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Jahresfinanzbericht | 2020
TABELLE
Inhaltsverzeichnis
Konzernlagebericht ................................................................................................................................................................................................3
Konzerngewinn- und -verlustrechnung ...................................................................................................................................................40
Konzerngesamtergebnisrechnung ..............................................................................................................................................................41
Konzerngeld lussrechnung ................................................................................................................................................................................42
Konzernbilanz ..............................................................................................................................................................................................................43
Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung ......................................................................................................................................44
Konzernanhang ..........................................................................................................................................................................................................45
Bestätigungsvermerk (Konzernabschluss; Konzernlagebericht)........................................................................................ 121
Erklärung der gesetzlichen Vertreter .................................................................................................................................................... 127
Semperit Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Inhaltsverzeichnis2
Jahresabschluss Semperit AG Holding ................................................................................................................................................ 129
Lagebericht
Semperit AG Holding ........................................................................................................................................................... 154
Bestätigungsvermerk (Jahres
abschluss; Lagebericht).................................................................................................................... 171
Impressum und Kontakt ........................................................................................................................................................................................ 177
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
3
Wirtschaftliches Umfeld
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinen, im Jänner 2021 veröffentlichten, Wachstums-
prognosen den weltweiten Wachstumsrückgang in 2020 auf –3,5 Prozent geschätzt. Diese Prognose
liegt um 0,9 Prozentpunkte über der vorausgegangenen und spiegelt eine stärker als erwartete
Dynamik in der zweiten Jahreshälfte 2020 wider. Die globale Wachstumsprognose für das Jahr 2021
hat sich im Vergleich zu Oktober 2020 trotz der fortschreitenden weltweiten Corona-Pandemie
(SARS-CoV-2) geringfügig verbessert (um 0,3 Prozentpunkte): Das globale Wirtschaftswachstum im
Jahr 2021 soll statt der im Oktober 2020 prognostizierten 5,2% laut aktueller Schätzung 5,5% in 2021
betragen (2020: –3,5%). Für das Jahr 2021 liegt die Prognose für die Eurozone bei 4,2% (bisher
5,2%) nach –7,2% im Jahr 2020. Die Wachstumserwartungen für die Eurozone in 2021 fallen damit im
Vergleich zu dem im Oktober 2020 veröffentlichten positiven Weltwirtschaftsausblick des IWF um
–1,0 Prozentpunkte schlechter aus. Auch für die drei großen Volkswirtschaften der Eurozone, also
Deutschland, Frankreich und Italien, verschlechtern sich die Prognosen der Wachstumserwartung: für
Deutschland um –0,7, für Frankreich um –0,5 und für Italien um –2,2 Prozentpunkte.
1
Das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) berichtet in seinem im Jänner 2021 veröffentlichten
Rückblick auf das Geschäftsjahr 2020 von besonders starken Auswirkungen auf die Leistungsbilanz-
salden insbesondere Chinas und der USA. Aber auch der deutsche Leistungsbilanzüberschuss redu-
zierte sich um 0,2 Prozentpunkte in Relation zur Jahreswirtschaftsleistung.
2
In welchem Ausmaß der
weitere Verlauf der Pandemie – insbesondere in Europa – die Prognosen und Erwartungen für 2021
beeinflussen wird, ist aktuell noch nicht abschätzbar.
Zu den größten Belastungen für die globale Wirtschaftsentwicklung zählte im Geschäftsjahr 2020
zweifellos die durch die Corona-Pandemie ausgelöste weltweite Wirtschaftskrise, die andere wirt-
schaftliche Faktoren, wie Handelskonflikte (USA, China) in ihren Schatten stellte. Gegenwärtig be-
steht Hoffnung für einen langsamen Erholungskurs, dessen Entwicklung aber stark von den Fortschrit-
ten und der Ausbreitung im Zusammenhang mit den Corona-Impfstoffen abhängig ist. Die
Auswirkungen der Pandemie auf die Semperit-Gruppe werden in dem Kapitel „Corona“ näher erläu-
tert.
Entwicklung auf den Rohstoffmärkten
Für die Gummi-Industrie sind die Märkte für Kautschuk (Natur- und Synthesekautschuk), Ruß, Drähte
sowie eine Vielzahl von Chemikalien mit unterschiedlichen Märkten von großer Relevanz. Die Entwick-
lung dieser Märkte ist im Naturkautschukbereich unter anderem von den Wetterbedingungen sowie im
Synthesekautschuk- und Rußbereich vom Anbieterverhalten und von den durch Rohöl beeinflussten
Basisrohstoffkosten gekennzeichnet. Die Nachfrageseite wird teilweise durch den Hauptabnehmer von
Kautschukprodukten, der Reifen- bzw. Automobilindustrie, beeinflusst.
Im Verlauf des Jahres 2020 haben sich die Preise an den relevanten Rohstoffbörsen für Naturkautschuk
und Naturlatex in Asien zunächst bis Anfang des zweiten Quartals aufgrund einer pandemiebedingt
reduzierten Nachfrage stark nach unten bewegt. Bis Mitte des vierten Quartals gab es dann eine sehr
dynamische Erholungsrallye, hervorgerufen durch eine stark zunehmende Nachfrage, insbesondere aus
China und seitens der globalen Reifenindustrie. Diese Entwicklung war aufgrund der extrem starken
Nachfrage nach Latex-Handschuhen beim Naturlatex noch ausgeprägter. Im weiteren Jahresverlauf korri-
gierten die Preise etwas, sodass sie beim Naturkautschuk per Jahresende in etwa auf Vorjahresendniveau
lagen, jedoch beim Naturlatex weiterhin deutlich (+30%) über dem entsprechenden Wert von 2019 schlos-
sen.
1)
https://www.imf.org/en/Publications/WEO/Issues/2021/01/26/2021-world-economic-outlook-update
2)
Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die globalen Leistungsbilanzsalden | Veröffentlichung | ifo Institut (Jänner 2021)
Konzernlagebericht
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
4
Die Preise für Butadien, einer der wesentlichen Grundrohstoffe zur Herstellung von syntheti-
schem Gummi und synthetischem Latex, verzeichneten bis Anfang Dezember 2020 sowohl in Europa
(+100% Kontrakt- und sogar mehr als +1.900% Spotpreise) als auch in Asien (+350%) eine noch
deutlich stärkere Aufwärtsentwicklung seit dem anfänglichen Rückgang und Tiefpunkt im Verlauf des
zweiten Quartals. Nach dem Peak Anfang Dezember startete dann sowohl in Asien als auch in Europa
eine Preiskorrektur. Somit lagen die Preise für Butadien, ein relevanter Basisrohstoff in den Segmen-
ten Semperflex, Sempertrans und Sempermed, per Jahresende 2020 weiterhin deutlich über den
Preisen des zweiten Quartals und in etwa auf dem Niveau des gleichen Zeitraums des Vorjahres.
Die Preise für Nitril-Latex waren im Verlauf 2020 aufgrund der starken Nachfrage und eines limi-
tierten Angebots am stärksten angestiegen. Für den Füllstoff Ruß, der für alle vier Segmente des
Sektors Industrie von Relevanz ist, ist die Preisentwicklung von „Heavy Fuel Oil (HFO)“ ein relevanter
Preisindikator. Nach einer deutlichen Abwärtsbewegung bis Ende April haben sich auch diese Preise
per Jahresende sehr stark erholt (+230% gegenüber dem Tiefpunkt im zweiten Quartal), was zu
deutlich höheren Rußpreisen im Verlauf der zweiten Jahreshälfte geführt hat.
Die Preise für Walzdraht, ein Vorprodukt für Drähte, die vor allem in den Segmenten Semperflex
und Sempertrans Verwendung finden, haben die Tiefs im April 2020 hinter sich gelassen und sind
nach dem starken Aufwärtstrend 2020 nun in einer Konsolidierungsphase. Globale Stimulus-
Programme befeuern die Nachfrage nach Stahlprodukten, was für Rohprodukte wie Eisenerz (Im-
portpreise China) zu einer Preissteigerung von bis zu 100% in den letzten acht Monaten geführt hat.
Corona
Die Corona-Pandemie (SARS-CoV-2) hat die wirtschaftliche Entwicklung weltweit beeinträchtigt. Die
Auswirkungen von Corona auf die Semperit-Gruppe waren in den Sektoren Medizin und Industrie
allerdings gegenläufig. Um die Corona-Krise bestmöglich managen zu können, hat die Semperit-
Gruppe frühzeitig entsprechende Maßnahmen eingeleitet.
Für alle Mitarbeiter wurden umfassende und bestmögliche Maßnahmen zum verstärkten Schutz der
Gesundheit eingeführt. Die Produktionsmitarbeiter nehmen seither ihre Tätigkeit unter verschärften
Sicherheitsvorkehrungen wahr, die unter anderem strenge Abstandsregeln, zusätzliche Hygienevorga-
ben sowie Temperaturmessungen umfassen. Hinzu kam auch die Einrichtung eines Krisenmanagements
auf Werks- und Gruppenebene, das für die Erstellung und Umsetzung aller Maßnahmen zuständig ist
und ebenfalls als Schnittstelle zu offiziellen Stellen und Behörden auf nationaler und internationaler
Ebene dient. An den Bürostandorten bzw. bei administrativen Tätigkeiten, wie etwa im Wiener Head-
quarters, wurden die Mitarbeiter zunächst zwischen Mitte März und der zweiten Mai-Hälfte auf Home-
Office umgestellt. Eine schrittweise Wiederaufnahme des Bürobetriebes – in zwei getrennten Teams –
wurde ab der zweiten Mai-Hälfte 2020 umgesetzt. Aufgrund der erneut stark ansteigenden Infektions-
zahlen wurden jedoch ab Ende September alle Personen, die nicht in operative Produktionsprozesse
eingebunden sind, neuerlich auf Home-Office umgestellt. Eine schrittweise Wiederaufnahme des Büro-
betriebes in Wien – in zwei getrennten Teams – wird in Abhängigkeit vom weiteren Infektionsgeschehen
frühestens ab Mai 2021 umgesetzt. Die ab der ersten Stunde gesetzten Maßnahmen gegen die Aus-
breitung von Corona haben sich während des gesamten Jahres wirkungsvoll gezeigt. Lediglich gegen
Jahresende gab es infolge des verstärkten Infektionsgeschehens Corona-Cluster in Odry (Tschechische
Republik) und Belchatow (Polen) zu vermelden, die jedoch rasch unter Kontrolle gebracht werden
konnten. Bis Ende des Geschäftsjahres 2020 waren in Summe 215 Personen positiv auf Corona getestet
worden. Bis Anfang März 2021 stieg der Wert aller bislang positiv getesteten Personen auf 332; zwei
Mitarbeiter sind leider mit einer Corona-Infektion verstorben.
Im Hinblick auf die allgemeine Nachfragesituation wurden erste Unsicherheiten auf den Märkten
des Sektors Industrie Ende März spürbar. Im zweiten Quartal gab es in den Segmenten unterschiedli-
che Marktreaktionen: anfänglich wurden einerseits Sicherheitsbestände aufgebaut, andererseits
waren auch Werkschließungen bzw. Auftragsreduktionen auf Kundenseite zu beobachten. Die in
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
5
Summe verringerte Nachfrage setzte sich auch im dritten Quartal fort. Im vierten Quartal konnte man
schließlich teilweise die ersten Anzeichen einer leichten Erholung feststellen. Im Sektor Medizin kam
es hingegen zu einer anhaltenden Steigerung der Nachfrage nach Untersuchungshandschuhen und in
weiterer Konsequenz auch der Marktpreise im Geschäftsjahr 2020. Das Preisniveau lag am Ende des
Jahres signifikant über dem Niveau des Ausbruchszeitpunktes der Corona-Pandemie: Der Marktpreis
hat sich bis Jahresende im durchschnittlichen Produktmix in etwa verdreifacht.
Die Sicherstellung der für die Produktion benötigten Rohstoffe wurde durch alternative Roh-
stofflieferanten gewährleistet. Es gab keine wesentlichen Beeinträchtigungen. Im Sektor Medizin
wurde infolge der erhöhten Marktdynamik die verlässliche Sicherstellung der benötigten Rohstoff-
mengen zunehmend herausfordernd, weshalb Mengenverschiebungen innerhalb des Lieferantenport-
folios veranlasst worden sind.
Das Management hat bereits im ersten Quartal operative Gegensteuerungsmaßnahmen zur Be-
wältigung der Corona-Krise implementiert. Diese zielen einerseits auf eine entsprechend flexible
Anpassung der Produktion an die mit Unsicherheiten behaftete Marktnachfrage ab, andererseits
setzten sie einen noch strikteren Fokus auf ein adäquates Kostenniveau, wenn auch die Kostenreduk-
tionen zum Teil nur für die Zeitdauer der Krise möglich sind.
Der Anfang 2018 eingeleitete Restrukturierungs- und Transformationsprozess der Semperit-
Gruppe, der zu signifikanten Verbesserungen auf unterschiedlichsten Ebenen geführt hat, wurde durch
die Corona-Krise weiter beschleunigt. In diesem Zusammenhang wurde auch der Fokus auf Kostensen-
kungsmaßnahmen nochmals geschärft.
Des Weiteren gab es Förderungsmaßnahmen der lokalen Regierungen und Behörden. Weltweit
haben die Regierungen auf die Corona-Krise reagiert. Im Wesentlichen sind in den Ländern, in denen
die Semperit-Gruppe tätig ist, einerseits Maßnahmenpakete zum Einsatz gekommen, die auf die
entsprechende Entlastung der Personalkosten abzielen. So wurde zum Beispiel in Österreich für nur
216 Mitarbeiter in Summe die Kurzarbeitsbeihilfe in Anspruch genommen. Ebenso wurde in Tschechi-
en, Polen und in Deutschland die Anzahl der Leiharbeiter entsprechend der Kapazitätsauslastung
reduziert. Des Weiteren wurden zum Teil ähnliche Modelle oder Maßnahmen zur Flexibilisierung der
Arbeitszeit in Deutschland, Polen, der Tschechischen Republik, Frankreich und Großbritannien ge-
nutzt. Andererseits sind wesentliche Maßnahmen der Regierungen auf Stundungen von Steuer- und
Abgabeschulden für unterschiedlich lange Perioden ausgerichtet, um in Not geratene Unternehmen
bei Liquiditätsproblemen zu unterstützen. Nur wenige dieser Maßnahmen haben eine monetäre
Auswirkung auf das Ergebnis der Semperit-Gruppe. Wenn auch die Förderungsmaßnahmen in einem
geringen Ausmaß zum Einsatz kamen, so hat Semperit die wesentlichen Einsparungspotenziale bzw.
die ausschlaggebenden Gegensteuerungsmaßnahmen aus eigener Kraft realisiert.
Der Ausbruch der Corona-Pandemie in einer Phase der globalen Konjunkturabschwächung mach-
te es bereits zu Ende des ersten Halbjahres 2020 erforderlich, sämtliche Segmente der Semperit-
Gruppe auf das Vorliegen von beobachtbaren Anhaltspunkten für eine Wertveränderung des Seg-
mentvermögens zu untersuchen. Für die Segmente Sempermed bzw. Sempertrans führte diese
Untersuchung zu einem Wertaufholungs- bzw. Wertminderungsbedarf im ersten Halbjahr 2020.
Die davor erfolgreiche Entwicklung des Segments Sempertrans wurde durch den Ausbruch der
Corona-Pandemie gebremst und in der zeitlichen Umsetzung annahmegemäß nachhaltig beeinflusst.
Einerseits sank die Nachfrage nach Erzeugnissen der Bergbauindustrie infolge der rezessiven Entwick-
lungen in nachgelagerten Industrien (v.a. Automobil- und Bauindustrie), andererseits verringerten
strenge Beschränkungen oder sogar Unterbrechungen bergbaulicher Aktivitäten das Angebot. Aus
dem Wettbewerbs- und Preisdruck am Markt sowie aus einem moderat angenommenen Marktwachs-
tum resultierte daher im ersten Halbjahr 2020 ein Wertminderungsaufwand in der Höhe von
20,0 Mio. EUR. Auf Basis der durchschnittlichen Devisenmittelkurse für das Geschäftsjahr 2020 ergab
sich ein Wertminderungsaufwand in Höhe von 19,8 Mio. EUR (für nähere Details siehe Anhang 3.2).
Gleichzeitig wurde der aktuelle Nutzungswert des Segments Sempermed ermittelt. In der
Corona-Pandemie ist die Marktdynamik durch einen beträchtlichen Nachfrageüberhang und eine regel-
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
6
rechte Preisrallye gekennzeichnet, der bisherige Käufermarkt für Untersuchungs- bzw. Schutzhandschuhe
wurde zu einem Verkäufermarkt. Ebenfalls positiv wirkt die operative Effizienzsteigerung infolge erfolg-
reicher Restrukturierungsmaßnahmen. Damit einhergehend wurde ein Wertaufholungsbedarf im ersten
Halbjahr von 88,8 Mio. EUR festgestellt. Umgerechnet mit den durchschnittlichen Devisenmittelkursen
für das Geschäftsjahr 2020 resultierte daraus ein Ertrag aus der Wertaufholung in Höhe von
86,2 Mio. EUR (für nähere Details siehe Anhang 3.2).
Per Saldo haben die Corona-Effekte bzw. die Bewertungen der Segmente Sempertrans und
Sempermed das Jahresergebnis deutlich positiv beeinflusst. In diesem Zusammenhang wurde der
entsprechend positive Ausblick für das EBITDA und das EBIT am 3. Juli 2020 in einer Ad-hoc-
Mitteilung kommuniziert. Da dieser Aufwärtstrend aufrecht blieb, wurde der Ausblick am 25. Sep-
tember und in einem nächsten Schritt am 6. November weiter angehoben und ebenfalls jeweils in
einer Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht. Für das Jahr 2021 wird unter der Maßgabe weiterhin unge-
brochener Rohstoff- und Containerverfügbarkeit auf Basis aktueller Zahlen erwartet, dass das Ergeb-
nis 2020 im aktuellen Jahr deutlich übertroffen werden könnte.
Die Entwicklung der Lagerbestände war im Jahresverlauf durch unterschiedliche Effekte beein-
flusst: einerseits gab es kundenseitig das Bestreben, die notwendigen Sicherheitsbestände für erwar-
tete Krisenzeiten aufzubauen, andererseits wurden geringere Mengen infolge der Corona-bedingten
Unsicherheiten abgenommen. Hinzu kamen gegen Jahresende die negative Wirkung der knappen
Containerverfügbarkeit sowie signifikant gestiegene globale Transportzeiten, wodurch letztlich auch
der Lagerbestand im Segment Sempermed angestiegen ist. Das Management legt allerdings nach
wie vor einen starken Fokus auf eine adäquate Kontrolle und Steuerung des Working Capitals – wenn
auch die besonderen Umstände und notwendige Sicherheitsvorkehrungen aktuell den Bestrebungen
zum Teil entgegenwirken.
Die Corona-Effekte hatten im Geschäftsjahr 2020 keine negativen Auswirkungen auf die Liquidität
des Unternehmens. Die Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente sind gegenüber Ende 2019
um rd. 3% gestiegen. Die Nettoverschuldung sank sogar auf nur rd. 30% im Vergleich zum Jahresen-
de. In Bezug auf die Aufrechterhaltung der stabilen finanziellen Position hat das Management einen
starken Fokus auf die Sicherung der Liquidität bei einer gleichzeitigen Optimierung der Finanzie-
rungsaufwendungen gesetzt.
Die Lage wird kontinuierlich sehr genau beobachtet. Die internationalen Entwicklungen, insbe-
sondere der Anstieg des Infektionsgeschehens seit Herbst, machen deutlich, dass die Corona-Krise –
auch angesichts der nur zögerlich startenden Impfkampagne – noch lange nicht vorbei ist, vielmehr
wird sie uns noch in den kommenden Monaten begleiten. Daher setzt die Semperit-Gruppe alles
daran, die im Umgang mit der Krise bisher erfolgreichen Maßnahmen fortzuführen bzw. erforderli-
chenfalls weitere vorbereitete Maßnahmen umgehend umzusetzen – sei es zum Schutz der Gesund-
heit der Mitarbeiter oder zur Sicherstellung der Profitabilität des Unternehmens. Durch das laufende
Monitoring soll die unmittelbare und flexible Reaktionsfähigkeit gewährleistet bleiben.
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
7
Umsatz- und Ergebnisentwicklung
Die Semperit-Gruppe verzeichnete im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatzanstieg von 10,4% auf
927,6 Mio. EUR im Vergleich zum Vorjahr. Während der Umsatz im Sektor Industrie um 12,6% zurück-
ging, konnte der Sektor Medizin eine Steigerung von 53,1% verzeichnen (für Details zur Entwicklung
der Sektoren und Segmente siehe Seite 45). Der Sektor Industrie – allen voran das Segment
Semperflex – war neben dem konjunkturellen Abschwung, der bereits 2019 eingesetzt hatte, insbe-
sondere von den negativen Auswirkungen der Corona-Krise geprägt. Die Umsatzsteigerung im Sektor
Medizin, also dem Segment Sempermed, beruht einerseits auf dem Anstieg der abgesetzten Mengen,
die insbesondere durch eine verbesserte Kapazitätsauslastung und höhere Produktionsmengen erreicht
werden konnten, und andererseits auf einer außergewöhnlich hohen Nachfrage nach Handschuhen
infolge der Corona-Pandemie und damit einhergehend auf kontinuierlichen Erhöhungen der Marktpreise.
Im Geschäftsjahr 2020 erzielte der Sektor Industrie 52% der Umsatzerlöse der Semperit-Gruppe, der
Sektor Medizin 48%; dies stellt eine Verschiebung im Vergleich zur Vorjahresperiode dar, als das Ver-
hältnis bei 65% zu 35% lag.
Im Geschäftsjahr 2020 erfolgte eine Erhöhung des Bestands an eigenen Erzeugnissen um
6,1 Mio. EUR infolge der knappen Containerverfügbarkeit sowie der signifikant gestiegenen globalen
Transportzeiten, wodurch letztlich der Lagerbestand im Segment Sempermed angestiegen ist; im
Geschäftsjahr 2019 fand eine Bestandsreduktion um 15,1 Mio. EUR statt.
Die sonstigen betrieblichen Erträge betrugen im Geschäftsjahr 2020 7,2 Mio. EUR und beinhalten
in überschaubarem Maße staatliche Unterstützungsmaßnahmen, wie die Corona-Kurzarbeitsbeihilfe
in Höhe von 2,3 Mio. EUR. Zum Vergleich lag der Wert für sonstige betriebliche Erträge im
Geschäftsjahr 2019 in Summe bei 8,0 Mio. EUR und beinhaltete unter anderem einen Ertrag von
1,3 Mio. EUR aus dem Verkauf von Sachanlagen des im Geschäftsjahr 2018 geschlossenen
Sempertrans Produktionsstandortes in China sowie Versicherungsentschädigungen für die Brände in
Roha (Indien) und Wimpassing (Österreich).
Der Materialaufwand ging im Geschäftsjahr 2020 um 34,3 Mio. EUR oder 7,4% auf
431,4 Mio. EUR zurück. Die Veränderung war vor allem auf niedrigere Rohstoffpreise, insbesondere
im ersten Halbjahr im Sektor Industrie, zurückzuführen. Gleichzeitig wurden auch Mengenabweichun-
gen – aufwandsreduzierend im Sektor Industrie und -erhöhend im Sektor Medizin – verzeichnet.
Der Personalaufwand stieg im Geschäftsjahr 2020 auf 209,8 Mio. EUR (+6,6%), auch wurde ein
leichter Anstieg (+0,6%) der Mitarbeiterzahl (FTE) verzeichnet. Die Gründe dafür waren einerseits der
allgemeine Anstieg des Gehaltsniveaus, höhere Boni für das erfolgreiche Jahr 2020, wie auch über-
Umsatzverteilung nach Segmenten 2020 (2019)
Umsatzverteilung nach Regionen 2020 (2019)
1. Semperflex
20% (26%)
2. Sempertrans
12% (16%)
3. Semperform
9% (23%)
5. Sempermed
48% (35%)
4
3
1
2
1. Europa
69% (69%)
2. Nord- und
Südamerika
17%
(15%)
3. Asien, Afrika
und andere
Länder
14%
(16%)
3
1
2
4. Semperseal
10%
5
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
8
lappende Funktionsperioden infolge von Vorstandswechseln bzw. die Dotierung langfristiger Leis-
tungsboni aufgrund der verbesserten Unternehmensperformance. Des Weiteren wurden Rückstellun-
gen für Recruitment-Fee Zahlungen in Malaysien in der Höhe von 3,9 Mio. EUR gebildet. Gegenläufig
wirkte die durch die niedrigere Kapazitätsauslastung bedingte Reduktion der Leiharbeiter in Tsche-
chien, Polen und Deutschland.
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen lagen mit 95,3 Mio. EUR unter dem Wert der Vorjah-
resperiode von 106,3 Mio. EUR, in dem auch ein positiver Effekt aus der Auflösung einer Rückstellung
(4,0 Mio. EUR) für ein Steuerverfahren zu Verkehrssteuern in Brasilien enthalten war. Die positive
Entwicklung konnte insbesondere durch die deutlich gesunkenen Rechts- und Beratungsaufwen-
dungen wie auch infolge geringerer Reiseaktivitäten erzielt werden.
Das EBITDA konnte von 67,8 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2019 auf 208,6 Mio. EUR im Geschäftsjahr
2020 mehr als verdreifacht werden. Positiv wirkte insbesondere das gute Ergebnis des Sektors Medizin
nach Erhöhungen der Marktpreise, höheren Mengen aufgrund der gesteigerten Produktionsmengen
und höherer Nachfrage, die dank erfolgreicher Restrukturierungsschritte bedient werden konnte.
Gleichzeitig erwiesen sich die Industriesegmente nach der erfolgreichen Restrukturierung der letzten
Jahre als sehr widerstandsfähig und liegen in Summe nur 10,8 Mio. EUR unter dem Vorjahresergebnis,
während die EBITDA-Marge des Sektors sogar konstant gehalten werden konnte. Die EBITDA-Marge
der Semperit-Gruppe konnte sich entsprechend von 8,1% auf 22,5% mehr als verdoppeln. Im Vergleich
zum um die Rückstellungsauflösung (4,0 Mio. EUR) bereinigten EBITDA im Geschäftsjahr 2019 von
63,8 Mio. EUR war das EBITDA im Geschäftsjahr 2020 sogar deutlich mehr als das Dreifache im Vergleich
zum Niveau des Vorjahrs.
Der Ausbruch der Corona-Pandemie in einer Phase der globalen Konjunkturabschwächung machte
es Ende des zweiten Quartals erforderlich, sämtliche Segmente der Semperit-Gruppe auf das
Vorliegen von beobachtbaren Anhaltspunkten für eine Wertveränderung des Segmentvermögens zu
untersuchen. Für die Segmente Sempermed bzw. Sempertrans führte diese Untersuchung zu einem
Wertaufholungs- bzw. Wertminderungsbedarf, die bereits zum Halbjahr 2020 erfasst wurden. Aus den
durchschnittlichen Devisenmittelkursen für das Geschäftsjahr 2020 resultiert ein Wertminderungsauf-
wand in Höhe von 19,8 Mio. EUR und eine Wertaufholung in Höhe von 86,2 Mio. EUR. Für nähere
Details siehe Anhang 3.2.
Die Abschreibungen erhöhten sich im Geschäftsjahr 2020 auf 37,3 Mio. EUR (+8,2%). Hierauf
wirken sowohl die Veränderung der Abschreibungsbasis durch die Wertminderung im Segment
Sempermed im 3. Quartal 2019, die Wertaufholung im 2. Quartal 2020 sowie die Wertminderung im
Segment Sempertrans im 2. Quartal 2020, als auch eine Schätzungsänderung der wirtschaftlichen
Nutzungsdauer des langfristigen Segmentvermögens für Sempermed im Geschäftsjahr 2020 (für
Details siehe Anhang 3.2).
Das EBIT verbesserte sich auf 237,8 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2020 gegenüber –16,5 Mio. EUR im
Geschäftsjahr 2019. Die EBIT-Marge stieg von –2,0% auf 25,6%. Das um die Wertberichtigungen
bereinigte EBIT lag bei 171,4 Mio. EUR, mehr als das Fünffache über dem Niveau des Vorjahrs
(Geschäftsjahr 2019: 28,2 Mio. EUR). Die bereinigte EBIT-Marge erreichte mit 18,5% ebenfalls mehr als
das Fünffache des Werts in der Vergleichsperiode.
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
9
Kennzahlen
Semperit-Gruppe
in Mio.
EUR 2020
1)
Veränderung 2019
2)
Umsatzerlöse
927,6 10,4% 840,6
EBITDA bereinigt
208,6 >100% 63,8
EBITDA
-Marge bereinigt 22,5% +14,9 PP 7,6%
EBITDA
208,6 >100% 67,8
EBITDA
-Marge 22,5% +14,4 PP 8,1%
EBIT bereinigt
171,4 >100% 28,2
EBIT
-Marge bereinigt 18,5% +15,1 PP 3,4%
EBIT
237,8 >100% –16,5
EBIT
-Marge 25,6% +27,6 PP –2,0%
Ergebnis nach Steuern bereinigt
121,9 >100% –0,2
Ergebnis nach Steuern
194,6 >100% –44,9
Zugänge zu Sachanlagen und immaterielle
Vermögenswerte 28,5 –9,2% 31,4
Mitarbeiter (Stichtag)
6.943 0,6% 6.902
1)
2020 bereinigt um den positiven Sondereffekt aus der Wertaufholung im Segment Sempermed (EBIT Wirkung: +86,2 Mio. EUR; Ergebnis nach
Steuern Wirkung: +88,8 Mio. EUR) und um den negativen Sondereffekt der Wertminderung im Segment Sempertrans (EBIT Wirkung
–19,8 Mio. EUR; Ergebnis nach Steuern Wirkung: –16,1 Mio. EUR)
2)
2019 bereinigt um den positiven Sondereffekt aus der Auflösung einer Rückstellung für das Steuerverfahren zu Verkehrssteuern in Brasilien
(EBITDA, EBIT und Ergebnis nach Steuern: EUR 4,0 Mio.), wie auch um die negative Wirkung der Wertminderungen Sempermed (EBIT und
Ergebnis nach Steuern: –48,8 Mio. EUR) für das Segment
Das Finanzergebnis belief sich im Geschäftsjahr 2020 auf –8,6 Mio. EUR nach –13,2 Mio. EUR im
Geschäftsjahr 2019. Die Finanzierungsaufwendungen (vor allem Zinsaufwendungen für Darlehen und
Kredite) betrugen im Geschäftsjahr 2020 5,4 Mio. EUR und lagen damit unter dem Wert der Ver-
gleichsperiode in Höhe von 8,3 Mio. EUR – insbesondere infolge von Tilgungen von Schuldscheindar-
lehen.
Das sonstige Finanzergebnis war mit 0,7 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2020 positiv, im Geschäftsjahr
2019 war der Wert negativ bei –1,7 Mio. EUR. In diesem Posten ist vor allem der Saldo aus Fremd-
währungskursgewinnen und -verlusten (Netto-Fremdwährungsergebnis) enthalten. Das negative
Netto-Fremdwährungsergebnis ist insbesondere durch den Kursverfall von Tschechischer Krone und
Polnischem Zloty im März 2020 bedingt. Dieser führte zu unrealisierten Fremdwährungsverlusten aus
der Fremdwährungsbewertung konzerninterner Darlehensfinanzierungen; gleichzeitig konnten aller-
dings zum Teil auch Gewinne aus Fremdwährungseffekten aus der Bewertung des USD-
Schuldscheindarlehens verbucht werden.
Der Aufwand für Ertragsteuern stieg im Geschäftsjahr 2020 um 19,3 Mio. EUR auf 34,6 Mio. EUR
(Geschäftsjahr 2019: 15,3 Mio. EUR). Der Anstieg des Steueraufwands im Geschäftsjahr 2020 resultiert
im Wesentlichen aus der sonderkonjunkturellen Entwicklung und der daraus folgenden Ergebnisver-
besserung im Segment Sempermed. Der laufende Steueraufwand vom Einkommen und Ertrag stieg
von 11,0 Mio. EUR auf 36,5 Mio. EUR. Gegenläufig verlief die Entwicklung der latenten Steuern.
Durch die Entwicklung beim Segment Sempermed wurden Verlustvorträge bzw. nicht genutzte Steu-
ergutschriften werthaltig. Weiters entstanden Latenzeffekte durch die Wertminderung des Segments
Sempertrans. In Summe ergibt sich im Geschäftsjahr 2020 ein positiver Effekt von 1,9 Mio. EUR.
In Summe ergab sich ein Ergebnis nach Steuern im Geschäftsjahr 2020 von 194,6 Mio. EUR ge-
genüber –44,9 Mio. EUR im Vorjahr. Das Ergebnis je Aktie betrug 9,06 EUR im Geschäftsjahr 2020
nach –2,50 EUR im Geschäftsjahr 2019. Bereinigt um die Sondereffekte, lag das Ergebnis nach Steu-
ern bei 121,9 Mio. EUR.
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
10
Dividende und eigene Aktien
Die Dividendenpolitik der Semperit-Gruppe zielt grundsätzlich auf eine Ausschüttung von rund 50%
des Ergebnisses nach Steuern ab – vorausgesetzt, dass sich die Geschäftsentwicklung erfolgreich
fortsetzt und keine außergewöhnlichen Umstände eintreten. Der Konzern befindet sich derzeit jedoch
in einer tiefgreifenden, wenngleich durch die Pandemie etwas verzögerten Transformation zum Indust-
riegummispezialisten. Hierfür sind auch eine oder mehrere umfassende Unternehmensakquisitionen
beabsichtigt, für die eine entsprechende Finanzkraft erforderlich sein wird. Daher kann für die Zeitdau-
er dieser strategischen Transformation von einer rund 50%igen Ausschüttung abgewichen werden, um
für etwaige Unternehmenskäufe finanzkräftig aufgestellt zu sein. Diese strategische Neuaufstellung
dient dem Wohl aller Aktionäre. Darüber hinaus ist das Dividendenpotenzial letztendlich durch den
Bilanzgewinn im Einzelabschluss der Semperit AG Holding begrenzt.
Unter diesen Prämissen wird der Vorstand der Hauptversammlung eine Dividende von 1,50 EUR je
Aktie vorschlagen. In Summe gelangen damit 30,8 Mio. EUR zur Ausschüttung. Bei einem Aktienkurs
von 24,30 EUR per Jahresende 2020 errechnet sich eine Dividendenrendite von 6,2%. Im Vorjahr
wurde keine Dividende ausgeschüttet.
Die Semperit AG Holding besitzt zum 31. Dezember 2020 – ebenso wie zum 31.Dezember 2019 –
keine eigenen Aktien.
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
11
Vermögens- und Finanzlage
Die Bilanzsumme stieg zum 31. Dezember 2020 im Vergleich zum 31. Dezember 2019 um 8,9% auf
764,4 Mio. EUR (Geschäftsjahr 2019: 701,8 Mio. EUR).
Auf der Aktivseite spiegelt sich neben höheren Vorräten insbesondere der Anstieg der Sachan-
lagen wider. Die Erhöhung des Sachanlagevermögens ist insbesondere durch die Wertaufholung
im Segment Sempermed trotz der gegenläufigen Wirkung der Wertberichtigung im Segment
Sempertrans bedingt.
Auf der Passivseite erhöhte sich im Wesentlichen das Eigenkapital infolge des guten Jahresergeb-
nisses. Gegenläufig wirkte vor allem die Reduktion der Finanzverbindlichkeiten aufgrund der Tilgung
von Schuldscheindarlehen wie auch die freiwillige Rückzahlung von Hybridkapital in Höhe von
20,0 Mio. EUR im dritten Quartal 2020 und weiteren 80,0 Mio. EUR im vierten Quartal 2020.
Das Trade Working Capital stieg seit Jahresende 2019 von 155,2 Mio. EUR auf 162,8 Mio. EUR
an. Infolge des höheren Umsatzniveaus lag es unter dem Wert vom Jahresende 2019 (18,5%) bei
17,5% des Umsatzes. Höheren Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (+5,0%) und der Erhö-
hung von Vorräten (+15,5%) steht auch eine Erhöhung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und
Leistungen (+26,3%) gegenüber.
Die liquiden Mittel lagen per 31. Dezember 2020 bei 145,0 Mio. EUR und damit leicht über dem Ni-
veau zum Jahresende 2019 bei 141,4 Mio. EUR. Der Anstieg resultierte – trotz Rückzahlungen von
Schuldscheindarlehen und Teilen des Hybridkapitals – aus der höheren Profitabilität, vor allem im Seg-
ment Sempermed.
Per 31. Dezember 2020 stieg das Eigenkapital (ohne nicht beherrschende Anteile) der Semperit-
Gruppe auf 332,3 Mio. EUR um 58,8 Mio. EUR über den Vorjahreswert (31. Dezember 2019:
273,4 Mio. EUR). Dies ist dem Gewinn des Geschäftsjahrs 2020 geschuldet. Entgegengesetzt wirk-
ten hingegen die Rückzahlungen des Hybridkapitals in Höhe von 100,0 Mio. EUR im Geschäftsjahr
2020. Des Weiteren wurde zur Optimierung der Finanzierungsaufwendungen beschlossen, den noch
ausständigen, nicht gezogenen Teil des Hybridkapitals in der Höhe von 20 Mio. EUR in Juli 2020 zu
kündigen. Die Währungsumrechnungsrücklage hat sich vor allem aufgrund der Kursentwicklung des
US-Dollars, bzw. auch der tschechischen Krone, polnischen Zloty und malaysischen Ringgit zum EUR
verändert.
Per 31. Dezember 2020 betrug die Eigenkapitalquote 43,5% (31. Dezember 2019: 39,0%).
Die Eigenkapitalrentabilität für das Geschäftsjahr 2020 lag bei 58,0% (Geschäftsjahr 2019:
–16,3%). Diese berechnet sich aus dem Ergebnis nach Steuern von 194,6 Mio. EUR (Geschäftsjahr 2019:
–44,9 Mio. EUR) bezogen auf das auf die Aktionäre der Semperit AG Holding entfallende Eigenkapi-
tal mit 332,3 Mio. EUR (Geschäftsjahr 2019: 273,4 Mio. EUR).
Das Fremdkapital blieb beinahe unverändert und lag bei 429,8 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2020
(2019: 427,7 Mio. EUR); die kurzfristigen Verbindlichkeiten erhöhten sich um 94,2 Mio. EUR, während
die langfristigen Verbindlichkeiten um 92,0 Mio. EUR reduziert wurden. Die Änderungen betrafen
einerseits die Verschiebung von Fristigkeiten bei Finanzverbindlichkeiten, die Tilgung von Schuldschein-
darlehen wie auch den Anstieg der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, bzw. die signifi-
kante Erhöhung der Verbindlichkeiten aus den laufenden Ertragssteuern.
Die Finanzverbindlichkeiten lagen per 31. Dezember 2020 bei 167,1 Mio. EUR nach
214,8 Mio. EUR per Jahresende 2019, insbesondere infolge der vorzeitigen Tilgung von Schuld-
scheindarlehen am Jahresanfang und der planmäßigen Tilgung mit einer Nominale in Summe von
35,0 Mio. EUR. Unter Abzug der liquiden Mittel von 145,0 Mio. EUR (Jahresende 2019:
141,4 Mio. EUR) ergab sich daher eine Nettoverschuldung von 22,1 Mio. EUR per 31. Dezember 2020
(Nettoverschuldung zu Jahresende 2019: 73,5 Mio. EUR). Die Kennzahl Net Debt / EBITDA betrug per
31. Dezember 2020 damit 0,1 (Jahresende 2019: 1,1).
Die Rückstellungen inklusive Sozialkapital stiegen vor allem durch die Dotierung Leistungsboni
aufgrund der verbesserten Performance auf 76,6 Mio. EUR an (2019: 67,4 Mio. EUR). Die übrigen
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
12
Verbindlichkeiten (sonstige Verbindlichkeiten, laufende Ertragsteuern und sonstige finanzielle Verbind-
lichkeiten) stiegen insbesondere durch höhere Verbindlichkeiten aus laufenden Steuern infolge des
guten Ergebnisses auf 91,1 Mio. EUR nach 65,3 Mio. EUR per Ende 2019.
Der bestehende – und zur Gänze ungenützte – Rahmenkreditvertrag wurde am Anfang des Jahres
neu verhandelt. Wesentliche Konditionen wurden neu vereinbart, das Volumen (und damit die Bereit-
stellungsgebühren) wurde von 150 Mio. EUR auf 75 Mio. EUR reduziert. Als ergänzende, potentiell
liquiditätsstärkende Maßnahme wurde im August 2020 eine Kreditlinie unter günstigen Bedingungen
in Höhe von 15,0 Mio. EUR im Rahmen des Kontrollbank-Refinanzierungsrahmens der Österreichischen
Kontrollbank AG (OeKB) abgeschlossen, eine Inanspruchnahme der Kreditlinie erfolgte allerdings bisher
nicht.
Hybridkapital
Im Dezember 2017 hat der Vorstand der Semperit AG Holding einen Vertrag über eine Hybridkapital-
Linie in Höhe von bis zu 150 Mio. EUR mit der B&C Holding GmbH unterzeichnet. Im Oktober 2020
wurde die Forderung aus der Hybridkapital-Linie an die B&C Holding Österreich GmbH übertragen.
Die Mehrheitsgesellschafterin der Semperit AG Holding, die B&C KB Holding GmbH, ist ein
100%iges Tochterunternehmen der B&C Holding Österreich GmbH. Das Hybridkapital ist bilanzrecht-
lich nach den Vorschriften der IFRS als Eigenkapital zu qualifizieren. Im März 2018 erfolgte eine Auf-
nahme von 130,0 Mio. EUR aus dem Hybridkapital.
Im August 2020 wurde die nicht gezogene Linie in der Höhe von 20,0 Mio. EUR storniert. Des
Weiteren wurde im Berichtsjahr die freiwillige Rückzahlung des Hybridkapitals beschlossen. Im Zuge
dessen wurden im dritten Quartal 2020 20,0 Mio. EUR und im vierten Quartal 80,0 Mio. EUR zurück-
gezahlt. Das noch ausständige Hybridkapital in der Höhe von 30,0 Mio. EUR. soll spätestens im April
2021 zurückgezahlt werden.
Im Geschäftsjahr 2020 wurden „Zinsen“ (Zahlung von Hybridkupons) für das Hybridkapital in der
Höhe von 7,8 Mio. EUR bezahlt, im Vergleich zu Ende September 2019, als für die Periode von März
2018 bis September 2019 „Zinsen“ in der Höhe von 10,5 Mio. EUR bezahlt wurden. Für weitere
Details siehe Anhang 5.2 Hybridkapital.
Cashflow
Der Cashflow aus dem Ergebnis betrug im Geschäftsjahr 2020 193,7 Mio. EUR nach 46,7 Mio. EUR im
Geschäftsjahr 2019 infolge des guten operativen Ergebnisses.
Der Cashflow aus der Betriebstätigkeit betrug im Geschäftsjahr 2020 192,9 Mio. EUR (2019:
90,2 Mio. EUR), vor allem bedingt durch die höhere Profitabilität.
Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit lag im Geschäftsjahr 2020 bei –16,7 Mio. EUR und
damit absolut unter dem Vorjahresvergleichswert von –29,4 Mio. EUR. Dies ist vor allem auf die
geringere Investitionstätigkeit mit Fokus auf Erhaltungsinvestitionen zurückzuführen. Zudem erfolgten
Anlagenverkäufe (Grund und Gebäude in China, einzelne Assets in Dalheim/Deutschland) und die
Beteiligungsveräußerung Synergy Health Allershausen GmbH in Deutschland. Der Free Cashflow war
damit positiv bei 176,2 Mio. EUR und beinahe dreimal so hoch wie im Vorjahr (2019: 60,8 Mio. EUR).
Der Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit mit –161,3 Mio. EUR lag im Geschäftsjahr 2020 unter
dem Vorjahreswert (2019: –43,4 Mio. EUR). Der Wert im Geschäftsjahr 2020 ist vor allem bedingt durch
die Rückzahlung zweier Tranchen des Hybridkapitals wie auch durch Tilgungen von Schuldscheindarle-
hen und die Rückführung von kurzfristigen Bankkrediten. Geringere Zinszahlungen wirkten entlastend.
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
13
Investitionen
Die zahlungswirksamen Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte lagen im
Geschäftsjahr 2020 mit 26,4 Mio. EUR unter dem Vorjahresniveau von 31,9 Mio. EUR. Die Schwer-
punkte bildeten überwiegend kapazitätserhaltende Investitionen und nur zum geringeren Teil Erwei-
terungsinvestitionen. Die größten Investitionen fanden in Deutschland (7,2 Mio. EUR), Österreich
(5,8 Mio. EUR), Polen (4,5 Mio. EUR), Malaysien (3,7 Mio. EUR) und in Tschechien (1,8 Mio. EUR) statt.
Ein Gutteil der Investitionen in die deutschen Werke betrifft Maschinenlieferungen für den zukünfti-
gen Standortausbau des Segments Semperseal in den USA.
Geschäftsbeziehungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen
Bezüglich der Angaben zu den Geschäftsbeziehungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen
wird auf den Konzernanhang verwiesen.
Zusätzliche Angaben
Zweigniederlassungen
Eine Zweigniederlassung besteht in der Triester Bundesstraße 26, 2632 Wimpassing, Österreich.
Corporate Governance
Der Corporate Governance Bericht ist im Internet unter www.semperitgroup.com/ir, Menüpunkt
Corporate Governance abrufbar. Der Direktlink zu dem Bericht lautet:
www.semperitgroup.com/ir/corporate-governance/corporate-governance-berichte.
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
14
Entwicklung der Sektoren und Segmente
Sektor Industrie
Die Ergebnisse des Sektors Industrie werden seit Anfang 2020 in der neuen Struktur berichtet: Der
Sektor besteht aus vier Segmenten (Semperflex, Sempertrans, Semperseal und Semperform), nach-
dem das frühere Segment Semperform in zwei separate Segmente aufgeteilt wurde: Semperseal, das
sich mit Dichtungsprofilen und Elastomerplatten beschäftigt und Semperform, wo nach wie vor die
Business Units Handläufe, Seilbahnringe, Skifolien und Engineered Solutions (SES) zusammengefasst
sind.
Der Sektor Industrie – allen voran Semperflex – wurde wie erwartet einerseits von dem seit 2019
erkennbaren konjunkturellen Abschwung, andererseits von den Auswirkungen der Corona-Pandemie
getroffen.
Positive Wirkung zeigten hingegen die Vorkehrungen, die das Management getroffen hat. Die
Maßnahmen des Anfang 2018 gestarteten, laufenden Restrukturierungs- und Transformationspro-
grammes sorgten dafür, dass die Segmente bei Ausbruch der Pandemie auf einem widerstandsfähi-
gen Fundament standen, während die für 2020 geplanten Transformationsmaßnahmen durch die
Krise sogar noch weiter beschleunigt wurden. Die laufende Analyse förderte auch eine schnelle
Reaktion des Managements. Durch die gesteigerte Kundennähe, striktes Kostenmanagement und
andere rasch implementierte Gegenmaßnahmen, um der Krise entgegenzusteuern, konnten die
negativen Wirkungen in Summe teilweise kompensiert werden. Der Umsatz des Sektors ging nichts-
destotrotz in Summe von 547,2 Mio. EUR um 12,6% auf 478,4 Mio. EUR zurück.
Der Sektor Industrie war auf die wirtschaftliche Abkühlung in 2020 bereits vorbereitet. Das
EBITDA nahm zwar aufgrund des Umsatzrückgangs ebenfalls um 12,4% auf 76,6 Mio. EUR ab, die
EBITDA-Marge konnte im Geschäftsjahr 2020 allerdings trotzdem konstant gehalten werden (16,0%
in 2020 gegenüber 16,0% in 2019). Ausgelöst durch die angespannten Marktentwicklungen musste
am Ende des ersten Halbjahres im Segment Sempertrans eine Wertminderung von langfristigen
Vermögenswerten vorgenommen werden (für nähere Details siehe Anhang 3.2). Das EBIT des Sektors
ging im Geschäftsjahr 2020 infolge dessen überproportional, um 46,7% auf 32,4 Mio. EUR und die
EBIT-Marge von 11,1% auf 6,8% zurück. Das bereinigte EBIT lag hingegen, konsistent mit der Um-
satz- und EBITDA-Entwicklung, bei 52,2 Mio. EUR um –14,2% unter dem Vorjahresniveau, die berei-
nigte EBIT-Marge lag mit 10,9%, beinahe auf Vorjahresniveau (2019: 11,1%).
in
Mio. EUR 2020
1)
Veränderung 2019
Umsatzerlöse
478,4 –12,6% 547,2
EBITDA bereinigt
76,6 –12,4% 87,5
EBITDA
-Marge bereinigt 16,0% +0,0 PP 16,0%
EBITDA
76,6 –12,4% 87,5
EBITDA
-Marge 16,0% +0,0 PP 16,0%
EBIT bereinigt
52,2 –14,2% 60,9
EBIT
-Marge bereinigt 10,9% –0,2 PP 11,1%
EBIT
32,4 –46,7% 60,9
EBIT
-Marge 6,8% –4,3 PP 11,1%
Zugänge zu Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte
22,5 –1,1% 22,7
Mitarbeiter (Stichtag)
3.465 –3,8% 3.601
1)
2020: bereinigt um den negativen Sondereffekt der Wertminderung im Segment Sempertrans (2020 EBIT Wirkung: –19,8 Mio. EUR)
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
15
Segment Semperflex
Die allgemein rückläufige Marktentwicklung aufgrund der seit 2019 zunehmenden konjunkturellen
Abkühlung zusammen mit den negativen Effekten der Corona-Krise kennzeichneten das Ergebnis des
Segments Semperflex im Geschäftsjahr 2020. Ein erster Effekt der Corona-Krise war durch deutliche
Verzögerungen in der inbound Supply Chain sowie dem zehntägigen Shutdown in China nach dem
chinesischen Neujahr spürbar. Die verringerte Marktnachfrage spiegelte sich anschließend auch in
einem niedrigen Auftragseingang bzw. auch in einem Stand des Auftragsbuchs unter dem Niveau des
Geschäftsjahres 2019 wider. Dies gilt für Hydraulikschläuche ebenso wie für Industrieschläuche. Die
Auslastung der Kapazitäten war entsprechend der geringeren Nachfrage niedriger als im Vorjahr. Gegen
Ende des Jahres konnte die Auftragslage wieder verbessert werden. Getrieben wurde dies durch den
gesteigerten Optimismus der Semperflex-Kunden und durch deren im Vergleich zu den Vorquartalen
leicht gestiegenen Bedarf. Globale Lieferanteilsgewinne nährten das Auftragsbuch zusätzlich.
Der Umsatzrückgang im Vergleich zur unterjährigen Entwicklung konnte durch eine leichte Entlas-
tung im vierten Quartal etwas reduziert werden. Auf Jahressicht trugen die vollständige Erholung des
chinesischen Inlandsmarktes sowie innovative Markteinführungen von neuen Industrieschläuchen
dazu bei, den Umsatzrückgang im Vergleich zum Gesamtmarkt geringer zu halten. Der Umsatz lag
somit um 14,7% unter jenem im Geschäftsjahr 2019. Dank der gesteigerten Effizienz infolge der
Restrukturierungsmaßnahmen der letzten Jahre sowie der bereits seit Jahresbeginn eingesetzten
Gegenmaßnahmen im Fixkostenbereich fiel der EBITDA-Rückgang mit –12,6% moderater aus. Das
EBITDA lag im Geschäftsjahr 2020 bei 41,9 Mio. EUR (Geschäftsjahr 2019: 47,9 Mio. EUR). Die
EBITDA-Marge konnte somit trotz des Umsatzrückgangs und der steigenden Kosten insbesondere
gegen Ende des Jahres leicht verbessert werden und erreichte 22,1% im Geschäftsjahr 2020. Das
EBIT lag analog um –14,1% unter dem Vorjahresniveau, während die EBIT-Marge konstant gehalten
werden konnte.
Kennzahlen
Semperflex
in Mio.
EUR
2020 Veränderung 2019
Umsatzerlöse
189,9 –14,7% 222,7
EBITDA
41,9 –12,6% 47,9
EBITDA
-Marge 22,1% +0,5 PP 21,5%
EBIT
30,9 –14,1% 36,0
EBIT
-Marge 16,3% +0,1 PP 16,2%
Zugänge zu Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte
5,1 –50,0% 10,2
Mitarbeiter (Stichtag)
1.571 –6,0% 1.672
Segment Sempertrans
Die Entwicklung des Segments Sempertrans war einerseits von dem seit Ende 2019 erkennbaren
Abschwung der Konjunktur, andererseits von der Unsicherheit durch die Corona-Krise ab dem zwei-
ten Quartal 2020 gekennzeichnet. Ende März musste das Werk in Indien für rund 30 Arbeitstage
aufgrund der landesweiten Schließungsvorgabe im Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen ge-
sperrt werden.
Der weltweite Bergbau war insbesondere ab dem zweiten Quartal von lokalen Lock-Downs be-
troffen; damit einhergehend wurden auch die geplanten Expansionsprojekte zum Teil entweder im
Volumen reduziert oder verschoben. Infolge dessen war der Stand der Auftragsbücher nach einer
leichten Erholung zu Jahresbeginn rückläufig und erreichte einen Tiefstand im Sommer. Gegen Ende
des Jahres 2020 konnte neuerlich eine leichte Erholung verzeichnet werden. Ausgelöst durch die
angespannte Marktsituation wurde im Segment Sempertrans bereits zu Ende des zweiten Quartals
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
16
ein Wertminderungsbedarf festgestellt, der Wert lag Ende 2020 bei 19,8 Mio. EUR (für nähere Details
siehe Anhang 3.2).
Der Umsatzrückgang im Geschäftsjahr 2020 lag aufgrund geringerer Nachfrage daher bei –15,6%
im Vergleich mit dem Geschäftsjahr 2019.
In den ausgewiesenen Zahlen im Geschäftsjahr 2019 war ein Gewinn von 1,3 Mio. EUR aus dem
Verkauf von Sachanlagen des im Geschäftsjahr 2018 geschlossenen Produktionsstandorts in China
enthalten. Auch dies trug zur Erhöhung der Profitabilität in der Vorjahresperiode bei. Die EBITDA-
Marge ging im Geschäftsjahr 2020 auf 7,7% zurück (10,1% im Geschäftsjahr 2019). Infolge der Wert-
minderung wurde ein negatives EBIT ausgewiesen, die EBIT-Marge betrug damit einhergehend im
Geschäftsjahr 2020 –13,2% (6,7% im Geschäftsjahr 2019). Das bereinigte EBIT war zwar positiv, die
bereinigte EBIT-Marge lag allerdings mit 4,3% unter dem Vergleichswert von 6,7%.
Sempertrans
in Mio.
EUR 2020
1)
Veränderung 2019
Umsatzerlöse
113,1 –15,6% 134,0
EBITDA bereinigt
8,7 –35,6% 13,5
EBITDA
-Marge bereinigt 7,7% –2,4 PP 10,1%
EBITDA
8,7 –35,6% 13,5
EBITDA
-Marge 7,7% –2,4 PP 10,1%
EBIT bereinigt
4,9 –45,1% 8,9
EBIT
-Marge bereinigt 4,3% –2,3 PP 6,7%
EBIT
–14,9 >100% 8,9
EBIT
-Marge –13,2% –19,8 PP 6,7%
Zugänge zu Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte
4,6 –2,7% 4,7
Mitarbeiter (Stichtag)
917 –2,3% 939
1)
Bereinigt um den negativen Sondereffekt der Wertminderung im Segment Sempertrans (2020 EBIT Wirkung: –19,8 Mio. EUR)
Segment Semperseal
Das neue, seit Anfang 2020 separat geführte Segment Semperseal verzeichnete im Vergleich zum
Geschäftsjahr 2019 einen Umsatzrückgang. Im Vergleich zum wirtschaftlichen Abschwung 2019 gab es im
ersten Quartal 2020 eine leichte konjunkturelle Erholung; durch die einsetzende Corona-Krise kam es
jedoch zu einer deutlich schwächeren Nachfrage in der Bauwirtschaft und in den Industriemärkten. Unter-
stützt durch eine äußerst zuverlässige Belieferung der Kunden konnten leichte Marktanteilsgewinne
verzeichnet werden. Die Auftragslage bewegte sich im Durchschnitt unter dem Vorjahresniveau. Kurzfris-
tig höhere Auftragseingänge zur Lageraufstockung auf Kundenseite nahmen im Laufe des zweiten Quar-
tals infolge von Unsicherheiten durch die Corona-Krise wieder ab. Im dritten Quartal zeigte sich für
Semperseal hingegen eine Erholung der wirtschaftlichen Lage, die auch im vierten Quartal anhielt.
Gleichzeitig konnten die seit Beginn der Pandemie gesetzten Gegenmaßnahmen wie auch die grundsätz-
lich gesteigerte Effizienz nach den umfassenden Restrukturierungsmaßnahmen der letzten Jahre die
negativen Wirkungen von Corona etwas abschwächen. Nach den erfolgreichen Restrukturierungsmaß-
nahmen wurde zu Ende des Jahres 2020 mit dem Signing des Vertrags auch der erste kleine Akquisiti-
onsschritt im Rahmen der strategischen Industriegummifokussierung gesetzt: Die M&R Dichtungstechnik
GmbH ist in der Entwicklung, der Herstellung und dem Handel von elastomeren Dichtelementen, insbe-
sondere für hoch individualisierte Objektfassaden, tätig. Durch die Übernahme von M&R kann Kunden
künftig eine breitere Produktpalette angeboten und der Ausbau des Geschäftes mit individuellen Fassa-
den beschleunigt werden.
Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2019 war ein Rückgang des Umsatzes (–5,9%) zu verzeichnen.
Das EBITDA konnte infolge der operativen Verbesserungen und der verstärkten Konzentration auf
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
17
Industriemärkte leicht über das Vorjahresniveau gesteigert werden. Die Profitabilität konnte daher
ebenfalls leicht verbessert werden: Die EBITDA-Marge lag bei 11,8% (Geschäftsjahr 2019: 10,5%), die
EBIT-Marge betrug 5,5% (Geschäftsjahr 2019: 4,0%).
Die ersten Schritte zur regionalen Bearbeitung der nordamerikanischen Märkte haben bislang
erfreuliche Marktreaktionen gebracht. Geschäfte in den USA, Russland und China haben sich sehr
positiv entwickelt. In den USA konnten sowohl das Bestandsgeschäft ausgebaut als auch neue Kun-
den gewonnen werden, in Russland erfolgt seit Mitte des Jahres der Launch der Marke Arti zur Be-
dienung der lokalen Fensterindustrie und in China wurde ein eigenes Semperit-Dichtungssystem
erfolgreich eingeführt. Im Rahmen des verstärkten Fokus auf nachhaltige Produktinnovationen wurde
im Bereich der Flachdichtungen der Green Evo Star am Markt vorgestellt, welcher unseren CO2-
Footprint um 35% reduziert und 70% biologisch erneuerbare Inhaltstoffe enthält.
Kennzahlen Semperseal
1)
in Mio.
EUR 2020 Veränderung 2019
Umsatzerlöse
93,6 –5,9% 99,5
EBITDA
11,0 5,6% 10,4
EBITDA
-Marge 11,8% +1,3 PP 10,5%
EBIT
5,1 28,4% 4,0
EBIT
-Marge 5,5% +1,5 PP 4,0%
Zugänge zu Sachanlagen und
immaterielle Vermögenswerte 9,2 97,3% 4,7
Mitarbeiter (Stichtag)
457 –2,5% 469
1)
Die Business Units Dichtungsprofile und Elastomerplatten wurden vom Segment Semperform getrennt und ab 1. Jänner 2020 als eigenes
Segment unter dem Namen Semperseal geführt. Vergleichswerte für 2019 wurden entsprechend angepasst.
Segment Semperform
Das Segment Semperform verzeichnete im gesamten Portfolio, aber insbesondere im Geschäftsbereich
Special Applications einen Nachfragerückgang. Dieser lässt sich auf die signifikant niedrigere wirtschaft-
liche Aktivität in der Tourismusbranche (rd. 30% niedriger) seit dem Ausbruch der Pandemie in Europa
im Februar 2020 zurückführen und trifft Semperit beim Geschäft mit Seilbahnringen und Skifolien. Dies
setzt sich in den im Vergleich zum Vorjahr niedrigeren Umsätzen im Geschäftsjahr 2020 fort, wenn-
gleich dieser geringer ausfiel als am Gesamtmarkt. Die europäischen Märkte der Business Unit Engi-
neered Solutions haben sich im zweiten Halbjahr nach Wiederaufnahme des Betriebs auf Kundenseite
im Sommer inzwischen wieder stabilisiert, wodurch sich auch eine V-Förmige Erholungskurve ab-
zeichnet.
Der asiatische (insbesondere der chinesische) Markt für Handläufe konnte sich bereits früher im Jahr
gut erholen und auf einem gesunden Niveau bleiben, während der europäische und der US-Markt für
Handläufe unter dem Niveau des Geschäftsjahres 2019 liegen. Die zahlreichen und langandauernden
Corona-Lock-Downs haben die Kundenaktivität in diesen Regionen deutlich gebremst. Die Visibilität
in Bezug auf die kommende Entwicklung von Rolltreppenproduzenten, bzw. Ersatzteil-Services bleibt
kurz- und mittelfristig – solange das Personenaufkommen an Flughäfen, Bahnhöfen und in Shopping-
Center stark dezimiert ist – nach wie vor unklar.
Gemessen an der Vergleichsperiode des Vorjahres war der Umsatz um 10,3% niedriger. Das Kos-
tenniveau für Rohmaterialien hat seinen Tiefpunkt zur Jahresmitte erreicht und verzeichnet seither
eine deutliche Steigerung. Dank der profitabilitätssteigernden Maßnahmen, wie z.B. ein besserer
Portfolio-Mix, wertorientierte Preisbildung, niedrigere SG&A-Aufwendungen sowie bereits seit dem
Frühjahr entsprechend gesetzte Corona-Gegenmaßnahmen, kamen die EBITDA- und EBIT-Margen
trotz niedrigerer Mengen nicht unter Druck: die EBITDA-Marge betrug 18,3% (Geschäftsjahr 2019:
17,1%), die EBIT-Marge 13,8% (Geschäftsjahr 2019: 13,1%).
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
18
Semperform
1)
in Mio.
EUR
2020 Veränderung 2019
Umsatzerlöse
81,8 –10,3% 91,1
EBITDA
15,0 –3,9% 15,6
EBITDA
-Marge 18,3% +1,2 PP 17,1%
EBIT
11,3 –5,8% 12,0
EBIT
-Marge 13,8% +0,6 PP 13,1%
Zugänge zu Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte
3,6 12,9% 3,2
Mitarbeiter (Stichtag)
520
–0
,3%
521
1)
Die Business Units Dichtungsprofile und Elastomerplatten wurden vom Segment Semperform getrennt und ab 1. Jänner 2020 als eigenes
Segment unter dem Namen Semperseal geführt. Vergleichswerte für 2019 wurden entsprechend angepasst.
Sektor Medizin: Segment Sempermed
Die Entwicklung des Segments Sempermed war im Geschäftsjahr 2020 durch zwei wesentliche Fakto-
ren gekennzeichnet. Einerseits konnten die operative Effizienz und die Produktionsmengen infolge
der erfolgreichen Restrukturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre – trotz herausforderndem
Marktumfeld auf der Beschaffungsseite – nachhaltig gesteigert werden. Alle Produktionswerke in
Österreich, Ungarn und Malaysia erzielten historische Bestmarken. Andererseits waren infolge der
Corona-Pandemie – insbesondere seit dem zweiten Quartal – sowohl bei Untersuchungs- und
Schutzhandschuhen wie auch nach Operationshandschuhen eine deutliche Nachfragesteigerung und
ein marktseitig getriebener Anstieg des Preisniveaus zu beobachten. Aus diesen Faktoren resultierte
für 2020 ein Umsatzanstieg von 53,1% gegenüber dem Vorjahr.
Ausgelöst durch die im Vergleich zu den Vorjahren geänderte Marktsituation wurde im zweiten
Quartal 2020 eine Wertaufholung erfasst, der Wert lag Ende 2020 bei 86,2 Mio. EUR (für nähere Details
siehe Anhang 3.2).
Neben den positiven Wirkungen von Corona auf das Medizin-Geschäft zeigten die Maßnahmen
des Restrukturierungs- und Transformationsprozesses ihre nachhaltig positiven Auswirkungen nicht
nur in der gesteigerten Produktionsmenge und dem Umsatzanstieg, sondern auch bei der Produktivi-
tät, den Produktionskosten und Profitabilität: Das EBITDA lag im Geschäftsjahr 2020 bei
150,4 Mio. EUR nach 5,5 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2019, welche auch einen positiven Einmaleffekt von
4,0 Mio. EUR aus der Auflösung einer Rückstellung für Steuerverfahren zu Verkehrssteuern in Brasilien
beinhalteten. Das EBIT betrug auch infolge der zusätzlichen positiven Wirkung der Wertaufholung
224,9 Mio. EUR nach –50,2 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2019, als im Gegensatz dazu noch eine Wertmin-
derung von 48,8 Mio. EUR erfasst werden musste. Das um die Wertaufholung bereinigte EBIT verbesser-
te sich ebenfalls deutlich, auf 138,7 Mio. EUR gegenüber dem bereinigten EBIT der Vergleichsperiode
des Vorjahres (–5,5 Mio EUR).
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
19
Kennzahlen
Sempermed
in Mio.
EUR 2020
1)
Veränderung 2019
2)
Umsatzerlöse
449,2 53,1% 293,3
EBITDA bereinigt
150,4 >100% 1,4
EBITDA
-Marge bereinigt 33,5% +33,0 PP 0,5%
EBITDA
150,4 >100% 5,5
EBITDA
-Marge 33,5% +31,6 PP 1,9%
EBIT bereinigt
138,7 >100% –5,5
EBIT
-Marge bereinigt 30,9% +32,8 PP –1,9%
EBIT
224,9 >100% –50,2
EBIT
-Marge 50,1% +67,2 PP –17,1%
Zugänge zu Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte
5,0 –37,9% 8,0
Mitarbeiter (Stichtag)
3.337 5,4% 3.165
1)
2020: bereinigt um den positiven Sondereffekt der Wertaufholung im Segment Sempermed (2020 EBIT Wirkung: +86,2 Mio. EUR)
2)
2019 bereinigt um den positiven Sondereffekt aus der Auflösung einer Rückstellung für das Steuerverfahren zu Verkehrssteuern in Brasilien
(EBITDA, EBIT: EUR 4,0 Mio.), wie auch um die negative Wirkung der Wertminderungen für das Segment Sempermed (EBIT: –48,8 Mio. EUR)
Nachhaltigkeit
Für das Geschäftsjahr 2020 veröffentlichte die Semperit-Gruppe ihren vierten eigenständigen Nach-
haltigkeitsbericht. Der Bericht gibt einen Überblick über die verschiedenen Aktivitäten, Entwicklun-
gen und Kennzahlen im Rahmen der wesentlichen Themen und gliedert sich nach den Bereichen:
Umwelt, Soziales und Governance (ESG). Neben Themen wie Energie, Treibhausgasemissionen,
Materialeinsatz, Gesundheit & Sicherheit sowie Compliance & Anti-Korruption finden sich dort allge-
meine Informationen zur Organisation der Nachhaltigkeit im Konzern, nähere Infos zum Umgang mit
CoViD-19 oder weitere klima-relevante Informationen gemäß TCFD – Task force for climate-related
financial disclosure. Die Nachhaltigkeitsberichte der Semperit Gruppe können online auf der Sempe-
rit Website aufgerufen werden: www.semperitgroup.com/nachhaltigkeit.
Mitarbeiter
Der Personalstand per 31. Dezember 2020 lag mit 6.943 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (FTE,
Vollzeitäquivalent) um 0,6% über dem Niveau zum 31. Dezember 2019 (6.902). Im Sektor Industrie
ging die Mitarbeiterzahl in allen Segmenten zurück, hingegen ist die Anzahl der Mitarbeiter im Sektor
Medizin leicht gestiegen. In der Betrachtung nach Segmenten sind rund 48% aller Mitarbeiter im
Segment Sempermed beschäftigt (Geschäftsjahr 2019: 46%). Im Segment Semperflex arbeiten rund
23%, im Segment Sempertrans 13% und in den nun separaten Segmenten Semperform und Semp-
erseal jeweils 7% (per 31. Dezember 2019: Semperflex 24%, Sempertrans 14%, Semperform 8% und
Semperseal 7%).
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
20
Forschung und Entwicklung
Das Forschungs- & Entwicklungs-Team (F&E-Team) der Semperit-Gruppe arbeitet kontinuierlich an
der Entwicklung innovativer Werkstoffe und Produkte sowie der Verbesserung von Fertigungsprozes-
sen. Themen wie die Ressourcen- und Energieeffizienz, Berücksichtigungen der Lebenszyklusperspek-
tive sowie die Gesundheits- und Umweltverträglichkeit in der Produktanwendung stehen dabei an
oberster Stelle. Im Geschäftsjahr 2020 betrugen die Ausgaben im Bereich Forschung und Entwick-
lung beinahe unverändert rund 14,7 Mio. EUR (15,5 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2019) und damit rund
1,6% des Umsatzes (1,8% im Geschäftsjahr 2019).
Das konzernweit implementierte Innovationsmanagement ist das Herzstück aller F&E-Tätigkeiten
und umfasst die systematische Identifikation von Potenzialen, die Auswahl passender Ideen, die
Risikoanalyse hinsichtlich der Auswirkung der Produkte auf Umwelt und Mensch sowie ein erfolgrei-
ches Projektmanagement.
Das F&E-Team gliedert sich in einen zentralen und mehrere dezentrale Bereiche. Der zentrale Be-
reich, der teilweise im F&E-Zentrum in Wimpassing lokalisiert ist, beschäftigt sich neben Grundlagen-
projekten auch mit der Materialentwicklung und der zentralen Prozessentwicklung sowie mit der
Steuerung der gruppenweiten Aktivitäten. Der dezentrale Teil auf Segment-Ebene arbeitet gezielt an
Produkt- und Prozessoptimierungen – oft in enger Zusammenarbeit mit Kunden – und wird durch die
Produkt- und Prozessentwicklungsteams der unterschiedlichen Business Units gebildet.
Neben der Zentrale in Wimpassing betreibt Semperit sieben weitere Forschungsstandorte. Zu-
sätzlich werden die meisten Produktionsstätten von On-site-Labors begleitet, die einerseits die täg-
lich anfallenden Qualitätssicherungs-Prozesse durchführen und andererseits auch in F&E-Aktivitäten
involviert sind. Ergänzend zu integrierten und strukturierten Prozessen ist die Kommunikation zwi-
schen den verschiedenen Abteilungen sowie mit wichtigen Stakeholdern wie Kunden und universitä-
ren Forschungseinrichtungen entscheidend.
Aufsichtsrats- und Vorstandsangelegenheiten
In der 131. Hauptversammlung am 22. Juli 2020 sind Mag. Patrick Prügger und Dipl.-Betriebswirt Peter
Edelmann (bereits mit 24. April 2020) auf eigenen Wunsch aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Das
Aufsichtsratsmandat von Mag. Petra Preining ist mit 22. Juli 2020 abgelaufen. In der Hauptversammlung
am 22. Juli 2020 kam es zu Neuwahlen von Dipl.-Ing. Herbert Ortner und Claus Möhlenkamp sowie zu
einer Wiederwahl von Mag. Petra Preining in den Aufsichtsrat der Semperit AG Holding. Als Vorsitzender
des Aufsichtsrates wurde Dr. Walter Koppensteiner, der dem Aufsichtsrat seit 2012 angehört, bestätigt.
Seit 1. Jänner 2020 gehört Kristian Brok, MSc dem Vorstand als Technikvorstand (COO) an, sein
Mandat endet per 31. Dezember 2023. Das Mandat des Finanzvorstandes (CFO) Dipl.-Kfm. Frank
Gumbinger wurde auf eigenen Wunsch per 19. März 2020 beendet, ursprünglich war es bis 30. Juni
2022 verlängert worden. Frau Mag. Petra Preining wurde mit Wirkung vom 20. März bis 11. Oktober
2020 zur interimistischen Nachfolgerin bestellt; währenddessen ruhte ihr Aufsichtsratsmandat. Am
3. Juni 2020 bestellte der Aufsichtsrat der Semperit AG Holding Mag. Gabriele Schallegger per
12.10.2020 zur neuen CFO. Ihre Funktionsperiode läuft bis zum 31. Oktober 2023. Das Vorstands-
mandat von Dr. Felix Fremerey wurde auf eigenen Wunsch per 14. August 2020 beendet, das Ende
der Funktionsperiode wäre ursprünglich am 30. November 2020 gewesen.
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
21
Angaben laut § 243a Abs.1 UGB
Das Grundkapital der Semperit AG Holding betrug zum 31. Dezember 2020 21.358.996,53 EUR und
war auf 20.573.434 Stück nennbetragslose, in jeder Hinsicht gleichberechtigte Stammaktien aufge-
teilt.
Es gibt keine über die allgemeinen Bestimmungen des Aktienrechts hinausgehenden Beschrän-
kungen der Stimmrechte oder die Übertragung von Aktien betreffend.
Die B & C KB Holding GmbH war direkt per 31. Dezember 2020 zu über 50% an der Semperit AG
Holding beteiligt und ist der unmittelbare Mehrheitsgesellschafter der Semperit AG Holding. Die B &
C Privatstiftung ist der oberste beherrschende Rechtsträger. Mittelbar mehrheitlich beteiligter Gesell-
schafter, der einen Konzernabschluss aufstellt und offenlegt, in den die Semperit-Gruppe einbezogen
ist, ist die B & C Holding Österreich GmbH.
Es wurden keine Aktien mit besonderen Kontrollrechten ausgegeben.
Arbeitnehmer, die in Besitz von Aktien sind, üben ihr Stimmrecht bei der Hauptversammlung aus.
Der Vorstand besteht aus bis zu fünf Personen. Mitglieder des Vorstandes werden vom Aufsichts-
rat für einen Zeitraum von höchstens fünf Jahren bestellt. Wiederbestellungen, jeweils für höchstens
fünf Jahre, sind zulässig.
Hinsichtlich der Ernennung und Abberufung der Mitglieder des Aufsichtsrats gilt gemäß Satzung
Folgendes: Die Aufsichtsratsmitglieder werden, falls sie nicht für eine kürzere Funktionsperiode
gewählt werden, für die Zeit bis zur Beendigung der Hauptversammlung gewählt, die über die Entlas-
tung für das vierte Geschäftsjahr nach der Wahl beschließt. Hierbei wird das Geschäftsjahr, in dem
gewählt wird, nicht mitgerechnet. Jedoch scheidet alljährlich mit Beendigung der ordentlichen
Hauptversammlung aus der Zahl der Aufsichtsratsmitglieder mindestens zwei Mitglieder aus dem
Aufsichtsrat aus, wobei Aufsichtsratsmitglieder, die seit der letzten Hauptversammlung aus dem
Aufsichtsrat ausgeschieden sind oder ihr Amt mit Wirkung zum Ablauf der jeweiligen Hauptversamm-
lung niederlegen, auf diese Zahl anzurechnen.
Im Übrigen werden die Ausscheidenden wie folgt bestimmt: In erster Linie scheiden diejenigen
Mitglieder aus, deren Funktionsperiode abläuft. Trifft dies nicht auf mindestens so viele Mitglieder zu,
dass, zusammengerechnet mit anderen Mitgliedern, die seit der letzten Hauptversammlung ausge-
schieden sind oder ihr Amt zum Ablauf der jeweiligen Hauptversammlung niedergelegt haben, zwei
Mitglieder bestimmt werden können, scheiden diejenigen Mitglieder aus, die in ihrer Funktions-
periode am längsten im Amt sind. Ist die Zahl der hiernach für das Ausscheiden in Betracht kommen-
den Mitglieder größer als erforderlich, entscheidet unter diesen Mitgliedern das Los. Das Los ent-
scheidet auch dann, wenn nach den vorstehenden Vorschriften die Ausscheidenden noch nicht be-
stimmt sind. Die Ausscheidenden sind sofort wieder wählbar.
Scheidet ein gewähltes Mitglied während seiner Amtsdauer aus dem Aufsichtsrat aus, so ist eine
Ersatzwahl nur dann unverzüglich vorzunehmen, wenn die Zahl der gewählten Aufsichtsratsmitglieder
unter drei sinkt. Ersatzwahlen erfolgen auf den Rest der Funktionsperiode des ausgeschiedenen
Aufsichtsratsmitglieds, falls die Hauptversammlung bei der Wahl nichts anderes beschließt. Wird ein
Mitglied des Aufsichtsrats durch eine außerordentliche Hauptversammlung gewählt, gilt sein erstes
Amtsjahr mit dem Schluss der nächsten ordentlichen Hauptversammlung als beendet.
Jedes Mitglied des Aufsichtsrats kann sein Amt unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist ohne
Angaben von Gründen durch schriftliche Erklärung an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats zurücklegen.
Beschlüsse der Hauptversammlung bedürfen der einfachen Mehrheit der abgegebenen Stimmen,
soweit nicht das Gesetz zwingend eine größere Mehrheit vorschreibt. In Fällen, in denen eine Kapi-
talmehrheit erforderlich ist, beschließt sie mit einfacher Mehrheit des bei der Beschlussfassung vertre-
tenen Grundkapitals, soweit nicht das Gesetz zwingend eine größere Kapitalmehrheit vorschreibt.
Der Vorstand wurde von der ordentlichen Hauptversammlung am 25. April 2018 ermächtigt mit
Zustimmung des Aufsichtsrats das Grundkapital in den kommenden fünf Jahren ab Eintragung der
Satzungsänderung in das Firmenbuch – allenfalls in mehreren Tranchen – gegen Bar- und/oder Sach-
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
22
einlage um bis zu EUR 10.679.497,23 durch Ausgabe von bis zu 10.286.716 Stück neue auf Inhaber
oder Namen lautende Stückaktien zu erhöhen und die Art der Aktien, den Ausgabekurs und die
Ausgabebedingungen festzulegen. Ebenso wurde der Vorstand ermächtigt mit Zustimmung des
Aufsichtsrats Wandelschuldverschreibungen zu begeben. Damit kann ein Umtausch- oder Bezugs-
recht bzw. eine Umtausch- oder Bezugspflicht auf bis zu 10.286.716 Stückaktien der Gesellschaft
verbunden werden. Das Grundkapital ist gemäß §159 Abs 2 Z 1 AktG um bis zu EUR 10.679.497,23
durch Ausgabe von bis zu 10.286.716 Stück auf Inhaber lautende neue Aktien ohne Nennwert (Stück-
aktien) bedingt erhöht.
Der Vorstand wurde von der ordentlichen Hauptversammlung am 22. Juli 2020 zum Rückkauf und
gegebenenfalls zur Einziehung eigener Aktien bis zum gesetzlich höchst zulässigen Ausmaß von 10%
des Grundkapitals für die Dauer von 30 Monaten ab Beschlussfassung in der Hauptversammlung
gem. § 65 Abs. 1 Z 8 AktG mit Zustimmung des Aufsichtsrats ermächtigt. In der gleichen Hauptver-
sammlung wurde der Vorstand ermächtigt, gemäß § 65 Abs. 1b AktG mit Zustimmung des Aufsichts-
rats eine andere Art der Veräußerung als über die Börse oder durch ein öffentliches Angebot und
über einen allfälligen Ausschluss des Wiederkaufsrechts (Bezugsrecht) der Aktionäre zu beschließen.
Es besteht derzeit kein Aktien-Rückkaufprogramm, die Gesellschaft hält keine eigenen Aktien.
Im Rahmen bestimmter Finanzierungsverträge bestehen Vereinbarungen hinsichtlich Kontroll-
wechsel bei Übernahmen im Sinne des § 243a Abs. 1 Z. 8 UGB.
Entschädigungsvereinbarungen im Sinne des § 243a Abs. 1 Z. 9 UGB bestehen nicht.
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
23
Risikomanagement
Grundprinzipien des Risikomanagements (Enterprise Risk Management)
Die Risikopolitik der Semperit-Gruppe entspricht dem Bestreben, Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten
und den Unternehmenswert der Semperit-Gruppe damit langfristig zu steigern. Neben der Erfüllung
der gesetzlichen Erfordernisse (Compliance) und der Arbeitssicherheit soll auch das Risikobewusst-
sein gesteigert werden und die Erkenntnisse, die sich daraus ergeben, in die operative Arbeit und
strategische Unternehmensentwicklung einfließen.
Dabei steuert die Semperit-Gruppe Risiken, indem diese reduziert, vermieden oder transferiert
werden sollen. Das konzernweite Risikomanagement der Semperit-Gruppe ist integraler Bestandteil
der Planung und Umsetzung der Geschäftsstrategien der Semperit-Gruppe, wobei die Risikopolitik
durch den Vorstand vorgegeben wird. Entsprechend der Organisation und Verantwortungshierarchien
sind alle Konzernunternehmen dazu verpflichtet, dem vorgegebenen Risikomanagementprozess zu
folgen und diesen umzusetzen. Das Enterprise Risk Management ist organisatorisch in der Abteilung
Group Risk Management & Assurance eingeordnet.
Prozess des unternehmensweiten Risikomanagements
(Enterprise Risk Management Prozess)
Die Semperit-Gruppe bedient sich aufeinander abgestimmter interner Kontroll- und Risikomanage-
ment-Systeme, die die Semperit-Gruppe dabei unterstützen, bestandsgefährdende, wesentliche
Risiken und negative Überraschungen frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren. Das größte Gewicht
haben dabei konzernweite Prozesse und Entwicklungen, die dazu dienen, potenzielle Risiken mög-
lichst lange vor wesentlichen Geschäftsentscheidungen abschätzen zu können. Das interne Berichts-
wesen ermöglicht es, solche Risiken im Geschäftsverlauf genauer zu überwachen.
Das Risikomanagement der Semperit-Gruppe basiert auf einem umfassenden Enterprise-Risk-
Management-Ansatz (ERM-Ansatz), der in die Unternehmensorganisation integriert ist. Der ERM-
Ansatz fußt dabei auf einem weltweit anerkannten Rahmenkonzept des Committee of Sponsoring
Organizations of the Treadway Commission (COSO), dem „Enterprise Risk Management – Integrated
Framework“ (2017). Der ERM-Prozess zielt auf eine frühzeitige Identifizierung, Bewertung und Steue-
rung von Risiken ab, die das Erreichen strategischer, operativer, finanzieller, sozialer, Governance- und
Compliance-relevanter, arbeitssicherheitstechnischer, gesundheits- und umweltbezogener (HSEQ)
Ziele des Konzerns im wesentlichen Maß beeinflussen können.
Entlang eines strukturierten Prozesses, der sowohl Elemente des Bottom-up als auch des Top-
down-Ansatzes kombiniert, werden Risiken identifiziert und bewertet. Im Rahmen des ERM-Ansatzes
beträgt der Berichtszeitraum für die Risikoeinschätzung ein Jahr und fünf Jahre, entsprechend der
Mittelfristplanung. Mit der Umstellung auf einen fünfjährigen Risikobetrachtungszeitraum wurde im
Jahr 2019 begonnen.
Das ERM basiert auf einem Nettoprinzip, demgemäß nur Risiken adressiert werden, die nach
Durchführung bestehender (Kontroll-) Maßnahmen verbleiben. Falls mögliche negative Abweichun-
gen bereits im Konzernabschluss, im Budget oder in der Mittelfristplanung berücksichtigt wurden,
werden diese nicht mehr als Risiken aufgezeigt. Der Umsetzungsfortschritt der risikoreduzierenden
Maßnahmen wird regelmäßig nachverfolgt. Dabei wird in der internen Risikoberichterstattung auf
Einzelgesellschaften heruntergebrochen.
Die Abteilung Group Risk Management & Assurance übernimmt die zentrale Koordination, Mode-
ration und Überwachung des strukturierten Risikomanagement-Prozesses für den gesamten Konzern.
Relevante Risiken werden aus verschiedenen Perspektiven priorisiert und in einem weiteren Schritt im
Hinblick auf ihre potenziellen Auswirkungen und ihre Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Der Bot-
tom-up-Identifizierungs- und Priorisierungsprozess wird durch (Remote-)Workshops mit dem jeweili-
gen Management der Semperit-Gesellschaften unterstützt. Dieses Bottom-up-Element stellt sicher,
dass potenzielle neue Risiken auf Managementebene zur Diskussion gestellt und danach, bei Rele-
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
24
vanz, in die Berichterstattung aufgenommen werden. Diese Risiken werden mit der Segmentleitung
(top-down) diskutiert und abgestimmt. Die Einzelberichterstattung erfolgt sofort nach dem jeweiligen
Risiko-Update in den jeweiligen Semperit-Gesellschaften. Mindestens einmal jährlich erfolgt eine
umfassende Risikoberichterstattung der Einzelrisiken samt Aggregation an den Prüfungsausschuss
und Aufsichtsrat. Der reguläre Berichterstattungsprozess wird durch einen Ad-hoc-
Berichterstattungsprozess ergänzt, um auf kritische Themen rechtzeitig aufmerksam zu machen.
Ein ganzheitliches Risikomanagement muss intern wie extern auftretende Trends und Effekte aus
dem Bereich ESG (Environment, Social and Governance) identifizieren, bewerten und managen. Um
aktuelle, aber auch zukünftige Themen entsprechend zu adressieren, führt Semperit jährlich ein „ESG
(Environment, Social and Governance) Risk & Opportunity Assessment“ durch. In einem umfassenden
Prozess – der zeitlich unabhängig vom klassischen Risikoprozess stattfindet – werden gemeinsam mit
dem Group Risk Management die wesentlichen Risiken erarbeitet und evaluiert.
Organisation des Risikomanagements und der Verantwortlichkeiten
Zur Überwachung des ERM-Prozesses und um die Integration und Vereinheitlichung bestehender
Kontrollaktivitäten in Einklang mit den rechtlichen und operativen Anforderungen weiter voranzutrei-
ben, hat der Vorstand das Risikomanagement Board eingerichtet. Dieses Board setzt sich aus CEO,
CFO und Group Risk Management & Assurance zusammen. Bei Bedarf wird auch der COO hinzuge-
zogen. Darüber hinaus werden die Top-Risiken quartalsweise im Vorstand einem Monitoring unterzo-
gen.
Die Abteilung Group Risk Management & Assurance wird von den einzelnen Konzernunternehmen
im Prozess unterstützt. Das Update über die Maßnahmen erfolgt über die Risiko- bzw. Maßnahmenver-
antwortlichen. Versicherbare Risiken werden, soweit ökonomisch sinnvoll, über Versicherungen abge-
deckt (siehe auch „Versicherbare Risiken“).
Die für das Risikomanagement relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen und Grundsätze sind
in der Risk-Management-Guideline festgehalten.
Die Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H. hat die Funktionsfähigkeit des Risiko-
managementsystems der Semperit-Gruppe für das Geschäftsjahr 2020 im Berichtsjahr 2021 gemäß
C-Regel 83 des Österreichischen Corporate Governance Kodex geprüft und bestätigt.
Risikobericht
Die globale wirtschaftliche Entwicklung mit ihren regional stark unterschiedlichen Ausprägungen stellt
die Semperit-Gruppe als international tätige Unternehmensgruppe laufend vor neue Herausforde-
rungen. Die Semperit-Gruppe ist in Ländern aktiv, in denen unterschiedliche wirtschaftliche Rahmen-
bedingungen herrschen. Ebenso befinden sich die Länder in unterschiedlichen Phasen politischer,
rechtsstaatlicher sowie sozialer Entwicklung. Der Erfolg der zwei Sektoren bzw. der fünf operativen
Segmente der Semperit-Gruppe ist aufgrund ihrer strategischen Ausrichtung unterschiedlich stark
von der gesamtwirtschaftlichen Situation abhängig. Zusätzlich prägte die globale Corona-Pandemie
das Geschäftsjahr 2020 durch verstärkte Unsicherheit und stellte die Semperit-Gruppe vor neue
Herausforderungen.
Die weltweite Präsenz und die von unterschiedlichen Marktfaktoren abhängigen Segmente der
Semperit-Gruppe stellen eine Diversifikation und damit Streuung der Risiken dar.
Nachstehend werden ausgewählte Einzelrisiken erläutert. Zusätzlich zu den hier angeführten Risi-
ken bestehen möglicherweise weitere strategische, operative, finanzielle, soziale, Governance-,
Compliance-relevante, arbeitssicherheitstechnische, gesundheits- und umweltbezogene (HSEQ)
sowie sonstige externe Risiken, die der Semperit-Gruppe aktuell noch nicht bekannt oder bewusst
sind. Bei Eintritt eines oder mehrerer bekannter oder unbekannter Risiken besteht die Möglichkeit
erheblicher nachteiliger Auswirkungen auf die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie
die Reputation der Semperit-Gruppe.
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
25
Strategische Risiken
Transformations, Restrukturierungs- und Governance-Risiken
Nach drei Jahren erfolgreicher Restrukturierung, Transformations- und Kostensenkungsinitiativen,
einer Evaluierung des Portfolios der Semperit-Gruppe sowie Anpassungen im Produktionsfootprint,
konnten im Geschäftsjahr 2020 wesentliche Meilensteine wie Margensteigerungen und Effizienzver-
besserungen erreicht werden. Dabei erwiesen sich insbesondere im Corona geprägten Jahr 2020 die
Industriesegmente nach der erfolgreichen Restrukturierung der letzten Jahre als sehr widerstandfähig.
Ebenfalls positiv wirkten im Sektor Medizin höhere Mengen aufgrund der gesteigerten Produktions-
mengen wie auch die höhere Nachfrage zu besseren Margen, die dank erfolgreicher Restrukturierungs-
schritte bedient werden konnte.
Die Modernisierung mancher Management-Informationssysteme bzw. die Implementierung neuer
Strukturen und standardisierter Prozesse ist noch nicht zur Gänze abgeschlossen und könnte daher zu
Risiken der Unternehmenssteuerung führen.
Diesem Risiko wird einerseits durch das Vorantreiben von Projekten zur Transformation im Finanz-
bereich entgegengewirkt. Andererseits sollen diverse Projekte zur Harmonisierung von Prozessen
über die Wertschöpfungskette hinweg sowie zur Standardisierung von IT-Systemen diesem Risiko
gegensteuern.
Es besteht das Risiko, dass die getroffenen Transformations- und Governance-Maßnahmen zeitlich
länger dauern und mit höheren Kosten verbunden sind, sodass ihr tatsächlicher Nutzen geringer ist
als ursprünglich geschätzt, diese später wirken als angenommen oder ihre Wirkung zur Gänze aus-
bleibt. Die Profitabilität der Semperit-Gruppe wird jedenfalls durch die tatsächlich erzielten Einspa-
rungen und die Fähigkeit der Semperit-Gruppe beeinflusst, die fortlaufenden Projekte nachhaltig
umzusetzen.
Technologieentwicklung
Die Märkte, in denen die Semperit-Gruppe agiert, werden nicht nur immer sensitiver im Hinblick auf
Nachhaltigkeit, sondern sind infolge der Einführung innovativer und disruptiver Technologien auch
anderen signifikanten Änderungen unterworfen. Auf dem Gebiet der Digitalisierung (Industrie 4.0)
gibt es Risiken der Substitution von existierenden Produkten sowie neuer Geschäftsmodelle. Darüber
hinaus besteht das Risiko, dass Mitbewerber aufgrund schnellerer Time-to-Market-Strategien ihre
Produkte und Lösungen früher auf den Markt bringen können als die Semperit-Gruppe. Die Entwick-
lung der Ergebnisse hängt stark von der Fähigkeit ab, Änderungen in Märkten zu antizipieren, sich
entsprechend anzupassen sowie die Kosten für die Herstellung der Produkte zu senken. Die im Zu-
sammenhang mit der Einführung neuer Produkte und Technologien ins Leben gerufenen Innovati-
onsprojekte sind mit einem beträchtlichen Einsatz finanzieller Mittel verbunden und nicht immer
erfolgreich. Es könnte zu einem negativen Einfluss auf die Ertragslage führen, wenn Investitionen
nicht den erwarteten Erfolg bringen beziehungsweise nicht die erwartete Marktakzeptanz finden.
Bestehende Patente und andere Rechte am geistigen Eigentum der Semperit-Gruppe können nicht
vollständig verhindern, dass Mitbewerber selbst Produkte, die Semperit-Produkten sehr ähnlich sind
entwickeln und verkaufen. Darüber hinaus besteht nicht für alle Betriebsgeheimnisse die Möglichkeit
der Patentierung. Um die entsprechende Geheimhaltung zu gewährleisten werden Vertraulichkeits-
anweisungen in Dienstverträgen oder Konkurrenzverbote vereinbart.
Kundenbedürfnisse und Markttrends
Es besteht ein inhärentes Risiko für die Semperit-Gruppe, Markttrends nicht rechtzeitig zu erkennen
oder nicht flexibel genug zu sein, die Semperit-Produkte, Produktion und Dienstleistungen zeitge-
recht an Marktänderungen anzupassen. Dies könnte eine nicht wettbewerbsfähige Kostenposition
und einen wesentlichen negativen Effekt auf die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der
Semperit-Gruppe zur Folge haben. So ist zum Beispiel durch die geänderten Rahmenbedingungen
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
26
durch die Corona-Pandemie die Visibilität in Bezug auf die Nachfrage von Kunden des Semperit-
Industriesektors geringer und dadurch risikobehafteter geworden.
Operative Risiken
Risiken der Organisation
Die Ordnung der Semperit-Gruppe in Form einer Matrixorganisation beinhaltet das Matrixorganisati-
onen inhärente Risiko von teilweise Prozessüberlappungen, Inflexibilität und Ineffizienz. Entschei-
dungswege als Reaktion auf marktbedingte oder krisenhafte Entwicklungen sind potenziell mit dem
Risiko einer zeitlichen Verzögerung oder anderen Ineffizienzen behaftet. Die Steuerungssysteme
sowie die Messung von Schlüsselkennzahlen gegenüber internen und externen Benchmarks unterlie-
gen einer fortlaufenden Weiterentwicklung. Aufgrund der dadurch eingeschränkten Transparenz
könnten Fehlentscheidungen getroffen werden. Des Weiteren besteht ein potenzielles Risiko, beste-
hende Wettbewerbsvorteile zu verlieren oder neue nicht generieren zu können.
Risiken von Investitionen und Desinvestitionen
Die Semperit-Gruppe investiert in bestehende Standorte, zum Beispiel mittels Errichtung neuer
Gebäude, Anschaffung neuer Maschinen und Ersatzinvestitionen. Darüber hinaus besteht die Mög-
lichkeit, dass Akquisitionen neuer Unternehmen oder Desinvestitionen (Verkauf, Schließung) beste-
hender Unternehmensteile getätigt werden. Im Zuge solcher Investitionen und Desinvestitionen beste-
hen unter anderem Transaktionsrisken und das Risiko von Fehleinschätzungen und von Altlasten
jeglicher Art.
Durch die Ankündigung der Trennung vom Segment Sempermed besteht in der Belegschaft eine
hohe Unsicherheit, die zu einer vermehrten Fluktuation, reduzierter Produktivität und Know-How-
Verlust führen könnte.
Risiken der Wertschöpfungskette
Die Wertschöpfungskette der Semperit-Gruppe umfasst praktisch alle Stufen, beginnend mit For-
schung und Entwicklung über die Steuerung der Versorgungskette (Supply Chain Management) und
der Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb. Insbesondere können entlang der Wertschöpfungs-
kette Engpässe bei der Rohstoffversorgung entstehen sowie Produktionsunterbrechungen, Aus-
schuss, Qualitätsmängel bei Produkten / Verpackung / Lagerung / Auslieferung auftreten und zu
Mehrkosten, Lieferengpässen bzw. -verzögerungen führen. Des Weiteren können sich daraus Reputa-
tionsschäden und Verluste von Aufträgen sowie potenzielle Produkthaftungs-, Arbeitssicherheits-,
Compliance- und Umweltrisiken ergeben, welche sich negativ auf die Vermögens-, Finanz- und Er-
tragslage der Semperit-Gruppe auswirken können.
Die Ertragslage der Semperit-Gruppe hängt von einer zuverlässigen und effektiven Steuerung der
Versorgungskette für Rohstoffe und Mischungen, wie auch von der Sicherstellung der entsprechen-
den kostenoptimierten logistischen Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel Transportmöglichkeiten,
ab. Kapazitätsbeschränkungen
und
Lieferengpässe – auch vor dem Hintergrund der Corona-
Pandemie – können zu Zeitverzögerungen und zusätzlichen Kosten führen. Bei der Versorgung mit
Rohstoffen und Energie ist die Semperit-Gruppe zur Gänze, bei Mischungen zum Teil auf externe
Lieferanten angewiesen. Dies reduziert die mittelbaren Möglichkeiten der Einflussnahme auf Produk-
tivität, Qualitätssicherung, Liefertermine und Kosten und erhöht das Risiko, nicht rechtzeitig und
angemessen auf sich verändernde Situationen reagieren zu können. Die Corona-Pandemie kann sich
negativ auf die Lieferkette auswirken und zu Unterbrechungen führen, da die Semperit-Gruppe
regelmäßig Rohstoffe aus unterschiedlichen Regionen weltweit bezieht. Die aktive Steuerung des
Lieferantenportfolios sowie ein global ausgerichtetes und konzernweit abgestimmtes Einkaufs- und
Supply-Chain-Managements wirken diesen Risiken entgegen.
Konzernlagebericht
Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
bericht 2020
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Engpässe oder Verzögerungen bei der Versorgung können die Geschäftsaktivitäten der Semperit-
Gruppe erheblich schädigen. Unerwartete Preissteigerungen von Rohmaterialien und Komponenten,
zum Beispiel aufgrund von Marktengpässen, könnten sich ebenfalls negativ auf die Vermögens-,
Finanz- und Ertragslage der Semperit-Gruppe auswirken. Des Weiteren könnte die Semperit-Gruppe
mit dem Risiko von Verzögerungen und Unterbrechungen der Versorgungskette als Auswirkung von
Katastrophen konfrontiert werden, insbesondere wenn es nicht gelingt, alternative Zulieferquellen zu
unterschiedlichen Ländern oder Regionen zu erschließen. Falls die Semperit-Gruppe nicht in der Lage
ist, ausreichende Sicherheit entlang der Beschaffungskette zu erlangen, könnte auch die Reputation der
Semperit-Gruppe beeinträchtigt werden.
Beschaffungsrisiken
Zur Herstellung seiner Produkte kauft die Semperit-Gruppe unter anderem große Mengen an Roh-
stoffen wie Kautschuk (Natur- und Synthesekautschuk), Chemikalien, Füllstoffe und Festigkeitsträger
aus Textil und Stahl sowie Energie (Gas, Strom) ein. Diese Rohstoffe unterliegen größeren Preis-
schwankungen. Preiserhöhungen könnten in Abhängigkeit von der jeweiligen Marktsituation nur in
Teilen beziehungsweise mit Zeitverzug an Kunden weitergegeben werden, weshalb ein Anstieg der
Rohstoffpreise zu einer Ergebnisbelastung führen kann. In einigen Bereichen bestehen auch monopolis-
tische und oligopolistische Versorgungssituationen bei Rohstoff- und Chemielieferanten bzw. bei Ener-
gie- und Wasserversorgern, wodurch die Semperit-Gruppe über lediglich eingeschränkte Verhand-
lungsoptionen verfügt.
Das Management entsprechender Sicherheitsbestände, Multiple Sourcing (d.h. Reduktion der
Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten), der Abschluss langfristiger Verträge und Preisgleitklauseln
mit den Lieferanten wirken diesen Risiken entgegen. Die Semperit-Präsenz in Asien, der weltweit
wichtigsten Region für die Gewinnung von Naturkautschuk, stellt die Nähe zu den Produzenten
entlang der gesamten Wertschöpfungskette sicher.
Darüber hinaus ist das Segment Sempermed zu einem Teil von der Versorgung mit Fertigproduk-
ten durch Dritte abhängig, die sich volatil gestalten kann und wodurch flexible Mengenverschiebun-
gen innerhalb des Lieferantenportfolios notwendig sind.
Ein Engpass von (einzelnen) Rohstoffen oder Fertigprodukten oder Beschränkungen von Importen
oder Ausfall eines wesentlichen Lieferanten kann zu einem massiven Produktionsverlust und zu einer
stark negativen Auswirkung auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Semperit-Gruppe führen.
Produktions- und Auslastungsrisiken
Innerhalb des Semperit-Maschinenparks gibt es (teilweise überalterte) Anlagen, die für die Produkti-
on von maßgeblicher Bedeutung sind und für die es keinen adäquaten Ersatz gibt. Ein wesentlicher
Ausfall einer solchen Maschine würde zu einem (teilweisen) Produktionsausfall und zu negativen
Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Semperit-Gruppe führen.
Dem Ausfallrisiko der Produktionsanlagen wird durch regelmäßige Revision einschließlich vorbeu-
gender Wartung und Instandhaltung entgegengewirkt. Störungen können insbesondere auch durch
Elementarereignisse hervorgerufen werden, die nicht im Einflussbereich der Semperit Gruppe liegen.
Soweit möglich, sind derartige Risiken durch technische Präventivmaßnahmen und durch Versiche-
rungen in einer wirtschaftlich sinnvollen Dimension reduziert.
Qualitätsprobleme können bei Semperit-Produkten auftreten, die entweder durch Rohstoffe mit
Qualitätsproblemen verursacht werden oder aus der Entwicklung oder Produktion dieser Produkte
resultieren. Trotz aller Bemühungen kann das Risiko von Betriebsstörungen, Unfällen, Unterauslastung
und Überlastung von Produktionsstandorten, limitierter Verfügbarkeit von Produktions-, Bewegungs-
und Lagerflächen nicht ausgeschlossen werden. Die angeführten Risiken können zu Lieferverzögerun-
gen und in weiterer Folge zu einem möglichen Verlust von Kunden führen mit möglichen negativen
Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Semperit-Gruppe.
Semperit
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Konzernlagebericht
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Risiken der Informationstechnologie (IT) und des Datenschutzes
Der überwiegende Teil der Produktions- und Steuerungssysteme sowie Serviceleistungen ist von
einer funktionierenden und störungsfreien IT-Landschaft abhängig. Der Ausfall von wesentlichen
Servern und Produktionssteuerungseinheiten, ERP-Systemen, Nichtverfügbarkeiten sowie unautori-
siertes Eindringen in IT-Netzwerke (Cyber-Crime) können zu einem Verlust von nicht mehr aufholbaren
Produktionsmengen, zu Qualitätsbeeinträchtigung oder Lieferverzögerungen führen und damit
nachteilig für die Semperit-Gruppe sein. Wie andere multinationale Unternehmen ist auch die
Semperit-Gruppe dem Risiko von Cyber-Angriffen ausgesetzt. Diese könnten möglicherweise zur
Offenlegung, Verfälschung, Spionage oder zum Verlust von Informationen, Missbrauch von Informati-
onssystemen oder zu Produktfehlern, Produktionsausfällen und Lieferengpässen führen, mit negati-
ven Auswirkungen auf die Reputation und Wettbewerbsfähigkeit und auf die Vermögens-, Finanz- und
Ertragslage der Semperit-Gruppe. Maßnahmen zur Erhöhung der Cyber-Security sind definiert und
werden laufend weiterentwickelt.
Ein zusätzliches Risiko sind selbst entwickelte IT-Systeme und eine große Vielfalt an unterschiedli-
chen Systemen in Anwendung, die ein hohes Maß an manuellen Eingriffen erfordern oder personen-
abhängig sind, wodurch Datenqualität und Prozesse beeinträchtigt sein können. Die Rückverfolgbar-
keit von produzierten Gütern könnte aufgrund fehlerhafter und inexistenter Systeme nicht
gewährleistet sein.
Die unsachgemäße/nicht den gesetzlichen Vorschriften (insbesondere DSGVO) entsprechende
Handhabung von schützenswerten/vertraulichen Daten kann ebenfalls ein Risiko darstellen.
Personalrisiken
Die Semperit-Gruppe benötigt fortwährend hochqualifizierte Mitarbeiter. Der Wettbewerb um quali-
fizierte Mitarbeiter ist in den Regionen, in denen das Unternehmen geschäftlich tätig ist, weiterhin
intensiv. Einige Semperit-Standorte befinden sich in Regionen mit anhaltend niedriger Arbeitslosig-
keit und konstant hoher Nachfrage nach qualifizierten Facharbeitern. Die zukünftige wirtschaftliche
Entwicklung der Semperit-Gruppe wird wesentlich davon bestimmt, dass entsprechend qualifizierte
Fach- und Führungskräfte an den einzelnen Standorten rekrutiert, integriert, weiterentwickelt und
dauerhaft gehalten werden können. Der Abgang von Schlüsselpersonen muss durch rechtzeitig
ausgebildete interne Nachfolger aufgefangen werden. Sollte dies nicht gelingen, ist das Risiko einer
Verschlechterung der Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Semperit-Gruppe gegeben.
Ein Arbeitskräftemangel bzw. Beschränkungen bei der Aufnahme von Gastarbeitern oder beim
Outsourcing, staatliche Mindestlohnregime, Streiks oder Abfluss/unbefugte Weitergabe von Know-
how können zu einer Beeinträchtigung der Produktion sowie Einschränkungen in anderen Unterneh-
mensbereichen führen und damit ebenfalls die Produktivität sowie die Geschäfts-, Vermögens-,
Finanz- und Ertragslage belasten. Dem Risiko eines Personalengpasses durch hohe krankheitsbeding-
te Abwesenheiten während der Corona-Pandemie wird – wie auch in anderen Situationen langfristi-
ger Personalausfälle – mit Stellvertretungen, Flexibilisierung und vorbeugend mittels Schichtmodellen
bei Anwesenheiten und im Home-Office begegnet.
Externe kriminelle Handlungen
Fraud-Attacken (z.B. Email-Fraud, Fake-President-Fraud, etc.) stellen generell ein großes Risiko für
Unternehmen dar. Das Nicht-Erkennen solcher Attacken oder auch das Versagen von Internen Kon-
trollsystemen können nicht zur Gänze ausgeschlossen werden und somit zu einer Verschlechterung
der Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage beitragen. Das IKS-System wie auch laufende
Schulungen sollen diesem Risiko entgegenwirken.
Konzernlagebericht
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Finanzwirtschaftliche Risiken
Wie nach IFRS 7.31 gefordert, erfolgt eine ausführliche Darstellung der finanzwirtschaftlichen Risiken
im Konzernanhang unter Kapitel 11 Risikomanagement. Nachstehend findet sich eine Zusammenfas-
sung und Interpretation.
Kapital-, Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken (Kapitalmanagement)
Kapitalrisiko bezeichnet das Risiko des in Investitionen gebundenen Kapitals. Liquiditätsrisiko (auch
Refinanzierungsrisiko) bezeichnet das Risiko, benötigte Zahlungsmittel für allfällige Zahlungen nicht
oder nur zu erhöhten Refinanzierungskosten beschaffen zu können. Finanzierungsrisiko bezeichnet
das Risiko, dass Finanzierungsinstrumente nicht oder nicht im benötigten Umfang zur Verfügung
stehen und dadurch Zahlungsstörungen oder gar Insolvenz drohen.
Ziel des Kapitalmanagements in der Semperit-Gruppe ist die Sicherstellung der Unternehmens-
fortführung, die Ermöglichung einer wachstumsorientierten organischen und anorganischen Investiti-
onstätigkeit und eine darauf abgestimmte Dividendenpolitik. Das Risiko aus dem Kapitalmanagement
lässt sich in Marktrisiken und Unternehmensrisiken unterteilen.
Marktrisiken, denen die Semperit-Gruppe unterliegt, sind unter anderem politische und wirt-
schaftliche Entwicklungen, die einen negativen Einfluss auf die weltweiten Finanzmärkte haben. Das
können zum Beispiel restriktive Regulierungen des Finanzsektors oder der Politik der Zentralbanken,
die begrenzte Verfügbarkeit von Finanzmitteln, die geänderte Bonität und Handlungsfähigkeit von
Banken bzw. anderen Geldgebern, Änderungen von Zinssätzen oder Beschränkungen bei der Nut-
zung von Finanzinstrumenten sein, die den Handlungsspielraum des Unternehmens im Zusammen-
hang mit der Aufnahme von Finanzierungen beeinflussen bzw. die die Finanzierungskosten und
Einlagekonditionen verschlechtern.
Weiters ist die Semperit-Gruppe im Kapitalmanagement auch Unternehmensrisiken ausgesetzt.
Beispielsweise kann eine Verschlechterung der eigenen Bonität dazu führen, dass sich die Aufnahme
von Finanzmitteln verteuert oder Kreditgeber keine weiteren Finanzierungen gewähren. Auch kann
eine Erhöhung der Kreditrisikoaufschläge aufgrund von Unsicherheit und Risikoaversion an den
Finanzmärkten zu einer negativen Veränderung der Marktwerte der finanziellen Vermögenswerte
führen. Im Zusammenhang mit Kreditverträgen und Schuldscheindarlehen bestehen übliche Kredit-
vertragsklauseln („Covenants“), deren Nicht-Erfüllung bis zu einer Kündigung durch die Geldgeber
führen kann. Des Weiteren existieren Vereinbarungen mit Joint-Venture-Partnern, die einen mögli-
chen Einfluss auf die liquiden Mittel, d.h. den Mittelrückfluss an das Mutterunternehmen haben
könnten.
Die Risiken aus dem Kapitalmanagement können die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Er-
tragslage des Unternehmens signifikant negativ beeinflussen.
Fremdwährungsrisiken
Fremdwährungsrisiken kann man generell in Transaktions- und Translationsrisiken einteilen. Ein Trans-
aktionsrisiko besteht bei Forderungen oder Verbindlichkeiten in einer Fremdwährung, deren Wert
sich durch Wechselkursschwankungen verändern kann. Als Translationsrisiko wird jenes Risiko be-
zeichnet, das bei der Konsolidierung ausländischer Beteiligungen entsteht, deren funktionale Wäh-
rung nicht der EUR ist. Aufgrund der internationalen Handelsbeziehungen sowie der weltweit beste-
henden Tochterunternehmen, ist die Semperit-Gruppe beiden Risiken ausgesetzt.
Transaktionsrisiken bestehen in allen Tochterunternehmen, die zum Beispiel Rohstoffe in einer an-
deren als der funktionalen Währung einkaufen bzw. Produkte in einer anderen als der funktionalen
Währung verkaufen. Die wesentlichen Währungen in diesem Zusammenhang sind US-Dollar, Tsche-
chische Krone, Polnische Zloty, Chinesischer Renminbi und Malaysischer Ringgit. Im Konzernanhang
ist unter Kapitel 11 Risikomanagement/Fremdwährungsrisikomanagement eine Aufgliederung der
Umsatzerlöse nach den wesentlichen Währungen sowie diejenigen Währungspaare angeführt, welche
gegenüber dem Euro und dem US-Dollar bestehen und ein wesentliches Währungsänderungsrisiko
Semperit
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Konzernlagebericht
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beinhalten. Das Translationsrisiko besteht in der Semperit-Gruppe immer dort wo eine Konsolidie-
rung von Jahresabschlüssen in unterschiedlichen Währungen stattfindet.
Darüber hinaus gibt es in manchen Ländern Kapitalverkehrskontrollen, die die Semperit-Gruppe in
ihrer Handlungsfreiheit einschränken. So schränken einige Nationalbanken den Handel mit Währun-
gen und Sicherungsinstrumenten ein.
Die Risiken aus dem Fremdwährungsrisikomanagement können die Geschäfts-, Vermögens-, Fi-
nanz- und Ertragslage der Semperit-Gruppe signifikant negativ beeinflussen.
Zinsrisiken
Zinsrisiken ergeben sich aus der Veränderung von Zinssätzen, sowohl bei variabel als auch bei fix
verzinsten Finanzierungen, in Form des Zinsänderungsrisikos bzw. des Barwertrisikos.
Die externen Finanzierungen der Semperit-Gruppe sind teilweise variabel und teilweise fix ver-
zinst. Bei einem Anstieg der variablen Zinsen führt dies zu einem erhöhten Zinsaufwand. Dem Barwer-
trisiko ist die Semperit-Gruppe ausgesetzt, wenn die fixen Marktzinsen sinken. Einzelne Risikopositio-
nen werden mittels derivativer Finanzinstrumente abgesichert, siehe dazu Konzernanhang Kapitel 11
Risikomanagement / Zinsrisikomanagement.
Die Zinsrisiken können die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens
signifikant negativ beeinflussen.
Ausfallsrisiken von Kunden und Banken
Die Semperit-Gruppe unterliegt dem Ausfallsrisiko in Bezug auf Forderungen gegenüber Kunden.
Falls sich die Bonität der Semperit-Kunden verschlechtert, steigt das Ausfallsrisiko. Kreditrisiken und
das Risiko des Zahlungsverzugs werden über standardisierte Bonitätsprüfungen, definierte Kreditli-
mits sowie Kreditversicherungen gemanagt. Wo Kreditversicherungen nicht greifen, besteht – in
Abhängigkeit der Kundenbonität – ein erhöhtes Risiko für Forderungsausfälle. Der Ausfall eines
wesentlichen Geschäftspartners könnte negative Folgen für das Ergebnis und die Liquidität der
Semperit-Gruppe haben. Aufgrund des durch die Corona-Pandemie gestiegenen Kontrahentenrisikos
könnten sich die Kosten zur Sicherung von Kreditrisiken erhöhen.
Ebenfalls bestehen Ausfallrisiken in Bezug auf die Guthaben, die Semperit-Gruppe bei Banken
hält. Diese Guthaben sind teilweise oder gar nicht über Einlagensicherungsfonds abgesichert. Es
besteht eine Veranlagungsrichtlinie, welche die Höhe der liquiden Mittel, die pro Bank gehalten
werden dürfen, beschränkt und welche die Finanzinstrumente definiert, in welche die überschüssige
Liquidität investiert werden darf. Im Falle eines Konkurses einzelner Banken oder einer erneuten
Banken- und/oder Finanzmarktkrise kann es dazu kommen, dass die Semperit-Gruppe nicht, nur
teilweise oder nur mit Verzögerung auf diese Liquidität oder auf Kreditlinien zugreifen kann.
Die Risiken aus dem Ausfall von Kunden und Banken können die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz-
und Ertragslage des Unternehmens signifikant negativ beeinflussen.
Steuerrisiken
Die Konzernunternehmen der Semperit-Gruppe sind in den jeweiligen Ländern lokaler Steuergesetz-
gebung unterworfen und müssen sowohl Ertragssteuern als auch andere (lokale) Steuern und Gebüh-
ren abführen. Änderungen der Steuergesetze und -regelungen in diesen Jurisdiktionen könnten zu
höheren Steueraufwendungen führen. Die ständige Veränderung und teilweise Verschärfung von
steuerrechtlichen Vorschriften erhöht die Anforderungen an die Tax Compliance zur Einhaltung und
Überwachung dieser Bestimmungen. Unzureichende Kontrollen in den Geschäftsprozessen oder
mangelnde Dokumentation können zur Verletzung von Vorschriften im nationalen und internationalen
Steuerrecht führen und zu negativen Feststellungen in Steuerprüfungen führen.
Ebenso ist ein negativer Einfluss auf die Steuerforderungen und -verbindlichkeiten der Semperit-
Gruppe sowie auf die latenten Steuern möglich. Steuerlich nicht genutzte Verlustvorträge könnten
Gegenstand von steuerlichen Betriebsprüfungen sein und zum Teil hinterfragt werden. Zudem könnte
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Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
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die Unsicherheit im steuerlichen Umfeld mancher Regionen die Möglichkeiten einschränken, eigene
Rechte durchzusetzen. Die Semperit-Gruppe und ihre lokalen Gesellschaften unterliegen regelmäßi-
gen Steuerprüfungen von Finanzbehörden mit möglichen negativen Feststellungen.
Bei Eintritt eines oder mehrerer der oben genannten Ereignisse ist von einer negativen Auswir-
kung auf die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage auszugehen.
Compliance Risiken
Die ständige Verschärfung internationaler Verhaltensrichtlinien und Gesetze erhöht die Anforderun-
gen zur Einhaltung und Überwachung dieser Bestimmungen. Unzureichende Kontrollen in den Ge-
schäftsprozessen oder mangelnde Dokumentation können zur Verletzung von geltenden Regeln
führen und die Reputation sowie den wirtschaftlichen Erfolg durch Compliance-Verstöße gefährden.
Die Semperit-Gruppe begegnet diesem Risiko unter anderem mit einem konzernweit gültigen neuen
„Code of Conduct“ und kontinuierlichen Schulungen für alle Mitarbeiter weltweit, um das Bewusst-
sein für Non-Compliance weiter zu stärken. Auch das implementierte Hinweisgeber („Whistleblo-
wing“) System kann hier einen wertvollen Beitrag leisten, Bedenken und Missbräuche betreffend
unethisches oder rechtswidriges Verhalten aufzuzeigen.
Regulatorische Risiken und potenzielle Sanktionen
Die Semperit-Gruppe unterhält Geschäftsaktivitäten mit Kunden und Lieferanten auch in Ländern wie
Russland, Ukraine oder China, die Export- und Importkontrollregulierungen oder anderen Formen
von Handelsbeschränkungen (zum Beispiel durch die USA und die EU) unterliegen. Neue oder aus-
geweitete Sanktionen in Ländern, in denen die Semperit-Gruppe geschäftlich tätig ist, könnten zu
einer Einschränkung der Versorgung von Rohstoffen und auch der bestehenden Geschäftsaktivitäten
in diesen Ländern oder indirekt in anderen Ländern führen. Zudem könnte die Semperit-Gruppe
aufgrund der Beendigung ihrer Geschäfte in Ländern, die Sanktionen unterliegen, Ansprüchen oder
anderen Maßnahmen von Kunden ausgesetzt sein.
Bei Geschäftsaktivitäten in Schwellenländern bestehen verschiedene Risiken wie Unruhen, Ge-
sundheitsrisiken, kulturelle Unterschiede, zum Beispiel bei Arbeitsverhältnissen und Geschäftsprakti-
ken, Volatilität des Bruttoinlandsprodukts, wirtschaftliche und staatliche Instabilität und Rechtsunsi-
cherheit, die mögliche Verstaatlichung von Privatvermögen sowie die Auferlegung von
Währungsbeschränkungen und strengere Umweltauflagen.
Risiken aus Kartell- und Korruptionsvorwürfen
Aktuelle und zukünftige Verfahren gegen die Semperit-Gruppe hinsichtlich Korruptions- oder Kartell-
vorwürfen sowie andere Gesetzesverletzungen betreffend, könnten zu straf- oder zivilrechtlichen
Bußgeldern wie auch zu Strafen, Sanktionen, gerichtlichen Verfügungen bezüglich künftigen Verhal-
tens, Gewinnabschöpfungen, zum Ausschluss von der direkten oder indirekten Teilnahme an be-
stimmten Geschäften, zum Verlust von Gewerbekonzessionen oder zu anderen Restriktionen und
Rechtsfolgen führen. Ein Teil der Geschäftstätigkeit der Semperit-Gruppe entfällt auf Unternehmen in
staatlichem Besitz. Anhängige und mögliche künftige Ermittlungen zu Korruptions-, Kartellvorwürfen
oder Vorwürfen betreffend andere Gesetzesverletzungen könnten nachteilige Auswirkungen auf die
Geschäfte der Semperit-Gruppe haben bis hin zum Ausschluss von öffentlichen und privatwirtschaftli-
chen Aufträgen. Darüber hinaus könnten solche Ermittlungen auch zur Aufhebung bestehender
Verträge sowie zum Auftrags- und Kundenverlust führen bzw. könnten Verfahren gegen die Semperit-
Gruppe eingeleitet werden.
Entwicklungen in laufenden oder potenziellen künftigen Ermittlungen, etwa die Reaktion auf be-
hördliche Ersuchen und die Zusammenarbeit mit den Behörden, könnte die Aufmerksamkeit und die
Ressourcen des Managements von anderen Geschäftsangelegenheiten ablenken.
Ein Tochterunternehmen ist aktuell in ein wettbewerbsrechtliches Verfahren involviert. Das Verfah-
ren befindet sich derzeit in einem Stadium, in dem der Ausgang nicht mit ausreichender Wahrschein-
Semperit
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lichkeit eingeschätzt werden kann. Das Verfahren wird in Abstimmung mit lokalen Spezialisten vor der
Behörde abgewickelt. Das Tochterunternehmen kooperiert mit den zuständigen Behörden und si-
chert ihre volle Unterstützung zu. Für die erwarteten Kosten und das entsprechende Risiko wurde
nach Einschätzung der Semperit-Gruppe mit einer Rückstellung entsprechend vorgesorgt.
Risiken aus Rechtsstreitigkeiten
Die Semperit-Gruppe ist und wird auch künftig im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit mit
unterschiedlichen Rechtsstreitigkeiten oder Verfahren konfrontiert. Diese können insbesondere dazu
führen, dass der Semperit-Gruppe die Zahlung von Schadenersatz, Strafschadenersatz, die Erfüllung
anderer Ansprüche sowie straf- oder zivilrechtliche Sanktionen, Geldbußen oder Vorteilsabschöpfun-
gen auferlegt werden. Zudem können hieraus in Einzelfällen formelle oder informelle Ausschlüsse bei
Ausschreibungen oder der Entzug oder Verlust der Gewerbe- oder Betriebserlaubnis resultieren.
Ferner können weitere Rechtsstreitigkeiten eingeleitet oder bestehende Rechtsstreitigkeiten ausge-
weitet werden. Geltend gemachte Ansprüche aus Rechtsstreitigkeiten unterliegen grundsätzlich einer
Verzinsung.
In einigen dieser Rechtsstreitigkeiten könnten negative Entscheidungen für die Semperit-Gruppe
ergehen, die wesentliche Auswirkungen auf die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des
Unternehmens haben können.
Für die Semperit-Gruppe sind die asiatischen Märkte von großer Bedeutung. Diese Rechtssyste-
me sind regelmäßigen Änderungen unterworfen, die auf die Geschäfts-, Vermögens-, Ergebnis-,
Finanz und Ertragslage der Semperit-Gruppe negative Auswirkungen haben könnten.
Risiken aus Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umwelt (HSEQ)
Gegenwärtige oder künftige arbeitssicherheitstechnische, gesundheits- und umweltrelevante oder
sonstige staatliche Regulierungen oder deren Änderung könnten eine Anpassung der operativen
Tätigkeiten der Semperit-Gruppe erfordern und zu einer erheblichen Steigerung der operativen
Kosten führen, wie es unter den Rahmenbedingungen der Corona-Pandemie der Fall ist. Darüber
hinaus bestehen Risiken eines möglichen arbeitssicherheitstechnischen, umwelt- und gesundheitsbe-
zogenen Zwischenfalls, auch beim Handling gefährlicher Substanzen, ebenso wie eine Nichteinhal-
tung umweltrechtlicher, gesundheitsbezogener oder arbeitssicherheitstechnischer Regelungen, die in
der Folge zu ernsthaften Unfällen, Ausfall von Personal, Reputationsverlust und rechtlichen Konse-
quenzen führen könnten. Der Semperit-Gruppe könnten aus Umweltschäden Verluste entstehen, die
über die Versicherungssummen hinausgehen oder nicht durch den Versicherungsschutz abgedeckt
sind, und solche Verluste könnten die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage negativ beein-
flussen. Sicherheit und Gesundheit des Personals sind Schwerpunkte der Unternehmensstrategie mit
dem Ziel, den Schutz der MitarbeiterInnen zu gewährleisten und das Bewusstsein für Gefahrensituatio-
nen weiter zu schärfen und die Arbeitssicherheit kontinuierlich zu verbessern. Im Zuge der Corona-
Pandemie wurden zusätzliche Maßnahmen zur Desinfektion und Umsetzung der Abstandsregelungen
in allen Standorten getroffen. Darüber hinaus wurde die Möglichkeit des Home-Office, wo es nötig
war, neu geschaffen und in weiterer Folge forciert
Compliance Risiken betreffend Unternehmerische Sozialverantwortung (ESG)
Es könnten Risiken bestehen, gegen bestehende ESG-Bestimmungen der lokalen Gesetzgebungen
und NGOs (Non-Governmental Organisations) in den jeweiligen Ländern zu verstoßen, die dem
Unternehmen zum aktuellen Zeitpunkt nicht bekannt sind. Daraus könnten, neben Belastungen der
Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens, auch Reputationsschäden und
Kundenverluste entstehen (ausführliche Risikobeschreibung siehe auch Nachhaltigkeitsbericht). Um
diesen Risiken zu begegnen lässt sich die Semperit-Gruppe regelmäßig durch externe Business Social
Compliance Initiative (BSCI)-Prüfer auditieren. Zudem ist die Semperit-Gruppe Mitglied bei EcoVadis,
um sich im Hinblick auf die ESG-Leistung hinsichtlich Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik
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Semperit-Gruppe I Jahresfinanz
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und nachhaltiger Beschaffung weiter zu verbessern. Die Semperit-Gruppe ist auch Mitglied der TfS,
einer Initiative führender Chemieunternehmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in der Lieferkette,
mit dem Ziel die Verbesserung der Umwelt- und Sozialstandards bei ihren Lieferanten zu gewährleisten.
Versicherbare Risiken
Der bestehende Versicherungsschutz bewahrt die Semperit-Gruppe nicht vor etwaigen Reputations-
schäden oder dem Eintritt von Elementarereignissen wie Feuer oder Naturkatastrophen.
Feuer-, Elementarereignisse und Naturkatastrophen bergen ein signifikantes Verlustpotenzial für
die Semperit-Gruppe, das trotz des bestehenden Versicherungsprogramms möglicherweise nicht zur
Gänze Deckung finden könnte. Außerdem kann das Unternehmen unter anderem aus Rechtsstreitig-
keiten Verluste erleiden, die über die Versicherungssumme hinausgehen oder nicht durch den Versi-
cherungsschutz abgedeckt sind.
Schließlich kann nicht gewährleistet werden, dass die Semperit-Gruppe auch künftig adäquaten
Versicherungsschutz zu wirtschaftlich angemessenen Bedingungen erhält.
Marktrisiken
Wettbewerbsumfeld
Die weltweiten Märkte für die Produkte der Semperit-Gruppe sind hinsichtlich Preisbildung, Produkt-
und Servicequalität, Produktionstechnologie, Produktentwicklungs- und Einführungszeiten, Kunden-
service und Finanzierungsbedingungen sowie Verschiebungen beim Marktbedarf hochgradig wett-
bewerbsintensiv. Die Semperit-Gruppe ist mit starken Mitbewerbern, zum Teil auch aus Schwellen-
ländern, konfrontiert, die eine günstigere Kostenstruktur aufweisen. Einige Branchen, in denen die
Semperit-Gruppe tätig ist, durchlaufen Konsolidierungen, die zu einer Verstärkung des Wettbewerbs
sowie einer Veränderung der relativen Marktposition der Semperit-Gruppe führen könnten. Darüber
hinaus ist festzustellen, dass auch Lieferanten zunehmend zu ernsten Mitbewerbern für die Semperit-
Gruppe werden. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Semperit-Gruppe weiter zu stärken, werden
innerhalb der Gruppe Projekte zur Stärkung der Innovationskraft, Kostensenkung, Effizienzverbesse-
rung, Abfallreduktion und des nachhaltigen Energiemanagements umgesetzt.
Wirtschaftliche, politische und geopolitische Rahmenbedingungen
Aus Sicht der Semperit-Gruppe besteht aktuell ein hohes Maß an Unsicherheit in Bezug auf die
künftige Entwicklung der Weltwirtschaft. Es besteht ein Risiko, dass sich das Weltwirtschaftsklima,
insbesondere durch die globale Corona-Pandemie, langsamer als erwartet erholen wird und die
negativen Wirkungen insbesondere in Asien, Europa und USA weiter anhalten. Eine Abschwächung
des Wirtschaftswachstums in Asien oder sogar ein Zusammenbruch des Immobilienmarkts, des Ban-
kensektors oder des Aktienmarkts stellen weitere erhebliche Risiken dar. Auch im Euroraum könnte
sich die Abkühlung des Wirtschaftsklimas fortsetzen. Ein weiteres Risiko, resultiert aus dem Austritt
Großbritanniens aus der EU (Brexit). Dies könnte die Geschäftsunsicherheit erhöhen und Risiken für
die Finanzmärkte darstellen. Das Investitionsklima könnte wegen politischer Umwälzungen, weiterer
Unabhängigkeitsbestrebungen in Ländern der Europäischen Union oder wegen nachhaltiger Erfolge
protektionistischer, EU- und wirtschaftsfeindlicher Parteien und Politik einbrechen.
Eine weitere Verschärfung des Handelsstreits zwischen USA und China sowie USA und Russland
und der Folgen einer Auseinandersetzung mit dem Iran könnte negative Auswirkungen auf den
Geschäftserfolg der Semperit-Gruppe haben.
Ein terroristischer Angriff oder eine Reihe solcher Angriffe in großen Volkswirtschaften könnte die
globale Wirtschaftstätigkeit beeinträchtigen und das Geschäftsklima einbrechen lassen. Weitere
Risiken liegen in politischen Spannungen etwa in Syrien, der Türkei, Ukraine, Russland, Iran und
Ägypten.
Semperit
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Falls die Semperit-Gruppe in der aktuellen Konjunkturentwicklung nicht in der Lage ist, weiter
Produktions- und Kostenstrukturen in geeignetem Maße anzupassen, besteht das Risiko negativer
Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens. Beispielsweise könn-
ten sich die Finanzierungsmöglichkeiten der Kunden verschlechtern. Das wiederum könnte zur Folge
haben, dass sich Kaufabsichten bezüglich der Produkte des Unternehmens ändern, verzögern oder
fallen gelassen werden beziehungsweise Einkäufe oder Verträge, die bereits begonnen wurden, nicht
zu Ende geführt werden. Zudem könnten die Margen der Semperit-Produkte infolge ungünstiger
Marktbedingungen stärker sinken, als von der Semperit-Gruppe gegenwärtig vorhersehbar. Des
Weiteren könnten sich vertraglich festgelegte Zahlungsbedingungen nachteilig verändern, was zu
negativen Auswirkungen auf die Finanzsituation des Unternehmens führen könnte.
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Internes Kontrollsystem (IKS)
Das interne Kontrollsystem der Semperit-Gruppe verfolgt das Ziel, die Effektivität, Effizienz und
Wirtschaftlichkeit der Geschäftstätigkeit, die Zuverlässigkeit der Finanzberichterstattung sowie die
Einhaltung maßgeblicher gesetzlicher Vorschriften sicherzustellen. Es unterstützt zudem die Früh-
erkennung und Überwachung von Risiken aus unzulänglichen Überwachungssystemen und betrügeri-
schen Handlungen und wird von der Abteilung Group Risk Management & Assurance gemeinsam mit
den jeweiligen Fachabteilungen laufend verbessert und erweitert. Für die Implementierung und
Überwachung des IKS und des Risikomanagementsystems ist das Management der jeweiligen Unter-
nehmenseinheiten zuständig. Bereichsübergreifende, konzernweit gültige Rahmenbedingungen und
Regelungen werden vom Vorstand der Semperit AG Holding vorgegeben. Um die nachhaltige Im-
plementierung dieser Rahmenbedingungen und Regelungen sicherzustellen, werden regelmäßige
Überprüfungen an den Standorten und in der Zentrale durchgeführt.
Folgende Grundsätze bilden das Fundament des IKS:
• Erkennen potenzieller operativer Risiken und Sichtbarmachung bereits entstandener Schäden
• Schutz des Besitzes
• Verbesserung der betrieblichen Effektivität
• Sicherung der Korrektheit des Rechnungswesens und des Reportings
• Compliance mit internen Regularien (Limits of Authority) und externen Gesetzen und Regularien
• Nachverfolgbarkeit durch sachverständige Dritte
• Sicherstellung einer adäquaten Funktionstrennung (Segregation of Duties)
• Sicherung der Durchführung von im Prozess vorgesehen Kontrollen
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Lageberichts sind keine Risiken im Zusammenhang mit der
zukünftigen Entwicklung erkennbar, die isoliert oder in ihrem Zusammenspiel den Fortbestand der
Semperit-Gruppe gefährden könnten. Für spezifische Haftungsrisiken und Schadensfälle werden
unter Maßgabe der Wirtschaftlichkeit und Möglichkeit adäquate Versicherungen abgeschlossen.
Wesentliche Merkmale des internen Kontroll- und des Risikomanagementsystems im
Hinblick auf den Rechnungslegungsprozess
Die Eckpunkte des bestehenden internen Kontrollsystems und des Risikomanagementsystems im
Hinblick auf den (Konzern-)Rechnungslegungsprozess können wie folgt zusammengefasst werden:
• Im Hinblick auf den Rechnungslegungsprozess sind die Funktionen des Rechnungswesens von
anderen Verantwortungsbereichen wie etwa Treasury getrennt.
• Die eingesetzten Finanzsysteme sind durch entsprechende IT-Einrichtungen gegen unbefugte
Zugriffe geschützt.
• Hinsichtlich der eingesetzten Finanzsysteme wird weitgehend auf Standardsoftware zurückgegriffen.
• Ein Richtlinienwesen (z. B. Bilanzierungsrichtlinien, Zahlungsrichtlinien) ist eingerichtet.
• Erhaltene oder weitergegebene Buchhaltungsdaten werden von den verantwortlichen Personen auf
Vollständigkeit und Richtigkeit, z.B. mittels Stichproben, geprüft.
• Bei den rechnungslegungsrelevanten Prozessen wird das Vier-Augen-Prinzip durchgängig angewandt.
• Rechnungslegungsrelevante Prozesse werden regulär und stichprobenweise durch das Internal-
Audit überprüft.
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernlagebericht
36
Chancen
Neben dem Monitoring der Risiken für das Unternehmen ist es ein wesentlicher Bestandteil der
Aufgaben der Unternehmensführung, entsprechende Chancen rechtzeitig zu erkennen und bestmög-
lich für das Unternehmen zu nutzen.
Kurz- bis mittelfristig – dies hängt vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und dem dadurch
gesteigerten Bedarf an Schutzausrüstung, sowohl im medizinischen Bereich wie auch in anderen
Bereichen (z.B. in Gastronomie und Hotellerie) ab – bestehen weitere Chancen für den Sektor Medi-
zin der Semperit-Gruppe. Langfristig erkennt das Management im Rahmen der strategischen Neuaus-
richtung der Semperit-Gruppe hohes Potenzial im Sektor Industrie und daher in der Transformation
des Unternehmens zum Industriegummi-Spezialisten. Den Sektor Industrie kennzeichnen grundsätz-
lich deutlich höhere Rentabilität, eine erfolgreichere Performance und die Möglichkeit zur technologi-
schen Differenzierung in regionalen und anwendungsbezogenen Nischen. Die Potenziale im Indust-
riesektor sollen künftig durch eine deutliche Erhöhung der Kundennähe, eine marktorientiertere
Ausrichtung der Gesamtorganisation, erhöhten Fokus auf Regionen, insbesondere Amerika, wie auch
auf Industrien besser genutzt werden. Ziel ist, bestehende und zukünftige Märkte schneller und
effektiver bedienen zu können.
In der kurzfristigen Betrachtung bringt die aktuelle Situation im Sektor Medizin, bedingt durch die
Corona-Krise, ein Ertragspotenzial mit sich, da die Profitabilität in dieser Sonderkonjunktur deutlich
über dem normalen Niveau liegt. Diese Ertragspotenziale bieten die Chance, die Finanzkraft der
Semperit-Gruppe weiter zu stärken und das zukünftige organische und anorganische Wachstum
besser zu unterstützen.
Ausblick
Die rezessive Wirtschaftsentwicklung seit 2019 und die Effekte der Corona-Krise führten zu gegen-
läufigen Entwicklungen in den Sektoren Industrie und Medizin: Im Geschäft mit medizinischen
Schutzhandschuhen sind seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ein deutlicher Nachfrageanstieg
sowie eine kräftige Erhöhung des Preisniveaus zu beobachten, während die Industriesegmente von
den Auswirkungen der Corona-Pandemie negativ getroffen wurden.
Die Effekte der globalen Pandemie werden teilweise als bedingt nachhaltig bewertet: Einem dau-
erhaft veränderten Hygieneverständnis wird eine deutlich zunehmende Wettbewerbs- und Kostenin-
tensität ab 2022/2023 gegenüberstehen. Aus diesem Grund ist die strategische Grundsatzentschei-
dung vom 28. Jänner 2020, wonach Semperit in Zukunft auf das Geschäftsfeld Industriegummi
fokussieren und sich vom Medizingeschäft trennen wird, unabhängig von den im Gefolge der Corona-
Krise zu beobachtenden Entwicklungen weiter aufrecht. Die Umsetzung dieser Entscheidung verzö-
gert sich allerdings, da es derzeit aus ökonomischer Sicht keine Veranlassung gibt, die beschlossene
Trennung umzusetzen: Das temporäre Ziel ist, so lange und so umfassend wie möglich von den at-
traktiven Ergebnisbeiträgen aus dem Medizingeschäft zu profitieren. Bei der Festlegung des optima-
len Zeitpunkts für die Trennung wird eine höchst-mögliche Wertmaximierung angestrebt.
Der Sektor Industrie wurde von der globalen Rezession, deren Effekte sich in den vergangenen
Monaten aufgrund der Corona-Krise verschärft haben, getroffen. Gegen Ende 2020 waren jedoch
bereits wieder erste positive Zeichen wahrzunehmen. Für 2021 wird mit einer erkennbaren Erholung
der Märkte des Sektors Industrie gerechnet.
Die anhaltenden Effekte der Corona-Pandemie schlagen sich bei Nachfrage und Preis von Medi-
zinprodukten nach wie vor positiv nieder. Selbst wenn in absehbarer Zeit die aktuell sehr zögerlich
laufenden Impfkampagnen breitenwirksam ausgeweitet werden, wird sich diese Entwicklung voraus-
sichtlich bis weit in das Jahr 2021 fortsetzen. Das Management ist daher sehr zuversichtlich, dass die
pandemie-bedingt positiven Effekte im Medizingeschäft anhalten werden.
Konzernlagebericht Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 37
Gleichzeitig beobachtet das Semperit-Management die Lage weiter sehr genau. Die größte Ge-
fahr ist, dass in Schlüsselbereichen der Wertschöpfungskette an ein- und demselben Standort eine
kritische Zahl an Mitarbeitern aufgrund einer Infektion mit dem Corona-Virus ausfällt. Im Sektor
Industrie stellen potenzielle nachfrageseitige Einbrüche bzw. eine langsamer als angenommene
Erholung nach dem wirtschaftlichen Abschwung das größte erkennbare Risiko dar. Im Sektor Medizin
könnte die aktuell positive Entwicklung durch den Markteintritt neuer Mitbewerber oder den signifi-
kanten Kapazitätsaufbau bestehender Wettbewerber eingebremst werden. Die Sicherstellung der
Rohstoffverfügbarkeit sowie die Aufrechterhaltung der entsprechenden logistischen Rahmenbedin-
gungen – insbesondere Containerkapazitäten – ist von externen Faktoren abhängig und steht unter
permanentem Monitoring der Einkaufsorganisation der Semperit-Gruppe. Dabei werden die Preis-
entwicklungen streng beobachtet, da marktseitig getriebene Preissteigerungen teilweise nicht oder
nur zeitverzögert weitergegeben werden können.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Restrukturierungsmaßnahmen, die in den vergangenen
drei Jahren zu signifikanten Verbesserungen auf unterschiedlichsten Ebenen geführt haben, ist die
konsequente Fortführung des im Jahr 2020 neu eingeleiteten Kostensenkungsprogramms ein weite-
rer Fokus des Managements für das laufende Geschäftsjahr, das weitere Ergebnispotenziale freiset-
zen wird. Hinzu kommt systematische kontinuierliche Verbesserung in allen Unternehmensbereichen,
die die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Semperit-Gruppe weiter fördern soll.
Vor diesem Hintergrund und unter der Maßgabe weiterhin ungebrochener Rohstoff- und Contai-
nerverfügbarkeit wird auf Basis aktueller Zahlen erwartet, dass das Ergebnis 2020 im aktuellen Jahr
deutlich übertroffen werden könnte.
In der Hauptversammlung 2021 wird der Vorstand eine Dividende von 1,50 EUR je Aktie zur Be-
schlussfassung vorschlagen. In Summe sollen damit 30,8 Mio. EUR zur Ausschüttung gelangen. Zu-
dem plant der Vorstand der Semperit AG Holding, das durch den Kernaktionär B & C Holding Öster-
reich GmbH zur Verfügung gestellte, noch ausständige 30,0 Mio. EUR Hybridkapital spätestens im
April 2021 zur Gänze zurückzuführen.
Hinweis
Dieser Ausblick entspricht den Einschätzungen des Vorstands am 17. März 2021 und berücksichtigt
keine Auswirkungen von möglichen Akquisitionen, Veräußerungen oder sonstigen nicht vorhersehba-
ren strukturellen und konjunkturellen Änderungen im weiteren Jahresverlauf 2021. Die genannten
Einschätzungen unterliegen sowohl bekannten als auch unbekannten Risiken und Unsicherheiten,
die dazu führen können, dass die tatsächlichen Ereignisse und Ergebnisse von den hier getroffenen
Aussagen abweichen.
Wien, am 17. März 2021
Der Vorstand
2 Semperit-Gruppe I Geschäftsbericht 2019 Konzernabschluss
Konzernabschluss
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 39
1)
Das Ergebnis je Aktie bezieht sich nur auf die Stammaktionäre der Semperit AG Holding (exkl. Vergütungen aus dem Hybridkapital).
Konzerngewinn-
und
-verlustrechnung
in TEUR
Anhang 2020 2019
Umsatzerlöse 2.2 927.616 840.568
V
eränderungen des Bestandes an Erzeugnissen 6.100 –15.121
Aktivierte Eigenleistungen 3.519 2.603
Betriebsleistung 937.236 828.050
Sonstige betriebliche Erträge 2.3 7.189 8.020
Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen 2.4 –431.401 –465.653
Personalaufwand 2.5 –209.772 –196.696
Sonstige betriebliche Aufwendungen 2.6 –95.264 –106.346
Anteil am Gewinn von assoziierten Unternehmen 3.4 566 462
EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) 2.1 208.554 67.837
Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte 3.1, 3.2 –37.258 –34.422
Wertminderungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte 3.1, 3.2 –19.848 –49.898
Wertaufholungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte 3.1, 3.2 86.353 0
EBIT (Betriebsergebnis) 2.1 237.800 –16.483
Finanzierungserträge 2.7 429 946
Finanzierungsaufwendungen 2.7 –5.412 –8.327
Auf kündbare nicht beherrschende Anteile entfallendes Ergebnis 2.7 –4.377 –4.067
Sonstiges Finanzergebnis 2.7 723 –1.712
Finanzergebnis –8.638 –13.160
Ergebnis vor Steuern 229.163 –29.643
Ertragsteuern 2.8 –34.573 –15.277
Ergebnis nach Steuern 194.590 –44.920
davon auf die Aktionäre der Semperit AG Holding entfallendes Ergebnis – aus Stammaktien 2.9 186.364 –51.419
davon auf die Aktionäre der Semperit AG Holding entfallendes Ergebnis – aus Hybridkapital 2.9 6.478 6.938
davon auf nicht beherrschende Anteile entfallendes Ergebnis 2.9 1.747 –439
Das Ergebnis je Aktie in EUR (unverwässert und verwässert)
1)
2.9 9,06 –2,50
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss40
Konzerngesamtergebnisrechnung
in TEUR
Anhang 2020 2019
Ergebnis nach Steuern 194.590 –44.920
Sonstige Ergebnisse, die in zukünftigen Perioden nicht ergebniswirksam werden –2.091 –1.902
Neubewertungen von leistungsorientierten Plänen 7.1 –2.187 –2.073
Darauf entfallende Ertragsteuer 9 97 171
Sonstige Ergebnisse, die in zukünftigen Perioden ergebniswirksam werden –24.210 1.345
Bewertungsergebnisse von Cashflow Hedges 5.1 –97 491
davon Umgliederung in den Gewinn / Verlust der Periode 1.744 104
Währungsumrechnungsdifferenzen 5.1 –24.281 979
davon Umgliederung in den Gewinn / Verlust der Periode –88 0
Darauf entfallende Ertragsteuer 9 168 –124
Sonstiges Ergebnis gesamt –26.301 –557
Gesamtergebnis 168.289 –45.477
davon auf die Aktionäre der Semperit AG Holding entfallendes Gesamtergebnis – aus
Stammaktien 160.168 –51.967
davon auf die Aktionäre der Semperit AG Holding entfallendes Gesamtergebnis – aus
Hybridkapital 6.478 6.938
davon auf nicht beherrschende Anteile entfallendes Gesamtergebnis 1.642 –448
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 41
Konzerngeldflussrechnung
in TEUR
Anhang 2020 2019
Ergebnis vor Steuern 229.163 –29.643
Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen auf Sachanlagen
und immaterielle Vermögenswerte 3.1, 3.2 –29.247 84.320
Gewinne / Verluste aus Anlagenabgängen
(einschließlich lang- und kurzfristiger Wertpapiere und Finanzveranlagungen) –411 –1.148
V
eränderung langfristiger Rückstellungen 7 977 –5.163
Anteil am Gewinn von assoziierten Unternehmen 3.4 –566 –462
Erhaltene Dividenden von assoziierten Unternehmen 3.4 0 750
Auf kündbare nicht beherrschende Anteile entfallendes Ergebnis 6.1 4.377 4.067
Zinsergebnis (inklusive Wertpapiererträge) 5.061 7.526
Gezahlte Ertragsteuern 2.8 –14.255 –6.216
Sonstige unbare Aufwendungen bzw. Erträge –1.379 –7.288
Cashflow aus dem Ergebnis 193.721 46.742
V
eränderung Vorräte 4.1 –26.994 34.531
V
eränderung Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 4.2 –9.391 9.829
V
eränderung sonstiger Forderungen und Vermögenswerte 3.3, 6.5, 8.1 1.037 2.510
V
eränderung Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 4.3 17.640 –2.826
V
eränderung sonstiger Verbindlichkeiten und kurzfristiger Rückstellungen 6.3, 7, 8.2 16.846 –610
Cashflow aus der Betriebstätigkeit 192.858 90.176
Einzahlungen aus dem Abgang von Sachanlagen 5.572 1.530
Einzahlungen aus der Tilgung von Finanzveranlagungen 563 0
Auszahlungen für Zugänge in Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten 2.10 –26.396 –31.870
Einzahlung aus der Veräußerung von assoziierten Unternehmen 3.4 3.250 0
Erhaltene Zinsen 334 957
Cashflow aus der Investitionstätigkeit –16.678 –29.384
Tilgung von kurz- und langfristigen Finanzverbindlichkeiten 2.10, 6.2 –40.706 –20.969
Tilgung von Leasingverbindlichkeiten –3.097 –2.668
Dividenden an (kündbare) nicht beherrschende Anteile an Tochterunternehmen 5.3, 6.1 –3.892 –675
Erwerb von nicht beherrschenden Anteilen 5.3 –3 –6
Rückführung von Hybridkapital 5.2 –100.000 0
Zahlung von Hybridkupons 2.9, 5.2 –7.802 –10.545
Gezahlte Zinsen –5.786 –8.571
Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit –161.285 –43.433
Nettoveränderung liquider Mittel 14.896 17.35917.359
Währungsdifferenzen –11.281 2.448
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente am Anfang der Periode 141.356 121.549
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente am Ende der Periode 6.6 144.972 141.356
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss42
in TEUR Anhang 31.12.2020 31.12.2019
VERMÖGENSWERTE
Langfristiges Vermögen
Immaterielle Vermögenswerte 3.1 7.567 8.071
Sachanlagen 3.2 340.179 294.544
Anteile an assoziierten Unternehmen 3.4 0 2.375
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 3.3 7.137 7.965
Sonstige Vermögenswerte 8.1 3.121 4.350
Latente Steuern 9 5.500 3.212
363.504363.504 320.517320.517
Kurzfristiges Vermögen
V
orräte 4.1 141.124 122.157
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 4.2 99.318 94.555
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 3.3, 6.5 2.136 2.816
Sonstige Vermögenswerte 8.1 12.469 13.654
Forderungen aus laufenden Ertragsteuern 113 1.017
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 6.6 144.972 141.356
400.132 375.556
Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte 3.4 764 5.709
400.896 381.265
AKTIVA 764.400 701.782
EIGENKAPITAL UND SCHULDEN
Eigenkapital
Grundkapital 5.1 21.359 21.359
Kapitalrücklagen 5.1 21.503 21.503
Hybridkapital 5.2 30.000 130.000
Gewinnrücklagen 5.1 294.886 111.865
Währungsumrechnungsrücklage 5.1 –35.483 –11.307
Eigenkapital der Aktionäre der Semperit AG Holding 332.266 273.420
Nicht beherrschende Anteile 5.3 2.331 691
334.597 274.111
Langfristige Rückstellungen und Verbindlichkeiten
Rückstellungen 7 47.155 45.110
V
erbindlichkeiten aus kündbaren nicht beherrschenden Anteilen 6.1 16.607 18.457
Finanzverbindlichkeiten 6.2 85.257 173.763
V
erbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 4.3 12 127
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 6.3 3.517 7.073
Sonstige Verbindlichkeiten 269 183
Latente Steuern 9 10.196 10.323
163.013 255.037
Kurzfristige Rückstellungen und Verbindlichkeiten
Rückstellungen 7 29.399 22.316
V
erbindlichkeiten aus kündbaren nicht beherrschenden Anteilen 6.1 795 0
Finanzverbindlichkeiten 6.2 81.836 41.050
V
erbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 4.3 77.677 61.513
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 6.3 15.807 15.161
Sonstige Verbindlichkeiten 37.703 28.702
V
erbindlichkeiten aus laufenden Ertragsteuern 23.572 3.892
266.789 172.634
PASSIVA 764.400 701.782
Konzernbilanz
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 43
Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung
in TEUR
Anhang
Grund-
kapital
Kapital-
rücklagen
Hybrid-
kapital
Gewinn-
rücklagen
Währungs-
umrech-
nungs-
rücklage
Summe
Nicht
beherr-
schende
Anteile
Summe
Eigen-
kapital
Stand 01.01.2019 21.359 21.503 130.000 168.925 –12.294 329.494 904 330.398
Ergebnis nach
Steuern 0 0 0 –44.481 0 –44.481 –439 –44.920
Sonstiges Ergebnis 0 0 0 –1.536 988 –548 –9 –557
Gesamtergebnis 0 0 0 –46.017 988 –45.029 –448 –45.477
Dividende 0 0 0 0 0 0 –259 –259
Zahlung von
Hybridkupons 2.9, 5.2 0 0 0 –10.545 0 –10.545 0 –10.545
Erwerb von nicht
beherrschenden Anteilen 5.3 0 0 0 –499 –1 –500 494 –6
Stand 31.12.2019 21.359 21.503 130.000 111.865 –11.307 273.421 691 274.111
Stand 01.01.2020 21.359 21.503 130.000 111.865 –11.307 273.421 691 274.111
Ergebnis nach
Steuern 0 0 0 192.843 0 192.843 1.747 194.590
Sonstiges Ergebnis 0 0 0 –2.020 –24.176 –26.196 –105 –26.301
Gesamtergebnis 0 0 0 190.822 –24.176 166.647 1.642 168.289
Zahlung von
Hybridkupons 2.9, 5.2 0 0 0 –7.802 0 –7.802 0 –7.802
Rückführung von
Hybridkapital 5.2 0 0 –100.000 0 0 –100.000–100.000 0 –100.000–100.000
Erwerb von nicht
beherrschenden Anteilen 5.3 0 0 0 0 0 0 –2 –2
Stand 31.12.2020 21.359 21.503 30.000 294.886 –35.483 332.266 2.331 334.597
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss44
1. Allgemeines
1.1. Allgemeine Informationen
Die Semperit Aktiengesellschaft Holding (in der Folge Semperit AG Holding), eine Aktiengesellschaft
nach österreichischem Recht, ist ein börsennotierter, international tätiger Industriekonzern mit Sitz in
1031 Wien, Modecenterstraße 22, Österreich, der in den Sektoren Medizin und Industrie hochspezia-
lisierte Produkte aus Kautschuk entwickelt, produziert und vertreibt. Die B&C KB Holding GmbH ist
die unmittelbare Mehrheitsgesellschafterin der Semperit AG Holding und die B&C Privatstiftung ist
die oberste beherrschende Rechtsträgerin. Die Geschäftsaktivitäten sind in die fünf Geschäftsseg-
mente Sempermed, Semperflex, Sempertrans, Semperform und Semperseal aufgeteilt. Für weiterfüh-
rende Informationen zu den Geschäftssegmenten, siehe Kapitel 2.1.
1.2. Grundsätze der Erstellung
Der Konzernabschluss zum 31. Dezember 2020 wurde in Übereinstimmung mit den International
Financial Reporting Standards (IFRS), wie sie in der Europäischen Union (EU) anzuwenden sind, sowie
in Übereinstimmung mit § 245a UGB aufgestellt. Das Geschäftsjahr umfasst den Zeitraum vom
1. Jänner bis zum 31. Dezember. Der Konzernabschluss wurde am 17. März 2021 aufgestellt und zur
Weitergabe an den Aufsichtsrat freigegeben.
Die Berichtswährung ist der Euro, wobei die Zahlen auf Tausend gerundet sind, wenn nicht aus-
drücklich Abweichendes angegeben ist. Bei Summierung von gerundeten Beträgen und Prozentan-
gaben können durch Verwendung automatisierter Rechenhilfen rundungsbedingte Rechendifferenzen
auftreten.
Der Konzernabschluss wurde mit Ausnahme der Bewertung von bestimmten Finanzinstrumenten
sowie Rückstellungen und latenter Steuern auf Grundlage der fortgeführten Anschaffungs- oder
Herstellungskosten aufgestellt. Wertpapiere sowie derivative Finanzinstrumente werden zum beizule-
genden Zeitwert bewertet. Die einzelnen Stufen in der Hierarchie der beizulegenden Zeitwerte sind
wie folgt definiert:
Stufe 1: Bewertung anhand von auf einem aktiven Markt beobachtbaren Preisen für ein spe-
zifisches Finanzinstrument.
Stufe 2: Bewertung anhand von Marktpreisen für ähnliche Instrumente oder anhand von Be-
wertungsmodellen, die ausschließlich auf Inputfaktoren basieren, die am Markt be-
obachtbar sind.
Stufe 3: Bewertung anhand von Modellen mit signifikanten, nicht am Markt beobachtbaren
Inputfaktoren.
Im Geschäftsjahr 2020 erfolgten keine Umgliederungen von Finanzinstrumenten zwischen den
einzelnen Stufen.
Der Betrag von Rückstellungen entspricht der bestmöglichen Schätzung der Ausgaben, die zur Er-
füllung der Verpflichtung zum Abschlussstichtag erforderlich sind. Voraussichtlich realisierbare latente
Steuern werden ausgehend vom Nominalbetrag bestehender temporärer Differenzen zwischen IFRS-
und steuerlichen Bilanzansätzen auf Basis des voraussichtlich zur Anwendung kommenden Steuersat-
zes ermittelt.
1.3. Konsolidierungsgrundsätze
Der Konzernabschluss beinhaltet den Abschluss des Mutterunternehmens und die Abschlüsse der
vom Konzern beherrschten Tochterunternehmen. Die Abschlüsse von Tochterunternehmen sind im
Konzernabschluss ab dem Zeitpunkt enthalten, an dem die Beherrschung beginnt und bis zu dem
Zeitpunkt, zu dem die Beherrschung endet. Ebenso werden in den Konzernabschluss die Ergebnisbe-
standteile von nach der Equity-Methode bilanzierten Unternehmen ab dem Zeitpunkt, an dem maß-
Konzernanhang
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 45
geblicher Einfluss vorliegt oder gemeinschaftliche Führung ausgeübt wird, und bis zu dem Zeitpunkt,
zu dem dies endet, einbezogen.
Die Kapitalkonsolidierung erfolgt durch Aufrechnung der Anschaffungskosten der Beteiligung am
Tochterunternehmen und des auf die Beteiligung entfallenden Eigenkapitals des betreffenden Toch-
terunternehmens. Im Zuge der Schuldenkonsolidierung werden Forderungen und Verbindlichkeiten
zwischen Unternehmen des Vollkonsolidierungskreises aufgerechnet. Fremdwährungsdifferenzen
werden im sonstigen Finanzergebnis ausgewiesen. Im Rahmen der Aufwands- und Ertragseliminie-
rung werden sämtliche Aufwendungen und Erträge aus konzerninternen Transaktionen, wie zum
Beispiel Lieferungen und Leistungen, Konzernfinanzierungen oder Gewinnausschüttungen, aufge-
rechnet. Fremdwährungsdifferenzen werden abhängig von der jeweilig zugrunde liegenden Transak-
tion im Materialaufwand, in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen oder im sonstigen Finanzer-
gebnis ausgewiesen. Des Weiteren werden Zwischenergebnisse aus konzerninternen Lieferungen und
Leistungen eliminiert.
Für nähere Ausführungen zum Konsolidierungskreis, siehe Kapitel 10.1. bis 10.3.
Währungsumrechnung
Vermögenswerte und Schulden einschließlich eines Geschäfts- oder Firmenwerts von in den Konzern-
abschluss einbezogenen Tochterunternehmen, deren funktionale Währung nicht der Euro ist, werden
mit dem Devisenmittelkurs zum Abschlussstichtag, die Posten der Konzerngewinn-
und -verlustrechnung und des sonstigen Ergebnisses werden mit einem durchschnittlichen Devisen-
mittelkurs des Geschäftsjahres umgerechnet. Für die Währungsumrechnung werden grundsätzlich die
Referenzkurse der Europäischen Zentralbank (EZB) herangezogen. Aus dieser Umrechnung der Ab-
schlüsse der Tochterunternehmen resultierende Währungsdifferenzen werden im Konzernabschluss
über das sonstige Ergebnis in der Währungsumrechnungsrücklage erfasst und bei Veräußerung oder
sonstigem Abgang der betreffenden Tochterunternehmen in den Gewinn oder Verlust umgegliedert.
Bei einigen Tochtergesellschaften liegen gemäß IAS 21 gemischte Faktoren und Indikatoren zur
Festlegung der funktionalen Währung vor. Bei den folgenden Tochterunternehmen überwiegen
entsprechend der Ermessensentscheidung des Managements die Attribute, die zu einer von der
Landeswährung abweichenden funktionalen Währung führen:
• Semperit Investments Asia Pte Ltd., Singapur (USD)
• Semperit Industrial Products Singapore Pte Ltd., Singapur (USD)
• Sempermed Singapore Pte Ltd., Singapur (USD)
• Sempermed Kft., Sopron, Ungarn (EUR)
Bei der Semperflex Optimit s.r.o., Tschechische Republik, und der Sempertrans Belchatów
Sp. z o.o., Polen, führt die Beurteilung der (gemischten) Faktoren und Indikatoren bei der Festlegung
der funktionalen Währung zur Verwendung der Landeswährung als funktionale Währung.
1.4. Ermessensentscheidungen und Schätzunsicherheiten
Ermessensentscheidungen
Die in den IFRS vorgegebenen Rechnungslegungsmethoden räumen den Anwendern der Standards
diverse implizite und explizite Wahlrechte ein. Die Anwendung der Rechnungslegungsmethoden
unterliegt daher verschiedenen Ermessensausübungen des Managements, die die Beträge im Ab-
schluss erheblich beeinflussen können. Folgende Ermessenentscheidungen des Managements haben
wesentlichen Einfluss auf den vorliegenden Konzernabschluss:
• Hybridkapital (siehe Kapitel 5.2): Abgrenzung zwischen Eigen- und Fremdkapital (Perpetual Bond)
und damit in Zusammenhang stehende Unterscheidung zwischen Zins- und Dividendenzahlungen
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss46
• Vollkonsolidierte Unternehmen (siehe Kapitel 10.2): Beurteilung, ob Kontrolle über ein Tochter-
unternehmen besteht oder nicht besteht
• Behandlung der Fremdanteile an Tochterunternehmen mit Kündigungsoptionen (siehe Kapitel 6.1
und 10.2)
• Festlegung der funktionalen Währung von Tochterunternehmen (siehe Kapitel 1.3)
• Laufzeit von Leasingverträgen: Beurteilung, ob die Ausübung von Verlängerungsoptionen bzw.
Nichtausübung von Kündigungsoptionen hinreichend sicher ist; Ermittlung etwaiger wirtschaftli-
cher Nachteile, die sich aus einer vorzeitigen Kündigung ergeben (siehe Kapitel 3.2)
Wesentliche Schätzungen und Annahmen
Die Erstellung des Konzernabschlusses erfordert vom Management zu treffende Einschätzungen und
Annahmen über künftige Entwicklungen, die sich auf den Ansatz und die Bewertung von bilanzierten
Vermögenswerten und Schulden, die Angaben zu sonstigen Verpflichtungen am Abschlussstichtag
und den Ausweis von während des Geschäftsjahres erzielten Erträgen und aufgelaufenen Aufwen-
dungen auswirken. Die schlussendlich realisierten Beträge können von den auf Basis der getroffenen
Einschätzungen und Annahmen angesetzten Beträgen abweichen. Die Einschätzungen und die zu-
grundeliegenden Annahmen werden regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst.
Es wurden folgende Schätzungen getroffen; nähere Erläuterungen zu den einzelnen Schätzungen
finden sich beim jeweiligen Posten:
• Immaterielle Vermögenswerte: die jährliche Werthaltigkeitsprüfung der Firmenwerte (siehe Kapitel 3.1)
• Immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen: Festlegung der Nutzungsdauer von Vermögens-
werten mit bestimmter Nutzungsdauer (siehe Kapitel 3.1 und 3.2)
• Immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen: anlassbezogene Werthaltigkeitsprüfung der
Vermögenswerte der Segmente Sempermed und Sempertrans (siehe Kapitel 3.2)
• Aktive latente Steuern: Verfügbarkeit zukünftig zu versteuernder Ergebnisse, gegen die noch nicht
genutzte steuerliche Verlustvorträge oder Steuergutschriften verwendet werden können (siehe Kapi-
tel 9 und 12.2)
• Steuerunsicherheiten: Ansatz und Bewertung von tatsächlichen und latenten Ertragsteuern in Fäl-
len, in denen Unsicherheit hinsichtlich des Betrags der geschuldeten (erstattungsfähigen) Ertrag-
steuern besteht (siehe Kapitel 9)
• Vorräte: Ermittlung der Nettoveräußerungswerte im Rahmen der Vorratsbewertung (siehe Kapitel 4.1)
• Forderungen aus Lieferungen und Leistungen: Ermittlung von Wertberichtigungen (siehe Kapitel 4.2)
• Personalrückstellungen: Bewertung von Rückstellungen für Pensionen, Abfertigungen und Jubilä-
umsgelder (siehe Kapitel 7.1 und 7.2)
• Sonstige Rückstellungen: wesentliche Annahmen über Eintrittswahrscheinlichkeit und Ausmaß
(siehe Kapitel 7.2)
• Finanzinstrumente: Bestimmung der beizulegenden Zeitwerte, für die kein aktiver Markt vorhan-
den ist (siehe Kapitel 6.4)
• Kaufpreisallokationen: Ermittlung von beizulegenden Zeitwerten für Vermögenswerte und Schul-
den im Rahmen von Unternehmenszusammenschlüssen (siehe Kapitel 12.3)
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 47
1.5. Neue und geänderte Rechnungslegungsgrundsätze
Folgende neue/geänderte Standards und Interpretationen wurden im Geschäftsjahr 2020 erstmals
angewendet:
Folgende neue/geänderte Standards und Interpretationen werden künftig anzuwenden sein:
Endorsement
Pflicht zur
Anwendung für die
Semperit-Gruppe
Auswirkungen
auf die Semperit-
Gruppe
Neue Standards und Interpretationen
keine
Geänderte Standards
IFRS 3 Änderungen zu Unternehmenszusammenschlüsse:
Definition eines Geschäftsbetriebs
21. April 2020 1. Jänner 2020 nein
IAS 1/8 Änderungen zur Definition von Wesentlichkeit 29. November 2019 1. Jänner 2020 nein
Diverse Änderungen der Verweise auf das Rahmenkonzept in
IFRS Standards
29. November 2019 1. Jänner 2020 nein
Diverse Änderungen an IFRS 9, IAS 39 und IFRS 7 – Reform des
LIBOR und anderer Referenzzinssätze (IBOR-Reform)
15. Jänner 2020 1. Jänner 2020 nein
Endorsement
Pflicht zur
Anwendung für die
Semperit-Gruppe
Auswirkungen
auf die Semperit-
Gruppe
Neue Standards und Interpretationen
IFRS 17
V
ersicherungsverträge offen 1. Jänner 2023 nein
Geänderte Standards
IFRS 16 Änderungen zur Bilanzierung von Leasingverträgen aufgrund
von Mietzugeständnissen infolge der Corona-Pandemie
9. Oktober 2020 1. Jänner 2021 nein
IFRS 4 Änderungen zu Versicherungsverträge: Verschiebung des
Zeitpunkts des Auslaufens des Aufschubansatzes von IFRS 9
15. Dezember 2020 1. Jänner 2021 nein
Diverse Änderungen an IFRS 9, IAS 39 und IFRS 7: Reform des LIBOR
und anderer Referenzzinssätze (IBOR-Reform) – Phase 2
13. Jänner 2021 1. Jänner 2021 nein
Diverse Änderungen an IFRS 3, IAS 16 und IAS 37 offen 1. Jänner 2022 nein
Diverse Jährliche Verbesserungen an den IFRS, Zyklus 2018 – 2020 offen 1. Jänner 2022 nein
IAS 1 Änderungen zu Darstellung des Abschlusses: Klassifizierung
von Schulden als kurz- oder langfristig
offen 1. Jänner 2023 nein
IAS 1 Änderungen zur Darstellung des Abschlusses: Offenlegung
von Rechnungslegungsgrundsätzen
offen 1. Jänner 2023 nein
IAS 8 Änderungen zu Rechnungslegungsmethoden, Änderungen
von rechnungslegungsbezogenen Schätzungen und Fehler:
Definition von rechnungslegungsbezogenen Schätzungen
offen 1. Jänner 2023 nein
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss48
2. Performance
2.1. Segmentberichterstattung
Die Segmentberichterstattung erfolgt gemäß IFRS 8 nach der internen Berichterstattung an den
Gesamtvorstand der Semperit AG Holding als verantwortliche Unternehmensinstanz (Chief Operating
Decision Maker), die über die Allokation von Ressourcen auf die Geschäftssegmente entscheidet.
Die Segmente wurden auf Basis von Produktgruppen festgelegt. Sie werden getrennt gesteuert
und entsprechen den Geschäftsbereichen der Semperit-Gruppe. Die Semperit-Gruppe hat zum
31. Dezember 2020, nachdem das frühere Segement Semperform per 1. Jänner 2020 in die beiden
Geschäftssegmente Semperseal und Semperform aufgeteilt wurde, erstmalig fünf berichtspflichtige
Segmente. Die Segmentberichterstattung des Vorjahres wurde entsprechend angepasst.
• Sempermed: Das Segment Sempermed produziert Handschuhe mittels Tauchtechnologie, vertreibt
diese und handelt mit Handschuhen weltweit. Die Produktpalette umfasst Untersuchungs- und
Operationshandschuhe für den medizinischen Bereich sowie Schutzhandschuhe für den industriel-
len, gewerblichen und privaten Bereich. Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung wird sich die
Semperit-Gruppe künftig auf die Industriesegmente konzentrieren. Als Konsequenz haben Vorstand
und Aufsichtsrat am 28. Jänner 2020 grundsätzlich beschlossen, sich vom Segment Sempermed zu
trennen. Die Voraussetzungen für eine Darstellung als aufgegebener Geschäftsbereich lagen sowohl
zum 31. Dezember 2020 als auch zum 31. Dezember 2019 allerdings (noch) nicht vor.
• Semperflex: Das Segment Semperflex entwickelt, produziert und verkauft weltweit Schläuche im
Nieder- und Hochdruckbereich, die in der Bau- und Transportindustrie, in Minen sowie bei landwirt-
schaftlichen Maschinen zum Einsatz kommen. Die Schläuche werden einerseits mit Geweben (In-
dustrieschläuche) und andererseits mit Metalldrähten (Hydraulikschläuche) verstärkt.
• Sempertrans: Das Segment Sempertrans entwickelt, produziert und verkauft weltweit Transport-
und Fördergurte. Transport- und Fördergurte kommen unter anderem im Bergbau, in der Stahl-
industrie, in der Zementindustrie, in Kraftwerken sowie im Tiefbau und der Transportindustrie zum
Einsatz. Um den Einsatzanforderungen optimal zu entsprechen, sind die Gurte entweder mit Textil-
oder mit Stahlseilkarkassen verstärkt.
• Semperform: Das Segement entwickelt, produziert und verkauft Fahrtreppen-Handläufe, Seilbahn-
gummiringe, schwingungsdämpfende Folien für Ski und Snowboards sowie kundenindividuelle
Spritzguss- und Extrusionsartikel mit dichtenden oder dämpfenden Funktionen.
• Semperseal: Das Segment Semperseal entwickelt, produziert und verkauft Dichtungsprofile für die
Bauindustrie sowie andere industrielle Applikationen und Elastomer- und Verschleißschutzplatten.
Die bei der Ableitung der Segmentzahlen angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
sind ident mit den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden der Semperit-Gruppe. Das Segmenter-
gebnis ist das EBITDA. Es ist jenes Ergebnis, das an den Vorstand für Zwecke der Ressourcenallokati-
on und der Erfolgsmessung berichtet wird. Als Kennzahlen des Segmentvermögens werden das
Trade Working Capital und die Zugänge zu den Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten an
den Vorstand berichtet.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 49
Segmentierung nach Geschäftsbereichen
Die Segmentierung nach Geschäftsbereichen stellt auf die interne Steuerung und Berichterstattung ab.
1)
Exklusive Nutzungsrechte gemäß IFRS 16
Die Wertaufholungen und Wertminderungen werden in Kapitel 3.1 bzw. 3.2 erläutert.
1)
Exklusive Nutzungsrechte gemäß IFRS 16
Konzernunternehmen, die im Produktions- und/oder Vertriebsbereich in mehreren Segmenten tä-
tig sind, werden bezüglich ihrer Erträge und Aufwendungen segmentgerecht geteilt und zugeordnet,
sodass keine weiteren Eliminierungen erforderlich sind. Das Corporate Center besteht aus der nicht
operativ tätigen Semperit AG Holding sowie aus jenen Teilen einer Managementgesellschaft in China
2020 in TEUR
Semper-
med
Semper-
flex
Semper-
trans
Semper-
seal
Semper-
form
Corporate
Center
Konzern-
eliminie-
rungen Summe
Umsatzerlöse 449.179 189.887 113.139 93.631 81.780 0 0 927.616
Anteil am Gewinn von
assoziierten Unternehmen 566 0 0 0 0 0 0 566
EBITDA 150.350 41.922 8.703 11.029 14.958 –18.410 0 208.554
EBIT 224.852 30.927 –14.885 5.140 11.267 –19.500 0 237.800
Abschreibungen auf
Sachanlagen und immaterielle
V
ermögenswerte
–11.673 –11.174 –3.740 –5.890 –3.691 –1.090 0 –37.258
Wertminderungen von
Sachanlagen und immateriellen
V
ermögenswerten 0 0 –19.848 0 0 0 0 –19.848
Wertaufholungen auf
Sachanlagen und immaterielle
V
ermögenswerte 86.174 178 0 0 0 0 0 86.353
Trade Working Capital 80.385 42.723 15.954 12.599 13.574 –2.469 0 162.766
Zugänge zu Sachanlagen
und immateriellen
V
ermögenswerten
1)
4.995 5.085 4.596 9.240 3.576 983 0 28.475
2019 in TEUR
Semper-
med
Semper-
flex
Semper-
trans
Semper-
seal
Semper-
form
Corporate
Center
Konzern-
eliminie-
rungen Summe
Umsatzerlöse 293.332 222.666 133.981 99.466 91.123 0 0 840.568
Anteil am Gewinn von
assoziierten Unternehmen 462 0 0 0 0 0 0 462
EBITDA 5.471 47.946 13.507 10.449 15.559 –25.250 155 67.837
EBIT –50.185 35.989 8.918 4.001 11.967 –27.328 155 –16.483
Abschreibungen auf
Sachanlagen und immaterielle
V
ermögenswerte
–6.878 –11.957 –3.469 –6.448 –3.593 –2.078 0 –34.422
Wertminderungen von
Sachanlagen und immateriellen
V
ermögenswerten –48.779 0 –1.119 0 0 0 0 –49.898
Trade Working Capital 57.211 43.981 29.198 11.713 16.806 –3.711 0 155.199
Zugänge zu Sachanlagen
und immateriellen
V
ermögenswerten
1)
8.048 10.173 4.723 4.682 3.168 561 0 31.355
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss50
und einer Servicegesellschaft in Singapur, die dem Corporate Center zugeordnet sind. Zusätzlich
werden gewisse Leistungen des Corporate Centers von operativ tätigen Gesellschaften erbracht.
Weiterverrechnungen und Allokationen des Corporate Centers sind, soweit möglich, bereits den
Segmenten zugewiesen.
Das EBITDA in der Summenspalte entspricht jenem in der Konzerngewinn- und -verlustrechnung
der Semperit-Gruppe; die Überleitungsrechnung auf das Ergebnis vor Ertragsteuern kann daher der
Konzerngewinn- und -verlustrechnung entnommen werden.
Das Trade Working Capital setzt sich aus den Vorräten, Forderungen aus Lieferungen und Leis-
tungen abzüglich kurzfristiger Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen zusammen (siehe
auch Kapitel 4).
Geografische Segmentierung
Die Konzernaktivitäten werden hauptsächlich in Europa, Asien und Amerika betrieben. In Überein-
stimmung mit IFRS 8 werden die Angaben zu den Umsatzerlösen nach den Standorten der Kunden
und jene zum langfristigen Vermögen und zu den Zugängen zu Sachanlagen und immateriellen
Vermögenswerten auf Basis der jeweiligen Standorte der Konzernunternehmen der Semperit-
Gruppe dargestellt. Im langfristigen Vermögen sind keine aktiven latenten Steuern, Wertpapiere oder
Anteile an assoziierten Unternehmen enthalten. Soweit möglich, wurden Konsolidierungsbuchungen
den entsprechenden Regionen zugeteilt. Bei der geographischen Segmentierung wurde das Vereinig-
te Königreich (United Kingdom, UK) aufgrund der bis zum 31. Dezember 2020 andauernden Über-
gangsphase zum Austritt aus der EU bis zu diesem Datum als Teil der EU angesehen. Erst seit
1. Jänner 2021 ist das Vereinigte Königreich nicht mehr Teil des EU-Binnenmarkts und der Zollunion.
Die Semperit-Gruppe erzielt mit keinem externen Kunden mehr als 10% ihres Umsatzes.
1)
Exklusive Nutzungsrechte gemäß IFRS 16
2020 2019
in TEUR
Langfristiges
Vermögen
Zugänge zu
Sachanlagen und
immateriellen
Vermögens-
werten
1)
Umsatzerlöse
Langfristiges
Vermögen
Zugänge zu
Sachanlagen und
immateriellen
Vermögens-
werten
1)
Umsatzerlöse
Europa 241.710 22.511 636.341 262.664 20.788 579.548
davon EU 241.710 22.511 562.384 262.664 20.788 523.924
davon Österreich 48.202 6.693 41.882 45.065 4.547 33.007
davon EU ohne Österreich 193.508 15.818 520.501 217.599 16.241 490.917
davon Restliches Europa 0 0 73.957 0 0 55.623
Asien 105.872 5.869 105.944 40.240 10.406 115.259
Amerika 3.722 89 161.814 5.441 159 129.885
Rest der Welt 8 7 23.518 32 2 15.876
Gruppe 351.312 28.475 927.616 308.376 31.355 840.568
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 51
2.2. Umsatzerlöse
Umsatzerlöse werden mit den den Leistungsverpflichtungen zugeordneten Transaktionspreisen er-
fasst, wobei Minderungen für vereinbarte Rabatte, Boni, Skonti und ähnliche Erlösschmälerungen
sowie Vertragsstrafen und voraussichtliche Rücklieferungen vorgenommen werden. Diese Erlösschmä-
lerungen basieren auf vertraglichen Vereinbarungen. Bei der Schätzung der variablen Preiskomponen-
ten werden alle vorliegenden Informationen und Erfahrungswerte berücksichtigt. Dabei wird in der
Regel jener Betrag als Transaktionspreisminderung abgegrenzt, der auf Basis von Vereinbarungen bzw.
Erfahrungswerten wahrscheinlich geltend gemacht werden wird; diese Schätzungen werden regelmäßig
aktualisiert.
Für potenzielle Rücklieferungen und erwartete Rückzahlungen wird eine Rückerstattungsverbind-
lichkeit (Refund Liability) auf Basis der Verträge bzw. Erfahrungswerte der letzten drei Jahre gebildet.
Vermögenswerte aus Rückerhaltungsansprüchen (Refund Assets) werden mit dem originären Buch-
wert abzüglich erwarteter Kosten für den Rückerhalt der Produkte angesetzt und sind in den Vorräten
ausgewiesen.
Der vereinbarte Transaktionspreis wird in der Regel mit Auslieferung abgerechnet. Umsatzerlöse
aus Lieferungen sind grundsätzlich mit dem wirtschaftlichen Kontrollübergang auf den Kunden ge-
mäß dem für die Warenlieferung vereinbarten Incoterm zu erfassen. Die üblicherweise gewährten
Zahlungsziele betragen 14 bis 90 Tage.
Aus praktischen Gründen wurde darauf verzichtet, die Umsatzerlöse um die Auswirkungen einer
signifikanten Finanzierungskomponente anzupassen, wenn die Zeitspanne zwischen Erfüllung der
Leistungsverpflichtung und der Bezahlung durch den Kunden maximal ein Jahr beträgt. Im
Geschäftsjahr 2020 wurden ebenso wie im Vorjahr keine Erlöse aus Verträgen generiert, die eine
wesentliche Finanzierungskomponente enthalten und die Zeitspanne zwischen Erfüllung der Leis-
tungsverpflichtung und der Bezahlung durch den Kunden länger als ein Jahr beträgt.
Bei manchen Verträgen handelt es sich um Mehr-Komponenten-Verträge, die neben dem Verkauf
von bestimmten Produkten auch zusätzliche Leistungsverpflichtungen wie beispielsweise Serviceleis-
tungen beinhalten. Gemäß IFRS 15 wird die Gegenleistung auf die Komponenten entsprechend der
relativen Einzelveräußerungspreise aufgeteilt.
Vertraglich vereinbarte Gewährleistungen, die eine eigenständige und abgrenzbare Leistungsver-
pflichtung darstellen, werden ab der Übertragung der Verfügungsmacht des verkauften Produkts
anteilig über den Gewährleistungszeitraum realisiert.
Vertragserfüllungskosten bestehen in Form von Werkzeugkosten. Die Werkzeuge werden gemäß
den Bestimmungen des IAS 16 Sachanlagen aktiviert und über eine Nutzungsdauer von einem bis
zehn Jahren abgeschrieben. Diesen Werkzeugen stehen Vertragsverbindlichkeiten gegenüber, welche
verteilt über die Nutzungsdauer der Werkzeuge in den Umsatzerlösen realisiert werden.
Vertragsanbahnungskosten werden, wenn sie wesentlich sind, bei einer Vertragsdauer von über
12 Monaten aktiviert. Im Geschäftsjahr 2020 gab es ebenso wie im Vorjahr hierfür keinen Anwen-
dungsfall.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss52
Die Umsatzerlöse aus Verträgen mit Kunden gliedern sich nach Segmenten und geografischen
Regionen wie folgt:
in TEUR
Semper-
med
Semper-
flex
Semper-
trans
Semper-
seal
Semper-
form Gruppe
2020
Westeuropa 237.569 100.602 35.814 73.379 49.556 496.919
Osteuropa 58.467 41.612 18.274 13.068 8.002 139.422
Nordamerika 84.993 23.572 17.981 6.385 3.373 136.303
Asien 40.374 21.124 24.328 787 19.331 105.944
Mittel- und
Südamerika 14.748 1.412 8.174 13 1.162 25.510
Australien 10.423 395 4.320 0 40 15.178
Afrika 2.605 1.171 4.247 0 316 8.339
Umsatzerlöse 449.179 189.887 113.139 93.631 81.780 927.616
in TEUR
Semper-
med
Semper-
flex
Semper-
trans
Semper-
seal
Semper-
form Gruppe
2019
Westeuropa 153.272 120.715 32.671 79.726 55.695 442.079
Osteuropa 35.139 46.997 32.540 13.788 9.004 137.469
Nordamerika 58.294 29.553 13.464 5.609 3.977 110.897
Asien 29.444 21.020 43.788 214 20.793 115.259
Mittel- und
Südamerika 10.763 2.856 4.138 130 1.101 18.988
Australien 3.855 264 1.709 0 91 5.919
Afrika 2.565 1.260 5.671 0 462 9.958
Umsatzerlöse 293.332 222.666 133.981 99.466 91.123 840.568
2.3. Sonstige betriebliche Erträge
In den übrigen sonstigen betrieblichen Erträgen sind Zuwendungen der öffentlichen Hand in Hö-
he von 2.344 TEUR enthalten, welche die Semperit-Gruppe im Zuge der Corona-Krise als Unterstüt-
zungsleistungen (z.B. Kurzarbeitsbeihilfen, Zuschüsse aus Berufsförderprogrammen, etc.) im Ge-
schäftsjahr 2020 bezogen hat. Die Zuwendungen wurden in Österreich, Polen, Singapur, Malaysia,
Großbritannien, Frankreich und Deutschland gewährt.
in TEUR 2020 2019
Schadensvergütungen 429 2.899
Erträge aus dem Abgang von Sachanlagen 409 1.364
V
erkauf von Neben- und Abfallprodukten 383 473
Mieterträge 225 234
Forschungsförderungen 827 704
Übrige 4.917 2.346
Summe 7.189 8.020
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 53
In den Erträgen aus dem Abgang von Sachanlagen der Vergleichsperiode war ein Ertrag in Höhe
von 1.288 TEUR aus dem Verkauf von Sachanlagen des im Geschäftsjahr 2018 geschlossenen Produk-
tionsstandortes der Sempertrans Best (ShanDong) Belting Co. Ltd. (SBB) enthalten.
2.4. Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen
2.5. Personalaufwand
Im Geschäftsjahr 2020 betrugen die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung rund
14.700 TEUR (Vorjahr: 15.520 TEUR); diese entfallen insbesondere auf Personalaufwendungen. Im
Personalaufwand sind auch Aufwendungen für Leihpersonal enthalten. Im Geschäftsjahr 2020 betrug
die durchschnittliche Anzahl des Leihpersonals 263 Mitarbeiter (Vorjahr: 584). Zu näheren Informatio-
nen betreffend die Vergütungen für Vorstandsmitglieder wird auf Kapitel 12.1 verwiesen.
Im Inland betrug die durchschnittliche Anzahl 874 Mitarbeiter (Vorjahr: 896). Der durchschnittliche
Personalstand der Semperit-Gruppe stellt sich wie folgt dar:
in Vollzeitäquivalenten 2020 2019
Arbeiter 5.292 5.251
Angestellte 1.679 1.716
Summe 6.972 6.967
in TEUR 2020 2019
Materialaufwand 363.172 398.084
Aufwendungen für Energie 52.210 51.169
Produktionsbezogene Wartungsaufwendungen 8.309 9.511
Aufwendungen für bezogene Leistungen 7.710 6.889
Summe 431.401 465.653
in TEUR 2020 2019
Löhne 76.911 76.348
Gehälter 88.519 79.846
Aufwendungen für Abfertigungen 1.778 1.502
Aufwendungen für Altersversorgung 1.138 1.227
Aufwendungen für gesetzlich vorgeschriebene Sozialabgaben
sowie vom Entgelt abhängige Abgaben und Pflichtbeiträge 32.642 32.151
Sonstige Sozialaufwendungen 8.784 5.622
Summe 209.772 196.696
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss54
2.6. Sonstige betriebliche Aufwendungen
Im Geschäftsjahr 2019 waren im Beratungsaufwand insbesondere auch Kosten für strategische
Projekte im Zusammenhang mit der Grundsatzentscheidung zur Trennung vom Sektor Medizin und
der Wachstumsstrategie „SemperGrowth200“ enthalten.
Der Ertrag bei den sonstigen Steuern im Geschäftsjahr 2019 resultierte aus einer Auflösung einer
Rückstellung für Steuerverfahren zu Verkehrssteuern in Brasilien betreffend die Veranlagungsjahre
2008 bis 2010.
Bedingt durch die Corona-Krise im Geschäftsjahr 2020 reduzierte sich der Umfang der Handels-
vertretertätigkeiten, wodurch der Provisions- und Werbeaufwand sank. Weiters reduzierten sich,
ebenfalls bedingt durch die Corona-Krise, die Reise- und Fahrtaufwendungen.
Für die im Geschäftsjahr 2020 erbrachten Dienstleistungen des Konzernabschlussprüfers
Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H. sowie der Gesellschaften des weltweiten
Netzwerks von Ernst & Young sind folgende Honorare als Beratungs- und Prüfungsaufwand erfasst
worden:
in TEUR 2020 2019
Prüfung des Konzernabschlusses und damit zusammenhängende
Bestätigungsleistungen
912 877
davon Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H. 342 334
Andere Bestätigungsleistungen 87 249
Sonstige Leistungen 22 101
Summe 1.022 1.227
in TEUR 2020 2019
Ausgangsfrachten 31.081 31.529
Instandhaltung und fremde Leistungen 12.674 10.709
Rechts-, Beratungs- und Prüfungsaufwand 11.183 20.575
V
ersicherungsprämien 4.864 4.515
Software-Lizenzaufwand 3.568 3.049
Reklamationskosten 3.272 2.863
Provisions- und Werbeaufwand 3.267 4.737
Reise- und Fahrtaufwand 2.430 7.379
Abfallentsorgung 2.178 2.081
Miet- und Leasingaufwand 2.121 2.274
Energiekosten nicht für die Produktion 1.952 2.321
Sonstige Steuern 1.938 –1.093
Büromaterial 1.149 1.117
Kommunikation 1.027 1.243
Gebühren, Beiträge, Spenden 953 1.197
Bankspesen und Absicherungskosten 527 492
Fortbildungsaufwendungen 512 1.469
Wertberichtigungen 370 257
Übrige 10.196 9.628
Summe 95.264 106.346
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 55
2.7. Finanzergebnis
in TEUR 2020 2019
Finanzierungserträge
Erträge aus Wertpapieren 78 40
Zinserträge 351 906
429 946
Finanzierungsaufwendungen
Zinsaufwand –5.412 –8.327
–5.412 –8.327
Sonstiges Finanzergebnis
Netto-Fremdwährungsergebnis 3.392 1.605
Nettoergebnis aus den Bewertungskategorien FVPL und FV –
Sicherungsinstrumente –2.305 –2.973
Sonstiges –364 –344
Summe 723 –1.712
Auf kündbare nicht beherrschende Anteile entfallendes Ergebnis –4.377 –4.067
Finanzergebnis –8.638 –13.160
Im Zinsaufwand sind Aufwendungen aus Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 206 TEUR (Vor-
jahr: 251 TEUR) enthalten.
Das Nettoergebnis von finanziellen Vermögenswerten aus der Bewertungskategorie AC (At Cost –
Zu fortgeführten Anschaffungskosten) setzt sich wie folgt zusammen:
in TEUR 2020 2019
Zinserträge 351 906
Wertberichtigungen –370 –257
Netto-Fremdwährungsergebnis 556 –3.800
Nettoergebnis aus der Bewertungskategorie AC (at cost) 536 –3.152
Die Wertberichtigungen von finanziellen Vermögenswerten zu fortgeführten Anschaffungskosten
sind in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen (siehe Kapiel 2.6) erfasst. Darin sind auch Auflö-
sungen von zuvor aufwandswirksam erfassten Wertberichtigungen von finanziellen Vermögenswerten
zu fortgeführten Anschaffungskosten enthalten.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss56
Im Geschäftsjahr 2020 betreffen die Finanzinstrumente der Bewertungskategorie FVPL (Fair Value
through Profit and Loss – Erfolgwirksam zum beizulegenden Zeitwert Devisentermingeschäfte zur
Absicherung von Teilen des operativen Geschäftes bei der thailändischen Semperflex Asia Corp. Ltd.
und zur Absicherung konzerninterner Finanzierungen bei der malaysischen Latexx Manufacturing Sdn
Bhd (siehe Kapitel 11.5). Der Cashflow Hedge betrifft die Absicherung eines Schuldscheindarlehens in
Polnischen Zloty (PLN).
Die Nettoergebnisse aus Finanzinstrumenten der Bewertungskategorien FVPL und FV – Sicher-
ungsinstrument setzen sich wie folgt zusammen:
in TEUR 2020 2019
Erträge aus Devisentermingeschäften 56 230
Aufwendungen aus Devisentermingeschäften –689 –3.626
Erträge/Verluste aus der Bewertung und dem Abgang von Wertpapieren 137 366
Nettoergebnis aus der Bewertungskategorie FVPL (Fair Value through Profit
and Loss) –496 –3.031
in TEUR 2020 2019
Cashflow Hedges – Reklassifizierung vom OCI inkl. Aufwand aus der Hedge
Rücklage –1.744 –104
Cashflow Hedges – ineffektiver Teil von Änderungen des beizulegenden
Zeitwertes –65 162
Nettoergebnis aus der Bewertungskategorie FV – Sicherungsinstrument –1.809 58
Aus dem Grundgeschäft zum Cashflow Hedge (Bewertung Schuldscheindarlehen in Polnischen
Zloty) resultiert ein Ertrag in Höhe von 1.841 TEUR
Von dem im Finanzergebnis enthaltenen Zinsaufwand entfallen 5.412 TEUR (Vorjahr: 8.327 TEUR)
auf zu fortgeführten Anschaffungskosten AC (At Cost – Zu fortgeführten Anschaffungskosten) be-
wertete Verbindlichkeiten. Bei den Verbindlichkeiten aus kündbaren nicht beherrschenden Anteilen
repräsentiert der in der Konzerngewinn- und -verlustrechnung erfasste Ergebnisanteil in Höhe von
4.377 TEUR (Vorjahr: 4.067 TEUR) den Zinsaufwand.
Das Netto-Fremdwährungsergebnis aus finanziellen Verbindlichkeiten zu fortgeführten Anschaf-
fungskosten beträgt 2.813 TEUR (Vorjahr: –5.180 TEUR).
2.8. Ertragsteuern
Der für das Geschäftsjahr ausgewiesene Steueraufwand umfasst die für die einzelnen Konzernunter-
nehmen aus dem steuerpflichtigen Einkommen und dem im jeweiligen Land anzuwendenden Steuer-
satz errechneten laufenden Steuern sowie die latenten Steuern.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 57
in TEUR 2020 2019
Laufender Steueraufwand (+) / Steuerertrag (–)
für die laufende Periode 31.195 10.979
für Vorperioden 5.271 0
Summe laufender Steueraufwand (+) / Steuerertrag (–) 36.466 10.979
Latenter Steueraufwand (+) / Steuerertrag (–)
aus der Entstehung und Umkehrung temporärer Differenzen 12.160 537
aus der Veränderung der Wertberichtigung von steuerlichen
Verlustvorträgen, Steuergutschriften und temporären Differenzen –21.332 18.964
sonstige latente Steuereffekte 7.279 –15.203
Summe latenter Steueraufwand (+) / Steuerertrag (–) –1.893 4.298
Summe 34.573 15.277
Der Anstieg des Steueraufwands im Geschäftsjahr 2020 resultiert im Wesentlichen aus der son-
derkonjunkturellen Entwicklung und der darausfolgenden Ergebnisverbesserung im Segment Semp-
ermed.
Steuerunsicherheiten in Bezug auf den Bestand zu verwertender steuerlicher Verlustvorträge wur-
de durch entsprechende Vorsorgen Rechnung getragen. Der Aufwand ist im Geschäftsjahr 2020 in
den Steuern aus Vorperioden enthalten.
Die Wertaufholung im Segment Sempermed führte zu einer Neubeurteilung der Bilanzierung akti-
ver latenter Steuern. Im Geschäftsjahr 2020 sind Erträge aus der Bilanzierung aktiver latenter Steuern
in Höhe von 2.583 TEUR enthalten, da nunmehr damit zu rechnen ist, dass zukünftige zu versteuern-
de Ergebnisse in den der Sempermed zuzurechnenden Tochterunternehmen die Realisierung der
Steueransprüche erlauben werden.
Darüber hinaus führte auch die Wertminderung im Segment Sempertrans zum Entstehen von ab-
zugsfähigen temporären Differenzen, deren Werthaltigkeit durch Planungsrechnungen, die hinrei-
chende zukünftige zu versteuernde Ergebnisse zeigen, belegt werden konnte. Im Geschäftsjahr 2020
sind Erträge aus der Bilanzierung aktiver latenter Steuern in Höhe von 3.666 TEUR in den dem Seg-
ment Sempertrans zuzurechnenden Tochterunternehmen enthalten, welche aus der Wertminderung
des langfristigen Segmentvermögens resultieren (siehe Kapitel 3.2). Im Zuge der Corona-Pandemie
wurden Steuererleichterungen, wie die Rücktragung von Verlustvorträgen, die erweiterte steuerliche
Absetzbarkeit von Aufwendungen, die Priorisierung der Zahlung von Steuerrückerstattungen und die
Rückzahlung beziehungsweise die Aussetzung von Steuervorauszahlungen durch die öffentliche Hand
gewährt. Diese Steuererleichterungen waren in der Semperit-Gruppe allerdings betragsmäßig von
untergeordneter Bedeutung.
Die Veränderung der Wertberichtigung von steuerlichen Verlustvorträgen, Steuergutschriften und
temporären Differenzen umfassen hauptsächlich die Neubeurteilung der Werthaltigkeit von noch
nicht genutzten steuerlichen Verlustvorträgen und Steuergutschriften aus Vorperioden.
Für Informationen zu den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, der Ergebnisüberleitung so-
wie Details zu latenten Steuern, siehe Kapitel 9.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss58
2.9. Ergebnis je Aktie
in EUR 2020 2019
Ergebnis nach Steuern in EUR 194.589.978 –44.920.340
Aus Hybridkapital auf die Aktionäre der Semperit AG Holding
entfallendes Ergebnis
in EUR –6.478.356 –6.937.561
Auf nicht beherrschende Anteile entfallendes Ergebnis in EUR –1.747.184 439.197
Auf Stammaktien entfallendes Ergebnis in EUR 186.364.438 –51.418.704
Durchschnittliche Anzahl der in Umlauf befindlichen Aktien in Stück 20.573.434 20.573.434
Ergebnis je Aktie (unverwässert und verwässert) in EUR 9,06 –2,50
Zum 31. Dezember 2019 sowie zum 31. Dezember 2020 waren keine Verwässerungseffekte zu be-
rücksichtigen.
Bei dem aus Hybridkapital auf die Aktionäre der Semperit AG Holding entfallenden Ergebnis
handelt es sich um die periodengerecht abgegrenzten „Zinsen“ auf das Hybridkapital. Grundsätzlich
hat die Semperit AG Holding keine „Zinsen“ auf das Hybridkapital zu bezahlen. Zinszahlungen auf
das Hybridkapital, welche gemäß IFRS wie Dividendenzahlungen zu behandeln sind, haben jedoch
insbesondere zu erfolgen, wenn Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden oder das Ma-
nagement sich ungeachtet einer Dividendenausschüttung zur Zahlung von „Zinsen“ entschließt. Im
Geschäftsjahr 2020 wurden „Zinsen“ in Höhe von 7.802 TEUR (Vorjahr: 10.545 TEUR) bezahlt.
2.10. Konzerngeldflussrechnung
Der operative Cashflow wird unter Anwendung der indirekten Methode erstellt. Die Bewertungsef-
fekte werden unter den sonstigen unbaren Aufwendungen bzw. Erträgen dargestellt. Diese umfassen
insbesondere das Ergebnis aus Wechselkursänderungen, Bewertung von Derivaten sowie die Verän-
derung der Wertberichtigung von Vorräten und Forderungen. Die Cashflows aus der Investitions- und
Finanzierungstätigkeit basieren auf einer direkten Ermittlung. Erhaltene Zinsen werden im Cashflow
aus der Investitionstätigkeit dargestellt, gezahlte Zinsen im Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit.
Die in der Entwicklung der immateriellen Vermögenswerte und Sachanlagen (siehe Kapitel 3.1
und 3.2) ausgewiesenen Zugänge in Höhe von gesamt 28.475 TEUR (Vorjahr: 30.199 TEUR) beinhal-
ten Ausgaben in Höhe von 6.979 TEUR (Vorjahr: 4.957 TEUR), die im Geschäftsjahr 2020 noch zu
keinem Abfluss liquider Mittel führten. Weiters wurden im Geschäftsjahr 2020 Anzahlungen für das
Anlagevermögen in Höhe von 561 TEUR (Vorjahr: 618 TEUR) getätigt.
Die Schwerpunkte bildeten überwiegend kapazitätserhaltende Investitionen und nur zum gerin-
gen Teil wurde in die Erweiterung und Verbesserung von Kapazitäten investiert. Die größten Investiti-
onen betrafen die Werke in Deutschland (7.190 TEUR; Vorjahr: 2.491 TEUR), Österreich (5.789 TEUR;
Vorjahr: 4.187 TEUR), Polen (4.471 TEUR; Vorjahr: 7.445 TEUR), Malaysia (3.736 TEUR; Vorjahr: 9.782
TEUR) und der Tschechischen Republik (1.766 TEUR; Vorjahr: 4.941 TEUR). Ein Gutteil der Investitio-
nen in die deutschen Werke betrifft Maschinenlieferungen für den zukünftigen Standortausbau des
Segments Semperseal in den USA.
Der Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit enthält in dem Posten Finanzverbindlichkeiten Aus-
zahlungen in Höhe von 34.990 TEUR aus der Rückführung von Schuldscheindarlehen (Vor-
jahr: 18.970 TEUR).
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 59
Die sonstigen Veränderungen beinhalten Zinsaufwendungen, den Anteil am Ergebnis nach Steu-
ern von kündbaren nicht beherrschenden Anteilen sowie unbare Zugänge und Abgänge aus Leasing-
verhältnissen.
Verbindlichkeiten aus Finanzierungsaktivitäten
in TEUR
Finanz-
verbindlich-
keiten
Verbindlich-
keiten aus
kündbaren
nicht beherr-
schenden
Anteilen
Derivative
Finanz-
verbindlich-
keiten
Leasing-
verbindlich-
keiten
Gesamt
Stand 01.01.2019 234.233 13.376 1.727 9.304 258.640
Cashflows aus der Finanzierungstätigkeit –29.540 –415 0 –2.668 –32.623
Effekte aus Wechselkursänderungen 1.479 1.402 0 13 2.894
V
eränderung der beizulegenden Zeitwerte 0 0 176 0 176
Sonstige Veränderungen 8.640 4.094 0 1.957 14.691
Stand 31.12.2019 214.813 18.457 1.903 8.606 243.779
Stand 01.01.2020 214.813 18.457 1.903 8.606 243.779
Cashflows aus der Finanzierungstätigkeit –46.286 –3.892 0 –3.303 –53.481
Effekte aus Wechselkursänderungen –6.930 –1.540 0 –149 –8.619
V
eränderung der beizulegenden Zeitwerte 0 0 1.733 0 1.733
Sonstige Veränderungen 5.497 4.377 0 849 10.723
Stand 31.12.2020 167.093 17.403 3.636 6.004 194.135
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss60
3. Langfristige Vermögenswerte
3.1. Immaterielle Vermögenswerte
Erworbene immaterielle Vermögenswerte
Erworbene immaterielle Vermögenswerte werden zu Anschaffungskosten, die in der Folge planmäßig
linear über die voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden, angesetzt. Die angenommene
Nutzungsdauer liegt in der Regel in der Bandbreite von einem bis zehn Jahren. Bei der Festlegung von
Nutzungsdauern sind Annahmen und Einschätzungen zu treffen.
Selbst erstellte immaterielle Vermögenswerte
Selbst erstellte immaterielle Vermögenswerte werden zu Herstellungskosten angesetzt. In Bezug auf
die planmäßige Abschreibung gilt das zu den erworbenen immateriellen Vermögenswerten Ausge-
führte sinngemäß. Die selbst erstellten immateriellen Vermögenswerte umfassen im Wesentlichen
Software und in geringem Umfang aktivierungsfähige Forschungs- und Entwicklungskosten. Die
angenommene Nutzungsdauer liegt in der Regel in der Bandbreite von zwei bis acht Jahren.
Im Wege von Unternehmenszusammenschlüssen erworbene immaterielle Vermögenswerte
Bei im Wege eines Unternehmenszusammenschlusses erworbenen und gesondert von einem allfälligen
Geschäfts- oder Firmenwert angesetzten immateriellen Vermögenswerten stellt der diesen zum Er-
werbsstichtag jeweils beizulegende Zeitwert die Anschaffungskosten dar. In Bezug auf die planmäßige
Abschreibung gilt das zu den erworbenen immateriellen Vermögenswerten Ausgeführte sinngemäß.
Emissionszertifikate
Die Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H. und die Semperflex Optimit s.r.o. unterliegen
den jeweiligen Emissionszertifikatsgesetzen in Österreich und der Tschechischen Republik und erhal-
ten Emissionszertifikate unentgeltlich von der öffentlichen Hand zugeteilt. Die Emissionszertifika-
te werden in der Bilanz mit einem Anschaffungskostenwert von null angesetzt (Nettomethode).
Verkäufe erfolgten im Geschäftsjahr 2020 wie auch im Vorjahr nicht.
Geschäfts- oder Firmenwerte
Geschäfts- oder Firmenwerte werden nicht planmäßig abgeschrieben, sondern einmal jährlich sowie
zusätzlich bei Vorliegen von Umständen, die auf eine mögliche Wertminderung hindeuten, auf
ihre Werthaltigkeit überprüft, vorausgesetzt, es liegen gemäß IAS 36 keine Umstände vor, die ein
Entfallen der jährlichen Werthaltigkeitsprüfung gestatten.
In der Semperit-Gruppe stellen die Segmente die niedrigste Ebene (zahlungsmittelgenerierende Ein-
heit, ZGE) dar, auf der Geschäfts- oder Firmenwerte für interne Managementzwecke überwacht werden.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 61
Die ausgewiesenen Geschäfts- oder Firmenwerte verteilen sich auf die zahlungsmittelgenerieren-
den Einheiten wie folgt:
Zahlungsmittelgenerierende Einheit in TEUR 31.12.2020 31.12.2019
Segment Semperflex 1.677 1.677
Segment Sempertrans 0 71
Summe 1.677 1.749
Der Firmenwert des Segments Sempertrans wurde im Geschäftsjahr 2020 vollständig abgeschrie-
ben (siehe Kapitel 3.2).
Für die Werthaltigkeitsprüfung des im Segment Semperflex bestehenden Firmenwerts ermittelte
das Management den erzielbaren Betrag zum 30. September 2020. Der erzielbare Betrag wurde als
Nutzungswert berechnet. Der durch die Corona-Pandemie erhöhten Prognoseunsicherheit wurde
durch die Berücksichtigung alternativer Planungsszenarien begegnet. Die Planungsszenarien unter-
scheiden sich im Wesentlichen in den Annahmen zur unterschiedlichen Abschätzung der Marktent-
wicklung im ersten Planjahr.
Die wesentlichen Annahmen, die bei der Ermittlung des erzielbaren Betrags des Segments
Semperflex verwendet wurden, beziehen sich auf die zukünftige Entwicklung der EBITDA-Marge
angesichts der anhaltenden Eintrübung der Geschäftserwartungen im Jahr 2021. In der Detailpla-
nungsphase erfolgte annahmengemäß eine schrittweise Verbesserung der Marge, um in der Renten-
phase (d.h. ab dem Geschäftsjahr 2026) eine EBITDA-Marge im Bereich zwischen 19,2% und 21,7%
zu erzielen. Die EBITDA-Margen im Geschäftsjahr 2026 unterscheiden sich je nach Planungsszenarien.
Der Planung lagen dabei zunächst die Annahmen des Managements zur Entwicklung der Märkte, der
Marktanteile der Segmente Semperflex und zu strategischen Produkt- und Kundeninitiativen zugrun-
de. Geplante ergebnisverbessernde Maßnahmen, die eine Kapazitätserweiterung oder Infrastruktur-
verbesserung erfordern, sowie solche, welche noch nicht hinreichend konkretisiert sind, wurden bei
der Ermittlung des Nutzungswerts nicht berücksichtigt. Die Sachanlageninvestitionen wirken kapazi-
tätserhaltend; sie entsprechen in etwa den geplanten Abschreibungen. Die Veränderungen des Trade
Working Capitals wurden umsatzabhängig geplant.
Die Cashflows nach dem Geschäftsjahr 2026 wurden mit einer nachhaltigen Wachstumsrate von
0,75% (Vorjahr: 0,75%) extrapoliert. Die Wachstumsrate reflektierte den Wettbewerbs- und Preisdruck
am Markt sowie ein moderat angenommenes Marktwachstum. Als Kapitalisierungszinssatz wurden
die durchschnittlichen gewichteten Kapitalkosten (Weighted Average Cost of Capital, WACC) unter
Anwendung des Capital Asset Pricing Models ermittelt. Hierbei wurde für den Sektor Industrie (Seg-
mente Semperflex, Sempertrans, Semperseal und Semperform) eine einheitliche Gruppe von Ver-
gleichsunternehmen (Peer Group) unterstellt. Der Kapitalisierungszinssatz vor Steuern, der für das
Segment Semperflex ermittelt wurde, liegt bei 10,9% (Vorjahr: 10,6%). Der Kapitalisierungszinssatz
nach Steuern beträgt 8,8% (Vorjahr: 8,2%).
Die Werthaltigkeit des angesetzten Geschäfts- oder Firmenwertes wurde im Rahmen der Durch-
führung der Werthaltigkeitsprüfung für das Segment Semperflex bestätigt.
Neben den Geschäfts- oder Firmenwerten verfügte die Semperit-Gruppe über keine immateriel-
len Vermögenswerte mit unbestimmter Nutzungsdauer.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss62
Entwicklung der immateriellen Vermögenswerte
Die Entwicklung der immateriellen Vermögenswerte stellt sich wie folgt dar:
Die Wertminderungen immaterieller Vermögenswerte des Segments Sempertrans betrugen im
Geschäftsjahr 2020 insgesamt 244 TEUR (Vorjahr: 0 TEUR) und entfielen auf Software, Lizenzen,
gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte sowie den Geschäfts- oder Firmenwert. Im Segment
Sempermed entfiel im Geschäftsjahr 2020 eine Wertaufholung in Höhe von 312 TEUR auf
immaterielle Vermögenswerte (Vorjahr: Wertminderung in Höhe von 322 TEUR). Für nähere
Informationen zu den Wertminderungen im Segment Sempertrans beziehungsweise zur
Wertaufholung im Sement Sempermed, siehe Kapitel 3.2.
in TEUR
Software-Lizenzen,
gewerbliche
Schutzrechte
und ähnliche Rechte
Geschäfts- oder
Firmenwert
Immaterielle
Vermögenswerte in
Entwicklung Gesamt
Anschaffungs- / Herstellungskosten
Stand 01.01.2019 49.383 43.932 1.413 94.729
Währungsdifferenzen 432 13 0 445
Zugänge 512 0 416 929
Abgänge –790 0 –1 –791
Umbuchungen 377 0 –794 –417
Stand 31.12.2019 49.914 43.946 1.035 94.895
Währungsdifferenzen –1.088 12 0 –1.076
Zugänge 394 0 951 1.345
Abgänge –44 0 0 –44
Umbuchungen 194 –29 –139 25
Stand 31.12.2020 49.370 43.929 1.846 95.145
Abschreibungen / Wertminderungen /
Wertaufholungen
Stand 01.01.2019 40.610 42.184 0 82.794
Währungsdifferenzen 411 13 0 425
Abschreibungen 4.068 0 0 4.068
Wertminderungen 168 0 153 322
Abgänge –790 0 0 –790
Umbuchungen 6 0 0 6
Stand 31.12.2019 44.474 42.197 153 86.824
Währungsdifferenzen –1.045 12 0 –1.032
Abschreibungen 1.925 0 0 1.925
Wertminderungen 172 71 0 244
Wertaufholungen –159 0 –153 –312
Abgänge –41 0 0 –41
Umbuchungen 0 –29 0 –29
Stand 31.12.2020 45.326 42.252 0 87.578
Buchwerte
Buchwert 01.01.2019 8.773 1.749 1.413 11.935
Buchwert 31.12.2019 5.441 1.749 881 8.071
Buchwert 31.12.2020 4.043 1.677 1.846 7.567
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 63
3.2. Sachanlagen
Sachanlagen werden mit ihren Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich kumulierter Ab-
schreibungen und Wertminderungen bewertet.
Die Abschreibung erfolgt, indem die Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich ihrer er-
warteten Restwerte linear über die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilt werden. Bei der Festle-
gung der Nutzungsdauern waren Annahmen und Einschätzungen zu treffen, die an jedem Abschluss-
stichtag überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
Im Segment Sempermed änderte sich die Einschätung der Nutzungsdauern in Folge der durch die
Corona-Pandemie bedingten höheren Auslastung und gestiegenen Profitabilität der Produktionsan-
lagen. Es wird nun grundsätzlich eine Nutzungsdauer bis Ende des Geschäftsjahrs 2025 angenom-
men; die Erfassung der Auswirkungen dieser geänderten rechnunglegungsbezogenen Schätzung
erfolgte prospektiv.
Die angenommenen voraussichtlichen Nutzungsdauern je Sachanlagenkategorie liegen in den
folgenden Bandbreiten:
Sachanlagen exkl. Nutzungsrechte
Nutzungsdauer
in Jahren
Grundstücke n/a
Betriebsgebäude und sonstige betriebliche Baulichkeiten 2–50
Technische Anlagen und Maschinen 1–30
Betriebs- und Geschäftsausstattung 2–25
Fahrzeuge 3–10
Die angenommenen voraussichtlichen Nutzungsdauern der im Sachanlagevermögen enthaltenen
Nutzungsrechte liegen in den folgenden Bandbreiten:
Nutzungsrechte
Nutzungsdauer
in Jahren
Grundstücke und Bauten einschließlich Bauten auf fremdem Grund 2–9
Technische Anlagen und Maschinen 3–5
Betriebs- und Geschäftsausstattung 3–8
Fahrzeuge 1–7
Wertminderung und Wertaufholung
Sachanlagen werden bei einem Anzeichen auf Wertminderung dahingehend überprüft, ob der Buch-
wert des Vermögenswertes bzw. der betreffenden zahlungsmittelgenerierenden Einheit den erzielba-
ren Betrag gemäß IAS 36 übersteigt. Liegt der Buchwert über dem erzielbaren Betrag, wird eine
entsprechende Wertminderung erfasst. Die Beurteilung der Werthaltigkeit und Ermittlung des erziel-
baren Betrages unterliegen wesentlichen Schätzungen und Annahmen. Dies betrifft insbesondere
Annahmen zur Unternehmensplanung, zu künftigen Inflations- und Wachstumsraten sowie zu Fremd-
währungskursen, zum Kapitalkostensatz zur Abzinsung künftiger Cashflows, zur erwartenden wirt-
schaftlichen Entwicklung jeder einzelnen zahlungsmittelgenerierenden Einheit sowie zu den separa-
ten erzielbaren Beträgen für einzelne Vermögenswerte als Wertuntergrenze einer etwaigen
Wertminderung.
Im Rahmen der Werthaltigkeitsprüfung wurden Nutzungsrechte und Leasingverbindichkeiten nach
IFRS 16 berücksichtigt. Die Nutzungsrechte werden dem Buchwert der zahlungsmittelgenerierenden
Einheit zugerechnet. Der erzielbare Betrag als Gesamtwert der zahlungsmittelgenerierenden Einheit
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss64
beinhaltet zum einen den Barwert der Cashflows einschließlich Mietzahlungen diskontiert mit Kapital-
kosten ohne Effekte aus der Leasingbilanzierung und zum anderen den Marktwert der Leasingver-
bindlichkeit.
Der Ausbruch der Corona-Pandemie in einer Phase der globalen Konjunkturabschwächung machte es
zum 30. Juni 2020 erforderlich, sämtliche Segmente der Semperit-Gruppe auf das Vorliegen von be-
obachtbaren Anhaltspunkten für eine Wertveränderung des Segmentvermögens zu untersuchen. Für die
Segmente Sempermed bzw. Sempertrans führte diese Untersuchung zu einem Wertaufholungs- bzw.
einem Wertminderungsbedarf.
Wertminderungsbedarf im Segment Sempertrans
Das Segment Sempertrans ist in der Produktion und im Vertrieb von Transport- und Fördergurten tätig, die
u.a. im Bergbau beim Abbau von Kohle, Erzen und seltenen Erdmetallen, in der Stahl- und Zementindust-
rie sowie im Tiefbau und in der Transportindustrie zum Einsatz kommen. Um den verschiedenen Einsatzan-
forderungen gerecht zu werden, verstärkt Sempertrans die Gurte entweder mit Textil- oder Stahlseilkar-
kassen. Der Markt für Transport- und Fördergurte gliedert sich in Ersatzgeschäfte und Neu- bzw.
Expansionsprojekte. Die Wachstumsregionen dieses Marktes liegen in China, im asiatisch-pazifischen
Wirtschaftsraum sowie in Afrika und Lateinamerika mit erwarteten jährlichen Wachstumsraten (pre Corona)
von 3,8–5,0% bis zum Geschäftsjahr 2025. In Bezug auf die Einsatzfelder bestehen Wachstumspotenziale
insbesondere im Bergbau beim Abbau von Erzen und seltenen Erdmetallen, in der Metallindustrie sowie
und in der Abfallwirtschaft beim Recycling. Das Geschäft der Sempertrans mit den Werken in Bełchatów
(Polen) und Roha (Indien) war bisher vor allem auf den westeuropäischen Markt und den Kohlebergbau
konzentriert. Der Restrukturierungs- und Transformationsprozess der Sempertrans in den letzten Jahren
beinhaltet auch das Gewinnen von Marktanteilen in den Wachstumsregionen (exkl. China) und in den
zukunftsträchtigen Einsatzfeldern für Transport- und Fördergurte. Das erfolgreiche Fortschreiten auf die-
sem strategischen Entwicklungspfad wurde durch den Ausbruch der Corona-Pandemie gebremst und
annahmengemäß in der zeitlichen Umsetzung nachhaltig beeinflusst. Einerseits sank die Nachfrage nach
Erzeugnissen der Bergbauindustrie infolge der rezessiven Entwicklungen in nachgelagerten Industrien (v.a.
Automobil- und Bauindustrie); andererseits verringerten Suspendierungen bzw. strenge Beschränkungen
bergbaulicher Aktivitäten das Angebot. Im zweiten Quartal 2020 waren zwischen 5% und 20% aller Minen
weltweit zeitweilig gesperrt, was das Ersatzgeschäft für Transport- und Fördergurte erheblich beeinträch-
tigt– eine Entwicklung, die sich im Wesentlichen auch im zweiten Halbjahr 2020 fortsetzte. Die Suspendie-
rungen und die allgemeinen Unsicherheiten in Bezug auf die Zukunft des Bergbaus hatten zur Folge, dass
weltweit große EPCM-Projekte im Bergbau zeitlich verschoben wurden. Dies führte zu einer Reduktion des
Auftragseingangs im ersten Halbjahr 2020 (zweiten Quartal 2020) gegenüber dem Vergleichszeitraum des
Vorjahres von rund 32% (rund 49%). Die monatlichen Auftragseingänge blieben bis zum Ende des Ge-
schäftsjahres 2020 unter dem Durchschnitt der jeweils letzten 12 Monate. Die Sempertrans konnte im
zweiten Halbjahr 2020 ihre Marktanteile zwar verteidigen, das Gewinnen von Marktanteilen und das
Eindringen in neue Einsatzfelder ist durch diese Rahmenbedingungen allerdings deutlich schwieriger
geworden. Dazu kam weiters, dass das indische Werk für 30 Arbeitstage von einem Lockdown betroffen
war. Aufgrund der hohen Infektionszahlen in Indien können weitere Lockdowns mit Auswirkungen auf die
Produktion des Werks nicht ausgeschlossen werden. Sowohl im indischen als auch im polnischen Werk
wurden die Arbeitszeitmodelle an die reduzierte Nachfrage angepasst.
Vor diesem Hintergrund ermittelte das Management der Sempertrans den erzielbaren Betrag für die
zahlungsmittelgenerierende Einheit des Segments zum 30. Juni 2020. Der erzielbare Betrag wurde als
Nutzungswert basierend auf aktualisierten Mittelfristplanungen mithilfe eines Discounted-Cashflow-
Modells (DCF) ermittelt. Die Cashflows nach dem Jahr 2025 wurden mit einer nachhaltigen Wachstumsra-
te von 0,75% extrapoliert. Die Wachstumsrate reflektiert den Wettbewerbs- und Preisdruck am Markt
sowie ein moderat angenommenes Marktwachstum. Als Kapitalisierungszinssatz wurden die durchschnitt-
lichen gewichteten Kapitalkosten (Weighted Average Cost of Capital, WACC) unter Anwendung des
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 65
Capital Asset Pricing Models auf der Basis aktualisierter Input-Parameter ermittelt. Der Kapitalisierungs-
zinssatz vor Steuern, der für die Sempertrans ermittelt wurde, liegt bei 10,9% (Vorjahr: 10,6%). Der Kapi-
talisierungszinssatz nach Steuern beträgt 8,8% (Vorjahr: 8,8%).
Die Planungen berücksichtigen das Fortschreiten auf dem geplanten strategischen Entwicklungspfad
sowie den weiterhin laufenden und durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch intensivierten
Transformationsprozess. Den Planungen liegen dabei die Annahmen des Managements der Sempertrans
zur Entwicklung der Märkte, der Marktanteile und zu den strategischen Produkt- und Kundeninitiati-
ven zugrunde. Der Historie von Abweichungen zwischen Plan- und Ist-Zahlen wurde im Bewertungs-
modell durch Abschläge Rechnung getragen. Kapazitäterweiternde und infrastrukturverbessernde
Maßnahmen wurden, notwendige Investitionen in den Bereichen Gesundheitsschutz, Arbeitssicher-
heit und Umweltschutz ausgenommen, nicht berücksichtigt. Die Sachanlageninvestitionen wirken
ausschließlich kapazitätserhaltend und orientieren sich (in Prozent vom Umsatzerlös) an der industriel-
len Peer Group. Die Veränderungen des Trade Working Capitals wurden umsatzabhängig auf der
Basis eines mehrjährigen Durchschnitts geplant und berücksichtigen geplante Verbesserungen im
Working-Capital-Management.
Der durch die Corona-Pandemie erhöhten Prognoseunsicherheit wurde durch die Berücksichtigung
alternativer Planungsszenarien begegnet. Allen drei Planungsszenarien liegt die Annahme zugrunde, dass
die bergbaulichen Aktivitäten ab Mitte des Jahres 2021 wieder an Fahrt aufnehmen; dies wird sich aller-
dings erst ab dem Jahr 2022 auf die Nachfrage nach Transport- und Fördergurten auswirken. Die Pla-
nungsszenarien unterscheiden sich im Wesentlichen in den Annahmen zum Umsatzwachstum (ausge-
drückt in der Compound Annual Growth Rate, CAGR) und zur Entwicklung der EBITDA-Marge bis zur
Rentenphase (d.h. ab dem Jahr 2026):
Planungsszenario Gewichtung
CAGR Umsatz
(Basis: 2019)
1)
CAGR Umsatz
(Basis: 2020)
1)
EBITDA-Marge
in 2026ff
Base Case 50% 3,00% 9,80% 11,60%
Downside Case 30% 2,00% 8,50% 9,10%
Upside Case 20% 3,90% 10,90% 13,70%
1)
Umsatzerlöse vor Abschlägen zur Berücksichtigung historischer Abweichungen zwischen Plan- und Ist-Zahlen
Zum 30. Juni 2020 betrug der über die Szenarien gewichtete erzielbare Betrag für die Sempertrans
insgesamt 64.578 TEUR und lag damit unter dem Buchwert in Höhe von 84.418 TEUR (davon Trade
Working Capital, exkl. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen in Bezug auf Anlageninvestiti-
onen: 25.807 TEUR). Der daraus resultierende Wertminderungsbedarf zum 30. Juni 2020 in Höhe von
19.840 TEUR wurde auf das wesentliche langfristige Segmentvermögen alloziert und, umgerechnet mit
dem Stichtagskurs zum 30. Juni 2020, in den funktionalen Währungen jener Tochterunternehmen, die
dem Segment Sempertrans zugehörig sind, erfasst. Mit den durchschnittlichen Devisenmittelkursen des
ersten Halbjahres 2020 resultierte daraus ein Wertminderungsaufwand in Höhe von 20.004 TEUR. Zum
31. Dezember 2020 ergab sich, umgerechnet mit den durchschnittlichen Devisenmittelkursen des
Geschäftsjahres 2020, ein Wertminderungsaufwand in Höhe von 19.848 TEUR (Vorjahr: 1.119 TEUR)
der wie folgt auf das langfristige Segmentvermögen alloziert wurde:
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss66
in TEUR
31.12.2020 31.12.2019
Firmenwert 71 0
Sonstige immaterielle Vermögenswerte 172 314
Sachanlagen 19.604 804
Wertminderungsaufwand im Segment Sempertrans 19.848 1.119
Zum 31. Dezember 2020 lagen keine beobachtbaren Anhaltspunkte für eine weitere Wertände-
rung des Segmentvermögens vor.
Wertaufholungsbedarf im Segment Semperflex
Aufgrund der beschränkten betrieblichen Nutzung wurde ein Gebäude der Semperflex Optimit s.r.o.,
Odry, Tschechische Republik, in der Vergangenheit wertgemindert. Im Geschäftsjahr 2020 ergab sich
aufgrund der erweiterten betrieblichen Nutzung des Gebäudes als Lagerhalle ein Wertaufholungsbedarf
in Höhe von 178 TEUR.
Wertaufholungsbedarf im Segment Sempermed
Das Segment Sempermed ist in der Produktion von Untersuchungs- und Operationshandschuhen für
den medizinischen Bereich sowie von Schutzhandschuhen für den industriellen Bereich tätig. Neben
dem weltweiten Vertrieb der Eigenproduktion handelt Sempermed auch mit Handschuhen anderer
Produzenten. Im Vorjahr gab es beobachtbare Anhaltspunkte dafür, dass sich die relative Wettbewerbs-
position der Sempermed verschlechterte bzw. verschlechtert hatte: Die Investitionsintensität der we-
sentlichen Wettbewerber war durch Kapazitätsaufbau und Produktionsautomatisierung über die Erwar-
tungen gestiegen; das Marktumfeld entwickelte sich überaus dynamisch. Obwohl bei der Verbesserung
der operativen Leistungskennzahlen bereits im zweiten Halbjahr 2019 deutliche Aufwärtstendenzen
erkennbar waren, war zu erwarten, dass Überkapazitäten am Markt und daraus resultierender Preisdruck
die Profitabilität gegenüber der bisherigen Planung deutlich und nachhaltig negativ beeinflussen wür-
den. Deshalb wurde im dritten Quartal 2019 neuerlich eine Wertminderung auf das Segmentvermögen
der Sempermed erfasst. Vor dem Hintergrund der drastisch verschärften Wettbewerbsdynamik und
angesichts der Tatsache, dass der kapazitätsseitige Abstand zu den Marktführern stetig zunimmt, be-
schlossen der Vorstand und der Aufsichtsrat mit Wirkung vom 28. Jänner 2020 die Trennung vom Seg-
ment Sempermed. Die Umsetzung der Trennungsentscheidung wird angesichts der durch die Corona-
Pandemie bedingten Sonderkonjunktur vorerst hintangestellt.
Durch die Corona-Pandemie und den dadurch enorm gestiegenen Bedarf an Schutzausrüstung
sowohl im medizinischen Bereich wie auch in anderen Bereichen (z.B. in Gastronomie und Hotellerie)
wurde der bisherige Käufermarkt für Untersuchungs- bzw. Schutzhandschuhe zu einem Verkäufer-
markt. Im Juni 2020 wurde seitens der Malaysian Rubber Glove Manufacturers Association
(MARGMA) der weltweite Bedarf für das laufende Jahr auf rund 330 Mrd. Stück an Handschuhen
geschätzt (+16% gegenüber Vorjahr). Die Nachfrage würde dabei das Angebot um rund 5% über-
steigen. Die Auftragsbücher sämtlicher Handschuhproduzenten waren zum Halbjahr bereits auf über
ein Jahr hinaus gefüllt; die Lieferzeiten sind von 30–60 Tagen auf rund 15 Monate gestiegen. Der
durchschnittliche Verkaufspreis für Handschuhe (Average Selling Price, ASP) ist im Wesentlichen durch
die Markt- bzw. Wettbewerbsdynamik und die Schwankungen der Inputfaktorpreise (v.a. des Roh-
stoffpreises) bestimmt. In der Corona-Pandemie ist die Marktdynamik durch einen beträchtlichen
Nachfrageüberhang und eine regelrechte Preisrallye gekennzeichnet. Sempermed ist kein Preisführer
am Markt, folgt aber der Marktpreisentwicklung: In Bezug auf den Auftragseingang von Untersu-
chungshandschuhen ist der ASP von Jänner bis Juni 2020 um rund +37% gestiegen; auf das Gesamt-
jahr gerechnet (d.h. Jänner bis Dezember 2020) um rund +176%. Der Stand des Auftragsbuches ist
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 67
von 31. Dezember 2019 bis 30. Juni 2020 um rund 280% gestiegen; bis zum 31. Dezember 2020
konnte der Stand des Auftragsbuches fast versechsfacht werden. Darüber hinaus zeigen die operati-
ven Key Performance Indicators (KPIs) der Sempermed eine sehr erfreuliche Entwicklung: Die Ge-
samteffizienz der Anlagen (Overall Equipment Efficiency, OEE) in Malaysia ist aktuell bei rund 90%
(Vorjahr: rund 75%). Der Output in der Untersuchungshandschuhproduktion ist aufgrund geringerer
ungeplanter Stillstände der Anlagen und geringerer Rüstzeiten im ersten Halbjahr 2020 (im Gesamt-
jahr 2020) um rund 20% (rund 24%) über jenem des Vergleichszeitraums des Vorjahres; in der Opera-
tionshandschuhproduktion liegt der Output um rund 14% (rund 13%) darüber. Die Werke zur Unter-
suchungshandschuhproduktion in Kamunting (Malaysia) und zur Operationshandschuhproduktion in
Wimpassing (Österreich) waren in der Corona-Pandemie bisher nicht von Lockdowns betroffen.
Vor diesem Hintergrund ermittelte das Management der Sempermed den erzielbaren Betrag für
die zahlungsmittelgenerierende Einheit des Segments zum 30. Juni 2020. Der erzielbare Betrag
wurde als Nutzungswert basierend auf aktualisierten Mittelfristplanungen mithilfe eines Discounted-
Cashflow-Modells (DCF) ermittelt. Es war davon auszugehen, dass etwa ab Mitte des Jahres 2021 die
Preisrallye der Corona-Pandemie ein Ende nehmen wird. Erwartungsgemäß werden sukzessive neue
Produktionskapazitäten der Wettbewerber in Betrieb genommen werden und das Angebot wird sich
der Nachfrage annähern. Es ist in der Folge mit fallenden Preisen, einem erneuten Angebotsüber-
hang (allerdings auf einem höheren Nachfrageniveau) sowie einer Rückkehr zum Pre-Corona-
Preiseniveau im Geschäftsjahr 2023 zu rechnen. Die relative Wettbewerbssituation der Sempermed
wird sich annahmengemäß dann gegenüber dem 31. Dezember 2019 de facto verschlechtert darstel-
len. Vor dem Hintergrund des unverändert gültigen Beschlusses des Vorstands und des Aufsichtsrats
zur Trennung von der Sempermed ist das Bewertungsmodell daher als endliches Modell konzipiert;
an die (verkürzte) Detailplanungsphase schließt keine Rentenphase mehr an. Die Liquidationswerte
wurden aus den Bilanzansätzen vom 31. Dezember 2019, welche im Wesentlichen als separate beizu-
legende Zeitwerte der einzelnen Vermögenswerte ermittelt worden sind, abgeleitet. Als Kapitalisie-
rungszinssatz wurden die durchschnittlichen gewichteten Kapitalkosten (Weighted Average Cost of
Capital, WACC) unter Anwendung des Capital Asset Pricing Models auf der Basis aktualisierter Input-
Parameter ermittelt. Die Berechnung des Nutzungswerts erfolgte nach Ertragssteuern mit einem
Kapitalisierungszinssatz nach Steuern von 8,4% (Vorjahr: 7,9%). Bei einer Überleitung des Nutzungs-
werts in eine wertgleiche Berechnung vor Ertragssteuern ergibt sich im Wesentlichen aufgrund des
Profils der bewertungsrelevanten Cashflows und der Endlichkeit des Planungszeitraums (rechnerisch)
ein Kapitalisierungszinssatz vor Steuern von 24,5% (Vorjahr: 17,7%).
Die Planungen beruhen auf Produktionsmengen, die bei Untersuchungshandschuhen rund 24–
30% und bei Operationshandschuhen rund 11% über dem Output im Geschäftsjahr 2019 liegen.
Annahmengemäß kommt das Handelsgeschäft mit Handschuhen anderer Produzenten – Vinylhand-
schuhe ausgenommen – de facto zum Erliegen und nimmt erst mit der Inbetriebnahme neuer Produk-
tionskapazitäten durch die Wettbewerber wieder an Fahrt auf. Die Preisannahmen folgen den Markt-
preiserwartungen. Der Historie von Abweichungen zwischen Plan- und Ist-Zahlen wurde im
Bewertungsmodell durch diverse Abschläge Rechnung getragen. Darüber hinaus wurde das Risiko
aus Lieferengpässen beim Rohstoff Nitril (Nitrile Butadiene Rubber, NBR) in der Planung der bewer-
tungsrelevanten Cashflows explizit berücksichtigt. Kapazitäterweiternde und infrastrukturver-
bessernde Maßnahmen wurden nicht berücksichtigt. Die Sachanlageninvestitionen beschränken sich
auf das notwendige Ausmaß, um die Kapazität im endlichen Planungszeitraum zu erhalten. Die Ver-
änderungen des Trade Working Capitals wurden umsatzabhängig bzw. produktionskostenabhängig
geplant.
Der durch die Corona-Pandemie erhöhten Prognoseunsicherheit wurde durch die Berücksichti-
gung alternativer Planungsszenarien begegnet. Allen drei Planungsszenarien liegt die oben beschrie-
bene Marktdynamik in der Corona-Pandemie zugrunde. Die Planungsszenarien unterscheiden sich im
Wesentlichen in den Annahmen zum ASP für Untersuchungshandschuhe: Im mit 30% (20%) gewichte-
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss68
ten Downside Case (Upside Case) beträgt dieser in den Geschäftsjahren 2021 und 2022 74,7% bzw.
88,9% (111,9% bzw. 113,4%) des ASP im mit 50% gewichten Base Case.
Zum 30. Juni 2020 betrug der über die Szenarien gewichtete erzielbare Betrag für die
Sempermed insgesamt rund 200.000 TEUR und lag damit über dem Buchwert in Höhe von
70.696 TEUR (davon Trade Working Capital, exkl. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
in Bezug auf Anlageninvestitionen: 54.771 TEUR) und auch über den fortgeschriebenen Anschaf-
fungskosten. Der daraus resultierende Wertaufholungsbedarf zum 30. Juni 2020 in Höhe von
86.870 TEUR wurde auf das wesentliche langfristige Segmentvermögen alloziert und, umgerechnet
mit dem Stichtagskurs zum 30. Juni 2020, in den funktionalen Währungen jener Tochterunternehmen,
die dem Segment Sempermed zugehörig sind, erfasst. Umgerechnet mit den durchschnittlichen
Devisenterminkursen des ersten Halbjahres 2020, resultierte daraus ein Ertrag aus der Wertaufholung
in Höhe von 88.834 TEUR. Zum 31. Dezember 2020 ergibt sich, umgerechnet mit den durchschnittli-
chen Devisenmittelkursen des Geschäftsjahres 2020, ein Ertrag aus der Wertaufholung in Höhe von
86.174 TEUR (Vorjahr: Wertminderungsaufwand in Höhe von –48.779 TEUR) aus der der wie folgt auf
das langfristige Segmentvermögen alloziert wurde:
in TEUR
31.12.2020 31.12.2019
Sonstige immaterielle Vermögenswerte 312 –322
Sachanlagen 85.862 –48.457
Ertrag aus Wertaufholung/Wertminderungsaufwand
im Segment Sempermed
86.174 –48.779
Die Marktdynamik für Untersuchungs- und Schutzhandschuhe wird insbesondere von der Dauer
und weiteren Intensität der Corona-Pandemie abhängig sein. Das Auftreten von Virusmutationen
sowie die entsprechende Wirksamkeit und hinlängliche Verfügbarkeit von Impfstoffen erhöhen wei-
terhin die bereits bestehenden Unsicherheiten im Hinblick auf die künfigte Marktenwicklung. Auch
wenn im Zuge der Impfkampagnen kurzfristig mit einem Absatzanstieg zu rechnen ist, zeigen Erfah-
rungen aus früheren Pandemien, dass sich die Nachfrage nach Handschuhen zu normalisieren be-
ginnt, sobald ein wirksamer Impfstoff gegen das Virus vorliegt oder die Verbreitung des Virus signifi-
kant abnimmt. Infolge eines gestiegenen Gesundheitsbewusstseins ist allerdings von einer gewissen
Sockelwirksamkeit des Nachfrageanstiegs auszugehen. Das Angebot an Handschuhen wird jedenfalls
durch neu geschaffene Produktionskapazitäten steigen. Angesichts dessen und vor dem Hintergrund
des Betriebs der Produktionsanlagen an der Leistungsgrenze geht das Management der Sempermed
derzeit grundsätzlich von einer wirtschaftlichen Nutzungsdauer des langfristigen Segmentvermögens
bis Ende des Geschäftsjahres 2025 aus. Die Auswirkung auf den Abschreibungsbetrag und damit auf
das EBIT des Geschäftsjahres 2020 betrug rund 9.481 TEUR. In den Folgejahren kann annahmege-
mäß mit einer jährlichen Abschreibung in Höhe von rund 21.156 TEUR gerechnet werden; davon sind,
die Wertaufholung im Geschäftsjahr 2020 berücksichtigend, rund 18.962 EUR durch die Schätzungs-
änderung der Nutzungsdauer bedingt. Dieser prognostizierte Betrag verringert sich einerseits suk-
zessive, da einzelne Vermögenswerte im Zeitablauf voll abgeschrieben sein werden; andererseits
besteht natürlich eine Prognoseunsicherheit in Bezug auf die zukünftige Entwicklung der Fremdwäh-
rungskurse.
Gemäß dem aktuellen Bewertungsmodell zeigt der erzielbare Betrag der Sempermed einen
stark degressiven Verlauf; dies könnte im nächsten Geschäftsjahr zu einer neuerlichen Anpassung der
Buchwerte des Segmentvermögens der Sempermed führen. Die tatsächlich realisierten Beträge für
das Segmentvermögen der Sempermed können allerdings – sie sind letztendlich auch vom Realisati-
onsmodus abhängig – von den bilanzierten Wertansätzen, die auf den aktuellen Einschätzungen des
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 69
Managements der Sempermed und dessen Annahmen zur zukünftigen Marktdynamik basieren,
abweichen. Die bewertungsrelevanten Einschätzungen und Annahmen zur zukünftigen Marktdynamik
sind regelmäßig zu überprüfen und die Wertansätze sind gegebenenfalls anzupassen. Zum
31. Dezember 2020 lagen noch keine beobachtbaren Anhaltspunkte für eine Wertminderung des
Segmentvermögens vor.
Entwicklung der Sachanlagen
Die Entwicklung der Sachanlagen stellt sich wie folgt dar:
in TEUR
Grundstücke
und Bauten
einschließlich
Bauten auf
fremdem Grund
Technische
Anlagen und
Maschinen
Andere
Anlagen,
Betriebs- und
Geschäfts-
ausstattung Anlagen in Bau Gesamt
Anschaffungs- / Herstellungskosten
Stand 01.01.2019 200.035 544.714 79.843 29.239 853.832
Währungsdifferenzen 2.597 8.152 1.649 190 12.588
Zugänge 3.429 11.676 4.142 15.237 34.485
Abgänge –1.867 –17.583 –4.688 –76 –24.214
Umgliederung zu zur Veräußerung
gehaltenen langfristigen Vermögenswerten –10.316 0 0 0 –10.316
Umbuchungen 8.719 23.097 746 –32.145 416
Stand 31.12.2019 202.597 570.056 81.692 12.445 866.790
Währungsdifferenzen –7.420 –20.893 –3.120 –678 –32.111
Zugänge 1.970 7.641 4.061 16.569 30.241
Abgänge –3.041 –11.848 –1.636 –257 –16.783
Umbuchungen 707 5.637 –80 –6.355 –91
Stand 31.12.2020 194.814 550.592 80.917 21.723 848.046
Abschreibungen / Wertminderungen /
Wertaufholungen
Stand 01.01.2019 98.597 347.066 63.027 441 509.132
Währungsdifferenzen 1.340 5.664 1.390 4 8.398
Abschreibungen 5.173 20.651 4.529 0 30.354
Wertminderungen 11.861 31.757 5.310 649 49.576
Abgänge –129 –16.261 –4.265 0 –20.654
Umgliederung zu zur Veräußerung
gehaltenen langfristigen Vermögenswerten
–4.554 0 0 0 –4.554
Umbuchungen 305 3.047 –3.106 –252 –6
Stand 31.12.2019 112.594 391.925 66.885 842 572.246
Währungsdifferenzen –3.745 –13.140 –2.509 –79 –19.473
Abschreibungen 7.343 22.883 5.108 0 35.335
Wertminderungen 3.843 13.210 285 2.265 19.603
Wertaufholungen –22.532 –54.903 –8.302 –304 –86.040
Abgänge –620 –11.623 –1.502 –22 –13.766
Umbuchungen 0 898 –444 –491 –37
Stand 31.12.2020 96.883 349.251 59.521 2.211 507.867
Buchwerte
Buchwert 01.01.2019 101.438 197.648 16.817 28.798 344.700
Buchwert 31.12.2019 90.004 178.131 14.806 11.604 294.544
Buchwert 31.12.2020 97.931 201.341 21.395 19.512 340.179
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss70
Von dem für Grundstücke und Bauten, einschließlich der Bauten auf fremdem Grund, ausgewie-
senen Buchwert entfallen 7.132 TEUR (Vorjahr: 5.956 TEUR) auf Grund und Boden (Grundwert).
Im Geschäftsjahr 2020 war der Effekt aus Aktivierung der Fremdkapitalkosten als Bestandteil der
Herstellungskosten von qualifizierten Vermögenswerten wie im Vorjahr unwesentlich.
Zum 31. Dezember 2020 und 31. Dezember 2019 waren keine Sachanlagen als Sicherheiten für Ver-
bindlichkeiten verpfändet.
Zum 31. Dezember 2020 bestanden vertragliche Verpflichtungen zum Erwerb von Sachanlagen in
Höhe von 3.527 TEUR (Vorjahr: 5.553 TEUR).
Nutzungsrechte
Die Semperit-Gruppe ist insbesondere Leasingnehmer in Bezug auf Nutzungsrechte an Grundstücken
und Gebäuden, Büroausstattungen und Kraftfahrzeugen.
Als Leasingnehmer erfasst die Semperit-Gruppe im Zeitpunkt der Bereitstellung des Leasingob-
jekts für ansatzpflichtige Leasingverträge eine Leasingverbindlichkeit als sonstige finanzielle Verbind-
lichkeit und einen Vermögenswert aus einem Nutzungsrecht als Teil des Sachanlagevermögens. Die
Leasingverbindlichkeit wird verzinst und durch die laufenden Zahlungen annuitätisch getilgt; das
Nutzungsrecht wird linear über den kürzeren Zeitraum von Nutzungsdauer oder Vertragslaufzeit
abgeschrieben.
Das Wahlrecht, die Regel zur Leasingbilanzierung nicht auf Leasingverträge mit kurzfristiger (d.h.
bis zu 12-monatiger) Laufzeit, auf Leasingobjekte von geringem Wert (d.h. bis zu einem Neuwert in
Höhe von rund 5 TEUR) und auf immaterielle Vermögenswerte anzuwenden, wird ausgeübt. Die
Semperit-Gruppe weist somit für diese Art von Verträgen keine Nutzungsrechte und Leasingverbind-
lichkeiten aus; Leasingzahlungen aus diesen Verträgen werden linear über die Laufzeit als Aufwand
erfasst.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 71
Die in den Sachanlagen enthaltenen Nutzungsrechte aus Leasingverhältnissen haben sich im
Geschäftsjahr 2020 wie folgt entwickelt:
Nutzungsrechte
in TEUR
Grundstücke
und Bauten
einschließlich
Bauten auf
fremdem
Grund
Technische
Anlagen und
Maschinen
Andere
Anlagen,
Betriebs- und
Geschäfts-
ausstattung Gesamt
Anschaffungs- / Herstellungskosten
Stand 01.01.2019 7.358 0 1.979 9.337
Währungsdifferenzen 19 2 6 26
Zugänge 2.741 203 1.115 4.059
Abgänge –1.741 0 –308 –2.048
Umbuchungen –29 0 0 –29
Stand 31.12.2019 8.349 204 2.791 11.345
Währungsdifferenzen –250 –6 –28 –284
Zugänge 1.457 2 1.651 3.110
Abgänge –2.446 0 –497 –2.942
Stand 31.12.2020 7.111 201 3.917 11.229
Abschreibungen / Wertminderungen /
Wertaufholungen
Stand 01.01.2019 0 0 0 0
Währungsdifferenzen 10 1 2 13
Abschreibungen 1.871 82 804 2.756
Wertminderungen 773 0 0 773
Abgänge –4 0 –21 –26
Umbuchungen –22 0 0 –22
Stand 31.12.2019 2.627 83 784 3.494
Währungsdifferenzen –136 –2 –11 –149
Abschreibungen 1.831 82 969 2.882
Wertminderungen 89 0 95 184
Wertaufholungen –428 0 0 –428
Abgänge –68 0 –407 –475
Stand 31.12.2020 3.914 163 1.430 5.507
Buchwerte
Buchwert 01.01.2019 7.358 0 1.979 9.337
Buchwert 31.12.2019 5.722 122 2.007 7.850
Buchwert 31.12.2020 3.197 38 2.487 5.722
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss72
Zum 31. Dezember 2020 sind Nutzungsrechte in den Sachanlagen mit 5.722 TEUR (Vor-
jahr: 7.850 TEUR) sowie Leasingverbindlichkeiten in den kurz- und langfristigen sonstigen finanziellen
Verbindlichkeiten in Höhe von 6.004 TEUR (Vorjahr: 8.606 TEUR) erfasst. Für die Fälligkeitsanalyse der
Leasingverbindlichkeiten zum 31. Dezember 2020, siehe Kapitel 11.2.
Die Semperit-Gruppe hat mehrere Leasingverträge abgeschlossen, die Verlängerungs- und Kündi-
gungsoptionen enthalten. Diese Optionen wurden vom Management ausgehandelt, um das Portfolio
an Leasinggegenständen flexibel und in Einklang mit den jeweiligen Geschäftsanforderungen des
Konzerns verwalten zu können. Die Beurteilung der Frage, ob die Ausübung dieser Verlängerungs-
und Kündigungsoptionen hinreichend sicher ist, erfordert wesentliche Ermessensentscheidungen
vonseiten des Managements. Die folgende Tabelle zeigt die undiskontierten potenziellen künftigen
Leasingzahlungen für Perioden nach dem Ausübungszeitpunkt der Verlängerungs- und Kündigungsop-
tionen, die nicht in die Laufzeit des Leasingverhältnisses eingerechnet sind.
in TEUR
innerhalb
der nächsten
5 Jahre
über
6 bis 10
Jahre Summe
V
erlängerungsoptionen, die voraussichtlich
nicht ausgeübt werden 3.996 2.094 6.090
Kündigungsoptionen, die voraussichtlich ausgeübt werden 1.303 1.916 3.219
Summe potenzieller zukünftiger Leasingzahlungen
zum 31.12.2020 5.299 4.010 9.309
in TEUR
innerhalb
der nächsten
5 Jahre
über 6 bis 10
Jahre Summe
V
erlängerungsoptionen, die voraussichtlich nicht ausgeübt
werden 927 741 1.668
Kündigungsoptionen, die voraussichtlich ausgeübt werden 1.296 2.141 3.436
Summe potenzieller zukünftiger Leasingzahlungen zum
31.12.2019
2.223 2.882 5.105
Im Geschäftsjahr 2020 wurden folgende Beträge aus Leasingverhältnissen erfolgswirksam erfasst:
in TEUR
2020 2019
Abschreibungsaufwand für Nutzungsrechte 2.882 2.756
Wertminderung für Nutzungsrechte 184 773
Zinsaufwendungen für Leasingverbindlichkeiten 206 251
Aufwand für Leasingverhältnisse mit kurzfristiger Laufzeit 496 523
Aufwand für Leasingverhältnisse über Leasingobjekte von geringem Wert 238 192
Wertaufholung für Nutzungsrechte –428 0
Erfolgswirksam erfasster Gesamtbetrag 3.578 4.495
Die Zahlungsmittelabflüsse der Semperit-Gruppe für Leasingverhältnisse (inklusive Leasingver-
hältnisse mit kurzfristiger Laufzeit und Leasingverhältnisse über Leasingobjekte von geringem Wert)
betrugen im Geschäftsjahr 2020 insgesamt 4.006 TEUR (Vorjahr: 3.631 TEUR).
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 73
3.3. Sonstige finanzielle Vermögenswerte (langfristig)
Die Buchwerte der langfristigen sonstigen finanziellen Vermögenswerte setzen sich wie folgt zusammen:
in TEUR
31.12.2020 31.12.2019
Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert
bewertete finanzielle Vermögenswerte
Fondsanteile, Aktien, andere Wertpapiere 6.692 6.554
6.692 6.554
Zu fortgeführten Anschaffungskosten
bewertete finanzielle Vermögenswerte
Darlehen an assoziierte Unternehmen 0 563
Forderungen gegenüber Personal 20 23
Übrige sonstige finanzielle Vermögenswerte 425 825
445 1.411
Summe 7.137 7.965
Bei den Fondsanteilen handelt es sich um 97.500 Stück Anteile (Vorjahr: 97.500 Stück Anteile) am
PIA TopRent, einem Anleihenfonds, der zur Deckung von Pensionsrückstellungen geeignet ist und
überwiegend in fest- und variabel verzinsliche Staatsanleihen in der Euro-Zone veranlagt.
Die Forderungen gegenüber Personal beinhalten im Wesentlichen Vorschüsse an Mitarbeiter.
Angaben zu Finanzinstrumenten – langfristige und kurzfristige Vermögenswerte
Die nachfolgende Tabelle zeigt die Buchwerte der einzelnen finanziellen Vermögenswerte gegliedert
nach den Bewertungskategorien gemäß IFRS 9.
1)
FVPL (Fair Value through Profit and Loss – Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert); AC (At Cost – Zu fortgeführten Anschaffungskosten)
In den übrigen sonstigen finanziellen Vermögenswerten sind Forderungen gegenüber Personal
und sonstige Forderungen enthalten (siehe Kapitel 3.3 und 6.5).
Langfristige finanzielle Vermögenswerte, die zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden
Der Ansatz bzw. die Ausbuchung finanzieller Vermögenswerte aufgrund eines marktüblichen Kaufs
bzw. Verkaufs erfolgen zum Erfüllungstag. Die beizulegenden Zeitwerte der Wertpapiere werden
anhand von öffentlich zugänglichen Kursen ermittelt.
Bei den erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewerteten derivativen Finanzinstrumenten
handelt es sich um Devisentermingeschäfte.
in TEUR
Bewertungskategorie
gemäß IFRS 9
1)
Stufe Anhang
Buchwert
31.12.2020
Buchwert
31.12.2019
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen AC – 4.2 99.318 94.555
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 3.3, 6.5
Wertpapiere FVPL 1 6.692 6.554
Darlehen an assoziierte Unternehmen AC – 0 563
Derivative Finanzinstrumente FVPL 2 560 52
Übrige sonstige finanzielle Vermögenswerte AC – 2.021 3.611
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 6.6 144.972 141.356
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss74
Zur Absicherung von Fremdwährungsrisiken werden neben operativen Maßnahmen einzelne deri-
vative Finanzinstrumente, vor allem Devisentermingeschäfte, eingesetzt. Die Bewertung erfolgt
mit dem aktuellen Marktwert. Der Marktwert entspricht jenem Wert, den das jeweilige Konzernunter-
nehmen bei Auflösung des Geschäfts am Abschlussstichtag erhalten würde oder zahlen müsste.
Positive Marktwerte zum Abschlussstichtag werden unter den sonstigen finanziellen Vermögenswer-
ten und negative Marktwerte unter den sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten ausgewiesen. Sollten
die Voraussetzungen für Hedge Accounting gegeben sein, wird dieses zum Teil angewendet. Je nach
dem ob es sich dabei um einen Cashflow Hedge oder einen Fair Value Hedge handelt, erfolgt die
Erfassung wie im Kapitel 6.4 beschrieben.
Langfristige finanzielle Vermögenswerte, die nicht zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden
Bei allen finanziellen Vermögenswerten, die nicht zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden,
entsprechen die Buchwerte annähernd dem beizulegenden Zeitwert.
3.4. Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte
Im Geschäftsjahr 2018 wurde die Fördergurtproduktion im Werk der Semperit-Gruppe im chinesi-
schen Taierzhuang stillgelegt. Die Abwicklung der dazugehörigen Produktionsgesellschaft, der
Sempertrans Best (ShanDong) Belting Co. Ltd., obliegt dem Liquidationskomitee bestehend aus
Vertretern der Semperit-Gruppe und dem 16,1%igen Minderheitsgesellschafter, der staatsnahen
Shandong Wang Chao Coal & Electricity Group Co. Ltd. Die Distriktregierung stellt die Rechtmäßig-
keit des Verfahrensablaufs sicher. Bereits im ersten Quartal 2019 konnten die Maschinen und techni-
schen Anlagen erfolgreich verwertet werden. Nach dem Abtransport der Maschinen und technischen
Anlagen waren die Grundstücke und Bauten der ehemaligen Produktionsgesellschaft in einem zu
gängigen und üblichen Bedingungen sofort veräußerbaren Zustand und wurden daher erstmals zum
30. Juni 2019 als zur Veräußerung gehalten dargestellt. Die anlässlich der Umgliederung durchzufüh-
rende Werthaltigkeitsprüfung ergab einen Wertminderungsbedarf in Höhe von 855 TEUR, der im
EBIT des Segments Sempertrans erfasst wurde. Die Grundstücke und Bauten wurden im vierten
Quartal 2019 versteigert. Der Versteigerungserlös entsprach de facto dem Buchwert. Der Eigentums-
übergang fand im zweiten Quartal 2020 statt. Der Buchwertabgang betrug 4.646 TEUR.
Im Geschäftsjahr 2017 wurde die Produktionstätigkeit im französischen Werk der Sempertrans
France Belting Technology S.A.S. eingestellt. Nach Abschluss des Sozialplans und anderer gesetzli-
cher Anforderungen wurden Verwertungsmöglichkeiten für die Liegenschaft samt darauf befindlichen
Gebäuden ab dem Geschäftsjahr 2018 geprüft und Angebote von Interessenten sondiert. Auf Grund-
lage dessen hat der Vorstand im Juli 2019 den Abschluss einer ursprünglich bis Oktober 2020 laufen-
den, an mehrere Bedingungen geknüpften Kaufoption für einen Immobilienentwickler genehmigt.
Seit Vertragsabschluss wurde eine Mehrzahl wesentlicher vertraglicher Voraussetzungen erfüllt, wes-
halb erstmals zum 31. Dezember 2019 vom Eintritt aller Bedingungen und vom Verkauf der Liegen-
schaft höchstwahrscheinlich ausgegangen wurde. Der bei Eigentumsübertragung fällige Kaufpreis
liegt über dem Buchwert von 764 TEUR. Der Abgang der Liegenschaft samt darauf befindlichen
Gebäuden verzögert sich aufgrund eines laufenden grundbücherlichen Gerichtsverfahrens zur Klä-
rung eines Servituts. Das Management geht davon aus, dass nach Abschluss des Gerichtsverfahrens
die Liegenschaft samt darauf befindlichen Gebäuden im Geschäftsjahr 2021 verkauft werden wird.
Aufgrund der geplanten Integration des deutschen Werks in Dalheim in das Werk in Hückel-
hoven/Baal wurde im Juli 2019 beschlossen, die entsprechenden Immobilien zu veräußern. Demzu-
folge wurden zwei Immobilien mit einem Buchwert von insgesamt 347 TEUR erstmals zum
30. September 2019 als zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte dargestellt. Die
anlässlich der Umgliederung durchzuführende Werthaltigkeitsprüfung ergab keinen Wertminde-
rungsbedarf. Die Veräußerung der Immobilien hat im zweiten Quartal 2020 stattgefunden. Der Ver-
äußerungsgewinn betrug 169 TEUR.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 75
Die zur Veräußerung gehaltenen langfristigen Vermögenswerte der Semperit-Gruppe stellen sich
wie folgt dar:
in TEUR Segment Vermögenswert 31.12.2020 31.12.2019
Sempertrans Best (ShanDong) Belting Co. Sempertrans Grund und Boden 0 1.235
Ltd., Shandong, China Bauten 0 3.368
Sempertrans France Belting Technology Sempertrans Grund und Boden 426 426
S.A.S., Argenteuil, Frankreich Bauten 338 333
Semperit Profiles Leeser GmbH, Semperform Grund und Boden 0 82
Hückelhoven, Deutschland Bauten 0 265
Summe 764 5.709
Beteiligungsveräußerung Synergy Health Allershausen GmbH
Die 37,5%ige Minderheitsbeteiligung der Semperit-Gruppe an der nach der Equity-Methode bilan-
zierten Synergy Health Allershausen GmbH wurde mit Wirkung vom 6. November 2020 mit einem
Gewinn von 318 TEUR veräußert.
Die Entwicklung der Anteile an der Synergy Health Allershausen GmbH stellt sich wie folgt dar:
in TEUR
2020 2019
Stand 01.01. 2.366 2.653
Anteiliges Periodenergebnis 566 462
Dividenden 0 –750
Abgang –2.932 0
Stand 31.12. 0 2.366
Der Abschlussstichtag des Unternehmens ist der 31. März. Die Fortschreibung bis zum 30. Sept-
ember 2020 erfolgte auf Basis der internen Berichterstattung der Gesellschaft, die für den Konzern-
abschluss der Semperit-Gruppe entsprechend übergeleitet wird. Die Erträge und Aufwendungen mit
der Synergy Health Allershausen GmbH waren im Geschäftsjahr 2020 wie auch im Geschäftsjahr 2019
unwesentlich.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss76
4. Trade Working Capital
Das Trade Working Capital setzt sich aus den Vorräten, den Forderungen aus Lieferungen und Leis-
tungen sowie den kurzfristigen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen zusammen.
4.1. Vorräte
Vorräte sind mit dem niedrigeren Wert aus Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten und Nettoveräu-
ßerungswert zu bewerten, wobei bei der Ermittlung der Nettoveräußerungswerte insbesondere auch
den Verwertungsrisiken in Bezug auf veraltete Bestände oder Überbestände Rechnung getragen
wird. Die Einsatzermittlung erfolgt grundsätzlich mithilfe des gleitenden Durchschnittspreisverfahrens.
Zwischenergebnisse aus konzerninternen Lieferungen von Vorräten werden eliminiert, soweit sie nicht
von untergeordneter Bedeutung sind.
in TEUR 31.12.2020 31.12.2019
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 38.563 34.545
Unfertige Erzeugnisse 14.054 16.778
Fertige Erzeugnisse und Waren 85.301 70.503
Rückerhaltungsansprüche 29 41
Geleistete Anzahlungen 3.178 290
Summe 141.124 122.157
in TEUR 31.12.2020 31.12.2019
V
orräte
davon zu Anschaffungs- / Herstellungskosten 87.426 66.889
davon zu Nettoveräußerungswerten 53.698 55.268
Summe 141.124 122.157
Bei der Ermittlung der Nettoveräußerungswerte im Rahmen der Vorratsbewertung zum Ab-
schlussstichtag werden einerseits konkrete Kundenverträge beziehungsweise, wenn solche nicht
vorliegen, vorhandene Listenpreise herangezogen; andererseits erfolgen Einschätzungen des jeweili-
gen Segment-Managements in Bezug auf die erzielbaren Preise und die Marktentwicklungen. Diese
werden regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die aufwandswirksam erfassten Wert-
berichtigungen auf Vorräte betrugen 1.305 TEUR (Vorjahr: 1.992 TEUR).
4.2. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – sie stammen aus Umsatzerlösen mit Kunden der
Semperit-Gruppe – sind gemäß IFRS 9 der Kategorie AC (At Cost – Zu fortgeführten Anschaffungs-
kosten) zuzurechnen und werden deshalb zu fortgeführten Anschaffungskosten abzüglich erwarteter
Ausfälle bewertet.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 77
Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen setzen sich wie folgt zusammen:
Die Bewertung der Bonität erfolgt nach internen Bewertungsrichtlinien. Zur Ermittlung des Wert-
minderungsbedarfes werden in der Semperit-Gruppe die Ausfälle der letzten vier Jahre nach Seg-
menten und Ländergruppen analysiert, und, darauf aufbauend, wird eine Wertminderungsmatrix auf
der Basis von Zeitbändern erstellt. Zum Abschlussstichtag wurde diese Wertminderungsmatrix um
zukünftige makroökonomische Variablen ergänzt. Dabei wurde die seitens des Kreditversicherers
Euler Hermes SAS prognostizierte Entwicklung der Zahlungsausfälle für die Geschäftsjahre 2020 und
2021 bei der Berechnung der Wertminderungsmatrix berücksichtigt. Die üblicherweise gewährten
Zahlungsziele betragen 14 bis 90 Tage. Aufgrund der Analyse der Vergangenheit konnte ein erhöhtes
Ausfallsrisiko bei Forderungen, die über 90 Tage überfällig sind, nicht festgestellt werden. Eine Über-
fälligkeit über 90 Tage wird daher nicht als Indikator für ein eingetretenes Ausfallsereignis, das eine
Zuordnung zur Stufe 3 des Wertminderungsmodells gemäß IFRS 9 bedeuten würde, angesehen. Als
Ausfallsereignisse sind beispielsweise eine erhebliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch
Kreditratingagenturen, die Beauftragung von Inkassodienstleistungen oder die Insolvenz des Kunden
anzusehen.
Für einen wesentlichen Teil der Brutto-Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (91,0%; Vorjahr
90,1%) bestehen Kreditversicherungen, Bankgarantien, sichere Zahlungsbedingungen und Bank Accep-
tance Drafts. Die Kreditversicherungen sehen einen Selbstbehalt im Schadensfall vor. Bei diesen Forde-
rungen wird als erwarteter Kreditverlust maximal der Selbstbehalt wertberichtigt.
Basierend auf Erfahrungswerten erfolgt – in Bezug auf Forderungen, die nicht kreditversichert
sind, bzw. in Bezug auf den Selbstbehalt bei kreditversicherten Forderungen – eine Forderungswert-
berichtigung gemäß den Ausfallsrisiko-Klassen der Wertminderungsmatrix (Stufe 2 des Wertminde-
rungsmodells gemäß IFRS 9). Forderungen die aufgrund einer individuellen Einschätzung der Bonität
der betreffenden Kunden der Stufe 3 des Wertminderungsmodells gemäß IFRS 9 zugeordnet werden,
werden zusätzlich auf den voraussichtlich einbringlichen Betrag abgeschrieben.
Die überfälligen Forderungen sind im Wesentlichen durch Kreditversicherungen gedeckt, da alle
Tochterunternehmen mit wesentlichen Forderungsvolumina kreditversichert sind. In Bezug auf die nicht
kreditversicherten Forderungen bzw. in Bezug auf den Selbstbehalt kreditversicherter Forderungen
besteht keine nennenswerte Konzentration des Kreditrisikos, da die Kunden breit gestreut sind.
31.12.2020 31.12.2019
in TEUR Brutto
Wert-
berichtigung Netto Brutto
Wert-
berichtigung Netto
Nicht fällige Forderungen 86.577 –13 86.564 78.884 –58 78.827
Bis zu 30 Tage überfällig 10.340 –5 10.335 10.921 –5 10.917
Mehr als 30 bis zu 90 Tage überfällig 1.564 0 1.564 2.453 –3 2.451
Mehr als 90 Tage überfällig 2.420 –1.564 856 4.949 –2.589 2.361
Summe 100.900 –1.583 99.318 97.208 –2.654 94.555
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss78
Die jeweiligen Ausfallsrisiko-Klassen sind der folgenden Wertminderungsmatrix zu entnehmen:
31.12.2020
Nicht fällig 1–30 Tage 31–90 Tage >90 Tage
Semperflex 0,00–0,16% 0,04–1,54% 0,22–7,90% 2,06–21,67%
Sempermed 0,00–0,24% 0,08–0,59% 0,18–2,55% 0,25–12,96%
Semperform 0,00–0,03% 0,02–0,42% 0,07–1,85% 0,24–8,27%
Sempertrans 0,01–0,07% 0,03–0,30% 0,05–0,47% 0,08–0,73%
31.12.2019
Nicht fällig 1–30 Tage 31–90 Tage >90 Tage
Semperflex 0,00–0,13% 0,03–1,11% 0,28–4,01% 0,90–11,17%
Sempermed 0,00–1,51% 0,03–5,26% 0,04–10,65% 0,09–20,72%
Semperform 0,00–0,02% 0,00–0,30% 0,02–1,33% 0,09–5,95%
Sempertrans 0,00–0,06% 0,00–0,24% 0,00–0,39% 0,00–0,65%
Die Bandbreiten ergeben sich aus den geografischen Regionen, in denen der Umsatz erzielt wird.
Wertminderungen von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werden im Regelfall indirekt
über Wertberichtigungskonten erfasst. Die Wertberichtigungen haben sich wie folgt entwickelt:
in TEUR
über Laufzeit
erwarteter Kredit-
verlust auf
Portfolioebene
wertberichtigt
(Stufe 2)
über Laufzeit
erwarteter
Kreditverlust auf
Einzelebene
wertberichtigt
(Stufe 3)
Summe
Stand 01.01.2019 301 4.042 4.344
Auflösung –282 –1.288 –1.571
Währungsdifferenz 0 2 2
Wegen Uneinbringlichkeit abgeschriebene Beträge 0 –411 –411
Zuführung 5 284 289
Stand 31.12.2019 24 2.629 2.654
Auflösung –6 –481 –487
Währungsdifferenz –1 –125 –126
Wegen Uneinbringlichkeit abgeschriebene Beträge 0 –1.142 –1.142
Zuführung 9 674 683
Stand 31.12.2020 26 1.557 1.582
Als uneinbringlich festgestellte Forderungen werden, wenn der Forderungsverlust endgültig fest-
steht, unter Verwendung von zuvor gebildeten Wertberichtigungen ausgebucht. Im Geschäftsjahr 2020
wurden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von 148 TEUR (Vorjahr: 10 TEUR), die nicht
zuvor wertberichtigt waren, ausgebucht.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 79
4.3. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sind gemäß IFRS 9 der Kategorie AC (At
Cost – Zu fortgeführten Anschaffungskosten) zuzurechnen und werden deshalb zu fortgeführten
Anschaffungskosten bewertet.
Der Buchwert der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen betrug zum 31. Dezem-
ber 2020 insgesamt 77.689 TEUR (Vorjahr: 61.640 TEUR).
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss80
5. Eigenkapital
5.1. Grundkapital und Rücklagen
Grundkapital
Das Grundkapital der Semperit AG Holding beträgt zum 31. Dezember 2020 unverändert zum Vor-
jahr 21.358.997 EUR. Es ist zerlegt in 20.573.434 Stück voll eingezahlte nennbetragslose Stammak-
tien, von denen jede am Grundkapital in gleichem Umfang beteiligt ist. Sie tragen jeweils ein Stimm-
recht und sind dividendenberechtigt.
Der Vorstand wurde von der ordentlichen Hauptversammlung am 25. April 2018 ermächtigt, mit
Zustimmung des Aufsichtsrats das Grundkapital in den kommenden fünf Jahren ab Eintragung der
Satzungsänderung in das Firmenbuch – allenfalls in mehreren Tranchen – gegen Bar- und/oder Sach-
einlage um 50% oder bis zu 10.286.716 Stück neue Stückaktien zu erhöhen. Ebenso wurde der Vor-
stand ermächtigt mit Zustimmung des Aufsichtsrats Wandelschuldverschreibungen zu begeben.
Damit kann ein Umtausch- oder Bezugsrecht bzw. eine Umtausch- oder Bezugspflicht auf bis zu
10.286.716 Stückaktien (50% der bestehenden Aktien) der Gesellschaft verbunden werden.
Der Vorstand wurde von der ordentlichen Hauptversammlung am 22. Juli 2020 zum Rückkauf und
gegebenenfalls zur Einziehung eigener Aktien bis zum gesetzlich höchst zulässigen Ausmaß von 10%
des Grundkapitals für die Dauer von 30 Monaten ab Beschlussfassung in der Hauptversammlung
gemäß § 65 Abs. 1 Z 8 AktG mit Zustimmung des Aufsichtsrats ermächtigt. In der gleichen Hauptver-
sammlung wurde der Vorstand ermächtigt, gemäß § 65 Abs. 1b AktG mit Zustimmung des Aufsichts-
rats eine andere Art der Veräußerung als über die Börse oder durch ein öffentliches Angebot und
über einen allfälligen Ausschluss des Wiederkaufsrechts (Bezugsrecht) der Aktionäre zu beschließen.
Es besteht derzeit kein Aktienrückkaufprogramm; die Gesellschaft hält keine eigenen Aktien.
Kapitalrücklagen
Die Kapitalrücklagen resultieren im Wesentlichen aus dem bei der Ausgabe von Aktien über den
anteiligen Betrag des Grundkapitals hinaus erzielten Betrag (Agio). Von den Kapitalrücklagen sind
zum 31. Dezember 2020 wie auch im Vorjahr Rücklagen in Höhe von 21.503 TEUR gebunden. Diese
dürfen nur zum Ausgleich eines ansonsten im unternehmensrechtlichen Jahresabschluss der Sempe-
rit AG Holding auszuweisenden Bilanzverlusts aufgelöst werden, soweit freie Rücklagen zur Abde-
ckung nicht zur Verfügung stehen.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 81
Gewinnrücklagen
Die Gewinnrücklagen enthalten die thesaurierten Ergebnisse der Semperit-Gruppe und die kumulier-
ten sonstigen Ergebnisse (exklusive Währungsumrechnungsdifferenzen). Im Geschäftsjahr 2020 be-
trugen die Bewertungsergebnisse von Cashflow Hedges insgesamt –1.841 TEUR (Vorjahr: 387 TEUR).
Davon wurden 1.744 TEUR (Vorjahr: 104 TEUR) in die Konzerngewinn- und Verlustrechnung umge-
gliedert. An sonstigen Ergebnissen, die in zukünftigen Perioden ergebniswirksam werden, waren
daher unter diesem Titel –97 TEUR (Vorjahr: 491 TEUR) zu erfassen.
Die Aufteilung der Gewinnrücklagen stellt sich wie folgt dar:
Gewinnrücklagen
in TEUR
Erwirt-
schaftete
Ergebnisse
Hedge-
Rücklage
IAS-19-
Rücklage
Summe
Stand 01.01.2019 180.354 –293 –11.136 168.925
Ergebnis nach Steuern –44.481 0 0 –44.481
Sonstiges Ergebnis 0 366 –1.902 –1.536
Gesamtergebnis –44.481 366 –1.902 –46.017
Zahlung von Hybridkupons –10.545 0 0 –10.545
Erwerb von nicht beherrschenden Anteilen –499 0 0 –499
Stand 31.12.2019 124.830 73 –13.038 111.865
Stand 01.01.2020 124.830 73 –13.038 111.865
Ergebnis nach Steuern 192.843 0 0 192.843
Sonstiges Ergebnis 143 –73 –2.091 –2.020
Gesamtergebnis 192.986 –73 –2.091 190.822
Zahlung von Hybridkupons –7.802 0 0 –7.802
Stand 31.12.2020 310.015 0 –15.129 294.886
Die erwirtschafteten Ergebnisse enthalten unter anderem die gesetzliche Rücklage der
Semperit AG Holding in Höhe von 999 TEUR (Vorjahr: 999 TEUR), die nur zum Ausgleich eines an-
sonsten in ihrem unternehmensrechtlichen Jahresabschluss auszuweisenden Bilanzverlustes aufgelöst
werden darf, wobei der Auflösung zum Verlustausgleich nicht entgegensteht, dass freie Rücklagen
zum Verlustausgleich zur Verfügung stehen.
Die Hedge-Rücklage umfasst den Teil der kumulierten Nettoveränderungen des beizulegenden
Zeitwertes aus dem Cross Currency Swap zur Absicherung der Zahlungsströme (Cashflow Hedge) aus
dem Schuldscheindarlehen in Polnischen Zloty (PLN) bis zur späteren Erfassung der abgesicherten
Zahlungsströme oder der Grundgeschäfte im Gewinn oder Verlust.
In der IAS-19-Rücklage sind die Effekte der Neubewertungen aus leistungsorientierten Plänen aus
Abfertigungen und Pensionen enthalten.
Währungsumrechnungsrücklage
In der Währungsumrechnungsrücklage werden aus der Umrechnung der Abschlüsse der Tochter-
unternehmen von der funktionalen Währung auf Euro resultierende Umrechnungsdifferenzen bis zur
Veräußerung oder bis zum sonstigen Abgang der betreffenden Tochterunternehmen erfasst. Im
Geschäftsjahr 2020 betrugen die Währungsdifferenzen insgesamt –24.192 TEUR (Vorjahr: 979 TEUR).
Davon wurden –88 TEUR (Vorjahr: 0 TEUR) in die Konzerngewinn- und Verlustrechnung umgegliedert.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss82
An sonstigen Ergebnissen, die in zukünftigen Perioden ergebniswirksam werden, waren daher unter
diesem Titel –24.281 TEUR (Vorjahr: 979 TEUR) zu erfassen.
5.2. Hybridkapital
Im Dezember 2017 hat der Vorstand der Semperit AG Holding einen Vertrag über eine Hybridkapital-
Linie in Höhe von bis zu 150.000 TEUR mit der B&C Holding GmbH unterzeichnet. Im Oktober 2020
wurde die Forderung aus der Hybridkapital-Linie an die B&C Holding Österreich GmbH übertragen.
Die Mehrheitsgesellschafterin der Semperit AG Holding, die B&C KB Holding GmbH, ist ein
100%iges Tochterunternehmen der B&C Holding Österreich GmbH. Der vereinbarte Zinssatz beträgt
5,25% p.a.; die Bereitstellungsgebühr beträgt 1,75% p.a. Der Aufwand aus der Bereitstellungsgebühr
wird im sonstigen Finanzergebnis erfasst. Bei dem Hybridkapital handelt es sich um eine nachrangige
Finanzierung mit unbegrenzter Laufzeit, die von der Semperit-Gruppe ursprünglich bis zum
31. Dezember 2018 bei Bedarf in mehreren Tranchen ausgenutzt werden konnte. In weiterer Folge
wurde die Hybridkapital-Linie bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. Die Möglichkeit, die noch nicht
gezogenen 20.000 TEUR in Anspruch nehmen zu können, wurde seitens der Semperit AG Holding
mit Wirkung zum 20. Juli 2020 gekündigt. Ein Rückzahlungs- oder Wandlungsrecht des Gläubigers ist
nicht vorgesehen. Der Semperit AG Holding bleibt das Recht vorbehalten, jeweils zum Quartalsende
eine Rückzahlung von 5.000 TEUR oder einem Vielfachen dessen zuzüglich anteiliger „Zinsen“ zu täti-
gen. Im März 2018 erfolgte eine Einzahlung von 130.000 TEUR aus dem Hybridkapital. Im Geschäftsjahr
2020 erfolgten im August und im Dezember insgesamt Rückzahlungen in Höhe von 100.000 TEUR
(Vorjahr: 0 TEUR).
Aufgrund der Vertragsbedingungen erfolgt der Ausweis des Hybridkapitals gemäß IAS 32 als Ei-
genkapital. Durch die Kategorisierung des Hybridkapitals als Eigenkapital werden entsprechende
Vergütungen analog zu Ausschüttungen an die Gesellschafter behandelt. Die Zahlung der „Zin-
sen“ wird beispielsweise durch Dividendenzahlungen ausgelöst und wird als solche mit erfolgtem
Dividendenbeschluss im Eigenkapital erfasst. Im Geschäftsjahr 2020 erfolgte eine Zahlung von „Zin-
sen“ in Höhe von 7.802 TEUR (Vorjahr: 10.545 TEUR).
5.3. Nicht beherrschende Anteile
Die nicht beherrschenden Anteile sowie das auf sie entfallende Ergebnis nach Steuern bzw. Gesamt-
ergebnis betreffen im Geschäftsjahr 2020 die Latexx Partners Berhad (Konzernanteil: 98,86%) sowie
die FormTech Engineering (M) Sdn Bhd (Konzernanteil: 69,88%). Im Geschäftsjahr 2020 wurden
Dividenden in Höhe von 0 TEUR (Vorjahr: 259 TEUR) an die nicht beherrschenden Anteile der Form-
Tech Engineering (M) Sdn Bhd ausgeschüttet.
Im Geschäftsjahr 2020 wurden weitere 0,001% der Anteile an der Latexx Partners Berhad in Höhe
von 2 TEUR (Vorjahr: 5 TEUR) um 2 TEUR erworben. Der Konzernanteil zum 31. Dezember 2020
beträgt somit 98,86% nach 98,86% zum 31. Dezember 2019.
5.4. Dividende und eigene Aktien
Zur Ausschüttung an die Aktionäre steht der Bilanzgewinn der Semperit AG Holding zur Verfügung.
Für das abgelaufene Geschäftsjahr schlägt der Vorstand eine Dividende von 1,50 EUR je Aktie, insge-
samt somit von 30.860 TEUR, vor, die von der Hauptversammlung noch beschlossen werden muss
und daher in diesem Abschluss noch nicht als Verbindlichkeit bilanziert ist. Im Vorjahr wurde im Jah-
resabschluss der Semperit AG Holding ein Bilanzverlust erzielt.
Die Semperit-Gruppe besitzt zum 31. Dezember 2020 ebenso wie zum 31. Dezember 2019 keine
eigenen Aktien.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 83
6. Nettoverschuldung
Die Nettoverschuldung setzt sich aus den Verbindlichkeiten aus kündbaren nicht beherrschenden
Anteilen, Finanzverbindlichkeiten, sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten, sonstigen finanziellen
Vermögenswerten (kurzfristig) sowie Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten zusammen.
6.1. Verbindlichkeiten aus kündbaren nicht beherrschenden Anteilen
Als Verbindlichkeiten aus kündbaren nicht beherrschenden Anteilen werden Minderheitsanteile am
Nettovermögen der Tochterunternehmen ausgewiesen, wenn den betreffenden Gesellschaftern ein
unbedingtes Kündigungsrecht oder ein Kündigungsrecht zusteht, das an Bedingungen geknüpft ist,
deren Eintritt bzw. Nichteintritt nicht im Machtbereich der Semperit-Gruppe liegen, oder wenn die
Gesellschaft, an der der nicht beherrschende Anteil gehalten wird, befristet ist.
Die Ersterfassung der Verbindlichkeit erfolgt zum beizulegenden Zeitwert. Da die Folgebewer-
tung derartiger Verpflichtungen in den IFRS nicht geregelt ist, wird – analog der dargestellten Mög-
lichkeit in IDW RS HFA 45 – der bei der Erstbewertung der Verbindlichkeit angesetzte Betrag um
einen bis zum Bewertungsstichtag aufgelaufenen Gewinnanteil erhöht oder um einen aufgelaufenen
Verlustanteil vermindert, wobei dieser Gewinn- oder Verlustanteil auch den Anteil am sonstigen
Ergebnis umfasst. Darüber hinaus werden allenfalls direkt im Eigenkapital erfasste Beträge in die
Bemessung der Verbindlichkeit einbezogen. Gewinnausschüttungen an die Inhaber nicht beherr-
schender Anteile vermindern die Verbindlichkeit. Die im Rahmen der Folgebewertung erfassten
Beträge werden im Gewinn oder Verlust erfasst und stellen Finanzierungsaufwand dar, der gesondert
als auf kündbare nicht beherrschende Anteile entfallendes Ergebnis ausgewiesen wird.
Für die Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts der kündbaren nicht beherrschenden Anteile der
Semperflex Asia Corp. Ltd. (Stufe 3) wurden die anteiligen bewertungsrelevanten Cashflows aus der
jüngsten Mittelfristplanung abgeleitet. Der Detailplanungszeitraum erstreckt sich bis zum Ende des
Geschäftsjahres 2025. Die anteiligen bewertungsrelevanten Cashflows nach dem Geschäftsjahr 2026
wurden mit einer nachhaltigen Wachstumsrate von 0,75% extrapoliert. Die Wachstumsrate reflektierte
den Wettbewerbs- und Preisdruck am Markt sowie ein moderat angenommenes Marktwachstum. Als
Kapitalisierungszinssatz wurden die durchschnittlichen gewichteten Kapitalkosten (Weighted Average
Cost of Capital, WACC) unter Anwendung des Capital Asset Pricing Models ermittelt. Der Kapitalisie-
rungszinssatz nach Steuern liegt bei 9,4% (Vorjahr 8,6%). Die wesentlichen Annahmen, die bei der
Ermittlung des beizulegenden Zeitwertes verwendet wurden, beziehen sich insbesondere auf die
marktabhängige zukünftige Entwicklung der EBITDA-Marge und die zunehmende Eintrübung der
Geschäftserwartungen im Geschäftsjahr 2020.
Die Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts der kündbaren nicht beherrschenden Anteile an der
Sempertrans Best (ShanDong) Belting Co. Ltd. (Stufe 3) erfolgte anhand eines Schätzers des anteili-
gen zu erwartenden Liquidationserlöses und entspricht näherungsweise dem anteiligen buchmäßigen
Eigenkapital.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss84
Die Verbindlichkeiten aus kündbaren nicht beherrschenden Anteilen entwickelten sich wie folgt:
in TEUR 2020 2019
Buchwert 01.01. 18.457 13.376
Ausschüttungen –3.892 –415
Anteil am Ergebnis nach Steuern 4.377 4.067
Währungsdifferenzen –1.540 1.402
Sonstige Veränderungen 0 27
Buchwert 31.12. 17.403 18.457
davon Semperflex Asia Corp. Ltd., Thailand 16.607 17.591
davon Sempertrans Best (ShanDong) Belting Co. Ltd., China 795 866
Beizulegender Zeitwert zum 31.12. 56.266 66.258
6.2. Finanzverbindlichkeiten
Sowohl die Schuldscheindarlehen als auch die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten werden
im Rahmen der Ersterfassung zum beizulegenden Zeitwert abzüglich Transaktionskosten angesetzt.
Im Rahmen der Folgebewertung werden sie gemäß der Effektivzinsmethode zu fortgeführten An-
schaffungskosten bewertet.
Eine Ausbuchung erfolgt, wenn und soweit die zugrundeliegende Verpflichtung erfüllt oder ge-
kündigt wurde oder ausgelaufen ist.
Schuldscheindarlehen
In den Jahren 2013 bis 2016 wurden von der Semperit AG Holding mehrere teils fix, teils variabel
verzinste Schuldscheindarlehen sowohl in EUR als auch in den Fremdwährungen US-Dollar (USD),
Polnische Zloty (PLN) und Tschechische Kronen (CZK) begeben. Das Gesamtvolumen belief sich auf
344.466 TEUR. Zum 31. Dezember 2019 betrug das offene Nominale 213.908 TEUR Im Geschäftsjahr
2020 wurden zwei fix verzinste Tranchen eines Schuldscheindarlehens mit einem Nominale von
3.000 TEUR und 4.000 TEUR vorzeitig zurückgeführt. Weiters erfolgte die planmäßige Tilgung einer
fix erzinsten Tranche mit einem Nominale von 27.500 TEUR.
Die derzeitigen Tranchen haben Laufzeiten von fünf, sieben, zehn und fünfzehn Jahren in EUR so-
wie von drei, fünf und sieben Jahren in den Fremdwährungen. Das derzeitige Gesamtnominale be-
läuft sich auf 172.678 TEUR (Vorjahr: 213.908 TEUR), davon entfallen rund 49% auf Euro und rund
51% auf die drei Fremdwährungen.
Zum 31. Dezember 2020 sind abgegrenzte Zinsen in Höhe von 1.027 TEUR (Vorjahr: 1.160 TEUR)
als kurzfristige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten ausgewiesen. Der Unterschied zwischen Buch-
wert exklusive Zinsen (Clean Price) und dem Nominale ergibt sich aus den Transaktionskosten der
Emissionen, welche über die Laufzeit der einzelnen Tranchen der Schuldscheindarlehen entsprechend
der Effektivzinsmethode verteilt werden.
in TEUR 31.12.2020
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig 31.12.2019
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
Schuldscheindarlehen 167.062 85.257 81.805 208.830 172.689 36.142
V
erbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 31 0 31 5.983 1.075 4.908
Summe 167.093 85.257 81.836 214.813 173.763 41.050
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 85
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
Im Dezember 2014 wurde ein Rahmenkreditvertrag über ursprünglich 250.000 TEUR mit einem
Bankenkonsortium bestehend aus sechs Kreditinstituten abgeschlossen. Dieser Rahmenkreditvertrag
bestand aus zwei Tranchen: Tranche A in Höhe von 100.000 TEUR mit einer Laufzeit von fünf Jahren
und Tranche B in Höhe von 150.000 TEUR mit einer Laufzeit von sieben Jahren (ursprüngliche Laufzeit
fünf Jahre mit zwei Verlängerungsoptionen um jeweils ein Jahr, wovon beide Optionen gezogen
wurden). Die Tranche A wurde in der Vergangenheit gezogen und vorzeitig rückgeführt; sie steht
somit nicht mehr zur Verfügung steht.
Im März 2020 wurde die Tranche B neu verhandelt. Die Laufzeit wurde um zwei Jahre, bis zum
22. Dezember 2023, verlängert und das Volumen auf 75.000 TEUR angepasst. Weiters wurden die
Kreditvertragsklauseln dahingehend modifiziert, dass die Financial Covenants nur mehr dann einge-
31.12.2020
End-
fälligkeit
Effektiv-
verzinsung Währung
Nominale in
Fremd-
währung
Buchwert
in TEUR
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 25.07.2023 3,65% TEUR 5.000 1.522 1.498 24
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 25.07.2022 1,77% TEUR 37.000 34.235 33.972 263
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 25.07.2025 2,41% TEUR 31.000 31.275 30.948 327
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 25.07.2030 3,09% TEUR 7.000 7.078 6.983 95
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 27.05.2023 3,65% TEUR 5.000 5.080 5.000 80
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 03.11.2023 1,29% TCZK 180.000 6.856 6.842 14
V
ariabel verzinstes Schuldscheindarlehen 04.11.2021 0,96% TCZK 180.000 6.882 0 6.882
V
ariabel verzinstes Schuldscheindarlehen 04.11.2021 1,70% TPLN 118.000 25.936 0 25.936
V
ariabel verzinstes Schuldscheindarlehen 04.11.2021 1,72% TUSD 59.000 48.199 0 48.199
Summe 167.062 85.243 81.819
31.12.2019
End-
fälligkeit
Effektiv-
verzinsung Währung
Nominale in
Fremd-
währung
Buchwert
in TEUR
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 25.07.2020 3,07% TEUR 27.500 27.858 0 27.858
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 25.07.2023 3,65% TEUR 7.000 7.124 0 7.124
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 25.07.2023 3,65% TEUR 5.000 1.498 1.498 0
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 25.07.2022 1,77% TEUR 37.000 34.217 33.955 262
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 25.07.2025 2,41% TEUR 31.000 31.263 30.937 325
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 25.07.2030 3,09% TEUR 7.000 7.076 6.982 94
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 27.05.2023 3,65% TEUR 5.000 5.080 5.000 80
Fix verzinstes Schuldscheindarlehen 03.11.2023 1,29% TCZK 180.000 7.094 7.080 14
V
ariabel verzinstes Schuldscheindarlehen 04.11.2021 2,82% TCZK 180.000 7.119 7.081 38
V
ariabel verzinstes Schuldscheindarlehen 04.11.2021 3,24% TPLN 118.000 27.762 27.692 70
V
ariabel verzinstes Schuldscheindarlehen 04.11.2021 3,41% TUSD 59.000 52.739 52.464 275
Summe 208.830 172.689 36.142
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss86
halten werden müssen, wenn eine Inanspruchnahme der Kreditlinie besteht. Die Margen wurden an
die aktuelle Bonitätseinstufung der Semperit-Gruppe angepasst. Zum Abschlusssstichtag ist vom
Rahmenkredit ein Betrag von 0 TEUR (Vorjahr: 0 TEUR) ausgenutzt.
Im August 2020 wurde eine Kreditlinie in Höhe von 15.000 TEUR im Rahmen des Kontrollbank-
Refinanzierungsrahmen der Oesterreichischen Kontrollbank AG (OeKB) abgeschlossen. Die Kreditlinie
steht bis auf Widerruf – jedenfalls allerdings bis zum 30. Juni 2021 – zur Verfügung. Zm Abschluss-
stichtag ist von dieser Kreditlinie ein Betrag von 0 TEUR ausgenutzt. Zum Abschlussstichtag bestehen
die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten nur aus abgegrenzten Bereitstellungsgebühren für
den Rahmenkreditvertrag in Höhe von 31 TEUR. Zum 31. Dezember 2019 waren die Verbindlichkeiten
gegenüber Kreditinstututen wie folgt:
6.3. Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten
Die sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten werden mit Ausnahme der Derivate nach der Effektiv-
zinsmethode zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet. Verbindlichkeiten aus derivativen
Finanzinstrumenten werden erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet (zur Ermittlung der
beizulegenden Zeitwerte, siehe Kapitel 6.4).
Verbindlichkeiten gegenüber Mitarbeitern (inkl. Bonifikationen und Provisionen) werden zum Barwert
des erwarteten Auszahlungsbetrags erfasst, sofern diese bereits von ihnen erbrachte Leistungen betref-
fen. Eine Abszinsung erfolgt jedoch nur bei einer Wesentlichkeit des Zinseffekts.
31.12.2019
Effektiv-
verzinsung Währung
Nominale in
Fremd-
währung
Buchwert
in TEUR
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
Fix verzinste Verbindlichkeiten
gegenüber Kreditinstituten
4,10% TEUR 2.000 1.195 1.075 120
V
ariabel verzinste Verbindlichkeiten
gegenüber Kreditinstituten
0,00% TEUR 0 7 0 7
4,0 – 6,0% TMYR 42.100 4.781 0 4.781
Summe 5.983 1.075 4.908
in TEUR
31.12.2020
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
31.12.2019
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
Rückerstattungsverbindlichkeiten 1.263 0 1.263 1.242 0 1.242
V
erbindlichkeiten gegenüber Mitarbeitern 4.892 0 4.892 4.572 0 4.572
Derivate 3.636 0 3.636 1.903 725 1.178
Abgegrenzte Provisionen 1.031 0 1.031 1.622 0 1.622
Leasingverbindlichkeiten 6.004 3.467 2.537 8.606 5.886 2.720
Übrige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 2.499 50 2.449 4.290 462 3.828
Summe 19.324 3.517 15.807 22.235 7.073 15.161
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 87
6.4. Angaben zu Finanzinstrumenten – Verbindlichkeiten
1)
FVPL (Fair Value through Profit and Loss – Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert); AC (At Cost – Zu fortgeführten Anschaffungskosten)
Verbindlichkeiten, die zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden
Zur Absicherung von Zinsrisiken werden vereinzelt derivative Finanzinstrumente eingesetzt. Sofern
die von IFRS 9 geforderten prospektiven Effektivitätsmessungen, sowie die Dokumentation der
Hedgingstrategie erfüllt werden, werden die derivativen Finanzinstrumente entweder als Cashfl ow
Hedge oder als Fair Value Hedge bilanziert.
Als Sicherungsinstrumente designierte Derivate werden mit dem aktuellen Marktwert bilanziert.
Bei Cashflow Hedges erfolgt die Erfassung unrealisierter Gewinne und Verluste für den effektiven Teil
(gem. Effektivitätsmessung) im sonstigen Ergebnis. Der ineffektive Teil wird erfolgswirksam im Ge-
winn oder Verlust der Periode als sonstiges Finanzergebnis erfasst. Sobald das abgesicherte Geschäft
realisiert wird (z.B. Zinszahlung), wird der im sonstigen Ergebnis erfasste Betrag in die Konzernge-
winn- und -verlustrechnung umgegliedert. Bei Fair Value Hedges erfolgt die Erfassung der Ergebnisse
sofort erfolgswirksam im sonstigen Finanzergebnis der Konzerngewinn- und -verlustrechnung.
Bei den zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Finanzinstrumenten handelt es sich um deri-
vative Finanzinstrumente. Bei den derivativen Finanzinstrumenten (freistehende Finanzinstrumente)
handelt es sich zum 31. Dezember 2020 um Devisentermingeschäfte. Bei den derivativen Finanz-
instrumenten, die zu Sicherungszwecken gehalten werden, handelt es sich um einen Cross Currency
Swap zur Absicherung eines Schuldscheindarlehens in Polnischen Zloty (PLN).
Die Ermittlung der beizulegenden Zeitwerte der Devisentermingeschäfte und des Cross Currency
Swaps erfolgt mittels anerkannter finanzmathematischer Bewertungsmodelle. Dabei werden zukünf-
tige Zahlungsströme anhand der zum Abschlusssstichtag veröffentlichten Zinsstrukturkurven simuliert.
Zusätzlich wird beim Buchwert eine Kreditrisikoanpassung der jeweiligen Gegenpartei vorgenommen.
Dabei werden positive Exposures mit dem Ausfallrisiko der Gegenpartei und negative Exposures mit
dem eigenen Ausfallsrisiko bewertet.
Verbindlichkeiten, die nicht zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden
Bei allen finanziellen Verbindlichkeiten mit Ausnahme der im Folgenden angegebenen sowie den
Verbindlichkeiten aus kündbaren nicht beherrschenden Anteilen (siehe Kapitel 6.1) entsprechen die
beizulegenden Zeitwerte den Buchwerten. Hinsichtlich der Bewertung von Finanzinstrumenten, für
die kein aktiver Markt vorhanden ist, werden finanzmathematische Bewertungsverfahren herangezo-
gen. Die Bestimmung der dem beizulegenden Zeitwert zugrunde gelegten, bewertungsrelevanten
Parametern beruht zum Teil auf zukunftsbezogenen Annahmen.
in TEUR
Bewertungskategorie
gemäß IFRS 9
1)
Stufe Anhang
Buchwert
31.12.2020
Buchwert
31.12.2019
V
erbindlichkeiten aus kündbaren nicht beherrschenden
Anteilen AC – 6.1 17.403 18.457
Schuldscheindarlehen AC – 6.2 167.062 208.830
V
erbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten AC – 6.2 31 5.983
V
erbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen AC – 4.3 77.689 61.640
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 6.3, 6.5
Derivative Finanzverbindlichkeiten FVPL 2 1.004 1.178
Derivative Finanzverbindlichkeiten FV – Sicherungsinstrument 2 2.632 725
Leasingverbindlichkeiten AC – 6.004 8.606
Übrige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten AC – 9.685 11.726
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss88
in TEUR
Bewertungs-
kategorie
gemäß IFRS 9
1)
Beizulegender
Zeitwert
31.12.2020
Beizulegender
Zeitwert
31.12.2019
Stufe
Verbindlichkeiten
Schuldscheindarlehen AC 176.488 212.461 3
1)
AC (At cost – Zu fortgeführten Anschaffungskosten)
Bei den Schuldscheindarlehen wurde der beizulegende Zeitwert durch Diskontierung der vertrag-
lichen Zahlungsströme mit aktuellen Zinssätzen ermittelt. Die Vergleichszinssätze zum Abschlussstich-
tag wurden dabei aus den laufzeitkonformen Kapitalmarktrenditen abgeleitet und um am Markt
beobachtbare aktuelle Risiko- und Liquiditätskosten angepasst. Der Ableitung der Vergleichszinssätze
liegt eine aktuelle Einschätzung des Ratings der Semperit-Gruppe durch das Management zugrunde.
Der Unterschied zwischen Buchwert und beizulegendem Zeitwert ergibt sich einerseits aufgrund der
seit der Emission der Schuldscheindarlehen deutlich gesunkenen Refinanzierungskosten der Banken
(als Bestandteil der Finanzierungskosten von Unternehmensfinanzierungen über Banken) durch die
Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) wie beispielsweise mittelfristige Refinanzierungs-
tender für Banken zum Zinssatz von aktuell 0,00% p.a. und der im Zuge der Quantitative-Easing-
Maßnahmen der EZB deutlich gesunkenen Risikoaufschläge und andererseits durch die positive
Ausgestaltung einiger Vertragsklauseln des Schuldscheindarlehens zugunsten der Semperit-Gruppe,
welche gegenüber einem Standarddarlehen abweichen.
6.5. Sonstige finanzielle Vermögenswerte (kurzfristig)
in TEUR 31.12.2020 31.12.2019
Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertete finanzielle
Vermögenswerte
Derivate 560 52
Zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertete finanzielle
Vermögenswerte
Forderungen gegenüber Personal 178 342
Abgrenzungen 385 335
Übrige sonstige finanzielle Vermögenswerte 1.013 2.086
1.576 2.763
Summe 2.136 2.816
Die übrigen sonstigen finanziellen Vermögenswerte beinhalten gesperrte Finanzmittel in Höhe
von 156 TEUR (Vorjahr: 208 TEUR) und Mietkautionen in Höhe von 165 TEUR.
Für Angaben zu den beizulegenden Zeitwerten und sonstige weiterführende Informationen, siehe
Kapitel 3.3. Für finanzielle Vermögenswerte, die zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet wer-
den, ist gegebenenfalls eine Wertminderung zu berücksichtigen (siehe Kapitel 4.2). In Bezug auf Deri-
vate, die im Rahmen einer Sicherungsbeziehung gehalten werden, siehe Kapitel 11.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 89
6.6. Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente
in TEUR 31.12.2020 31.12.2019
Kassabestand 18 28
Guthaben bei Kreditinstituten 144.838 141.040
Kurzfristige Veranlagungen 115 288
Summe 144.972 141.356
Die Bindungsdauer sämtlicher kurzfristiger Finanzveranlagungen betrug zum Zeitpunkt der Veran-
lagung weniger als drei Monate.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss90
7. Rückstellungen
7.1. Altersversorgungsaufwendungen, Rückstellungen für Pensionen und
Abfertigungen
Altersversorgungspläne – leistungsorientierte Pläne
Bei leistungsorientierten Versorgungsplänen werden die Kosten für die Erbringung der Versorgungs-
leistung unter Anwendung des Verfahrens der laufenden Einmalprämien (Anwartschaftsbarwertver-
fahren bzw. Projected Unit Credit Method) ermittelt, wobei zu jedem Abschlussstichtag eine versi-
cherungsmathematische Bewertung durchgeführt wird. Sämtliche Neubewertungsergebnisse von
Planvermögen und Verpflichtungen, insbesondere versicherungsmathematische Gewinne und Verluste,
werden gemäß IAS 19 erfolgsneutral im sonstigen Ergebnis erfasst.
Die Rückstellung in der Bilanz für die gemäß einem Versorgungsplan zu erbringenden Leistungen
entspricht dem Barwert der von den Dienstnehmern bis zum Abschlussstichtag erworbenen Leis-
tungsansprüche abzüglich des Zeitwerts, der einem allfälligen der Deckung der Verpflichtung die-
nenden Planvermögen zum Abschlussstichtag beizulegen ist.
Altersversorgungspläne – beitragsorientierte Pläne
Aufgrund eines bestehenden Pensionsstatuts der Semperit AG Holding und der Semperit Technische
Produkte Gesellschaft m.b.H. werden vor dem 1. Jänner 1991 eingetretenen Mitarbeitern Betriebs-
pensionen in Form eines fixen Betrags, dessen Höhe von der Anzahl der geleisteten Dienstjahre
abhängig ist, gewährt. Anspruchsberechtigt nach diesem Statut sind nunmehr nur noch pensionierte
ehemalige Mitarbeiter oder Hinterbliebene von ehemaligen Mitarbeitern. Die Verpflichtungen aus
diesem Statut sind nicht durch Planvermögen gedeckt.
Mehreren ehemaligen Vorstandsmitgliedern wurden einzelvertraglich Pensionszusagen gewährt.
Auch diese Verpflichtungen sind nicht durch Planvermögen gedeckt.
Abfertigungszusagen
Abhängig von der Dauer der Unternehmenszugehörigkeit haben im Wesentlichen Dienstnehmer in
Österreich, Frankreich, Indien, Polen und Thailand aufgrund gesetzlicher Bestimmungen Anspruch auf
eine Einmalzahlung insbesondere bei Pensionsantritt.
Bei den anlässlich des Pensionsantritts fälligen Leistungen handelt es sich demnach um nach Be-
endigung des Arbeitsverhältnisses fällige Vergütungen im Sinne von IAS 19; die diesbezüglichen
Verpflichtungen sind nicht durch Planvermögen gedeckt.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 91
Versicherungsmathematische Annahmen
Die wichtigsten versicherungsmathematischen Parameter der leistungsorientierten Pensions- und
Abfertigungspläne stellen sich wie folgt dar. Die Zinssätze wurden in den einzelnen Ländern je nach
Leistungsplan differenziert ermittelt.
Zinssatz p.a. in % 31.12.2020 31.12.2019
Österreich – Pensionen 0,60% / 0,70% 0,80% / 0,90%
Österreich – Abfertigungen 0,60% / 0,70% 1,00%
Deutschland – Pensionen 0,60% / 0,70% 0,90% / 0,98%
Übrige Länder – Abfertigungen
Frankreich 0,70% / 1,00% 1,00% – 1,20%
Polen 1,50% 2,00%
Indien 6,05% 7,10%
Thailand 0,36% – 2,99% 1,24% – 2,49%
Die Entgeltsteigerungen wurden in den einzelnen Ländern je nach Leistungsplan und gegebenen-
falls nach Arbeitern und Angestellten differenziert ermittelt.
Entgeltsteigerungen p.a. in % 31.12.2020 31.12.2019
Österreich – Pensionen 0,00% / 1,75% 0,00% / 1,75%
Österreich – Abfertigungen 3,00% 3,00%
Deutschland – Pensionen 1,80% / 3,40% 1,80% / 3,40%
Übrige Länder – Abfertigungen
Frankreich 0,00% / 2,50% 2,00% / 2,50%
Polen 3,00% 2,00%
Indien 5,00% / 12,00% 5,00% / 12,00%
Thailand 3,00% / 4,00% 3,00% / 5,00%
Fluktuationsabschläge wurden abhängig von der Dauer der Unternehmenszugehörigkeit der Mit-
arbeiter berücksichtigt.
Fluktuationsabschläge p.a. in % 31.12.2020 31.12.2019
Österreich – Pensionen 0,00% 0,00%
Österreich – Abfertigungen 0,00% – 2,60% 0,00% – 2,60%
Deutschland – Pensionen 0,00% 0,00%
Übrige Länder – Abfertigungen
Frankreich 0,00% – 7,00% 0,00% – 7,00%
Polen 0,00% – 5,90% 5,30%
Indien
0,00% / 2,00% /
8,00%
0,00% / 2,00% /
8,00%
Thailand 0,00% – 35,00% 0,00% – 35,00%
Das Pensionsantrittsalter wurde entweder entsprechend der individuellen Regelung des jeweili-
gen Plans oder, wenn eine solche nicht vorhanden ist, mit dem frühestmöglichen Pensionsantrittsalter
entsprechend den lokalen gesetzlichen Vorschriften angesetzt.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss92
Für die Ermittlung des Barwerts der Verpflichtungen (Defined Benefit Obligation, DBO) wurden die
folgenden biometrischen Rechnungsgrundlagen und Annahmen verwendet:
• Österreich: AVÖ 2018-P ANG
• Deutschland: Heubeck 2018G
• Frankreich: TH 00–02 / TF 00–02
• Polen: Life Expectancy Table of Poland 2019 (Vorjahr: Life Expectancy Table of Poland 2016)
• Indien: Indian Assured Lives Mortality (2012–2014)
• Thailand: Thailand TM017
Die Rückstellungen für Pensionen und Abfertigungen setzen sich wie folgt zusammen:
Rückstellungen für Pensionen
in TEUR 31.12.2020 31.12.2019
Barwert der gedeckten leistungsorientierten Verpflichtungen 3.460 3.469
Beizulegender Zeitwert des Planvermögens –80 –345
Unterdeckung 3.380 3.124
Barwert der ungedeckten leistungsorientierten Verpflichtungen 14.338 14.626
Rückstellungen für Pensionen per 31.12. 17.718 17.751
Der Barwert der Verpflichtungen aus leistungsorientierten Pensionsplänen hat sich wie folgt entwickelt:
in TEUR 2020 2019
Barwert der Verpflichtungen (DBO) per 01.01. 18.096 18.120
Laufender Dienstzeitaufwand 7 11
Zinsaufwand 161 317
Summe der Aufwendungen für Pensionen 168 328
Neubewertungen 1.146 1.302
Auszahlungen / Übertragungen –1.612 –1.654
Barwert der Verpflichtungen (DBO) per 31.12. 17.798 18.096
Sowohl der Dienstzeitaufwand als auch der Zinsaufwand werden in der Konzerngewinn-
und -verlustrechnung als Aufwendungen für Altersversorgung im Personalaufwand erfasst (siehe
Kapitel 2.5).
in TEUR
Gesamt
31.12.2020
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
Gesamt
31.12.2019
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
Rückstellungen für Pensionen 17.718 16.186 1.532 17.751 16.225 1.526
Rückstellungen für Abfertigungen 19.728 18.785 943 19.174 18.010 1.164
Summe 37.446 34.971 2.476 36.925 34.235 2.690
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 93
Das zum beizulegenden Zeitwert bewertete Planvermögen setzt sich wie folgt zusammen:
in TEUR 31.12.2020 31.12.2019
Barmittel 80 80
Sonstige Forderungen 0 265
Zeitwert des Planvermögens per 31.12. 80 345
Das Planvermögen hat sich wie folgt entwickelt:
in TEUR 2020 2019
Zeitwert des Planvermögens per 01.01. 345 293
Neubewertungen des Planvermögens 0 –12
Auszahlungen / Übertragungen –265 65
Zeitwert des Planvermögens per 31.12. 80 345
Rückstellungen für Abfertigungen
in TEUR 2020 2019
Barwert der Verpflichtungen (DBO) per 01.01. 19.174 18.689
Laufender Dienstzeitaufwand 447 325
Nachzuverrechnender Dienstzeitaufwand 0 118
Zinsaufwand 205 350
Summe der Aufwendungen für Abfertigungen 652 793
Neubewertungen 1.041 759
Auszahlungen –1.061 –1.107
Fremdwährungsdifferenzen –78 41
Barwert der Verpflichtungen (DBO) per 31.12. 19.728 19.174
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss94
Neubewertungen
Die gemäß IAS 19 im sonstigen Ergebnis erfassten Neubewertungen setzen sich wie folgt zusammen:
in TEUR 2020 2019
Pensionen
Neubewertungen der Verpflichtungen
Aus der Änderung demographischer Annahmen –2 –44
Aus der Änderung finanzieller Annahmen –370 –1.466
Aufgrund erfahrungsbedingter Anpassungen –774 208
–1.146 –1.302
Neubewertungen des Planvermögens 0 –12
Summe Pensionen –1.146 –1.314
Abfertigungen
Neubewertungen der Verpflichtungen
Aus der Änderung demographischer Annahmen –4 565
Aus der Änderung finanzieller Annahmen –638 –1.469
Aufgrund erfahrungsbedingter Anpassungen –400 145
Summe Abfertigungen –1.041 –759
Neubewertungen Gesamt –2.187 –2.073
Sensitivitätsanalyse
Für Pensions- und Abfertigungspläne wurden Sensitivitätsanalysen hinsichtlich der Auswirkung der
wesentlichen versicherungsmathematischen Annahmen durchgeführt. Die Berechnung der Sensitivitä-
ten erfolgte unter Zugrundelegung jener versicherungsmathematischen Annahmen, die auch für die
Bewertung der Rückstellungen für Pensionen und Abfertigungen zur Anwendung kommen, wobei ein
Parameter verändert wurde. Die übrigen Parameter blieben jeweils unverändert. Wenn sich aufgrund
der Veränderung der Parameter ein negativer Zinssatz ergibt, dann wird dieser zur Berechnung her-
angezogen.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 95
Die Veränderungen dieser Parameter um jeweils einen Prozentpunkt wirken sich auf den Barwert
der Pensionsverpflichtungen in Höhe von 17.798 TEUR (Vorjahr: 18.096 TEUR) und für den Barwert
der Abfertigungsverpflichtungen in Höhe von 19.728 TEUR (Vorjahr: 19.174 TEUR) wie folgt aus:
Barwert der Verpflichtung
(DBO) 31.12.2020
Barwert der Verpflichtung
(DBO) 31.12.2019
in TEUR
Veränderung des
Parameters
Zunahme
Parameter
Abnahme
Parameter
Zunahme
Parameter
Abnahme
Parameter
Pensionen
Zinssatz +/– 1 Prozentpunkt 16.196 19.718 16.478 20.033
Entgeltsteigerungen +/– 1 Prozentpunkt 19.285 16.883 19.548 17.214
Lebenserwartung +/– 1 Jahr 18.812 16.806 19.105 17.109
Abfertigungen
Zinssatz +/– 1 Prozentpunkt 17.985 21.773 17.478 21.384
Entgeltsteigerungen +/– 1 Prozentpunkt 21.765 17.923 21.233 17.563
Die durchschnittlich gewichtete Laufzeit (Duration) der leistungsorientierten Pensions- und Abfer-
tigungsverpflichtungen in Jahren stellt sich wie folgt dar:
Durchschnittliche gewichtete Laufzeit (Duration) 31.12.2020 31.12.2019
Österreich – Pensionen 9,8 9,1
Österreich – Abfertigungen 10,3 10,5
Deutschland – Pensionen 10,2 9,9
Übrige Länder – Abfertigungen
Frankreich 16,3 13,9
Polen 10,5 10,5
Indien 7,7 8,4
Thailand 16,5 14,0
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss96
Die folgende Tabelle zeigt die Fälligkeiten der erwarteten Leistungsauszahlungen:
in TEUR 31.12.2020 31.12.2019
Abfertigungen
Bis zu 1 Jahr 943 1.164
1 bis 5 Jahre 3.812 3.413
6 bis 10 Jahre 6.249 6.056
Über 10 Jahre 14.164 15.002
Pensionen
Bis zu 1 Jahr 1.532 1.526
1 bis 5 Jahre 5.920 5.799
6 bis 10 Jahre 4.230 4.142
Über 10 Jahre 7.998 7.290
Altersversorgungspläne – beitragsorientierte Pläne
Beiträge zu beitragsorientierten Versorgungsplänen werden dann als Aufwand erfasst, wenn die Mitar-
beiter die Arbeitsleistung erbracht haben, die das Unternehmen zur Beitragsleistung verpflichtet.
Die Semperit AG Holding ist verpflichtet, für alle aktiven Vorstandsmitglieder Beiträge an eine
Pensionskasse zu leisten. Jährlich wird ein vertraglich vereinbarter Fixbetrag in die APK Pensionskasse
AG einbezahlt. Im Geschäftsjahr 2020 ist für diese Beiträge ein Aufwand von 132 TEUR (Vor-
jahr: 88 TEUR) angefallen.
Einem ehemaligen Vorstandsmitglied und ausgewählten leitenden Angestellten wurden in der
Vergangenheit Pensionszusagen gewährt, die durch Rückdeckungsversicherungen bei der Generali
Versicherung AG gedeckt sind, wobei der Pensionsanspruch jeweils dem rückgedeckten Betrag
entspricht. Im Geschäftsjahr 2020 ist für diese Beiträge in Summe ein Aufwand von 151 TEUR (Vor-
jahr: 180 TEUR) angefallen.
Mitarbeiter, deren Dienstverhältnis österreichischem Recht unterliegt und die nach dem
31. Dezember 2002 in das Dienstverhältnis eingetreten sind, erwerben keine Abfertigungsansprüche
gegenüber dem jeweiligen Dienstgeber. Für diese Mitarbeiter und für alle aktiven Vorstandsmitglie-
der waren Beiträge in Höhe von 1,53% (Vorjahr 1,53%) des Lohns bzw. Gehalts an eine Mitarbeiter-
vorsorgekasse zu zahlen. Im Geschäftsjahr 2020 ist für diese Beiträge ein Aufwand von insgesamt
706 TEUR (Vorjahr: 643 TEUR) angefallen.
Für Mitarbeiter in den USA werden Beiträge in Höhe eines festgelegten Prozentsatzes des Jah-
resgehalts an eine Pensionskasse geleistet. Im Geschäftsjahr 2020 ist für diese Beiträge ein Aufwand
von 164 TEUR (Vorjahr: 317 TEUR) angefallen.
Für Mitarbeiter in Singapur werden Beiträge in Höhe eines festgelegten Prozentsatzes des Jah-
resgehalts an eine Pensionskasse geleistet. Im Geschäftsjahr 2020 ist für diese Beiträge ein Aufwand
von 165 TEUR (Vorjahr: 188 TEUR) angefallen.
Die Mitarbeiter der Semperit-Gruppe gehören zudem den länderspezifischen, staatlichen Pensi-
onsplänen an, die in der Regel im Umlageverfahren finanziert werden. Die Verpflichtung der Sempe-
rit-Gruppe beschränkt sich darauf, die Beiträge bei Fälligkeit zu entrichten. Eine rechtliche oder
faktische Verpflichtung zu künftigen Leistungen besteht nicht.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 97
7.2. Sonstige Rückstellungen
Rückstellungen werden mit dem Barwert des erwarteten Erfüllungsbetrags gemäß der bestmöglichen
Schätzung des Managements der ungewissen Verpflichtung unter Berücksichtigung unvermeidbarer,
mit vielen Ereignissen und Umständen verbundener Risiken und Unsicherheiten sowie künftiger Ereig-
nisse – sofern ausreichend objektive substanzielle Hinweise für deren Eintritt vorliegen – angesetzt. Eine
Abzinsung erfolgt jedoch nur bei einer Wesentlichkeit des Zinseffekts.
Sofern davon ausgegangen werden kann, dass der für die Erfüllung erforderliche Betrag zur Gänze
oder teilweise durch einen Dritten erstattet wird, wird dieser Rückerstattungsanspruch bilanziert, wenn
und soweit diese Erstattung so gut wie sicher ist und der Betrag zuverlässig geschätzt werden kann.
Die Zeitpunkte der erwarteten Zahlungsströme der sonstigen Rückstellungen (ausgenommen Ju-
biläumsgelder) entsprechen im Wesentlichen den oben genannten Fristigkeiten.
Die Buchwerte der sonstigen Rückstellungen setzen sich wie folgt zusammen:
Die sonstigen Rückstellungen entwickelten sich wie folgt:
Jubiläumsgelder
Rückstellungen für Jubiläumsgelder werden unter Anwendung der Projected Unit Credit Method
gemäß IAS 19 basierend auf einer versicherungsmathematischen Bewertung ermittelt. Neubewertun-
gen (versicherungsmathematische Gewinne und Verluste) werden im Gewinn oder Verlust der Periode
als Personalaufwand erfasst.
Die Rückstellungen für Jubiläumsgelder werden für Mitarbeiter in Österreich, Deutschland und
der Tschechischen Republik gebildet, denen aufgrund kollektivvertraglicher Regelungen bei langjäh-
riger Betriebszugehörigkeit Jubiläumsgelder zustehen. Die Bewertung erfolgte im Wesentlichen unter
Zugrundelegung jener versicherungsmathematischen Annahmen, die auch für die Bewertung der
Rückstellungen für Pensionen und Abfertigungen zur Anwendung kamen.
Für die Rückstellung für Jubiläumsgelder ergeben sich undiskontierte Zahlungsströme zum
31. Dezember 2020 von 386 TEUR (Vorjahr: 287 TEUR) innerhalb eines Jahres und von 8.773 TEUR
(Vorjahr: 9.070 TEUR) über einem Jahr.
in TEUR
31.12.2020
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
31.12.2019
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
Jubiläumsgelder 4.587 4.195 392 4.517 4.232 285
Gewährleistungen 7.302 1.236 6.066 6.753 1.291 5.462
Prämien- und sonstige Personalrückstellungen 19.123 2.585 16.538 12.936 216 12.720
Übrige 8.095 4.168 3.926 6.295 5.136 1.159
Summe 39.107 12.184 26.923 30.501 10.875 19.626
in TEUR
01.01.2020
Währungs-
differenzen
Auflösung Verbrauch Zuführung 31.12.2020
Jubiläumsgelder 4.517 –2 0 –292 364 4.587
Gewährleistungen 6.753 –212 –1.716 –954 3.432 7.302
Prämien- und sonstige Personalrückstellungen 12.936 –353 –80 –12.248 18.867 19.123
Übrige 6.295 –1.375 –66 –1.538 4.779 8.095
Summe 30.501 –1.942 –1.862 –15.032 27.442 39.107
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss98
Die durchschnittlich gewichtete Laufzeit des Barwertes der Jubiläumsgeldverpflichtungen beträgt
rund 9 Jahre (Vorjahr: 11 Jahre). Die Sensitivitätsanalysen hinsichtlich der Auswirkung der wesentli-
chen versicherungsmathematischen Annahmen wurden durchgeführt. Daraus ergeben sich folgende
Auswirkungen auf den Barwert der Rückstellungen für Jubiläumsgelder:
Barwert der Verpflichtung
(DBO) 31.12.2020
Barwert der Verpflichtung
(DBO) 31.12.2019
in TEUR
Veränderung des
Parameters
Zunahme
Parameter
Abnahme
Parameter
Zunahme
Parameter
Abnahme
Parameter
Zinssatz +/– 1 Prozentpunkt 4.195 5.054 4.132 4.974
Entgeltsteigerungen +/– 1 Prozentpunkt 4.949 4.275 4.871 4.211
Gewährleistungen
Die Rückstellungen für Gewährleistungen werden grundsätzlich auf der Basis von Einzelbeurteilungen
der Gewährleistungsrisiken gebildet; auf Erfahrungswerten basierende Gewärleistungsrückstellungen
auf Portfoliobasis sind in der Semperit-Gruppe von untergeordneter Bedeutung. Da der Inanspruch-
nahme lang dauernde Verhandlungen und auch Rechtsstreitigkeiten vorausgehen können, ist der
Zeitpunkt der tatsächlichen Inanspruchnahme ungewiss.
Prämien- und sonstige Personalrückstellungen
Die Rückstellungen für Prämien der Mitarbeiter (entsprechend der Semperit Group Bonus Policy), der
Führungskräfte (entsprechend einem Long-term Incentive Plan der sich an den langfristigen Leis-
tungsboni für den Vorstand orientiert) und der Vorstände (entsprechend der Vergütungspolitik) wer-
den mit den bestmöglich geschätzten Erfüllungsbeträgen angesetzt. Die geschätzten Erfüllungsbe-
träge berücksichtigen die voraussichtliche Zielerreichung von individuellen und Konzernzielvorgaben
sowie die aktuellen Ergebnisse aus der Leistungsbeurteilung. Langfristige Leistungsboni werden über
mehrere Perioden verteilt angesammelt; die zu erwartende Unverfallbarkeit der Ansprüche bestimmt
dabei das Ende des Ansammlungszeitraums. Mangels Wesentlichkeit erfolgt keine Abzinsung der
langfristigen Leistungsboni. Darüber hinaus gibt es für Mitarbeiter und Führungskräfte lokale Prämi-
envereinbarungen, welche ebenfalls auf Basis der individuell geschätzten voraussichtlichen Zielerrei-
chung bevorsorgt werden.
Übrige Rückstellungen
In den übrigen sonstigen Rückstellungen ist eine Rückstellung für Steuerverfahren zu Verkehrssteuern
in Brasilien betreffend die Veranlagungsjahre 2008 bis 2010 in Höhe von 2.450 TEUR (Vor-
jahr: 3.380 TEUR) enthalten. Die Abgabe (PIS/COFINS) wird beim Import und beim Wiederverkauf
von Waren in Brasilien eingehoben.
Hinsichtlich der Import-PIS/COFINS erging am 12. November 2019 die letztinstanzliche Entschei-
dung des Conselho de Administração de Recursos Fiscais (CARF) zugunsten der Semperit-Gruppe.
Daraufhin wurde die entsprechnde Rückstellung in Höhe von 3.985 TEUR im Vorjahr aufgelöst; das
Verfahren wurde im Jänner 2020 offiziell beendet.
Für die Wiederverkaufs-PIS/COFINS wurde im Geschäftsjahr 2017 nach erfolglosen Rechtsmitteln
im Verwaltungsverfahren eine Kaution für die weitere Behandlung des Falles in den gerichtlichen
Verfahrensinstanzen gelegt. Der Rückstellung in Höhe von 2.450 TEUR (Vorjahr: 3.380 TEUR) steht
weiterhin eine entsprechende Forderung aus einer Rückerstattung der Depositleistung beim Zivilge-
richt gegenüber. Der simultane Rückgang der Rückstellung und der Rückerstattungsforderung ist im
Wesentlichen dem Kursverfall des Brasilianischen Real im abgelaufenen Geschäftsjahr geschuldet.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 99
Des Weiteren wurden erwartete Verfahrenskosten in Zusammenhang mit den Steuerverfahren in
Brasilien in Höhe von 205 TEUR (Vorjahr: 411 TEUR) rückgestellt. Für die Veranlagungsjahre 2011 und
2012 geht das Management davon aus, dass eine Verjährung eingetreten ist.
Im Zuge der Einführung einer Zero Recruitment Fee Policy in Malaysia wurde ein sukzessiver
Rückzahlungsprozess für die von ausländischen Arbeitern an Drittanbieter entrichtete Recruitment
Fees implementiert. Die hierfür erforderliche Rückstellung zum 31. Dezember 2020 beträgt
2.835 TEUR (Vorjahr: 0 TEUR).
Ein Tochterunternehmen ist in ein wettbewerbsrechtliches Verfahren involviert. Dieses langwierige
Verfahren befindet sich derzeit in einem Stadium, in dem der Ausgang mit hoher Unsicherheit behaf-
tet ist. Das Verfahren wird in Abstimmung mit lokalen Spezialisten vor der Behörde abgewickelt. Das
Tochterunternehmen kooperiert mit den zuständigen Behörden und sichert seine volle Unterstützung
zu. Für die erwarteten Kosten und das entsprechende Risiko wurde gemäß der Einschätzung der
Semperit-Gruppe mit einer Rückstellung in Höhe des wahrscheinlichsten Betrages entsprechend
vorgesorgt. Ein allfälliger Anpassungsbedarf wird periodisch neu beurteilt.
Detaillierte Angaben zu den konkreten finanziellen Auswirkungen würden die Position der
Semperit-Gruppe bei der Durchsetzung ihrer Interessen in laufenden Rechtsstreitigkeiten ernsthaft
beeinträchtigen, weshalb diese in Anwendung von IAS 37.92 unterblieben sind.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss100
8. Sonstige nicht-finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten
8.1. Sonstige nicht-finanzielle Vermögenswerte
8.2. Sonstige nicht-finanzielle Verbindlichkeiten
Von den Vertragsverbindlichkeiten in Höhe von 18.841 TEUR (Vorjahr: 11.864 TEUR) sind
15.423 TEUR im Geschäftsjahr 2020 (Vorjahr: 11.864 TEUR) entstanden. Vom Vorjahreswert der Ver-
tragsverbindlichkeiten wurden 5.621 TEUR (Vorjahr: 4.848 TEUR) als Umsatzerlös realisiert.
in TEUR 31.12.2020
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig 31.12.2019
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
Abgegrenzte Aufwendungen 5.080 19 5.060 4.617 127 4.490
Geleistete Anzahlungen 1.055 426 630 1.527 521 1.006
Forderungen aus Steuern 8.972 2.603 6.369 10.819 3.633 7.185
Sonstige nicht-finanzielle Forderungen 483 73 410 1.043 69 974
Summe 15.590 3.121 12.469 18.005 4.350 13.654
in TEUR
31.12.2020
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
31.12.2019
Davon
langfristig
Davon
kurzfristig
V
erbindlichkeiten aus Steuern und im Rahmen
der sozialen Sicherheit 10.595 0 10.595 9.849 0 9.849
V
ertragsverbindlichkeiten 18.841 0 18.841 11.864 0 11.864
Nicht konsumierte Urlaube und Zeitsalden 7.090 224 6.866 5.447 132 5.315
Übrige sonstige Verbindlichkeiten 1.447 45 1.401 1.725 51 1.675
Summe 37.972 269 37.703 28.885 183 28.702
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 101
9. Steuern
Steuerüberleitungsrechnung
Die Überleitung vom Ergebnis vor Steuern auf den in der Konzerngewinn- und -verlustrechnung
ausgewiesenen Aufwand an Ertragsteuern stellt sich wie folgt dar:
in TEUR 2020 2019
Ergebnis vor Steuern 229.163 –29.643
Steuerbelastung / -ertrag (–/+) zu 25% –57.291 7.411
Abweichende ausländische Steuersätze 11.667 504
Anteil am Gewinn von assoziierten Unternehmen 141 116
Auf kündbare nicht beherrschende Anteile entfallendes Ergebnis –1.094 –1.017
Steuerlich nicht abzugsfähige Aufwendungen –3.605 –3.539
Nicht steuerbare Erträge, Steuerfreibeträge und Steuerabsetzbeträge 553 358
Steuerrechtlich abzugsfähige Aufwendungen für Hybridkupons 1.620 1.730
Minderung des laufenden Steueraufwandes aufgrund Verwertung bisher nicht
angesetzter Verlustvorträge und Steuergutschriften
6.027 1.383
Nicht angesetzte latente Steueransprüche auf im Geschäftsjahr neu entstandene
V
erlustvorträge und nicht genutzte Steuergutschriften
–3.644 –19.186
V
eränderung der Wertberichtigung von latenten Steueransprüchen aus
temporären Differenzen, sowie in Vorjahren entstandene Verlustvorträge und
Steuergutschriften
18.949 –1.161
V
eränderung der Outside-Basis-Differenzen –438 –3
Steuereffekte auf Beteiligungsbewertungen von vollkonsolidierten Unternehmen 200 1.117
Quellensteuern –2.120 –1.800
Steuern für Vorperioden –5.271 –240
Sonstige –266 –950
Ertragsteuern laut Konzerngewinn- und -verlustrechnung –34.573 –15.277
in TEUR 2020 2019
Ergebnis vor Steuern 229.163 –29.643
Auf kündbare nicht beherrschende Anteile entfallendes Ergebnis 4.377 4.067
Summe 233.540 –25.576
Ertragsteuern laut Konzerngewinn- und -verlustrechnung 34.573 15.277
Effektivsteuersatz in % 14,8% –59,7%
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss102
Latente Steuern
Nach temporären Differenzen setzen sich die in der Konzernbilanz erfassten latenten Steuern wie
folgt zusammen:
Die Wertberichtigung für aktive latente Steuern in Höhe von 64.401 TEUR (Vorjahr: 89.508 TEUR)
umfasst die Wertberichtigung für aktive latente Steuern auf temporäre Differenzen in Höhe von
8.565 TEUR (Vorjahr: 19.657 TEUR) sowie die Wertberichtigung für aktive latente Steuern auf Verlust-
vorträge und nicht genutzten Steuergutschriften in Höhe von 55.836 TEUR (Vorjahr: 69.852 TEUR).
Die Wertberichtigung enthält auch im jeweiligen Geschäftsjahr entstandene, aber (noch) nicht ange-
setzte aktive latente Steuern.
Von den Wertberichtigungen für aktive latente Steuern auf temporäre Differenzen und Verlustvor-
träge entfallen insgesamt 33.575 TEUR (Vorjahr: 31.158 TEUR) auf die Unternehmensgruppe gemäß
§ 9 KStG, deren Gruppenträgerin die Semperit AG Holding ist. Aufgrund der Verlusthistorie der
österreichischen Steuergruppe in der jüngeren Vergangenheit sind die Anforderungen, welche die
IFRS an die Verlässlichkeit der Steuerplanung stellen, erhöht. Eine Bilanzierung von (nicht durch
passive latente Steuern gedeckten) aktiven latenten Steuern auf temporäre Differenzen und Verlust-
vorträge erfordert zusätzliche substanzielle Hinweise, dass in den nachfolgenden Geschäftsjahren
steuerliche Ergebnisse zur voraussichtlichen Steuerentlastung herangezogen werden können. Ange-
sichts der Verlusthistorie der österreichischen Steuergruppe in der jüngeren Vergangenheit, der
Übergangs- und Transformationsphase, in der sich die Semperit-Gruppe befindet, und angesichts der
Unwägbarkeiten, die vor allem im Zusammenhang mit den durch die Corona-Pandemie beeinflussten
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bestehen, sind die aktiven latenten Steuern der österreichi-
schen Steuergruppe nicht ansatzfähig.
31.12.2020 31.12.2019
in TEUR
Aktive
latente
Steuern
Passive
latente
Steuern
Aktive
latente
Steuern
Passive
latente
Steuern
Immaterielle Vermögenswerte 1.299 32 1.297 19
Sachanlagen 279 19.795 11.194 12.681
Wertpapiere und finanzielle Veranlagungen 12 126 24 93
V
orräte 3.799 177 2.570 59
Forderungen 249 1.499 258 9.385
Sonstige Vermögenswerte 153 126 59 105
Personalrückstellungen 5.936 0 5.847 0
Sonstige Rückstellungen 3.142 10 1.532 17
Lieferverbindlichkeiten 526 17 160 636
Sonstige Verbindlichkeiten 1.946 2.169 4.608 829
Temporäre Differenzen in Verbindung mit Anteilen an
Tochterunternehmen (Outside-Basis-Differenzen) 0 2.331 0 1.893
Steuerliche Verlustvorträge und noch nicht genutzte
Steuergutschriften 68.645 n/a 80.566 n/a
Summe aktive / passive latente Steuern 85.985 26.281 108.115 25.717
Wertberichtigung für aktive latente Steuern –64.401 n/a –89.508 n/a
Saldierung von aktiven und passiven latenten Steuern –16.085 –16.085 –15.394 –15.394
Aktive latente Steuern 5.500 3.212
Passive latente Steuern 10.196 10.323
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 103
Aktive und passive latente Steuern ein und desselben Steuersubjekts werden saldiert, wenn sie
sich auf Ertragsteuern beziehen, die von derselben Steuerbehörde erhoben werden, und ein Recht
auf Aufrechnung laufender Steuerschulden mit laufenden Steuererstattungsansprüchen besteht. Die
in Österreich gemäß § 9 KStG gebildete Steuergruppe wird dabei als ein Steuersubjekt betrachtet. In
Deutschland besteht eine körperschaftsteuerliche Organschaft zwischen Semperit Profiles Deggen-
dorf GmbH und Semperit Profiles Leeser GmbH.
Von der Veränderung der in der Bilanz erfassten latenten Steuern sind –1.893 TEUR (Vorjahr:
–4.298 TEUR) im Steueraufwand und 265 TEUR (Vorjahr: 47 TEUR) im sonstigen Ergebnis enthalten.
Die im sonstigen Ergebnis der Periode erfassten latenten Steuern setzen sich wie folgt zusammen:
in TEUR 2020 2019
Sonstige Ergebnisse, die in künftigen Perioden nicht ergebniswirksam
w
erden
Auf Neubewertungen von leistungsorientierten Plänen (IAS 19) entfallende
latente Steuern
97 171
Sonstige Ergebnisse, die in künftigen Perioden ergebniswirksam werden
Auf Cashflow Hedges entfallende latente Steuern 24 –125
Währungsdifferenzen, die auf latente Steuern entfallen 143 1
168 –124
Summe 265 47
Latente Steuern mit einer Laufzeit von über fünf Jahren, welche aus der Neubewertung von leis-
tungsorientierten Plänen stammen, wurden wertberichtigt.
Zum Abschlussstichtag bestehen abzugsfähige temporäre Differenzen in Höhe von 33.740 TEUR
(Vorjahr: 80.790 TEUR) sowie steuerliche Verlustvorträge und noch nicht genutzte steuerliche Verluste
in Höhe von 167.921 TEUR (Vorjahr: 190.158 TEUR), für die keine aktiven latenten Steuern angesetzt
wurden. Von diesen nicht genutzten steuerlichen Verlusten verfallen 24.915 TEUR (Vor-
jahr: 15.643 TEUR) innerhalb der nächsten fünf Jahre bzw. 29.466 TEUR (Vorjahr: 34.344TEUR) in den
nächsten sieben Jahren. Die restlichen Verluste und abzugsfähigen temporären Differenzen sind im
Wesentlichen zeitlich unbeschränkt verwertbar.
Die aktiven latenten Steuern enthalten solche für Steuerjurisdiktionen, in denen im laufenden Ge-
schäftsjahr oder im Vorjahr steuerliche Verluste entstanden sind, welche die passiven latenten Steuern
der betroffenen Konzernunternehmen um insgesamt 2.803 TEUR (Vorjahr: 2.000 TEUR) überstiegen.
Der Ansatz aktiver latenter Steuern erfolgte im Geschäftsjahr 2020 aufgrund der Tatsache, dass
entweder mit ausreichend positiven steuerlichen Ergebnissen in den kommenden Geschäftsjahren
gerechnet wird oder die Verluste in vergangene Geschäftsjahre rückgetragen werden können.
Für zu versteuernde temporäre Differenzen in Höhe von 58.687 TEUR (Vorjahr: 56.938 TEUR) in
Verbindung mit Anteilen an Tochterunternehmen wurden passive latente Steuern von 13.479. TEUR
(Vorjahr: 9.832 TEUR) nicht angesetzt, da das Mutterunternehmen in der Lage ist, den zeitlichen
Verlauf der Auflösung der temporären Differenz zu steuern und es wahrscheinlich ist, dass sich die
temporären Differenzen in absehbarer Zeit nicht auflösen werden. Darüber hinaus bestehen abzugs-
fähige temporäre Differenzen in Höhe von 26.975 TEUR (Vorjahr: 151.703 TEUR), für die aktive laten-
te Steuern von 6.539 TEUR (Vorjahr: 29.759 TEUR) nicht angesetzt wurden, weil es nicht wahrschein-
lich ist, dass sich die temporären Differenzen in absehbarer Zeit auflösen werden.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss104
10. Struktur des Unternehmens
10.1. Konsolidierungskreis
Tochterunternehmen, über die eine Beherrschung im Sinne von IFRS 10 ausgeübt wird, werden
mittels Vollkonsolidierung in den Konzernabschluss der Semperit AG Holding einbezogen. Beteili-
gungsunternehmen, an denen ein maßgeblicher Einfluss besteht werden als Anteile an assoziierten
Unternehmen gemäß der Equity-Methode bilanziert.
Der Konsolidierungskreis der Semperit AG Holding hat sich im Geschäftsjahr 2020 wie folgt ent-
wickelt:
Voll-
konsolidierte
Unternehmen
Assoziierte
Unternehmen
Stand 01.01.2020 44 1
Beteiligungsveräußerungen 0 –1
Erst-/Entkonsolidierungen –2 0
Stand 31.12.2020 42 0
Voll-
konsolidierte
Unternehmen
Assoziierte
Unternehmen
Stand 01.01.2019 44 1
Entkonsolidierungen 0 0
Stand 31.12.2019 44 1
Die Entkonsolidierungen im Geschäftsjahr 2020 betreffen die Total Glove Company Bhd,
Kamunting, Malaysia. Die Gesellschaft befindet sich seit 19. November 2020 in Liquidation und wurde
aufgrund des sich daraus ergebenden Kontrollverlustes entkonsolidiert. Die Effekte aus der Entkonso-
lidierung sind unwesentlich und wurden in den sonstigen betrieblichen Erträgen erfasst. Weiters
wurde die Shanghai Sempermed Glove Sales Co Ltd, Shanghai, China liquidiert.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 105
10.2. Vollkonsolidierte Unternehmen
31.12.2020 31.12.2019
Währung
Nenn-
kapital
in Tsd.
Direkter
Anteil
in %
Konzern-
anteil
in %
Nenn-
kapital
in Tsd.
Direkter
Anteil
in %
Konzern-
anteil
in %
Europa
Semperit Aktiengesellschaft Holding,
Wien, Österreich
EUR 21.359 21.359
Semperit Technische Produkte Gesellschaft
m.b.H., Wien, Österreich
EUR 61.701 100,00 100,00 61.701 100,00 100,00
Semperit Import & Services GmbH,
Wien, Österreich
EUR 36 100,00 100,00 36 100,00 100,00
Semperflex Rivalit GmbH,
Waldböckelheim, Deutschland
EUR 1.281 100,00 100,00 1.281 100,00 100,00
Semperit Profiles Deggendorf GmbH,
Deggendorf, Deutschland
EUR 11.050 100,00 100,00 11.050 100,00 100,00
Semperit Profiles Leeser GmbH,
Hückelhoven, Deutschland
EUR 81 100,00 100,00
81 100,00 100,00
Semperit Profiles Leeser Verwaltungs GmbH,
Deutschland
EUR 25 100,00 100,00
25 100,00 100,00
Semperit (France) S.A.R.L., Levallois Perret,
Frankreich
EUR 495 100,00 100,00 495 100,00 100,00
Sempertrans France Belting Technology S.A.S.,
Argenteuil, Frankreich
EUR 2.542 100,00 100,00 2.542 100,00 100,00
Sempertrans Maintenance France Nord S.A.S.,
Argenteuil, Frankreich
EUR 176 100,00 100,00 176 100,00 100,00
Semperit Industrial Products Ltd.,
Birmingham, Großbritannien
GBP 150 100,00 100,00 150 100,00 100,00
Sempertrans Bełchatów Sp. z o.o.,
Bełchatów, Polen
PLN 7.301 100,00 100,00 7.301 100,00 100,00
Carlona Sp. z o.o., Warschau, Polen PLN 67.611 100,00 100,00
66.394 100,00 100,00
Semperflex Optimit s.r.o., Odry,
Tschechische Republik CZK 470.318 100,00 100,00 470.318 100,00 100,00
Semperflex A.H. s.r.o., Odry,
Tschechische Republik CZK 100 100,00 100,00 100 100,00 100,00
Elastomer Technology Kmenta s.r.o.,
Husava, Tschechische Republik CZK 2.848 87,50 87,50
1)+2)
2.848 87,50 87,50
1)
Sempermed Kft., Sopron, Ungarn EUR 3.680 100,00 100,00 3.680 100,00 100,00
Semperform Kft., Sopron, Ungarn HUF 243.000 100,00 100,00
243.000 100,00 100,00
Sempermed Magyarország Kft.,
Budapest, Ungarn
HUF 3.000 100,00 100,00
3.000 100,00 100,00
Sempertrans Conveyor Belt Solutions GmbH,
Wien, Österreich
EUR 3.136 100,00 100,00
3.136 100,00 100,00
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss106
1)
Aufgrund von Unwesentlichkeit nicht konsolidiert.
2)
In Liquidation.
3)
Die Anteile der anderen Gesellschafter werden als kündbare nicht beherrschende Anteile ausgewiesen.
4)
Entkonsolidiert.
31.12.2020 31.12.2019
Währung
Nenn-
kapital
in Tsd.
Direkter
Anteil
in %
Konzern-
anteil
in %
Nenn-
kapital
in Tsd.
Direkter
Anteil
in %
Konzern-
anteil
in %
Amerika
Sempermed Brasil Promoção de Vendas
Ltda., Piracicaba, Brasilien
BRL 33.971 100,00 100,00
15.247 100,00 100,00
Semperit Brasil Produtos Tècnicos Ltda., Sao
Paulo, Brasilien
BRL 641 100,00 100,00
641 100,00 100,00
Sempermed USA Inc., Clearwater, Florida,
USA
USD 4.000 100,00 100,00
4.000 100,00 100,00
Semperit Industrial Products Inc., Fair Lawn,
New Jersey, USA
USD 1 100,00 100,00
1 100,00 100,00
Sempertrans North America Investments
Corp., Atlanta, USA
USD 15.200 100,00 100,00
9.000 100,00 100,00
Sempertrans USA, LLC, Atlanta, USA USD 13.304 100,00 100,00
7.100 100,00 100,00
Semperit Productos Técnicos SpA, Santiago
de Chile, Chile
CLP 46.000 100,00 100,00
46.000 100,00 100,00
Asien
Semperflex Shanghai Ltd., Shanghai, China USD 15.000 100,00 100,00
15.000 100,00 100,00
Semperit (Shanghai) Management Co. Ltd.,
Shanghai, China USD 2.570 100,00 100,00
2.570 100,00 100,00
Sempertrans Best (ShanDong) Belting Co.
Ltd., Shandong, China EUR 24.800 83,87 83,87
3)
24.800 83,87 83,87
3)
Shanghai Semperit Rubber & Plastic
Products Co. Ltd., Shanghai, China EUR 2.471 100,00 100,00
2.471 100,00 100,00
Shanghai Sempermed Glove Sales Co Ltd.,
Shanghai, China USD 0 0,00 0,00
4)
0 100,00 100,00
2)
Shanghai Changning Sempermed Glove
Trading Co. Ltd., Shanghai, China USD 2.305 100,00 100,00
2.305 100,00 100,00
Sempertrans India Pte. Ltd., Roha,
Maharashtra, Indien INR 702.769 100,00 100,00
662.769 100,00 100,00
FormTech Engineering (M) Sdn Bhd, Nilai,
Malaysia MYR 8.300 69,88 69,88
8.300 69,88 69,88
Latexx Partners Berhad, Kamunting, Malaysia MYR 256.150 98,86 98,86
256.150 98,86 98,86
Latexx Manpower Services Sdn Bhd,
Kamunting, Malaysia MYR 6.378 100,00 98,85
6.378 100,00 98,85
Latexx Manufacturing Sdn Bhd, Kamunting,
Malaysia MYR 223.421 100,00 98,85
223.421 100,00 98,85
Medtexx Manufacturing Sdn Bhd,
Kamunting, Malaysia MYR 5.000 100,00 98,85
5.000 100,00 98,85
Total Glove Company Sdn Bhd, Kamunting,
Malaysia MYR 0 0,00 0,00
4)
4.575 100,00 100,00
Semperit Engineering Technology Asia Sdn
Bhd, Penang, Malaysia MYR 600 100,00 100,00
600 100,00 100,00
Semperit Industrial Products Singapore Pte
Ltd., Singapur USD 2.965 100,00 100,00
665 100,00 100,00
Semperit Investments Asia Pte Ltd., Singapur EUR 55.398 100,00 100,00
319.800 100,00 100,00
Sempermed Singapore Pte Ltd., Singapur USD 10.740 100,00 100,00
14.540 100,00 100,00
Semperflex Asia Corp. Ltd., Hat Yai, Thailand THB 380.000 50,00 50,00
3)
380.000 50,00 50,00
3)
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 107
In Bezug auf die Semperflex Asia Corp. Ltd. (SAC) beträgt der Kapital- und Stimmrechtsanteil der
Semperit-Gruppe 50%. Das Management der Semperit-Gruppe unterzog bzw. unterzieht die Beteili-
gung an der SAC laufend einer Analyse, ob eine Beherrschung im Sinne von IFRS 10 vorliegt und eine
Vollkonsolidierung daher gerechtfertigt ist. Basierend auf den vergangenen bzw. aktuellen Analysen
kommt das Management der Semperit-Gruppe zum 31. Dezember 2020 unverändert zu dem Schluss,
dass die SAC als vollkonsolidiertes Tochterunternehmen in den Konzernabschluss der Semperit-
Gruppe einzubeziehen ist. Die Basis für diese Ermessensentscheidung bilden die zugrundeliegenden
Verträge, die Analyse der maßgeblichen Tätigkeiten sowie die faktischen Umstände. Die folgenden
wesentlichen Punkte wurden dabei gewürdigt:
• Es besteht ein Dirimierungrecht des von der Semperit-Gruppe benannten Vorsitzenden des Bord
of Directors.
• Es besteht eine Kaufoption seitens der Semperit-Gruppe für die verbleibenden 50%igen Anteile
der Sri-Trang-Gruppe, die zwischen der Jahresmitte 2019 und der Jahresmitte 2021 zu einem fest-
gelegten Preis ausgeübt werden kann.
• Die Einkaufs-, Produktions- und Vertriebssteuerung erfolgt durch das Management des Segments
Semperflex.
• Im Rahmen der Joint-Venture-Transaktion im Geschäftsjahr 2017 wurden zwei Stellen für lokal
tätige Mitarbeiter zur Umsetzung der Kontrollrechte der Semperit-Gruppe etabliert.
• Es liegen zum Abschlussstichtag keine Anhaltspunkte vor, die auf eine faktische Beschränkung der
Kontrollrechte der Semperit-Gruppe durch die Sri-Trang-Gruppe hindeuten.
Es bestehen keine für die Semperit-Gruppe wesentlichen nicht beherrschende Anteile (siehe Kapi-
tel 5.3). Die Minderheitenanteile an der Semperflex Asia Corp. Ltd. (SAC) und an der Sempertrans
Best (ShanDong) Belting Co. Ltd. (SBB) sind als kündbare nicht beherrschte Anteile in den Verbind-
lichkeiten aus kündbaren nicht beherrschenden Anteilen (siehe Kapitel 6.1) dargestellt.
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss108
11. Risikomanagement
Die globale wirtschaftliche Entwicklung mit ihren regional stark unterschiedlichen Ausprägungen stellt
die Semperit-Gruppe als international tätige Unternehmensgruppe laufend vor neue Herausforde-
rungen. Die Semperit-Gruppe ist in Ländern aktiv, in denen unterschiedliche wirtschaftliche Rahmen-
bedingungen herrschen. Ebenso befinden sich die Länder in unterschiedlichen Phasen politischer,
rechtsstaatlicher sowie sozialer Entwicklung. Der Erfolg der zwei Sektoren und fünf operativen Seg-
mente der Semperit-Gruppe ist aufgrund ihrer strategischen Ausrichtung unterschiedlich stark von
der gesamtwirtschaftlichen Situation abhängig. Die Semperit-Gruppe ist dementsprechenden Risiken
ausgesetzt.
Aufgrund der internationalen Handelsbeziehungen in unterschiedlichen Fremdwährungen ist die
Semperit-Gruppe Währungsrisiken ausgesetzt. Transaktionsrisiken bestehen in allen Konzernunter-
nehmen, die z.B. Rohstoffe in Fremdwährung einkaufen bzw. Produkte in anderer Währung verkau-
fen. Die wesentlichen Währungen in diesem Zusammenhang sind US-Dollar (USD), Chinesische Ren-
minbi (CNY), Tschechische Krone (CZK), Polnische Zloty (PLN) und Malaysische Ringgit (MYR).
In der Semperit-Gruppe werden derivative Finanzinstrumente zur Absicherung von Fremdwäh-
rungs- und Zinsänderungsrisiken eingesetzt. Die Risikomanagementstrategie zur Sicherung von
Fremdwährungs- und Zinsänderungsrisiken ist im langfristigen wie auch im kurzfristigen Bereich
einzelfall- und projektbezogen. Dabei spielen Kosten-Nutzen/Risiko-Überlegungen eine entscheiden-
de Rolle. Im langfristigen Bereich werden Fremdwährungs- und Zinsänderungsrisiken aus der Kon-
zernfinanzierung teilweise mittels Cross Currency Swaps, die in der Regel als Sicherungsgeschäfte
bilanziert werden, abgesichert. Die Bedingungen von Grundgeschäft und Sicherungsinstrument stim-
men dabei im Wesentlichen überein (Critical Terms Match); die Ineffektivitäten der Sicherungsbezie-
hungen sind unwesentlich. Im kurzfristigen Bereich werden Fremdwährungsänderungsrisiken, die
beispielsweise aus erwarteten Kunden-, Investitions- und Dividendenzahlungen resultieren, zum Teil
durch Devisentermingeschäfte, die als freistehende Derivate bilanziert werden, abgesichert.
11.1. Kapitalrisikomanagement
Die Ziele des Kapitalmanagements sind die Sicherstellung der Unternehmensfortführung, die Ermög-
lichung einer wachstumsorientierten organischen und gegebenenfalls anorganischen Investitionstä-
tigkeit entsprechend der Wachstumsstrategie „SemperGrowth200“ und eine darauf abgestimmte
Dividendenpolitik. Die Finanzierungsstruktur, die Liquidität und die Finanzrisikopositionen werden bei
der Semperit-Gruppe zentral gesteuert. Basierend auf kapitalmarktorientierten Grundlagen beinhal-
tet das langfristige Kapitalmanagement darüber hinaus die Entscheidung hinsichtlich fest oder varia-
bel verzinslicher beziehungsweise auch hybrider Kreditaufnahmen.
In Zusammenhang mit Kreditverträgen bestehen übliche Kreditvertragsklauseln (Financial
Covenants), die bei Nicht-Erfüllung bis hin zu einer Kündigung seitens der Geldgeber sowie zu einer
Verschlechterung der Bonitätseinschätzung der Semperit-Gruppe durch Ratingagenturen und einer
damit einhergehenden negativen Belastung auf die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
führen können.
Aus der Sicht des Kapitalmanagements setzt sich das Gesamtkapital der Semperit-Gruppe aus
dem Eigenkapital einschließlich der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter von Tochterunter-
nehmen, dem Hybridkapital, den kündbaren nicht beherrschenden Anteilen und der in den Financial
Covenants definierten Nettofinanzverschuldung zusammen. Die Nettofinanzverschuldung entspricht
der Summe aus den Finanz- und Leasingverbindlichkieten abzüglich Zahlungsmittel und Zahlungsmit-
teläquivalente sowie Fondsanteile, Aktien und anderer Wertpapiere.
Die Semperit-Gruppe unterliegt keinen gesetzlichen Vorgaben bezogen auf Mindesteigenkapital,
Mindesteigenkapitalquote oder maximalen Verschuldungsgrad; sie unterliegt allerdings bestimmten
kreditvertraglichen Vorgaben. Diese betreffen eine Mindesteigenkapitalquote und eine maximale
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 109
Leverage Ratio. Die Eigenkapitalquote entspricht dem Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital in
der Konzernbilanz. Die Leverage Ratio ist der Quotient aus EBITDA und Nettofinanzverschuldung.
Zum 31. Dezember 2020 betrug die Eigenkapitalquote 43,8 % (Vorjahr: 39,1 %) und die Leverage
Ratio 0,1 (Vorjahr: 1,1). Die entsprechenden Financial Covenants wurden sowohl zum 31. Dezem-
ber 2020 als auch zum 31. Dezember 2019 eingehalten.
11.2. Liquiditätsrisikomanagement
Im Rahmen des Liquiditätsrisikomanagements werden zusätzlich zur laufenden Liquiditätsplanung die
bestehenden Financial Covenants überwacht sowie Ziehungsmöglichkeiten (aus dem Rahmenkredit-
vertrag und aus dem Kontrollbank-Refinanzierungsrahmen) und Reserveliquidität vorgehalten. Dar-
über hinaus erfolgte im Geschäftsjahr 2019 die Einführung eines Cash-Pools in Euro für wesentliche
Konzernunternehmen.
Die Fristigkeiten der undiskontierten vertraglichen Cashflows aus finanziellen Verbindlichkeiten
gliedern sich wie folgt:
Die oben angeführten Derivate betreffen im Wesentlichen undiskontierte Cashflows aus dem
Cross Currency Swap zur Absicherung des Schuldscheindarlehens in Polnischen Zloty (PLN). Den
Geldabflüssen stehen Einzahlungen aus dem Cross Currency Swap in Höhe von 26.249 TEUR gegen-
über (4 bis 12 Monate).
31.12.2020
in TEUR Gesamt
Bis 1
Monat
2 bis 3
Monate
4 bis 12
Monate
1 bis 5
Jahre
Über 5
Jahre
Schuldscheindarlehen 174.751 0 87 83.030 82.660 8.975
V
erbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 31 0 31 0 0 0
V
erbindlichkeiten aus Lieferungen und
Leistungen 77.689 42.999 30.959 3.719 12 0
V
erkaufsanreize und Vertragsstrafen 1.281 18 40 1.223 0 0
Derivate 29.955 0 0 29.955 0 0
Leasingverbindlichkeiten 6.360 319 492 1.890 3.380 279
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 8.462 5.208 693 2.511 50 0
31.12.2019
in TEUR Gesamt
Bis 1
Monat
2 bis 3
Monate
4 bis 12
Monate
1 bis 5
Jahre
Über 5
Jahre
Schuldscheindarlehen 216.850 0 0 33.047 143.759 40.045
V
erbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 6.380 3.046 2.169 91 551 524
V
erbindlichkeiten aus Lieferungen und
Leistungen 61.640 35.667 25.061 785 0 127
V
erkaufsanreize und Vertragsstrafen 1.242 5 38 1.199 0 0
Derivate 29.355 0 0 524 28.832 0
Leasingverbindlichkeiten 9.182 243 513 2.128 5.111 1.186
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 12.425 4.308 4.214 3.756 148 0
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss110
11.3. Ausfall- und Kreditrisikomanagement
Kreditrisiken ergeben sich, wenn Waren an Kunden auf Kredit verkauft werden. Das Risiko entsteht,
sobald auf die versendete Ware kein Zugriff mehr durch die Semperit-Gruppe besteht; bei maßge-
schneiderten Waren hingegen schon vor der Produktion. Um die Risiken zu mindern, werden einer-
seits die Kunden durch Wirtschaftsauskünfte vorerst geprüft und die Forderungen zudem zu einem
sehr hohen Anteil durch Kreditversicherungen geschützt.
Laut der Kreditrichtlinie der Semperit-Gruppe muss jeder auf Kredit bediente Kunde über ein ge-
nehmigtes Kreditlimit verfügen. Bei Überschreiten des Limits oder im Falle von Zahlungsverzug sind
Liefersperren vorgesehen, die nur unter bestimmten Voraussetzungen von in den Konzernrichtlinien
festgelegten zuständigen Personen wieder aufgehoben werden können. Die Bonitätsrisiken der Kunden
werden auch bei bester Bonität laufend beobachtet und die Kreditlimits entsprechend angepasst.
Somit ist das Ausfallsrisiko bei nicht kreditversicherten Forderungen gegenüber Kunden als gering
zu bewerten, da die Kreditwürdigkeit der Abnehmer kontinuierlich überprüft wird und die breite
Streuung der Kundenstruktur keine Risikokonzentration auf einzelne Kunden zulässt. Das Ausfalls-
risiko wird jedenfalls als signifikant erhöht angenommen, wenn Bonitätsbeeinträchtigungen aufgrund
des Eintretens eines Konkurses oder des Beginns eines Insolvenzverfahrens vorliegen. Ein Ausfall wird
dann angenommen, wenn eine Einbringung nicht mehr als realistisch angesehen wird und ein Zah-
lungseingang daher nicht mehr zu erwarten ist. Daraus ergaben sich im Geschäftsjahr 2020 in Summe
Ausbuchungen von Forderungen in Höhe von 1.142 TEUR (Vorjahr: 91 TEUR).
Im Falle einer Schieflage einzelner Banken oder einer erneuten Banken- und/oder Finanzmarkt-
krise bestehen Ausfallrisiken in Bezug auf die Guthaben, welche die Semperit-Gruppe bei Banken
hält. Diese Guthaben sind nicht oder nur teilweise über Einlagensicherungsfonds abgesichert. Es
besteht eine Veranlagungsrichtlinie, welche die Höhe der liquiden Mittel, die pro Bank gehalten
werden dürfen, beschänkt und welche die Finanzinstrumente definiert, in welche die überschüssige
Liquidität investiert werden darf. Des Weiteren betreibt die Semperit-Gruppe geschäftliche Aktivitä-
ten in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen, oder es existieren beschränkende Vereinbarungen mit
Joint-Venture-Partnern bzw. nicht beherrschenden Anteilseignern. In Ländern in denen der Transfer
liquider Mittel eingeschränkt ist, versucht Semperit den vor Ort gehaltenen Betrag auf das operativ
notwendige Minimum zu begrenzen. Die angeführten Risiken können zu einer Belastung der Vermö-
gens-, Finanz- und Ertragslage durch Einschränkungen auf die freie Verfügbarkeit liquider Mittel oder
den Zugriff auf Kreditlinien führen.
Bei finanziellen Vermögenswerten wird das Kreditausfallrisiko durch Wertberichtigungen berück-
sichtigt. Das maximale Ausfallrisiko in den entsprechenden Bewertungskategorien – dieses wird
anhand des Risikos eines Totalausfalls aller Schuldner (exklusive der Kreditversicherungen) ermittelt –
beläuft sich auf:
in TEUR 31.12.2020 31.12.2019
Derivate Finanzinstrumente 560 52
Darlehen an assoziierte Unternehmen 0 563
Übrige sonstige finanzielle Vermögenswerte 2.021 3.611
Sonstige finanzielle Vermögenswerte – Wertpapiere 6.692 6.554
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 25.368 21.920
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 144.972 141.356
11.4. Zinsrisikomanagement
Im Rahmen des Geschäftsbetriebs werden Betriebsmittel, Investitionen und Akquisitionen unter
anderem mit Fremdkapital, das zum Teil variabel verzinst ist, finanziert. In Abhängigkeit von der
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 111
Entwicklung von Zinssätzen könnten Sicherungsgeschäfte die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und
Ertragslage signifikant beeinflussen.
Das Risiko bei fix verzinsten Finanzinstrumenten besteht darin, dass eine negative Marktwertan-
passung aufgrund von geänderten Zinsen erfolgt. Bei variabel verzinsten Finanzinstrumenten besteht
das Risiko darin, dass Schwankungen des Cashflows negative Auswirkungen auf den Zahlungsmittel-
bestand und auf die Planbarkeit von Zahlungsflüssen haben können.
Für das in Polnischen Zloty (PLN) begebene Schuldscheindarlehen wurden im Geschäftsjahr 2018
zur Absicherung zwei Cross Currency Swaps abgeschlossen. Mit diesen Cross Currency Swaps werden
alle zukünftigen Cashflows, das heißt sowohl Zins- als auch Tilgungszahlungen, abgesichert. Im
Geschäftsjahr 2019 erfolgte die planmäßige Rückführung der 3-jährigen Tranche dieses Schuld-
scheindarlehens. Durch die Rückführung wurde auch ein Cross Currency Swap planmäßig beendet.
Der verbleibende Cross Currency Swap wurde als Cashflow Hedge klassifiziert und zum Fair Value
bilanziert. Zum 31. Dezember 2020 betrug der Stand der diesbezüglichen Hedge-Rücklage 0 TEUR
(Vorjahr: 97 TEUR). Im sonstigen Ergebnis des Geschäftsjahres 2020 waren daraus Bewertungsverlus-
te in Höhe von 1.841 TEUR (Vorjahr: 387 TEUR) und Umgliederungen in das sonstige Finanzergebnis
in der Konzerngewinn-und -verlustrechnung in Höhe von 1.744 TEUR (Vorjahr: 104 TEUR) enthalten.
Das Ausmaß der im sonstigen Finanzergebnis erfassten Ineffektivität ist unwesentlich.
Seit dem Geschäftsjahr 2019 verrechneten Banken ihren Kunden zusehends Negativzinsen für
Bankguthaben bzw. kurzfristige Veranlagungen, insbesondere in Euro oder sie senkten die Limits, bis
zu denen keine Negativzinsen verrechnet werden. Durch die Verteilung der Bankguthaben innerhalb der
Limits und die Rückführung von Finanzschulden steuert das Management aktiv das Negativzinsrisiko.
Der derzeitige Bestand der Zinsrisiken leitet sich aus den zinstragenden Finanzinstrumenten zum
Abschlussstichtag ab. Das Zinsprofil der verzinslichen Finanzinstrumente des Konzerns stellt sich wie
folgt dar:
31.12.2020 31.12.2019
in TEUR fix verzinst
variabel
verzinst fix verzinst
variabel
verzinst
Finanzielle Vermögenswerte 54.520 90.683 37.249 104.994
Finanzielle Verbindlichkeiten 86.045 81.048 122.405 92.409
140.565 171.730 159.654 197.403
Bei der Zinsrisiko-Sensitivitätsanalyse steht das Risiko von variabel verzinsten Finanzinstrumenten
im Vordergrund. Dabei wird angenommen, dass die zum Abschlussstichtag bestehenden variabel
verzinsten Vermögenswerte und Verbindlichkeiten ein ganzes Jahr lang ausstehend sind. Bei der
Sensitivitätsanalyse wird eine Erhöhung sowie eine Minderung der Zinssätze um 100 Basispunkte
simuliert. Bei Zinsen <1% werden für die Zwecke dieser Sensitivitätsanalyse keine Negativzinsen
berücksichtigt. Daraus würden sich die folgenden Auswirkungen auf das Finanzergebnis ergeben:
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss112
11.5. Fremdwährungsrisikomanagement
Aufgrund der internationalen Handelsbeziehungen in unterschiedlichen Fremdwährungen ist die
Semperit-Gruppe Währungsrisiken ausgesetzt. Transaktionsrisiken bestehen in allen Konzernunter-
nehmen, die z.B. Rohstoffe in Fremdwährung einkaufen bzw. Produkte in anderer Währung verkau-
fen. Die wesentlichen Währungen in diesem Zusammenhang sind US-Dollar (USD), Tschechische
Krone (CZK), Polnische Zloty (PLN), Chinesischer Renminbi (CNY) und Malaysische Ringgit (MYR).
Aus der Umrechnung ausländischer Abschlüsse in die Berichtswährung Euro entstehen Währungs-
umrechnungsdifferenzen (Translationsrisiko), welche in Höhe von –24.281 TEUR (Vorjahr: 979 TEUR)
im sonstigen Ergebnis erfasst wurden. Davon entfallen –105 TEUR (Vorjahr: –9 TEUR) auf nicht be-
herrschende Anteile.
Die Buchwerte von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten von nicht in der Eurozone ansässigen
Tochterunternehmen und der Beitrag dieser Tochterunternehmen zum Ergebnis der Semperit-Gruppe
sind wesentlich von den Entwicklungen der Euro-Wechselkursen der funktionalen Währungen dieser
Tochterunternehmen abhängig; das Translationsrisiko bleibt im Rahmen der folgenden Angaben
gemäß IFRS 7 unberücksichtigt.
Die folgende Aufgliederung der Umsatzerlöse der Semperit-Gruppe nach den wesentlichen
Währungen (in % des Gesamtumsatzes) zeigt, dass im Geschäftsjahr 2020 insgesamt 51,7% (Vor-
jahr: 40,4%) der Umsätze in Fremdwährungen erzielt wurden.
in % des Gesamtumsatzes der Semperit-Gruppe 2020 2019
EUR 48,3% 59,6%
USD 35,0% 27,0%
CNY 3,3% 3,2%
INR 1,0% 2,1%
GBP 2,8% 3,7%
PLN 7,3% 2,5%
CZK 0,1% 0,1%
MYR 0,6% 0,6%
THB 0,1% 0,2%
Sonstige 1,5% 1,0%
Ein bedeutender Teil des Ergebnisses der Semperit-Gruppe wird von Tochterunternehmen erzielt,
die ihren Sitz nicht in der Eurozone haben (siehe Kapitel 10.2).
Das Finanzmanagement ist bestrebt, Fremdwährungsrisiken durch die Steuerung der Zahlungs-
ströme nach Möglichkeit zu vermeiden. Die nachstehende Tabelle zeigt die zur Absicherung des
Fremdwährungsrisikos erworbenen derivativen Finanzinstrumente nach Konzernunternehmen, Art des
Sicherungsgeschäfts und gesicherter Währung. Im Geschäftsjahr 2020 betreffen die Finanzinstrumen-
31.12.2020 31.12.2019
Sensitivität bei Zinsänderung um Sensitivität bei Zinsänderung um
in TEUR
Bestand
+100
Basispunkte
–100
Basispunkte
Bestand
+100
Basispunkte
–100
Basispunkte
V
ariabel verzinste finanzielle Vermögenswerte 90.683 907 –349 104.994 1.050 –38
V
ariabel verzinste finanzielle Verbindlichkeiten 81.048 –810 810 92.409 –924 924
171.730 96 461 197.403 126 886
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 113
te Devisentermingeschäfte zur Absicherung von Teilen des operativen Geschäftes bei der thailändi-
schen Semperflex Asia Corp. Ltd. und zur Absicherung konzerninterner Finanzierungen bei der ma-
laysischen Latexx Manufacturing Sdn BHD. Der Cashflow Hedge betrifft die Absicherung eines
Schuldscheindarlehens in Polnischen Zloty (PLN).
1)
Dabei handelt es sich um den Gesamtbetrag aller zum Abschlussstichtag bestehenden derivativen Finanzinstrumente für EUR und USD.
2)
Dabei handelt es sich um einen gewichteten Durchschnittskurs, der sich aus den zum Abschlussstichtag bestehenden derivativen Finanzinstrumenten errechnet.
3)
Auf diese Sicherungsbeziehung werden die Bilanzierungsregeln für Sicherungsgeschäfte angewendet.
Im Geschäftsjahr 2020 wurde der effektive Teil des Cashflow Hedges in Höhe von –1.841 TEUR
(Vorjahr: 387 TEUR) im sonstigen Ergebnis erfasst und 1.744 TEUR (Vorjahr: 104 TEUR) wurden in die
Konzerngewinn- und -verlustrechnung umgegliedert. Zum 31. Dezember 2020 beträgt die Cashflow
Hedge Reserve aus dem Devisentermingeschäft 0 TEUR (Vorjahr: 73 TEUR).
1)
Dabei handelt es sich um den Gesamtbetrag aller zum Abschlussstichtag bestehenden derivativen Finanzinstrumente für EUR und USD.
2)
Dabei handelt es sich um einen gewichteten Durchschnittskurs, der sich aus den zum Abschlussstichtag bestehenden derivativen Finanzinstrumenten errechnet.
3)
Auf diese Sicherungsbeziehung werden die Bilanzierungsregeln für Sicherungsgeschäfte angewendet.
Die derivaten Finanzinstrumente der Semperflex Asia Corp. Ltd. und der Latexx Manufacturing
Sdn Bhd werden als freistehende Finanzinstrumente und nicht als Sicherungsgeschäfte bilanziert. Die
beizulegenden Zeitwerte werden in der Konzernbilanz als sonstige finanzielle Vermögenswerte bzw.
31.12.2020 Land Sicherungsart Währung
Sicherungs-
betrag
1)
Sicherungs-
kurs
2)
Beizu-
legender
Zeitwert
in TEUR
31.12.2020
Bandbreite
der Rest-
laufzeiten in
Tagen
Semperflex Asia Corp. Ltd., Hat
Y
ai, Thailand Thailand
Devisentermin-
geschäft EUR 800.000 36,65 –7 97–159
Semperflex Asia Corp. Ltd., Hat
Y
ai, Thailand Thailand
Devisentermin-
geschäft USD 3.815.000 30,74 73 83–187
Latexx Manufacturing Sdn Bhd,
Kamunting, Malaysia Malaysia
Devisentermin-
geschäft USD 65.000.000 4,10 –995 181
Latexx Manufacturing Sdn Bhd,
Kamunting, Malaysia Malaysia
Devisentermin-
geschäft
EUR
15.000.000 4,80 485 125
Semperit AG Holding Österreich
Cross Currency
Swap
3)
EUR/PLN
28.291.256 /
118.000.000
4,17 –2.632 308
31.12.2019 Land
Sicherungs-
art Währung
Sicherungs-
betrag
1)
Sicherungs-
kurs
2)
Beizu-
legender
Zeitwert
in TEUR
31.12.2019
Bandbreite
der Rest-
laufzeiten in
Tagen
Semperflex Asia Corp. Ltd., Hat
Y
ai, Thailand
Thailand
Devisenter-
mingeschäft
EUR 1.240.000 34,01 5 43–161
Semperflex Asia Corp. Ltd., Hat
Y
ai, Thailand
Thailand
Devisenter-
mingeschäft
USD 4.890.213 30,39 45 45–157
Latexx Manufacturing Sdn Bhd,
Kamunting, Malaysia
Malaysia
Devisenter-
mingeschäft
USD 65.000.000 4,20 –986 325
Latexx Manufacturing Sdn Bhd,
Kamunting, Malaysia
Malaysia
Devisenter-
mingeschäft
EUR 15.000.000 4,70 –105 129
Semperit Investments Asia Pte
Ldt., Singapur
Singapur
Devisenter-
mingeschäft
GBP 3.181.000 1,28 –85 15–106
Semperit AG Holding Österreich
Cross Currency
Swap
3)
EUR/PLN
28.291.256 /
118.000.000
4,17 –725 674
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss114
sonstige finanzielle Verbindlichkeiten ausgewiesen. Die restlichen angeführten Derivate werden als
Sicherungsgeschäfte bilanziert und ebenfalls als sonstige finanzielle Vermögenswerte bzw. sonstige
finanzielle Verbindlichkeiten in der Konzernbilanz ausgewiesen.
Für das Fremdwährungsrisiko werden Sensitivitätsanalysen für die Stichtagsbewertung der von
der funktionalen Währung abweichenden monetären Posten erstellt. Dabei werden die Ergebnisaus-
wirkungen aufgrund hypothetischer Wechselkursänderungen pro Währungspaar dargestellt. Als Basis
werden die zum Stichtag vorhandenen Forderungen und Verbindlichkeiten der jeweiligen Währungs-
paare sowie die Devisentermingeschäfte berücksichtigt. Bei der Schwankungsbreite der Fremdwäh-
rungskurse wurde keine einheitliche Veränderung angenommen, sondern aufgrund der historischen
unterjährigen Schwankungen wurden passende Schwankungsbreiten pro Währungspaar ermittelt.
Folgende Tabelle zeigt die Auswirkungen von Auf- und Abwertungen der wichtigsten Fremdwährun-
gen gegenüber dem Euro:
2020 2019
Errechnete
Schwankungs-
breite
Ergebnis-
auswirkung
Kurs-
steigerung
Ergebnis-
auswirkung
Kursabfall
Errechnete
Schwankungs-
breite
Ergebnis-
auswirkung
Kurs-
steigerung
Ergebnis-
auswirkung
Kursabfall
V
eränderung Währung zu EUR
in % in TEUR in TEUR in % in TEUR in TEUR
USD 7% 2.677 –2.677 2% 376 –376
THB 6% 26 –26 6% –10 10
PLN 4% –398 398 2% –343 343
CZK 6% –1.851 1.851 1% –333 333
HUF 5% 190 –190 3% 59 –59
GBP 5% 59 –59 5% 8 –8
CNY 4% –10 10 3% 13 –13
INR 8% –1 1 3% –2 2
MYR 6% –2.969 2.969 2% –2.332 2.332
SEK 5% 26 –26 3% 0 0
CHF 2% 0 0 3% 3 –3
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 115
2020 2019
Errechnete
Schwankungs-
breite
Ergebnis-
auswirkung
Kurs-
steigerung
Ergebnis-
auswirkung
Kursabfall
Errechnete
Schwankungs-
breite
Ergebnis-
auswirkung
Kurs-
steigerung
Ergebnis-
auswirkung
Kursabfall
V
eränderung Währung zu USD in % in TEUR in TEUR in % in TEUR in TEUR
THB 5% –91 91 4% –99 99
PLN 9% 211 –211 3% 182 –182
CZK 10% 113 –113 3% 9 –9
HUF 7% –113 113 6% 0 0
GBP 7% 122 –122 5% –129 129
CNY 6% 87 –87 4% 88 –88
INR 4% –8 8 3% 3 –3
MYR 5% –9.469 9.469 2% –8.730 8.730
AUD 14% –266 266 4% –69 69
SGD 4% 17 –17 2% –1 1
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 Konzernabschluss116
12. Sonstiges
12.1. Geschäftsbeziehungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen
Salden und Transaktionen zwischen der Semperit AG Holding und ihren Tochterunternehmen wurden
im Zuge der Konsolidierung eliminiert und werden hier nicht weiter erläutert.
Die B&C KB Holding GmbH ist die unmittelbare Mehrheitsgesellschafterin der Semperit AG Hol-
ding und die B&C Privatstiftung ist die oberste beherrschende Rechtsträgerin. Mittelbar mehrheitlich
beteiligte Gesellschafterin, die einen Konzernabschluss aufstellt und offenlegt, in den die Semperit-
Gruppe einbezogen ist, ist die B&C Holding Österreich GmbH. Die B&C Privatstiftung und ihre
Tochterunternehmen, Gemeinschaftsunternehmen und assoziierten Unternehmen sind gemäß IAS 24
der Semperit-Gruppe nahestehende Unternehmen bzw. Personen.
Zu den der Semperit-Gruppe nahestehenden Personen zählen die Vorstandsmitglieder und die
Mitglieder des Aufsichtsrats der Semperit AG Holding, die Geschäftsführer und die Mitglieder eines
Aufsichtsrats aller Gesellschaften, die unmittelbar oder mittelbar mehrheitlich an der Semperit AG
Holding beteiligt sind, und schließlich die Mitglieder des Vorstands der B&C Privatstiftung und die
nahen Angehörigen dieser Vorstandsmitglieder, Aufsichtsratsmitglieder und Geschäftsführer.
Die Bezüge der Vorstandsmitglieder und die Aufsichtsratsvergütungen sind der folgenden Tabelle
zu entnehmen:
Die kurzfristig fälligen Leistungen beinhalten neben den laufenden Bezügen auch erfolgsabhängi-
ge Vergütungen, welche innerhalb eines Jahres fällig werden. Die Leistungen nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses betreffen im Geschäftsjahr 2020 die Zahlungen an die Mitarbeiter-Vorsorgekasse
(MVK) und an die APK Pensionskasse AG. Ehemaligen Vorstandsmitgliedern und deren Hinterbliebe-
nen wurden im Geschäftsjahr 2020 insgesamt 689 TEUR (Vorjahr: 654 TEUR) ausbezahlt.
Mit nachfolgenden sonstigen nahestehenden Unternehmen erfolgten folgende Transaktionen und
bestanden zum Abschlussstichtag folgende Salden: Mit der unit-IT Dienstleistungs GmbH & Co KG
wurden im Geschäftsjahr 2020 insgesamt Geschäfte im Ausmaß von 556 TEUR (Vorjahr: 651 TEUR)
getätigt. Diese Geschäfte betreffen die Wartung von SAP-Lizenzen und wurden zu fremdüblichen
Konditionen abgewickelt. Zum 31. Dezember 2020 bestehen Verbindlichkeiten in Höhe von 6 TEUR
(Vorjahr: 0 TEUR) gegenüber der unit-IT Dienstleistungs GmbH & Co KG.
Mit der Grohs Hofer Rechtsanwälte GmbH wurden im Geschäftsjahr 2020 insgesamt Geschäfte im
Ausmaß von 26 TEUR (Vorjahr: 73 TEUR) getätigt. Diese Geschäfte betreffen rechtliche Beratungsleis-
tungen und wurden zu fremdüblichen Konditionen getätigt. Zum 31. Dezember 2020 bestehen
offene Verbindlichkeiten gegenüber der Grohs Hofer Rechtsanwälte GmbH & Co KG in Höhe von
2 TEUR (Vorjahr: 28 TEUR).
Mit der B&C Industrieholding GmbH wurden im Geschäftsjahr 2020 Geschäfte im Ausmaß von
72 TEUR (Vorjahr: 49 TEUR) getätigt. Diese Geschäfte betreffen Management- und sonstige Dienst-
leistungen sowie Weiterverrechnungen und wurden zu fremdüblichen Konditionen abgewickelt. Zum
2020 2019
in TEUR Aufsichtsräte Vorstände Summe Aufsichtsräte Vorstände Summe
Kurzfristig fällige Leistungen 414 3.293 3.707 873 1.902 2.775
Leistungen nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses
0 178 178 0 124 124
Andere langfristig fällige Leistungen 0 987 987 0 463 463
Summe 414 4.458 4.872 873 2.489 3.362
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 117
31. Dezember 2020 bestehen Verbindlichkeiten und noch nicht abgerechnete Leistungen im Ausmaß
von 35 TEUR (Vorjahr: 22 TEUR) gegenüber der B&C Industrieholding GmbH.
Mit der B&C Holding GmbH wurden im Geschäftsjahr 2020 Geschäfte im Ausmaß von 195 TEUR
(Vorjahr: 355 TEUR) getätigt. Diese Geschäfte betreffen die Bereitstellungsprovision für die Hybridka-
pital-Linie (siehe Kapitel 5.2). Diese Transaktion wurde zu fremdüblichen Konditionen abgewickelt. Im
Geschäftsjahr 2020 erfolgte eine Zahlung von „Zinsen“ (Zahlung von Hybridkupons) in Höhe von
7.278 TEUR (Vorjahr: 10.545 TEUR). Zum 31. Dezember 2020 bestehen keine offenen Verbindlichkei-
ten (Vorjahr: 0 TEUR) gegenüber der B&C Holding GmbH.
Im Oktober 2020 wurde die Forderung aus der Hybridkapital-Linie an die B&C Holding Österreich
GmbH übertragen (siehe Kapitel 5.2). An die B&C Holding Österreich GmbH erfolgte im Geschäfts-
jahr 2020 eine Zahlung von „Zinsen“ (Zahlung von Hybridkupons) in Höhe von 524 TEUR (Vor-
jahr: 0 TEUR). Zum 31. Dezember 2020 bestehen keine offenen Verbindlichkeiten (Vorjahr: 0 TEUR)
gegenüber der B&C Holding Österreich GmbH.
Weitere Geschäftsbeziehungen mit assoziierten Unternehmen und mit anderen nahestehenden
Unternehmen bzw. Personen bestehen nur in geringfügigem Umfang und werden zu fremdüblichen
Konditionen abgewickelt.
12.2. Sonstige Verpflichtungen und Risiken
Eventualschulden und sonstige finanzielle Verpflichtungen
Die ständige Veränderung und teilweise Verschärfung von Regeln des nationalen und internantiona-
len Steuerrechts erhöht die Anforderungen an die Tax Compliance zur Überwachung und zur Einhal-
tung dieser Regeln. Vor diesem Hintergrund bestehen Steuerunsicherheiten und steuerbezogene
Eventualverbindlichkeiten insbesondere bei Ertragsteuern (z.B. in Bezug auf den Bestand von steuer-
lichen Verlustvorträgen) und Verkehrssteuern.
Es bestehen Verpflichtungen aus der Nutzung von in der Bilanz nicht ausgewiesenen immateriellen
Vermögenswerten und Sachanlagen aufgrund von Miet- und Leasingverhältnissen, die nicht gemäß
IFRS 16 bilanziert werden, sowie Verpflichtungen zum Erwerb von Sachanlagen aufgrund verbindlich
kontrahierter Investitionsprojekte von Sachanlagen (siehe Kapitel 3.2).
Rechtsstreitigkeiten
Verschiedene Konzernunternehmen sind in einzelnen Fällen beklagte Partei, in denen die Kläger
behaupten, durch Produkte der beklagten Partei Schäden erlitten zu haben. Das Management geht
davon aus, dass aus diesen Verfahren auch aufgrund des bestehenden Versicherungsschutzes mit
keiner wesentlichen Beeinträchtigung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Semperit-Gruppe
zu rechnen sein wird. Weiters bestehen Rechtsstreitigkeiten bzw. rechtliche Unsicherheiten in arbeits-
und sozialrechtlichen Angelegenheiten. Für alle Rechtsstreitigkeiten, für die Rückstellungen gebildet
wurden, siehe Kapitel 7.2.
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernabschluss
118
12.3. Ereignisse nach dem Abschlussstichtag
Mit Wirkung vom 15. März 2021 wurde der B&C Holding Österreich GmbH die Rückführung der
verbliebenen 30.000 TEUR aus dem Hybridkapital avisiert. Die Rückführung (inkl. aufgelaufener
anteiliger „Zinsen“) wird am 31. März 2021 erfolgen.
Am 4. Jänner 2021 hat die deutsche Semperit Profiles Deggendorf GmbH 51% der Anteile an der
deutschen M+R Dichtungstechnik GmbH (kurz: M+R) mit Sitz in Seligenstadt erworben. Die M+R ist
in der Entwicklung, der Herstellung und dem Handel von elastomeren Dichtelementen, insbesondere
für hoch individualisierte Objektfassaden, tätig. Die Hauptgründe für den Unternehmenszusammen-
schluss sind die technologische Marktführerschaft der M+R im Objektgeschäft mit Fokus auf Fassa-
denprofile, Tür- und Fensterprofile sowie andere komplexe Profile und Industrieapplikationen sowie
die Verwirklichung der anorganischen Wachstumsstrategie im Segment Semperseal. Vor allem Fassa-
denprofile stellen für die Semperit-Gruppe einen attraktiven, aber bisher unberührten Markt mit
Wachstumspotenzial dar. Durch den Erwerb von 51% der Stimmrechtsanteile an der M+R hat die
Semperit Profiles Deggendorf GmbH die Beherrschung an der Gesellschaft erlangt.
Die restlichen 49% der Anteile an der M+R wurden unter der aufschiebenden Bedingung der voll-
ständigen Bezahlung eines bedingten Kaufpreises mit Wirkung zum 31. Dezember 2024 von der
Semperit Profiles Deggendorf GmbH erworben. Der bedingte Kaufpreis leitet sich von einem durch-
schnittlichen bereinigten EBITDA der M+R für die Jahre 2022 bis 2024 und einem Multiplikator ab.
Der Mindestkaufpreis beträgt 1.000 TEUR abzüglich Bereinigungen. Der Höchstkaufpreis ist unbe-
grenzt. Im Rahmen der Bilanzierung nach der Anticipated Acquisition Method werden keine nicht
beherrschenden Anteile ausgewiesen. Stattdessen wurde zum Erwerbszeitpunkt eine Kaufpreisver-
bindlichkeit in Höhe von 1.471 TEUR erfasst. Die Kaufpreisverbindlichkeit wird anhand von wahr-
scheinlichkeitsgewichteten Kaufpreisszenarien auf Basis der zukünftigen Entwicklung der Geschäftstä-
tigkeit der M+R berechnet und mit einem markttypischen Eigenkapitalkostensatz abgezinst. Aus der
Kaufpreisallokation ergibt sich ein unwesentlicher passiver Unterschiedsbetrag; die Kaufpreisallokati-
on ist zum Zeitpunkt der Aufstellung des Konzernabschlusses noch vorläufig.
Konzernabschluss Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020 119
Die Vermögenswerte und Schulden der M+R stellen sich zum Erwerbszeitpunkt wie folgt dar:
in TEUR
Beizulegender
Zeitwert zum
Erwerbszeitpunkt
Immaterielle Vermögenswerte 911
Sachanlagen 3.843
V
orräte 571
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 105
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 27
Sonstige Vermögenswerte 60
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 424
Summe der erworbenen Vermögenswerte 5.941
Langfristige Rückstellungen 15
Langfristige Finanzverbindlichkeiten 34
Langfristige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 855
Latente Steuern 830
Kurzfristige Rückstellungen 70
Kurzfristige Finanzverbindlichkeiten 42
Kurzfristige Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 155
Kurzfristige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 186
Kurzfristige sonstige Verbindlichkeiten 43
V
ertragsverbindlichkeiten 650
V
erbindlichkeiten aus laufenden Ertragsteuern 40
Summe der übernommenen Schulden 2.921
Summe des identifizierbaren Nettovermögens zum beizulegenden Zeitwert 3.021
Passiver Unterschiedsbetrag 0
Gesamtbetrag der Gegenleistung 3.021
davon Gegenleistung für 51% der erworbenen Anteile 1.550
davon Gegenleistung für 49% der bedingt erworbenen Anteile 1.471
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Konzernabschluss
120
Wien, am 17. März 2021
Der Vorstand
Bestätigungsvermerk
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 20
20
121
Bericht zum Konzernabschluss
Prüfungsurteil
Wir haben den Konzernabschluss der
Semperit Aktiengesellschaft Holding, Wien,
und ihrer Tochtergesellschaften (der Konzern), bestehend aus der Konzernbilanz zum 31. Dezem-
ber 2020, der Konzerngewinn- und Verlustrechnung, der Konzerngesamtergebnisrechnung, der Kon-
zerneigenkapitalveränderungsrechnung und der Konzerngeldflussrechnung für das an diesem Stichtag
endende Geschäftsjahr und dem Konzernanhang, geprüft.
Nach unserer Beurteilung entspricht der beigefügte Konzernabschluss den gesetzlichen Vorschrif-
ten und vermittelt ein möglichst getreues Bild der Vermögens- und Finanzlage des Konzerns zum
31. Dezember 2020 sowie der Ertragslage und der Zahlungsströme des Konzerns für das an diesem
Stichtag endende Geschäftsjahr in Übereinstimmung mit den International Financial Repor-ting Stan-
dards, wie sie in der EU anzuwenden sind (IFRS), und den zusätzlichen Anforderungen des § 245a UGB.
Grundlage für das Prüfungsurteil
Wir haben unsere Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-Verordnung Nr. 537/2014 (im Fol-
genden EU-VO) und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung durch-
geführt. Diese Grundsätze erfordern die Anwendung der International Standards on Auditing (ISA).
Unsere Verantwortlichkeiten nach diesen Vorschriften und Standards sind im Abschnitt „Verantwort-
lichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses“ unseres Bestätigungsver-
merks weitergehend beschrieben. Wir sind vom Konzern unabhängig in Übereinstimmung mit den ös-
terreichischen unternehmensrechtlichen und berufsrechtlichen Vorschriften, und wir haben unsere
sonstigen beruflichen Pflichten in Übereinstimmung mit diesen Anforderungen erfüllt. Wir sind der Auf-
fassung, dass die von uns bis zum Datum des Bestätigungsvermerks erlangten Prüfungsnachweise aus-
reichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu diesem Datum zu dienen.
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte sind solche Sachverhalte, die nach unserem pflichtgemäßen
Ermessen am bedeutsamsten für unsere Prüfung des Konzernabschlusses des Geschäftsjahres waren.
Diese Sachverhalte wurden im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Konzernabschlusses als Ganzes
und bei der Bildung unseres Prüfungsurteils hierzu berücksichtigt, und wir geben kein gesondertes
Prüfungsurteil zu diesen Sachverhalten ab.
1)
Die Veröffentlichung oder Weitergabe des Konzernabschlusses mit unserem Bestätigungsvermerk darf nur in der von uns bestätigten Fassung
erfolgen. Dieser Bestätigungsvermerk bezieht sich ausschließlich auf den deutschsprachigen und vollständigen Konzernabschluss samt
Konzernlagebericht. Für abweichende Fassungen sind die Vorschriften des § 281 Abs 2 UGB zu beachten.
Bestätigungsvermerk
1)
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Bestätigungsvermerk
122
Nachfolgend stellen wir den aus unserer Sicht besonders wichtigen Prüfungssachverhalt dar:
Wertaufholung von Vermögenswerten im Segment Sempermed und Wertminderung von
Vermögenswerten im Segment Sempertrans
Im Juni 2020 wurden Indikatoren für eine Wertaufholung im Segment (= Zahlungsmittelgenerierende
Einheit) Sempermed beziehungsweise für eine Wertminderung im Segment Sempertrans identifiziert.
Auf Basis der zum 30. Juni 2020 durchgeführten Werthaltigkeitstests wurden im Geschäftsjahr Wertauf-
holungen iHv 86,2 MEUR im Segment Sempermed (0,3 MEUR Immaterielle Vermögenswerte; 85,9
MEUR Sachanlagen) und Wertminderungen iHv 19,8 MEUR im Segment Sempertrans (0,2 MEUR Im-
materielle Vermögenswerte; 19,6 MEUR Sachanlagen) durchgeführt. Die Buchwerte nach Wertaufho-
lung im Segment Sempermed entsprechen den fortgeführten Anschaffungskosten.
Im Rahmen der Werthaltigkeitstests, welche auf Basis des Nutzungswertes unter Anwendung von
Discounted-Cashflow-Berechnungen durchgeführt werden, sind wesentliche Annahmen und Schätzun-
gen hinsichtlich zukünftiger Cashflows und Diskontierungssätze zu treffen. Das wesentliche Risiko be-
steht in der Schätzung der zukünftigen Cashflows. Der durch die Corona-Pandemie erhöhten Progno-
seunsicherheit wurde durch die Berücksichtigung dreier alternativer Planungsszenarien Rechnung
getragen, welche wahrscheinlichkeitsgewichtet zur Berechnung des Nutzungswertes herangezogen
wurden. Die entsprechenden Angaben der Semperit-Gruppe sind in den Anhangsangaben "3.2 Sach-
anlagen" enthalten.
Wie wir den Sachverhalt im Rahmen der Abschlussprüfung adressiert haben
Wir haben die Annahmen und Schätzungen des Managements kritisch hinterfragt und dabei unter
anderem die folgenden Prüfungshandlungen durchgeführt:
• Beurteilung von Konzeption und Ausgestaltung des Prozesses zur Bewertung von Vermögenswerten
• Nachvollziehen der Überprüfung auf Hinweise zur Wertaufholung beziehungsweise Wertminderung
• Prüfung der angewandten Methodik, der rechnerischen Richtigkeit der vorgelegten Unterlagen und
Berechnungen sowie Plausibilisierung des Diskontierungssatzes unter Beiziehung unserer Bewer-
tungsspezialisten für die Berechnung der Nutzungswerte der Segmente
• Prüfung der Ableitung der prognostizierten Umsätze und Ergebnisse für die Segmente Sempermed
und Sempertrans mit den dem Aufsichtsrat vorgelegten Plänen sowie deren Überleitung auf die Er-
fordernisse des IAS 36
• Durchsicht der Planungsunterlagen der drei Szenarien sowie Plausibilisierung und Analyse der we-
sentlichen Werttreiber (Umsatz, Aufwendungen, Investitionen, Veränderungen im Trade Working Ca-
pital und Cashflow) und Wahrscheinlichkeitsgewichtung, um die Angemessenheit dieser Planungen
zu beurteilen
• Prüfung der korrekten Anwendung der fortgeführten Anschaffungskosten als Obergrenze der Wer-
taufholung für das Segment Sempermed
• Prüfung der korrekten Darstellung im IFRS-Konzernabschluss sowie Angemessenheit der Anhangs-
angaben
Bestätigungsvermerk
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 20
20
123
Sonstige Informationen
Die gesetzlichen Vertreter sind für die sonstigen Informationen verantwortlich. Die sonstigen Informa-
tionen umfassen alle Informationen im Geschäftsbericht, ausgenommen den Konzernabschluss, den
Konzernlagebericht und den Bestätigungsvermerk.
Unser Prüfungsurteil zum Konzernabschluss erstreckt sich nicht auf diese sonstigen Informationen,
geben keine Art der Zusicherung darauf ab.
Im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Konzernabschlusses haben wir die Verantwortlichkeit,
diese sonstigen Informationen zu lesen und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen Informationen we-
sentliche Unstimmigkeiten zum Konzernabschluss oder zu unseren bei der Abschlussprüfung erlangten
Kenntnissen aufweisen oder anderweitig falsch dargestellt erscheinen.
Falls wir auf der Grundlage der von uns zu den vor dem Datum des Bestätigungsvermerks des
Abschlussprüfers erlangten sonstigen Informationen durchgeführten Arbeiten den Schluss ziehen, dass
eine wesentliche falsche Darstellung dieser sonstigen Informationen vorliegt, sind wir verpflichtet, über
diese Tatsache zu berichten. Wir haben in diesem Zusammenhang nichts zu berichten.
Verantwortlichkeiten der gesetzlichen Vertreter und des Prüfungsausschusses für den
Konzernabschluss
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Konzernabschlusses und dafür,
dass dieser in Übereinstimmung mit den IFRS, wie sie in der EU anzuwenden sind, und den zusätzlichen
Anforderungen des § 245a UGB ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
des Konzerns vermittelt. Ferner sind die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die internen Kontrol-
len, die sie als notwendig erachten, um die Aufstellung eines Konzernabschlusses zu ermöglichen, der
frei von wesentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist.
Bei der Aufstellung des Konzernabschlusses sind die gesetzlichen Vertreter dafür verantwortlich,
die Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu beurteilen, Sachverhalte im
Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit – sofern einschlägig – anzugeben, so-
wie dafür, den Rechnungslegungsgrundsatz der Fortführung der Unternehmenstätigkeit anzuwenden,
es sei denn, die gesetzlichen Vertreter beabsichtigen, entweder den Konzern zu liquidieren oder die
Unternehmenstätigkeit einzustellen, oder haben keine realistische Alternative dazu.
Der Prüfungsausschuss ist verantwortlich für die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses des
Konzerns.
Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses
Unsere Ziele sind, hinreichende Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Konzernabschluss als Ganzes
frei von wesentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist, und
einen Bestätigungsvermerk zu erteilen, der unser Prüfungsurteil beinhaltet. Hinreichende Sicherheit ist
ein hohes Maß an Sicherheit, aber keine Garantie dafür, dass eine in Übereinstimmung mit der EU-VO
und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung
der ISA erfordern, durchgeführte Abschlussprüfung eine wesentliche falsche Darstellung, falls eine sol-
che vorliegt, stets aufdeckt. Falsche Darstellungen können aus dolosen Handlungen oder Irrtümern
resultieren und werden als wesentlich angesehen, wenn von ihnen einzeln oder insgesamt vernünftiger-
weise erwartet werden könnte, dass sie die auf der Grundlage dieses Konzernabschlusses getroffenen
wirtschaftlichen Entscheidungen von Nutzern beeinflussen.
Als Teil einer Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit den österreichischen
Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, üben wir
während der gesamten Abschlussprüfung pflichtgemäßes Ermessen aus und bewahren eine kritische
Grundhaltung.
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Bestätigungsvermerk
124
Darüber hinaus gilt:
• Wir identifizieren und beurteilen die Risiken wesentlicher falscher Darstellungen aufgrund von dolo-
sen Handlungen oder Irrtümern im Konzernabschluss, planen Prüfungshandlungen als Reaktion auf
diese Risiken, führen sie durch und erlangen Prüfungsnachweise, die ausreichend und geeignet sind,
um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu dienen. Das Risiko, dass aus dolosen Handlungen resul-
tierende wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden, ist höher als ein aus Irrtümern
resultierendes, da dolose Handlungen kollusives Zusammenwirken, Fälschungen, beabsichtigte Un-
vollständigkeiten, irreführende Darstellungen oder das Außerkraftsetzen interner Kontrollen beinhal-
ten können.
• Wir gewinnen ein Verständnis von dem für die Abschlussprüfung relevanten internen Kontrollsystem,
um Prüfungshandlungen zu planen, die unter den gegebenen Umständen angemessen sind, jedoch
nicht mit dem Ziel, ein Prüfungsurteil zur Wirksamkeit des internen Kontrollsystems des Konzerns
abzugeben.
• Wir beurteilen die Angemessenheit der von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rechnungsle-
gungsmethoden sowie die Vertretbarkeit der von den gesetzlichen Vertretern dargestellten geschätz-
ten Werte in der Rechnungslegung und damit zusammenhängende Angaben.
• Wir ziehen Schlussfolgerungen über die Angemessenheit der Anwendung des Rechnungslegungs-
grundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit durch die gesetzlichen Vertreter sowie, auf
der Grundlage der erlangten Prüfungsnachweise, ob eine wesentliche Unsicherheit im Zusammen-
hang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Kon-
zerns zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können. Falls wir die Schlussfolgerung
ziehen, dass eine wesentliche Unsicherheit besteht, sind wir verpflichtet, in unserem Bestätigungsver-
merk auf die dazugehörigen Angaben im Konzernabschluss aufmerksam zu machen oder, falls diese
Angaben unangemessen sind, unser Prüfungsurteil zu modifizieren. Wir ziehen unsere Schlussfolge-
rungen auf der Grundlage der bis zum Datum unseres Bestätigungsvermerks erlangten Prüfungs-
nachweise. Zukünftige Ereignisse oder Gegebenheiten können jedoch die Abkehr des Konzerns von
der Fortführung der Unternehmenstätigkeit zur Folge haben.
• Wir beurteilen die Gesamtdarstellung, den Aufbau und den Inhalt des Konzernabschlusses einschließ-
lich der Angaben sowie ob der Konzernabschluss die zugrunde liegenden Geschäftsvorfälle und Er-
eignisse in einer Weise wiedergibt, dass ein möglichst getreues Bild erreicht wird.
• Wir erlangen ausreichende geeignete Prüfungsnachweise zu den Finanzinformationen der Einheiten
oder Geschäftstätigkeiten innerhalb des Konzerns, um ein Prüfungsurteil zum Konzernabschluss ab-
zugeben. Wir sind verantwortlich für die Anleitung, Überwachung und Durchführung der Konzernab-
schlussprüfung. Wir tragen die Alleinverantwortung für unser Prüfungsurteil.
Wir tauschen uns mit dem Prüfungsausschuss unter anderem über den geplanten Umfang und die
geplante zeitliche Einteilung der Abschlussprüfung sowie über bedeutsame Prüfungsfeststellungen,
einschließlich etwaiger bedeutsamer Mängel im internen Kontrollsystem, die wir während unserer Ab-
schlussprüfung erkennen, aus.
Wir geben dem Prüfungsausschuss auch eine Erklärung ab, dass wir die relevanten beruflichen Ver-
haltensanforderungen zur Unabhängigkeit eingehalten haben, und tauschen uns mit ihm über alle Be-
ziehungen und sonstigen Sachverhalte aus, von denen vernünftigerweise angenommen werden kann,
dass sie sich auf unsere Unabhängigkeit und − sofern einschlägig − damit zusammenhängende Schutz-
maßnahmen auswirken.
Wir bestimmen von den Sachverhalten, über die wir uns mit dem Prüfungsausschuss ausgetauscht
haben, diejenigen Sachverhalte, die am bedeutsamsten für die Prüfung des Konzernabschlusses des
Geschäftsjahres waren und daher die besonders wichtigen Prüfungssachverhalte sind. Wir beschreiben
diese Sachverhalte in unserem Bestätigungsvermerk, es sei denn, Gesetze oder andere
Bestätigungsvermerk
Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 20
20
125
Rechtsvorschriften schließen die öffentliche Angabe des Sachverhalts aus oder wir bestimmen in äu-
ßerst seltenen Fällen, dass ein Sachverhalt nicht in unserem Bestätigungsvermerk mitgeteilt werden
sollte, weil vernünftigerweise erwartet wird, dass die negativen Folgen einer solchen Mitteilung deren
Vorteile für das öffentliche Interesse übersteigen würden.
Sonstige gesetzliche und andere rechtliche Anforderungen
Bericht zum Konzernlagebericht
Der Konzernlagebericht ist aufgrund der österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften darauf
zu prüfen, ob er mit dem Konzernabschluss in Einklang steht und ob er nach den geltenden rechtlichen
Anforderungen aufgestellt wurde.
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Konzernlageberichts in Über-
einstimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften.
Wir haben unsere Prüfung in Übereinstimmung mit den Berufsgrundsätzen zur Prüfung des Kon-
zernlageberichts durchgeführt.
Urteil
Nach unserer Beurteilung ist der Konzernlagebericht nach den geltenden rechtlichen Anforderungen
aufgestellt worden, enthält zutreffende Angaben nach § 243a UGB und steht in Einklang mit dem Kon-
zernabschluss.
Erklärung
Angesichts der bei der Prüfung des Konzernabschlusses gewonnenen Erkenntnisse und des gewonne-
nen Verständnisses über den Konzern und sein Umfeld wurden wesentliche fehlerhafte Angaben im
Konzernlagebericht nicht festgestellt.
Zusätzliche Angaben nach Artikel 10 der EU-VO
Wir wurden von der Hauptversammlung am 22. Juli 2020 als Abschlussprüfer gewählt. Wir wurden am
13. November 2020 vom Aufsichtsrat beauftragt. Wir sind ununterbrochen seit 2012 Abschlussprüfer.
Wir erklären, dass das Prüfungsurteil im Abschnitt „Bericht zum Konzernabschluss“ mit dem zusätz-
lichen Bericht an den Prüfungsausschuss nach Artikel 11 der EU-VO in Einklang steht.
Wir erklären, dass wir keine verbotenen Nichtprüfungsleistungen (Artikel 5 Abs 1 der EU-VO) er-
bracht haben und dass wir bei der Durchführung der Abschlussprüfung unsere Unabhängigkeit von der
geprüften Gesellschaft gewahrt haben.
Semperit
-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
Bestätigungsvermerk
126
Auftragsverantwortlicher Wirtschaftsprüfer
Der für die Abschlussprüfung auftragsverantwortliche Wirtschaftsprüfer ist Herr Mag. Gerhard
Schwarzt.
Wien, am 17. März 2021
Ernst & Young
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H.
Mag.
Gerhard Schwartz eh
Wirtschaftsprüfer
ppa
Mag. Martina Geisler eh
Wirtschaftsprüfer
Erklärung der gesetzlichen Vertreter
Semperit-Gruppe I Geschäftsbericht 20
20
127
Erklärung aller gesetzlichen Vertreter
Gemäß § 124 Abs. 1 Z 3 Börsegesetz
Wir bestätigen nach bestem Wissen, dass der im Einklang mit den maßgebenden Rechnungslegungs-
standards aufgestellte Konzernabschluss zum 31. Dezember 2020 ein möglichst getreues Bild der
Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt, dass der Konzernlagebericht den
Geschäftsverlauf, das Geschäftsergebnis und die Lage des Konzerns so darstellt, dass ein möglichst
getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns entsteht, und dass der Konzern-
lagebericht die wesentlichen Risiken und Ungewissheiten beschreibt, denen der Konzern ausgesetzt
ist.
Wir bestätigen nach bestem Wissen, dass der im Einklang mit den maßgeblichen Rechnungsle-
gungsstandards aufgestellte Jahresabschluss zum 31. Dezember 2020 der Semperit AG Holding ein
möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens vermittelt, dass
der Lagebericht den Geschäftsverlauf, das Geschäftsergebnis und die Lage des Unternehmens so
darstellt, dass ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage entsteht, und
dass der Lagebericht die wesentlichen Risiken und Ungewissheiten beschreibt, denen das Un-
ternehmen ausgesetzt ist.
Wien, am 17. März 2021
Der Vorstand
0 Semperit Gruppe I Jahresfinanzbericht 2017 Konzernabschluss und Konzernanhang
J
ahresabschluss
und
Lagebericht
Jahresabschluss 2020 Semperit AG Holding 129
Bilanz zum 31.12.2020
AKTIVA
31.12.2020
31.12.2019
EUR
TEUR
A. ANLAGEVERMÖGEN
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1. Konzessionen, Rechte
1.100.459,57
1.407
2. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau
729.130,72
144
1.829.590,29
1.551
II. Sachanlagen
1. Bauten auf fremdem Grund
36.590,99
81
2. Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung
318.686,40
408
3. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau
25.138,45
1
380.415,84
490
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen Unternehmen
233.766.617,92
235.147
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen
67.614.923,31
77.466
3. Wertpapiere des Anlagevermögens
4.673.717,02
4.668
306.055.258,25
317.281
Summe A. Anlagevermögen
308.265.264,38
319.322
B. UMLAUFVERMÖGEN
I. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
1. Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen
99.029.132,07
52.788
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 EUR (Vorjahr: 0 TEUR)
2. Sonstige Forderungen und Vermögensgegenstände
348.961,82
1.795
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 EUR (Vorjahr: 0 TEUR)
99.378.093,89
54.583
II. Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten
34.504.608,68
71.635
Summe B. Umlaufvermögen
133.882.702,57
126.218
C. RECHNUNGSABGRENZUNGSPOSTEN
1.806.343,02
1.438
AKTIVA Summe
443.954.309,97
446.978
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 130
Bilanz zum 31.12.2020
PASSIVA
31.12.2020
31.12.2019
EUR
TEUR
A. EIGENKAPITAL
I. Eingefordertes und eingezahltes Grundkapital
21.358.996,53
21.359
Übernommenes Grundkapital 21.358.996,53 EUR (Vorjahr: 21.359 TEUR)
II. Kapitalrücklagen
1. Gebundene
21.503.186,70
21.503
2. Nicht gebundene
36.336,42
36
III. Gewinnrücklagen
1. Gesetzliche Rücklage
999.251,47
999
2. Andere (freie) Rücklagen
42.517.219,72
29.400
IV. Bilanzgewinn/-verlust
31.000.000,00
–1.752
davon Verlustvortrag: 1.751.862,41 EUR (Vorjahr: Verlustvortrag 6.307 TEUR)
Summe A. Eigenkapital
117.414.990,84
71.546
B. HYBRIDKAPITAL
1. Hybridkapital
30.396.986,30
131.720
Summe B. Hybridkapital
30.396.986,30
131.720
C. RÜCKSTELLUNGEN
1. Rückstellungen für Abfertigungen
1.688.589,16
1.577
2. Rückstellungen für Pensionen
11.373.483,63
11.142
3. Sonstige Rückstellungen
10.198.664,30
8.625
Summe C. Rückstellungen
23.260.737,09
21.344
D. VERBINDLICHKEITEN
1. Schuldscheindarlehen
174.713.996,60
210.488
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 89.156.268,02 EUR (Vorjahr: 36.167 TEUR)
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 85.557.728,58 EUR (Vorjahr: 174.321 TEUR)
2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
30.625,00
7
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 30.625,00 EUR (Vorjahr: 7 TEUR)
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 EUR (Vorjahr: 0,00 TEUR)
3. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
1.333.607,24
774
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 1.333.607,24 EUR (Vorjahr: 774 TEUR)
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 EUR (Vorjahr: 0 TEUR)
4. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen
96.335.155,31
10.761
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 96.335.155,31 EUR (Vorjahr: 10.761 TEUR)
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 EUR (Vorjahr: 0 TEUR)
5. Sonstige Verbindlichkeiten
468.211,59
336
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 468.211,59 EUR (Vorjahr: 336 TEUR)
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 EUR (Vorjahr: 0 TEUR)
davon aus Steuern 0,00 EUR (Vorjahr: 0 TEUR)
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 0,00 EUR (Vorjahr: 0 TEUR)
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 EUR (Vorjahr: 0 TEUR)
davon im Rahmen der sozialen Sicherheit 285.916,86 EUR (Vorjahr: 278 TEUR)
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 285.916,86 EUR (Vorjahr: 278 TEUR)
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 0,00 EUR (Vorjahr: 0 TEUR)
Summe D. Verbindlichkeiten
272.881.595,74
222.367
davon mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr 187.323.867,16 EUR (Vorjahr: 48.046 TEUR)
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 85.557.728.58 EUR (Vorjahr: 174.321 EUR)
PASSIVA Summe
443.954.309,97
446.978
Jahresabschluss 2020 Semperit AG Holding 131
Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschäftsjahr vom 1.1.2020 bis zum 31.12.2020
2020
2019
EUR
TEUR
1. Umsatzerlöse
29.179.775,26
26.154
2. Sonstige betriebliche Erträge
a) Erträge aus dem Abgang vom Anlagevermögen mit Ausnahme der Finanzanlagen
164,00
0
b) Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen
565.049,47
559
c) Übrige
567.869,84
1.408
3. Personalaufwand
a) Gehälter
–22.096.639,86
–17.696
b) soziale Aufwendungen
–5.852.318,70
–4.747
davon Aufwendungen für Altersversorgung 1.580.835,02 EUR (Vorjahr: 1.083 TEUR)
aa) Aufwendungen für Abfertigung und Leistungen an betriebliche
Mitarbeitervorsorgekassen 440.624,54 EUR (Vorjahr: 274 TEUR)
bb) Aufwendungen für gesetzlich vorgeschriebene Sozialabgaben sowie vom Entgelt abhängige
Abgaben und Pflichtbeiträge 3.771.983,35 EUR (Vorjahr: 3.297 TEUR)
4. Abschreibungen
a) auf immaterielle Gegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen
–786.205,76
–2.300
5. Sonstige betriebliche Aufwendungen
a) Steuern, soweit sie nicht unter Z 15 fallen
–12.050,66
–560
b) Übrige
–25.088.830,91
–33.309
6. Zwischensumme aus Z 1 bis Z 5 (Betriebserfolg)
–23.523.187,32
–30.491
7. Erträge aus Beteiligungen
75.489.895,90
40.000
davon aus verbundenen Unternehmen 75.489.895,90 EUR (Vorjahr: 40.000 TEUR)
8. Erträge aus anderen Wertpapieren
58.230,44
29
davon aus verbundenen Unternehmen 0,00 EUR (Vorjahr: 0 TEUR)
9. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
11.106.617,58
19.879
davon aus Zuschreibungen 5.000.000,00 EUR (Vorjahr: 0,00 TEUR)
davon aus verbundenen Unternehmen 10.289.122,91 EUR (Vorjahr: 13.994 TEUR)
10. Erträge aus der Zuschreibung zu Finanzanlagen
5.345,92
12.485
11. Aufwendungen aus Finanzanlagen
–7.618.193,44
–3.900
davon Abschreibungen 7.618.193,44 EUR (Vorjahr: 3.900 TEUR)
davon aus verbundenen Unternehmen 7.618.193,44 EUR (Vorjahr: 3.900 TEUR)
12. Zinsen und ähnliche Aufwendungen
–12.918.001,45
–31.882
davon betreffend verbundene Unternehmen 527.611,00 EUR (Vorjahr: 15.629 TEUR)
davon Abschreibungen auf kurzfristige Darlehen gegenüber verbundenen Unternehmen, soweit
diese die im Unternehmen üblichen Abschreibungen überschreiten 0,00 EUR (Vorjahr: 11.000 TEUR)
13. Zwischensumme aus Z 7 bis Z 12 (Finanzerfolg)
66.123.894,95
36.612
14. Ergebnis vor Steuern (Zwischensumme aus Z 6 und Z 13)
42.600.707,63
6.121
15. Steuern vom Einkommen und Ertrag
3.259.869,88
–1.566
davon latente Steuern 0,00 EUR (Vorjahr: 0 TEUR)
16. Ergebnis nach Steuern = Jahresüberschuss
45.860.577,51
4.556
17. Zuweisung von Gewinnrücklagen
–13.108.715,10
0
18. Jahresgewinn
32.751.862,41
4.556
19. Verlustvortrag aus dem Vorjahr
–1.751.862,41
–6.307
20. Bilanzgewinn/-verlust
31.000.000,00
–1.752
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 132
Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze
Der vorliegende Jahresabschluss der Semperit AG Holding wurde nach den Vorschriften des UGB in
der zum Abschlussstichtag geltenden Fassung unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger
Buchführung sowie der Generalnorm, ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und
Ertragslage des Unternehmens zu vermitteln, in Euro (EUR) erstellt. Die zahlenmäßige Darstellung im
Anhang erfolgt in Tausend Euro (TEUR). Aufgrund der Darstellung in TEUR kann es zu Rundungsdiffe-
renzen kommen.
Zur Bilanzierung von Transaktionen in Fremdwährung sowie zur Bewertung von Posten in Fremd-
währung werden die Referenzkurse der Europäischen Zentralbank (EZB) herangezogen.
Anlagevermögen
Entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände werden zu Anschaffungskosten zuzüglich
etwaiger Nebenkosten (z.B. bei Softwarelizenzen aus Software-Implementierungen, dem Customizing,
etc.), vermindert um planmäßige Abschreibungen angesetzt. Eigenständige immaterielle Vermögens-
gegenstände aus Software-Implementierungen werden nur dann angesetzt, wenn das Wesen der im-
plementierten Software geändert wird, und das Herstellerrisiko nicht von der Semperit AG Holding,
sondern vom externen Implementierungspartner getragen wird. Besteht kein wirtschaftliches Eigentum
an der Software (z.B. bei Software-as-a-service-Lösungen), so werden die Kosten aus Software-Imple-
mentierungen nur dann angesetzt, wenn eigenständige immaterielle Vermögensgegenstände entste-
hen und das Herstellerrisiko nicht von der Semperit AG Holding, sondern vom externen Implementie-
rungspartner getragen wird.
Das Sachanlagevermögen wird zu Anschaffungskosten, vermindert um planmäßige Abschreibun-
gen, bewertet. Die planmäßigen Abschreibungen wurden linear vorgenommen, wobei je Anlagen-
gruppe im Wesentlichen folgende Nutzungsdauer bzw. eine Nutzungsdauer in der folgenden Band-
breite zugrunde gelegt wurde:
Nutzungsdauer
in Jahren
Abschreibungssatz
in %
Immaterielle Vermögensgegenstände
3–10
10–33
Bauten auf fremdem Grund
10
10
Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung
3–10
10–33
In Anlehnung an die steuerrechtlichen Bestimmungen wird für Zugänge im ersten Halbjahr eine volle
Jahresabschreibung, für Zugänge im zweiten Halbjahr eine halbe Jahresabschreibung vorgenommen.
Geringwertige Vermögensgegenstände, das sind abnutzbare Vermögensgegenstände des Anlage-
vermögens mit Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten von maximal 800 EUR, werden im Zugangsjahr
zur Gänze abgeschrieben. Der Abgang von geringwertigen Vermögensgegenständen wird im Anlage-
spiegel nach 3 Jahren gezeigt.
Anteile an verbundenen Unternehmen und Ausleihungen an verbundene Unternehmen werden zu
Anschaffungskosten bewertet. Bei nachhaltigen und wesentlichen Wertminderungen werden niedri-
gere Werte angesetzt. Die Bewertung erfolgt anhand der Discounted-Cashflow-Methode unter Berück-
sichtigung der gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) beziehungsweise anhand der
Net-Asset-Value-Methode. Die Bewertungsergebnisse und die Bewertung in Fremdwährungen werden
in der Gewinn- und Verlustrechnung im Posten Erträge aus der Zuschreibung zu Finanzanlagen bzw.
Aufwendungen aus Finanzanlagen dargestellt.
Jahresabschluss 2020 Semperit AG Holding 133
Als Ausleihungen werden jene Forderungen definiert, deren Laufzeit zum Zeitpunkt der Begebung
länger als ein Jahr ist.
Wertpapiere des Anlagevermögens werden mit dem Anschaffungskurs oder dem niedrigeren bei-
zulegenden Zeitwert bewertet.
Umlaufvermögen
Forderungen werden zum Nennwert angesetzt. Im Falle erkennbarer Einzelrisiken werden Forderungen
mit einem risikoangepassten Wert angesetzt.
Zuschreibungen bzw. Abschreibungen von Forderungen aus operativer Tätigkeit werden in der Ge-
winn- und Verlustrechnung in dem Posten sonstige betriebliche Erträge bzw. sonstige betriebliche Auf-
wendungen dargestellt. Überschreiten die Abschreibungen von Forderungen aus operativer Tätigkeit
eine im Unternehmen übliche Höhe, erfolgt der Ausweis unter dem Posten Abschreibungen.
Die Bewertung von kurzfristigen Forderungen aus Finanzierungen, mit einer Laufzeit zum Zeitpunkt
der Begebung von weniger als einem Jahr, werden in dem Posten sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
bzw. Zinsen und ähnliche Aufwendungen dargestellt.
Forderungen in Fremdwährungen werden zum Buchkurs des Entstehungstages, maximal aber zum
entsprechenden Referenzkurs der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Abschlussstichtag, umgerech-
net.
Das Fremdwährungsrisiko wird in Einzelfällen durch Devisentermingeschäfte, Devisenswaps und
den Kauf von Fremdwährungsoptionen abgesichert.
Periodenübergreifende Rechnungsbeträge, die über den Abschlussstichtag hinausreichen, werden
gemäß den geltenden Bilanzierungsrichtlinien abgegrenzt.
Rückstellungen
Rückstellungen werden für die gesetzlichen und vertraglichen Abfertigungs- und Pensionsansprüche
ebenso wie für die kollektivvertraglichen Jubiläumsgeldansprüche der Mitarbeiter gebildet. Der Be-
rechnung der Abfertigungs- und Jubiläumsgeldrückstellung wurden die biometrischen Rechnungs-
grundlagen AVÖ 2018-P für Angestellte zugrunde gelegt.
Folgende Fluktuationswahrscheinlichkeiten wurden aus historischen Mitarbeiterdaten erhoben:
Jährliche Fluktuation nach Dienstalter
Dienstalter Wahrscheinlichkeit
0 bis 4
9,60%
5 bis 9
7,60%
10 bis 14
5,70%
15 bis 19
2,60%
20 bis 24
2,50%
25 bis 34
1,30%
35 bis 39
0,60%
40 bis 99
0,00%
Die Rückstellungen für Abfertigungen, die Rückstellungen für laufende Pensionen und Anwartschaf-
ten auf Pensionen sowie die Rückstellungen für Jubiläumsgelder werden nach der „Projected Unit Cre-
dit Method“ gemäß den Vorschriften der International Financial Reporting Standards (IAS 19) unter
Zugrundelegung eines Rechnungszinssatzes von 0,9% (Vorjahr: 1,1%) für Jubiläumsgelder, 0,6% (Vor-
jahr: 1,0%) für Abfertigungen, 0,7% (Vorjahr: 0,9%) für Pensionen und eines Gehaltstrends von 3,0%
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 134
(Vorjahr: 3,0%) berechnet. Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste werden zur Gänze an-
gesetzt und als Aufwand bzw. Ertrag erfasst. Die im Geschäftsjahr angefallenen versicherungsmathe-
matischen Verluste belaufen sich auf 1.011 TEUR (Vorjahr: 712 TEUR) und sind hauptsächlich auf die
Veränderung des Rechnungszinssatzes von 0,9% auf 0,7% bei den Pensionen zurückzuführen; sie wer-
den ebenso wie die Zinsen im Personalaufwand ausgewiesen.
Die Verteilung des Dienstzeitaufwandes für Abfertigungen erfolgt vom Eintritt ins Unternehmen bis
zu dem Zeitpunkt, ab dem weitere Arbeitsleistungen nicht mehr zu einer Erhöhung der Anwartschaft
führen.
Die Pensionsverpflichtungen ergeben sich aus schriftlichen Einzelverträgen mit ehemaligen
Vorstandsmitgliedern und leitenden Angestellten, die sich alle bereits im Ruhestand befinden. Des
Weiteren besteht ein Pensionsstatut, wonach die Gesellschaft verpflichtet ist, an vor dem 1. Jän-
ner 1991 eingetretene und aktive Mitarbeiter, die zu diesem Zeitpunkt bestimmte Parameter erfüllt
hatten, Betriebspensionen zu gewähren. Für diese Verpflichtungen wurde ebenfalls vorgesorgt. Für
die Pensionszusagen dienten die Tafeln AVÖ 2018-P für Angestellte als biometrische Rechnungs-
grundlagen. Die Alterspension gebührt ab Vollendung des 65. Lebensjahres. Für alle Leistungen exis-
tiert eine Wartezeit von 15 Dienstjahren ab Eintritt. Alle anspruchsberechtigten Personen befinden
sich bereits im Ruhestand.
Sonstige Rückstellungen betreffen im Wesentlichen den Personalbereich und beziehen sich auf Prä-
mien, nicht konsumierte Urlaube und noch ausstehende Eingangsrechnungen.
Die Rückstellungen für Prämien der Mitarbeiter (entsprechend der Semperit Group Bonus Policy),
der Führungskräfte (entsprechend einem Long-term Incentive Plan der sich an den langfristigen Leis-
tungsboni für den Vorstand orientiert) und der Vorstände (entsprechend der Vergütungspolitik) werden
mit den bestmöglich geschätzten Erfüllungsbeträgen angesetzt. Die geschätzten Erfüllungsbeträge
berücksichtigen die voraussichtliche Zielerreichung von individuellen und Konzernzielvorgaben sowie
die aktuellen Ergebnisse aus der Leistungsbeurteilung. Langfristige Leistungsboni werden über meh-
rere Perioden verteilt angesammelt; die zu erwartende Unverfallbarkeit der Ansprüche bestimmt dabei
das Ende des Ansammlungszeitraums. Mangels Wesentlichkeit erfolgt keine Abzinsung der langfristi-
gen Leistungsboni. Des Weiteren bestehen sonstige Rückstellungen für noch ausstehende Eingangs-
rechnungen. Sie werden in Höhe der voraussichtlichen Inanspruchnahme gebildet und berücksichtigen
alle erkennbaren Risiken.
Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten werden mit der bestmöglichen Schätzung ihres Erfüllungsbetrags unter Bedacht-
nahme auf den Grundsatz der Vorsicht angesetzt. Fremdwährungsverbindlichkeiten werden zum Refe-
renzkurs der Europäischen Zentralbank (EZB) am Abschlussstichtag umgerechnet, wenn dieser über
dem Buchkurs liegt, es sei denn, das Fremdwährungsrisiko, ist abgesichert.
Latente Steuern
Im Jahresabschluss wird das Temporary-Konzept angewendet. Dieses ist bilanzorientiert und geht von
Differenzen unternehmensrechtlicher und steuerrechtlicher Wertansätze aus, die sich in späteren Ge-
schäftsjahren voraussichtlich umkehren. Latente Steuern werden als Aufwand oder Ertrag im Gewinn
oder Verlust der Periode erfasst. Aktive und passive latente Steuern werden saldiert und entweder als
eigener Aktivposten oder als Rückstellung ausgewiesen.
Latente Steuern sind nicht zu berücksichtigen, soweit sie aus dem erstmaligen Ansatz eines Ge-
schäfts- oder Firmenwerts, aus dem erstmaligen Ansatz eines Vermögenwerts oder einer Schuld bei
einem Geschäftsvorfall entstehen, der keine Umgründung oder Übernahme ist, und wenn zum Zeit-
punkt des Geschäftsvorfalls weder das bilanzielle Ergebnis vor Steuern noch das zu versteuernde Er-
gebnis beeinflusst ist. Weiters nicht zu berücksichtigen sind latente Steuern in Verbindung mit Anteilen
Jahresabschluss 2020 Semperit AG Holding 135
an Tochterunternehmen, assoziierten Unternehmen oder Gemeinschaftsunternehmen, wenn das Mut-
terunternehmen in der Lage ist, den zeitlichen Verlauf der Auflösung der temporären Differenzen zu
steuern, und es wahrscheinlich ist, dass sich die temporäre Differenz in absehbarer Zeit nicht auflösen
wird. Aktive latente Steuern auf Verlustvorträge werden nicht angesetzt.
Bei Aktivierung latenter Steuern gemäß § 198 Abs. 9 UGB dürfen außerdem Gewinne nur ausge-
schüttet werden, soweit die danach verbleibenden jederzeit auflösbaren Rücklagen zuzüglich eines
Gewinnvortrags und abzüglich eines Verlustvortrags dem aktivierten Betrag mindestens entsprechen.
Die aktiven latenten Steuern auf temporäre Differenzen betragen zum 31.12.2020 0 TEUR (Vor-
jahr: 0 TEUR). Angesichts der Verlusthistorie der Unternehmensgruppe gemäß § 9 KStG, deren Grup-
penträgerin die Semperit AG Holding ist, der Übergangs- und Transformationsphase, in der sich die
Semperit-Gruppe befindet, und der Unwägbarkeiten, die vor allem in Zusammenhang mit der durch
die Corona-Krise beeinflussten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen bestehen, sind die an die
Verlässlichkeit der Steuerplanung zu stellenden Anforderungen erhöht. Die Werthaltigkeit der aktiven
Steuerlatenzen als Ergebnis der Gesamtdifferenzenbetrachtung konnte daher im Geschäftsjahr 2020
nicht bestätigt werden. Um die Werthaltigkeit von aktiven Steuerlatenzen als Ergebnis der Gesamtdif-
ferenzenbetrachtung bestätigen zu können, ist es notwendig, dass in den nachfolgenden Geschäfts-
jahren mit hinreichender Wahrscheinlichkeit steuerliche Ergebnisse zur voraussichtlichen Steuerentlas-
tung herangezogen werden können. Wesentliche Differenzen unter Berücksichtigung eines
Steuersatzes von 25% ergeben sich aus den Personalrückstellungen und offenen Siebentelabschreibun-
gen auf Beteiligungen.
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 136
Erläuterungen zur Bilanz
AKTIVA
(1) Anlagevermögen
Die Entwicklung der einzelnen Posten des Anlagevermögens und die Aufgliederung der Jahresab-
schreibung nach einzelnen Posten werden in Beilage 1 „Entwicklung des Anlagevermögens im
Geschäftsjahr 2020“ dargestellt.
Die in Bezug auf die Anteile an verbundenen Unternehmen erforderlichen Angaben werden in Bei-
lage 2 „Stand der Anteile an verbundenen Unternehmen“ dargestellt.
Die geleisteten Anzahlungen und Anlagen in Bau betreffen im Wesentlichen Lizenzen und Nut-
zungsrechte.
Aus der Nutzung von in der Bilanz nicht ausgewiesenen Sachanlagen (geleaste Wirtschaftsgüter)
ergeben sich folgende finanzielle Verpflichtungen:
in TEUR
2020
2019
Auf das Geschäftsjahr folgendes Jahr
695
741
Auf das Geschäftsjahr folgende 5 Jahre
1.142
3.225
Im Geschäftsjahr 2020 erfolgte noch kein Ansatz von CoViD-19-Investitionsprämienforderungen.
Ausleihungen
In den Ausleihungen sind Darlehen gegenüber verbundenen Unternehmen in der Höhe von insge-
samt 67.615 TEUR (Vorjahr: 77.466 TEUR) enthalten. Im Jahr 2020 wurden 21.000 TEUR (Vor-
jahr: 0 TEUR) an Ausleihungen gewährt. Es wurden Ausleihungen in der Höhe von 30.474 TEUR (Vor-
jahr: 99.029 TEUR) zurückbezahlt, wovon 7.000 TEUR vorzeitig getilgt wurden. Ausleihungen mit einer
Restlaufzeit von bis zu einem Jahr bestehen im Ausmaß von 17.736 TEUR (Vorjahr: 33.166 TEUR).
Die Ausleihungen an verbundene Unternehmen setzen sich zum 31. Dezember 2020 wie folgt zu-
sammen:
Währung
Nominale
in Tausend
Buchwert
in TEUR
Endfälligkeit
Semperit Profiles Deggendorf GmbH
fix verzinst EUR 7.000 7.000
29.01.2021
Sempertrans Conveyor Belt Solutions GmbH
fix verzinst USD 5.000 4.075
23.04.2021
Semperflex Optimit s.r.o.
variabel verzinst
CZK 180.000 6.661
28.10.2021
Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H.
fix verzinst EUR 8.000 8.000
04.05.2022
Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H.
fix verzinst USD 2.500 2.037
16.11.2022
Semperit Profiles Leeser GmbH
fix verzinst
EUR 4.200 4.200
08.12.2022
Semperflex Optimit s.r.o.
fix verzinst EUR 7.500 7.500
15.12.2022
Sempertrans Belchatow Sp. z o.o.
fix verzinst EUR 15.000 15.000
19.12.2022
Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H.
fix verzinst
EUR 1.800 1.800
20.01.2023
Semperflex Optimit s.r.o.
fix verzinst CZK 180.000 6.661
28.10.2023
Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H.
fix verzinst EUR 4.680 4.680
20.12.2023
Summe
67.615
Jahresabschluss 2020 Semperit AG Holding 137
Cross Currency Swap
Zum Stichtag 31.12.2020 besteht ein Cross Currency Swap zur Absicherung eines Schuldscheindarle-
hens in PLN. Die Finanzierung und der Swap werden als Bewertungseinheit dargestellt. Der negative
Zeitwert des Derivats beträgt 2.632 TEUR. Als Drohverlustrückstellung wurde der ineffektive Teil des
Derivats in Höhe von 40 TEUR (Vorjahr: 83 TEUR) bilanziert. Aufgrund der bestehenden effektiven Si-
cherungsbeziehung wird das Schuldscheindarlehen in PLN zum gesicherten Kurs bilanziert.
Wertpapiere des Anlagevermögens
Die Zuschreibung beträgt im Geschäftsjahr 2020 insgesamt 5 TEUR (Vorjahr: 73 TEUR). Die Wertpa-
piere des Anlagevermögens stehen zu ihren Anschaffungskosten bzw. niedrigeren beizulegenden Zeit-
wert zu Buche.
(2) Umlaufvermögen
Die Forderungen gegenüber verbunden Unternehmen setzen sich wie folgt zusammen:
in TEUR
31.12.2020
31.12.2019
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
3.694
5.278
Forderungen aus Zinsabgrenzungen für Ausleihungen
949
908
Forderungen aus Gewinnausschüttungen
78.057
5.000
Forderungen aus Steuerumlagen
3.829
1.842
Forderungen aus dem Cash Pool
293
2.534
Forderungen aus kurzfristigen Darlehen und deren Zinsabgrenzung
12.207
37.226
Summe
99.029
52.788
In den Forderungen aus Gewinnausschüttungen ist eine Forderung aus phasenkongruent realisier-
ten Gewinnen gegenüber der Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H. in Höhe
von 75.000 TEUR enthalten. Dieser Forderung steht ein unter den Verbindlichkeiten gegenüber ver-
bundenen Unternehmen ausgewiesenes Upstream-Darlehen der Semperit Technische Produkte Gesell-
schaft m.b.H. in derselben Höhe gegenüber.
In den sonstigen Forderungen sind im Wesentlichen Forderungen gegenüber Versicherungen in
Höhe von 305 TEUR (Vorjahr: 1.255 TEUR) enthalten, welche im Folgejahr zahlungswirksam werden.
Darüber hinaus gibt es in den sonstigen Forderungen keine weiteren Forderungen, die erst nach dem
Stichtag zahlungswirksam werden.
In den aktiven Rechnungsabgrenzungen in Höhe von 1.806 TEUR (Vorjahr: 1.438 TEUR) sind über-
wiegend Versicherungsabgrenzungen und verschiedene im Voraus bezahlte Aufwendungen enthalten.
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 138
PASSIVA
(3) Eigenkapital
Das Grundkapital beträgt EUR 21.358.997 (Vorjahr: 21.359 TEUR) und ist auf 20.573.434 Stück Stamm-
aktien (Stückaktien) aufgeteilt, von denen jede am Grundkapital im gleichen Umfang beteiligt ist und
ein Stimmrecht gewährt.
Der Vorstand wurde von der ordentlichen Hauptversammlung am 25. April 2018 ermächtigt, mit
Zustimmung des Aufsichtsrats das Grundkapital in den kommenden fünf Jahren ab Eintragung der
Satzungsänderung in das Firmenbuch – allenfalls in mehreren Tranchen – gegen Bar- und/oder Sach-
einlage um bis zu 10.679.497 EUR durch Ausgabe von bis zu 10.286.716 Stück neuer auf Inhaber oder
Namen lautende Stückaktien zu erhöhen. Ebenso wurde der Vorstand ermächtigt, mit Zustimmung des
Aufsichtsrats Wandelschuldverschreibungen in mehreren Tranchen bis längstens 25. April 2023 zu be-
geben. Damit kann ein Umtausch- oder Bezugsrecht bzw. eine Umtausch- oder Bezugspflicht auf bis
zu 10.286.716 Stückaktien der Gesellschaft verbunden werden.
Der Vorstand wurde von der ordentlichen Hauptversammlung am 22. Juli 2020 zum Rückkauf und
gegebenenfalls zur Einziehung eigener Aktien bis zum gesetzlich höchst zulässigen Ausmaß von 10%
des Grundkapitals für die Dauer von 30 Monaten ab Beschlussfassung in der Hauptversammlung gem.
§ 65 Abs. 1 Z 8 AktG mit Zustimmung des Aufsichtsrats ermächtigt. Weiters wurde der Vorstand in
der gleichen Hauptversammlung ermächtigt, gemäß § 65 Abs. 1b AktG mit Zustimmung des Auf-
sichtsrats eine andere Art der Veräußerung als über die Börse oder durch ein öffentliches Angebot
und über einen allfälligen Ausschluss des Wiederkaufsrechts (Bezugsrecht) der Aktionäre zu beschlie-
ßen. Es besteht derzeit kein Aktienrückkaufprogramm; die Gesellschaft hält keine eigenen Aktien.
In den Gewinnrücklagen wurden im Geschäftsjahr 2020 ausgebuchte Dividendenverbindlichkeiten
in Höhe 8 TEUR erfasst. Gemäß § 20 Abs. 3 der Satzung der Semperit AG Holding sind Dividenden,
die von den Aktionären nicht innerhalb von drei Jahren nach Fälligkeit in Empfang genommen worden
sind, den freien Rücklagen der Gesellschaft zuzuweisen.
(4) Entwicklung des Bilanzgewinns
in TEUR
2020
2019
Bilanzverlust zu Jahresbeginn
–1.752
–6.307
Dividende
0
0
Jahresüberschuss
45.861
4.556
Zuweisung zu anderen (freien) Gewinnrücklagen
–13.109
0
Bilanzgewinn/-verlust zum Jahresende
31.000
–1.752
(5) Hybridkapital
Im Dezember 2017 hat der Vorstand der Semperit AG Holding einen Vertrag über eine Hybridkapital-
Linie in Höhe von bis zu 150.000 TEUR mit der B & C Holding GmbH unterzeichnet. Im Oktober 2020
wurde die Forderung aus der Hybridkapital-Linie an die B & C Holding Österreich GmbH übertragen.
Die Mehrheitsgesellschafterin der Semperit AG Holding, die B & C KB Holding GmbH, ist ein 100%iges
Tochterunternehmen der B & C Holding Österreich GmbH.
Das Hybridkapital ist im unternehmensrechtlichen Jahresabschluss der Semperit AG Holding dem
Fremdkapital zuzuordnen, da nach den Kriterien des Fachgutachtens KFS/RL 13 nicht alle Kriterien für
Eigenkapital erfüllt sind.
Der vereinbarte Zinssatz beträgt 5,25% p.a., die Bereitstellungsgebühr 1,75% p.a.. Bei der Hybrid-
kapital-Linie handelt es sich um eine nachrangige Verbindlichkeit mit unbegrenzter Laufzeit. Ein
Jahresabschluss 2020 Semperit AG Holding 139
Rückzahlungs- oder Wandlungsrecht des Gläubigers ist nicht vorgesehen. Im Geschäftsjahr 2018 wur-
den 130.000 TEUR Hybridkapital in Anspruch genommen. Für die verbleibenden 20.000 TEUR wurde
die Bereitstellung im Geschäftsjahr 2020 durch die Semperit AG Holding beendet und es wurde letzt-
malig eine Bereitstellungsprovision in Höhe von 195 TEUR (Vorjahr: 355 TEUR) bezahlt. Ferner erfolgte
im Geschäftsjahr 2020 die Rückführung in Höhe von 100.000 TEUR in zwei Teilbeträgen. Es wurden
darüber hinaus Zinszahlungen in Höhe von 7.802 TEUR (Vorjahr: 10.545 TEUR) geleistet. Die Zinsab-
grenzung zum Stichtag 31. Dezember 2020 beträgt 397 TEUR (Vorjahr: 1.720 TEUR).
(6) Rückstellungen
in TEUR
31.12.2020
31.12.2019
1. Rückstellungen für Abfertigungen
1.689
1.577
2. Rückstellungen für Pensionen
11.373
11.142
3. Sonstige Rückstellungen
10.199
8.625
Summe
23.261
21.344
Zum 31. Dezember 2020 waren die für die Bedeckung der Pensionsrückstellung erforderlichen
Wertpapiere in ausreichender Höhe vorhanden; der Deckungswert für das Geschäftsjahr 2020 be-
trug 5.283 TEUR (Vorjahr: 5.283 TEUR). Nähere Informationen zu den sonstigen Rückstellungen wer-
den im beiliegenden Rückstellungsspiegel dargestellt (Beilage 3).
Die Erhöhung der sonstigen Rückstellungen resultiert im Wesentlichen aus Zuführungen zu Prä-
mienrückstellungen.
(7) Verbindlichkeiten
in TEUR
31.12.2020
31.12.2019
1. Verbindlichkeiten aus Schuldscheindarlehen
174.714
210.488
davon mit Restlaufzeit bis 1 Jahr
89.156
36.167
davon mit Restlaufzeit von 1–5 Jahren
85.558
136.321
davon mit Restlaufzeit über 5 Jahre
0
38.000
2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
31
7
davon mit Restlaufzeit bis 1 Jahr
31
7
davon mit Restlaufzeit von 1–5 Jahren
0
0
3. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
1.333
774
davon mit Restlaufzeit bis 1 Jahr
1.333
774
4. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen
96.335
10.761
davon mit Restlaufzeit bis 1 Jahr
96.335
10.761
5. Sonstige Verbindlichkeiten
468
336
davon mit Restlaufzeit bis 1 Jahr
468
336
Summe
272.882
222.367
davon mit Restlaufzeit bis 1 Jahr
187.324
48.046
davon mit Restlaufzeit von 1–5 Jahren
85.558
136.321
davon mit Restlaufzeit über 5 Jahre
0
38.000
Im Geschäftsjahr 2020 wurde ein Schuldscheindarlehen in Höhe von 27.500 TEUR bei Fälligkeit ge-
tilgt. Für ein weiteres Schuldscheindarlehen, mit dem ursprünglichen Nominale von 12.000 TEUR,
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 140
erfolgte eine vorzeitige Rückführung in Höhe von 7.000 TEUR (Vorjahr: 3.500 TEUR). Im Jahr 2020 wur-
den Zinsen auf Schuldscheindarlehen in der Höhe von 4.884 TEUR (Vorjahr: 6.129 TEUR) bezahlt. Zum
31. Dezember 2020 sind abgegrenzte Zinsen auf Schuldscheindarlehen in der Höhe von 1.027 TEUR
(Vorjahr: 1.666 TEUR) als kurzfristige Verbindlichkeiten ausgewiesen.
Die Verbindlichkeiten aus Schuldscheindarlehen zum 31. Dezember 2020 setzen sich wie folgt zu-
sammen:
Zinssatz per
31.12.2020 Währung
Nominale
in Tausend
Buchwert
in TEUR
Endfälligkeit
5 Jahre fix verzinst
2,80% USD 9.000 8.112
04.11.2021
5 Jahre variabel verzinst
1,72% USD 50.000 45.065
04.11.2021
5 Jahre variabel verzinst
1,70% PLN 118.000 28.291
04.11.2021
5 Jahre variabel verzinst
0,96%
CZK 180.000 6.859
04.11.2021
7 Jahre fix verzinst
1,77% EUR 34.000 34.000
25.07.2022
10 Jahre fix verzinst
3,65% EUR 6.500 6.500
25.07.2023
7 Jahre fix verzinst
1,29%
CZK 180.000 6.859
04.11.2023
10 Jahre fix verzinst
2,41% EUR 31.000 31.000
25.07.2025
15 Jahre fix verzinst
3,09% EUR 7.000 7.000
25.07.2030
Zwischensumme
173.686
Zinsabgrenzung
1.027
Summe Schuldscheindarlehen
174.714
Im Posten Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen sind 20.565 TEUR (Vor-
jahr: 10.702 TEUR) aus dem Cash Pooling, 758 TEUR (Vorjahr: 1.061 TEUR) aus den Verbindlichkeiten
aus Lieferungen und Leistungen und ein Upstream-Darlehen in Höhe von 75.000 TEUR gegenüber der
Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H. ausgewiesen.
In den sonstigen Verbindlichkeiten sind Aufwendungen in Höhe von 468 TEUR (Vorjahr: 325 TEUR)
ausgewiesen, die erst nach dem Stichtag zahlungswirksam werden. Die wesentlichsten Posten sind die
Verbindlichkeiten im Rahmen der sozialen Sicherheit und Verbindlichkeiten gegenüber Mitarbeitern.
Die sonstigen vertraglichen Haftungen aus einer Avalkreditlinie der Semperit AG Holding und aus
Konzerngarantien in Höhe von 28.058 TEUR (Vorjahr: 28.276 TEUR) bestehen gegenüber Dritten und
sind ausschließlich zugunsten direkter oder indirekter Tochterunternehmen abgeschlossen worden. Es
handelt sich dabei im Wesentlichen um Vertragserfüllungs-, Gewährleistungs-, Anzahlungs-, Kreditbe-
sicherungs- sowie Rückhaftungsgarantien. Darüber hinaus bestehen weiche Patronatserklärungen, die
regelmäßig im Zuge der Erstellung von Jahresabschlüssen für direkte und indirekte Tochterunterneh-
men abgegeben werden.
Jahresabschluss 2020 Semperit AG Holding 141
Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung
(1) Umsatzerlöse
Die Umsätze beinhalten im Wesentlichen die Verrechnung von Dienstleistungen, welche die in der
Semperit AG Holding (dienstleistende Holdinggesellschaft) angesiedelten Zentralfunktionen der
Semperit-Gruppe für Tochterunternehmen erbringen. Sie gliedern sich geografisch wie folgt:
in TEUR
2020
2019
Österreich
6.045
4.838
EU ohne Österreich
13.201
11.541
Amerika
1.238
1.277
Asien
8.696
8.498
Summe
29.180
26.154
In den Umsatzerlösen EU ohne Österreich sind Umsätze mit dem Vereinigten Königreich (UK) in
Höhe von 58 TEUR (Vorjahr: 103 TEUR) enthalten. Infolge der bis zum 31. Dezember 2020 andauern-
den Übergangsphase ist das Vereinigte Königreich (UK) erst seit dem 1. Jänner 2021 nicht mehr Teil
des EU-Binnenmarkts und der Zollunion. Für das Geschäftsjahr 2020 werden daher Umsätze mit Unter-
nehmen im Vereinigten Königreich (UK) der EU zugerechnet.
(2) Sonstige betriebliche Erträge
Im Geschäftsjahr 2020 gab es keine Auflösung von Forderungswertberichtigungen gegenüber verbun-
denen Unternehmen (Vorjahr: 54 TEUR). Die Erträge aus Versicherungsvergütungen belaufen sich auf
50 TEUR (Vorjahr: 1.301 TEUR). Des Weiteren sind Erträge aus der Kurzarbeitsbeihilfe des AMS in der
Höhe von 212 TEUR enthalten (Vorjahr: 0 TEUR).
(3) Personalaufwand
Die Aufwendungen für Gehälter, Sozialabgaben sowie für Altersversorgung betrugen im Geschäfts-
jahr 27.949 TEUR (Vorjahr: 22.442 TEUR).
Im Geschäftsjahr wurden in Summe inklusive Vorstände, leitende Angestellte und sonstige Mitar-
beiter 268 TEUR (Vorjahr: 228 TEUR) an Beiträgen an Mitarbeitervorsorgekassen entrichtet.
In den Gehältern sind Aufwendungen für Jubiläumsgeldrückstellungen in Höhe von −3 TEUR (Vor-
jahr: 53 TEUR) enthalten. Etwaige negative Werte ergeben sich aus versicherungsmathematischen Ge-
winnen/Verlusten.
Der Personalstand ist im Geschäftsjahr leicht angestiegen:
Personalstand
2020
2019
per Stichtag 31.12.
132
133
Jahresdurchschnitt Angestellte
130
128
Die Personenzahlen beziehen sich auf Vollzeitäquivalente (ohne freigestellte Mitarbeiter), wobei
Teilzeitbeschäftigte entsprechend ihrer Beschäftigungsquote einbezogen sind.
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 142
Die an den Vorstand abgerechneten Bezüge setzen sich wie folgt zusammen:
1
In der Spalte Fixe Bezüge sind die Beiträge für die Mitarbeitervorsorgekasse enthalten.
Der Abfertigungsaufwand beläuft sich im Geschäftsjahr 2020 auf 441 TEUR (Vorjahr: 274 TEUR),
davon entfallen auf Vorstandsmitglieder 45 TEUR (Vorjahr: 36 TEUR), auf leitende Angestellte (Proku-
risten der Semperit AG Holding) 17 TEUR (Vorjahr: 1 TEUR) und auf die übrigen Dienstnehmer
267 TEUR (Vorjahr: 184 EUR). Der Abfertigungsaufwand beinhaltet im Wesentlichen Aufwendungen für
die Mitarbeiter-Vorsorgekasse (MVK). Die restlichen Aufwendungen in Höhe von 112 TEUR (Vor-
jahr:53 TEUR) resultieren aus versicherungsmathematischen Verlusten sowie aus der Aufzinsung der
Abfertigungsrückstellung.
Der Pensionsaufwand beläuft sich im Geschäftsjahr 2020 auf 1.581 TEUR (Vorjahr: 1.083 TEUR), da-
von entfallen auf Vorstandsmitglieder 132 TEUR (Vorjahr: 90 TEUR), auf leitende Angestellte (Prokuris-
ten der Semperit AG Holding) 72 TEUR (Vorjahr: 58 TEUR) und auf übrige Dienstnehmer 110 TEUR
(Vorjahr: 14 TEUR). Der Pensionsaufwand beinhaltet die Beiträge an die APK Pensionskasse AG und in
Bezug auf eine Rückdeckungsversicherung aus einem Pensionsstatut an die Generali-Gruppe. Der Auf-
wand für diese beitragsorientierten Pläne beläuft sich auf 314 TEUR (Vorjahr: 162 TEUR). Die restlichen
Aufwendungen in Höhe von 1.267 TEUR (Vorjahr: 921 TEUR) resultieren aus versicherungsmathemati-
schen Verlusten und der Aufzinsung der Pensionsrückstellung. Die Pensionsbezüge für ehemalige Vor-
standsmitglieder belaufen sich im Geschäftsjahr 2020 auf 689 TEUR (Vorjahr: 654 TEUR).
(4) Abschreibungen
Die Abschreibungen belaufen sich im Geschäftsjahr 2020 auf 786 TEUR (Vorjahr: 2.300 TEUR). Die Ver-
änderung ist im Wesentlichen auf das Ende der Nutzungsdauer von immateriellen Vermögensgegen-
ständen zurückzuführen.
Abgerechnete Bezüge an den Vorstand
2020
2019
in TEUR
Fixe Bezüge
(inkl. Sach-
bezüge)
1
Variable
kurzfristige und
langfristige
Bezüge Gesamt
Fixe Bezüge
(inkl. Sach-
bezüge)
1
Variable
kurzfristige
Bezüge
Gesamt
Martin Füllenbach
614 360 974 526 624
1.150
Gabriele Schallegger
94 0 94 – –
–
Kristian Brok
482 67 549 – –
–
Zwischensumme aktive Vorstände
(per Ende 2020)
1.190 427 1.617 526 624
1.150
Frank Gumbinger
282 514 796 420 353
773
Petra Preining
262 50 312 – –
–
Felix Fremerey
404
100 504 448 31
479
Summe
2.116 1.113 3.229 1.394 1.008
2.402
Jahresabschluss 2020 Semperit AG Holding 143
(5) Sonstige betriebliche Aufwendungen
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen gliedern sich wie folgt:
in TEUR
2020
2019
Aufwendungen aus Konzernverrechnungen
8.685
8.923
Beratungsaufwand
5.264
12.503
EDV Betriebskosten
3.568
3.049
Fremde Leistungen, Instandhaltung
2.984
2.733
Rechtskosten, Gebühren, Beiträge
2.240
2.314
Mieten
881
726
Übrige andere Aufwendungen
616
1.455
V
ersicherungsprämien
562
464
Reiseaufwand
289
1.142
Summe
25.089
33.309
Im Geschäftsjahr 2020 wurden 414 TEUR (Vorjahr: 443 TEUR) an Bezügen an den Aufsichtsrat aus-
bezahlt.
Für die im Geschäftsjahr 2020 erbrachten Dienstleistungen des Konzernabschlussprüfers Ernst &
Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H. sowie der Gesellschaften des weltweiten Ernst-&-Young-
Netzwerks wird an dieser Stelle auf die Anhangsangabe im IFRS-Konzernabschluss der Semperit-
Gruppe verwiesen.
(6) Erträge aus Beteiligungen
Im Geschäftsjahr 2020 erfolgte eine Gewinnausschüttung seitens der Semperit Engineering Technology
Asia Sdn Bhd in Höhe von 490 TEUR, welche zur Gänze geflossen ist. Des Weiteren wur-
den 75.000 TEUR an Gewinnen der Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H. im Geschäfts-
jahr 2020 phasenkongruent realisiert. Im Geschäftsjahr 2019 betrug die Gewinnausschüttung der
Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H. 40.000 TEUR
(7) Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
Die Zinserträge und ähnlichen Erträge in der Höhe von 11.107 TEUR (Vorjahr: 19.879 TEUR) kommen
überwiegend aus der Zuschreibung von ehemals wertberichtigten kurzfristigen Darlehen an verbunde-
nen Unternehmen in Höhe von 5.000 TEUR (Vorjahr: 0 TEUR), aus den Darlehenszinsen verbundener
Unternehmen in Höhe von 4.945 TEUR (Vorjahr: 10.894 TEUR) und aus der Fremdwährungsbewertung
von Darlehen. Die Zuschreibung betrifft ein kurzfristiges Darlehen an die Latexx Manufacturing Sdn
Bhd in Malaysia. Die Fremdwährungsgewinne belaufen sich auf 1.141 TEUR (Vorjahr: 15.184 TEUR).
(8) Erträge aus der Zuschreibung zu Finanzanlagen
Die Erträge aus der Zuschreibung zu Finanzanlagen in der Höhe von 5 TEUR (Vorjahr: 12.485 TEUR)
setzen sich ausschließlich aus der Zuschreibung von Wertpapieren des Anlagevermögens in Höhe von
5 TEUR (Vorjahr: 73 TEUR) zusammen.
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 144
(9) Aufwendungen aus Finanzanlagen
in TEUR
2020
2019
Aufwendungen aus Finanzanlagen
Abschreibungen
7.618
3.900
Summe
7.618
3.900
Im Geschäftsjahr 2020 kam es bei den Wertpapieren des Anlagevermögens zu keinen Aufwendun-
gen aufgrund von Marktbewertungen (Vorjahr: 0 TEUR). Es wurden Anteile an verbundenen Unterneh-
men in Höhe von 7.618 TEUR (Vorjahr: 3.900 TEUR) außerplanmäßig abgeschrieben.
(10) Zinsen und ähnliche Aufwendungen
Die Zinsen und ähnlichen Aufwendungen in der Höhe von 12.918 TEUR (Vorjahr: 31.882 TEUR) kamen
überwiegend aus den Zinsen für begebene Schuldscheindarlehen, aus Zinsen für Verbindlichkeiten aus
Hybridkapital und aus Fremdwährungsbewertungen. Im Vorjahr waren in den Zinsen und ähnlichen
Aufwendungen Wertberichtigungen von begebenen kurzfristigen Darlehen in Höhe von 11.000 TEUR
enthalten. Die Fremdwährungsverluste betragen 872 TEUR (Vorjahr: 9.921 TEUR).
(11) Steuern vom Einkommen und Ertrag
Die Steuern vom Einkommen und Ertrag setzen sich im Wesentlichen aus der Steuerumlage der
Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H. in Höhe von 3.828 TEUR (Vorjahr: –987 TEUR) sowie
nicht anrechenbaren Quellensteuern in Höhe von –572 TEUR (Vorjahr: –572 TEUR) und der Mindest-
körperschaftsteuer zusammen. Die aktiven latenten Steuern in Höhe von 4.106 TEUR (Vor-
jahr: 4.624 TEUR) waren angesichts der erhöhten Anforderungen, die an die Steuerplanung zu stellen
waren, nicht bilanzierungsfähig.
Die Gesellschaft ist Gruppenträger in einer Unternehmensgruppe gemäß § 9 KStG mit der
Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H. und der Sempertrans Conveyor Belt Solutions
GmbH. Das steuerlich maßgebliche Ergebnis der Gruppenmitglieder wird der Gesellschaft als Grup-
penträger zugerechnet. Gemäß dem mit Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H. und
Sempertrans Conveyor Belt Solutions GmbH abgeschlossenen Gruppen- und Steuerumlagevertrag
wird der dem steuerlich maßgeblichen Gewinn dieser Gruppenmitglieder zuordenbare Körperschaft-
steueraufwand an diese weiterbelastet. Bei Beendigung der Gruppe oder bei Ausscheiden eines Grup-
penmitgliedes aus der Gruppe nach Ablauf der Mindestdauer gemäß § 9 Abs. 10 1. Teilstrich KStG hat
unter bestimmten Voraussetzungen ein Schlussausgleich zu erfolgen.
Vorschlag zur Gewinnverwendung
Der Jahresabschluss der Semperit AG Holding zum 31. Dezember 2020 weist einen Bilanzgewinn
von 31.000 TEUR aus. Der Vorstand der Semperit AG Holding hat entschieden, der Hauptversammlung
eine Dividende in Höhe von EUR 1,50 je Aktie (Vorjahr: EUR 0,00 je Aktie) für das Geschäftsjahr 2020
zur Beschlussfassung vorzuschlagen.
Sonstige Angaben
Die B & C Semperit Holding GmbH ist der unmittelbare Mehrheitsgesellschafter der Semperit AG Hol-
ding und die B & C Privatstiftung ist der oberste beherrschende Rechtsträger. Mittelbar mehrheitlich
beteiligter Gesellschafter, der einen Konzernabschluss aufstellt und offenlegt, in den die Semperit-
Gruppe einbezogen ist, ist die B & C Holding Österreich GmbH. Die B & C Privatstiftung und ihre
Tochterunternehmen, Gemeinschaftsunternehmen und assoziierten Unternehmen sind gemäß § 238
Jahresabschluss 2020 Semperit AG Holding 145
Abs. 12 UGB der Semperit Gruppe nahestehende Unternehmen bzw. Personen. Sämtliche Geschäfts-
beziehungen zu nahestehenden Unternehmen bzw. Personen werden zu fremdüblichen Konditionen
getätigt.
Der Konzernabschluss der B & C Holding Österreich GmbH ist bei der B & C Holding Österreich
GmbH, Wien erhältlich. Die Semperit AG Holding, Wien, erstellt als oberstes Mutterunternehmen der
Semperit-Gruppe einen Teilkonzernabschluss nach § 245a UGB.
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 146
Mitglieder des Aufsichtsrats
1)
1)
Stand: 17. März 2021
2)
Mindestens zwei Mitglieder des Aufsichtsrats scheiden laut Satzung alljährlich mit Ablauf der ordentlichen Hauptversammlung aus.
3)
Haben dem Aufsichtsrat ihre Unabhängigkeit gemäß C-Regel 53 des Österreichischen Corporate Governance Kodex erklärt. Das Aufsichtsratsmandat von Mag. Petra Preining war
während ihrer Funktionsperiode als interimistischer Finanzvorstand ruhend gestellt.
4)
Keine Vertretung eines Anteilseigners über 10% (C-Regel 54 des Österreichischen Corporate Governance Kodex).
Geburtsjahr
Erstmalige Wahl in
den Aufsichtsrat Mandatsdauer
2)
Aufsichtsratsfunktionen in weiteren
börsennotierten Gesellschaften
Kapitalvertreter
Dr. Walter
Koppensteiner
V
orsitzender
3) 4)
1959 23.04.2012 Bis zur Hauptversammlung,
die über das Geschäftsjahr
2022 beschließt
–
Dr. Stefan Fida
V
orsitzende
r
-
Stellvertreter
3)
1979 29.04.2014 Bis zur Hauptversammlung,
die über das Geschäftsjahr
2020 beschließt
Lenzing AG
Dr. Klaus Friedrich Erkes
Mitglied
3) 4)
1958 23.05.2017 Bis zur Hauptversammlung,
die über das Geschäftsjahr
2022 beschließt
–
Dipl.-Wirt.-Ing. (FH)
Claus Möhlenkamp
Mitglied
3) 4)
1965 22.07.2020 Bis zur Hauptversammlung,
die über das Geschäftsjahr
2022 beschließt
–
Mag. Birgit Noggler
Mitglied
3)
1974 08.05.2019 Bis zur Hauptversammlung,
die über das Geschäftsjahr
2020 beschließt
Raiffeisen Bank International
Dipl.-Ing. Herbert Ortner
Mitglied
3)
1968 22.07.2020 Bis zur Hauptversammlung,
die über das Geschäftsjahr
2021 beschließt
AMAG AG
Mag. Petra Preining
Mitglied
3)
1973 23.05.2017 Bis zur Hauptversammlung,
die über das Geschäftsjahr
2023 beschließt
Frequentis AG
Dr. Astrid Skala-
Kuhmann
Mitglied
3)
1953 29.04.2014 Bis zur Hauptversammlung,
die über das Geschäftsjahr
2020 beschließt
Lenzing AG
Arbeitnehmervertreter
Betriebsratsfunktion
Mag. Sigrid Haipl
1960 26.03.2012 – Mitglied des Zentralbetriebsrats der
Semperit AG Holding, Vorsitzende des
Betriebsrats der Angestellten-Wien
Ing. Michaela Jagschitz
1961 29.04.2014 – Mitglied des Angestelltenbetriebsrates,
Wimpassing
Michael Schwiegelhofer
1975 08.03.2017 – Stellv. Vorsitzender des Zentralbetriebsrats
der Semperit AG Holding, Betriebsrats-
vorsitzender Arbeiter, Wimpassing
V
orsitzender des europäischen Betriebsrats
Ing. Markus Stocker
1979 01.01.2017 –
V
orsitzender des Zentralbetriebsrats der
Semperit AG Holding, Stellv. Vorsitzender
des europäischen Betriebsrats, Betriebs-
ratsvorsitzender Angestellte, Wimpassing
Jahresabschluss 2020 Semperit AG Holding 147
Ausgeschiedene Mitglieder des Aufsichtsrats
Ereignisse nach dem Abschlussstichtag
Es gab keine wesentlichen Ereignisse nach dem Abschlussstichtag, die weder in der Gewinn- und Ver-
lustrechnung noch in der Bilanz berücksichtigt sind.
Wien, am 17. März 2021
Der Vorstand
Geburtsjahr Erstmalige Wahl in den Aufsichtsrat
Mandatsdauer
Kapitalvertreter
Dipl.-Bw. Peter Edelmann
Mitglied
1959
08.05.2019 Niederlegung des Mandats
am 24.04.2020
Mag. Patrick Prügger
Mitglied
1975
14.04.2011 Niederlegung des Mandats
am 22.07.2020
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 / Beilagen 148
Beilage 1
Entwicklung des Anlagevermögens im Geschäftsjahr 2020
A n s c h a f f u n g s k o s t e n
in EUR
Stand am
01.01.2020 Zugänge
Um-
buchungen Abgänge
Stand am
31.12.2020
I. Immaterielle
Vermögensgegenstände
1. Konzessionen, Rechte
12.507.131,36 99.480,50 139.291,50 0,00
12.745.903,36
2. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in
Bau
144.042,92 724.379,30 –139.291,50 0,00
729.130,72
12.651.174,28 823.859,80 0,00 0,00
13.475.034,08
II. Sachanlagen
1. Bauten auf fremdem Grund
706.380,78 0,00 0,00 0,00
706.380,78
2. Andere Anlagen, Betriebs- und
Geschäftsausstattung
1.568.203,92 92.894,54 540,55 –30.105,04
1.631.533,97
3. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in
Bau
540,55 25.138,45 –540,55 0,00
25.138,45
4. Geringwertige
Vermögensgegenstände
45.765,48 18.336,01 0,00 –125,63
63.975,86
2.320.890,73 136.369,00 0,00 –30.230,67
2.427.029,06
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen
Unternehmen
265.356.375,27 6.237.948,39 0,00 0,00
271.594.323,66
2. Ausleihungen an verbundene
Unternehmen
77.466.097,70 21.000.000,00 0,00 –30.473.900,70
67.992.197,00
3. Wertpapiere des
Anlagevermögens
4.673.761,73 0,00 0,00 0,00
4.673.761,73
347.496.234,70 27.237.948,39 0,00 –30.473.900,70
344.260.282,39
362.468.299,71 28.198.177,19 0,00 –30.504.131,37
360.162.345,53
Jahresabschluss 2020 / Beilagen Semperit AG Holding 149
K u m u l i e r t e A b s c h r e i b u n g e n
in EUR
Stand am
01.01.2020 Zugänge
Um-
buchungen Abgänge
Zuschreib-
ungen
Stand am
31.12.2020
I. Immaterielle
Vermögensgegenstände
1. Konzessionen, Rechte
11.100.242,87 545.200,92 0,00 0,00 0,00
11.645.443,79
2. Geleistete Anzahlungen und
Anlagen in Bau
0,00
0,00
11.100.242,87 545.200,92 0,00 0,00 0,00
11.645.443,79
II. Sachanlagen
1. Bauten auf fremdem Grund
625.677,60 44.112,19 0,00 0,00 0,00
669.789,79
2. Andere Anlagen, Betriebs-
und Geschäftsausstattung
1.159.852,46 178.556,64 0,00 –25.561,53 0,00
1.312.847,57
3. Geleistete Anzahlungen und
Anlagen in Bau
0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
0,00
4. Geringwertige
Vermögensgegenstände
45.765,48 18.336,01 0,00 –125,63 0,00
63.975,86
1.831.295,54 241.004,84 0,00 –25.687,16 0,00
2.046.613,22
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen
Unternehmen
30.209.512,30 7.618.193,44 0,00 0,00 0,00
37.827.705,74
2. Ausleihungen an verbundene
Unternehmen
0,00 377.273,69 0,00 0,00
377.273,69
3. Wertpapiere des
Anlagevermögens
5.390,63 0,00 0,00 0,00 –5.345,92
44,71
30.214.902,93 7.995.467,13 0,00 0,00 –5.345,92
38.205.024,14
43.146.441,34 8.781.672,89 0,00 –25.687,16 –5.345,92
51.897.081,15
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 / Beilagen 150
B u c h w e r t e
in EUR
Stand am
31.12.2020
Stand am
31.12.2019
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1. Konzessionen, Rechte
1.100.459,57
1.406.888,49
2. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau
729.130,72
144.042,92
1.829.590,29
1.550.931,41
II. Sachanlagen
1. Bauten auf fremdem Grund
36.590,99
80.703,18
2. Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung
318.686,40
408.351,46
3. Geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau
25.138,45
540,55
4. Geringwertige Vermögensgegenstände
0,00
0,00
380.415,84
489.595,19
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen Unternehmen
233.766.617,92
235.146.862,97
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen
67.614.923,31
77.466.097,70
3. Wertpapiere des Anlagevermögens
4.673.717,02
4.668.371,10
306.055.258,25
317.281.331,77
308.265.264,38
319.321.858,37
Jahresabschluss 2020 / Beilagen Semperit AG Holding 151
Beilage 2
Stand der Anteile an verbundenen Unternehmen zum 31. Dezember 2020
Währung
Nominal-
kapital
Beteiligung
in %
Inlandsbeteiligungen
Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H., Wien, Österreich
EUR 61.700.925
100,00
Sempertrans Conveyor Belt Solutions GmbH, Wien, Österreich
EUR 3.136.336
100,00
Auslandsbeteiligungen
Sempertrans India Pte. Ltd., Roha, Maharashtra, Indien
INR 662.769.000
99,99
Sempertrans France Belting Technology S.A.S, Argenteuil, Frankreich
EUR 2.542.316
100,00
Sempertrans Best (Shandong) Belting Co. Ltd., Shandong, China
EUR 24.800.000
83,87
Semperit (Shanghai) Management Co. Ltd., Shanghai, China
USD
2.570.000
100,00
Semperit Engineering Technology Asia Sdn Bhd, Penang, Malaysia
MYR
600.000
100,00
Semperit Brasil Produtos Tècnicos Ltda., Sao Paulo, Brasilien
BRL 640.501
0,01
Semperit AG Holding Jahresabschluss 2020 / Beilagen 152
1) Jahresergebnis und Eigenkapital gemäß Konzernberichtswesen nach IFRS
Anteiliger
Nennwert
Fremd-
währung
Buchwert
31.12.2019
Buchwert
31.12.2020
Jahresergebnis
2020
TEUR
1)
Eigenmittel
2020
TEUR
1)
Inlandsbeteiligungen
Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H., Wien,
Österreich
61.700.925 193.802.278 193.802.278 101.343
253.350
Sempertrans Conveyor Belt Solutions GmbH, Wien, Österreich
3.136.336 23.107.438 28.827.161 –3.468
23.249
216.909.716 222.629.439 97.875
276.599
Auslandsbeteiligungen
Sempertrans India Pte. Ltd., Roha, Maharashtra, Indien
662.702.723 6.300.000 0 –1.279
4.025
Sempertrans France Belting Technology S.A.S, Argenteuil,
Frankreich
2.542.316 6.499.968 6.100.000 389
2.801
Sempertrans Best (Shandong) Belting Co. Ltd., Shandong, China
20.800.000
4.500.000 4.100.000 –474
4.978
Semperit (Shanghai) Management Co. Ltd., Shanghai, China
2.570.000 800.000 800.000 16
862
Semperit Engineering Technology Asia Sdn Bhd, Penang,
Malaysia
600.000 137.179 137.179 209
139
Semperit Brasil Produtos Tècnicos Ltda., Sao Paulo, Brasilien
64 0 0 0
0
18.237.147 11.137.179 –1.139
12.805
235.146.863 233.766.618 96.736
289.404
Jahresabschluss 2020 / Beilagen Semperit AG Holding 153
Beilage 3
Rückstellungsspiegel zum 31. Dezember 2020
in TEUR
Stand am
01.01.2020
V
erwendung Auflösung Zuführung
Stand am
31.12.2020
1. Rückstellung für Abfertigungen
1.577 –57 –46 215
1.689
2. Rückstellung für Pensionen
11.142 –1.035 0 1.266
11.373
3. Sonstige Rückstellungen
Personalbereich:
Rückstellung für Prämien
3.917 –3.896 0 7.138
7.159
Nicht konsumierte Urlaube
1.289 –1.289 0 1.542
1.542
Jubiläumsgelder
224 –27 0 24
221
Zeitsalden
63 –63 0 58
58
Sonstige Personalrückstellungen
13 –13 0 13
13
5.506 –5.288 0 8.775
8.993
Sonstige:
Rückstellung für Rechts- und Beratungsaufwand
2.517
–2.041 –476 796
796
Sonstige Vorsorgen
602 –464 –89 361
410
3.119 –2.505 –565 1.157
1.206
8.625 –7.793 –565 9.932
10.199
21.344 –8.885 –611 11.413
23.261
Semperit AG Holding Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 154
Die Semperit AG Holding ist die geschäftsleitende Holdinggesellschaft der Semperit-Gruppe und
nimmt neben der finanziellen Beteiligung an den rechtlich selbständigen Tochterunternehmen auch
Führungs- und Steuerungsaufgaben wahr (wie z.B. Unternehmensentwicklung, Unternehmenskom-
munikation, Investor Relations, Markenmanagement, Personalmanagement, Compliance, Konzern-
rechnungswesen und -steuern, Controlling, Treasury, Innenrevision, Risikomanagement, Recht, IT,
Einkauf und Logistik). Vor diesem Hintergrund wird im Lagebericht der Semperit AG Holding vorwie-
gend auf die Semperit-Gruppe eingegangen.
1. Bericht über den Geschäftsverlauf und die wirtschaftliche Lage
Wirtschaftliches Umfeld
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinen, im Jänner 2021, veröffentlichten Wachstums-
prognosen den weltweiten Wachstumsrückgang in 2020 auf –3,5 Prozent geschätzt, 0,9 Prozentpunkte
mehr als in der vorherigen Schätzung prognostiziert (was eine stärker als erwartete Dynamik in der
zweiten Jahreshälfte 2020 widerspiegelt. Die globale Wachstumsprognose für das Jahr 2021 hat sich
im Vergleich zur Version vom Oktober 2020 trotz der andauernden weltweiten Corona-Pandemie
(SARS-CoV-2) geringfügig verbessert (um 0,3 Prozentpunkte): Das globale Wirtschaftswachstum im
Jahr 2021 soll statt der im Oktober 2020 prognostizierten 5,2% laut aktueller Schätzung 5,5% in 2021
betragen (2020: –3,5%). Für das Jahr 2021 liegt die Prognose für die Eurozone bei 4,2% (bisher 5,2%)
nach –7,2% im Jahr 2020. Die Wachstumserwartungen für die Eurozone in 2021 fallen damit im Ver-
gleich zu dem im Oktober 2020 veröffentlichten positiven Weltwirtschaftsausblick des IWF um
–1,0 Prozentpunkte schlechter aus. Auch für die drei großen Volkswirtschaften der Eurozone, also
Deutschland, Frankreich und Italien, verschlechtern sich die Prognosen der Wachstumserwartung für
Deutschland um –0,7, für Frankreich um –0,5 und für Italien um –2,2 Prozentpunkte.
1
Auch das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) berichtet in seinem im Jänner 2021 veröffentlichten
Rückblick auf das Geschäftsjahr 2020 über besonders starke Auswirkungen auf die Leistungsbilanzsal-
den insbesondere für China und die USA. Aber auch der deutsche Leistungsbilanzüberschuss redu-
zierte sich um 0,2 Prozentpunkte in Relation zur Jahreswirtschaftsleistung.
2
In welchem Ausmaß der
weitere Verlauf der Pandemie – insbesondere in Europa – die Prognosen und Erwartungen für 2021
beeinflussen wird, ist aktuell noch nicht abschätzbar.
Bei den größten Belastungen für die globale Wirtschaftsentwicklung stand im Geschäftsjahr 2020
zweifellos die weltweite Wirtschaftskrise, bedingt durch die Corona-Pandemie, im Vordergrund und
stellte andere wirtschaftliche Faktoren wie Handelskonflikte (USA, China) in den Schatten. Gegenwär-
tig besteht Hoffnung für einen langsamen Erholungskurs, dessen Entwicklung stark von dem Fortschritt
der Corona-Impfkampagnen abhängig ist.
Corona
Die Corona-Pandemie (SARS-CoV-2) hat die wirtschaftliche Entwicklung weltweit beeinträchtigt. Die
Auswirkungen von Corona auf die Semperit-Gruppe waren in den Sektoren Medizin und Industrie al-
lerdings gegenläufig. Um die Corona-Krise bestmöglich managen zu können, hat die Semperit-Gruppe
frühzeitig entsprechende Maßnahmen eingeleitet.
Für alle MitarbeiterInnen wurden umfassende und bestmögliche Maßnahmen zum verstärkten
Schutz der Gesundheit eingeführt. Am Standort in Wien wurden zunächst zwischen Mitte März und der
zweiten Mai-Hälfte alle Personen, die nicht in die operativen Produktionsprozesse eingebunden sind,
1)
https://www.imf.org/en/Publications/WEO/Issues/2021/01/26/2021-world-economic-outlook-update
2)
Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die globalen Leistungsbilanzsalden | Veröffentlichung | ifo Institut (Jänner 2021)
Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020
Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 Semperit AG Holding 155
auf Home-Office umgestellt. Eine schrittweise Wiederaufnahme des Bürobetriebes – in zwei getrennten
Teams – wurde ab der zweiten Mai-Hälfte 2020 umgesetzt. Aufgrund der erneut stark ansteigenden
Infektionszahlen wurden jedoch ab Ende September alle Personen, die nicht in operative Produktions-
prozesse eingebunden sind, neuerlich auf Homeoffice umgestellt. Eine schrittweise Wiederaufnahme
des Bürobetriebes in Wien – in zwei getrennten Teams – wird in Abhängigkeit vom weiteren Infektions-
geschehen frühestens ab Mai 2021 umgesetzt. Die ab der ersten Stunde gesetzten Maßnahmen gegen
die Ausbreitung von Corona haben sich während des gesamten Jahres wirkungsvoll gezeigt. Bis Ende
des Geschäftsjahres 2020 sind in der Semperit AG Holding in Summe 7 Personen positiv auf Corona
getestet worden.
Die Corona-Effekte hatten im Geschäftsjahr 2020 kaum negative Auswirkungen auf die Vermögens-,
Finanz- und Ertragslage der Semperit AG Holding. Lediglich die außerplanmäßige Abschreibung der
Beteiligung an der Sempertrans India Pte. Ltd. kann in gewisser Weise auf die durch die Corona-Pan-
demie negativ beeinflussten weltwirtschaftlichen Rahmen zurückgeführt werden. In Bezug auf die Auf-
rechterhaltung der stabilen finanziellen Position hat das Management einen starken Fokus auf die Si-
cherung der Liquidität bei einer gleichzeitigen Optimierung der Finanzierungsaufwendungen gesetzt.
Die Lage wird kontinuierlich sehr genau beobachtet. Die internationalen Entwicklungen, insbeson-
dere der Anstieg des Infektionsgeschehens seit Herbst, machen deutlich, dass die Corona-Pandemie –
auch angesichts der nur zögerlich startenden Impfkampagne – noch lange nicht vorbei sein wird; viel-
mehr wird sie uns noch in den kommenden Monaten begleiten. Daher setzt die Semperit-Gruppe alles
daran, die im Umgang mit der Krise bisher erfolgreichen Maßnahmen fortzuführen bzw. erforderlichen-
falls weitere vorbereitete Maßnahmen umgehend umzusetzen – sei es zum Schutz der Gesundheit der
MitarbeiterInnen oder zur Sicherstellung der Profitabilität des Unternehmens. Durch das laufende Mo-
nitoring soll die unmittelbare und flexible Reaktionsfähigkeit gewährleistet bleiben.
Geschäftsverlauf und Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Semperit AG Holding
Die Umsatzerlöse betrugen im Jahr 2020 insgesamt 29.180 TEUR gegenüber 26.154 TEUR im
Jahr 2019 (+11,6%) und resultieren aus Konzernverrechnungen. Die Veränderung ist im Wesentlichen
auf den Anstieg von Personalkosten, die als Grundlage für die Verrechnung von Dienstleistungen der
in der Semperit AG Holding angesiedelten Zentralfunktionen der Semperit-Gruppe dienen, zurückzu-
führen.
Der Anstieg der Gehälter auf 22.097 TEUR (Vorjahr: 17.696 TEUR) ist auf die Erhöhung der kurzfris-
tigen und langfristigen variablen Vergütungen im Rahmen der Group Bonus Policy und auf temporäre
doppelte Postenbesetzungen ausscheidender und neu eintretender Führungskräfte zurückzuführen.
Die Veränderung im Bereich der sozialen Aufwendungen auf 5.852 TEUR (Vorjahr: 4.747 TEUR) ist
hauptsächlich auf die Erhöhung von versicherungsmathematischenVerlustenzurückzuführen.
Die verminderten Abschreibungen sind im Wesentlichen auf das Ende der Nutzungsdauer von im-
materiellen Vermögensgegenständen im Bereich von Software und deren Entwicklung zurückzuführen.
Der verminderte Beratungsaufwand innerhalb der Sonstigen betrieblichen Aufwendungen ist im
Wesentlichen auf den Wegfall von Kosten für strategische Projekte im Zusammenhang mit der Grund-
satzentscheidung zur Trennung vom Sektor Medizin und der Wachstumsstrategie „Semper-
Growth200“ zurückzuführen. Der Rückgang der Posten Reiseaufwand sowie Übrige andere Aufwen-
dungen ist bedingt durch die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie.
Der Anstieg von Erträgen aus Beteiligungen ist hauptsächlich auf 75.000 TEUR aus einer geplanten
Gewinnausschüttung der Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H. zurückzuführen, die im
Geschäftsjahr 2020 phasenkongruent realisiert worden sind und ursächlich aus einer Interimsdividende
der Semperit Investments Asia Pte. Ltd. stammen. Der Forderung aus diesen Gewinnen steht ein unter
den Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen ausgewiesenes Upstream-Darlehen der
Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H. in derselben Höhe gegenüber.
Semperit AG Holding Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 156
In den Aufwendungen aus Finanzanlagen sind die außerplanmäßigen Abschreibungen auf die Be-
teiligung an Sempertrans India Pte. Ltd. in Höhe von 6.818 TEUR enthalten. Die restlichen Aufwendun-
gen auf Finanzanlagenentfallen auf außerplanmäßige Abschreibungen der Beteiligungen an der in Li-
quidation befindlichen Sempertrans Best (ShanDong) Belting Co. Ltd. und an der Sempertrans France
Belting Technology S.A.S..
Die Verminderung von sonstigen Zinsen und ähnlichen Erträgen ist im Wesentlichen auf den Wegfall
von Zinserträgen aus den getilgten Darlehen an verbundenen Unternehmen, sowie auf Fremdwäh-
rungseffekte zurückzuführen. Im Geschäftsjahr 2020 erfolgte darüber hinaus eine Zuschreibung in
Höhe 5.000 TEUR bei einem kurzfristigen Darlehen an die Latexx Manufacturing Sdn Bhd.
Die Veränderungen von Zinsen und ähnlichen Aufwendungen gegenüber verbundenen Unterneh-
men ergeben sich aus der Wertberichtigung von begebenen kurzfristigen Darlehen an Latexx Manu-
facturing Sdn Bhd aus dem Vorjahr in Höhe von 11.000 TEUR. Der Wegfall von Bereitstellungsgebüh-
ren für den nicht ausgenützten Teil des Hybridkapitals, sowie auch der Effekt aus
Fremdwährungsverlusten führten zu einer Reduktion der sonstigen Zinsen und ähnlichen Aufwendun-
gen. Den Zinsaufwand mindernd wirkten auch die vorzeitigen und planmäßigen Tilgungen von Schuld-
scheindarlehen.
Der Jahresüberschuss belief sich im Geschäftsjahr 2020 auf 45.861 TEUR nach einem Jahresüber-
schuss von 4.556 TEUR im Vorjahr. Der Jahresabschluss der Semperit AG Holding zum 31. Dezember
2020 weist einen Bilanzgewinn von 31.000 TEUR aus. Der Vorstand der Semperit AG Holding hat ent-
schieden, der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von EUR 1,50 je Aktie (Vorjahr: EUR 0,00 je
Aktie) für das Geschäftsjahr 2020 zur Beschlussfassung vorzuschlagen.
Was die Vermögenslage der Semperit AG Holding angeht, so ist insbesondere auf die Investitions-
tätigkeit zur Finanzierung verbundener Unternehmen einzugehen: Die Veränderung der Anteile an ver-
bundenen Unternehmen betrifft eine Kapitalerhöhung der Sempertrans India Pte. Ltd. In Höhe von
520 TEUR. Weiters wurden Gesellschafterzuschüsse an die Sempertrans Conveyor Belt Solutions GmbH
begeben. Vermögensmindernd erfolgten Abschreibungen an der Sempertrans France Belting Techno-
logy S.A.S., der Sempertrans India Pte. Ltd. und der Sempertrans Best (Shandong) Belting Co. Ltd. in
Höhe von insgesamt 7.618 TEUR. Die Verminderung der Ausleihungen an verbundenen Unternehmen
resultiert zum überwiegenden Teil aus der Rückführung von Darlehen. Die Erhöhung der Forderungen
gegenüber verbundenen Unternehmen ist auf die Forderung aus Gewinnausschüttungen gegenüber
der Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H. zurückzuführen. Vermögenserhöhend wirkte
weiters die Zuschreibungen eines kurzfristigen Darlehens an die Latexx Manufacturing Sdn Bhd in Höhe
von 5.000 TEUR. Die Verminderung der sonstigen Forderungen resultiert aus der Zahlung von Forde-
rungen aus der Versicherungsentschädigungen.
Was die Finanzlage der Semperit AG Holding angeht, so sind insbesondere die Veränderungen der
langfristigen Finanzierungen zu erwähnen. Im März 2020 wurde die bestehende Rahmenkreditlinie neu
verhandelt, abgeändert und bis 22. Dezember 2023 verlängert. Die Rahmenkreditlinie beläuft sich nun
auf 75.000 TEUR; sie war zum Abschlussstichtag nicht gezogen. Die neuen Regelungen sehen vor, dass
Kreditvertragsklauseln nur bei Inanspruchnahme der Rahmenkreditlinie einzuhalten sind. Die Margen
wurden an die aktuelle Bonitätseinstufung der Semperit-Gruppe angepasst. Im August 2020 wurde die
nicht gezogene Hybridkapital-Linie in Höhe von 20.000 TEUR zurückgelegt. Weiters erfolgten freiwil-
lige Rückzahlungen des Hybridkapitals. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2020 wurden
20.000 TEUR und im vierten Quartal 80.000 TEUR zurückgezahlt. Das noch ausständige Hybridkapital
in Höhe von 30.000 TEUR soll bis spätestens im April 2021 zurückbezahlt werden.
Die Reduktion bei den Schuldscheindarlehen resultierte teils aus vorzeitigen, teils aus planmäßigen
Tilgungen in Höhe von insgesamt 34.500 TEUR. Die Erhöhung der Verbindlichkeiten gegenüber ver-
bundenen Unternehmen ist im Wesentlichen auf ein Upstream Darlehen der Semperit Technische Pro-
dukte Gesellschaft m.b.H. zurückzuführen.
Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 Semperit AG Holding 157
Die verkürzte Geldflussrechnung der Semperit AG Holding ist wie folgt:
in TEUR
2020
2019
Netto-Geldfluss aus laufender Geschäftstätigkeit
–20.112
–9.605
Netto-Geldfluss aus Finanzinvestitionen in verbundene Unternehmen
43.991
67.183
Netto-Geldfluss aus Investitionstätigkeit
–960
–603
Netto-Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit
–60.058
–35.588
Zahlungswirksame Veränderung des Finanzmittelbestands
–37.139
21.387
Die Veränderung des Netto-Geldflusses aus laufender Geschäftstätigkeit ist insbesondere durch die
Veränderung der Stände an Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen bedingt. Die Verän-
derung des Netto-Geldflusses aus Finanzinvestitionen in verbundene Unternehmen ist insbesondere
durch gestiegene Rückführungen konzerninterner Finanzierungen zur Zentralisierung von Barmitteln in
der Semperit AG Holding bedingt. Die Veränderung des Netto-Geldflusses aus der Finanzierungstä-
tigkeit ist insbesondere durch konzerninterne Kreditaufnahmen (aus dem Cash-Pool und aus einem
Upstream-Darlehen der Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H.) zur Zentralisierung von Bar-
mitteln, durch höhere Tilgungen von Schuldscheindarlehen und durch Rückführungen des Hybridkapi-
tals in Höhe von insgesamt 100.000 TEUR bedingt.
Finanzielle und nichtfinanzielle Leistungsindikatoren der Semperit AG Holding
Kennzahlen
in TEUR
2020
2019
Gesamtkapitalrentabilität
12,3%
4,4%
Eigenkapitalrentabilität
45,1%
8,8%
Eigenkapitalquote
26,4%
16,0%
EBIT (um Nettozinsaufwand bereinigtes Ergebnis vor Steuern)
54.174
8.731
Nettoverschuldungsgrad
237,8%
407,7%
Die Gesamtkapitalrentabilität wird wie folgt berechnet: Ergebnis vor Steuern plus Fremdkapitalzin-
sen in Beziehung zum durchschnittlichen Gesamtkapital. Die Eigenkapitalrentabilität wird wie folgt be-
rechnet: Ergebnis vor Steuern in Beziehung zum durchschnittlichen Eigenkapital. Die Eigenkapitalquote
berechnet sich als das Verhältnis von Eigenkapital zu Gesamtkapital. Der Nettoverschuldungsgrad (das
„Gearing“) wird definiert als das Verhältnis von Nettoverschuldung (verzinsliches Fremdkapital ein-
schließlich Sozialkapital abzüglich flüssiger Mittel) zum Eigenkapital.
Semperit AG Holding Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 158
Die Börsenkennzahlen haben sich im Geschäftsjahr 2020 wie folgt entwickelt:
Semperit Aktie im Überblick
1.1. -
31.12.2020
V
eränderung
1.1. -
31.12.2019
Kurs zum Stichtag
in EUR 24,30 +118,1%
11,14
Tiefstkurs
in EUR 7,00 –31,5%
10,22
Höchstkurs
in EUR 25,00 +73,9%
14,38
Marktkapitalisierung zum Stichtag
in Mio. EUR 499,9 +118,1%
229,2
Anzahl der ausgegebenen Aktien
in Stk. 20.573.434 –
20.573.434
Ergebnis je Aktie
1)
in EUR 9,06 –
–2,50
Dividende je Aktie
in EUR 1,50 –
0,00
Durchschnittlicher Börsenumsatz / Tag
2)
in TEUR 465 +204,1%
153
Durchschnittlich gehandelte Aktien pro Tag
2)
in Stk. 27.390 +124,3%
12.213
1)
Auf Aktionäre der Semperit AG Holding entfallend.
2)
in Einzelzählung
Die Semperit AG Holding lebt als international tätiges Unternehmen ein Arbeitsklima, in welchem
Leistungsorientierung und Leistungsförderung eine tragende Rolle spielen. Entsprechende Fortbil-
dungs- und Mitarbeiterentwicklungsmaßnahmen stellen wesentliche Eckpfeiler dar. Für weitere Erläu-
terungen wird auf die entsprechenden Abschnitte im Nachhaltigkeitsbericht verwiesen. Die durch-
schnittliche Mitarbeiterzahl (FTE) im Jahr 2020 betrug 130 Personen (128 Personen im Jahr 2019).
Zweigniederlassungen
Es bestand im Geschäftsjahr 2020 weiterhin eine Zweigniederlassung in Wimpassing, Niederösterreich.
2. Bericht über die Forschung und Entwicklung
Der Bereich Forschung und Entwicklung wird im Forschungszentrum Wimpassing der Semperit Techni-
sche Produkte Gesellschaft m. b. H., ein 100%iges Tochterunternehmen der Semperit AG Holding,
akkordiert und gesteuert.
3. Bericht über Risikomanagementsystem und
Internes Kontrollsystem (IKS)
Grundprinzipien des Risikomanagements (Enterprise Risk Management)
Die Risikopolitik der Semperit-Gruppe entspricht dem Bestreben, Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten
und den Unternehmenswert der Semperit-Gruppe damit langfristig zu steigern.
Dabei steuert die Semperit AG Holding Risiken, indem diese reduziert, vermieden oder transferiert
werden sollen. Das konzernweite Risikomanagement der Semperit-Gruppe ist integraler Bestandteil
der Planung und Umsetzung der Geschäftsstrategien von Semperit, wobei die Risikopolitik durch den
Vorstand vorgegeben wird. Entsprechend der Organisation und Verantwortungshierarchien sind alle
Konzernunternehmen dazu verpflichtet, dem vorgegebenen Risikomanagementprozess zu folgen und
diesen umzusetzen. Das Enterprise Risk Management ist organisatorisch in der Abteilung Group Risk
Management & Assurance in der Semperit AG Holding eingeordnet.
Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 Semperit AG Holding 159
Prozess des unternehmensweiten Risikomanagements
(Enterprise Risk Management Prozess)
Die Semperit-Gruppe bedient sich aufeinander abgestimmter Interner Kontroll- und Risikomanage-
ment Systeme, die die Semperit-Gruppe dabei unterstützen, bestandsgefährdende, wesentliche Risi-
ken und negative Überraschungen, frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren. Das größte Gewicht ha-
ben dabei konzernweite Prozesse und Entwicklungen, die dazu dienen, potenzielle Risiken möglichst
lange vor wesentlichen Geschäftsentscheidungen abschätzen zu können. Das interne Berichtswesen
ermöglicht es, solche Risiken im Geschäftsverlauf genauer zu überwachen.
Das Risikomanagement der Semperit-Gruppe basiert auf einem umfassenden Enterprise-Risk-Ma-
nagement-Ansatz (ERM-Ansatz), der in der Unternehmensorganisation integriert ist. Der ERM-Ansatz
basiert dabei auf einem weltweit anerkannten Rahmenkonzept des Committee of Sponsoring Orga-
nizations of the Treadway Commission (COSO), dem „Enterprise Risk Management – Integrated Frame-
work“ (2017). Der ERM-Prozess zielt auf eine frühzeitige Identifizierung, Bewertung und Steuerung von
Risiken ab, die das Erreichen strategischer, operativer, finanzieller, sozialer, Governance- und Compli-
ance-relevanter, arbeitssicherheitstechnischer, gesundheits- und umweltbezogener (HSEQ) Ziele des
Konzerns im wesentlichen Maß beeinflussen können. Im Rahmen des ERM-Ansatzes beträgt der Be-
richtszeitraum für die Risikoeinschätzung ein Jahr und fünf Jahre, entsprechend der Mittelfristplanung.
Der ERM-Ansatz basiert auf einem Nettoprinzip, demgemäß nur Risiken adressiert werden, die nach
Durchführung bestehender (Kontroll-)Maßnahmen verbleiben. Der Umsetzungsfortschritt der risikore-
duzierenden Maßnahmen wird regelmäßig nachverfolgt.
Relevante Risiken werden aus verschiedenen Perspektiven priorisiert und später ihre Auswirkung
und Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Durch die Bottom-up Identifizierung und Priorisierung wird
sichergestellt, dass potenzielle neue Risiken auf Managementebene zur Diskussion gestellt und danach,
bei Relevanz, in die Berichterstattung aufgenommen werden. Diese Risiken werden mit der Segment-
leitung (top-down) diskutiert und abgestimmt. Mindestens einmal jährlich erfolgt eine umfassende Ri-
sikoberichterstattung der Einzelrisiken samt Aggregation an den Prüfungsausschuss und Aufsichtsrat.
Organisation des Risikomanagements und der Verantwortlichkeiten
Zur Überwachung des ERM-Prozesses und um die Integration und Vereinheitlichung bestehender
Kontrollaktivitäten in Einklang mit den rechtlichen und operativen Anforderungen weiter voranzutrei-
ben, hat der Vorstand das Risikomanagement Board eingerichtet. Dieses Board setzt sich aus CEO,
CFO und Group Risk Management & Assurance zusammen. Bei Bedarf wird auch der COO hinzuge-
zogen. Darüber hinaus werden die Top-Risiken quartalsweise im Vorstand einem Monitoring unterzo-
gen.
Die Abteilung Group Risk Management & Assurance wird von den einzelnen Konzernunternehmen
im Prozess unterstützt. Das Update über die Maßnahmen erfolgt über die Risiko- bzw. Maßnahmenver-
antwortlichen. Versicherbare Risiken werden, soweit ökonomisch sinnvoll, über Versicherungen abge-
deckt. Die für das Risikomanagement relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen und Grundsätze
sind in der Risk-Management-Guideline festgehalten.
Die Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H. hat die Funktionsfähigkeit des Risikoma-
nagementsystems von Semperit für das Geschäftsjahr2020 im Berichtsjahr 2021 gemäß C-Regel 83 des
Österreichischen Corporate Governance Kodex geprüft und bestätigt.
Risikobericht
Die globale wirtschaftliche Entwicklung mit ihren regional stark unterschiedlichen Ausprägungen stellt
die Semperit-Gruppe als international tätige Unternehmensgruppe laufend vor neue Herausforderun-
gen. Die Semperit-Gruppe ist in Ländern aktiv, in denen unterschiedliche wirtschaftliche
Semperit AG Holding
Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020
160
Rahmenbedingungen herrschen. Ebenso befinden sich die Länder in unterschiedlichen Phasen politi-
scher, rechtsstaatlicher sowie sozialer Entwicklung. Der Erfolg der zwei Sektoren bzw. der fünf operati-
ven Segmente der Semperit-Gruppe ist aufgrund ihrer strategischen Ausrichtung unterschiedlich stark
von der gesamtwirtschaftlichen Situation abhängig. Zusätzlich prägte die globale Corona-Pandemie
das Jahr 2020 durch Unsicherheit und stellte die Semperit-Gruppe vor neue Herausforderungen.
Die weltweite Präsenz und die von unterschiedlichen Marktfaktoren abhängigen Segmente der
Semperit-Gruppe stellen eine Diversifikation und damit Streuung der Risiken dar.
Nachstehend werden ausgewählte Einzelrisiken mit Fokus auf ihre Bedeutung für die Semperit-
Gruppe erläutert. Zusätzlich zu den hier angeführten Risiken bestehen möglicherweise weitere strate-
gische, operative, finanzielle, soziale, Governance-, Compliance-relevante, arbeitssicherheitstechni-
sche, gesundheits- und umweltbezogene (HSEQ) sowie sonstige externe Risiken, die der Semperit-
Gruppe aktuell noch nicht bekannt oder bewusst sind. Bei Eintritt eines oder mehrerer bekannter oder
unbekannter Risiken besteht die Möglichkeit erheblicher nachteiliger Auswirkungen auf die Geschäfts-,
Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie Reputation der Semperit-Gruppe. An den relevanten Stellen
wird auf die für die Semperit AG Holding spezifischen Risiken gesondert hingewiesen.
Strategische Risiken
Transformations, Restrukturierungs- und Governance-Risiken
Nach drei Jahren erfolgreicher Restrukturierung, Transformations- und Kostensenkungsinitiativen, einer
Evaluierung des Portfolios der Semperit-Gruppe sowie Anpassungen im Produktionsfootprint, konnten
im Geschäftsjahr 2020 wesentliche Meilensteine wie Margensteigerungen und Effizienzverbesserungen
erreicht werden. Die Modernisierung mancher Management-Informationssysteme bzw. die Implemen-
tierung neuer Strukturen und standardisierter Prozesse ist noch nicht zur Gänze abgeschlossen und
könnte daher zu Risiken der Unternehmenssteuerung führen. Diesem Risiko wird durch das Vorantrei-
ben von Projekten zur Transformation im Finanzbereich entgegengewirkt.
Es besteht das Risiko, dass die getroffenen Transformations- und Governance-Maßnahmen zeitlich
länger dauern und mit höheren Kosten verbunden sind, sodass ihr tatsächlicher Nutzen geringer ist als
ursprünglich geschätzt, diese später wirken als angenommen oder ihre Wirkung zur Gänze ausbleibt.
Die Profitabilität der Semperit-Gruppe wird jedenfalls durch die tatsächlich erzielten Einsparungen und
die Fähigkeit der Semperit-Gruppe beeinflusst, die fortlaufenden Projekte nachhaltig umzusetzen.
Operative Risiken
Risiken der Organisation
Die Ordnung der Semperit-Gruppe in Form einer Matrixorganisation ist global noch nicht vollständig
ausgereift und beinhaltet teilweise Prozessüberlappungen, Inflexibilität und Ineffizienz. Entscheidungs-
wege als Reaktion auf marktbedingte oder krisenhafte Entwicklungen sind potenziell mit dem Risiko
einer zeitlichen Verzögerung oder anderen Ineffizienzen behaftet. Die Steuerungssysteme sowie die
Messung von Schlüsselkennzahlen gegenüber internen und externen Benchmarks unterliegen einer
fortlaufenden Weiterentwicklung. Aufgrund der dadurch eingeschränkten Transparenz könnten Fehl-
entscheidungen getroffen werden. Des Weiteren besteht ein potenzielles Risiko, bestehende Wettbe-
werbsvorteile zu verlieren oder neue nicht generieren zu können.
Risiken von Investitionen und Desinvestitionen
Die Semperit-Gruppe investiert in bestehende Standorte. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass
Akquisitionen neuer Unternehmen oder Desinvestitionen (Verkauf, Schließung) bestehender
Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 Semperit AG Holding 161
Unternehmensteile getätigt werden. Im Zuge solcher Investitionen und Desinvestitionen bestehen unter
anderem Transaktionsrisken und das Risiko von Fehleinschätzungen und von Altlasten jeglicher Art.
Darüber hinaus besteht in Zusammenhang mit der strategischen Entscheidung zur Trennung vom
Segment Sempermed in der Belegschaft eine hohe Unsicherheit, die zu einer vermehrten Fluktuation,
reduzierter Produktivität und Know-How-Verlust führen könnte.
Risiken der Informationstechnologie (IT) und des Datenschutzes
Der überwiegende Teil der Produktions- und Steuerungssysteme sowie Serviceleistungen ist von einer
funktionierenden und störungsfreien IT-Landschaft abhängig. Der Ausfall von wesentlichen Servern und
Produktionssteuerungseinheiten, ERP-Systemen, Nichtverfügbarkeiten sowie unautorisiertes Eindrin-
gen in IT-Netzwerke (Cyber-Crime) können zu einem Verlust von nicht mehr aufholbaren Produktions-
mengen, zu Qualitätsbeeinträchtigung oder Lieferverzögerungen führen. Wie andere multinationale
Unternehmen ist auch die Semperit-Gruppe dem Risiko von Cyber-Angriffen ausgesetzt. Diese könnten
möglicherweise zur Offenlegung, Verfälschung, Spionage oder zum Verlust von Informationen, Miss-
brauch von Informationssystemen oder zu Produktfehlern, Produktionsausfällen und Lieferengpässen
führen, mit negativen Auswirkungen auf die Reputation und Wettbewerbsfähigkeit und auf die Vermö-
gens-, Finanz- und Ertragslage der Semperit-Gruppe haben. Maßnahmen zur Erhöhung der Cyber-
Security sind definiert und werden laufend weiterentwickelt.
Die unsachgemäße/nicht den gesetzlichen Vorschriften (insbesondere DSGVO) entsprechende
Handhabung von schützenswerten/vertraulichen Daten kann ebenfalls ein Risiko darstellen.
Personalrisiken
Die Semperit-Gruppe benötigt fortwährend hoch qualifizierte Mitarbeiter. Der Wettbewerb um quali-
fizierte Mitarbeiter ist in den Regionen, in denen das Unternehmen geschäftlich tätig ist, weiterhin
intensiv. Die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der Semperit-Gruppe wird wesentlich davon be-
stimmt, dass entsprechend qualifizierte Fach- und Führungskräfte rekrutiert, integriert, weiterentwi-
ckelt und dauerhaft gehalten werden können. Der Abgang von Schlüsselpersonen muss durch recht-
zeitig ausgebildete interne Nachfolger aufgefangen werden. Sollte dies nicht gelingen, ist das Risiko
einer Verschlechterung der Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Semperit-Gruppe gege-
ben.
Dem Risiko eines Personalengpasses während der Corona-Pandemie wird wie auch in anderen Si-
tuationen von langfristigen Personalausfällen – mit Stellvertretungen, Flexibilisierung und vorbeugend
mittels Schichtmodellen bei Anwesenheiten und Home-Office begegnet.
Externe kriminelle Handlungen
Fraud-Attacken (z.B. Email-Fraud, Fake-President-Fraud, etc.) stellen generell ein großes Risiko für Un-
ternehmen dar. Das Nicht-Erkennen solcher Attacken oder auch das Versagen von Internen Kontroll-
systemen können nicht zur Gänze ausgeschlossen werden und somit zu einer Verschlechterung der
Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage beitragen. Das IKS System wie auch laufende Schu-
lungen sollen diesem Risiko entgegenwirken.
Kapital-, Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken (Kapitalmanagement)
Kapitalrisiko bezeichnet das Risiko des in Investitionen gebundenen Kapitals. Liquiditätsrisiko (auch
Refinanzierungsrisiko) bezeichnet das Risiko, benötigte Zahlungsmittel für allfällige Zahlungen nicht
oder nur zu erhöhten Refinanzierungskosten beschaffen zu können. Finanzierungsrisiko bezeichnet das
Risiko, dass Finanzierungsinstrumente nicht oder nicht im benötigten Umfang zur Verfügung stehen
und dadurch Zahlungsstörungen oder gar Insolvenz drohen.
Semperit AG Holding Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 162
Ziel des Kapitalmanagements in der Semperit-Gruppe ist die Sicherstellung der Unternehmensfort-
führung, die Ermöglichung einer wachstumsorientierten organischen und anorganischen Investitions-
tätigkeit und eine darauf abgestimmte Dividendenpolitik.
Das Risiko aus dem Kapitalmanagement lässt sich in Marktrisiken und Unternehmensrisiken unterteilen.
Marktrisiken, denen die Semperit-Gruppe unterliegt, sind unter anderem politische und wirtschaft-
liche Entwicklungen, die einen negativen Einfluss auf die weltweiten Finanzmärkte haben. Das können
zum Beispiel restriktive Regulierungen des Finanzsektors oder der Politik der Zentralbanken, die be-
grenzte Verfügbarkeit von Finanzmitteln, die geänderte Bonität und Handlungsfähigkeit von Banken
bzw. anderen Geldgebern, Änderungen von Zinssätzen oder Beschränkungen bei der Nutzung von
Finanzinstrumenten sein, die den Handlungsspielraum des Unternehmens im Zusammenhang mit der
Aufnahme von Finanzierungen beeinflussen bzw. die die Finanzierungskosten und Einlagekonditionen
verschlechtern.
Weiters ist die Semperit-Gruppe im Kapitalmanagement auch Unternehmensrisiken ausgesetzt.
Beispielsweise kann eine Verschlechterung der eigenen Bonität dazu führen, dass sich die Aufnahme
von Finanzmitteln verteuert oder Kreditgeber keine weiteren Finanzierungen gewähren. Auch kann
eine Erhöhung der Kreditrisikoaufschläge aufgrund von Unsicherheit und Risikoaversion an den Finanz-
märkten zu einer negativen Veränderung der Marktwerte der finanziellen Vermögenswerte führen. Im
Zusammenhang mit Kreditverträgen und Schuldscheindarlehen bestehen übliche Kreditvertragsklau-
seln („Covenants“), deren Nicht-Erfüllung bis zu einer Kündigung durch die Geldgeber führen kann.
Des Weiteren existieren Vereinbarungen mit Joint-Venture-Partnern, die einen Einfluss auf die Mittel-
rückflüsse an das Mutterunternehmen haben können.
Die Risiken aus dem Kapitalmanagement können die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und
Ertragslage des Unternehmens signifikant negativ beeinflussen.
Fremdwährungsrisiken
Für die Semperit AG Holding besteht ein Transaktionsrisiko bei Forderungen oder Verbindlichkeiten in
einer Fremdwährung, deren Wert sich durch Wechselkursschwankungen verändern kann. Für die
Semperit AG Holding besteht ein Fremdwährungsrisiko in Zusammenhang mit den Schuldscheindarle-
hen in USD.
Darüber hinaus gibt es in manchen Ländern Kapitalverkehrskontrollen, die die Semperit-Gruppe im
Allgemeinen und die Semperit AG Holding, die in der Semperit-Gruppe die Finanzierungsfunktion
wahrnimmt, in ihrer Handlungsfreiheit einschränken. So schränken einige Nationalbanken den Handel
mit Währungen und Sicherungsinstrumenten ein.
Die Risiken aus dem Fremdwährungsrisikomanagement können die Geschäfts-, Vermögens-,
Finanz- und Ertragslage der Semperit-Gruppe signifikant negativ beeinflussen.
Zinsrisiken
Zinsrisiken ergeben sich aus der Veränderung von Zinssätzen, sowohl bei variabel als auch bei fix ver-
zinsten Finanzierungen, in Form des Zinsänderungsrisikos bzw. des Barwertrisikos.
Die externen Finanzierungen der Semperit-Gruppe bestehen vornehmlich in Semperit AG Holding
und sind teilweise variabel und teilweise fix verzinst. Bei einem Anstieg der variablen Zinsen führt dies
zu einem erhöhten Zinsaufwand. Dem Barwertrisiko ist die Semperit-Gruppe ausgesetzt, wenn die fixen
Marktzinsen sinken. Einzelne Risikopositionen wurden mittels derivativer Finanzinstrumente abgesi-
chert.
Die Zinsrisiken können die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens sig-
nifikant negativ beeinflussen.
Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 Semperit AG Holding 163
Ausfallsrisiken von Kunden und Banken
Die Semperit-Gruppe unterliegt dem Ausfallsrisiko in Bezug auf Forderungen gegenüber Kunden. Falls
sich die Bonität der Semperit-Kunden verschlechtert, steigt das Ausfallsrisiko. Kreditrisiken und das
Risiko des Zahlungsverzugs werden über standardisierte Bonitätsprüfungen, definierte Kreditlimits so-
wie Kreditversicherungen gemanagt. Wo Kreditversicherungen nicht greifen, besteht – in Abhängigkeit
der Kundenbonität – ein erhöhtes Risiko für Forderungsausfälle. Der Ausfall eines wesentlichen Ge-
schäftspartners könnte negative Folgen für das Ergebnis und die Liquidität der Semperit-Gruppe ha-
ben. Aufgrund des durch die Corona-Pandemie gestiegenen Kontrahentenrisikos könnten sich die Kos-
ten zur Sicherung von Kreditrisiken erhöhen. Die Semperit AG Holding selbst erzielt ihre Umsatzerlöse
ausschließlich aus Konzernverrechnungen; sie ist also keinem direkten Ausfallsrisiko von Kunden aus-
gesetzt.
Ebenfalls bestehen Ausfallrisiken in Bezug auf die Guthaben, die Semperit-Gruppe bei Banken hält.
Diese Guthaben sind teilweise oder gar nicht über Einlagensicherungsfonds abgesichert. Es besteht
eine Veranlagungsrichtlinie, welche die Höhe der liquiden Mittel, die pro Bank gehalten werden dürfen,
beschränkt und welche die Finanzinstrumente definiert, in welche die überschüssige Liquidität inves-
tiert werden darf. Im Falle eines Konkurses einzelner Banken oder einer erneuten Banken- und/oder
Finanzmarktkrise kann es dazu kommen, dass die Semperit-Gruppe nicht oder nur teilweise oder nur
mit Verzögerung auf diese Liquidität oder auf Kreditlinien zugreifen kann.
Die Risiken aus dem Ausfall von Kunden und Banken können die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz-
und Ertragslage des Unternehmens signifikant negativ beeinflussen.
Analyse aus den Finanzinstrumenten abgeleiteten Risiken in der Semperit AG Holding
Als für die Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wesentliche Finanzinstrumente sind
die Anteile an verbundenen Unternehmen mit einem Buchwert von 233.767 TEUR zum 31. Dezem-
ber 2020 (Vorjahr: 235.147 TEUR), die Wertpapiere des Anlagevermögens mit einem Buchwert
von 4.674 TEUR (Vorjahr: 4.668 TEUR) und die Forderungen und Ausleihungen gegenüber verbunde-
nen Unternehmen mit einem Buchwert von insgesamt 166.644 TEUR (Vorjahr: 130.254 TEUR) zu nennen.
Es besteht in Zusammenhang mit dem Schuldscheindarlehen in PLN ein Cross Currency Swap; das
abgesicherte Nominale beträgt 118 Mio. PLN. Die Finanzierung und der Swap werden als Bewertungs-
einheit dargestellt. Es wurde eine Drohverlustrückstellung für den ineffektiven Anteil in Höhe von
40 TEUR bilanziert. Weitere Sicherungsgeschäfte bestehen zum Abschlussstichtag nicht.
Den Schuldscheindarlehen in CZK stehen entsprechende Ausleihungen gegenüber verbundenen
Unternehmen gegenüber; eine Darstellung als Bewertungseinheit erfolgt nicht. In Zusammenhang mit
den Schuldscheindarlehen in USD besteht ein Fremdwährungsrisiko; das Nominale beträgt 59 Mio.
USD. Dem gegenüber steht aktivseitig eine Ausleihung in USD in Höhe von 7,5 Mio. USD.
Ausfallsrisiko in Zusammenhang mit der Finanzierung verbundner Unternehmen
Das in Bezug auf diese Finanzinstrumente gegebene Ausfallsrisiko ist mit den in der Bilanz ausgewie-
senen Buchwerten begrenzt. Im Fall, dass der niedrigere beizuliegende Wert unter den Anschaf-
fungskosten liegt, werden außerplanmäßige Abschreibungen auf den niedrigeren beizulegenden
Wert durchgeführt. Der beizulegende Wert unterliegt Schwankungen, die im Wesentlichen vom wirt-
schaftlichen Erfolg des betreffenden Tochterunternehmens, aber auch vom allgemeinen wirtschaftli-
chen Umfeld einschließlich der Attraktivität von Alternativanlagen abhängen und beträchtlich sein kön-
nen. Die Anteile an verbunden Unternehmen, Forderungen und Ausleihungen gegenüber
verbundenen Unternehmen betreffen im Wesentlichen, nämlich mit 206.850 TEUR (Vorjahr:
238.518 TEUR), das 100%ige Tochterunternehmen Semperit Technische Produkte Gesellschaft m.b.H..
Bei der Ermittlung des Ausfallsrisikos in Bezug auf die Semperit Technische Produkte
Semperit AG Holding Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 164
Gesellschaft m.b.H. wurden die Forderungen aus Gewinnausschüttungen und die Verbindlichkeiten aus
dem Upstream-Darlehen saldiert.
Die Wertpapiere des Anlagevermögens betreffen überwiegend, nämlich mit 4.673 TEUR (Vor-
jahr: 4.668 TEUR), den Anleihefonds Amundi GF Euro Rent.
Wenngleich die Risikokonzentration insbesondere in Bezug auf die Semperit Technische Produkte
Gesellschaft m.b.H. sehr hoch ist, wird aufgrund der Bonität und der Profitabilität dieses Tochterunter-
nehmens ein Ausfallsrisiko nicht gesehen. Auch in Bezug auf die anderen oben angeführten Anteile an
Tochterunternehmen wird kein konkretes Ausfallsrisiko gesehen. Wenn und sobald ein konkretes Aus-
fallsrisiko erkannt wird, werden entsprechende außerplanmäßige Abschreibungen bzw. Wertberichtigun-
gen erfasst.
Zinsänderungsrisiko
Die Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen sind überwiegend kurzfristig, sodass kein we-
sentliches Zinsänderungsrisiko diesbezüglich besteht.
Die Ausleihungen gegenüber verbundenen Unternehmen sind überwiegend fix verzinst. Bei den
variabel verzinsten Ausleihungen besteht ein Zinsänderungsrisiko. Bei fix verzinsten Ausleihungen ge-
genüber verbundenen Unternehmen besteht ein (theoretisches) Barwertrisiko, wenn die Marktzinsen
sinken.
Im Rahmen des Geschäftsbetriebs werden Betriebsmittel und Investitionen unter anderem mit
Fremdkapital finanziert und zum Teil variabel verzinst. Eine Erhöhung der Zinsen kann zu einer Belas-
tung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage führen.
Kapital- und Finanzierungsrisiken
Die Ziele des Kapitalmanagements sind die Sicherstellung der Unternehmensfortführung, die Ermögli-
chung einer wachstumsorientierten organischen (eigene Geschäftstätigkeit ohne Akquisitionen) und
anorganischen (Akquisitionen) Investitionstätigkeit und eine darauf abgestimmte Dividendenpolitik. Im
Zusammenhang mit Kreditverträgen bestehen übliche Klauseln, die bei Nicht-Erfüllung zu einer Kündi-
gung bzw. einer Zinserhöhung seitens der Geldgeber führen und damit die Vermögens-, Finanz- und
Ertragslage belasten können.
Liquiditätsrisiken
Die Vertragspartner der Semperit AG Holding sind Banken mit guter Bonität. Zur Minimierung des Aus-
fallrisikos bestehen zudem definierte maximale Anlagebeträge je Bank.
Steuerrisiken
Die Konzernunternehmen der Semperit-Gruppe sind in den jeweiligen Ländern lokaler Steuergesetz-
gebung unterworfen und müssen sowohl Ertragssteuern als auch andere (lokale) Steuern und Gebühren
abführen. Änderungen der Steuergesetze und -regelungen in diesen Jurisdiktionen könnten zu höhe-
ren Steueraufwendungen führen. Die ständige Veränderung und teilweise Verschärfung von steuer-
rechtlichen Vorschriften erhöht die Anforderungen an die Tax Compliance zur Einhaltung und Überwa-
chung dieser Bestimmungen. Unzureichende Kontrollen in den Geschäftsprozessen oder mangelnde
Dokumentation können zur Verletzung von Vorschriften im nationalen und internationalen Steuerrecht
führen und zu negativen Feststellungen in Steuerprüfungen führen. Steuerlich nicht genutzte Verlust-
vorträge könnten Gegenstand von steuerlichen Betriebsprüfungen sein und zum Teil hinterfragt wer-
den. Zudem könnte die Unsicherheit im steuerlichen Umfeld mancher Regionen die Möglichkeiten ein-
schränken, eigene Rechte durchzusetzen. Die Semperit-Gruppe und ihre lokalen Gesellschaften
unterliegen regelmäßigen Steuerprüfungen von Finanzbehörden mit möglichen negativen Feststellun-
gen.
Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 Semperit AG Holding 165
Bei Eintritt eines oder mehrerer der oben genannten Ereignisse ist von einer negativen Auswirkung
auf die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage auszugehen.
Compliance Risiken
Die ständige Verschärfung internationaler Verhaltensrichtlinien und Gesetze erhöht die Anforderungen
zur Einhaltung und Überwachung dieser Bestimmungen. Unzureichende Kontrollen in den Geschäfts-
prozessen oder mangelnde Dokumentation können zur Verletzung von geltenden Regeln führen und
die Reputation sowie den wirtschaftlichen Erfolg durch Compliance-Verstöße gefährden. Die Semperit-
Gruppe begegnet diesem Risiko unter anderem mit einem konzernweit gültigen neuen „Code of
Conduct“ und kontinuierlichen Schulungen für alle Mitarbeiter weltweit, um das Bewusstsein für Non-
Compliance weiter zu stärken. Auch das implementierte Hinweis-Geber („Whistleblowing“) System
kann hier einen wertvollen Beitrag leisten, Bedenken und Missbräuche betreffend unethisches oder
rechtswidriges Verhalten aufzuzeigen.
Darüber hinaus könnten Korruptions- oder Kartellvorwürfe gegen die Semperit-Gruppe zu straf-
oder zivilrechtlichen Bußgeldern wie auch zu Strafen, Sanktionen, gerichtlichen Verfügungen bezüglich
künftigen Verhaltens, Gewinnabschöpfungen, zum Ausschluss von der direkten oder indirekten Teil-
nahme an bestimmten Geschäften, zum Verlust von Gewerbekonzessionen oder zu anderen Restrikti-
onen und Rechtsfolgen führen.
Zudem könnten Compliance Risiken betreffend Unternehmerische Sozialverantwortung (ESG)
bestehen, falls gegen bestehende ESG-Bestimmungen der lokalen Gesetzgebungen und NGOs (Non-
Governmental Organisation) in den jeweiligen Ländern verstoßen wird, die dem Unternehmen zum
aktuellen Zeitpunkt nicht bekannt sind.
Regulatorische Risiken und potenzielle Sanktionen
Die Semperit-Gruppe unterhält Geschäftsaktivitäten mit Kunden und Lieferanten auch in Ländern wie
Russland oder Ukraine, China, die Export- und Importkontrollregulierungen oder anderen Formen von
Handelsbeschränkungen (zum Beispiel durch die USA und die EU) unterliegen. Neue oder ausgewei-
tete Sanktionen in Ländern, in denen die Semperit-Gruppe geschäftlich tätig ist, könnten zu einer Ein-
schränkung der Versorgung von Rohstoffen und auch der bestehenden Geschäftsaktivitäten in diesen
Ländern oder indirekt in anderen Ländern führen. Zudem könnte die Semperit-Gruppe aufgrund der
Beendigung ihrer Geschäfte in Ländern, die Sanktionen unterliegen, Ansprüchen oder anderen Maß-
nahmen von Kunden ausgesetzt sein.
Risiken aus Rechtsstreitigkeiten
Die Semperit-Gruppe ist und wird auch künftig im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit mit
unterschiedlichen Rechtsstreitigkeiten oder Verfahren konfrontiert. Diese können insbesondere dazu
führen, dass die Semperit-Gruppe die Zahlung von Schadensersatz, Strafschadensersatz, die Erfüllung
anderer Ansprüche sowie straf- oder zivilrechtliche Sanktionen, Geldbußen oder Vorteilsabschöpfun-
gen auferlegt werden. Zudem können hieraus in Einzelfällen formelle oder informelle Ausschlüsse bei
Ausschreibungen oder der Entzug oder Verlust der Gewerbe- oder Betriebserlaubnis resultieren. Fer-
ner können weitere Rechtsstreitigkeiten eingeleitet oder bestehende Rechtsstreitigkeiten ausgewei-
tet werden. Geltend gemachte Ansprüche aus Rechtsstreitigkeiten unterliegen grundsätzlich einer
Verzinsung.
In einigen dieser Rechtsstreitigkeiten könnten negative Entscheidungen für die Semperit-Gruppe
ergehen, die wesentliche Auswirkungen auf die Geschäfts-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des
Unternehmens haben können.
Semperit AG Holding Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 166
Risiken aus Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umwelt (HSEQ)
Gegenwärtige oder künftige arbeitssicherheitstechnische, gesundheits- und umweltrelevante oder sons-
tige staatliche Regulierungen oder deren Änderung könnten zu einer Steigerung der Kosten führen. Dar-
über hinaus bestehen Risiken eines möglichen arbeitssicherheitstechnischen, umwelt- und gesundheits-
bezogenen Zwischenfalls, ebenso wie einer Nichteinhaltung umweltrechtlicher, gesundheitsbezogener
oder arbeitssicherheitstechnischer Regelungen, die in der Folge zu ernsthaften Unfällen, Ausfall von Per-
sonal, Reputationsverlust und rechtlichen Konsequenzen führen könnten. Sicherheit und Gesundheit des
Personals sind Schwerpunkte der Unternehmensstrategie mit dem Ziel den Schutz der MitarbeiterInnen
zu gewährleisten und das Bewusstsein für Gefahrensituationen weiter zu schärfen und die Arbeitssicher-
heit kontinuierlich zu verbessern. Im Zuge der Corona-Pandemie wurden zusätzliche Maßnahmen zur Des-
infektion und Umsetzung der Abstandsregelungen getroffen. Darüber hinaus wurde die Möglichkeit des
Home-Office wo es nötig war, neu geschaffen und in weiterer Folge forciert.
Versicherbare Risiken
Der bestehende Versicherungsschutz bewahrt die Semperit-Gruppe nicht vor etwaigen Reputations-
schäden oder dem Eintritt von Elementarereignissen wie Feuer oder Naturkatastrophen.
Feuer-, Elementarereignisse und Naturkatastrophen bergen ein signifikantes Verlustpotenzial für
die Semperit-Gruppe, das trotz des bestehenden Versicherungsprogramms möglicherweise nicht zur
Gänze Deckung finden könnte. Außerdem kann das Unternehmen aus Rechtsstreitigkeiten Verluste
erleiden, die über die Versicherungssumme hinausgehen oder nicht durch den Versicherungsschutz
abgedeckt sind.
Schließlich kann nicht gewährleistet werden, dass die Semperit-Gruppe auch künftig adäquaten
Versicherungsschutz zu wirtschaftlich angemessenen Bedingungen erhält.
Marktrisiken
Wirtschaftliche, politische und geopolitische Rahmenbedingungen
Aus Sicht der Semperit-Gruppe besteht aktuell ein hohes Maß an Unsicherheit in Bezug auf die künftige
Entwicklung der Weltwirtschaft. Es besteht ein Risiko, dass sich das Weltwirtschaftsklima, insbesondere
durch die globale Corona-Pandemie, langsamer als erwartet erholen wird und die negativen Wirkungen
insbesondere in Asien, Europa und USA weiter anhalten.
Chancen
Neben dem Monitoring der Risiken für das Unternehmen ist es ein wesentlicher Bestandteil der Auf-
gaben der Unternehmensführung, entsprechende Chancen rechtzeitig zu erkennen und bestmöglich
für das Unternehmen zu nutzen.
Kurz- bis mittelfristig – dies hängt vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und dem dadurch
gesteigerten Bedarf an Schutzausrüstung, sowohl im medizinischen Bereich wie auch in anderen Berei-
chen (z.B. in Gastronomie und Hotellerie) ab – bestehen weitere Chancen für den Sektor Medizin der
Semperit-Gruppe. Langfristig erkennt das Management im Rahmen der strategischen Neuausrichtung
der Semperit-Gruppe hohes Potenzial im Sektor Industrie und daher in der Transformation des Unter-
nehmens zum Industriegummi-Spezialisten. Den Sektor Industrie kennzeichnen grundsätzlich deutlich
höhere Rentabilität, eine erfolgreichere Performance und die Möglichkeit zur technologischen Diffe-
renzierung in regionalen und anwendungsbezogenen Nischen. Die Potenziale im Industriesektor sollen
künftig durch eine deutliche Erhöhung der Kundennähe, eine marktorientiertere Ausrichtung der Ge-
samtorganisation, erhöhten Fokus auf Regionen, insbesondere Amerika, wie auch auf Industrien besser
Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 Semperit AG Holding 167
genutzt werden. Ziel ist, bestehende und zukünftige Märkte schneller und effektiver bedienen zu kön-
nen.
In der kurzfristigen Betrachtung bringt die aktuelle Situation im Sektor Medizin, bedingt durch die
Corona-Krise, ein Ertragspotenzial mit sich, da die Profitabilität in dieser Sonderkonjunktur deutlich
über dem normalen Niveau liegt. Diese Ertragspotenziale bieten die Chance, die Finanzkraft der
Semperit-Gruppe weiter zu stärken und das zukünftige organische und anorganische Wachstum besser
zu unterstützen.
Internes Kontrollsystem (IKS)
Das interne Kontrollsystem der Semperit-Gruppe verfolgt das Ziel, die Effektivität, Effizienz und Wirt-
schaftlichkeit der Geschäftstätigkeit, die Zuverlässigkeit der Finanzberichterstattung sowie die Einhal-
tung maßgeblicher gesetzlicher Vorschriften sicherzustellen. Es unterstützt zudem die Früherkennung
und Überwachung von Risiken aus unzulänglichen Überwachungssystemen und betrügerischen Hand-
lungen und wird von der Abteilung Group Risk Management & Assurance gemeinsam mit den jeweili-
gen Fachabteilungen laufend verbessert und erweitert. Für die Implementierung und Überwachung
des IKS und des Risikomanagementsystems ist das Management der jeweiligen Unternehmenseinhei-
ten zuständig. Bereichsübergreifende, konzernweit gültige Rahmenbedingungen und Regelungen wer-
den vom Vorstand der Semperit AG Holding vorgegeben. Um die nachhaltige Implementierung dieser
Rahmenbedingungen und Regelungen sicherzustellen, werden regelmäßige Überprüfungen an den
Standorten und in der Zentrale durchgeführt.
Folgende Grundsätze bilden das Fundament des IKS:
• Erkennen potenzieller operativer Risiken und Sichtbarmachung bereits entstandener Schäden
• Schutz des Besitzes
• Verbesserung der betrieblichen Effektivität
• Sicherung der Korrektheit des Rechnungswesens und des Reporting
• Compliance mit internen Regularien (Limits of Authority) und externen Gesetzen und Regularien
• Nachverfolgbarkeit durch sachverständige Dritte
• Sicherstellung einer adäquaten Funktionstrennung (Segregation of Duties)
• Sicherung der Durchführung von im Prozess vorgesehen Kontrollen
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Lageberichts sind keine Risiken im Zusammenhang mit der
zukünftigen Entwicklung erkennbar, die isoliert oder in ihrem Zusammenspiel den Fortbestand der
Semperit-Gruppe gefährden könnten. Für spezifische Haftungsrisiken und Schadensfälle werden unter
Maßgabe der Wirtschaftlichkeit und Möglichkeit adäquate Versicherungen abgeschlossen.
Wesentliche Merkmale des internen Kontroll- und des Risikomanagementsystems im
Hinblick auf den Rechnungslegungsprozess
Die Eckpunkte des bestehenden internen Kontrollsystems und des Risikomanagementsystems im Hin-
blick auf Rechnungslegungsprozesse können wie folgt zusammengefasst werden:
• Im Hinblick auf Rechnungslegungsprozesse sind die Funktionen des Rechnungswesens von anderen
Verantwortungsbereichen wie etwa dem Treasury getrennt.
• Die eingesetzten Finanzsysteme sind durch entsprechende IT-Einrichtungen gegen unbefugte Zu-
griffe geschützt.
• Hinsichtlich der eingesetzten Finanzsysteme wird weitgehend auf Standardsoftware zurückgegriffen.
• Ein Richtlinienwesen (z. B. Bilanzierungsrichtlinien, Zahlungsrichtlinien) ist eingerichtet.
Semperit AG Holding Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 168
• Erhaltene oder weitergegebene Buchhaltungsdaten werden von den verantwortlichen Personen auf
Vollständigkeit und Richtigkeit, z.B. mittels Stichprobenprüfungen, geprüft.
• Bei den rechnungslegungsrelevanten Prozessen wird das Vier-Augen-Prinzip durchgängig angewandt.
• Rechnungslegungsrelevante Prozesse werden regulär und stichprobenweise durch das Internal Audit
überprüft.
4. Angaben laut § 243a Abs 1 UGB
Das Grundkapital der Semperit AG Holding betrug zum 31. Dezember 2020 21.358.996,53 EUR und
war auf 20.573.434 Stück nennbetragslose, in jeder Hinsicht gleichberechtigte Stammaktien aufgeteilt.
Es gibt keine über die allgemeinen Bestimmungen des Aktienrechts hinausgehenden Beschränkun-
gen der Stimmrechte oder die Übertragung von Aktien betreffend.
Die B & C KB Holding GmbH war direkt per 31. Dezember 2020 zu über 50% an der Semperit AG
Holding beteiligt und ist der unmittelbare Mehrheitsgesellschafter der Semperit AG Holding. Die B &
C Privatstiftung ist der oberste beherrschende Rechtsträger. Mittelbar mehrheitlich beteiligter Gesell-
schafter, der einen Konzernabschluss aufstellt und offenlegt, in den die Semperit-Gruppe einbezogen
ist, ist die B & C Holding Österreich GmbH.
Es wurden keine Aktien mit besonderen Kontrollrechten ausgegeben.
Arbeitnehmer, die in Besitz von Aktien sind, üben ihr Stimmrecht bei der Hauptversammlung aus.
Der Vorstand besteht aus bis zu fünf Personen. Mitglieder des Vorstandes werden vom Aufsichtsrat
für einen Zeitraum von höchstens fünf Jahren bestellt. Wiederbestellungen, jeweils für höchstens fünf
Jahre, sind zulässig.
Hinsichtlich der Ernennung und Abberufung der Mitglieder des Aufsichtsrats gilt gemäß Satzung
Folgendes: Die Aufsichtsratsmitglieder werden, falls sie nicht für eine kürzere Funktionsperiode ge-
wählt werden, für die Zeit bis zur Beendigung der Hauptversammlung gewählt, die über die Entlastung
für das vierte Geschäftsjahr nach der Wahl beschließt. Hierbei wird das Geschäftsjahr, in dem gewählt
wird, nicht mitgerechnet. Jedoch scheidet alljährlich mit Beendigung der ordentlichen Hauptversamm-
lung aus der Zahl der Aufsichtsratsmitglieder mindestens zwei Mitglieder aus dem Aufsichtsrat aus,
wobei Aufsichtsratsmitglieder, die seit der letzten Hauptversammlung aus dem Aufsichtsrat ausge-
schieden sind oder ihr Amt mit Wirkung zum Ablauf der jeweiligen Hauptversammlung niederlegen,
auf diese Zahl anzurechnen.
Im Übrigen werden die Ausscheidenden wie folgt bestimmt: In erster Linie scheiden diejenigen
Mitglieder aus, deren Funktionsperiode abläuft. Trifft dies nicht auf mindestens so viele Mitglieder zu,
dass, zusammengerechnet mit anderen Mitgliedern, die seit der letzten Hauptversammlung ausge-
schieden sind oder ihr Amt zum Ablauf der jeweiligen Hauptversammlung niedergelegt haben, zwei
Mitglieder bestimmt werden können, scheiden diejenigen Mitglieder aus, die in ihrer Funktions-peri-
ode am längsten im Amt sind. Ist die Zahl, der hiernach für das Ausscheiden in Betracht kommen-den
Mitglieder größer als erforderlich, entscheidet unter diesen Mitgliedern das Los. Das Los entscheidet
auch dann, wenn nach den vorstehenden Vorschriften die Ausscheidenden noch nicht bestimmt sind.
Die Ausscheidenden sind sofort wieder wählbar.
Scheidet ein gewähltes Mitglied während seiner Amtsdauer aus dem Aufsichtsrat aus, so ist eine
Ersatzwahl nur dann unverzüglich vorzunehmen, wenn die Zahl der gewählten Aufsichtsratsmitglieder
unter drei sinkt. Ersatzwahlen erfolgen auf den Rest der Funktionsperiode des ausgeschiedenen Auf-
sichtsratsmitglieds, falls die Hauptversammlung bei der Wahl nichts anderes beschließt. Wird ein Mit-
glied des Aufsichtsrats durch eine außerordentliche Hauptversammlung gewählt, gilt sein erstes Amts-
jahr mit dem Schluss der nächsten ordentlichen Hauptversammlung als beendet.
Jedes Mitglied des Aufsichtsrats kann sein Amt unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist ohne An-
gaben von Gründen durch schriftliche Erklärung an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats zurücklegen.
Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 Semperit AG Holding 169
Beschlüsse der Hauptversammlung bedürfen der einfachen Mehrheit der abgegebenen Stimmen,
soweit nicht das Gesetz zwingend eine größere Mehrheit vorschreibt. In Fällen, in denen eine Kapital-
mehrheit erforderlich ist, beschließt sie mit einfacher Mehrheit des bei der Beschlussfassung vertrete-
nen Grundkapitals, soweit nicht das Gesetz zwingend eine größere Kapitalmehrheit vorschreibt.
Der Vorstand wurde von der ordentlichen Hauptversammlung am 25. April 2018 ermächtigt mit
Zustimmung des Aufsichtsrats das Grundkapital in den kommenden fünf Jahren ab Eintragung der
Satzungsänderung in das Firmenbuch – allenfalls in mehreren Tranchen – gegen Bar- und/oder Sach-
einlage um bis zu EUR 10.679.497,23 durch Ausgabe von bis zu 10.286.716 Stück neue auf Inhaber
oder Namen lautende Stückaktien zu erhöhen und die Art der Aktien, den Ausgabekurs und die Aus-
gabebedingungen festzulegen. Ebenso wurde der Vorstand ermächtigt mit Zustimmung des Aufsichts-
rats Wandelschuldverschreibungen zu begeben. Damit kann ein Umtausch- oder Bezugs-recht bzw.
eine Umtausch- oder Bezugspflicht auf bis zu 10.286.716 Stückaktien der Gesellschaft verbunden wer-
den. Das Grundkapital ist gemäß §159 Abs 2 Z 1 AktG um bis zu EUR 10.679.497,23 durch Ausgabe
von bis zu 10.286.716 Stück auf Inhaber lautende neue Aktien ohne Nennwert (Stückaktien) bedingt
erhöht.
Der Vorstand wurde von der ordentlichen Hauptversammlung am 22. Juli 2020 zum Rückkauf und
gegebenenfalls zur Einziehung eigener Aktien bis zum gesetzlich höchst zulässigen Ausmaß von 10%
des Grundkapitals für die Dauer von 30 Monaten ab Beschlussfassung in der Hauptversammlung gem.
§ 65 Abs. 1 Z 8 AktG mit Zustimmung des Aufsichtsrats ermächtigt. In der gleichen Hauptversammlung
wurde der Vorstand ermächtigt, gemäß § 65 Abs. 1b AktG mit Zustimmung des Aufsichtsrats eine
andere Art der Veräußerung als über die Börse oder durch ein öffentliches Angebot und über einen
allfälligen Ausschluss des Wiederkaufsrechts (Bezugsrecht) der Aktionäre zu beschließen. Es besteht
derzeit kein Aktien-Rückkaufprogramm, die Gesellschaft hält keine eigenen Aktien.
Im Rahmen bestimmter Finanzierungsverträge bestehen Vereinbarungen hinsichtlich Kontrollwech-
sel bei Übernahmen im Sinne des § 243a Abs. 1 Z. 8 UGB.
Entschädigungsvereinbarungen im Sinne des § 243a Abs. 1 Z. 9 UGB bestehen nicht.
5. Bericht über die zukünftige Entwicklung
Ausblick für die Semperit AG Holding
Der Vorstand hat Ende Jänner 2020 im Rahmen der strategischen Neuausrichtung der Semperit-
Gruppe das Ziel der Transformation zum Industriegummi-Spezialisten bekanntgegeben und die Tren-
nung vom Medizingeschäft beschlossen. Der eingeschlagene Transformationsprozess wird weiterhin
konsequent weiterverfolgt. Fortlaufende und potenziell neue Maßnahmen zur Erhöhung der Rentabi-
lität stehen unverändert ganz oben auf der Agenda des Vorstands.
Die rezessive Wirtschaftsentwicklung seit 2019 und die Effekte der Corona-Krise führten zu gegen-
läufigen Entwicklungen in den Sektoren Industrie und Medizin: Im Geschäft mit medizinischen Schutz-
handschuhen sind seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ein deutlicher Nachfrageanstieg sowie
eine kräftige Erhöhung des Preisniveaus zu beobachten, während die Industriesegmente von den Aus-
wirkungen der Corona-Pandemie negativ getroffen wurden.
Die Effekte der globalen Pandemie werden teilweise als bedingt nachhaltig bewertet. Einer zuneh-
menden Wettbewerbs- und Kostenintensität ab 2022/2023 wird ein dauerhaft verändertes Hygienever-
ständnis gegenüberstehen. Aus diesem Grund ist die strategische Grundsatzentscheidung vom 28.
Jänner 2020, wonach Semperit in Zukunft auf das Geschäftsfeld Industriegummi fokussieren und sich
vom Medizingeschäft trennen wird, unabhängig von den im Gefolge der Corona-Krise zu beobachten-
den Entwicklungen weiter aufrecht. Die Umsetzung dieser Entscheidung verzögert sich allerdings, da
für Semperit als österreichisches Unternehmen einerseits die Versorgungssicherheit dieses Landes mit
medizinischen Schutzhandschuhen im Vordergrund steht und es andererseits derzeit aus ökonomischer
Semperit AG Holding Lagebericht für das Geschäftsjahr 2020 170
Sicht keine Veranlassung gibt, die beschlossene Trennung umzusetzen: Das temporäre Ziel ist, so lange
und so umfassend wie möglich von den attraktiven Ergebnisbeiträgen aus dem Medizingeschäft zu
profitieren. Bei der Festlegung des optimalen Zeitpunkts für die Trennung wird eine höchst-mögliche
Wertmaximierung angestrebt.
Der Sektor Industrie wurde von der globalen Rezession, deren Effekte sich in den vergangenen
Monaten aufgrund der Corona-Krise verschärft haben, getroffen. Gegen Ende 2020 waren jedoch be-
reits wieder erste positive Zeichen wahrzunehmen. Für 2021 wird mit einer erkennbaren Erholung der
Märkte des Sektors Industrie gerechnet.
Die anhaltenden Effekte der Corona-Pandemie schlagen sich bei Nachfrage und Preis von Medizin-
produkten nach wie vor positiv nieder. Selbst wenn in absehbarer Zeit die aktuell sehr zögerlich laufen-
den Impfkampagnen breitenwirksam ausgeweitet werden, wird sich diese Entwicklung voraussichtlich
bis weit in das Jahr 2021 fortsetzen. Das Management ist daher sehr zuversichtlich, dass die pandemie-
bedingt positiven Effekte im Medizingeschäft anhalten werden.
Gleichzeitig beobachtet das Semperit-Management die Lage weiter sehr genau. Die größte Gefahr
ist, dass in Schlüsselbereichen der Wertschöpfungskette an ein- und demselben Standort eine kritische
Zahl an Mitarbeitern aufgrund einer Infektion mit dem Corona-Virus ausfällt. Im Sektor Industrie stellen
potenzielle nachfrageseitige Einbrüche bzw. eine langsamer als angenommene Erholung nach dem
wirtschaftlichen Abschwung das größte erkennbare Risiko dar. Im Sektor Medizin könnte die aktuell
positive Entwicklung durch den Markteintritt neuer Mitbewerber oder den signifikanten Kapazitätsauf-
bau bestehender Wettbewerber eingebremst werden. Die Sicherstellung der Rohstoffverfügbarkeit so-
wie die Aufrechterhaltung der entsprechenden logistischen Rahmenbedingungen – insbesondere Con-
tainerkapazitäten – ist von externen Faktoren abhängig und steht unter permanentem Monitoring der
Einkaufsorganisation der Semperit-Gruppe. Dabei werden die Preisentwicklungen streng beobachtet,
da marktseitig getriebene Preissteigerungen teilweise nicht oder nur zeitverzögert weitergegeben wer-
den können.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Restrukturierungsmaßnahmen, die in den vergangenen drei
Jahren zu signifikanten Verbesserungen auf unterschiedlichsten Ebenen geführt haben, ist die konse-
quente Fortführung des im Jahr 2020 neu eingeleiteten Kostensenkungsprogramms ein weiterer Fokus
des Managements für das laufende Geschäftsjahr, das weitere Ergebnispotenziale freisetzen wird.
Hinzu kommt systematische kontinuierliche Verbesserung in allen Unternehmensbereichen, die die
Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Semperit-Gruppe weiter fördern soll.
Die Umsätze der Semperit AG Holding werden vom Ausmaß der im Konzern verrechenbaren Leis-
tungen abhängen. Der Mitarbeiterstand wird sich stabil entwickeln.
Wien, am 17. März 2021
Der Vorstand
Bestätigungsvermerk Semperit AG Holding 171
Bericht zum Jahresabschluss
Prüfungsurteil
Wir haben den Jahresabschluss der
Semperit Aktiengesellschaft Holding, Wien,
bestehend aus der Bilanz zum 31. Dezember 2020, der Gewinn- und Verlustrechnung für das an diesem
Stichtag endende Geschäftsjahr und dem Anhang, geprüft.
Nach unserer Beurteilung entspricht der beigefügte Jahresabschluss den gesetzlichen Vorschriften
und vermittelt ein möglichst getreues Bild der Vermögens- und Finanzlage zum 31. Dezember 2020
sowie der Ertragslage der Gesellschaft für das an diesem Stichtag endende Geschäftsjahr in Überein-
stimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften.
Grundlage für das Prüfungsurteil
Wir haben unsere Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-Verordnung Nr. 537/2014 (im
Folgen-den EU-VO) und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung
durchgeführt. Diese Grundsätze erfordern die Anwendung der International Standards on Auditing
(ISA). Unsere Verantwortlichkeiten nach diesen Vorschriften und Standards sind im Abschnitt „Verant-
wortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Jahresabschlusses“ unseres Bestätigungsver-
merks weitergehend beschrieben. Wir sind von der Gesellschaft unabhängig in Übereinstimmung mit
den österreichischen unternehmensrechtlichen und berufsrechtlichen Vorschriften, und wir haben un-
sere sonstigen beruflichen Pflichten in Übereinstimmung mit diesen Anforderungen erfüllt. Wir sind
der Auffassung, dass die von uns bis zum Datum des Bestätigungsvermerks erlangten Prüfungsnach-
weise ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unser Prüfungsurteil zu diesem Datum zu
dienen.
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte
Besonders wichtige Prüfungssachverhalte sind solche Sachverhalte, die nach unserem pflichtgemäßen
Ermessen am bedeutsamsten für unsere Prüfung des Jahresabschlusses des Geschäftsjahres waren.
Diese Sachverhalte wurden im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Jahresabschlusses als Ganzes
und bei der Bildung unseres Prüfungsurteils hierzu berücksichtigt, und wir geben kein gesondertes
Prüfungsurteil zu diesen Sachverhalten ab.
Nachfolgend stellen wir den aus unserer Sicht besonders wichtigen Prüfungssachverhalt dar:
Bewertung von Anteilen und Ausleihungen an sowie Forderungen gegenüber verbundenen
Unternehmen
Im Jahresabschluss der Semperit AG Holding zum 31. Dezember 2020 sind Anteile an verbundenen
Unternehmen (TEUR 233.767), Ausleihungen an verbundene Unternehmen (TEUR 67.615) sowie For-
derungen gegenüber verbundenen Unternehmen (TEUR 99.029) in wesentlichem Umfang ausgewiesen.
Im Geschäftsjahr wurden Anteile an verbundenen Unternehmen in Höhe von TEUR 7.618
1
Die Veröffentlichung oder Weitergabe des Jahresabschlusses mit unserem Bestätigungsvermerk darf nur in der von uns bestätigten Fassung
erfolgen. Dieser Bestätigungsvermerk bezieht sich ausschließlich auf den deutschsprachigen und vollständigen Jahresabschluss samt
Lagebericht. Für abweichende Fassungen sind die Vorschriften des § 281 Abs 2 UGB zu beachten.
Bestätigungsvermerk
1
Semperit AG Holding Bestätigungsvermerk 172
außerplanmäßig abgeschrieben. Weiters wurden Einzelwertberichtigungen zu Forderungen an verbun-
denen Unternehmen in Höhe von TEUR 5.000 aufgelöst.
Die Anteile an verbundenen Unternehmen sowie Ausleihungen an und Forderungen gegenüber
verbundenen Unternehmen werden regelmäßig auf Hinweise auf außerplanmäßige Abschreibungen
sowie Zuschreibungsbedarf überprüft. Für alle Tochtergesellschaften, bei welchen solche Hinweise vor-
liegen, wird ein Werthaltigkeitstest durchgeführt. Im Rahmen der Werthaltigkeitstests, welche grund-
sätzlich unter Verwendung von Discounted Cashflow Berechnungen durchgeführt werden, sind wesent-
liche Annahmen und Schätzungen hinsichtlich zukünftiger Cashflows und Zinssätze zu treffen. Das
wesentliche Risiko besteht in der Schätzung dieser zukünftigen Cashflows und der Zinssätze. Der Buch-
wert des Eigenkapitals der jeweiligen Tochtergesellschaft wird als Näherungswert des Liquidationswer-
tes als Bewertungsuntergrenze herangezogen.
Die Angaben der Gesellschaft zu Anteilen und Ausleihungen an sowie Forderungen gegenüber
verbundenen Unternehmen sind im Jahresabschluss in den Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätzen,
in den Angaben zu den Finanzanlagen bzw. den Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen
sowie in den Angaben zur Gewinn und Verlustrechnung in Abschnitt (7) Sonstige Zinsen und ähnliche
Erträge und (9) Zinsen und ähnliche Aufwendungen enthalten. Darüber hinaus wird auf die Angaben in
„Beilage 1 - Entwicklung des Anlagevermögens im Geschäftsjahr 2020“ und in „Beilage 2 - Stand der
Anteile an verbundenen Unternehmen zum 31. Dezember 2020“ hingewiesen.
Wie wir den Sachverhalt im Rahmen der Abschlussprüfung adressiert haben
Um dieses Risiko zu adressieren, haben wir die Annahmen und Schätzungen des Managements kritisch
hinterfragt und dabei unter anderem die folgenden Prüfungshandlungen durchgeführt:
• Beurteilung von Konzeption und Ausgestaltung des Prozesses zur Bewertung von Anteilen und Aus-
leihungen an sowie Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen
• Nachvollziehen der Überprüfung sämtlicher Anteile und Ausleihungen an sowie Forderungen gegen-
über verbundenen Unternehmen auf Hinweise zu außerplanmäßigen Abschreibungen
• Prüfung der angewandten Methodik, der rechnerischen Richtigkeit der vorgelegten Unterlagen und
Berechnungen sowie Plausibilisierung der Diskontierungssätze und Wachstumsraten unter Beizie-
hung unserer Bewertungsspezialisten
• Nachvollziehen der Überleitung der prognostizierten Umsätze und Ergebnisse zu den dem Aufsichts-
rat vorgelegten Plänen
• Durchsicht der Planungsunterlagen sowie Plausibilisierung und Analyse der wesentlichen Werttreiber
(Umsatz, Aufwendungen, Investitionen, Veränderungen im Working Capital und Cashflows), um die
Angemessenheit dieser Planungen zu beurteilen
Sonstige Informationen
Die gesetzlichen Vertreter sind für die sonstigen Informationen verantwortlich. Die sonstigen Informa-
tionen umfassen alle Informationen im Jahresfinanzbericht, ausgenommen den Jahresabschluss, den
Lagebericht und den Bestätigungsvermerk.
Unser Prüfungsurteil zum Jahresabschluss erstreckt sich nicht auf diese sonstigen Informationen und
wir geben keine Art der Zusicherung darauf ab.
Im Zusammenhang mit unserer Prüfung des Jahresabschlusses haben wir die Verantwortlichkeit,
diese sonstigen Informationen zu lesen und dabei zu würdigen, ob diese sonstigen Informationen we-
sentliche Unstimmigkeiten zum Jahresabschluss oder zu unseren bei der Abschlussprüfung erlangten
Kenntnissen aufweisen oder anderweitig falsch dargestellt erscheinen.
Falls wir auf der Grundlage der von uns zu den vor dem Datum des Bestätigungsvermerks des
Abschlussprüfers erlangten sonstigen Informationen durchgeführten Arbeiten den Schluss ziehen, dass
Bestätigungsvermerk Semperit AG Holding 173
eine wesentliche falsche Darstellung dieser sonstigen Informationen vorliegt, sind wir verpflichtet, über
diese Tatsache zu berichten. Wir haben in diesem Zusammenhang nichts zu berichten.
Verantwortlichkeiten der gesetzlichen Vertreter und des Prüfungsausschusses für den
Jahresabschluss
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Jahresabschlusses und dafür, dass
dieser in Übereinstimmung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften ein mög-
lichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft vermittelt. Ferner sind
die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die internen Kontrollen, die sie als notwendig erachten,
um die Aufstellung eines Jahresabschlusses zu ermöglichen, der frei von wesentlichen falschen Darstel-
lungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist.
Bei der Aufstellung des Jahresabschlusses sind die gesetzlichen Vertreter dafür verantwortlich, die
Fähigkeit der Gesellschaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu beurteilen, Sachverhalte im
Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit – sofern einschlägig – anzugeben, so-
wie dafür, den Rechnungslegungsgrundsatz der Fortführung der Unternehmenstätigkeit anzuwenden,
es sei denn, die gesetzlichen Vertreter beabsichtigen, entweder die Gesellschaft zu liquidieren oder
die Unternehmenstätigkeit einzustellen oder haben keine realistische Alternative dazu.
Der Prüfungsausschuss ist verantwortlich für die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses der
Gesellschaft.
Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers für die Prüfung des Jahresabschlusses
Unsere Ziele sind, hinreichende Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Jahresabschluss als Ganzes frei
von wesentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist, und
einen Bestätigungsvermerk zu erteilen, der unser Prüfungsurteil beinhaltet. Hinreichende Sicherheit ist
ein hohes Maß an Sicherheit, aber keine Garantie dafür, dass eine in Übereinstimmung mit der EU-VO
und mit den österreichischen Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung
der ISA erfordern, durchgeführte Abschlussprüfung eine wesentliche falsche Darstellung, falls eine sol-
che vorliegt, stets aufdeckt. Falsche Darstellungen können aus dolosen Handlungen oder Irrtümern
resultieren und werden als wesentlich angesehen, wenn von ihnen einzeln oder insgesamt vernünftiger-
weise erwartet werden könnte, dass sie die auf der Grundlage dieses Jahresabschlusses getroffenen
wirtschaftlichen Entscheidungen von Nutzern beeinflussen.
Als Teil einer Abschlussprüfung in Übereinstimmung mit der EU-VO und mit den österreichischen
Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung, die die Anwendung der ISA erfordern, üben wir
während der gesamten Abschlussprüfung pflichtgemäßes Ermessen aus und bewahren eine kritische
Grundhaltung.
Darüber hinaus gilt:
• Wir identifizieren und beurteilen Risiken wesentlicher falscher Darstellungen aufgrund von dolosen
Handlungen oder Irrtümern im Abschluss, planen Prüfungshandlungen als Reaktion auf diese Risiken,
führen sie durch und erlangen Prüfungsnachweise, die ausreichend und geeignet sind, um als Grund-
lage für unser Prüfungsurteil zu dienen. Das Risiko, dass aus dolosen Handlungen resultierende we-
sentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden, ist höher als ein aus Irrtümern resultierendes,
da dolose Handlungen kollusives Zusammenwirken, Fälschungen, beabsichtigte Unvollständigkeiten,
irreführende Darstellungen oder das Außerkraftsetzen interner Kontrollen beinhalten können.
• Wir gewinnen ein Verständnis von dem für die Abschlussprüfung relevanten internen Kontrollsystem,
um Prüfungshandlungen zu planen, die unter den gegebenen Umständen angemessen sind, jedoch
nicht mit dem Ziel, ein Prüfungsurteil zur Wirksamkeit des internen Kontrollsystems der Gesellschaft
abzugeben.
Semperit AG Holding Bestätigungsvermerk 174
• Wir beurteilen die Angemessenheit der von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rechnungsle-
gungsmethoden sowie die Vertretbarkeit der von den gesetzlichen Vertretern dargestellten geschätz-
ten Werte in der Rechnungslegung und damit zusammenhängende Angaben.
• Wir ziehen Schlussfolgerungen über die Angemessenheit der Anwendung des Rechnungslegungs-
grundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit durch die gesetzlichen Vertreter sowie, auf
der Grundlage der erlangten Prüfungsnachweise, ob eine wesentliche Unsicherheit im Zusammen-
hang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die erhebliche Zweifel an der Fähigkeit der Ge-
sellschaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können. Falls wir die Schlussfolge-
rung ziehen, dass eine wesentliche Unsicherheit besteht, sind wir verpflichtet, in unserem
Bestätigungsvermerk auf die dazugehörigen Angaben im Jahresabschluss aufmerksam zu machen
oder, falls diese Angaben unangemessen sind, unser Prüfungsurteil zu modifizieren. Wir ziehen unsere
Schlussfolgerungen auf der Grundlage der bis zum Datum unseres Bestätigungsvermerks erlangten
Prüfungsnachweise. Zukünftige Ereignisse oder Gegebenheiten können jedoch die Abkehr der Ge-
sellschaft von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit zur Folge haben.
• Wir beurteilen die Gesamtdarstellung, den Aufbau und den Inhalt des Jahresabschlusses einschließ-
lich der Angaben sowie ob der Jahresabschluss die zugrunde liegenden Geschäftsvorfälle und
Ereignisse in einer Weise wiedergibt, dass ein möglichst getreues Bild erreicht wird.
Wir tauschen uns mit dem Prüfungsausschuss unter anderem über den geplanten Umfang und die ge-
plante zeitliche Einteilung der Abschlussprüfung sowie über bedeutsame Prüfungsfeststellungen, ein-
schließlich etwaiger bedeutsamer Mängel im internen Kontrollsystem, die wir während unserer Ab-
schlussprüfung erkennen, aus.
Wir geben dem Prüfungsausschuss auch eine Erklärung ab, dass wir die relevanten beruflichen Ver-
haltensanforderungen zur Unabhängigkeit eingehalten haben, und tauschen uns mit ihm über alle Be-
ziehungen und sonstigen Sachverhalte aus, von denen vernünftigerweise angenommen werden kann,
dass sie sich auf unsere Unabhängigkeit und – sofern einschlägig – damit zusammenhängende Schutz-
maßnahmen auswirken.
Wir bestimmen von den Sachverhalten, über die wir uns mit dem Prüfungsausschuss ausgetauscht
haben, diejenigen Sachverhalte, die am bedeutsamsten für die Prüfung des Jahresabschlusses des Ge-
schäftsjahres waren und daher die besonders wichtigen Prüfungssachverhalte sind. Wir beschreiben
diese Sachverhalte in unserem Bestätigungsvermerk, es sei denn, Gesetze oder andere Rechtsvorschrif-
ten schließen die öffentliche Angabe des Sachverhalts aus oder wir bestimmen in äußerst seltenen
Fällen, dass ein Sachverhalt nicht in unserem Bestätigungsvermerk mitgeteilt werden sollte, weil ver-
nünftigerweise erwartet wird, dass die negativen Folgen einer solchen Mitteilung deren Vorteile für das
öffentliche Interesse übersteigen würden.
Sonstige gesetzliche und andere rechtliche Anforderungen
Bericht zum Lagebericht
Der Lagebericht ist aufgrund der österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften darauf zu prü-
fen, ob er mit dem Jahresabschluss in Einklang steht und ob er nach den geltenden rechtlichen Anfor-
derungen aufgestellt wurde.
Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Lageberichts in Übereinstim-
mung mit den österreichischen unternehmensrechtlichen Vorschriften.
Wir haben unsere Prüfung in Übereinstimmung mit den Berufsgrundsätzen zur Prüfung des Lage-
berichts durchgeführt.
Bestätigungsvermerk Semperit AG Holding 175
Urteil
Nach unserer Beurteilung ist der Lagebericht nach den geltenden rechtlichen Anforderungen aufge-
stellt worden, enthält zutreffende Angaben nach § 243a UGB, und steht in Einklang mit dem Jahresab-
schluss.
Erklärung
Angesichts der bei der Prüfung des Jahresabschlusses gewonnenen Erkenntnisse und des gewonnenen
Verständnisses über die Gesellschaft und ihr Umfeld wurden wesentliche fehlerhafte Angaben im La-
gebericht nicht festgestellt.
Zusätzliche Angaben nach Artikel 10 der EU-VO
Wir wurden von der Hauptversammlung am 22. Juli 2020 als Abschlussprüfer gewählt. Wir wurden am
13. November 2020 vom Aufsichtsrat beauftragt. Wir sind ununterbrochen seit dem Geschäftsjahr 2012
Abschlussprüfer.
Wir erklären, dass das Prüfungsurteil im Abschnitt „Bericht zum Jahresabschluss“ mit dem zusätzli-
chen Bericht an den Prüfungsausschuss nach Artikel 11 der EU-VO in Einklang steht.
Wir erklären, dass wir keine verbotenen Nichtprüfungsleistungen (Artikel 5 Abs 1 der EU-VO)
erbracht haben und dass wir bei der Durchführung der Abschlussprüfung unsere Unabhängigkeit von
der geprüften Gesellschaft gewahrt haben.
Auftragsverantwortlicher Wirtschaftsprüfer
Der für die Abschlussprüfung auftragsverantwortliche Wirtschaftsprüfer ist Herr Mag. Gerhard
Schwartz.
Wien, am 17. März 2021
Ernst & Young
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H.
Mag. Gerhard Schwartz eh
Wirtschaftsprüfer
ppa Mag. Martina Geisler eh
Wirtschaftsprüferin
Semperit Gruppe I Jahresfinazbericht 2020
76
Notizen
Kontakt / Finanzkalender Semperit-Gruppe I Jahresfinanzbericht 2020
177
Kontakt
Semperit AG Holding
Modecenterstraße 22
1031 Wien, Österreich
Tel.: +43 1 79 777-0
Fax: +43 1 79 777-600
www.semperitgroup.com
Investor Relations
Mag. Judit Helenyi
Tel.: +43 1 79 777-310
Finanzkalender 2021
18.3.2021
V
eröffentlichung des Jahresergebnisses 2020
17.4.2021 Nachweisstichtag Hauptversammlung
27.4.2021 Hauptversammlung, Wien
29.4.2021 Dividenden Ex-Tag
30.4.2021 Nachweisstichtag Dividende (= Tag, an dessen
Ende die anspruchsberechtigten Wertpapiere
beim CSD Austria festgestellt werden)
3.5.2021 Dividenden Zahltag
19.5.2021 Bericht über das 1. Quartal 2021
19.8.2021 Halbjahresfinanzbericht 2021
17.11.2021 Bericht über das 1.-3. Quartal 2021
www.semperitgroup.com/ir
Adressen der Semperit Gruppe
www.semperitgroup.com/de/kontakt
Impressum
Medieninhaber: Semperit Aktiengesellschaft Holding, Modecenterstraße 22, 1031 Wien, Österreich.
Inhouse produziert mit firesys GmbH, www.firesys.de
Disclaimer
In diesem Bericht ist mit „Semperit“ oder „Semperit Gruppe“ der Konzern gemeint, mit „Semperit
AG Holding“ oder „Semperit Aktiengesellschaft Holding“ wird die Muttergesellschaft (Einzelgesell-
schaft) bezeichnet.
Wir haben diesen Bericht mit der größtmöglichen Sorgfalt erstellt und die Daten überprüft. Run-
dungs-, Satz- oder Druckfehler können dennoch nicht ausgeschlossen werden. Bei der Summierung
von gerundeten Beträgen und bei Prozentangaben können durch Verwendung automatischer
Rechenhilfen rundungsbedingte Rechendifferenzen auftreten.
Die in diesem Bericht enthaltenen Prognosen, Planungen und zukunftsgerichteten Aussagen
basieren auf dem Wissensstand und der Einschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung (Redaktions-
schluss: Wien, am 17. März 2021). Wie alle Aussagen über die Zukunft unterliegen sie Risiken und
Unsicherheitsfaktoren, die im Ergebnis auch zu erheblichen Abweichungen führen können. Für den
tatsächlichen Eintritt von Prognosen und Planungswerten sowie zukunftsgerichteten Aussagen kann
keine Gewähr geleistet werden. Diese Aussagen sind erkennbar an Formulieren wie „erwarten“, „wol-
len“, „antizipieren“, „beabsichtigen“, „planen“, „glauben“, „anstreben“, „einschätzen“, „werden“
und „vorhersagen“, „ins Auge fassen“ oder ähnlichen Begriffen.
Weiters kann keine Garantie für die Vollständigkeit der Inhalte gegeben werden.
Personenbezogene Formulierungen sind geschlechtsneutral zu verstehen.
Dieser Bericht wurde in deutscher und englischer Sprache verfasst. Maßgeblich ist in Zweifels-
fällen die deutschsprachige Version.
Annual Report 2019
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