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Annual Financial Report 2020 Lenzing Group
Geschäftsbericht 2020 Lenzing AG 45
regional unterschiedlicher Maßnahmen kann den gesellschaftli-
chen Erfolg der Lenzing Gruppe negativ beeinussen. Um die
klimabedingten Übergangsrisiken zu mindern und die Resilienz in
diesem Bereich weiter zu erhöhen, setzt die Lenzing Gruppe eine
Vielzahl an Maßnahmen um.
Markenrisiken
Es besteht das Risiko von fehlendem oder unvollständigem Schutz
von geistigem Eigentum und Marken für Produkte von Lenzing. Die
Lenzing Gruppe steuert diese Risiken mittels eigener Abteilungen
für den Schutz von Marken und geistigem Eigentum. Darüber hin-
aus wird diesem Risiko mit einer klaren Markenstrategie und inte-
grierten Prozessen Rechnung getragen.
Klimawandel und Verschmutzung der Meere
Das Bewusstsein für die Probleme, die Klimawandel und Erderwär-
mung mit sich bringen, ist deutlich gestiegen. Der Meeresspiegel
steigt mit zunehmendem Abschmelzen der Gletscher an. Gleich-
zeitig werden wetterbedingte Katastrophen noch extremer. Die
Lenzing Gruppe ist sich der weitreichenden Auswirkungen des Kli-
mawandels auf die Gesellschaft und die Ökosysteme bewusst und
setzt sich ambitionierte und klare Nachhaltigkeitsziele. Lenzing
wird ihre CO
2
-Emissionen in den nächsten Jahren substanziell re-
duzieren. Das Ziel für 2050 lautet klimaneutral zu sein. Die strate-
gische Festlegung bis 2024 sieht vor, die Emissionen je Tonne Pro-
dukt um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017 zu senken.
Um die Dekarbonisierung der eigenen Wertschöpfung und der ge-
samten textilen Lieferkette voranzutreiben, entwickelt Lenzing
auch ihr Produktangebot kontinuierlich weiter. Im 3. Quartal 2020
führte Lenzing die ersten CO
2
-neutralen Fasern am Markt ein. Die
neuen Fasern, die unter der Marke TENCEL™ vertrieben werden,
sind gemäß der Richtlinie des „CarbonNeutral Protocol“ als Car-
bonNeutral
®
-Produkte für die Textilindustrie zertiziert.
Lenzing sucht kontinuierlich nach Möglichkeiten zur Erhöhung ih-
rer Energieezienz sowie nach Gelegenheiten zur Nutzung erneu-
erbarer Energiequellen oder solcher mit geringeren CO
2
-Emissio-
nen. Lenzing plant beispielsweise auf einer Fläche von 55.000 m²
die Errichtung der größten Photovoltaik-Freiächenanlage
Oberösterreichs. Der Baubeginn ist für den Sommer 2021, die
Inbetriebnahme für das 2. Halbjahr 2021 geplant.
Die Belastung der Weltmeere durch Plastikmüll und Mikroplastik
stellt ebenso eine globale Bedrohung dar. Lenzing wirkt dieser Ent-
wicklung durch die nachhaltige Herstellung biologisch abbaubarer
und kompostierbarer Fasern entgegen.
Mehr über die Ziele und Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie
„Naturally positive“ lesen Sie im Nachhaltigkeitsbericht der
Lenzing Gruppe.
Operative Risiken
Beschaungsrisiko (inkl. Zellstoversorgung)
Zur Herstellung von Cellulosefasern muss die Lenzing Gruppe
große Mengen an Rohstoen (Holz, Zellsto, Chemikalien) und
Energie zukaufen. Die Faserproduktion und deren Margen sind Ri-
siken der Verfügbarkeit und der Preisentwicklung dieser Rohstoe
unterworfen, die zum Nachteil der Lenzing Gruppe schwanken
und durch den Klimawandel weiter verstärkt werden können. Die-
sen Risiken wirkt Lenzing durch eine sorgfältige Auswahl der Lie-
feranten nach den Kriterien Preis, Zuverlässigkeit und Qualität,
EcoVadis-basierte Nachhaltigkeitsbewertungen, aber auch durch
langjährig ausgerichtete, stabile Lieferanten-Kunden-Beziehungen
mit teilweise mehrjährigen Abnahmeverträgen entgegen. Alle Zu-
lieferer sind außerdem verpichtet, den Globalen Lieferanten-Ver-
haltenskodex von Lenzing einzuhalten. Dennoch besteht das Risiko
von Verstößen mit negativen Auswirkungen auf die Lenzing
Gruppe und ihre Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette.
Lieferkettenrisiken können sich auch aus Störungen ergeben, die
durch Naturereignisse ausgelöst werden.
Lenzing ist mit einigen Rohstoieferanten und Dienstleistungs-
partnern langfristige Vertragsbeziehungen eingegangen. Diese
verpichten Lenzing dazu, festgesetzte Mengen an Rohstoen zu
standardisierten Konditionen und mit möglichen Preisanpassungs-
klauseln abzunehmen. Daraus kann für Lenzing resultieren, dass
Preise, Abnahmemengen oder andere Vertragsbedingungen nicht
unmittelbar an die geänderten Marktbedingungen angepasst wer-
den können.
Teil der sCore TEN Strategie ist, eine verstärkte Rückwärtsintegration
durch den Ausbau der konzerneigenen Zellstoffproduktion zu erzie-
len.
Logistikrisiko
Die zunehmende Vernetzung der globalen Beschaffungs- und Ab-
satzmärkte, sowie stark kostenfokussierte Lieferketten können zu un-
erwarteten Ereignissen wie Lieferantenausfällen und daraus resultie-
renden Nachfrageproblemen bei den Faserstandorten führen. Auf-
grund der teilweise langen Transportwege kann es dadurch zu Pro-
duktionsausfällen bei Lenzing aber auch zu Engpässen bei unseren
Kunden kommen. Lenzing hat eine eigene „Global Logistics“-Abtei-
lung, die sich laufend damit beschäftigt, diese Risiken frühzeitig zu
erkennen und alternative Transportmethoden zu erarbeiten. Im Be-
richtsjahr wurde erstmals die Beförderung von Fasern von Europa
nach China über die Bahnstrecke durchgeführt.
Betriebliche Risiken, Umweltrisiken und Risiken
im Zusammenhang mit Naturgefahren
Zur Herstellung von holzbasierten Cellulosefasern bedarf es kom-
plexer chemischer und physikalischer Vorgänge, die gewisse Um-
weltrisiken bedingen. Durch proaktives und nachhaltiges Umwelt-
management, geschlossene Produktionskreisläufe und laufendes
Monitoring der Emissionen werden diese Risiken sehr gut be-
herrscht. Lenzing arbeitet beständig daran, Sicherheit und Um-
weltstandards durch freiwillige Referenzen, wie das EU Ecolabel,
weiter zu erhöhen. Da die Lenzing Gruppe seit Jahrzehnten Pro-
duktionsstätten an mehreren Orten betreibt, können Risiken für
Umweltschäden aus früheren Perioden nicht gänzlich ausge-
schlossen werden.
Obwohl die Lenzing Gruppe bei Bau, Betrieb und Erhaltung ihrer
Produktionsstandorte sehr hohe Standards im Bereich Technik und
Sicherheit anlegt, kann das Risiko von Betriebsstörungen und -un-
fällen nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Solche Störungen
können auch von äußeren Faktoren verursacht werden, die sich
dem Einussbereich von Lenzing entziehen. Gegen Naturgefahren
(Wirbelstürme, Erdbeben, Überflutungen etc.) ist keine unmittel-
bare Absicherung möglich. Zudem besteht das Risiko von Perso-
nen-, Sach- und Umweltschäden sowohl innerhalb als auch außer-
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Risikoanalyse (nach COSO
®1
Framework)
Das zentrale Risikomanagement führt halbjährliche Risiko-Assess-
ments in sämtlichen Produktionsstandorten und funktionalen Ein-
heiten mit einem Zeithorizont von fünf Jahren durch. Die wesentli-
chen Risiken werden gemäß den internationalen COSO
®
-Stan-
dards erfasst und bewertet. Es werden nur Risiken außerhalb der
Konzern-Bilanz und der Konzern-GuV dargestellt. Dabei wird die
nanzielle Auswirkung eines möglichen Schadens auf das Kon-
zern-EBITDA oder auf die liquiden Mittel berücksichtigt. Die prog-
nostizierte künftige Ergebnisentwicklung wird unter Berücksichti-
gung der Risiken simuliert (EBITDA-at-risk) und die Bandbreite der
möglichen Abweichungen zum jeweiligen Budget ermittelt.
Lenzing bedient sich dazu einer Simulationssoftware, die auch wei-
tere KPIs wie den Value at Risk (Wert im Risiko), einen risikoadjus-
tierten ROCE und eine Sensitivitätsanalyse errechnet.
Risikomitigation
Es wird versucht, je nach Auswirkung auf das Unternehmen, Risi-
ken durch entsprechende Maßnahmen zu minimieren, zu vermei-
den oder auch in bestimmten Fällen bewusst einzugehen.
Verantwortlichkeit
Die Zuordnung der Risiken erfolgt aufgrund der bestehenden Or-
ganisationsmatrix. Jedes Risiko ist einem Risikoverantwortlichen
zugewiesen.
Risikoüberwachung/-kontrolle
Im Berichtsjahr wurde die Funktionsfähigkeit des Risikomanage-
ment-Systems der Lenzing Gruppe von KPMG Austria GmbH ge-
mäß Regel 83 ÖCGK im Rahmen einer sonstigen Prüfung auditiert
und bestätigt.
Berichterstattung
Die Hauptrisiken werden in einem Bericht ausführlich dargestellt
und mit dem Vorstand als auch dem Prüfungsausschuss bespro-
chen.
Marktumfeldrisiken
Marktrisiko
Als weltweit agierendes Unternehmen ist die Lenzing Gruppe einer
Vielzahl von makroökonomischen Risiken ausgesetzt. Die Preis-
und Mengenentwicklung ist bei Fasern für Textilien und in geringe-
rem Maße auch bei Fasern für Vliesstoe zyklisch, da sie von
globalen und regionalen Konjunkturlagen abhängig ist. Auf vielen
Teilmärkten konkurrieren Lenzing Fasern mit Baumwolle und syn-
thetischen Fasern. Deren Preisentwicklung beeinusst somit auch
die Entwicklung der Umsätze und Verkaufsmengen von Lenzing
Fasern.
Diesem Risiko wirkt die Lenzing Gruppe durch einen ständig stei-
genden Spezialitätenanteil im globalen Produktportfolio sowie ei-
ner konsequenten Nachhaltigkeits- und Innovationsstrategie ent-
gegen. Ziel ist, den Anteil der Spezialfasern bis 2024 auf 75 Prozent
des Faserumsatzes zu erhöhen sowie die Rolle als führendes Un-
ternehmen hinsichtlich Nachhaltigkeit im Faserbereich weiter aus-
zubauen. Hohe Qualitätsstandards in Verbindung mit dem Angebot
1
Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission
von Mehrwertdiensten im Standardbereich zielen ebenfalls auf die
Sicherung der Marktführerschaft von Lenzing ab.
Die Lenzing Gruppe setzt auf eine starke internationale Marktprä-
senz, speziell in Asien, in Verbindung mit einem erstklassigen, regi-
onalen Betreuungsnetzwerk für die Kunden sowie einer hohen kun-
denorientierten Produktdiversikation. Im Berichtsjahr wurde in
Kooperation mit der Textil- und Mode-Vereinigung von Singapur
ein Center für Mode-Designer erönet, um die Marke TENCEL™
bei Konsument/innen präsenter zu machen.
Absatzrisiko
Die Lenzing Gruppe erzielt etwa die Hälfte des Faserumsatzes mit
einer vergleichsweise kleinen Anzahl an Großkunden. Abnahme-
ausfälle bei dieser Kundengruppe oder der gänzliche Verlust eines
oder mehrerer Großkunden, ohne zeitgleich Ersatz zu nden, stel-
len gewisse Risiken dar, denen das Unternehmen durch seine glo-
bale Präsenz und die laufende Erweiterung des Kundenspektrums
bzw. der Absatzsegmente entgegenwirkt. Der mögliche Ausfall
von Kundenforderungen wird durch ein strenges Forderungsma-
nagement und den Einsatz einer weltweiten Kreditversicherung
abgedeckt.
Innovationsrisiko und Wettbewerbsrisiko
Die Lenzing Gruppe ist dem Risiko ausgesetzt, ihre Position auf dem
Fasermarkt durch steigenden Wettbewerb oder neue Technologien
von Mitbewerbern zu verlieren. Der Verlust der Marktposition könnte
insbesondere eintreten, wenn die Lenzing Gruppe nicht in der Lage
wäre, ihre Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten, Pro-
dukte nicht den Vorgaben oder Qualitätsstandards der Kunden
entsprächen oder die Kundenbetreuung hinter den Erwartungen
zurückbliebe. Diesem Risiko steuert Lenzing durch eine für die
Branche überdurchschnittliche Forschungs- und Entwicklungs-
tätigkeit, eine hohe Produktinnovationsrate sowie durch ständige
Kostenoptimierungen entgegen. Die Lenzing Gruppe sieht sich –
ebenso wie andere Hersteller – stets mit dem Risiko konfrontiert,
dass annehmbare oder sogar überlegene Alternativprodukte ver-
fügbar werden und zu günstigeren Preisen als holzbasierte Cellu-
losefasern erhältlich werden könnten.
Gesetze und Verordnungen
Die Lenzing Gruppe ist auf den weltweiten Märkten mit unter-
schiedlichen Rechtssystemen und Verordnungen konfrontiert. Eine
Änderung von Gesetzen oder sonstigen Bestimmungen, darunter
fallen auch Importzölle, Produktklassizierungen, Umweltauagen
etc., sowie die strengere Auslegung von Gesetzen können zu er-
heblichen Mehrkosten oder Wettbewerbsnachteilen führen. Die
Lenzing Gruppe verfügt mit der Abteilung „Legal Management, In-
tellectual Property und Compliance“ über einen eigenen Unterneh-
mensbereich der entsprechende Beratungsleistungen und Risi-
koeinschätzungen durchführt.
Infolge der weitreichenden Auswirkungen der globalen Erwär-
mung auf die Gesellschaft und Ökosysteme ist mit zu rechnen,
dass Regierungen mit einer Verschärfung der Gesetze reagieren.
Neben der Reduktion der in der EU ausgegebenen CO
2
-Zertikate
droht beispielsweise auch die Einführung neuer Steuern auf CO
2
-
Emissionen. Die Durchsetzung ähnlicher Vorhaben ist derzeit auch
in anderen Regionen und Ländern geplant. Eine Implementierung