
noch immer kein Ende, die Kampfhandlungen entwickeln
sich immer mehr in Richtung eines Abnützungskrieges.
Beide Seiten scheinen nicht in der Lage zu sein, den
Gegner militärisch entscheidend zu bezwingen. Kurzfris-
tige Aufregung verursachte im Juni ein Militärputsch
durch den Anführer der Wagner-Söldner, der mit seinen
Truppen Richtung Moskau marschierte. Der Aufstand
wurde in Verhandlungen unter der Führung des belarus-
sischen Machthabers Alexander Lukaschenko nach ei-
nem Tag friedlich beigelegt, allerdings kam der Wagner-
Anführer nur zwei Monate später bei einem ungeklärten
Flugzeugabsturz ums Leben. Nachdem die Vereinigten
Staaten der Ukraine bis in den Herbst weiter sehr aktiv
mit Waffenlieferungen zur Seite standen, endete diese
Hilfe vorerst gegen Jahresende, weil einige Republikaner
weiteres Budget dafür nur im Gegenzug für ein restrikti-
ves Einwanderungsgesetz freigeben wollen. Da die US-
Rüstungsindustrie stark vom Krieg profitiert, besteht
allerdings ein großes Interesse, zu einer Lösung zu kom-
men. Selbst mit weiteren Waffenlieferungen ist ein Ende
des Kriegs aber auch 2024 nicht abzusehen.
Im Oktober 2023 eröffnete sich ein weiterer Kriegs-
schauplatz, als Kämpfer der radikal-islamischen Hamas
einen Terrorangriff auf Israel starteten. Als Reaktion be-
gann Israel militärisch gegen die Hamas vorzugehen und
im Gazastreifen einzumarschieren. Auch diese Kampf-
handlungen waren mit Jahresende noch am Laufen und
es ist derzeit kein Ende in Sicht. Unterstützer der Hamas
finden sich vor allem im Iran und bei den jemenitischen
Huthis, die durch Attacken auf Schiffe im roten Meer den
Schiffsverkehr durch den Suezkanal behindern. Noch
sind die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft überschau-
bar, westliche Kampfschiffe versuchen den Schiffsver-
kehr durch Abwehr der Angriffe und präzise Militärschlä-
ge gegen Huthi-Einrichtungen weiter zu gewährleisten.
Die Weltwirtschaft leidet immer noch unter den Nachwir-
kungen der hohen Inflationsraten und den damit verbun-
denen Zinserhöhungen vieler Notenbanken. Das restrikti-
ve monetäre Umfeld führt dazu, dass der Internationale
Währungsfonds (IWF) bei seiner Prognose im Januar
2024 für das Gesamtjahr 2023 nur mehr ein Wachstum
von +3,1 Prozent feststellte, was weit unter dem histori-
schen Durchschnitt seit dem Jahr 2000 von +3,8 Prozent
liegt. Für 2024 wird ein konstantes Plus von ebenfalls
+3,1 Prozent vorhergesagt. Entspannung dürfte die weite-
re Entwicklung der Teuerungsraten bringen, nach einem
Anstieg von +6,8 Prozent im Jahr 2023, prognostiziert
der IWF für 2024 einen Rückgang auf 5,8 Prozent. Die
Kerninflation ohne Energiepreise und Nahrungsmittel wird
als hartnäckig beschrieben und voraussichtlich in den
meisten Ländern nicht vor 2025 auf das angestrebte
Zielniveau sinken.
Blickt man auf die beiden wichtigsten Weltregionen, so
präsentierte sich Europa im Jahr 2023 mit einem sehr
geringen Wachstum. Vor allem die Schwäche der stärks-
ten EU-Volkswirtschaft Deutschland sorgte in der Euro-
zone für ein Plus von nur +0,5 Prozent. Für das Jahr 2024
wird wieder ein etwas robusteres Wachstum von +0,9
Prozent erwartet. Wie so oft, konnte sich die Wirtschaft in
den Vereinigten Staaten besser behaupten als jene in
Europa. Weiterhin niedrige Arbeitslosenraten und eine
stabile Konsumnachfrage haben laut IWF zu einem Wirt-
schaftswachstum von +2,5 Prozent geführt. Die USA
könnten die Auswirkungen der restriktiven Geldpolitik mit
etwas Verzögerung im Jahr 2024 zu spüren bekommen,
hierfür wird ein geringeres Plus von +2,1 Prozent voraus-
gesagt. Die Anfang November stattfindenden Wahlen in
den USA könnten allerdings dazu beitragen, dass zusätz-
liche Maßnahmen zur Beflügelung der Konjunktur gesetzt
werden.
Österreich gehört zu den Ausreißern innerhalb der Euro-
päischen Union, sowohl was die Inflation betrifft als auch
das Wirtschaftswachstum. Die Winterprognose des Insti-
tuts für Höhere Studien (IHS) vom vierten Quartal 2023
sieht für das gesamte Jahr 2023 eine um –0,7 Prozent
schrumpfende Wirtschaftsleistung. Gesunkene Realein-
kommen in Folge der Inflationsentwicklung und eine
schwächere Nachfrage nach Industriegütern dürften
auch 2024 dafür sorgen, dass die Erholung nur langsam
von statten geht. Das IHS erwartet ein Plus von +0,8
Prozent, erst 2025 könnte das Wirtschaftswachstum
wieder in Richtung 1,5 Prozent ansteigen.
Inflation fällt deutlich
Das kräftige Einschreiten der Notenbanken, gepaart mit
einer Stabilisierung der Preise für diverse Rohstoffe,
führte dazu, dass sich die Inflation im Jahr 2023 wieder
weit von ihren Höchstständen entfernte. Startete die
Teuerung in der Eurozone das Jahr noch bei 9,2 Prozent,
so lag sie zur Jahresmitte bereits nur mehr bei 5,5 Pro-
zent und Ende November bei 2,4 Prozent. Im Dezember
gab es wieder eine leichte Steigerung auf 2,9 Prozent.
Weniger deutlich reduzierte sich die Inflation in Öster-
reich. Von 10,2 Prozent zu Jahresbeginn ging es nur auf
5,6 Prozent per Ultimo 2023 zurück. Für 2024 wird vom
Institut für Höhere Studien (IHS) ein weiterer Rückgang
auf 3,9 Prozent prognostiziert, im Jahr 2025 sollte dann
eine Teuerungsrate von 3,0 Prozent erreicht werden. Die
USA begannen das Jahr 2023 mit einer niedrigeren Infla-
tionsrate von 6,5 Prozent, bis Ende Juni ging es laufend
abwärts auf 3,0 Prozent. Seither entwickelt sich die Teue-
rung seitwärts, zum Jahresende lag ein Wert von 3,1
Prozent vor.
Notenbanken erreichen Zinsgipfel
Im Jahr 2023 ging der Zinsanhebungszyklus der Noten-
banken ins Finale. Bei gleichzeitig im Jahresverlauf wie-
der deutlich sinkenden Inflationszahlen führte das dazu,
dass an den Kapitalmärkten bereits wieder Zinsrück-
gänge zu beobachten waren. Renditen für zehnjährige
österreichische Bundesanleihen fielen von 3,2 Prozent
Ende 2022 auf rund 2,6 Prozent zum Jahresende 2023.
Auch für die zehnjährigen deutschen Bundesanleihen gab
es einen ähnlichen Rückgang von knapp –2,6 Prozent auf
fast exakt 2,0 Prozent.
Am Geldmarkt gab es im Jahr 2023 hingegen noch einen
deutlichen Anstieg. Der Einlagensatz der Europäischen
Zentralbank (EZB), zu dem die Geschäftsbanken Geld bei