau der Solarkraft engagiert sich der ÖBB-Infrastruktur-Konzern auch im Bereich der Windkraft. Im Herbst
2022 wurde die weltweit erste 16,7-Hz-Prototyp-Windkraftanlage in Betrieb genommen.
Überdies wird in den nächsten Jahren der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zur Raumwärmebereitstellung forciert:
Ausstieg aus Gas- und Ölheizungen.
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist die ÖBB-Infrastruktur AG als Unternehmen von öffentlichem Interesse
mit einer Vielzahl von Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen konfrontiert. Bereits seit dem Geschäftsjahr 2017 wird eine
nichtfinanzielle Erklärung im Lagebericht veröffentlicht. Die Anforderungen an die Qualität und Quantität der
Nachhaltigkeitsberichterstattung steigen von Jahr zu Jahr, neue EU-Vorgaben für ein nachhaltiges Wirtschafts- und
Finanzsystem im Rahmen des Green Deals schaffen das entsprechende Regelwerk. Neben den Vorgaben der EU-
Taxonomie-Verordnung zur Klassifizierung von nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten werden durch die Corporate
Sustainability Reporting Directive ab dem Geschäftsjahr 2024 zusätzlich noch detailliertere Berichtspflichten (ökonomisch,
ökologisch, sozial) eingeführt – unter anderem durch verpflichtende EU-Berichtsstandards. Dadurch soll die
Vergleichbarkeit erhöht und damit mehr Transparenz sichergestellt werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
34
Digitalisierung
Damit unsere Kund:innen auch in Zukunft die Vorteile der Digitalisierung nutzen können, erprobt die ÖBB-Infrastruktur AG
schon jetzt zukunftsweisende Stellwerkstechnologien (cloudfähige Lösungen) und setzt im Bereich der Digitalisierung
verstärkt auf Kooperationen mit Partnerbahnen (DACH). Smarte Feldelemente, die Auflösung von begrenzten
Stellbereichen sowie hardwareunabhängigere Reinvestitionszyklen werden mittel- bis langfristig einen wesentlichen
Beitrag zur Reduzierung der Life-Cycle-Kosten und geringeren Instandhaltungsaufwendungen leisten.
Mit der Festlegung und Abnahme der Regionalbahnarchitektur 2026+ wurden im Zuge des Innovationsprogramms
„Regionalbahntechnik“ die Weichen zur Attraktivierung von Regionalbahnen gestellt. Durch Bündelung innovativer
Technologie für Regionalbahnen wird die Kapazität und Wirtschaftlichkeit dieser Strecken optimiert. Das Programm liefert
dabei die Grundlagen für einen gesamthaften Sicherungstechnik- und Telematik-Ausrüstungsstandard auf
Regionalbahnen. Die wesentlichen Einsparungspotenziale werden insbesondere durch die innovative Ausgestaltung von
Eisenbahnkreuzungen, den Abbau von Systembrüchen (z. B. durch Einsatz von ETCS L2 Only), die Vereinfachung
sicherungstechnischer Systeme sowie der Verwendung moderner Mobilfunksysteme erwartet.
Das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS Level 2 stellt die Basis jeglicher zukünftigen Automatisierung im
sicherheitsrelevanten Bereich des Bahnverkehrs dar. Die ÖBB-Infrastruktur AG verfolgt das Ziel, ETCS Level 2
flächendeckend im starkbelasteten Streckennetz zu implementieren und so die in die Jahre gekommenen punktförmigen
Zugbeeinflussungen (PZBs) sukzessive zu ersetzen. Diese Maßnahme trägt zu einer nachhaltigen Verbesserung der
bestehenden Sicherheitsleistung bei.
Die Modernisierung der Planung, Disposition und Abwicklung von AVZ-Leistungen (Leistungen für Anlagen, Verschub,
Zugvorbereitung) wird als Prototyp im Projekt „PORTHOS” erprobt und anschließend umgesetzt. Dadurch werden
Medienbrüche reduziert und regelmäßige, manuelle Tätigkeiten minimiert. Das Ziel besteht in der Realisierung einer
hochgradig automatisierten Machbarkeitsprüfung und Disposition aller Verschubstandorte mittels standardisierter
Schnittstellen. Ebenso werden durch eine neue, prozessoptimierte Softwareumsetzung fünf Altapplikationen abgelöst.
Auch die Digitalisierung betrieblicher Prozesse im Bahnbetrieb wird durch hochgradig systemische Unterstützung und die
Übermittlung von abfahrtsgenauen Fahrplänen und Zugpapieren via Datenschnittstellen zahlreiche manuelle Tätigkeiten
und Medienbrüche reduzieren. Dies ermöglicht den Entfall von Papierausdrucken, eine präzisere Disposition, höhere
Taktung sowie höhere betriebliche Sicherheit für Triebfahrzeugführer:innen, da zielgerichtete Informationen vorhanden
sein werden.
Um die zunehmende Anzahl an Zugfahrten disponieren zu können, wird eine automatisierte Konflikterkennung sowie
-lösung stufenweise in die digitalen Traffic-Management-System-Module der ÖBB-Infrastruktur AG implementiert. Mit den
Entwicklungen aus dem Projekt „AZL – adaptive Zuglenkung“ werden die Konflikte am Schienennetz auf Basis von
Echtzeitdaten und mittels intelligenter Algorithmen identifiziert. In einer stufenweise Umsetzung wird dann die
automatisierte Lösung der Konflikte implementiert. Die Information des optimierten Betriebsablaufs wird über definierte
Schnittstellen an die Triebfahrzeugführer:innen des jeweiligen Zuges als Fahrempfehlung weitergegeben. Durch diese
intelligente Beeinflussung des Zugverkehrs kann die Effizienz weiter gesteigert werden, was sich positiv auf die
Betriebsqualität und den Energiebedarf auswirkt.
Im Zuge der Digitalisierung gewinnt auch die Datenerfassung und Datenanalyse von Sensoriken wie etwa von
Zuglaufcheckpoints stark an Bedeutung, da diese zunehmend sowohl als Grundlage für predictive Maintenance-
Anwendungen und weiteren Optimierungen hinsichtlich Kostenreduktion als auch zur Erhöhung der Sicherheit und
Effizienz dienen. Durch digitalisierte Informationen und Lösungen in der ÖBB-Infrastruktur AGwie z. B. dem ÖBB Infra-
InfoHub können Informationen auch mit anderen Verkehrsinfrastrukturbetreibern vernetzt werden und bilden so die
Grundlage für ein multimodales Verkehrsmanagement.
Als weiteres wichtiges strategisches Projekt arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG an einer zentralen digitalen
Kund:innenplattform, um die EVU-Kund:innen mit einem 360-Grad-Blick noch besser servicieren zu können. Mit dieser
Plattform werden die Kund:innenprozesse mit den operativen Abläufen in der ÖBB Infrastruktur verbunden.
Für die Digitalisierung der Geschäftsprozesse wurden die Projekte „DIEP“ (Digital integrierter End2End Prozess) und
„Vara“ (Vorhaben-, Auftrag-, Ressourcen- und Abwicklungsmanagement) aufgesetzt. Ziel ist es, mit einem transparenten
und standardisierten Datenfluss einen durchgehenden integrierten digitalen Prozess von Planen über Bauen bis zu
Betreiben zu schaffen. Dabei werden die lokalen veralteten IT-Tools sowie Medien- und Systembrüche durch eine moderne
integrierte IT-Lösung auf Basis von SAP ersetzt. Fokus sind bei dieser Lösung die operativen Mitarbeiter:innen, damit diese
zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und in der richtigen Form die richtigen Daten zur Verfügung haben, die sie für
ihre Arbeit benötigen und optimal unterstützen.
Die Umsetzung des digitalen Zwillings der ÖBB-Infrastruktur AG wird weiter vorangetrieben. Eine Echtzeitfähigkeit
bedeutet, dass dieser in die operativen Prozesse der ÖBB-Infrastruktur AG integriert werden muss und Daten sofort
verfügbar gemacht werden müssen. Sensoriken für die einzelnen Objekte des digitalen Zwillings werden mit den virtuellen
Anlagen verknüpft, um zunehmend mehr Wissen und Intelligenz aus den Daten zu schöpfen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
35
Durch den konsequenten Ausbau des Datennetzes wurden die technischen Grundlagen für die Netzwerksegmentierung
(Datennetztrennung) hergestellt. Damit einhergehend ist die Erhöhung der Datennetzsicherheit (Trennung der
betrieblichen Netzsegmente von Office-Netzsegmenten), welche durch den bereits umgesetzten Ausbau von Systemen
für die Netzwerksicherheit weiter gestärkt wird.
Dies schafft auch die Voraussetzung für eine zunehmende Nutzung von hybriden Cloudservices, die aufgrund der
Flexibilität und Skalierbarkeit eine Voraussetzung für zahlreiche Digitalisierungsvorhaben bilden. Die ÖBB-Infrastruktur AG
arbeitet hier gemeinsam mit dem ÖBB-Konzern an den Rahmenbedingungen und Basis für eine zunehmende sinnvolle
Nutzung und Management dieser neuen Möglichkeiten.
Ergebnisausblick
Die Budget- und Mittelfristplanung 2023 bis 2028 basiert auf den strategischen Konzernzielen. Das Handeln des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns in den kommenden sechs Jahren ist auf eine Angebotsausweitung mit dem Fokus auf
Kund:innennutzen und wirtschaftlich nachhaltiges Wachstum ausgerichtet.
D.
Forschung und Entwicklung
Dinge von morgen müssen heute gedacht werden. Mit diesem Auftrag hat es sich die ÖBB-Infrastruktur AG im Jahr 2022
mehr denn je zur Aufgabe gemacht, mit dem Instrument der Forschung und Entwicklung die Vision der Bahninfrastruktur
von morgen zu verwirklichen, wissend um ihre Vorbildfunktion und Vorreiterrolle im Sektor.
Denn ohne Forschung keine Entwicklung und ohne Entwicklung keine neuen Forschungsfelder. Nur durch „am Ball
bleiben“ und „thinking outside the box“ kann etwas bewegt werden. Dynamisches und dennoch gleichzeitig strategisches
Agieren definieren die Handlungsstränge einer erfolgreichen Forschung und Entwicklung.
Die 2021 etablierte F&E-Strategie #INFRA.
F&E_2030
mit der darauf aufbauenden Forschungsroadmap hat im Jahr 2022
so richtig Fahrt aufgenommen. Die definierten Ziele und Entwicklungsfelder wurden weiter ausgebaut und im Alignment
mit der Grundsatzstrategie der ÖBB-Infrastruktur AG #INFRA.mobilitätswende
weiterverfolgt. Sechs strategische
Stoßrichtungen bilden die Grundpfeiler und Hauptadern entlang derer sich 19 zugehörige operative F&E-
Leuchtturminitiativen in die einzelnen Kerngebiete auffächern und inhaltlich vertiefen.
Aufbauend auf den definierten Forschungszielen wurden neben vielen anderen F&E-Projekten die drei Topinitiativen
Rail4Future, TARO sowie ERJU weiter vorangetrieben bzw. etabliert, die essenziell für das Bahnwesen der Zukunft sind.
Diese drei Topinitiativen greifen ineinander und verschränken ihre Interessen, sodass die Vision der zukünftigen
Bahninfrastruktur von mehreren Seiten gleichzeitig angesteuert werden kann. Dabei orientieren sich die
Forschungsaktivitäten dort, wo Europa thematisch durch Harmonisierung, Regulierung und TSIs den Takt angibt, auch
weiterhin in Zusammenarbeit mit Wissenschaft, Industrie und Bahnsektor in europäischen Forschungsinitiativen wie z. B.
Shift2Rail und Europe´s Rail Joint Undertaking.
Im Rahmen des Projektes „Rail4Future – Resilient Digital Railway Systems to enhance Performance”, das im April 2021
offiziell begonnen hat und welches sich zur Aufgabe gemacht hat, die Automatisierung und Digitalisierung im System
Bahn voranzutreiben, wurde im März 2022 ein großes hybrid aufgesetztes Knowledge-Sharing-Event veranstaltet.
Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer:innen, Vertreter:innen von Fördergebern wie BMK, FFG, den Ländern Wien und
Steiermark sowie Vertreter:innen von Forschungseinrichtungen und Universitäten diskutierten über aktuelle
Herausforderungen und zukünftig erforderliche Schritte für das Design und die Entwicklung der Bahninfrastruktur von
morgen. Video-Grußbotschaften von BM Frau Gewessler (BMK) und BM Frau Schramböck (BMW) wurden übermittelt. Im
Oktober 2022 wurde das Vorhaben mit der Auszeichnung „ICT Digitale Juwelen“ gewürdigt. Die Auszeichnung überreichte
Staatssekretär für Digitalisierung Florian Tursky in feierlichem Rahmen.
Beim Projekt „TARO – Towards Automated Railway Operations“ liegt der Fokus auf Regionalbahntechnik, der
Automatisierung des Verschubs sowie auf der Etablierung einer Digital-Twin-Infrastruktur. Weiterführende Erkenntnisse
daraus umfassen konkrete Vorstufenprojekte für Automated Train Operation (ATO).
Die Mitwirkung der ÖBB-Infrastruktur AG an der europäischen Bahnforschungsinitiative „Europe’s Rail Joint
Undertaking“ (ER-JU) hat im Jahr 2022 richtig Fahrt aufgenommen. Das ER-JU mit einem Projektvolumen von rd. 1,2 Mrd.
EUR bis 2031 und der Zusammenarbeit von 25 europäischen Partnern aus den Bereichen Bahnen, Industrie und Forschung
setzt einen wichtigen und europäisch abgestimmten Schritt in Richtung Weiterentwicklung des Systems Bahn und zur
Schaffung einer integrierten und interoperablen europäischen Gesamtlösung. Die ÖBB-Infrastruktur AG wird sich ab 2023
in vier Forschungsfeldern mit großvolumigen Projekten einbringen: KI-basierte Konflikterkennung und -auflösung in
Echtzeit, ETCS Level 3 Full Moving Block, Automatisierung Verschub, Cost-efficient wayside Assets.
Unterstützt in ihren Forschungsvorhaben wird die ÖBB-Infrastruktur AG von nationalen und internationalen
Forschungsprogrammen. Enge Zusammenarbeit auf nationaler Ebene besteht vor allem mit dem BMK und der FFG durch
Beteiligung von individuell geförderten Projekten sowie Teilnahme am Förderprogramm „COMET – Competence Centers
for Excellent Technologies“ und der Forschungsinitiative Verkehrsinfrastrukturforschung VIF.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
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Die ÖBB-Infrastruktur AG hat erstmals einen Jahresbericht retrospektiv zu ihren Forschungsaktivitäten 2021 erstellt, um
sowohl nach innen als auch nach außen transparent Einblick in aktuelle Forschungsprojekte zu geben.
Mit Stichtag 31.12.2022 befanden sich in der ÖBB-Infrastruktur AG 80 teilweise zusammenhängende und übergreifende
F&E-Projekte in Bearbeitung. Darin enthalten sind auch jene Einzelprojekte, die im Rahmen der Forschungsinitiativen
Verkehrsinfrastrukturforschung VIF, Shift2Rail, TARO und Rail4Future verfolgt werden.
Das aktuelle Projektportfolio hat ein Gesamtvolumen von rd. 24,5 Mio. EUR (für alle aktuell laufenden Projekte und
jeweiligen Laufzeiten bis inkl. 2025 ohne Abzug von Förderungen).
Auszug aktueller Projekte
Die nachfolgend auszugsweise beschriebenen F&E-Initiativen, die sich teilweise aus mehreren, aber in sich
zusammenhängenden Einzelprojekten aufbauen, werden im Kontext mit den F&E-Leuchtturminitiativen, die im Zuge der
strategischen Forschungsstoßrichtungen erarbeitet wurden, vorgestellt.
Automatisierung und Digitalisierung stellt eine, wenn nicht sogar die größte Herausforderung des Bahnwesens der Zukunft
dar. Sowohl auf technischer als auch menschlicher Ebene. Diese Prozesse auch zusätzlich in Hinblick auf Vereinheitlichung
auf europäischer Ebene sowie in Anbetracht des voranschreitenden Klimawandels durchführen – ohne den Blick darauf
zu verlieren, was im Moment aktuell ist –, macht das gesamte Vorhaben hochkomplex und ist genau das, was Forschung
und Entwicklung als interessantes Spannungsfeld ausmacht.
Komponenten und Materialien
Als zwei Leuchtturminitiativen der Stoßrichtung „Schlüsselkomponenten der Infrastruktur“ beschäftigen sich
Forschungsvorhaben innerhalb dieser Sektoren mit der Weiterentwicklung von Grundbaustoffen und Einzelkomponenten
des Schienenwesens.
Vor allem beim Thema „Beton als Basiswerkstoff“ wurden viele Forschungsinitiativen gestartet. Das Thema
„Nachhaltigkeit“ spielt auch hier eine große Rolle und die ÖBB-Infrastruktur AG nimmt sich der Aufgabe an, aktiv nach
energiearmen Alternativen zu suchen. Das Forschungsprojekt „ERESCON III“ ging im Jahre 2022 in die bereits dritte Runde,
wo bereits erwirtschaftetes Know-how bei der (Weiter-)Entwicklung von ECO-Beton angewendet wurde. Konkret wurden
neuartige Betonsorten und deren Zusammensetzung und Eigenschaften überprüft und eine Auswahl geeigneter, lokal
verfügbarer Stoffe getroffen sowie die wissenschaftliche Bewertung der neu entwickelten Rezepturen untersucht.
Auch das Forschungsprojekt „DaBeFoNa“ – Nachweiskonzepte für dauerhafte Betone – schlägt in dieselbe Kerbe. Nicht
die Entwicklung, sondern die Überprüfung der Empfindlichkeit des CO
2
-reduzierten Bindemittelsystems in Bezug auf die
Dauerhaftigkeit und in weiterer Folge der Instandhaltungsmaßnahmen steht hier im Fokus.
Die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes ist die Kernaufgabe des Bahnwesens. Gerade Instandhaltungsmaßnahmen
können den Bahnbetrieb beeinträchtigen. Minimierung dieser Maßnahmen durch Lebensdauerverlängerung einzelner
Schienenkomponenten macht ebenfalls einen essenziellen Teil der aktuellen Forschungsprojekte aus. Im Sommer 2022
startete das Projekt „NONIs“. Durch Neuentwicklung optimierter und nachhaltiger Isolierstöße wird sich dieser Problematik
angenommen. Defekte Isolierstöße führen, gerade in urbaner Umgebung mit vielen Weichen, zu Störungen des
Betriebsablaufs und zu Verzögerungen im Zeitplan auf Kosten der Pünktlichkeit und Kund:innenzufriedenheit.
Klimaresilienz und Energieeffizienz
Umwelteinflüsse hatten immer schon große Auswirkungen auf den Bahnbetrieb. Um für neue und herausfordernde
Gegebenheiten in puncto Klima und Naturgefahren gewappnet zu sein, rüstet die ÖBB-Infrastruktur AG bezüglich
Früherkennungs- und Frühwarnsysteme auf. Gemeinsam mit der UBIMET und der Universität für Bodenkultur hat die ÖBB-
Infrastruktur das Projekt „KlimZug“ ins Leben gerufen. Ziel dieses Projektes ist es, den Ausbau des ÖBB Wetterwarnsystems
mittels einer Art künstlichen neuronalen Netzes durch die Einspeisung meteorologischer Daten zu veranlassen.
Auch bezüglich alternativer Antriebe und deren Energieversorgung beschäftigt sich die F&E im Rahmen des Projektes
„AADE“. Der zukünftige Energiebedarf durch Verkehr und Transport wird untersucht und geeignete Lösungen zur
Energiebereitstellung gegenübergestellt. Die Innovation des Projekts liegt dabei in der umfassenden Betrachtung von
Entwicklungen und Technologien aus dem Verkehrs- und Energiebereich und deren mögliche Implementierung mit
gegebenenfalls notendigen Adaptierungen in das bestehende Netz.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
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Zugvorbereitung und Verschub
Das Projekt „TARO“ beschäftigt sich mit dem Verschub der Zukunft, gleichzeitig wird dieses Thema durch die europaweite
Einführung einer digitalen, automatischen Kupplung (DAK) mit integrierter Strom- und Datenbusleitung (DAK Stufe 4)
dargestellt. Diese ersetzt langwierige händische Kupplungsprozesse und ermöglicht ausreichende Stromversorgung und
eine sichere Datenleitung im Güterzug. Sie dient damit als Enabler-Funktion für die Automatisierung von Betriebsabläufen
und ermöglicht, die Zugintegrität von Güterzügen zu überprüfen – an jedem Standort, zu jeder Zeit, europaweit.
Arbeitsplatz der Zukunft
Die 19 Leuchtturminitiativen wurden um eine weitere Initiative erweitert – Arbeitsplatz der Zukunft. Den anstehenden
Generationenwechsel und den somit bevorstehenden Wissenstransfer von einer Expert:innenebene auf die Fachkräfte von
morgen wird die ÖBB-Infrastruktur AG in den kommenden Jahren auf allen Ebenen spüren.
Weiterhin gilt es, den ÖBB-Infrastruktur-Konzern als einen der größten und besten Arbeitgeber des Landes zu halten und
im Idealfall sogar zu verbessern.
Dieser Task ist auch bei der F&E angekommen. Gemeinsam mit den diversen Geschäftsbereichen findet Brainstorming in
allen erdenklichen Bereichen statt. Im Jahr 2022 konnte das Projekt „MaximizeMe“ ins Leben gerufen werden, das
gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut, der TU Wien und der Pilotfabrik neuartige Methoden für Instandhaltungs- und
Wartungsarbeiten erarbeitet, bei gleichzeitiger Beachtung von Inklusion- und Diversitätsförderungszielen am Arbeitsplatz.
Auch hier spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle, die in diesem Bereich nicht mehr wegzudenken ist.
Im Herbst 2022 startete das Projekt „ZuZugLeben“, das sich der Entwicklung eines Zukunftbildes für ÖBB Wohnsiedlungen
und dessen Umsetzung widmet. Gemeinsam mit dem Geschäftsbereich Immobilien wickelt die F&E das vom Klima- und
Energiefonds im Rahmen der Smart-Cities-Initiative „Leuchttürme für resiliente Städte 2040" geförderte Projekt ab.
E.
Konzernbeziehungen
Muttergesellschaft ÖBB-Holding AG
Die Muttergesellschaft ÖBB-Holding AG ist eine Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht. Die Gründung und
Errichtung der Gesellschaft erfolgte auf der Grundlage des § 2 Bundesbahnstrukturgesetz 2003. Die ÖBB-Holding AG
erbringt für die ÖBB-Infrastruktur AG und andere Konzerngesellschaften diverse Leistungen wie z. B. Marketing- und
Treasury-Leistungen. Diese werden mittels Konzernumlage bzw. mittels Leistungsverrechnung an die
Konzerngesellschaften verrechnet. Im Geschäftsjahr 2022 wurden dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern rd. 18,4 Mio. EUR
(Vj: rd. 18,8 Mio. EUR) als Konzernumlage in Rechnung gestellt.
Unmittelbare Tochtergesellschaften der ÖBB-Holding AG sind vor allem die Teilkonzernmuttergesellschaften ÖBB-
Personenverkehr Aktiengesellschaft („ÖBB-Personenverkehr AG”), die Rail Cargo Austria Aktiengesellschaft („Rail Cargo
Austria AG”) und die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft („ÖBB-Infrastruktur AG”).
ÖBB-Personenverkehr AG
Aufgabe der ÖBB-Personenverkehr AG ist insbesondere die Beförderung von Personen, einschließlich der Erbringung
gemeinwirtschaftlicher Leistungen sowie die Herstellung und das Betreiben aller hierzu notwendigen Einrichtungen mit
Ausnahme der Schieneninfrastruktur und die Besorgung aller damit zusammenhängenden oder dadurch veranlassten
Geschäfte sowie vor allem das Führen eines öffentlichen Personenverkehrs aufgrund von Tarifen und Fahrplänen. Im
Geschäftsjahr 2022 wurden mit der Gesellschaft rd. 246,1 Mio. EUR (Vj: rd. 352,6 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Dem
ÖBB-Infrastruktur-Konzern wurden rd. 16,7 Mio. EUR (Vj: rd. 17,2 Mio. EUR) verrechnet.
Im Jahr 2022 wurde ein Bürogebäude angemietet, das teilweise mittels eines Sublease-Vertrags an übrige Gesellschaften
des ÖBB-Konzerns weitervermietet wurde, daraus ergeben sich Leasingforderungen in Höhe von insgesamt
rd. 106,0 Mio. EUR, die mit rd. 6,3 Mio. EUR die ÖBB-Personenverkehr AG betreffen.
Rail Cargo Austria AG
Die Rail Cargo Austria AG hat insbesondere die Beförderung von Gütern einschließlich der Erbringung von
gemeinwirtschaftlichen Leistungen sowie die Herstellung und das Betreiben aller hierzu notwendigen Einrichtungen mit
Ausnahme der Schieneninfrastruktur und die Besorgung aller damit zusammenhängenden oder dadurch veranlassten
Geschäfte sowie vor allem das Führen eines Güterverkehrs zur Aufgabe. Mit der Rail Cargo Austria AG wurden im
Geschäftsjahr 2022 Gesamterträge in Höhe von rd. 117,5 Mio. EUR (Vj: rd. 88,7 Mio. EUR) erzielt. Dem ÖBB-Infrastruktur-
Konzern wurden von der Rail Cargo Austria AG rd. 0,8 Mio. EUR (Vj: rd. 1,4 Mio. EUR) verrechnet.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
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Rail Cargo Logistic Environmental Services GmbH
Mit der Rail Cargo Logistic Environmental Services GmbH wurden im Berichtsjahr Gesamterträge in Höhe von
rd. 13,8 Mio. EUR (Vj: rd. 11,8 Mio. EUR) erzielt. Der ÖBB-Infrastruktur AG wurden rd. 44,8 Mio. EUR
(Vj: rd. 74,2 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden bezogenen Leistungen in Höhe von rd. 25,8 Mio. EUR (Vj: rd. 30,1 Mio. EUR)
aktiviert.
ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH
Gemeinsame Tochtergesellschaft der ÖBB-Personenverkehr AG sowie der Rail Cargo Austria AG ist die
ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH („ÖBB-Produktion GmbH”). Aufgabe des Unternehmens ist insbesondere die
Erbringung von Traktions- und Serviceleistungen für andere Eisenbahnunternehmen. Im Geschäftsjahr 2022 wurden mit
der Gesellschaft rd. 187,9 Mio. EUR (Vj: rd. 184,1 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern
wurden rd. 20,5 Mio. EUR (Vj: rd. 18,0 Mio. EUR) verrechnet. Es wurden bezogene Leistungen in Höhe von
rd. 0,4 Mio. EUR (Vj: rd. 0,4 Mio. EUR) aktiviert.
ÖBB-Technische Services-Gesellschaft mbH
Gemeinsame Tochtergesellschaft der ÖBB-Personenverkehr AG sowie der Rail Cargo Austria AG ist die
ÖBB-Technische Services-Gesellschaft mbH. Aufgabe des Unternehmens ist insbesondere die Erbringung von
Serviceleistungen im Zusammenhang mit Schienenfahrzeugen. Im Geschäftsjahr 2022 wurden mit der Gesellschaft
rd. 38,9 Mio. EUR (Vj: rd. 33,8 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern wurden
rd. 42,2 Mio. EUR (Vj: rd. 34,1 Mio. EUR) verrechnet.
ÖBB-Business Competence Center GmbH
Die ÖBB-Business Competence Center GmbH erbringt als konzerninterne Servicegesellschaft vorwiegend standardisierte
administrative Dienstleistungen. Im Geschäftsjahr 2022 wurden mit der Gesellschaft rd. 24,0 Mio. EUR
(Vj. rd. 18,718,718,7 Mio. EUR) Gesamterträge erzielt. Dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern wurden rd. 124,2 Mio. EUR
(Vj: rd. 98,3 Mio. EUR) für interne Dienstleistungen verrechnet. Es wurden bezogene Leistungen in der Höhe von
rd. 15,1 Mio. EUR (Vj: rd. 8,4 Mio. EUR) aktiviert.
Im Jahr 2022 wurde ein Bürogebäude angemietet, das teilweise mittels eines Sublease-Vertrags an übrige Gesellschaften
des ÖBB-Konzerns weitervermietet wurde, daraus ergeben sich Leasingforderungen in Höhe von insgesamt
rd. 106,0 Mio. EUR, die mit rd. 90,0 Mio. EUR die ÖBB-Business Competence Center GmbH betreffen.
F.
Chancen- und Risikobericht
Das Chancen- und Risikomanagement begleitet alle relevanten Geschäftsprozesse und Finanzpositionen der wesentlichen
Konzernunternehmen und versteht sich daher als ein wichtiges Instrument der Unternehmensführung. Ziel ist es,
rechtzeitig Chancen und Risiken zu erkennen und proaktiv durch geeignete Maßnahmen zu steuern. Das soll bestehende
und zukünftige Erfolgs- und Wachstumspotenziale absichern. Alle identifizierten Chancen und Risiken werden laufend
einer qualitativen und quantitativen Beurteilung unterzogen, vor allem hinsichtlich möglicher Auswirkungen und
Eintrittswahrscheinlichkeiten. Grundlage dafür sind die fortgeschriebenen Bewertungen oder Erfahrungswerte.
Chancen und Risiken sind im ÖBB-Konzern grundsätzlich als Ereignisse oder Entwicklungen definiert, die zu einer positiven
oder negativen Ergebnisabweichung gegenüber den Planungsannahmen führen können. Daher erfolgt die Überarbeitung
des Chancen- und Risikoportfolios synchron mit den Planungsprozessen.
Die verbindliche Konzernrichtlinie und das ebenfalls konzernweit verbindliche Chancen- und Risikomanagement-
Handbuch definieren Regeln, Spielräume und Mindestanforderungen des Risikomanagements für alle einbezogenen
Unternehmenseinheiten. Das oberste Ziel der Risikopolitik ist die uneingeschränkte Absicherung der
Unternehmenstätigkeit. Demnach sollen Risiken nur dann eingegangen werden, wenn ihre Dimension abschätzbar und
damit gleichzeitig eine Steigerung der Erträge und des Unternehmenswerts verbunden ist.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
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Ukrainekrise
Angesichts der geopolitischen Entwicklungen, vor allem in der Ukraine, führte das zentrale Risikomanagement des ÖBB-
Konzerns im Berichtszeitraum zusätzlich zur regulären Risikoinventur konzernweite Ad-hoc-Analysen durch. Maßnahmen
wurden definiert und mit Unterstützung der in der ÖBB-Holding AG eingerichteten Krisenkoordination durchgeführt.
Darüber hinaus wurden konzernweite Maßnahmen zur Vermeidung von Sanktionsverstößen gesetzt. Dem Aufsichtsrat
wurde über Risiken sowie der eingeleiteten Maßnahmen berichtet.
Die für den ÖBB-Konzern relevanten Ungewissheiten und Auswirkungen der aktuellen Situation lassen sich wie bisher den
bereits bestehenden Risikokategorien zuordnen. Als wesentliche Unsicherheiten mit potenziell hohen Auswirkungen
wurden u. a. identifiziert (Auswahl):
– Gestiegene Marktrisiken
– Margenreduktion durch gestiegene Energiebeschaffungskosten
– Steigende Beschaffungskosten für Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen
– Engpässe bei Lieferungen von Erdgas nach Österreich und dadurch bedingtes Inkrafttreten staatlicher
Energielenkungsmaßnahmen
– Probleme bei den allgemeinen Lieferketten
– Cybersecurity
Prozess Chancen- und Risikomanagement
Dieser Prozess wird durch eine Risikomanagementsoftware unterstützt. Einzelrisiken und -chancen werden in der
konzernweiten Chancen- und Risikoplattform geprüft. In Folge wird ein Bericht an den Vorstand der ÖBB-Holding AG
erstellt, der die wichtigsten Risiken und die entsprechenden Gegenmaßnahmen oder Chancen abbildet. Auf dieser
Grundlage werden dem Aufsichtsrat sowie dem Prüfungsausschuss umfassende Informationen zur aktuellen Chancen-
und Risikosituation zur Verfügung gestellt.
An den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates werden einerseits die jeweils aktuellsten Chancen- und Risikoreports,
andererseits die Ergebnisse der Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Chancen- und Risikomanagementsystems durch
den Wirtschaftsprüfer, die im Zuge der Jahresabschlussprüfung gemäß Regel 14.3.8.5 des Public-Corporate-Governance-
Kodex überprüft werden, jährlich berichtet. Somit soll gewährleistet sein, dass sich der Aufsichtsrat ein kontinuierliches
Bild von der Effizienz und der Effektivität des implementierten Systems machen kann. Der regelmäßige Dialog mit dem
Prüfungsausschuss bietet darüber hinaus die Möglichkeit, neue risikobezogene Themen top down zu identifizieren und
im Rahmen des Risikomanagements weiterzubehandeln. Um formal eine stärkere Verzahnung risikonaher Funktionen
(Risikomanagement, IKS, Compliance, Prozessmanagement etc.) voranzutreiben, wurde 2017 zudem ein „Governance,
Risk and Compliance”-Komitee eingerichtet.
Im ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist zur Sicherstellung des professionellen Umgangs mit Chancen und Risiken sowie zur
laufenden Umsetzung des Risiko- und Chancenmanagementprozesses die Funktion eines Konzern-Risikomanagers
eingerichtet: Er ist für den Chancen- und Risikomanagementprozess im Konzern bzw. in der Gesellschaft verantwortlich.
Im Konzern führt er die Chancen- und Risikokonsolidierung und -aggregation durch und ermittelt dessen Gesamt-
Chancen- und Risiko-Position, die jeweils mit den Risikoakzeptanz- und Risikotragfähigkeitsgrenzen abgeglichen wird.
Gegebenenfalls werden daraus weiterer Handlungsbedarf abgeleitet und Maßnahmen initiiert. Der Risikomanager
berichtet an den Vorstand sowie an den Konzern-Chancen- und Risikomanager, er legt den Chancen-/Risikobericht inkl.
der Risikopriorisierung sowie der relevanten Steuerungs-Maßnahmen vor und übernimmt Beratungs- und
Schulungsaufgaben. Darüber hinaus sind in allen Geschäftsbereichen, Stabstellen und in allen wesentlichen Beteiligungen
dezentrale Risikomanager und -ansprechpartner definiert, welche die risikoverantwortlichen Führungskräfte („Risk
Owner”) bei der Erfassung der Chancen und Risiken im jeweiligen Verantwortungsbereich unterstützen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
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Die wichtigsten Chancen und Risiken, von denen keine bestandsgefährdend sind, verteilen sich wie folgt auf die einzelnen
Chancen- und Risikofelder:
Strategie
Vor dem Hintergrund einiger sehr dynamischer und schwer vorhersehbarer Entwicklungen, insbesondere der
Ukrainekonflikt, Rohstoff- und Energiepreise, die Geldpolitik der Notenbanken und die Zinsentwicklung sowie eventuelle
Lieferengpässe in Asien und geopolitischer Dynamiken ist das Erreichen strategischer Ziele mitunter risikobehafteter als in
den Vorjahren. Den sich immer dynamischer gestalteten Umfeldentwicklungen wird innerhalb des ÖBB-Infrastruktur-
Konzerns insofern entgegengetreten, dass neben der strategischen Neuausrichtung unter dem Titel
„#INFRA.mobilitätswende” auch das konzern-initiierte Programm „Nordstern” sowie das Transformationsprogramm
weiterlaufen. Mit beiden Programmen bereitet sich das Unternehmen auf wesentliche Herausforderungen und Risiken vor,
die sich aus den derzeitigen Gegebenheiten und Herausforderungen, insbesondere aus den Entwicklungen auf dem
Energiemarkt und sämtlichen daraus direkt oder indirekt resultierenden Folgen, aus dem verschärften Wettbewerbsdruck
und dem technologischen Wandel in den nächsten zehn Jahren, ergeben. Zudem soll das Fundament der operativen
Exzellenz gestärkt werden. Für die definierten Maßnahmen zur Umsetzung der Initiativen, die in der Budget- bzw.
Mittelfristplanung eingearbeitet wurden, wird ein regelmäßiges Monitoring durchgeführt.
Beim Auftreten weiterer COVID-19-Wellen bzw. von Pandemien im Allgemeinen könnten die Auswirkungen sämtlicher
angeordneter Maßnahmen der Behörden (v. a. zeitlich limitierte Entgeltreduktionen bzw. Entgelterlass) mittelfristig zu
einer Verschlechterung des Ergebnisses und der Liquidität führen. Die Erfahrungen und Erkenntnisse der vergangenen
Monate zur Bewältigung der Pandemie wirken jedoch risikomindernd.
Operativer Betrieb
Risiken aus höherer Gewalt und Naturgefahren wird mit etablierten Systemen und Programmen begegnet. So ist etwa ein
Naturgefahrenmanagement implementiert (inkl. Wetterinformationssystem, Hochwasserinformationssystem,
Naturgefahrenhinweiskarte). Klimarisiken haben auf die Eigenerzeugung von Bahnstrom mitunter hohen Einfluss – durch
ein Trockenjahr kann sich zwischen der Eigenerzeugungsprognose und der tatsächlichen Erzeugung eine nicht
unerhebliche Differenz ergeben. Dadurch müssen Mindermengen auf dem Markt gedeckt werden, wobei bei einem
Trockenjahr tendenziell auch mit höheren Preisen zu rechnen ist – durch die Energiepreisentwicklungen des letzten Jahres
wäre ein Risikoeintritt mit entsprechend gestiegenen Auswirkungen verbunden. Diesem Risiko begegnet man u. a. durch
Speicheroptimierung und einer rollierenden Beschaffungsstrategie, um die Auswirkungen im Falle des Risikoeintritts
möglichst gering zu halten. Ausfallsrisiken im Bereich sämtlicher Telekommunikationsservices und der wesentlichen
Datennetzdienste für den Bahnbetrieb begegnet man mit präventiven Maßnahmen zur Risikoreduktion wie Notfallplänen,
Schaffung von Redundanzen oder einer örtlichen Verlagerung der Anlagenräume. Trotz grundsätzlich extrem hoher
Ausfallssicherheit der Betriebsführungszentralen können Teil- oder Totalausfälle durch Terrorismus, Sabotage oder
Elementarereignisse wie Brand nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Daher ist ein gesamtheitliches Ausfallskonzept für
Schlüsselelemente wie Stellwerke, Fernsteuerbereiche, BFZ-Zellen und Kund:inneninformationssysteme Teil der
Betriebsführungsstrategie. Um das Risiko eines Umsatzrückgangs und Mehraufwands durch Qualitätsprobleme bei
Anlagen, u. a. bei Rollmaterial und Lokomotiven, zu vermindern, werden als Maßnahmen regelmäßige Überprüfungen
der Anlagen durchgeführt. Zur Risikominderung von durch ÖBB Mitarbeiter:innen verursachten Unfällen werden laufend
Schulungs- und Informationsveranstaltungen organisiert. Das Risiko terroristischer Attacken wird sowohl durch gezielte
Maßnahmen und Anweisungen (Verhaltensempfehlungen) als auch durch die enge Zusammenarbeit mit dem
Bundesministerium für Inneres gemindert. Um auf die Auswirkungen eines Blackouts infrastrukturseitig besser vorbereitet
zu sein, wurden einerseits spezifische Störfallkonzepte im Betriebs- und Energiebereich erstellt, andererseits Blackout-
Krisenstabsübungen durchgeführt. Zweck der Krisenstabsübung ist es, Abläufe zu simulieren und etwaige Schwachstellen
aufzuzeigen. Ein konzernübergreifendes Projekt zur Blackout-Vorsorge unter der Federführung der ÖBB-Infrastruktur AG
wurde 2022 initiiert bzw. umgesetzt. Die bestehenden Notfall- und Krisenpläne werden laufend evaluiert und durch
jährlich durchgeführte Übungen überprüft. Aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf russische Gaslieferungen wurde
unter Federführung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ein stufenweiser Notfallplan entwickelt (in Hinblick auf einen
Gaslieferstopp bzw. einen Energielenkungsfall) und im Oktober konzernweit in Kraft gesetzt. Zielsetzung ist, dass bei
Bedarf durch zielgerichtete Maßnahmen der Bahnverkehr auch mit reduzierter Energieverfügbarkeit aufrechterhalten
werden kann.
Absatz und Vertrieb
Risiken bestehen vor allem durch die von der Ukrainekrise getriebenen Unsicherheiten in Bezug auf Konjunkturentwicklung
und die damit verbundenen Transportmengen im Güterverkehr (höhere Energiepreise bedeuten einen Rückgang der
industriellen Produktion), durch steigenden Wettbewerb, durch verschärften Kostendruck (durch hohe und volatile
Strompreise) und regulatorische Sachverhalte (regulatorische Verfahren in Bezug auf Infrastrukturbenützungsentgelte bzw.
Bahnstromnetzentgelte). Die Beobachtung und Analyse des Kund:innenverhaltens sowie eine gezielte Anpassung des
Angebots mindern diese Risiken ebenso wie rollierende Energiebeschaffung, um Kund:innen wettbewerbsfähige Preise
bieten zu können. Durch diese Maßnahme wird auch die Chance erhöht, neue Kund:innen zu gewinnen und das
Marktpotenzial bestehender Kund:innen weiter auszuschöpfen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
41
Personal, Führung und Organisation
Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklung der Inflation führen zu Risiken in Bezug auf geplante Gehaltsvalorisierungen,
da es jährlich zu planabweichenden Gehaltsabschlüssen kommen kann. Um diesem Risiko zu begegnen, wurden bereits
diverse Kompensationsmaßnahmen entwickelt, um bei Schlagendwerden dieses Risikos entsprechend reagieren zu
können und die Ergebniseffekte möglichst gering zu halten.
Auch wenn derzeit die Lage weit weniger entspannt ist als im Vorjahr, kann die Ansteckung von Mitarbeiter:innen mit
dem Coronavirus nach wie vor zu Ressourcenengpässen führen. Risikomindernd wirken strenge Hygiene- und
Abstandregelungen sowie organisatorische Maßnahmen wie z. B. Besucherbeschränkungen, ein weiteres Impfangebot im
Konzern, Reduktion von Teilnehmer:innen bei Präsenzmeetings und verstärkte Reinigung je nach Ampelschaltung (siehe
Erläuterung nachfolgend bei „Recht und Haftung“). Steht die Ampel in einer Region auf Rot, erfolgt die Dienstübergabe
in Betriebsführungszentralen virtuell, es besteht Maskenpflicht (außer am Arbeitsplatz), es gilt eine weitgehende
Homeoffice-Regelung, es gibt keine Präsenzbesprechungen u. v. m. Innerhalb Europas wird aktuell von keinen weiteren
Beeinträchtigungen für die wirtschaftliche Entwicklung im Prognosehorizont ausgegangen. Darüber hinausgehende
Effekte aus allgemeinen Annahmen zu möglichen Pandemierisiken finden jedoch nach wie vor im Chancen- und
Risikomanangement Berücksichtigung.
Des Weiteren besteht das Risiko, dass durch Nicht- bzw. Teilumsetzung von geplanten Maßnahmen, wie z. B.
Effizienzsteigerungen oder Recruiting und Wissenstransfer, Personalmehraufwand entsteht. Um dieses Risiko zu mindern,
erfolgt ein umfassendes Monitoring.
Finanzen / Rechnungswesen
Nahezu alle Energie-Absicherungsgeschäfte der ÖBB-Infrastruktur AG gelten gemäß IFRS 9 als Derivat. Der überwiegende
Teil der Absicherungsgeschäfte kann unter der Voraussetzung, dass der Bezug garantiert ist, als Cashflow Hedge
dargestellt werden, und die Bewertung zum Fair Value ist damit nicht GuV-wirksam (das ist bei rd. 90% des Portfolios
gegeben). Ein kleiner Teil der Planeinkaufsmenge muss aufgrund von Schwankungen der Eigenerzeugung bzw. des
tatsächlichen Verbrauchs ergebniswirksam zum Fair Value bewertet werden. Mit hohen Volatilitäten an den
Energiemärkten (mit teilweise extremen Preisschwankungen innerhalb von wenigen Tagen, wie sie z. B. im 3. Quartal
2022 festzustellen waren), gehen je nach Marktentwicklung entsprechende Bewertungsrisiken / -chancen einher, die als
„Bilanzierungsrisiko Strom“ erfasst sind.
Recht und Haftung
Der „Code of Conduct” enthält und regelt die ethischen Grundsätze und allgemeinen Prinzipien, an denen das
wirtschaftliche Handeln des Konzerns ausgerichtet ist. Durch diesen Kodex wird das Risiko von Kosten durch Strafen bei
Verstößen gegen kartellrechtliche Bestimmungen gemindert. Das 2013 eingerichtete Compliance-Team arbeitet vor allem
in diesem Risikofeld als Teil eines Risikofrüherkennungs- und Überwachungssystems. Das dient in weiterer Folge auch der
Risikovermeidung und somit auch der Schadensabwehr.
Die Änderung von Rechtsvorschriften und Regelwerken kann – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler
Ebene – zu erhöhten Systemkosten führen (wie z. B. durch neue technische oder organisatorische Vorgaben).
Dementsprechend sorgfältig werden die Entwicklungen auf mögliche Auswirkungen untersucht, um frühzeitig reagieren
zu können.
Entsprechend dem Verbandverantwortlichkeitsgesetz kann ein Unternehmen für gerichtlich strafbare Taten seiner
Mitarbeiter:innen oder Entscheidungsträger:innen verantwortlich gemacht und bestraft werden. Das gilt auch für den
ÖBB-Infrastruktur-Konzern. Diesem Risiko gilt es zu begegnen. So werden im Rahmen des rechtlichen Risikomanagements
strafrechtlich bedeutsame Bereiche identifiziert. Des Weiteren werden etwa im Bereich der Fahrlässigkeits-, Umwelt- und
Korruptionstatbestände der Ist-Stand bewertet und Maßnahmen zur Risikovermeidung gesetzt. Mit der Einführung von
Kontroll- und Berichtssystemen wurden Vorsorgemaßnahmen getroffen, ebenso wie mit der Erlassung allgemeiner
Verhaltensanweisungen durch den „Code of Conduct”. Entsprechende Schulungen und die Schaffung klarer
Verantwortlichkeitsbereiche dienen ebenfalls einer Risikominimierung.
Einkauf und Beschaffung
Risiken ergeben sich vor allem aus den erheblichen Preissteigerungen auf den Energiemärkten im abgelaufenen Jahr –
Preisrisiken, Kreditrisiken und auch Bewertungsrisiken begegnet man neben dem Ausbau der Eigenerzeugung durch
risikominimierende Beschaffungs- und Marktstrategien im Energiebereich, die im Kontext der Preisentwicklungen
und -volatilitäten gründlich evaluiert und gegebenenfalls angepasst werden. Insbesondere liegen die vertraglichen
Regelungen mit den Kunden im Fokus – hohe und sehr volatile Strompreise erfordern verbindliche Abnahmemengen.
Andernfalls wäre das kundenseitig verursachte Verbrauchsrisiko (Mengen- und Preiskomponente) für die ÖBB-
Infrastruktur AG nicht tragbar.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
42
Nach den COVID-19-bedingten Lieferengpässen, Kosten- bzw. Preissteigerungen u. a. bei einzelnen Bauprodukten bzw.
Komponenten und der leichten Erholung Ende 2021 sind seit Beginn des Jahres 2022 bzw. des Ukrainekrieges wieder
steigende Preise bzw. ein zunehmendes Risiko für Lieferengpässe festzustellen. Durch eine konzernweit eingerichtete
Taskforce unter dem Lead des strategischen Konzerneinkaufs (ÖBB-Holding AG), die sich speziell mit den Folgen der
Ukrainekrise beschäftigt, durch eng getaktetes Monitoring und zielgerichtete Steuerungs- und Substitutionsmaßnahmen
konnten die Auswirkungen auf den Betrieb bislang reduziert werden. Weitere Auswirkungen werden laufend evaluiert
und bestmöglich antizipiert, um z. B. etwaige terminliche und finanzielle Konsequenzen auf Bauprojekte frühzeitig zu
bewerten und bestmöglich zu kompensieren. Die erheblichen Preissteigerungen auf den Energiemärkten werden mitunter
erst zeitverzögert auf andere Preisindizes einwirken, sodass Risiken für planabweichende Preisvalorisierungen nicht
ausgeschlossen werden können. Die Beobachtung und Analyse der Märkte ermöglicht eine entsprechende
Vertragsgestaltung zur Risikominderung.
Informationsverarbeitung
Systemausfälle können bei den operativen Teilbereichen Mehraufwendungen und Umsatzeinbußen auslösen. Um dieses
Risiko zu mindern, werden laufend eine Vielzahl von Maßnahmen gesetzt, zur Erhöhung der Verfügbarkeit der IT (z. B.
Ausstattung der Serverräume) ebenso wie zur Erhöhung der Vertraulichkeit (u. a. Awareness-Schulung der
Mitarbeiter:innen) und der Integrität der Daten (z. B. Back-up-Sicherungen). Neben den technischen Absicherungen sorgt
der „Chief Information Security Officer” des Konzerns für eine konzernweite einheitliche Steuerung und Überwachung
(Security-Governance) der Informationssicherheit. Diese Aufgabe erfüllt der „Chief Information Security Officer”
gemeinsam mit den Ansprechpersonen in den Teilkonzernen und Gesellschaften. Die Security-Governance muss
gewährleisten, dass durch die regelmäßige Prüfung der umgesetzten Maßnahmen Schäden – z. B. durch Schadsoftware –
oder identifizierte Risiken gemindert werden. Um der verstärkten Bedrohungslage für Cyberangriffe entgegenzutreten,
wurde das Programm „Information Security Next Level“ ins Leben gerufen, in dem es um die Erstellung eines detaillierten
Regelwerkes zur Informationssicherheit inklusive zugehöriger Prozesse, die Gewährleistung der Umsetzung des NIS-
Gesetzes (NISG-Audit wurde bereits erfolgreich abgeschlossen), die Sicherstellung einer vollständigen und nachhaltigen
Asseterfassung von IT / OT sowie um die Umsetzung der Konzernprojekte TOM (Target Operating Model) und PROTECT+
geht.
Tochtergesellschaften und Beteiligungen
In diesem Risikofeld werden Tochtergesellschaften und Beteiligungen betrachtet. Hier besteht das Risiko, dass
Budgetwerte nicht erreicht werden. Im Immobilienbereich sind die Verwertungserlöse und die exakten
Realisierungszeitpunkte von den jeweiligen Marktentwicklungen abhängig. Die Risikosteuerung erfolgt frühzeitig schon in
der Verhandlungsgestaltung sowie durch gezieltes Portfoliomanagement.
Risiken im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten
Originäre Finanzinstrumente
Der Bestand an originären Finanzinstrumenten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ist in der Bilanz ersichtlich. Es handelt sich
hierbei um Forderungen und Verbindlichkeiten aus der Finanzierungstätigkeit, Forderungen und Verbindlichkeiten aus
Lieferungen sowie Leistungen, Finanzanlagen und Wertpapiere. Detaillierte Informationen finden sich in den
entsprechenden Angaben in den Erläuterungen zum Konzernabschluss.
Derivative Finanzinstrumente
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern setzt derivative Finanzinstrumente zur Absicherung von Zinsänderungs- und
Rohstoffpreisrisiken ein. Des Weiteren besteht ein Derivat, um Inkongruenzen aus Zahlungsströmen aus ehemaligen CBL-
Transaktionen auszugleichen. Derivative Finanzinstrumente werden nur unter Bezugnahme auf ein Grundgeschäft
abgeschlossen. Derivative Finanzinstrumente werden im Einklang mit den anzuwendenden Rechnungslegungsvorschriften
bewertet.
Das letzte im ÖBB-Infrastruktur-Konzern eingesetzte Finanzderivat ist ein strukturiertes Derivat mit einem Nominale von
rd. 20,0 Mio. EUR und wurde im aktuellen Berichtsjahr aufgelöst.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
43
Risikodefinition und Risikomanagement in Bezug auf Finanzinstrumente
Die ÖBB-Holding AG führt die Finanzgeschäfte mit Ausnahme von Sicherungsinstrumenten für Commodities im Namen
und auf Rechnung von Konzerngesellschaften durch – auf Basis deren Auftrags und nur nach deren Zustimmung. Die ÖBB-
Holding AG hat ein risikoorientiertes Kontrollumfeld geschaffen. Es umfasst u. a. Richtlinien und Abläufe für die
Beurteilung von Risiken sowie die Genehmigung, das Berichtswesen und die Überwachung von Finanzinstrumenten.
Oberste Priorität bei allen Finanzaktivitäten nimmt der Schutz des Vermögens der Konzerngesellschaften ein. Eine
wesentliche Aufgabe der damit beauftragten Abteilung Konzernfinanzen ist die Identifizierung, Bewertung und
Begrenzung finanzwirtschaftlicher Risiken. Risikobegrenzung bedeutet nicht das völlige Ausschließen finanzieller Risiken.
Risikobegrenzung meint eine sinnvolle und transparente Steuerung der quantifizierbaren Risikopositionen innerhalb eines
konkret zu vereinbarenden Handlungsrahmens mit den Konzerngesellschaften. Eine Konzernrichtlinie untersagt die
Ausgabe oder das Halten von Finanzinstrumenten zu spekulativen Zwecken. Zudem wurden durch Konzernrichtlinien die
zulässigen Finanzgeschäfte definiert. Nachstehend werden die wichtigsten Finanzierungsrisiken näher erörtert.
Liquiditätsrisiko
Das übergeordnete Ziel des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns im Bereich Finanzen ist die Sicherstellung des notwendigen
Liquiditätsspielraums. Liquiditätsrisiko ist das Risiko, dass ein Unternehmen Schwierigkeiten bei der Erfüllung seiner sich
aus den finanziellen Verbindlichkeiten ergebenden Verpflichtungen haben könnte. Diese können über die Zahlung von
Bargeld oder die Lieferung eines anderen finanziellen Vermögenswerts beglichen werden. Eine konsequente Sicherstellung
der Liquidität aller Konzerngesellschaften ist eine der Hauptaufgaben der Abteilung Konzernfinanzen des ÖBB-Konzerns.
Die Erfüllung dieser Aufgabe erfolgt durch Liquiditätsplanungen, die Vereinbarung ausreichender Kreditlinien und eine
hinreichende Diversifizierung der Kreditgeber.
Zinsänderungsrisiko
Risiken aus Marktzinsänderungen können das Finanzergebnis des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns aufgrund der gegebenen
Bilanzstruktur beeinflussen. Es gilt daher, den Einfluss von möglichen Marktzinsschwankungen auf die
Ergebnisentwicklung zu beschränken, wobei das Niveau mit den Konzerngesellschaften abzustimmen ist.
Der Abschluss geeigneter derivativer Finanzinstrumente für das Management von Zinsrisiken basiert auf Portfolioanalysen
und -empfehlungen der Abteilung Konzernfinanzen und auf den entsprechenden Entscheidungen der
Konzerngesellschaften. Derzeit bestehen keine derartigen Derivate.
Währungsrisiko
Die Gesellschaften des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns unterliegen nahezu keinen Fremdwährungsrisiken. Die Finanzierungen
sind überwiegend in Euro denominiert.
Kontrahentenrisiko
Das Kontrahentenrisiko erfasst das Schadenspotenzial hinsichtlich Nichterfüllung finanzieller Verpflichtungen durch
Geschäftspartner. Die Risiken beziehen sich vorwiegend auf Geldmarktgeschäfte, Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen, Veranlagungen, barwertig positive Comodity Derivate. Dem Kontrahentenrisiko-Management unterliegen
Limits, die für jeden Finanzpartner individuell vergeben und täglich auf Einhaltung überprüft werden.
Rohstoffrisiko
Die ÖBB-Infrastruktur AG betreibt eigene Wasserkraftwerke. Sie trägt die technische, wirtschaftliche und rechtliche
Verantwortung für die Energieanlagen und leitet das energiewirtschaftliche Kompetenzzentrum für die
Energiebeschaffung der ÖBB. Energieanlagen sind Kraftwerke, Frequenzumformer, Unterwerke sowie
Hauptversorgungsanlagen und Leitstellen. Das Risikomanagement im Energiebereich wird direkt durch die ÖBB-
Infrastruktur AG sichergestellt.
Rd. zwei Drittel des benötigten Bahnstroms und der gesamte Strom zur Versorgung der Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.)
werden am Strommarkt beschafft. Daher ist der ÖBB-Infrastruktur-Konzern von Strompreisvolatilität stark betroffen. Die
Risikomanagementstrategie sieht daher eine Preisabsicherung vor.
Für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist es besonders relevant, dass die Preise im Vorfeld bereits abgesichert und fixiert sind,
da auch die Preise, die an Kund:innen verrechnet werden, bis 30.09. des Jahres vor Lieferbeginn fixiert werden. Die
Preisabsicherung erfolgt über den Abschluss von Forwards für die geplanten Einkaufsmengen von Bahnstrom,
Verlustenergie und Betriebsanlagen. Neben der Preisabsicherung dient die Absicherung aber auch der Erhöhung der
Planungssicherheit, die als Basis der Preiskalkulation notwendig ist. Weiterführende Informationen dazu befinden sich in
Erläuterung 29.4. zum Konzernabschluss.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
44
Internes Kontrollsystem
Das interne Kontrollsystem bildet einen wesentlichen Bestandteil der unternehmensweiten Risikosteuerung und trägt
durch die systematische Steuerung prozessbezogener Risiken durch die zielgerichtete Implementierung risikomindernder
und regelmäßig überwachter organisatorischer Kontrollmaßnahmen unterstützend zur Erreichung der Gesellschaftsziele
sowie zur Sicherung und zum Schutz des Gesellschaftsvermögens bei. Für eine regelkonforme Finanzberichterstattung
unterstützt es darüber hinaus die Zuverlässigkeit der Rechnungslegungsprozesse.
Das IKS umfasst folgende Elemente: Identifikation, Analyse, Bewertung, Steuerung, Wirksamkeitsüberwachung,
Dokumentation und Kommunikation von IKS-relevanten Prozessen, Risiken und Kontrollen sowie die Überwachung dieser
Aktivitäten.
Das vom Vorstand eingerichtete interne Kontrollsystem orientiert sich am international bewährten Rahmenkonzept COSO
(Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission). Dieses stellt ein anerkanntes Konzept zur
Ausgestaltung eines internen Kontrollsystems zur Verfügung. Der Umfang und die Ausrichtung des IKS entsprechen den
unternehmensspezifischen Anforderungen sowie den Vorgaben des ÖBB-Konzerns.
Zielsetzung
Zielsetzungen des IKS sind die Regelkonformität der Finanzberichterstattung (Financial Reporting), die Förderung der
betrieblichen Effizienz (Operations) und die Einhaltung gesetzlicher Verpflichtungen und interner Richtlinien (Compliance).
Durch die Identifizierung und Bewertung von Risiken, die diese Zielsetzungen gefährden und die Implementierung
risikoreduzierender Kontrollen, wird hinreichende Sicherheit für die Erreichung dieser Ziele gewährleistet.
Organisation und Umsetzung
Neben den gesetzlichen Bestimmungen und den gesellschaftsspezifischen Anforderungen an das IKS der Gesellschaften,
sind im ÖBB-Konzern Mindeststandards und Prozesse für das IKS durch zentrale Richtlinien geregelt. Diese werden von
der ÖBB-Holding AG erstellt und regelmäßig den aktuellen Konzernerfordernissen angepasst. Für die
Konzerngesellschaften ist die Umsetzung dieser Richtlinien verpflichtend. Diese Richtlinien enthalten neben der Festlegung
von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten auch Methoden für die Festlegung des Anwendungsbereichs des IKS, der
Identifikation und Bewertung von Risiken und der Dokumentation und Überwachung von Kontrollen.
Sicherstellung der Wirksamkeit
Das IKS wird durch periodische Evaluierungen der Risiken und der Kontrollen an geänderte Anforderungen angepasst und
weiterentwickelt. Zur Sicherstellung der Wirksamkeit der Kontrollen werden diese in regelmäßigen Abständen mittels IKS-
Tests überwacht. Dabei wird die ordnungsgemäße Ausführung der zu testenden Kontrollen anhand von Nachweisen
überprüft. Im Falle von festgestellten Abweichungen werden Gegensteuerungsmaßnahmen eingeleitet, um die
risikoreduzierende Wirkung der Kontrolle wiederherzustellen.
Ergänzend zu den IKS-Tests wird das IKS durch die Konzernrevision punktuell im Zuge ihrer Prüfungstätigkeiten geprüft.
Die Prüfung des IKS im Rechnungslegungsprozess ist fixer Bestandteil der Abschlussprüfung durch die
Wirtschaftsprüfer:innen. Der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats überwacht die Wirksamkeit des IKS auf Basis einer
regelmäßigen Berichterstattung durch den Vorstand.
G.
Nichtfinanzielle Erklärung
G.1. Statement des Vorstands zur nichtfinanziellen Erklärung
Wirtschaftsmotor, wertschöpfende Investitionen und zukunftsfähige Finanzierung
Die Bahn war von Beginn an Treiberin des technischen Fortschrittes und der Urbanisierung. Auch heute ermöglicht die
ÖBB-Infrastruktur AG durch ihre Investitionen in und den Betrieb der Schieneninfrastruktur eine nachhaltige
Mobilitätsalternative. Nachhaltig steht dabei für die gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit.
Letztere bezieht sich auf das wirtschaftliche Handeln als Grundlage für einen dauerhaften Wohlstand.
Die Investitionen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns wirken sich positiv auf Wertschöpfung und Beschäftigung aus, sowohl
in der Bauphase als auch durch verbesserte Erreichbarkeit und höheren Komfort in der Betriebsphase. Studien zeigen: Ein
investierter Euro führt zu einer Wertschöpfung von zwei Euro in der österreichischen Volkswirtschaft. In der Bauphase
generiert eine Investition von einer Milliarde EUR rd. 15.000 Beschäftigungsverhältnisse, und die verbesserte Erreichbarkeit
ab Inbetriebnahme sichert und erzeugt weitere Tausende Beschäftigungsverhältnisse, fördert die Interaktion zwischen den
Regionen und stärkt ihre Wettbewerbsfähigkeit.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
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Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist ein starker Partner und Motor für die heimische Wirtschaft. Gleichzeitig ist er einer der
größten Auftraggeber der österreichischen Bau- und Bahnindustrie mit einer hohen volkswirtschaftlichen Bedeutung. Der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern beschäftigt mehr als 18.000 Menschen direkt, sichert mit seinen Aufträgen und deren
Wertschöpfung weitere Arbeitsplätze außerhalb des Konzerns und bietet überdies Jobs mit Sinn und Perspektive. Von den
Aufträgen für Neubauprojekte und Modernisierungen profitieren österreichische Klein- und Mittelbetriebe
überproportional.
Konzernweit werden unter anderem folgende Ziele verfolgt:
– Netzausbau auf rd. 10.000 Gleis-km (Basis Rahmenplan 23-28) bis 2030
– Steigerung der Kapazität auf 200 Mio. Zug-km bis 2030
– Erhöhung des Containerumschlags auf rd. 688,5 Tsd. intermodale Transporteinheiten bis 2028
Das wichtigste Kernwerkzeug zur Umsetzung dieser Ziele ist der Rahmenplan. Die ÖBB-Infrastruktur AG wird in den
kommenden sechs Jahren laut Rahmenplan 2023 bis 2028 jährlich rd. 3,0 Mrd. EUR in die Infrastruktur der Bahn
investieren. Damit werden nicht nur Werte für den öffentlichen Verkehr und die Grundlage für die Verlagerung des
Verkehrs von der Straße auf die Schiene geschaffen, sondern auch der Wirtschaftsmotor Österreich angekurbelt. Neue
Bahnhöfe wie der Hauptbahnhof in Wien sind ein gutes Beispiel dafür, wie die Investments zur Visitenkarte von Städten
werden. Zu den Erfolgsgeschichten zählen auch der Ausbau der Weststrecke, die Erweiterung der Infrastruktur im
Unterinntal, der Brenner Basistunnel oder die im Bau befindliche Südstrecke mit Semmering-Basistunnel und
Koralmstrecke.
In den Terminals der ÖBB-Infrastruktur AG wurden 2022 rd. 524 Tsd. (Vj: rd. 533 Tsd.) Intermodale Transporteinheiten
(ITE) umgeschlagen. Der Umsatz konnte im Vergleich zum Vorjahr um 9,3% gesteigert werden. Mit diesen wichtigen
Knotenpunkten zwischen Schiene und Straße ermöglicht die ÖBB-Infrastruktur AG die Verlagerung von
Straßentransporten auf die Schiene.
Mobilitätsanbieter mit Verantwortung
Der Klimawandel ist eines der zentralen Themen unserer Zeit. Das Wetter wird extremer. Der Ausstoß von Treibhausgasen
steigt, anstatt zu sinken. Um die Klimaziele, zu denen sich Österreich verpflichtet hat, zu erreichen, muss der Verbrauch
von Diesel und Benzin in Österreich laut Umweltbundesamt bis zum Jahr 2030 halbiert werden – keine unerheblichen
Vorgaben für den Bereich Transport und Mobilität. Damit ist klar, dass ohne Bahn diese Ziele nicht erreicht werden können.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat die Verantwortung, eine diesen hohen künftigen Anforderungen gerecht werdende
Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Der neue Rahmenplan 2023 bis 2028 bildet für den Ausbau die richtige Basis.
Eine andere, ebenso große Herausforderung für das Unternehmen war weiterhin die Coronakrise. Diese hat den ÖBB-
Infrastruktur-Konzern auf allen Ebenen erfasst. Zum einen auf der der Mitarbeiter:innen, die von Kurzarbeit und
Homeoffice betroffen waren – zu all den privaten Belastungen, die die Krise begleiten. Die Bahn hat gezeigt – und darauf
darf mit einigem Stolz verwiesen werden –, dass auf sie auch in sehr außergewöhnlichen und fordernden Zeiten Verlass
ist. Die ÖBB haben die Krise aber auch als Chance genutzt. Arbeitsabläufe wurden angepasst und Bedingungen für ein
digitales, standortunabhängiges Arbeiten geschaffen bzw. ausgeweitet.
Einsatz für Klima, Natur und Infrastruktur
Als größter Mobilitätsdienstleister und Vorreiter im Bereich nachhaltiger Mobilität ist der ÖBB-Konzern eines der
bedeutendsten Klimaschutzunternehmen Österreichs. Der Verkehrssektor muss einen substanziellen Beitrag leisten, damit
Österreich seine Klimaschutzziele erreichen kann. Daher hat sich der ÖBB-Konzern mit der ÖBB Klimaschutzstrategie 2030
das ambitionierte Ziel gesetzt: CO
2
-Neutralität im Bereich Mobilität bis 2030 und CO
2
-Neutralität im Konzern 2040 bis
2050. Auf diesem Weg wird die Erreichung von Österreichs Klimazielen maßgeblich unterstützt. Dazu gehört die
Elektrifizierung weiterer Bahnstrecken, der Einsatz alternativer Antriebstechnologien auf Schiene und Straße, der Ausbau
erneuerbarer Energien und die Steigerung der Energieeffizienz.
Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen birgt weiterhin großes Potenzial für den Klimaschutz. Daher arbeitet der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern an innovativen Ideen und weiteren Optionen, den Anteil an eigens produzierter erneuerbarer
Energie zu erhöhen. Auch die Wasserkraftwerke werden optimiert und die erste Windkraftanlage zur
Bahnstromproduktion ist 2022 in Betrieb gegangen. Insgesamt soll in den kommenden Jahren eine Milliarde Euro in die
Erzeugung erneuerbarer Energien investiert werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
46
Wer Bahn fährt oder Güter mit der Bahn transportiert, betreibt aktiv Klimaschutz. Autofahren befeuert den Klimawandel
pro Personenkilometer rd. 17-mal stärker mit Treibhausgasemissionen als Bahnfahren, mit dem Flugzeug rd. 31-mal
stärker.
49
Jede Tonne im Gütertransport, die auf der Straße transportiert wird, verursacht rd. 41-mal mehr CO
2
-Äquivalente
als auf der Schiene.
50
Die Bahn braucht wenig Platz für viel Verkehr: Straßen und Parkplätze benötigen 18-mal mehr Fläche als die
Bahninfrastruktur. Gleichzeitig ist die Bodenversiegelung ein wachsendes Umweltproblem.
51
Bei gleicher Transportleistung
braucht die Schiene im Vergleich zur Straße nur ein Drittel bis ein Sechstel der Fläche. Entlang der Bahn finden sich zudem
häufig wichtige Lebensräume und Flächen, die für die biologische Vielfalt wichtig sind. Daher engagiert sich der ÖBB-
Infrastruktur-Konzern seit Langem für den Schutz seltener Pflanzen und Tiere. Es werden laufend Maßnahmen gesetzt,
um den österreichischen Naturschatz und somit die biologische Vielfalt zu erhalten: Begrünungen von Böschungen mit
regionalem Saatgut, Pflanzung alter Obstbaumsorten, Flussrenaturierungen, Bau von Brücken für Wildtiere und etliches
mehr. Ein Umstieg auf die Bahn leistet also einen wertvollen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft nachfolgender
Generationen.
Um den Anforderungen der Kund:innen und der Gesellschaft auch in Zukunft gerecht zu werden, setzt der ÖBB-
Infrastruktur-Konzern mit der Ausbaustrategie „Zielnetz 2025+” sowie den bereits laufenden Arbeiten am Zielnetz 2040
weitere Schritte in Richtung einer leistungsfähigen, diskriminierungsfreien und umweltfreundlichen Bahninfrastruktur – als
Grundlage für mehr Züge, mehr Bahnfahrende, mehr Güter und bessere Taktverkehre auf der konkurrenzlos nachhaltigen
Schiene. Die Führungsrolle des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns in Sachen nachhaltiger Mobilität wird auch von externer,
unabhängiger Stelle immer wieder beim Nachhaltigkeitsrating der international führenden ESG-Ratingagentur ISS im
Bereich von Transportinfrastrukturunternehmen weltweit durch Erreichung des Prime Status bestätigt.
Barrierefreier Zugang zur Bahn
Über eine Million Menschen in unserem Land sind vorübergehend oder dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt. Ein
barrierefreier und bequemer Zugang zu allen Mobilitätsangeboten für alle Menschen – sei es mit oder ohne Behinderung,
viel Reisegepäck, Kinderwagen oder temporärer Bewegungseinschränkung – ist ein erklärtes Ziel der ÖBB. Um neben den
rechtlichen Rahmenbedingungen für die Kund:innen das Optimum an jeder Haltestelle und jedem Bahnhof zu
ermöglichen, wird der Dialog mit den Interessensgruppen gefördert. Für eine flächendeckende, leistbare und einfache
Zugänglichkeit zu Mobilität vertraut die ÖBB auch auf Services und Kooperationspartner für die sogenannte erste und
letzte Meile.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern unternimmt in diesem Bereich große Anstrengungen durch barrierefreies Bauen oder
Modernisieren der Bahnhöfe und sucht den direkten Dialog mit Betroffenen und Expert:innen.
Rüsten für den Generationenwandel
Zahlreiche pensionsbedingte Abgänge geben in den kommenden Jahren einen Generationenwandel im Unternehmen vor.
Viele neue Kolleg:innen werden dazukommen. Die Arbeitsweise wird noch unabhängiger vom Arbeitsplatz werden. Für
diesen bevorstehenden Wandel ist es notwendig, als attraktiver Arbeitgeber am internen und externen Arbeitsmarkt
aufzutreten und wahrgenommen zu werden. Bereits 2019 erfolgte der Roll-out der neuen Arbeitgebermarke. Diese
positioniert die ÖBB als Arbeitgeber mit Arbeitsplätzen und Aufgaben mit Sinn. Denn: Die Mitarbeiter:innen von einem
der bedeutendsten Klimaschutzunternehmen Österreichs arbeiten schon heute daran, dass auch zukünftige Generationen
morgen mehr vom Leben haben.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern zählte im Jahr 2022 mit rd. 1.800 Lehrlingen (inklusive Lehrlinge Allgemeine Privatstiftung
für berufliche Bildung) zu den größten Lehrlingsausbildungsbetrieben in Österreich. Unter dem Motto „#nasicher” sollen
weiterhin mehr Jugendliche für die Ausbildung beim ÖBB-Konzern begeistert werden. Zudem soll der Anteil jener
Lehrlinge, der nach abgeschlossener Ausbildung in den Konzern übernommen werden, stark steigen. Ein besonderer Fokus
liegt dabei auf der Ausbildung und Übernahme von weiblichen Lehrlingen, speziell in technischen Berufen. 2020 wurden
die neuen Lehrwerkstätten in Bludenz und Knittelfeld eröffnet. Der Bau des neuen Bildungscampus in St. Pölten wurde
2022 abgeschlossen und bietet für viele neue Generationen eine ausgezeichnete Aus- und Weiterbildungsstätte.
Professionelles Talentmanagement und klare Perspektiven sollen die Mitarbeiter:innen fördern und motivieren, um
vorhandenes Know-how im Unternehmen zu sichern und die interne Nachbesetzung von Schlüsselkräften zu ermöglichen.
Laufbahnmodelle unterstützen ein nachhaltiges Karrieremanagement im Konzern.
49
VCÖ (Daten Umweltbundesamt 2021).
50
Datenquelle: WKO 2022.
51
Studie VCÖ und Österreichische Hagelversicherung.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
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G.2. Allgemein
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist ein im Sinne des NaDiVeG (Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz)
berichtspflichtiges Unternehmen. Gemäß § 267a UGB (Konzernabschluss) sowie gemäß dem Bundesgesetz BGBl. I Nr.
20/2017 – NaDiVeG – ergänzt diese nichtfinanzielle Erklärung daher den Lagebericht des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Die
nichtfinanzielle Erklärung hat diejenigen Angaben zu enthalten, die für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, des
Geschäftsergebnisses, der Lage der Gesellschaft sowie der Auswirkungen ihrer Tätigkeit erforderlich sind und sich
mindestens auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, auf die Achtung der Menschenrechte und auf die
Bekämpfung von Korruption und Bestechung beziehen. Der Lagebericht wird jährlich aufgestellt und veröffentlicht und
beinhaltet die nichtfinanzielle Erklärung, die gemäß § 243b UGB und § 267a UGB (Konsolidierte nichtfinanzielle Erklärung
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns) im Einzelabschluss zu veröffentlichen ist. Relevante konsolidierte Angaben im
Konzernlagebericht für den Einzelabschluss werden als „davon-Angabe“ gesondert dargestellt. Die Angaben und Daten
für den aktuellen Lagebericht beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2022, die Vorjahreszahlen 2021 werden zu
Vergleichszwecken angeführt. Die Offenlegung der nichtfinanziellen Erklärung der ÖBB-Infrastruktur AG erfolgt unter
Berücksichtigung von: BGBl. I Nr. 20/2017 – NaDiVeG – sowie der GRI-Standards (GRI = Global Reporting Initiative). Dieser
Bericht wurde in Übereinstimmung mit den GRI Universal-Standards 2021 erstellt. Die Berichtsgrenze umfasst die ÖBB-
Infrastruktur AG sowie ihre wesentlichen Tochtergesellschaften.
Aufbau der Entscheidungsgremien
Im Geschäftsjahr 2022 bestand der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG aus drei Personen, die in ihrer Funktion die Sorgfalt
einer ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleitung anzuwenden haben. Jedes Vorstandsmitglied leitet ein Ressort
selbstständig und ist weiters dazu verpflichtet, die anderen Vorstandsmitglieder über wesentliche Vorkommnisse aus
ihrem Aufgabenbereich zu informieren. Die Geschäftsverteilung, Zusammenarbeit, Informations- und Berichtspflichten der
Geschäftsführung sowie eine Auflistung der Maßnahmen, die der Zustimmung durch den Aufsichtsrat bedürfen, sind in
der Geschäftsordnung für den Vorstand bzw. der Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat geregelt.
Im Aufgabenbereich des Aufsichtsrates liegen die Überwachung der Geschäftsführung sowie die Bestimmung über die
Verteilung der Geschäfte. Die Grundlage für die Tätigkeit des Aufsichtsrates bilden in erster Linie das Aktiengesetz, die
Satzung, die Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat sowie der Bundes-Public-Corporate-Governance-Kodex (B-PCGK).
Zusammen bilden der Aufsichtsrat und der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG die Gremien für Entscheidungen in Bezug
auf ökonomische, ökologische und soziale Themen.
Zum Zeitpunkt der Berichterstellung sind im Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG folgende Ausschüsse eingerichtet:
Prüfungsausschuss, Infrastruktur-Investitionsausschuss, Nominierungs-/Personalausschuss sowie Immobilienausschuss.
Aufgabe der Ausschüsse ist einerseits die Vorbereitung der Verhandlungen und Beschlüsse, andererseits die Überwachung
der Ausführung der Beschlüsse für den Aufsichtsrat. Zudem können Ausschüsse – soweit die entsprechende Befugnis
eingeräumt wurde und nicht zwingende gesetzliche Bestimmungen oder die Bestimmungen des B-PCGK die
Aufgabenerfüllung durch den Gesamtaufsichtsrat vorsehen – Beschlüsse fassen bzw. Beschlussempfehlungen abgeben.
Im Geschäftsjahr 2022 bestand der Aufsichtsrat der Gesellschaft aus neun Mitgliedern, sechs (von der Hauptversammlung
gewählten) Kapitalvertreter:innen (mit einem Frauenanteil von 50%) und drei (gemäß § 110 ArbVG entsandten)
Belegschaftsvertreter:innen. Im Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG bzw. dessen Ausschüssen ist jeweils ein
Vorstandsmitglied der ÖBB-Holding AG, welches auch als Vorsitzende/r des Prüfungsausschusses und
Immobilienausschusses fungiert, bzw. der Generalsekretär des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie,
Mobilität, Innovation und Technologie, welcher auch den Vorsitz im Aufsichtsrat der Gesellschaft sowie im Infrastruktur-
Investitionsausschuss und Nominierungs-/ Personalausschuss innehat, als Stakeholder:in vertreten. Kein Vorstandsmitglied
der ÖBB-Infrastruktur AG oder ihrer Tochterunternehmen ist in Übereinstimmung mit § 90 Abs. 1 AktG auch Mitglied des
Aufsichtsrats der Gesellschaft bzw. dessen Ausschüssen.
Bei der Bestellung der Mitglieder des Aufsichtsrates hat jede zur Wahl vorgeschlagene Person der Hauptversammlung
gemäß § 87 Abs. 2 AktG – unter Vorlage ihres Lebenslaufes – ihre fachliche Qualifikation, ihre beruflichen oder
vergleichbaren Funktionen dargelegt und bestätigt, dass keine Umstände vorliegen, welche die Besorgnis einer
Befangenheit im Rahmen der Aufsichtsratstätigkeit begründen könnten. Darüber hinaus wurde bestätigt, dass bei keiner
anderen Gesellschaft Organfunktionen wahrgenommen werden bzw. keine geschäftliche oder persönliche Beziehung zur
Gesellschaft oder deren Vorstand besteht, die einen Interessenskonflikt oder eine Befangenheit zu Lasten der ÖBB-
Infrastruktur AG begründen könnten. Die Bestellung der Mitglieder des Aufsichtsrates der ÖBB-Infrastruktur AG erfolgte
im Rahmen der im Jahr 2020 abgehaltenen ordentlichen Hauptversammlung der Gesellschaft auf die satzungsmäßige
bzw. gesetzliche Höchstdauer bis zum Ablauf jener Hauptversammlung, die über die Entlastung für das Geschäftsjahr
2024 beschließt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
48
Bei den Gesellschaften mit beschränkter Haftung, an denen die ÖBB-Infrastruktur AG beteiligt ist, ist jeweils eine
Geschäftsführung eingesetzt, wobei bei der ÖBB-Operative Services GmbH und bei der ÖBB-Immobilienmanagement
Gesellschaft mbH jeweils ein Aufsichtsrat als Kontrollorgan bestellt ist. Die Geschäftsführung der Personengesellschaften
(GmbH & Co. KGs) obliegt in allen Fällen der Geschäftsführung der jeweiligen GmbHs, die als Komplementärinnen
eingesetzt sind.
Nähere Informationen über die personelle Zusammensetzung des Vorstandes der ÖBB-Infrastruktur AG, des Aufsichtsrates
bzw. dessen Ausschüsse sowie der Geschäftsführung und des Aufsichtsrates der ÖBB-Operative Services GmbH bzw. ÖBB-
Immobilienmanagement Gesellschaft mbH können dem Corporate Governance Bericht 2022 entnommen werden.
Nachhaltigkeitssteuerung
Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Geschäftsprozesse des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Konzernziele und
Stoßrichtungen werden durch die ÖBB-Holding AG vorgegeben und in den Teilkonzernen im Rahmen von Markt- und
Funktionalstrategien umgesetzt. Das Entwickeln von wirkungsvollen Maßnahmen sowie deren gezielte Umsetzung wird
vom ÖBB-Infrastruktur-Konzern eigenverantwortlich realisiert.
Die Strategie des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns („#INFRA.Mobilitätswende“ – siehe Kapitel C.5.) wurde unter
Berücksichtigung der wesentlichen strategischen Herausforderungen im Umfeld der ÖBB-Infrastruktur AG und
unternehmensintern erarbeitet und im April 2021 per Aufsichtsratssitzung beschlossen. Mit diesem Beschluss wurden
neben der Vision auch die strategischen Ziele des Teilkonzerns festgelegt. Gemäß dem integrierten Planungsprozess des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns werden die Strategie und die strategischen Ziele einmal im Jahr überprüft und gegebenenfalls
angepasst. Teil dieser Überprüfung ist auch die Evaluierung der Wesentlichkeitsanalyse, die ein zentraler Bestandteil der
Umfeld- und innerbetrieblichen Analyse ist.
Bereits im Jahr 2008 wurde in der ÖBB-Holding AG eine eigene Koordinationsstelle für die konzernweite Steuerung der
Nachhaltigkeitsagenden implementiert. Im ÖBB-Infrastruktur-Konzern wurde ebenfalls per Vorstandsentscheidung 2009
die Position der Nachhaltigkeitskoordination bestellt. Nachhaltigkeitsmanagement und nichtfinanzielle Berichterstattung
sind im ÖBB-Infrastruktur-Konzern im Vorstandsressort Finanzen, Services, Immobilien der ÖBB-Infrastruktur AG verankert
und werden durch das dort angesiedelte Nachhaltigkeitsteam koordiniert. Die Umsetzung der Programme und Initiativen
obliegt grundsätzlich den verantwortlichen Geschäftsbereichen mit den jeweiligen Fachexpert:innen. Aufgrund der
laufenden Veränderungen und des stetigen Zuwachses an EU-Vorgaben im Bereich Nachhaltigkeit sind relevante
Fortbildungen und Schulungen sowie intensive fachbereichsübergreifende Abstimmungen innerhalb des Konzerns
notwendig. Auch ein Austausch (teilweise auf Vorstandsebene) mit Stakeholder:innen außerhalb des ÖBB-Konzerns findet
regelmäßig statt und wurde in den letzten Jahren bedarfsorientiert intensiviert.
Festgelegte Meetingstrukturen und Prozesse stellen die Abstimmung und die Weitergabe von Informationen zwischen
den unterschiedlichen Ebenen im Unternehmen sicher. Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich
Nachhaltigkeit sind ein fixer Tagesordnungspunkt der Aufsichtsratssitzungen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns, welche
fünfmal im Jahr stattfinden. Als Ergebnis der Aufsichtsratssitzungen werden weiterführende Maßnahmen entwickelt,
welche Auswirkungen auf die (Nachhaltigkeits-)Strategie des Unternehmens haben können. Die nichtfinanzielle Erklärung
ist zudem wichtiger Bestandteil des Lageberichts und muss daher im Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats behandelt
werden. Auch in den Aufsichtsratssitzungen der Töchtergesellschaften (z. B. ÖBB-Immobilienmanagement GmbH) werden
Nachhaltigkeitsthemen behandelt. Wichtige Themen, die zur Beschlussfassung anstehen, werden zudem in die
Vorstandssitzungen eingebracht. Darüber hinaus tauschen sich die Vorstandsmitglieder, Geschäftsbereichsleiter:innen,
Geschäftsführer:innen und Stabsleiter:innen des Teilkonzerns quartalsweise im Rahmen eines Steuerkreises sowie
zusätzlich in themenspezifischen Workshops zu ökologischen, ökonomischen und sozialen Themen aus. Ende 2022 wurde
auf dieser Ebene zusätzlich ein alle zwei Monate stattfindendes INFRA-Nachhaltigkeitsboard implementiert. Strategische
Entscheidungen für den Teilkonzern, insbesondere bezüglich Kennzahlen der Unternehmensstrategie
INFRA.Mobilitätswende, werden außerdem im Unternehmensentwicklungs-Board durch die Vorstandsmitglieder
beschlossen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
49
Auf operativer Ebene tauschen sich Geschäftsbereiche, Stäbe und Tochtergesellschaften der ÖBB-Infrastruktur AG unter
anderem im Rahmen der Plattform Umwelt und Nachhaltigkeit aus (siehe Kapitel G.3).
Auch ein kontinuierlicher Austausch mit der ÖBB-Holding AG ist essenziell, um Schwerpunkte und aktuelle
Schlüsselthemen des ÖBB-Konzerns zu definieren und zu bearbeiten. Aus diesem Grund wurde 2021 durch die ÖBB-
Holding AG ein Nachhaltigkeitsboard implementiert. Auf dieser Ebene finden CEO, Vorstandsmitglieder und
Geschaftsführer:innen aller Teilkonzerne die Möglichkeit, sich mehrere Male im Jahr über die wichtigsten Themen in
Sachen Nachhaltigkeit auszutauschen und die strategische Ausrichtung des Konzerns in diesen Bereichen festzulegen.
Zusätzlich wurde eine konzernweite Nachhaltigkeitsplattform etabliert, bei der sich die jeweiligen
Nachhaltigkeitsverantwortlichen aus der ÖBB-Holding AG und den Teilkonzernen vierteljährlich hinsichtlich
konzernübergreifenden Nachhaltigkeitsthemen sowie Umsetzungsmaßnahmen zur ÖBB Nachhaltigkeitsstrategie
abstimmen.
Der ÖBB-Konzern verfügt über funktionierende Kontrollorgane bzw. Kontrollmechanismen, die ihre Aufgaben
wahrnehmen. Die Aufgaben des Aufsichtsrats ergeben sich aus Gesetz sowie Satzung bzw. Gesellschaftsvertrag und der
Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat. Dem höchsten Kontrollorgan (Aufsichtsrat), welches fünfmal im Jahr ordentliche
Sitzungen und bei Bedarf zusätzliche außerordentliche Sitzungen abhält, werden – neben den Finanz- und
Tätigkeitsberichten im Rahmen des in nahezu jeder Aufsichtsratssitzung gelegten Berichts des Vorstands an den
Aufsichtsrat – regelmäßig insbesondere standardisierte Berichte zu den Themenbereichen Human Resources, Compliance,
Revision, Datenschutz, Risikomanagement, Internes Kontrollsystem, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Diversity übermittelt.
Kritischen Themen wird auch mit Ad-hoc-Berichten an den Aufsichtsrat und Information an den Eigentümer begegnet.
Wesentlichkeitsanalyse
Neben anderen Instrumenten ist die Wesentlichkeitsanalyse eine Methode, mit der der ÖBB-Infrastruktur-Konzern in
regelmäßigen Abständen die für sie essenziellen Themen identifizieren und priorisieren, sowie Schwerpunkte bei der
Maßnahmenentwicklung setzen. Zusätzlich dazu steht gemäß den Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) der
Aspekt der Wesentlichkeit im Fokus der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Dies bedeutet, dass Unternehmen ihre
Berichterstattung verstärkt auf jene Themen ausrichten, die für sie und auch ihre Stakeholder:innen einen hohen
Stellenwert haben.
Im Jahr 2015 wurde die erste Wesentlichkeitsanalyse des ÖBB-Konzerns unter Einbeziehung ihrer Stakeholder:innen
durchgeführt, diese wurde im Jahr 2018 aktualisiert. Ziel war es, jene Themen, die sowohl für den ÖBB-Konzern als auch
für die Stakeholder:innen von wesentlicher Bedeutung sind, zu identifizieren und zu priorisieren. Dieses Vorgehen diente
gleichzeitig dazu, sowohl mit den wichtigsten internen als auch externen Stakeholder:innen in Kontakt zu treten und diese
zu konsultieren.
Aktualisierung der wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen
Im Jahr 2021 wurden die wesentlichen Themen im Rahmen einer Neuauflage der Wesentlichkeitsanalyse erneut bewertet.
Auf Basis der 17 Bausteine der ÖBB Nachhaltigkeitsstrategie wurde die Relevanz und Wichtigkeit dieser Themen bei der
im Herbst 2021 durchgeführten Stakeholder:innenumfrage (intern und extern) erhoben. Dabei wurden rd. 2.700 Personen
als interne und externe Stakeholder:innen (Privatkund:innen, Geschäftskund:innen, Mitarbeiter:innen, Investor:innen,
Lieferant:innen, Interessensgruppen und Fachöffentlichkeit, Politiker:innen und Regulierer:innen, Öffentlichkeit & Medien)
zur Teilnahme an der Umfrage gebeten, um die Relevanz der einzelnen Nachhaltigkeitsbausteine zu bewerten. Die
Stakeholder:innenbefragung wurde zwar durch die ÖBB-Holding AG durchgeführt, allerdings wurden die Erfordernisse
spezifisch für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern berücksichtigt.
Um zusätzlich dazu ein grundlegendes Verständnis der Risiken und Chancen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns im Kontext
der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie und Soziales) zu erlangen, wurden durch den ÖBB-Infrastruktur-Konzern ebenfalls
im Jahr 2021 interne Expert:inneninterviews, sowie Workshops durchgeführt. In diesen wurden durch ein breites Spektrum
von Perspektiven der Teilnehmer:innen die wichtigsten Risiken und Chancen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns hinsichtlich
Nachhaltigkeit identifiziert und eine daraus resultierende finale Liste von 20 Risiken in einem Onlinetool bewertet (mehr
Informationen im nächsten Absatz). Diese Ergebnisse wurden mit jenen der Stakeholder:innenbefragung verknüpft – das
Ergebnis ist die ÖBB-Infrastruktur-Konzern Wesentlichkeitsmatrix, welche dem Aufsichtsrat vorgelegt wurde.
2022 wurden die wesentlichen Themen im Zuge des Strategiereviews erneut analysiert, insbesondere im Hinblick auf
aktuelle Entwicklungen wie die Energiekrise (siehe auch Kapitel B.2.). Die Herausforderungen gemäß
Unternehmensstrategie bleiben weiterhin aufrecht und es kam daher zu keinen Änderungen der wesentlichen Themen im
Vergleich zum Vorjahr.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
50
Die Wesentlichkeitsmatrix des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Als wesentliche Themen mit hoher Bedeutung wurden jene Themen in den zwei oberen Wesentlichkeitsbereichen
(ausgeprägt und beträchtlich) identifiziert, die Themen in den zwei unteren Bereichen (mittel und moderat) werden als
weitere Themen ebenfalls berücksichtigt. Die relevanten Informationen werden in den nachfolgenden Kapiteln unter den
jeweiligen Belangen (Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von
Korruption und Bestechung) erläutert. Einige Themen sind in anderen Bereichen des Lageberichts (bzw. außerhalb des
Kapitels G) enthalten. Die jeweiligen Kapitel- und Seitenangaben sind im GRI-Inhaltsindex (Kapitel G.7.) zu finden.
Wesentliche Themen mit hoher Bedeutung
Belange / Kapitel
- Klimaschutz
- Innovation und Technologie
- Wirtschaftsmotor, wertschöpfende Investitionen und zukunftsfähige
Finanzierung
- Aus- und Weiterbildung
- Generationenwandel
- Leistbares und zugängliches Mobilitätsangebot
- Anpassung an den Klimawandel
- Gesundheit / Safety / Security
- Verlässlicher und attraktiver Arbeitgeber
-
Compliance
/
transparente Berichte und Datenschutz
- Umwelt
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Kapitel G.1
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Umwelt
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
-
Bekämpfung von Korruption und Bestechung
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
51
Weitere Themen Belange / Kapitel
- Soziale Verantwortung und Kooperationen
- Ressourcenmanagement, Abfall, Fläche / Boden
- Artenvielfalt und Biodiversität
- Emissionen inkl. Lärm (exkl. CO
2
)
- Nachhaltige Beschaffung
- Sustainable Finance
-
Vielfalt und Chancengleichheit
- Sozial und Arbeitnehmer:innen
- Umwelt
- Umwelt
- Umwelt
- Umwelt
- Umwelt
-
Sozial und Arbeitnehmer:innen
ESG Risiko- und Auswirkungsanalyse
Um ESG-Chancen und -Risiken (ESG = Environment, Social, Governance) besser zu priorisieren, Strategien (weiter) zu
entwickeln sowie gezielte Steuerungsmaßnahmen zu setzen, ist es essenziell, diese rechtzeitig zu erkennen.
Im Jahr 2021 erfolgte daher durch die ÖBB-Infrastruktur AG eine ESG-Risikobewertung (anhand eines Dynamic Risk
Assessments). Im Rahmen von Expert:inneninterviews und Workshops mit über 20 internen Teilnehmer:innen aus
unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens wurden Risiken hinsichtlich Nachhaltigkeit identifiziert.
Im ersten Schritt wurde durch Einzelgespräche mit ausgewählten Expert:innen aus verschiedensten Funktionen des
Unternehmens (unter Verwendung eines strukturierten Fragenkatalogs) ein grundlegendes Verständnis der Hauptrisiken
und Chancen der ÖBB-Infrastruktur AG geschaffen. Anschließend wurden diese Fragen in einem Workshop mit 24
Teilnehmer:innen diskutiert, um Risiken und Trends zu berücksichtigen, die aktuelle oder zukünftige Risikofolgen für die
Branche darstellen könnten. Auf Basis der Einzelgespräche und des Workshops wurden häufig erwähnte Risiken
identifiziert und gruppiert. Eine finale Liste von 20 Risiken wurde in ein interaktives Onlinetool implementiert und von allen
Teilnehmer:innen individuell bezüglich Schweregrad, Eintrittswahrscheinlichkeit, Vernetzung und Eintrittsgeschwindigkeit
bewertet. Die nachfolgende Abbildung zeigt das Ergebnis der Risikobewertung in den Dimensionen
Eintrittswahrscheinlichkeit und Schweregrad.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
52
Diese Methode der Risikobewertung erlaubt es zusätzlich, die Verbindungen und Auswirkungen zwischen den einzelnen
Risiken zu identifizieren sowie Risiken abzubilden, die am häufigsten im Zusammenhang gesehen werden (Szenarien). Die
Auswertungen unterstützen die ÖBB-Infrastruktur AG dabei, Risiken gezielt zu minimieren. Das Ergebnis der ESG-
Risikobewertung wurde darüber hinaus benutzt, um die x-Achse der Wesentlichkeitsmatrix der ÖBB-Infrastruktur AG zu
definieren.
In der nachfolgenden Tabelle sind jene 20 Risiken aufgelistet, die auf der Grundlage von internen Expert:innenbefragungen
und Gruppenworkshops für die ÖBB-Infrastruktur AG ermittelt wurden. Gesetzte Maßnahmen minimieren die
Auswirkungen auf ökonomische, ökologische und soziale Belange. Darüber hinaus wurden im Jahr 2022 die
entsprechenden ESG-Chancen erarbeitet und zusätzlich in dieser Tabelle dargestellt. Die in der letzten Spalte angeführte
Nummerierung zeigt die Gliederung der Nachhaltigkeitsbausteine für den ÖBB-Konzern und stellt keinen Querverweis zu
den Angaben in diesem Bericht dar.
Aus-
wirkung Risiken Maßnahmen (Auszug) Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nach-
haltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Extreme Wetter-
ereignisse /
Klimawandel
Umsetzung der ÖBB Klimaschutzstrategie zur
Verringerung des CO
2
-Fußabdrucks
Entwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
Thermische Sanierung von Gebäuden
Weitere Ökologisierung des Energiemix
Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbarer
Energie: Wasserkraft, Fotovoltaik, Wind
Effizienter Einsatz von Klimaanlagen, aber auch
Forcierung von alternativen Lösungen (vertikale
und horizontale Begrünungsformen – natürliche
Beschattungen)
Förderung von Fahrrädern für Dienstwege
Errichtung und Instandhaltung von Bike & Ride-
Stellplätzen
Kontinuierlicher Ausbau / Umstieg der E-Flotte bei
Rail&Drive bzw. beim ÖBB Fuhrpark
Diverse Projekte zur Klimawandelanpassung und
Naturgefahrenmanagement
Steinschlag- und Lawinenverbauungen
infra:wetter: Warnungen, beispielsweise
Starkregen, Gewitter, Schneemengen etc.
Naturgefahrenhinweiskarte
Wasserdurchlässige Flächenversiegelungen auf
Vorplätzen und Park & Ride-Anlagen
Ausstieg aus ölbefeuerten Heizanlagen bis 2030 &
Fossilgas
-
Heizanlagen bis 2034
Vom Markt
unabhängige
Energie-
versorgung
Attraktivierung
des Systems
Bahn und
dadurch
vermehrter
Umstieg auf
klima-
freundliche
Mobilität
Mitarbeiter:-
innenbindung
Entwicklung
neuer Services
Forcierter
Ausbau der
Kapazitäten
Potenzielle Be-
schleunigung
von UVP-
Verfahren bei
Bauprojekten
1. Klimaschutz
2. Anpassung an
den Klima-
wandel
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
53
Aus-
wirkung Risiken Maßnahmen (Auszug) Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nach-
haltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Soziales
Schwierigkeiten
bei der
Anwerbung und
Bindung von
Fachkräften
Joboffensive: Präsenz auf diversen
zielgruppenspezifischen Recruitingveranstaltungen,
Kooperationen mit Bildungseinrichtungen
Employer-Branding
Gezielte Gesundheitsförderung der
Mitarbeiter:innen
Schaffen von Rahmenbedingung zur Förderung der
Arbeitsfähigkeit, beispielsweise durch gesundes
Führen und Suchtprävention, Beratung
Arbeitsfähigkeit
Betriebliche Wiedereingliederung
Regelmäßige Mitarbeiter:innenbefragung
Chancengleichheit unabhängig von Sprache,
Geschlecht und Geschlechtsidentität, Alter,
sexueller Orientierung, Herkunft und Religion
Führungskräfteentwicklung
Umfangreiches internes und externes fachliches
und persönliches Weiterbildungsangebot
Große Bandbreite an Karrierechancen im
Unternehmen durch die Möglichkeit des Wechsels
innerhalb des Konzerns
Fairness und flexible Arbeitszeitmodelle
Maßnahmen zur Vereinbarung von Beruf und
Familie: flexible Arbeitszeiten, Telearbeit, ÖBB
Kinderbetreuung
Mentoringprogramme für unterschiedliche
Zielgruppen
Lehrlingsausbildung
Schwerpunktprogramme zur Erhöhung des
Frauenanteils
Programm
„
HR
2025“
Qualifizierte
und motivierte
Mitar-
beiter:innen
Relevantes
Know-how im
Unternehmen
durch
Fachkräfte-
gewinnung
Nachhaltiger
Unternehmens
-erfolg
Steigerung der
MA-Diversität
Stärkung der
eigenen Aus- &
Weiterbildungs
-initiativen
Beschleu-
nigung bei der
Umsetzung
neuer,
flexiblerer
Arbeitsmodelle
Entwicklung
von
innovativen,
attraktiven
Anreiz-
systemen
14. Verlässlicher
und attraktiver
Arbeitgeber
15.
Generationen-
wandel
17. Aus- und
Weiterbildung
Ökonomie,
Soziales
Cyberangriffe und
Datenverlust
Programm „Information Security Next Level“ zur
Erstellung eines detaillierten Regelwerks zur
Informationssicherheit
Optimierung des Information-Security-Reportings
für das Topmanagement
Erweiterung der InfoSec-Organisation, um der
global gestiegenen Bedrohungslage
entgegenzuwirken
Initiierung / Umsetzung der NIS-G-Konformität
(Abschluss bis Q4 2022)
Erweiterung des bestehenden Security-Incident-
und Event-Management-Systems (SIEM)
Ausbau der forensischen Nachschau mittels
risikobasierter Schwachstellenanalyse
Steigerung der
betrieblichen
Sicherheit
Erhöhung der
Cyber-Resilienz
Ausgewogene
Balance
zwischen
Digitalisierungs
- und
Securityzielen
7. Innovation
und Technologie
10. Gesundheit /
Safety /
Security
12. Compliance /
transparente
Berichte und
Datenschutz
16. Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen und
zukunftsfähige
Finanzierung
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
54
Aus-
wirkung
Risiken Maßnahmen (Auszug) Chancen
Wesentliche /
weitere
Themen
(Nach-
haltigkeits-
bausteine des
ÖBB-
Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Bremsender
Verkehrs-
politischer
Rahmen
Gezielte Bewusstseinsbildung bzw.
Interessensvertretung
Volkswirtschaftliche Wirkungen von
Bahninvestitionen
Volkswirtschaftliche Wirkungen des Bahnbetriebs
Weitere Effizienzsteigerungsprogramme in der
Produktion (Qualität, Attraktivität)
PRIME Status bei ISS ESG-Rating
Stärkung
bestehender
Wettbewerbs-
vorteile des
Systems Bahn
als Differen-
zierungs-
merkmal
Sicherstellung
der
zukünftigen
Finanzierung
Ausbau der
Lobbying-
Kompetenz
Geringerer
Druck beim
Erreichen des
ambitionierten
Investitions-
programms der
nächsten Jahre
1. Klimaschutz
2. Anpassung
an den Klima-
wandel
3. Emissionen
inkl. Lärm (exkl.
CO
2
)
7. Innovation
und
Technologie
9. Leistbares
und
zugängliches
Mobilitäts-
angebot
13. Soziale
Verant-wortung
und
Kooperationen
16. Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen
und zukunfts-
fähige
Finanzierung
Ökonomie,
Soziales
Nichteinhaltung
von Grund-
versprechen der
ÖBB-
Infrastruktur AG
Sicherheitsmanagementsystem
Konzernweiter betrieblicher Sicherheitsindex
Menschenrechtsschulungen für Securitypersonal
(ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG)
Gezielter Einsatz von Securitypersonal
Vermehrte Präsenz von Einsatzkräften an
Brennpunkten
Umsetzung technischer Verbesserungen, z. B.
weiterer Ausbau mit 500-Hz-Magneten zur
Verringerung des Kollisionsrisikos
Weiterentwicklung der Sicherheitskultur und
Einführung eines neuen Unternehmenswertes
„Sicherheit leben”
Entwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
Blackout-Krisenübungen und
Infrastrukturentwicklungsprojekt zur Stärkung der
Blackout-Resilienz
BFZ-Ausfallskonzept im Rahmen der
Betriebsführungsstrategie
Glaub-
würdigkeit /
Reputation
Steigerung von
Produktivität,
Kapazität und
Qualität
Mitarbeiter:
innen-
zufriedenheit
Kunden-
zentrierung um
Grund-
versprechen
sicherzustellen
2. Anpassung
an den Klima-
wandel
7. Innovation
und
Technologie
10. Gesund-
heit /
Safety /
Security
16.
Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen
und zukunfts-
fähige
Finanzierung
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
55
Aus-
wirkung
Risiken Maßnahmen (Auszug) Chancen
Wesentliche /
weitere
Themen
(Nach-
haltigkeits-
bausteine des
ÖBB-
Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Fehlende
Flexibilität in der
Veränderung der
Mobilität
ÖBB Rail&Drive-Carsharing
Errichtung und Instandhaltung von Bike & Ride-
Stellplätzen
Smart Maintenance
Alternative Antriebe
Zugvorbereitung und Verschub der Zukunft (DAK –
digitale automatisierte Kupplung)
F&E-Programm
Tools und Plattformen zur Steigerung des
Innovationspotenzials (z. B. durch Ideenwerkstatt,
Innovationsprogramm, Open-Innovation-Plattform)
Schaffung von Schwerpunktthemen zur
Umsetzung von konkreten Maßnahmen (integrierte
Mobilität, Digitalisierung der
Kund:inneninformation, Services am Bahnhof)
Digitalisierung, andere Arten der Kommunikation
und Informationsbeschaffung
Attraktivierung
des Systems
Bahn durch
erfolgreiche
integrierte
Mobilitäts-
angebote
Neue
Geschäfts-
modelle &
Service-
angebote für
Kund:innen
Themen- und
Innovations-
führerschaft
(Mobilität),
Gewinnung
von
Kund:innen
1. Klimaschutz
3. Emissionen
inkl. Lärm (exkl.
CO
2
)
7. Innovation
und
Technologie
9. Leistbares
und
zugängliches
Mobilitäts-
angebot
13. Soziale
Verant-
wortung und
Koopera-tionen
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Verzögerter
technologischer
Fortschritt
Automatisierung Schienenverkehr
Digitale Modelle und Simulation im digitalen
Zwilling
Modernisierung des Fuhrparks
Smart Maintenance
Alternative Antriebe Schiene und Straße
Zugvorbereitung und Verschub der Zukunft (DAK –
digitale automatisierte Kupplung)
F&E-Programm
Tools und Plattformen zur Steigerung des
Innovationspotenzials (z. B. durch Ideenwerkstatt,
Innovationsprogramm, Open-Innovation-Plattform)
Schaffung von Schwerpunktthemen zur
Umsetzung von konkreten Maßnahmen (integrierte
Mobilität, Digitalisierung der
Kund:inneninformation, Services am Bahnhof)
Digitalisierung, andere Arten der Kommunikation
und Informationsbeschaffung
Entwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
Steigerung von
Produktivität,
Kapazität und
Qualität durch
Innovationen
und tech-
nologischen
Fortschritt
Erhöhung der
Lebensdauer
von
bestehenden
Technologien
Forcierung von
Technologie-
partner-
schaften, Joint
Ventures & Co
7. Innovation
und
Technologie
9. Leistbares
und
zugängliches
Mobilitäts-
angebot
15.
Generationen-
wandel
16. Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen
und zukunfts-
fähige
Finanzierung
17. Aus- und
Weiterbildung
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
56
Aus-
wirkung
Risiken Maßnahmen (Auszug) Chancen
Wesentliche /
weitere
Themen
(Nach-
haltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Fehlende
Einbindung von
langfristiger
Planung
Klimaschutz im Gesamtkonzern als strategisches
Topthema etabliert (Nachhaltigkeits- /
Klimaschutzstrategie)
Thema Klimaschutz strukturiert aufbereitet
(Ambition / Ziele, Stoßrichtungen mit ersten
Maßnahmen definiert)
Umsetzung der ÖBB Klimaschutzstrategie zur
Verringerung des CO
2
-Fußabdrucks
Entwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
Investitionen gemäß Rahmenplan
Glaub-
würdigkeit/
Reputation
Nachhaltiger
Unternehmens
-erfolg
Entwicklung
neuer
Planungs-
ansätze
Langfristige
Planung durch
Einsatz von
neuen
strategischen
Weitsicht- und
Szenario-
techniken
alle 17
Bausteine
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Lieferkette
Störungen /
nicht nachhaltige
Beschaffung
Forcierung nachhaltig produzierender Lieferanten
Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien im
Zuge von Beschaffungen
Lieferantenbeurteilung durch Lieferanten-
Managementsystem
Unterstützung der Initiative „Railsponsible” und
dem Einsatz der Nachhaltigkeitsplattform
„EcoVadis“
Transparenz in den Zuschlagskriterien unter
Verwendung von TCO-Modellen
(Lebenszyklusbetrachtung)
Lieferantenkodex
Forcierung Kreislaufwirtschaft
Ausbau der Kapazitäten zur Eigenerzeugung
Bahnstrom
Handelspartnermonitoring bzw. rollierende
Beschaffung im Energiebereich
Kosten- und
Material-
einsparungen
durch
effizientes
Ressourcen-
management
und Kreislauf-
wirtschaft
Senkung von
Treibhausgas-
emissionen
Wettbewerbs-
vorteil
Aufbau neuer
Lieferanten-
märkte und
Diversifizierung
der
Lieferanten-
struktur
Optimierung
der Lieferkette
Reduktion von
Ab-
hängigkeiten
4. Ressourcen-
management,
Abfall, Fläche /
Boden
6. Nachhaltige
Beschaffung
16. Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen
und zukunfts-
fähige
Finanzierung
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
57
Aus-
wirkung
Risiken Maßnahmen (Auszug) Chancen
Wesentliche /
weitere
Themen
(Nach-
haltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Beeinträchtigung
der biologischen
Vielfalt /
Artenschutz
Einsatz von Beleuchtungsalternativen
Optimaler Einsatz von Beleuchtung, durch sinnvolle
Planung / Umsetzung
Vermeidungs-, Verminderung-, Ausgleichs- und
Ersatzmaßnahmen bei Eingriffen in
Landschaftshaushalt
Biologisches Monitoring und Kartierung von
interessanten Flächen
Vogelschutzmaßnahmen an Stromleitungen und
Glasflächen
Einsatz von autochthonem, regionalem Saat- und
Pflanzgut
Maßnahmen zur Eindämmung invasiver Neophyten
Anlage von Blumenwiesen und Förderung der
Imkerei auf Bahngrund
F&E-Projekt zu Wildwarnanlagen für Bahnanlagen
Ständige Optimierungsmaßnahmen der
Spritzgeräte der chemischen Vegetationskontrolle
durch optische Grünerkennung
Mehrere F&E-Projekte für den Ausstieg aus
Glyphosat und Ersatz durch effiziente chemische,
physikalische und mechanische Alternativen
Ökowaldinseln
Projekt „Danube Free Sky“
Versiegelung von Bahnstrommasten zur
Vermeidung von Schwermetallbelastung im
Erdreich
Erhaltung und
Förderung der
Biodiversität
Erschließung
neuer
Kooperationen
und
Umsetzung
neuer
Initiativen zur
Artenvielfalt /-
schutz
1. Klimaschutz
2. Anpassung
an den
Klimawandel
4. Ressourcen-
management,
Abfall, Fläche /
Boden
5. Artenvielfalt
und
Biodiversität
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Mangelhafte
Finanzierung und
Grüne
Investitionen
Compliance-Instrumente und Code of Conduct
Objektivierung der Nachhaltigkeitsleistungen
anhand der Prüfung durch externe
Ratingagenturen
Darstellung des volkswirtschaftlichen Mehrwerts
von Bahninvestitionen
Forderung von Nachhaltigkeitszertifikaten im
Rahmen von Vergabeverfahren
Prüfverfahren durch IKS, Wirtschaftsprüfer:innen,
SCHIG und Rechnungshof
Entwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
Investitionen gemäß Rahmenplan
PRIME Status bei ISS ESG-Rating
Glaub-
würdigkeit /
Reputation
Sicherstellung
der
zukünftigen
Finanzierung
durch neue
Finanzierungs-
strategien
7. Innovation
und
Technologie
8. Sustainable
Finance
16. Wirtschafts-
motor, wert-
schöpfende
Investitionen
und zukunfts-
fähige
Finanzierung
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
58
Aus-
wirkung
Risiken Maßnahmen (Auszug) Chancen
Wesentliche /
weitere
Themen
(Nach-
haltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Fehlendes
Gesamtkonzept
der
Nachhaltigkeit
Klimaschutz im Gesamtkonzern als strategisches
Topthema etabliert (Nachhaltigkeits- /
Klimaschutzstrategie)
Thema „Klimaschutz“ strukturiert aufbereitet
(Ambition / Ziele, Stoßrichtungen mit ersten
Maßnahmen definiert)
Umsetzung der ÖBB Klimaschutzstrategie zur
Verringerung des CO
2
-Fußabdrucks
Entwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
PRIME Status bei ISS ESG-Rating
Glaubwürdigke
it /
Reputation
Nachhaltiger
Unternehmens
-erfolg durch
gesamt-
heitliches
Konzept
Entwicklung
von
Nachhaltigkeit
als integralen
Bestandteil der
Unternehmens
-steuerung
alle 17
Bausteine
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Nicht optimales
Management
natürlicher
Ressourcen
Ressourcenschonender Ansatz für den Umgang mit
Rohstoffen, Wasser, Fläche / Boden zum Beispiel
durch:
Einsparung von Bewehrungsstahl
Einsatz von Holz als Baustoff
Einsatz von „Grünem Beton“
Alternative Baumethoden, z. B. Freiformschale /
Wildbrücke
Komponentenaufbereitung und
Wiederverwendung beispielsweise von Schienen,
Schwellen und Gleisschotter
Forcierung von Kreislaufwirtschaft
Vermeidungs-, Verminderung-, Ausgleichs- und
Ersatzmaßnahmen bei Eingriffen in
Landschaftshaushalt
Kosten- und
Material-
einsparungen
durch
effizientes
Ressourcen-
management
und Kreislauf-
wirtschaft
Senkung von
Treibhausgas-
emissionen
Erhöhte
Lieferketten
Resilienz
Reduzierte
Abhängigkeit
durch forcierte
Kreislauf-
wirtschaft
1. Klimaschutz
4. Ressourcen-
management,
Abfall, Fläche /
Boden
5. Artenvielfalt
und
Biodiversität
6. Nachhaltige
Beschaffung
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
59
Aus-
wirkung Risiken Maßnahmen (Auszug) Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nach-haltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Soziales
Fehlende Vielfalt
und Integration
am Arbeitsplatz
Schutz und Förderung der Einhaltung der
Menschenrechte sowohl von Mitarbeiter:innen als
auch von Partner:innen und Lieferant:innen
Menschenrechtsschulungen für Securitypersonal
(ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG)
Gleichstellungspolicy und regionale
Gleichstellungsbeauftragte
Diversitymanagement mit strategischen
Diversitätszielen und Diversity-Bericht
Chancengleichheit unabhängig von Sprache,
Geschlecht und Geschlechtsidentität, Alter,
sexueller Orientierung, Herkunft und Religion
Erhöhung der interkulturellen Kompetenz durch
ÖBB Sprachlernbörse, interkulturelle Themenevents
etc.
Disability-Management
Kommunikationsmaßnahmen und
Weiterbildungsangebote
Aktive Integration von Flüchtenden im
Lehrlingswesen
Schwerpunktprogramme zur Erhöhung des
Frauenanteils
Frauen
-
Karriere
-
Index
Förderung der
Innovations-
kraft durch
Vielfalt am
Arbeitsplatz
Mitarbei-
ter:innen-
zufriedenheit
Positionierung
als attraktiver
Arbeitgeber
Verbesserte
Rekrutierungs-
chancen (durch
Verbreiterung
der
Bewerberbasis)
11. Vielfalt und
Chancen-gleichheit
15. Generationen-
wandel
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Unzureichende
Nachhaltigkeits-
kompetenz
Klimaschutz im Gesamtkonzern als strategisches
Topthema etabliert (Nachhaltigkeits- /
Klimaschutzstrategie)
Thema Klimaschutz strukturiert aufbereitet
(Ambition / Ziele, Stoßrichtungen mit ersten
Maßnahmen definiert)
Umsetzung der ÖBB Klimaschutzstrategie zur
Verringerung des CO
2
-Fußabdrucks
Entwicklung und Umsetzung der ÖBB-
Infrastruktur AG Unternehmensstrategie
#INFRA.Mobilitätswende mit sechs strategischen
Stoßrichtungen
Kontinuierlicher Aufbau und Weiterentwicklung
der Nachhaltigkeitskompetenz der
Mitarbeiter:innen und benötigter Ressourcen
Glaub-
würdigkeit /
Reputation
Relevantes
Know-how im
Unternehmen
durch
Nachhaltigkeits
expert:innen
Standardisierte
Integration von
Nachhaltigkeits
kompetenz in
Personal-
entwicklung
alle 17 Bausteine
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
60
Aus-
wirkung Risiken Maßnahmen (Auszug) Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nach-haltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Zersiedelung
Stakeholder:innen-Dialoge und Customer-Journeys
zur Verbesserung der Zugänglichkeit bzw. des
Komforts
Entwicklung von integrierten Mobilitätsangeboten
Attraktivierung von Bahnhöfen und Haltestellen in
ländlichen Regionen
Attraktivierung
des Systems
Bahn durch
erfolgreiche
integrierte
Mobilitäts-
angebote
Entwicklung
neuer Services
und Angebote
1. Klimaschutz
4. Ressourcen-
management,
Abfall, Fläche /
Boden
5. Artenvielfalt und
Biodiversität
9. Leistbares und
zugängliches
Mobilitäts-angebot
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Lückenhaftes
ESG-Daten-
management
Objektivierung der Nachhaltigkeitsleistungen
anhand der Prüfung durch externe
Ratingagenturen
Prüfverfahren durch IKS, Wirtschaftsprüfer:innen,
SCHIG und Rechnungshof
Kontinuierlicher Aufbau und Weiterentwicklung
der Nachhaltigkeitskompetenz der
Mitarbeiter:innen und benötigter Ressourcen
Effizienz-
steigerung
Nachhaltiger
Unternehmens
-erfolg durch
strategische
Planung
Sicherstellung
der
zukünftigen
Finanzierung
Schaffen eines
integralen ESG-
Datacenters
und –Dash-
boards
alle 17 Bausteine
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
61
Aus-
wirkung Risiken Maßnahmen (Auszug) Chancen
Wesentliche /
weitere Themen
(Nach-haltigkeits-
bausteine des
ÖBB-Konzerns)
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Sozialer Wandel
Kund:innenservice und
Kund:innenzufriedenheitsumfragen
Marktforschung
Kontinuierliche Weiterentwicklung der
Barrierefreiheit an Bahnhöfen
Stakeholder:innen-Dialoge und Customer-Journeys
zur Verbesserung der Zugänglichkeit bzw. des
Komforts
Entwicklung von integrierten Mobilitätsangeboten
Attraktivierung von Bahnhöfen und Haltestellen in
ländlichen Regionen
Gesellschaftliches Engagement durch die
Unterstützung der Spendenaktion „Licht ins
Dunkel“, Sicherheitsschulungen in Schulen,
Förderung von Schüler:innen mit
Migrationshintergrund, Team ÖBB,
Waisenunterstützungsverein
Attraktivierung
des Systems
Bahn durch
erfolgreiche
integrierte
Mobilitäts-
angebote
Ermöglichung
eines
forcierten
Ausbaus der
Kapazitäten
7. Innovation und
Technologie
9. Leistbares und
zugängliches
Mobilitäts-angebot
13. Soziale Verant-
wortung und
Kooperationen
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Unzureichende
Compliance und
ESG-
Berichterstattung
Umfassendes Compliance-Managementsystem
eingerichtet
Compliance-Officer zur Prävention, Früherkennung
Code of Conduct als verbindlicher Verhaltenskodex
mit Verhaltensleitlinien
Compliance-Schulungen und Beratung
Antikorruptionsstelle
Objektivierung der Nachhaltigkeitsleistungen
anhand der Prüfung durch externe
Ratingagenturen
Forderung von Nachhaltigkeitskriterien im Rahmen
von Vergabeverfahren
Prüfverfahren durch IKS, Wirtschaftsprüfer:innen,
SCHIG und Rechnungshof
Glaub-
würdigkeit/
Reputation
Sicherstellung
der
zukünftigen
Finanzierung
ESG
Compliance &
Reporting als
Stakeholder:in
nen-Manage-
menttool
1. Klimaschutz
12. Compli-ance /
transparente
Berichte und
Datenschutz
13. Soziale Verant-
wortung und
Kooperationen
Ökonomie,
Ökologie,
Soziales
Mangelhaftes
Abfall-
management /
Nichtbeachtung
von Kreislauf-
wirtschaft
Ressourcenschonender Ansatz für den Umgang mit
Rohstoffen, Wasser, Fläche / Boden zum Beispiel
durch:
Einsparung von Bewehrungsstahl
Einsatz von Holz als Baustoff
Einsatz von „Grünem Beton“
Alternative Baumethoden, z. B. Freiformschale /
Wildbrücke
Komponentenaufbereitung und
Wiederverwendung z. B. von Schienen, Schwellen
und Gleisschotter
Forcierung von Kreislaufwirtschaft
Kosten- und
Material-
einsparungen
durch
effizientes
Ressourcen-
management
und Kreislauf-
wirtschaft
Senkung von
Treibhausgas-
emissionen
3. Emissionen inkl.
Lärm (exkl. CO
2
)
4. Ressourcen-
management,
Abfall, Fläche /
Boden
6. Nachhaltige
Beschaffung
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
62
Nichtfinanzielle Kennzahlen
Die wichtigsten nichtfinanziellen Kennzahlen im Überblick
2022
2021
Einheit
Allgemein
Bahnstrecke
(Baulänge)
4.935
4.965
Kilometer
Personenbahnhöfe (Verkehrsstationen)
1.037
1.038
Stück
Jährlich zurückgelegte Zugkilometer
163,8 Mio.
156,6 Mio.
Kilometer
Transportleistung
82,2 Mrd.
78,7 Mrd.
Bruttotonnen-
kilometer/Jahr
Pünktlichkeit Personenverkehr
gesamt, alle EVU
s
1)
95,4
96,7
Prozent
Pünktlichkeit Güterverkehr gesamt, alle EVUs
1)
75,2
77,8
Prozent
Kund:innenzufriedenheit
2)
n.v.
n.v.
Punkte von 100
Corporate-Rating (ISS ESG – Institutional Shareholder Services)
3)
n.v.
n.v.
Rating-Grade
Umwelt
Chemische Vegetationskontrolle
1,2
5,3
Tonnen
Bahnstrom aus österreichischer erneuerbarer Energie
4)
100
100
Prozent
Elektrifizierung Streckennetz
74
74
Prozent
Gesamtenergiebedarf
5)
461
464
Gigawattstunden
Gesamtemissionen
6)
44.585
42.858
Tonnen CO
2-
eq
Wasserverbrauch
2,0 Mio.
2,1 Mio.
Kubikmeter
Gesamtabfall
7)
6.696.910
5.433.121
Tonnen
Externe Carsharingstationen
44
38
Stück
Gesamtanzahl Bike & Ride
-
Stellplätze
50.791
48.881
Stück
Gesamtfläche der ÖBB
-
Infrastruktur
AG
189,4
189,6
Quadratkilometer
Bäume im Baumkataster (Stichtag 31.12.)
10.246
10.423
Stück
Steinschlag
-
und Lawinenverbauungen
204
202
Kilometer
Lärmschutzwände und -dämme
1.025
1.013
Kilometer
Sozial
-
und Arbeitnehmerbelange
Aktive Mitarbeiter:innen und Lehrlinge
18.374
18.435
Personen
davon ÖBB
-
Infrastruktur
AG
16.355
16.426
Personen
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung
7.678
8.517
Personen
davon ÖBB
-
Infrastruktur
AG
6.827
7.575
Personen
Lehrlinge
1.498
1.523
Personen
davon ÖBB
-
Infrastruktur
AG
1.498
1.523
Personen
Durchschnittsalter im Inland (exkl. Lehrlinge)
45,0
45,5
Jahre
davon ÖBB-Infrastruktur-AG
44,5
45,1
Jahre
Frauenanteil (inkl. Lehrlinge)
11,0
9,9
Prozent
davon ÖBB-Infrastruktur-AG
9,5
8,5
Prozent
Menschen mit Behinderung
2,7
2,9
Prozent
davon ÖBB
-
Infrastruktur
AG
2,5
2,8
Prozent
Barrierefreiheit
Bahnhöfe mit modernen, barrierefreien Stationen
430
398
Stück
Forschung
Forschung und Entwicklungsprojekte
in Bearbeitung (Stichtag 31.12.)
80
89
Projekte
Sicherheit
Personenverkehr
78-mal sicherer als Straße
8)
Gefahrguttransport
42-mal sicherer als Straße
9)
Ergänzende Angaben zu den nichtfinanziellen Kennzahlen sind den nachfolgenden Textpassagen zu entnehmen:
n.v.: aktueller Wert für das jeweilige Jahr nicht vorhanden (z. B. aufgrund der COVID-19-Pandemie)
1)
Als Schwellenwert für Pünktlichkeit gilt beim Personenverkehr fünf Minuten, beim Güterverkehr 30 Minuten.
2)
2022 wurde keine konzernweite Kund:innenzufriedenheitsbefragung durchgeführt.
3)
Das letzte Corporate-Rating der ÖBB-Infrastruktur AG fand im Dezember 2020 statt.
4)
Bezieht sich auf Kund:innen, die Bahnstrom der ÖBB-Infrastruktur AG beziehen.
5)
Der berichtete Gesamtenergiebedarf in GWh setzt sich aus den Energieträgern Bahnstrom, Drehstrom, Erdgas, Fernwärme, Fernkälte, Heizöl, Flüssiggas,
Hüttenkoks, Holzpellets und Treibstoffverbrauch zusammen. 2022 wurde der Dieselverbrauch der Verschubloks in den Gesamtenergiebedarf miteinbezogen.
6)
Scope 1 und Scope 2 market based. 2022 wurden der Dieselverbrauch der Verschubloks in die Gesamtemissionen miteinbezogen.
7)
Aufgrund einer Systemumstellung im GJ 2022 kommt es bei den Daten von 2021 zur einer Abweichung von 0,004%.
8)
Verkehrstote pro 10 Mrd. Personenkilometer (Jahre 2018 bis 2020 in Österreich), Quelle: UBA 2021, BMK 2021, Statistik Austria 2021, Grafik: VCÖ 2021.
9)
Gefahrgutunfälle pro Mrd. Tonnenkilometer berechnet über den Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2013, Quelle: Allianz pro Schiene auf Basis von Statistisches
Bundesamt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
63
G.3. Umweltbelange
Allgemein
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern plant, baut und betreibt Schieneninfrastrukturanlagen in allen neun Bundesländern und ist
dabei aufgrund diverser rechtlicher Vorgaben verpflichtet, negative Auswirkungen auf Schutzgüter wie Wasser, Boden,
Luft, Tiere, Pflanzen und deren Lebensraum, Mensch, Kulturgüter etc. so weit wie möglich zu vermeiden und nicht
vermeidbare Auswirkungen zu mindern oder auszugleichen. Darüber hinaus betreibt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ein
zertifiziertes integriertes Managementsystem (IMS), welches auch das Umweltmanagement nach ISO 14001 beinhaltet.
Im Rahmen der IMS-Politik bekennt sich der ÖBB-Infrastruktur-Konzern im Sinne des Vorsorgeprinzips zu den Zielen der
Schaffung bzw. Beibehaltung einer sicheren und zukunftsorientierten Infrastruktur, einer sicheren und pünktlichen
Betriebsführung, von gesunden Mitarbeiter:innen, einem effizienten und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen sowie von
zufriedenen Kund:innen. Die IMS-Politik ist via Homepage den interessierten Parteien zugänglich. Ein Kernbestandteil des
Umweltmanagements nach ISO 14001 ist auch das Management von umweltrelevanten Chancen und Risiken sowie die
umweltrelevante Notfallvorsorge und Gefahrenabwehr.
Für weiterführende Informationen zum Risikomanagementprozess des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns siehe auch Kapitel F.
sowie Kapitel G.2. bzgl. des Umgangs mit ESG-Risiken.
Um den Nachhaltigkeitsvorteil des ÖBB-Konzerns zu sichern und weiterhin der Vorreiter für umweltfreundliche
Mobilitätslösungen in Österreich zu bleiben, wurden strategische Stoßrichtungen (siehe Kapitel C.5.) definiert. Diese
unterstützen bestehende Konzernziele und stellen langfristige Win-win-Situationen für die Gesellschaft, die Umwelt und
den ÖBB-Konzern sicher.
Umweltleitlinien, Umweltbewertung, Umweltprogramm
Die Umweltleitlinien des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns sind die Richtschnur zur Kategorisierung der bedeutenden
Umweltaspekte, welche durch die Umweltbewertung ermittelt werden. Die Umweltbewertung wird durch das
Umweltinformationssystem der ÖBB-Infrastruktur AG unterstützt durchgeführt und ist Ausgangspunkt für die
Umweltprogramme der Geschäftsbereiche, Stäbe und Tochtergesellschaften auf operativer Ebene. Das Monitoring und
der Informationsaustausch erfolgen im Rahmen der Plattform Umwelt und Nachhaltigkeit, deren Aufgabe ein
teilkonzernweiter Austausch und das Vorantreiben der umweltspezifischen Themen ist. Auch die wesentlichen
Umweltthemen, welche auf strategischer Ebene in der Wesentlichkeitsmatrix identifiziert wurden, sind regelmäßiges
Thema der Plattform Umwelt und Nachhaltigkeit.
Klimaschutz
Der Klimawandel ist eine der großen Herausforderungen dieser Zeit. Der ÖBB-Konzern trägt mit der Verkehrsverlagerung
auf die Schiene einen wesentlichen Teil zum Klimaschutz Österreichs bei, doch das Verlagerungspotenzial ist damit bei
Weitem nicht ausgeschöpft. Die Ziele des Green Deals der EU (Ziel: klimaneutrale Wirtschaft bis 2050) und die nationale
Zielsetzung der Klimaneutralität in Österreich ab 2040 verstärken die Bedeutung der Bahn und des öffentlichen Verkehrs.
Haupthemmnisse liegen im Bereich der verkehrspolitischen Rahmenbedingungen und den Wettbewerbsverzerrungen, die
sich aufgrund von fehlender Kostenwahrheit und mangelnder Umsetzung des Verursacherprinzips ergeben.
Der ÖBB-Konzern hat sich mit der ÖBB Klimaschutzstrategie 2030 ambitionierte Ziele gesetzt:
– CO
2
-Neutralität im Bereich Mobilität bis 2030,
– CO
2
-Neutralität im Konzern 2040 bis 2050 sowie
– weitere Verkehrsverlagerung durch Attraktivierung des Systems und Ausbau der Kapazität sowohl durch konventionellen
Ausbau als auch durch den Einsatz neuer Technologien.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern spielt bei der Umsetzung dieser ambitionierten Ziele eine wichtige Rolle und hat sich dazu
strategische Ziele als Teil der Unternehmensstrategie gesetzt (siehe Kapitel C.5.). Einen wichtigen Beitrag zur CO
2
-Bilanz
des ÖBB-Konzerns leistet der Einsatz von klimafreundlicher Wasserkraft. Auf diese Weise unterstützt der ÖBB-Infrastruktur-
Konzern die Erreichung von Österreichs Klimazielen maßgeblich. Zentrale Hebel für die Zielerreichung sind die weitere
Elektrifizierung der Bahnstrecken, der Einsatz alternativer Antriebstechnologien auf Schiene und Straße, der Ausbau
erneuerbarer Energien und die Steigerung der Energieeffizienz.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
64
Zielsetzungen
Der kurzfristige Rückgang des Eigenerzeugungsanteils des Bahnstroms von 37% auf 26% ist vor allem auf zwei temporäre
Effekte durch die angehenden Bauprojekte zurückzuführen. Zum einen wurde im Zuge des Projektes Obervellach II das
ehemalige Kraftwerk Obervellach I im Mai 2022 außer Betrieb genommen. Weiters wurde Ende 2021 einer der
Speicherseen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns aufgrund von Bauarbeiten abgesenkt. Ergänzend zu diesen technischen
Faktoren schlugen sich auch die außergewöhnlich niedrigen Niederschlagsmengen negativ auf die Eigenerzeugung aus
Wasserkraft nieder.
Energie
Der ÖBB-Konzern benötigt zur Versorgung der Züge als auch der Betriebsanlagen (z. B. Bahnhöfe, Betriebsstätten) Strom,
Gas und Wärme.
Die Energieversorgung des elektrifizierten österreichischen Eisenbahnnetzes wird mit dem System der
Bahnstromversorgung gewährleistet. Rd. 8.000 km Oberleitungen werden über rd. 60 Unterwerke, die wiederum über
ein 2.000 km langes Bahnstromnetz (110/55 kV) verbunden sind, versorgt.
Seit 2018 verwendet der ÖBB-Konzern ausschließlich grünen Bahnstrom aus zu 100% erneuerbaren Energiequellen. Ein
großer Teil des Stroms, der für den Betrieb benötigt wird, kommt aus acht ÖBB Wasserkraftwerken (sieben produzieren
Bahnstrom, eines Drehstrom), vier Partner-Wasserkraftwerken und derzeit sechs Bahnstrom-Solarkraftwerken. Seit Ende
2022 speist auch die Windkraftanlage in Höflein 6,75 GWh in die Oberleitung der Ostbahn (Wien – Budapest) ein.
Außerdem werden durch die direkte Einspeisung der Erzeugung in das bahneigene Netz, vorhandene erneuerbare
Energieressourcen dort genützt, wo Verbrauch entsteht. Diese direkte Verbindung von Stromerzeugung und Bahnverkehr
stellt ein gelungenes Beispiel für Sektorenkopplung (Power-to-Mobility) dar. So wird das öffentliche Stromnetz entlastet
und Verluste für Umformung und Transport können vermieden werden. Die restliche Menge des benötigten grünen
Bahnstroms wird vom Markt zugekauft. Mit sieben Frequenzumformern wird das Bahnstromnetz, welches mit einer
Frequenz von 16,7 Hz betrieben wird, mit den öffentlichen 50-Hz-Netzen verbunden. Der über diese Frequenzumformer
bezogene Strom stammt ebenfalls zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen (abgesichert mit Herkunftsnachweisen).
In einem zweiten Schritt wurde 2019 die Drehstromversorgung aller Bahnhöfe, Büros, Werkstätten und anderer
Betriebsanlagen ebenfalls auf Strom aus zu 100% erneuerbaren Energieträgern umgestellt. Mit Fotovoltaikanlagen, die
50-Hz-Drehstrom produzieren, wird dieser direkt dort erzeugt, wo er genutzt wird. Die 50-Hz-Fotovoltaikanlagen
versorgen so die Gebäude und Betriebsanlagen mit grünem Strom.
Ausbau erneuerbarer Energie
Die Eigenproduktion von nachhaltigem Strom steht im Mittelpunkt der ambitionierten Klimaschutzstrategie der ÖBB. Bis
2030 wird weiterhin verstärkt in den Ausbau erneuerbarer Energie investiert. Seit über 100 Jahren ist der ÖBB-Konzern
Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Bereits rd. ein Drittel des Bahnstroms produziert die ÖBB-Infrastruktur AG aus
Wasserkraft selbst.
Beim Bau von neuen Kraftwerken wird darauf geachtet, dass zusätzliche Beeinflussungen minimiert werden bzw. die
Bedingungen für die Erreichung des guten ökologischen Zustandes wiederhergestellt werden. In bestehenden
Kraftwerken wurden Fischaufstiegshilfen errichtet und die Maßnahmen des nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans
werden umgesetzt.
Ziel
KPI
Ambition Zieljahr
2022
2021
Ausstieg aus Ölheizanlagen bis 2030
(Basis 2019: 256 Stück)
Anzahl
Ölheizanlagen
0
221
233
Ausstieg aus Fossilgas-Heizanlagen bis 2034
(Basis 2022: 1.268 Stück)
Anzahl fossile
Gasheizanlagen
0
1.268
n / a
Steigerung des Elektrifizierungsgrades
auf 85% bis 2030 und auf 89% bis 2035
% elektrifiziertes
Streckennetz
85% / 89%
74
74
Steigerung der ÖBB Eigenproduktion
aus erneuerbaren Energien auf 40%
im Bahnstrombereich bis 2030
% Anteil
erneuerbarer
Energie am
Bahnstrom
40%
26%
37%
Steigerung der Energieeffizienz um
mehr als 30% bis 2030 (Basisjahr 2017)
kWh / Zug-km 2,15
2,86
3,07
100% Elektrifizierung der
Pkw-Fahrzeugflotte Straße bis 2030 (Klasse M1)
% E-Fahrzeuge
Straße (Klasse M1)
100%
12,34%
8,44%
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
65
Mit dem Projekt Kraftwerk Tauernmoos – Errichtung eines Pumpspeicherkraftwerkes mit einer Leistung von 170 MW –
kann das bisher nicht verwendete energetische Potenzial zwischen den beiden größten bestehenden Stauseen
Tauernmoossee und Weißsee genutzt werden. Durch das Pumpspeicherkraftwerk mit einer zusätzlichen Jahresproduktion
von ca. 16 GWh werden keine weiteren Gewässer belastet.
Mit dem Projekt „Kraftwerk Obervellach II“ werden unter Berücksichtigung der europäischen wasserwirtschaftlichen
Rahmenbedingungen die bestehenden Kraftwerke Obervellach und Lassach ersetzt. Die Wasserkraftwerke Obervellach
und Lassach, welche über 90 bzw. 100 Jahre in Betrieb waren und das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht haben,
wurden deshalb im Mai 2022 bzw. im November 2021 außer Betrieb genommen. Die neue Kraftwerksanlage wird nach
Instandsetzung eine Jahresenergieproduktion von rd. 125 Gigawattstunden (GWh) aufweisen, womit am Standort in
Kärnten eine Erhöhung der Stromproduktion um mehr als 35% erreicht wird.
Das Reinvestitionsvorhaben „Kraftwerk Spullersee, Standortoptimierung” leistet ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur
Erreichung dieser strategischen Ziele. Das Kraftwerk wurde dem größten Umbauvorhaben seiner rd. 100-jährigen
Geschichte unterzogen. Mit der Erneuerung der Druckrohrleitung und der Stollenrohrleitung wurde das Kraftwerk im Jahr
2021 auf den Stand der Technik gebracht und die Bahnstromversorgung in Vorarlberg abgesichert. Zudem erfordert das
zunehmende Schienenverkehrsaufkommen und insbesondere die Verdichtung des Schienenverkehrs (Taktfahrplan) die
Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Bahnstromsystems. Das Kraftwerk Spullersee nutzt heimische Wasserkraft und wird
zur Lieferung von umweltfreundlichem CO
2
-freiem Bahnstrom als Treibstoff für die „grüne Bahn“ eingesetzt.
Neben den Projekten zum Ausbau der Wasserkraft forciert die ÖBB-Infrastruktur AG auch den Ausbau bahneigener
Fotovoltaik- und Windkraftanlagen. Im Bereich der 50-Hz-Fotovoltaikanlagen wurde das 2020 gestartete
Ausbauprogramm konsequent fortgesetzt. Zusätzlich zu den mit Ende 2021 39 bestehenden Anlagen mit einer
Jahresstromproduktion von ca. 4.300 MWh wurden 2022 23 50-Hz-Anlagen mit einer Jahresstromproduktion von
ca. 2.600 MWh errichtet.
Im Bereich der 16,7-Hz-Fotovoltaik-Technologie haben die ÖBB Pionierarbeit geleistet. 2015 ging die weltweit erste 16,7-
Hz-Bahnstrom-Fotovoltaikanlage in Wilfleinsdorf (NÖ) in Betrieb. 2020 kamen zwei weitere Bahnstrom-Fotovoltaikanlagen
hinzu: eine Aufdachanlage und ein Pilotprojekt einer Fotovoltaikanlage an einer Schallschutzwand. 2021 wurden zwei
weitere Bahnstrom-Fotovoltaikanlagen auf Freiflächen (NÖ) sowie eine Aufdachanlage (W) mit einer Gesamtleistung von
4.361 kWp errichtet. Insgesamt befinden sich sechs Bahnstrom-Fotovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 5.477
kWp im Einsatz. Der Fotovoltaikausbau soll in den nächsten Jahren fortgesetzt werden.
Zudem wurde im Herbst 2022 die weltweit erste 16,7-Hz-Prototyp-Windkraftanlage mit ca. 3 MW und einer Produktion
von 6,75 GWh in Betrieb genommen, welche direkt in die Oberleitung der Ostbahn (Wien – Budapest) einspeist. Auf Basis
der Betriebserfahrung dieser Pilotanlage können weitere Windkraftanlagenstandorte entwickelt werden.
Elektrifizierung
Mittels eines mehrstufigen Elektrifizierungsplans soll der Elektrifizierungsgrad bis 2030 auf 85% angehoben werden. Für
Nebenstrecken und Verschubbereiche, deren Elektrifizierung aus wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar ist, soll die
aktuelle Dieselflotte schrittweise durch alternative Antriebstechnologien ersetzt werden. Hierbei ist ein laufender Abgleich
zwischen verfügbarer Technologie und Wirtschaftlichkeit von alternativen Antriebstechnologien im Kontext zu
Elektrifizierungen vorgesehen.
Energieeffizienz
Nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen ist das Thema Energieeffizienz für den ÖBB-
Infrastruktur-Konzern von zentraler Bedeutung. Für die Zukunft stellen Optimierungen im Bereich Gebäude und Anlagen
einen wichtigen Hebel zur Verbesserung der Energieeffizienz dar. Die positiven Resultate zeigen sich in der Reduktion der
Energiekosten und dem Schutz der Umwelt durch verminderten Emissionsausstoß. Damit und mit der Umstellung der
Bahnstromversorgung sowie der Drehstromversorgung auf 100% erneuerbare Energieträger leistet der ÖBB-Infrastruktur-
Konzern einen wichtigen Beitrag zu den Klimaschutzzielen Österreichs und zur Sicherung unseres Lebensraums.
Beispiele der umgesetzten Energieeffizienzmaßnahmen 2022:
– Wärme
Gebäudesanierung – Sanierung von 20 Gebäuden
– Diesel
– Elektrifizierungen (Klagenfurt Hbf – Weizelsdorf, Marchegger Ostbahn)
– Erhöhung der Anzahl von Elektrofahrzeugen auf 229 Stück
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
66
Ausstieg aus ölbefeuerten Heizanlagen bis 2030
Die ÖBB-Infrastruktur AG verfügt Ende 2022 noch über insgesamt 221 ölbefeuerte Heizanlagen in ihren
Bestandsgebäuden. Seit 2019 wurden bereits 35 Anlagen umgebaut.
Die Reihenfolge und die Anzahl der bestehenden ölbefeuerten Heizanlagen, welche bis zum Geschäftsjahr 2030 auf
Alternativenergieträger umgebaut werden, wurde in Abhängigkeit ihres Baujahres festgelegt.
Folgende alternative Energieträger sind unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und der zu erwartenden
Anschluss-, Installations- und Betriebskosten anstelle der ölbefeuerten Heizanlagen vorgesehen:
– Nah- bzw. Fernwärme – bei Vorhandensein eines örtlichen Verteilungsnetzes
– Wärmepumpen – Umgebungswärme und Strom als Energieträger (Luft / Wasser, Sole / Wasser oder Wasser / Wasser)
mit Fußbodenheizung oder Niedertemperaturkonvektoren
– Pellets – Feststoffheizung unter Verwendung des Öltankraumes als Pelletsspeicher mit bestehenden Heizkörpern
– Infrarotpaneele – elektrisch betriebene Heizflächen bei einem sehr geringen Heizwärmebedarf
Ausstieg aus Fossilgas-Heizanlagen bis 2034
Angesichts der politischen Lage und der steigenden Gaspreise folgt nach dem Ausstieg aus Heizöl der Ausstieg aus dem
Erdgas. Es sind weiterhin Gesetzgebungen und Förderungen zu erwarten, welche den Ausstieg aus fossilem Gas
unterstützen. Dabei bestehen wesentliche Chancen zu Zentralisierungen von Heizsystemen und zum Umstieg auf
Niedertemperatursysteme. Außerdem sind angesichts der Zertifizierungen von Netzstrom und den relativ hohen
Treibhausgasemissionen bei der Verbrennung von Erdgas erhebliche Einsparpotenziale von Treibhausgasemissionen bei
einem entsprechenden Energieträgerwechsel zu erwarten.
Grüne Immobilien
Der Gebäudebestand der ÖBB soll in Hinblick auf mögliche Optimierungspotenziale evaluiert und entsprechend der
konzernweiten Nachhaltigkeitsstrategie sukzessive erneuert werden, damit das Ziel der Klimaneutralität mit 2040 erreicht
werden kann. Neben den technischen Potenzialen werden die strategische Ausrichtung der Produktportfolios und die
verwaltungstechnischen Gegebenheiten berücksichtigt. Es sollen im Rahmen von drei Pilotprojekten in Bad Aussee, Graz
und Wörgl eine Methodik zur ganzheitlichen Bewertung des Bestandes entwickelt, relevante Kennzahlen definiert und
Prozesse für die Auswahl von Energieeffizienzmaßnahmen erstellt werden.
Aufgrund der COVID-19-Situation und der sehr hohen Auslastung der ausführenden Unternehmen sowie der
Lieferengpässe konnten die Umsetzungstermine der Pilotvorhaben nicht eingehalten werden und es kam daher zu einer
Projektverzögerung. Der Pilotstandort in Bad Aussee wurde im Jahr 2022 fertiggestellt. Die Fertigstellung der weiteren
Bauvorhaben (Wörgl und Graz) ist im Jahr 2023 vorgesehen.
Als nächste Schritte wird die Bewertungsmethodik unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus den Pilotvorhaben
weiterentwickelt.
Wichtige Energiekennzahlen auf einen Blick
Energiebedarf
1)2)
in GWh
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Bahnstrom
16,6
31,6
-
15,0
-
47%
Drehstrom 239,6
230,7
8,9
4%
Erdgas
74,8
74,1
0,7
1%
Fernwärme und Fernkälte
47,6
49,1
-
1,5
-
3%
Feste und flüssige Brennstoffe 18,0
20,3
-2,3
-11%
Treibstoff (Schienen
-
und Straßenfahrzeuge)
3)
64,5
58,1
6,4
11%
Gesamtenergiebedarf 461,1
463,9
-2,8
-1%
EE
-
Anteil Bahnstrom in %
100
100
0
0%
EE-Anteil Drehstrom in % 100
100
0
0%
Strom aus unbekannten Quellen in %
0
0
0
0%
1)
Die Zahlen für den Energiebedarf umfassen den gesamten ÖBB-Infrastruktur-Konzern. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2022 folgende Energieträger in die
Berichterstattung zusätzlich mit aufgenommen: Diesel für Verschubloks (Treibstoffe für Schienen- und Straßenfahrzeuge sind inkludiert). Zusätzlich zu diesen
Änderungen kommt es auch zu Sprüngen in den Verbrauchswerten aufgrund unterschiedlicher Witterungsverläufe und Anlagennutzungen. Bahnstrom-
Energieverluste innerhalb der Organisation werden hier nicht abgebildet, sondern im Gesamtkonzern dargestellt (ÖBB Nachhaltigkeitsbericht 2022).
2)
In der Tabelle der Leistungsindikatoren (Kapitel C.1.) befindet sich der durch die ÖBB-Infrastruktur AG bereitgestellte Bahnstrom. Der Großteil davon wird von
Eisenbahnverkehrsunternehmen (z. B. ÖBB-Personenverkehr AG) zur Traktion von Zügen eingesetzt. Der Bahnstrombedarf in der Tabelle der nichtfinanziellen
Erklärung (Kapitel G.3.) widerspiegelt den Eigenbedarf der ÖBB-Infrastruktur AG für die Bereitstellung der Infrastruktur – ein Beispiel hierfür ist der
Bahnstrombedarf von Weichenheizungen. Dieser ist ein kleiner Teil des insgesamt bereitgestellten Bahnstroms. Folglich weichen die beiden Werte voneinander ab.
3)
2022 wurde zusätzlich der Dieselverbrauch der Verschubloks in den Gesamtemissionen miteinbezogen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
67
Treibhausgasemissionen
Um die ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen, verfolgt der ÖBB-Konzern eine schrittweise
Dekarbonisierungsstrategie entlang der drei Bereiche Mobilität, Gebäude und Scope-3-Emissionen. Die gesamtheitliche
Steuerung liegt bei der ÖBB-Holding AG, Reduktionsmaßnahmen werden von den Teilkonzernen eingemeldet und
eigenverantwortlich umgesetzt.
Die Einteilung von Treibhausgasemissionen in Scopes basiert auf dem „Greenhouse Gas Protocol“. Scope-1-Emissionen
umfassen alle direkten Emissionen eines Unternehmens v. a. aus Verbrennungsprozessen (beispielsweise Verbrennung von
Treibstoffen oder Erdgas). Scope-2-Emissionen beinhalten indirekte Emissionen, die durch die Erzeugung
leitungsgebundener Energieträger entstehen – also von eingekauftem Strom, Dampf, Wärme oder Kälte. Scope-3-
Emissionen umfassen alle anderen indirekten Treibhausgasemissionen, die entlang der Wertschöpfungskette eines
Unternehmens verursacht werden (beispielsweise durch beschaffte Waren und Dienstleistungen, bei der Abfallentsorgung
oder durch Geschäftsreisen).
Treibhausgasemissionen
in Tonnen CO
2
-eq
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Erdgas
14.993
14.808
185
1%
Feste und flüssige Brennstoffe
4.714
5.464
-
750
-
14%
Treibstoff (Schienen
-
und Straßenfahrzeuge)
1)
16.480
14.730
1.750
12%
Kältemittel 967
1.007
-40
-4%
SF6
0
0
0
0%
Scope 1 37.154
36.009
1.145
3%
Bahnstrom
0,62
0,00
0,62
100%
Drehstrom 1.164
0
1.164
100%
Fernwärme und Fernkälte
6.265
6.849
-
584
-
9%
Scope 2
2)
7.430
6.849
581
8%
Gesamtemissionen
3)
44.584
42.858
1.726
4%
1)
2022 wurde zusätzlich der Dieselverbrauch der Verschubloks in den Gesamtenemissionen miteinbezogen.
2)
Scope 2 market-based Werte. Die marktbasierte Methode spiegelt Emissionen aus Strom wider, den Unternehmen bewusst - mittels vertraglich geregelter
Instrumente - gewählt haben (z. B. Grünstrom). Die standortbasierte Methode (Scope 2 location-based) hingegen spiegelt die durchschnittliche Emissionsintensität
eines Energieträgers in der jeweiligen Region wider (Verwendung durchschnittlicher Emissionsfaktoren, z. B. des jeweiligen Landes). Die Scope 2 location-based
Werte (Emissionsfaktoren Stand GJ 2022 [AT]) betragen 22.380 t CO
2
-eq. (2022) bzw. 17.814 t CO
2
-eq (2021).
3)
Scope 1 und Scope 2 market based. Für die Berechnung verwendete Emissionsfaktoren entsprechen den jeweils aktuell verfügbaren Emissionsfaktoren des
Umweltbundesamts (Stand 2020). Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2021 folgende Energieträger in die Berichterstattung zusätzlich mit aufgenommen:
Flüssiggas- und Hüttenkoksverbrauch, Fernkälte, Dieselverbrauch schienengebundener Fahrzeuge, externes Carsharing, SF6- und Kältemittelverluste. Zusätzlich zu
diesen Änderungen kommt es auch zu Sprüngen in den Verbrauchswerten aufgrund unterschiedlicher Witterungsverläufe und Anlagennutzungen. Emissionen aus
biogenen Energieträgern – diese sind nicht in der obigen Tabelle enthalten – betragen 3,5 t CO
2
-eq (2022) bzw. 4,0 t CO
2
-eq (2021).
Kältemittel und SF6
Klimaanlagen werden beim ÖBB-Infrastruktur-Konzern für Gebäudekühlung (z. B. Büros), zur Kühlung von Technikräumen
(Telekommunikation, Leit- und Sicherungstechnik etc.) sowie in Tunnelbauwerken (Querschläge, Notausgangsbauwerke
etc.) eingesetzt. Die Kältemittel sind für die Aufrechterhaltung des Betriebes der Klimaanlagen notwendig und werden im
Zuge der Inbetriebnahme gefüllt und hermetisch abgedichtet und verbleiben bis zum Abbruch der Klimaanlage im System.
Im Zuge eines Rückbaues werden die Kältemittel aus dem System abgesaugt und den rechtlichen Erfordernissen
entsprechend entsorgt oder wiederverwendet. Die Klimaanlagen werden regelmäßig gewartet und instandgehalten.
Kommt es während des Betriebes zu Undichtheiten im Kältekreis der Klimaanlage, so müssen diese Kältemittel für den
einwandfreien Betrieb der Klimaanlagen nachgefüllt werden.
Im Bereich von Mittelspannungsschaltanlagen 50 Hz und Hochspannungsschaltanlagen 16,7 Hz ist der ÖBB-Infrastruktur-
Konzern u. a. auf die Verwendung von Schwefelhexafluorid (SF6-Gas) angewiesen. Die kompakte Bauweise und die
Unempfindlichkeit dieser Anlagen gegenüber äußeren Einflüssen sind vor allem beim Einsatz in Tunnelprojekten
(z. B. Semmering-Basistunnel, Koralmtunnel etc.) von essenzieller Bedeutung.
Mittels Dichtewächter wird die Gasdichte
in elektrischen Geräten überwacht. Im Regelbetrieb treten keine Emissionen auf, da es sich um geschlossene Systeme
handelt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
68
Scope 3
Die konzernweite Erfassung und Reduktion der Scope-3-Emissionen erforderten ein strukturiertes Vorgehen. Dieser
Prozess erfolgt zentral gesteuert durch die ÖBB-Holding AG und unter Mitwirkung der ÖBB Teilkonzerne. Einige dieser
Scope-3-Emissionen sind mit gezielten Maßnahmen gut direkt von den ÖBB beeinflussbar, bei anderen sind die ÖBB vom
Markt und / oder von technologischen Entwicklungen abhängig. Deswegen werden unterschiedliche Anwendungstiefen
für mögliche Scope-3-Treibhausgas-Reduktionsziele festgelegt. Acht der fünfzehn Scope-3-Teilkategorien des Greenhouse
Gas Protocols sind für den ÖBB-Konzern relevant – vier davon werden bereits seit 2021 mit der konzernweiten THG-Bilanz
detailliert berichtet –, die restlichen Teilkategorien werden vorerst in einer Bandbreite dargestellt. Die Erweiterung mit
Detaildaten ist schrittweise geplant. 2022 wurde die Ermittlung der Datengrundlage für die Vertiefung dieser restlichen
Scope-3-Teilkategorien gestartet – v. a. für die Beschaffung von Kapital- u. Verbrauchsgütern bzw. Dienstleistungen. Bis
Ende 2023 ist die Erstversion eines Dekarbonisierungspfades für die Scope-3-Emissionen des ÖBB-Konzerns geplant.
Angaben zu Scope-3-Emissionen des ÖBB-Konzerns liegen also bereits vor, weitere Vertiefungen sind in Erarbeitung. Erste
Maßnahmen (z. B. bezüglich nachhaltiger Beschaffung oder Kompensation von dienstlich notwendigen Flugreisen)
werden bereits laufend umgesetzt.
Fuhrparkmanagement
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern nutzt zum 31.12.2022 eine Flotte von 3.313 Kraftfahrzeugen und 2.169
schienengebundenen Fahrzeugen. Durch Bündelung der Agenden des Fuhrparkmanagements in der Tochtergesellschaft
Rail Equipment GmbH & Co KG wird ein effizienter Einsatz der Ressourcen sichergestellt. Die Rail Equipment GmbH &
Co KG ist Fuhrparkmanager, Fahrzeugkomplettanbieter und Servicedienstleister für straßengebundene Fahrzeuge des
ÖBB-Konzerns und schienengebundene (Spezial-)Fahrzeuge des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Die Rail Equipment GmbH &
Co KG unterstützt ein Gesamtmobilitätsangebot für Bahn- und Buskunden (erste / letzte Meile).
Carsharing
Durch ein konzerninternes Carsharingangebot wird die Auslastung der Dienstkraftfahrzeuge optimiert. Derzeit stehen den
Mitarbeiter:innen 534 Fahrzeuge an über 90 Stationen für dienstliche Fahrten zur Verfügung.
Davon stehen unter der Marke „ÖBB Rail&Drive” an 44 Stationen 380 Fahrzeuge, davon 53 Elektrofahrzeuge, und 23
Elektroladestationen den Bahnkund:innen zur Verfügung. Die Zielsetzung ist eine Vereinfachung des Zugangs zum System
Bahn, die Erhöhung der Kund:innenzufriedenheit sowie die Steigerung der intermodalen Wettbewerbsfähigkeit. Aufgrund
der positiven Entwicklung wird das Carsharingangebot laufend weiterentwickelt sowie durch Kooperationen ausgebaut
und erweitert.
ÖBB Rail&Drive-Standorte
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
69
E-Mobility
Elektromobilität soll die Funktionalität der Verkehrsstation als multimodalen Mobilitätshub erweitern. Dabei wird die
Anzahl der E-Pkw in den nächsten Jahren maßgeblich steigen. So konnte in den vergangenen Jahren durch die laufende
Erneuerung des Fuhrparks, der CO
2
-Ausstoß kontinuierlich verringert werden. Mit Ende 2022 sind fast ausschließlich
Fahrzeuge mit Euro-6-Motoren in Betrieb, die E-Fahrzeugflotte wird laufend erweitert.
Um diese positive Entwicklung weiter voranzutreiben, wird in der Beschaffung von Kraftfahrzeugen ein besonderes
Augenmerk auf Ökologisierung des Fuhrparks gelegt. Es wurden Kriterien für Emissionen (sowohl CO
2
als auch NO
X
) und
Treibstoffverbrauch vorgegeben und bewertet. Damit wird gewährleistet, dass der Kfz-Fuhrpark des ÖBB-Infrastruktur-
Konzerns auch zukünftig ökologisch ausgerichtet und mit modernster Motorentechnologie ausgestattet ist. Nach
Möglichkeit werden vorzugsweise Elektro- bzw. Hybridfahrzeuge beschafft.
Die E-Fahrzeugflotte des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns umfasst zum Ende des Geschäftsjahres 2022 229 Elektrofahrzeuge,
53 davon werden im Rahmen des österreichweiten Carsharingangebots „ÖBB Rail&Drive“ angeboten. Darüber hinaus sind
derzeit 128 Elektrofahrräder in Verwendung. Die Dekarbonisierung der Kfz-Flotte wird durch vermehrten Einsatz von
Fahrzeugen mit alternativer Antriebstechnologie vorangetrieben. Um eine weitere Senkung des CO
2
-Ausstoßes zu
erreichen, ist bis Ende 2023 eine Vergrößerung der Elektrofahrzeugflotte auf bis zu 380 Fahrzeuge im Gesamtkonzern
geplant.
Schienenfahrzeuge
Zur Sicherstellung der Anlagenverfügbarkeit, der Durchführung von Instandhaltungs- und Montagearbeiten sowie der
sicheren Betriebsführung, werden im Bestandsnetz schienengebundene Fahrzeuge eingesetzt. Da in den nächsten Jahren
einzelne Fahrzeugtypen das Ende der technischen Lebensdauer erreichen, wurden umfangreiche Beschaffungsprogramme
gestartet.
Es handelt sich dabei um die Beschaffung von
– 50 Hochleistungsinstandhaltungsfahrzeugen und 6 Steuerwagen,
– 18 Rettungszügen sowie
– 90 Schotterwagen,
die in den Jahren 2023 bis 2028 geliefert werden.
Durch diese Beschaffungen können bestehende dieselbetriebene Schienenfahrzeuge substituiert werden. Die Fahrzeuge
sind mit einem innovativen Elektro-Hybrid-Antrieb ausgestattet, wodurch künftig eine wesentliche Reduktion des
Treibstoffverbrauchs erreicht werden kann.
Wichtige Kennzahlen zum Fuhrpark auf einen Blick
Fuhrpark ÖBB-Infrastruktur-Konzern
in Stück
2022
2021
Veränderung
Veränderung
in %
Anzahl Schienenfahrzeuge
2.169
2.214
-
45
-
2%
Anzahl Lkw mit 3,5 Tonnen
136
142
-
6
-
4%
Anzahl Lkw mit weniger 5 Tonnen
17
17
0
0%
Anzahl Lkw mit über 5 Tonnen 26
24
2
8%
Anzahl Kraftfahrzeuge gesamt
3.313
3.325
-
12
0%
Anzahl Fahrzeuge mit Emissionsklasse Euro 4 3
5
-2
-40%
Anzahl Fahrzeuge mit Emissionsklasse Euro 5
33
42
-
9
-
21%
Anzahl Fahrzeuge mit Emissionsklasse Euro 6
3.277
3.278
-
1
0%
davon Anzahl E-Fahrzeuge mehrspurig 229
168
61
36%
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
70
Anpassung an den Klimawandel
Die klimatischen Änderungen, seien es Änderungen des Niederschlagsmusters (intensiverer Niederschlag, Regen, Schnee
etc. in einem bestimmten, tendenziell kürzeren Zeitintervall), der Anstieg der Durchschnittstemperaturen, die Zunahme an
Windgeschwindigkeiten oder die Änderung in Bezug auf Häufigkeit und Intensität von Wetterereignissen, können sich
auch auf den gesamten Bahnkörper sowie auf das bahnnahe Umfeld (Böschungen, Lehnen, Wildbach- und
Lawineneinzugsgebiete etc.) und damit letztendlich auf den Bahnbetrieb auswirken. Die sichere Bahnbetriebsführung, ein
Optimum an Streckenverfügbarkeit und die Minimierung von Anlagenstörungen sind eine Grundvoraussetzung, damit die
ÖBB ihre Mobilitätsdienstleistungen anbieten können. Auch die Bahninfrastruktur muss sich daher an die Auswirkungen
des Klimawandels anpassen. Um die Anpassung an den Klimawandel bestmöglich zu unterstützen, ist neben der
Umsetzung von Präventivmaßnahmen auch die Etablierung von Monitoring- und Frühwarnsystemen von großer
Wichtigkeit.
Zielsetzungen
– Gezielte Entwicklung und Erweiterung von geeigneten Vorbeugemaßnahmen
– Einführen von Monitoring- und Frühwarnsystemen, um Gefahren frühzeitig und rasch zu erkennen und effizient zu
informieren
– Umsetzung der bereits definierten einheitlichen Vorgehensweise bei Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten im Gleis
bei hohen Temperaturen
– Erhalt und Pflege der Fläche an bewirtschaftetem Schutzwald
– Bedarfsgerechtes Anlagenmanagement bei Steinschlag- und Lawinenverbauungen
Wesentliche Grundlagen für die Anpassungs- und Verminderungsmaßnahmen sowohl im organisatorischen als auch im
technischen wie im normativen Bereich wurden bereits 2012 im Rahmen des Forschungsprojektes „KLIWA” gemeinsam
mit dem Umweltbundesamt und dem Institut für Meteorologie der Universität für Bodenkultur gelegt. Weitergeführt
wurden die Forschungsarbeiten im Zuge der Verkehrsinfrastrukturforschung mit dem Projekt „clim_ect, Klimawandel und
Auswirkungen auf Naturgefahren“, das 2021 abgeschlossen wurde. Mithilfe der Projektergebnisse können Aussagen zur
Eintrittswahrscheinlichkeit eines wetterbedingten Schadensereignisses getroffen werden. Dies gelingt mit der
Überschneidung der meteorologischen Daten inklusive Wetterbeobachtungen und einer konkreten kleinräumigen
Bezugsebene. Damit können zukünftig Gefährdungskorridore auf der Schieneninfrastruktur identifiziert und präventive
Handlungen gesetzt werden. Außerdem wurde 2021 ein weiteres Projekt zur Anpassung an den Klimawandel, zur
Prognose von Extremwetterereignissen und zu den Auswirkungen des Klimawandels auf das Primärenergiedargebot zur
Versorgung des Bahnverkehrs gestartet.
Je nach regionalen und lokalen Gegebenheiten können insbesondere kleinräumige, stärkere Niederschlagsereignisse
vermehrt zu Hochwasser und Überschwemmungen, Muren oder Hangrutschungen führen. Punktuelle Aussagen zu
klimawandelbedingten Veränderungen sind jedoch sehr schwierig zu treffen, da speziell diese lokal begrenzten
Extremwetterereignisse, die große Folgeschäden nach sich ziehen, nur schwer vorhergesagt werden können.
Durch die Verwendung von Niederschlagsdaten wird das Ziel verfolgt, bestmöglich die aktuellen Grundlagen für die
Dimensionierung von Entwässerungsanlagen zu verwenden. Für die Dimensionierung von Entwässerungsanlagen werden
daher Niederschlagsdaten verwendet, die möglichst aktuell und auch laufend aktualisiert werden. Diese
Niederschlagsdaten werden vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft per
Internetabfrage bezogen.
Auch Schäden an Bahnanlagen und Streckenunterbrechungen durch Stürme sind künftig vermehrt möglich. Zudem
können durch Hitze- und Wasserstress oder durch Schädlinge die Schutzfunktion der Wälder beeinträchtigt werden. Das
Naturgefahrenmanagement umfasst dabei auch forstliche Tätigkeiten zur Sicherstellung der Schutzwaldfunktion in den
alpinen Bereichen sowie zur Gewährleistung eines sicheren und ungestörten Bahnbetriebs, da ungeeigneter Bewuchs im
Bahnumfeld den Bahnbetrieb negativ beeinflussen kann. Insgesamt besitzt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern 4.239 ha Wald
in ganz Österreich (davon 3.370 ha Schutzwald, der weiterhin gleichbleibend groß ist).
Um die Bahninfrastruktur vor Hangrutschungen, Muren oder Lawinen zu schützen, sind ein funktionsfähiger und stabiler
Schutzwald sowie Steinschlag- und Lawinenverbauungen von großer Bedeutung.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2022
2021
Steinschlag
-
und Lawinenverbauungen in km
204
202
Ein weiteres mögliches Risiko sind Gleisverwerfungen, welche sich in Zukunft aufgrund der Zunahme an Hitzetagen und
steigenden Tageshöchsttemperaturen erhöhen könnten. Entsprechende Vorbeugemaßnahmen wie etwa der Versand von
Hitzewarnungen über das Wetterwarnsystem infra:wetter sowie darauf basierende Maßnahmen zur Schadensvorbeugung
und ein einheitlich definiertes Vorgehen bei Arbeiten im Gleis wurden bereits gesetzt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
71
Im Hinblick auf den Klimawandel sind insbesondere jene Maßnahmen von Bedeutung, die darauf abzielen, auf mögliche
Folgewirkungen vorbereitet zu sein. Effektive Präventivmaßnahmen oder auch Monitoring- und Frühwarnsysteme, welche
aufkommende Gefahren frühzeitig erkennen und rasch und effizient darüber informieren, sind in diesem Zusammenhang
von großer Bedeutung. Auf diese Weise können rechtzeitig die notwendigen Schritte eingeleitet und mögliche Schäden
abgewehrt bzw. vermindert werden. Dadurch wird ein entscheidender Beitrag für die sichere Bahnbetriebsführung sowie
ein Optimum an Streckenverfügbarkeit geleistet.
Im Folgenden werden einzelne Maßnahmen beschrieben.
Infra:wetter
Infra:wetter ist ein streckenbezogenes Wetterwarnsystem, das den User:innen Informationen über Großwetterlagen und
regionale meteorologische Verhältnisse sowie auch eine Vorschau auf die kommenden 72 h bietet. Zusätzlich können über
infra:wetter Warnungen, beispielsweise Starkregen, Gewitter, Schneemengen etc. in verschiedenen Intensitätsstufen per
E-Mail oder SMS versendet und den Nutzer:innen je nach Anforderungswünschen an Warnstufen und Sendezeiten
zugestellt werden. Damit kann eine bestmögliche Vorbereitung und Planung auf die vorhergesagten Wetterszenarien
erfolgen.
Die Wetterdaten, welche teilweise auch von ÖBB-eigenen, bahnstreckenspezifisch angeordneten, Wetterstationen
bezogen werden, werden von einem privaten Wetterdienst aufbereitet und auf der ÖBB-eigenen infra:wetter-Plattform
zur Verfügung gestellt. Alle Berechtigten haben so jederzeit Zugriff auf aktuelle meteorologische Informationen. Neben
einzelnen Wetterstationsdaten können auch Radardaten abgefragt und angezeigt werden. In einer eigenen
Verfahrensanweisung ist der Versand von laufend aktuellen Wetterwarnungen per SMS und E-Mail geregelt.
Da eine Zunahme der Extremwetterereignisse wie etwa extreme Temperaturspitzen im Winter und im Sommer sowie
kurzfristigeres Auftreten von abwechselnden Wetterlagen, insbesondere bei Starkregen und Stürmen sowie bei Gewittern,
beobachtet werden, sind für das infra:wetter folgende Weiterentwicklungsmaßnamen bereits umgesetzt worden:
– Entwicklung einer mobilen infra:wetter-Version
– Vorhersagen für Schneeverwehungen und möglichen Windbruch bei Bäumen
– Einführung von Schwellenwerten für Hitzewarnungen in den Sommermonaten
– Bedarfsgerechte Anpassungen der derzeitigen Schwellenwerte für die unterschiedlichen Warnungen aufgrund von
Analysen und Auswertungen
Naturgefahrenhinweiskarte
In der Naturgefahrenhinweiskarte werden entlang des ÖBB Streckennetzes die Ergebnisse der bundesweit standardisierten
und objektiv erhobenen potenziellen Gefährdungsbereiche durch Naturgefahren, insbesondere von Steinschlag und
Wildbachereignissen, dargestellt.
Für jene Strecken, für die eine generelle Exposition aus Naturgefahrenprozessen vorliegt, werden die Einzugsgebiete der
unterschiedlichen Prozesse sowie vorhandene Schutzverbauungen mit standardisierten Aufnahmeblättern erhoben und
dokumentiert. Den Felderhebungen werden numerische semiquantitative Einwirkungsberechnungen vorangestellt, im
Zuge der Vororterhebung werden eventuell ergänzende Feststellungen vorgenommen. Zusammen mit der Exposition des
Bauabschnittes gegenüber dem Naturgefahrenprozess wird pro potenzieller Gefahrenstelle eine Hinweiskategorie
kommissionell durch ÖBB-eigene Fachleute festgelegt. In Bezug auf Wildbachprozesse werden zusätzlich die
Bahndurchlässe in ihrer Form und Größe aufgenommen, da diese darüber entscheiden, ob Ereignisse schadlos ab- bzw.
durchgeführt werden können.
Die vollständige Erhebung der potenziellen Gefahrenstellen an den in Bezug auf Naturgefahren sensibelsten
Streckenabschnitten ist für die Prozesse Steinschlag und Wildbach bis Jahresende 2019 abgeschlossen worden. 2022
wurde die Naturgefahrenhinweiskarte fertiggestellt, inklusive der kommissionellen Festlegungen der Hinweiskategorien
und daraus allenfalls erforderlichen Maßnahmendefinitionen. In den laufenden Jahren soll im Zuge des regelmäßigen
Prozesses der Anlagenerrichtung und Anlageninstandhaltung die Naturgefahrenhinweiskarte bedarfsgerecht
fortgeschrieben werden. Gleiches gilt auch für den inhaltlichen Abgleich mit Gefahrenzonenplänen der Wildbach- und
Lawinenverbauung.
Dieser strategische Überblick dient als Grundlage, um präventiv risikoreduzierende Maßnahmen, die technisch oder
organisatorisch sein können, zu implementieren. Aufgrund der fünfstufigen Kategorisierungen ist eine bedarfsgerechte
Prioritätenreihung möglich. In Kombination mit den infra:wetter-Warnungen können gezielt lokale kurzfristige betriebliche
Entscheidungen an Maßnahmensetzungen getroffen werden. Die Naturgefahrenhinweiskarte ist somit auch in Bezug auf
klimatische Änderungen eine wichtige Wissensgrundlage, um den hohen Sicherheitsstandard hinsichtlich des Schutzes vor
Naturgefahren zu erhalten.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
72
Hochwasserbetroffenheit
In Plänen, welche die Hochwasserbetroffenheit darstellen, werden im Sinne der Betriebssicherheit und
Streckenverfügbarkeit jene Streckenabschnitte dargestellt, an denen für die Bahnstrecken in Österreich eine potenzielle
Hochwasserbetroffenheit besteht. Bei den konkret betroffenen Streckenabschnitten ist ein technisches
Maßnahmenkonzept (Machbarkeitsstudie) hinterlegt, um als Grundlage für mittel- und langfristige Planungsprojekte zur
Verfügung zu stehen. Die Inhalte der Hochwasserbetroffenheit bilden dabei auch eine wesentliche Grundlage für die
Bewertung von Hochwasserschutzprojekten von Dritten, die einen Einfluss auf die Bahn haben können. U. a. werden die
Pläne bei den Verhandlungen von Beitragszahlungen mit Dritten herangezogen.
Vom Bund und den Bundesländern sowie diversen Ziviltechnikerbüros wurden und werden die aktuellen
Abflussuntersuchungen entlang des gesamten Streckennetzes eingeholt, für die Fragestellungen der ÖBB-Konzern
ausgewertet und – sofern entsprechend plausibilisiert – intern dargestellt. Dazu werden die Hochwasseranschlagslinien
und deren absolute Wasserspiegellage in Bezug zur Höhe des Bahndammes bzw. der Schienenoberkante verglichen. Bei
Bedarf werden mögliche Schutzmaßnahmen wie etwa Dammsicherungen, Retentionsräume etc. vorgeschlagen.
Sind infolge der Geländesituation und des Verlaufs der Bahntrasse keine oder nur verhältnismäßig umfangreiche
Maßnahmen zum Schutz der Bahn erforderlich, werden punktuell auch Hochwasserpegel errichtet. Diese sind in der Lage,
den Hochwasserstand zu messen, welcher per Fernübertragung sodann jederzeit am PC abgelesen werden kann. Ein
Beispiel hierfür ist an der Strecke Salzburg – Wörgl im Bereich Pass Lueg vorzufinden.
Präventive Baumentfernung – „Bahnniederwald“
Das Ziel der präventiven Baumentfernung liegt darin, die Beeinträchtigung der Bahn durch Äste oder umstürzende Bäume
bei Stürmen und Gewittern bestmöglich zu reduzieren und damit die Verfügbarkeit und Sicherheit weiter zu steigern.
Durch Auswertungen von Lichtraumscannerdaten werden Streckenabschnitte mit sehr nahe an der Bahn befindlichen
Bäumen detektiert. Unter Berücksichtigung des aktuellen Baumzustandes werden letztendlich die Streckenabschnitte
ausgewählt, an denen im Folgejahr die Bäume gefällt werden und dadurch der sogenannte „Bahnniederwald“ umgesetzt
wird. Größenordungsmäßig werden im Jahr 2022 ca. 120 km Bahnniederwald umgesetzt.
Ressourcenmanagement, Abfall, Fläche / Boden
Der achtsame und nachhaltige Umgang mit Ressourcen steht im Fokus des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Neben
Kreislaufwirtschaft gewinnen auch die Themen „Flächenverbrauch”, „Bodenversiegelung” und „Nachhaltige
Nutzungsformen” für nichtbetriebsnotwendige Bahnflächen weiterhin stark an Bedeutung. Der Bodenverbrauch liegt in
Österreich laut Regierungsprogramm weit über dem Zielwert. In den letzten Jahren ist das Straßennetz täglich um mehrere
Hektar pro Tag gewachsen, während das Schienennetz im Gegenzug geschrumpft ist. Dabei ist Eisenbahninfrastruktur
eine äußerst flächensparende Form der Transportinfrastruktur. Während man im motorisierten Individualverkehr pro
beförderter Person 100 m² Verkehrsfläche braucht, sind es bei der Bahn nur 7 m²
52
. Im Güterverkehr ist der Flächenbedarf
pro Kilometer Streckennetz auf der Straße dreimal höher als auf der Schiene
53
.
In Österreich ist das Straßennetz rd. 24-mal länger als das Schienennetz.
Die Gesamtfläche, die in Österreich für Verkehrsflächen versiegelt ist, beträgt rund 1.240 km
2
(das entspricht ca. der Hälfte
der Fläche des Bundeslandes Vorarlberg), wobei der Straßenverkehr 96% in Anspruch nimmt
54
. Der Anteil der ÖBB-
Verkehrsfläche an der Gesamtverkehrsfläche in Österreich beträgt nur 2,4%.
52
Allianz pro Schiene: Flächenverbrauch nach Verkehrsmittel (06/2020).
53
Verband der Anschlussbahnunternehmen (VABU).
54
VCÖ Presseaussendung (07/2021).
0,6
14,3
Schiene
Straße
Streckenlänge / Österreicher:in
[in m, Quellen: Statistik Austria 2020, VCÖ 2019]
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
73
Zielsetzungen
– Einnahme einer Vorreiterrolle im Bereich der Kreislaufwirtschaft und Unterstützung der Transformation Österreichs zu
einer nachhaltigen Wirtschaft
– Effizienter und nachhaltiger Einsatz und Management von Rohstoffen / Materialien und Produkten
– Reduktion der Bodenversiegelung und des Flächenverbrauchs
Fläche
Flächenbilanz der ÖBB-Infrastruktur AG*)
in km²
2022
2021
Gesamtfläche 189,4
189,6
Verwaltete Gebäudenettogrundfläche aller Gebäude (inkl. Verkehrsstationen)
8,3
8,3
Nettogrundfläche der Gebäude (ohne Verkehrsstationen)
2,6
2,6
Sonstige Freiflächen (Gärten, Wiesen, Böschungen etc.)
6,9
7,0
Park & Ride
-
Anlagen
1,3
1,3
*) Flächen in Verwaltung der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH.
Um die Landbedeckung und Nutzungspotenziale aller Bahngrundflächen, die sich im Besitz des ÖBB-Infrastruktur-
Konzerns befinden, besser abschätzen zu können, wurde mit dem Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und
Naturschutzplanung, Department Raum, Landschaft, Infrastruktur der Universität für Bodenkultur das Projekt
„Potenzialflächenanalyse“ durchgeführt, welches im Jahr 2021 abgeschlossen werden konnte.
Mittels diverser Satellitendaten und öffentlich verfügbarer Datenbanken, konnte ein genaues Bild der Landbedeckung auf
Bahngrund geschaffen werden. Fast 24.000 Grundstücke auf insgesamt über 18.800 ha in ganz Österreich wurden
analysiert.
Versiegelt: Park- und Verkehrsflächen, Gebäude; Semiversiegelt: Bahnschotterkörper, Schotterflächen; Unversiegelt: Grünland, Ackerland, Wald und Strauchflächen,
Gärten.
Quelle: Schauppenlehner, T., Hainz-Renetzeder, C., Lux, K., Frühwirth, R. (2022): Ermittlung der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Potentiale von ÖBB
Freiflächen – Endbericht. Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung, Universität für Bodenkultur, Wien. 75 S (im Auftrag der ÖBB-
Infrastruktur AG).
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
74
In Summe besitzt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern mehr unversiegelte Wald- und Wiesenfläche als versiegelte
Verkehrsfläche. Besonders hohe Waldanteile gibt es in den Bundesländern Tirol, Vorarlberg und Kärnten aufgrund der
wichtigen Schutzwaldfunktion für die Schieneninfrastruktur in den alpinen Streckenbereichen. In waldarmen Regionen
wie dem Burgenland, erhöhen die bahnbegleitenden Wälder auf Bahngrund die Landschaftsvielfalt. Aufgrund der höheren
Schienennetzdichte, der Hochleistungsstrecken und größeren Bahnhöfe finden sich in den Bundesländern Wien,
Niederösterreich und Oberösterreich hohe Bahntrassenanteile. In den Bundesländern Salzburg und Vorarlberg machen
auch Wasserflächen einen nennenswerten Anteil des Bahngrundes aus, da sich dort die großen Wasserkraftspeicherseen
für die Bahnstromproduktion befinden.
Darüber hinaus wurden verschiedene Fallbeispiele zur extensiven, nachhaltigen Landnutzung, wie Urban Gardening,
Beweidung, Energieerzeugung, etc. erarbeitet und visualisiert.
Um die Bodenversiegelung noch weiter zu reduzieren, hat der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ein Programm gestartet, in dem
Entsiegelungsmaßnahmen in den Regelwerken und im Rahmenplan evaluiert und erste Pilotprojekte ins Leben gerufen
werden.
Abfallwirtschaft und Ressourcenmanagement
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist als Bauherr von großen Infrastrukturvorhaben, aber auch im Zuge der Instandhaltung
von bestehenden Infrastrukturanlagen einer der größten Abfallerzeuger in Österreich.
Abfallwirtschaftliche Systemabgrenzung
Abfallart, -herkunft, -menge und -verbleib werden von dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern als Abfallbesitzer
(Abfallersterzeuger) entsprechend der abfallrechtlichen Vorgaben gemäß § 17 Abfallwirtschaftsgesetz 2002 (AWG 2002)
dokumentiert. Dies erfolgt über interne Prozesse und Systeme (Verfahrens- und Arbeitsanweisungen,
Umweltinformationssystem, EDM-Meldungen, AlSAG-Meldungen etc.) getrennt für jedes Kalenderjahr.
Die abfallrechtlichen Verpflichtungen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns enden gemäß aktuell gültigem
Abfallwirtschaftsgesetz mit der Übergabe der Abfälle an befugte Sammler:innen und Behandler:innen und der expliziten
Beauftragung der umweltgerechten Verwertung oder Beseitigung dieser Abfälle. Alle weiteren Verwendungsschritte,
sprich die tatsächliche Verwertung oder Beseitigung bzw. Behandlung der Abfälle gemäß der Abfallhierarchie im
Abfallwirtschaftsgesetz (Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung und Beseitigung), obliegen
den befugten Sammler:innen und Behandler:innen.
Anfallender Abfall und abfallbezogene Auswirkungen
Die wesentlichen Materialinputs ergeben sich aus den Hauptaufgaben des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns: dem Planen, Bauen
und Betreiben von Bahninfrastrukturanlagen. In diesem Zusammenhang ist die ÖBB-Infrastruktur AG bestrebt, Materialien
nachhaltig einzusetzen, indem deren Wiederverwertbarkeit im Vordergrund steht. Die Hauptmasse macht der
Gleisschotter (Oberbauschotter) aus, von dem pro Jahr etwa 700.000 t eingekauft werden. An zweiter Stelle stehen
Betonschwellen mit etwa 60.000 t pro Jahr. Den mengenmäßig drittwichtigsten Input stellen die Schienen mit etwa
30.000 t pro Jahr, die zur Gänze wiederverwendet werden können. Durch die Definition der zu verwendenden Materialien,
insbesondere der Verwendung von Betonschwellen an Stelle von getränkten Holzschwellen, können all diese Stoffe am
Ende ihrer langen Lebensdauer zu einem überwiegenden Teil wiedereingebaut bzw. recycelt werden.
Abfälle aus eigenen Aktivitäten des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ergeben sich ausschließlich im Zuge von großen
Bauvorhaben anhand von Erneuerungs- / Neubau- / Ausbau-Projekten, der Instandhaltung (Inspektions- / Wartungs- /
Entstörungs- / Instandsetzungsarbeiten) und dem Betrieb der Anlagen. Hierbei wird eine Unterscheidung nach baulichen,
betrieblichen und kommunalen Abfällen getroffen. Eine gesonderte Ausweisung erfolgt für Eisen- und Nichteisenmetalle
(„Schrott- / Metallabfälle“) im Rahmen der Berichtslegung für die nichtfinanzielle Erklärung.
Die großen Mengen an Bau- und Abbruchabfällen setzen sich unterschiedlich zusammen (u. a. Abfälle mineralischen
Ursprungs, Metallabfälle, Holzabfälle) bzw. untergeordnete Mengen an gefährlichen Abfällen. Ein Teil der Entsorgung der
baulichen und betrieblichen Abfälle des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns wird mittels Einzelverträgen oder Rahmenverträgen
durch den Entsorgungspartner Rail Cargo Logistics – Environmental Services GmbH (RCL-ES) in Form eines
Tochterunternehmens der Rail Cargo Austria AG abgewickelt. Für kommunale Abfälle an den von der ÖBB-
Immobilienmanagement Gesellschaft mbH verwalteten Objekten erfolgt die umweltgerechte Verwertung oder
Beseitigung durch die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH (z. B. Bahnhöfe, Haltestellen oder Bürostandorte).
Für den überwiegenden Teil an baulichen Abfällen aus großen Infrastrukturvorhaben erfolgt die Entsorgung über
gesonderte Bauverträge (Einzelverträge).
Eine besondere Bedeutung kommt hierbei den betriebseigenen Deponien des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zu, da diese
wesentlichen Bestandteile von Infrastrukturvorhaben (u. a. Semmering-Basistunnel oder Errichtung der Koralmbahn) im
öffentlichen Interesse (siehe EB/UVP-Verfahren) sind und hierzu bauliche Abfälle einer Beseitigung unter Berücksichtigung
der bestmöglichen Reduktion von Transportwegen und damit auch Emissionen zugeführt werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
75
Abfallmanagement und Kreislaufwirtschaft
Im Sinne der Ökologisierung und Kreislaufwirtschaft erfolgt bei Infrastrukturvorhaben des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns eine
Wiederverwendung von Aushubmaterialien, soweit diese bautechnisch und umwelttechnisch im notwendigen Ausmaß
und zulässiger Weise für das Verfüllen von Geländeunebenheiten oder das Vornehmen von Geländeanpassungen geeignet
sind. Innerhalb des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns steht der schonende Umgang mit Ressourcen sowie die Bestrebung zur
Abfallvermeidung und Wiederverwendung von Materialien im Fokus. Dies äußert sich z. B. in Form der maschinellen
Reinigung von Gleisschotter und dessen Wiedereinbau im Schotterbett sowie in Form von Untergrundsanierungen mittels
einer Aushubmaschine (AHM). Dabei wird der obere Bereich des Schotterbettes gebrochen, mit Neumaterial vermengt
und als Tragschicht wieder im Gleis eingebaut. Das restliche Gleisschottermaterial wird gemeinsam mit dem Untergrund
ausgehoben und entsorgt. Somit erfolgt eine Wiederverwendung im Sinne der Ressourcenschonung und Reduktion der
Abfallmenge.
ÖBB-Infrastruktur AG – Rückgewinnung Gleisschotter
in t
2022
2021
Rückgewinnung Gleisschotter durch Reinigungsmaschinen
247.000
320.000
Rückgewinnung Gleisschotter durch maschinelle Untergrundsanierung
22.000
23.000
Gebrauchte Betonschwellen werden nach erfolgter Prüfung und auf Basis ihrer technischen Eignung als „Bau- oder
Betonschwellen“ einer Wiederverwendung im Gleisnetz des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns zugeführt. Ein großer Teil der
gebrauchten Betonschwellen wird auch nach erfolgter Prüfung (u. a. auf mechanische Beschädigung, Verunreinigungen
und bautechnische Eignung) und der Entfernung der Elemente zur Schienenbefestigung einem Verkauf und somit einer
bestimmungsgemäßen weiteren Verwendung zugeführt.
Mit dem Ziel, Kreislaufwirtschaft ganzheitlicher zu betrachten, startete die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH
in einem ersten Schritt 2021 eine Kooperation mit dem Unternehmen Materialnomaden. Ziel ist es, die Kreislaufwirtschaft
in allen ihren Facetten zu betrachten und sowohl die Weiter- (ReUse) und Wiederverwendung (Recycling) von Materialien
zu forcieren. In einem ersten gemeinsamen Prozess wurde das Potenzial der Wiederverwendung und Weitervermittlung
von Ressourcen bei Immobilienabbruchprojekten erhoben. Im Rahmen eines Pilotobjekts wurde der Bahnhof Gedersdorf
im Jahr 2022 rückgebaut und geeignete Materialien im Kreislauf gehalten, die erlangten Ergebnisse werden 2023 einer
Evaluierung unterzogen.
Im Zuge von Ausschreibungen beauftragt der ÖBB-Infrastruktur-Konzern geeignete Auftragnehmer:innen ausdrücklich
und unwiderruflich mit der umweltgerechten Verwertung oder Beseitigung der anfallenden Abfälle.
Für die betriebseigenen Deponien erfolgt die Abwicklung federführend durch den/die Leiter:in der Eingangskontrolle im
Auftrag des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns. Hierbei werden die gesetzlichen Vorgaben (u. a. DVO 2008 idgF) sowie die
internen Vorgaben (Abfallbilanzmeldung; EDM-Portal) in enger Abstimmung mit dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern
abgewickelt. Externe bestellte Deponieaufsichten (behördliche Aufsichten) begleiten hierbei die Ausführung und
Nachweisführung.
Bei Beseitigungen über Bauverträge (Einzelverträge) erhalten die Projektleitungen die erforderlichen Abfallnachweise von
Auftragnehmer:innen. Nach erfolgter Plausibilitätsprüfung (Art, Menge, Herkunft, Verbleib) werden die Daten zur Eingabe
ins Umweltinformationssystem (UIS) an die definierten Bearbeiter:innen übermittelt.
Die Erfassung aller gefährlichen und nichtgefährlichen Abfälle, welche über den Entsorgungspartner RCL-ES entsorgt
werden, erfolgt automatisiert durch die RCL-ES.
Die ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH erhebt pro Objekt (wenn im Eigentum des ÖBB-Infrastruktur-
Konzerns) die Anzahl der vorhandenen Abfallbehälter (Gebindegröße) je Fraktion, welche nicht über die
Leistungskontrakte (Rahmenverträge) der RCL-ES beseitigt werden, sowie die Entleerungsintervalle und überprüft dies
laufend auf Aktualität. Die Daten werden in einem Datenverarbeitungssystem durch den / die festgelegte / n Benutzer:in
der ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH erfasst.
Weiters erfolgt durch die jeweiligen Umweltkoordinatoren (U-K) der Organisationseinheiten des ÖBB-Infrastruktur-
Konzerns eine stichprobenweise Plausibilitätskontrolle der Abfalldaten. Die Abfallbeauftragten behalten sich eine weitere
stichprobenartige Plausibilitätsüberprüfung der Abfalldaten vor. Etwaige Auffälligkeiten werden dem jeweiligen U-K zur
Kenntnis gebracht, um diese zu klären bzw. zu bereinigen.
Die abfallbezogenen Daten können mittels Datenverarbeitungssystem in Berichtsform zur Verfügung gestellt werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
76
Abfalltabelle des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Abfälle aus Bauprojekten Betriebliche Abfälle Schrott Kommunaler Abfall
Summe
Abfallart in Tonnen (t)
1)2)
2022
2021
2022
2021
2022
2021
2022
2021
2022
2021
Sonstige Verwertung:
mechanische, biologische
und chemisch-
physikalische Verfahren
3)
448
598
977
931
24
14
0
0
1.449
1.543
Sonstige Verwertung:
energetische Verwertung 21.096
17.564
354
374
0
0
0
0
21.450
17.938
Verwertung 21.544
18.162
1.331
1.305
24
14
0
0
22.899
19.481
Betriebsfremde Deponien 855
1.155
417
0
0
0
0
0
1.272
1.155
Beseitigung 855
1.155
417
0
0
0
0
0
1.272
1.155
Gefährlicher Abfall 22.399
19.317
1.748
1.305
24
14
0
0
24.171
20.636
Recycling (Übergabe an
Recycler)
1.330.716
637.076
26.199
7.657
38.482
26.891
3.785
3.551
1.399.182
675.175
Sonstige stoffliche
Verwertung:
Wiederverwendung im
Bauvorhaben
1.626.438
250.989
0
0
0
0
0
0
1.626.438
250.989
Sonstige stoffliche
Verwertung:
Wiederverwendung
außerhalb Bauvorhaben
107.707
211.004
0
2
0
0
0
0
107.707
211.006
Sonstige Verwertung:
mechanische, biologische
und chemisch-
physikalische Verfahren
56
88
5.588
3.346
0
0
0
0
5.644
3.434
Sonstige Verwertung:
energetische Verwertung
547
650
227
276
0
0
9.226
8.844
10.000
9.770
Verwertung 3.065.464
1.099.807
32.014
11.281
38.482
26.891
13.011
12.395
3.148.971
1.150.374
Betriebsfremde Deponien 2.616.703
2.394.192
2.862
2.796
132
152
221
114
2.619.918
2.397.254
Betriebseigene Deponien 903.852
1.864.858
0
0
0
0
0
0
903.852
1.864.858
Beseitigung 3.520.555
4.259.050
2.862
2.796
132
152
221
114
3.523.770
4.262.112
Nicht gefährlicher Abfall 6.586.019
5.358.857
34.876
14.077
38.614
27.043
13.232
12.509
6.672.741
5.412.486
Gesamtabfall 6.608.418
5.378.174
36.624
15.382
38.638
27.057
13.232
12.509
6.696.912
5.433.122
davon Verwertung 3.087.008
1.117.969
33.345
12.586
38.506
26.905
13.011
12.395
3.171.870
1.169.855
davon Beseitigung
3.521.410
4.260.205
3.279
2.796
132
152
221
114
3.525.042
4.263.267
1)
Es wurde nicht zwischen Verwertung/Beseitigung am/außerhalb des Standortes unterschieden, da dies am Standort nicht relevant ist, außer im Falle der
Wiederverwendung im Bauvorhaben und der betriebseigenen Deponien, diese sind als Kategorien angeführt. Aufgrund von Rundungen der Dezimalstellen der
Tonnen auf ganze Zahlen, kommt es zu kleinen Abweichungen.
2)
Aufgrund einer Systemumstellung im GJ 2022 kommt es bei den Daten von 2021 zu einer Abweichung von ca. 0,01%.
3)
Gefährlicher Abfall wird vor dem Recycling einem mechanischen, biologischen und chemisch-physikalischen Verfahren zugeführt.
Wasserverbrauch
Der sparsame und effiziente Einsatz von Wasser ist ein zentrales Zukunftsthema und eine der Herausforderungen unserer
Zeit. Dem ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist daher ein nachhaltiger Umgang mit Wasser ein besonderes Anliegen. Der
Wasserverbrauch des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns betrug im Jahr 2022 rd. 2,0 Mio. m³. Das Wasser (Trink- und
Brauchwasser) stammt zum überwiegenden Teil aus der kommunalen Versorgung, zusätzlich gibt es 137 Quellen, die auf
Bahngrund liegen und deren Nutzung auf Grundlage bestehender Wasserrechte aus der Vergangenheit erfolgt. Der ÖBB-
Infrastruktur-Konzern betreibt keine Wasseraufbereitungsanlagen für kommunale Abwässer, sondern leitet diese in die
zentrale, öffentliche Kanalisation ein.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
77
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2022
2021
Wasserverbrauch in m³
2.04
9
.415
2.151.876
Im Bereich des Fahrweges von Eisenbahnen stellt die nachhaltige Bahnentwässerung einen wesentlichen Punkt für die
Gewährleistung einer langfristig sicheren und stabilen Gleislage dar. Hierbei wird das Niederschlagswasser aus dem
Gleiskörper, sowie allenfalls über Böschungen zufließendes Wasser über Gräben, Grabenmauern oder Drainagen
gesammelt und sicher zur nächsten Vorflut (Einleitpunkt in ein Gewässer) weitergeleitet. Die anfallende Wassermenge ist
dabei abhängig von der Anzahl der Gleise und den topografischen Verhältnissen. Eine Wasserentnahme oder ein
Wasserverbrauch findet hierbei nicht statt. Treten zum Beispiel in Böschungen unterirdische Wässer zutage, werden diese
gefasst und ebenfalls bis zur nächsten Vorflut geleitet. Die Einleitung der Niederschlagswässer in die Vorflut (z. B. Bach,
Fluss, Grundwasser) erfolgt derart, dass keine schädlichen Auswirkungen auf diese erfolgen. Bei Vorflutern mit
Wasserstress werden je nach Wassermenge und möglicher Aufnahmekapazität des Vorfluters Rückhaltevorrichtungen wie
z. B. Drosselschieber oder Rückhaltebecken vorgesehen. Im Zuge der Wasserrückführung werden vor allem für die
einzelnen Bauphasen auch Wasseruntersuchungen aus chemischer Sicht durchgeführt, sodass entsprechende
Maßnahmen gesetzt werden können, um die Vorfluter durch die Wasserrückführung nicht nachteilig zu beeinflussen.
Beispiele hierfür sind: Absetzbecken, Gewässerschutzanlagen, Filteranlagen etc. Aus dem regelmäßigen Bahnbetrieb
treten grundsätzlich keine Verunreinigungen für die Vorflut bzw. kein Austritt von schädlichen Substanzen auf. Wässer aus
Störfällen (z. B. im Tunnel) werden separat aufgefangen. Die Ableitungen sind grundsätzlich mit Absperrmöglichkeiten
versehen, die im Störfall sofort geschlossen werden können. Dadurch wird eine Einleitung von verunreinigten Wässern in
die Gewässerkörper verhindert. Die Einleitungen erfolgen gemäß den Vorgaben des Wasserrechtsgesetzes nur im Einklang
mit den entsprechenden wasserrechtlichen Genehmigungen. Vor Ansuchen um die wasserrechtlichen Genehmigungen
finden Abstimmungen mit den Behörden, Fischereiberechtigten, Gemeinden usw. statt. Das Ziel liegt hierbei in der
Konsensfindung sowie in der nachhaltigen Einleitung der Bahnwässer in die Vorflut, ohne diese negativ zu
beeinträchtigen.
Die Gewässerkörper können dabei als Schutzgebiete ausgewiesen sein (z. B. Grundwasserschutz- oder
Grundwasserschongebiete). Eine Wiederverwendung der eingeleiteten Wässer durch andere Organisationen erfolgt nicht.
Bei UVP-pflichtigen Projekten erfolgt im Zuge der Planung auch eine ökologische Bestandsaufnahme des betroffenen
Gebiets. Es werden Maßnahmen erarbeitet und letztendlich nach Einholung aller hierfür erforderlichen Genehmigungen
umgesetzt, sodass die natürlichen Lebensräume für Fauna und Flora erhalten bleiben. Damit wird auch ein hoher
ökologischer Beitrag durch die Bahnprojekte geleistet.
Gefahrgut
In der ÖBB-Infrastruktur AG werden Gefahrgüter zu laufenden Wartungs- und Erhaltungszwecken der Infrastruktur und
Anlagen befördert. Hierbei handelt es sich vor allem um Klasse-3-Stoffe – brennbare Flüssigkeiten. Dies sind vor allem die
klassischen Treibstoffe Benzin, Diesel, Gemisch sowie diverse Farben und Lacke. Des Weiteren werden auch verschiedene
Gase, vor allem für Schweißarbeiten benötigt.
Die eigenen Mitarbeiter:innen müssen daher bezüglich Gefahrgut gemäß ADR / RID 1.3 unterwiesen und die Einhaltung
der Vorschriften mittels Überwachungen stichprobenartig kontrolliert werden. Betrieblich besteht die Relevanz vor allem
in der Informationsweiterleitung und Koordination bei Hilfseinsätzen nach Vorfällen, ob und wo Gefahrgut im Zug vorliegt.
Die Schiene ist generell ein wesentlich sicherer Verkehrsträger für die Beförderung von Gefahrgütern als beispielsweise die
Straße.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
78
Nach der „Ordnung für die internationale Eisenbahnbeförderung gefährlicher Güter“ (RID) Ausgabe 2021 gibt es
Melderichtlinien für Unfälle und Zwischenfälle mit gefährlichen Gütern im Zuge der Beförderung oder Verladung. Die
Mengenschwellen sind je nach Gefährlichkeit der Stoffe unterschiedlich. Solche Meldungen sind an das BMK bei
Verletzung von Personen, Sach- und Umweltschäden oder Sperre eines Hauptverkehrsweges abzugeben.
Im Jahr 2022 gab es keine Vorfälle, die eine solche Meldung nach Abschnitt 1.8.5 RID (europäisches Übereinkommen über
die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf Schiene) erforderlich gemacht hätten.
Zusätzlich wurden durch Mitarbeiter:innen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns – Technische Überwachung 2022 insgesamt
1.037 Kontrollen an RID-Fahrzeugen im Betrieb durchgeführt. Auch bei diesen Kontrollen waren keine Meldungen nach
RID erforderlich.
Artenvielfalt und Biodiversität
Die biologische Vielfalt auf Bahnflächen ist beeindruckend und ermöglicht natürliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Wissenschaftliche Erhebungen auf Bahnflächen unterstreichen immer wieder deren enormen Wert, unabhängig davon,
ob es sich um erst kürzlich entstandene Ausgleichs- oder bereits seit über hundert Jahren bestehende Bahnflächen handelt.
Die Bahnbegleitflächen fungieren aufgrund ihrer extensiven Bewirtschaftung als Rückzugsraum und Migrationskorridor
für seltene Tier- und Pflanzenarten sowie als verbindendes Element zwischen verschiedenen Lebensräumen in Österreich.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern übernimmt als einer der größten Flächenbewirtschafter des Landes auch Verantwortung
für den Lebensraum von Flora und Fauna durch verschiedene Natur- und Artenschutzprojekte in allen Bundesländern
sowie durch vielfältige Kooperationen mit Umwelt-NGOs.
Quelle: Allianz pro Schiene auf Basis von Statistisches Bundesamt. Stand 12/2015.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
79
Zielsetzungen
– Setzen von gezielten Initiativen zur Schaffung und Verbesserung von Lebensräumen um die Bahn
– Umsetzung von Arten- und Naturschutzmaßnahmen im Einklang mit den betrieblichen Anforderungen der Bahn
– Förderung der Bewusstseinsbildung zum Thema „Artenvielfalt und Biodiversität“ bei den Mitarbeiter:innen
– Weitere Reduktion des Einsatzes von chemischen Pflanzenschutzmitteln in der Vegetationskontrolle auf Gleisanlagen
Das ca. 5.000 km lange Streckennetz des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns verläuft durch fast alle Kulturlandschaftsräume in
Österreich, der niedrigste Punkt liegt in der Gemeinde Purbach am Neusiedler See auf 128 m Seehöhe, der höchste Punkt
liegt am Brennerpass auf 1.370 m Seehöhe. Viele Streckenkilometer und Bahngrundflächen liegen in oder nahe bei
Naturschutzgebieten, wie z. B. Natura-2000-Schutzgebieten. Um die flächenmäßige Überschneidung der
Bahninfrastruktur mit diesen besonders sensiblen Landschaftsräumen darzustellen, wird die folgende Karte jährlich
aktualisiert. Über die Web-GIS-Applikation des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns sind die Lageverhältnisse der wesentlichen
Schutzgebiete in Österreich (Naturschutz, Landschaftsschutz aber auch Wasserschutz- und Schongebiete) mit dem
Streckennetz verschneidbar.
Natur- und Artenschutz sind in Österreich auf der Ebene der Landesgesetzgebung rechtlich festgelegt. Sämtliche Neu- und
Ausbauprojekte werden daher auch im Zuge des Genehmigungsverfahrens im Einklang mit Natur- und Artenschutzrecht
geplant und umgesetzt. Beim Bau der Eisenbahnanlagen ist im Rahmen UVP-pflichtiger Vorhaben bei negativen
Umweltauswirkungen auf Vermeidung, Verminderung, Ausgleich und Ersatz zu achten, um ein genehmigungsfähiges
Projekt zu erhalten. Dabei kommen zusätzlich auch spezifische umwelt- und naturschutzbezogene Regelwerke (Richtlinien
und Vorschriften für das Straßenwesen, RVS bzw. Richtlinien und Vorschriften für das Eisenbahnwesen, RVE) zum Einsatz.
Die Berücksichtigung der jeweiligen Roten Listen der gefährdeten Arten ist damit in der Projektplanung systematisch
gewährleistet.
In den letzten Jahren wurden im Umfeld der großen Neu- und Ausbauprojekte Hunderte Hektar an naturschutzfachlich
wertvollen ökologischen Ausgleichsflächen geschaffen (eine quantitative Erfassung und Verortung dieser Flächen im
geografischen Informationssystem des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ist in Planung). Diese Flächen haben nachweislich zur
signifikanten Verbesserung der biologischen Vielfalt in den jeweiligen Regionen beigetragen und stellen heute wichtige
Trittsteinbiotope dar. Doch auch die Bahnbegleitflächen am Bestandsnetz ermöglichen in einer zunehmend intensiver
genutzten und verbauten Landschaft, Lebensraumvernetzungen und Wanderungsmöglichkeiten für migrierende Tierarten.
Durch Querungshilfen wird Tierarten mit großen Lebensraumansprüchen der gefahrlose Wechsel über die Bahntrassen
ermöglicht.
Erläuterung zur Abbildung: Der oben angeführte Bewertungsraum wurde gewählt, um mit einer wissenschaftlichen Studie der Universität Wien zur Beeinflussung
des Landschaftsraumes im Jahr 2012, bei der ebenfalls dieser Raster verwendet wurde, vergleichbar zu sein. Die Angaben lassen aber keinerlei Rückschlüsse auf
eine tatsächliche negative oder positive Beeinflussung der Natura-2000-Gebiete durch den Bahnbetrieb zu, sondern dienen nur als Grundlage für Planungen. Die
Schutzgebietsbezeichnung
„
Smaragd
“
im Fürstentum Liechtenstein entspricht der Schutzgebietskategorie Natura 2000 der EU.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
80
Maßnahmen (Auszug)
Ein Highlight des Jahres 2022 war der Gewinn des IENE Project Awards. IENE steht für Infrastructure and Ecology Network
Europe – eine Institution, die ursprünglich bereits 1996 vom holländischen Ministerium für Transport, öffentliche
Bauvorhaben und Wassermanagement ins Leben gerufen wurde. Heute hat IENE über 400 Mitglieder aus mehr als 50
Staaten und dient als globale Vernetzungs-, Wissens- und Erfahrungsaustauschplattform für sämtliche Akteure des
Transportinfrastruktursektors (Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs). Bei der diesjährigen Konferenz konnte die
ÖBB-Infrastruktur AG mit der Wildbrücke Aich / Mittlern an der Kärntner Koralmbahn überzeugen und den IENE Project
Award 2022 gewinnen. Die weltweit erstmalig als Freiformschale mittels pneumatisch aufgeblasener Betonplatten vor Ort
errichtete Wildbrücke besticht durch einen stark reduzierten Materialeinsatz von Bewehrungsstahl (-65%) und Beton
(-50%) im Vergleich zu einem konventionellen Rahmentragwerk. Damit verbunden ist eine Reduktion von
Vorläuferemissionen im Ausmaß von 1.300 t CO
2
-Äquivalente. Diese Konstruktionsmethode wurde in enger
Zusammenarbeit von TU Wien und der Projektleitung 2 der Koralmbahn entwickelt und umgesetzt. Bei diesem Projekt
wurden somit die Ziele des Naturschutzes und des Klimaschutzes in vorbildlicher Weise verfolgt und diese Innovation
einem internationalen Fachpublikum aus aller Welt präsentiert.
Zusätzlich wurde ein Forschungsprojekt gestartet, bei dem Wildwarngeräte für den Einsatz an Bahngleisen getestet
werden, um damit in Zukunft Wildtierkollisionen an neuralgischen Punkten weitgehend vermeiden zu können. Da es für
die Anwendung von Wildwarnern auf Bahnanlagen bisher weltweit kaum brauchbare Geräte und Erfahrungen gibt, leistet
die ÖBB-Infrastruktur AG hiermit eine Pionierarbeit, die bereits international auf großes Interesse stößt.
Im Jahr 2019 wurden an betrieblich unkritischen Stellen darüber hinaus zehn Waldflächen ausgewählt, die als
„Ökowaldinseln“ eine möglichst naturnahe Entwicklung nehmen sollen. 2022 wurde die Eignung weiterer Flächen
geprüft, die eventuell 2023 hinzugenommen werden. Insgesamt ist eine Gesamtfläche von 70 ha im „Bahnwald“ als
Ökowaldinsel ausgewiesen.
In öffentlich zugänglichen Bereichen wie an Bahnhöfen oder Park & Ride-Anlagen ist auch die Verkehrssicherheit rund um
den Baumbewuchs sicherzustellen. Hierfür hat der ÖBB-Infrastruktur-Konzern einen eigenen Baumkataster angelegt. Im
Baumkataster waren mit Stichtag 31.12.2022 10.246 Bäume und 203 verschiedene Baumarten erfasst. Auf öffentlich
zugänglichem Bahngrund waren 2022 Spitzahorn, Birke und Rosskastanie mit jeweils ungefähr 770 bis 900 Exemplaren
die drei häufigsten Baumarten.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2022
2021
Bäume im Baumkataster in Stück
10.246
10.423
Anzahl verschiedener Baumarten 203
205
Zum Schutz von Großvögeln vor Stromschlägen werden in Abstimmung mit der Vogelschutzorganisation
Bird Life Austria
Kunststoff-Schutzkappen auf den Mastspitzen angebracht. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern ist auch Partner im EU-
Lifeprojekt
„Danube Free Sky
”
55
. Im Zuge dieses Projektes werden unter anderem 63 km an drei Bahnstrecken im für den
Vogelschutz in Österreich bedeutsamen östlichen Niederösterreich mit umfangreichen Vogelschutzmaßnahmen
ausgerüstet, um Stromschlag und Leitungskollision möglichst auszuschließen. Im Jahr 2022 konnten mehr als 22 km
Bahnstrecke bzw. ca. 300 Mastspitzen in für den Vogelschutz hochsensiblen Bereichen mit Isolationskappen ausgerüstet
und die Vögel damit vor Stromschlag geschützt werden.
Vogelanprall an Glasflächen wird durch eine Vogelschutzmarkierung in Form von 4 mm starken schwarzen Linien im
Abstand von 50 mm auf den Glasflächen vermieden. Leider erweist sich das Naturschutzrecht als hinderlich, wenn es um
die Umsetzung von freiwilligen Biotopverbesserungsmaßnahmen für geschützte Arten geht. Diese Maßnahmen, wie z. B.
die Anlage von Amphibienlaichgewässern oder das Ausbringen von Samen streng geschützter Pflanzen, wären zwar
betrieblich, technisch und finanziell machbar, sind allerdings aufgrund der Verbotstatbestände im Artenschutzrecht oft
nicht realisierbar, da das Risiko für spätere Komplikationen und Auflagen im Fall von betrieblichen oder baulichen
Maßnahmen besteht. Die ÖBB-Infrastruktur AG hat sich auch aktiv in die Erstellung der nationalen Biodiversitätsstrategie
2030 eingebracht und u. a. auch auf das vorhin angeführte Dilemma hingewiesen.
55
siehe https://danubefreesky.eu/en/.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
81
Die ÖBB-Infrastruktur AG ist ebenso eines der Bahninfrastrukturunternehmen, die sich aktiv beim Projekt „Reverse“,
welches vom Internationalen Verband der Eisenbahnen (UIC) getragen wird, beteiligen. Negative und positive
Auswirkungen der Bahn auf die biologische Vielfalt sollen genau analysiert sowie Leitlinien und ein Aktionsplan für den
Bahnsektor entwickelt werden, um die Beiträge der Bahn zum SDG 15 (Life on Land) darstellen zu können. Die ÖBB-
Infrastruktur AG stellt den Vorsitz dieser Arbeitsgruppe und ist wesentliche Treiberin dieses internationalen Projektes zum
Schutz der biologischen Vielfalt. 2022 konnte dieses Projekt mit zwei Publikationen abgeschlossen werden. Damit liegen
nun erstmals international abgestimmte Leitlinien für Erhalt und Förderung der biologischen Vielfalt im Bahnumfeld vor
(https://www.shop-etf.com/en/leaflets-irs).
Mit dem Projekt „ÖBB-Schienenbienen“, das 2021 ins Leben gerufen wurde, wird insbesondere der Honigbiene auf zwölf
Bahngrünflächen in sechs Bundesländern Lebensraum geschaffen. Im Jahr 2022 kamen vier weitere Flächen hinzu. Die
„ÖBB-Schienenbienen“ leisten einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Pflanzen, Biodiversität und der effizienten
Nutzung von ungenutzten, aber wertvollen Bahngrünflächen. Außerdem entsteht für Bahnkund:innen ein nachhaltiges
genussvolles Naturprodukt, welches diese im Rail- und Nightjet genießen können.
Nachdem bereits 2021 in zwei Kärntner Gemeinden ein Pilotprojekt zur nachhaltigen und naturbelassenen
Grünraumbewirtschaftung umgesetzt wurde, wurde 2022 das Projekt „Blühwiese“ österreichweit ausgerollt. Insgesamt
wurden rund 13.000 m
2
Grünflächen im unmittelbaren Bahnhofsbereich zu Natur- und Insektenoasen umfunktioniert. Um
bei jeder einzelnen Fläche das Optimum für die Natur und die Biodiversität zu erreichen, wurden die verschiedensten
Arten von Blühwiesen angesetzt – mit Erfolg: die Blühwiesen dienen nicht nur als wichtige Nahrungsquelle für
unterschiedliche Bienen- und Insektenarten, sondern sind zugleich Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Vögel und
Kleintiere.
Nach fast drei Jahren Vorbereitungsarbeit, wurde 2022 außerdem im Fraunhofer IRB Verlag das „Handbuch
Naturschutzfachkraft – Praktischer Naturschutz für Baustellen, Betriebsgelände und Infrastrukturen“ herausgegeben, unter
aktiver Mitarbeit der ÖBB-Infrastruktur AG (insbesondere zum Thema Natur- und Artenschutz im Eisenbahnkontext).
Dieses Fachbuch bildet den Stand der Technik im Bereich Natur- und Artenschutz in Zusammenhang mit Bau- und
Rohstoffwirtschaft, Wasserwirtschaft, im Management von Verkehrswegen und Betriebsgeländen sowie öffentlichen
Infrastrukturen ab.
Um Bewusstsein und Wissen zum Erhalt der biologischen Vielfalt als eine der essenziellen Lebensgrundlagen zu stärken,
gibt es im ÖBB-Infrastruktur-Konzern auch verschiedene Schulungs- und Informationsangebote (siehe auch Weiterbildung
im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit in Kapitel G.4.).
Chemische Vegetationskontrolle
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern muss aufgrund eisenbahnrechtlicher Verpflichtungen zum sicheren Bahnbetrieb die
Gleisanlagen möglichst frei von Vegetation halten. Signale und Eisenbahnkreuzungen müssen gut sichtbar sein.
Mitarbeiter:innen müssen sich auf Randwegen und Verschubbahnsteigen frei bewegen können – im Notfall auch
Fahrgäst:innen. Außerdem muss das Schotterbett luft- und wasserdurchlässig sein und damit frei von Pflanzen, die Wasser
anstauen. Damit werden Frostaufbrüche vermieden und der Gleiskörper bleibt stabil und tragfähig.
Um dies zu gewährleisten, werden die Gleisanlagen im Streckennetz der ÖBB im Zuge der chemischen
Vegetationskontrolle derzeit einmal im Jahr mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Auf Streckengleisen und durchgehenden
Hauptgleisen werden die Pflanzenschutzmittel mittels Spritzzug („Greentracker“), der mit einer optischen Grünerkennung
und EDV-gestützten Spritzsteuerung für die punktgenaue Behandlung ausgestattet ist, ausgebracht. Die dabei zum Einsatz
kommende Grünerkennung ermöglicht es, nur dort Spritzmittel aufzubringen, wo auch tatsächlich Pflanzenwuchs im
unmittelbaren Gleisbereich vorhanden ist. Die chemische Vegetationskontrolle auf Bahnhofs- und Verschubgleisen wird
mit manuell gesteuerten Kleinspritzgeräten (schienengebunden und Zweiwegefahrzeuge) durchgeführt. Um die
Selektivität bei den Kleinspritzgeräten zu verbessern, wurde ein ebenfalls mit Grünerkennung ausgestattetes
Prototypkleinspritzgerät entwickelt und getestet. Die Anschaffung von weiteren solchen Geräten, bei denen die
automatische Grünerkennung zukünftig möglich sein wird, erfolgt bereits.
Ab 2022 verzichten die ÖBB komplett auf den Einsatz von Glyphosat – die Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff
wurden durch Alternativen ersetzt. Die alternativ verwendeten Pflanzenschutzmittel sind für die Anwendung auf
Gleisanlagen vom Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) zugelassen. Dazu gehören Pflanzenschutzmittel mit den
Wirkstoffen Flazasulfuron, Flumioxazin, Iodosulfuron und Diflufenican. Zum Einsatz kamen 2022 rd. 1,2 t von Wirkstoffen,
4,2 t weniger als im Vorjahr (vgl. 2021: -78%). Die große Differenz hängt mit dem Glyphosatausstieg zusammen. Der
ÖBB-Infrastruktur-Konzern beteiligt sich weiterhin intensiv an Forschungsprojekten, um weitere – auch nicht chemische –
Verfahren für den Gleisbereich verfügbar zu machen. Zukünftig wird ein Methodenmix – chemisch, mechanisch,
physikalisch (thermisch / elektrisch) – zum Einsatz kommen. Bis weitere Methoden die Wirksamkeit und Gleistauglichkeit
erreicht haben, bleibt die Behandlung der Gleisanlagen mit Pflanzenschutzmitteln im Zuge der chemischen
Vegetationskontrolle allerdings die wichtigste Maßnahme, um Gleise bewuchsfrei zu halten. Der ÖBB-Infrastruktur-
Konzern steht auch bei dieser Thematik im internationalen Austausch mit anderen Bahnbetreibern, um bei dieser für den
gesamten Eisenbahnsektor gleichartigen Problematik Lösungen zu finden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
82
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2022
2021
Menge an eingesetzte
n
Wirkstoffen pro Jahr in kg
1.168
5.397
*)
Auf Vegetation kontrollierte Gleiskilometer
8.340
7.847
Auf Vegetation kontrollierte Flächen in ha 5.642
5.290
Behandelter Anteil der
kontrollierten Flächen
31%
32%
*) davon 5.300 kg Glyphosat
Emissionen inkl. Lärm (exkl. CO
2
)
Rollende Räder erzeugen Schall aufgrund physikalischer Gesetze, welche sich nicht außer Kraft setzen lassen. Leise Züge
bilden jedoch eine Grundvoraussetzung für den Schienenverkehr als wesentlichen Bestandteil der umweltfreundlichen
Mobilität. Es gilt daher Belastungen durch Schallemissionen einzudämmen bzw. ihre Erzeugung zu verringern.
Zielsetzungen
– Schallemissionen der Bahn noch weiter verringern
Im Zuge von Lärmsanierung bei Bestandsstrecken werden Schallschutzwände und Schallschutzfenster errichtet bzw.
gefördert. Bei Neu- und Ausbaustrecken werden Lärmschutzmaßnahmen von Beginn an mitberücksichtigt und umgesetzt.
Dadurch befanden sich im Jahr 2022 im Netz der ÖBB-Infrastruktur AG auf knapp 5.000 km Streckenlänge (Baulänge) und
knapp 10.000 km Gleislänge rd. 1.000 km an Lärmschutzwänden und Lärmschutzdämmen.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2022
2021
Lärmschutzwände in km 960
948
Lärmschutzdämme in km
65
65
Im Frühjahr 2022 wurde der zweite Bericht „Monitoring Schallemissionen Eisenbahnverkehr Wörthersee“ mit Bezug auf
die zweigleisige Südstrecke im Zentralraum Kärnten veröffentlicht. Aufgrund von Messungen der Zugsfahrten betrug im
Kalenderjahr 2021 der Anteil an leisen Güterwagen im Jahresschnitt 83% aller vorbeifahrenden Güterwagen (2020: 64%,
d. h. eine Steigerung um 19%-Punkte). Der durchschnittliche Vorbeifahrtspegel (Median) im Messpunkt der Messstelle in
7,5 m von der Gleisachse beträgt für Güterzüge 87,2 dB und für Personenzüge 76,9 dB. Exemplarisch wurden auch
Schallimmissionspegel gemäß Schallausbreitungsrechnungs-Vorschriften errechnet: Dabei ergibt sich im exemplarischen
Abstand von 30 m zur Bahnstrecke ohne Lärmschutzmaßnahme ein Beurteilungspegel-Nacht von 58 dB, während mit
entsprechendem bahnseitigem Lärmschutz in Form einer 2 m hohen Lärmschutzwand ein Beurteilungspegel-Nacht von
46 dB erreicht wird.
Die europäische Umgebungslärmrichtlinie 2002 / 49 / EG schreibt alle fünf Jahre die Durchführung einer Lärmkartierung
vor. Dabei werden Straßenverkehr, Luftverkehr, Schienenverkehr und Gewerbelärm erfasst. Entsprechend den Vorgaben
werden Haupteisenbahnstrecken mit mehr als 30.000 Zügen pro Jahr sowie Ballungsräume hinsichtlich Lärmimmissionen
kartiert. Ergebnis sind Lärmkarten, welche in weiterer Folge die Grundlage für die nationale Aktionsplanung zur weiteren
Lärmverringerung bilden. Im Jahr 2021 fanden Vorbereitungen und Erhebungen statt, denn erstmalig erfolgten die
Berechnungen mit dem europaweit harmonisierten EU-Rechenmodell, vormals bezeichnet als CNOSSOS-EU. Die
Ergebnisse werden 2022 auf www.laerminfo.at veröffentlicht.
Auch weiterhin werden im Rahmen von Forschungsprojekten beim ÖBB-Infrastruktur-Konzern Zukunftsthemen zur
Verringerung von Bahnlärm erarbeitet: Die Schwerpunkte liegen bei der systematischen Testung von
Oberbaukomponenten sowie den wechselseitigen Abhängigkeiten Fahrzeug – Fahrweg in schalltechnischer Hinsicht sowie
bei der Verringerung der zusätzlichen Schallabstrahlung bei Stahlbrücken. Weiters werden Prognosen in schalltechnischer
Hinsicht erarbeitet, welche künftige Entwicklungen wie beispielsweise Verkehrsprognosen (vgl. VPÖ 2040+) bzw.
verkehrspolitische Pläne (vgl. Mobilitätsmasterplan) mitberücksichtigt. Im Rahmen der Initiative „Leise Gleise” befindet sich
eine Auswahl an Forschungsprojekten auf https://konzern.oebb.at/de/leise-gleise/forschung-entwicklung.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
83
Nachhaltige Beschaffung
Mit dem Ausbau und der Instandhaltung der Bahninfrastruktur in Österreich agiert die ÖBB-Infrastruktur AG als eine der
wichtigsten Auftraggeber:innen für die heimische Wirtschaft und Industrie. Die ÖBB-Infrastruktur AG verzeichnete im Jahr
2022 ein Gesamtbestellvolumen von rd. 2,0 Mrd. EUR. Zudem wurden rd. 5.000 Kreditor:innen gelistet.
Für das Beschaffungswesen ist das österreichische Bundesvergabegesetz relevant, das als Grundsätze die
Gleichbehandlung aller Bewerber:innen und Bieter:innen, die Nichtdiskriminierung, die Verhältnismäßigkeit, die
Transparenz sowie den fairen und lauteren Wettbewerb hat. Ziel ist die Erteilung eines Zuschlages für eine Leistung an
einen befugten, zuverlässigen und leistungsfähigen Unternehmer zu einem angemessenen Preis.
Dazu erfolgt bei jedem Vergabeverfahren eine Eignungsprüfung der für den Zuschlag in Betracht kommenden
Unternehmen. Die für die Eignungsprüfung relevanten Eignungskriterien werden je Vergabeverfahren entsprechend dem
Leistungsgegenstand sowie dem geschätzten Auftragswert sachlich festgelegt. Diese Prüfung beinhaltet neben der
Prüfung der Befugnis und technischen wie auch wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auch eine Prüfung im Rahmen der
Zuverlässigkeit. In diesem Zusammenhang erfolgen Abfragen gemäß Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz und
Ausländerbeschäftigungsgesetz. Weiters erfolgen Abfragen aus dem Verbandsregister, wobei dort eingetragene
Strafverfahren oder Verurteilungen seitens der Unternehmen aufzuklären sind.
Unternehmen werden von der Teilnahme am Vergabeverfahren ausgeschlossen, wenn sich im Rahmen dieser Prüfung
ergibt, dass das Unternehmen bei seiner beruflichen Tätigkeit eine schwere Verfehlung, insbesondere gegen
Bestimmungen des Arbeits-, Sozial- oder Umweltrechts, begangen hat.
Unternehmer werden u. a. auch von der Teilnahme am Vergabeverfahren ausgeschlossen, wenn der Lead-Buyer Kenntnis
von einer rechtskräftigen Verurteilung des Unternehmens hat, die einen der unten angeführten Tatbestände betrifft. Dies
gilt auch – sofern es sich um eine/n Unternehmer:in handelt, der/die keine natürliche Person ist, für Personen, die Mitglied
in Verwaltungs-, Leitungs- oder Aufsichtsorganen sind oder darin Vertretungs,- Entscheidungs- oder Kontrollbefugnisse
haben:
– Mitgliedschaft bei einer kriminellen Vereinigung oder Organisation (§§ 278 und 278a StGB)
– Terroristische Vereinigung, terroristische Straftaten oder Terrorismusfinanzierung (§§ 278b bis 278d StGB)
– Bestechlichkeit, Vorteilsannahme, Bestechung, Vorteilszuwendung oder verbotene Intervention (§§ 304 bis 309 StGB
und § 10 UWG), Betrug (§§ 146 bis 148 StGB), Untreue (§ 153 StGB), Geschenkannahme (§ 153a StGB)
– Förderungsmissbrauch (153b StGB)
– Geldwäscherei (§ 165 StGB)
– Sklaverei, Menschenhandel oder grenzüberschreitender Prostitutionshandel (§§ 104, 104a und 217 StGB)
– Ein entsprechender Straftatbestand gemäß den Vorschriften des Landes, in dem der Unternehmer seinen Sitz hat
Der Verhaltenskodex für Lieferant:innen konkretisiert die Ausführungen des Code of Conduct des ÖBB-Konzerns (siehe
Kapitel G.6.) und beschreibt, welche Anforderungen die ÖBB-Holding AG und ihre Teilkonzerngesellschaften an das
Geschäftsgebaren ihrer Lieferant:innen stellen. Dieser Verhaltenskodex ist eine Erklärung zum Verhalten, das im ÖBB-
Konzern von Lieferant:innen und deren Mitarbeiter:innen erwartet wird und dient u. a. der Verbesserung der
Lieferant:innenbeziehung und Kommunikation ihrer Erwartungshaltung. Im Speziellen umfasst unser Verhaltenskodex für
Lieferant:innenbestimmungen zu folgenden Kernelementen:
– Korruption
– Wettbewerb
– Außenwirtschaftliche Beschränkungen
– Datenschutz und geistige Eigentumsrechte
– Wahrung der Menschenrechte
– Diversität und Gleichbehandlung
– Verbot von Zwangsarbeit
– Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
– Arbeitszeit und Leistungsvergütung
– Vereinigungsfreiheit (Kollektivverhandlungen)
– Umweltschutz und Klimaschutz
– Subunternehmen
– Sanktionen
In der 25. Vorstandssitzung der ÖBB-Holding AG vom 02.11.2021 wurde der Verhaltenskodex für Lieferant:innen durch
den Vorstand der ÖBB-Holding AG einstimmig genehmigt und wird im gesamten ÖBB-Konzern bei Ausschreibungen zur
Anwendung gebracht.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
84
Im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative Railsponsible, welche als Ziel hat, die Nachhaltigkeit der Lieferkette in der
Bahnbranche zu verbessern, kommt zur besseren Bewertbarkeit der Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen aktuell
EcoVadis zum Einsatz. Dies ist ein Tool zur Lieferant:innenbeurteilung, spezialisiert auf Nachhaltigkeitsaspekte in globalen
Versorgungsketten, sogenannten „Supply Chains“. Es dient dazu, Mehrwerte und Transparenz entlang der Lieferkette zu
generieren. Ein EcoVadis-Rating umfasst folgende Punkte:
– Rating von Unternehmen auf Basis von 21 CSR-Kriterien nach internationalen Standards und aktuell geltenden Leitlinien
und Regulierungen – z. B. ISO 26000 (Bereich Umwelt, soziale Aspekte, Ethik)
– Zusätzliche Betrachtung externer Informationsquellen (z. B. NGOs)
– Prüfung und Analyse durch CSR-Analyst:innen mit erprobter Methodik
– Überprüfung der Dokumente in allen Sprachen
– Transparenz und Glaubwürdigkeit gegenüber Stakeholder:innen
Zielsetzungen
– Ziel des ÖBB-Konzerns ist es hierbei, dass bis 2030 60% der Unternehmen ein Nachhaltigkeitsrating aufweisen. Zum
31.12.2022 wurden rd. 53% des Beschaffungsvolumens auf Nachhaltigkeit beurteilt.
Ökologische Kriterien finden im Beschaffungswesen bei den Zuschlagskriterien sowie in der Leistungsbeschreibung,
insbesondere bei den technischen Spezifikationen und der Festlegung von Ausführungsbedingungen, Anwendung. Erfolgt
die Berücksichtigung über Zuschlagskriterien, ergeht der Zuschlag der entsprechenden Vergabe an das technisch und
wirtschaftlich günstigste Angebot (Bestbieterprinzip). In den Ausschreibungsunterlagen werden hierbei alle
Zuschlagskriterien (z. B. Qualität, Preis, technischer Wert, Ästhetik, Zweckmäßigkeit, Umwelteigenschaften,
Betriebskosten, Rentabilität, Kundendienst und technische Hilfe, Lieferzeitpunkt und Lieferungs- bzw. Ausführungsfrist),
deren Verwendung vorgesehen ist, im Verhältnis der ihnen zuerkannten Bedeutung (Gewichtung der Zuschlagskriterien)
angegeben. Ziel der Beschaffung nach dem Bestbieter:innenprinzip ist es für Auftraggeber:innen, aus der Beschaffung den
größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen und die Kosten für Auftraggeber:innen möglichst gering zu halten.
Beispiele für ökologische Zuschlagskriterien sind Fuhrweiten (Entfernungen), Ressourcenverbrauch, umweltschädliche
Inhaltsstoffe, Emissionen im Produktionsprozess, Grad der Verwertbarkeit bzw. Wiederverwendbarkeit des Produktes oder
von Teilen des Produktes, Wartungs- und Entsorgungskosten etc.
Im Zuge der Leistungsbeschreibung werden bei der Definition des Auftragsgegenstandes die ökologischen Anforderungen
an Produkte und Dienstleistungen bereits in der Planungsphase eines Projekts miteinbezogen. Denn je früher
Umweltaspekte innerhalb des Vergabeprozesses berücksichtigt werden, desto eher können sie auch umgesetzt werden.
Es wird verstärkt auf eine ökologische Auswahl von Baustoffen geachtet (z. B. durch Festlegung der Verwendung von
grünem Beton, welcher durch Reduktion des Bedarfs an Zement weniger CO
2
-Äquivalent in der Herstellung verursacht).
Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit Expert:innen zur Beurteilung von Schadstoffanalysen, Marktangebot und
Ökobilanzergebnissen. Es ist weiters darauf zu achten, dass Festlegungen nicht bewirken dürfen, dass bestimmte
Unternehmen von vornherein Wettbewerbsvorteile genießen. Die Festlegungen müssen allgemein zugänglich sein.
In diesem Rahmen wird auch die nachhaltige Beschaffung betrachtet. Im Wesentlichen erfolgt dies bei der Definition des
Auftragsgegenstandes in der Form, dass bei der Systemauswahl und Auswahl der Baustoffe insbesondere auch spätere
Erhaltungsaufwendungen, die Lebensdauer sowie der Ausstoß von Treibhausgasen berücksichtigt werden. Hierzu wurde
unter anderem im Rahmen der Zuschlagskriterien ein Kriterium für die Bewertung der „LifeCycleCosts” von
Brückentragwerken entwickelt bzw. werden bei Alternativangeboten auch im Rahmen des Zuschlagskriteriums
Auswirkungen auf die „LifeCycleCosts” berücksichtigt. Weiters wurde für die Ermittlung der Treibhausgasemissionen ein
TCO-CO
2
-Berechnungsmodell entwickelt.
Da der Beschaffungsprozess im Rahmen der Risikoanalyse ein wesentliches Element darstellt, wurden hierzu auch
Kontrollen und zugehörige Tests im Rahmen des internen Kontrollsystems (IKS) installiert. Wesentlichstes Element hierbei
ist die Durchführung des Vergabeverfahrens unter Einhaltung des Vieraugenprinzips bei den wesentlichen Entscheidungen
und Verfahrensschritten als generelles Optimierungs- und Kontrollinstrument. Im Konkreten bedeutet dies, dass jede
Vergabe zumindest durch zwei Mitarbeiter:innen im Sinne eines Kontroll- und Steuerungselementes begleitet wird. Als
konzernweite Vorgabe hat dies im Rahmen des Lead-Buyer-Prinzips zu erfolgen (Lead-Buyer ist der/die zuständige
Einkäufer:in der entsprechenden Warengruppe). Dies bedeutet, dass sämtliche Beschaffungen, deren geschätzter
Auftragswert mehr als 50 TEUR beträgt, über die jeweils zuständige Lead-Buyer-Gesellschaft durchzuführen sind. Davon
ausgenommen sind Abrufe von Rahmenverträgen, die von einer Lead-Buyer-Gesellschaft abgeschlossen wurden. Als Test
der Wirksamkeit dieser Kontrolle werden im Rahmen des IKS monatliche Auswertungen durchgeführt und im IKS-System
quartalsweise dokumentiert.
Eine weitere Kontrolle im Rahmen des internen Kontrollsystems ist die Anwendung der Ausschreibungsplattform „ProVia“.
Dadurch wird einerseits gewährleistet, dass der Beschaffungsprozess einheitlich abgewickelt und auch entsprechend
dokumentiert wird. Zudem sind über die Ausschreibungsplattform Prozessschritte vorhanden, die in Hinblick auf die
Compliance eine möglichst hohe Sicherheit bieten. Beispielhaft seien hier der Datenraum und die geheime
Bieter:innenwahl genannt. Auch zu dieser Kontrolle werden im Rahmen des IKS monatliche Auswertungen durchgeführt
und im IKS-System quartalsweise dokumentiert.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
85
Als weitere Maßnahme wurde der vom ÖBB-Konzern im vergangenen Jahr eingeführte Verhaltenskodex für
Lieferant:innen auf alle im Beschaffungssystem ProVia enthaltenen Beschaffungen angewendet. Der Kodex muss von den
Lieferant:innen vor der Zusammenarbeit akzeptiert werden. Im Jahre 2022 konnte das Beschaffungsvolumen, das einer
unabhängigen CSR-Bewertung unterzogen wurde, von 48% auf 53% weiter gesteigert werden. Zusätzlich führt die ÖBB-
Infrastruktur AG risikobasierte Lieferant:innenaudits durch, die kontinuierlich weiterentwickelt und an neue
Anforderungen angepasst werden. Seit 2021 gibt es außerdem die Möglichkeit, sich über einen ÖBB-Konzern-eigenen
Fragebogen einstufen zu lassen. Diese kostenlose Option zielt insbesondere auf Klein- und Mittelunternehmen ab.
Aktuell werden mit den Kontrollen und Tests bei
– der Durchführung eines Vergabeverfahrens unter Anwendung eines Ausnahmetatbestandes,
– der zwingenden Durchführung einer vertieften Angebotsprüfung im Falle einer sehr hohen Überschreitung des
Auftragswertes im Vergleich zur vergaberechtlichen Kostenschätzung,
– der Überprüfung der Ausschreibungsunterlagen bei Bauaufträgen und
– drei weitere Risikobereiche im Rahmen des internen Kontrollsystems überprüft.
Sustainable Finance
Offenlegung gem. Artikel 8 EU-Taxonomie-Verordnung
Für einen wirksamen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit braucht es hohe Investitionen. Die OECD schätzt, dass weltweit
jährlich rd. 6,4 Billionen EUR
56
nötig wären, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Das können die Staaten nicht alleine
finanzieren, es braucht zusätzlich private Investitionen. Aus diesen Erkenntnissen heraus ist der EU-Aktionsplan mit zehn
Maßnahmen entstanden, um privates Kapital für nachhaltige Aktivitäten zu mobilisieren. Unter diese Maßnahmen fällt
auch die Einführung eines Klassifikationssystems für ökologisch nachhaltige Geschäftstätigkeiten – die sogenannte EU-
Taxonomie-Verordnung (EU-Taxonomie-VO). Dadurch soll eine Lenkung von Kapitelströmen in ökologisch nachhaltige
Investitionen und Aktivitäten gefördert sowie Greenwashing vermieden werden. Die EU-Taxonomie-VO ist also ein
Transparenzinstrument für Investor:innen und Unternehmen. So werden Anleger:innen bei Investitionen in Projekte und
Wirtschaftstätigkeiten, die sich deutlich positiv auf Klima und Umwelt auswirken, künftig von einer einheitlichen
Grundlage ausgehen können.
Im Juli 2020 wurde die EU-Taxonomie-Verordnung (2020/852) veröffentlicht. Laut dieser sind Wirtschaftsaktivitäten
ökologisch nachhaltig, die einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung von mindestens einem Umweltziel leisten und dabei
kein anderes Umweltziel wesentlich beeinträchtigen und die Mindestschutzkriterien einhalten. Die EU-Taxonomie-VO
enthält insgesamt sechs Umweltziele (Artikel 9 EU-Taxonomie-VO) – Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel,
Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung
und Verminderung der Umweltverschmutzung, Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme,
wovon bisher die ersten beiden Umweltziele anwendbar sind.
Für das erste Berichtsjahr 2021 kam die Verordnung europaweit in einer vereinfachten Umsetzung
(Erleichterungsbestimmung) zur Anwendung. Die betroffenen nicht-finanziellen Unternehmen mussten im ersten Jahr der
Berichterstattung nur eine Evaluierung der Taxonomiefähigkeit (Artikel 8 EU-Taxonomie-VO) ihrer wirtschaftlichen
Aktivitäten auf Basis der ersten beiden Umweltziele (Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel) durchführen und
die auf die taxonomiefähigen und nicht-taxonomiefähigen Aktivitäten entfallenden Anteile der Umsatzerlöse, CapEx und
OpEx veröffentlichen. Ab dem Geschäftsjahr 2022 sind zudem die Anteile von taxonomiekonformen bzw.
nicht-taxonomiekonformen Wirtschaftsaktivitäten in Form von Leistungskennzahlen offenzulegen. Aus diesem Grund
werden Vergleichszahlen des vergangenen Geschäftsjahres nur für taxonomiefähige bzw. nicht-taxonomiefähige
wirtschaftliche Aktivitäten angegeben. Diese KPIs wurden im Abschlussjahr 2022 mit derselben Methodik wie im Vorjahr
ermittelt.
56
https://www.klimaaktiv.at/bauen-sanieren/gebaeudedeklaration/eu-taxonomie-immobilien-klimaaktiv-gebaeudebewertung.html
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
86
Der ÖBB-Konzern ist ein nachhaltig, klima- und umweltfreundlich agierender Konzern. Aus diesem Grund will der ÖBB-
Konzern die Chancen der EU-Taxonomie-VO nutzen und damit in der Lage sein, zukünftig nachhaltige
Finanzierungsformen umsetzen zu können. Obwohl im ÖBB-Konzern derzeit nur die ÖBB-Infrastruktur AG ein
Unternehmen von öffentlichem Interesse und somit verpflichtet ist, die ersten aus der EU-Taxonomie-VO entstandenen
Bestimmungen zu erfüllen, erfolgt in diesem Bericht wie bereits im Vorjahr eine freiwillige Bewertung aus Konzernsicht
von der Muttergesellschaft ÖBB-Holding AG und ihren vollkonsolidierten Töchtern.
Hinweis: Die ÖBB-Infrastruktur AG berichtet über ihre Verpflichtungen aus der EU-Taxonomie-VO im Rahmen einer
nichtfinanziellen Erklärung, die Teil des Konzernlageberichts des ÖBB-Infrastruktur-Konzernabschlusses ist.
Vorgehensweise zur Eruierung taxonomiefähiger und taxonomiekonformer Wirtschaftsaktivitäten im ÖBB-
Konzern
Zur Ermittlung der relevanten Finanzkennzahlen wurde eine Liste der „taxonomiefähigen“ Wirtschaftsaktivitäten des ÖBB-
Konzerns erstellt, welche jährlich evaluiert und gegebenenfalls aktualisiert wird. Der 360-Grad-Screening-Prozess zur
Evaluierung gliedert sich dabei in folgende Schritte:
– Screening der NACE-Codes nach den Kriterien „zutreffend“, „vielleicht“, und „nicht zutreffend“ eingeteilt.
– Vergleich der NACE-Codes mit jenen der jeweiligen Wirtschaftsaktivitäten je Gesellschaft im „EU Taxonomy
Compass“ der Europäischen Kommission.
– Durchführen einer „Betroffenheitsanalyse“ auf Basis der Prozesse und Geschäftsaktivitäten im ÖBB-Konzern.
– In Abstimmungsterminen mit Fachexpert:innen wurden dabei die unklaren bzw. nicht eindeutigen
Wirtschaftstätigkeiten „Vielleicht-Kriterium“ näher betrachtet.
– Überprüfung der Kennzahlen auf relevante Wirtschaftsaktivitäten. Die analysierten Finanzkennzahlen stehen im Einklang
mit den Konsolidierungsgrundsätzen, die für die Finanzberichterstattung des Konzerns nach den anwendbaren
Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS) gelten.
– Auf Basis dieser Liste mit relevant Wirtschaftsaktivitäten wurde das bestehende Reportingsystem um eine Eingabemaske
mit dem Rahmenwerk zuordenbaren Einzelmaßnahmen ergänzt, um eine entsprechende standardisierte Datenerhebung
zu ermöglichen.
– Erhebung des wesentlichen Beitrags zu einem der beiden veröffentlichten Umweltziele und Sicherstellung der Einhaltung
der technischen Bewertungskriterien sowie der „Do No Significant Harm“-Kriterien (DNSH-Kriterien) durch
Fachexpert:innen der Tochtergesellschaften. Im Zuge der Analyse erfolgt weiters die Durchführung einer Klimarisiko-
und Vulnerabilitätsanalyse. Dazu wurden physische Klimarisiken, die für einige Wirtschaftsaktivitäten wesentlich sind,
einer robusten Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse unterzogen. Anschließend folgte eine Bewertung bereits
vorhandener Anpassungsmaßnahmen und ob zukünftig zusätzliche Anpassungslösungen erforderlich sind, um
wesentliche physische Klimarisiken zu reduzieren. In einem letzten Schritt wurden die geforderten Mindestschutz-
Standards für den ÖBB-Konzern erhoben.
Mit der Überschneidung der Ergebnisse der technischen Bewertungskriterien und der Erfüllung der DNSH-Kriterien sowie
dem positiven Abschluss der Analyse der Mindestschutz-Standards ergibt sich das unten dargestellte Ergebnis für die
Taxonomiekonformität des ÖBB-Konzerns. Wie in den Tabellen ersichtlich, sind zum aktuellen Zeitpunkt nicht alle
taxonomiefähigen Wirtschaftsaktivitäten auch taxonomiekonform, da in gewissen Bereichen die technischen
Bewertungskriterien bzw. die DNSH-Kriterien nicht eingehalten werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
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Taxonomiefähige Wirtschaftsaktivitäten in der ÖBB-Infrastruktur-AG
Für die Geschäftstätigkeit des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns sind auf Grund der sehr breiten Struktur aktuell 11 der in der
EU-Taxonomie derzeit angeführten Wirtschaftsaktivitäten für das Umweltziel „Klimaschutz“ relevant und damit
taxonomiefähig. Aus heutiger Sicht wurden folgende taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten identifiziert:
Nr. der
Aktivität
Aktivität
Beschreibung Prozess
4.1
Stromerzeugung mittels
Fotovoltaiktechnologie
Betrieb von und Vermarktung der Erzeugung von FV-Anlagen
4.3
Stromerzeugung aus Windkraft Betrieb von und Vermarktung der Erzeugung von Windkraftanlagen
4.5
Stromerzeugung aus Wasserkraft Betrieb und die Vermarktung der Erzeugung der Wasserkraftwerke
4.9
Übertragung und Verteilung von
Elektrizität
Transport von Bahnstrom vom Anschluss an 50Hz-Netz bzw. Kraftwerk bis zum
Endverbraucher (Triebfahrzeug)
4.10
Speicherung von Strom Bau und Betrieb von Pumpspeicherkraftwerken
4.15
Fernwärme- / Fernkälteverteilung Verteilung von Fernwärme- / kälte und Betrieb von zugehörigen Netzen
(Hauptversorgung) vom öffentlichen Anschluss zum Verbraucher
6.5
Beförderung mit Motorrädern,
Personenkraftwagen und
Nutzfahrzeugen
Anbieten eines bedarfsgerechten sowie ökologischen Mobilitätsangebotes inkl.
der erforderlichen Systeme und Serviceleistungen (Rail & Drive, Car:pool)
6.14
Schienenverkehrsinfrastruktur Planen, Bauen (Erneuerung und Ausbau), Erhalten, Besitzen und Betreiben von
Schieneninfrastruktur
7.2
Renovierung bestehender Gebäude Die Gebäuderenovierung entspricht den geltenden Anforderungen an größere
Renovierungen
7.3
Installation, Wartung und Reparatur
von energieeffizienten Geräten
Einzelne Renovierungsmaßnahmen, die in der Installation, Wartung oder
Reparatur von energieeffizienten Geräten bestehen
7.7
Erwerb von und Eigentum an
Gebäuden
Erwerb von Immobilien und Ausübung des Eigentums an diesen Immobilien
Im Zuge der im Geschäftsjahr 2021 durchgeführten Betroffenheitsanalyse wurden seitens des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
die Investitionsausgaben (CapEx) für die Entwicklung von Bauprojekten für Wohn- und Nichtwohngebäude als
taxonomiefähige Wirtschaftsaktivität identifiziert und der Wirtschaftsaktivität „7.1 Neubau“ zugeordnet. Aufgrund der im
Februar und Dezember 2022 von der EU-Kommission veröffentlichten FAQs zur EU-Taxonomie-Verordnung und den darin
enthaltenen Klarstellungen und Erläuterungen hinsichtlich der Zuordnung zu Wirtschaftsaktivitäten, werden
Investitionsausgaben in Gebäude, die nach dem 31.12.2020 gebaut wurden, ab dem Geschäftsjahr 2022 unter der
Wirtschaftsaktivität „7.7 Erwerb von und Eigentum an Gebäuden“ ausgewiesen.
Des Weiteren wurden im Geschäftsjahr 2021 seitens des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns Umsätze und Investitionsausgaben
aus eisenbahnspezifischer Bildung als taxonomiefähige Wirtschaftsaktivität identifiziert und der Wirtschaftsaktivität „11.
Erziehung und Unterricht“ zugeordnet. Aufgrund der im Februar und Dezember 2022 von der EU-Kommission
veröffentlichten FAQs zur EU-Taxonomie-Verordnung und den darin enthaltenen Klarstellungen und Erläuterungen
hinsichtlich der Zuordnung zu Wirtschaftsaktivitäten, werden die eisenbahnspezifische Bildung ab dem Geschäftsjahr 2022
nicht mehr als taxonomiefähige Wirtschaftsaktivität ausgewiesen, da eisenbahnspezifische Bildung weder
Anpassungstätigkeiten noch ermöglichende Tätigkeiten für die Anpassung an den Klimawandel darstellen. Die
Veränderung der Taxonomiefähigkeit ist nicht wesentlich.
Die identifizierten taxonomiefähigen Wirtschaftsaktivitäten im ÖBB-Infrastruktur-Konzern wurden allesamt unter
Berücksichtigung der Vorgaben im Anhang I der EU-Taxonomie-VO zu 100% dem ersten Umweltziel (Klimaschutz)
zugeordnet. Ein potenzieller wesentlicher Beitrag von Umsatz, CapEx und / oder OpEx aus diesen Tätigkeiten zum zweiten
Umweltziel (Anpassung an den Klimawandel) entsprechend den Vorgaben aus dem Anhang II wurde demnach nicht
gesondert ausgewiesen, um Doppelzählungen zu vermeiden. Durch die Zuordnung der Tätigkeiten der einzelnen
Gesellschaften im Konzern zu einer bestimmten Aktivität aus der EU-Taxonomie-VO sind ebenfalls Doppelzählungen
vermieden worden. Durch einzelne Prüfschritte wurde gewährleistet, dass die Wirtschaftsaktivitäten im Bereich Umsatz,
CapEx und OpEx voneinander abgrenzbar sind und Doppelzählungen vermieden werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
88
Eine Einschätzung der sich noch in Entwicklung befindlichen EU-Taxonomie-Verordnung in Hinblick auf die zu
veröffentlichen weiteren vier Umweltziele sowie der von der EU-Kommission bereits angekündigten weiteren
wirtschaftlichen taxonomiefähigen Tätigkeiten kann derzeit noch nicht getroffen werden.
Die berichteten Kennzahlen zu den taxonomiefähigen und taxonomiekonformen Umsätzen, Investitionen (CapEx) und
Betriebsaufwendungen (OpEx) wurden in Übereinstimmung mit den Vorgaben des Artikel 8 des Delegierten Rechtakts der
EU-Taxonomie-VO berechnet. Im Vergleich zum Vorjahr gab es keine signifikanten Änderungen bei der Vorgangsweise zur
Berechnung der KPIs.
Umsatzerlöse, die mit taxonomiekonformen Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind (KPI Umsatzerlöse)
Basierend auf den Vorgaben der EU-Taxonomie-VO werden bei der Umsatzkennzahl die Umsätze aus
taxonomiekonformen Wirtschaftstätigkeiten im Verhältnis zu den Netto-Gesamtumsatzerlösen des Konzerns gemäß IFRS
ausgewiesen.
Der KPI Umsatzerlöse für das Geschäftsjahr 2022 stellt sich wie folgt dar:
Abkürzungen:
J/N Ja/Nein
n/a nicht anwendbar
E Ermöglichende Tätigkeit
T Übergangstätigkeit
Der taxonomiekonforme Umsatzanteil wird als der Teil des Nettoumsatzes mit Waren oder Dienstleistungen, einschließlich
immaterieller Güter, die mit taxonomiekonformen Wirtschaftstätigkeiten (Zähler) verbunden sind, geteilt durch den
Nettoumsatz (Nenner) berechnet, jeweils für das Geschäftsjahr 01.01.2022 bis 31.12.2022.
Die oben angeführten Umsatzerlöse je Wirtschaftsaktivität setzen sich überwiegend aus Erlösen aufgrund von Verträgen
mit Kunden nach IFRS 15 iSd Anhangs der Delegierten Rechtsakte der EU-Taxonomie-VO zusammen. Umsatzerlöse aus
dem Bereich Verkehr (Wirtschaftstätigkeit 6.5.) und dem Sektor aus Gewerbe und Immobilien und Verkehr
(Wirtschaftsaktivität 6.14.) enthalten Umsatzerlöse aus Leasingverhältnissen (IFRS 16).
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
89
Im Jahr 2022 lassen sich rd. 54,4% des Umsatzes der ÖBB-Infrastruktur Konzerns als taxonomiekonform klassifizieren
(siehe Erläuterung 4 in den Erläuterungen zum Konzernabschluss)
.
Den größten Beitrag leistet hier die Wirtschaftstätigkeit
„6.14. Schienenverkehrsinfrastruktur“. Diese umfasst z.B. die Planung und den Bau von Schieneninfrastruktur, die
Zurverfügungstellung von Schieneninfrastruktur samt Anlagen und Einrichtungen und den Betrieb und die Erhaltung von
bedarfsgerechter und sicherer Schieneninfrastruktur. Als taxonomiefähig, jedoch nicht konform, wird ein Anteil von 14,1%
des Gesamtumsatzes im Geschäftsjahr 2022 angesetzt, welcher sich aus den nicht erfüllenden technischen
Bewertungskriterien vorwiegend im Bereich Baugewerbe und Immobilien der Wirtschaftstätigkeit 7.7. „Erwerb und
Eigentum an Gebäuden“ ergibt. Die ausgewiesenen taxonomiekonformen Umsatzerlöse entfallen mit rd. 51,7% auf
Umsätze aufgrund von Verträgen und Kunden und rd. 2,6% auf sonstige Umsatzerlöse. Im Vorjahr betrug der Anteil am
Gesamtumsatz aus taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten rd. 71,6%.
Investitionsausgaben für Vermögenswerte, die mit taxonomiekonformen Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind
(KPI CapEx)
Für die Berechnung der CapEx-Kennzahl werden die gesamten Zugänge gem. Anlagenspiegel des Konzernabschlusses per
31.12.2022 ohne Berücksichtigung von erhaltenen Kostenbeiträgen für Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte
inklusive Zugänge von Nutzungsrechten gem. IFRS 16 und Zugänge von als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien
berücksichtigt. Die Angaben erfolgen vor Abschreibungen, Wertberichtigungen oder sonstigen Wertänderungen. Nicht
relevant sind Investitionen über Joint Ventures, Investitionen in Finanzinstrumente, Leasingverhältnisse, die zu keiner
Anerkennung eines Nutzungsrechts führen und geleistete Anzahlungen.
In Absprache mit dem BMK werden die Investitionen gemäß Rahmenplan und in weiterer Folge des sonstigen
Investitionsplans der Aktivität 6.14 Schieneninfrastruktur exklusive der aktivierten Fremdkapitalzinsen nach IAS 23
berichtet und im Sinne der Vergleichbarkeit wird diese Vorgehensweise auch für die Berichterstattung gem. EU-Taxonomie-
Verordnung übernommen. Entsprechend dieser Logik werden auch die gesamten Investitionen, also der Nenner, exklusive
der aktivierten Fremdkapitalzinsen berichtet. Hieraus ergibt sich keine wesentliche Auswirkung auf die Höhe der
Kennzahlen.
Der KPI CapEx für das Geschäftsjahr 2022 stellt sich wie folgt dar:
Abkürzungen:
J/N Ja/Nein
n/a nicht anwendbar
E Ermöglichende Tätigkeit
T Übergangstätigkeit
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
9
0
Die Zugänge je Wirtschaftsaktivität betreffen überwiegend Zugänge aus Investitionen in Sachanlagen (IAS 16). Der Bereich
Verkehr verzeichnet im Rahmen der Schienenverkehrsinfrastruktur zusätzlich Investitionen in immaterielle
Vermögenswerte (IAS 38), Zugänge von Leasingverhältnissen (IFRS 16) sowie Zugänge von als Finanzinvestitionen
gehaltenen Immobilien. Die Zugänge im Bereich Baugewerbe und Immobilien setzen sich aus Investitionen in Sachanlagen
(IAS 16) und Leasingverhältnissen (IFRS 16) zusammen.
Im Geschäftsjahr 2022 lassen sich rd. 79,2% der Investitionsausgaben des ÖBB-Infrastruktur Konzerns als
taxonomiekonform verzeichnen (siehe Erläuterungen 14, 15 und 16 in den Erläuterungen zum Konzernabschluss). Auch
hier liefert die Wirtschaftstätigkeit 6.14. „Schienenverkehrsinfrastruktur“ prozentual den größten Beitrag. Zurückzuführen
ist dies auf den aktuellen Rahmenplan des ÖBB-Infrastruktur Konzerns. Darüber hinaus klassifizieren sich rd. 15,5% der
Investitionen als taxonomiefähig, jedoch nicht als ökologisch nachhaltige Tätigkeiten aufgrund der fehlenden
Voraussetzungen für die Erfüllung der technischen Bewertungskriterien oder der „Do no significant harm“ Kriterien.
Rd. 20,87% der Zugänge erfolgten im Rahmen eines CapEx-Plans, rd. 3,9% der Zugänge standen nicht in Zusammenhang
mit umsatzbezogenen Wirtschaftsaktivitäten („Topf C Investitionen“). Im Vorjahr betrug der Anteil der Gesamtinvestitionen
für taxonomiefähige Wirtschaftstätigkeiten rd. 94,9%.
Die Zugänge der Nutzungsrechte Grundstücke und Bauten betreffen in Höhe von rd. 164,7 Mio. EUR die Anmietung einer
Immobilie in der Lassallestraße. Im Anlagenspiegel des ÖBB-Infrastruktur Konzerns werden zudem die Abgänge in Höhe
von rd. 106,0 Mio. EUR aus Sub-Leasing-Verträge mit verbundenen Unternehmen des übrigen ÖBB-Konzerns für diese
Immobilie gezeigt, die als Finanzierungsleasing klassifiziert wurden.
Für die Wirtschaftsaktivität 6.14. Schienenverkehrsinfrastruktur wurde im Zuge der Ermittlung der KPI CapEx mittels
Detailanalyse überprüft, ob der Rahmenplan der ÖBB-Infrastruktur AG, der die tatsächlichen und künftigen elektrifizierten
Strecken 2022 bis 2027 mit einem Volumen von rd. 18,2 Mrd. EUR betrifft, die Voraussetzungen für einen CapEx-Plan
gem. Delegierter Verordnung (EU) 2021/2178, Anhang I, Punkt 1.1.2.2. erfüllt. Anhand einer Detailanalyse konnten die
Kriterien bejaht werden.
Der Rahmenplan wird jährlich von der Republik Österreich im Ministerrat beschlossen und vom Aufsichtsrat der ÖBB-
Infrastruktur AG genehmigt. Mit dem Rahmenplan werden wesentliche Aspekte des Regierungsprogramms im
Bahnbereich auf Schiene gebracht und es wird ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Klimaneutralität geleistet. Die
wesentliche Grundlage für die Erstellung der ÖBB-Rahmenpläne bildet das Zielnetz der ÖBB-Infrastruktur AG in welchem
die wesentlichen verkehrspolitischen Zielsetzungen verankert sind (siehe Erläuterungen C.5 im Konzernlagebericht). Unter
anderem bildet die vollständige Dekarbonisierung des Bahnverkehrs bis 2040 einen wichtigen Schwerpunkt und zielt auf
einen wirtschaftlich optimalen Mix aus Elektrifizierung von Strecken und dem Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen
Antriebstechnologien auf Grundlage der Elektrifizierungsstrategie ab. Die Die aktuelle und künftige Elektrifizierung der
Strecken laut Rahmenplan bildet die Basis für die Zugänge gem. Art. 8 EU-Taxonomie-Verordnung zur Wirtschaftsaktivität
6.14 Schienenverkehrsinfrastruktur. Der Ausbau der Elektrifizierung der Schienenverkehrsinfrastruktur leistet einen
wesentlichen Beitrag zum Umweltziel Klimaschutz. Es liegen keine relevant einzustufenden Forschungs-, Entwicklungs-
oder Innovationstätigkeiten vor. Die Elektrifizierung weiterer Streckenabschnitte soll bis 2035 erfolgen. Der umfassende
Kapitalaufwand im Geschäftsjahr 2022, der während des Berichtszeitraums anfällt, bemisst sich auf rd. 2.571,2 Mio. EUR.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
91
Nicht aktivierte direkte Betriebsausgaben gem. EU-Taxonomie-VO, die mit taxonomiekonformen
Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind (KPI OpEx)
Betriebsausgaben gemäß Definition der EU-Taxonomie-VO sind neben nicht aktivierungsfähigen Ausgaben für Forschung-
und Entwicklungsmaßnahmen, Ausgaben für kurzfristige Leasingverhältnisse, alle Instandhaltungs- und
Reparaturausgaben sowie sonstige direkt zurechenbare Kosten, die für die laufende Instandhaltung und Erhaltung der
Funktionalität der immateriellen und materiellen Vermögenswerte relevant sind. Die Basis für die Ermittlung der
Betriebsausgaben bilden die jeweiligen Aufwandsposten gemäß IFRS Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung 2022.
Der KPI OpEx für das Geschäftsjahr 2022 stellt sich wie folgt dar:
Abkürzungen:
J/N Ja/Nein
n/a nicht anwendbar
E Ermöglichende Tätigkeit
T Übergangstätigkeit
Im Zähler findet sich jener Teil der angeführten Betriebsausgaben, die auf taxonomiekonforme Umsätze entfallen. Der
Nenner umfasst alle Betriebsaufwendungen aus den Kategorien – Forschung und Entwicklung,
Gebäudesanierungsmaßnahmen, kurzfristiges Leasing, Wartung und Reparatur sowie sämtliche anderen direkten
Ausgaben im Zusammenhang mit der täglichen Wartung. Der KPI OpEx lautet wie folgt:
Der Anteil der taxonomiekonformen Betriebsausgaben bemisst sich für das Geschäftsjahr 2022 auf rd. 47,1%. Den
größten Beitrag leistet auch hier nach wie vor die Wirtschaftsaktivität 6.14. „Schienenverkehrsinfrastruktur“ mit rd. 43,7%.
Als taxonomiefähig, aber nicht ökologisch nachhaltig werden rd. 29,3% der Betriebsausgaben angeführt. Die
Betriebsausgaben ökologisch nachhaltiger Tätigkeiten (taxonomiekonform) in Höhe von rd. 47,1% ergeben sich aus
Wartungen und Reparaturen (externe Werkstätten, Material und bezogene Leistungen) und dem daraus resultierenden
Personalaufwand. Im Vorjahr betrug der Anteil an den gesamten Betriebsaufwendungen für taxonomiefähige
Wirtschaftstätigkeiten rd. 83,1%.
Vermeidung von Doppelzählungen
Die identifizierten taxonomiefähigen Wirtschaftsaktivitäten im ÖBB-Konzern wurden allesamt unter Berücksichtigung der
Vorgaben im Anhang I der EU-Taxonomie-VO zu 100% dem ersten Umweltziel (Klimaschutz) zugeordnet. Ein potenzieller
wesentlicher Beitrag von Umsatz, CapEx und / oder OpEx aus diesen Tätigkeiten zum zweiten Umweltziel (Anpassung an
den Klimawandel) entsprechend den Vorgaben aus dem Anhang II wurde demnach nicht gesondert ausgewiesen, um
Doppelzählungen zu vermeiden. Durch die Zuordnung der Tätigkeiten der einzelnen Gesellschaften im Konzern zu einer
bestimmten Aktivität aus der EU-Taxonomie-VO sind ebenfalls Doppelzählungen vermieden worden. Durch einzelne
Prüfschritte wurde gewährleistet, dass die Wirtschaftsaktivitäten im Bereich Umsatz, CapEx und OpEx voneinander
abgrenzbar sind und Doppelzählungen vermieden werden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
92
Wesentlichkeiten
Bei der Herleitung der Werte zur Ermittlung der taxonomierelevanten Kennzahlen wurde die Grundgesamtheit betrachtet
und analysiert.
Task Force on Climate-related Financial Disclosure (TCFD)
Die ÖBB berichten in diesem Bericht erstmals zu den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures,
besser bekannt als TCFD. Das ist eine im Dezember 2015 gestartete Initiative des Financial Stability Board (FSB), einem
internationalen Gremium, das mit Unterstützung der G20-Mitglieder gegründet wurde, um die internationale
Finanzstabilität zu fördern. Der Zweck der TCFD ist es, dabei zu helfen, die Informationen zu identifizieren, die von
Investoren, Kreditgebern und Versicherungsunternehmen benötigt werden um klimabezogene Risiken und Chancen
angemessen zu beurteilen und zu bewerten. Im Jahr 2017 veröffentlichte die TCFD im Auftrag des FSB seine
abschließenden Empfehlungen. Diese Empfehlungen bieten einen Rahmen für die Entwicklung wirkungsvollerer
klimabezogener Finanzinformationen durch bestehende Berichterstattungsprozesse.
In diesem Bericht werden an folgenden Stellen allgemeine klimabezogene Informationen der ÖBB zur Verfügung gestellt:
– Auswirkungen des Klimawandels auf die ÖBB – siehe Kapitel Anpassung an den Klimawandel
– Klimaresilienz und Klimaszenarien – siehe Kapitel Sustainable Finance / EU-Taxonomie
– Wesentliche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel im ÖBB-Konzern:
• Strategische Maßnahmen: Klimaschutz und Anpassungen an den Klimawandel sind wesentliche Themen der ÖBB-
INFRA.Nachhaltigkeitsstrategie (mit Zielen, Stoßrichtungen, Kennzahlen und Maßnahmenportfolio) – siehe Kapitel
INFRA.Mobilitätswende, ESG Risiko- und Auwirkungsanalyse, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel
Spezielle Empfehlungen der TCFD zur Offenlegung
Die TCFD setzt sich für die Offenlegung von Informationen zu klimabedingten Chancen und Risiken von Unternehmen ein.
Diese müssen darstellen, wie sie in den Bereichen Governance, Strategie, Risikomanagement und mithilfe messbarer
Zielsetzungen aufgestellt sind, um wesentliche klimabezogene Chancen zu nutzen und Risiken zu verringern.
Der ÖBB-Konzern unterstützt die Empfehlungen der TCFD zur Berichterstattung spezieller klimabezogener Informationen,
legt diese Informationen gemäß TCFD offen und verweist auch auf entsprechende Seiten im Bericht mit weiterführenden
detaillierteren Angaben:
Bereich
TCFD-relevante Detailinformation
Kapitel
(Seitenzahl kommt, wenn Lagebericht final)
Governance zu klimabezogenen
Risiken und Chancen
Aufsicht / Steuerung:
Aufsichtsrat ÖBB-Infrastruktur AG
und Steuerung ÖBB-Infrastruktur AG
Top
-
Management
G.2. Allgemein
Prozess / Werkzeuge:
Chancen- und Risikomanagement
F. Chancen- und Risikobericht
G.2. ESG Risiko- und Auswirkungsanalyse
Nachhaltigkeitsmanagement
G.2. Nachhaltigkeitssteuerung
Nachhaltigkeitsstrategie
C.5. #INFRA.Mobilitätswende –
Die Unternehmensstrategie
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Wesentlichkeitsanalyse
Strategie
Konzernstrategie (Umfeldanalysen)
C.5. Die Unternehmensstrategie
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Nachhaltigkeitsstrategie
C.5. #INFRA.Mobilitätswende –
Die Unternehmensstrategie
des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Klimaschutzstrategie /
Dekarbonisierungspfade
G.3. Klimaschutz
G.3. Nachhaltige Beschaffung
Klimarelevantes Risikomanagement
Chancen
-
und Risikomanagement
G.2. ESG Risiko- und Auswirkungsanalyse
Klimaschutzstrategie /
Dekarbonisierungspfade
(jährlicher Zielabgleich, Monitoring,
Anpassungsmaßnahmen)
G.3. Klimaschutz
G.3. Anpassung an den Klimawandel
Indikatoren und Zielsetzungen Ziele Nachhaltigkeitsstrategie - Klimaschutz
G.3. Klimaschutz
Ziele Nachhaltigkeitsstrategie -
Anpassung an den Klimawandel
G.3. Anpassung an den Klimawandel
CO
2
-
Fußabdruck (Treibhausgasbilanz)
G.3. Klimaschutz
Kennzahlen zu Klimaschutz
G.3. Klimaschutz, Sustainable Finance
Kennzahlen zu Anpassung
an den Klimawandel
G.3. Anpassung an den Klimawandel,
Sustainable Finance
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
93
Corporate ESG-Rating
Seit dem Jahr 2012 wird die ÖBB-Infrastruktur AG in regelmäßigen Abständen
durch ISS ESG (vormals oekom research AG) im Sektor Transportinfrastruktur
einem ESG-Rating (Environment, Social, Governance) unterzogen, wobei über
100 Indikatoren zur Beurteilung herangezogen werden.
Das aktuelle Rating erfolgte im Jahr 2020. Dabei wurde die ÖBB-
Infrastruktur AG bereits zum vierten Mal als Topinvestment für ethische,
ökologische und sozial verantwortliche Veranlagung bewertet. Bei der
unabhängig durchgeführten Bewertung wurden
Transportinfrastrukturunternehmen aus Europa, Nord- und Südamerika, Asien
und Australien einer strengen Prüfung unterzogen. Die ÖBB-Infrastruktur AG wurde dabei sogar noch um eine Stufe besser
eingestuft als die Jahre davor und hat wieder den Prime Status erreicht. Damit unterstreicht die ÖBB-Infrastruktur AG ihre
internationale Vorreiterrolle. Investitionen in Bahninfrastruktur stellen daher eine besonders nachhaltige Form der
Veranlagung mit hohem Mehrwert für Umwelt und Gesellschaft dar. Gerade im Lichte des EU Green Deals und der damit
verbundenen EU-Taxonomie ist das von enormer Bedeutung.
Die oekom research AG wurde im März 2018 von der US-Ratingagentur ISS (Institutional Shareholder Services)
übernommen, welche seit 1985 im Bereich Corporate Responsibility und ESG-Rating tätig ist, und sich seit 2021
mehrheitlich im Besitz der Deutschen Börse befindet.
Als eine der international führenden ESG-Ratingagenturen ist ISS Spezialist für die unabhängige Analyse und Bewertung
ökologischer und sozialer Leistungen von Unternehmen, die sich zur Finanzierung von Projekten Geld vom Kapitalmarkt
holen. ISS ESG versorgt Investor:innen mit unabhängigen Bewertungen, damit diese ihre Investitionsentscheidungen unter
strengen Nachhaltigkeitsgesichtspunkten treffen können.
Weitere Informationen zum ISS-ESG-Rating unter: https://www.issgovernance.com/esg/ratings/corporate-rating/.
G.4. Sozial- und Arbeitnehmerbelange (inkl. Stakeholder:innenmanagement)
Stakeholder:innenmanagement
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern steht mit einer Vielzahl von Stakeholder:innen in Kontakt: Eigentümer, Politik und
Behörden, Privat- und Geschäftskund:innen, Anrainer:innen, Mitarbeiter:innen und andere ÖBB-Konzerngesellschaften,
Kooperationspartner:innen, Investor:innen, Lieferant:innen sowie Öffentlichkeit und Medien.
Kund:innengruppen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns
Ein wesentlicher Teil der externen Stakeholder:innen sind die Kund:innengruppen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns:
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
94
Mit 69 Eisenbahnverkehrsunternehmen und drei Authorized Applicants (NEVU) bestehen Infrastrukturnutzungsverträge
(Stichtag 31.12.2022). Der Anteil externer EVU gemessen an den Zugkilometern beträgt im Personenverkehr 6,9%
(Vj: 4,6%). Im Güterverkehr liegt der Anteil externer EVU auf der Basis von Bruttotonnenkilometern bei 39,9% (Vj: 37,3%).
Der deutlich gestiegene Anteil externer EVU im Personenverkehr ist nach den COVID-19-bedingten Ausfällen im Jahr 2021
(z. B. City Airport Train – CAT, WESTbahn GmbH) auf die Rückkehr zu einem mit Vorpandemiezeiten vergleichbaren
Fahrplan zurückzuführen.
2022 hatten 57 externe Kund:innen einen Bahnstromnetznutzungsvertrag mit der ÖBB-Infrastruktur AG abgeschlossen
und 54 davon auch einen Energielieferungsvertrag (Stand 31.12.2022). Dies entspricht wie im Vorjahr einem Marktanteil
von rd. 96% im liberalisierten Bahnstrom- bzw. Energiemarkt. Alle Kund:innen der ÖBB-Infrastruktur AG werden seit
01.01.2018 mit Bahnstrom, der zu 100% aus erneuerbaren Energieträgern stammt, versorgt.
Mehr digitale Kund:inneninformationen durch neue LED-Anzeigen auf den Bahnsteigen
ÖBB Kund:innen schätzen optische Informationen zu ihren Zügen, die ihnen dynamisch und in Echtzeit den aktuellen
Status anzeigen – Wie ist mein Zug heute unterwegs, gibt es Verspätungen oder wo finde ich meinen Wagen? Mit
elektronischen Anzeigen können diese Erwartungen optimal erfüllt werden. Die neuen Anzeiger sind gleich mehrfach
vorteilhaft: Sie bieten eine deutlich größere, aktive Anzeigefläche, wodurch mehr Raum für Informationen für die
Kund:innen entsteht. So wird etwa auf Fernverkehrsbahnhöfen auch die Wagenreihung des Zugs dargestellt. Technische
Basis der neuen Anzeiger ist die LED-Technologie, das macht sie um ein Drittel energiesparender als die bisherigen LCD-
Anzeigen. Zudem bieten sie mehr Information in Farbe sowie eine höhere Auflösung und kosten etwa 30 Prozent weniger
als ihre Vorgänger.
Die neueste Generation von Bahnsteiganzeigern wurde 2022 in Wien Matzleinsdorf, Strebersdorf, Lauterach und
Hohenems in Betrieb genommen. Weitere wurden in Salzburg Hbf, Graz Hbf, Wien Heiligenstadt, Baden, Tulln Stadt, Puch
bei Hallein, Golling-Abtenau, Rankweil und St. Michael installiert.
Kund:innenzufriedenheit
Im Bereich „Markt- / Vertragskunde” (B2B) und „Kunde” (B2C) werden in regelmäßigen Intervallen (mindestens alle zwei
Jahre) Kund:innenzufriedenheitsumfragen durchgeführt. Im Bereich der Kund:innengruppen „Eigentümer / Politisches
Umfeld” wird aufgrund der Komplexität und der laufenden Zusammenarbeit auf gesonderte
Kund:innenzufriedenheitsumfragen verzichtet.
Es gibt hier unterschiedliche Methoden, die angewendet werden (quantitativ, qualitativ, Strukturgleichungsmodelle etc.).
Der Mehrwert dieser Umfragen bei diesen Kund:innengruppen kann wie folgt beschrieben werden:
– Kenntnis über Zufriedenheit der Leistungserbringungen
– Erhebung von konkreten Verbesserungspotenzialen
– Kenntnis über zukünftige Erwartungen / langfristigen Kund:innenbedarf
– Originalfeedback der Nutzer:innen
– Wissen um Grundmeinungen zur ÖBB-Infrastruktur AG zur Ableitung von strategischen Stärken und Schwächen bzw.
Chancen und Risiken
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
95
Zielsetzungen
– Steigerung der Kund:innenzufriedenheit auf 76% im Jahr 2030.
Die Zufriedenheit der B2C-Kund:innen mit den Leistungen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns wird durch ein externes
Unternehmen durch eine konzernweite Befragung von Fahrgäst:innen erhoben. Die Erhebung erfolgt durch
Telefoninterviews, schriftlich anhand von Fragebögen (Selbstausfüller) und Beobachtungen bzw. Mystery-Touren. Für den
KPI-Wert wird die Bewertung der Selbstausfüller herangezogen. Es werden für den ÖBB-Infrastruktur-Konzern relevante
Fragen zu folgenden Themen abgefragt: Pünktlichkeit, Barrierefreiheit Bahnhof, Wegeleitsystem am Bahnhof,
Informationen am Bahnhof im Regelfall, Gesamtreisezeit & Fahrtdauer, persönliches Sicherheitsgefühl am Bahnhof,
Sauberkeit und Erhaltungszustand Bahnhof, Information am Bahnhof bei Unregelmäßigkeit, passende
Anschlussverbindungen an andere Züge, Bahnhof Infrastruktur, Wartebereiche.
Die maximale Punkteanzahl beträgt 100 Punkte. Der Selbstausfüllerwert für 2022 beträgt 75% und ist als „gut“ zu
bezeichnen. Die Beibehaltung der Kunden:innenzufriedenheit ist eine große Herausforderung, deshalb wird mit nur einer
geringen Steigerung gerechnet. Die für Herbst 2020 und 2021 geplanten konzernweiten
Kunden:innenzufriedenheitsbefragungen wurden aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht durchgeführt.
Die Ergebnisse der Kund:innenzufriedenheitsumfragen werden dem Unternehmen bzw. den betroffenen Bereichen durch
den Stab „Unternehmensentwicklung” zur Verfügung gestellt, wodurch die Basis für die weitere strategische Ausrichtung
sowie zur weiteren Ableitung von operativen Maßnahmen gegeben ist.
Beschwerdemanagement
Unabhängig von Umfragen ist das Kund:innenservice (Beschwerdemanagement) ein Gradmesser der
Kund:innenzufriedenheit. Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern hat ein zentrales Kund:innenservice im Bereich „B2C“ für
Stakeholder:innen wie z. B. Fahrgäst:innen, Anrainer:innen, Bahnhofsbesucher:innen etc. implementiert. Dort werden
Anfragen und Beschwerden zu Infrastrukturthemen wie Ausstattung der Bahnhöfe (Park & Ride, Lift, Sitzgelegenheiten …),
Kund:inneninformation am Bahnhof, Sauberkeit der Bahnhöfe, Bauarbeiten etc. bearbeitet. Anliegen, die den
Personenverkehr betreffen, werden direkt vom Kund:innenservice des ÖBB-Personenverkehrs bearbeitet.
Anfragen und Beschwerden, die im ÖBB-Infrastruktur-Konzern via Brief, E-Mail (infra.kundenservice@oebb.at),
Kontaktformular (https://infrastruktur.oebb.at/de/kontakt/kontaktformular) oder Social Media eintreffen, werden vom
Kund:innenservice bearbeitet und an die Fachbereiche weitergeleitet. Eine (Erst-)Antwort an die Kund:innen soll innerhalb
von 48 Stunden (an Werktagen) erfolgen. Sind andere Teilkonzerne des ÖBB-Konzerns davon betroffen, werden diese
Anfragen und Beschwerden an diese weitergeleitet.
Während des Ablaufs der Bearbeitung von Anfragen und Beschwerden werden Aktionspunkte sowie Anlagen
(Eingangsmail, ggf. Schriftverkehr mit Kund:innen, interner Schriftverkehr, E-Mail-Unzustellbarkeitsprotokolle usw.) in der
IT-Applikation „Remedy-Beschwerdemanagement” erfasst und gespeichert. Periodische Auswertungen sind Grundlage für
das Management.
Information und Bewusstseinsbildung
Als Errichter und Bauherr von zahlreichen Schieneninfrastruktur-Großprojekten, die unter hochkomplexen
Rahmenbedingungen – großteils bei laufendem Betrieb – realisiert werden, kommt dem Stakeholder:innen-Management
eine große Bedeutung zu: Planungs- und Bauprojekte erfordern für eine erfolgreiche Umsetzung eine maßgeschneiderte
und in sich stimmige projektbegleitende Öffentlichkeitsarbeit. Information, Kommunikation und weitestgehende
Einbindung der von den Projekten berührten Bevölkerung bilden die wichtigsten Säulen der eingesetzten Maßnahmen.
Diese umfassen u. a. das Erstellen von Informationsfoldern, Streckenkarten, Anrainerinformationen, Fotos und Filmen,
Ausstellungen und Infoboxen, aber auch das Organisieren von Veranstaltungen (Spatenstichen, Tunnelan- und
-durchschlägen, Planausstellungen, Eröffnungsfeiern etc.) und Baustellenbesichtigungen sowie die Präsentation der
Projekte im Internet und auf Social-Media-Kanälen.
In der Anrainer:innen- und Stakeholder:innen-Kommunikation wird auf zwei Säulen gesetzt: einerseits auf die möglichst
transparente Informationspolitik auf Augenhöhe und andererseits auf die möglichst frühe Information und Einbindung
aller Akteur:innen. Es wird nicht verschwiegen, dass die Bauarbeiten für einen begrenzten Zeitraum lärmintensiv sein
können und zu Einschränkungen führen. Aber vom Ausbau der Bahninfrastruktur profitieren am Ende des Tages die
Kund:innen durch ein besseres Angebot. In dieser Weise wird es einfach und attraktiv, auf das klimafreundliche
Verkehrsmittel Bahn umzusteigen.
In der Planung und Umsetzung von Bahninfrastrukturvorhaben wird auf bewährte Modelle der Stakeholder:innen- und
Bürger:innenbeteiligung gesetzt: Mit „Runden Tischen“, Dialogforen oder begleiteten Trassenauswahlverfahren werden
die notwendigen Akteur:innen frühzeitig ins Boot geholt. Entscheidend dabei ist insbesondere ein sehr früher Zeitpunkt
für den Beginn dieser Aktivitäten. So kommt es in den meisten Fällen zu einer akzeptablen Lösung für alle.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
96
Das Thema „Sicherheit auf Bahnanlagen” ist enorm wichtig, daher wird jedes Jahr viel Zeit und Geld in die
Bewusstseinsbildung für Gefahren an Bahnanlagen investiert. Denn jedes Jahr verunglücken in Österreich Menschen
infolge von unüberlegtem Handeln, Unwissenheit und Leichtsinn an Gleisanlagen, einige leider auch mit tödlichem
Ausgang. Um diese Unfälle zu vermeiden, gilt es, vor allem Jugendliche zu informieren und entsprechend aufzuklären.
Daher startet jedes Jahr zu Schulbeginn eine Sicherheitskampagne, um das sichere Verhalten in der Nähe von Bahnanlagen
zu fördern. Somit wird eine der wichtigsten und potenziell gefährdetsten Stakeholder:innengruppen direkt eingebunden.
Zentraler Angelpunkt der Kampagne ist die ÖBB-Website www.passaufdichauf.at sowie weiters oebb.at/Sicherheit.
Darüber hinaus werden Schulen österreichweit auf deren Wunsch Sicherheitsvorträge zur Bewusstseinsbildung für
Gefahren an Bahnanlagen angeboten.
Dem Thema „Bewusstseinsbildung für das richtige Verhalten vor Eisenbahnkreuzungen” wird jedes Jahr rund um den
„International Level Crossing Awareness Day” (ILCAD) Anfang Juni besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Aus diesem
Anlass wurden 2022 an diesem Tag Journalist:innen und Fahrschulen eingeladen, bei einer Sonderzugfahrt mitzufahren,
um das Verhalten von Straßenverkehrsteilnehmer:innen vor Eisenbahnkreuzungen aus den Augen einer/s Lokführer:in
wahrnehmen zu können. Außerdem wurden Folder zur Sicherheit an Eisenbahnkreuzungen verteilt sowie in einer
Presseinformation über die möglichen Gefahren vor Eisenbahnkreuzungen, die sich aus Unachtsamkeit ergeben,
aufgeklärt. Ein europaweiter Ideenaustausch zum internationalen Eisenbahnkreuzungstag erfolgt im Rahmen von ILCAD-
Meetings des Internationalen Eisenbahnverbands (UIC).
Als Kooperationspartner beim ÖAMTC-Event „YoMoCon“ vermittelt die ÖBB-Infrastruktur AG Sicherheit auf spielerische
Weise. YoMoCon steht für Young Mobility Convention und ist eine Veranstaltung des ÖATMC Oberösterreich, die am 4.
und 5. Juli 2022 im ÖAMTC Fahrtechnikzentrum Marchtrenk stattgefunden hat. Die ÖBB-Infrastruktur hat daran als
Kooperationspartner teilgenommen, um das Bewusstsein für mögliche Gefahren an Bahnanlagen für die teilnehmenden
Schüler:innen zu schärfen. Die Veranstaltung gehört zu den größten Verkehrssicherheitsevents in ganz Österreich. Die
YoMoCon leistet mit ihrem Konzept der „Verkehrssicherheit zum Angreifen“ einen wichtigen Beitrag zur
Bewusstseinsbildung und zur Erlangung von Kompetenzen für die Mobilität junger Verkehrsteilnehmer:innen. Dabei
leisteten Kolleg:innen der ÖBB-Infrastruktur und ein Team der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG vor Ort mit
interaktiven Stationen und kurzweiligen Vorträgen für mehr Sicherheit ihren Beitrag. In vier Stationen wurden dabei 1.850
Schüler:innen aus 88 Schulklassen sicherheitsrelevante Themen spielerisch näher gebracht.
Die österreichischen Bahnfahrer:innen befinden sich bezüglich der zurückgelegten Kilometer auf Platz 1 innerhalb der
Europäischen Union und zählen laut Eurobarometer der Europäischen Kommission (2018) zu den zufriedensten
Bahnkund:innen der EU.
Je Einwohner:in mit der Bahn zurückgelegte Entfernung im Jahr 2020. Quelle: Schienen-Control (IRG-Rail Marktbericht).
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
97
Personal
Der ÖBB-Konzern als attraktiver Arbeitgeber mit Vielfalt
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern wird stetig vielfältiger und befindet sich inmitten eines Generationenwandels. Im Jahr 2022
sind 813 Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung in den Ruhestand gewechselt, und 708 Mitarbeiter:innen haben den ÖBB-
Infrastruktur-Konzern verlassen. Um dem entgegenzuwirken, wurden im ÖBB-Konzern 2022 4.691 Mitarbeitende
(inklusive Ausland und Lehrlinge) aufgenommen – im ÖBB-Infrastruktur-Konzern waren es 1.526 Mitarbeiter:innen.
Aufgrund der Mobilitätswende und der zunehmenden Technologisierung ändern sich die Anforderungen an die
Führungskräfte und Mitarbeiter:innen, die eingesetzten Technologien und die dafür benötigten Qualifikationen. Die
Hauptthemen und Herausforderungen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns sind dabei der Generationenwandel, den ÖBB-
Infrastruktur-Konzern als attraktiven und diversifizierten Arbeitgeber zu positionieren, die Gesundheit der
Mitarbeiter:innen zu fördern sowie Aus- und Weiterbildungen zielgerichtet anzubieten. Das Ziel des ÖBB-Infrastruktur-
Konzerns und seiner Mitarbeiter:innen ist es, dabei immer die beste Leistung für die Kund:innen zu erbringen.
Wichtige Personalkennzahlen auf einen Blick
Der Mitarbeiter:innenstand des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns setzt sich wie folgt zusammen:
Veränderung Durchschnitt
Anzahl Mitarbeiter:innen Köpfe
31.12.2022
31.12.2021
Stichtag
in %
2022
2021
Angestellte
5.599
5.076
523
10%
5.358
4.913
Arbeiter:innen
3.599
3.319
280
8%
3.516
3.237
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung 7.678
8.517
-839
-10%
8.076
8.920
Gesamt aktive Mitarbeiter:innen
16.876
16.912
-
36
0%
16.950
17.070
Lehrlinge 1.498
1.523
-25
-2%
1.349
1.374
Gesamt mit Lehrlingen
18.374
18.435
-
61
0%
18.299
18.444
Veränderung Durchschnitt
Anzahl Mitarbeiter:innen FTE
31.12.2022
31.12.2021
Stichtag
in %
2022
2021
Angestellte
5.452,8
4.963,6
489,2
10%
5.223,4
4.799,0
Arbeiter:innen 3.587,3
3.309,0
278,3
8%
3.505,8
3.227,1
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung
7.527,0
8.352,7
-
825,7
-
10%
7.918,3
8.753,6
Gesamt aktive Mitarbeiter:innen 16.567,1
16.625,3
-58,2
0%
16.647,5
16.779,7
Lehrlinge
1.498,0
1.523,0
-
25,0
-
2%
1.348,9
1.373,8
Gesamt mit Lehrlingen 18.065,1
18.148,3
-83,2
0%
17.996,4
18.153,5
Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung sind ÖBB Angestellte, die den „Allgemeinen Vertragsbedingungen für Dienstver-
träge bei den Österreichischen Bundesbahnen” (AVB) unterliegen, vor dem 01.01.1995 eingetreten und aufgrund der
Bestimmungen der AVB unkündbar sind. Diese Mitarbeiter:innengruppe wird in den nächsten Jahren aufgrund der
bevorstehen den Pensionierungswellen kleiner.
Die Mitarbeiter:innen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns unterliegen zum Großteil Kollektivverträgen oder den Allgemeinen
Vertragsbedingungen (AVB, die überwiegende Mehrheit davon mit Definitivstellung). In der Tochtergesellschaft Rail
Equipment GmbH & Co KG gibt es für eine kleine Gruppe an Mitarbeiter:innen keinen zugrundeliegenden Kollektivvertrag.
Hier ist das Angestelltengesetz anwendbar. Somit unterliegen in Summe 99,9% der Mitarbeiter:innen einem
Kollektivvertrag. Unterscheidungen in den Vergütungssystemen von Frauen und Männern gibt es keine. Grundsätzlich
werden im Anwendungsbereich von Kollektivverträgen die vertraglich festgelegten Mindestgehälter gewährt. Ein großer
Anteil der Mitarbeiter:innen bezieht ein über diesen Mindestgehältern liegendes Entgelt.
Der Personalstand des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns sank im Berichtsjahr auf 18.374 Mitarbeiter:innen. Rd. 42%
(Vj: rd. 46%) des Personalstands entfielen auf Mitarbeiter:innen mit Definitivstellung. Das Durchschnittsalter (exkl.
Lehrlinge) lag bei rd. 45,0 (Vj: rd. 45,5) Jahren. Der Frauenanteil (inkl. Lehrlingen) betrug rd. 11,0% (Vj: rd. 9,9%).
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
98
Die Geschlechterverteilung nach Arbeitsverhältnis
Im Jahr 2022 waren 15.901 (Vj: 16.160) Männer und 1.651 (Vj: 1.499) Frauen vollzeitbeschäftigt sowie 455 (Vj: 448)
Männer und 367(Vj: 328) Frauen teilzeitbeschäftigt.
Darüber hinaus waren im Geschäftsjahr 2022 durchschnittlich 294 (Vj: 299) externe Leasingkräfte (FTE), insbesondere im
Bereich Facility-Services (Sicherheit, Reinigung), beschäftigt.
Im Jahr 2022 befanden sich im ÖBB-Infrastruktur-Konzern in Summe 411 (Vj: 360) Mitarbeiter:innen in einem befristeten
und 17.963 (Vj: 18.075) Mitarbeiter:innen in einem unbefristeten Dienstverhältnis, davon 302 (Vj: 262) Männer sowie 109
(Vj: 98) Frauen in einem befristeten und 16.054 (Vj: 16.346) Männer sowie 1.909 (Vj: 1.729) Frauen in einem unbefristeten
Dienstverhältnis.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
99
Aufgenommene
Mitarbeiter:innen ÖBB-Konzern
1)
GRI 401-1
2021 2022
Frau % Mann % Frau % Mann %
Angestellte
78
29,4%
143
14,2%
116
35,3%
192
18,6%
Arbeiter:innen 6
9,0%
167
10,2%
12
16,2%
208
12,1%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Lehrlinge
68
35,8%
381
28,6%
83
40,3%
371
28,7%
Mitarbeiter:innen Inland
unter 30 Jahre alt
152
29,1%
691
17,3%
211
34,6%
771
19,0%
Angestellte
69
10,8%
133
5,2%
112
34,0%
165
5,9%
Arbeiter:innen 30
23,3%
145
11,7%
25
33,8%
183
13,3%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Lehrlinge
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Mitarbeiter:innen Inland
zwischen 30 und 50 Jahre alt
99
11,4%
278
5,2%
137
14,6%
348
6,6%
Angestellte
11
6,8%
16
0,6%
8
4,5%
21
4,1%
Arbeiter:innen 11
15,7%
15
1,2%
8
9,4%
22
10,3%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Lehrlinge
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Mitarbeiter:innen Inland
über 50 Jahre alt
22
5,1%
31
0,4%
16
0,8%
43
0,6%
Angestellte
158
14,8%
292
7,3%
236
19,0%
378
8,7%
Arbeiter:innen
47
17,7%
327
10,7%
45
15,7%
413
12,5%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Lehrlinge
68
35,8%
381
28,6%
83
40,3%
371
28,7%
Mitarbeiter:innen
2)
273
14,9%
1.000
6,0%
364
18,0%
1.162
7,1%
1)
Die Rate der Austritte wurde mit einer einfachen Berechnung der Daten (Stichtag: 31.12.) berechnet. Anzahl der Mitarbeiter:innen, die in den ÖBB-Konzern
verlassen haben / Anzahl der Mitarbeiter:innen nach Arbeitsvertrag * 100.
2)
ÖBB-Infrastruktur-Konzern.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
100
Mitarbeiter:innen, die den ÖBB-
Infrastruktur-Konzern verlassen
haben
1)
GRI 401-1
2021 2022
Frau % Mann % Frau % Mann %
Angestellte
30
11,3%
37
3,7%
44
13,4%
77
7,4%
Arbeiter:innen 16
23,9%
170
10,3%
14
18,9%
200
11,6%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Lehrlinge
14
7,4%
52
3,9%
19
9,2%
72
5,6%
Mitarbeiter:innen Inland
unter 30 Jahre alt
60
11,5%
259
6,5%
77
12,6%
349
8,6%
Angestellte
24
9,1%
62
2,4%
35
4,7%
75
2,7%
Arbeiter:innen 5
7,5%
64
5,2%
11
8,7%
80
5,8%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
0
0,0%
16
1,0%
0
0,0%
8
0,7%
Lehrlinge
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Mitarbeiter:innen Inland
zwischen 30 und 50 Jahre alt
29
3,3%
142
2,7%
46
4,9%
163
3,1%
Angestellte
13
8,1%
23
5,3%
10
5,6%
27
5,2%
Arbeiter:innen 9
12,9%
12
7,0%
9
10,6%
10
4,7%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
18
8,9%
781
11,7%
23
11,1%
807
12,8%
Lehrlinge
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%
Mitarbeiter:innen Inland
über 50 Jahre alt
40
9,2%
816
11,2%
42
9,0%
844
12,0%
Angestellte
67
6,3%
122
3,0%
89
7,1%
179
4,1%
Arbeiter:innen
30
11,3%
246
8,1%
34
11,9%
290
8,8%
Mitarbeiter:innen
mit Definitivstellung
18
5,9%
797
9,7%
23
8,2%
815
11,0%
Lehrlinge
14
7,4%
52
3,9%
19
9,2%
72
5,6%
Mitarbeiter:innen
2)
129
7,1%
1.217
7,3%
165
8,2%
1.356
8,3%
1)
Die Rate der Austritte wurde mit einer einfachen Berechnung der Daten (Stichtag: 31.12.) berechnet. Anzahl der Mitarbeiter:innen, die in den ÖBB-Konzern
verlassen haben / Anzahl der Mitarbeiter:innen nach Arbeitsvertrag * 100.
2)
ÖBB-Infrastruktur-Konzern.
Aus- und Weiterbildung
Einen besonderen Schwerpunkt setzt die ÖBB-Infrastruktur AG bei der Aus- und Weiterbildung. Im Sinne des lebenslangen
Lernens und der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Mitarbeiter:innen gemäß den beruflichen Anforderungen
begleitet das Unternehmen die Mitarbeiter:innen und Führungskräfte mit einem abgestimmten und umfangreichen
Angebot an Ausbildungen vom Ein- bis zum Austritt. Neue Mitarbeiter:innen werden rasch ins Unternehmen integriert
und jobrelevantes Wissen systematisch aufgebaut. Das erlangte Wissen wird gesichert an die nächste Generation
weitergegeben. Mit dem Rotationsprogramm „infra:techrotation“ werden Berufseinsteiger:innen im technischen Bereich
rasch und vor allem bedarfsgerecht für ihre zukünftigen Aufgaben fit gemacht.
Zielsetzungen
– Umfassende fachliche und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter:innen
– Erhöhung des Frauenanteils bei der Lehrlingsausbildung auf ≥ 20% bis 2026 (siehe Kapitel Vielfalt und
Chancengleichheit)
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
101
Fachausbildung und Lehrlingsausbildung im ÖBB-Infrastruktur-Konzern
Unter dem Motto „Von der Lehre bis zum Master” bündelt die ÖBB-Infrastruktur AG die eisenbahnspezifischen Aus- und
Weiterbildungen des ÖBB-Konzerns. Der Geschäftsbereich „Aus- und Weiterbildung” (AWB) bietet hierfür Angebote in
höchster Qualität für den ÖBB-Konzern und die österreichische Wirtschaft. Ein Großteil der Lehrberufe, die gesamte
betriebliche, fahrzeugtechnische Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter:innen, wird vom Geschäftsbereich selbst
durchgeführt, zudem werden Kooperationen mit externen Bildungsanbietern koordiniert.
Die ÖBB-Infrastruktur AG bietet als größter technischer Lehrlingsausbilder österreichweit 20 Lehrberufe an. Aktuell werden
rund 1.800 junge Menschen, davon 17,3% Mädchen (inklusive Lehrlinge der Allgemeinen Privatstiftung für berufliche
Bildung) zu hochqualifizierten Facharbeiter:innen ausgebildet, vorrangig in technischen Berufsfeldern. Die Lehrlinge
profitieren von modernen Lehr- und Lernmitteln sowie neu errichteten Lehrwerkstätten und einem neuen Lehrlingsheim.
Im Jahr 2022 wurden 420 Lehrabschlussprüfungen positiv abgeschlossen. Davon konnten bisher rund 75% der Lehrlinge
übernommen werden. Die Ausbildung ist staatlich ausgezeichnet, so zum Beispiel mit dem Wiener Qualitätssiegel als
„TOP-Lehrbetrieb”. Die Lehrabsolvent:innen erlangen jährlich zahlreiche Preise und Auszeichnungen bei
Berufswettbewerben.
Die Lehrlingsausbildung der ÖBB-Infrastruktur AG hat in den letzten Jahren in viele neue und moderne Anlagen investiert.
So wurde bereits im Oktober 2018 die neue Lehrwerkstätte in Wien eröffnet. Im 10. Bezirk bietet die Lehrwerkstätte Wien
aktuell rund 650 Lehrlingen optimale Bedingungen zum Erlernen eines technischen Berufs auf modernstem Stand. Am
Standort befindet sich auch ein eigens eingerichtetes Zukunftslabor, in dem neben dem 3D-Druck auch Robotik, Virtual
Reality und Augmented Reality für Ausbildungszwecke untersucht werden. So wurde von Ausbilder:innen und Lehrlingen
ein Virtual-Reality-Projekt umgesetzt, in dem der Wiener Hauptbahnhof digital nachgebildet wurde und
Instandhaltungsaufgaben an Signalanlagen eingeübt werden können. Die Augmented Reality unterstützt den modernen
Lernprozess mit dreidimensionalen und interaktiven Abbildungen in den Ausbildungsunterlagen z. B. von einem
Elektromotor.
Auch in andere Standorte wird investiert: In den letzten Jahren wurden für rd. 44,0 Mio. EUR in die Lehrwerkstätten
Feldkirch, Innsbruck und Knittelfeld sowie in das Lehrlingswohnhaus in St. Pölten für einen Neu- bzw. Umbau investiert.
Und auch im Bereich der angebotenen Berufe tut sich etwas: Seit Herbst 2019 erlernen junge Menschen die
zukunftsweisenden Berufe „E-Commercekauffrau/-mann” Applikationsentwicklung – Coding. Zusätzlich werden 2020
noch die Lehrberufe „Elektrotechnik – Energietechnik und Kälteanlagentechnik angeboten, welche im Bereich der „Grünen
Wirtschaft” Mehrwerte schaffen.
Die ÖBB-Infrastruktur AG fördert darüber hinaus „Lehre und Matura” und eröffnet somit ihren Lehrlingen eine Möglichkeit
der Weiterqualifizierung. Über rund 130 Jugendliche nehmen diese bereits wahr. Neben der fachlichen Ausbildung hat
auch die Förderung der sozialen Kompetenz einen hohen Stellenwert. Unter dem Motto „Frauen & Mädchen in die
Technik!” engagiert sich die Lehrlingsausbildung dafür, die technische Ausbildung für Frauen und Mädchen noch
attraktiver zu gestalten, und konnte damit unter den Lehrlingen heuer erstmals einen Frauenanteil von 20,32% in der
Neuaufnahme erreichen. Für dieses Engagement wurde die Lehrlingsausbildung der ÖBB-Infrastruktur AG 2019 mit dem
„amaZone-Award” ausgezeichnet.
„Diversität ist eine Chance“ – die ÖBB-Infrastruktur AG betreibt ein speziell auf die Bedürfnisse von jugendlichen
Flüchtlingen ausgerichtetes Ausbildungsprojekt. Derzeit werden 117 Flüchtlinge mit speziellen Förderprogrammen,
intensivem Training in Deutsch und Mathematik sowie Nachhilfe und Mentoring während ihrer gesamten Lehrzeit
unterstützt.
Bedingt durch die Pandemiesituation wurden die E-Learning-Systeme stark weiterentwickelt. So wurde im März 2020 für
die Lehrlinge eine Lernplattform installiert, welche im Rahmen der notwendigen Distance-Learning-Maßnahmen eine
Vielzahl von Lerninhalten zeit- und ortsunabhängig zur Verfügung gestellt hat.
Auch 2022 wurde der Bereich der Aus- und Weiterbildung, wie schon im Jahr 2021, mit der COVID-19-Pandemie vor
große Herausforderungen gestellt. Zahlreiche Maßnahmen wurden gesetzt, um den, in einer Jahresplanung definierten,
erforderlichen Kursbetrieb, aber auch die gesetzlich vorgeschriebene Weiterbildung für alle betrieblichen Mitarbeiter:innen
weiter zu ermöglichen: Eine teilweise Umstellung auf Onlineunterricht und E-Learning, sichere Rahmenbedingungen und
klare Spielregeln in unseren Bildungseinrichtungen, z. B. bezüglich des Tragens von MNS-Masken und der Abstände, sowie
eine bereits im Herbst 2020 begonnene Teststrategie haben es zugelassen, dass die betriebswichtigen Weiterbildungen
ebenso durchgeführt werden konnten wie die Ausbildungen für die benötigten Nachwuchskräfte.
Zur Förderung des internationalen Diskurses „Vocational Education and Training“ wurde durch die Lehrlingsausbildung
der ÖBB-Infrastruktur AG und die Europäische Kommission am 9. und 10. Juni 2022 zum „European Year of Youth“ eine
High-Level-Conference ausgerichtet. Inhaltlich wurden die Themen „Green and Digital Transformation”, „Gender Equality”
sowie „Mobility and transnational Cooperation“ erfolgreich weiterentwickelt.
Die Lehrlingsausbildung der ÖBB-Infrastruktur AG wurde 2022, im Rahmen der „European Vocational Skills Week“ mit
dem „VET Excellence Award“ als europaweiter Sieger in der Kategorie großer Unternehmen geehrt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
102
Im Bereich der eisenbahnspezifischen Ausbildung liegt der Schwerpunkt der beiden Bildungszentren in der Wiener
Kundratstraße und am Bildungscampus in St. Pölten weiterhin auf den eisenbahnspezifischen Berufsbildern
„Triebfahrzeugführer:innen”, „Fahrdienstleiter:innen” und „Wagenmeister“. Durch die Umsetzung der
„Fahrdienstleiter:innen-Ausbildung_Neu“ sowie der dezentralen Gestaltung der Verschub-Ausbildungsschiene sind
darüber hinaus alle neun regionalen Trainingszentren und acht Trainingsstandorte ein wesentlicher Teil, betriebliches
Wissen und Know-how im Zuge des anstehenden Generationenwechsels an unsere neuen Mitarbeiter:innen
weiterzugeben. Darüber hinaus stellen die regionalen Standorte die Durchführung der betrieblichen Weiterbildung sicher
und tragen somit zu einer sicheren Betriebsführung bei. Weiters werden jährlich Tausende interne und externe
Teilnehmer:innen für sicheres Verhalten und Arbeiten im Gleisbereich geschult. Insgesamt schulten die über hundert
Fachausbilder:innen in 115.606 Schulungstagen.
Mit der jährlichen Weiterbildung von Mitarbeiter:innen, die betriebliche Funktionen und Tätigkeiten ausüben, wird zu einer
sicheren Betriebsführung beigetragen.
Die ÖBB-Infrastruktur AG bietet hierfür die Aus- und Weiterbildung für ÖBB Mitarbeiter:innen, aber auch für
Mitarbeiter:innen von (im Jahr 2022) 510 konzernexternen Drittfirmen an. Alle zwei Jahre werden Befragungen der
internen sowie externen Kund:innen durchgeführt. Bei der heurigen Teilnahme an der groß angelegten B2B-
Kund:innenzufriedenheitsstudie der ÖBB-Infrastruktur wurde ein Mittelwert von 1,5 erreicht. Die wichtigsten Assets sind
Ausbildungsqualität und starke Kund:innenbeziehung.
Im Bereich der Erwachsenenausbildung werden diskriminierungsfrei für interne und externe Kund:innen 116 verschiedene
Bildungsprodukte in höchster Qualität angeboten.
Technologischer Fortschritt verändert die eisenbahnspezifischen Berufe und damit die Aus- und Weiterbildungen des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns. Große Teile der Aus- und Weiterbildung erfolgen über E-Learning, wodurch auch früher
notwendige Reisetätigkeiten stark reduziert werden können. Statt umfangreiche gedruckte Skripten auszugeben, werden
Ressourcen gespart und die Lernunterlagen digital ausgefertigt. Dafür wurden die Teilnehmer:innen in der fahrzeug- und
traktionstechnischen Ausbildung mit Tablets sowie Teilnehmer:innen in der Ausbildung Fahrdienstleiter:in mit Laptops
ausgerüstet. 2021 wurde eine eigene digitale Taskforce eingerichtet, die – gemeinsam mit den Lehrkräften – definierte
Inhalte in Aus- und Weiterbildungen für Blended-Learning mittels Lern-Apps, E-Learnings und Formate im Bereich VR / AR
aufbereitet und ausrollt. Damit soll flexibles Arbeiten im zunehmend dynamischen Umfeld unterstützt werden. Ziel ist es,
den Schwerpunkt auf digitale Lernformate in Kombination mit klassischen Schulungsformaten zu legen und moderne
Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten.
Im Bereich Nachhaltigkeit in den Bildungszentren hat man am Standort Wien erneut den Ratifizierungsprozess für das
österreichische Umweltzeichen eingereicht. Der topmoderne Bildungscampus für eisenbahnspezifische Berufe wurde mit
dem „klimaaktiv Gebäudestandard“ ausgezeichnet. Die Überprüfung für das österreichische Umweltzeichen wurde am
Campus erfolgreich durchgeführt.
Personalentwicklung
Das gesamte Produktportfolio zur Weiterbildung von Führungskräften, Expert:innen und Mitarbeiter:innen wird von der
Personalentwicklung verantwortet. Der Fokus der diversen Bildungsangebote und Programme wird einerseits auf die
Entwicklung persönlicher sowie sozialer und andererseits auf die Entwicklung fachlicher Kompetenzen gelegt.
Wie in den Vorjahren begonnen, hat die Personalentwicklung – bestimmt durch das Andauern der Pandemie – das
gesamte Portfolio weiterhin auch für die Onlineabwicklung adaptiert, um somit in Zukunft flexibel auf den jeweiligen
Bedarf reagieren zu können.
Für Mitarbeiter:innen des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns mit Trainertätigkeit bot der Stab Personal 2022 wieder
unterschiedliche Aus- und Weiterbildungen im Bereich der Trainer:innenqualifizierung an. Darunter auch das 2021
weiterentwickelte Onlinetraining „infra:Digital Trainer:in”, bei welchem Ausbilder:innen und Trainer:innen ihre
Kompetenzen hinsichtlich der Anwendung digitaler Tools verbessern und ihre Onlineschulungen interaktiv gestalten
können. 2022 wurden weitere Vertiefungsseminare angeboten.
Im Bereich des Onboardings wurden die „INFRA Welcome Days” vorwiegend im Onlineformat angeboten, um die neuen
Mitarbeiter:innen willkommen zu heißen und ihnen Orientierung und Informationen zur ÖBB-Infrastruktur AG zu geben.
Im Juni 2022 fand die Abschlussveranstaltung des Management-Exzellenz-Programms statt, welches in Kooperation mit
der WU Executive Academy im Mai 2021 für die oberste Berichtsebene der ÖBB-Infrastruktur AG startete. Dieses
maßgeschneiderte Programm umfasste sechs Module und zielte darauf ab, die Managementkompetenzen entsprechend
weiterzuentwickeln und einen wesentlichen Beitrag zu den strategischen Vorhaben der Organisation zu leisten.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
103
Auf konzernweiter Ebene wurde vom 04. bis 29.10.2021 für alle Führungskräfte im Sinne einer zielgerichteten Aus- und
Weiterbildung ein 360°-Feedback als Leadership Assessment durchgeführt. Die identifizierten Stärken und
Entwicklungsfelder wurden in den Mitarbeiter:innengesprächen gemeinsam mit der übergeordneten Führungskraft
besprochen und nach Bedarf zielgerichtete Entwicklungsmaßnahmen für die Führungskräfte abgeleitet und umgesetzt.
2022 wurden basierend auf diesen Ergebnissen Entwicklungskonferenzen je Bereich und Ressort durchgeführt, um sich
über die Leistungen und Potenziale im Unternehmen auszutauschen, diese sichtbar zu machen und mittelfristig durch
gezielte Planung und Förderung von Karrierewegen eine gute Basis für Nachfolgeplanung zu schaffen.
Auf länderübergreifender Ebene erfolgte nach erster erfolgreicher Durchführung im Jahr 2018 erneut die Nominierung
von Führungskräften aus der zweiten Berichtsebene für das DACH Leadership Network, einem Führungskräfteprogramm
in Kooperation mit DB und SBB, mit dem Ziel, das gegenseitige Verständnis bezüglich Kultur und Führung zu stärken. Das
Lernen voneinander und der gegenseitige Erfahrungsaustausch bezogen auf Führung und Leadership stehen dabei im
Fokus. Der erste Programmbaustein findet im Jänner 2023 statt.
In Hinblick auf das Generationenmanagement wurden die bestehenden Nachwuchskräftepools sowie die Programme
„Fit4Future” und „infra:karriere” weitergeführt.
Im März 2022 startete der neunte Durchgang des Talenteprogramms „infra:karriere“ mit 14 Teilnehmer:innen aus den
verschiedenen Bereichen des Konzerns. Es unterstützt die Geschäftsbereiche, präventiv Mitarbeiter:innen zu qualifizieren,
um auch in Zukunft einen reibungslosen Ablauf des Geschäfts zu sichern.
Das neu entwickelte Programm „Female Business Impact“ startete im September 2022 und ist eine innovative
Personalentwicklungsmaßnahme, die insbesondere talentierte Frauen in Spezialist:innen- und Expert:innenpositionen
stärken und den Generationenwandel begleiten soll. Dabei werden fachliches Know-how, persönliche Stärkung,
kollegiales Lernen und Vernetzung durch gezielte Formate adressiert. Es startete 2022 als Pilot im Ressort Finanzen,
Services, Immobilien.
Um den Personalbedarf im technischen Bereich zielgerichtet zu decken und Berufseinsteiger:innen rasch und bedarfsge-
recht für ihre zukünftigen Aufgaben fit zu machen, wurde 2021 sehr erfolgreich das Rotationsprogramm
„infra:techrotation” konzipiert und durchgeführt. Der zweite Durchgang startete mit 14 Teilnehmer:innen im Oktober
2022.
Darüber hinaus beteiligte sich die ÖBB-Infrastruktur AG am konzernweiten Programm „Trainee4mobility” 2021 / 2022. Bei
diesem werden Trainees auf konkrete Positionen vorbereitet. Für den Durchgang 2022 / 2023 mit Start im Oktober 2022
wurden vier Übernahmestellen aus den Bereichen Controlling und Strecken- und Anlagenentwicklung eingemeldet.
Auch 2022 erhielten Mitarbeiter:innen wieder die Möglichkeit, an den konzernweiten Lehrgängen der ÖBB akademie
teilzunehmen.
Weiterbildung im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit
Um den Mitarbeiter:innen ein Weiterbildungsangebot zum umfangreichen Themenfeld „Nachhaltigkeit“ zu bieten, wurde
bereits im Jahr 2010 ein internes Seminar unter dem Titel „Bahnökologie“ geschaffen.
Das dreitägige Seminar stellt die Themen „Ökologie”, „Umweltschutz”, „Klimaschutz”, „Naturschutz” und „Nachhaltige
Entwicklung” in den Bahnkontext. Im Rahmen eines Freilandtages wird gemeinsam aktive Naturschutzarbeit auf
Bahngrund geleistet.
Das Seminar wurde im Jahr 2014 von der österreichischen UNESCO-Kommission als UN-Dekadenprojekt in der Dekade für
Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005 bis 2014 ausgezeichnet.
Mit dem Jahr 2022 haben insgesamt 236 Mitarbeiter:innen aus verschiedensten Organisationseinheiten der ÖBB-
Infrastruktur AG teilgenommen und dem Seminar eine Gesamtdurchschnittsbewertung von 1,4 nach Schulnotensystem
gegeben.
Unter aktiver Mitwirkung der ÖBB-Infrastruktur AG wurde, geleitet von der ÖBB-Personenverkehr AG, darüber hinaus ein
modulares E-Learning zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit für alle Mitarbeiter:innen im Konzern erstellt, um zu diesen
Themen ein niederschwelliges und einfach zugängliches Weiterbildungsangebot anzubieten.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
104
Attraktiver Arbeitgeber und Generationenwandel
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern befindet sich derzeit mitten im Generationenwandel. Bis 2024 müssen rd. 7.000 neue
Mitarbeiter:innen gefunden werden. Um den Generationenwandel und die damit einhergehenden Herausforderungen
erfolgreich bewältigen zu können, bedarf es eines nachdrücklichen Engagements hinsichtlich der strategischen
Schwerpunkte: die Arbeitgebermarke ÖBB muss weiter gestärkt, zielgerichtete Aus- und Weiterbildung forciert sowie das
Personalmanagement weiter effektiviert werden. Dieses ist die solide Basis zur optimalen Planung und Steuerung.
Innerhalb der sogenannten Massenfunktionen (Fahrdienstleiter:innen, Verschub und technische Instandhaltung) wird der
langfristige Bedarf an Mitarbeitenden in der strategischen Planung bestimmt.
Damit potenzielle Mitarbeiter:innen für das Unternehmen begeistert und in Folge auch aufgenommen werden können,
müssen alle Unternehmensvertreter:innen gemeinsam an einem Strang ziehen. Von den Führungskräften bis hin zu jeder
bzw. jedem Mitarbeiter:in – jede:r ist Markenbotschafter:in und leistet durch sein / ihr Engagement im täglichen Arbeiten
und durch die Art und Weise, wie er oder sie über das Unternehmen spricht, einen unschätzbaren Beitrag zum langfristigen
Erfolg des Unternehmens. Das Recruiting wird in vielen unterschiedlichen Zielgruppen mit unterschiedlichsten Ausbil-
dungs- und Erfahrungsniveaus betrieben. HTL-Techniker:innen und Techniker:innen mit akademischen Abschlüssen
werden genauso gesucht wie Handwerker:innen.
Zielsetzungen
1)
2022 wurde keine Mitarbeiter:innenbefragung durchgeführt.
2)
Konzerneinheitliche Definition: Die Berechnung erfolgt über eine Division der sonstigen Abgänge (kündbare MA) durch den durchschnittlichen Personalstand
kündbarer MA (HC), für alle MA mit einer Dienstzugehörigkeit unter zwei Jahren.
ÖBB Mitarbeiter:innenbefragung
Aufbauend auf der im September 2021 durchgeführten Mitarbeiter:innenbefragung fand 2022 die ActionGroup des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns statt, um sich mit den daraus resultierenden Ergebnissen auseinanderzusetzen und entsprechende
Maßnahmen davon abzuleiten. Der Fokus der zu behandelnden Themen wurde durch die drei Vorstandsmitglieder gelegt:
Leistung zählt bei den ÖBB (Identifikation), Abbau von Bürokratie (Identifikation) und Arbeitsbelastung
(Arbeitszufriedenheit). Ziel war es, Maßnahmen zu den jeweiligen Handlungsfeldern zu generieren und gleichzeitig die
Sicherstellung der Umsetzbarkeit für den gesamten ÖBB-Infrastruktur-Konzern zu gewährleisten. Jede:r Geschäftsbereich /
Stab / Tochter war durch eine:n Mitarbeiter:in in der ActionGroup vertreten.
Die Umsetzung der ActionGroups in den Geschäftsbereichen / Stäben / Töchtern erfolgte bereichsspezifisch. Die dabei
behandelten Handlungsfelder wurden durch die Bereiche selbst definiert (siehe auch Kapitel Gesundheit / Safety / Security).
Employer-Branding, Personalmarketing und Recruiting
Das gesamte Lehrlingsrecruiting ist mit September 2022 zum Bereich Aus- und Weiterbildung der ÖBB Infrastruktur
übergegangen. Mit der neuen Seite Nasicher.at wurde eine digitale Lösung für alle Lehrlinge geschaffen, die eine effiziente
Abwicklung des gesamten Lehrlingsrecruitingprozesses ermöglicht. Gleichzeitig wurden im Programm
„HR2025“ einheitliche Standards für das Lehrlingsrecruiting inkl. Employer-Branding erarbeitet und innerhalb des ÖBB-
Konzerns abgestimmt und kommuniziert.
Maßnahmen im Employer-Branding werden grundsätzlich gemeinsam im ÖBB-Konzern und dem Lösungscenter Recruiting
abgewickelt – der Fokus liegt hier auf jenen Zielgruppen, die für die Absicherung des Kerngeschäfts der ÖBB-
Infrastruktur AG von großer Bedeutung sind.
Im Jahr 2022 wurden die diversen Kooperationen mit HTLs und technischen Universitäten außerhalb Wiens weiter vertieft.
Im Rahmen von zahlreichen Kooperationen mit einschlägigen Bildungseinrichtungen, insbesondere mit HTLs und Hoch-
schulen, wird bereits frühzeitig persönlicher Kontakt aufgebaut. Im Hinblick darauf war es auch 2022 geboten, verstärkt
auf die Digitalisierung zu setzen und entsprechende Onlineformate anzubieten. Auf diese Weise wird bereits bei
potenziellen künftigen Bewerber:innen das Interesse am ÖBB-Infrastruktur-Konzern geweckt.
Parallel wurden weitere Jobvideos produziert, um den Bewerber:innen einen guten Einblick in ihr zukünftiges Tätigkeitsfeld
geben zu können.
Ziel KPI Ambition Zieljahr
2022
2021
Steigerung der Mitarbeiter:innenzufriedenheit
auf >70 bis 2030
Punktewert >70
n.v.
1)
73,0
Senkung der Frühfluktuationsrate
2)
auf 15% bis 2030
Prozent 15%
14,8
13,0
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
105
Wie auch in den Jahren zuvor wurde sichergestellt, dass geplante Pflichtpraktika absolviert werden konnten. Auch
Diplomand:innen hatten wieder die Gelegenheit, ihre Abschlussarbeiten im Rahmen eines befristeten Dienstverhältnisses
zu schreiben. So konnten erneut Schüler:innen und Student:innen einen umfassenden Einblick in die Arbeitswelt der ÖBB-
Infrastruktur AG bekommen und erste Berufserfahrung sammeln. Das Programm „infra:exploring” an der HTL Mödling
und ebenso das Personalmarketingprogramm „infra:mentoring” in Kooperation mit der FH Campus Wien wurden
erfolgreich fortgesetzt.
Ein großes Anliegen des Managements ist es, jungen Menschen die Chance zu geben, im Unternehmen eine fundierte
Lehrausbildung zu bekommen, damit sie im Anschluss rasch Fuß im Unternehmen fassen können.
ÖBB Wohnprogramm
Mit dem ÖBB Wohnprogramm wird neuen, aber auch bestehenden Mitarbeiter:innen zeitgemäßer und leistbarer
Wohnraum angeboten. Das ÖBB-Wohnprogramm umfasst österreichweit rd. 500 Wohnobjekte mit ca. 6.000
Wohnungen. Diese befinden sich alle im Eigentum der ÖBB-Infrastruktur. Die Objekte sind teils in die Jahre gekommen.
Die Zielsetzung seit 2017 ist es daher, die Wohnhäuser samt bestehenden Grünflächen und Wohnungen nach
zeitgemäßen Standards zu sanieren. Finanziert werden die Sanierungen durch Verkäufe von entbehrlichen Gebäuden und
Grundstücken. Es wird also kein zusätzliches Steuergeld verwendet.
Die Mitarbeiter:innen des Wohnprogramms sanieren leerstehende Wohnungen, optimieren Grundrisse für
unterschiedliche Wohnbedürfnisse, errichten Balkone und Aufzugsanlagen, erneuern Fassaden und überholen den
Gesamtzustand des Gebäudes und der Wohnungseinrichtungen. Das trägt erheblich zur Wertsteigerung der Immobilien
bei.
Besonderes Augenmerk wird bei der Sanierung auf Energieeffizienz gelegt, die durch Maßnahmen wie fassadenseitigen
Vollwärmeschutz, Fenstertausch und wo möglich Fotovoltaikanlagen, Wärmepumpen oder Fernwärmeanschluss erreicht
wird. Damit erfüllt das ÖBB Wohnprogramm bei der Sanierung den „klima:aktiv Silber Standard”.
Für ÖBB Mitarbeiter:innenwohnungen gibt es eine eigene Miethöhenregelung. Das sozial gestaffelte Modell sieht vor,
dass Mitarbeiter:innen mit einem monatlichen Einkommen bis 2.500 EUR brutto einen Abschlag von 40% bekommen, bis
3.000 EUR 30% und bis 3.500 EUR 20%. Zum monatlichen Einkommen zählen das Grundgehalt inklusive Überzahlung,
aber exklusive Nebenbezüge und einmaligen Belohnungen.
Über ÖBB-Wohnen im Intranet können sich ÖBB Mitarbeiter:innen für die Wohnungen des ÖBB Wohnprogramms sowie
für alle Wohnungen, für die die ÖBB österreichweit Einweisungsrechte hat, anmelden. Die ÖBB-Immobilienmanagement
Gesellschaft mbH verwaltet die Wohnungen und kümmert sich um nach Vergabe durch ÖBB-Wohnen unter anderem um
die Besichtigung und Vertragserstellung.
Vielfalt und Chancengleichheit
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern bekennt sich zu einer Unternehmenskultur der Antidiskriminierung, der Chancengleichheit,
der Vielfalt sowie der respektvollen Begegnung und Zusammenarbeit. Die Diversität im Unternehmen, gelebt von Frauen,
Männern, diversen Personen, Mitarbeiter:innen jeden Alters, Mitarbeiter:innen mit oder ohne Behinderungen und aus
vielen Teilen der Welt, zeugt von einer modernen Unternehmenskultur. Zahlreiche und vielversprechende Maßnahmen
sind Teil der #INFRA.Mobilitätswende und erhöhen ebenfalls die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber. So tragen
Schwerpunktprogramme wie „Mehr Fahrdienstleiter:innen“ oder „Frauen in der Technik #joboffenSIEve“ zur Steigerung
des Frauenanteils bei. Auch Maßnahmen wie diverse Mentoringprogramme, die Attraktivitätssteigerung der Väterkarenz,
verschiedene Workshops und Schulungen (wie z. B. DisAbility Awareness Trainings) und viele mehr leisten ihren positiven
Beitrag.
Seit dem Jahr 2011 regelt im ÖBB-Konzern eine Gleichstellungspolicy die Chancengleichheit für Mitarbeiter:innen. Im Jahr
2015 unterzeichnete der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG die „Charta der Vielfalt“, eine Initiative der
Wirtschaftskammer Österreich. 2020 wurde die „Charta der Inklusion“ für Mitarbeiter:innen mit Behinderungen
unterzeichnet. Diese regelt das uneingeschränkte barrierefreie Reisen und schafft das Bewusstsein sowie die Akzeptanz
für eine faire, gleichberechtigte und vorurteilsfreie Arbeits- und Lebenswelt und die dafür notwendigen
Rahmenbedingungen und Maßnahmen. 2021 entwickelten auf Initiative der ÖBB-Infrastruktur AG Personalist:innen und
Gleichstellungsbeauftragte aus dem ÖBB-Konzern ein Maßnahmenkonzept zur Sicherstellung eines diskriminierungsfreien
Lehr- und Arbeitsumfeldes bei den Praxiseinsätzen der Lehrlinge.
Ebenfalls seit 2021 haben die neuen „Guidelines für genderinklusive Sprache” Gültigkeit: So wird seitdem der Doppelpunkt
für die sprachliche Markierung der Geschlechter (z. B. Mitarbeiter:innen) verwendet und das dritte Geschlecht (inter /
divers) wird bei Bewerbungen und im SAP für die gesamte Personalerfassung angezeigt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
106
„Ja“ zur Vielfalt
Seitens der ÖBB-Holding AG werden die strategischen Diversitätsziele in der „Diversity Charta 2026“ vorgegeben und die
Zielerreichung wird in einem regelmäßigen Monitoring verfolgt. Es obliegt der ÖBB-Infrastruktur AG, die Diversitätsziele
mithilfe von Programmen, Projekten und Maßnahmen zu realisieren. Im Fokus dieser Charta steht die kontinuierliche
Steigerung des Frauenanteils sowie der Anteil an Mitarbeiter:innen mit Behinderung. Der Frauenanteil des ÖBB-
Infrastruktur-Konzerns liegt 2022 bei 11,0% (Vj: 9,9%). Bis zum Jahr 2026 soll der Frauenanteil auf 11,9% erhöht werden.
Der Anteil an Mitarbeiter:innen mit Behinderung soll bis 2026 auf 4% angehoben werden. Im Rahmen des „Programms
für Mitarbeiter:innen mit Behinderungen“ werden Maßnahmen für barrierefreie Arbeitsplätze, v. a. an Bürostandorten,
getroffen. Mit einem zielgerichteten Diversitymanagement können Innovationskraft, Kund:innenkompetenz und die
Arbeitgeberattraktivität gesteigert werden.
Zielsetzungen
Diversity Charta 2026 2026
2022 2021
Zielvorgabe SOLL
IST
TK Infra
SOLL
IST
TK Infra
SOLL
Erhöhung des Frauenanteils
des ÖBB
-
Infrastruktur
-
Konzerns auf 11,9% bis 2026
11,9%
11,0%
10,2%
9,9%
9,8%
Frauenanteil bei Neuaufnahmen
(unternehmensweit)
≥
20%
23,9
%
≥
20%
21,5%
≥
20%
Sukzessive Steigerung des Frauenanteils
in Führungspositionen (konzernweit)
Suk. Steig.
13,6%
Suk. Steig.
10,7%
Suk. Steig.
Erhöhung des Frauenanteils bei der Lehrlingsausbildung
≥
20%
13,8
%
≥
20%
12,5%
≥
20%
Frauenanteil
bei den Weiterbildungsprogrammen der ÖBB akademie
25%
29,1%
25%
26%
25%
Frauenanteil
in den Aufsichtsräten der ÖBB
-
Inland AGs und GmbHs
30%
50%
30%
50%
30%
Erhöhung des Anteils
der Mitarbeiter:innen mit Behinderung
4,0%
2,7%
3,4%
2,9%
3,2%
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern setzt sich darüber hinaus das ambitionierte Ziel, den Anteil der weiblichen Mitarbeiterinnen
bis zum Jahr 2030 auf 17% zu erhöhen.
Anstieg des Frauenanteils seit 2012
7,1%
7,0%
7,3%
7,3%
7,4%
7,8%
8,4%
8,6%
9,2%
9,9%
11%
5%
6%
7%
8%
9%
10%
11%
12%
2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
107
Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils
Um den Frauenanteil des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns weiterhin konsequent zu erhöhen, werden bereits viele verschiedene
Maßnahmen gesetzt.
Die neu überarbeitete und 2021 gelaunchte „RailMap*Vereinbarkeit Beruf & Privat“ ist eine interne Informations- und
Kommunikationsplattform für alle Mitarbeiter:innen rund um das Auszeiten- und Karenzmanagement. Dort finden sich
gesammelt alle Informationen über die verschiedenen Karenzmodelle, die betriebsnahen MINT-Kindergärten,
Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die Nannies4ÖBB-Kids, Elternnetzwerktreffen sowie über die Karenzgespräche. Die
Vereinbarkeit von Beruf und Privat wird jedoch auch gewährleistet durch diverse Angebote wie die Väterkarenz,
Gleitzeitregelungen, Teilzeitmodelle oder aber Homeoffice-Regelungen – letztere wurden 2021 in einer
Betriebsvereinbarung über Telearbeit festgehalten.
Der Frauenanteil der Fahrdienstleiter:innen wurde durch das Schwerpunktprogramm zu Berufsgruppen „Mehr
Fahrdienstleiter:innen“ durch das Setzen vieler Maßnahmen weiter erhöht. Weiters wurde die Kampagne für Frauen in der
Technik erfolgreich kommuniziert. In der Kommunikation nach außen bestimmen weibliche Role Models das Bild dieser
Berufsgruppen, um Stereotype und veraltete Rollenbilder aufzubrechen. Die Interkulturalität in der ÖBB-Infrastruktur AG
spielt eine immer größere Rolle. In der Zusammenarbeit mit dem AMS wird der Fokus auf weibliche Jugendliche mit
Asylstatus gelegt. Die Kooperation mit dem Verein T.I.W. (Verein für Training, Integration und Weiterbildung) wurde
weitergeführt sowie das START-Stipendium, welches die nächsten zwei Jahre zum wiederholten Male zwei Schüler:innen
mit Migrationshintergrund fördert.
Viele dieser Maßnahmen wurden in die Diversity-Toolbox aufgenommen, die den Führungskräften und
Teamkoordinator:innen zur Verfügung steht. Diese Maßnahmen können mit Unterstützung des Diversitymanagements
und weiterer Abteilungen umgesetzt werden. Dort finden sich unter anderem Maßnahmen wie Gender- und
Diversityschulungen, diverse E-Learnings, diverse Coachingangebote, Mädchentage oder Betreuung von studentischen
Abschlussarbeiten. Diese Toolbox wird stetig erweitert und ergänzt – so wurden 2022 auch die viele Maßnahmen für
Mitarbeiter:innen mit Behinderungen aufgenommen.
Verbesserung der Arbeitgeberattraktivität für Frauen
Der Frauen-Karriere-Index
TM
(FKi) wurde 2020 in der ÖBB-Infrastruktur-AG implementiert, misst die Arbeitgeberattraktivität
für Frauen und unterstreicht den kontinuierlichen Verbesserungsprozess in den vier Handlungsfeldern Unternehmen,
Arbeitszeit, Familie und Beruf sowie Außenwirkung. Im Jahr 2021 wurde in der ÖBB-Infrastruktur AG die erste FKi-
Fortschrittsmessung durchgeführt, im Jahr 2022 folgte eine weitere. Am FKi, einem datenbasierten, unabhängigen,
international anerkannten Benchmark- und Messinstrument, nehmen über 300 Unternehmen aus elf Staaten teil. Die
Anwendung jenes Messinstruments ermöglicht der ÖBB-Infrastruktur AG nicht nur den internationalen Vergleich mit
anderen Unternehmen aus allen Branchen, sondern auch die Messung des eigenen jährlichen Fortschritts bei der
Frauenförderung. Dabei werden einzelne frauenfördernde Maßnahmen nicht isoliert betrachtet, sondern Zusammenhänge
und Wirkungsmechanismen der Maßnahmen, die den Aufstieg von Frauen unterstützen und Diversität fördern,
untersucht. Bei der Erstindexierung erreichte die ÖBB-Infrastruktur AG eine Platzierung im unteren Mittelfeld. Mit der
Verbesserung im FKi-Ranking im Jahr 2022 liegt die technisch und handwerklich ausgerichtete ÖBB-Infrastruktur AG nun
im oberen Mittelfeld. Dies ist besonders bemerkenswert, da nicht nur Unternehmen aus dem Infrastrukturbereich und
Anlagenbau, sondern beispielsweise auch aus dem Dienstleistungs- oder Finanzsektor teilnehmen. Entscheidend für die
Steigerung der Attraktivität des Unternehmens für Frauen und damit für die Verbesserung im FKi waren zum einen das
Top-down-Commitment des Managements, das den Handlungsbedarf bei der Frauenförderung erkannt und entsprechend
reagiert hat. Zum anderen war es durch die interdisziplinäre Zusammensetzung der Arbeitsgruppe gelungen, die
erfolgskritischen Flächenbereiche einzubinden, Akzeptanz zu festigen sowie das Commitment in wirksame Maßnahmen
zu übersetzen und diese nachhaltig in den operativen Prozessen zu verankern.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
108
Nachfolgend wird die Relation zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeiter:innen je Altersklasse 2022 im
Vergleich zu 2021 dargestellt:
bis 30 Jahre
31 bis 50 Jahre
über 50 Jahre
Gesamt
%
Frauenanteil 2022
13,1%
15,2%
6,2%
11,0%
Frauenanteil 2021 11,6%
14,0%
5,6%
9,9%
Männlich
2022
4.051
5.248
7.057
16.356
89,0
Männlich 2021 3.984
5.335
7.289
16.608
90,1
Weiblich 2022
609
941
468
2.018
11,0
Weiblich 2021
522
872
433
1.827
9,9
Gesamt 2022
4.660
6.189
7.525
18.374
100,0
Gesamt 2021
4.506
6.207
7.722
18.435
100,0
Diversity-Bericht
In einem halbjährlichen Diversity-Bericht informiert der ÖBB-Infrastruktur-Konzern über Zahlen und Fakten hinsichtlich der
Diversitätsdimensionen Alter, Geschlecht, Behinderung und Nationalität.
Der positive Trend der Entwicklung des Frauenanteils hält weiterhin an. Aktuell gibt es 39 weibliche Führungskräfte (im
Jahr 2021 waren es 31). Das bedeutet einen Anstieg von 10,7% auf 13,6%. Das Durchschnittsalter beträgt einschließlich
der Lehrlinge (auch jener in der Behaltefrist) 42,8 Jahre und ist somit zum Vorjahr (43,3) leicht gesunken.
Der Frauenanteil bei den Kapitalvertreter:innen im Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG liegt wie im Vorjahr bei 50%,
sowie bei zwei Drittel im Vorstand (ebenfalls wie im Vorjahr). Im Aufsichtsrat ist eine Person zwischen 30 und 50 Jahren
alt, alle anderen sind älter als 50 Jahre. Bei den Aufsichtsräten wurden die Diversitätsziele von mindestens 30%
Frauenanteil übertroffen: bei der ÖBB Immobilienmanagement Gesellschaft mbH, bei der ÖBB-Operative Services GmbH
und bei der ÖBB-Infrastruktur AG liegt der Anteil der Kapitalvertreter:innen bei 50%. Bei den Vorstandsmitgliedern des
ÖBB-Infrastruktur-Konzerns ist eine Person zwischen 30 und 50 Jahre und 2 Personen über 50 Jahre alt.
Die Mitarbeiter:innen des Verschubs sind durchschnittlich 45 Jahre alt. Der Frauenanteil liegt dort bei 1,3% (Vj: 1,2%). Bei
den Fahrdienstleiter:innen hat sich der Frauenanteil von 7,1% (2017) auf 11,2% (2022) erhöht. Das Durchschnittsalter der
Fahrdienstleiter:innen beträgt 45,1 Jahre (bei den Frauen 37,8 Jahre).
Der Anteil von Mitarbeiter:innen mit Behinderung ist mit 294 Beschäftigten im ÖBB-Infrastruktur-Konzern auf 2,7%
gesunken (Vj: 2,9%). Zum Jahresende 2022 waren 1.124 Mitarbeiter:innen (Vj: 969) mit nichtösterreichischer
Staatsbürgerschaft beschäftigt, das entspricht 6,1% aller Mitarbeiter:innen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
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Regionale Gleichstellungsbeauftragte
Die ÖBB Gleichstellungspolicy aus dem Jahr 2011 regelt die ehrenamtliche Funktion der regionalen Gleichstellungsbeauf-
tragten und des Gleichstellungsgremiums. Weder Geschlecht noch sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit, Reli-
gion, Weltanschauung, Alter oder Behinderung dürfen im ÖBB-Konzern zu einer Benachteiligung führen.
Gleichbehandlung im ÖBB-Konzern muss eine Selbstverständlichkeit sein. Deshalb stehen zehn regionale
Gleichstellungsbeauftragte in ganz Österreich jenen Kolleg:innen, die sich diskriminiert fühlen, vertrauensvoll und beratend
zur Seite. Das Gleichstellungsgremium unterstützt die Gleichstellungsbeauftragten, wenn eine Situation weitere Gespräche
oder Maßnahmen erfordert.
Gesundheit / Safety / Security
Vielfältige Faktoren beeinflussen die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Führungskräfte und Mitarbeiter:innen am
Arbeitsplatz. Genauso vielfältig wie die Einflussfaktoren und die Bedürfnisse sind, müssen die Angebote und Maßnahmen
des betrieblichen Gesundheitsmanagements sein, um die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Führungskräfte und
Mitarbeiter:innen zu stärken. Darüber hinaus stellt Sicherheit für Kund:innen und Mitarbeiter:innen ein wesentliches
Qualitätsmerkmal dar. Durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Sicherheitsrisiken wird das Vertrauen von
Kund:innen, Mitarbeiter:innen, aber auch des Eigentümers in die ÖBB weiter gestärkt und damit ein wichtiger Beitrag zum
Unternehmenserfolg geleistet.
Gesundheitsmanagement
Die Aufgabe des betrieblichen Gesundheitsmanagements ist es, die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Mitarbeiter:innen
unter der Berücksichtigung von Ressourcen und Belastungen zu fördern sowie zu erhalten. Die Angebote und Maßnahmen
des betrieblichen Gesundheitsmanagements werden durch das breitgefächerte Multiplikator:innennetzwerk sowie durch
das Intranet, die Mitarbeiter:innenzeitung, den Newsletter, die Screens und die Aushänge kommuniziert.
Im konzernweiten Projekt „HR 2025“ haben 2022 unterschiedliche Arbeitsgruppen daran gearbeitet, das
Gesundheitsmanagement neu aufzusetzen, welches 2022 in der ÖBB-Business Competence Center GmbH zentralisiert
wurde.
Durch die Angebote und Maßnahmen wurden keine personenbezogenen Gesundheitsdaten erhoben und dadurch auch
nicht dokumentiert. Mit den Dienstleistern der Gesundheitsangebote, wie beispielsweise der WELLCON Gesellschaft für
Prävention und Arbeitsmedizin GmbH (WELLCON), gibt es keine Schnittstelle, um derartige Daten auszutauschen. Im ÖBB-
Infrastruktur-Konzern wurden die datenschutzrechtlichen Bestimmungen (DSGVO) strengstens eingehalten.
Arbeitsmedizin
Die arbeitsmedizinische und arbeitspsychologische Betreuung erfolgt seit vielen Jahren durch die Partnerin WELLCON.
Deren Arbeitsmediziner:innen arbeiten eng mit den betriebseigenen Sicherheitsfachkräften zusammen und prüfen
gemeinsam im Rahmen der regelmäßigen Begehungen die Einhaltung der Sicherheits- und Gesundheitsvorschriften. Die
Beratungsthemen umfassen sowohl psychische als auch physische Belastungen und Beanspruchungen. Abweichungen
und Verbesserungsvorschläge werden im Zuge der Berichterstattung dokumentiert und durch verantwortliche Personen
umgesetzt. Diese interdisziplinäre Arbeit umfasst z. B. auch die Beteiligung an Fragen zu Arbeitsmitteln, Arbeitsvorgängen,
Baumaßnahmen, zur Möblierung und Ausstattung mit persönlicher Schutzausrüstung. Auch die
Tauglichkeitsuntersuchungen gem. ÖBB 32 (Richtlinie zur gesundheitlichen Eignung von Mitarbeiter:innen im
Eisenbahnbetrieb und dessen Umfeld) und die arbeitsmedizinischen Untersuchungen gem. VGÜ (Verordnung über die
Gesundheitsüberwachung am Arbeitsplatz) werden seitens der WELLCON für die ÖBB-Infrastruktur AG durchgeführt.
In Kooperation mit der BVAEB bietet WELLCON seit Jänner 2022 eine berufsorientierte Gesundenuntersuchung („GUB –
Gesundheit und Beruf“) für alle interessierten Mitarbeiter:innen an. Bei der GUB handelt es sich um eine Untersuchung,
bei welcher die beruflichen Belastungen im Fokus stehen. ÖBB-Mitarbeiter:innen werden über ihre möglichen
gesundheitlichen Risiken durch die Arbeit aufgeklärt. Die GUB besteht aus den Modulen „Schicht“, „Stress“ und „Haltung“.
Je nach Bedarf des Beschäftigten wird ein Modul zugeordnet. Sollten bei der Untersuchung Risiken oder bereits (Vor-)
Erkrankungen sichtbar werden, erhalten Teilnehmer:innen gleich vor Ort individuelle Empfehlungen zur Verbesserung oder
zum Erhalt der Gesundheit. Dadurch unterscheidet sich die GUB von einer allgemeinen Vorsorgeuntersuchung.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
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Angebote und Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung
Die Maßnahmen für das Programm 2022 wurden primär auf Basis der Ergebnisse der Mitarbeiter:innenbefragung 2021
erstellt. Bei der Mitarbeiter:innenbefragung 2021 wurde erstmals der „Arbeitsfähigkeitsindex“ erhoben. Durch die
Maßnahmen soll die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung spezifischer Handlungsfelder und Zielgruppen erhalten sowie
gefördert werden. Je nach Ergebnis der Mitarbeiter:innenbefragung 2021 – Arbeitsfähigkeitsindex konnte eine Maßnahme
aus dem Programm 2022 von der Führungskraft ausgewählt werden (z. B. Gesundheitscoaching für Führungskräfte,
Prävention von Muskel- und Skeletterkrankungen, erfolgreich arbeiten im Homeoffice, aktiv gegen Burnout etc.).
Zur Unterstützung für die Interpretation der Ergebnisse und der Maßnahmenableitung wurde gemeinsam mit dem
konzernweiten ÖBB-Gesundheitsmanagement eine Handlungsanleitung (Leitfaden) für die Führungskräfte erstellt und zur
Verfügung gestellt. Weiters konnten sich die Führungskräfte im ÖBB-Infrastruktur-Konzern durch das
Gesundheitsmanagement beraten lassen. Zu den abgeleiteten und umgesetzten Maßnahmen gab es ein konzernweit
einheitliches Monitoring, welches im ÖBB-Infrastruktur-Konzern durch das Gesundheitsmanagement durchgeführt wurde.
Ein weiteres Maßnahmenpaket stellte die Weiterführung der Gesundheitstoolbox dar, welche 2021 eingeführt wurde.
Dabei lag 2022 ein besonderer Fokus auf den Maßnahmen „Online Schulungen zu den Dialogformen des
Präsenzmanagements“, „Impulstag – 5 Risiken Check der BVAEB“ und dem „Muttermalscreening“. Im Rahmen des
Angebots „Gesunder Arbeitsplatz“ fanden 2021 in zwei ausgewählten Bereichen vertiefende Arbeitsplatzbegehungen zur
weiteren Verbesserung von Arbeitsbedingungen und der Reduktion von Dauerbelastungen statt. Diese erfolgten anhand
der wissenschaftlich anerkannten Leitmerkmalmethode. Aus den Erkenntnissen wurden bereits 2021 Maßnahmen gesetzt,
welche 2022 weitergeführt und im Auge behalten wurden. Hierbei handelt es sich um Maßnahmen zur Prävention und
Krankenstandsvorbeugung, wie z. B. der Einsatz von technischen Hilfen.
Zur Stärkung und Weiterentwicklung des österreichweiten Multiplikator:innennetzwerks (Gesundheitscoaches,
Gesundheitszirkelmoderator:innen, Vitalcoaches) wurden im Jahr 2022 entsprechende Aus- / Fortbildungen abgehalten
und für die Gesundheitsecken neue sowie bereichsabgestimmte Sportmaterialien zur Verfügung gestellt. Außerdem haben
zum Informationsaustausch und zur Vernetzung und Themenabstimmung drei virtuelle betriebliche
Gesundheitsmanagement-Foren stattgefunden.
Wie schon in den Vorjahren mussten 2022 diverse Angebote coronabedingt adaptiert werden. Umso erfolgreicher
konnten 2022 die Online-Bewegungsprogramme zu „HIIT – High Intensity Intervall Training” für alle und Kickboxen für
Frauen umgesetzt werden.
Gemeinsam mit den anderen Gesellschaften des ÖBB-Konzerns wurden 2022 Angebote zu den Themen „Frauen- und
Männergesundheit” und „Gesundes Führen und Suchtprävention” umgesetzt. Außerdem wurden auf Basis der Ergebnisse
der „Impulstage-5 Risiken Check“ online Vorträge und Workshops zu unterschiedlichen Gesundheitsthemen (Bewegung /
Haltung, psychische Gesundheit, Ernährung, Vorsorge) gemeinsam mit der BVAEB angeboten. Weiterhin gab es auch die
konzernweiten Angebote der betrieblichen Wiedereingliederung (BWE) und die „Beratung Arbeitsfähigkeit“ (BAF). Für
Mitarbeiter:innen, die gefährdet sind, ihre Arbeitsfähigkeit zu verlieren oder diese bereits verloren haben, steht das
Angebot der BWE zur Verfügung. Die BWE wird auf Grundlage eines strukturierten Prozesses unter Einbeziehung
verschiedener Expert:innen durchgeführt. Die Umsetzung beruht auf der freiwilligen Teilnahme und
Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter:innen. Wie bereits 2021 wurde auch 2022 dieses Angebot nach den aktuellen
Corona-Möglichkeiten mithilfe digitaler Kommunikationsmittel (z. B. Onlinemeetings) umgesetzt. Das Angebot „Beratung
Arbeitsfähigkeit” unterstützte auch 2022 Führungskräfte und Mitarbeiter:innen bei psychosozialen Fragestellungen und
fungierte ebenfalls als Schnittstelle zu internen und externen facheinschlägigen Stellen.
Seit 2022 bietet der ÖBB-Konzern den Mitarbeiter:innen das neue Gesundheitsprogramm „Gesundheit auf Schiene“ an,
welches in Abstimmung mit dem Konzernbetriebsrat entwickelt wurde. Im April 2022 war es Mitarbeiter:innen möglich,
am Pilotprojekt teilzunehmen und Erfahrungen in die Weiterentwicklung des Programmes einzubringen. Seit November
2022 findet das Programm an drei Standorten und zu drei ausgewählten Themen statt. Die drei ausgewählten Themen
sind definierten Arbeitsbelastungen zugeordnet: Stress, Haltung und unregelmäßiger Dienst. Eines dieser Themen kann
im Rahmen eines dreitägigen Aufenthalts in einer Gesundheitseinrichtung und einer sechsmonatigen Online-
Nachbetreuungsphase ausgewählt werden.
Arbeit und Alter
Die gemeinsam mit der Belegschaftsvertretung geschaffenen Arbeitszeitmodelle, die es älteren Mitarbeiter:innen
ermöglichen sollen, länger gesund und leistungsfähig im Erwerbsleben zu verbleiben, werden von den Mitarbeiter:innen
aller Konzerngesellschaften bei Vorliegen der Voraussetzung und entsprechender Vereinbarung mit dem Arbeitgeber in
Anspruch genommen.
Zum Stichtag 31.12.2022 haben sich 182 Mitarbeiter:innen in gesetzlicher Altersteilzeit gemäß § 27 AlVG befunden.
Darüber hinaus haben 219 definitiv gestellte AVB-Mitarbeiter:innen zu diesem Stichtag bereits vor Vorliegen der
Voraussetzungen für die gesetzliche Altersteilzeit das Angebot der altersgerechten Teilzeitarbeit „Arbeit und Alter“ in
Anspruch genommen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
111
Sicherheit
Bei allen Aktivitäten im ÖBB-Konzern steht Sicherheit immer an oberster Stelle. Die in den Teilkonzernen eingeführten
zertifizierten Sicherheitsmanagementsysteme unterstützen die Steuerung der Sicherheitsleistung. Erkenntnisse aus
Vorfällen, Unfalluntersuchungen, internen Prüfungen (Sicherheitskontrollen, Audits etc.) sowie dem Trendmonitoring
münden in den Sicherheitsaktionsplan. Die Sicherheitsmanagementsysteme, das Trendmonitoring sowie der
Sicherheitsaktionsplan tragen wesentlich dazu bei, Sicherheitsrisiken rechtzeitig zu erkennen, proaktiv Maßnahmen
abzuleiten und Restrisiken zu beherrschen. Um dies zu erreichen, liegt der Schwerpunkt auf einem weiteren Ausbau an
Technologie und der Weiterentwicklung der Organisation und Verstärkung der Bewusstseinsbildung beim Verhalten der
Menschen und bei der Sicherheitskultur. Der Ausbau des systematischen Lernens aus Abweichungen, Fehlern und
„Beinahe-Unfällen“ trägt dazu bei, Risiken rechtzeitig zu erkennen und gegensteuernde Maßnahmen einzuleiten.
Generell ist die Bahn im Vergleich zum Individualverkehr ein sehr sicheres Transportmittel. Das Risiko für Reisende, mit
dem Zug zu verunglücken, ist in Österreich 78-mal (Todesfall) bzw. 86-mal (Verletzung) geringer als im Auto – wie in der
untenstehenden Grafik gezeigt wird.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
112
Es erfolgt eine transparente und nachvollziehbare Darstellung aller sicherheitsrelevanten Entwicklungen in Form von
Kennzahlen. Diese werden jährlich an die nationale Sicherheitsbehörde übermittelt. Seit dem Jahr 2017 wird auf Basis
eines konzernweiten betrieblichen Sicherheitsindex die Entwicklung der Sicherheitsleistung des ÖBB-Konzerns über alle
Gesellschaften hinweg einheitlich erfasst.
Der Index setzt sich aus relevanten betrieblichen Vorfällen (z. B. Zugkollision oder Zugentgleisung) sowie Ereignissen, die
einen tatsächlichen Vorfall wahrscheinlich werden lassen („Mängel bzw. Unfallvorläufer“), zusammen und wird mit
gefahrenen Zugkilometern ins Verhältnis gesetzt. Als Berichtskennzahl stellt der Sicherheitsindex die betriebliche
Sicherheitsleistung des Konzerns in Österreich auf einen Blick dar. Es werden dabei nur jene Vorfälle und Anstände
berücksichtigt, für welche die Infrastruktur der Auslöser ist.
Zielsetzungen
*) Je höher der Sicherheitsindex ausfällt, umso mehr Vorfälle haben sich ereignet – d. h. desto schlechter ist die Sicherheitsleistung.
Jedes Jahr werden rd. 3,0 Mrd. EUR in Neu-, Ausbau- und Instandhaltung der Infrastrukturanlagen investiert. Zusätzlich
unterstützen neue Fahrzeuge mit modernsten Zugsicherungssystemen die Gewährleistung einer sicheren Betriebsführung.
Sowohl begleitende Maßnahmen zur Sicherheitsstrategie wie sowohl der Fokus auf Maßnahmen mit größter Wirkung als
auch der Ausbau der Sicherheits- und Fehlerkultur bilden einen weiteren wesentlichen Beitrag zum Thema „Sicherheit”.
Des Weiteren wird ein wesentlicher Fokus auf das subjektive Sicherheitsempfinden der Kund:innen gelegt. Als Grundlage
dabei dient das regelmäßige Beobachten der das Sicherheitsgefühl beeinflussenden Parameter. Aus der Entwicklung der
einzelnen Parameter können gezielt und frühzeitig Gegensteuerungsmaßnahmen abgeleitet werden. Dazu zählen
beispielhaft bauliche Maßnahmen zur besseren Beleuchtung und mehr Sicherheitspersonal auf den Bahnhöfen und in den
Zügen.
Im Zusammenhang mit Übergriffen auf Mitarbeiter:innen wurde 2019 ein umfangreiches Maßnahmenpaket erarbeitet
und im Jahr 2020 umgesetzt. Dies betrifft zum Beispiel die Verstärkung von Service- und Kontrollteams und die Begleitung
von Zugbegleiter:innen durch Securitypersonal auf gewissen Zugverbindungen im Nahverkehr. Weiters sind seit 2021 alle
Mitarbeiter:innen des Securitypersonals mit Bodycams ausgerüstet.
Das Sicherheitsniveau auf dem Netz der ÖBB-Infrastruktur AG konnte in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert
werden. Die Gründe dafür sind einerseits das regelmäßige Monitoring der ÖBB Sicherheitsleistung mittels
sicherheitsrelevanter Kennzahlen zum frühzeitigen Erkennen von eventuell entstehenden Problemfeldern, andererseits das
rasche Gegensteuern bei erkannten Abweichungen.
Im Sicherheitsaktionsplan werden Sicherheitsmaßnahmen definiert und konsequent umgesetzt. Diese sind das Werkzeug
zur Aufrechterhaltung des Sicherheitsniveaus, zur Gegensteuerung bei Abweichungen sowie zur regelmäßigen
Verbesserung der Sicherheitsleistung.
Schwerpunkte aus dem Sicherheitsaktionsplan (beispielhaft für Safety und Security):
–
Sicherheit auf Bahnhöfen – Securityprogramme
• Roll-out Bodycam ist in breiter Fläche erfolgt.
• Ein Kurs „Sicherheitsorientiertes Szenarientraining” und drei Kurse „Deeskalation und Eigensicherung” wurden
absolviert.
–
Sicherheitskultur
Die Sicherheitskultur umfasst Maßnahmen, mit denen das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter:innen gestärkt und
damit die Sicherheitsleistung weiter erhöht wird. Eine Sicherheitskultur passiert nicht selbstständig, sondern bedarf einer
konsequenten Verankerung und Festigung bei allen Beteiligten.
Ziel KPI Ambition Zieljahr
2022
2021
Verbesserung der Sicherheitsleistung
(Betrieblicher Sicherheitsindex)
auf 50 Punkte bis 2030
Betrieblicher
Sicherheitsindex
ÖBB-Infrastruktur-
Konzern
(Punktewert)
*)
50
71,1
69,5
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
113
Mit „Sicherheit Leben” wurde 2020 ein zusätzlicher Wert geschaffen. Dieser soll dazu beitragen, dass Sicherheit im Fokus
aller Tätigkeiten steht. Mit den Schritten zur „Sicherheitskultur” wird der Status einer lernenden Organisation mit
Vertrauen, Fairness und Transparenz erlangt. Ziel ist es, Vorfälle durch menschliches Fehlverhalten nachhaltig zu senken.
Um dieses zu erreichen, waren mehrere aufeinander abgestimmte Schritte und Maßnahmen (z. B.
Konsequenzmanagement oder Umgang mit modernen Medien) erforderlich.
–
Reduktion des Kollisionsrisikos
• Einbau von Gleisfreimeldeanlagen: Das Programm zum Einbau von Gleisfreimeldeanlagen wurde weiter
vorangetrieben. Damit wird das Kollisionsrisiko von Zugfahrten wesentlich verringert, was zu einer erheblichen
Verbesserung des Sicherheitsniveaus beiträgt.
• Nachrüstprogramm PZB – Indusimagnete: Ziel der Maßnahme ist es, die Anzahl von Kollisionen nach unerlaubten
Signalüberfahrungen zu senken und damit einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung des Kollisionsrisikos zu leisten.
Bis zum Jahr 2023 werden in diesem Zusammenhang rd. 1.000 Stück zusätzliche 500-Hz-Magnete auf dem Netz der
ÖBB-Infrastruktur AG verlegt.
• ETCS-Ausbau: ETCS ist das interoperable Zugbeeinflussungssystem, welches die Steuerung des Zuges übernimmt. Es
senkt das Kollisionsrisiko um nahezu 100%.
–
Reduktion des Entgleisungsrisikos
• Installation von Zuglaufcheckpoints: Zuglaufcheckpoints sind verschiedene Sensoren an definierten Punkten im Netz
der ÖBB zur Überprüfung des einwandfreien Zustandes eines Zuges während der Fahrt (z. B.
Heißläuferortungsanalgen, Lademaßüberprüfung, Gewichtsprüfung etc.).
–
Sicherer Verschub
Aufgrund eines erkannten Trends bei den Vorfällen und Unfällen in Zusammenhang mit Verschubarbeiten wurden Schritte
zur Verringerung der Verschubvorfälle eingeleitet. Dies soll eine Trendumkehr bei den Verschubvorfällen herbeiführen.
• Verschubsignale – Verschubverbot in blauer Farbe: Die Signalüberfahrungen beim Verschubablauf sind in den letzten
Jahren sehr stark gestiegen. Zurzeit ist sowohl der Freibegriff als auch der Haltbegriff in weißer Farbe ausgeführt. Der
Testbetrieb bei 14 Verschubsignalen in Wels Verschiebebahnhof soll Aufschluss geben, ob ein Haltbegriff in anderer
Farbe (blau) zu Verbesserungen führen kann.
• Hemmschuhe NEU: Hemmschuhe zum Bremsen und Sichern von Fahrzeugen wurden neu konzipiert und sollen vor
allem ein verbessertes Abbremsen von Wagen bewirken und damit Verschubkollisionen verhindern.
–
Eisenbahnkreuzungen
Unfälle auf Kreuzungen zwischen Straße und Schienen werden zu einem Anteil von 99% durch den Straßenbenutzer:innen
verursacht. Trotzdem werden kontinuierlich mit erheblichem finanziellem Aufwand Verbesserungen durchgeführt. So
werden regelmäßig Eisenbahnkreuzungen aufgelassen und durch Über- oder Unterführungen ersetzt bzw. nicht technisch
gesicherte Kreuzungen mit technischen Sicherungen ausgerüstet.
–
Betriebliche Regelwerke
Seit dem Jahr 2017 stehen jedem Betriebsbediensteten – automatisch über die Regelwerksdatenbank – die für seine
Tätigkeit relevanten Bestimmungen zur Verfügung. Der enorme Vorteil darin liegt, dass die Mitarbeiter:innen in einem
Regelwerk alle für ihre Tätigkeiten relevanten Bestimmungen erhalten und nicht verschiedenste Anweisungen durchforsten
müssen. Somit wird die Übersichtlichkeit für den / die Mitarbeiter:in wesentlich erhöht und die Komplexität der Regelwerke
verringert.
Regelwerke werden regelmäßig auf ihre Aktualität und Anwendbarkeit geprüft und unter Einbindung der Anwender:innen
weiterentwickelt.
–
Safety-Walk
Ziele
des Safety-Walks sind:
• Verbessern der Sicherheitsleistung- und Kultur
• Botschaft des Managements: Sicherheit ist wichtig
• Erkennen von Verbesserungsmöglichkeiten
Die Safety-Walks wurden coronabedingt im Geschäftsjahr 2022 ausgesetzt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
114
Arbeitnehmer:innenschutz
Für den Erfolg der ÖBB-Infrastruktur AG sind die Mitarbeiter:innen entscheidend. Gesundheit und Leistungsfähigkeit der
Beschäftigten sind daher von besonderer Bedeutung. Zu den bereits hohen Anforderungen an Mitarbeiter:innen kommt
für die ÖBB-Infrastruktur AG als Arbeitgeber die Notwendigkeit hinzu, auf den Wandel der Lebensstile flexibel zu
reagieren. Der Arbeitnehmer:innenschutz und dessen laufende Weiterentwicklung stellen deshalb eine wesentliche
Grundlage des täglichen Handelns dar. Die Mitarbeiter:innen werden regelmäßig über gesunderhaltende Maßnahmen und
Verhaltensweisen informiert und ihre Arbeitsplätze im operativen und im administrativen Bereich ergonomisch gestaltet
und evaluiert. Im Fokus steht die vollständige Vermeidung von Unfällen und arbeitsbezogenen Krankheiten sowie der
langfristige Erhalt der individuellen Arbeitskraft.
Managementsystem
Die Ziele im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind Teil des integrierten Managementsystems und richten
sich nach der EN ISO 45001:2018. Das System wird regelmäßig intern und extern auditiert und umfasst alle
Mitarbeiter:innen, Aktivitäten und Arbeitsplätze. Bei den jährlich stattfindenden Audits werden die Vorgaben und
Anforderungen des Arbeitssicherheit- und Gesundheitsschutz-Managementsystems überprüft und Abweichungen sowie
potenzielle Gefahrenquellen und Risiken systematisch gesammelt und dokumentiert. Im Zuge des integrierten
Managementsystems werden die Ergebnisse der Audits intern überprüft und über die Führungskräfte umgesetzt. Seitens
des Managements werden im Rahmen der jährlichen Managementbewertung die Ziele, Qualität und Ausrichtung
kontrolliert.
Themenverankerung
Die Themenbereiche „Arbeitnehmer:innenschutz“ und „Brandschutz“ sind im Stab Sicherheit und Qualität verankert. Zur
Wahrnehmung der gesetzlichen und organisatorischen Aufgaben sind dazu folgende Rollen eingerichtet: die Funktion der
leitenden Sicherheitsfachkraft, des leitenden Brandschutzbeauftragten sowie ein / e Teamkoordinator:in Arbeitssicherheit
und ein / e Teamkoordinator:in Brandschutz. Die leitende Sicherheitsfachkraft ist direkt dem Vorstand unterstellt und berät
diesen zu den vielfältigen Themen und Aspekten des Arbeitnehmer:innenschutzes.
An allen Standorten besteht, auf Basis der rechtlichen Anforderungen durch das Arbeitnehmer:innenschutzgesetz (ASchG
i.d.g.F.), die Vorgabe zur Umsetzung einer Arbeitsschutzorganisation, die durch Vertreter:innen des Arbeitgebers,
Sicherheitsfachkräfte sowie Arbeitsmediziner:innen, Sicherheitsvertrauenspersonen, Betriebsratsmitgliedern,
Ersthelfer:innen, Brandschutzbeauftragte, Brandschutzwart:innen sowie Personen für Brandbekämpfung und Evakuierung
besetzt ist. Die gegenseitige Information zu den Anliegen des Arbeitsschutzes und die Koordination der betrieblichen
Arbeitsschutzeinrichtungen wird über den Zentralen Arbeitsschutzausschuss und die lokalen Arbeitsschutzausschüsse
sichergestellt. Ebenso wird in diesem Rahmen über die Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und Gesundheit bei
der Arbeit beraten. Da die Teilnahme und Einbindung der Mitarbeiter:innen entscheidend ist, wenn es darum geht, Ideen
und Vorschläge rund um das Thema „Arbeitssicherheit“ zu generieren, besteht für alle Beschäftigten die Möglichkeit,
Vorschläge zu laufenden Verbesserungen im Rahmen des Ideenmanagements einzubringen.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
115
Des Weiteren ist in jedem Geschäftsbereich die Funktion eines Arbeitnehmer:innenschutzkoordinators etabliert, der die
Belange des Arbeitnehmer:innenschutzes fördert, auf die Umsetzung von ANS-Vorgaben und die Dokumentation der
Inhalte des Arbeitnehmer:innenschutz-Systems achtet. Ebenso erfolgt die Mitwirkung bei Audits und der
Managementbewertungen sowie die Vertretung des Geschäftsbereiches in Arbeitnehmer:innenschutzangelegenheiten.
Die interne Kommunikation wird im Rahmen der institutionalisierten quartalsmäßig tagenden
Arbeitnehmer:innenschutzplattform sichergestellt. Diese agiert als Kompetenzzentrum und Clearingstelle der ÖBB-
Infrastruktur AG in Fragen des Arbeitnehmer:innenschutzes, gibt begründete Anordnungen in
arbeitnehmerschutzrechtlichen Belangen und gilt als Schnittstelle zwischen dem Vorstand und den
Organisationsbereichen. Die Leitung der Arbeitnehmer:innenschutzplattform obliegt der leitenden Sicherheitsfachkraft
(L-SFK).
Auf der Ebene des ÖBB-Konzerns ist der Arbeitnehmer:innenschutz über den Fachausschuss Arbeitssicherheit und die
Plattform Sicherheit in die ÖBB Sicherheitsstrategie eingebunden.
Gefahrenidentifizierung, Risikobewertung und Untersuchung von Vorfällen
Die Basis einer effizienten Präventionsarbeit zur Vermeidung von Arbeitsunfällen, Schadensereignissen oder
arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren ist die Erstellung und Beachtung der Gefährdungsbeurteilungen für alle Bereiche.
Diese werden kontinuierlich auf Aktualität geprüft und bei Bedarf erweitert, wie zum Beispiel zur Analyse von
arbeitsbedingten psychischen Belastungen. Dabei haben alle Mitarbeiter:innen die Möglichkeit, im Zuge der quantitativen
Erhebung teilzunehmen und sich anschließend bei der qualitativen Analyse in Kleingruppen einzubringen. Auf Grundlage
der Ergebnisse werden bei Vorliegen von relevanten arbeitsbedingten psychischen Belastungen entsprechende
gegensteuernde Maßnahmen durch die Führungskräfte eingeleitet.
Auch der Einsatz von richtigen Arbeitsmitteln und persönlicher Schutzausrüstung sowie die Gestaltung sicherer
Rahmenbedingungen sind wichtige Präventionsmaßnahmen. Entsprechend der Gefährdung im jeweiligen Aufenthalts-
und Tätigkeitsbereich wurde der erforderliche Mindeststandard der zu tragenden persönlichen Schutzausrüstung 2021
neu festgelegt. Zur Gefahrenidentifizierung und zur Risikobewertung werden regelmäßig Audits, Schulungen,
Unterweisungen und Begehungen aller Arbeitsplätze durchgeführt.
Bei Arbeitsunfällen wird durch die verantwortliche §3(6)-Person in Zusammenarbeit mit den Präventivfachkräften unter
Beiziehung des Betriebsrates bzw. der Sicherheitsvertrauensperson sowie sonstiger Fachleute eine Nachevaluierung des
Unfalls durchgeführt. Basierend auf den Analyseergebnissen der neuen Risiken- und Chancenbewertung, erfolgt bei Bedarf
eine Anpassung der Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumente und zwecks übergreifender Maßnahmenableitung
auch die Kommunikation in der ANS-Plattform.
Schwerpunkt: Maßnahmen zur Unfallvermeidung
Gute Präventionskultur bedeutet, dass der Arbeitnehmer:innenschutz als Teil einer positiven Sicherheitskultur systematisch
in die Prozesse und Strukturen des Unternehmens integriert ist.
– Um Führungskräfte und Mitarbeiter:innen dabei zu unterstützen, tagtäglich Sicherheit zu leben, wurden beginnend mit
2019 Verhaltensstandards etabliert: Vorbild sein, aufmerksam sein, Regelkonform arbeiten
– Aufeinander achten und unsichere Handlungen ansprechen
– Aus Fehlern lernen und Ursachen erkennen und beheben
Folgende Werkzeuge / Methoden wurden zur Weiterentwicklung der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2021 / 22
neu eingeführt bzw. ausgeweitet:
–
Werkzeuge / Methoden
• Proaktiver Dialog über Sicherheit über Leistungsboards
• Durchführung von Safety-Walks
• Fehlerklassifizierungssystem
• Ursachenidentifikationssystem
• Methodik zum Abstellen von Hausbräuchen
• Sicherheit-Interaktionskarten
• Short-Card-Arbeitsunfälle, -Beinaheunfälle
• Tabelle PSA (Persönliche Schutzausrüstung) – Mindestanforderungen im Gefährdungsbereich (Policy PSA)
• Implementierung elektronischer Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumente
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
116
Der Wert „Sicherheit leben“ ist seit 2020 in den Standardprozessen verankert:
• Sicherheit leben im Zielvereinbarungsprozess
• Sicherheit leben im Mitarbeiter:innengespräch
• ÖBB Award (Sicherheitsvorbild des Jahres)
• Sicherheit leben – Kampagne
• Safety-Briefings
• Sicherheit als Tagesordnungspunkt in Meetings
Um eine Reduktion der Unfälle zu erreichen und die Sicherheitskultur noch weiter zu stärken, hat sich die ÖBB-
Infrastruktur AG im Jahr 2019 ein weiteres ambitioniertes Ziel gesetzt: die Senkung der „ASVG-Arbeitsunfallrate”. Diese
soll bis 2024 um 33% verringert werden.
Die ASVG -Arbeitsunfallrate errechnet sich aus der Anzahl aller gemeldeten
Arbeitsunfälle, die mindestens vier Ausfallstage nach sich ziehen, bezogen auf 1.000 Mitarbeiter:innen. Wegunfälle sind
nicht berücksichtigt. Die Verletzungsarten "Stürzen / Fallen" und "Umknicken / Umknöcheln" waren im Jahr 2022 im ÖBB-
Infrastruktur-Konzern am häufigsten vertreten, gefolgt von "Einklemmen / Quetschen".
Zur Zielerreichung wurde ein spezifisch auf die Bereiche und Gefährdungen abgestimmtes Maßnahmenprogramm zur
Vermeidung von Arbeitsunfällen entwickelt und in den Sicherheitsaktionsplan der ÖBB-Infrastruktur AG integriert. Der
Sicherheitsaktionsplan beschreibt die sicherheitsstrategischen Handlungsfelder mit deren Sicherheitsmaßnahmen und die
Wirkungserwartungen.
Im Zuge des Lenkungsausschusses erfolgt ein regelmäßiges Reporting der
umsetzungsverantwortlichen Führungskräfte zum aktuellen Status und Zeitplan.
Mitarbeiter:innenschulungen zu Arbeitssicherheit
Im Bereich Arbeitnehmer:innenschutz sind Schulungen und Ausbildungen sowie praktische Übungen bzw. Praxiseinsatz
essenziell, um Schwachstellen oder potenzielle Gefahren zu visualisieren. Nur so kann ein Umdenken und damit eine
längerfristige Verhaltensänderung erzielt werden.
Im Rahmen der eisenbahnspezifischen Ausbildungen ist das Thema „Arbeitssicherheit” ein fixer Bestandteil vieler
Ausbildungen (z. B. Fahrdienstleiter:innen, Verschub, Sicherungsposten, Sicherungsaufsicht). In den Kursen sind
betriebseigene Sicherheitsfachkräfte als Vortragende tätig, um auf die eisenbahnspezifischen Grundlagen einzugehen und
auf spezifische Gefährdungen hinzuweisen.
Eine verpflichtende interne Ausbildung stellt die Grundausbildung zur §3(6)-Person gem. ASchG dar. Die Aufgabe der
§3(6)-Person ist es, in ihrem Zuständigkeitsbereich auf die Durchführung und Einhaltung der notwendigen
Schutzmaßnahmen gem. ASchG zu achten und Abweichungen zu melden, um damit deren Beseitigung herbeizuführen
bzw. die Behebung selbst zu veranlassen. Das Ziel der Grundausbildung ist es, den Teilnehmer:innen einen Überblick über
die rechtlichen Grundlagen sowie ihre Aufgaben und Tätigkeiten zu vermitteln. Ein Auffrischungskurs ist je nach
Gefährdungsart alle drei bis fünf Jahre (z. B. Verschub, Bauarbeiten im Gefahrenraum der Gleise alle drei Jahre) zu
absolvieren.
Auch bei den Kursen zur Ausbildung zur Sicherheitsvertrauensperson (Grund- und Auffrischungskurs), die von der BVAEB
organsiert werden, sind betriebseigene Sicherheitsfachkräfte als Vortragende tätig, um auf die eisenbahnrelevanten
Grundlagen einzugehen und auf Gefährdungen hinzuweisen. Die Ausbildung zur Sicherheitsvertrauensperson ist auch
zukünftig ein Schwerpunkt im Zuge der Lehrlingsausbildung.
Die Kurse „SIG 1 Sicherheit im Gleisbereich“ und „SIG 2 Verhalten im Gefahrenraum von Gleisen /
Bahnstromanlagen“ dienen als Basisausbildung sowohl für Mitarbeiter:innen als auch externe Personen / Fremdfirmen,
um die Erlaubnis zum Betreten von nicht öffentlichen Eisenbahnanlagen zu erlangen. Das Ziel ist es, Personen, die zur
Durchführung von nicht betrieblichen Tätigkeiten im Gefahrenraum der Gleise oder in dessen Nähe tätig werden, ein
betriebliches und elektrotechnisches Grundverständnis zu vermitteln. Damit soll durch die korrekten Verhaltensweisen
sichergestellt werden, dass die Sicherheit beim Aufenthalt und der Durchführung von Arbeitsvorgängen im
Gefahrenbereich von Gleisen sowie bei der Durchführung von Arbeitsvorgängen im Bereich von Bahnstromanlagen
gewährleistet ist.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
117
Vermeidung und Abmilderung von direkt mit Geschäftsbeziehungen verbundenen Auswirkungen auf die
Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz
Es ist der ÖBB-Infrastruktur AG ein großes Anliegen, dass auch alle Fremdfirmen, die für das Unternehmen tätig sind, so
sicher wie möglich arbeiten. So gelten klare Regelungen für Auftragnehmer:innen mit dem Ziel, Sicherheitsrisiken aus
Geschäftsbeziehungen schon vor Beginn auf ein Minimum zu reduzieren.
Baustellen bergen hohe Unfallrisiken. Aus diesem Grund erfordern Arbeitsschutzmaßnahmen nach wie vor die volle
Aufmerksamkeit der Auftraggeberin und der ausführenden Unternehmen. Die übergeordneten Schutz- und
Präventionsmaßnahmen sind in den eisenbahnspezifischen Regelwerken zum Schutz der Arbeitnehmer:innen verankert
(u. a. Eisenbahn-Arbeitnehmer:innenschutzverordnung (EisbAV) und schriftliche Betriebsanweisungen).
Bei Bauarbeiten muss der / die Planungskoordinator:in einen Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (SiGe-Plan) erstellen,
in dem die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen gegen die Annäherung von Schienenfahrzeugen, gegen die Gefahren
des elektrischen Stroms sowie für Fahrten im Zusammenhang mit den Bauarbeiten festgelegt sind. Ebenso müssen die
Maßnahmen zum Schutz des Eisenbahnbetriebes und weitere kollektive Schutzmaßnahmen beinhaltet sein.
Für geplante Bauarbeiten, die Einschränkungen der Infrastrukturanlagen bewirken, müssen die dafür erforderlichen
Maßnahmen in der Betriebs- und Bauanweisung festgelegt werden. Dasselbe gilt für Störungsbehebungen, die
Einschränkungen der Infrastrukturanlagen bewirken, auch hier müssen die dafür erforderlichen Maßnahmen in der
Betriebsanweisung „Schnelle Instandsetzung“ festgehalten werden. Der SiGe-Plan bildet die Grundlage für die Festlegung
der erforderlichen Maßnahmen der Betriebs- und Bauanweisung bzw. für die „Schnelle Instandsetzung“.
Bei allen Arbeiten müssen die betriebsspezifischen Funktionen zum Schutz der Arbeitnehmer:innen im Gefahrenraum der
Gleise wie das Aufsichtsorgan des Bahnbetreibers oder die Sicherungsaufsicht immer von Mitarbeiter:innen der ÖBB-
Infrastruktur AG wahrgenommen werden.
Auch das Betreten von nicht öffentlichen Eisenbahnanlagen ist grundsätzlich untersagt. Beschäftigte von Fremdfirmen
und deren Subunternehmern, die zur Durchführung von nichtbetrieblichen Tätigkeiten im Gefahrenraum der Gleise oder
in dessen Nähe tätig werden, müssen vorab eine erfolgreiche Schulung gem. SIG 1 und SIG 2 absolvieren und über eine
entsprechende Erlaubniskarte verfügen. Ebenso muss die gesundheitliche Eignung der gemäß ÖBB 32 – Richtlinie zur
gesundheitlichen Eignung von Mitarbeiter:innen im Eisenbahnbetrieb und dessen Umfeld vorhanden sein. Die Richtlinie
ÖBB 32 regelt Ablauf und Inhalt der sicherheitsrelevanten Eignungsuntersuchungen im Eisenbahnbetrieb und
gewährleistet Handlungs- und Rechtssicherheit. Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie werden laufend
dem aktuellen Rechtsstand und Infektionsgeschehen in Zusammenarbeit mit den tätigen Fremdfirmen und in Abstimmung
mit der WKO evaluiert und umgesetzt.
Wichtige Kennzahlen zur Arbeitssicherheit auf einen Blick
ÖBB-Infrastruktur AG Mitarbeiter:innen und
Leasing-Mitarbeiter:innen im Auftrag der ÖBB-Infrastruktur AG
Einheit
2022
2021
Anzahl
gearbeiteter
Stunden
1.000
Mitarbeiter:innen
26.913
27.018
Mitarbeiter:innen
26.177
26.574
Leasing-Mitarbeiter:innen
736
444
Tödliche Arbeitsunfälle
Anzahl
1
1
Mitarbeiter:innen
1
1
Leasing
-
Mitarbeiter:innen
0
0
Rate der
Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Verletzungen
pro 1 Mio.
Arbeitsstunden
0,037
0,037
Mitarbeiter:innen
0,038
0,038
Leasing
-
Mitarbeiter:innen
0
0
Schwere arbeitsbedingte Verletzungen
1)
Anzahl
3
9
Mitarbeiter:innen
3
8
Leasing-Mitarbeiter:innen
0
1
Rate arbeitsbedingter Verletzungen mit schweren Folgen
1)
pro 1 Mio.
Arbeitsstunden
0,11
0,33
Mitarbeiter:innen
0,11
0,30
Leasing-Mitarbeiter:innen
0,00
2,25
Dokumentierbare arbeitsbedingte Verletzungen
Anzahl
461
450
Mitarbeiter:innen
435
434
Leasing
-
Mitarbeiter:innen
26
16
Rate dokumentierbarer arbeitsbedingter Verletzungen
pro 1 Mio.
Arbeitsstunden
17,1
16,7
Mitarbeiter:innen
16,6
16,3
Leasing
-
Mitarbeiter:innen
35,3
36,1
1)
Entspricht GRI Universal Standard 403-9, schwere Arbeitsunfälle >180 Ausfalltage
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
118
Innovation und Technologie
Innovation und technologischer Fortschritt sind wesentliche Hebel zur Erreichung der strategischen Ziele des ÖBB-
Konzerns. Die Mobilitätswende und damit eine weitere Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene erfordert eine
Optimierung des Systems Bahn, welches nur mit dem Einsatz teils neuer Technologien zu bewältigen ist. Die laufende
Weiterentwicklung des Gesamtsystems von Mobilität, Logistik und Infrastruktur und damit verbundener Forschungs- und
Entwicklungstätigkeiten hat im ÖBB-Infrastruktur-Konzern daher eine zentrale Bedeutung.
Zielsetzungen
– Erhöhung von Kapazität, Qualität und Produktivität mithilfe innovativer und digitaler Technologien
– Entwicklung und Angebot innovativer Produkte und Services
– Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Systems Bahn
– ETCS Ausbau: 2.202 km ETCS L2 Strecken bis 2030
Weitere Informationen sowie Maßnahmen sind in den Kapiteln C.4, C.5, C.6 sowie D dieses Lageberichts enthalten.
Leistbares und zugängliches Mobilitätsangebot
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern orientiert sich an den Bedürfnissen der Kund:innen, Mobilitätsangebote werden daher
laufend weiterentwickelt und ausgebaut. Im Mittelpunkt stehen der konsequente Ausbau und die Weiterentwicklung des
barrierefreien Mobilitätsangebotes im ÖBB-Netz. Dreh- und Angelpunkt sind daher Bahnhöfe und Haltestellen sowie das
dazugehörige Serviceangebot. Neben einem einfachen, bequemen und barrierefreien Zugang zum Eisenbahnsystem sind
Pünktlichkeit sowie Verknüpfungen zu anderen öffentlichen Mobilitätsangeboten (wie Bus, Tram, U-Bahn usw.) und des
Individualverkehrs (wie Park & Ride, Bike & Ride) wichtig, um weiterhin einen Wettbewerbsvorteil am Markt innezuhaben.
Barrierefreiheit
Ein barrierefreier und bequemer Zugang zu Bahn und Bus für Menschen mit Behinderung, Personen mit Kinderwagen, für
ältere Menschen und für Reisende mit Gepäck oder Fahrrädern ist ein wichtiges Ziel. Barrierefreier Verkehr bedeutet in der
Praxis stufenlos erreichbare Verkehrsanlagen und Verkehrsmittel, aber auch barrierefreie Kommunikation. Dazu zählt auch
die Gestaltung von Informationsangeboten, Leit- und Orientierungssystemen nach dem Zwei-Sinne-Prinzip. Das heißt,
dass zumindest immer zwei der drei Sinne (Sehen, Hören und Tasten) angesprochen werden müssen.
Zielsetzungen
Die obige Tabelle zeigt den Erfüllungsgrad (KPI) der Umsetzung der Barrierefreiheitsstrategie in den Jahren 2021 und 2022
als Prozentwert von Reisenden, die eine barrierefreie Verkehrsstation bei ihrer Reise nutzen können, zur Gesamtfrequenz
(Reisende / Tag). Im Jahr 2022 wurde wie auch im Jahr davor der Zielwert von 84% um 2 Prozentpunkte mit 86%
übertroffen. Der Fokus im Jahr 2023 liegt weiterhin bei Stationen mit einer Fahrgäst:innenfrequenz ab 1.000
Fahrgäst:innen / Tag. Klares Ziel ist es, das Netz an barrierefreien Bahnstationen immer engmaschiger zu machen und auch
regionale Schwerpunkte zu setzen (Schul- und Bildungsstandorte, Kuranstalten, Krankenhäuser und ähnliche).
Als Beispiele für moderne, zukunftsfähige aber auch architektonisch ansprechende Bahnhofsprojekte aus 2022 seien hier
Ternitz (NÖ), St. Georgen an der Gusen (OÖ), Fehring (St), Innsbruck Messe (T) und Lauterach Unterfeld (V) angeführt.
Da gemäß Umsetzungsstrategie mittelfristig immer mehr kleinere Bahnstationen (Frequenz von unter 1.000) barrierefrei
gestaltet werden, ist zukünftig mit geringeren Steigerungsraten zu rechnen. 2027 wird der Ist-Wert gemäß der
Maßnahmenplanung nur noch leicht über dem Zielwert von 90% liegen.
Ziel KPI Ambition Zieljahr
2022
2021
Erhöhung der Barrierefreiheit: bis 2027 können
90% der Reisenden barrierefrei unterwegs sein
% der Reisenden,
die barrierefrei
unterwegs sein
können
90%
86%
85%
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
119
Entwicklung von Etappen- und Umsetzungsplänen
2006 hat die ÖBB-Holding AG zusammen mit Verantwortlichen der Teilkonzerne und Expert:innen den Etappenplan
gemäß § 19 Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) für den ÖBB-Konzern gesamthaft entwickelt. Die im
Etappenplan (2006 bis 2015) enthaltenen Maßnahmen wurden mit den Behindertenorganisationen abgestimmt.
Anfang 2016 haben die Konzerngesellschaften ihre Vorhaben aktualisiert und neue Umsetzungspläne für weitere
Verkehrsstationen (Bahnhöfe und Haltestellen mit Personenhalt) und die Fahrzeugflotte erstellt. Diese Unternehmenspläne
korrespondieren mit dem sogenannten Nationalen Umsetzungsplan (NIP), den das BMK für Österreich gemäß TSI-PRM
57
herausgegeben und veröffentlicht hat. 2018 wurden die bereits umgesetzten Maßnahmen und weitere Ziele bis 2027 mit
den Stakeholder:innen von Verbänden und Vertreter:innen des Parlaments diskutiert.
Ende 2022 profitierten bereits 86%
58
aller ÖBB Reisenden von über 400 modernen, barrierefreien Bahnhöfen und
Haltestellen. Das Angebot einer barrierefreien Mobilität wird sukzessive erweitert und verbessert. Im Jahr 2027 werden
gemäß Umsetzungsplan über 90% der Reisenden im Netz der ÖBB-Infrastruktur AG barrierefrei unterwegs sein können.
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2022
2021
Bahnhöfe mit modernen, barrierefreien Stationen
430
39
8
Dafür werden jährlich weitere Bahnhöfe und Haltestellen barrierefrei gestaltet. Im Berichtsjahr 2022 wurden – wie im
Vorjahr – wieder über 25 Stationen umfassend modernisiert oder komplett neu errichtet. Beispiele sind: Lustenau Unterfeld
(V), Rum und Thal (beide T), Steinfeld bei Straßwalchen (S), Traun (OÖ), Ternitz und Breitensee (beide NÖ) und Mallnitz-
Obervellach (K). Dieser Weg der Modernisierung von Bahnhöfen und Haltestellen wird 2023 konsequent fortgesetzt. Dabei
ist dem ÖBB-Konzern die Errichtung und Erweiterung von Park & Ride-Anlagen samt Pkw-Parkplätzen für Behinderte und
barrierefreien E-Ladestellen wie auch die Anbindung an lokale Verkehrsträger (insbesondere Busanbindung) ein
besonderes Anliegen.
Ebenfalls 2022 wurde aktiv der direkte Austausch mit Menschen mit Behinderungen, Interessensvertretungen und
Expert:innen geführt – vermehrt über digitale Kommunikationskanäle. Die Stakeholder:innen-Dialoge zum barrierefreien
Reisen fanden 2022 online mit regionalen Vertreter:innen aus Behindertenverbänden und politischen Vertreter:innen statt.
Bei diesen Onlinedialogen mit Expert:innen und Kund:innen lud das ÖBB Gleichstellungs- / Diversitymanagement zu
digitalen Meetings, um Leuchtturmprojekte zu präsentieren und gemeinsam in die Zukunft des barrierefreien Reisens zu
schauen. Diskutiert und beleuchtet wurden u. a. Produkte und Neuerungen bei der Information- und der Wegeleitung
sowie Bahnhofsausstattungen mit regionalem Bezug. An der Diskussion beteiligten sich Expert:innen der ÖBB-Infrastruktur
sowie Reisende, Kolleg:innen und prominente Expert:innen (u. a. Hilfsgemeinschaft, Österreichischer Behindertenrat,
Bundesministerium für Inneres, Bundesministerium für Klimaschutz, Österreichischer Gehörlosenbund, Bizeps, Vida, TU
Wien, myAbility, Verein Blickkontakt). Um noch besser auf die heutigen und zukünftigen Anforderungen einzugehen,
werden die Teilnehmer:innen der Stakeholder:innen-Dialoge stets eingeladen, Feedback zu geben.
Diese Praxiserfahrungen sind für die ÖBB-Infrastruktur AG wertvolle Anregungen, um zukünftig noch bessere Lösungen
zu finden. Dafür ist jedes Detail wichtig. Oft sind es kleine, zusätzliche Hilfestellungen, die zu einer Erleichterung und
Entlastung für Menschen mit und ohne Behinderungen bei der Benützung der Bahn führen. Zudem findet ein enger
Austausch mit anderen Bahnen im EU-Raum statt, da die Herausforderungen im Bereich der Barrierefreiheit
grenzüberschreitend und in konstruktiver Zusammenarbeit zu meistern sind. Bei der Umsetzung orientieren sich die ÖBB-
Infrastruktur AG an den gesetzlichen und technischen Regelungen der EU, insbesondere an der TSI-PRM
(VO [EU] Nr. 1300/2014) sowie an nationalen Vorgaben und Standards, z. B. ÖNORM B 1600 (Barrierefreies Bauen –
Planungsgrundlagen).
57
Technische Spezifikation für die Interoperabilität bezüglich der Zugänglichkeit des Eisenbahnsystems der Union für Menschen mit Behinderungen und Menschen
mit eingeschränkter Mobilität
58
Berechnet auf Basis der durchschnittlichen täglichen Fahrgäst:innenfrequenzen 2018 für das Netz der ÖBB-Infrastruktur AG.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
120
Pünktlichkeit
Pünktlichkeit ist ein wesentliches Qualitätskriterium sowohl für die Kund:innenzufriedenheit als auch für die
Nachhaltigkeit. Je pünktlicher Züge unterwegs sind, desto weniger Energie wird letztlich verbraucht, da Zeitreserven im
Fahrplan für eine energieeffiziente Fahrweise genutzt werden können. Die Pünktlichkeit ist das Verhältnis von pünktlich
erreichten Halten zu allen Halten, der Schwellenwert für die Pünktlichkeit liegt bei mathematisch gerundeten fünf Minuten.
In der Realität wird die Pünktlichkeit von vielen Faktoren negativ beeinflusst. Zur Qualitätssicherung werden bei der ÖBB-
Infrastruktur AG alle aufgetretenen Verspätungsminuten erfasst und mittels einem Kodierungssystem definierten Ursachen
zugeordnet. So können systematische Ursachen erkannt und gezielte Maßnahmen abgeleitet werden. Dabei sind die
einzelnen Ursachen auch mit zuständigen Bereichen hinterlegt, die für die Maßnahmensetzung verantwortlich sind. Im
Wesentlichen werden folgende übergeordnete Ursachencluster unterschieden:
– Infrastruktur: Anlagenstörungen, Langsamfahrstellen und Bauarbeiten, Betriebsführung
– Eisenbahnverkehrsunternehmen: Fahrzeugstörungen, kommerzielle Gründe, Personal- / Fahrzeugumlauf
– Neutral: Nachbarbahnen, externe Einflüsse (u. a. Witterung)
Der größte Anteil an Störeinflüssen liegt bei den Nachbarbahnen mit gut einem Drittel, danach folgen in etwa gleichauf
alle anderen Cluster mit einem Anteil zwischen 7% und 12%, nur die Betriebsführung ist mit 1% vernachlässigbar.
Die Schwerpunktsetzung des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns liegt bei der laufenden Optimierung der Verfügbarkeit der
Anlagen, der zeitgerechten Reinvestition in Anlagen zur Vermeidung von Langsamfahrstellen, der Forcierung von
Abweichungsfahrplänen während Bauarbeiten und der operativen Exzellenz in der Disposition.
Die Steuerung der Pünktlichkeit erfolgt innerhalb des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns im Rahmen des regelmäßigen
Steuerkreises Pünktlichkeit und auf Konzernebene im Rahmen des Pünktlichkeitszirkels auf Expert:innenebene bzw. im
Lenkungsgremium Pünktlichkeit auf Ebene der Vorstandsmitglieder / Geschäftsführer:innen.
Park & Ride-Ausbau
Die intelligente Verknüpfung von Verkehrsträgern ist essenziell für ein nachhaltiges und effizientes Verkehrssystem. Um
die Schnittstelle zwischen dem motorisierten Individualverkehr (MIV) und dem System Eisenbahn möglichst einfach zu
gestalten, hat die ÖBB-Infrastruktur AG in den vergangenen Jahren bereits verstärkt Park & Ride-Anlagen errichtet. Mit
der Zielsetzung, auch in den nächsten Jahren jährlich rd. 1.500 Pkw-Stellplätze neu in Betrieb zu nehmen bzw.
instandzusetzen, soll dieser Weg weiterverfolgt werden. Das Hauptaugenmerk zur Errichtung neuer Park & Ride-Anlagen
(Pkw-Stellplätze) auf Verkehrsstationen liegt auf den Zubringerstrecken in die Ballungsräume. Es ist nicht vorgesehen,
Park & Ride-Anlagen direkt in den Hauptstädten zu errichten. Situierungen von Park & Ride-Anlagen sollen so erfolgen,
dass der motorisierte Individualverkehr schon im Nahbereich der „Quelle” strukturiert angesprochen wird (frühzeitiger
Umstieg auf den ÖV).
Darüber hinaus bietet das Carsharing-Angebot Rail&Drive eine flexible Kombination aus Reisen mit Bahn und Auto (siehe
Kapitel G.3).
Bike & Ride
Der Neu- / Ausbau von Bike & Ride-Anlagen soll den Zugang zur Bahn erleichtern. Das Fahrrad ist ein wichtiger Teil der
Mobilitätskette und das Anbieten von Bike & Ride-Anlagen an Verkehrsstationen im Netz der ÖBB-Infrastruktur AG leistet
einen wesentlichen Beitrag hinsichtlich nachhaltiger Mobilität. Bei der Errichtung von neuen bzw. zusätzlichen Bike & Ride-
Stellplätzen sind Kooperationen zwischen der ÖBB-Infrastruktur AG mit den involvierten Gemeinden und Ländern (siehe
Richtlinie Park & Ride-Anlagen des BMK) zwingend nötig. Pro Jahr sollen laut aktuellem Rahmenplan 2023 bis 2028 im
Schnitt etwa 1.500 Stellplätze hinzukommen bzw. bestehende Anlagen erneuert werden.
Aktuell setzt die ÖBB-Infrastruktur AG sehr stark auf die Erhöhung der Qualität der Fahrradabstellplätze wie der
Überdachung und Doppelstockparkanlagen. Mit Ende 2022 gab es auf den Anlagen der ÖBB 50.791 Abstellplätze für
Zweiräder (davon 3.380 Motorradparkplätze und 46.041Fahrradparkplätze).
Wichtige Kennzahlen auf einen Blick
2022
2021
Anzahl Bike & Ride
-
Stellplätze in Stück
50.791
48.881
Neuerrichtung / Instandhaltung von Bike & Ride
-
Stellplätzen pro
Jahr in Stück
(gem. Verträgen)
1.775
2.622
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
121
Soziale Verantwortung und Kooperationen
Der ÖBB-Konzern ist überzeugt, dass Unternehmen als Teil einer Gesellschaft auch eine soziale Verantwortung tragen. Mit
seinem Engagement will der ÖBB-Konzern Menschen, Umwelt und Wirtschaft regional stärken, um zusammen mit
vertrauensvollen Partner:innen einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern nimmt diese Verantwortung mit unterschiedlichen internen und externen Projekten sowie
in der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen wahr.
Mitgliedschaften und gesellschaftlicher Beitrag
Aktuell sind die Organisationseinheiten bzw. die Tochtergesellschaften der ÖBB-Infrastruktur AG Mitglied bei 98
nationalen und internationalen Organisationen und Institutionen aus den Bereichen Verkehr, Energie, Technik etc. Dazu
zählen der Internationale Eisenbahnverband (UIC), die Austrian Energy Agency (AEA) und viele mehr.
Der Wert der Marke ÖBB als integrativer Indikator für den wirtschaftlichen Erfolg entwickelte sich laut Erhebung des
European Brand Institutes in den vergangenen Jahren durchwegs positiv und konnte 2022 weiter gesteigert werden: Mit
einem Markenwert von rd. 2,0 Mrd. EUR liegen die ÖBB auf Platz 5 der österreichischen Topmarken.
Darüber hinaus hat das European Brand Institute im Rahmen des „Sustainable Brand Rating Austria 2022” auch 2022
wieder den Beitrag der Marken gemeinwirtschaftlicher Unternehmen und Organisationen zur nachhaltigen Entwicklung
in Österreich in den Sektoren Verkehr, Versorgungsinfrastruktur, Energie, Gesundheits- und Sozialinfrastruktur, Finanzen
und Medien in den vier Kategorien Brand Leadership, Product/ Services, Social Responsibility und Investment in Österreich
untersucht. Der Kriterienkatalog mit 52 Indikatoren, abgeleitet aus den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) der Agenda 2030
sowie ISO 20671, wurde mit dem „EBI Scoring Model“ bewertet und in ein „Sustainable Brand Rating“ übergeführt. Der
ÖBB-Konzern ist laut diesen Erhebungen erneut Österreichs führende Sustainable Brand (Above Average Score AAA).
Die Bewertungen des European Brand Institutes beziehen sich zwar auf den ÖBB-Konzern. Da die Öffentlichkeit die
Teilkonzerne der ÖBB aber kaum als eigenständige Unternehmen wahrnimmt und der ÖBB-Infrastruktur-Konzern der
größte Teilkonzern des ÖBB-Konzerns ist, sind die Ergebnisse der genannten Studien auch für den ÖBB-Infrastruktur-
Konzern repräsentativ.
Licht ins Dunkel
Der ÖBB-Konzern verbindet täglich eine Vielzahl an Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen. Einige dieser Schicksale
erzählen besondere Geschichten und zeigen, dass oftmals dringend Hilfe benötigt wird. Daher ist der ÖBB-Konzern seit
über dreizehn Jahren auch im Jahr 2022 wieder Partner von „Licht ins Dunkel”. In den vergangenen Jahren konnte der
ÖBB-Konzern gemeinsam mit ihren Kund:innen, Bahnhofbesucher:innen, ÖBB Mitarbeiter:innen und einer Vielzahl an
weiteren Unterstützer:innen über eine Million Euro an Spendengeldern für Kinder und Familien in Not sammeln. Die
Partnerschaft mit „Licht ins Dunkel” ist die größte CSR-Kampagne des ÖBB Konzerns und zahlt auf allen Ebenen in die
Unternehmensphilosophie ein. Im Jahr 2022 konnten im Zuge dessen 60.150 EUR an Spenden gesammelt werden. Die
Spenden fließen in unterschiedliche „Licht ins Dunkel”-Projekte mit einem Fokus auf Mobilität und Kinder.
Schutzengelfest 2022
In den Gärten von Tulln fand auch 2022 wieder das Schutzengelfest statt. Bei dieser Veranstaltung soll bei Kindern
spielerisch ein Bewusstsein für die Sicherheit auf dem Schulweg geschaffen werden. Insgesamt waren rd. 1.000
Schulkinder im Alter von sechs bis zehn Jahren dabei und konnten sich bei den 20 Stationen einen Eindruck von den
Tätigkeiten der anwesenden Organisationen verschaffen. Der ÖBB-Konzern war durch Mitarbeiter:innen von
Personenverkehr, Infrastruktur und ÖBB-Operative Services vertreten. Mit Spiel und Spaß brachten sie den Kindern unter
anderem die unterschiedlichen Symbole auf den Bahnhöfen näher, zeigten das Blindenleitsystem und erklärten mittels
eines Mülltrennspiels die richtige Mülltrennung auf den Bahnhöfen.
Weitere Projekte und Kooperationen, beispielsweise zum Thema Sicherheit und Barrierefreiheit, sind unter anderem in
Kapitel G.4. Stakeholder:innenmanagement sowie Leistbares und zugängliches Mobilitätsangebot zu finden.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
122
G.5. Achtung der Menschenrechte
Die Geschäftstätigkeit des ÖBB-Infrastruktur-Konzerns beschränkt sich geografisch zum größten Teil auf Österreich und
den EU-Raum sowie Liechtenstein und die Schweiz. Die Baustellen befinden sich ebenso auf österreichischem
Hoheitsgebiet bzw. in besonderen Anlassfällen in den angrenzenden EU-Mitgliedsstaaten. Es gelten die
verfassungsrechtlich gewährten Grundrechte, insbesondere der Gleichheitsgrundsatz nach dem Bundes-
Verfassungsgesetz, sowie die europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK). Über
die Einhaltung dieser Rechte wachen unabhängige Gerichte. Als Mitglied der Wirtschaftskammer bekennt sich der ÖBB-
Infrastruktur-Konzern auch zu deren Grundsätzen „Menschenrechte, Umweltstandards, Sozialstandards“ und ist sich
seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst.
Darüber hinaus gibt es im Personalbereich weitere konkrete Vorgaben und Maßnahmen hinsichtlich Chancengleichheit,
Vielfalt und Inklusion (siehe Kapitel Vielfalt und Chancengleichheit).
Die ÖBB-Operative Services & Co KG ist als interner Dienstleister vor allem für die Sauberkeit und Sicherheit an den
Bahnhöfen verantwortlich. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, alle Menschen, mit denen als Unternehmen interagiert
wird – also sowohl Mitarbeiter:innen als auch Kund:innen – mit Würde und Respekt zu behandeln. Die Wahrung der
Menschenrechte ist die Basis dafür. Alle Mitarbeiter:innen bei der ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG werden
grundsätzlich darauf geschult, sich aus gefährlichen Situationen zurückzuziehen und Deeskalation als wichtigste
Handlungsprämisse anzusehen. Auch die internen Arbeitsanweisungen und die intern entwickelten Verhaltensstandards
bilden diese Vorgangsweise ab.
In der Ausbildung „Mitarbeiter:innen der Sicherheits- und Kund:inneninformation“ der ÖBB-Operative Services GmbH &
Co KG wird besonderer Wert auf die Themen „Kund:innenorientierung”, „Deeskalation”, „rechtliche Grundlagen” –
darunter auch „Menschenrechte” – gelegt. Hierfür wurde ein umfangreiches Ausbildungsprogramm entwickelt, das
deutlich über dem Branchenschnitt liegt: Die Mitarbeiter:innen bekommen bereits in der „Basisschulung
Sicherheit“ einerseits rechtliche Grundlagen, andererseits ebenso das Thema „Kund:innenorientierung” während einer
Grundausbildung vermittelt. Im „sicherheitsorientierten Szenarientraining“ erfolgt eine Vertiefung dieser Kompetenzen,
auch das Thema „Prävention (Risikoeinschätzung, Eigen- und Fremdsicherung) ” wird in den Fokus genommen.
Im Modul „Deeskalation und Eigensicherung“, das durch die Sicherheitsakademie im Zuge einer engen Kooperation mit
dem Bundesministerium für Inneres durchgeführt wird, nimmt das Thema „Menschenwürde” einen besonderen
Stellenwert ein – so werden ebenso Negativbeispiele behandelt und Wahrnehmungsmuster durchbrochen. Diese
Schulungen sind für alle Mitarbeiter:innen der Sicherheits- und Kund:inneninformation im Zuge des
Ausbildungsprogrammes vorgesehen.
Darüber hinaus legt die ÖBB-Operative Services GmbH & Co KG einen besonderen Stellenwert auf die Zufriedenheit der
Kund:innen, zu denen alle Menschen gezählt werden, die sich an den Bahnhöfen aufhalten. Diskriminierendes Verhalten
würde diesem Ziel augenscheinlich entgegenlaufen und wird daher weder gefördert noch toleriert. Die hervorragenden
Kund:innenbewertungen zeugen vom Erfolg der Maßnahmen.
Ziel ist es, hervorragende Kund:innenzufriedenheit zu generieren. Da die Kund:innen an den Bahnhöfen sehr
unterschiedlich sind, ist eine besondere Sensibilität auf das Thema „Menschenwürde“ geboten. Aus diesem Grund werden
regelmäßig alle Mitarbeiter:innen im Sicherheitsbereich in den Themen „Kund:innenorientierung“, „Deeskalation“ und
„rechtliche Grundlagen“ – wo möglich sogar unter Einbindung des Innenministeriums – geschult.
Im Zusammenhang mit menschenwürdigen Arbeitsbedingungen sind im Geschäftsjahr 2022 teilkonzernweit keine Vorfälle
bekannt, welche zu einem Verfahren geführt hätten. Die Anzahl der Verstöße gegen die Menschenrechte im Geschäftsjahr
2022 ist null.
G.6. Bekämpfung von Korruption und Bestechung
Compliance-Organisation im ÖBB-Infrastruktur-Konzern
Ethisches Handeln des Unternehmens wie auch seiner Mitarbeiter:innen ist die Basis für Vertrauen und nachhaltigen Erfolg.
Als eines der größten Unternehmen Österreichs, dessen Alleinaktionärin die Republik Österreich ist, trifft den ÖBB-
Infrastruktur-Konzern eine besondere Verantwortung zur effektiven, effizienten und transparenten Gestaltung ihrer
Geschäftsprozesse. Eine Null-Toleranz-Politik hinsichtlich Gesetzesverstößen und Korruption bestimmt die strategische
Unternehmensausrichtung maßgeblich mit.
In Erfüllung der Organisationsverantwortung der Vorständ:innen und Geschäftsführer:innen wurde im ÖBB-Konzern eine
Compliance-Organisation etabliert, welche auf die Einhaltung interner und externer Regelwerke hinwirkt.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
123
Im ÖBB-Konzern ist die Funktion eines Chief-Compliance-Officers als gesonderte Stabstelle bei der Geschäftsleitung der
ÖBB-Holding AG eingerichtet. Zusätzlich sind in den Teilkonzernmuttergesellschaften (ÖBB-Infrastruktur AG, Rail Cargo
Austria AG, ÖBB-Personenverkehr AG) Compliance-Officers eingesetzt, die ebenfalls organisatorisch als eigene Stabstellen
der Geschäftsleitung zugeordnet sind.
Der Chief-Compliance-Officer und die Compliance-Officers in den Teilkonzernmuttergesellschaften unterliegen im Rahmen
der Ausübung ihrer Tätigkeit keinerlei Weisungen des Managements. Zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit, insbesondere
zur Vermeidung von Interessenkonflikten, übernehmen diese nicht gleichzeitig anderweitig operative Aufgaben.
Kernkompetenz der Compliance-Organisation ist die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität und Korruption sowie die
Minimierung von Wirtschaftskriminalitäts- und Korruptionsrisiken im ÖBB-Konzern.
Compliance-Management-System im ÖBB-Konzern und im ÖBB-Infrastruktur-Konzern
Das Compliance-Management-System orientiert sich an den internationalen Standards und stellt sich wie folgt dar:
Code of Conduct – Der Verhaltenskodex des ÖBB-Konzerns
Der Verhaltenskodex des ÖBB-Konzerns („Code of Conduct”) beschreibt die ethischen Grundsätze und allgemeinen
Prinzipien, an denen der ÖBB-Konzern sein wirtschaftliches Handeln ausrichtet und die wesentlichen Elemente seiner
Unternehmenskultur darstellt. Er gilt für die Vorstände, Geschäftsführer:innen, Führungskräfte und Mitarbeiter:innen des
ÖBB-Konzerns und wird mit Unterfertigung des Dienstvertrages nachweislich zur Kenntnis genommen. Der Code of
Conduct des ÖBB-Konzerns regelt die Grundsätze für die Beziehungen zu Kund:innen und Geschäftspartner:innen, das
Auftreten in der Öffentlichkeit und die Zusammenarbeit untereinander. Wesentliche Ziele des Code of Conduct sind u. a.
die konzernweite Stärkung ethischer Normen, die Schaffung eines Arbeitsumfeldes, das Integrität, Respekt und faires
Verhalten fördert, sowie die gesetzestreue, wirtschaftlich und sozial verantwortungsvolle Anbahnung und Abwicklung
von Geschäften. Die ÖBB-Holding AG und die Teilkonzerngesellschaften haben sich freiwillig durch entsprechenden
Organbeschluss zur Einhaltung des Code of Conduct verpflichtet. Der Code of Conduct ist von allen ÖBB-Mitarbeiter:innen
wie auch den Vorstandsmitgliedern, Geschäftsführer:innen und Führungskräften streng einzuhalten. Ergänzend zum Code
of Conduct bilden diverse Leitfäden wichtige Orientierungshilfen für alle Mitarbeiter:innen.
Prävention durch Compliance-Schulungen und Beratung
Eine der Kernaufgaben der Compliance-Organisation des ÖBB-Konzerns ist es, die Mitarbeiter:innen des ÖBB-Konzerns
langfristig und nachhaltig zu Compliance-relevanten Themenbereichen und Richtlinien zu sensibilisieren und dazu zu
beraten. Dabei ist es besonders wichtig, allen Mitarbeiter:innen (einschließlich Lehrlingen) bewusst zu machen, in welchen
konkreten Situationen im Arbeitsalltag ein Compliance-Risiko vorliegen kann. Die Compliance-Organisation ist
niederschwellig für jede:n Mitarbeiter:in erreichbar und berät proaktiv zu den wichtigsten Compliance-Themen und
Inhalten des Code of Conduct. Durch regelmäßige Präsenz- und Videokonferenzschulungen und bewusstseinsbildende
Maßnahmen, die auf die jeweiligen Zielgruppen und entsprechenden Risiken zugeschnitten sind, wird die Sensibilisierung
zu Compliance-bezogenen Themenbereichen weiter erhöht.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
124
Ergänzt werden die bisherigen Aufgaben seit 2018 durch ein Compliance-E-Learning-Programm. Ein weiterer wesentlicher
Baustein der Präventionsarbeit ist auch das Angebot der individuellen Beratung des Managements und aller
Mitarbeiter:innen.
Früherkennung
Mögliche Compliance-Gefahren frühzeitig zu erkennen, ist entscheidend, um diesen adäquat entgegenwirken zu können.
Dazu zählt neben dem konzernweiten Projekt „Fraud Management” auch die Durchführung von Gefährdungsanalysen
und Compliance-Audits. Diese Maßnahmen dienen den primären Zielen der Schadensprävention und
Gefährdungskontrolle.
ÖBB Mitarbeiter:innen sind grundsätzlich verpflichtet, unverzüglich und nachweislich ihre Arbeitgeberin zu verständigen,
sobald ihnen zur Kenntnis gelangt, dass ein Interessenkonflikt auftreten könnte. Diese hat über die weiteren Schritte zu
entscheiden. Je höher die dienstliche Funktion der Person ist, umso kritischere Beurteilungsmaßstäbe müssen laut Code
of Conduct bei der Vermeidung von Interessenkonflikten angelegt werden. Aufgrund der Eigentümerstruktur des ÖBB-
Konzerns richtet dieser sein Handeln auch am Bundes-Public-Corporate-Governance-Kodex aus, welcher Maßnahmen zur
Vermeidung und Offenlegung von Interessenkonflikten festlegt. Mitglieder der Geschäftsleitung dürfen
Nebenbeschäftigungen, insbesondere Mandate in Überwachungsorganen, nur mit Zustimmung des Überwachungsorgans
ausüben. Weiters wird Interessenkonflikten der Mitglieder der Geschäftsleitung vorgebeugt, indem diese einem
Wettbewerbsverbot unterliegen, Verbote der Forderung und Annahme von Zuwendungen und der Verfolgung
persönlicher Interessen bestehen sowie die Verpflichtung zur Offenlegung von Interessenkonflikten, insbesondere
hinsichtlich Geschäften zwischen der Geschäftsleitung und Unternehmen, geregelt wird. Darüber hinaus beinhalten die
Bestimmungen der Anstellungsverträge der Leitungsorgane Melde- und Genehmigungspflichten, die Interessenkonflikten
vorbeugen sollen.
Reaktion
Die Compliance-Organisation als zentrale Anlaufstelle für die Behandlung von Hinweisen ist verpflichtet, jedem Hinweis
nachzugehen. Die Hinweisgeber genießen besonderen Schutz bezüglich ihrer persönlichen Daten. Die Ergebnisse solcher
Untersuchungen führen zu Empfehlungen hinsichtlich Verbesserungspotenzialen sowie zu treffenden Sanktionen.
Compliance lokalisiert sensible Unternehmensbereiche, die im Hinblick auf die Kernkompetenz besonders risikoanfällig
sind, evaluiert die in diesen Bereichen vorhandenen Strukturen und Prozesse und entwirft Maßnahmen, um die
Compliance-Risiken zu minimieren.
Die Empfehlungen von Compliance zielen insbesondere auch auf die nachhaltige Behebung von Schwachstellen ab. Die
Umsetzung möglicher Sanktionen nach festgestellten Compliance-Verstößen liegt ausschließlich im Kompetenzbereich des
jeweiligen Geschäftsleitungsorgans.
Die Compliance-Organisation ist verpflichtet, an den Aufsichtsrat und den Vorstand in regelmäßigen Abständen zu
berichten. Dazu erstattet der Compliance-Officer der ÖBB-Infrastruktur AG jährlich schriftliche Tätigkeitsberichte an den
Vorstand und Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG und dem Chief-Compliance-Officer der ÖBB-Holding AG. Er
übermittelt dem Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG und dem Chief-Compliance-Officer der ÖBB-Holding AG vierteljährlich
in schriftlicher Form Quartalsberichte. Schließlich berichtet er bei besonderen Ereignissen oder akuten Compliance-
Verstößen unverzüglich dem Chief-Compliance-Officer der ÖBB-Holding AG und dem Geschäftsleitungsorgan der
betroffenen Gesellschaft.
Antikorruptionsstelle
Die Antikorruptionsstelle unter der Leitung des Chief-Compliance-Officers ist zentrale Ansprechpartnerin für Fragen,
Informationen und Hinweisen im Zusammenhang mit Korruption im ÖBB-Konzern. Alle Informationen, welche die
Antikorruptionsstelle des ÖBB-Konzerns erreichen, werden streng vertraulich und mit der notwendigen Sorgfalt behandelt.
Hinweise zu Verstößen gegen den Code of Conduct und zu Sachverhalten mit einem Verdacht auf Wirtschaftskriminalität
oder Korruption können durch Hinweisgeber:innen jederzeit telefonisch, per Post, per Mail und auch persönlich –
jedenfalls vertraulich – an die Compliance-Organisation gemeldet werden. Anonyme Meldungen sind ebenfalls möglich.
Weiters wurde ein elektronisches Hinweisgeber:innen-System implementiert.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
125
G.7. GRI-Inhaltsindex
Im folgenden GRI-Inhaltsindex sind die von der ÖBB-Infrastruktur AG berichteten Standardangaben, wesentlichen Themen
und Indikatoren aufgelistet. Die Referenz auf den entsprechenden Abschnitt des Konzernlageberichtes erleichtert den
Leser:innen das Auffinden der Information.
Anwendungser-
klärung
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat in Übereinstimmung mit den GRI-Standards für den Zeitraum vom
01.01.2022 bis zum 31.12.2022 berichtet.
Verwendeter GRI 1
GRI 1: Grundlagen 2021
Anwendbare(r)
GRI-
Branchenstandard
(s)
Derzeit nicht anwendbar
GRI-Standard Neu
Referenz bzw.
Seitenangaben
Anmerkungen,
Begründungen,
Auslassungen
S
D
G
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
ALLGEMEINE ANGABEN
GRI 2: Allgemeine
Angaben 2021
2-1 Organisationsprofil
Kapitel A S. 2-6
2-2 Entitäten, die in der
Nachhaltigkeitsbericht-erstattung
der Organisation
berücksichtigt werden
Konzernabschluss
Erläuterung 35
Der Konsolidierungskreis
der nichtfinanziellen
Erklärung entspricht dem
des Konzernabschlusses
der ÖBB-Infrastruktur AG.
2-3 Berichtszeitraum,
Berichtshäufigkeit und
Kontaktstelle
Kapitel G.2. S. 47
infra.kundenservice
@oebb.at
2-4 Richtigstellung oder
Neudarstellung von
Informationen
Im aktuellen Bericht kam
es zu folgender Änderung
bei der Berichterstattung
im Vergleich zum Vorjahr:
Anpassung des Scope 2
market based
Emissionsfaktors
2-5 Externe Prüfung
Der unabhängige
Bestätigungsvermerk ist
im Anhang des
Konzernabschlusse zu
finden.
Die nichtfinanzielle
Erklärung wurde einer
unabhängigen externen
Prüfung mit begrenzter
Sicherheit durch Ernst &
Young Wirtschafts-
prüfungsgesellschaft
m.b.H. unterzogen.
2-6 Aktivitäten,
Wertschöpfungskette und andere
Geschäftsbeziehungen
Kapitel A. S. 2-3, C.1. S.
15 ff., C.2. S. 17 ff., C.3.
S. 29 f., C.4. S. 22 ff.,
G.3. S. 83 f. und G.4. S.
94 ff.
Keine signifikanten
Änderungen in der
Organisation und ihrer
Lieferkette.
12
2-7 Angestellte
Kapitel A. S. 4, C.1. S.
17., C.2. S. 18 f. und
G.4. S. 94 ff., S. 102 ff.
5, 8,
10
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
126
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
ALLGEMEINE ANGABEN
2-8 Mitarbeiter:innen, die keine
Angestellten sind
Kapitel G.4. S. 94 ff., S.
102 ff.
5, 8,
10
2-9 Führungsstruktur und
Zusammensetzung
Kapitel G.2. S. 47
GRI 2: Allgemeine
Angaben 2021
2-10 Nominierung und Auswahl
des höchsten Kontrollorgans
Kapitel G.2. S. 47
2-11 Vorsitzende:r des höchsten
Kontrollorgans
Kapitel G.2. S. 47
2-12 Rolle des höchsten
Kontrollorgans bei der
Beaufsichtigung der Bewältigung
der Auswirkungen
Kapitel G.2. S. 47 und
G.6. S. 123 ff.
2-13 Delegation der
Verantwortung für das
Management der Auswirkungen
Kapitel G.2. S. 47 f.
2-14 Rolle des höchsten
Kontrollorgans bei der
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Kapitel G.2. S. 47 f.
2-15 Interessenkonflikte
Kapitel G.2. S. 47 und
G.6. S. 123 ff.
2-16 Übermittlung kritischer
Anliegen
Kapitel G.2. S. 47 und
G.6. S. 123 ff.
Eine genaue Anzahl an
kritischen Anliegen wird
konzernweit nicht
berichtet.
2-17 Gesammeltes Wissen des
höchsten Kontrollorgans
Kapitel G.2. S. 47 und
G.6. S. 123 ff.
2-18 Bewertung der Leistung des
höchsten Kontrollorgans
Kapitel G.2. S. 47, G.6.
S. 123 ff. und
Konzernabschluss S. 77
ff.
2-19 Vergütungspolitik
Kapitel G.2. S. 98 f. und
Konzernabschluss S. 77
ff.
2-20 Verfahren zur Festlegung
der Vergütung
Kapitel G.2. S. 98 f.
und Konzernabschluss
S. 77 ff.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
127
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
ALLGEMEINE ANGABEN
GRI 2: Allgemeine
Angaben 2021
2-21 Verhältnis der
Jahresgesamtvergütung
Aufgrund der
umfangreichen
Auswertung der Ist-
Gehaltsdaten zur
Ermittlung des mittleren
Niveaus der
Jahresvergütung der
Angestellten können die
Daten für das
Geschäftsjahr 2022 mit
Berichtsschluss Mitte
März 2023 nicht
ausgewiesen werden. Für
2023 erfolgt die
Programmierung eines
Berichts, welcher die
Auswertung des mittleren
Niveaus (Median)
ermöglicht, um somit die
Verhältnisse im Bericht
2024 (für 2023)
ausweisen zu können.
2-22 Anwendungserklärung zur
Strategie für nachhaltige
Entwicklung
Kapitel G.1. S.45 ff. 8
2-23 Verpflichtungserklärung zu
Grundsätzen und
Handlungsweisen
Kapitel A. S. 2 f., C.5. S.
28 ff., G.3. S. 63 und
G.6. S. 123 f.
3, 6,
7, 8,
11,
12,
13,
14,
15,
16
2-24 Einbeziehung politischer
Verpflichtungen
Kapitel B.2. S. 11 und
G.2. S. 48 ff.
2-25 Verfahren zur Beseitigung
negativer Auswirkungen
Kapitel B.2. S. 11 ff.,
G.2. S. 48 ff., G.4. S. 95
und G.6. S.123 f.
2-26 Verfahren für die Einholung
von Ratschlägen und die
Meldung von
Anliegen
Kapitel und G.4. S. 95 f.
und G.6. S. 123 f.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
128
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
ALLGEMEINE ANGABEN
GRI 2: Allgemeine
Angaben 2021
2-27 Einhaltung von
Gesetzen und
Verordnungen
Im Zuge der Risikoidentifikation des
Enterprise Risk Management werden
regelmäßig (3 Mal im Jahr) Risiken ab
einer Wertgrenze von 500.000 EUR
obligatorisch von den jeweiligen
Fachbereichen erfasst. Zudem werden
im Zuge der Gefährdungsanalysen der
Compliance Risiken hinsichtlich
Schadenspotenzial bzw.
Eintrittswahrscheinlichkeit qualitativ
bewertet.
Gegen die ÖBB-Infrastruktur AG gab es
im Jahr 2022 keine wesentlichen
Klagen, Sanktionen oder Geldbußen,
die aufgrund von Verletzungen von
Gesetzen oder Vorschriften im sozialen,
wirtschaftlichen oder Umweltbereich
verursacht wurden.
2-28 Mitgliedschaft in
Verbänden und
Interessengruppen
Kapitel G.4. S. 121 17
2-29 Ansatz für die
Einbindung von
Stakeholdern
Kapitel G.2. S. 49
und G.4. S. 94 f.
17
2-30 Tarifverträge
Kapitel G.4. S. 98 f. 8
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
129
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
ALLGEMEINE ANGABEN
GRI 3: Allgemeine
Angaben 2021
3-1 Verfahren zur
Bestimmung wesentlicher
Themen
Kapitel G.2. S. 49 ff.
3-2 Liste der wesentlichen
Themen
Kapitel G.2. S. 50 f.
Wesentliche Themen mit hoher
Bedeutung:
- Klimaschutz
- Innovation und Technologie
- Wirtschaftsmotor, wertschöpfende
Investitionen und zukunftsfähige
Finanzierung
- Aus- und Weiterbildung
- Generationen-wandel
- Leistbares und zugängliches
Mobilitätsangebot
- Anpassung an den Klimawandel
- Gesundheit / Safety / Security
- Verlässlicher und attraktiver
Arbeitgeber
- Compliance/transparente Berichte
und Datenschutz
Im Vergleich zum Vorjahr kam es zu
keiner Änderung der wesentlichen
Themen.
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
GRI 200: Ökonomische Themen
Wesentliches Thema:
Innovation und Technologie
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management of material
topics
Kapitel C.4. S. 21
ff., C.5. S. 29 f., C.6.
S. 32 f. und D. S. 35
ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel A. S.
2 und Fachstrategien durch den
Vorstand.
9,
11
F&E Projekte in Bearbeitung
Kapitel D. S. 35 und
G.2. S. 64
9,
11
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
130
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
GRI 200: Ökonomische Themen
Wesentliches Thema:
Wirtschaftsmotor, wertschöpfende Investitionen und zukunftsfähige Finanzierung
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel C.4. S. 21 –
26, C.5. S. 28, C.6.
S. 31 f. und G.1. S.
45 f.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel A. S. 2
und Fachstrategien durch den
Vorstand.
5,
8,
9,
11
GRI 201:
Wirtschaftliche
Leistung 2016
201-1:
Unmittelbar
erzeugter und
ausgeschütteter
wirtschaftlicher Wert
Kapitel C.1. S. 15
und C.2. S. 17 ff.
8,
9
201-4:
Finanzielle
Unterstützung durch die
Öffentliche Hand
Konzernabschluss
Erläuterung 32 und
S.29 ff sowie
Lagebericht B.2.
S.11. ff.
8
GRI 203:
Indirekte
ökonomische
Auswertungen 2016
203
-
1:
Infrastrukturinvestitionen
und geförderte
Dienstleistungen
Kapitel C.4. S. 21 –
28, C.6. S. 31 f. und
G.1. S. 44 f.
5,
9,
11
203-2:
Erhebliche indirekte
ökonomische
Auswirkungen
Kapitel G.1. S. 44
ff., S. 52 – 61
8,
11
Wesentliches Thema:
Leistbares und zugängliches Mobilitätsangebot
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
G.1. S. 44 und G.4.
S. 119 f.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Management-systeme in Kapitel A. S. 2
und Fachstrategien durch den
Vorstand.
9,
10,
11
Barrierefreie Bahnhöfe Kapitel G.4. S. 118
9,
10,
11
Bike&Ride Stellplätze Kapitel G.3. S. 121
11,
13
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
131
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
GRI 200: Ökonomische Themen
Wesentliches Thema:
Compliance / transparente Berichte und Datenschutz
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel F. S. 39 ff.,
G.1. S. 44, G.2. S.
47 f., G.4. S. 109
und G.6. S. 122 f.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel A. S.
2 und Fachstrategien durch den
Vorstand.
5,
8,
9,
11
GRI 205:
Korruptions-
bekämpfung 2016
205-1:
Betriebsstätten, die
auf Korruptionsrisiken
geprüft wurden
Die konzernweit durchgeführten
Compliance-Audits werden im
Jahrestätigkeitsbericht Compliance
festgehalten und aus
Vertraulichkeitsgründen nicht
veröffentlicht. 16
GRI 206:
Wettbewerbswidriges
Verhalten 2016
206-1:
Rechtsverfahren
aufgrund von
wettbewerbswidrigem
Verhalten, Kartell- und
Monopolbildung
Gegen die ÖBB-Infrastruktur AG gab
es im Jahr 2022 keine wesentlichen
Klagen, Sanktionen oder Geldbußen,
die aufgrund von Verletzungen von
Gesetzen oder Vorschriften im
wirtschaftlichen Bereich verursacht
wurden. 16
GRI 415:
Politische
Einflussnahme 2016
415-1:
Parteispenden
Die ÖBB-Infrastruktur AG hat keine
direkten oder indirekten
Parteispenden in Form von
finanziellen Beiträgen und
Sachzuwendungen geleistet. 16
GRI 418:
Schutz der
Kundendaten 2016
418-1:
Begründete
Beschwerden in Bezug auf
die Verletzung des Schutzes
und den Verlust von
Kundendaten
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser
nichtfinanziellen Erklärung sind der
ÖBB-Infrastruktur AG keine
Beschwerden von Kund:innen im
Zusammenhang mit der Verletzung
des Kundendatenschutzes bekannt. 16
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
132
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
GRI 300: Ökologische Themen
Wesentliches Thema:
Klimaschutz
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel B.2. S. 12
f., C.5. S. 31, S. 34
f., C.6. S. 39, G.1.
S. 45 und G.3. S.
63 ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel A. S. 2
und Fachstrategien durch den
Vorstand.
3, 7,
8, 9,
11,
12,
13,
14,
15
GRI 302:
Energie 2016
302-1:
Energieverbrauch
innerhalb der
Organisation
Kapitel G.3. S. 66
7, 8,
12,
13
302-4:
Verringerung des
Energieverbrauchs
Kapitel G.3. S. 66
7, 8,
12,
13
GRI 305:
Emissionen
2016
305-1:
Direkte THG-
Emissionen (Scope 1)
Kapitel G.3. S. 67
3,
12,
13,
14,
15
305-2:
Indirekte
energiebedingte THG-
Emissionen (Scope 2)
Kapitel G.3. S. 67
3,
12,
13,
14,
15
ÖBB-Fuhrpark Kapitel G.3. S. 68
9, 13
Wesentliches Thema:
Anpassung an den Klimawandel
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel G.1. S. 45
f. und G.3. S. 70
ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel A. S. 2
und Fachstrategien durch den
Vorstand.
7,
11,
13
GRI 201:
Wirtschaftliche
Leistung 2016
201-2: Finanzielle Folgen
des Klimawandels für die
Organisation und andere
mit dem Klimawandel
verbundene Risiken und
Chancen
Kapitel G.2. S. 51 -
61 und G.3. S. 70
Risiken aus höherer Gewalt und aus
Naturgefahren, die durch den
Klimawandel in den letzten Jahren
zugenommen haben, werden
regelmäßig bewertet und budgetär
durch Erfahrungswerte vorgesorgt. In
den worst case Szenarien werden
Ereignisse evaluiert, die über das
langjährige Mittel hinausgehen.
Steinschlag- und
Lawinenverbauungen
Kapitel G.3. S. 70
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
133
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
GRI 400: Soziale Themen
Wesentliches Thema:
Gesundheit / Safety / Security
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel A. S. 2,
S. 4, C.5. S. 28
ff., F. S. 42, und
G.4. S. 110 -
118
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel A.
S. 2 und Fachstrategien durch den
Vorstand.
3,
8,
16
GRI 403:
Arbeitssicherheit und
Gesundheitsschutz
2018
403-1:
Managementsystem für
Arbeitssicherheit und
Gesundheitsschutz
Kapitel G.4. S.
114 f.
8
403-2:
Gefahrenidentifizierung,
Risikobewertung und
Untersuchung von Vorfällen
Kapitel G.4. S.
115
8
403-3:
Arbeitsmedizinische
Dienste
Kapitel G.4. S.
109
8
403-4:
Mitarbeiterbeteiligung,
Konsultation und Kommunikation
zu Arbeitssicherheit und
Gesundheitsschutz
Kapitel G.4. S.
109 f., S. 113 f.
8,
16
403-5:
Mitarbeiterschulungen zu
Arbeitssicherheit und
Gesundheitsschutz
Kapitel G.4. S.
117
8
403-6:
Förderung der
Gesundheit der Mitarbeiter
Kapitel C.5. S.
29 und G.4. S.
109 f.
3
403-7:
Vermeidung und
Abmilderung von direkt mit
Geschäftsbeziehungen
verbundenen Auswirkungen auf
die Arbeitssicherheit und den
Gesundheitsschutz
Kapitel G.4. S.
112 f.
8
403-8:
MitarbeiterInnen, die von
einem Managementsystem für
Arbeitssicherheit und
Gesundheitsschutz abgedeckt
sind
Kapitel G.4. S.
112 f.
8
403-9:
Arbeitsbedingte
Verletzungen
Kapitel G.4. S.
112 - 118
3,
8
GRI 416:
Kundengesundheit
und -sicherheit 2016
416-1:
Beurteilung der
Auswirkungen verschiedener
Produkt- und
Dienstleistungskategorien auf die
Gesundheit und Sicherheit
100% der Produkt- und
Dienstleistungskategorien sind über
ein Managementsystem erfasst.
3
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
134
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
Wesentliches Thema:
Aus- und Weiterbildung
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel C.5. S.
33 f., G.1. S. 53
und G.4. S. 101
ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel
A. S. 2 und Fachstrategien durch
den Vorstand.
4,
8
GRI 404:
Aus- und
Weiterbildung 2016
404-2:
Programme zur
Verbesserung der Kompetenzen
der Angestellten und zur
Übergangshilfe
Kapitel G.4. S.
101 ff.
4,
8
Wesentliche Themen:
Verlässlicher und attraktiver Arbeitgeber und Generationenwandel
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel C.5. S.
29 f., G.1. S. 44
und G.4. S. 104
ff.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel A.
S. 2 und Fachstrategien durch den
Vorstand.
4,
8
GRI 401:
Beschäftigung 2016
401-1:
Neu eingestellte
Angestellte und
Angestelltenfluktuation
Kapitel G.4. S.
99
5,
10,
8
Frühfluktuationsrate
Kapitel G.4. S.
105
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
135
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WESENTLICHE THEMEN MIT HOHER BEDEUTUNG
Wesentliches Thema (NaDiVeG):
Achtung der Menschenrechte
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel G.5. S. 122
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
8,
10,
16
GRI 410:
Sicherheitspraktiken
2016
410-1:
Sicherheitspersonal, das
in Menschenrechtspolitik und -
verfahren geschult wurde
Kapitel G.5. S. 122
10,
16
WEITERE THEMEN
GRI 200: Ökonomische Themen
Sustainable Finance
EU-Taxonomie-Verordnung Kapitel G.3. S. 85 ff.
8
Corporate ESG-Rating Kapitel G.1. S. 93
8,
9,
11
GRI 300: Ökologische Themen
Ressourcenmanagement, Abfall, Fläche / Boden
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel G.3. S. 72 - 78
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu
den Ergebnissen der
einzelnen
Managementsysteme in
Kapitel A. S. 2 und
Fachstrategien durch den
Vorstand.
3,
6,
8,
11,
12
GRI 303:
Wasser und
Abwasser 2018
303-1:
Wasser als gemeinsam
genutzte Ressource
Kapitel G.3. S. 76 f.
6,
12
303-2:
Umgang mit den
Auswirkungen der
Wasserrückführung
Kapitel G.3. S. 76 f.
6
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
136
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WEITERE THEMEN
Ressourcenmanagement, Abfall, Fläche / Boden
GRI 306:
Abfall 2020
303-5:
Wasserverbrauch
Kapitel G.3. S. 76
6
306-1:
Anfallender Abfall und
erhebliche abfallbezogene
Auswirkungen
Kapitel G.3. S. 75 f.
3, 6,
11,
12
306-2:
Management erheblicher
abfallbezogener Auswirkungen
Kapitel G.3. S. 75 f.
3, 6,
8,
11,
12
306-3:
Angefallener Abfall
Kapitel G.3. S. 76
3,
11,
12
306-4:
Von Entsorgung
umgeleiteter Abfall
Kapitel G.3. S. 76
3,
11,
12
306-5:
Zur Entsorgung
weitergeleiteter Abfall
Kapitel G.3. S. 76
3,
11,
12
Flächenbilanz
der ÖBB-
Infrastruktur AG
Kapitel G.3. S. 73
11,
12
Nachhaltige Beschaffung
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel G.3. S. 63.
und S. 83 f.
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt
im Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel
A. S. 2 und Fachstrategien
durch den Vorstand.
5, 8,
12,
16
GRI 308:
Umweltbewertung
der Lieferanten 2016
308-1:
Neue Lieferanten, die
anhand von Umweltkriterien
überprüft wurden
Kapitel G.3. S. 84. f.
Diese Rechte sind im
Wirkungsfeld der ÖBB-
Infrastruktur AG nicht
gefährdet.
GRI 407:
Vereinigungsfreiheit
und
Tarifverhandlungen
2016
407-1:
Betriebsstätten und
Lieferanten, bei denen das Recht
auf Vereinigungsfreiheit und
Tarifverhandlungen bedroht sein
könnten
Diese Rechte sind im
Wirkungsfeld der ÖBB-
Infrastruktur AG nicht
gefährdet.
GRI 408:
Kinderarbeit 2016
408
-
1:
Betriebsstätten und
Lieferanten mit einem
erheblichen Risiko für Vorfälle
von Kinderarbeit
Im Wirkungsfeld der ÖBB-
Infrastruktur AG sind diese
Risiken nicht gegeben.
GRI 409:
Zwangs-
oder Pflichtarbeit
2016
409-1:
Betriebsstätten und
Lieferanten mit einem
erheblichen Risiko für Vorfälle
von Zwangs- oder Pflichtarbeit
Im Wirkungsfeld der ÖBB-
Infrastruktur AG sind diese
Risiken nicht gegeben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
137
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WEITERE THEMEN
Artenvielfalt und Biodiversität
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel C.4. S. 22
f., G.1. S. 44 f.
und G.3. S. 78 -
82
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel A.
S. 2 und Fachstrategien durch den
Vorstand.
6, 14,
15
GRI 304:
Biodiversität
2016
304-1:
Eigene, gemietete
und verwaltete
Betriebsstandorte, die sich
in oder neben
geschützten Gebieten und
Gebieten mit hohem
Biodiversitätswert
außerhalb von
geschützten Gebieten
befinden
Kapitel G.3. S. 79
6, 14,
15
304-2:
Erhebliche
Auswirkungen von
Aktivitäten, Produkten
und Dienstleistungen auf
die Biodiversität
Kapitel C.4. S. 22
ff., G.3. S. 78 - 82
6, 14,
15
ÖBB-Baumkataster
Kapitel G.3. S. 80
15
Chemische
Vegetationskontrolle
Kapitel G.3. S. 81
f.
6, 14,
15
Emissionen inkl. Lärm (exkl. CO
2
)
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel C.4. S. 22
ff., S. 27 f. und
G.3. S. 82
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel A.
S. 2 und Fachstrategien durch den
Vorstand.
11,15
Lärmschutzwände und -
dämme
Kapitel G.3. S. 82 11
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
138
GRUNDLAGEN
GRI 1: Grundlagen 2021
WEITERE THEMEN
GRI 400: Soziale Themen
Soziale Verantwortung und Kooperationen
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel G.4. S. 93
ff., S. 104 f., S. 118
ff. und G.5. S. 122
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel A.
S. 2 und Fachstrategien durch den
Vorstand.
10,
11,
17
GRI 413:
Lokale
Gemeinschaften 2016
413-1:
Betriebsstätten mit
Einbindung der lokalen
Gemeinschaften,
Folgenabschätzungen und
Förderprogrammen
Auf Basis der rechtlichen
Anforderung, die mit der
Genehmigung von Bau und
Betrieb der Anlagen verbunden
sind, ist dieser Punkt
gewährleistet.
11,
12,
14,
15
Vielfalt und Chancengleichheit
GRI 3: Wesentliche
Themen 2021
3-3 Management von
wesentlichen Themen
Kapitel C.5. S. 29,
G.4. S. 100, S. 104
– 109
Die Beurteilung des
Managementansatzes erfolgt im
Rahmen der jährlichen
Managementbewertung zu den
Ergebnissen der einzelnen
Managementsysteme in Kapitel A.
S. 2 und Fachstrategien durch den
Vorstand.
5, 8,
10
GRI 405:
Diversität und
Chancengleichheit
2016
405-1:
Diversität in
Kontrollorganen und
unter Angestellten
Kapitel G.4. S. 105
ff.
5, 8
405-2:
Verhältnis des
Grundgehalts und der
Vergütung von Frauen
zum Grundgehalt und zur
Vergütung von Männern
Aufgrund des
Gleichbehandlungsgesetzes wird
alle zwei Jahre im ersten Quartal
des Folgejahres ein
Einkommensbericht erstellt.
Detaillierte Informationen werden
aus Vertraulichkeitsgründen nicht
veröffentlicht.
5, 8,
10
GRI 406:
Nichtdiskriminierung
2016
406-1:
Diskriminierungsvorfälle
und ergriffene
Abhilfemaßnahmen
Im Jahr 2022 war ein Verfahren
vor der
Gleichbehandlungskommission
anhängig. Die Klage wurde
abgewiesen. 5, 8
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss
140
Glossar
ADR Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße
AVB
Allgemeine Vertragsbedingungen für Dienstverträge bei den
Österreichischen Bundesbahnen
BFS
Betriebsführungsstrategie
BFZ
Betriebsführungszentrale
BIP
Bruttoinlandsprodukt
BMK Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie
BTkm
Bruttotonnenkilometer
BVAEB Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau
CER
Community of
European
Railway
CO
2
Kohlendioxid
CORE Kernoption
EBIT
Ergebnis vor Steuern und Zinsen (earnings before interest and tax)
EBITDA
Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen
(earnings before
interest, tax,
depreciation and amortization)
EBT
Gewinn vor Steuern (earnings before tax)
ETCS
European
-
Train
-
Control
-
System
EUR EUR
EVU
Eisenbahnverkehrsunternehmen
F&E Forschung und Entwicklung
FTE
Vollzeitäquivalent (
F
ull
-
T
ime
-
E
quivalent)
GRI
Global Reporting
-
Initiative
GWh Gigawattstunde
Hbf
Hauptbahnhof
HR Personalwesen (Human Resources)
IFRS
International Financial Reporting Standards
IKS
Internes Kontrollsystem
ISO
Internationale
Organisation für Normung (Inte
r
national Organisation for Standardization)
km
Kilometer
(n)
km
2
Quadratkilometer(n)
m
Meter
(n)
Mio. Million(en)
Mrd.
Milliarde
(
n
)
NACE
-
Code
Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft
RID Regelung zur internationalen Beförderung gefährlicher Güter im Schienenverkehr
RPL
Rahmenplan
SIL Safety Integrity Level
SMS
Sicherheitsmanagementsystem
t
Tonnen
TEUR
Tausend
EUR
USD
United States Dollar
UVP Umweltverträglichkeitsprüfung
Vj
Vorjahr
VO Verordnung
Zkm
Zugkilometer
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
Seite 1
An die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft,
Wien
Wir haben die Prüfung des Konzernabschlusses zum 31. Dezember 2022 der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien
(im Folgenden auch kurz "Gesellschaft" genannt),
abgeschlossen und erstatten über das Ergebnis dieser Prüfung den folgenden Bericht:
1. PRÜFUNGSVERTRAG UND AUFTRAGSDURCHFÜHRUNG
In der ordentlichen Hauptversammlung vom 23. Mai 2022 der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien, wurden wir zum
Konzernabschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2022 gewählt bzw. bestellt.
Die Gesellschaft, vertreten durch den Aufsichtsrat, schloss mit uns einen Prüfungsvertrag, den Konzernabschluss zum 31.
Dezember 2022 und den Konzernlagebericht gemäß §§ 269 ff UGB zu prüfen. Über die ebenfalls vereinbarte Prüfung des
Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2022 berichten wir mittels gesonderten Berichtes.
Die geprüfte Gesellschaft ist ein Unternehmen von öffentlichem Interesse gemäß § 189a UGB und unterliegt der Verpflich-
tung zur Einrichtung eines Aufsichtsrates; diese gilt daher als große
Kapitalgesellschaft im Sinne des § 221 UGB.
Bei der gegenständlichen Prüfung handelt es sich um eine Pflichtprüfung.
Diese Prüfung erstreckte sich darauf, ob bei der Erstellung des Konzernabschlusses die gesetzlichen Vorschriften der Sat-
zung beachtet wurden. Der Konzernlagebericht ist darauf zu prüfen, ob er mit dem Konzernabschluss in Einklang steht und
ob er nach den geltenden rechtlichen Anforderungen aufgestellt wurde, sowie ob er zutreffende Angaben nach § 243a UGB
enthält.
Es ist auch festzustellen, ob als Bestandteil des Konzernlageberichtes eine konsolidierte nichtfinanzielle Erklärung oder
ein konsolidierter nichtfinanzieller Bericht (§ 267a UGB) erstellt worden ist.
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Weiters ist festzustellen, ob ein konsolidierter Corporate Governance-Bericht (§ 267b UGB) aufgestellt wurde.
Für die Berichterstattung zu Artikel 11 der Verordnung (EU) 537/2014 (EU-VO) wird auf den gesonderten Bericht an den
Prüfungsausschuss verwiesen; die Berichterstattung zu Artikel 11 der genannten Verordnung ist nicht Gegenstand dieses
Berichts.
Bei unserer Prüfung beachteten wir die in Österreich geltenden gesetzlichen Vorschriften und berufsüblichen Grundsätze
ordnungsmäßiger Durchführung von Abschlussprüfungen. Diese Grund-sätze erfordern die Anwendung der internationalen
Prüfungsstandards (International Standards on Auditing (ISA)). Wir weisen darauf hin, dass die Konzernabschlussprüfung
mit hinreichender
Sicherheit die Richtigkeit des Konzernabschlusses gewährleisten soll. Eine absolute Sicherheit lässt sich nicht erreichen,
weil jedem internen Kontrollsystem die Möglichkeit von Fehlern immanent ist und auf Grund der stichprobengestützten
Prüfung ein unvermeidbares Risiko besteht, dass wesentliche falsche Darstellungen im Konzernabschluss unentdeckt blei-
ben. Die Prüfung erstreckte sich nicht auf Bereiche, die üblicherweise den Gegenstand von Sonderprüfungen bilden.
Im Rahmen der Prüfung wurden die im Konzernabschluss zusammengefassten Jahresabschlüsse daraufhin geprüft, ob sie
den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechen und ob die für die Übernahme in den Konzernabschluss
maßgeblichen Vorschriften beachtet worden sind.
Wir führten die Prüfung mit Unterbrechungen im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2022
(Vorprüfung) sowie von Jänner bis März 2023 (Hauptprüfung) überwiegend remote durch. Die Prüfung wurde mit dem Da-
tum dieses Berichtes materiell abgeschlossen.
Für die ordnungsgemäße Durchführung des Auftrages ist Herr Mag. Christoph Harreither,
Wirtschaftsprüfer, verantwortlich.
Grundlage für unsere Prüfung ist der mit der Gesellschaft abgeschlossene Prüfungsvertrag, bei dem die von der Kammer
der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer herausgegebenen "Allgemeine Auftragsbedingungen für Wirtschaftstreuhandbe-
rufe" (Beilage 2) einen integrierten Bestandteil bilden. Diese Auftragsbedingungen gelten nicht nur zwischen der Gesell-
schaft und dem Konzernabschlussprüfer, sondern auch gegenüber Dritten. Bezüglich unserer Verantwortlichkeit und Haf-
tung als Konzernabschlussprüfer gegenüber der Gesellschaft und gegenüber Dritten kommt § 275 UGB zur Anwendung.
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2. ZUSAMMENFASSUNG DES PRÜFUNGSERGEBNISSES
2.1. Feststellungen zur Gesetzmäßigkeit von Konzernabschluss und Konzernlagebericht
sowie zur konsolidierten nichtfinanziellen Erklärung und zum konsolidierten
Corporate Governance-Bericht
Bei der Prüfung der Konsolidierung sowie der einbezogenen Jahresabschlüsse wurde die Einhaltung der gesetzlichen Vor-
schriften, ergänzenden Bestimmungen der Satzung und der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung festgestellt. Die in
den Konzernabschluss einbezogenen Abschlüsse berücksichtigen im Wesentlichen die vom Mutterunternehmen für den
Konzernabschluss vorgegebenen einheitlichen Bilanzierungs- und Bewertungsrichtlinien sowie die International
Financial Reporting Standards (IFRS), wie sie in der EU anzuwenden sind, und die zusätzlichen Anforderungen des § 245a
UGB, und stellen eine geeignete Grundlage für die Einbeziehung in den Konzernabschluss dar. Die für die Übernahme in
den Konzernabschluss maßgeblichen
Vorschriften wurden beachtet.
Im Rahmen unseres risiko- und kontrollorientierten Prüfungsansatzes haben wir – soweit wir dies für unsere Prüfungsaus-
sage für notwendig erachteten – die internen Kontrollen in Teilbereichen des Rechnungslegungsprozesses in die Prüfung
einbezogen.
Hinsichtlich der Gesetzmäßigkeit des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichtes verweisen wir auf unsere Ausfüh-
rungen im Bestätigungsvermerk.
Die Inanspruchnahme der Schutzklausel gemäß IAS 37.92 zu Rückstellungen erfolgte zu Recht.
Die Gesellschaft hat eine konsolidierte nichtfinanzielle Erklärung im Konzernlagebericht gemäß § 267a UGB für das Ge-
schäftsjahr 2022 aufgestellt. Eine materielle Prüfung der konsolidierten nichtfinanziellen Erklärung war nicht Gegenstand
der Konzernabschlussprüfung.
Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Österreichischen Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft haben uns einen Ent-
wurf des Corporate-Governance-Bericht 2022 für den ÖBB-Konzern einschließlich der zum Kodex abgegebenen Erklärung
vorgelegt. Im Zuge unserer Jahresabschlussprüfung haben wir keine Tatsachen festgestellt, die eine Unrichtigkeit der Erklä-
rung in Bezug auf die geprüfte Gesellschaft ergeben.
Die Gesellschaft unterliegt dem Bundes-Public-Corporate-Governance-Kodex. Die ÖBB-Holding AG, Wien, hat einen kon-
solidierten Corporate-Governance-Bericht aufgestellt, der im Geschäftsjahr 2022 einer Evaluierung gem. Regel 15.5 des
B-PCGK unterzogen wurde. Für die diesbezügliche Berichterstattung wird auf den gesonderten Bericht verwiesen.
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2.2. Erteilte Auskünfte
Die gesetzlichen Vertreter die von uns verlangten Aufklärungen und Nachweise. Eine von den gesetzlichen Vertretern unter-
fertigte Vollständigkeitserklärung haben wir zu unseren Akten genommen.
2.3. Stellungnahme zu Tatsachen nach § 273 Abs 2 UGB (Ausübung der Redepflicht)
Bei Wahrnehmung unserer Aufgaben als Konzernabschlussprüfer haben wir keine Tatsachen festgestellt, die den Bestand
des geprüften Konzerns gefährden oder seine Entwicklung wesentlich beeinträchtigen können oder die schwerwiegende
Verstöße der gesetzlichen Vertreter oder von Arbeitnehmern gegen Gesetz oder Satzung erkennen lassen. Wesentliche
Schwächen bei der internen Kontrolle des Rechnungslegungsprozesses sind uns nicht zur Kenntnis gelangt.
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3. BESTÄTIGUNGSVERMERK
*)
Bericht zum Konzernabschluss
Prüfungsurteil
Wir haben den Konzernabschluss der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien,
und ihrer Tochtergesellschaften (der Konzern), bestehend aus der Konzernbilanz zum 31. Dezember 2022, der Konzernge-
samtergebnisrechnung, der Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung und der Konzerngeldflussrechnung für das an die-
sem Stichtag endende Geschäftsjahr und dem Konzernanhang, geprüft.
Nach unserer Beurteilung entspricht der beigefügte Konzernabschluss den gesetzlichen Vorschriften und vermittelt ein
möglichst getreues Bild der Vermögens- und Finanzlage des Konzerns zum 31. Dezember 2022 sowie der Ertragslage und
der Zahlungsströme des Konzerns für das an diesem Stichtag endende Geschäftsjahr in Übereinstimmung mit den Interna-
tional Financial Reporting Standards (IFRS), wie sie in der EU anzuwenden sind, und den zusätzlichen Anforderungen des
§ 245a UGB.
Grundlage für das Prüfungsurteil
Wir haben unsere Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-Verordnung Nr. 537/2014 (im Folgenden EU-VO) und
mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung durchgeführt. Diese Grundsätze erfordern die An-
wendung der International Standards on Auditing (ISA). Unsere Verantwortlichkeiten nach diesen Vorschriften und Standards
sind im Abschnitt "Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses" unseres Bestäti-
gungsvermerks weitergehend beschrieben. Wir sind vom Konzern unabhängig in Übereinstimmung mit den österreichischen
unternehmensrechtlichen und berufsrechtlichen Vorschriften und wir haben unsere sonstigen beruflichen Pflichten in Überein-
stimmung mit diesen Anforderungen erfüllt. Wir sind der Auffassung, dass die von uns bis zum Datum des Bestätigungsver-
merks erlangten Prüfungsnachweise ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu diesem
Datum zu dienen.
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Besonders wichtige Prüfungssachverhalte
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte sind solche Sachverhalte, die nach unserem pflichtgemäßen Ermessen am be-
deutsamsten für unsere Prüfung des Konzernabschlusses des Geschäftsjahres waren. Diese Sachverhalte wurden im Zu-
sammenhang mit unserer Prüfung des Konzernabschlusses als Ganzes und bei der Bildung unseres Prüfungsurteils hierzu
berücksichtigt, und wir geben kein gesondertes Prüfungsurteil zu diesen Sachverhalten ab.
Nachfolgend stellen wir den aus unserer Sicht besonders wichtigen Prüfungssachverhalt dar:
Abgrenzung zwischen aktivierungspflichtigen Investitionen und sofort aufwandswirksamen Instandhaltungsaufwendungen
Beschreibung / Risiko:
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft investiert im Auftrag der Bundesregierung jährlich mehr als zwei Milliarden Euro in
das österreichische Schienennetz. Neben Investitionen in den Neubau von Schieneninfrastruktur tätigt die Gesellschaft we-
sentliche Ausgaben für die Erneuerung und die Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur.
Während als Investitionen einzustufende Maßnahmen aktiviert und damit im Wege der Abschreibung über mehrere Jahre auf-
wandswirksam verteilt werden, schlagen sich lnstandhaltungsmaßnahmen sofort als Aufwand im Ergebnis nieder. Wie bei
allen großen Infrastrukturunternehmen kommt der Abgrenzung zwischen Investitions- und lnstandhaltungsmaßnahmen und
deren richtiger Abbildung im Konzernabschluss der ÖBB-lnfrastruktur Aktiengesellschaft besondere Bedeutung zu. Gerade bei
Maßnahmen, die die bestehende Infrastruktur betreffen, kann es zu Abgrenzungs- bzw. Klassifizierungsproblemen kommen.
Die Angaben zu den Bilanzierungsgrundsätzen sind im Anhang unter Punkt "3. Zusammenfassung der wesentlichsten Bilan-
zierungs- und Bewertungsmethoden, Sachanlagen" enthalten. Informationen zu den im Geschäftsjahr aufwandswirksam er-
fassten lnstandhaltungsleistungen finden sich im Anhang unter Punkt "B. Erläuterungen zur Konzernbilanz und Konzern-Ge-
winn- und Verlustrechnung, 7. Aufwendungen für Material und bezogenen Leistungen".
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Adressierung im Rahmen der Konzernabschlussprüfung:
Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten umfasst:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über den relevanten Prozess und die wesentlichen Schlüssel-
kontrollen betreffend korrekter Kategorisierung und Bilanzierung von
aktivierungspflichtigen Investitionen bzw. aufwandswirksamen Instandhaltungsmaßnahmen erlangt, die Konzeption und Aus-
gestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt und ausgewählte Schlüsselkontrollen im Prozess auf deren Wirksamkeit getes-
tet ("Funktionsprüfung"). Davon betroffen sind insbesondere Schlüsselkontrollen anlässlich der Eröffnung von Aufträgen im
SAP-System.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig nachgelagerte Kontrollen im Be-
reich Sachanlagen durchführen, geführt, ein Verständnis über deren Tätigkeiten gewonnen und deren Kompetenz und fachli-
che Qualität beurteilt. Ferner haben wir Interne Revisionsberichte mit Bezug auf den besonders wichtigen Prüfsachverhalt
eingeholt, gelesen und hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prüfungsstrategie gewürdigt und zusätzliche Prüfungshandlun-
gen gesetzt.
Wir haben die internen Bilanzierungsrichtlinien ("Aktivierungshandbuch") hinsichtlich Übereinstimmung mit den Bilanzie-
rungs- und Bewertungsgrundsätzen nach IFRS geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben von
Zugängen im Bereich vom Sachanlagevermögen, Stichproben im Bereich von Investitions- und Instandhaltungsaufträgen,
sowie anhand ausgewählter Stichproben von wesentlichen Projekten die korrekte Erfassung als Zugang zu Sachanlagen oder
Aufwand in Übereinstimmung mit der internen Bilanzierungsrichtlinie ("Aktivierungshandbuch") geprüft. Die Auswahl der
Stichproben von wesentlichen Projekten erfolgte anhand einer Zufallsauswahl und auf Basis von definierten Risikokriterien
unter Berücksichtigung der Projektgröße.
Die Prüfungshandlungen umfassten insbesondere die Durchsicht von Projektbeschreibungen, die Diskussion von Projektin-
halten mit den Projektverantwortlichen und Projektcontrollern und daraus abgeleitet die Würdigung der getroffenen Bilanzie-
rungsentscheidungen. Soweit erforderlich haben wir bei den in den Stichproben enthaltenen Projekten auch in Abrechnungs-
und Vertragsunterlagen Einsicht genommen.
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Ansatz und Bewertung von Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren
Beschreibung / Risiko:
Zum 31. Dezember 2022 bestehen mehrere regulierungsrechtliche Verfahren. Diese Verfahren, welche sich in unterschiedli-
chen verfahrensrechtlichen Stadien befinden, betreffen den Zeit-raum
ab Dezember 2011 bis 2022. Inhaltlich geht es dabei vor allem um Fragen der Ermittlung und Festlegung des Infrastrukturbe-
nützungsentgelts (ab Dezember 2011 bis Dezember 2017), der Entgelte nach dem neuen Wegeentgeltmodell für den Zeit-
raum Dezember 2019 bis Dezember 2022 (Produkt "Zugtrasse" hinsichtlich direkt zuordenbarer Kosten und gesetzeskonfor-
mer Marktaufschläge bis einschließlich der Netzfahrplanperiode 2021) sowie um die Zulässigkeit der Höhe der Stationsent-
gelte bei der Nutzung von Serviceeinrichtungen ab Dezember 2011 bis 2021. Bei der Ermittlung der Rückstellungen zu den
Wegeentgelten wurde insbesondere auch der nachträgliche Entfall der Marktaufschläge für bestimmte Netzfahrplanperioden
bis zum Bilanzstichtag berücksichtigt.
Der Ausgang der anhängigen Verfahren kann dazu führen, dass die bisher verrechneten Entgelte abgeändert werden und es
dadurch zu einer Rückerstattungspflicht der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft kommt.
Diese Risiken werden individuell je Sachverhalt bzw. Verfahren unter Einbindung von Experten bewertet und in Form von Rück-
stellungen bilanziell berücksichtigt.
Die Bilanzierung und Bewertung dieser Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren sind
im Rahmen der Prüfung von besonderer Bedeutung, da die Beträge wesentlich sind, die Bewertung komplex ist und wesentli-
che Ermessensentscheidungen erfordert. Das Erfordernis für und die Höhe dieser Rückstellungen sind maßgeblich von der
Annahme und Einschätzung des Managements zum Ausgang der Verfahren abhängig. Bewertungsunsicherheiten bestehen
insbesondere aufgrund von schwierig abzuschätzenden Ergebnissen bei der Auslegung von bisher weitgehend nicht ausjudi-
zierten Rechtsfragen durch die Aufsichtsbehörde, Verwaltungsgerichte bzw. Gerichtshöfe, aufgrund möglicher Einschränkun-
gen der zeitlichen Wirkung von Entscheidungen sowie hinsichtlich Art,
Umfang und Höhe von anerkannten Kosten und Marktaufschlägen als Basis für die Verrechnung von Tarifen für die Nutzung
der Schieneninfrastruktur.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den Rückstellungen für regulierungsrechtliche Ver-
fahren befinden sich im Anhang unter Punkt "3. Zusammenfassung der wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmetho-
den, Verwendungen von Schätzungen und
Ermessensausübungen, c. Rückstellungen" sowie "B. Erläuterungen zur Konzernbilanz und Konzern-Gewinn- und Verlust-
rechnung, 26. 2. Sonstige Rückstellungen".
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Adressierung im Rahmen der Konzernabschlussprüfung:
Wir haben die Einschätzung des Managements betreffend Ansatz und Höhe der Rückstellungen hinterfragt und geprüft.
Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten umfasst:
Wir haben den Prozess betreffend Ansatz und Bewertung der Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren erhoben
und die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt.
Im Rahmen unserer Prüfung haben wir uns mit den für die Rückstellungsbildung verwendeten Rechts- und Datengrundlagen
auseinandergesetzt und haben auf dieser Basis die Angemessenheit der für die Bewertung herangezogenen Prämissen beur-
teilt. Insbesondere haben wir dabei den
Status der Verfahren, einschließlich der aktuellen Entwicklungen im Jahr 2021, mit dem Management, den Mitarbeitern des
zuständigen Fachbereiches und den beigezogenen Rechtsanwälten besprochen. Weiters haben wir uns mit den im Zuge der
Verfahren vor der Schienen-Control Kommission erstellten Sachverständigengutachten befasst und die daraus von der Gesell-
schaft abgeleiteten Schlussfolgerungen gewürdigt.
Das Berechnungsschema der Rückstellungen haben wir anhand der einfließenden Bewertungsparameter nachvollzogen.
Die Gesellschaft bezieht bei der Berechnung der Rückstellung insbesondere extern erstellte Sachverständigengutachten und
juristische Stellungnahmen von externen Rechtsanwälten mit ein. Diese
haben wir im Rahmen der Prüfung eingeholt und uns davon überzeugt, dass deren Ergebnisse angemessen und deren Arbei-
ten für unsere Zwecke adäquat sind. Weiters haben wir uns einen Eindruck über deren Kompetenz, Fähigkeiten und Objektivi-
tät verschafft.
Schließlich haben wir die Entwicklung dieser Verfahren nach dem Bilanzstichtag bis zum Zeitpunkt der Erteilung des Bestäti-
gungsvermerks durch Befragung des Vorstandes und der Mitarbeiter des Fachbereiches kritisch gewürdigt.
Wir haben die Angemessenheit der Angaben im Anhang zur Bewertung und Bilanzierung dieser Rückstellungen beurteilt.
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Bewertung von derivativen Finanzinstrumenten im Strombereich
Beschreibung / Risiko:
Die von der ÖBB-Infrastruktur AG betriebene Eisenbahninfrastruktur umfasst neben dem Schienennetz u.a. auch das 16,7 Hz-
Bahnstromnetz zur Übertragung des Traktionsstroms. Ferner werden Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.) und ausgewählte Groß-
baustellen mit Energie versorgt.
Zur Bereitstellung des Transaktionsstroms betreibt die ÖBB-Infrastruktur AG mehrere Kraftwerke und hat langfristige Lieferver-
träge mit mehreren Energieversorgungsunternehmen abgeschlossen. Zusätzlich erforderliche Strommengen werden durch
Stromhandelsgeschäfte am Strommarkt
(OTC-Handel) beschafft.
Insbesondere ist die ÖBB-Infrastruktur AG angesichts von Strompreisvolatilitäten von Preisschwankungs- und Ausfallsrisiken
bei Handelspartnern betroffen. Die Risikomanagementstrategie sieht daher eine Preisabsicherung vor. Die ÖBB-Infrastruktur
AG sichert rd. 1.200 GWh je Lieferjahr rollierend über drei Jahre für den Bezug von Bahnstrom sowie rd. 310 GWh für Betriebs-
anlagen ab.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern wendet Vorschriften zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen gemäß IFRS 9 (Hedge Ac-
counting) zur Sicherung von Bilanzposten und zukünftigen Zahlungsströmen an. Dies mindert Volatilitäten in der Gewinn-und-
Verlust-Rechnung. Nach Art des abgesicherten Grundgeschäfts ist zwischen Fair Value Hedge und Cashflow Hedge zu unter-
scheiden.
Das Risiko für den Konzernabschluss ergibt sich daraus, dass bei der Verwendung von Bewertungsmodellen zur Ermittlung der
beizulegenden Zeitwerte die darin enthaltenen Annahmen und Parameter in hohem Ausmaß ermessensbehaftet sind und
dass an die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen formelle und materielle Anforderungen geknüpft sind.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den derivativen Finanzinstrumenten befinden sich
im Anhang unter Punkt "A. 3. Zusammenfassung der wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Finanzinstru-
mente, Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten", sowie unter Punkt C. 29. Finanzinstrumente.
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Adressierung im Rahmen der Konzernabschlussprüfung:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über die implementierten Richtlinien, das internen Kontroll-
systems, die Risikomanagementstrategie und deren Dokumentation
(iW Handbuch Risikomanagement Energiewirtschaft, Geschäftsordnung für das Risiko-Komitee Energiewirtschaft ) sowie we-
sentliche Schlüsselkontrollen erlangt, die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt und ausgewählte
Schlüsselkontrollen im Prozess auf deren Wirksamkeit getestet ("Funktionsprüfung"). Davon betroffen sind insbesondere
Schlüsselkontrollen wie Kontrollen, dass nur mit genehmigten Handelspartnern Geschäfte abgeschlossen wurden, Kreditli-
mit-reports und Sperren von Handelspartnern, sowie Prüfung der korrekten Übernahme von Marktpreisen ins Handelssystem.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig
nach-gelagerte Kontrollen im Bereich Energie/Portfoliomanagement durchführen, geführt, ein Verständnis über deren
Tätigkeiten gewonnen und deren Kompetenz und fachliche Qualität beurteilt. Ferner haben wir die Internen Revisionsbe-
richte mit Prüfungsgegenstand im Bereich Stromhandel eingeholt, gelesen und hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prü-
fungsstrategie gewürdigt und zusätzliche Prüfungshandlungen gesetzt.
Für das Handelssystem "BelVis" haben wir im Rahmen der Prüfung unter Beiziehung unserer
IT-Experten die Generellen IT-Kontrollen (IT-Environment, IT-Prozesse, IT-Internes Kontrollsystem) mit Schwerpunkt auf das
Änderungsmanagement, Systemsicherheit und Zugriffsschutz geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben
einzelne Stromhandelsgeschäfte hinsichtlich Existenz, Vollständigkeit und Bewertung geprüft. Die Prüfungshandlungen
umfassten insbesondere die Einholung von externen Bestätigungen sowie den Abgleich mit Verträgen und anderen Nach-
weisen.
Des weiteren haben wir die Bewertungsmodelle und die zugrunde liegenden Bewertungsparameter zur Ermittlung der bei-
zulegenden Zeitwerte auf ihre Angemessenheit und konsistente Anwendung hin geprüft. Wir haben in Stichproben wesent-
liche verwendete Parameter mit extern zugänglichen Werten und die Berechnung der Zeitwerte nachvollzogen.
Sicherungsbeziehungen wurden in Stichproben insbesondere dahingehend beurteilt, ob die Dokumentation der Siche-
rungsbeziehung und der Effektivität der Sicherung vorhanden ist und den
internen Richtlinien entspricht. Die durchgeführten Effektivitätstests wurden in Bezug auf ihre
Angemessenheit kritisch gewürdigt.
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Der korrekte Ausweis im Konzernabschluss - erfolgswirksam oder erfolgsneutral im sonstigen Ergebnis – je nachdem, ob das
derivative Finanzinstrument zur Absicherung der beizulegenden Zeitwerte von Bilanzposten ("Fair Value Hedge") oder der
Fluktuation von künftigen Zahlungsströmen bei zur Absicherung von Stromeinkaufspreisen abgeschlossenen Derivaten
("Cashflow-Hedge") eingesetzt werden, sowie die mit diesen Bewertungseffekten einhergehende Erhöhung der passiven
latenten Steuern wurde von uns geprüft.
Weiters haben wir überprüft, ob die Angaben im Konzernabschluss (Notes) betreffend die Bewertungsmethoden und die
Bildung von Sicherungsbeziehungen angemessen und vollständig sind.
Sonstige Informationen
Die gesetzlichen Vertreter sind für die sonstigen Informationen verantwortlich. Die sonstigen
Informationen umfassen alle Informationen im Geschäftsbericht, ausgenommen den Konzernabschluss, den Konzernlage-
bericht und den Bestätigungsvermerk. Der Geschäftsbericht wird uns
voraussichtlich nach dem Datum des Bestätigungsvermerks zur Verfügung gestellt.
Unser Prüfungsurteil zum Konzernabschluss erstreckt sich nicht auf diese sonstigen Informationen, und wir werden keine
Art der Zusicherung darauf geben.
Im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Konzernabschlusses haben wir die Verantwortlichkeit, diese sonstigen Infor-
mationen zu lesen, sobald diese vorhanden sind, und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen Informationen wesentliche
Unstimmigkeiten zum Konzernabschluss oder zu unseren bei der Abschlussprüfung erlangten Kenntnissen aufweisen oder
anderweitig falsch dargestellt erscheinen.
Verantwortlichkeiten der gesetzlichen Vertreter
und des Prüfungsausschusses für den Konzernabschluss
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Konzernabschlusses und dafür, dass dieser in Überein-
stimmung mit den IFRS, wie sie in der EU anzuwenden sind, und den zusätzlichen Anforderungen des § 245a UGB ein möglichst
getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt. Ferner sind die gesetzlichen Vertreter verant-
wortlich für die internen Kontrollen, die sie als notwendig erachten, um die Aufstellung eines Konzernabschlusses zu ermögli-
chen, der frei von wesentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist.
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Bei der Aufstellung des Konzernabschlusses sind die gesetzlichen Vertreter dafür verantwortlich, die Fähigkeit des Konzerns
zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu beurteilen, Sachverhalte im Zusammenhang mit der Fortführung der Unter-
nehmenstätigkeit
– sofern einschlägig – anzugeben, sowie dafür, den Rechnungslegungsgrundsatz der Fortführung der Un-
ternehmenstätigkeit anzuwenden, es sei denn, die gesetzlichen Vertreter beabsichtigen, entweder den Konzern zu liquidie-
ren oder die Unternehmenstätigkeit einzustellen, oder haben keine realistische Alternative dazu.
Der Prüfungsausschuss ist verantwortlich für die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses des Konzerns.
Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses
Unsere Ziele sind, hinreichende Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Konzernabschluss als Ganzes frei von wesentlichen
falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist, und einen Bestätigungsvermerk zu erteilen, der
unser Prüfungsurteil beinhaltet. Hinreichende
Sicherheit ist ein hohes Maß an Sicherheit, aber keine Garantie dafür, dass eine in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit
den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, durchgeführte
Abschlussprüfung eine wesentliche falsche Darstellung, falls eine solche vorliegt, stets aufdeckt. Falsche Darstellungen kön-
nen aus dolosen Handlungen oder Irrtümern resultieren und werden als wesentlich angesehen, wenn von ihnen einzeln
oder insgesamt vernünftigerweise erwartet werden könnte, dass sie die auf der Grundlage dieses Konzernabschlusses ge-
troffenen wirtschaftlichen Entscheidungen von Nutzern beeinflussen.
Als Teil einer Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmä-
ßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, üben wir während der gesamten Abschlussprüfung pflichtge-
mäßes Ermessen aus und bewahren eine kritische Grundhaltung.
Darüber hinaus gilt:
• Wir identifizieren und beurteilen die Risiken wesentlicher falscher Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen
oder Irrtümern im Konzernabschluss, planen Prüfungshandlungen als Reaktion auf diese Risiken, führen sie durch und
erlangen Prüfungsnachweise, die ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu dienen.
Das Risiko, dass aus dolosen Handlungen resultierende wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden,
ist höher als ein aus Irrtümern resultierendes, da dolose Handlungen kollusives Zusammenwirken, Fälschungen, beab-
sichtigte Unvollständigkeiten, irreführende Darstellungen oder das Außerkraftsetzen interner Kontrollen beinhalten
können.
• Wir gewinnen ein Verständnis von dem für die Abschlussprüfung relevanten internen Kontrollsystem, um Prüfungs-
handlungen zu planen, die unter den gegebenen Umständen angemessen sind, jedoch nicht mit dem Ziel, ein Prü-
fungsurteil zur Wirksamkeit des internen Kontrollsystems des Konzerns abzugeben.
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• Wir beurteilen die Angemessenheit der von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rechnungslegungsmethoden
sowie die Vertretbarkeit der von den gesetzlichen Vertretern dargestellten geschätzten Werte in der Rechnungslegung
und damit zusammenhängende Angaben.
• Wir ziehen Schlussfolgerungen über die Angemessenheit der Anwendung des Rechnungslegungsgrundsatzes der Fort-
führung der Unternehmenstätigkeit durch die gesetzlichen Vertreter sowie, auf der Grundlage der erlangten Prüfungs-
nachweise, ob eine wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die
erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können. Falls
wir die Schlussfolgerung ziehen, dass eine wesentliche Unsicherheit besteht, sind wir verpflichtet, in unserem Bestäti-
gungsvermerk auf die dazugehörigen Angaben im Konzernabschluss aufmerksam zu machen oder, falls diese Angaben
unangemessen sind, unser Prüfungsurteil zu modifizieren. Wir ziehen unsere Schlussfolgerungen auf der Grundlage
der bis zum Datum unseres Bestätigungsvermerks erlangten Prüfungsnachweise. Zukünftige Ereignisse oder Gegeben-
heiten können jedoch die Abkehr des Konzerns von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit zur Folge haben.
• Wir beurteilen die Gesamtdarstellung, den Aufbau und den Inhalt des Konzernabschlusses einschließlich der Angaben
sowie ob der Konzernabschluss die zugrunde liegenden Geschäftsvorfälle und Ereignisse in einer Weise wiedergibt,
dass ein möglichst getreues Bild erreicht wird.
• Wir erlangen ausreichende geeignete Prüfungsnachweise zu den Finanzinformationen der Einheiten oder Geschäftstä-
tigkeiten innerhalb des Konzerns, um ein Prüfungsurteil zum Konzernabschluss abzugeben. Wir sind verantwortlich für
die Anleitung, Überwachung und Durchführung der Konzernabschlussprüfung. Wir tragen die Alleinverantwortung für
unser Prüfungsurteil.
Wir tauschen uns mit dem Prüfungsausschuss unter anderem über den geplanten Umfang und die geplante zeitliche Ein-
teilung der Abschlussprüfung sowie über bedeutsame Prüfungsfeststellungen, einschließlich etwaiger bedeutsamer Män-
gel im internen Kontrollsystem, die wir während unserer Abschlussprüfung erkennen, aus.
Wir geben dem Prüfungsausschuss auch eine Erklärung ab, dass wir die relevanten beruflichen Verhaltensanforderungen
zur Unabhängigkeit eingehalten haben, und tauschen uns mit ihm über alle Beziehungen und sonstigen Sachverhalte aus,
von denen vernünftigerweise angenommen werden kann, dass sie sich auf unsere Unabhängigkeit und - sofern einschlägig
- damit zusammenhängende Schutzmaßnahmen auswirken.
Wir bestimmen von den Sachverhalten, über die wir uns mit dem Prüfungsausschuss ausgetauscht haben, diejenigen
Sachverhalte, die am bedeutsamsten für die Prüfung des Konzernabschlusses des Geschäftsjahres waren und daher die
besonders wichtigen Prüfungssachverhalte sind. Wir beschreiben diese Sachverhalte in unserem Bestätigungsvermerk, es
sei denn, Gesetze oder andere Rechtsvorschriften schließen die öffentliche Angabe des Sachverhalts aus oder wir bestim-
men in äußerst seltenen Fällen, dass ein Sachverhalt nicht in unserem Bestätigungsvermerk mitgeteilt werden sollte, weil
vernünftigerweise erwartet wird, dass die negativen Folgen einer solchen Mitteilung deren Vorteile für das öffentliche Inte-
resse übersteigen würden.
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Sonstige gesetzliche und andere rechtliche Anforderungen
Bericht zum Konzernlagebericht
Der Konzernlagebericht ist aufgrund der österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften darauf zu prüfen, ob er
mit dem Konzernabschluss in Einklang steht und ob er nach den geltenden rechtlichen Anforderungen aufgestellt wurde.
Zu der im Konzernlagebericht enthaltenen nichtfinanziellen Erklärung ist es unsere Verantwortlichkeit zu prüfen, ob sie
aufgestellt wurde, sie zu lesen und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen Informationen wesentliche Unstimmigkeiten
zum Konzernabschluss oder zu unseren bei der Abschlussprüfung erlangten Kenntnisse aufweisen oder anderweitig falsch
dargestellt erscheinen.
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Konzernlageberichts in Übereinstimmung mit den
österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften.
Wir haben unsere Prüfung in Übereinstimmung mit den Berufsgrundsätzen zur Prüfung des Konzernlageberichts durchge-
führt.
Urteil
Nach unserer Beurteilung ist der Konzernlagebericht nach den geltenden rechtlichen Anforderungen aufgestellt worden,
enthält zutreffende Angaben nach § 243a UGB und steht in Einklang mit dem Konzernabschluss.
Erklärung
Angesichts der bei der Prüfung des Konzernabschlusses gewonnenen Erkenntnisse und des gewonnenen Verständnisses
über den Konzern und sein Umfeld wurden wesentliche fehlerhafte Angaben im Konzernlagebericht nicht festgestellt.
Zusätzliche Angaben nach Artikel 10 der EU-VO
Wir wurden von der Hauptversammlung am 23. Mai 2022 als Abschlussprüfer gewählt. Wir sind ununterbrochen seit dem
Geschäftsjahr 2020 Abschlussprüfer.
Wir erklären, dass das Prüfungsurteil im Abschnitt "Bericht zum Konzernabschluss" mit dem zusätzlichen Bericht an den
Prüfungsausschuss nach Artikel 11 der EU-VO in Einklang steht.
Wir erklären, dass wir keine verbotenen Nichtprüfungsleistungen (Artikel 5 Abs 1 der EU-VO) erbracht haben und dass wir
bei der Durchführung der Abschlussprüfung unsere Unabhängigkeit von der geprüften Gesellschaft gewahrt haben.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
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Auftragsverantwortlicher Wirtschaftsprüfer
Der für die Abschlussprüfung auftragsverantwortliche Wirtschaftsprüfer ist Herr Mag. Christoph Harreither.
Wien, am 20. März 2023
Ernst & Young
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H.
Mag. Christoph Harreither eh
ppa Mag. Victoria Scherich eh
Wirtschaftsprüfer
Wirtschaftsprüferin
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*) Die Veröffentlichung oder Weitergabe des Konzernabschlusses mit unserem Bestätigungsvermerk darf nur in der von uns bestätigten Fassung erfolgen. Dieser Be-
stätigungsvermerk bezieht sich ausschließlich auf den deutschsprachigen und vollständigen Konzernabschluss samt Konzernlagebericht. Für abweichende Fassun-
gen sind die Vorschriften des § 281 Abs 2 UGB zu beachten.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien 31. Dezember 2022
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BESTÄTIGUNGSVERMERK
Bericht zum Konzernabschluss
Prüfungsurteil
Wir haben den Konzernabschluss der
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und ihrer Tochtergesellschaften (der Konzern), bestehend aus der Konzernbilanz zum 31. Dezember 2022, der Konzernge-
samtergebnisrechnung, der Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung und der Konzerngeldflussrechnung für das an die-
sem Stichtag endende Geschäftsjahr und dem Konzernanhang, geprüft.
Nach unserer Beurteilung entspricht der beigefügte Konzernabschluss den gesetzlichen Vorschriften und vermittelt ein
möglichst getreues Bild der Vermögens- und Finanzlage des Konzerns zum 31. Dezember 2022 sowie der Ertragslage und
der Zahlungsströme des Konzerns für das an diesem Stichtag endende Geschäftsjahr in Übereinstimmung mit den Interna-
tional Financial Reporting Standards (IFRS), wie sie in der EU anzuwenden sind, und den zusätzlichen Anforderungen des
§ 245a UGB.
Grundlage für das Prüfungsurteil
Wir haben unsere Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-Verordnung Nr. 537/2014 (im Folgenden EU-VO) und
mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung durchgeführt. Diese Grundsätze erfordern die An-
wendung der International Standards on Auditing (ISA). Unsere Verantwortlichkeiten nach diesen Vorschriften und Standards
sind im Abschnitt "Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses" unseres Bestäti-
gungsvermerks weitergehend beschrieben. Wir sind vom Konzern unabhängig in Übereinstimmung mit den österreichischen
unternehmensrechtlichen und berufsrechtlichen Vorschriften und wir haben unsere sonstigen beruflichen Pflichten in Überein-
stimmung mit diesen Anforderungen erfüllt. Wir sind der Auffassung, dass die von uns bis zum Datum des Bestätigungsver-
merks erlangten Prüfungsnachweise ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu diesem
Datum zu dienen.
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Besonders wichtige Prüfungssachverhalte
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte sind solche Sachverhalte, die nach unserem pflichtgemäßen Ermessen am be-
deutsamsten für unsere Prüfung des Konzernabschlusses des Geschäftsjahres waren. Diese Sachverhalte wurden im Zu-
sammenhang mit unserer Prüfung des Konzernabschlusses als Ganzes und bei der Bildung unseres Prüfungsurteils hierzu
berücksichtigt, und wir geben kein gesondertes Prüfungsurteil zu diesen Sachverhalten ab.
Nachfolgend stellen wir den aus unserer Sicht besonders wichtigen Prüfungssachverhalt dar:
Abgrenzung zwischen aktivierungspflichtigen Investitionen und sofort aufwandswirksamen Instandhaltungsaufwendungen
Beschreibung / Risiko:
Die ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft investiert im Auftrag der Bundesregierung jährlich mehr als zwei Milliarden Euro in
das österreichische Schienennetz. Neben Investitionen in den Neubau von Schieneninfrastruktur tätigt die Gesellschaft we-
sentliche Ausgaben für die Erneuerung und die Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur.
Während als Investitionen einzustufende Maßnahmen aktiviert und damit im Wege der Abschreibung über mehrere Jahre auf-
wandswirksam verteilt werden, schlagen sich lnstandhaltungsmaßnahmen sofort als Aufwand im Ergebnis nieder. Wie bei
allen großen Infrastrukturunternehmen kommt der Abgrenzung zwischen Investitions- und lnstandhaltungsmaßnahmen und
deren richtiger Abbildung im Konzernabschluss der ÖBB-lnfrastruktur Aktiengesellschaft besondere Bedeutung zu. Gerade bei
Maßnahmen, die die bestehende Infrastruktur betreffen, kann es zu Abgrenzungs- bzw. Klassifizierungsproblemen kommen.
Die Angaben zu den Bilanzierungsgrundsätzen sind im Anhang unter Punkt "3. Zusammenfassung der wesentlichsten Bilan-
zierungs- und Bewertungsmethoden, Sachanlagen" enthalten. Informationen zu den im Geschäftsjahr aufwandswirksam er-
fassten lnstandhaltungsleistungen finden sich im Anhang unter Punkt "B. Erläuterungen zur Konzernbilanz und Konzern-Ge-
winn- und Verlustrechnung, 7. Aufwendungen für Material und bezogenen Leistungen".
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Adressierung im Rahmen der Konzernabschlussprüfung:
Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten umfasst:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über den relevanten Prozess und die wesentlichen Schlüssel-
kontrollen betreffend korrekter Kategorisierung und Bilanzierung von
aktivierungspflichtigen Investitionen bzw. aufwandswirksamen Instandhaltungsmaßnahmen erlangt, die Konzeption und Aus-
gestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt und ausgewählte Schlüsselkontrollen im Prozess auf deren Wirksamkeit getes-
tet ("Funktionsprüfung"). Davon betroffen sind insbesondere Schlüsselkontrollen anlässlich der Eröffnung von Aufträgen im
SAP-System.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig nachgelagerte Kontrollen im Be-
reich Sachanlagen durchführen, geführt, ein Verständnis über deren Tätigkeiten gewonnen und deren Kompetenz und fachli-
che Qualität beurteilt. Ferner haben wir Interne Revisionsberichte mit Bezug auf den besonders wichtigen Prüfsachverhalt
eingeholt, gelesen und hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prüfungsstrategie gewürdigt und zusätzliche Prüfungshandlun-
gen gesetzt.
Wir haben die internen Bilanzierungsrichtlinien ("Aktivierungshandbuch") hinsichtlich Übereinstimmung mit den Bilanzie-
rungs- und Bewertungsgrundsätzen nach IFRS geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben von
Zugängen im Bereich vom Sachanlagevermögen, Stichproben im Bereich von Investitions- und Instandhaltungsaufträgen,
sowie anhand ausgewählter Stichproben von wesentlichen Projekten die korrekte Erfassung als Zugang zu Sachanlagen oder
Aufwand in Übereinstimmung mit der internen Bilanzierungsrichtlinie ("Aktivierungshandbuch") geprüft. Die Auswahl der
Stichproben von wesentlichen Projekten erfolgte anhand einer Zufallsauswahl und auf Basis von definierten Risikokriterien
unter Berücksichtigung der Projektgröße.
Die Prüfungshandlungen umfassten insbesondere die Durchsicht von Projektbeschreibungen, die Diskussion von Projektin-
halten mit den Projektverantwortlichen und Projektcontrollern und daraus abgeleitet die Würdigung der getroffenen Bilanzie-
rungsentscheidungen. Soweit erforderlich haben wir bei den in den Stichproben enthaltenen Projekten auch in Abrechnungs-
und Vertragsunterlagen Einsicht genommen.
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Ansatz und Bewertung von Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren
Beschreibung / Risiko:
Zum 31. Dezember 2022 bestehen mehrere regulierungsrechtliche Verfahren. Diese Verfahren, welche sich in unterschiedli-
chen verfahrensrechtlichen Stadien befinden, betreffen den Zeit-raum
ab Dezember 2011 bis 2022. Inhaltlich geht es dabei vor allem um Fragen der Ermittlung und Festlegung des Infrastrukturbe-
nützungsentgelts (ab Dezember 2011 bis Dezember 2017), der Entgelte nach dem neuen Wegeentgeltmodell für den Zeit-
raum Dezember 2019 bis Dezember 2022 (Produkt "Zugtrasse" hinsichtlich direkt zuordenbarer Kosten und gesetzeskonfor-
mer Marktaufschläge bis einschließlich der Netzfahrplanperiode 2021) sowie um die Zulässigkeit der Höhe der Stationsent-
gelte bei der Nutzung von Serviceeinrichtungen ab Dezember 2011 bis 2021. Bei der Ermittlung der Rückstellungen zu den
Wegeentgelten wurde insbesondere auch der nachträgliche Entfall der Marktaufschläge für bestimmte Netzfahrplanperioden
bis zum Bilanzstichtag berücksichtigt.
Der Ausgang der anhängigen Verfahren kann dazu führen, dass die bisher verrechneten Entgelte abgeändert werden und es
dadurch zu einer Rückerstattungspflicht der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft kommt.
Diese Risiken werden individuell je Sachverhalt bzw. Verfahren unter Einbindung von Experten bewertet und in Form von Rück-
stellungen bilanziell berücksichtigt.
Die Bilanzierung und Bewertung dieser Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren sind
im Rahmen der Prüfung von besonderer Bedeutung, da die Beträge wesentlich sind, die Bewertung komplex ist und wesentli-
che Ermessensentscheidungen erfordert. Das Erfordernis für und die Höhe dieser Rückstellungen sind maßgeblich von der
Annahme und Einschätzung des Managements zum Ausgang der Verfahren abhängig. Bewertungsunsicherheiten bestehen
insbesondere aufgrund von schwierig abzuschätzenden Ergebnissen bei der Auslegung von bisher weitgehend nicht ausjudi-
zierten Rechtsfragen durch die Aufsichtsbehörde, Verwaltungsgerichte bzw. Gerichtshöfe, aufgrund möglicher Einschränkun-
gen der zeitlichen Wirkung von Entscheidungen sowie hinsichtlich Art,
Umfang und Höhe von anerkannten Kosten und Marktaufschlägen als Basis für die Verrechnung von Tarifen für die Nutzung
der Schieneninfrastruktur.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den Rückstellungen für regulierungsrechtliche Ver-
fahren befinden sich im Anhang unter Punkt "3. Zusammenfassung der wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmetho-
den, Verwendungen von Schätzungen und
Ermessensausübungen, c. Rückstellungen" sowie "B. Erläuterungen zur Konzernbilanz und Konzern-Gewinn- und Verlust-
rechnung, 26. 2. Sonstige Rückstellungen".
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Adressierung im Rahmen der Konzernabschlussprüfung:
Wir haben die Einschätzung des Managements betreffend Ansatz und Höhe der Rückstellungen hinterfragt und geprüft.
Unsere Prüfungshandlungen haben, unter anderem, folgende Tätigkeiten umfasst:
Wir haben den Prozess betreffend Ansatz und Bewertung der Rückstellungen für regulierungsrechtliche Verfahren erhoben
und die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt.
Im Rahmen unserer Prüfung haben wir uns mit den für die Rückstellungsbildung verwendeten Rechts- und Datengrundlagen
auseinandergesetzt und haben auf dieser Basis die Angemessenheit der für die Bewertung herangezogenen Prämissen beur-
teilt. Insbesondere haben wir dabei den
Status der Verfahren, einschließlich der aktuellen Entwicklungen im Jahr 2021, mit dem Management, den Mitarbeitern des
zuständigen Fachbereiches und den beigezogenen Rechtsanwälten besprochen. Weiters haben wir uns mit den im Zuge der
Verfahren vor der Schienen-Control Kommission erstellten Sachverständigengutachten befasst und die daraus von der Gesell-
schaft abgeleiteten Schlussfolgerungen gewürdigt.
Das Berechnungsschema der Rückstellungen haben wir anhand der einfließenden Bewertungsparameter nachvollzogen.
Die Gesellschaft bezieht bei der Berechnung der Rückstellung insbesondere extern erstellte Sachverständigengutachten und
juristische Stellungnahmen von externen Rechtsanwälten mit ein. Diese
haben wir im Rahmen der Prüfung eingeholt und uns davon überzeugt, dass deren Ergebnisse angemessen und deren Arbei-
ten für unsere Zwecke adäquat sind. Weiters haben wir uns einen Eindruck über deren Kompetenz, Fähigkeiten und Objektivi-
tät verschafft.
Schließlich haben wir die Entwicklung dieser Verfahren nach dem Bilanzstichtag bis zum Zeitpunkt der Erteilung des Bestäti-
gungsvermerks durch Befragung des Vorstandes und der Mitarbeiter des Fachbereiches kritisch gewürdigt.
Wir haben die Angemessenheit der Angaben im Anhang zur Bewertung und Bilanzierung dieser Rückstellungen beurteilt.
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Bewertung von derivativen Finanzinstrumenten im Strombereich
Beschreibung / Risiko:
Die von der ÖBB-Infrastruktur AG betriebene Eisenbahninfrastruktur umfasst neben dem Schienennetz u.a. auch das 16,7 Hz-
Bahnstromnetz zur Übertragung des Traktionsstroms. Ferner werden Betriebsanlagen (Bahnhöfe etc.) und ausgewählte Groß-
baustellen mit Energie versorgt.
Zur Bereitstellung des Transaktionsstroms betreibt die ÖBB-Infrastruktur AG mehrere Kraftwerke und hat langfristige Lieferver-
träge mit mehreren Energieversorgungsunternehmen abgeschlossen. Zusätzlich erforderliche Strommengen werden durch
Stromhandelsgeschäfte am Strommarkt
(OTC-Handel) beschafft.
Insbesondere ist die ÖBB-Infrastruktur AG angesichts von Strompreisvolatilitäten von Preisschwankungs- und Ausfallsrisiken
bei Handelspartnern betroffen. Die Risikomanagementstrategie sieht daher eine Preisabsicherung vor. Die ÖBB-Infrastruktur
AG sichert rd. 1.200 GWh je Lieferjahr rollierend über drei Jahre für den Bezug von Bahnstrom sowie rd. 310 GWh für Betriebs-
anlagen ab.
Der ÖBB-Infrastruktur-Konzern wendet Vorschriften zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen gemäß IFRS 9 (Hedge Ac-
counting) zur Sicherung von Bilanzposten und zukünftigen Zahlungsströmen an. Dies mindert Volatilitäten in der Gewinn-und-
Verlust-Rechnung. Nach Art des abgesicherten Grundgeschäfts ist zwischen Fair Value Hedge und Cashflow Hedge zu unter-
scheiden.
Das Risiko für den Konzernabschluss ergibt sich daraus, dass bei der Verwendung von Bewertungsmodellen zur Ermittlung der
beizulegenden Zeitwerte die darin enthaltenen Annahmen und Parameter in hohem Ausmaß ermessensbehaftet sind und
dass an die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen formelle und materielle Anforderungen geknüpft sind.
Die entsprechenden Angaben der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft zu den derivativen Finanzinstrumenten befinden sich
im Anhang unter Punkt "A. 3. Zusammenfassung der wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Finanzinstru-
mente, Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten", sowie unter Punkt C. 29. Finanzinstrumente.
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Adressierung im Rahmen der Konzernabschlussprüfung:
Im Rahmen unserer Prüfungstätigkeit haben wir ein Verständnis über die implementierten Richtlinien, das internen Kontroll-
systems, die Risikomanagementstrategie und deren Dokumentation
(iW Handbuch Risikomanagement Energiewirtschaft, Geschäftsordnung für das Risiko-Komitee Energiewirtschaft ) sowie we-
sentliche Schlüsselkontrollen erlangt, die Konzeption und Ausgestaltung der Kontrollen im Prozess beurteilt und ausgewählte
Schlüsselkontrollen im Prozess auf deren Wirksamkeit getestet ("Funktionsprüfung"). Davon betroffen sind insbesondere
Schlüsselkontrollen wie Kontrollen, dass nur mit genehmigten Handelspartnern Geschäfte abgeschlossen wurden, Kreditli-
mit-reports und Sperren von Handelspartnern, sowie Prüfung der korrekten Übernahme von Marktpreisen ins Handelssystem.
Wir haben weiters Gespräche mit den IKS-Kontrollownern und IKS-Testern, die unabhängig
nach-gelagerte Kontrollen im Bereich Energie/Portfoliomanagement durchführen, geführt, ein Verständnis über deren
Tätigkeiten gewonnen und deren Kompetenz und fachliche Qualität beurteilt. Ferner haben wir die Internen Revisionsbe-
richte mit Prüfungsgegenstand im Bereich Stromhandel eingeholt, gelesen und hinsichtlich Auswirkung auf unsere Prü-
fungsstrategie gewürdigt und zusätzliche Prüfungshandlungen gesetzt.
Für das Handelssystem "BelVis" haben wir im Rahmen der Prüfung unter Beiziehung unserer
IT-Experten die Generellen IT-Kontrollen (IT-Environment, IT-Prozesse, IT-Internes Kontrollsystem) mit Schwerpunkt auf das
Änderungsmanagement, Systemsicherheit und Zugriffsschutz geprüft.
Basierend auf den Ergebnissen der Funktionsprüfungen haben wir anhand von Stichproben
einzelne Stromhandelsgeschäfte hinsichtlich Existenz, Vollständigkeit und Bewertung geprüft. Die Prüfungshandlungen
umfassten insbesondere die Einholung von externen Bestätigungen sowie den Abgleich mit Verträgen und anderen Nach-
weisen.
Des weiteren haben wir die Bewertungsmodelle und die zugrunde liegenden Bewertungsparameter zur Ermittlung der bei-
zulegenden Zeitwerte auf ihre Angemessenheit und konsistente Anwendung hin geprüft. Wir haben in Stichproben wesent-
liche verwendete Parameter mit extern zugänglichen Werten und die Berechnung der Zeitwerte nachvollzogen.
Sicherungsbeziehungen wurden in Stichproben insbesondere dahingehend beurteilt, ob die Dokumentation der Siche-
rungsbeziehung und der Effektivität der Sicherung vorhanden ist und den
internen Richtlinien entspricht. Die durchgeführten Effektivitätstests wurden in Bezug auf ihre
Angemessenheit kritisch gewürdigt.
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Der korrekte Ausweis im Konzernabschluss - erfolgswirksam oder erfolgsneutral im sonstigen Ergebnis – je nachdem, ob das
derivative Finanzinstrument zur Absicherung der beizulegenden Zeitwerte von Bilanzposten ("Fair Value Hedge") oder der
Fluktuation von künftigen Zahlungsströmen bei zur Absicherung von Stromeinkaufspreisen abgeschlossenen Derivaten
("Cashflow-Hedge") eingesetzt werden, sowie die mit diesen Bewertungseffekten einhergehende Erhöhung der passiven
latenten Steuern wurde von uns geprüft.
Weiters haben wir überprüft, ob die Angaben im Konzernabschluss (Notes) betreffend die Bewertungsmethoden und die
Bildung von Sicherungsbeziehungen angemessen und vollständig sind.
Sonstige Informationen
Die gesetzlichen Vertreter sind für die sonstigen Informationen verantwortlich. Die sonstigen
Informationen umfassen alle Informationen im Geschäftsbericht, ausgenommen den Konzernabschluss, den Konzernlage-
bericht und den Bestätigungsvermerk. Der Geschäftsbericht wird uns
voraussichtlich nach dem Datum des Bestätigungsvermerks zur Verfügung gestellt.
Unser Prüfungsurteil zum Konzernabschluss erstreckt sich nicht auf diese sonstigen Informationen, und wir werden keine
Art der Zusicherung darauf geben.
Im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Konzernabschlusses haben wir die Verantwortlichkeit, diese sonstigen Infor-
mationen zu lesen, sobald diese vorhanden sind, und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen Informationen wesentliche
Unstimmigkeiten zum Konzernabschluss oder zu unseren bei der Abschlussprüfung erlangten Kenntnissen aufweisen oder
anderweitig falsch dargestellt erscheinen.
Verantwortlichkeiten der gesetzlichen Vertreter
und des Prüfungsausschusses für den Konzernabschluss
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Konzernabschlusses und dafür, dass dieser in Überein-
stimmung mit den IFRS, wie sie in der EU anzuwenden sind, und den zusätzlichen Anforderungen des § 245a UGB ein möglichst
getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt. Ferner sind die gesetzlichen Vertreter verant-
wortlich für die internen Kontrollen, die sie als notwendig erachten, um die Aufstellung eines Konzernabschlusses zu ermögli-
chen, der frei von wesentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist.
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Bei der Aufstellung des Konzernabschlusses sind die gesetzlichen Vertreter dafür verantwortlich, die Fähigkeit des Konzerns
zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu beurteilen, Sachverhalte im Zusammenhang mit der Fortführung der Unter-
nehmenstätigkeit
– sofern einschlägig – anzugeben, sowie dafür, den Rechnungslegungsgrundsatz der Fortführung der Un-
ternehmenstätigkeit anzuwenden, es sei denn, die gesetzlichen Vertreter beabsichtigen, entweder den Konzern zu liquidie-
ren oder die Unternehmenstätigkeit einzustellen, oder haben keine realistische Alternative dazu.
Der Prüfungsausschuss ist verantwortlich für die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses des Konzerns.
Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses
Unsere Ziele sind, hinreichende Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Konzernabschluss als Ganzes frei von wesentlichen
falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist, und einen Bestätigungsvermerk zu erteilen, der
unser Prüfungsurteil beinhaltet. Hinreichende
Sicherheit ist ein hohes Maß an Sicherheit, aber keine Garantie dafür, dass eine in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit
den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, durchgeführte
Abschlussprüfung eine wesentliche falsche Darstellung, falls eine solche vorliegt, stets aufdeckt. Falsche Darstellungen kön-
nen aus dolosen Handlungen oder Irrtümern resultieren und werden als wesentlich angesehen, wenn von ihnen einzeln
oder insgesamt vernünftigerweise erwartet werden könnte, dass sie die auf der Grundlage dieses Konzernabschlusses ge-
troffenen wirtschaftlichen Entscheidungen von Nutzern beeinflussen.
Als Teil einer Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmä-
ßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, üben wir während der gesamten Abschlussprüfung pflichtge-
mäßes Ermessen aus und bewahren eine kritische Grundhaltung.
Darüber hinaus gilt:
• Wir identifizieren und beurteilen die Risiken wesentlicher falscher Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen
oder Irrtümern im Konzernabschluss, planen Prüfungshandlungen als Reaktion auf diese Risiken, führen sie durch und
erlangen Prüfungsnachweise, die ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu dienen.
Das Risiko, dass aus dolosen Handlungen resultierende wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden,
ist höher als ein aus Irrtümern resultierendes, da dolose Handlungen kollusives Zusammenwirken, Fälschungen, beab-
sichtigte Unvollständigkeiten, irreführende Darstellungen oder das Außerkraftsetzen interner Kontrollen beinhalten
können.
• Wir gewinnen ein Verständnis von dem für die Abschlussprüfung relevanten internen Kontrollsystem, um Prüfungs-
handlungen zu planen, die unter den gegebenen Umständen angemessen sind, jedoch nicht mit dem Ziel, ein Prü-
fungsurteil zur Wirksamkeit des internen Kontrollsystems des Konzerns abzugeben.
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• Wir beurteilen die Angemessenheit der von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rechnungslegungsmethoden
sowie die Vertretbarkeit der von den gesetzlichen Vertretern dargestellten geschätzten Werte in der Rechnungslegung
und damit zusammenhängende Angaben.
• Wir ziehen Schlussfolgerungen über die Angemessenheit der Anwendung des Rechnungslegungsgrundsatzes der Fort-
führung der Unternehmenstätigkeit durch die gesetzlichen Vertreter sowie, auf der Grundlage der erlangten Prüfungs-
nachweise, ob eine wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die
erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können. Falls
wir die Schlussfolgerung ziehen, dass eine wesentliche Unsicherheit besteht, sind wir verpflichtet, in unserem Bestäti-
gungsvermerk auf die dazugehörigen Angaben im Konzernabschluss aufmerksam zu machen oder, falls diese Angaben
unangemessen sind, unser Prüfungsurteil zu modifizieren. Wir ziehen unsere Schlussfolgerungen auf der Grundlage
der bis zum Datum unseres Bestätigungsvermerks erlangten Prüfungsnachweise. Zukünftige Ereignisse oder Gegeben-
heiten können jedoch die Abkehr des Konzerns von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit zur Folge haben.
• Wir beurteilen die Gesamtdarstellung, den Aufbau und den Inhalt des Konzernabschlusses einschließlich der Angaben
sowie ob der Konzernabschluss die zugrunde liegenden Geschäftsvorfälle und Ereignisse in einer Weise wiedergibt,
dass ein möglichst getreues Bild erreicht wird.
• Wir erlangen ausreichende geeignete Prüfungsnachweise zu den Finanzinformationen der Einheiten oder Geschäftstä-
tigkeiten innerhalb des Konzerns, um ein Prüfungsurteil zum Konzernabschluss abzugeben. Wir sind verantwortlich für
die Anleitung, Überwachung und Durchführung der Konzernabschlussprüfung. Wir tragen die Alleinverantwortung für
unser Prüfungsurteil.
Wir tauschen uns mit dem Prüfungsausschuss unter anderem über den geplanten Umfang und die geplante zeitliche Ein-
teilung der Abschlussprüfung sowie über bedeutsame Prüfungsfeststellungen, einschließlich etwaiger bedeutsamer Män-
gel im internen Kontrollsystem, die wir während unserer Abschlussprüfung erkennen, aus.
Wir geben dem Prüfungsausschuss auch eine Erklärung ab, dass wir die relevanten beruflichen Verhaltensanforderungen
zur Unabhängigkeit eingehalten haben, und tauschen uns mit ihm über alle Beziehungen und sonstigen Sachverhalte aus,
von denen vernünftigerweise angenommen werden kann, dass sie sich auf unsere Unabhängigkeit und - sofern einschlägig
- damit zusammenhängende Schutzmaßnahmen auswirken.
Wir bestimmen von den Sachverhalten, über die wir uns mit dem Prüfungsausschuss ausgetauscht haben, diejenigen
Sachverhalte, die am bedeutsamsten für die Prüfung des Konzernabschlusses des Geschäftsjahres waren und daher die
besonders wichtigen Prüfungssachverhalte sind. Wir beschreiben diese Sachverhalte in unserem Bestätigungsvermerk, es
sei denn, Gesetze oder andere Rechtsvorschriften schließen die öffentliche Angabe des Sachverhalts aus oder wir bestim-
men in äußerst seltenen Fällen, dass ein Sachverhalt nicht in unserem Bestätigungsvermerk mitgeteilt werden sollte, weil
vernünftigerweise erwartet wird, dass die negativen Folgen einer solchen Mitteilung deren Vorteile für das öffentliche Inte-
resse übersteigen würden.
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Sonstige gesetzliche und andere rechtliche Anforderungen
Bericht zum Konzernlagebericht
Der Konzernlagebericht ist aufgrund der österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften darauf zu prüfen, ob er
mit dem Konzernabschluss in Einklang steht und ob er nach den geltenden rechtlichen Anforderungen aufgestellt wurde.
Zu der im Konzernlagebericht enthaltenen nichtfinanziellen Erklärung ist es unsere Verantwortlichkeit zu prüfen, ob sie
aufgestellt wurde, sie zu lesen und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen Informationen wesentliche Unstimmigkeiten
zum Konzernabschluss oder zu unseren bei der Abschlussprüfung erlangten Kenntnisse aufweisen oder anderweitig falsch
dargestellt erscheinen.
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Konzernlageberichts in Übereinstimmung mit den
österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften.
Wir haben unsere Prüfung in Übereinstimmung mit den Berufsgrundsätzen zur Prüfung des Konzernlageberichts durchge-
führt.
Urteil
Nach unserer Beurteilung ist der Konzernlagebericht nach den geltenden rechtlichen Anforderungen aufgestellt worden,
enthält zutreffende Angaben nach § 243a UGB und steht in Einklang mit dem Konzernabschluss.
Erklärung
Angesichts der bei der Prüfung des Konzernabschlusses gewonnenen Erkenntnisse und des gewonnenen Verständnisses
über den Konzern und sein Umfeld wurden wesentliche fehlerhafte Angaben im Konzernlagebericht nicht festgestellt.
Zusätzliche Angaben nach Artikel 10 der EU-VO
Wir wurden von der Hauptversammlung am 23. Mai 2022 als Abschlussprüfer gewählt. Wir sind ununterbrochen seit dem
Geschäftsjahr 2020 Abschlussprüfer.
Wir erklären, dass das Prüfungsurteil im Abschnitt "Bericht zum Konzernabschluss" mit dem zusätzlichen Bericht an den
Prüfungsausschuss nach Artikel 11 der EU-VO in Einklang steht.
Wir erklären, dass wir keine verbotenen Nichtprüfungsleistungen (Artikel 5 Abs 1 der EU-VO) erbracht haben und dass wir
bei der Durchführung der Abschlussprüfung unsere Unabhängigkeit von der geprüften Gesellschaft gewahrt haben.
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Auftragsverantwortlicher Wirtschaftsprüfer
Der für die Abschlussprüfung auftragsverantwortliche Wirtschaftsprüfer ist Herr Mag. Christoph Harreither.
Wien, am 20. März 2023
Ernst & Young
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H.
Mag. Christoph Harreither eh
ppa Mag. Victoria Scherich eh
Wirtschaftsprüfer
Wirtschaftsprüferin
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien Datum 31. Dezember 2022
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An die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats der
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft
Wien
Bericht über die unabhängige Prüfung der nichtfinanziellen Berichterstattung
2022
Wir haben die Prüfung der nichtfinanziellen Berichterstattung 2022 (nachfolgend „Prüfung“) der ÖBB-
Infrastruktur Aktiengesellschaft (nachfolgend „ÖBB“), Wien, zur Erlangung einer begrenzten Sicherheit
durchgeführt.
Die nichtfinanzielle Berichterstattung erfolgt in Übereinstimmung mit § 243b und 267a UGB (NaDiVeG),
den gesetzlichen Vorschriften der EU-TaxonomieVO, sowie den GRI-Standards (Update 2021) als Kapitel
„Nichtfinanzielle Erklärung“ im vorliegenden Konzernlagebericht 2022 zum Konzernabschluss zum 31.
Dezember 2022 der ÖBB-Infrastruktur AG.
Verantwortung der gesetzlichen Vertreter
Die ordnungsgemäße Aufstellung der nichtfinanziellen Berichterstattung 2022 in Übereinstimmung mit
den gesetzlichen Vorschriften des § 243b UGB
1
und § 267a UGB
2
(NaDiVeG), den gesetzlichen Vorschrif-
ten der EU TaxonomieVO
3
, sowie den GRI-Standards
4
(Update 2021) liegt in der Verantwortung der ge-
setzlichen Vertreter der Gesellschaft.
Eine von den gesetzlichen Vertretern unterfertigte Vollständigkeitserklärung haben wir zu unseren Ak-
ten genommen.
Verantwortung des Prüfers
Unsere Aufgabe ist es, auf der Grundlage unserer Prüfungshandlungen und der von uns erlangten Nach-
weise eine Beurteilung darüber abzugeben, ob uns Sachverhalte bekanntgeworden sind, die uns zu der
Auffassung gelangen lassen, dass die nichtfinanzielle Berichterstattung 2022 nicht in allen wesentlichen
Belangen in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorschriften des § 243b UGB und § 267a UGB, mit
den gesetzlichen Vorschriften der EU TaxonomieVO sowie den GRI-Standards (Update 2021) dargestellt
wurde.
Wir haben unsere Prüfung unter Beachtung des „International Federation of Accountants’ ISAE 3000
(Revised)“ -Standards durchgeführt.
Danach haben wir unsere Berufspflichten einschließlich der Vorschriften zur Unabhängigkeit einzuhalten
und den Auftrag unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Wesentlichkeit so zu planen und durchzu-
führen, dass wir unsere Beurteilung mit einer begrenzten Sicherheit abgeben können.
Gemäß der „Allgemeinen Auftragsbedingungen für Wirtschaftstreuhandberufe“
ist unsere Haftung be-
schränkt. Demnach haftet der Berufsberechtigte nur für vorsätzliche und grob fahrlässig verschuldete
1
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Bundesnormen/NOR40189008/NOR40189008.pdf
2
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Bundesnormen/NOR40189009/NOR40189009.pdf
3
https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2020/852/
4
https://www.globalreporting.org/standards
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien Datum 31. Dezember 2022
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2
Verletzungen der übernommenen Verpflichtungen. Im Falle grober Fahrlässigkeit beträgt die maximale
Haftungssumme gegenüber dem Auftraggeber und etwaigen Dritten insgesamt EUR 726.730.
Unsere Prüfungshandlungen wurden gesetzt, um eine begrenzte Prüfsicherheit als Grundlage für unsere
Beurteilung zu erlangen. Der Umfang der Prüfungshandlungen zur Einholung von Prüfungsnachweisen
ist geringer als jener für eine hinreichende Prüfsicherheit (wie beispielsweise bei einer Jahresabschluss-
prüfung), sodass ein geringerer Grad an Prüfsicherheit gegeben ist.
Die Auswahl der Prüfungshandlungen liegt im pflichtgemäßen Ermessen des Prüfers und umfasste ins-
besondere folgende Tätigkeiten:
► Erlangung eines Gesamtüberblicks zur Unternehmenstätigkeit, sowie zur Aufbau- und Ablauforgani-
sation des Unternehmens;
► Durchführung von Interviews mit Unternehmensverantwortlichen, um relevante Systeme, Prozesse
und interne Kontrollen bezüglich der geprüften Berichtsinhalte, welche die Erhebung der Informatio-
nen für die Berichterstattung unterstützen, zu verstehen;
► Durchsicht der relevanten Dokumente auf Konzern-, Vorstands- und Managementebene, um Bewusst-
sein und Priorität der Themen in der nichtfinanziellen Berichterstattung zu beurteilen und um zu ver-
stehen, wie die Weiterentwicklung von Prozessen und Kontrollen umgesetzt wurde;
► Erhebung der Risikomanagement- und Governance-Prozesse in Bezug auf Nachhaltigkeit und kriti-
sche Evaluierung der Darstellung in der nichtfinanziellen Berichterstattung;
► Durchführung analytischer Prüfungshandlungen auf Unternehmensebene;
► Stichprobenartige Überprüfung der Daten und Prozesse, um zu erheben, ob diese auf Konzernebene
angemessen übernommen, konsolidiert und berichtet wurden. Dies umfasste die Beurteilung, ob die
Daten in genauer, verlässlicher und vollständiger Art und Weise berichtet wurden;
► Bewertung der Berichterstattung zu wesentlichen Themen, welche im Rahmen von Stakeholderdialo-
gen angesprochen wurden, über welche in Medien Bericht erstattet wurden und zu welchen wesentli-
che Wettbewerber in ihren ökologischen und gesellschaftlichen Berichten Bezug nehmen;
► Evaluierung der unternehmensinternen Wesentlichkeitsanalyse unter Einbeziehung von branchen-
spezifischen Megatrends sowie Aspekten von GRI;
► Beurteilung, ob die Anforderungen gemäß § 243b UGB und § 267a UGB angemessen adressiert wur-
den;
► Stichprobenartige Überprüfung der Aussagen in der nichtfinanziellen Berichterstattung 2022 auf Ba-
sis der Berichtsgrundsätze der GRI Standards
► Beurteilung, ob die gesetzlichen Anforderungen der EU TaxonomieVO angemessen adressiert wur-
den.
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, Wien Datum 31. Dezember 2022
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Gegenstand unseres Auftrags war weder eine Abschlussprüfung noch eine prüferische Durchsicht von
vergangenheitsorientierten Finanzinformationen. Die im Rahmen der Jahresabschlussprüfung geprüften
Leistungsindikatoren und Aussagen, sowie Informationen aus dem Bundes-Public-Corporate Governance
Bericht und der Risikoberichterstattung wurden von uns keiner Prüfung unterzogen. Wir überprüften
lediglich die GRI-konforme Darstellung dieser Informationen in der Berichterstattung. Ebenso war weder
die Aufdeckung und Aufklärung strafrechtlicher Tatbestände, wie z.B. Unterschlagungen oder sonstiger
Untreuehandlungen und Ordnungswidrigkeiten, noch die Beurteilung der Effektivität und Wirtschaftlich-
keit der Geschäftsführung Gegenstand unseres Auftrags. Weiters waren Zahlen, die aus externen Stu-
dien entnommen wurden, zukunftsbezogene Angaben sowie Vorjahreszahlen nicht Gegenstand unserer
Beauftragung. Im Bericht wurden die im GRI-Inhaltsindex angeführten Verweise, jedoch nicht darüber
hinaus gehende weitere (Web-) Verweise, geprüft.
Wir sind der Auffassung, dass die von uns erlangten Prüfungsnachweise ausreichend und angemessen
sind, um als Grundlage für unsere zusammenfassende Beurteilung zu dienen.
Wir erstatten diesen Bericht auf Grundlage des mit Ihnen geschlossenen Auftrags, dem auch mit Wirkung
gegenüber Dritten die „Allgemeinen Auftragsbedingungen für Wirtschaftstreuhandberufe“
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zugrunde
liegen.
Zusammenfassende Beurteilung
Auf Basis unserer Prüfungshandlungen und der von uns erlangten Nachweise sind uns keine Sachver-
halte bekannt geworden, die uns zu der Auffassung gelangen lassen, dass die nichtfinanzielle Berichter-
stattung 2022 nicht in allen wesentlichen Belangen in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorschrif-
ten des § 243b und § 267a UGB (NaDiVeG) und der EU TaxonomieVO, sowie in Übereinstimmung mit
den GRI-Standards (Update 2021) dargestellt wurde.
Wien, 20. März 2023
Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H.
Mag. Christoph Harreither ppa. Susanna Gross, MA
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Fassung vom 18. April 2018, herausgegeben von der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Kapitel 7, http://www.kwt.or.at/PortalData/1/Re-
sources/aab/AAB_2018_de.pdf
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