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ZUSAMMENGEFASSTER
LAGEBERICHT UND
KONZERNABSCHLUSS DER
EVONIK INDUSTRIES AG
Geschäftsjahr vom
1. Januar bis 31. Dezember
2020
2
KONZERNABSCHLUSS & LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Kennzahlen Evonik-Konzern
Vorjahreszahlen angepasst.
a
Das Methacrylatgeschäft wurde bis zu seinem Abgang zum 31. Juli 2019 als nicht fortgeführte Aktivität ausgewiesen.
b
Ergebnis vor Finanzergebnis, Steuern, Abschreibungen und nach Bereinigungen, fortgeführte Aktivitäten.
c
Ergebnis vor Finanzergebnis, Steuern und nach Bereinigungen, fortgeführte Aktivitäten.
d
Return on Capital Employed (Verzinsung des eingesetzten Kapitals).
e
Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen, fortgeführte Aktivitäten.
f
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit fortgeführter Aktivitäten abzüglich Auszahlungen für Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen.
g
Anzahl der Arbeitsunfälle eigener Mitarbeiter und von Fremdfirmenmitarbeitern, wenn sie unter direkter Weisung von Evonik stehen, pro 1 Million Arbeitsstunden.
h
Anzahl der Zwischenfälle in Produktionsanlagen mit Stoff-/ Energiefreisetzungen, Bränden oder Explosionen pro 1 Million Arbeitsstunden der Mitarbeiter.
Aufgrund von Rundungen ist es möglich, dass sich in Einzelfällen Werte in diesem Bericht nicht exakt zur angegebenen Summe addieren.
Kennzahlen Evonik-Konzern
in Millionen € 2016 2017 2018
a
2019
a
2020
Umsatz 12.732 14.383 13.267 13.108
12.199
Forschungs- & Entwicklungskosten 438 476 437 428 433
Bereinigtes EBITDA
b
2.165 2.357 2.150 2.153 1.906
Bereinigte EBITDA-Marge in % 17,0 16,4 16,2 16,4 15,6
Bereinigtes EBIT
c
1.448 1.486 1.361 1.201 890
Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern (EBIT) 1.298 1.225 1.049 1.086 819
ROCE
d
in % 14,0 11,2 10,2 8,6 6,1
Konzernergebnis 844 713 932 2.106 465
Bereinigtes Konzernergebnis 930 1.007 1.014 902 640
Ergebnis je Aktie in € 1,81 1,53 2,00 4,52 1,00
Bereinigtes Ergebnis je Aktie in € 1,99 2,16 2,18 1,94 1,37
Bilanzsumme zum 31. Dezember 19.645 19.940 20.282 22.023 20.897
Eigenkapitalquote zum 31. Dezember in % 39,5 37,7 38,6 41,1 38,8
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit 1.769 1.551 1.760 1.321 1.727
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, fortgeführte
Aktivitäten 1.769 1.551 1.474 1.352
1.736
Auszahlungen für Sachinvestitionen
e
948 1.040 948 880 956
Free Cashflow
f
(nach Steuerzahlungen aus dem Carve-out des
Methacrylatgeschäfts) 821 511 526 472
780
Free Cashflow vor Steuerzahlungen aus dem Carve-out des
Methacrylatgeschäfts 821 511 526 717
780
Nettofinanzschulden/-vermögen zum 31. Dezember 1.111 -3.023 -2.907 -2.141 -2.886
Unfallhäufigkeit
g
1,24 1,16 0,87 1,18 0,80
Ereignishäufigkeit
h
0,95 1,11 1,08 1,10 1,45
Mitarbeiter zum 31. Dezember (Anzahl) 34.351 36.523 32.623 32.423 33.106
EVONIK LAGEBERICHT 2020
3
Zusammengefasster Lagebericht
Grundlagen des Konzerns 4
Wirtschaftsbericht 11
Gesamtaussage zur wirtschaftlichen Lage 12
Wirtschaftliches Umfeld 13
Wichtige Ereignisse 15
Geschäftsverlauf 16
Prognose-Ist-Vergleich 20
Entwicklung in den Segmenten 21
Entwicklung in den Regionen 29
Ertragslage 31
Finanzlage 32
Vermögenslage 36
Wirtschaftliche Entwicklung der Evonik Industries AG 37
Forschung & Entwicklung 41
Nachhaltigkeit 46
Nachhaltigkeitsstrategie 47
Mitarbeiter 49
Sicherheit 57
Umwelt 59
Wertschöpfungskette 63
Chancen- und Risikobericht 67
Prognosebericht 82
Erklärung zur Unternehmensführung 86
Vergütungsbericht 99
Übernahmerelevante Angaben 109
Zusammengefasster Lagebericht 2020
Bei diesem Lagebericht handelt es sich um einen zusammengefassten Lagebericht für den Evonik-Konzern und die Evonik
Industries AG. Die für den Evonik-Konzern getroffenen Aussagen hinsichtlich der Entwicklung in den Segmenten gelten
aufgrund der Einflüsse aus den Segmenten entsprechend für die Evonik Industries AG. Der Konzernabschluss wurde nach
den International Financial Reporting Standards (IFRS) und der Jahresabschluss nach den Vorschriften des deutschen
Handelsgesetzbuchs (HGB) und des Aktiengesetzes (AktG) aufgestellt. Der Vergütungsbericht und die
übernahmerelevanten Angaben werden im Abschnitt Corporate Governance gezeigt und sind Bestandteile des vom
Abschlussprüfer geprüften zusammengefassten Lageberichts. Die Erklärung zur Unternehmensführung findet sich ebenfalls
im Abschnitt Corporate Governance sowie im Internet unter www.evonik.de/erklaerung-zur-unternehmensfuehrung und
ist ein nicht geprüfter Bestandteil des zusammengefassten Lageberichts. Der gesonderte zusammengefasste nichtfinanzielle
Bericht ist im Finanzbericht unter den Weiteren Informationen sowie im Internet unter www.evonik.de/nichtfinanzieller-
Bericht zu finden und ebenfalls ein nicht geprüfter Bestandteil des zusammengefassten Lageberichts.
4
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
EVONIK LAGEBERICHT 2020
5
1.1 Geschäftsmodell
Evonik ist ein weltweit führendes Unternehmen der Spezialchemie. Zu unseren Stärken zählt ein ausgewogenes Spektrum
an Arbeitsgebieten, Endmärkten und Regionen. Rund 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaften wir aus führenden
Marktpositionen
1
, die wir konsequent ausbauen. Unsere starke Stellung im Wettbewerb basiert auf der engen
Zusammenarbeit mit Kunden, unserer hohen Innovationskraft und unseren integrierten Technologieplattformen.
Unsere Spezialchemieprodukte leisten bei unseren Kunden einen unverzichtbaren Beitrag zum Nutzen ihrer Produkte, mit
denen diese im globalen Wettbewerb erfolgreich sind. Durch den engen Austausch mit unseren Kunden bauen wir
tiefgreifendes Wissen über deren Geschäfte auf. Dadurch können wir Produkte für Kundenanforderungen
„maßschneidern“ und umfassende technische Serviceleistungen bieten. Eine bedeutende Rolle spielen dabei unsere
Technologie- und Kundenberatungszentren in der ganzen Welt.
Unsere marktorientierte Forschung & Entwicklung ist ein wichtiger Treiber für profitables Wachstum. Grundlage dafür ist
unsere ausgeprägte Innovationskultur, die wir in unserem Innovationsmanagement und unserer Führungskräfteentwicklung
verankert haben. Gute Ideen werden schnell erkannt, vorangetrieben und mit unseren Kunden umgesetzt.
Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg sind unsere sehr gut ausgebildeten Mitarbeiter, die Evonik mit ihrem Einsatz und ihrer
hohen Identifikation mit dem Unternehmen jeden Tag voranbringen. Wir haben deshalb zahlreiche Aktivitäten entwickelt,
um talentierte und qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen, weiterzuentwickeln und an uns als attraktiven Arbeitgeber zu
binden.
Als Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit von Evonik gehören nachhaltiges Wirtschaften und verantwortungsvolles
Handeln zu den Grundpfeilern unseres Geschäftsmodells. Wichtiger Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsstrategie 2020+ ist
ein vorausschauendes Ressourcenmanagement. Dies umfasst ehrgeizige Umweltziele sowie die Integration von
Nachhaltigkeit in unseren strategischen Managementprozess. Grundlage dafür ist die Nachhaltigkeitsanalyse der Geschäfte,
mit der wir im Jahr 2020 erstmals unser gesamtes Chemieproduktportfolio untersucht haben. Darüber hinaus beschäftigen
wir uns systematisch mit den positiven und negativen Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit entlang der
Wertschöpfungskette. Das frühzeitige Erkennen künftiger Chancen und Risiken erhöht die Resilienz unseres
Geschäftsmodells und schärft das Verständnis des langfristigen gesellschaftlichen Wertbeitrags unserer Aktivitäten.
Neue Konzernstruktur
Zum 1. Juli 2020 haben wir unsere Konzernstruktur neu ausgerichtet. Unser operatives Spezialchemiegeschäft ist in vier
produzierende Chemie-Divisionen gegliedert, die nah an den Märkten und Kunden agieren. Die neuen Chemie-Divisionen
Specialty Additives, Nutrition & Care, Smart Materials sowie Performance Materials sind in ihrer Größe und Profitabilität
ausgeglichener und lassen sich durch eine eindeutigere Zuordnung der Technologieplattformen gezielter steuern.
Unterstützt werden diese durch unsere Serviceaktivitäten.
1
Hierunter verstehen wir die Positionen 1, 2 oder 3 in den relevanten Märkten. Quelle: Interne Auswertungen auf Basis 2019.
6
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Die Divisionen Specialty Additives, Nutrition & Care sowie Smart Materials operieren in attraktiven Märkten mit überdurch-
schnittlichem Wachstum. Diese drei Divisionen bieten ihren Kunden maßgeschneiderte, individuelle und innovations-
getriebene Lösungen. Ziel ist es, in diesen Divisionen mit Innovationen, Investitionen, aber auch Akquisitionen überdurch-
schnittliches und profitables Wachstum zu erreichen.
Die Division Performance Materials ist durch rohstoff- sowie energieintensive Prozesse gekennzeichnet. Daher liegt das
Hauptaugenmerk auf integrierten kostenoptimierten Technologieplattformen, effizienten Abläufen und Skaleneffekten.
Unser strategischer Auftrag an diese Division ist, einen Beitrag zur Finanzierung des Wachstums im Evonik-Konzern zu
leisten. Investitionen und gegebenenfalls Kooperationen konzentrieren sich auf die Sicherung der guten Marktpositionen.
Breit gefächerte Endmärkte
Unsere Kunden sind überwiegend Industrieunternehmen, die unsere Produkte weiterverarbeiten. Das Spektrum der Märkte,
in denen diese tätig sind, ist vielfältig und ausgewogen. Auf keinen dieser Endmärkte entfallen mehr als 20 Prozent unseres
Umsatzes.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
7
Globale Produktion
Evonik erwirtschaftet 83 Prozent ihres Umsatzes außerhalb Deutschlands und ist in über 100 Ländern tätig. Wir betreiben
Produktionsanlagen in 27 Ländern auf sechs Kontinenten und sind damit nah an unseren Märkten und Kunden. Die größten
Produktionsstandorte wie Marl, Wesseling und Rheinfelden in Deutschland sowie Antwerpen (Belgien), Mobile (Alabama,
USA), Schanghai (China) und Singapur beheimaten integrierte Technologieplattformen, die überwiegend für mehrere
Einheiten produzieren.
Integrierte Technologieplattformen als Wettbewerbsvorteil
Unsere Produkte stellen wir auf Basis hochentwickelter Technologien her, die wir ständig weiter optimieren. Vielfach verfügt
Evonik über integrierte Produktionskomplexe, in denen wichtige Vorprodukte in angrenzenden Produktionsanlagen selbst
hergestellt werden. Unseren Kunden bieten wir dadurch ein Höchstmaß an Versorgungssicherheit. Gleichzeitig stellen die
integrierten World-Scale-Produktionsanlagen in Verbindung mit technologisch anspruchsvollen Herstellungsprozessen hohe
Eintrittsbarrieren für diese Geschäfte dar.
Digitalisierung leistet Beitrag zu profitablem Wachstum
Evonik hat sich frühzeitig mit der Digitalisierung der Produktions- und Geschäftsprozesse in der chemischen Industrie
auseinandergesetzt und mit der praktischen Umsetzung begonnen. Wir treiben die Digitalisierung unserer
Produktionsstandorte energisch voran: Antwerpen wird zurzeit zum digitalen Leuchtturmstandort ausgebaut, um auch als
Modell für die digitale Transformation anderer Standorte zu dienen.
Wie wir Digitalisierung mit dem Menschen im Zentrum leben wollen, haben wir in unserem „Leitbild Digitalisierung“
festgelegt. Wir begreifen Digitalisierung als konzernweite Gestaltungsaufgabe und sorgen für die Vernetzung dezentraler
Initiativen und die Bündelung von Kompetenzen und Methodenwissen. Dabei kommt der Evonik Digital GmbH die Aufgabe
zu, „weiße Flecken“ auf der Digitalisierungslandkarte unseres Konzerns zu identifizieren. Außerdem fördert sie den Einsatz
digitaler Technologien und datenbasierter Innovationsprozesse. Das umfasst beispielsweise leistungsfähige E-Commerce-
Lösungen oder den Einsatz von künstlicher Intelligenz in Forschung, Entwicklung und Anwendungstechnik. Das
Querschnittsthema Digitalisierung wird dabei anhand der Schwerpunktbereiche Smart Operations, Digital Business,
Cognitive Solutions und Human Work bearbeitet. Ziel sind Effizienzsteigerungen sowohl bei Evonik als auch entlang der
Lieferkette, aber auch die Verbesserung von Kunden- und Nutzererlebnissen.
Der IT-Bereich von Evonik entwickelt, implementiert und betreibt technisch innovative Lösungen, damit die Ziele der
Digitalisierung auch umgesetzt werden können. IT und die Fachbereiche arbeiten in fachübergreifenden Teams unter
Nutzung moderner Methoden an digitalen Lösungen.
Digitale Innovationen können zudem als Wegbereiter für neue Geschäftsmodelle dienen, indem wir Kreisläufe schließen,
die Lebensdauer von Produkten und Komponenten erhöhen oder versuchen, den Ressourcenverbrauch in allen Stufen der
Wertschöpfung zu senken. Damit verleiht Digitalisierung zirkulären Strategien neue Schubkraft. Konkrete Beispiele, die
aktuell im Evonik-Konzern verfolgt werden, sind Precision Livestock Farming und Chemical Leasing.
1.2 Strategie und Ziele
Auf dem Weg zum besten Spezialchemiekonzern der Welt
Unser Anspruch, das beste Spezialchemieunternehmen der Welt zu werden, ist eng verbunden mit dem Ziel profitablen
Wachstums. Um den Wert unseres Unternehmens zu steigern, setzen wir auf eine Strategie mit drei Schwerpunkten:
Ausgewogenes und fokussiertes Portfolio
Führend in der Innovation
Vertrauensvolle und ergebnisorientierte Unternehmenskultur.
8
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Wir wollen uns noch stärker auf Geschäfte mit klarem Spezialchemiecharakter fokussieren. Um das Portfolio besser
auszubalancieren und gleichzeitig dort zu wachsen, wo Evonik heute schon stark ist, sich aber auch besonders
vielversprechende Perspektiven abzeichnen, konzentriert sich unsere Strategie auf die drei Wachstumsdivisionen Specialty
Additives, Nutrition & Care sowie Smart Materials. Hier liegt der Schwerpunkt auf hochwertigen Produkten und Lösungen,
die in vielen Fällen mit einem besonderen Nachhaltigkeitsnutzen einhergehen. Einen wichtigen Beitrag zur Steuerung und
Weiterentwicklung unserer Geschäfte leistet unsere Nachhaltigkeitsanalyse, über die messbare Nachhaltigkeitseffekte in den
strategischen Managementprozess einfließen.
Unsere Mittel setzen wir zielgerichtet für Neu- und Weiterentwicklungen, Investitionen und Akquisitionen vor allem in
den Wachstumsdivisionen ein. Jede nimmt andere Märkte in den Blick. Eines aber ist ihnen gemeinsam: Sie sind konsequent
darauf ausgerichtet, innovative Lösungen für die Themen und Fragestellungen zu liefern, die Industrie und Endkunden in
den kommenden Jahrzehnten bewegen werden.
Ein wichtiger Treiber für profitables Wachstum ist Innovation. Sie ist ein Hebel, um neue Produkte und Anwendungen zu
erschließen. Unser Fokus liegt dabei auf der intensiven Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern entlang der
Wertschöpfungsketten. Evonik hat sechs Innovationswachstumsfelder
2
definiert, die auf neue, hochattraktive Märkte
abzielen, in denen der Konzern seine Kernkompetenzen wirkungsvoll einsetzen kann.
Der dritte Schwerpunkt ist eine ergebnisorientierte Unternehmenskultur, deren Grundlage unsere Konzernwerte
„Performance“, „Trust“, „Openness“ und „Speed“ sind. Wir stoßen Wandel an, halten unsere Versprechen, belohnen
Leistung sowie Risikobereitschaft und sind offen für neue Ideen. Wir sind agil, entscheidungsfreudig und reaktionsschnell.
Dabei verstehen wir uns als internationales Unternehmen und begreifen Diversität als Chance.
Anspruchsvolle Ziele
Im Einklang mit der strategischen Weiterentwicklung und um die künftigen Wachstumserwartungen widerzuspiegeln, haben
wir unsere mittelfristigen Finanzziele aktualisiert. Die neuen Ziele fokussieren sich noch stärker auf Wachstum, Rendite
und Cash-Generierung und tragen damit zur Steigerung des Unternehmenswertes bei. In den drei Wachstumsdivisionen
erwarten wir nun einen Anstieg der Absatzmengen um durchschnittlich mehr als 3 Prozent pro Jahr. Die Rendite auf das
eingesetzte Kapital (ROCE) soll bei 11 Prozent liegen und damit deutlich über den Kapitalkosten. Zudem strebt Evonik eine
hohe Cash Conversion Rate
3
von mehr als 40 Prozent an. Neben diesen neuen Zielen behalten die bestehenden Ziele ihre
Gültigkeit. Dies sind eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 Prozent bis 20 Prozent zu erreichen, eine verlässliche Dividende
auszuschütten sowie das solide Investment-Grade-Rating zu halten.
Finanzielle Ziele Evonik-Konzern
Mengenwachstum in den Wachstumsdivisionen
> 3%
Bereinigte EBITDA-Marge zwischen 18% und 20%
Free Cashflow: Cash Conversion Rate > 40%
ROCE 11%
Rating solides Investment Grade
Dividende attraktiv und verlässlich
2
Siehe hierzu Kapitel 4. Forschung & Entwicklung.
3
Verhältnis Free Cashflow zu bereinigtem EBITDA.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
9
Als verantwortungsvolles Spezialchemieunternehmen verfolgen wir unverändert auch unsere ambitionierten
nichtfinanziellen Ziele. Für die Unfallhäufigkeit und die Ereignishäufigkeit wollen wir unter den anspruchsvollen
Obergrenzen bleiben.
4
Bei den absoluten Treibhausgasemissionen
5
ist es unser Ziel, die absoluten Scope-1- und Scope-2-
Emissionen
6
bis 2025 um 50 Prozent zu vermindern. Das Basisjahr ist 2008 - dies entspricht dem ersten vollen Jahr nach
der Gründung von Evonik. Damit bekräftigen wir unser Bekenntnis zu den Beschlüssen des Pariser Klimaabkommens. 2020
haben wir ein neues Energieziel beschlossen. Bis 2025 sollen sowohl der absolute als auch der spezifische
7
Energieverbrauch
um 5 Prozent reduziert werden. Das Ziel unterstützt die europäischen Energieziele, einen Rückgang um 32,5 Prozent bis
2030 zu erreichen.
Nichtfinanzielle Ziele Evonik-Konzern
Unfallhäufigkeit
a
im Jahr 2021 maximal 0,26
Ereignishäufigkeit
b
im Jahr 2021 maximal 0,40
Absolute CO
2
-Emissionen (Scope 1 und Scope 2) im Jahr 2025 Reduzierung um 50%
c
Absoluter und spezifischer Energieverbrauch bis zum Jahr 2025 Reduzierung um 5%
d
a
Alle Arbeitsunfälle (keine Wegeunfälle) mit Ausfallzeit ab einer komplett ausgefallenen Schicht, bezogen auf 200.000 Arbeitsstunden.
b
Anzahl Ereignisse pro 200.000 Arbeitsstunden der Mitarbeiter.
c
Bezogen auf den Basiswert von 2008.
d
Bezogen auf den Basiswert von 2020.
1.3 Steuerungssysteme
Bedeutende finanzielle Leistungsindikatoren
Die finanzielle Unternehmenssteuerung von Evonik erfolgt auf der Basis eines konsistenten, wertorientierten
Kennzahlensystems. Diese Steuerungskennzahlen dienen der Beurteilung des wirtschaftlichen Erfolgs der operativen
Geschäftseinheiten und des Konzerns. Die konsequente Ausrichtung an diesen Kennzahlen zielt auf die Steigerung des
Unternehmenswertes durch profitables Wachstum und Rentabilitätsverbesserung.
Als finanzielle Steuerungskennzahl verwenden wir ein um Sondereffekte bereinigtes EBITDA. Das bereinigte EBITDA und
als korrespondierende relative Kennzahl die bereinigte EBITDA-Marge
8
zeigen die operative Ertragskraft unabhängig von
Kapitalstruktur und Investitionsneigung. Wir verwenden sie insbesondere für den internen und externen Vergleich unserer
Geschäfte hinsichtlich ihrer Kostenstruktur und Profitabilität.
Zusätzlich dient im Rahmen der wertorientierten Unternehmenssteuerung der Return on Capital Employed (ROCE) als
Indikator für die Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Zur Errechnung wird das bereinigte EBIT in das Verhältnis zum
durchschnittlichen eingesetzten Kapital (Capital Employed) gesetzt. Der Vergleich mit dem Kapitalkostensatz, der die
risikoadjustierte Renditeforderung unserer Kapitalgeber angibt, zeigt die relative Wertschaffung von Evonik. Hierfür wird
ein gewichteter durchschnittlicher Kapitalkostensatz verwendet, der sowohl die Renditeforderung der Eigenkapitalgeber,
abgeleitet aus dem Capital Asset Pricing Model, als auch die der Fremdkapitalgeber berücksichtigt.
Zu den Sondereinflüssen, um die wir unsere operativen Ergebnisgrößen bereinigtes EBITDA und bereinigtes EBIT
anpassen, gehören Restrukturierungen, Wertaufholungen/Wertminderungen, Erträge und Aufwendungen im
Zusammenhang mit dem Kauf/Verkauf von Unternehmensbeteiligungen sowie weitere Erträge und Aufwendungen, die
aufgrund ihrer Art oder Höhe nicht dem typischen laufenden operativen Geschäft zuzurechnen sind. Bereinigte
4
Definition geändert. Siehe hierzu Kapitel 5.3 Sicherheit.
5
Siehe hierzu Kapitel 5.4 Umwelt.
6
Scope 1 umfasst die direkten Energie- und Prozessemissionen und Scope 2 die Emissionen aus eingekaufter Elektrizität und Wärme. Unter Scope 3 werden
indirekte Emissionen, wie beispielsweise aus der Herstellung eingekaufter Rohmaterialien, erfasst.
7
Energieverbrauch bezogen auf eine Produkteinheit.
8
Verhältnis bereinigtes EBITDA zu Umsatz.
10
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Ergebnisgrößen erscheinen uns besser geeignet, die Leistung der operativen Einheiten über mehrere Perioden hinweg zu
vergleichen, als unbereinigte Ergebnisgrößen.
Als weitere Steuerungsgröße betrachten wir den Free Cashflow. Dieser wird errechnet aus dem Cashflow der
gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der fortgeführten Aktivitäten abzüglich der Auszahlungen für Investitionen in Sachanlagen
und immaterielle Vermögenswerte. Der Free Cashflow stellt den verbleibenden Finanzierungsspielraum dar und zeigt damit
die Fähigkeit des Unternehmens zur Innenfinanzierung. Angesichts der zu Jahresbeginn 2020 hohen Unsicherheit über die
weitere wirtschaftliche Entwicklung haben wir zur besseren Steuerung die Cash Conversion Rate
9
eingeführt. Sie gibt an,
welcher Anteil des operativen Ergebnisses (bereinigtes EBITDA) in verfügbares Barvermögen umgewandelt wird.
Bedeutende nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
Zur Unternehmenssteuerung verwendet Evonik darüber hinaus eine Reihe verschiedener nichtfinanzieller Kennzahlen.
Besonders hohe Bedeutung messen wir traditionell der Sicherheit bei. Sicherheit wird hierbei als ganzheitliche
Managementaufgabe verstanden, die auf allen Hierarchieebenen gelebt wird. Unser Sicherheitsleitbild ist für alle
Führungskräfte und Mitarbeiter verbindlich. Entsprechend der Konzernvorgabe haben alle operativen Bereiche von Evonik
ein Ziel in der Arbeitssicherheit und alle produzierenden Bereiche zusätzlich ein Ziel für Anlagensicherheit. Die hierfür
relevanten Kennzahlen sind die Unfallhäufigkeit und die Ereignishäufigkeit.
10
9
Definiert als Verhältnis Free Cashflow zu bereinigtem EBITDA.
10
Siehe hierzu Kapitel 5.3 Sicherheit.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
11
12
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
2. Wirtschaftsbericht
2.1 Gesamtaussage zur wirtschaftlichen Lage
2020 haben wir Evonik – trotz der Corona-Pandemie – strategisch erfolgreich weiterentwickelt. In der neuen, zum
1. Juli 2020 eingeführten Konzernstruktur lassen sich die Chemie-Divisionen Specialty Additives, Nutrition & Care, Smart
Materials sowie Performance Materials durch eine eindeutigere Zuordnung der Technologieplattformen gezielter steuern
und sind in ihrer Größe und Profitabilität ausgeglichener. Damit einher gehen eine Vereinfachung unserer
Gesellschaftsstruktur und die Optimierung der Verwaltungsfunktionen.
Wichtige Investitionen an unserem Standort Marl – wie die Errichtung eines großen Anlagenkomplexes für den
Spezialkunststoff Polyamid 12 sowie der Bau von zwei modernen Gas- und Dampfturbinenkraftwerken – konnten planmäßig
fortgeführt werden. Mit der Übernahme der US-amerikanischen Unternehmen PeroxyChem und Porocel haben wir die
Wachstumsdivision Smart Materials gestärkt. Die Erwerbe von Wilshire Technologies sowie des LACTEL®-Geschäfts
unterstützen die Wachstumsgeschäfte der Division Nutrition & Care.
11
Angesichts der auch künftig anspruchsvollen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen arbeiten wir weiter konsequent
an der Verschlankung unserer Strukturen und Verbesserung unserer Effizienz. Sehr gut voran kommt das Ende 2017
gestartete Programm SG&A 2020
12
, das die globale Optimierung von Prozessen und die dauerhafte Senkung des
Kostenblocks für Vertrieb und Verwaltung bis zum Jahr 2021 um 200 Millionen € vorsieht. Daneben verfolgen wir intensiv
weitere Programme zur Effizienzsteigerung. Zusätzliche Impulse versprechen wir uns auch durch den kulturellen Wandel
hin zu einer offeneren, ergebnisorientierteren Unternehmenskultur.
Unsere operative Geschäftsentwicklung wurde durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinträchtigt. Wir
verzeichneten weltweit eine spürbare Nachfrageabschwächung infolge der Rezession, insbesondere aus einigen
Abnehmerindustrien, wie der Automobil- und Kraftstoffindustrie. Unsere Prognose hatten wir infolge der konjunkturellen
Unsicherheiten nach dem ersten Quartal nach unten angepasst. Nach einem besser als erwarteten dritten Quartal haben wir
die Prognose für das bereinigte EBITDA konkretisiert und die Erwartung für den Free Cashflow angehoben. Die angepasste
Prognose haben wir für den Free Cashflow deutlich übertroffen und für die anderen Kennzahlen erreicht. Der
Konzernumsatz ging bei leicht geringeren Verkaufsmengen und -preisen sowie negativen Währungseinflüssen um 7 Prozent
auf 12.199 Millionen € zurück.
Das bereinigte EBITDA verringerte sich um 11 Prozent auf 1.906 Millionen €. Hierbei wirkten sich
Kostensenkungsmaßnahmen sowie die erstmalige Einbeziehung von PeroxyChem positiv aus. Die bereinigte EBITDA-
Marge sank auf 15,6 Prozent (Vorjahr: 16,4 Prozent) und blieb damit unter unserem mittelfristigen Zielkorridor von
18 Prozent bis 20 Prozent. Der ROCE verringerte sich vor allem infolge des niedrigeren bereinigten EBIT bei gleichzeitig
höherem Capital Employed auf 6,1 Prozent und lag damit sowohl unter den Kapitalkosten als auch unserem mittelfristigen
Zielwert.
Das Konzernergebnis blieb mit 465 Millionen € erheblich unter dem hohen Vorjahreswert, der den Ertrag aus dem Verkauf
des Methacrylatgeschäfts enthielt. Das um Sondereinflüsse bereinigte Konzernergebnis der fortgeführten Aktivitäten ging
um 29 Prozent auf 640 Millionen € zurück. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung erneut eine
Dividende von 1,15 € je Aktie vor.
Wir haben einen hohen Free Cashflow von 780 Millionen € erwirtschaftet. Die sehr gute Cash Conversion Rate von
41 Prozent zeigt an, welcher Anteil des operativen Ergebnisses in Barvermögen umgewandelt werden kann.
Unser Finanzprofil ist nach wie vor sehr gut: Evonik verfügt über ein solides Investment-Grade-Rating. Die Nettofinanz-
verschuldung erhöhte sich aufgrund der erfolgten Akquisitionen, liegt aber trotzdem auf einem soliden Niveau. Neben einer
ausreichenden Liquidität stehen uns ausreichende, nicht genutzte Kreditlinien zur Verfügung.
11
Siehe zu den Akquisitionen Anhangziffer 4.2.
12
Siehe hierzu Kapitel 2.4 Geschäftsverlauf.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
13
2016 und 2017 enthalten noch das im Juli 2019 verkaufte Methacrylatgeschäft.
2.2 Wirtschaftliches Umfeld
Weltwirtschaft leidet unter Corona-Pandemie
Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich im abgelaufenen Geschäftsjahr erheblich schlechter entwickelt
als zu Jahresbeginn erwartet. Nach unserer Einschätzung ist die globale Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 insgesamt um
3,9 Prozent zurückgegangen. Nach einem Wachstum von 2,6 Prozent im Jahr 2019 waren wir Anfang 2020 noch von einem
Wachstum von 2,5 Prozent für das abgelaufene Geschäftsjahr ausgegangen.
Die Weltwirtschaft war maßgeblich von der Corona-Pandemie geprägt und insbesondere die Maßnahmen zur Eindämmung
der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus hatten deutliche Auswirkungen auf das Angebots- und Nachfrageverhalten,
vor allem im Dienstleistungssektor. Dies führte zu einem historischen Einbruch der Wirtschaftsleistung – insbesondere in den
Monaten März und April –, von dem sich die Weltwirtschaft speziell im dritten Quartal deutlich erholen konnte. Das
Vorkrisenniveau konnte jedoch bis zum Jahresende nicht erreicht werden. Die Zulassung von mehreren Impfstoffen gegen
das Coronavirus zum Jahresende hat zu einer Besserung der wirtschaftlichen Stimmung beigetragen. Insgesamt war das
wirtschaftliche Umfeld aufgrund der dynamischen Entwicklung der Pandemie von hoher Unsicherheit geprägt. Zudem
belasteten die weiterhin bestehenden Handelskonflikte sowie die Unsicherheiten aus dem bis zum Jahresende drohenden
ungeregelten Brexit die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr. Die expansive Geld- und Fiskalpolitik konnte die
wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie im Jahr 2020 mindern.
1.906
2.153
2.150
2.357
2.165
0 500 1.000 1.500 2.000 2.500
2020
2019
2018
2017
2016
Entwicklung bereinigtes EBITDA Evonik-Konzern
in Millionen €
14
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Die wirtschaftliche Entwicklung aller Regionen war maßgeblich, aber in unterschiedlichem Ausmaß von der Corona-
Pandemie geprägt. Europa war dabei sowohl im Frühjahr als auch im Herbst sehr stark von der Pandemie betroffen und viele
Länder haben massive Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus beschlossen. Darunter hat vor allem die
Wirtschaftsleistung von Ländern mit einem starken Dienstleistungssektor – insbesondere die Reisebranche und das
Gastgewerbe – gelitten. Länder mit einem größeren Industrieanteil an der Wirtschaftsleistung verzeichneten dagegen einen
geringeren Rückgang und konnten zum Teil auch von einer stabilen Exportnachfrage – vor allem in der zweiten Jahreshälfte
– profitieren. Die Europäische Zentralbank hat als Antwort auf die Pandemie zusätzliche Anleihekäufe sowie einen
Wiederaufbaufonds aufgelegt. Hierdurch konnten die kurzfristigen wirtschaftlichen Folgen reduziert werden.
Auch Nordamerika und vor allem die USA waren im vergangenen Geschäftsjahr stark von der Pandemie betroffen, dabei
wurden jedoch weniger strikte Eindämmungsmaßnahmen als zum Beispiel in Europa verordnet. Zudem stützte die US-
Notenbank durch Anleihekäufe und durch das Senken des Leitzinses auf 0,25 Prozent die Wirtschaft. Zusätzliche
fiskalpolitische Maßnahmen belebten die Wirtschaft und insbesondere den privaten Konsum.
Mittel- & Südamerika waren ebenfalls stark von der Pandemie betroffen. Die Staaten haben dabei weniger umfangreiche
wirtschaftliche Stützungsmaßnahmen als die entwickelten Volkswirtschaften ergriffen, sodass die Wirtschaftsleistung der
Region stark nachgegeben hat. Zusätzlich führten zu Beginn der Pandemie sinkende Rohstoffpreise zu sinkenden Einnahmen
der exportorientierten Rohstofflieferanten. Aufgrund der Zinssenkungen in den USA konnten viele Notenbanken in Mittel-
& Südamerika ihre Zinssätze jedoch ebenfalls senken und somit die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise
abmildern.
Die Region Asien-Pazifik war von der Pandemie verhältnismäßig gering betroffen, sodass auch der Rückgang der
Wirtschaftsleistung im globalen Vergleich am geringsten ausfiel. Einzelne Länder, wie zum Beispiel China und Vietnam,
konnten sogar ein positives Wirtschaftswachstum aufweisen. Neben der Pandemie wirkte sich der Handelsstreit mit den USA
negativ auf die Wirtschaft Chinas aus.
Schwächere Entwicklung in den Endkundenindustrien
Die globale Entwicklung der Endkundenindustrien von Evonik war im Jahr 2020 sowohl zwischen den Regionen als auch
innerhalb der Industrien unterschiedlich. Auf Jahressicht ist die globale Industrieproduktion zurückgegangen.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
15
Die Nachfrage nach Hygiene- und Pflegeprodukten zeigte sich stabil und ist in der Pandemie teilweise sogar angestiegen.
Die Aktivitäten der Nahrungs- und Futtermittelindustrie konnten in Asien-Pazifik leicht zulegen und stagnierten in den
weiteren Regionen. Die Produktion im Fahrzeug- und Maschinenbau ging dagegen in allen Regionen deutlich zurück. Die
Nachfrage in der Bauwirtschaft zeigte sich robust. Die Rohstoffpreise sind im Geschäftsjahr 2020 – insbesondere zu Beginn
der Pandemie im März und April – stark zurückgegangen. Vor allem die Preise für Rohstoffe fossilen Ursprungs sind analog
zum Rohölpreis gesunken. Ab Mai bis zum Jahresende haben sich die Preise langsam wieder erholt, insgesamt ist 2020 der
Evonik-Rohstoffpreisindex allerdings unter dem Niveau des Vorjahres geblieben.
Im Vergleich zu der für Evonik wichtigsten Fremdwährung – dem US-Dollar – gewann der Euro 2020 mit einem
Durchschnittskurs von 1,15 US$ gegenüber dem Durchschnittsniveau des Vorjahres (1,12 US$) an Wert.
2.3 Wichtige Ereignisse
Die Corona-Pandemie hat sich im Verlauf des Jahres zunehmend ausgebreitet. Evonik hat frühzeitig notwendige
Maßnahmen zum Schutz ihrer Mitarbeiter ergriffen, um eine Ausbreitung des Virus bei Evonik zu verhindern und gleichzeitig
den Geschäftsbetrieb bestmöglich aufrechtzuerhalten. Wir analysieren die aktuelle Situation weiterhin täglich, um zeitnah
entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Unsere Geschäftsentwicklung wurde 2020 deutlich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinträchtigt: Wir
verzeichneten weltweit eine spürbare Nachfrageabschwächung infolge der Rezession, insbesondere aus einigen
Abnehmerindustrien, wie der Automobil- und der Kraftstoffindustrie. Die aktuelle Entwicklung unserer Geschäftstätigkeit
beobachten wir mithilfe eines Dashboards mit Fokus auf die Auswirkungen auf unsere Liquidität. Unsere Lieferketten waren
und sind intakt und wir verfügen über ausreichende Liquidität sowie fest zugesagte, nicht genutzte Kreditlinien.
Zum 1. Juli 2020 haben wir unsere Konzernstruktur neu ausgerichtet und die Werte für das Vorjahr entsprechend
angepasst. Die neuen Chemie-Divisionen Specialty Additives, Nutrition & Care, Smart Materials sowie Performance
Materials sind in ihrer Größe und Profitabilität ausgeglichener und lassen sich durch eine eindeutigere Zuordnung der
Technologieplattformen gezielter steuern. Gleichzeitig haben wir unsere Gesellschaftsstruktur vereinfacht und die
Verwaltungsfunktionen optimiert.
Zur Verstärkung des Katalysatoren-Geschäfts der Division Smart Materials hat Evonik im November 2020 die Porocel-
Gruppe, Wilmington (Delaware, USA), übernommen. Porocel verfügt über eine Technologie zur hocheffizienten
Regenerierung von Entschwefelungskatalysatoren. Diese werden im wachsenden Markt für schwefelarme Kraftstoffe
verstärkt nachgefragt. Die Technologie von Porocel zur Regenerierung von Katalysatoren bietet Kunden bei einem
vergleichbaren Wirkungsgrad erhebliche CO
2
-Einsparungen sowie einen klaren Kostenvorteil gegenüber dem Einsatz von
neu produzierten Katalysatoren.
13
Evonik hatte im November 2018 einen Vertrag zur Übernahme des Unternehmens PeroxyChem, Philadelphia
(Pennsylvania, USA), von One Equity Partners, Chicago (Illinois, USA), unterzeichnet. PeroxyChem ist ein Hersteller von
Wasserstoffperoxid und Peressigsäure. Die Übernahme verzögerte sich zunächst, da die US-amerikanische Behörde Federal
Trade Commission (FTC) gegen den Erwerb geklagt hatte. Im Januar 2020 wurde die Klage abgewiesen und der Erwerb
konnte daraufhin am 3. Februar 2020 vollzogen werden.
13
Siehe hierzu Anhangziffer 4.2.
16
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
2.4 Geschäftsverlauf
Umsatz unter Vorjahr
Der Umsatz des Evonik-Konzerns verringerte sich insbesondere infolge der Auswirkungen der Corona-Pandemie um
7 Prozent auf 12.199 Millionen €. Der Rückgang resultierte aus geringeren Mengen, nachgebenden Verkaufspreisen sowie
negativen Währungseinflüssen. Positiv wirkte dagegen die erstmalige Einbeziehung der im Februar 2020 übernommenen
PeroxyChem.
Umsatzveränderung 2020 gegenüber 2019
in %
Menge -3
Preis -3
Organische Umsatzveränderung -6
Währung -2
Portfolio/Sonstige Effekte 1
Gesamt -7
Geringeres bereinigtes EBITDA
Das bereinigte EBITDA war ebenfalls von den Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinträchtigt und ging um 11 Prozent
auf 1.906 Millionen € zurück. Hierzu trugen vor allem rückläufige Mengen und geringere Verkaufspreise bei. Positiv wirkten
sich die durchgeführten Kostensenkungsmaßnahmen sowie die erstmalige Einbeziehung von PeroxyChem aus. Die
bereinigte EBITDA-Marge verringerte sich von 16,4 Prozent im Vorjahr auf 15,6 Prozent.
Bereinigtes EBITDA nach Segmenten
in Millionen € 2019 2020
Veränd. in %
Specialty Additives 886
857 -3
Nutrition & Care 462 560 21
Smart Materials 651 529 -19
Performance Materials 248 88 -65
Services 122 92 -25
Corporate, andere Aktivitäten einschl. Konsolidierungen -216 -220 -2
Evonik 2.153 1.906 -11
Vorjahreszahlen angepasst.
Die Entwicklung in den Segmenten verlief unterschiedlich. Während die Division Nutrition & Care ihr Ergebnis bei hoher
Nachfrage steigerte und die Division Specialty Additives ein Ergebnis auf der guten Vorjahreshöhe erwirtschaftete, steuerten
die Divisionen Smart Materials und Performance Materials mengen- bzw. mengen- und preisbedingt deutlich geringere
Ergebnisse bei. Auch der Beitrag des Segments Services blieb hinter dem Vorjahreswert zurück. Im bereinigten EBITDA von
Corporate, anderen Aktivitäten einschließlich Konsolidierungen sind unter anderem die Aufwendungen für das Corporate
Center und die strategische Forschung enthalten.
Die Bereinigungen betrugen -71 Millionen € gegenüber -115 Millionen € im Vorjahr. Die Restrukturierungsaufwendungen
betrafen insbesondere die Schließung einer Produktionsanlage der Division Nutrition & Care sowie das Programm SG&A
2020 zur Senkung der Vertriebs- und Verwaltungskosten. Die Aufwendungen für den Kauf/Verkauf von Unternehmens-
beteiligungen standen vor allem im Zusammenhang mit dem Kauf und der Integration von PeroxyChem sowie Porocel.
14
Der
14
Siehe hierzu Anhangziffer 4.2.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
17
Vorjahreswert der Bereinigungen umfasste vor allem eine Wertminderung für das Kohlekraftwerk in Marl, das 2022 durch
ein neues Erdgaskraftwerk abgelöst werden soll, sowie Projektaufwendungen im Zusammenhang mit dem Verkauf des
Methacrylatgeschäfts und dem Kauf von PeroxyChem.
Umsatz und Überleitung vom bereinigten EBITDA zum Konzernergebnis
in Millionen € 2019 2020
Veränd. in %
Umsatz 13.108
12.199 -7
Bereinigtes EBITDA 2.153 1.906 -11
Bereinigte Abschreibungen und Wertminderungen -952 -1.016
Bereinigtes EBIT 1.201 890 -26
Bereinigungen -115 -71
davon entfallen auf Restrukturierung -18 -14
davon entfallen auf Wertminderungen/Wertaufholungen -47 4
davon entfallen auf Kauf/Verkauf von Unternehmensbeteiligungen -30 -37
davon entfallen auf Sonstiges -20 -24
Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern fortgeführter Aktivitäten (EBIT) 1.086 819 -25
Finanzergebnis -132 -135
Ergebnis vor Ertragsteuern fortgeführter Aktivitäten 954 684 -28
Ertragsteuern -180 -181
Ergebnis nach Steuern fortgeführter Aktivitäten 774 503 -35
Ergebnis nach Steuern nicht fortgeführter Aktivitäten 1.353 -24
Ergebnis nach Steuern 2.127 479 -77
davon Ergebnis anderer Gesellschafter 21 14
Konzernergebnis 2.106 465 -78
Ergebnis je Aktie 4,52 1,00
Das Finanzergebnis von -135 Millionen € enthielt Sondererträge von 11 Millionen € im Wesentlichen für Zinsen im
Zusammenhang mit der Beendigung eines Rechtsstreits über einen früheren Grundstücksverkauf. Der Vorjahreswert
beinhaltete Sondererträge von 53 Millionen € aus der Auflösung von Rückstellungen. Das bereinigte Finanzergebnis
verbesserte sich aufgrund geringerer Zinsaufwendungen von -185 Millionen € auf -146 Millionen €. Das Ergebnis vor
Ertragsteuern fortgeführter Aktivitäten ging um 28 Prozent auf 684 Millionen € zurück. Die Ertragsteuerquote der
fortgeführten Aktivitäten und die bereinigte Ertragsteuerquote betrugen 26 Prozent bzw. 27 Prozent, während sie im
Vorjahr vor allem aufgrund von Einmaleffekten aus der Neubewertung latenter Steuern nur bei 19 Prozent bzw. 20 Prozent
lagen. Das Ergebnis nach Steuern nicht fortgeführter Aktivitäten von -24 Millionen € betraf nachlaufende Aufwendungen
im Wesentlichen für das im Juli 2019 abgegebene Methacrylatgeschäft. Der Vorjahreswert von 1.353 Millionen € enthielt
neben dem laufenden Ergebnis vor allem das Veräußerungsergebnis des Methacrylatgeschäfts. Das Konzernergebnis blieb
mit 465 Millionen € erheblich unter dem von dem Veräußerungsergebnis geprägten Vorjahreswert.
Zur Beurteilung der Ertragskraft der fortgeführten Aktivitäten insbesondere im längerfristigen Vergleich sowie zur Prognose
der zukünftigen Entwicklung verwenden wir das bereinigte Konzernergebnis. Bei der Ermittlung starten wir beim um
Sondereinflüsse bereinigten EBITDA
15
und passen zusätzlich das Finanzergebnis an. Dieses bereinigen wir um Erträge und
Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Kauf/Verkauf von Unternehmensbeteiligungen sowie weitere Erträge und
Aufwendungen, die aufgrund ihrer Art oder Höhe nicht dem typischen laufenden Finanzierungsgeschäft zuzurechnen sind.
15
Siehe hierzu Kapitel 1.3 Steuerungssysteme.
18
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Weiterhin ziehen wir Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte ab, da sie vor allem aus Akquisitionen resultieren,
und korrigieren die Ertragsteuerposition um Steuern auf die Sondereinflüsse.
2020 verringerte sich das bereinigte Konzernergebnis um 29 Prozent auf 640 Millionen € und das bereinigte Ergebnis
je Aktie nahm von 1,94 € auf 1,37 € ab.
Überleitung zum bereinigten Konzernergebnis
in Millionen € 2019 2020
Veränd. in %
Bereinigtes EBITDA 2.153
1.906 -11
Bereinigte Abschreibungen und Wertminderungen -952 -1.016
Bereinigtes EBIT 1.201 890 -26
Bereinigtes Finanzergebnis -185 -146
Abschreibungen und Wertberichtigungen auf immaterielle Vermögenswerte 136 149
Bereinigtes Ergebnis vor Ertragsteuern
a
1.152 893 -22
Bereinigte Ertragsteuern -229 -239
Bereinigtes Ergebnis nach Steuern
a
923 654 -29
davon bereinigtes Ergebnis anderer Gesellschafter 21 14
Bereinigtes Konzernergebnis
a
902 640 -29
Bereinigtes Ergebnis je Aktie in €
a
1,94 1,37
a
Fortgeführte Aktivitäten.
Programme zur Kostensenkung wurden 2020 erneut übererfüllt
Zur Unterstützung unserer finanziellen Ziele, insbesondere der Verbesserung der bereinigten EBITDA-Marge, hatten wir im
November 2017 das Programm SG&A 2020 gestartet. Ziel ist es, den Kostenblock für Vertrieb und Verwaltung bis zum
Jahr 2021 dauerhaft um 200 Millionen € abzusenken. Für 2020 konnte das erwartete Ziel von 50 Millionen € um nahezu
10 Millionen € übertroffen werden. Die zur Erreichung des Gesamtziels von 200 Millionen € noch ausstehenden
Einsparungen sind sicher ergebniswirksam bis 2021 vollständig mit Maßnahmen hinterlegt.
Das andauernde Programm zur kontinuierlichen Verbesserung der Prozesseffizienz insbesondere im Funktionsbereich
der Herstellung konnte 2020 das Einsparziel von 120 Millionen € mit umgesetzten Maßnahmen erneut übererfüllen. Infolge
der coronabedingten Einschränkungen bei Reisen und Veranstaltungen gingen zudem die Reisekosten um ca. 60 Millionen €
zurück.
Effektive und effiziente Beschaffung
Der Einkauf von Evonik ist global organisiert und umfasst für strategische Tätigkeiten den direkten Einkauf (Rohstoffe,
Logistik und Packmittel) und den indirekten Einkauf (Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen). Zusätzlich gibt es den
operativen Einkauf, der ebenfalls in die beiden oben genannte Bereiche unterteilt ist. Versorgungssicherheit, die Erschließung
neuer Beschaffungsmärkte und die fortwährende Materialkostenoptimierung sind die wesentlichen Kernaufgaben unseres
Einkaufs.
Die durch die Coronakrise bedingten Produktionsausfälle und Einschränkungen im Bereich der Logistik beeinträchtigten die
Rohstoffverfügbarkeit im Jahr 2020. Dennoch führten das Schrumpfen der globalen Wirtschaftsleistung und die damit
verbundene sinkende Rohstoffnachfrage im Jahresdurchschnitt zu niedrigeren Rohstoffpreisen im Vergleich zu 2019. Zum
Jahresende 2020 zogen die Rohstoffpreise jedoch aufgrund erhöhter Angebotsnachfrage bei gleichzeitig eingeschränkter
Materialverfügbarkeit wieder an. Die Materialverknappungen in den chemischen Wertschöpfungsketten resultierten neben
der höheren Nachfrage auch aus gehäuften technischen Problemen bei Lieferanten sowie der drastischen
Bestandsoptimierung in der gesamten Industrie. Zudem führte eine stark eingeschränkte Verfügbarkeit von Frachtraum zu
einer spürbaren Verknappung von Rohstoffen in der Lieferkette. Um auch künftig als Einkauf noch besser auf disruptive
EVONIK LAGEBERICHT 2020
19
Ereignisse vorbereitet zu sein, hat der Rohstoffeinkauf gemeinsam mit den Chemie-Geschäftseinheiten ein Projekt zur
Resilienz der Wertschöpfungskette durchgeführt. Es ist geplant, diese Vorgehensweise auf die wichtigsten Evonik-Produkte
auszuweiten. Darüber hinaus stand die Entwicklung erster Maßnahmen zur Reduzierung der CO
2
-Emissionen bei Rohstoffen
stark im Fokus.
2020 lag ein Schwerpunkt des indirekten Einkaufs auf den Beschaffungsaktivitäten für den Neubau der Polyamid-12-Anlage
in Marl. Darüber hinaus wurden verstärkt Initiativen zur weiteren Harmonisierung und Standardisierung zum Beispiel im
Bereich der persönlichen Schutzausrüstung vorangetrieben. Zudem stand der Einsatz neuer digitaler Lösungen im Fokus
mit dem Ziel, operative Aufgaben weiter zu automatisieren und den Wertbeitrag strategischer Tätigkeiten zu erhöhen. So
wurden unter anderem der Eingang und die Verarbeitung der Auftragsbestätigungen mithilfe einer optischen Texterkennung
und einem Workflow-System automatisiert.
Zusätzlich zur Beteiligung an Einkaufsallianzen mit anderen Unternehmen und der Qualifizierung neuer Lieferanten arbeiten
wir weiter intensiv am Ausbau strategischer Lieferantenbeziehungen mit dem Fokus auf Risikoreduzierung,
Kostenverbesserung sowie Kooperation und Innovation.
Evonik hat im Jahr 2020 Rohstoffe, Handelswaren, technische Güter und Dienstleistungen sowie Energien und sonstige
Betriebsmittel im Wert von rund 8,0 Milliarden € eingekauft. Der Anteil der Rohstoffe am gesamten Beschaffungsvolumen
beträgt etwa 50 Prozent. Auf fossile Rohstoffe entfallen rund 2,5 Milliarden € - dies entspricht einem Anteil von etwa
60 Prozent des Rohstoffbeschaffungsvolumens. Der Einsatz regenerativer Rohstoffe bleibt für Evonik von großer Bedeutung.
So lag der Anteil nachwachsender Rohstoffe 2020 bei rund 8,5 Prozent der Rohstoffbasis. Wesentliche Einsatzgebiete dieser
Rohstoffe sind Aminosäuren sowie Vorprodukte für die Kosmetikindustrie.
Verzinsung des eingesetzten Kapitals unter Vorjahr
Im Rahmen der wertorientierten Unternehmenssteuerung messen wir unseren Erfolg insbesondere am ROCE, der mit
6,1 Prozent unter unserem Kapitalkostensatz lag. Dieser betrug für 2020 9,0 Prozent vor Steuern.
16
Capital Employed, ROCE und Economic Value Added (EVA®)
in Millionen € 2019 2020
Immaterielle Vermögenswerte 5.883
5.989
+ Sachanlagen 6.333 6.534
+ Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten 489 662
+ Beteiligungen 40 65
+ Vorräte 2.032 1.944
+ Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1.626 1.524
+ Übrige unverzinsliche Vermögenswerte 421 460
- Unverzinsliche Rückstellungen -845 -718
- Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen -1.326 -1.239
- Übrige unverzinsliche Verbindlichkeiten -618 -621
= Capital Employed
a
14.035 14.600
Bereinigtes EBIT 1.201 890
ROCE (Bereinigtes EBIT / Capital Employed) in % 8,6 6,1
Kapitalkosten (Capital Employed * Kapitalkostensatz) 1.263 1.314
EVA® (Bereinigtes EBIT - Kapitalkosten) -62 -424
Vorjahreszahlen angepasst.
a
Jeweils Jahresdurchschnittswerte.
16
Dieser Kapitalkostensatz wurde zur besseren Vergleichbarkeit auch auf die Kapitalkosten 2019 angewendet.
20
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Das durchschnittliche Capital Employed erhöhte sich um 0,6 Milliarden € auf 14,6 Milliarden €. Hierzu trugen maßgeblich
die getätigten Akquisitionen PeroxyChem und Porocel sowie Sachinvestitionen in unser operatives Geschäft bei. Der ROCE
für den Konzern verringerte sich 2020 infolge des niedrigeren bereinigten EBIT und des höheren durchschnittlichen Capital
Employed. Während sich der ROCE in der Division Nutrition & Care verbesserte und in der Division Specialty Additives etwa
auf Vorjahresniveau lag, ging er in den beiden anderen Divisionen deutlich zurück. In der Division Specialty Additives wurde
wie im Vorjahr eine überdurchschnittliche Verzinsung des gebundenen Kapitals deutlich über den Kapitalkosten erzielt.
ROCE nach Segmenten
in % 2019 2020
Specialty Additives 16,3
16,1
Nutrition & Care 5,8 7,7
Smart Materials 11,9 6,4
Performance Materials 9,0 -3,5
Services -5,0 -7,4
Evonik (einschl. Corporate, andere Aktivitäten) 8,6 6,1
Vorjahreszahlen angepasst.
EVA® unter Vorjahr
Der Economic Value Added (EVA®) errechnet sich als Differenz zwischen bereinigtem EBIT und den Kapitalkosten, die sich
aus der Multiplikation des durchschnittlichen Capital Employed mit dem Kapitalkostensatz ergeben. Der EVA® belief sich
2020 auf -424 Millionen €. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 362 Millionen € resultierte vor allem aus dem
geringeren operativen Ergebnis.
2.5 Prognose-Ist-Vergleich
Unsere am Jahresanfang gegebene Prognose haben wir nach der deutlich stärker als erwarteten Ausbreitung des Coronavirus
und den daraus resultierenden weltwirtschaftlichen Auswirkungen Anfang Mai 2020 für nahezu alle finanziellen Kennzahlen
nach unten angepasst. Nach einer besser als erwarteten Geschäftsentwicklung im dritten Quartal haben wir Anfang
November den Ausblick bezüglich des bereinigten EBITDA konkretisiert und die Prognose für den Free Cashflow erhöht.
Unsere angepasste Prognose für das bereinigte EBITDA haben wir 2020 eingehalten. Das bereinigte EBITDA ging um
11 Prozent auf 1.906 Millionen € zurück und lag damit genau in der angegebenen Spanne. Die Cash Conversion Rate, die
wir nun zur Steuerung des Free Cashflows betrachten, verbesserte sich auf 41 Prozent und übertraf damit die angehobene
Prognose. Der Free Cashflow stieg auf 780 Millionen € und lag sowohl über der erhöhten Prognose als auch über dem
Vorjahreswert. Der Umsatz blieb mit 12,2 Milliarden € um 7 Prozent unter dem Vorjahreswert und erreichte die angepasste
Prognose. Der ROCE ging 2020 vor allem infolge des geringeren Ergebnisses auf 6,1 Prozent zurück und liegt damit – wie
seit Mai erwartet – spürbar unter den Kapitalkosten und dem Vorjahreswert. Die Auszahlungen für Sachinvestitionen lagen
mit 956 Millionen € auch aufgrund höherer Kosten infolge der Corona-Pandemie über dem prognostizierten Wert.
Bei den nichtfinanziellen Kennzahlen sind wir bei der Unfallhäufigkeit deutlich unter der Obergrenze geblieben. Unser Ziel
bei der Ereignishäufigkeit haben wir 2020 auch aufgrund der Einbeziehung neu erworbener Standorte nicht erreicht. Für
2021 haben wir die Definition für diese beiden Kennzahlen geändert, sodass auch das Ziel für 2021 angepasst wurde.
17
17
Siehe hierzu Kapitel 5.3 Sicherheit.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
21
Prognose-Ist-Vergleich
Prognostizierte
Kennzahlen 2019 Prognose 2020
a
Prognose 2020
b
Prognose 2020
c
2020 Prognose 2021
Konzernumsatz 13,1 Mrd. € stabil
zwischen 11,5 Mrd. €
und 13,0 Mrd. €
zwischen 11,5 Mrd. €
und 13,0 Mrd. €
12,2 Mrd. €
zwischen 12,0 Mrd. €
und 14,0 Mrd. €
Bereinigtes EBITDA 2,15 Mrd. €
zwischen 2,0 Mrd. €
und 2,3 Mrd. €
zwischen 1,7 Mrd.
€
und 2,1 Mrd. €
zwischen 1,8 Mrd. €
und 2,0 Mrd. €
1,9 Mrd. €
zwischen 2,0 Mrd. €
und 2,3 Mrd. €
ROCE 8,6%
auf
Vorjahresniveau
unter
Vorjahresniveau
unter
Vorjahresniveau 6,1%
leicht über
Vorjahresniveau
Auszahlungen für
Sachinvestitionen
d
880 Mio. €
auf
Vorjahresniveau
auf
Vorjahresniveau
auf
Vorjahresniveau 956 Mio. € etwa 900 Mio. €
Free Cashflow:
Cash Conversion Rate 33% leicht höher
mindestens auf
Vorjahresniveau
über
Vorjahresniveau
41% etwa 40 %
Unfallhäufigkeit 1,18 maximal 1,30 0,80 maximal 0,26
e
Ereignishäufigkeit 1,10 maximal 1,10 1,45 maximal 0,40
e
a
Wie im Finanzbericht 2019 berichtet.
b
In der Quartalsmitteilung Q1 2020.
c
In der Quartalsmitteilung Q3 2020.
d
Im Finanzbericht 2019 wurden die Sachinvestitionen (Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen) prognostiziert. Nach dem ersten Quartal 2020 haben wir den
Fokus auf die Auszahlungen für Sachinvestitionen gelegt und die Prognose entsprechend angepasst.
e
Nach neuer Definition, siehe Kapitel 5.3 Sicherheit.
2.6 Entwicklung in den Segmenten
2.6.1 Specialty Additives
Kennzahlen
in Millionen € 2019 2020
Veränd. in %
Außenumsatz 3.381
3.225 -5
Bereinigtes EBITDA 886 857 -3
Bereinigte EBITDA-Marge in % 26,2 26,6 –
Bereinigtes EBIT 716 681 -5
Sachinvestitionen
a
108 93 -14
Abschreibungen 157 173 10
Capital Employed (Jahresdurchschnitt) 4.396 4.218 -4
ROCE in % 16,3 16,1 –
Mitarbeiter zum 31.12. (Anzahl) 3.651 3.666 –
Vorjahreszahlen angepasst.
a
Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen.
Umsatz mengenbedingt unter Vorjahr
Die Division Specialty Additives hat sich dank ihres attraktiven Geschäftsmodells mit maßgeschneiderten und
erfolgskritischen Lösungen auch in einem verschlechterten wirtschaftlichen Umfeld sehr gut behauptet. Der Umsatz
verringerte sich bei stabilen Preisen infolge von geringeren Mengen und negativen Währungseinflüssen um 5 Prozent auf
3.225 Millionen €.
Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage gab die Nachfrage nach Additiven für die Automobil- und Coatings-
Industrien zunächst deutlich nach, zeigte jedoch eine klare Erholung zum Jahresende. Dagegen verzeichneten unsere
Additive für Produkte in der Bauwirtschaft und für erneuerbare Energien im gesamten Jahresverlauf eine robuste Nachfrage,
die auch von staatlichen Investitionsprogrammen unterstützt wurde. Auch die Nachfrage nach langlebigen Wirtschaftsgütern
22
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
erholte sich nach einem Rückgang zu Beginn des Jahres wieder; davon konnten unsere Additive für Polyurethanschäume,
etwa in Matratzen oder Kühlschränken, profitieren.
Bereinigtes EBITDA nur leicht unter Vorjahr
Das bereinigte EBITDA der Division Specialty Additives lag mit 857 Millionen € auch dank stabiler Verkaufspreise und
erfolgreicher Kosteneinsparungen nur um 3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte
sich von 26,2 Prozent im Vorjahreszeitraum auf sehr gute 26,6 Prozent.
Investitionen unter hohem Vorjahreswert
Die Sachinvestitionen der Division Specialty Additives lagen mit 93 Millionen € spürbar unter dem Vorjahreswert und
erheblich unter den Abschreibungen von 173 Millionen €. Das durchschnittliche Capital Employed verringerte sich um
4 Prozent auf 4.218 Millionen €. Der ROCE ging leicht auf 16,1 Prozent zurück.
Investitionen zur Stärkung der Marktpositionen
Die Division Specialty Additives investierte in bedeutende Projekte an den Standorten Schanghai (China), Essen und
Geesthacht insgesamt im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die Investitionen dienen der Erhöhung der Kapazitäten zur
Herstellung von Spezialsilikonen und –siloxanen. Daneben wurde 2020 am Standort Bonn die Produktion von
Mattierungsmitteln auf Silica-Basis modernisiert. Die Modernisierung dient der nachhaltigen Stärkung dieses Bereichs und
3.225
3.381
3.380
3.244
0 1.000 2.000 3.000
2020
2019
2018
2017
Umsatz Specialty Additives
in Millionen €
857
886
908
857
0 200 400 600 800 1.000
2020
2019
2018
2017
Bereinigtes EBITDA Specialty Additives
in Millionen €
Vorjahreszahlen angepasst.
Vorjahreszahlen angepasst.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
23
betraf sowohl den Produktions- als auch den Logistikbereich. Wichtige weitere Investitionsprojekte der Division Specialty
Additives unter anderem an den Standorten Marl, Herne und Wichita (Kansas, USA) betrafen vor allem laufende
Instandhaltungen, Kapazitätserhöhungsmaßnahmen sowie Maßnahmen zur Prozessoptimierung in unseren Produktions-
anlagen zur Stärkung und Absicherung unseres mittelfristigen Wachstums.
2.6.2 Nutrition & Care
Kennzahlen
in Millionen € 2019 2020
Veränd. in %
Außenumsatz 2.922
2.992 2
Bereinigtes EBITDA 462 560 21
Bereinigte EBITDA-Marge in % 15,8 18,7 –
Bereinigtes EBIT 231 301 30
Sachinvestitionen
a
214 139 -35
Abschreibungen 223 255 14
Capital Employed (Jahresdurchschnitt) 3.974 3.905 -2
ROCE in % 5,8 7,7 –
Mitarbeiter zum 31.12. (Anzahl) 5.322 5.295 -1
Vorjahreszahlen angepasst.
a
Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen.
Höherer Umsatz
In der Division Nutrition & Care verlief die Geschäftsentwicklung aufgrund der Ausrichtung auf wachstumsstarke und
resiliente Endmärkte sehr erfreulich. Der Umsatz stieg um 2 Prozent auf 2.992 Millionen €. Der leichte Zuwachs resultierte
aus leicht höheren Mengen und gestiegenen Verkaufspreisen, während negative Währungseinflüsse den Anstieg minderten.
Im Bereich Animal Nutrition erwirtschafteten die essenziellen Aminosäuren einen über Vorjahr liegenden Umsatz. Im
Methioningeschäft konnten wir die Absatzmengen bei weltweit höherer Nachfrage steigern. Die Verkaufspreise waren
insgesamt stabil trotz negativer Währungseffekte in der zweiten Jahreshälfte. Die Nachfrage nach Produkten für den
Gesundheits- und Pflegebereich aus dem Bereich Health & Care zeigte sich ebenfalls erfreulich. Insbesondere Active
Ingredients für kosmetische Anwendungen sowie Pharmapolymere zeigten eine positive Entwicklung.
2.992
2.922
3.036
3.002
0 1.000 2.000 3.000
2020
2019
2018
2017
Umsatz Nutrition & Care
in Millionen €
Vorjahreszahlen angepasst.
24
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Ergebnis deutlich gesteigert
Das bereinigte EBITDA der Division Nutrition & Care stieg insbesondere dank der verbesserten Verkaufspreise sowie
erfolgreichem Kostenmanagement um 21 Prozent auf 560 Millionen €. Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich von
15,8 Prozent im Vorjahreszeitraum auf gute 18,7 Prozent.
Investitionen wieder auf Normalniveau
Die Sachinvestitionen der Division Nutrition & Care wurden nach der hohen Investitionstätigkeit der vergangenen Jahre zum
weltweiten Ausbau der Methionin-Kapazitäten wieder auf ein normales Niveau zurückgeführt. Sie blieben mit
139 Millionen € deutlich unter dem hohen Vorjahreswert, der noch von der Errichtung des im Sommer 2019 in Betrieb
genommenen World-Scale-Anlagenkomplexes in Singapur geprägt war. Die Investitionen lagen damit auch unter den infolge
der Großinvestition gestiegenen Abschreibungen von 255 Millionen €. Das durchschnittliche Capital Employed erreichte mit
3.905 Millionen € etwa die Vorjahreshöhe. Der ROCE verbesserte sich infolge des höheren Ergebnisses auf 7,7 Prozent.
Investitionen steigern Innovationsfähigkeit
2020 hat Nutrition & Care neben der Durchführung von Instandhaltungsmaßnahmen bestehender Anlagen vor allem in den
Erwerb von Aktivitäten zur Stärkung der Innovationswachstumsfelder Healthcare Solutions, Advanced Food Ingredients und
Cosmetic Solutions investiert.
Am Standort Birmingham (Vereinigtes Königreich) haben wir Ende Dezember 2020 das LACTEL®-Geschäft von
DURECT Corporation, Cupertino (Kalifornien, USA), erworben, welches Evonik als weltweit führendes Auftrags-
entwicklungs- und Fertigungsunternehmen (CDMO) für Drug-Delivery-Lösungen stärken wird. Das LACTEL®-Geschäft
wird von schnell wachsenden Märkten wie der modernen Medikamentenverabreichung, Biomaterialien für Tissue
Engineering und dem 3D-Druck von implantierbaren Medizinprodukten profitieren.
Bereits im Januar 2020 erfolgte der Kauf der Firma Wilshire Technologies Inc., Princeton (New Jersey, USA). Das
Geschäftsmodell basiert auf der Entwicklung von Produkten auf der Basis von erneuerbaren und nicht-tierischen Quellen.
Die Verwendung nachhaltiger und erneuerbarer Ressourcen für kosmetische Inhaltsstoffe ist zu einem sehr wichtigen
Kriterium der Körperpflege geworden und wird derzeit von vielen Unternehmen am Markt angestrebt. Zusätzlich profitieren
wir von einem erweiterten Portfolio für natürlich gewonnene Hilfsstoffe und Zwischenprodukte für Pharma- und
Lebensmittelanwendungen.
560
462
550
498
0 200 400 600
2020
2019
2018
2017
Bereinigtes EBITDA Nutrition & Care
in Millionen €
Vorjahreszahlen angepasst.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
25
2.6.3 Smart Materials
Kennzahlen
in Millionen € 2019 2020
Veränd. in %
Außenumsatz 3.371
3.235 -4
Bereinigtes EBITDA 651 529 -19
Bereinigte EBITDA-Marge in % 19,3 16,4 –
Bereinigtes EBIT 433 270 -38
Sachinvestitionen
a
303 466 54
Abschreibungen 218 259 19
Capital Employed (Jahresdurchschnitt) 3.651 4.223 16
ROCE in % 11,9 6,4 –
Mitarbeiter zum 31.12. (Anzahl) 7.065 7.874 11
Vorjahreszahlen angepasst.
a
Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen.
Umsatz unter Vorjahr
In der Division Smart Materials war die Geschäftsentwicklung merklich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie
beeinträchtigt. Der Umsatz ging um 4 Prozent auf 3.235 Millionen € zurück. Ursächlich waren spürbar geringere Mengen,
leicht nachgebende Verkaufspreise sowie negative Währungseinflüsse, während sich die erstmalige Einbeziehung von
PeroxyChem positiv auswirkte.
Unsere Geschäfte waren insbesondere im zweiten und dritten Quartal von der weltweiten konjunkturellen Abschwächung
betroffen, konnten sich aber gegen Jahresende wieder etwas erholen. Insgesamt führte dies aber zu einem spürbaren
Mengenrückgang. Dies betraf im Bereich Polymers insbesondere die Hochleistungskunststoffe für den Automobilbereich.
Gleiches gilt im Bereich Inorganics für Silica, welche in der Reifenindustrie eingesetzt werden. Deutlich robuster zeigte sich
die Nachfrage mit Produkten für den Hygiene- und Pflegebereich sowie für Umweltanwendungen. Der Umsatzrückgang
wurde durch die erstmalige Einbeziehung von PeroxyChem deutlich gemindert.
3.235
3.371
3.382
3.148
0 1.000 2.000 3.000
2020
2019
2018
2017
Umsatz Smart Materials
in Millionen €
Vorjahreszahlen angepasst.
26
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Bereinigte EBITDA-Marge blieb unter gutem Vorjahreswert
Das bereinigte EBITDA der Division Smart Materials ging vor allem mengenbedingt um 19 Prozent auf 529 Millionen €
zurück, während die erstmalige Einbeziehung von PeroxyChem sowie Kosteneinsparungen den Rückgang minderten. Die
bereinigte EBITDA-Marge verringerte sich auf 16,4 Prozent (Vorjahreszeitraum: 19,3 Prozent).
Hohe Investitionstätigkeit
Die Sachinvestitionen der Division Smart Materials erhöhten sich infolge der Projekte zum Ausbau unserer Marktpositionen
um 54 Prozent auf 466 Millionen € und lagen damit erheblich über den Abschreibungen von 259 Millionen €. Das
durchschnittliche Capital Employed nahm insbesondere infolge der Einbeziehung von PeroxyChem sowie der
Sachinvestitionen um 16 Prozent auf 4.223 Millionen € zu. Der ROCE ging infolge des geringeren Ergebnisses und des
höheren Capital Employed auf 6,4 Prozent zurück.
Investitionsprojekte stärken unsere Marktpositionen
Der Bau des neuen Anlagenkomplexes für den Spezialkunststoff Polyamid 12 (PA 12) in Marl kommt gut voran. Mit dieser
Investition von mehr als 400 Millionen € erweitern wir unsere Gesamtkapazität für PA 12 um mehr als 50 Prozent. Es
entstehen dazu neben der dort bereits bestehenden PA-12-Produktion zusätzliche Anlagen für das Polymer und seine
Vorstufen. Die erste Anlage wurde planmäßig im Oktober 2020 fertiggestellt. Bis zum ersten Quartal 2021 werden weitere
Anlagen folgen, die komplette Fertigstellung ist für den Sommer 2021 vorgesehen. Mit dem Hochleistungspolymer PA 12
bedienen wir weltweit strategische Wachstumsmärkte wie den 3D-Druck. Aber auch im Automobilbau leisten wir mit
diesem leichten und langlebigen Kunststoff einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung: Dank seiner herausragenden
Eigenschaften hohe Stabilität bei gleichzeitiger Flexibilität sowie hohe Temperaturbeständigkeit und geringes Gewicht
wird dieser Hochleistungskunststoff in vielen anspruchsvollen Anwendungen als Ersatz für Stahl eingesetzt.
Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Leichtbaumaterialien für Spezialanwendungen haben wir unsere
Produktionserweiterung von Hochleistungshartschäumen der Marke ROHACELL® am Standort Mobile (Alabama, USA) in
Betrieb genommen. ROHACELL® ist ein steifer Strukturschaumstoff aus Polymethacrylimid, der bei der Konstruktion und
der Herstellung von Sandwichbauteilen in der Luftfahrt, bei Automobilen, Schiffen, in Sportausrüstung, in Elektronik und
der Medizintechnologie zum Einsatz kommt. Der extrem leichte Schaumstoff hält hohen Temperaturen und hohem Druck
stand und ist daher ideal als Kernmaterial für Composite-Bauteile geeignet.
In Zhenjiang (Provinz Jiangsu, China) hat unser Joint Venture Evonik Wynca (Zhenjiang) Silicon Material Co., Ltd. mit
dem chinesischen Unternehmen Wynca mit dem Bau einer neuen Produktionsanlage für AEROSIL® begonnen. Mit der
geplanten Inbetriebnahme 2021 werden wir das globale Produktionsnetzwerk für pyrogene Kieselsäuren weiter ausbauen
und eine stabilere Belieferung unserer chinesischen Kunden gewährleisten. Gleichzeitig konnten wir die
529
651
631
565
0 200 400 600
2020
2019
2018
2017
Bereinigtes EBITDA Smart Materials
in Millionen €
Vorjahreszahlen angepasst.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
27
Produktionskapazität für pyrogene Spezialkieselsäuren in Rheinfelden erweitern. Typische Anwendungen für pyrogene
Kieselsäuren, die Evonik unter dem Namen AEROSIL® vermarktet, sind Farben und Lacke, moderne Klebstoffsysteme,
transparente Silikone sowie nicht brennbare Hochleistungsisolationsmaterialien.
Unsere Produktionskapazitäten für gefällte Kieselsäuren haben wir im türkischen Adapazari ausgebaut. Diese
Kieselsäuren werden überwiegend für hochwertige, rollwiderstandsreduzierte Reifen, aber auch in der Lebensmittel-,
Futtermittel- und Agroindustrie eingesetzt.
2.6.4 Performance Materials
Kennzahlen
in Millionen € 2019 2020
Veränd. in %
Außenumsatz 2.634
1.983 -25
Bereinigtes EBITDA 248 88 -65
Bereinigte EBITDA-Marge in % 9,4 4,4 –
Bereinigtes EBIT 117 -45 –
Sachinvestitionen
a
55 49 -11
Abschreibungen 139 126 -9
Capital Employed (Jahresdurchschnitt) 1.296 1.290 –
ROCE in % 9,0 -3,5 –
Mitarbeiter zum 31.12. (Anzahl) 1.645 1.639 –
Vorjahreszahlen angepasst.
a
Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen.
Deutlich rückläufiger Umsatz
In der Division Performance Materials ging der Umsatz um 25 Prozent auf 1.983 Millionen € zurück. Dies resultierte aus
spürbar geringeren Mengen und deutlich nachgebenden Preisen.
Der Umsatz mit Produkten des C
4
-Verbunds verringerte sich infolge der rückläufigen Nachfrage insbesondere aus der
Automobil- und Kraftstoffindustrie. Im Geschäft mit Superabsorbern wirkte sich die zwar steigende, aber weiterhin
unterdurchschnittliche Industrieauslastung belastend aus.
1.983
2.634
2.789
2.609
0 1.000 2.000 3.000
2020
2019
2018
2017
Umsatz Performance Materials
in Millionen €
Vorjahreszahlen angepasst.
28
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Bereinigtes EBITDA deutlich geringer
Das bereinigte EBITDA der Division Performance Materials ging vor allem preisbedingt um 65 Prozent auf 88 Millionen €
zurück. Die bereinigte EBITDA-Marge verringerte sich auf 4,4 Prozent (Vorjahreszeitraum: 9,4 Prozent).
Kapitalrendite unter Vorjahr
Die Investitionen der Division Performance Materials zielen auf die Sicherung seiner führenden Marktpositionen,
Effizienzsteigerung sowie die Verbreiterung der Technologiebasis. Die Sachinvestitionen gingen leicht auf 49 Millionen €
zurück und lagen damit deutlich unter den Abschreibungen. Das durchschnittliche Capital Employed lag mit
1.290 Millionen € etwa auf Vorjahreshöhe. Der ROCE ging infolge des geringeren Ergebnisses von 9,0 Prozent
auf -3,5 Prozent zurück.
Investitionen in Spezialitäten
Performance Materials investiert rund 15 Millionen € in zukunftsträchtige Spezialitäten des C
4
-Verbunds. Am Standort Marl
wird sich durch gezielte Debottlenecking-Maßnahmen die Produktionskapazität für sogenannte Isobutenderivate bis
Dezember 2021 um über 50 Prozent erhöhen. Zudem wird die Logistik weiter ausgebaut, um die Kunden noch flexibler
beliefern zu können. Evonik verfügt über eine hohe Expertise bei der Herstellung von Isobutenderivaten mit hoher Produkt-
und Isomerenreinheit. Mit dieser Investition unterstützen wir die hohe Wachstumsdynamik im Bereich synthetischer
Hochleistungsschmierstoffe. Zusätzlich erschließen wir uns neue Anwendungen für unsere petrochemischen Spezialitäten.
Diese tragen wesentlich dazu bei, dem Anspruch der 100-prozentigen stofflichen Nutzung aller Rohstoffströme und damit
unserem Nachhaltigkeitsansatz gerecht zu werden.
88
248
243
290
0 100 200 300 400
2020
2019
2018
2017
Bereinigtes EBITDA Performance Materials
in Millionen €
Vorjahreszahlen angepasst.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
29
2.6.5 Services
Kennzahlen
in Millionen € 2019 2020
Veränd. in %
Außenumsatz 763
734 -4
Bereinigtes EBITDA 122 92 -25
Bereinigte EBITDA-Marge in % 16,0 12,5 –
Bereinigtes EBIT -42 -72 -71
Sachinvestitionen
a
150 245 63
Abschreibungen 160 160 –
Capital Employed (Jahresdurchschnitt) 834 977 17
ROCE in % -5,0 -7,4 –
Mitarbeiter zum 31.12. (Anzahl) 14.428 14.310 -1
Vorjahreszahlen angepasst.
a
Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen.
Das Segment Services erzielt sowohl Innenumsätze mit den Chemie-Divisionen und dem Corporate Center (2020:
1.739 Millionen €) als auch Außenumsätze mit externen Kunden. Der Außenumsatz verringerte sich um 4 Prozent auf
734 Millionen €. Hierzu trugen vor allem geringere Erlöse aus dem Bereich Verfahrenstechnik und Engineering bei. Das
bereinigte EBITDA ging um 25 Prozent auf 92 Millionen € zurück.
Die Sachinvestitionen des Segments Services stiegen um 63 Prozent auf 245 Millionen € und lagen damit über den
Abschreibungen von 160 Millionen €.
Neues Erdgaskraftwerk spart CO
2
-Emissionen
Im Chemiepark Marl entsteht bis 2022 ein hocheffizientes und modernes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk. Damit beendet
Evonik die Erzeugung von Strom und Dampf auf der Basis von Steinkohle in Marl und senkt ihren CO
2
-Ausstoß um bis zu
1 Million Tonnen pro Jahr. Dadurch werden die direkten jährlichen Treibhausgasemissionen unserer Anlagen weltweit um
fast ein Fünftel reduziert – ein wesentlicher Beitrag zur Erreichung des zentralen Klimaziels von Evonik, die absoluten
Treibhausgasemissionen bis 2025 zu halbieren. Die hocheffiziente und hochflexible Anlage, die Strom und Dampf in Kraft-
Wärme-Kopplung erzeugt, soll einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent haben. Das Projektvolumen liegt im dreistelligen
Millionen-Euro-Bereich. Im Sommer wurde mit dem Bau eines weiteren Gas- und Dampfturbinenkraftwerks in Marl
begonnen, das ebenfalls 2022 fertiggestellt werden soll. Mit den beiden neuen Kraftwerken stellt Evonik langfristig die
wirtschaftliche und zukunftsfähige Energieversorgung für den Chemiepark Marl, den größten Produktionsstandort von
Evonik, sicher. Für die Produktion im Chemiepark ist neben der Stromerzeugung insbesondere die Dampferzeugung wichtig.
Die flexible Laststeuerung der Kraftwerke kann darüber hinaus einen Beitrag leisten, schwankende Einspeisung aus
erneuerbaren Energien ins Stromnetz auszugleichen – ein wichtiger und unverzichtbarer Baustein für die Energiewende.
2.7 Entwicklung in den Regionen
Neue Struktur
2020 haben wir unsere Regionenstruktur angepasst. Die bisherigen Regionen Westeuropa, Osteuropa und Naher Osten &
Afrika wurden zur Region Europa, Naher Osten & Afrika und die Regionen Asien-Pazifik Nord und Asien-Pazifik Süd zur
Region Asien-Pazifik zusammengefasst. Die Vorjahreswerte wurden entsprechend angepasst.
30
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Weltweit tätig
Im Geschäftsjahr 2020 erzielten wir 83 Prozent unseres Umsatzes außerhalb Deutschlands.
Der Umsatz in Europa, Naher Osten & Afrika (EMEA) verringerte sich um 12 Prozent auf 5.868 Millionen €. In
Deutschland wurde ein Umsatz von 2.074 Millionen erzielt, dies waren 9 Prozent weniger als im Jahr zuvor. In der Region
EMEA steuerten die Divisionen Specialty Additives, Smart Materials und Performance Materials geringere Umsätze bei. Der
Anteil von EMEA am Konzernumsatz betrug 48 Prozent. EMEA war auch der Schwerpunkt unserer Investitionstätigkeit. Die
Sachinvestitionen lagen mit 738 Millionen € über dem Vorjahreswert von 563 Millionen €. In Marl errichten wir einen
neuen Anlagenkomplex für den Spezialkunststoff Polyamid 12, der Anfang 2021 in Betrieb gehen wird. Zudem entstehen
dort zwei neue Gaskraftwerke, die 2022 ihre Arbeit aufnehmen sollen.
In Nordamerika erreichte der Umsatz mit 2.953 Millionen € die Vorjahreshöhe. Hierbei wurden geringere Umsätze aus den
Divisionen Specialty Additives und Performance Materials von höheren Umsätzen der Divisionen Nutrition & Care sowie
Smart Materials ausgeglichen. Der Anteil am gesamten Konzernumsatz betrug 24 Prozent. Die Sachinvestitionen erhöhten
sich um 15 Prozent auf 158 Millionen €. Hier wurde eine Produktionsanlage für ROHACELL® fertiggestellt.
In Mittel- & Südamerika ging der Umsatz um 9 Prozent auf 537 Millionen € zurück. Der Anteil am Konzernumsatz liegt bei
4 Prozent.
Der Umsatz in der Region Asien-Pazifik ging um 1 Prozent auf 2.841 Millionen € zurück. Dies resultierte aus geringeren
Erlösen aus den Divisionen Smart Materials und Performance Materials. Der Rückgang wurde jedoch gemindert durch
höhere Umsätze der Divisionen Nutrition & Care sowie Specialty Additives. Der Anteil dieser Region am Konzernumsatz lag
bei 23 Prozent. Die Sachinvestitionen lagen mit 93 Millionen € deutlich unter dem Vorjahreswert von 136 Millionen €, der
noch die Errichtung des World-Scale-Anlagenkomplexes für Methionin enthielt, der Mitte 2019 in Betrieb ging.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
31
2.8 Ertragslage
Ergebnis vor Ertragsteuern fortgeführter Aktivitäten unter Vorjahr
Der Umsatz ging bei geringeren Verkaufsmengen und -preisen sowie negativen Währungseinflüssen um 7 Prozent auf
12,2 Milliarden € zurück. Die Kosten der umgesetzten Leistungen verringerten sich infolge der niedrigeren
Produktionsmengen, nachgebender Rohstoffpreise sowie geringerer Reisekosten. Das Bruttoergebnis verminderte sich
insgesamt um 9 Prozent auf 3,4 Milliarden €. Die Erfolge unseres laufenden Kosteneinsparungsprogramms SG&A 2020
sowie geringere Reisekosten trugen wesentlich zum Rückgang der Vertriebskosten und der allgemeinen Verwaltungskosten
bei. Die Forschungs- und Entwicklungskosten erhöhten sich leicht. Die sonstigen betrieblichen Erträge verringerten sich
leicht. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen erhöhten sich auch aufgrund von Integrationskosten für die erworbenen
Gesellschaften. Das Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern verringerte sich um 25 Prozent auf 819 Millionen €.
Gewinn- und Verlustrechnung Evonik-Konzern
in Millionen € 2019 2020
Veränd. in %
Umsatzerlöse 13.108
12.199 -7
Kosten der umgesetzten Leistungen -9.413 -8.833 -6
Bruttoergebnis vom Umsatz 3.695 3.366 -9
Vertriebskosten -1.511 -1.498 -1
Forschungs- und Entwicklungskosten -428 -433 1
Allgemeine Verwaltungskosten -568 -502 -12
Sonstige betriebliche Erträge 359 345 -4
Sonstige betriebliche Aufwendungen -466 -474 2
Ergebnis aus at Equity bilanzierten Unternehmen 5 15 200
Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern fortgeführter Aktivitäten 1.086 819 -25
Finanzergebnis -132 -135 -2
Ergebnis vor Ertragsteuern fortgeführter Aktivitäten 954 684 -28
Ertragsteuern -180 -181 1
Ergebnis nach Steuern fortgeführter Aktivitäten 774 503 -35
Ergebnis nach Steuern nicht fortgeführter Aktivitäten 1.353 -24 –
Ergebnis nach Steuern 2.127 479 -77
davon Ergebnis anderer Gesellschafter 21 14 -33
Gesellschafter der Evonik Industries AG (Konzernergebnis) 2.106 465 -78
Geringeres Konzernergebnis
Das Finanzergebnis beinhaltet Sondererträge von 11 Millionen € im Wesentlichen für Zinsen im Zusammenhang mit der
Beendigung eines Rechtsstreits über einen früheren Grundstücksverkauf gegenüber 53 Millionen € im Vorjahr, die aus der
Auflösung von Rückstellungen resultierten. Bereinigt um die Sondererträge verbesserte sich das Finanzergebnis aufgrund
geringerer Zinsaufwendungen von -185 Millionen € auf -146 Millionen €. Das Ergebnis vor Ertragsteuern fortgeführter
Aktivitäten verringerte sich um 28 Prozent auf 684 Millionen €. Die Ertragsteuern lagen in etwa auf der Höhe des Vorjahres.
Das Ergebnis nach Steuern nicht fortgeführter Aktivitäten betraf nachlaufende Aufwendungen früherer Desinvestitionen;
der Vorjahreswert enthielt das laufende sowie das Veräußerungsergebnis des Methacrylatgeschäfts. Die Anteile anderer
Gesellschafter betrafen anteilige Gewinne von konzernfremden Anteilseignern vollkonsolidierter Tochterunternehmen.
Das Konzernergebnis blieb mit 465 Millionen € um 78 Prozent unter dem hohen Vorjahreswert, der von dem
Veräußerungsergebnis des Methacrylatgeschäfts geprägt war.
32
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
2.9 Finanzlage
Zentrales Finanzmanagement
Wesentliche Ziele des Finanzmanagements sind die Sicherung der finanziellen Unabhängigkeit des Evonik-Konzerns und die
Begrenzung von Finanzrisiken. Wir verfolgen eine zentrale Finanzierungsstrategie. Kredite und Anleihen werden im
Regelfall durch die Evonik Industries AG oder durch die Finanzierungsgesellschaft Evonik Finance B.V., Amsterdam
(Niederlande), aufgenommen. Deren Verbindlichkeiten werden vollständig von der Evonik Industries AG garantiert. Zur
Reduzierung von externen Kreditaufnahmen werden Liquiditätsüberschüsse der Konzerngesellschaften in einem Cashpool
auf Konzernebene genutzt, um daraus über konzerninterne Darlehen Finanzbedarfe in anderen Konzerngesellschaften zu
decken. Zur Sicherung konzerninterner Darlehen in Fremdwährung werden auf Konzernebene Währungsderivate
eingesetzt. Evonik verfügt über ein flexibles Finanzierungsinstrumentarium zur Deckung des Liquiditätsbedarfs für laufende
Geschäftstätigkeit, Investitionen und Fälligkeiten von Finanzschulden.
Solides Investment-Grade-Rating
Evonik verfügt über ein solides Investment-Grade-Rating. Moody’s und Standard & Poor’s (S&P) stufen Evonik unverändert
mit Baa1 bzw. mit BBB+ ein. Der Ausblick für das S&P-Rating ist stabil. Moody’s hat den Ausblick für das Baa1- Rating im
April 2020 von stabil auf negativ angepasst. Die Aufrechterhaltung eines soliden Investment-Grade-Ratings ist zentraler
Bestandteil unserer Finanzierungsstrategie. Wir sichern uns damit Zugang zu einer breiten Investorenbasis bei adäquaten
Finanzierungsbedingungen und erhalten damit unsere finanzielle Flexibilität. Ein solides Investment-Grade-Rating bietet
Banken, Investoren, Kunden und Lieferanten eine verlässliche Basis für eine langfristige Geschäftsbeziehung mit Evonik.
Hoher Free Cashflow
Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit fortgeführter Aktivitäten erhöhte sich um 384 Millionen € auf
1.736 Millionen €. Der Rückgang des operativen Ergebnisses wurde mehr als ausgeglichen durch geringere
Steuerzahlungen. Hierzu gehörten auch einmalige Steuerzahlungen im Jahr 2019 in Höhe von 245 Millionen € aus dem
Carve-out des Methacrylatgeschäfts, der zur Vorbereitung der Desinvestition notwendig war. Ohne diesen Effekt hätte sich
ein Anstieg von 139 Millionen € ergeben.
Der Free Cashflow verbesserte sich um 308 Millionen € auf 780 Millionen €. Hierzu trug der höhere Cashflow aus
laufender Geschäftstätigkeit fortgeführter Aktivitäten bei, während die höheren Auszahlungen für Sachinvestitionen den
Anstieg minderten. Bereinigt um die einmaligen Steuerzahlungen im Vorjahr ergab sich eine Zunahme des Free Cashflows
um 63 Millionen €. Die Cash Conversion Rate
18
verbesserte sich von 33 Prozent
19
auf 41 Prozent.
Kapitalflussrechnung (Kurzfassung)
in Millionen € 2019 2020
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit fortgeführter Aktivitäten 1.352
1.736
Auszahlungen für Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen -880 -956
Free Cashflow (nach Steuerzahlungen aus dem Carve-out des Methacrylatgeschäfts) 472 780
nachrichtlich: Free Cashflow vor Steuerzahlungen aus dem Carve-out des Methacrylatgeschäfts 717 780
Cashflow aus übriger Investitionstätigkeit fortgeführter Aktivitäten 635 386
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit fortgeführter Aktivitäten -848 -1.734
Cashflow aus nicht fortgeführten Aktivitäten -86 -9
Zahlungswirksame Veränderung der Finanzmittel 173 -577
18
Verhältnis Free Cashflow zu bereinigtem EBITDA.
19
Bezogen auf den Free Cashflow vor Steuerzahlungen aus dem Carve-out des Methacrylatgeschäfts.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
33
Aus der übrigen Investitionstätigkeit resultierte ein Mittelzufluss von 386 Millionen €; hierbei wurden die Auszahlungen für
die Akquisitionen durch den Verkauf von kurzfristigen Wertpapieren überkompensiert. Die Finanzierungstätigkeit führte zu
einem Mittelabfluss von 1.734 Millionen €, im Wesentlichen durch die Zahlung der Dividende von 536 Millionen € für das
Geschäftsjahr 2019 sowie die Tilgung von Finanzschulden.
Nettofinanzverschuldung durch Akquisitionen erhöht
Die Nettofinanzverschuldung hat sich gegenüber dem 31. Dezember 2019 um 745 Millionen € auf 2.886 Millionen €
erhöht. Wesentlicher Grund sind die Erwerbe von PeroxyChem und Porocel, die sich unter Berücksichtigung erworbener
Darlehen insgesamt mit 803 Millionen € auswirkten. Kompensierend wirkte der Free Cashflow in Höhe von
780 Millionen €, der die Dividende für das Geschäftsjahr 2019 (536 Millionen €) deutlich übertreffen konnte.
Nettofinanzverschuldung
in Millionen € 31.12.2019 31.12.2020
Langfristige finanzielle Verbindlichkeiten
a
-3.712 -3.564
Kurzfristige finanzielle Verbindlichkeiten
a
-806 -368
Finanzverschuldung -4.518 -3.932
Flüssige Mittel 1.165 563
Kurzfristige Wertpapiere 1.203 466
Sonstige Geldanlagen 9 17
Finanzvermögen 2.377 1.046
Nettofinanzverschuldung laut Bilanz -2.141 -2.886
a
Ohne Derivate, ohne Verbindlichkeiten aus Rückerstattung für Rabatt- und Bonusvereinbarungen.
Anleihen als zentrales Finanzierungsinstrument
Die Finanzverschuldung von 3.932 Millionen € setzte sich am Bilanzstichtag zusammen aus fünf Anleihen mit einem
Buchwert von 2.986 Millionen €, Commercial Paper von 45 Millionen €, Verbindlichkeiten aus Leasing von
653 Millionen €, Bankkrediten von 142 Millionen € und sonstigen Finanzschulden von 106 Millionen €. Das
Emissionsprogramm für die Begebung von Anleihen im Volumen von bis zu 5 Milliarden € war zum Bilanzstichtag mit
2,5 Milliarden € in Anspruch genommen.
34
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Im April 2020 haben wir die im Jahr 2013 von der Evonik Industries AG begebene Anleihe über nominal 500 Millionen €
aus vorhandener Liquidität zurückgezahlt. Im Mai 2020 haben wir eine neue Anleihe der Evonik Industries AG mit einem
Nennwert von 500 Millionen € und einem Ausgabekurs von 99,599 Prozent begeben. Diese Anleihe wird jährlich mit einem
Kupon in Höhe von 0,625 Prozent verzinst und hat eine Laufzeit von fünf Jahren und vier Monaten. Der Emissionserlös
wurde zusammen mit vorhandenen liquiden Mitteln zur Rückzahlung einer im Jahr 2016 begebenen Anleihe der Evonik
Finance B.V. über nominal 650 Millionen € verwendet, die im Dezember 2020 durch Ausübung eines vorzeitigen
Kündigungsrechts bereits drei Monate vor dem regulären Fälligkeitsdatum getilgt werden konnte.
Anleihen
Nominalvolumen
in Millionen €
Rating
(S&P / Moody's)
Fälligkeit
Zinskupon
in Prozent
Ausgabekurs
in Prozent
Evonik Industries AG
Festverzinsliche Anleihe 2015/2023
a
750 BBB+ / Baa1 23.01.2023 1,000 99,337
Festverzinsliche Anleihe 2020/2025
a
500 BBB+ / Baa1 18.09.2025 0,625 99,599
Hybridanleihe 2017/2077 500 BBB- / Baa3 07.07.2077 2,125 99,383
Evonik Finance B.V.
Festverzinsliche Anleihe 2016/2024
a
750 BBB+ / Baa1 07.09.2024 0,375 99,490
Festverzinsliche Anleihe 2016/2028
a
500 BBB+ / Baa1 07.09.2028 0,750 98,830
a
Unter dem Emissionsprogramm begeben.
Die originären Finanzverbindlichkeiten des Konzerns sind zu rund 92 Prozent auf Euro denominiert (Vorjahr: 95 Prozent).
Unter Berücksichtigung von zu Finanzierungszwecken abgeschlossenen Währungsderivaten lauten rund 69 Prozent der
Finanzverbindlichkeiten auf Euro, 15 Prozent auf US-Dollar, 11 Prozent auf Singapur-Dollar (SGD) und 5 Prozent auf
andere Währungen.
Weiterhin starke Liquiditätsposition
Evonik verfügte am 31. Dezember 2020 über flüssige Mittel von 563 Millionen € und kurzfristige Wertpapiere von
466 Millionen €. Daneben steht Evonik als zentrale Liquiditätsvorsorge eine revolvierende Kreditlinie in Höhe von
1,75 Milliarden € zur Verfügung. Die im Juni 2017 abgeschlossene Linie hat eine Laufzeit bis Juni 2024. Sie wurde im
EVONIK LAGEBERICHT 2020
35
gesamten Geschäftsjahr 2020 nicht in Anspruch genommen und enthält keine Klauseln, die Evonik zur Einhaltung bestimmter
Finanzkennzahlen verpflichten. Darüber hinaus bestehen weitere Kreditlinien, von denen per 31. Dezember 2020 ein Betrag
von 614 Millionen € nicht in Anspruch genommen war.
Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen auf solidem Niveau
Pensionsrückstellungen stellen knapp zwei Drittel unserer Nettoverschuldung (Summe aus Nettofinanzverschuldung und
Pensionsrückstellungen) dar. Sie sind langfristig und abhängig vom Abzinsungssatz. Gegenüber dem Jahresende 2019 sind
die Pensionsrückstellungen um 651 Millionen € auf 4.618 Millionen € angestiegen. Der durch den gesunkenen
Rechnungszins bedingte Anstieg des Barwertes der Pensionsverpflichtungen konnte durch eine robuste Performance des
Planvermögens nur teilweise kompensiert werden. Der Ausfinanzierungsgrad
20
der Pensionsverpflichtungen liegt zum
Bilanzstichtag mit 64 Prozent weiterhin auf einem soliden und im Industrievergleich üblichen Niveau.
Sachinvestitionen etwas über Vorjahresniveau
Investitionsprojekte sollen zur Wertsteigerung beitragen und zielgerichtet Potenziale für nachhaltiges und profitables
Wachstum eröffnen, aber auch den Wert und die Verfügbarkeit bestehender Sachanlagen erhalten. Evonik expandiert daher
in der Spezialchemie in Geschäfte und Märkte, die weiter ausgebaut werden sollen oder in denen bereits starke
Wettbewerbspositionen vorhanden sind. Jedes Projekt muss sich umfangreichen wirtschaftlichen und strategischen Analysen
unterziehen. Der Anspruch von Evonik an sämtliche Projekte ist eine Mindestrenditeanforderung in Höhe der Kapitalkosten.
Bei dem Ausbau unserer führenden Marktpositionen gehen wir flexibel und diszipliniert vor. Sämtliche Projekte werden
regelmäßig auf sich verändernde Entwicklungen in den jeweiligen Märkten überprüft.
Die Sachinvestitionen
21
stiegen insbesondere aufgrund laufender Großprojekte sowie coronabedingt höherer Kosten im
Jahr 2020 auf 995 Millionen € (Vorjahr: 842 Millionen €). Aufgrund von Zahlungszielen erfolgen die Auszahlungen für
Sachinvestitionen grundsätzlich zeitlich leicht versetzt. Im Berichtszeitraum betrugen die Auszahlungen für Sachinvestitionen
956 Millionen € (Vorjahr: 880 Millionen €). Mit 47 Prozent entfiel der größte Teil der Sachinvestitionen auf die Division
Smart Materials. 14 Prozent betrafen die Division Nutrition & Care, 9 Prozent die Division Specialty Additives und 5 Prozent
die Division Performance Materials. 25 Prozent wurden bei Services investiert. Regional lag der Schwerpunkt der
Sachinvestitionen mit einem Anteil von 74 Prozent in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (66 Prozent Deutschland),
gefolgt von Nordamerika mit 16 Prozent und Asien-Pazifik mit 9 Prozent.
Bedeutende im Jahr 2020 fertiggestellte bzw. weitgehend fertiggestellte Einzelprojekte
Projekt Ort
Specialty Additives
Erweiterung der Produktionskapazität für Polymere Geesthacht
Errichtung einer Produktionsanlage für organisch modifizierte Spezialsilikone Schanghai (China)
Smart Materials
Erweiterung der Produktionskapazität für Silica Adapazari (Türkei)
Erweiterung der Produktionskapazität für pyrogene Spezialkieselsäuren Rheinfelden
Weitere Informationen zu aktuellen Investitionsprojekten finden Sie im Kapitel 2.6 Entwicklung in den Segmenten.
Die Finanzinvestitionen betrugen 510 Millionen €. Sie betrafen vor allem die Akquisitionen von PeroxyChem, Porocel und
Wilshire.
22
20
Verhältnis Planvermögen zu Pensionsverpflichtungen.
21
Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte.
22
Siehe Anhangziffer 4.2.
36
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
2.10 Vermögenslage
Geringere Bilanzsumme
Zum 31. Dezember 2020 ging die Bilanzsumme um 1,1 Milliarden € auf 20,9 Milliarden € zurück. Das langfristige
Vermögen erhöhte sich um 0,5 Milliarden € auf 15,9 Milliarden €. Hierzu trug insbesondere der Zugang der
Vermögenswerte der Akquisitionen PeroxyChem und Porocel bei. Der Anteil des langfristigen Vermögens am
Gesamtvermögen betrug 76 Prozent (Vorjahr: 70 Prozent); es ist fristenkongruent finanziert. Das kurzfristige Vermögen
verringerte sich um 1,6 Milliarden € auf 5,0 Milliarden €. Hauptgrund hierfür ist der Rückgang der flüssigen Mittel und
sonstigen finanziellen Vermögenswerte vor allem im Zusammenhang mit den Akquisitionen sowie der vorzeitigen
Rückzahlung einer Kapitalmarktanleihe. Der Anteil des kurzfristigen Vermögens am Gesamtvermögen ging auf 24 Prozent
(Vorjahr: 30 Prozent) zurück.
Das Eigenkapital
23
verringerte sich um 1,0 Milliarden € auf 8,1 Milliarden €. Hierzu trugen auch negative Einflüsse aus der
Währungsumrechnung sowie der Neubewertung von leistungsorientierten Versorgungsplänen im Rahmen der Senkung des
Zinssatzes für Pensionsrückstellungen bei. Die Eigenkapitalquote nahm von 41 Prozent auf 39 Prozent ab. Das langfristige
Fremdkapital erhöhte sich um 0,5 Milliarden € auf 9,9 Milliarden €. Ursächlich hierfür waren im Wesentlichen die höheren
Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen. Der Anteil des langfristigen Fremdkapitals an der Bilanzsumme
erhöhte sich von 43 Prozent auf 48 Prozent.
23
Siehe zu den Angaben gemäß § 160 Abs. 1 Nr. 2 AktG Anhangziffer 6.9.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
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38
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
3. Wirtschaftliche Entwicklung der Evonik Industries AG
Die Evonik Industries AG mit Sitz in Essen ist das Mutterunternehmen des Evonik-Konzerns. Sie hält direkt und indirekt die
Anteile an den zum Konzern gehörenden Tochterunternehmen. Der Jahresabschluss der Evonik Industries AG wurde nach
den Rechnungslegungsvorschriften des Handelsgesetzbuches und des Aktiengesetzes aufgestellt.
Die Ertragslage der Evonik Industries AG wird maßgeblich von der Ergebnisvereinnahmung aus den
Tochterunternehmen, Aufwendungen und Erträgen aus der Konzernfinanzierung sowie aus Portfoliomaßnahmen bestimmt.
Die finanzielle Steuerung erfolgt daher mit der Ergebnisgröße „Jahresüberschuss“, die die genannten Effekte beinhaltet.
Gewinn- und Verlustrechnung Evonik Industries AG
in Millionen € 2019 2020
Umsatzerlöse 467
457
Andere aktivierte Eigenleistungen 1 6
Sonstige betriebliche Erträge 611 472
Materialaufwand -58 -43
Personalaufwand -359 -348
Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen -26 -24
Sonstige betriebliche Aufwendungen -866 -748
Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit -230 -228
Beteiligungsergebnis 1.474 349
Abschreibungen auf Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens -6 –
Zuschreibungen auf Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens 17 17
Zinsergebnis -28 -101
Ergebnis vor Ertragsteuern 1.227 37
Steuern vom Einkommen und vom Ertrag -245 -77
Ergebnis nach Steuern 982 -40
J
ahresüberschuss (+)/ Jahresfehlbetrag (-) 982 -40
Gewinnvortrag aus dem Vorjahr – 414
Einstellungen in (-)/ Entnahmen aus (+) andere(n) Gewinnrücklagen -32 162
Bilanzgewinn 950 536
Die Umsatzerlöse reduzierten sich um 10 Millionen € auf 457 Millionen €. Der Materialaufwand ging insbesondere dadurch
um 15 Millionen € auf 43 Millionen € zurück. Der Personalaufwand lag mit 348 Millionen € um 3 Prozent unter dem Wert
des Vorjahres. Die sonstigen betrieblichen Erträge reduzierten sich auf 472 Millionen €. Der Rückgang resultiert im
Wesentlichen aus Erträgen aus der Auflösung von Rückstellungen, die mit 15 Millionen € um 89 Millionen € unter dem Wert
des Vorjahres liegen, sowie aus Währungskursdifferenzen. Im Rahmen der Bruttodarstellung werden die Erträge aus
Währungskursdifferenzen von 403 Millionen € (Vorjahr: 454 Millionen €) und die entsprechenden Aufwendungen von
411 Millionen € (Vorjahr: 442 Millionen €) getrennt in den sonstigen betrieblichen Erträgen und Aufwendungen
ausgewiesen. Saldiert ergab sich ein Aufwand von 8 Millionen € (Vorjahr: 12 Millionen € Ertrag).
Das Beteiligungsergebnis reduzierte sich um 76 Prozent auf 349 Millionen €. Dieser Rückgang resultiert aus gesunkenen
Erträgen aus Gewinnabführungsverträgen, die im Vorjahr in erster Linie aus dem Verkauf des Methacrylatgeschäfts
stammten. Im Geschäftsjahr fielen keine Abschreibungen auf Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens an. Im
Vorjahr wurden sonstige Wertpapiere in Höhe von 6 Millionen € abgeschrieben. Die Zuschreibungen auf Finanzanlagen und
Wertpapiere des Umlaufvermögens von 17 Millionen € wurden auf Anteile an verbundenen Unternehmen sowie auf die
Spezialfonds vorgenommen.
Das Zinsergebnis verringerte sich deutlich gegenüber dem Vorjahreswert von -28 Millionen € auf -101 Millionen €.
Ursächlich waren im Wesentlichen die geringeren Erträge im Zusammenhang mit der Bewertung des
EVONIK LAGEBERICHT 2020
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Pensionsdeckungsvermögens. Das Zinsergebnis beinhaltet außerdem Erträge und Aufwendungen aus dem konzernweiten
Cashpool, der bei der Evonik Industries AG konzentriert ist.
Das Ergebnis vor Ertragsteuern verringerte sich vor allem infolge der gesunkenen Erträge aus Gewinnabführungen sowie
der niedrigeren Zinserträge auf 37 Millionen €. Der Ertragsteueraufwand betrug 77 Millionen € nach 245 Millionen € im
Vorjahr.
Das handelsrechtliche Ergebnis der Evonik Industries AG sank gegenüber dem Vorjahr um 1.022 Millionen € auf einen
Jahresfehlbetrag in Höhe von 40 Millionen €.
Nach Entnahme von 161.528.893,45 € aus anderen Gewinnrücklagen und unter Berücksichtigung eines Gewinnvortrags
aus dem Vorjahr in Höhe von 414.100.000,00 € ergibt sich ein Bilanzgewinn von 535.900.000,00 €. Der
Hauptversammlung wird vorgeschlagen, den Bilanzgewinn vollständig auszuschütten; dies entspricht einer Dividende von
1,15 € je Stückaktie.
Bilanz Evonik Industries AG
in Millionen € 31.12.2019 31.12.2020
Immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen 54
63
Finanzanlagen 8.454 8.418
Anlagevermögen 8.508 8.481
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 3.477 2.707
Wertpapiere 1.197 467
Flüssige Mittel 837 212
Umlaufvermögen 5.511 3.386
Rechnungsabgrenzungsposten 12 14
Summe Aktiva 14.031 11.881
Gezeichnetes Kapital 466 466
Kapitalrücklage 722 722
Gewinnrücklagen 4.278 4.116
Bilanzgewinn 950 536
Eigenkapital 6.416 5.840
Rückstellungen 742 882
Verbindlichkeiten 6.873 5.157
Rechnungsabgrenzungsposten – 2
Summe Passiva 14.031 11.881
Die Bilanzsumme der Evonik Industries AG hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 14,0 Milliarden € auf 11,9 Milliarden €
reduziert. Die Finanzanlagen umfassen insbesondere die Anteile an den Tochterunternehmen. In den Forderungen sind im
Wesentlichen Finanzforderungen von 2,4 Milliarden € (Vorjahr: 3,1 Milliarden €) vor allem aus der Cashpool-Tätigkeit
sowie aus konzerninternen Darlehen enthalten. In den Wertpapieren werden die Anteile an zwei Spezialfonds in Höhe von
insgesamt 467 Millionen € ausgewiesen, die 2019 erworben wurden.
Das Eigenkapital ging aufgrund der Auszahlung der Dividende für das Geschäftsjahr 2019 sowie infolge des
Jahresfehlbetrags um 0,6 Milliarden € auf 5,8 Milliarden € zurück. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich von 45,7 Prozent im
Vorjahr auf 49,2 Prozent. Die Verbindlichkeiten und die Forderungen spiegeln die konzernweite Finanzierungsfunktion als
Konzernführungsgesellschaft wider. In den Verbindlichkeiten sind 5,0 Milliarden € Finanzverbindlichkeiten (Vorjahr:
6,8 Milliarden €) enthalten. Hiervon entfallen 3,2 Milliarden € (Vorjahr: 4,9 Milliarden €) auf verbundene Unternehmen,
die weitestgehend aus der Cashpool-Tätigkeit resultieren. Weitere 1,8 Milliarden € (Vorjahr: 1,8 Milliarden €) betreffen
Kapitalmarktanleihen.
40
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Chancen und Risiken
Die bedeutenden operativ tätigen Gesellschaften in Deutschland sind über Ergebnisabführungsverträge mit der Evonik
Industries AG verbunden. Infolge der zentralen Finanzierungsstrategie des Evonik-Konzerns werden die internen und
externen Finanzierungsgeschäfte im Wesentlichen über die Evonik Industries AG abgewickelt. Daher unterliegt die Evonik
Industries AG grundsätzlich den gleichen Risiken und Chancen wie der Evonik-Konzern. Weitere Informationen finden Sie
im Kapitel 6. Chancen- und Risikobericht.
Prognose
24
für 2021
Für 2021 erwarten wir für die Evonik Industries AG eine deutliche Ergebnisverbesserung im Vergleich zu dem Wert aus
2020 und rechnen daher wieder mit einem Jahresüberschuss. Der Anstieg wird im Wesentlichen durch das
Beteiligungsergebnis geprägt sein. Weiterhin gehen wir davon aus, dass die Erträge aus der Bewertung des
Deckungsvermögens unter den hohen Werten von 2020 liegen werden.
Abhängigkeitsbericht
Über die Beziehungen der Evonik Industries AG zu verbundenen Unternehmen wurde ein Bericht nach § 312 AktG erstellt,
der mit folgender Erklärung abschließt: „Unsere Gesellschaft hat bei den im Bericht über Beziehungen zu verbundenen
Unternehmen aufgeführten Rechtsgeschäften nach den Umständen, die uns in dem Zeitpunkt bekannt waren, in dem die
Rechtsgeschäfte vorgenommen worden sind, bei jedem Rechtsgeschäft eine angemessene Gegenleistung erhalten.
Maßnahmen wurden weder getroffen noch unterlassen.“
24
Zu den Annahmen siehe Kapitel 7. Prognosebericht.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
41
42
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
4. Forschung & Entwicklung
Unser Ziel: Innovationsführer der chemischen Industrie
Die Vision von Evonik ist, das beste Spezialchemieunternehmen der Welt zu sein. Um mit unseren Innovationen noch stärker
zum profitablen Wachstum des Konzerns beizutragen, haben wir die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten bei Evonik
neu organisiert. In unserer neuen unternehmensweiten Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationseinheit sind nun alle
geschäftsübergreifenden Kompetenzen und Technologien gebündelt. Dadurch können wir leichter unser Wissen teilen,
Synergien nutzen und zugleich noch gezielter – und nah am Kunden – neue, attraktive Märkte erschließen. Unsere F&E-
Aktivitäten richten wir auf sechs Innovationswachstumsfelder aus:
Sustainable Nutrition: Etablierung weiterer Produkte und Services für eine nachhaltige Ernährung in der
Tierhaltung und für den Menschen
Healthcare Solutions: Entwicklung neuer Materialien für Implantate und als Bestandteile von Zellkulturmedien
sowie maßgeschneiderte, innovative Medikamentenformulierungen
Advanced Food Ingredients: Aufbau eines Portfolios von gesundheitsfördernden Substanzen und
Nahrungsergänzungsmitteln als Beitrag zur gesunden Ernährung
Membranes: Ausweitung der SEPURAN
®
-Technologie zur effizienten Gasseparation für weitere Anwendungen
Cosmetic Solutions: Entwicklung weiterer naturbasierter Produkte für kosmetische Anwendungen sowie
sensorisch optimierter Formulierungen für Hautpflegeprodukte
Additive Manufacturing: Auf- und Ausbau von Produkten und Technologien in dem Bereich additive Fertigung
Mit diesen Innovationswachstumsfeldern wollen wir bis 2025 einen zusätzlichen Umsatz
25
von mehr als 1 Milliarde €
erwirtschaften.
Die Corona-Pandemie verhilft genbasierten Impfstoffen zum Durchbruch. Die Technologien und Dienstleistungen, die im
Rahmen des Wachstumsfeldes Healthcare Solutions in den letzten Jahren entwickelt wurden, haben seit Ausbruch der
Coronakrise zu mehreren Kundenaufträgen geführt. Die Liposom-basierten Formulierungen, die dort entwickelt werden,
sind die derzeit vielversprechendste Technologie, um diese Wirkstoffe im Körper an ihren Wirkort zu transportieren.
Im Wachstumsfeld Advanced Food Ingredients konnten wir 2020 beispielsweise mit Medox® erstmals ein
Nahrungsergänzungsmittel über Apotheken an Endverbraucher in Deutschland vertreiben. Die Pflanzenfarbstoffe aus
dunklen Beeren, wie Heidelbeeren oder schwarze Johannisbeeren, binden freie Radikale und unterstützen so die Gesundheit
der Blutgefäße. Dieses Wachstumsfeld richtet sich strategisch an langfristigen und nicht-zyklischen Trends aus. Dazu zählen
die alternde Bevölkerung, eine wachsende Mittelschicht und auch ein weltweit steigendes Bewusstsein für gesunde und
nachhaltige Ernährung. Ebenfalls für das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln haben wir unser Portfolio im Bereich der
hochdosierten Omega-3-Fettsäuren mit AvailOm® erweitern können. Das Omega-3-Pulver AvailOm® ist jetzt auf Basis von
Algenöl und Fischöl in unterschiedlichen Dosierungen erhältlich. Der Ausbau der Produktpalette ermöglicht es Herstellern
von Nahrungsergänzungsmitteln, neue auf besondere Verbrauchergruppen und spezifische Lebensphasen zugeschnittene
Lösungen zu entwickeln. Durch die Gewinnung aus Mikroalgen lassen sich nachhaltigere Angebote entwickeln, die auch für
Veganer und Vegetarier attraktiv sind.
25
Erzielt mit Produkten eingeführt ab 2015.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
43
Zur Förderung der Aktivitäten im Wachstumsfeld Sustainable Nutrition haben wir uns über unsere Venture-Capital-Einheit
an dem chinesischen Technologie-Start-up SmartAHC, Chengdu, beteiligt, das eine effektivere und gesündere
Schweinezucht ermöglicht. SmartAHC hat Überwachungsgeräte und Software entwickelt, die mithilfe künstlicher Intelligenz
und des Internets die Effizienz landwirtschaftlicher Betriebe sowie das Tierwohl verbessern. Die frühzeitige Erkennung von
Krankheiten ermöglicht es den Landwirten beispielsweise, kranke Tiere zu isolieren und die Verbreitung von Infektionen zu
verhindern.
Im Wachstumsfeld Additive Manufacturing haben wir zur Stärkung unserer Position im Wachstumsmarkt von
Hochleistungs-Photopolymerharzen eine Beteiligung am chinesischen Unternehmen Union Technology, Schanghai, einem
der führenden Hersteller von Stereolithografie-basierten 3D-Druckern und Druckmaterialien, erworben. Diese additive
Fertigungstechnologie ermöglicht die Herstellung hochpräziser und detaillierter Polymerteile. Mit der bevorstehenden
Einführung neuer Produkte unter dem Namen INFINAM® und der aktuellen Beteiligung an Union Technology erweitern wir
unsere Aktivitäten als zuverlässiger Partner der Branche bei der Entwicklung und Herstellung von Hochleistungsmaterialien
für den 3D-Druck, um unsere Geschäftsaktivitäten entlang der wichtigen Photopolymer-Technologie zu stärken.
Erfolgreiches Innovationsmanagement
Neue Produkte und Verfahren sichert Evonik mit einer umfassenden Patentstrategie ab. Den Wert und die Qualität unseres
Patentportfolios haben wir in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert. Im Jahr 2020 wurden 215 Patente neu
eingereicht. 2020 betrugen die Aufwendungen für F&E 433 Millionen €. Die Steuerung der F&E-Projekte erfolgt über den
bei Evonik entwickelten mehrstufigen Prozess „Idea-to-Profit“, mit dem wir eine Idee von der systematischen Entwicklung
bis zur profitablen Vermarktung begleiten.
Unsere
Innovationspipeline
umfasst grundlegend neue Geschäftsoptionen ebenso wie die Sicherung oder perspektivische
Erweiterung bestehender Aktivitäten. Produkt- und Prozessinnovationen sowie Geschäftsmodell- und Systeminnovationen
stehen gleichermaßen im Fokus. Wir richten unser Projektportfolio differenziert an der Strategie der jeweiligen
Geschäftseinheiten aus und fokussieren uns auf Wachstumsbereiche mit hohen Nachhaltigkeitsvorteilen.
2016 und 2017 enthalten noch das im Juli 2019 abgegebene Methacrylatgeschäft.
433
428
437
476
438
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500
2020
2019
2018
2017
2016
F&E-Aufwand
in Millionen €
44
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Zielgerichtete Forschung & Entwicklung
Rund 85 Prozent unserer F&E-Aufwendungen entfallen auf die vier produzierenden Chemie-Divisionen. Dazu zählen vor
allem Forschungsaktivitäten, die spezifisch auf deren Kerntechnologien und -märkte ausgerichtet sind sowie auf die
Entwicklung neuer Geschäfte. Ein überdurchschnittlicher Anteil unserer F&E-Mittel fließt in die Forschungsaktivitäten der
Divisionen Specialty Additives, Nutrition & Care und Smart Materials. Die Division Performance Materials fokussiert sich auf
Prozess- und Produktoptimierungen.
Mit der Neuaufstellung der strategischen Innovationseinheit Creavis wird diese größer und internationaler. Zudem erweitert
sie durch die Integration der für die Entwicklung von Neugeschäft zuständigen Einheiten der bisherigen Segmente ihr
Blickfeld. Creavis konzentriert sich weiterhin auf Innovationsprojekte, die die Wachstums- und Nachhaltigkeitsstrategie des
Konzerns unterstützen und neue Geschäftsoptionen eröffnen. Zudem identifiziert Creavis Zukunftsthemen und dient dem
Konzern als interner Inkubator.
Innovationsprojekte, die einen organisationsübergreifenden Charakter haben, werden in Projekthäusern bearbeitet. Die
Experten der an einem Projekthaus beteiligten Organisationseinheiten kommen in der Regel für drei Jahre zusammen und
arbeiten gemeinsam an den Entwicklungsthemen des jeweiligen Projekthauses. Das 2018 in Singapur gegründete zwölfte
Projekthaus „Tissue Engineering“ beschäftigt sich mit neuen Lösungen zum Wachstum von Zellgeweben und unterstützt das
Innovationswachstumsfeld Healthcare Solutions. Ziel sind Materialien für biologische Implantate in der Medizin. Für das
Innovationswachstumsfeld Cosmetic Solutions werden optimierte Ansätze für Hautmodelle mit besserer Vorhersagekraft
und Skalierung bei gleichzeitig exzellenter Reproduzierbarkeit erforscht, die ihren Einsatz zu Forschungs- und Testzwecken
im Labor finden, um damit zum Beispiel neue kosmetische Wirkstoffe, Reinigungsmittel oder auch Chemikalien zu prüfen.
Evonik und die Siemens Energy AG, München, haben eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
geförderte Versuchsanlage in Betrieb genommen, die Kohlendioxid und Wasser zur Herstellung von Chemikalien nutzt. Die
notwendige Energie liefert Strom aus erneuerbaren Quellen. Die Versuchsanlage soll mit ihrer innovativen Technologie der
künstlichen Fotosynthese zum Gelingen der Energiewende beitragen. In dem Projekt Rheticus I hatten die beiden
Unternehmen zwei Jahre lang die Grundlagen für die technische Machbarkeit dieser künstlichen Fotosynthese aus Bioreaktor
und Elektrolyseur entwickelt. Nach erfolgreichem Abschluss der aktuellen Projektphase Rheticus II werden Evonik und
Siemens Energy eine einzigartige Plattformtechnologie zur Verfügung haben, die energie- und werthaltige Stoffe wie
Spezialchemikalien oder künstliche Treibstoffe aus CO
2
herstellen kann – modular und flexibel.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
45
Zugang zu innovativen Technologien und neuen Geschäftsoptionen sichert sich Evonik auch durch ihre Corporate-Venture-
Capital-Aktivitäten. Gezielt investieren wir in spezialisierte Technologiefonds und Start-ups mit strategischem Bezug zum
Konzern. So erhalten wir in sehr frühen Phasen Einblicke in innovative Entwicklungen. Seit 2012 sind wir mehr als 30
Beteiligungen eingegangen. 2020 hat Evonik Venture Capital seine Beteiligung am finnischen Start-up Synoste Oy, Espoo,
an Globus Medical, Audubon (Pennsylvania/USA) verkauft. Beide Unternehmen haben von der viereinhalbjährigen
Partnerschaft gleichermaßen profitiert - Synoste im Rahmen der Weiterentwicklung seiner Orthopädie-Technologie, Evonik
erlangte weitere Einblicke in den Markt für medizinische Anwendungen für seine Hochleistungspolymere. Das US-
Unternehmen Globus Medical hat alle Anteile erworben. Für Evonik bedeutet der Verkauf eine attraktive finanzielle Rendite
auf die Anfangsinvestition. Durch die Zusammenarbeit erlangte Evonik ein tieferes Verständnis der Anforderungen an
medizinische Geräte und des behördlichen Zulassungsverfahrens.
Einen wesentlichen Einfluss auf die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens sehen wir in der Innovationskultur. Dazu
gehören Engagement, Leidenschaft und Durchhaltevermögen, aber bei mangelnder Erfolgsperspektive auch die Kraft zum
Beenden von F&E-Projekten sowie der konstruktive Umgang mit Fehlern. Vor diesem Hintergrund verstehen wir uns als
offenes, lernendes Unternehmen.
F&E bei Evonik
2020
F&E-Aufwand
433 Millionen €
F&E-Quote 3,5%
Anzahl neu eingereichter Patente 215
Bestand Patente und Patentanmeldungen rund 24.000
Bestand Markenregistrierungen/-anmeldungen rund 7.500
F&E-Mitarbeiter rund 2.560
F&E-Standorte 37
46
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
EVONIK LAGEBERICHT 2020
47
5. Nachhaltigkeit
5.1 Nachhaltigkeitsstrategie
26
Anspruch von Evonik ist es, das weltweit beste Spezialchemieunternehmen zu werden. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie
2020+ ist Ausdruck dieser Ambition – mit anspruchsvollen Zielen und dem Verständnis, Nachhaltigkeit in profitables
Wachstum zu übersetzen. Immer mehr Kunden erwarten, dass wir sie bei der Erreichung ihrer eigenen Nachhaltigkeitsziele
unterstützen.
Zahlreiche Selbstverpflichtungen und Engagements
Evonik hat sich zur Einhaltung international anerkannter Standards sowie eigener, darüber hinausgehender Leitlinien und
Verhaltensgrundsätze verpflichtet. Dazu zählen beispielsweise die zehn Prinzipien des UN Global Compact. Außerdem
engagieren wir uns in zahlreichen Netzwerken, wie der Nachhaltigkeitsinitiative der chemischen Industrie in Deutschland
„Chemie
3
“ oder im Weltwirtschaftsrat für Nachhaltige Entwicklung (WBCSD). Zusammen mit dem Verhaltenskodex bilden
unsere Global Social Policy, unsere Werte für Umwelt, Sicherheit, Gesundheit und Qualität sowie die Menschenrechtliche
Grundsatzerklärung des Vorstandes den Rahmen für die verantwortungsvolle Unternehmensführung bei Evonik.
Intensiver Dialog mit Stakeholdern
Der Austausch mit unseren Stakeholdern ist uns wichtig, um unterschiedliche Perspektiven besser verstehen zu können und
sich abzeichnende Marktentwicklungen und Trends frühzeitig zu erkennen. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten wir
unsere Stakeholderdialoge 2020 nicht wie gewohnt durchführen. Wir haben versucht, dies durch die Teilnahme an
zahlreichen digitalen Formaten aufzufangen und die hieraus gewonnenen Erkenntnisse ins Unternehmen zu tragen.
Konsequente Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie 2020+
Wichtiger Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsstrategie 2020+ ist ein vorausschauendes Ressourcenmanagement. Wir haben
uns ehrgeizige Ziele zur Verringerung unserer CO
2
-Emissionen (Scope 1, 2 und 3) und zur Einführung eines
Wassermanagementsystems gesetzt. Bei großen Investitionen stellt der interne CO
2
-Preis eine zusätzliche Planungsprämisse
dar.
Hinsichtlich der Integration von Nachhaltigkeit in die Konzernstrategie sind wir im Berichtsjahr entscheidend
vorangekommen. Die Grundlage dafür bildete unsere Nachhaltigkeitsanalyse der Geschäfte, mit der wir erstmals unser
gesamtes Chemieproduktportfolio untersucht haben. Darüber können nun messbare Nachhaltigkeitseffekte in den
strategischen Managementprozess einfließen. Die Divisionen verfolgen unterschiedliche, an den Erfordernissen ihrer
jeweiligen Märkte ausgerichtete Maßnahmenpläne zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen, zum Schutz von
Biodiversität oder zur Förderung von Circular Economy. Entsprechende Fahrpläne werden zurzeit entwickelt.
Nachhaltigkeitsanalyse der Geschäfte unterstützt Portfoliosteuerung
Im Zentrum unserer Nachhaltigkeitsanalyse stehen die von Evonik als wesentlich identifizierten Marktsignale. Dazu zählen
unter anderem künftige regulatorische Entwicklungen, ökologische und soziale Leistungen im Marktvergleich oder
wesentliche Nachhaltigkeitsambitionen in unseren Märkten. Alle Marktsignale orientieren sich an dem Rahmenwerk für
„Portfolio Sustainability Assessments (PSA)“ des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD), an dessen
Entwicklung Evonik von Anfang an beteiligt war. Eine Besonderheit dieses Ansatzes ist die differenzierte Betrachtung der
jeweiligen Produkte in spezifischen Anwendungen und regionalen Kontexten (sogenannte Product Application Region
Combinations, PARCs). Für jede PARC erfassen wir auch Produktnutzungseffekte, die wir schrittweise stärker quantifizieren
werden. Die Auswertung aller erfassten PARCs bündeln wir in einer strukturierten Bewertung der
26
Kapitel unterlag nicht der Prüfung durch den Abschlussprüfer.
48
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Nachhaltigkeitsperformance unseres Portfolios, ausgedrückt in den Kategorien Leader (A++), Driver (A+), Performer (B),
Transitioner (C-) und Challenged (C--).
Auf Basis unserer Nachhaltigkeitsanalyse der Geschäfte sehen wir, dass Evonik etwa 90 Prozent
27
ihres Umsatzes mit
Produkten und Lösungen erzielt, die in Bezug auf ihre Nachhaltigkeitsleistung mindestens auf Marktniveau liegen (Leader,
Driver und Performer). Etwa 35 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Evonik nach dieser internen Analyse mit Produkten
und Lösungen, die hinsichtlich ihres ausgeprägten positiven Nachhaltigkeitsprofils über bzw. sogar deutlich über
Marktniveau liegen (Leader und Driver). Diese nennen wir „Next Generation Solutions“. Ihren Anteil am Portfolio wollen
wir in den kommenden Jahren bei mindestens 35 Prozent halten.
Hoher Stellenwert von Messbarkeit und fundierte Analysemethoden
Dem wachsenden Interesse unserer Stakeholder an unternehmerischer Nachhaltigkeit entsprechen wir mit Transparenz und
fundierten Analysen. Wir beschäftigen uns intensiv mit der Umsetzung der EU-Taxonomie-Verordnung und beabsichtigen,
diese in unsere Nachhaltigkeitsanalyse der Geschäfte einzubeziehen. Darüber hinaus werden wir uns weiter systematisch mit
den positiven und negativen Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit entlang der Wertschöpfungskette auseinandersetzen.
Im Rahmen einer Wirkungsanalyse (Impact Valuation) messen und bewerten wir diese unter ökonomischen, ökologischen
und sozialen Gesichtspunkten. Das frühzeitige Erkennen von Chancen und Risiken erhöht die Resilienz unseres
Geschäftsmodells und schärft das Verständnis für den langfristigen gesellschaftlichen Wertbeitrag unseres
unternehmerischen Handelns.
27
Quelle: Interne Auswertungen auf Basis des Jahres 2019.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
49
5.2 Mitarbeiter
Mitarbeiter bilden das Fundament unseres Erfolgs
Bei Evonik steht der Mensch im Mittelpunkt der Arbeitswelt. Unsere Mitarbeiter sind die Grundlage für unseren Erfolg. Ihre
fachliche Qualifikation und ihr Engagement zeichnen sie aus und machen Evonik stark. Der Weg zum besten
Spezialchemieunternehmen verlangt besonderes Augenmerk auf alle Themen der Personalarbeit. Dazu gehört, dass wir uns
als Arbeitgeber kontinuierlich weiterentwickeln. Denn unser Ziel erreichen wir nur mit erstklassig qualifizierten, motivierten
und gesunden Mitarbeitern.
Weltweite Steuerung
Mithilfe des HR-Strategieprozesses stellen wir eine kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Personalarbeit im Einklang
mit unserer Wesentlichkeitsanalyse und Konzernstrategie sicher. Der Fokus liegt auf den Themenfeldern Employer
Attractiveness, Performance und Leadership – unterstützt durch Operational Excellence. Über ein globales HR-
Kennzahlensystem messen wir Fortschritte und Zielerreichung.
Unsere globale HR-Organisation umfasst das HR Talent Management und das HR Business Management. HR Talent
Management bündelt Aktivitäten im Zusammenhang mit Gewinnung, Entwicklung, Bindung und Führung von Mitarbeitern.
HR Business Management koordiniert die regionale Arbeitgeberfunktion, alle leistungsabhängigen Komponenten sowie die
globale HR Administration, Labor Relations, HR IT und Workforce Analytics. Die Leiter beider Bereiche berichten an den
Personalvorstand und Arbeitsdirektor als zuständiges Vorstandsmitglied (CHRO). Oberstes Entscheidungsgremium ist das
Executive Committee HR. Es verabschiedet die globale Strategie für die funktionale Aufstellung der Bereiche und trifft
Entscheidungen zur konzernweiten Personalstrategie. Das Gremium setzt sich zusammen aus dem Personalvorstand,
ausgewählten Vertretern der Divisionen sowie den Leitern HR Talent und HR Business Management.
Die Entwicklung von Konzernführungskräften ist in einer gesonderten Funktion direkt dem Vorstandsvorsitzenden
zugeordnet.
Gezieltes Talentmanagement
Attraktive Karrierepfade, systematische Job-Rotation und hochwertige Entwicklungsprogramme sind maßgeblich für die
Entwicklung unserer künftigen Top-Führungskräfte. In Personalklausuren mit Vorstandsbeteiligung diskutieren und
bewerten wir regelmäßig Potenzialeinschätzungen, Nachfolgeszenarien und Entwicklungsbedarfe von Talenten.
Mitarbeiterzahl nahezu unverändert
Zum Jahresende 2020 waren im Evonik-Konzern 33.106 Mitarbeiter beschäftigt. Im Vergleich zum Jahresende 2019
erhöhte sich die Zahl der Mitarbeiter vor allem aufgrund der Akquisitionen von PeroxyChem und Porocel um 683 Personen.
Mitarbeiter nach Segmenten
31.12.2019 31.12.2020
Specialty Additives 3.651
3.666
Nutrition & Care 5.322 5.295
Smart Materials 7.065 7.874
Performance Materials 1.645 1.639
Services 14.428 14.310
Sonstige Aktivitäten 312 322
Evonik 32.423 33.106
Vorjahreszahlen angepasst.
50
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Der Personalaufwand einschließlich Sozialabgaben und des Aufwands für die Altersvorsorge lag mit 3.168 Millionen € etwa
auf Vorjahreshöhe (3.156 Millionen €). Die Personalaufwandsquote lag damit bezogen auf den Umsatz bei 26,0 Prozent
(Vorjahr: 24,1 Prozent).
5.2.1 Attraktivität als Arbeitgeber
Durch ein attraktives Arbeitsumfeld möchten wir die besten Talente für Evonik gewinnen und entwickeln. Die Ausgestaltung
von Kultur- und Netzwerkinitiativen sowie Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten zahlen darauf ein. Wir ergänzen eine
erfolgsorientierte Vergütung durch zusätzliche Leistungen für unsere Beschäftigten. Dabei legen wir besonderen Wert auf
flexible Arbeitsbedingungen, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie Gesundheitsmaßnahmen.
Erfolgreiche Arbeitgebermarke
Als unsere wichtigsten Botschafter stehen die Beschäftigten von Evonik im Mittelpunkt unserer globalen
Arbeitgebermarkenkampagne #HumanChemistry. Sie geben dem Unternehmen mit persönlichen Einblicken in ihr
Arbeitsleben und Beiträgen auf unserer Karriere-Webseite ein unverwechselbares Gesicht. Den Erfolg unserer
Arbeitgebermarke beurteilen wir sowohl anhand des Abschneidens in externen Arbeitgeber-Rankings als auch über interne
Befragungen. Eine zusätzliche wichtige Kennzahl ist die Frühfluktuation
28
.
Im Rahmen unserer fünften konzernweiten Mitarbeiterbefragung (MAB) im November 2018 waren rund 35.000 Mitarbeiter
weltweit aufgerufen, eine anonyme Einschätzung ihres Arbeitsumfelds abzugeben. Turnusmäßig findet die nächste MAB im
November 2021 statt. Innerhalb dieses Zeitraums werden punktuelle Befragungen zu unterschiedlichen Themen angeboten.
Im Berichtsjahr wurden 50 solcher Befragungen durchgeführt: von Stimmungs-Checks zur Homeoffice-Tätigkeit während
der Corona-Pandemie bis hin zu den Erfahrungen unserer Bewerber im Rekrutierungsprozess (Candidate Experience). Mit
jeder einzelnen Befragung tragen wir zu einer lebhaften Feedbackkultur in unserem Unternehmen bei.
Mit der Kulturinitiative „ONE Culture“ stärken wir die Verankerung unseres Purpose, unserer Konzernwerte sowie unserer
Working Principles als verbindende Elemente in der Organisation. Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die agile, zukunftsorientierte
Zusammenarbeit über Funktionsgrenzen hinweg. Zudem setzen wir mit „ONE Culture“ auf Anreize zur Förderung einer
ausgeprägten Leistungskultur und auf eine Vielzahl von Elementen zur Mitarbeiterbeteiligung und für den konzernweiten
Austausch von Ideen. Im Rahmen von „ONE Evonik“ haben wir Workshops zu Kooperation, Kommunikation und kultureller
Entwicklung durchgeführt. Zusätzlich wurden 2020 Projekte umgesetzt, die 2019 im Rahmen eines virtuellen
Brainstormings der Mitarbeiter angestoßen wurden. Exemplarisch sind die „eBuddies“, bei denen sich Mitarbeiter
untereinander in digitalen Fragen helfen, oder die Initiative „Cost Ownership“, die sich mit Ressourcen- und Kosteneffizienz
in der täglichen Arbeit auseinandersetzt.
Neues Performance-Management-System
2019 haben wir weltweit ein neues Performance-Management-System eingeführt. Der Ansatz konzentriert sich auf
regelmäßige Feedbackdialoge zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Damit wollen wir Transparenz schaffen und Leistung
fördern. 2020 haben wir auch die Mitarbeiter im Vertriebsaußendienst in das System einbezogen.
28
Eigenkündigung neu eingestellter Mitarbeiter innerhalb des ersten Jahres.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
51
Langfristige Arbeitsplätze
Wir möchten unseren Mitarbeitern zur Erhöhung ihrer Planungssicherheit einen attraktiven Vertragsstatus bieten. Daher
sind rund 96 Prozent unserer Beschäftigten weltweit mit unbefristeten Verträgen ausgestattet. Zur Überbrückung
kurzfristiger bzw. temporärer Engpässe arbeiten wir in Deutschland mit Zeitarbeitsunternehmen zusammen. Diese müssen
eine gültige Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung nachweisen. Da in der chemischen Industrie ein großer Bedarf an hoch
qualifizierten Mitarbeitern besteht, sind hier im Vergleich zu anderen produzierenden Branchen weniger Leiharbeitnehmer
eingesetzt. Bei Evonik war der Anteil von Leiharbeitnehmern an der Gesamtbelegschaft in Deutschland zum
31. Dezember 2020 gering.
Mitarbeiter nach Vertragsstatus
2019 2020
Beschäftigte 32.423
33.106
davon Stammpersonal unbefristet 29.568 30.528
davon Stammpersonal befristet 1.594 1.375
davon Auszubildende/Trainees
a
1.261 1.203
a
Einschließlich eines Anteils Auszubildender im Ausland und Auszubildender mit Evonik-Vertrag für Dritte.
Auszeichnungen 2020
Zum dritten Mal in Folge erhielt unser Unternehmen die Auszeichnung „Leading Employer“ in Deutschland und ist
Branchenbester in der Chemie. Im branchenübergreifenden Ranking verbesserte sich Evonik von Platz 11 im Jahr 2019 auf
Platz 6 und gehört damit zu den Top 10 der attraktivsten Unternehmen deutschlandweit. In China ist Evonik 2020 erneut
unter den beliebtesten Arbeitgebern gelistet (Top Employer Institute).
Geringe Fluktuationsrate
Auf gute Bindung und hohe Mitarbeiterzufriedenheit weist die im Vergleich zu anderen Unternehmen geringe
Fluktuationsrate bei neu eingestellten Mitarbeitern hin.
Kennzahlen zur Arbeitgeberbindung
2019 2020
Fluktuationsrate in % 5,2
4,4
Frühfluktuationsrate in % 0,9 1,3
Durchschnittliche Konzernzugehörigkeit in Jahren 14,8 14,7
Weltweit geltende Vergütungsrichtlinien
Eine faire, markt- und leistungsgerechte Vergütung ist weltweit in unseren Personalinstrumenten verankert. Unsere
Grundsätze der Vergütungsgestaltung sind in konzernweit geltenden Rahmenrichtlinien einschließlich Nebenleistungen
definiert. Die Vergütung orientiert sich an Kriterien wie Verantwortung, Kompetenzen und Erfolg. Daneben finden tarifliche
sowie gesetzliche Mindeststandards, wie zum Beispiel der lokale Mindestlohn, Anwendung. Personenbedingte Merkmale
wie Geschlecht, Alter etc. spielen keine Rolle.
In Deutschland gelten für nahezu 100 Prozent, weltweit für etwa 71 Prozent unserer Mitarbeiter kollektivrechtliche
Vereinbarungen zur Vergütung. An fast allen Standorten bzw. Gesellschaften gibt es leistungs- bzw. erfolgsorientierte
Anreizsysteme, wir erreichen damit nahezu alle Stammmitarbeiter. In allen Regionen, in denen Evonik tätig ist, bieten wir
unseren Mitarbeitern freiwillige soziale Leistungen an. Evonik schränkt weder das Recht der Mitarbeiter auf
Versammlungsfreiheit noch das Recht auf Kollektivverhandlungen ein. Dies gewährleisten wir auch in Ländern, in denen die
Koalitionsfreiheit staatlich nicht geschützt ist.
52
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Darüber hinaus haben wir unseren Mitarbeitern in Deutschland, den USA, Belgien und Singapur auch 2020 wieder die
Teilnahme an dem Mitarbeiter-Aktienprogramm „Share“ angeboten. Die Beteiligungsquote erreichte 2020 mit 39 Prozent
erneut ein hohes Niveau.
Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
Evonik legt Wert auf eine familienfreundliche und lebensphasenbewusste Personalpolitik. Für mehr als 94 Prozent unserer
Mitarbeiter weltweit bieten wir dazu Initiativen an. Kern unseres Ansatzes sind das Angebot flexibler Arbeitszeitmodelle,
die Unterstützung bei der Kinderbetreuung sowie der Pflege naher Angehöriger. Eine Möglichkeit zur flexibleren Gestaltung
des Arbeitsalltags bietet die Initiative PAIRfect. Auf einer Jobsharing-Plattform können Mitarbeiter zusammenfinden, um sich
einen Arbeitsplatz zu teilen.
Evonik wird in der Öffentlichkeit als familienfreundlicher Arbeitgeber wahrgenommen. Seit 2009 durchlaufen wir
jährlich das Audit „berufundfamilie“ der Hertie-Stiftung und lassen uns entsprechend zertifizieren. Darüber hinaus wurde
Evonik auch im Jahr 2020 wieder von der Zeitschrift BRIGITTE als einer der „Besten Arbeitgeber für Frauen“ ausgezeichnet.
Projekt #SmartWork
Im Rahmen des Projekts #SmartWork hat Evonik eine Pilotstudie durchgeführt, um die erweiterte Nutzung mobiler
Arbeitsformen zu untersuchen. Konzernweit haben wir 13 Pilotprojekte gestartet, unter Einbindung verschiedener
Funktionen in allen Evonik-Regionen. Ziel von #SmartWork ist es, die virtuelle, flexible Zusammenarbeit bei Evonik weiter
zu verbessern und zu institutionalisieren. Hierfür sind Aspekte wie Führung, Kommunikation, Kultur und Werte,
Performance, Feedback, mentale und physische Gesundheit sowie Technologieausstattung relevant. #SmartWork hat das
Potenzial, unser Werteversprechen als Arbeitgeber ebenso zu stärken wie Mitarbeiterengagement und Produktivität. Zudem
versprechen wir uns Kosteneinsparungen aus sinkender Büroraumnutzung und abnehmender Reisetätigkeit. Beides könnte
in Zukunft auch zu einer weiteren Verbesserung unseres ökologischen Fußabdrucks beitragen.
Initiative #ReThink
Während der Coronakrise war es für unsere Mitarbeiter wichtig, ihre Erfahrungen in einem stark veränderten Arbeitsalltag
zu teilen. Dazu haben wir mit #ReThink ein digitales Forum in unserem Unternehmensnetzwerk Connections geschaffen.
Die Mitarbeiter konnten dort gute Praxisbeispiele für neue Verhaltensweisen und Prozesse veröffentlichen und so
voneinander lernen.
5.2.2 Vielfalt und Chancengleichheit
Als internationales Unternehmen begreifen wir Vielfalt (Diversity) als Chance. Diversity ist nach unserem Verständnis mehr
als eine gesellschaftliche und politische Verpflichtung. Wir sehen darin einen der Schlüssel zu unserem wirtschaftlichen
Erfolg.
Vielfalt bereichert
Evonik ist weltweit in zahlreichen Märkten vertreten. Schon deshalb ist Vielfalt für uns Normalität in der Ausrichtung unserer
Unternehmenstätigkeit. Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft und Prägung bereichern unsere Teams und unser
Unternehmen. Das sorgt für mehr Kreativität, Innovationsstärke und Kundennähe. Entsprechend sensibilisieren wir unsere
Mitarbeiter auch in den Konzernmedien und über die Teilnahme an regelmäßigen Aktionen für den hohen Stellenwert von
Vielfalt in unserem Geschäftsalltag.
Unsere Diversity-Strategie ist abgeleitet aus der Konzernstrategie. Diversity ist fest in unseren Konzernwerten, den Working
Principles und seit 2020 auch im Evonik-Kompetenzmodell verankert. Wir steuern Vielfalt über Zielgrößen, die häufig über
EVONIK LAGEBERICHT 2020
53
den gesetzlichen Anforderungen liegen. In einem jährlichen Diversity-Bericht informieren wir alle Mitarbeiter über die
aktuelle Situation. Der Vorstand wird vierteljährlich über die Entwicklung wesentlicher Diversity-Kennzahlen in Kenntnis
gesetzt. Unser Diversity Council hat den Auftrag, Vielfalt tief in der Organisation zu verankern und nach übergreifenden
Kriterien weiterzuentwickeln. Vertreten sind Mitglieder des Vorstandes, Leiter der Divisionen und Regionen sowie
verschiedener Konzerneinheiten. Darüber hinaus schulen wir regelmäßig Führungskräfte und Talente, zum Beispiel um sich
mit bewussten und unbewussten Vorurteilen auseinanderzusetzen. Mit unserer offenen und wertschätzenden
Unternehmenskultur wollen wir ein Arbeitsumfeld schaffen, das alle Dimensionen der Vielfalt fördert. Dazu haben wir uns
im Rahmen unseres Diversity Managements anspruchsvolle Ziele gesetzt.
Unser Verhaltenskodex und unsere Global Social Policy untersagen die Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Hautfarbe,
Religion, Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Behinderung. Mitarbeiter, die sich diskriminiert fühlen, haben die
Möglichkeit der Beschwerde. An jedem Standort gibt es hierzu Ansprechpartner.
Altersstruktur
Wir fördern generationenübergreifende Zusammenarbeit in unseren Teams, wobei uns die mentale und physische
Gesunderhaltung besonders wichtig sind. Dazu zählen Angebote wie das „Fit for Life“-Programm oder die Unterstützung
unserer Mitarbeiter bei der Pflege von Familienangehörigen. Mit der Online-Plattform LILY (Learning and Individualized
Library) ermöglichen wir lebenslanges Lernen über alle Lebensphasen. Eine weitere Maßnahme ist unser Reverse
Mentoring. Es bietet unterschiedlichen Generationen die Chance, voneinander zu lernen und die Vielfalt im Unternehmen
aktiv weiterzuentwickeln.
Im Jahr 2020 lag das Durchschnittsalter der Evonik-Mitarbeiter bei rund 43 Jahren. Bei den Neueinstellungen waren
45 Prozent der Personen jünger als 30 Jahre, 47 Prozent lagen in der Altersstufe von 30 bis 50 Jahre und 8 Prozent waren
älter als 50 Jahre.
Höherer Frauenanteil
Es ist unser erklärtes Ziel, den Frauenanteil im Unternehmen weltweit und auf allen Ebenen zu erhöhen. Für die obersten
beiden Managementebenen streben wir für 2023 einen Frauenanteil von jeweils 23 Prozent und im unteren Management
von 30 Prozent an. Bei der Gewinnung und Einstellung neuer Mitarbeiter nehmen wir den Aspekt der Chancengerechtigkeit
sehr ernst. Wir orientieren uns an dem Anteil der jeweils für uns relevanten Studiengänge. Bezogen auf Einstellungen in
Managementfunktionen wollen wir einen Frauenanteil von rund 40 Prozent erreichen. Derzeit sind 26 Prozent unserer
Mitarbeiter weiblich. Der Anteil weiblicher Mitarbeiter in Managementfunktionen lag 2020 bei 26 Prozent.
4
28
24
25
16
3
0 5 10 15 20 25 30
Über 60 Jahre
51 bis 60 Jahre
41 bis 50 Jahre
31 bis 40 Jahre
21 bis 30 Jahre
Unter 21 Jahren
Altersstruktur Evonik-Konzern
in %
54
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Kennzahlen zur Vielfalt
2019 2020
Anteil Frauen an der Gesamtbelegschaft in % 26
26
Anteil Frauen in Managementfunktionen in % 25 26
Anteil Frauen im unteren Management in % 26 27
Anteil Frauen im mittleren Management in % 13 14
Anteil Frauen im oberen Management in % 11 16
Nationalitäten 101 106
Ein umfangreiches Maßnahmenpaket unterstützt die Erreichung unserer Ziele. Dazu zählen Angebote zur Vereinbarkeit von
Beruf und Familie wie Kinderbetreuung, Kinderferienprogramme oder ein Elternstammtisch. Darüber hinaus bieten wir
unseren Mitarbeiterinnen Netzwerkveranstaltungen des konzerninternen Frauennetzwerks GroW sowie eine neu
eingeführte Jobsharing-Plattform.
Als global agierendes Unternehmen ist uns ein breites Spektrum unterschiedlicher Nationalitäten in der Belegschaft wichtig.
Derzeit beschäftigt Evonik Menschen mit 106 unterschiedlichen Nationalitäten an 206 Standorten in über 54 Ländern der
Welt. Der Anteil von Mitarbeitern in Managementfunktionen mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft liegt bei rund
46 Prozent. Im mittleren Management beträgt er konzernweit rund 28 Prozent.
Unter dem Motto #TogetherAsOneEvonik bekennt sich Evonik zu Fairness und Vielfalt, gegen Hass und Diskriminierung.
Unser Business Council in Nordamerika hat einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, um kurz- und langfristige Maßnahmen zu
entwickeln. Diese reichen von Unterstützungsgruppen für Angehörige gesellschaftlicher Minderheiten in der Belegschaft
über gezielte Diversifizierung im Einkauf bis hin zu Workshops und Webinaren gegen unbewusste Vorurteile.
5.2.3 Aus-/Weiterbildung
Gut ausgebildete Mitarbeiter sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Wettbewerb. Unsere Lernstrategie und
Personalentwicklungsprogramme orientieren sich an künftigen Geschäftsanforderungen.
Lernstrategie zur Weiterbildung
Unsere Aktivitäten zur Aus- und Weiterbildung umfassen die Fortbildung bestehender Mitarbeiter sowie die Ausbildung
junger Menschen. Evonik verfügt über eine weltweite Lernstrategie, die gemeinsam mit unseren Mitarbeitern entwickelt
wurde. Die zentralen Elemente sind global vereinheitlichte, konsistente Weiterbildungs- und Personalentwicklungslösungen
mit digitalen Selbstlerninhalten, eine Vereinfachung des Angebots an digitalen Lernplattformen sowie Steigerung der
Akzeptanz von selbstgesteuertem digitalem Lernen bzw. von lebenslangem Lernen.
Mit dem Learning and Individualized Library Tool (LILY) stehen unseren Mitarbeitern eine Vielzahl an Lernpfaden sowie
etliche digitale Lerninhalte zur selbstgesteuerten Weiterbildung zur Verfügung. Das Global Development Portal schafft
Transparenz über unsere Weiterbildungsangebote sowie unsere Lern- und Entwicklungsstrategie. Beide Plattformen sind
allen Mitarbeitern mit entsprechender IT-Infrastruktur bzw. Intranet weltweit zugänglich. Über die Lernplattform
FutureZone verwalten wir die für unsere Mitarbeiter verpflichtenden Schulungen und E-Learnings und weisen diese zur
Durchführung zu.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
55
Weiterhin hohe Ausbildungsquote
2016 hat Evonik ihre Ausbildungsstrategie bedarfsgerecht ausgerichtet. In der Folge sank der Bestand an eigenen Azubis
von damals rund 1.600 auf etwa 1.200 im Jahr 2020. Damit sehen wir uns gut vorbereitet auf die Herausforderungen des
demografischen Wandels und eine damit einhergehende reduzierte Verfügbarkeit von Fachkräften für Produktion und
produktionsnahe Bereiche. Um Nachwuchskräfte an das Unternehmen zu binden, erhalten alle leistungswilligen und
leistungsfähigen Ausgebildeten seit dem Sommer 2019 eine Beschäftigungszusage. Die Anzahl der in Kooperation mit
Fremdunternehmen zusätzlich betreuten Auszubildenden blieb konstant bei rund 400 Personen.
Evonik hat 2020 in Deutschland über 1.530 junge Menschen ausgebildet, davon über 380 für andere Unternehmen. Die
Ausbildung erfolgte an 15 Standorten in 31 anerkannten Ausbildungsberufen sowie ausbildungsbegleitenden und
kooperativen Studiengängen. Mit rund 6,7 Prozent lag unsere Ausbildungsquote weiterhin über dem bundesdeutschen
Durchschnitt von rund 5 Prozent. Insgesamt betrugen unsere Aufwendungen für die Ausbildung von Mitarbeitern rund
60 Millionen €. Unser hohes Engagement in der beruflichen Ausbildung schlägt sich auch in einer hohen Bestehensquote in
den Prüfungen nieder.
Mit der Umstellung der Ausbildungsstrategie auf eine bedarfsgerechte Ausbildung wurde im Jahresverlauf 2020 auch
das Projekt „Start in den Beruf“ angepasst. Im Projektjahr 2019/2020 wurde 50 noch nicht ausbildungsfähigen Jugendlichen
eine Projektteilnahme angeboten, in den Jahren zuvor waren es 90.
Im Frühjahr 2020 mussten aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig alle Auszubildenden im Homeoffice ausgebildet
werden. Hier erwies sich ihre Ausstattung mit Tablet-PCs und die fortschreitende Digitalisierung von Lernszenarien in der
multimedialen Lernumgebung „Mediathek Ausbildung“ als gute Arbeitsgrundlage. Anfang Mai erfolgte die Wiederaufnahme
der praktischen Ausbildung mit der Vorbereitung der Sommerprüflinge. Für den Start des neuen Ausbildungsjahres wurden
spezielle Ausbildungskonzepte – beispielsweise eine zeitversetzte Lehrgangsbetreuung – entwickelt, die unter Beachtung
der Hygienevorgaben eine Durchführung der Ausbildung in den Ausbildungszentren ermöglichten.
Im Berichtsjahr hat Evonik rund 259 € pro Mitarbeiter für Schulung und Weiterbildung investiert, insgesamt rund
9 Millionen €. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang der Weiterbildungskosten von 47 Prozent. Im
Wesentlichen ist dies eine Auswirkung der Corona-Pandemie, da Präsenzschulungen abgesagt werden mussten. In vielen
Fällen konnten diese durch virtuelle Klassenraumschulungen oder digitale Lernformate ersetzt werden. So haben sich die
Zugriffe auf LILY und andere Lernformate 2020 deutlich erhöht.
5.2.4 Gesundheitsschutz und -förderung
Das weltweite Management von Gesundheitsschutz und -förderung bei Evonik ist langfristig und ganzheitlich ausgerichtet.
Wir betrachten dabei die Beschäftigten selbst, die Arbeitssituation und das betriebliche Umfeld.
2020 hat die Corona-Pandemie den betrieblichen Gesundheitsschutz vor besondere Herausforderungen gestellt.
Grundsätzlich war Evonik gut auf eine Pandemie vorbereitet. Als sich Ende Februar 2020 abzeichnete, dass es zu einer
pandemischen Verbreitung von SARS-CoV-2 kommen würde, wurden die Pandemiepläne weltweit an allen Standorten
umgesetzt und die vorgesehenen Steuerungsgremien auf Konzern-, Regionen- und Standortebene aktiviert. Der
Konzernsteuerungskreis gab global verbindliche Handlungsanleitungen heraus. Für Deutschland wurde zusätzlich mit der
Mitarbeitervertretung eine Betriebsvereinbarung zu COVID-19 geschlossen. Die vereinbarten Maßnahmen konnten
Infektionsketten oder -cluster an den Standorten weitgehend verhindern. Ein differenziertes Reportingsystem und
regelmäßige Telefonkonferenzen stellten den Kommunikationsfluss zwischen den Steuerungsebenen und den Überblick
über die globale Pandemie-Lage bei Evonik sicher. Für die Mitarbeiter wurde eine Hotline geschaltet und ein umfangreicher
56
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Informationsbereich im Intranet aufgebaut. Unter #wirgegencorona wurde eine Kampagne gestartet, die die Mitarbeiter zu
verantwortungsvollem Handeln in der Pandemie aufruft und wertvolle Unterstützungsangebote gibt.
Gesunde Mitarbeiter sind unser Ziel
Unser Ansatz umfasst eine bedarfsorientierte, qualitativ hochwertige arbeitsmedizinische Betreuung, eine gesundheits-
gerechte, ergonomische Gestaltung der Arbeitswelt sowie ein funktionierendes betriebliches Notfallmanagement. Damit
erfüllen wir alle jeweils geltenden Anforderungen an Arbeitsmedizin und betrieblichen Gesundheitsschutz. Wir bieten
darüber hinaus gezielte Maßnahmen zur Gesundheitsförderung an, die in der Konzerninitiative well@work gebündelt sind.
Damit unterstützen wir unsere Mitarbeiter, einen gesunden Lebensstil zu führen.
Die wesentlichen Ziele und Aspekte unserer Occupational-Health-Strategie sind im „Programm für Gesundheitsschutz“
beschrieben. Auf dieser Basis entwickeln wir unsere Strategie konsequent weiter und passen sie den jeweils aktuellen
Entwicklungen an. Basierend auf deutschen Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutzbelangen haben wir die Richtlinien
für die globale Belegschaft erarbeitet. Die an den Standorten etablierten Arbeitsschutzausschüsse tagen mindestens viermal
jährlich. Auch an internationalen Standorten bestehen vergleichbare Gremien. Die Umsetzung geltender Anforderungen
wird regelmäßig im Rahmen interner und externer Audits für die Bereiche Umwelt, Sicherheit und Gesundheit sowie über
ein umfangreiches Berichterstattungssystem für Arbeits- und Gesundheitsschutz überwacht. Hinweisen auf Verbesserungs-
potenziale oder Abweichungen von geltenden Regelungen gehen wir aktiv nach. Wo erforderlich, werden Verbesserungen
angeregt oder eingefordert.
Die Erreichung unserer Ziele zum Gesundheitsschutz messen wir mit unserem Occupational-Health-Performance-Index,
der sich aus Parametern zu den Themenfeldern Arbeitsmedizin, Gesundheitsförderung und medizinische Notfallvorsorge
berechnet. 2016 haben wir uns ein Langzeitziel von ≥ 5,0
29
gesetzt und dieses gemäß den Meldungen unserer Einheiten
auch eingehalten.
Im Rahmen des präventiven Gesundheitsschutzes wirkt Evonik Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheits-
störungen durch geeignete Schutzmaßnahmen entgegen. In diesem Zusammenhang berichtet Evonik regelmäßig über
Berufskrankheiten.
Betriebliche Gesundheitsförderung
Der Schwerpunkt unseres Programms well@work liegt auf drei Themen: Bewegung, gesunde Ernährung sowie
Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben. Die betriebliche Gesundheitsförderung ist dabei ein fester Bestandteil. Evonik
setzt bei der Gesundheitsförderung auf langfristig angelegte Basisprogramme zur Förderung eines gesunden Lebensstils.
Ergänzt werden die Basisprogramme durch jährlich wechselnde Aktionsthemen. An allen deutschen Standorten bestehen
interdisziplinär besetzte Arbeitskreise, die sich mit der operativen Umsetzung von well@work beschäftigen.
29
Maximal erreichbar: 6,0.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
57
5.3 Sicherheit
Sicherheit als Managementaufgabe
Die Unversehrtheit und Leistungsfähigkeit unserer Mitarbeiter sowie die Prävention von Unfällen und Ereignissen im
Arbeitsalltag, beim Betrieb unserer Produktionsanlagen und auf den Transport- und Arbeitswegen sind für Evonik von
zentraler Bedeutung. Unsere Kulturinitiative „Sicherheit bei Evonik“ haben wir zu einem konzernweiten Managementansatz
für alle Themen der betrieblichen Sicherheit und der Transportsicherheit weiterentwickelt. Darin sind verbindliche
Handlungsgrundsätze definiert, die allen Mitarbeitern und Führungskräften sowie Beschäftigten nach dem Arbeitnehmer-
überlassungsgesetz eine verlässliche Orientierung für sicherheitskonformes Verhalten im Alltag geben. Evonik kommt ihrer
Steuerungsfunktion in der Arbeits- und Anlagensicherheit mit weltweit gültigen Richtlinien und Verfahrensanweisungen
nach, die integraler Bestandteil unseres Managementsystems sind. Die Einhaltung dieser Regelungen ist Gegenstand
zentraler Auditierungen, deren geschäftsspezifische Umsetzung von den operativen Einheiten übernommen wird. Konzern-
gremien stellen sicher, dass erfolgskritische Prozesse divisionsübergreifend standardisiert sind. Die Umsetzung der
Anforderungen und zusätzlichen Handlungsbedarf prüfen wir anhand kennzahlengestützter Konzernziele. Häufigkeit und
Schwere von Unfällen fließen auch in die variable Vergütung des Vorstandes ein.
Das Krisen- und Ereignismanagement von Evonik fokussiert sich auf die Schadensabwehr bzw. -begrenzung bei Dennoch-
Störfällen. Für einen entsprechenden Erfahrungsaufbau und -austausch beteiligen wir uns an verschiedenen nationalen und
internationalen Netzwerken. Ereignisse analysieren wir sorgfältig, um daraus Lehren zu ziehen und unsere Sicherheits-
performance weiter zu verbessern. Unser weltweiter Newsletter „Voneinander lernen“ informiert darüber ebenso wie über
aktuelle Sicherheitsthemen.
Unfallhäufigkeit deutlich verbessert und unter der Obergrenze
Besonderes Augenmerk legen wir auf die Arbeitssicherheit. Die Sicherheit unserer Mitarbeiter umfasst neben der Arbeit
auch den Arbeitsweg und schließt die an unseren Standorten tätigen Fremdfirmenmitarbeiter ein. Die Unfallhäufigkeit
30
ist
unsere Steuerungskennzahl für die Arbeitssicherheit.
2020 haben wir unser selbst gestecktes Ziel, bei der Unfallhäufigkeit der eigenen Mitarbeiter
31
unter der Obergrenze
von 1,30 zu bleiben, erreicht. Mit 0,80
32
liegen wir deutlich unter dem Vorjahreswert (1,18). Ein Grund hierfür ist die
verstärkte Tätigkeit unserer Mitarbeiter im Homeoffice infolge der Corona-Pandemie. Es ereigneten sich daher deutlich
weniger Unfälle im Verwaltungsbereich.
Werte bis 2018 einschließlich des im Juli 2019 verkauften Methacrylatgeschäfts.
30
Anzahl der gemeldeten Arbeitsunfälle (keine Wegeunfälle) mit Ausfallzeit ab einer komplett ausgefallenen Schicht, bezogen auf 1 Million Arbeitsstunden.
31
Mitarbeiter von Evonik einschließlich Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG).
32
Die Anzahl der Arbeitsstunden eigener Mitarbeiter betrug im Berichtsjahr etwa 65 Millionen Stunden.
0,80
1,18
0,87
1,16
1,24
0,0 0,5 1,0 1,5
2020
2019
2018
2017
2016
Unfallhäufigkeit
Anzahl der Arbeitsunfälle pro 1 Million Arbeitsstunden
58
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
2020 verzeichneten wir an unseren Standorten keinen tödlichen Arbeitsunfall eines eigenen Mitarbeiters oder eines
Fremdfirmenmitarbeiters. Es ereignete sich auch kein tödlicher Wegeunfall. Die Unfallhäufigkeit
33
der Fremdfirmen-
mitarbeiter
34
liegt mit 2,75 leicht unter dem Vorjahreswert (3,03).
Ereignishäufigkeit über der Obergrenze
Sicherheit gehört zu unserer DNA: Sie ist Grundvoraussetzung für den Betrieb und die Leistungsfähigkeit unserer Anlagen.
Anlagensicherheit ist die Basis einer zuverlässigen, effektiven und zukunftsfähigen Produktion. Weltweit legen wir
anspruchsvolle Sicherheitsmaßstäbe für den gesamten Lebenszyklus unserer Anlagen an. Dabei verstehen wir Sicherheit als
eine ganzheitliche Aufgabe, die wir weltweit über unsere Sicherheitsmanagementsysteme verankern und regelmäßig
überprüfen. Die Ereignishäufigkeit
35
ist die Steuerungsgröße, mit der wir die Performance in der Anlagensicherheit messen.
Dabei verfolgen wir die Anzahl der Ereignisse mit Stofffreisetzungen, Bränden oder Explosionen (Process Safety
Performance Indicator) gemäß der Definition des europäischen Chemieverbands Cefic.
2020 betrug die Anzahl der Ereignisse pro eine Million Arbeitsstunden 1,45. Unser Ziel, unter der Obergrenze von
1,10 zu bleiben, wurde nicht erreicht. Die Einführung der digitalen Plattform ESTER und die damit durchgeführten
Schulungen der Mitarbeiter führten zu einer erhöhten Sensibilisierung für Ereignisse in der Anlagensicherheit. Zudem spielt
die Aufnahme neu erworbener Standorte in das Berichtssystem eine Rolle.
Werte bis 2018 einschließlich des im Juli 2019 verkauften Methacrylatgeschäfts.
Wir arbeiten stetig daran, unser Sicherheitsmanagementsystem zu verbessern. Im Berichtsjahr haben wir deshalb unseren
Expert Circle Anlagensicherheit neu ausgerichtet. Im Vordergrund standen dabei die globale Aufstellung des Expertenkreises
und die ganzheitliche Betrachtung der Themen aus dem Bereich Anlagensicherheit. Aktuell arbeiten wir unter anderem an
der Entwicklung von Frühindikatoren (Leading Indicators), aus denen wir künftig noch gezieltere Maßnahmen zur
Verbesserung unserer Sicherheitsperformance ableiten wollen.
Ziele für 2021
Unser übergeordnetes Ziel ist die Vermeidung jeglicher Unfälle und Ereignisse. Jährlich geben wir uns einzuhaltende
Obergrenzen für die Kennzahlen zur Arbeits- und Anlagensicherheit als Zielgrößen vor. Unser Bestreben ist es, unsere
Sicherheitsperformance immer weiter zu verbessern. Um Maßnahmen im Rahmen unseres Sicherheitsmanagements noch
33
Anzahl der gemeldeten Arbeitsunfälle (keine Wegeunfälle) mit Ausfallzeit ab einer komplett ausgefallenen Schicht, bezogen auf 1 Million Arbeitsstunden.
34
Berechnung basiert auf Annahmen und Schätzungen. Die Berechnungsmethode der Arbeitsstunden wurde 2019 geändert.
35
Anzahl der Ereignisse mit Stofffreisetzungen, Bränden oder Explosionen (Process Safety Performance Indicator gemäß der Definition des europäischen
Chemieverbands Cefic) pro 1 Million Arbeitsstunden der Mitarbeiter.
1,45
1,10
1,08
1,11
0,95
0,0 0,5 1,0 1,5
2020
2019
2018
2017
2016
Ereignishäufigkeit
Anzahl der Ereignisse pro 1 Million Arbeitsstunden
EVONIK LAGEBERICHT 2020
59
effizienter und effektiver bewerten zu können, senken wir ab 2021 die Schwelle für die Erfassung von Arbeitsunfällen –
gemäß der gängigen internationalen Praxis – auf 200.000 Arbeitsstunden anstatt wie bisher pro 1 Million Arbeitsstunden.
Zudem führen wir in der Anlagensicherheit für die Berechnung der Anzahl an Ereignissen ab 2021 eine neue
Bezugsgröße ein. Damit folgen wir einer Definition von Cefic, mit der Produkt- bzw. Energieaustritt unter der bis jetzt
angenommenen Mengenschwelle
36
erfasst wird. Mit dieser neuen Bezugsgröße messen wir ab dem Jahr 2021 ebenfalls die
Anzahl der Ereignisse pro 200.000 Arbeitsstunden in unseren Produktionseinrichtungen anstatt wie bisher pro 1 Million
Arbeitsstunden. Durch diese detailliertere Ermittlung und Auswertung der Ereignisse erwarten wir ein tieferes Verständnis
von Verbesserungspotenzialen. Gleichzeitig schließt sich Evonik damit den Empfehlungen des Weltchemieverbands ICCA
an.
Für 2021 lauten die Obergrenzen nach den neuen Definitionen:
Die Unfallhäufigkeit soll maximal 0,26 betragen.
Die Ereignishäufigkeit soll maximal 0,40 betragen.
5.4 Umwelt
Der Schutz von Klima und Umwelt gehört zu den wesentlichen globalen Herausforderungen unserer Zeit. Es ist Teil unserer
unternehmerischen Verpflichtung, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachkommende Generationen zu erhalten. Dazu
gehört, im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie unsere Emissionen kontinuierlich zu senken. Als Spezialchemie-
unternehmen sind wir uns der möglichen Auswirkungen unserer Produktionstätigkeit auf die Umwelt bewusst. Um diese zu
minimieren, ergreifen wir vielfältige Maßnahmen.
Weltweites Management
Unser Handeln beruht auf einem umfassenden, integrierten Managementsystem für Umwelt, Sicherheit, Gesundheit und
Qualität. Dieses gilt für den gesamten Evonik-Konzern und basiert auf gesetzlichen Rahmenvorgaben sowie internen
Richtlinien und Verfahrensanweisungen. Über die bloße Erfüllung von Compliance-Anforderungen unterstützen wir damit
die kontinuierliche Verbesserung unserer Umwelt-Performance. Zusätzlich verpflichten wir unsere produzierenden
Standorte auf die Zertifizierung nach der international anerkannten Norm für Umweltmanagement ISO 14001. Die
Abdeckungsquote zertifizierter Produktionsmengen schwankt aufgrund der Heranführung neu erworbener Einheiten an die
Anforderungen, liegt aber immer zwischen 95 Prozent und 100 Prozent.
Die Umsetzung von Strategie und Managementsystem kontrollieren wir regelmäßig über ein zentrales Auditsystem.
Basierend auf den Ergebnissen und Analysen interner und externer Überprüfungen sowie Standortbegehungen erfolgen
gezielte Gespräche zu möglichen Verbesserungen und Umsetzungspfaden. Über die Ergebnisse der Audits wird der Vorstand
jährlich informiert. Die Prozesse zur Erhebung und Verarbeitung von Umweltdaten unterliegen internen und externen
Überprüfungen. Regelmäßige Schulungen untermauern unseren hohen Qualitätsanspruch. Die globale Strategie für ESHQ
(Environment, Safety, Health and Quality) wird im Executive Committee HR festgelegt.
5.4.1 Klimawandel
Klimawandel ist gemäß unserer Wesentlichkeitsanalyse eines der wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen. Neben der Produktion
nachhaltiger und Effizienz steigernder Produkte für unsere Kunden senken wir unsere CO
2
-Emissionen durch Erneuerung
und Umstellung unserer Energieinfrastruktur. Für große Investitionen besteht ein interner CO
2
-Preis als zusätzliche Prämisse.
36
Die Mengenschwellen der neuen Bezugsgröße betragen 1/10/100 kg je nach Gefahrklasse, im Vergleich mit 5/100/2.000 kg in der klassischen Fassung.
60
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Verantwortung auf höchster Ebene
Das Thema Klimawandel hat höchste Bedeutung im Gesamtvorstand. Die Verantwortung für die konzernweite
Nachhaltigkeits- und Klimastrategie, das Monitoring und die Berichterstattung liegt bei dem für Personal, Nachhaltigkeit und
ESHQ zuständigen Vorstandsmitglied. Die Leitung von Corporate ESHQ berichtet dem Vorstand regelmäßig über
klimarelevante Themen. Dazu gehören Umweltkennzahlen, einschließlich klimabezogener Leistungsindikatoren, sowie Ziele
und deren Erreichung. Darüber hinaus sind das zuständige Vorstandsmitglied und die Leitungen von Corporate ESHQ sowie
Corporate Sustainability Mitglieder des Executive Committee HR, dem Strategiegremium auch für klimarelevante
Fragestellungen. In diesem Gremium sitzen außerdem Vertreter der Divisionen, Regionen sowie technische Experten.
Relevante Themen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Umwelt, Sicherheit, Gesundheit und Qualität sowie der Status und
Fortschritt verschiedener Programme werden vierteljährlich im Vorstand mit den Leitungen der Divisionen und
Konzernfunktionen diskutiert.
Umweltziele zum Klimaschutz
Unser Ziel ist die absolute Minderung unserer Scope-1- und Scope-2-Treibhausgasemissionen
37
um 50 Prozent bis 2025
auf Basis 2008 – dem ersten vollen Jahr nach der Gründung von Evonik. Hiermit bekräftigen wir unser Bekenntnis zu den
Beschlüssen des Pariser Klimaabkommens. Wir gehen dabei von einer durchschnittlichen Reduktion klimarelevanter
Emissionen um jährlich 3 Prozent aus. Ferner wollen wir bis 2025, bezogen auf das Basisjahr 2020, die Scope-3-Emissionen
aus der vorgelagerten Wertschöpfungskette – im Wesentlichen aus dem „Rohstoffrucksack" – um 15 Prozent sowie den
absoluten und den spezifischen Energieverbrauch um 5 Prozent senken. Hierzu tragen unter anderem innovative
Technologien, Optimierungen in der Produktion, der effiziente Umgang mit nicht erneuerbaren Energieträgern und der
Einsatz erneuerbarer Energiequellen bei. Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Ausbau von Verbundstrukturen zwischen
Chemieproduktion und Energieanlagen, in die wir auch Produktionsstätten Dritter sowie verstärkt auch kommunale
Abnehmer einbinden.
Auch der Einsatz erneuerbarer Energien wird im Evonik-Konzern stetig geprüft. Unser Standort Rheinfelden deckt
beispielsweise fast die Hälfte seines Strombedarfs aus umweltschonender Wasserkraft ab. Außerdem nutzen wir Wasserkraft
zur Stromerzeugung in Weißenstein (Österreich) sowie Fotovoltaik in Hanau (Deutschland), Mexiko-Stadt und Querétaro
(beide Mexiko). Zudem steigern wir indirekt die Nutzung erneuerbarer Energiequellen durch den vermehrten Zukauf von
Grünstromzertifikaten.
Mit einem neuen Gas- und Dampfturbinen (GuD)-Kraftwerk beendet Evonik nach mehr als 80 Jahren die Erzeugung von
Strom und Dampf auf der Basis von Steinkohle am Standort Marl und senkt ihren CO
2
-Ausstoß um bis zu 1 Million Tonnen
pro Jahr. Konzernweit werden dadurch die direkten jährlichen Scope-1-Treibhausgasemissionen um fast ein Fünftel
reduziert. Voraussichtlich 2022 soll die hocheffiziente Anlage, die Strom und Dampf in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt, in
Betrieb genommen werden. Die Laststeuerung der Anlage ist hochflexibel. Dadurch kann sie einen Beitrag leisten, die
schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Energien ins Stromnetz auszugleichen – ein wichtiger Baustein für die
Energiewende.
Darüber hinaus starteten im Sommer 2020 die Bauarbeiten für ein weiteres GuD-Kraftwerk in Marl, das ein bestehendes
Reservegaskraftwerk vor Ort ersetzen wird. Mit diesem zweiten Kraftwerk schließt Evonik 2022 die Erneuerung der
Energieinfrastruktur an ihrem weltweit größten Standort ab. Die neuen Anlagen erbringen mit einem Gesamtnutzungsgrad
von über 90 Prozent eine Leistung von bis zu 270 Megawatt Strom. Das entspricht dem Bedarf von ungefähr 750.000
Haushalten. Die Anlagen können bis zu 660 Tonnen Dampf pro Stunde erzeugen. Alle Kraftwerke im Chemiepark Marl
werden künftig im Verbund aus einem neuen zentralen Leitstand betrieben.
37
Scope 1 umfasst die direkten Energie- und Prozessemissionen und Scope 2 die Emissionen aus eingekaufter Elektrizität und Wärme. Unter Scope 3 werden
indirekte Emissionen, wie beispielsweise aus der Herstellung eingekaufter Rohmaterialien, erfasst.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
61
Unsere Energiemanagementsysteme folgen vielfach den hohen Standards der ISO 50001. Künftig wollen wir die
Energieverbräuche im Konzern durch ein digitales Energiemanagementsystem optimieren. Die höhere Transparenz und
verbesserte Steuerungsmöglichkeiten sorgen für mehr Effizienz und damit für einen niedrigeren Ausstoß von
Treibhausgasen. Bis 2026 planen wir durch die Einbeziehung weiterer Standorte weltweit mehr als 90 Prozent unseres
Energieverbrauchs und der Energiekosten abgedeckt zu haben. Ziel ist, mit dem neuen System die Energiekosten im Rahmen
unseres Energieziels zu senken.
Geringerer Netto-Energieeinsatz
2020 ging der absolute Netto-Energieeinsatz insgesamt um rund 2 Prozent auf 61,9 Petajoule zurück. Aktuell überwiegen
im Brennstoffeinsatz von Evonik noch Erdgas und Kohle. Nach Inbetriebnahme der neuen Kraftwerke in Marl im Jahr 2022
wird Evonik weltweit keine Stromerzeugung mehr aus Kohle betreiben. Der höhere Fremdbezug von Strom und Dampf
resultiert aus der erstmaligen Einbeziehung von PeroxyChem. Der spezifische Netto-Energieeinsatz erhöhte sich um
1 Prozent auf 6,9 Petajoule pro 1 Million Tonne Produktion. 2020 wird das Basisjahr sein für unser Ziel, bis 2025 sowohl
den absoluten als auch den spezifischen Energieverbrauch um 5 Prozent zu senken.
Treibhausgasemissionen auf dem Zielpfad
Wir berichten unsere Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) nach dem Greenhouse Gas Protocol (GHG)-Standard.
Unterschieden wird zwischen direkten Scope-1-Emissionen aus der Energieerzeugung und der Produktion sowie indirekten
Scope-2-Emissionen aus dem Zukauf von Strom und Dampf. Die Kohlendioxidemissionen der zugekauften Strommengen
wurden nach der marktbasierten Methode mit den individuellen Emissionsfaktoren des Stromlieferanten berechnet.
Treibhausgasemissionen
in Millionen Tonnen CO
2
-Äquivalenten 2019 2020
Scope 1 4,93
4,80
Scope 2, netto (marktbasiert)
a
0,56 0,56
THG-Emissionen netto 5,49 5,36
Reduktion bezogen auf das Basisjahr 2008 in % -42 -44
a
Scope 2, netto = Zukauf von Strom und Dampf abzüglich Verkauf von Strom und Dampf an Dritte.
Der Rückgang der Scope-1-THG-Emissionen um 2 Prozent auf 4,8 Millionen Tonnen CO
2
-Äquivalente resultierte
hauptsächlich aus der geringeren Produktionsauslastung infolge der Corona-Pandemie. Die Netto-Scope-2-Emissionen
blieben mit 0,6 Millionen Tonnen CO
2
-Äquivalenten trotz der erstmaligen Einbeziehung von PeroxyChem nahezu
unverändert. Hauptursache hierfür war – neben Absatzrückgängen – der Einkauf größerer Grünstrommengen.
Evonik betrieb 2020 – wie im Vorjahr – 24 Anlagen, die den Regelungen des EU-Emissionshandelssystems (EU Emissions
Trading System, EU ETS) unterliegen. Durch den Erwerb von PeroxyChem kam eine Anlage in La Zaida (Spanien) neu hinzu.
Eine Anlage in Marl (Deutschland) ist aufgrund einer EuGH-Entscheidung
38
nicht mehr im Berichtsumfang des EU ETS.
Insgesamt emittierte Evonik im Berichtsjahr aus diesen Anlagen 3,2 Millionen Tonnen CO
2
(2019: 3,3 Millionen Tonnen
CO
2
).
38
EuGH-Entscheidung C-577/18.
62
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Investitionsrechnungen berücksichtigen CO
2
-Preisentwicklung
Für eine erfolgreiche Steuerung unseres CO
2
-Reduktionsziels wendet Evonik einen internen CO
2
-Preis für große
Investitionen an. Damit ergänzt Evonik bislang bestehende Planungsprämissen für Investitionen um einen weiteren relevanten
Indikator. Ziel ist es, die Entwicklungen bei CO
2
-intensiven Investitionen weltweit zuverlässig und harmonisiert für alle
Investitionsanträge abbilden zu können. Die Einführung des CO
2
-Preises in die Investitionsrechnung beruht auf der
Annahme, dass aktuelle Marktpreise, soweit vorhanden, nur unzureichende Preissignale für den Mittel- oder
Langfristzeitraum angeben. Wir gehen davon aus, dass spätestens in zehn Jahren in allen für Evonik relevanten Regionen
Marktpreise oder regulatorische Preissysteme von mindestens 50 €/t CO
2
etabliert sein werden. Aufgrund regional
unterschiedlicher Ausgangssituationen haben wir Preisentwicklungsszenarien – differenziert nach Ländern bzw. Regionen –
ansteigend auf den global angenommenen Endpreis erarbeitet. Dabei werden sowohl die direkten CO
2
-Emissionen (Scope-
1-Emissionen) aus Produktion und Energieumwandlung sowie die indirekten CO
2
-Emissionen aus Bezug von
Sekundärenergieträgern (Scope-2-Emissionen) berücksichtigt. Zur Ermittlung der CO
2
-Sensitivität einer Investition wird
ergänzend mindestens ein Szenario mit einem statischen CO
2
-Preis von 50 €/t CO
2
über die Laufzeit gegenübergestellt.
Erstmals Informationen nach TCFD erstellt
Wir verfolgen intensiv die Ziele der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) und die Weiterentwicklung
etablierter Berichtsstandards. Im Rahmen der Teilnahme am CDP Climate Change hat Evonik Strategien, Datenmaterial sowie
Entwicklungspfade zum Thema „Klimawandel“ auch 2020 detailliert veröffentlicht.
39
Eine bereichsübergreifende
Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit den Anforderungen von TCFD und hat im Herbst 2020 ein Projekt zur
Reifegradbestimmung gestartet. Hier wird untersucht, inwiefern unser Risikomanagementsystem den TCFD-Anforderungen
bereits gerecht wird und welche Optimierungspotenziale bestehen. In unserem TCFD-Index
40
haben wir wichtige
klimabezogene Informationen entsprechend der TCFD-Struktur in den Kategorien Governance, Strategie,
Risikomanagement sowie Kennzahlen und Ziele zusammengestellt.
5.4.2 Wassermanagement
Wir verwenden Wasser möglichst sparsam und arbeiten daran, unsere Emissionen in Gewässer weiter zu verringern. Eine
gute Wasserversorgung ist eine wichtige Voraussetzung für die reibungslose Produktion.
Effiziente Wassernutzung
Evonik strebt konzernweit einen möglichst effizienten Umgang mit Wasser an. Die Reduzierung unserer spezifischen
Wasserförderung haben wir in der Vergangenheit stets als Grundlage für einen Teil unserer Umweltziele angesehen. Die
Erfahrungen der letzten Jahre haben uns jedoch gezeigt, dass die globale Betrachtung des Wasserverbrauchs die derzeitigen
Herausforderungen nur unzureichend abbildet. Die Verfügbarkeit der Ressource Wasser ist sehr stark von regionalen und
lokalen Gegebenheiten abhängig. Ein globales Reduktionsziel ist deshalb nicht mehr hilfreich. Mit unserem Ansatz der
Wasserstressanalyse an Produktionsstandorten wollen wir insbesondere der lokal stark unterschiedlichen
Wasserverfügbarkeit Rechnung tragen. Der Begriff Wasserstress
41
steht für uns zunächst für die Wasserverfügbarkeit für
unsere Chemieproduktion.
Unter Berücksichtigung klimatischer und sozioökonomischer Entwicklungsprojektionen haben wir Standorte ermittelt,
die in den nächsten 20 Jahren besonders von Wasserstress betroffen sein könnten. Im Rahmen unserer Arbeiten zur
Erreichung unseres aktuellen Wasserziels konzentrieren wir uns zunächst auf unsere großen Verbundstandorte sowie
39
Diese Informationen sind auf unserer Internetseite www.evonik.de/verantwortung verfügbar.
40
Siehe TCFD-Index (unterlag nicht der Prüfung durch den Abschlussprüfer).
41
Wasserstress beschreibt einen
Zustand, der ursprünglich die Auswirkungen von Wassermangel auf lebende Organismen wie beispielsweise Pflanzen
beschreibt. Zunehmend wird der Begriff auch mit Blick auf die Wasserverfügbarkeit industrieller Prozesse verwendet.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
63
Standorte in Wasserstressgebieten. Unsere Definition von Wasserknappheit orientiert sich dabei an der von der EU-
Kommission empfohlenen AWARE-Methode
42
. Unser nachhaltiges Wassermanagement berücksichtigt darüber hinaus
quantitative, qualitative und soziale Aspekte der Wassernutzung. Wir wollen Verbesserungspotenziale an unseren
Standorten identifizieren und besonders in Wasserstressgebieten so wenig Wasser wie möglich verbrauchen und damit auch
die Ansprüche unserer Nachbarn berücksichtigen.
Aufgrund der umfänglichen Portfolioanpassungen von 2019 auf 2020 haben wir unsere Wasserstressanalyse im
Berichtsjahr überarbeitet. Von unseren untersuchten Produktionsstandorten auf vier Kontinenten wurden insgesamt 20
Standorte mit potenzieller Wasserknappheit in den nächsten 20 Jahren identifiziert. Mit fünf der am meisten betroffenen
Standorte in China, Indien, USA und Südkorea haben wir detaillierte Interviews zur Wassernutzung und möglichen
Optionen, diese zu reduzieren, durchgeführt. Bis 2023 planen wir, alle 20 Standorte systematisch zu untersuchen. Auf dieser
Grundlage sollen standortspezifische Maßnahmenpläne erstellt werden, die eine qualifizierte Vorsorge sicherstellen. Für das
Monitoring zur Erreichung unseres globalen Wasserziels haben wir geeignete Managementprozesse eingeführt.
5.5 Wertschöpfungskette
43
Unsere Nachhaltigkeitsaktivitäten treiben wir entlang der Wertschöpfungskette voran. Unsere Aufmerksamkeit gilt neben
den eigenen Produktions- und Geschäftsprozessen immer auch der Lieferkette von Rohstoffen, Gütern und Dienstleistungen
sowie dem Produktnutzen und den Anwendungen auf Kundenseite.
5.5.1 Bekämpfung von Korruption und Bestechung
Evonik bekennt sich zu einem fairen Wettbewerb zum Nutzen der Kunden, Aktionäre und weiterer Stakeholder. Alle
Mitarbeiter sind verpflichtet, im geschäftlichen Umfeld regelkonform zu handeln. Wir respektieren die Unabhängigkeit von
Amtsträgern. Jede Form von Korruption, einschließlich sogenannter Beschleunigungszahlungen, ist bei Evonik verboten.
Damit setzen wir ganz bewusst in einigen Ländern strengere Standards, als sie gesetzlich vorgegeben sind. Grundlegende
Regelungen zur Korruptionsbekämpfung sind in unserem Verhaltenskodex, in unserer Rahmenrichtlinie zum Umgang mit
Geschenken, Einladungen und sonstigen Vergünstigungen sowie in der Richtlinie für den Einsatz von externen Dritten beim
Vertrieb und bei Behördenkontakten („Vermittlerrichtlinie“) enthalten. Unser Verhaltenskodex gilt weltweit verbindlich im
gesamten Konzern für alle Mitarbeiter, den Vorstand und die Organe sämtlicher Evonik-Gesellschaften. Sie alle haben die
Regelungen des Verhaltenskodex einzuhalten und sind verpflichtet, sich über seinen Inhalt zu informieren sowie an
entsprechenden Schulungen teilzunehmen.
44
5.5.2 Lieferkette
Verhaltenskodex für Lieferanten
Von unseren Lieferanten erwarten wir, dass sie unsere Grundsätze teilen und in jeder Hinsicht korrekt handeln, also ihrer
Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern, ihren Geschäftspartnern, der Gesellschaft und der Umwelt gerecht werden.
Daher haben wir für Lieferanten einen eigenen Verhaltenskodex aufgelegt, der die Anforderungen an diesen Partnerkreis
verbindlich regelt. Der Kodex basiert auf unseren Konzernwerten, den Prinzipien des UN Global Compact, den
Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sowie den Themenfeldern der Responsible-Care®-
Initiative.
42
AWARE steht für Available Water Remaining.
43
Kapitel unterlag nicht der Prüfung durch den Abschlussprüfer.
44
Siehe hierzu auch unter Compliance in der Erklärung zur Unternehmensführung.
64
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Durch die sorgfältige Auswahl von Lieferanten sichern bzw. erhöhen wir nicht nur deren eigene Nachhaltigkeitsstandards
sondern auch die Qualität der gesamten Wertschöpfungskette. Zum einen fokussieren wir uns auf die Qualifizierung und
Bewertung von Lieferanten, zum anderen unterziehen wir Lieferanten einzelner Rohstoffe einer gesonderten Betrachtung.
Dazu zählen etwa nachwachsende Rohstoffe sowie Rohstoffe mit potenziellem Liefer- oder Reputationsrisiko. Für solche
„kritischen Rohstoffe“, deren Verfügbarkeit essenziell für unsere Produktionsprozesse sein kann, haben wir strategische
Beschaffungskonzepte implementiert. Die Prozesse sind in einem entsprechenden Managementsystem integriert und
abgebildet. Bei der Qualifizierung und Bewertung unserer Lieferanten arbeiten wir konsequent sowohl am Ausbau
strategischer Lieferantenbeziehungen als auch an der Qualifizierung neuer Lieferanten. Diese umfasst wirtschaftliche und
qualitätsbezogene Anforderungen ebenso wie Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance- sowie menschenrechtliche
Aspekte.
Lieferanten werden bewertet
Evonik treibt Nachhaltigkeit und Transparenz in der Lieferkette auch im Rahmen der Brancheninitiative „Together for
Sustainability“ (TfS) voran, wo wir zu den sechs Gründungsmitgliedern zählen. Ziel von TfS ist die gemeinsame Entwicklung
und Implementierung eines globalen Assessment- und Auditprogramms zur verantwortungsvollen Beschaffung von Gütern
und Leistungen. Als Mitglied der Initiative stellt sich Evonik selbst regelmäßig den Bewertungen von TfS. Das im Jahr 2020
angestoßene Assessment unserer Nachhaltigkeitsleistung hat die Ratingagentur EcoVadis Anfang 2021 erstmals mit dem
Platin-Status ausgezeichnet. Damit gehörte Evonik zu den bestbewerteten Unternehmen.
Im Rahmen des strategischen Lieferantenmanagements haben wir uns folgende globale Ziele gesetzt:
100 Prozent Abdeckung der Rohstofflieferanten mit jährlichem Beschaffungsvolumen > 100 Tausend € durch
TfS-Assessment bis Ende 2025
Jährliche Durchführung von mindestens 20 Lieferanten-Nachhaltigkeitsaudits unter Berücksichtigung des
Shared-Audit-Prinzips von TfS
2020 haben wir 31 Nachhaltigkeitsaudits durchgeführt und damit unser Ziel erreicht. Zudem lag die Abdeckung der
Rohstofflieferanten mit jährlichem Beschaffungsvolumen >100Tausend € durch TfS-Assessments im Jahr 2020 bei rund
73 Prozent.
Kennzahlen zur Lieferkette
2019 2020
Anzahl Nachhaltigkeitsaudits Evonik 26
31
Anzahl Nachhaltigkeitsassessments Evonik 117 186
Anzahl Nachhaltigkeitsaudits TfS 309 258
Anzahl Nachhaltigkeitsassessments TfS 1.043 1.148
Als verantwortlich handelndes Unternehmen erfüllt Evonik ihre Sorgfaltspflicht hinsichtlich Konfliktmineralien
45
in der
Lieferkette und führt eine Überprüfung der Herkunft von infrage kommenden Stoffen bei bestehenden Lieferanten durch.
2020 haben wir bei den durchgeführten Überprüfungen keinen Bezug von Konfliktmineralien festgestellt.
45
Hierbei handelt es sich um mineralische Rohstoffe aus der Demokratischen Republik Kongo oder deren Nachbarländern, die häufig zur Finanzierung
bewaffneter Konflikte benutzt werden.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
65
5.5.3 Product Stewardship
Product Stewardship gehört zu den unabdingbaren Grundlagen unserer Geschäftstätigkeit. Sie ist unsere „license to
operate“. Dazu gehört, mögliche Gesundheits- und Umweltrisiken in unserem Portfolio frühzeitig zu erkennen, zu
bewerten und bestmöglich zu verringern.
Jedes unserer Produkte betrachten wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Rohstoffbeschaffung bis zur
Abgabe an unsere industriellen Kunden. Diesen stellen wir alle relevanten Informationen für den Umgang mit unseren
Produkten einschließlich deren Entsorgung zur Verfügung. Dazu zählen beispielsweise Sicherheitsdatenblätter und
technische Merkblätter. Product Stewardship bei Evonik umfasst sowohl die Einhaltung aller gesetzlichen Regelungen –
beispielsweise der europäischen Chemikalienverordnung REACH
46
oder des Global Harmonisierten Systems zur Einstufung
und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) – als auch ein darüber hinausgehendes freiwilliges Engagement.
Seit vielen Jahren bekennen wir uns zur internationalen Responsible-Care®-Initiative und zur Responsible Care® Global
Charter des Weltchemieverbands International Council of Chemical Associations, die auch eine „Global Product Strategy“
umfasst. Zusätzlich haben wir die Eckpunkte unserer Produktverantwortung in der eigenen „Product Policy“ festgelegt.
Wir unterziehen sämtliche von uns in Verkehr gebrachten Stoffe (> 1 Tonne/Jahr) einer Bewertung. Besonders gefährliche
Stoffe berücksichtigen wir auch in kleineren Mengen. Das ermöglicht eine fundierte Risikoabschätzung. Im Bedarfsfall
werden bestimmte Verwendungsmuster eingeschränkt oder im Extremfall sogar Anwendungsverbote für einzelne Produkte
ausgesprochen. Für die Bewertung unserer Stoffe verwenden wir das von Evonik selbst entwickelte Chemicals-
Management-System. Dieses erlaubt uns, unsere Produkte auf globaler Ebene – ähnlich einer Lebenswegbetrachtung – zu
bewerten. Ergänzend dazu bezieht sich unser Chemicals-Management-System
PLUS
auf Produkte, die besonders
besorgniserregende Stoffe enthalten. Diese werden einer vertieften Betrachtung unterzogen, um potenzielle Auswirkungen
auf Mensch und Umwelt weiter zu vermindern.
5.5.4 Achtung der Menschenrechte
Menschenrechte zu respektieren, ist ein zentrales Element unternehmerischer Verantwortung. Wir stellen uns den daraus
erwachsenden Verpflichtungen überall im Unternehmen und entlang der Wertschöpfungskette entsprechend unseren
Einflussmöglichkeiten.
Evonik verfügt über mehrere Instrumente, Verhaltensgrundsätze und Leitlinien, die die Wahrung unserer
menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten gewährleisten sollen. Die grundsätzliche Bedeutung der Menschenrechte für Evonik
spiegelt die Menschenrechtliche Grundsatzerklärung des Vorstandes wider, die auf der Internationalen Menschenrechts-
charta, den ILO Kernarbeitsnormen und den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen basiert. Menschenrechte sind
Teil des Verhaltenskodex und ebenfalls Grundlage der Global Social Policy. Die menschenrechtlichen Anforderungen an
unsere Lieferanten haben wir im Lieferantenkodex festgelegt. Dessen Einhaltung überprüfen wir regelmäßig anhand unserer
Prozesse zur Lieferantenqualifizierung und –bewertung. Wir haben eine Risikolandkarte erarbeitet, die potenzielle
menschen- und arbeitsrechtliche Risiken auf Länderebene erfasst. Diese wird kontinuierlich aktualisiert. Das Tool liefert auch
Erkenntnisse über unsere größten Einkaufsländer und die dortigen Risiken. Gemäß der Menschenrechtlichen
Grundsatzerklärung leiten wir daraus sensibilisierende Maßnahmen wie Menschenrechtsschulungen ab und führen diese
durch.
46
REACH = Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals.
66
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Über ein von dritter Seite betriebenes Whistleblower-System besteht die Möglichkeit, Hinweise zu menschenrechtlichen
Verstößen an Evonik zu geben. Darüber können potenzielle Verletzungen von Menschenrechten durch Mitarbeiter und
Externe – beispielsweise Lieferanten, Kunden oder andere Geschäftspartner – gemeldet werden. Dabei bleibt die Anonymität
des Hinweisgebers gewahrt. Jedem entsprechenden Hinweis wird im Rahmen unserer internen Untersuchungen
nachgegangen. Im Jahr 2020 haben wir keine Hinweise hinsichtlich Menschenrechtsverletzungen erhalten.
Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Menschenrechten in den globalen Lieferketten halten wir es für erforderlich,
unsere Mitarbeiter und Geschäftspartner entsprechend zu sensibilisieren und das Bewusstsein für die Einhaltung der
Menschenrechte zu schärfen. Daher haben wir ein Angebot an menschenrechtlichen Trainings entwickelt und über die
letzten Jahre weiter ausgebaut. Dies umfasst persönliche Schulungen, Trainings über interne Kommunikationsplattformen
und E-Learnings für Mitarbeiter weltweit.
Der „Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP)“ ist eine Initiative der deutschen Bundesregierung zur
Verbesserung der Menschenrechtssituation entlang der Wertschöpfungskette. Die Bundesregierung überprüft im Rahmen
eines Monitorings die Umsetzung der Kernelemente menschenrechtlicher Sorgfalt. Wir haben uns mit unseren operativen
Einheiten an dieser Überprüfung beteiligt. Auf Basis der Ergebnisse des Monitorings will die Bundesregierung über ein
mögliches Gesetzesvorhaben entscheiden.
5.5.5 Gesellschaftliches Engagement
Wir produzieren dort, wo unsere Märkte und Kunden sind, und betreiben daher Produktionsanlagen in 27 Ländern auf sechs
Kontinenten. Die Nachbarn im Umfeld unserer Standorte nehmen eine besonders wichtige Rolle im Stakeholdermanagement
von Evonik ein. An allen Standorten haben diese ein originäres Interesse, Evonik in ihrem Umfeld als verlässlichen Partner
zu erleben, und möchten über aktuelle Entwicklungen in unserem Konzern zeitnah informiert sein. Diesen Dialog pflegen
wir beispielsweise über Einladungen zu Besichtigungen, persönliche Gespräche oder Informationsschreiben. Die wichtigsten
Themen für unsere Nachbarn sind beispielsweise die Sicherheit unserer Produktionsstandorte, Fragen zur aktuellen
Geschäftsentwicklung und betrieblichen Veränderungen, die Attraktivität von Evonik als Arbeitgeber sowie unser lokales
Engagement.
Unser Engagement umfasst Spenden und Sponsoring-Aktivitäten unter besonderer Berücksichtigung der Evonik-
Kernkompetenzen Kreativität, Spezialistentum, Selbsterneuerung und Verlässlichkeit. Als Sponsor beteiligen wir uns nur an
solchen Projekten und Initiativen, die auf den Markenkern von Evonik einzahlen. Daneben wollen wir weltweit zu einer
positiven gesellschaftlichen Entwicklung an unseren Standorten beitragen. Unsere operativen Einheiten unterstützen im
Rahmen strategischer Leitplanken, die sowohl in unserer Spenden- als auch in unserer Sponsoringrichtlinie festgehalten sind,
eigene Projekte mit Bezug zu ihren jeweiligen Geschäften und Nachbarschaften. Insgesamt konzentrieren wir unsere
Engagements auf die Bereiche Bildung und Wissenschaft, Soziales, Kunst und Kultur sowie Sport.
Einen besonderen Stellenwert bei der Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung nimmt die Evonik Stiftung ein. Das
Stiftungsmotto lautet: „Menschen fördern Zukunft – Wir fördern Menschen!“. Die Evonik Stiftung verfolgt ihre Ziele durch
Umsetzung eigener Programme und Projekte sowie die Förderung von Projekten Dritter mit Spenden. Im Stiftungsleitbild
festgelegt sind die inhaltlichen Leitthemen „Junge Menschen, Naturwissenschaften und Integration“. Die Evonik Stiftung
engagiert sich überwiegend in Deutschland und mit einem besonderen Fokus auf das regionale Umfeld der
Unternehmensstandorte.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
67
68
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
6. Chancen- und Risikobericht
6.1 Chancen- und Risikomanagement
Risikostrategie
Evonik verfügt über ein konzernweites internes Chancen- und Risikomanagement (im Folgenden insgesamt als
Risikomanagement bezeichnet) als zentrales Element der Unternehmenssteuerung. Als Teil des Risikomanagements
entspricht das Risikofrüherkennungssystem den Anforderungen an ein börsennotiertes Unternehmen. Ziele sind die
möglichst frühzeitige Identifikation von Risiken und die Entwicklung von Maßnahmen zur Minimierung und
Gegensteuerung. Zur optimalen Wahrnehmung von Chancen sollen diese ebenfalls frühzeitig erkannt und verfolgt werden.
Unternehmerische Risiken gehen wir nur ein, wenn wir überzeugt sind, dadurch den Unternehmenswert nachhaltig steigern
und dabei gleichzeitig mögliche negative Auswirkungen dauerhaft begrenzen zu können.
Aufbau und Organisation des Risikomanagements
Das Risikomanagement ist auf Konzernebene dem Finanzvorstand zugeordnet und gemäß der Organisationsstruktur von
Evonik dezentral aufgebaut. Die originäre Risikoverantwortung liegt bei den Chemie-Divisionen, dem Corporate Center,
den Servicebereichen und weiteren Einheiten. Dies beinhaltet die Früherkennung von Risiken sowie die Abschätzung ihrer
Auswirkungen. Zudem müssen geeignete Vorsorge- und Sicherungsmaßnahmen eingeleitet sowie die interne
Kommunikation der Risiken sichergestellt sein. Innerhalb der Organisationseinheiten stimmen Risikokoordinatoren die
jeweiligen Risikomanagementaktivitäten ab. Auf allen Ebenen des Konzerns ist die systematische und zeitnahe
Risikoberichterstattung ein wesentliches Element der strategischen und operativen Planung, der Vorbereitung von
Investitionsentscheidungen, der Ermittlung von Hochrechnungen sowie weiterer Management- und Entscheidungsprozesse.
Für den Konzern nimmt ein zentraler Corporate Risk Officer die Steuerungs- und Kontrollfunktionen für Abläufe und
Systeme wahr. Er ist Ansprechpartner für alle Risikokoordinatoren sowie für Dokumentation, Information und Koordination
auf Konzernebene zuständig. Gleichzeitig verantwortet er die methodische Weiterentwicklung des Risikomanagements. Das
Risikokomitee unter Leitung des Finanzvorstandes mit Vertretern des Corporate Centers nimmt die Aufgaben der
Validierung der konzernweiten Risikosituation und der Verifizierung der angemessenen Berücksichtigung von Risiken im
Zahlenwerk wahr. Der Aufsichtsrat, insbesondere der Prüfungsausschuss, überwacht das Risikomanagementsystem.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
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Im Geschäftsjahr 2020 wurden erneut alle im Evonik-Konzern konsolidierten Gesellschaften im Risikomanagement
berücksichtigt. In Unternehmen, auf die wir keinen beherrschenden Einfluss ausüben, setzen wir unsere Anforderungen an
das Risikomanagement primär über die Wahrnehmung von Gesellschaftsrechten in Management- oder Kontrollgremien
durch. Die Konzernrevision prüft das Risikomanagement in den Organisationseinheiten, um die Erfüllung der gesetzlichen
und unternehmensinternen Anforderungen sowie den kontinuierlichen Verbesserungsprozess des Risikomanagements
sicherzustellen. Gemäß den Modalitäten für börsennotierte Aktiengesellschaften ist das Risikofrüherkennungssystem in die
Jahresabschlussprüfung mit einbezogen. Die Prüfung ergab, dass das Risikofrüherkennungssystem von Evonik geeignet ist,
Entwicklungen, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden könnten, rechtzeitig zu erkennen.
Das Risikomanagementsystem orientiert sich an dem international anerkannten Risikomanagementstandard COSO-
Enterprise-Management. Die Umsetzung erfolgt anhand einer konzernweit verbindlichen Richtlinie. Mithilfe einer speziellen
Software für das Risikomanagement werden Einzelrisiken systematisch erfasst und verwaltet. Sie werden hinsichtlich ihrer
möglichen Schadenshöhe (Auswirkung) und Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet und mit ihren Erwartungswerten (Produkt
aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung) dokumentiert. Die Bewertung erfolgt analog zur aktuellen Planung über
einen Zeitraum von drei Jahren (Mittelfristplanung). Chancen und Risiken sind dabei als positive bzw. negative
Abweichungen von der Planung definiert. Zu den relevanten Zielgrößen gehört unter anderem das bereinigte EBITDA.
Zusätzlich werden längerfristige Chancen und Risiken unter anderem aus dem Bereich Nachhaltigkeit erfasst. Die Chancen
und Risiken werden Kategorien aus einem einheitlichem Risikokatalog zugeordnet, klimabezogene Chancen und Risiken
werden an den geeigneten Stellen in die bestehenden Kategorien integriert.
Die Organisationseinheiten führen einmal jährlich in Verbindung mit der Mittelfristplanung eine umfassende Risikoinventur
durch. Für dabei erkannte Risiken werden Sicherungsmaßnahmen benannt, umgehend eingeleitet und deren Umsetzung
zeitnah verfolgt. Die interne Steuerung (beispielsweise in der Berichterstattung des Risikokomitees) ist auf den
Mittelfristzeitraum ausgelegt. Identifizierte Chancen und Risiken werden in die Größenklassen gering, mittel und hoch
eingeordnet (siehe Chancen- und Risikomatrix). Die Bewertung folgt stets einer Nettobetrachtung, also unter
Berücksichtigung von Risikobegrenzungsmaßnahmen. Über Risikobegrenzungsmaßnahmen können Bruttorisiken
vermindert, transferiert oder vermieden werden. Übliche Maßnahmen sind wirtschaftliche Gegensteuerungsmaßnahmen,
Versicherungen oder bilanzielle Vorsorge.
Ergänzt wird die Risikoinventur planmäßig durch eine vierteljährliche Überprüfung aller Chancen und Risiken des laufenden
Jahres, bei der sowohl Veränderungen vorhandener Chancen und Risiken als auch aktuell erkannte Chancen und Risiken
erfasst werden.
Als wesentliche Einzelrisiken und Einzelchancen werden alle hohen Risiken und Chancen sowie mittlere Risiken und
Chancen mit einem Erwartungswert von mehr als 100 Millionen € bezogen auf den Mittelfristzeitraum angesehen. Der
Erwartungswert dient ausschließlich der Priorisierung und Fokussierung der Berichterstattung auf wesentliche Themen.
70
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
6.2 Gesamtsituation Chancen und Risiken
Die konzernweit identifizierten Risiken unter Berücksichtigung der ergriffenen bzw. geplanten Maßnahmen haben zum
Bilanzstichtag einzeln oder in Wechselwirkung miteinander keine bestandsgefährdenden Auswirkungen auf Evonik als
Ganzes; dies schließt die Evonik Industries AG als Konzernführungsgesellschaft mit ein.
Für das Geschäftsjahr 2020 gingen wir von mehr Risiken als Chancen aus. Bedingt durch das insbesondere aufgrund der
Corona-Pandemie sehr volatile Umfeld zeigten sich Chancen und Risiken stärker ausgeprägt als im Vorjahr. Insgesamt traten
2020 in allen Segmenten mehr Risiken als Chancen ein. In der Berichterstattung werden die Kategorien Märkte und
Wettbewerb, Recht und Compliance sowie Prozesse und Organisation unterschieden. In Bezug auf die Risikokategorien
lagen wesentliche Einflussgrößen sowohl bei den realisierten Chancen als auch den eingetretenen Risiken in der Entwicklung
von spezifischen Markt- und Wettbewerbssituationen. Für das Geschäftsjahr 2021 besteht aus aktueller Sicht erneut ein
höheres Risiko- als Chancenpotenzial. Im Vergleich zum Jahr 2020 haben sich für den Konzern aufgrund der weiterhin
bestehenden Unsicherheit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sowohl Chancen als auch Risiken erhöht.
Wesentliche Einzelrisiken des Konzerns ergeben sich neben der konjunkturellen Entwicklung und Auswirkungen der
Corona-Pandemie aus der Margenentwicklung der C
4
-Chemie, der Preisentwicklung bei Aminosäuren sowie der
zunehmenden Bedrohung durch elektronische Angriffe. Wesentliche Chancen und Risiken des Konzerns ergeben sich aus
Wechselkursveränderungen der für Evonik wesentlichen Währungen. Maßnahmen zur Verringerung der Risiken stellen
unter anderem allgemeine wirtschaftliche Gegensteuerungsmaßnahmen, die Stärkung unserer IT-Sicherheit und
insbesondere in Bezug auf die Risiken aus Wechselkursveränderungen der Einsatz von Sicherungsinstrumenten (Hedging)
dar. In den folgenden Kapiteln 6.3, 6.4 und 6.5 werden die wesentlichen Risiken und die wesentliche Chance sowie weitere
Chancen und Risiken innerhalb der jeweiligen Kategorien beschrieben. Sofern nicht anders dargestellt, gelten diese für alle
Segmente.
6.3 Chancen und Risiken „Märkte und Wettbewerb“
Gemäß unserer internen Steuerung ordnen wir Chancen und Risiken der Kategorie Märkte und Wettbewerb auf der Ebene
von Unterkategorien (siehe Grafik) in Größenklassen ein. Die folgende Abbildung zeigt jeweils die höchste Größenklasse,
der ein Einzelrisiko bzw. eine Einzelchance zugeordnet ist. Die einzelnen Chancen und Risiken können dabei je nach
Ausprägung auch zu kleineren Klassen gehören. Sofern zwei Unterkategorien die gleichen Ausprägungen in der Grafik
aufweisen, haben wir uns bei der Sortierung zunächst an den Chancen orientiert. Im Anschluss wurde entsprechend den
größten Erwartungswerten absteigend sortiert.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
71
1. Finanzmärkte
Die Steuerung von Liquiditäts-, Kreditausfall-, Währungs- und Zinsrisiken sowie der Risiken im Zusammenhang mit
Pensionsverpflichtungen erfolgt grundsätzlich zentral. Gemäß den konzernweit bestehenden Richtlinien und Grundsätzen
wird jede wesentliche finanzielle Risikoposition erfasst und bewertet. Auf dieser Grundlage führen wir gezielt
risikobegrenzende Absicherungsmaßnahmen durch. Bei der Begrenzung der Risiken durch den Einsatz von originären und
derivativen Finanzinstrumenten berücksichtigt Evonik den Grundsatz der Funktionstrennung von Handel, Risikocontrolling
und Abwicklung und orientiert sich an den bankentypischen Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk)
sowie den Anforderungen des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG). Derivative
Finanzinstrumente
47
werden ausschließlich im Zusammenhang mit korrespondierenden Grundgeschäften eingesetzt.
Volatilität von Wechselkursen
Transaktionsbedingte Wechselkursrisiken ergeben sich aus der Umrechnung von monetären Bilanzposten in die funktionale
Währung der jeweiligen Konzerngesellschaft. Das hieraus resultierende Nettorisiko wird in der Regel in voller Höhe mit
derivativen Instrumenten abgesichert. Des Weiteren berücksichtigen wir in unserem transaktionsbedingten
Währungsmanagement geplante Zahlungsein- und -ausgänge, die im Rahmen der Plansicherung mit einer Zielsicherungs-
quote von bis zu 75󰆀Prozent abgesichert werden. Aus den dann noch offenen Positionen sowie den Abweichungen der
künftigen Ist-Kurse von den Durchschnittskursen der Plansicherungen können sich Chancen und Risiken in wesentlichem
Ausmaß ergeben, zu deren Abschätzung und Kontrolle wir Szenarioanalysen durchführen. Hierbei stehen die für den
Konzern wesentlichen Fremdwährungen US-Dollar, chinesischer Renminbi Yuan und Singapur-Dollar im Vordergrund.
Bedingt durch die steigende Bedeutung von Regionen außerhalb des Euro-Raums steigen langfristig gesehen die Chancen
und Risiken aus Fremdwährungstransaktionen. Hinzu kommen wechselkursbedingte Risiken aus der Translation von
Einzelabschlüssen. Eine zunehmende Volatilität der Wechselkurse zeigt sich dabei insbesondere in den Schwellenländern,
wie dem Hyperinflationsland Argentinien. Darüber hinaus ergeben sich ökonomische Risiken aus dem Einfluss der
Wechselkurse auf unsere Wettbewerbsfähigkeit in den globalen Märkten.
Zinsänderungen
Die potenzielle Änderung von Kapitalmarktzinsen führt zu Chancen und Risiken, die zum einen in der Änderung des
beizulegenden Zeitwertes von festverzinslichen Finanzinstrumenten und zum anderen in veränderten Zinszahlungen bei
variabel verzinslichen Finanzinstrumenten bestehen. Zur Kontrolle dieser Risiken achtet Evonik bei der Festlegung der
Zinskonditionen bewusst auf die Gestaltung des Fix-Float-Verhältnisses und setzt gegebenenfalls Zinsswaps zur weiteren
Optimierung ein. Durch den Einsatz von festverzinslichen Darlehen und Zinssicherungsinstrumenten waren zum
Bilanzstichtag 98󰆀Prozent aller finanziellen Verbindlichkeiten als festverzinslich einzustufen und unterlagen damit keiner
wesentlichen Zinsänderung.
47
Detaillierte Angaben zu den verwendeten derivativen Finanzinstrumenten sowie deren Bewertung und Bilanzierung finden sich unter Anhangziffer 9.4.
72
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Liquiditätsrisiken
Zur Steuerung der Zahlungsfähigkeit des Konzerns existiert ein zentrales Liquiditätsrisikomanagement
48
, dessen Kern ein
konzernweites Cashpooling ist. Darüber hinaus sichern eine breit gefächerte Finanzierungsstruktur, eine revolvierende
Kreditlinie von 1,75󰆀Milliarden󰆀€ als zentrale Liquiditätsvorsorge und unser solides Investment-Grade-Rating die finanzielle
Unabhängigkeit von Evonik. Insgesamt sind wir der Auffassung, mit den zur Verfügung stehenden Finanzierungs-
instrumenten eine jederzeit ausreichende Liquiditätsversorgung sicherstellen zu können.
Ausfallrisiken
Ausfallrisiken beinhalten die Gefahr eines Verlustes, sofern unsere Schuldner teilweise oder vollständig ihren
Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Daher wird bei Vertragsabschluss systematisch das Kreditrisiko unserer Kunden
und Finanzkontrahenten geprüft und danach laufend überwacht. Im Zuge von internen bzw. ratinggestützten Bonitäts-
analysen werden Höchstgrenzen für die jeweiligen Vertragspartner festgelegt.
Finanzielle Chancen und Risiken im Zusammenhang mit Pensionsverpflichtungen
Zugleich Chancen wie auch Risiken ergeben sich aus einer möglichen Veränderung der Bewertungsparameter unserer
Pensionsverpflichtungen
49
. Veränderungen insbesondere des Zinssatzes, aber auch der Sterbewahrscheinlichkeiten und
Gehaltssteigerungsraten können eine Veränderung des Barwertes der Pensionsverpflichtungen bedingen, was unmittelbar
zu einer Veränderung des Eigenkapitals und in der Folge auch zu veränderten Aufwendungen für die Pensionspläne führen
kann. Marktchancen und -risiken sowie Liquiditäts- und Ausfallrisiken aus Finanzinstrumenten entstehen auch bei der
Verwaltung unseres Pensionsplanvermögens. Diesen Risiken begegnen wir durch einen aktiven Risikomanagementansatz,
kombiniert mit einem detaillierten Risikocontrolling. Die Portfolios werden über regelmäßig erstellte Aktiv-Passiv-Studien
strategisch gesteuert. Um Verluste zu minimieren, werden gegebenenfalls derivative Absicherungsmechanismen genutzt.
Die breite Streuung über Vermögensklassen, Mandatsgrößen und auch Vermögensverwalter stellt eine Vermeidung von
Klumpenrisiken sicher. In den Einzelanlagen verbleiben unvermeidbare Restrisiken.
Wertminderungsrisiko
Das Risiko einer Wertminderung von Vermögenswerten entsteht, wenn der für einen Wertminderungstest anzunehmende
Zinssatz steigt, die prognostizierten Cashflows sinken oder Investitionsprojekte eingestellt werden. Konkrete Risiken können
sich beim Goodwill oder einzelnen Vermögenswerten ergeben.
2. Absatzmärkte
Die makroökonomische Entwicklung der Weltwirtschaft bietet für Evonik Chancen und wesentliche Risiken. Treiber für
diese Chancen und Risiken ergeben sich insbesondere durch die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie. Weitere
relevante Einflussgrößen auf die makroökonomische Entwicklung sind neben Handelskonflikten und den Auswirkungen des
Brexits auch die allgemeine konjunkturelle Entwicklung in großen Volkswirtschaften. Entwicklungen in wirtschaftlichen
Schlüsselsektoren können Auswirkungen auf die Nachfrage in den für Evonik relevanten Teilmärkten haben. Die
weltwirtschaftliche Entwicklung beeinflusst die Ergebnis- und Cashflow-Entwicklung von Evonik. Wir begegnen den
konjunkturellen Risiken durch kontinuierliches Monitoring des makroökonomischen Umfelds, durch Optimierung der
Kostenstrukturen und der Wettbewerbspositionen in den bestehenden Evonik-Geschäften, durch die Errichtung von
Produktionsstätten in der Nähe unserer Absatzmärkte sowie durch den Ausbau konjunkturrobuster Geschäfte im Evonik-
Portfolio.
48
Eine detaillierte Darstellung der Liquiditätsrisiken und ihres Managements findet sich in Anhangziffer 9.4. Einzelheiten zur Konzernfinanzierung und
Liquiditätssicherung umfasst das Kapitel 2.9 Finanzlage.
49
Siehe hierzu Anhangziffer 6.10.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
73
Neben der allgemeinen Nachfragesituation birgt der intensive Wettbewerb in verschiedenen Marktsegmenten Chancen und
Risiken. Diese können sowohl aus der Nachfrage in einzelnen Märkten als auch der Wettbewerbssituation in
unterschiedlichen Industrien resultieren. Veränderungen der Nachfrage können sich spürbar auf den Absatz und Umsatz
unserer Geschäfte auswirken. Chancen und wesentliche Risiken bestehen hier unter anderem für das Aminosäurengeschäft
oder für die C
4
-Chemie. Auch aus dem Klimawandel können sich in unseren Marktsegmenten sowohl Chancen als auch
Risiken für Evonik ergeben. Die wachsende Nachfrage unserer Kunden nach ressourcenschonenden Produkten kann deutlich
zunehmen mit entsprechend positiver Wirkung auf unser Geschäft. Zusätzliche Regulationen oder wetterbedingte Ereignisse
können zum einen die Kosten unserer Produktion belasten und zum anderen zu steigender Nachfrage nach unseren
ressourcenschonenden Produkten führen. Um Risiken zu reduzieren, beobachten wir die spezifischen Entwicklungen
akribisch und arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
Konkurrenz aus Schwellen- und Entwicklungsländern sorgt mit neuen Kapazitäten und aggressiver Preispolitik für
verschärften Wettbewerbsdruck, der sowohl unsere Absatzpreise als auch die Mengenentwicklung beeinträchtigen kann.
Dem wirken wir durch den Ausbau unserer Produktionsbasis im Ausland sowie die Erschließung neuer Märkte in Regionen
mit höheren Wachstumsraten, wie Asien und Südamerika, entgegen. Die betroffenen operativen Einheiten reduzieren diese
Wettbewerbsrisiken außerdem durch verschiedene Maßnahmen zur engeren Kundenbindung und zur Gewinnung von
Neukunden sowie durch strategische Forschungspartnerschaften mit Kunden sowie den Ausbau von Serviceleistungen
entlang der Wertschöpfungskette.
Dem Risiko der Substitution von Chemieprodukten durch neue, verbesserte oder kostengünstigere Materialien bzw.
Technologien begegnen wir fortlaufend durch die eigene Entwicklung neuer, attraktiver und wettbewerbsfähiger Produkte
bzw. Technologien. Ein mögliches Risiko für unser Aminosäurengeschäft besteht etwa in Asien durch eine gegebenenfalls
unzureichende Lebensmittelqualität und –sicherheit. Optionen für künftiges profitables Wachstum nutzen wir, indem wir im
Rahmen der strategischen Weiterentwicklung neue Märkte erschließen.
In unseren Chemiegeschäften besteht insgesamt eine geringe Kundenkonzentration. Auf keinen der von uns belieferten
Endmärkte entfallen mehr als 20 Prozent des Umsatzes. Einzelne operative Einheiten, insbesondere in der Division Smart
Materials, und unser Segment Services sind gleichwohl in einem gewissen Maß von wichtigen Hauptkunden abhängig. Dies
gilt in den operativen Geschäften vor allem bei Produktionsanlagen, die in unmittelbarer Nähe unseres Hauptkunden errichtet
werden. Ein möglicher Ausfall eines wesentlichen Kunden kann dabei zu geringeren Umsätzen und zu Wertberichtigungen
führen.
3. Rohstoffmärkte
Für unser Geschäft benötigen wir zum einen großvolumige Rohstoffe, zum anderen aber auch strategisch relevante
Rohstoffe mit geringen Einkaufsmengen und hohen Anforderungen an die Spezifikation. In beiden Fällen sieht sich Evonik
mit Chancen und Risiken aus zunehmend volatilen Rohstoffverfügbarkeiten und Rohstoffpreisen konfrontiert.
Die operativen Geschäfte sind abhängig von der Preisentwicklung strategischer Rohstoffe, insbesondere von aus Rohöl
gewonnenen petrochemischen Rohstoffen. Aber auch im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe gibt es eine hohe
Preisvolatilität, getrieben beispielsweise durch wetterabhängige Ernten. Ein weiterer beachtenswerter Aspekt bei
Preisrisiken sind Wechselkursveränderungen. Diese Risiken werden durch Optimierung der globalen Ausrichtung der
Einkaufsaktivitäten wie zum Beispiel der Erschließung neuer Märkte sowie durch den Abschluss länger laufender Verträge
abgesichert. Zur weiteren Verringerung der Rohstoffpreisrisiken bei rohstoffintensiven Endprodukten ist es unser Ziel,
etwaige Rohstoffpreisvolatilitäten (Risiko wie Chance) nach Bedarfsfall mithilfe von Formelpreisverträgen in der
Wertschöpfungskette weiterzugeben.
74
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Das übergeordnete Ziel der Beschaffungsstrategie ist die Sicherstellung der Rohstoffverfügbarkeit unter bestmöglichen
wirtschaftlichen Konditionen. Kurz- oder mittelfristige Einschränkungen der Verfügbarkeit von Vor- und Zwischenprodukten
stellen potenzielle Risiken dar. Neben der Vorbereitung von Lieferantensubstitutionen für Notfälle beobachten wir
kontinuierlich die wirtschaftliche Lage ausgewählter Lieferanten wichtiger Rohstoffe, um Engpässe antizipieren und Risiken
abwehren zu können. Dieses Vorgehen hat sich auch in Bezug auf die seit diesem Jahr zusätzlichen Lieferrisiken durch die
Corona-Pandemie als wirksam und erfolgreich erwiesen. Die zunehmende Volatilität der Märkte erfordert eine stetige
Beschäftigung mit entsprechenden Risiken entlang der Wertschöpfungskette.
Das verstärkt volatile Marktumfeld ist im Wesentlichen von drei Faktoren geprägt. Zum einen die politischen Unsicherheiten
und Handelsbarrieren sowie die coronabedingten Veränderungen in den Endmärkten und die damit verbundenen regionalen
Verschiebungen. Ein weiterer Faktor sind die eingeschränkten Verfügbarkeiten in chemischen Rohstoffmärkten resultierend
aus einer großen Anzahl technischer Schwierigkeiten und niedrigen industrieweiten Beständen bei anziehender Nachfrage.
Die Rohstoffpreisentwicklung petrochemischer Produkte ist zum einen durch die Preisentwicklung der Rohölmärkte und
zum anderen insbesondere durch die knappe Materialverfügbarkeit in den Wertschöpfungsketten geprägt. Dies trifft auch
auf den anorganischen Bereich zu. Durch die Volatilität bei Verfügbarkeit und Preisen sind aktuell alle Chemie-Divisionen
einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Lieferkette
Ein zentrales Beschaffungsthema ist die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien in der Wertschöpfungskette. Wir erwarten
von unseren Lieferanten, dass sie unsere Grundsätze unternehmerischer Verantwortung teilen. Daher haben wir für
Lieferanten einen eigenen Verhaltenskodex aufgelegt, der auf den Prinzipien des UN Global Compact, den
Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sowie der Responsible-Care®-Initiative basiert. Zudem
werden Nachhaltigkeitsaspekte auch durch die Brancheninitiative „Together for Sustainability“, bei der Evonik
Gründungsmitglied ist, auf globaler Basis durch standardisierte Assessments unterstützt. Die wesentlichen Lieferanten von
Evonik sowie die Mehrheit der kritischen Lieferanten haben sich diesen bereits unterzogen. Die Bewertung erfolgt durch ein
neutrales Sustainability-Rating-Unternehmen.
4. Forschung & Entwicklung
Möglichkeiten ergeben sich für Evonik auch durch die marktorientierte Forschung & Entwicklung (F&E), in der wir einen
wichtigen Motor für profitables Wachstum sehen. Unsere F&E-Pipeline ist gut gefüllt und umfasst einen ausbalancierten Mix
von kurz-, mittel- und langfristigen Projekten. Zum einen arbeiten wir ständig an der Verbesserung unserer Prozesse, um
unsere führende Kostenposition zu stärken, zum anderen stoßen wir mit unseren Projekten in neue Märkte und in neue
technologische Felder vor. Das Portfolio unserer Projekte richten wir konsequent an den Wachstums-Divisionen und den
Innovationswachstumsfeldern mit hohen Nachhaltigkeitsvorteilen aus. Mit unserem Venture-Capital-Programm beteiligen
wir uns an Firmen, die uns bei gemeinsamen Entwicklungen mit ihrem Know-how unterstützen können. Dabei gewinnen
Themen aus der Digitalisierung zunehmend an Bedeutung.
In der Forschung & Entwicklung bestehen stets Chancen und Risiken in Bezug auf den Umsetzungszeitpunkt und die
Realisierbarkeit von geplanten Vorhaben der Produkt- und Prozessentwicklung. Zusätzliche Potenziale aus der Einführung
neuer Produkte, die über unsere derzeitige Planung hinausgehen, sehen wir hauptsächlich in den sechs Innovations-
wachstumsfeldern.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
75
5. Sonstige
Während das Kosteneinsparprogramm SG&A 2020 bereits vollständig mit Maßnahmen hinterlegt ist, können sich weitere
Risiken aus der Realisierung von weiteren Kosteneinsparzielen ergeben. Zu möglichen Risiken zählen eine verzögerte
Umsetzung der Zeitpläne, der Verlust von Know-how-Trägern, mangelnde Wirksamkeit der Maßnahmen oder höhere
Kosten für die Realisierung der Maßnahmen. Diesen Risiken wirken wir durch ein striktes Projektmanagement unter
Einbeziehung der relevanten Stakeholder entgegen.
6. Produktion
Evonik ist als Spezialchemieunternehmen den Risiken von Betriebsunterbrechungen, Qualitätsproblemen und unerwarteten
technischen sowie informationstechnologischen Schwierigkeiten ausgesetzt. Zu einer Betriebsunterbrechung können auch
klimabedingte Faktoren wie Extremwetterereignisse führen. Eingeschränkte Kapazitäten können organisches Wachstum
limitieren. Wir produzieren mithilfe komplexer Herstellungsverfahren, die teilweise voneinander abhängige
Produktionsschritte vorsehen. Dementsprechend können Störungen und Ausfälle auch Folgestufen und –produkte negativ
beeinflussen. Der Ausfall von Produktionsanlagen oder Störungen in Produktionsabläufen können einen signifikanten
negativen Einfluss auf die Geschäfts- und Ertragsentwicklung nehmen und darüber hinaus auch Personen- und
Umweltschäden zur Folge haben. Konzernweit gültige Richtlinien zu Projekt- und Qualitätsmanagement, eine hohe
Mitarbeiterqualifikation und die regelmäßige Wartung unserer Anlagen gewährleisten eine wirksame Minimierung dieser
Risiken. Sach- und Betriebsunterbrechungsschäden an Anlagen und Werken sind in einem wirtschaftlich vertretbaren Maße
versichert, sodass die wirtschaftlichen Folgen von möglicherweise eintretenden Produktionsrisiken weitgehend abgesichert
werden. Gleichwohl können nicht vorhersehbare Einzelereignisse Risiken darstellen.
7. Investitionen
Das Wachstum von Evonik durch Investitionen ist hinsichtlich der Einhaltung des geplanten Umfangs und des
Umsetzungszeitpunkts der Projekte mit Risiken behaftet. Diesen Risiken begegnen wir durch bewährte strukturierte
Prozesse. So gehen wir bei der Umsetzung unseres Investitionsprogramms diszipliniert vor. Noch nicht begonnene und auch
bereits laufende Projekte werden stets auf sich verändernde Entwicklungen in den jeweiligen Märkten überprüft und
gegebenenfalls verschoben.
Gleichzeitig sehen wir durch den Aufbau neuer Produktionsanlagen in dynamisch wachsenden Regionen Möglichkeiten
für weiteres profitables Wachstum.
8. Personal
Als weltweit tätiger Konzern achten wir die Grundsätze der internationalen Charta der Menschenrechte, die zehn Prinzipien
des UN Global Compact, die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen sowie die Arbeits- und Sozialstandards der
ILO. Die Einhaltung aller Arbeitsgesetze ist für uns von besonderer Bedeutung.
Qualifizierte Fach- und Führungskräfte sind die Basis für die Erreichung unserer strategischen und operativen Ziele und damit
ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Sowohl der Verlust von Leistungsträgern als auch Schwierigkeiten bei der
Gewinnung und Einstellung qualifizierter und talentierter Mitarbeiter können grundsätzlich in diesem Zusammenhang ein
Risiko darstellen. Um auch für künftige Anforderungen entsprechend qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und dauerhaft
zu binden, bietet Evonik weltweit vielseitige Beschäftigungsmöglichkeiten, systematische Personalentwicklungsmaßnahmen
und eine wettbewerbsfähige Vergütung. Evonik unterstützt als verantwortungsvoller Arbeitgeber den Großteil der
Mitarbeiter in der Absicherung wesentlicher Risiken wie Unfall oder Invalidität sowie bei der Vorsorge für ein gesichertes
Leben im Alter – entweder direkt oder durch Beitragszahlungen an externe Dienstleister. Dabei richten sich die Leistungen
an den jeweiligen wirtschaftlichen, rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern aus. Auch
darüber hinaus übernehmen wir mit Programmen wie „well@work“ persönliche Fürsorge gegenüber unseren Mitarbeitern,
76
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
beispielsweise durch diverse Beratungsangebote zur Pflege von nahen Angehörigen oder Unterstützungsmaßnahmen bei
der Kinderbetreuung. Damit binden und fördern wir unsere Leistungsträger sowie talentierte Mitarbeiter und sind für
Bewerber ein attraktiver Arbeitgeber. Wir pflegen intensive Kontakte zu Universitäten und Berufsverbänden, um geeignete
Nachwuchskräfte für das Unternehmen gewinnen zu können. Sowohl unser Employer Branding als auch viele interne
Aktivitäten sind auf Vielfalt (Diversity) ausgerichtet, womit wir die Attraktivität von Evonik für Talente sowie Fach- und
Führungskräfte weiter steigern.
50
Im Rahmen der strategischen Personalplanung ermitteln wir regelmäßig die Bedarfe für einen Fünfjahreszeitraum und
können frühzeitig Maßnahmen ableiten, um den künftigen Personalbedarf zu decken. Damit haben wir mögliche Personal-
risiken weitgehend abgedeckt. Darüber hinaus können sich Chancen und Risiken aus der Entwicklung von Personalkosten,
beispielsweise durch künftige Tarifabschlüsse, ergeben.
9. Mergers & Acquisitions
Aktives Portfoliomanagement hat im Rahmen der wertorientierten Steuerung von Evonik einen hohen Stellenwert. Für die
Vor- und Nachbereitung sowie die Durchführung von Akquisitionen und Desinvestitionen haben wir klare Vorgehensweisen
etabliert, die insbesondere auch Zuständigkeitsregeln und Genehmigungsprozesse enthalten. So unterziehen wir im Vorfeld
eines Kaufs die in Betracht kommenden Akquisitionsobjekte einer intensiven Überprüfung (Due Diligence). Damit erfassen
wir systematisch alle wesentlichen Chancen und Risiken und nehmen eine angemessene Bewertung vor. Zentrale Aspekte
sind dabei strategische Ausrichtung, Ertragskraft und Entwicklungspotenzial auf der einen Seite sowie bestehende
Ertragsrisiken, rechtliche Risiken und Altlasten auf der anderen Seite. Neu erworbene Unternehmen werden umgehend in
den Konzern und damit in unsere Risikomanagement- und Controllingprozesse integriert. Jede Transaktion dieser Art birgt
das Risiko, dass die Geschäftsintegration nicht erfolgreich ist bzw. die Integrationskosten unerwartet hoch sind und diese
damit das Erreichen der geplanten quantitativen und qualitativen Ziele, wie beispielsweise Synergien, gefährden.
Für Aktivitäten, die nicht mehr zu unserer Strategie passen oder unsere Renditevorgaben trotz Optimierung nicht mehr
erfüllen, prüfen wir auch externe Optionen. Sollte ein potenzieller Verkauf nicht wie geplant erfolgreich umgesetzt werden,
können Risiken mit Wirkung auf die Ergebnissituation des Konzerns entstehen.
10. Energiemärkte und Emissionshandel
Evonik benötigt zum Einsatz in Chemie- und Infrastrukturanlagen erhebliche Energiemengen aus verschiedenen Quellen.
Der Hauptanteil entfällt auf Erdgas, Strom und – derzeit noch – Kohle. Den Bedarf an Strom und Dampf decken wir an
mehreren Standorten bevorzugt über ressourceneffiziente Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Die Entwicklung der
nationalen und internationalen Energiemärkte einschließlich der erweiterten Möglichkeit zum Einsatz “grüner” Energien
wird von uns fortlaufend beobachtet, um auf dieser Basis strategiekonform sowie risiko- und kostenbewusst agieren zu
können.
In Ländern, in denen der Energiebezug nicht staatlich reguliert ist, haben wir Energien und, soweit erforderlich,
Emissionshandelsberechtigungen (CO
2
-Zertifikate) innerhalb definierter Risikostrategien beschafft bzw. gehandelt. Ziel ist
es, die Risiken und Chancen volatiler Märkte für Energien und CO
2
-Zertifikate in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzen. In
Abhängigkeit von der Entwicklung der Rahmenbedingungen können hier zusätzliche Kosten für unsere operativen
Divisionen entstehen.
50
Siehe auch Kapitel 5.2 Mitarbeiter.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
77
Für unsere Anlagen, die dem europäischen Emissionshandelssystem unterliegen, werden sich absehbar höhere Belastungen
aus der zukünftigen Ausgestaltung der vierten Handelsperiode (2021 bis 2030) und dort insbesondere aus einer
Verschärfung von Benchmarks, die der kostenlosen Zuteilung von CO
2
-Zertifikaten zugrunde liegen, ergeben. Darüber
hinaus gehen wir davon aus, dass die avisierte Verschärfung des EU-Klimaziels auf 55 Prozent CO
2
-Reduzierung bis zum Jahr
2030 zu einer Verringerung der kostenlosen Zuteilung und damit zu einer weiteren Kostenbelastung führen wird. Unsere
deutschen Standorte werden ab 2021 vom nationalen Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) für die Sektoren Verkehr
und Wärme (Non-ETS) betroffen sein. Mögliche finanzielle Lasten für Evonik können derzeit noch nicht abschließend
quantifiziert werden, da insbesondere die von der Politik angekündigten Maßnahmen zum Schutz der Wettbewerbsfähigkeit
der Industrie (Carbon-Leakage-Verordnung) noch nicht gesetzlich umgesetzt wurden.
Auch in anderen Jurisdiktionen sind weitere Klimaschutzgesetze nicht auszuschließen. Im weiteren regulatorischen Umfeld
ist für Evonik in Deutschland insbesondere von Belang, wie sich gegebenenfalls auch rückwirkend die Belastung der
Eigenstromerzeugung mit der EEG-Umlage entwickelt. Wir gehen davon aus, dass unsere an verschiedenen Standorten
betriebenen Anlagen zur Eigenstromerzeugung sowie der derzeit in Umsetzung befindliche Ersatz unseres Kohlekraftwerkes
am Standort Marl durch ein hocheffizientes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk auch zukünftig zur Stützung der
Wettbewerbsfähigkeit unserer deutschen Standorte beitragen werden. Mögliche zusätzliche Belastungen können aus dem
durch die Energiewende getriebenen Anstieg der Stromnetzentgelte einschließlich weiterer staatlich induzierter
Kostenbestandteile sowie aus möglichen grundsätzlichen Änderungen der Netzentgeltsystematik resultieren.
Zusammengefasst sind wir bei einzelnen Energieträgern sowie bei CO
2
-Zertifikaten (in unterschiedlicher Ausprägung)
aufgrund der jeweils spezifischen Angebots-/Nachfragesituationen und der politischen Entwicklungen gewissen Marktpreis-
und Kostenschwankungen ausgesetzt. Hier bieten sich sowohl Chancen als auch Risiken.
6.4 Chancen und Risiken „Recht/ Compliance“
Die Chancen und Risiken der Kategorie Recht/Compliance sind im Vergleich zu denen im Umfeld Märkte und Wettbewerb
deutlich schwieriger zu quantifizieren, da sie neben den finanziellen Auswirkungen häufig auch Einfluss auf die Reputation
des Unternehmens haben und/oder strafrechtliche Aspekte mit sich bringen. Für die finanziellen Auswirkungen treffen wir
für diese Themen bilanzielle Vorsorge, die sich gemäß unserer Systematik risikoreduzierend auswirkt. Um dieser Komplexität
der Bewertung Rechnung zu tragen, ordnen wir Chancen und Risiken der Kategorie Recht/Compliance nicht in die oben
abgebildete Chancen- und Risikomatrix ein und nehmen keine Einordnung in die Größenklassen vor.
1. Compliance, Recht und regulatorische Rahmenbedingungen
Compliance umfasst das regelkonforme Verhalten im geschäftlichen Umfeld. Wesentliche Compliance-Vorgaben sind im
Evonik-Verhaltenskodex festgelegt. Danach sind zum Beispiel jede Form von Korruption, einschließlich sogenannter
Beschleunigungszahlungen, sowie Verstöße gegen kartellrechtliche Vorgaben ausdrücklich verboten. Risiken können sich
aus der Nichtbeachtung der entsprechenden Regeln ergeben. Die Sensibilisierung und umfassende Schulung der Mitarbeiter
durch Präsenztrainings und/oder E-Learning-Programme tragen dazu bei, diese Compliance-Risiken zu minimieren. Unser
Verhaltenskodex gilt weltweit verbindlich im gesamten Evonik-Konzern für alle Mitarbeiter, den Vorstand und die Organe
sämtlicher Evonik-Gesellschaften. Sie alle haben die Regelungen des Verhaltenskodex einzuhalten und sind verpflichtet, sich
über seinen Inhalt zu informieren sowie an entsprechenden Schulungen teilzunehmen.
51

51
Siehe Erklärung zur Unternehmensführung.
78
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Evonik achtet auf die Einhaltung der Menschenrechte entlang der Wertschöpfungskette. Um entsprechende Risiken zu
minimieren, fordern wir die Einhaltung des Evonik-Verhaltenskodex für Lieferanten, unserer Global Social Policy sowie der
Menschenrechtlichen Grundsatzerklärung.
Evonik ist grundsätzlich rechtlichen Risiken ausgesetzt. Diese resultieren beispielsweise aus Rechtsstreitigkeiten, wie
privatrechtlichen Schadensersatzansprüchen, oder Verwaltungs- bzw. Bußgeldverfahren. Im operativen Geschäft unterliegt
der Konzern Haftungsrisiken, insbesondere in der Produkthaftung sowie dem Patent-, Steuer-, Wettbewerbs-, Kartell- und
Umweltrecht. Auch Änderungen von Regulierungen des öffentlichen Rechts können eine rechtliche Risikoposition
begründen oder diese materiell verändern. Als Chemiekonzern mit eigenen Stromerzeugungsanlagen ist hier insbesondere
eine mögliche Veränderung der Regulierung der EEG-Umlage und des europäischen Emissionshandels relevant. Außerdem
können sich aus getätigten Desinvestitionen Gewährleistungsansprüche gegenüber Evonik ergeben. Nachlaufende Haftungs-
und Gewährleistungsrisiken aus Desinvestitionen unterliegen einer strukturierten Folgeüberwachung.Für den kontrollierten
Umgang mit solchen rechtlichen Risiken haben wir ein Konzept mit hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards entwickelt.
Zur Absicherung der finanziellen Folgen von gleichwohl eingetretenen Schäden wurden Versicherungen bezüglich
Sachschäden, Produkthaftung und anderer Risiken abgeschlossen. Soweit erforderlich, hat Evonik für rechtliche Risiken
Rückstellungen gebildet.
Die nachfolgend beschriebenen Sachverhalte stellen die aus heutiger Sicht relevanten rechtlichen Risiken dar. Bei Chancen
und Risiken aus laufenden und potenziellen Verfahren sowie geltend gemachten und potenziellen Ansprüchen enthalten wir
uns grundsätzlich der Darstellung einer Bewertung finanzieller Auswirkungen, um unsere Position nicht zu beeinflussen.
Im Zusammenhang mit dem Verkauf des früheren Rußgeschäfts hat der Erwerber seinen angeblichen
Freistellungsanspruch aus Umweltgewährleistungen unter anderem wegen angeblicher Verletzung des US Clean Air Act
nunmehr im Rahmen eines Schiedsverfahrens mit Schiedsklage vom 11. Juni 2019 geltend gemacht. Derzeit wird geprüft,
ob auf Basis eines Vergleichsvorschlags die Aufnahme von Vergleichsverhandlungen in Betracht kommt.
Evonik setzt sich mit dem Erwerber des im Jahr 2019 verkauften Methacrylatgeschäfts wegen der abschließenden
Bestimmung des Kaufpreises auseinander. Die Meinungsverschiedenheiten über den Ansatz und Berechnung von einzelnen
Verbindlichkeiten in der Bilanz des verkauften Geschäfts konnten nicht im Wege von Verhandlungen beigelegt werden,
sodass der Erwerber im letzten Quartal des Geschäftsjahres das vertraglich vorgesehene Schiedsverfahren eingeleitet hat.
In arbeitsrechtlicher Hinsicht bestehen beispielsweise Risiken bezüglich der Neuberechnung der von Evonik und deren
Rechtsvorgängern gemachten Versorgungszusagen.
In steuerlicher Hinsicht können sich Risiken im Zusammenhang mit der unterschiedlichen Wertung von
Geschäftsprozessen, Investitionen und Restrukturierungen seitens der Finanzverwaltung, Steuerreformen in einzelnen
Ländern sowie aus potenziellen Nachzahlungen aufgrund von Betriebsprüfungen ergeben.
2. Schutz von geistigem Eigentum und Know-how sowie Informationssicherheit
Innovationen haben einen ganz wesentlichen Anteil am unternehmerischen Erfolg von Evonik. Deshalb ist der Schutz von
geistigem Eigentum und Know-how von zentraler Bedeutung. Gerade im Hinblick auf die immer enger werdenden Märkte
und die Globalisierung der Geschäfte sind kompetente Antworten zum Schutz unseres Wettbewerbsvorsprungs zu
Eckpfeilern der Investitionstätigkeit geworden. Insbesondere beim Neubau von Produktionsanlagen in bestimmten Ländern
sind unsere Geschäfte dem Risiko ausgesetzt, dass geistiges Eigentum selbst durch Patente nicht in hinreichendem Umfang
geschützt werden kann. Ebenso birgt der Transfer von Know-how in Joint Ventures und andere Kooperationsformen das
Risiko, dass Kompetenzen von Evonik abfließen. So gibt es beispielsweise nach einer möglichen Trennung von einem Joint-
Venture- oder Kooperationspartner keine Gewähr dafür, dass Know-how nicht weiterverwendet oder gegenüber Dritten
offengelegt wird und damit der Wettbewerbsposition von Evonik geschadet wird. Die Steuerung der Aufgaben zur
Reduzierung und Vermeidung dieser Risiken nehmen die Funktionen Unternehmenssicherheit, Recht und Intellectual
Property Management wahr.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
79
Cyber-Security-Risiken
IT-gestützte Geschäftsprozesse sind ein entscheidender Schlüssel für den Erfolg von Evonik. Dem nachhaltigen Schutz der
Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität von IT-gestützten Geschäftsprozessen kommt daher eine besondere Bedeutung
zu. Die Kompromittierung dieser Systeme kann als wesentliches Risiko zur Beeinträchtigung unserer Geschäfts- und
Produktionsprozesse führen. Um diese und das damit verbundene Wissen innerhalb sowie außerhalb des Konzerns vor
Cyber-Kriminalität (auch digitale Wirtschaftsspionage, Manipulation durch elektronische Angriffe) zu schützen sowie
derartige Risiken zu minimieren, hat Evonik eine Strategie zur Cyber Security entwickelt sowie organisatorische und
technische Maßnahmen etabliert. Die sichere Nutzung von Informationssystemen wird durch konzernweit verbindliche
Richtlinien und Regelungen beschrieben und im Rahmen eines internen Kontrollsystems forciert und überwacht.
Angesichts einer kontinuierlich wachsenden starken Bedrohungslage prüfen wir unsere Schutzmaßnahmen regelmäßig,
setzen notwendige Gegenmaßnahmen risikobasiert um und passen diese, wo immer notwendig, an. Durch zum Teil
verpflichtende Schulungen und stetige Informationen beispielsweise im Konzern-Intranet oder auf der
unternehmensinternen sozialen Plattform sorgen wir dafür, dass das Thema Cyber Security im Bewusstsein der Mitarbeiter
steht. Dabei werden die besonders gefährdeten IT-Systeme von Evonik ermittelt und entsprechende Schutzmaßnahmen
veranlasst; gleichzeitig󰆀werden Führungskräfte für das Thema sensibilisiert. Das Evonik „Cyber Defense Team“ (CDT) ist auf
verschiedenen Ebenen extern vernetzt (national: Mitglied Deutscher CERT-Verbund, Europa: Mitglied TF-CSIRT*, global:
FIRST Mitgliedschaft).
3. Umweltrisiken (Umwelt, Sicherheit, Gesundheit, Qualität)
Evonik ist Risiken in den Bereichen Arbeits- und Anlagensicherheit ausgesetzt. Aus Arbeitsunfällen und Ereignissen in den
Produktionsanlagen können beispielsweise Verletzungen von Mitarbeitern oder Stofffreisetzungen, die die Gesundheit
unserer Mitarbeiter sowie die Nachbarn unserer Produktionsstandorte beeinträchtigen, resultieren. Diesen Risiken begegnen
wir mit unserem Verständnis von Sicherheit als ganzheitlicher Managementaufgabe, die auf allen Hierarchieebenen gelebt
wird. Unser Sicherheitsleitbild ist für alle Führungskräfte und Mitarbeiter verbindlich. So verdeutlicht Evonik, dass das Thema
Sicherheit ein zentraler Teil der Unternehmenskultur ist. Ereignisse und Unfälle analysieren wir sorgfältig, um daraus unsere
Lehren zu ziehen. Im Auftrag des Vorstandes werden zudem Audits durchgeführt, bei denen der kontrollierte Umgang mit
den vorgenannten Risiken geprüft wird.
Im Rahmen der Produktsicherheit wollen wir mögliche Gesundheits- und Umweltrisiken in unserem Portfolio frühzeitig
erkennen und bewerten. Jedes unserer Produkte betrachten wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette - von der
Rohstoffbeschaffung bis zur Abgabe an unsere industriellen Kunden. Diesen stellen wir alle relevanten Informationen für
den Umgang mit unseren Produkten einschließlich deren Entsorgung zur Verfügung. Dazu zählen beispielsweise
Sicherheitsdatenblätter und technische Merkblätter. Produktverantwortung bei Evonik umfasst sowohl die Einhaltung aller
gesetzlichen Standards – beispielsweise der europäischen Chemikalienverordnung REACH oder des Global Harmonisierten
Systems zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) – als auch ein darüber hinausgehendes freiwilliges
Engagement.
Im Fall einer Pandemie kann Evonik einem nicht vorhersehbaren Personalmangel ausgesetzt sein, da die Mitarbeiter erkrankt
sind, sich in Quarantäne befinden, sich um Angehörige kümmern (Pflege) oder sich im Rahmen der gesellschaftlichen
Pandemiebewältigung anderen Aufgaben widmen (zum Beispiel Katastrophenschutz, Mitarbeit in Gesundheits-
schutzeinrichtungen). Werden durch diesen Personalmangel die Mindestbesetzungen in den Produktionsanlagen
unterschritten, werden die Produktionsanlagen in einen sicheren Zustand heruntergefahren. Die Produktion kommt dann
zum Erliegen. Evonik begegnet den Risiken einer Pandemie durch sorgfältig erstellte Pandemiepläne. Sie enthalten
80
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Maßnahmen zur Erhaltung der Produktivität und zur Reduktion eines Infektionsrisikos für Mitarbeiter sowie Besucher und
beauftragte Drittfirmen.
Die Auswirkungen des Klimawandels sind heute schon beispielsweise durch Wasserstress
52
oder Extremwetterereignisse,
wie Niedrigrheinwasser oder Hurrikane, zu erkennen. Neben diesen negativen direkten Auswirkungen des Klimawandels
sehen wir uns auch Risiken, die aus strikteren umweltrechtlichen Vorschriften resultieren, ausgesetzt.
Das nach internationalen Normen zertifizierte konzernweite Managementsystem für Umweltschutz und Qualität wird
ständig weiterentwickelt und verbessert. Als verantwortungsbewusstes Unternehmen der chemischen Industrie betreibt
Evonik diese Prozesse nach den Grundsätzen der weltweiten Initiative Responsible Care® und des UN Global Compact.
Für die erforderliche Sanierung bzw. Sicherung von Altlasten hat Evonik ausreichende bilanzielle Vorsorge getroffen. Neben
dem im Rahmen der strukturierten internen Prozesse ermittelten aktuellen Anpassungsbedarf der Rückstellungen für
Umweltschutzmaßnahmen können, beispielsweise durch Veränderungen der regulatorischen Rahmenbedingungen,
gegebenenfalls weitere, ungeplante Zuführungen zu Rückstellungen für Umweltschutzmaßnahmen notwendig werden.
6.5 Risiken „Prozesse/Organisation“
1. Allgemein
Die Risikokategorie Prozesse/Organisation stellt die Schnittstelle des Risikomanagements mit dem internen Kontrollsystem
(IKS) dar. Risiken in dieser Kategorie entstehen in der Regel aus konkreten Prozessschwächen. Dies schließt neben
allgemeinen Prozessschwächen insbesondere auch Risiken im IKS und dem rechnungslegungsbezogenen IKS ein. Die
Kategorisierung greift dabei auf den Prozesskatalog der internen Konzernrevision zurück. Basierend auf wesentlichen
Unternehmensprozessen wird das Vorhandensein von entsprechenden Kontrollzielen und Standardkontrollen für die
identifizierten Hauptrisiken abgefragt. Aufgrund der Risikoarten in dieser Risikokategorie erfolgt hier in der Regel eine rein
qualitative Bewertung. Die Erhebung der konkreten Risiken aus Prozessschwächen in den Einheiten hat lediglich
geringfügige Optimierungspotenziale für bestehende Prozesse bei Wirksamkeit der derzeitigen Kontrollen ergeben.
Entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung wurden identifiziert. Es wurden daher keine Hinweise auf systematische
Fehler im IKS des Evonik-Konzerns gefunden.
2. Internes Kontrollsystem bezogen auf den Rechnungslegungsprozess
Die Identifizierung der wesentlichen Risiken der Finanzberichterstattung im Rahmen des IKS erfolgt auf Basis einer
quantitativen sowie einer qualitativen Analyse. Je Risikobereich des Rechnungslegungsprozesses sind Kontrollmaßnahmen
dokumentiert, die in regelmäßigen Abständen auf ihre Wirksamkeit hin überprüft und, wenn notwendig, verbessert werden.
Alle Bestandteile dieses Regelprozesses werden stichprobenartig durch die interne Revision geprüft. Grundlage zur
Sicherstellung der Abschlussqualität ist eine konzernweit gültige Richtlinie, die einheitliche Bilanzierungs- und
Bewertungsgrundsätze für alle in den Konzernabschluss einbezogenen in- und ausländischen Unternehmen vorgibt. Für
einen Großteil der Gesellschaften erfolgt die Abschlusserstellung in den Global Financial Services. So können durch
konsequente Prozessorientierung und –standardisierung sowie die Nutzung von Skaleneffekten nachhaltig Kostenvorteile
realisiert werden bei gleichzeitiger Verbesserung der Qualität der Rechnungslegung. Die Global Financial Services haben
eine standardisierte Kontrollmatrix für das rechnungslegungsbezogene interne Kontrollsystem entwickelt. Diese wurde in
den drei globalen Shared Service Centern in Offenbach (Deutschland) für die Länder Deutschland, Österreich, Finnland und
Türkei, in Kuala Lumpur (Malaysia) für die Region Asien und die nicht in Offenbach betreuten Länder der EMEA
53
-Region
und in San José (Costa Rica) für die Region Amerika implementiert. So soll ein global einheitlicher Standard des
52
Insbesondere mangelnde Wasserverfügbarkeit.
53
Europa, Naher Osten und Afrika.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
81
rechnungslegungsbezogenen internen Kontrollsystems gewährleistet werden. Grundsätzlich lassen wir für alle
vollkonsolidierten und alle als gemeinschaftliche Tätigkeiten bilanzierten Gesellschaften eine Jahresabschlussprüfung durch
den Wirtschaftsprüfer durchführen; bei den wenigen Ausnahmen von diesem Grundsatz wurde gemeinsam mit dem
Abschlussprüfer eine vorherige Risikoeinschätzung vorgenommen.
Die Konsolidierung aller Daten wird mithilfe des Systems SAP SEM-BCS im Corporate Accounting durchgeführt. Die
Einreichung der Abschlüsse der Konzerngesellschaften erfolgt über eine webbasierte Schnittstelle. Schon bei diesem Schritt
werden zahlreiche technische Validierungen durchgeführt. Maschinelle wie auch manuelle Prozesskontrollen und das Vier-
Augen-Prinzip stellen wichtige Überwachungsmaßnahmen im Abschlusserstellungsprozess dar. Die monatliche Erstellung
einer konsolidierten Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Erstellung von drei Quartalsabschlüssen ermöglichen einerseits
eine frühzeitige Befassung mit neuen Sachverhalten und bilden andererseits eine gute Basis für eine Plausibilisierung im
Konzernabschluss. Die Berichterstattung an den Vorstand erfolgt monatlich und an den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates
quartalsweise.
Sachverhalte, die zukünftige bilanziell zu erfassende Chancen oder Risiken darstellen könnten, werden frühzeitig im Rahmen
des Risikomanagementsystems erfasst und bewertet. Dies erlaubt eine enge Verzahnung des Risikomanagements mit den
Controlling- und Rechnungslegungsprozessen.
82
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
EVONIK LAGEBERICHT 2020
83
7. Prognosebericht
7.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Erholung der Weltwirtschaft von der Pandemie bei weiterhin hoher Unsicherheit erwartet
Wir erwarten auch für das Jahr 2021 ein wirtschaftliches Umfeld, das von hoher Unsicherheit geprägt ist. Die Fortschritte
bei den Impfungen gegen das Coronavirus und das erwartete Abebben des pandemischen Verlaufs sollten im Jahresverlauf
zu einer deutlichen globalen Erholung führen. Unter der neuen US-Regierung dürfte zudem keine weitere Eskalation des
Handelsstreits zwischen den USA und China erfolgen, wodurch sich die Beziehungen im Welthandel wieder stabilisieren
sollten. Die zu erwartende Fortsetzung der weltweit expansiven Geld- und Fiskalpolitik sollte die wirtschaftliche Erholung
im Jahr 2021 zusätzlich unterstützen. Insgesamt erwarten wir für das Jahr 2021 eine deutliche Erholung der globalen
Wirtschaftsleistung um 4,4 Prozent.
54
Wir nehmen an, dass sich Europa im Jahresverlauf 2021 von dem wirtschaftlichen Einbruch im Vorjahr erholen wird, wobei
das Vorkrisenniveau bis Jahresende voraussichtlich noch nicht wieder erreicht wird. Das exportorientierte Europa dürfte
dabei besonders von der globalen Erholung profitieren, zumal die handelspolitischen Risiken unter der neuen US-Regierung
abnehmen sollten. Durch die Regelung der zukünftigen Beziehung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich wurde
eine signifikante Unsicherheit beseitigt. Unterstützend dürfte weiterhin eine expansive Fiskal- und Geldpolitik wirken.
In Nordamerika gehen wir ebenfalls von einer Erholung im Jahresverlauf aus. Aufgrund der zu Jahresbeginn weiterhin
hohen Corona-Fallzahlen wird vor allem ab Jahresmitte mit einer dynamischeren Erholung gerechnet. Dazu dürfte in den
USA zudem die erwartete expansive Fiskalpolitik der neuen Regierung beitragen, die voraussichtlich auch die Konsum-
nachfrage stützen wird. Die Geldpolitik wird voraussichtlich weiterhin expansiv bleiben.
Auch die Wirtschaft Mittel- & Südamerikas dürfte sich im Jahr 2021 von dem coronabedingten Einbruch erholen.
Allerdings wird damit gerechnet, dass die Erholung hier – auch aufgrund geringerer fiskal- und geldpolitischer Maßnahmen
– langsamer als in den meisten anderen Regionen erfolgen wird. Positiv dürften sich steigende Rohstoffpreise auf die
exportierenden Länder sowie niedrige Zinsen auswirken.
Asien-Pazifik sollte weiterhin von einem günstigeren pandemischen Verlauf und der hohen Nachfrage nach
Konsumgütern profitieren. Das Wirtschaftswachstum dürfte auf ein hohes Niveau zurückkehren. Die Wirtschaft in Japan wird
sich voraussichtlich weniger dynamisch als in den meisten anderen Ländern der Region entwickeln. China dürfte von einer
hohen globalen Nachfrage profitieren – mit einem deutlich über dem mittelfristigen Trend liegenden Wachstum. Allerdings
bleibt abzuwarten, welchen Einfluss die weiterhin bestehenden handelspolitischen Risiken auf die chinesische Wirtschaft
haben werden.
54
Basierend auf den Angaben von IHS Markit, Stand 15. Januar 2021.
84
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Die Projektion für die Weltwirtschaft ist weiterhin mit hohen Unsicherheiten behaftet. So sehen wir trotz der Fortschritte
bei den Corona-Impfungen das Risiko eines weiterhin dynamischen Pandemieverlaufs – auch bedingt durch Mutationen –
mit potenziell negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und auch auf das Weltfinanzsystem. Wir erwarten unter der
neuen US-Regierung keine weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China, sehen aber durchaus das
Risiko, dass der bestehende Handelskonflikt die weltwirtschaftliche Aktivität spürbar bremsen könnte. Auch eine
Ausweitung des Konflikts auf andere Regionen, insbesondere auf Europa, stellt weiterhin ein Risiko für den Welthandel und
die globale Konjunktur dar. Ein weiteres Risiko für die Weltwirtschaft liegt in einer Zuspitzung politischer Konflikte, zum
Beispiel zwischen China und Taiwan oder auch im Nahen Osten, mit potenziell negativen Folgen für den Ölpreis. Auch
innenpolitische Konflikte infolge der Pandemie können ein Risiko für die Weltwirtschaft darstellen. Ferner könnte die
weitere Unsicherheit bezüglich der zukünftigen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und dem
Vereinigten Königreich im Bereich von Dienstleistungen die konjunkturelle Dynamik dämpfen. Die weltwirtschaftliche
Entwicklung könnte sich ebenfalls durch ein – zurzeit allerdings nicht erwartetes - Straffen der Geldpolitik der Zentralbanken
oder durch ein Rückfahren der fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen verschlechtern. Zusätzlich bestehen globale
Inflationsrisiken, die unter anderem die Finanzmärkte belasten könnten. Dennoch gehen wir davon aus, dass die Inflation im
Jahr 2021 lediglich leicht höher als im Jahr 2020 sein wird.
Trotz der anhaltenden globalen Unsicherheiten erwarten wir einen leichten Anstieg der Rohstoffpreise. In Summe rechnen
wir für das Jahr 2021 für die für Evonik spezifischen Rohstoffe mit einem höheren Preisniveau im Vergleich zu 2020, jedoch
weiterhin niedriger als im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019.
Wir gehen davon aus, dass der Euro – bedingt durch die aktuellen Rahmendaten zwischen der Eurozone und den USA – im
Jahr 2021 im Durchschnitt deutlich über dem Niveau von 2020 notieren wird.
7.2 Ausblick
Grundlagen für unsere Prognose sind:
Weltweites Wachstum von 4,4 Prozent (2020: -3,9 Prozent)
Wechselkurs Euro/US-Dollar von 1,20 US$ (2020: 1,15 US$)
Interner Rohstoffkostenindex höher im Vergleich zum Vorjahr
Umsatz- und Ergebnisentwicklung
Unserem Ausblick für das Jahr 2021 liegt die im Abschnitt „Wirtschaftliche Rahmenbedingungen“ beschriebene anhaltende
Erholung der Weltwirtschaft zugrunde. Dennoch bleibt die Projektion der wirtschaftlichen Entwicklung weiterhin mit hohen
Unsicherheiten behaftet – auch durch das Risiko von anhaltenden bzw. verschärften Maßnahmen zur Eindämmung des
Coronavirus in zahlreichen Ländern.
Evonik erwartet in diesem Jahr einen Umsatz zwischen 12,0 Milliarden € und 14,0 Milliarden € (2020: 12,2 Milliarden €).
Die Wachstumsdivisionen werden auch weiterhin von der in der Coronakrise bewiesenen Resilienz und Qualität profitieren
und ihren langfristigen Wachstumstrend fortsetzen. Die Integration der Akquisitionen von PeroxyChem und Porocel wird
die strukturelle Ergebnisqualität des Portfolios weiter erhöhen. Auch die Innovationswachstumsfelder von Evonik sollten im
Jahr 2021 weiter zum Wachstum beitragen. Leicht negativ auf die Ergebnisentwicklung dürften sich voraussichtlich
Wechselkurseffekte auswirken. Insgesamt erwarten wir ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,0 Milliarden € und
2,3 Milliarden € (2020: 1.906 Millionen €).
EVONIK LAGEBERICHT 2020
85
Die Division Specialty Additives wird auch im Jahr 2021 von ihrem attraktiven Geschäftsmodell mit maßgeschneiderten und
erfolgskritischen Lösungen für unsere Kunden profitieren. Bereits im Jahr 2020 konnte die Division trotz der schwierigen
Rahmenbedingungen das Vorkrisenniveau behaupten. Auch für das laufende Jahr erwarten wir ein breites Wachstum,
lediglich die Vernetzer in Asien dürften den hohen Vorjahreswert nicht ganz erreichen. Insgesamt erwarten wir für die
Division ein Ergebnis auf dem sehr guten Niveau des Vorjahres (2020: 857 Millionen €).
In der Division Nutrition & Care gehen wir von einer Fortsetzung der strukturellen Wachstumstrends in unseren
resilienten Endmärkten aus. Die Geschäfte in den Bereichen Konsumgüter, Ernährung und Gesundheit sollten sich weiter
positiv und konjunkturunabhängig entwickeln. Insgesamt erwarten wir für die Division ein Ergebnis leicht über dem
Vorjahreswert (2020: 560 Millionen €).
In der Division Smart Materials erwarten wir in unseren Hygiene-, Körperpflege- und Umweltanwendungen eine
unverändert positive Entwicklung. Zusätzlich sollte die Division von der anhaltenden Erholung in den Endmärkten Automobil
und Coatings profitieren. Die übernommenen Geschäfte von PeroxyChem und Porocel werden sich ebenfalls positiv auf
Umsatz und Ergebnis auswirken. Insgesamt erwarten wir ein deutlich höheres Ergebnis (2020: 529 Millionen €).
In der Division Performance Materials rechnen wir im Jahresvergleich mit höheren Volumen und deutlich verbesserten
Margen. Insgesamt erwarten wir im Jahr 2021 für die Division ein erheblich über dem niedrigen Vorjahr liegendes Ergebnis
(2020: 88 Millionen €).
Die höher erwarteten Rohstoffpreise können sich in den Wachstumsdivisionen leicht negativ und in der Division Performance
Materials positiv auf die Ergebnisentwicklung auswirken und sollten sich damit über das gesamte Portfolio hinweg
weitestgehend ausgleichen.
Die Verzinsung des eingesetzten Kapitals, gemessen am ROCE (Return on Capital Employed), sollte im Jahr 2021 leicht über
dem Niveau des Vorjahres liegen (2020: 6,1 Prozent).
Investitionen und Finanzierung
Wir erwarten für das Jahr 2021, dass die Auszahlungen für Sachinvestitionen bei etwa 900 Millionen € liegen werden
(2020: 956 Millionen €).
Für den Free Cashflow 2021 gehen wir von einer Cash Conversion Rate
55
auf dem sehr guten Vorjahresniveau von etwa
40 Prozent aus (2020: 41 Prozent; Free Cashflow: 780 Millionen €). Positiv wirken sich dabei die hohe Investitionsdisziplin,
ein konsequentes Management des Nettoumlaufvermögens sowie unverändert niedrige Bonus- und Steuerzahlungen aus.
Arbeits- und Anlagensicherheit
Unser Anspruch ist die Vermeidung jeglicher Unfälle und Ereignisse. Bei der Unfallhäufigkeit
56
gehen wir davon aus, etwa
die Vorjahreshöhe (2020: 0,16) zu erreichen und damit unter der für 2021 definierten Obergrenze von maximal 0,26 zu
bleiben. Bei der Ereignishäufigkeit
57
in der Anlagensicherheit erwarten wir, uns leicht zu verbessern (2020: 0,41
58
) und
unter der Obergrenze von maximal 0,40 zu bleiben.
Dieser Bericht enthält zukunftsgerichtete Aussagen, die auf den gegenwärtigen Erwartungen, Vermutungen und Prognosen des Vorstandes sowie den ihm derzeit verfügbaren
Informationen beruhen. Die zukunftsgerichteten Aussagen sind nicht als Garantien der darin genannten zukünftigen Entwicklungen und Ergebnisse zu verstehen. Die zukünftigen
Entwicklungen und Ergebnisse sind vielmehr abhängig von einer Vielzahl von Faktoren; sie beinhalten verschiedene Risiken und Unwägbarkeiten und beruhen auf Annahmen, die sich
möglicherweise als nicht zutreffend erweisen.
55
Verhältnis von Free Cashflow zu bereinigtem EBITDA.
56
Ab 2021 nach neuer Definition. Wert für 2020 vergleichbar gerechnet.
57
Ab 2021 nach neuer Definition. Wert für 2020 vergleichbar gerechnet.
58
Wert enthält erstmalig auch die Division Technology & Infrastructure.
86
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Corporate Governance
Erklärung zur Unternehmensführung (Teil des Lageberichts) 86
Vergütungsbericht (Teil des Lageberichts) 99
Übernahmerelevante Angaben (Teil des Lageberichts) 109
Erklärung zur Unternehmensführung
59
Im Folgenden berichten Vorstand und Aufsichtsrat der Evonik Industries AG gemeinsam über die Grundlagen der
Unternehmensführung bei Evonik (§§ 289f, 315d HGB) sowie über die Corporate Governance der Gesellschaft gemäß
Grundsatz 22 des Deutschen Corporate Governance Kodex (Kodex oder DCGK).
1. Grundlagen der Corporate Governance und Unternehmensstruktur
Corporate Governance umfasst alle Grundsätze für die Leitung und Überwachung eines Unternehmens. In diesem Sinne ist
Corporate Governance als Ausdruck von guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung ein wesentlicher Bestandteil
der Führungsphilosophie von Evonik. Die Grundsätze von Corporate Governance betreffen vor allem die Zusammenarbeit
im Vorstand, im Aufsichtsrat und zwischen beiden Gremien sowie zwischen den Organen und den Aktionären, insbesondere
in der Hauptversammlung. Sie betreffen auch das Verhältnis unserer Gesellschaft zu anderen Personen und Einrichtungen,
die in einer wirtschaftlichen Beziehung zu uns stehen.
Bekenntnis zum Deutschen Corporate Governance Kodex
Evonik Industries ist eine Aktiengesellschaft nach deutschem Recht, deren Aktien seit dem 25. April 2013 börsennotiert
gehandelt werden. Ausgangspunkt für die Sicherstellung einer verantwortungsbewussten, auf nachhaltige Wertsteigerung
ausgerichteten Leitung und Kontrolle des Unternehmens ist für Evonik – neben der Befolgung der einschlägigen gesetzlichen
Normen – die Anerkennung des Deutschen Corporate Governance Kodex auf Grundlage seiner Fassung vom 16. Dezember
2019. Der von der „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“ verabschiedete Kodex enthält neben
wesentlichen gesetzlichen Vorschriften zur Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Gesellschaften national und
international anerkannte Standards guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung in Form von Empfehlungen und
Anregungen.
Vorstand und Aufsichtsrat der Evonik Industries AG bekennen sich ausdrücklich zu einer verantwortungsvollen Corporate
Governance und identifizieren sich mit den Zielen des Kodex. Dies schließt gemäß der Präambel des Kodex im Sinne einer
guten Unternehmensführung und aktiven Corporate-Governance-Kultur nicht aus, in einzelnen Aspekten Kodexvorgaben
nicht zu entsprechen, wenn die Abweichungen aufgrund von Unternehmensspezifika sachgerecht sind.
59
Die Erklärung zur Unternehmensführung ist zugleich Bestandteil des zusammengefassten Lageberichts für die Evonik Industries AG (§§ 289 ff. HGB) und
den Evonik-Konzern (§§ 315 ff. HGB). Gemäß § 317 Abs. 2 Satz 6 HGB sind die Angaben nicht in die Prüfung durch den Abschlussprüfer einbezogen.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
87
2. Angaben zur Corporate Governance und Unternehmensführung
2.1 Entsprechenserklärung zum Deutschen Corporate Governance Kodex gemäß § 161
AktG
§ 161 AktG verpflichtet den Vorstand und den Aufsichtsrat der Evonik Industries AG, jährlich zu erklären, dass den vom
Bundesministerium der Justiz im amtlichen Teil des Bundesanzeigers bekannt gemachten Empfehlungen der
„Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“ (Kodex) entsprochen wurde und wird oder welche
Empfehlungen nicht angewendet wurden oder werden und warum nicht. Die Erklärung ist auf der Internetseite der
Gesellschaft dauerhaft öffentlich zugänglich zu machen.
Vorstand und Aufsichtsrat der Evonik Industries AG erklären gemäß § 161 AktG:
Die Gesellschaft hat seit Abgabe der letzten Entsprechenserklärung vom Dezember 2019 den Empfehlungen des Kodex in
der Fassung vom 7. Februar 2017, die am 24. April 2017 im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde, uneingeschränkt
entsprochen.
Ferner hat die Gesellschaft den Empfehlungen des Kodex in der Fassung vom 16. Dezember 2019, die am 20. März 2020
im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde, mit einer Ausnahme entsprochen und wird diesen auch künftig insoweit
entsprechen.
Nach der Empfehlung C.5 sollen Vorstandsmitglieder einer börsennotierten Gesellschaft nicht mehr als zwei
Aufsichtsratsmandate in konzernexternen börsennotierten Gesellschaften oder vergleichbare Funktionen wahrnehmen. Frau
Angela Titzrath ist Vorstandsvorsitzende der börsennotierten Hamburger Hafen und Logistik Aktiengesellschaft, Herr Peter
Spuhler ist Vorstandsvorsitzender der börsennotierten Stadler Rail AG (Schweiz). Die beiden genannten
Aufsichtsratsmitglieder nehmen neben ihrem jeweiligen Mandat im Aufsichtsrat der Gesellschaft jeweils weitere unter die
Empfehlung fallende Mandate wahr. Der Aufsichtsrat hat sich davon überzeugt, dass beiden Mitgliedern genügend Zeit zur
Wahrnehmung ihres jeweiligen Mandats zur Verfügung steht. Zudem leisten sie durch ihre großen Erfahrungen in der
Unternehmensführung und ihren hohen wirtschaftlichen und international geprägten Sachverstand wertvolle Beiträge zur
Ausfüllung des Kompetenzprofils und zur effektiven Arbeit im Aufsichtsrat. Unter Abwägung aller Aspekte des Sachverhalts
wird daher eine Abweichung von der Empfehlung C.5 insoweit für vertretbar gehalten.
Essen, Dezember 2020
Der Vorstand Der Aufsichtsrat
88
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
2.2 Relevante Angaben zu Unternehmensführungspraktiken
Corporate Governance
Die Gesellschaft bekennt sich ausdrücklich zu guter Corporate Governance und beachtet mit einer Ausnahme die
Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex. Im Einzelnen vgl. Punkt 2.1.
Compliance
Unter dem Begriff Compliance versteht Evonik das regelkonforme Verhalten eines Unternehmens, seiner Organe und seiner
Mitarbeiter im Hinblick auf alle anwendbaren verbindlichen Standards wie rechtliche Bestimmungen, gesetzliche Ge- und
Verbote, unternehmensinterne Richtlinien und eingegangene Selbstverpflichtungen. Die wichtigsten externen und internen
Grundsätze und Regeln sind im konzernweit verbindlichen Verhaltenskodex zusammengefasst. Er gilt für den Vorstand
ebenso wie für alle Evonik-Mitarbeiter intern im Umgang miteinander und extern im Kontakt mit Anteilseignern,
Geschäftspartnern, Behörden- und Regierungsvertretern sowie der Öffentlichkeit. Er fordert von allen Mitarbeitern die
strikte Befolgung aller einschlägigen Gesetze, Regeln und sonstigen Normen. Evonik macht keine Geschäfte um jeden Preis.
Alle Mitarbeiter weltweit werden regelmäßig zum Verhaltenskodex und zu speziellen Themen geschult. Verstöße gegen
dieses Regelwerk werden konsequent geahndet.
Im House of Compliance sind die für unser Unternehmen als besonders relevant identifizierten Compliance-Themen
zusammengefasst. Hierzu gehören Kartellrecht, Bekämpfung von Korruption, Geldwäsche und Betrug/Untreue,
Verhaltenskodex, Außenwirtschafts- und Zollrecht, Kapitalmarktrecht, Datenschutz, Steuern, Personal sowie
Konzernrevision. Die Themen Umwelt, Sicherheit, Gesundheit und Qualität werden in einer eigenen Funktion auch im
Hinblick auf Compliance-relevante Fragen gesteuert und überwacht.
Zweck des House of Compliance ist es, im Hinblick auf die oben genannten Themen konzernweit Mindeststandards für die
jeweiligen Compliance-Management-Systeme zu definieren und deren Umsetzung sicherzustellen. Willensbildung,
Erfahrungsaustausch und Koordination der gemeinsamen Aktivitäten erfolgen im Compliance Committee, das sich aus den
für ihre Themen eigenständig verantwortlichen Leitern der einzelnen Fachbereiche und dem Leiter der Revision
zusammensetzt. Die Compliance-Fachbereiche tragen für das ihnen zugeordnete Compliance-Thema die Verantwortung für
die Angemessenheit und Wirksamkeit des jeweiligen Compliance-Management-Systems.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
89
Weitere Informationen zum Compliance-Management-System bei Evonik und zu entsprechenden Schwerpunkten und
Maßnahmen im Berichtsjahr finden sich im Nachhaltigkeitsbericht
60
.
Sustainability
Vorstand und Aufsichtsrat beschäftigen sich mehrmals im Jahr mit Themen der Nachhaltigkeit, insbesondere mit Aspekten
der Umwelt, Sicherheit und Gesellschaft. Im Jahr 2019 wurde die neue Nachhaltigkeits- und Klimastrategie vom Vorstand
verabschiedet und im Aufsichtsrat vorgestellt. Die Entwicklung der Unfallhäufigkeit und –schwere im Geschäftsjahr fließt
zudem als eine der erfolgsabhängigen Komponenten in die variable Vergütung des Vorstandes mit ein. Ausführliche
Informationen zur Sustainability finden sich im Kapitel Nachhaltigkeit des zusammengefassten Lageberichts und im
Nachhaltigkeitsbericht
61
.
Transparenz
Die zeitnahe und gleichmäßige Information der Öffentlichkeit ist für Evonik ein wichtiger Baustein guter Corporate
Governance. Evonik stellt auf ihrer Internetseite ein ausführliches Informationsangebot auf Deutsch und Englisch zur
Verfügung. Einen schnellen Überblick über wesentliche Veröffentlichungstermine gibt unser Finanzkalender.
62
Die
Geschäftsentwicklung von Evonik wird insbesondere in den Finanzberichten sowie in den Investor-Relations-Präsentationen
erläutert. Zusätzlich sind Details rund um die Evonik-Aktie, Konditionen begebener Anleihen und eine Übersicht zum Rating
von Evonik verfügbar. Pflichtveröffentlichungen – wie Ad-hoc-Mitteilungen, Stimmrechtsmitteilungen oder Informationen
über Directors‘ Dealings – werden unverzüglich ebenfalls auf die Investor-Relations-Internetseite gestellt.
63
Erläuterungen
der Unternehmensstrategie, -struktur und -organisation runden das Angebot ab. Des Weiteren finden sich auf der Investor-
Relations-Internetseite Informationen darüber, wie Evonik ihre unternehmerische Verantwortung und die
verantwortungsbewusste, auf nachhaltige Wertsteigerung ausgerichtete Leitung und Kontrolle des Unternehmens
(Corporate Governance) wahrnimmt.
64
60
www.evonik.de/nachhaltigkeitsbericht.
61
www.evonik.de/nachhaltigkeitsbericht.
62
www.evonik.de/investor-relations.
63
www.evonik.de/investor-relations unter IR News/Ad-hoc-Mitteilungen, Aktie/Stimmrechtsmitteilungen und Corporate Governance/Directors‘ Dealings.
64
www.evonik.de/investor-relations unter Nachhaltig investieren (SRI) und Corporate Governance.
90
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
2.3 Arbeitsweise von Vorstand und Aufsichtsrat
Das Aktiengesetz ist die gesetzliche Grundlage der Unternehmensverfassung der Evonik Industries AG. Näher ausgestaltet
wird sie durch die Satzung der Gesellschaft und die Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex. Siehe hierzu
Punkt 2.1.
Vorstand
Der Vorstand der Evonik Industries AG leitet das Unternehmen in eigener Verantwortung im Unternehmensinteresse, also
unter Berücksichtigung der Belange der Aktionäre, seiner Arbeitnehmer und der sonstigen dem Unternehmen verbundenen
Gruppen (Stakeholder) mit dem Ziel nachhaltiger Wertsteigerung. Mit den übrigen Organen der Gesellschaft arbeitet er
zum Wohle des Unternehmens vertrauensvoll zusammen.
Der Vorstand hat die unternehmerischen Ziele, die grundlegende strategische Ausrichtung, die Geschäftspolitik sowie die
Konzernorganisation der Gesellschaft festzulegen und fortzuschreiben. Er sorgt für die Einhaltung der gesetzlichen
Bestimmungen und der unternehmensinternen Richtlinien und wirkt auf deren Beachtung durch die Konzernunternehmen
hin (Compliance). Zudem hat er für angemessene, an der Risikolage des Unternehmens ausgerichtete Maßnahmen
(Compliance-Management-System) und für ein angemessenes Risikomanagement und -controlling im Unternehmen zu
sorgen. Es wurde ein Hinweisgebersystem eingerichtet, mit dem Beschäftigte und Dritte die Möglichkeit haben, geschützt
Hinweise auf Rechtsverstöße im Unternehmen geben zu können. Bei der Besetzung von Führungsfunktionen im
Unternehmen achtet der Vorstand auf Vielfalt (Diversity) und strebt dabei insbesondere eine angemessene Berücksichtigung
von Frauen an.
Dem Vorstand gehören derzeit vier Mitglieder an. Ein Mitglied ist zum Vorsitzenden ernannt. Der Vorstand hat sich mit
Zustimmung des Aufsichtsrates eine Geschäftsordnung einschließlich eines Geschäftsverteilungsplans gegeben. Der
Vorstandsvorsitzende koordiniert die Zusammenarbeit des Vorstandes sowie die Information des Aufsichtsrates und hält mit
dem Aufsichtsratsvorsitzenden regelmäßigen Kontakt. Ist der Vorsitzende verhindert, so übernimmt der stellvertretende
Vorsitzende diese Aufgaben. Die Mitglieder des Vorstandes tragen gemeinsam die Verantwortung für die gesamte
Geschäftsführung. Sie arbeiten kollegial zusammen und unterrichten sich gegenseitig laufend über wichtige Maßnahmen
und Vorgänge in ihren Ressorts. Der Vorstand, im Bemühen um Einstimmigkeit, beschließt mit einfacher Mehrheit. Bei
Stimmengleichheit gibt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag.
Die ausreichende Informationsversorgung des Aufsichtsrates ist die gemeinsame Aufgabe von Vorstand und Aufsichtsrat.
Der Vorstand erstattet dem Aufsichtsrat die gemäß § 90 AktG sowie nach der Geschäftsordnung des Aufsichtsrates zu
verfassenden Berichte. Er informiert den Aufsichtsrat regelmäßig, zeitnah und umfassend über alle für die Gesellschaft und
den Konzern relevanten Fragen der Strategie, der Planung, der Geschäftsentwicklung, der Risikolage und des
Risikomanagements sowie über die Beachtung der Compliance. Er geht auf Abweichungen des Geschäftsverlaufs von den
aufgestellten Plänen und Zielen unter Angabe von Gründen ein. Außerdem legt der Vorstand dem Aufsichtsrat rechtzeitig
die Geschäfte und Maßnahmen vor, die gemäß Satzung oder der Geschäftsordnung des Aufsichtsrates der Zustimmung des
Aufsichtsrates bedürfen. Darüber hinaus kann der Aufsichtsrat auch weitere Geschäfte und Maßnahmen im Einzelfall von
seiner Zustimmung abhängig machen.
Die Vorstandsmitglieder sind dem Unternehmensinteresse verpflichtet. Kein Mitglied des Vorstandes darf bei seinen
Entscheidungen persönliche Interessen verfolgen oder Geschäftschancen, die dem Unternehmen zustehen, für sich nutzen.
Die Mitglieder des Vorstandes unterliegen während ihrer Tätigkeit für das Unternehmen einem umfassenden
Wettbewerbsverbot. Eine weitere Beschäftigung, insbesondere Mandate in Aufsichtsräten von Gesellschaften, die nicht
Beteiligungsgesellschaften der Evonik Industries AG sind, dürfen sie nur mit Zustimmung des Aufsichtsrates übernehmen. In
EVONIK LAGEBERICHT 2020
91
diesen Fällen nimmt das betroffene Vorstandsmitglied das Amt als persönliches Mandat wahr - unter Beachtung seiner
strikten Verschwiegenheitspflicht und der strikten Trennung von seiner Tätigkeit als Vorstandsmitglied. Jedes Mitglied des
Vorstandes ist verpflichtet, unverzüglich jeglichen Interessenkonflikt gegenüber dem Aufsichtsratsvorsitzenden
offenzulegen und die anderen Vorstandsmitglieder hierüber zu informieren. Im Geschäftsjahr 2020 ist es nicht zu
Interessenkonflikten bei Vorstandsmitgliedern der Evonik Industries AG gekommen.
Alle Geschäfte zwischen der Gesellschaft oder einer ihrer Konzerngesellschaften einerseits und den Vorstandsmitgliedern
sowie ihnen nahestehenden Personen oder ihnen nahestehenden Unternehmungen andererseits haben branchenüblichen
Standards zu entsprechen. Auf entsprechende Geschäfte im abgelaufenen Geschäftsjahr geht der Bericht des Aufsichtsrates
ein.
Die Zusammensetzung des Vorstandes sowie die jeweiligen Mitgliedschaften in Aufsichtsräten und Kontrollgremien sind im
Kapitel Weitere Angaben zu den Organen beschrieben.
Aufsichtsrat
Der Aufsichtsrat überwacht und berät den Vorstand. Er bestellt die Mitglieder des Vorstandes und ernennt eines der
Vorstandsmitglieder zum Vorstandsvorsitzenden. Er legt die Vergütung der Vorstandsmitglieder fest. Zu Entscheidungen
von wesentlicher und grundsätzlicher Bedeutung, die in einem Katalog zustimmungspflichtiger Geschäftsvorfälle
konkretisiert sind, bedarf der Vorstand der Zustimmung des Aufsichtsrates. Hierzu zählen unter anderem:
die grundsätzliche Änderung der Unternehmens- und Konzernorganisation,
die Festlegung des jährlichen Budgets für den Konzern,
Investitionen größer als 100 Millionen €,
die Aufnahme von Krediten und Begebung von Anleihen größer als 300 Millionen € und mit einer Laufzeit von
mehr als einem Jahr.
Der Aufsichtsrat prüft den Jahresabschluss, den Vorschlag des Vorstandes für die Verwendung des Bilanzgewinns, den
Konzernabschluss sowie den zusammengefassten Lagebericht. Er prüft auch den gesonderten zusammengefassten
nichtfinanziellen Bericht. Über das Ergebnis der Prüfung berichtet der Aufsichtsrat schriftlich an die Hauptversammlung.
Für den Aufsichtsrat gilt das Mitbestimmungsgesetz. Demgemäß besteht er aus 20 Mitgliedern, die sich aus zehn
Aufsichtsratsmitgliedern der Anteilseigner und zehn Aufsichtsratsmitgliedern der Arbeitnehmer zusammensetzen. Die
Hauptversammlung wählt die Anteilseignervertreter. Hierzu macht der Aufsichtsrat nach Vorbereitung im
Nominierungsausschuss entsprechende Wahlvorschläge. Die Arbeitnehmervertreter werden von den Arbeitnehmern
gewählt, wobei sieben Arbeitnehmer und drei Vertreter der Gewerkschaften zu bestimmen sind.
Der Aufsichtsrat ist so zusammenzusetzen, dass seine Mitglieder insgesamt die zur ordnungsgemäßen Wahrnehmung der
Aufgaben erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und fachlichen Erfahrungen besitzen. Aufsichtsratsmitglieder sollen keine
Organfunktion oder Beratungsaufgabe bei wesentlichen Wettbewerbern des Unternehmens ausüben. Dem Aufsichtsrat
sollen nicht mehr als zwei ehemalige Mitglieder des Vorstandes angehören. In den Aufsichtsrat wurde ein ehemaliges
Vorstandsmitglied gewählt, wobei das Ende seiner Vorstandsbestellung gemäß der gesetzlichen Karenzzeit bereits zum
Zeitpunkt der Wahl mehr als zwei Jahre zurücklag. Jedes Aufsichtsratsmitglied achtet darauf, dass ihm für die Wahrnehmung
seines Aufsichtsratsmandats genügend Zeit zur Verfügung steht. Aufsichtsratsmitglieder, die dem Vorstand einer
börsennotierten Gesellschaft angehören, sollen nicht mehr als zwei, Aufsichtsratsmitglieder, die keinem Vorstand einer
börsennotierten Gesellschaft angehören, sollen nicht mehr als fünf Aufsichtsratsmandate bei konzernexternen
börsennotierten Gesellschaften oder vergleichbare Funktionen wahrnehmen, wobei ein Aufsichtsratsvorsitz doppelt zählt.
92
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Jedes Mitglied des Aufsichtsrates ist dem Unternehmensinteresse verpflichtet und darf bei seinen Entscheidungen weder
persönliche Interessen verfolgen noch Geschäftschancen, die dem Unternehmen zustehen, für sich nutzen. Einen
Interessenkonflikt hat ein Mitglied dem Aufsichtsrat gegenüber offenzulegen. Es ist von der Beschlussfassung bei Sitzungen
des Aufsichtsrates ausgeschlossen, in denen die Angelegenheit behandelt wird, hinsichtlich derer der Interessenkonflikt
besteht. Der Aufsichtsrat wird in seinem Bericht an die Hauptversammlung über aufgetretene Interessenkonflikte und deren
Behandlung informieren. Wesentliche und nicht nur vorübergehende Interessenkonflikte in der Person eines
Aufsichtsratsmitglieds sollen zur Beendigung des Mandats führen. Berater- und sonstige Dienstleistungs- und Werkverträge
eines Aufsichtsratsmitglieds mit der Gesellschaft bedürfen der Zustimmung des Aufsichtsrates. Solche Verträge bestanden
im Geschäftsjahr 2020 nicht.
Der Aufsichtsrat hat eine Geschäftsordnung erlassen, die auch die Bildung und die Aufgaben der Ausschüsse regelt. In jedem
Kalenderhalbjahr finden mindestens zwei Aufsichtsratssitzungen statt. Darüber hinaus werden nach Bedarf
Aufsichtsratssitzungen einberufen bzw. Beschlüsse des Aufsichtsrates außerhalb von Sitzungen gefasst. Bei Abstimmung im
Aufsichtsrat hat bei Stimmengleichheit der Vorsitzende des Aufsichtsrates die ausschlaggebende Stimme, falls eine zweite
Abstimmung erneut zu einer Stimmengleichheit führt.
Der Aufsichtsrat hat für seine Zusammensetzung folgende Ziele festgelegt, die bei den Beschlussvorschlägen an die
Hauptversammlung im Rahmen der turnusmäßigen Aufsichtsratswahlen und bei der Nachwahl eines Aufsichtsratsmitglieds
berücksichtigt werden:
Mindestens zwei Mitglieder sollen aufgrund ihrer Herkunft oder Berufserfahrung mit internationalem Bezug
vertiefte Kenntnisse und Erfahrungen in Regionen besitzen, in denen der Evonik-Konzern maßgebliches Geschäft
betreibt.
Mindestens zwei Mitglieder sollen besondere Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich der Betriebswirtschaft und
des Finanzwesens/der Rechnungslegung oder der Abschlussprüfung besitzen.
Die Mitglieder des Aufsichtsrates sollen in ihrer Gesamtheit mit dem Sektor der Chemie vertraut sein.
Mindestens zwei Mitglieder des Aufsichtsrates sollen Erfahrung in der Führung oder Überwachung eines
Großunternehmens besitzen.
Das Gremium setzt sich zu mindestens 30 Prozent aus Frauen und zu mindestens 30 Prozent aus Männern
zusammen.
Die Mitglieder des Aufsichtsrates sollen keine Beratungs- oder Organfunktionen bei Kunden, Lieferanten,
Kreditgebern oder sonstigen Geschäftspartnern ausüben, die zu einem Interessenkonflikt führen können. Hiervon
kann im besonders zu begründenden Einzelfall abgewichen werden.
Die Mitglieder des Aufsichtsrates sollen bei ihrer Wahl in der Regel nicht älter als 75 Jahre sein.
Die Mitglieder des Aufsichtsrates sollen dem Aufsichtsrat in der Regel nicht länger als drei volle Amtszeiten im
Sinne von § 102 Abs. 1 AktG (das heißt grundsätzlich 15 Jahre) angehören; von dieser Regel kann insbesondere
bei einem Aufsichtsratsmitglied abgewichen werden, das direkt oder indirekt mindestens 25 Prozent der Aktien der
Gesellschaft hält oder einem Organ eines Aktionärs angehört, der direkt oder indirekt mindestens 25 Prozent der
Aktien der Gesellschaft hält.
Die Mitglieder des Aufsichtsrates sollen in angemessenem Umfang die Kenntnisse und Erfahrungen des
Kompetenzprofils für das Gesamtgremium abdecken.
Mindestens sechs Mitglieder des Aufsichtsrates auf Anteilseignerseite sollen unabhängig von der Gesellschaft und
deren Vorstand und unabhängig von einem kontrollierenden Aktionär sein.
Die letzte Anpassung der Ziele erfolgte im Dezember 2019.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
93
Der Aufsichtsrat besteht derzeit aus sieben Frauen und 13 Männern. Entsprechend seinen eigenen Zielen und in
Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben setzt er sich damit zu jeweils mindestens 30 Prozent aus Frauen und
Männern zusammen.
Im Hinblick auf die Unabhängigkeit eines Aufsichtsratsmitglieds auf Anteilseignerseite kommt es darauf an, dass das Mitglied
unabhängig von der Gesellschaft und deren Vorstand und unabhängig von einem kontrollierenden Aktionär ist. Der
Aufsichtsrat stuft alle derzeitigen Mitglieder als unabhängig ein. Dabei hat er sich insbesondere vergewissert, dass sich aus
der Gremienmitgliedschaft von Herrn Dr. Luther und Herrn Dr. Trautz von mehr als zwölf Jahren und der Tätigkeit von Herrn
Tönjes als Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung für die Arbeit im Aufsichtsrat kein Interessenkonflikt, der einer
Unabhängigkeit entgegenstehen würde, ergibt. Auch unter Heranziehung der in der Empfehlung der Europäischen
Kommission vom 15. Februar 2005 genannten, weitergehenden Kriterien bestehen keine Interessenkonflikte und damit
Zweifel an der Unabhängigkeit der Mitglieder des Aufsichtsrates.
65
Die vom Aufsichtsrat als unabhängig eingestuften
Mitglieder der Anteilseigner sind: Bernd Tönjes, Prof. Dr. Barbara Albert, Prof. Dr. Aldo Belloni, Prof. Dr. Barbara
Grunewald, Dr. Siegfried Luther, Michael Rüdiger, Peter Spuhler, Angela Titzrath, Dr. Volker Trautz und Ulrich Weber.
Die Dauer der Zugehörigkeit zum Aufsichtsrat ist im Zusammenhang mit den Lebensläufen der Aufsichtsratsmitglieder
offengelegt.
In der gegenwärtigen Besetzung sind die Ziele für die Zusammensetzung des Aufsichtsrates erfüllt.
Der Aufsichtsrat ist der Empfehlung des Deutschen Corporate Governance Kodex gefolgt und hat neben den Zielen für seine
Zusammensetzung auch ein Kompetenzprofil für das Gesamtgremium erarbeitet. An diesem Profil wird er künftig seine
Vorschläge für die Wahl von Aufsichtsratsmitgliedern ausrichten. Zusammen bilden die Ziele und das Profil gemäß
§§ 289f Abs. 2 Nr. 6, 315d HGB das Diversitätskonzept des Aufsichtsrates, das unter Punkt 2.4 dargestellt wird.
Zur ordnungsgemäßen Wahrnehmung seiner Aufgaben erachtet der Aufsichtsrat folgende näher beschriebenen
Kompetenzen für sachgerecht und abgedeckt:
Internationale Erfahrungen
Hierfür erforderlich ist eine berufliche Tätigkeit für einen längeren Zeitraum im Ausland oder mit einem sonstigen
internationalen Bezug. Derzeit erfüllen sechs Mitglieder des Aufsichtsrates diese Kompetenz.
Betriebswirtschaftliche Kenntnisse
Eine Grundlage für solche Kenntnisse können sowohl eine Ausbildung oder ein Studium als auch eine berufliche
Tätigkeit mit betriebswirtschaftlichem Bezug bilden. Neun Mitglieder des Aufsichtsrates verfügen über
entsprechende betriebswirtschaftliche Kenntnisse.
Erfahrungen in Personal- und Sozialangelegenheiten
Für diese Erfahrungen wird eine berufliche Tätigkeit vorausgesetzt, deren Gegenstand die Organisation, Auswahl
und Einstellung von Personal umfasst. Erfahrungen in Personal- und Sozialangelegenheiten haben hiernach 14
Mitglieder des Aufsichtsrates.
Naturwissenschaftliche Kenntnisse (insbesondere in der Chemie)
Diese Kenntnisse können durch eine Ausbildung, ein Studium oder eine berufliche Tätigkeit mit
naturwissenschaftlichem Bezug erworben werden. Bei acht Mitgliedern des Aufsichtsrates ist dies der Fall.
Erfahrungen in Unternehmensführung
Vorausgesetzt für Erfahrungen in Unternehmensführung wird eine langjährige berufliche Tätigkeit in leitenden
Positionen mit Personal- und Führungsverantwortung in einem Unternehmen. Diese Kompetenz haben acht
Mitglieder des Aufsichtsrates.
65
Ziffer 13.2 i.V.m. Anhang 2 der Empfehlung der Kommission vom 15. Februar 2005 zu den Aufgaben von nicht geschäftsführenden
Direktoren/Aufsichtsratsmitgliedern börsennotierter Gesellschaften sowie zu den Ausschüssen des Verwaltungs-/Aufsichtsrates (2005/162/EG).
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LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Die digitalen Fortschritte in der Industrie wirken sich mittlerweile immer stärker auch auf die Arbeit des Aufsichtsrates aus.
Vor der nächsten Neuwahl des Aufsichtsrates, voraussichtlich im Jahr 2023, soll deshalb geprüft werden, welche
Kompetenzen in den Bereichen Digitalisierung und Informationstechnologie ergänzt und bei der Kandidatenauswahl
berücksichtigt werden müssen. Bis dahin sollen die Fortbildungsmaßnahmen, die von der Gesellschaft jährlich den aktuellen
Mitgliedern des Aufsichtsrates angeboten werden, diese Themen regelmäßig aufgreifen.
Der Aufsichtsrat hat folgende Ausschüsse eingerichtet:
Der Präsidialausschuss besteht aus dem Aufsichtsratsvorsitzenden, seinem Stellvertreter sowie zwei weiteren Mitgliedern.
Er erledigt laufende Angelegenheiten und berät den Vorstand in Grundsatzfragen der strategischen Fortentwicklung des
Unternehmens. Der Präsidialausschuss beschließt im Rahmen des gesetzlich Zulässigen anstelle des Gesamtaufsichtsrates,
wenn eine vorherige erforderliche Beschlussfassung des Aufsichtsrates nicht ohne wesentliche Nachteile für die Gesellschaft
abgewartet werden kann sowie über die Zustimmung zur Ausnutzung von genehmigten Kapitalia. Er bereitet die Sitzungen
des Aufsichtsrates und insbesondere Personalentscheidungen sowie Beschlüsse zum Vergütungssystem für den Vorstand
einschließlich der wesentlichen Vertragselemente und zur Festsetzung der Gesamtbezüge der einzelnen Vorstandsmitglieder
vor. Daneben ist er zuständig für Abschluss, Änderung und Beendigung der Anstellungsverträge der Mitglieder des
Vorstandes, soweit dies nicht die Änderung oder Festsetzung der Bezüge betrifft, sowie für die Vertretung der Gesellschaft
bei anderen Rechtsgeschäften mit aktiven und ehemaligen Vorstandsmitgliedern und bestimmten, diesen nahestehenden
Personen. Mitglieder: Bernd Tönjes (Vorsitzender), Karin Erhard (stellvertretende Vorsitzende), Martin Albers, Dr. Volker
Trautz.
Der Prüfungsausschuss besteht aus sechs Mitgliedern. Mitglieder des Prüfungsausschusses verfügen über besondere
Kenntnisse und Erfahrungen in der Anwendung der Rechnungslegung und interner Kontrollsysteme. Der Vorsitzende ist
zudem unabhängig und kein ehemaliges Vorstandsmitglied der Gesellschaft. Der Prüfungsausschuss ist beauftragt und
ermächtigt, sich im Namen des Aufsichtsrates insbesondere mit der Überwachung der Rechnungslegung, des
Rechnungslegungsprozesses, der Wirksamkeit des internen Kontroll-, des Risikomanagement- und des internen
Revisionssystems sowie der Abschlussprüfung, hier insbesondere der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers, der vom
Abschlussprüfer zusätzlich erbrachten Leistungen durch vorherige Zustimmung und nachträgliche Überprüfung, sowie der
Compliance zu befassen und die damit verbundenen Entscheidungen zu treffen. Er kann Empfehlungen oder Vorschläge zur
Gewährleistung der Integrität des Rechnungslegungsprozesses unterbreiten. Er bereitet den Vorschlag des Aufsichtsrates
zur Wahl des Abschlussprüfers durch die Hauptversammlung vor, der in den Fällen der Ausschreibung des Prüfungsmandats
mindestens zwei Kandidaten umfasst. Er hat über die Erteilung des Prüfungsauftrags an den Abschlussprüfer, die Bestimmung
von Prüfungsschwerpunkten und die Honorarvereinbarung zu entscheiden. Er nimmt die einem Prüfungsausschuss durch
geltendes Recht und namentlich durch die Verordnung (EU) Nr. 537/2014 über spezifische Anforderungen an die
Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse zugewiesenen Aufgaben wahr. Der Prüfungsausschuss
bereitet die Entscheidung des Aufsichtsrates über die Feststellung des Jahresabschlusses und die Billigung des
Konzernabschlusses vor. Zu diesem Zweck obliegt ihm eine Vorprüfung des Jahresabschlusses, des Konzernabschlusses, des
zusammengefassten Lageberichts und des Vorschlags des Vorstandes für die Gewinnverwendung; der Prüfungsausschuss
befasst sich auch mit dem Prüfungsbericht des Abschlussprüfers. Der Prüfungsausschuss bereitet außerdem die Entscheidung
des Aufsichtsrates über den zusammengefassten nichtfinanziellen Bericht vor. Zu diesem Zweck obliegt ihm eine Vorprüfung
des Berichts. Der Prüfungsausschuss befasst sich mit den Zwischenberichten, insbesondere dem Halbjahresfinanzbericht,
erörtert den Bericht über die prüferische Durchsicht – sofern eine solche beauftragt wurde – mit dem Abschlussprüfer und
stellt abschließend fest, ob Einwendungen zu erheben sind. Er beschäftigt sich darüber hinaus mit Fragen der Corporate
Governance und berichtet dem Aufsichtsrat mindestens einmal jährlich über den Stand, die Effektivität und eventuelle
Verbesserungsmöglichkeiten der Corporate Governance des Unternehmens sowie über neue Anforderungen und
Entwicklungen auf diesem Gebiet. Mitglieder: Dr. Siegfried Luther (Vorsitzender), Birgit Biermann (stellvertretende
Vorsitzende), Jens Barnhusen, Prof. Dr. Barbara Grunewald, Dr. Thomas Sauer, Angela Titzrath.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
95
Der Finanz- und Investitionsausschuss setzt sich aus acht Mitgliedern zusammen. Er wird auf dem Gebiet der
Konzernfinanzierung und der Investitionsplanung tätig. So entscheidet er unter anderem anstelle des Aufsichtsrates über die
Zustimmung zu Investitionen und Grundstücksgeschäften, sofern diese einen Wert von 100 Millionen € übersteigen. Weiter
entscheidet der Finanz- und Investitionsausschuss anstelle des Aufsichtsrates über die Zustimmung zur Errichtung, zum
Erwerb und zur Veräußerung von Unternehmen sowie über Kapitalmaßnahmen bei anderen Unternehmen zwischen
100 Millionen € und 500 Millionen € und bereitet die Entscheidungen des Gesamtgremiums zu diesen Maßnahmen von
mehr als 500 Millionen € vor. Auch entscheidet er über die Zustimmung zur Herauslegung von Avalen und die Gewährung
von Krediten, die einen Wert von 50 Millionen € übersteigen, sowie zu Finanzanlagen in Beteiligungen mit einem Wert von
mehr als 100 Millionen €. Mitglieder: Michael Rüdiger (Vorsitzender), Karin Erhard (stellvertretende Vorsitzende), Martin
Albers, Prof. Dr. Aldo Belloni, Frank Löllgen, Anke Strüber-Hummelt, Bernd Tönjes, Ulrich Weber.
Der Innovations- und Forschungsausschuss besteht aus acht Mitgliedern. Er befasst sich mit der Innovations- und
Forschungsstrategie der Gesellschaft, indem er insbesondere die künftig zu erwartenden Entwicklungen sowohl der
Chemiebranche als auch die für die Gesellschaft relevanten Märkte analysiert. Mit dem Vorstand bespricht er die sich hieraus
ergebenden Konsequenzen für die Innovations- und Forschungsprogramme der Gesellschaft. Mitglieder: Prof. Dr. Barbara
Albert (Vorsitzende), Frank Löllgen (stellvertretender Vorsitzender), Prof. Dr. Aldo Belloni, Karin Erhard, Hussin El
Moussaoui, Martina Reisch, Bernd Tönjes, Dr. Volker Trautz.
Der Nominierungsausschuss besteht aus drei Aufsichtsratsmitgliedern der Anteilseigner. Aufgabe des
Nominierungsausschusses ist es, dem Aufsichtsrat für dessen Wahlvorschläge an die Hauptversammlung geeignete
Kandidaten für den Aufsichtsrat zu unterbreiten. Mitglieder: Bernd Tönjes (Vorsitzender), Dr. Volker Trautz, Ulrich Weber.
Schließlich besteht ein gemäß § 27 Abs. 3 Mitbestimmungsgesetz verpflichtend zu bildender Vermittlungsausschuss mit
dem Aufsichtsratsvorsitzenden, seinem Stellvertreter und je einem Anteilseigner- und Arbeitnehmervertreter. Dieser
Ausschuss unterbreitet dem Aufsichtsrat Vorschläge für die Bestellung von Vorstandsmitgliedern, wenn im ersten Wahlgang
die erforderliche Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen der Aufsichtsratsmitglieder nicht erreicht wird. Mitglieder: Bernd
Tönjes (Vorsitzender), Karin Erhard (stellvertretende Vorsitzende), Martin Albers, Dr. Volker Trautz.
Der Vermittlungsausschuss tagt nur bei Bedarf. Alle übrigen Ausschüsse tagen turnusmäßig sowie darüber hinaus bei
konkreten Anlässen entsprechend ihrer jeweiligen Zuständigkeit nach der Geschäftsordnung des Aufsichtsrates.
Auf die Tätigkeit des Aufsichtsrates und seiner Ausschüsse im abgelaufenen Geschäftsjahr geht der Bericht des Aufsichtsrates
ein. Dort sind auch die Zusammensetzung der einzelnen Ausschüsse sowie Angaben bezüglich der Sitzungsteilnahmen der
Aufsichtsratsmitglieder dargestellt. Die Zusammensetzung des Aufsichtsrates sowie die jeweiligen Mitgliedschaften in
weiteren Aufsichtsräten und Kontrollgremien sind im Kapitel Weitere Angaben zu den Organen beschrieben.
Der Aufsichtsrat prüft regelmäßig die Effizienz seiner Arbeitsweise. Im Geschäftsjahr 2020 ist eine Selbstbeurteilung mithilfe
eines von den Aufsichtsratsmitgliedern auszufüllenden Evaluierungsfragebogens durchgeführt worden. Auf Grundlage der
Auswertungen sind Umsetzungsmaßnahmen im weiteren Jahresverlauf beschlossen und umgesetzt worden.
Aktiengeschäfte von Mitgliedern des Vorstandes und des Aufsichtsrates
Gemäß der seit dem 3. Juli 2016 geltenden EU-Marktmissbrauchsverordnung (Art. 19 Abs. 1 MMVO) sind die Mitglieder
von Vorstand und Aufsichtsrat sowie in enger Beziehung zu ihnen stehende Personen (unter anderem Ehepartner, Partner,
die einem Ehepartner gleichgestellt sind, und unterhaltsberechtigte Kinder) verpflichtet, Eigengeschäfte mit Anteilen oder
Schuldtiteln der Evonik Industries AG oder damit verbundenen Derivaten oder anderen damit verbundenen
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LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Finanzinstrumenten der Evonik Industries AG und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu melden.
Dies gilt für Geschäfte, die getätigt werden, nachdem innerhalb eines Kalenderjahres ein Gesamtvolumen von 20.000 €
erreicht worden ist. Die mitgeteilten Geschäfte sind auf der Internetseite der Evonik Industries AG veröffentlicht.
2.4 Vielfalt (Diversity) bei Evonik
Als börsennotierte Gesellschaft, die zugleich dem Mitbestimmungsgesetz unterliegt, gelten für die Evonik Industries AG
sowohl die Diversity-Vorgaben des Aktiengesetzes als auch die Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex.
Für die Zusammensetzung des Aufsichtsrates ist die gesetzlich vorgeschriebene Geschlechterquote von jeweils mindestens
30 Prozent Frauen und Männern maßgeblich. Der Aufsichtsrat erfüllt diese Quote, indem ihm neben 13 Männern sieben
Frauen angehören, davon drei auf Anteilseignerseite und vier als Arbeitnehmervertreterinnen. Der Aufsichtsrat hat für den
Frauenanteil im Vorstand eine Zielgröße von mindestens 25 Prozent festgelegt und eine Frist zur Erreichung bis zum
30. Juni 2022 bestimmt. Dem Vorstand gehören eine Frau und drei Männer an, sodass er diese Zielgröße erfüllt.
Der Vorstand der Evonik Industries AG hatte für den Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 31. Dezember 2020 für den
Frauenanteil der ersten und zweiten Führungsebene unterhalb des Vorstandes als Zielgröße 27,3 Prozent bzw. 25,0 Prozent
festgelegt.
Maßgeblich für die Wahl dieses – ausnahmsweise kurzen – einjährigen Zielerreichungszeitraums war die zum 1.
Juli 2020 geplante neue Konzernstruktur. In diesem Zusammenhang erfolgten – auch vor dem Hintergrund der
Weiterentwicklung von Führungskräften und unserer Nachfolgeplanung – konzernweite Personalveränderungen.
Dies
führte dazu, dass in der Evonik Industries AG die Zielgröße für die erste Führungsebene unterhalb des Vorstandes mit einem
Frauenanteil von 26,9 Prozent sehr geringfügig unterschritten und für die zweite Führungsebene mit einem Frauenanteil
von 26,3 Prozent überschritten wurde. Für den Zeitraum vom 1. Januar 2021 bis zum 31. Dezember 2024 betragen die für
die erste und die zweite Führungsebene der Evonik Industries AG festgelegten Zielgrößen jeweils 30,0 Prozent.
Diversitätskonzept
Diese bislang geltenden Diversity-Vorgaben des Aktiengesetzes und des Deutschen Corporate Governance Kodex sind für
börsennotierte Aktiengesellschaften, die zugleich große Kapitalgesellschaften sind, mit der Neuregelung des § 289f Abs. 2
Nr. 6 HGB erweitert worden. Das hiernach zu beschreibende Diversitätskonzept, das bei der Besetzung von Aufsichtsrat und
Vorstand verfolgt wird, erfasst bei der Evonik Industries AG folgende Bestandteile:
Das Diversitätskonzept für den Aufsichtsrat besteht bei Evonik sowohl aus den Zielen des Aufsichtsrates für seine
Zusammensetzung als auch dem Kompetenzprofil für das Gesamtgremium. Nähere Ausführungen hierzu finden sich unter
Punkt 2.3. Die mit der Neuregelung an das Diversitätskonzept des Aufsichtsrates gestellten Anforderungen werden zu einem
großen Teil bereits durch die Ziele des Aufsichtsrates abgedeckt. Diese umfassen Angaben zum Alter und Geschlecht der
Aufsichtsratsmitglieder, aber auch zu Berufserfahrungen und Kenntnissen im Bereich der Betriebswirtschaft und der Chemie.
Ergänzt werden die Ziele durch das Kompetenzprofil, welches die Voraussetzungen der Kompetenzen im Einzelnen festlegt
und den Stand der Erfüllung dokumentiert. Die Umsetzung des Diversitätskonzeptes erfolgt insofern, als die Vorschläge an
die Hauptversammlung für die Wahl von Aufsichtsratsmitgliedern sowohl die Erfüllung der Ziele als auch des Profils
berücksichtigen. Das Gremium erfüllt in seiner aktuellen Zusammensetzung sämtliche Vorgaben des Diversitätskonzeptes.
Aufsichtsrat, Präsidialausschuss und Vorstand sorgen gemeinsam für eine langfristige Nachfolgeplanung für die
Besetzung des Vorstandes. Ein strukturiertes Talentmanagement und eine gezielte Führungskräfteentwicklung bilden die
Basis, um Vorstandsfunktionen möglichst aus den eigenen Reihen besetzen zu können. Die Grundsätze der
Nachfolgeplanung werden mit dem Präsidialausschuss abgestimmt, mögliche Kandidaten werden regelmäßig zwischen
Vorstandsvorsitzendem und Aufsichtsratsvorsitzendem diskutiert. Der Aufsichtsratsvorsitzende informiert bei Bedarf den
Präsidialausschuss bzw. das Aufsichtsratsplenum über den Stand der Nachfolgeplanung. Grundlage bildet dabei auch das
Diversitätskonzept für den Vorstand, das neben der oben beschriebenen Zielgröße für den Frauenanteil von 25 Prozent eine
EVONIK LAGEBERICHT 2020
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Altersobergrenze für Vorstandsmitglieder von 65 Jahren umfasst. Der Aufsichtsrat sorgt ergänzend zu dieser Altersgrenze
bei der Auswahl geeigneter Kandidaten zur Sicherstellung einer langfristigen Nachfolgeplanung für eine hinreichende
Altersmischung im Vorstand. Zudem wird bei Evonik als einem weltweit führenden Unternehmen der Spezialchemie bei der
Besetzung des Vorstandes hinsichtlich der fachlichen Qualifikation darauf geachtet, dass jeweils mindestens ein Mitglied
Kenntnisse auf dem Gebiet Personalwesen, ein Mitglied Kenntnisse im Finanz- und Rechnungswesen und ein Mitglied
Kenntnisse auf dem Gebiet der Chemie hat. Darüber hinaus soll mindestens ein Mitglied des Vorstandes über internationale
berufliche Erfahrungen verfügen. In der gegenwärtigen Besetzung des Vorstandes sind die Vorgaben dieses
Diversitätskonzeptes erfüllt.
3. Aktionäre und Hauptversammlung
Die Aktionäre nehmen ihre Rechte in der Hauptversammlung wahr. Die Hauptversammlung wählt den Abschlussprüfer
sowie die Aufsichtsratsmitglieder der Anteilseigner und beschließt insbesondere über die Entlastung der Mitglieder des
Vorstandes und des Aufsichtsrates, die Verwendung des Bilanzgewinns, Kapitalmaßnahmen und Satzungsänderungen. Die
Aktien lauten auf den Namen. Zur Teilnahme an der Hauptversammlung und zur Ausübung des Stimmrechts sind diejenigen
Aktionäre berechtigt, die im Aktienregister eingetragen sind und sich rechtzeitig vor der Hauptversammlung angemeldet
haben. Die Aktionäre können ihr Stimmrecht in der Hauptversammlung selbst ausüben oder durch einen Bevollmächtigten
ihrer Wahl oder einen weisungsgebundenen Stimmrechtsvertreter der Gesellschaft ausüben lassen. Jede Aktie gewährt eine
Stimme.
4. Angaben zur Rechnungslegung und Abschlussprüfung
Die Evonik Industries AG erstellt ihren Jahresabschluss nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs und des
Aktiengesetzes. Der Konzernabschluss wird nach den Grundsätzen der International Financial Reporting Standards (IFRS),
wie sie in der EU anzuwenden sind, und den ergänzend nach § 315e Abs. 1 HGB anzuwendenden deutschen gesetzlichen
Vorschriften aufgestellt. Die Veröffentlichung erfolgt erstmalig auch im neuen einheitlichen elektronischen Format zur
Finanzberichterstattung (ESEF-Format), welches einer gesonderten Prüfung durch den Abschlussprüfer unterzogen wurde.
Die Hauptversammlung am 31. August 2020 hat auf Vorschlag des Aufsichtsrates die PricewaterhouseCoopers GmbH
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (PwC), Frankfurt am Main, zum Abschlussprüfer für den Jahresabschluss und den
Konzernabschluss sowie den zusammengefassten Lagebericht der Evonik Industries AG für das Geschäftsjahr 2020 gewählt.
Der Aufsichtsrat hatte sich zuvor von der Unabhängigkeit des Prüfers überzeugt. Die unterzeichnenden Wirtschaftsprüfer
für den Jahres- und Konzernabschluss der Evonik Industries AG sind Herr Dr. Peter Bartels (seit dem Geschäftsjahr 2020)
und Frau Aissata Touré (seit dem Geschäftsjahr 2020). Die Prüfungen umfassten neben dem Rechnungswesen auch das
Risikofrüherkennungssystem und das rechnungslegungsbezogene interne Kontrollsystem. Darüber hinaus wurde PwC mit
Beschluss des Amtsgerichts Essen vom 23. Juni 2020 zum Abschlussprüfer für eine prüferische Durchsicht des
Halbjahresfinanzberichts im Geschäftsjahr 2020 gerichtlich bestellt.
Die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (KPMG), Berlin, hat die Ausschreibung der Abschlussprüfung der Evonik
Industries AG im Jahr 2019 gewonnen und ist bereits durch die Hauptversammlung am 31. August 2020 auf Vorschlag des
Aufsichtsrates zum Abschlussprüfer für eine etwaige Durchsicht des verkürzten Abschlusses und des Zwischenlageberichts
gemäß § 115 Abs. 7 WpHG von zusätzlichen unterjährigen Finanzinformationen im Geschäftsjahr 2021 bis zur nächsten
ordentlichen Hauptversammlung bestellt worden.
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LAGEBERICHT 2020
EVONIK
5. Risikomanagement und Internes Kontrollsystem (IKS)
Das Risikomanagement im Evonik-Konzern inklusive des IKS bezogen auf den Rechnungslegungsprozess wird im Chancen-
und Risikobericht des zusammengefassten Lageberichts dargestellt.
6. Vergütung
Die Grundzüge des Vergütungssystems und die Vergütung für die Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates werden
im Vergütungsbericht dargestellt. Zur Erfüllung der neuen inhaltlichen Anforderung an die Erklärung zur
Unternehmensführung gemäß § 289f Abs. 2 Nr. 1a HGB finden sich zudem das Vergütungssystem (§ 87a Abs. 1 und 2 S. 1
AktG) und der Vergütungsbeschluss (§ 113 Abs. 3 AktG) auf der Internetseite der Evonik Industries AG unter
www.evonik.de/verguetungssystem-vorstand
bzw. www.evonik.de/verguetungssystem-aufsichtsrat.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
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Vergütungsbericht
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Der Vergütungsbericht beschreibt die Grundzüge des Vergütungssystems für die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder
sowie die Höhe und Struktur der individuellen Vergütungen. Der Bericht entspricht den Anforderungen des deutschen
Handelsgesetzbuches (HGB) unter Einbeziehung der Grundsätze des Deutschen Rechnungslegungs Standards Nr. 17
(DRS 17) und den International Financial Reporting Standards (IFRS) sowie den Anforderungen des Deutschen Corporate
Governance Kodex.
Vergütungssystem des Vorstandes
Grundlagen und Zielsetzung
Das Vergütungssystem für den Vorstand zielt darauf ab, die Vorstandsmitglieder entsprechend ihrem Aufgaben- und
Verantwortungsbereich angemessen zu vergüten und die Leistung eines jeden Vorstandsmitglieds sowie den Erfolg des
Unternehmens unmittelbar zu berücksichtigen. Die Struktur des Vergütungssystems für den Vorstand der Evonik Industries
AG zielt auf eine nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes und eine erfolgsorientierte Unternehmensführung ab.
Das Vergütungssystem des Vorstandes setzt sich aus einer festen, monatlich zahlbaren Grundvergütung, welche die
Aufgaben und Leistungen der Vorstandsmitglieder berücksichtigt, einer von der Erreichung der jährlichen Performanceziele
des Unternehmens abhängigen, kurzfristigen variablen Vergütung in Form einer Jahrestantieme und einer
Langfristvergütung, die unmittelbar mit der Wertentwicklung des Unternehmens im Zusammenhang steht und somit einen
Anreiz für nachhaltiges Engagement für das Unternehmen schaffen soll, zusammen. Die Ziele für die kurz- und langfristige
variable Vergütung werden aus der Unternehmensstrategie der Evonik Industries AG abgeleitet. Darüber hinaus werden die
üblichen Nebenleistungen gewährt. Insgesamt trägt die Vergütung zur langfristigen Entwicklung der Gesellschaft bei.
Die Vergütungsbestandteile teilen sich 2020 wie in der nachfolgenden Grafik dargestellt auf. Die Sachbezüge und
sonstige Nebenleistungen sowie die betriebliche Altersversorgung (Dienstzeitaufwand IFRS) sind in der Festvergütung
enthalten:
Erfolgsunabhängige Komponenten
Feste Jahresvergütung
Die feste Jahresvergütung ist eine auf das Geschäftsjahr bezogene Barvergütung, die sich insbesondere an dem
Verantwortungsumfang des jeweiligen Vorstandsmitglieds orientiert. Das individuell festgelegte Fixeinkommen wird in
zwölf gleichen Teilen ausgezahlt.
66
Dieser Bericht ist Bestandteil des geprüften zusammengefassten Lageberichts.
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LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Sachbezüge und sonstige Nebenleistungen
Sachbezüge und sonstige Nebenleistungen enthalten insbesondere Sachleistungen wie Dienstwagen mit Fahrer, Einrichtung
von Telekommunikationsmitteln sowie einen Anspruch auf eine jährliche ärztliche Untersuchung. Für dienstlich veranlasste
Zweitwohnungen kann ein Mietzuschuss gewährt werden. Anfallende Sachbezüge werden in diesem Vergütungsbericht mit
den durch steuerliche Vorschriften vorgegebenen Werten dargestellt.
Ferner können Vorstandsmitglieder für Tätigkeiten im Interessenbereich der Gesellschaft (gesellschaftsgebundene
Mandate) zusätzliche Mandatsvergütungen erhalten. Mit Ausnahme der insoweit an die Vorstandsmitglieder gezahlten
Sitzungsgelder werden diese auf die Jahrestantieme angerechnet bzw. an die Gesellschaft abgeführt. Die Bezüge aus
gesellschaftsgebundenen Mandaten werden in diesem Vergütungsbericht insgesamt unter Nebenleistungen ausgewiesen.
Erfolgsabhängige Komponenten
Kurzfristige variable Vergütung
Die erfolgsabhängige Jahrestantieme errechnet sich aus dem Erreichen kennzahlenbezogener betriebswirtschaftlicher Ziele
(Tantiemefaktor) und der Erfüllung individueller Ziele (Performancefaktor). Zwischen Tantiemefaktor und
Performancefaktor besteht eine multiplikative Verknüpfung. Die Höhe des Tantiemefaktors ist abhängig vom Grad des
Erreichens der vereinbarten wirtschaftlichen Ziele und kann zwischen 0 Prozent und 200 Prozent betragen. Als
betriebswirtschaftliche Zielkennzahlen werden bereinigte EBITDA-Marge, bereinigtes EBITDA und Free Cashflow
herangezogen. Dabei werden alle Kennzahlen anhand der langfristigen, strategischen Unternehmenszielsetzung auf Basis
der Ist-Ergebnisse des Kalenderjahres gemessen. Außerdem hat die Entwicklung der Anlagensicherheit und der
Unfallhäufigkeit sowie deren Schwere im abgelaufenen Geschäftsjahr Einfluss.
Der Performancefaktor würdigt die Erfüllung von qualitativen Zielen und kann zwischen 80 Prozent und 120 Prozent
betragen. Die Bezugsparameter sind auf die Performanceziele des Vorstandes abgestimmt und haben in der Regel im Rahmen
der Zielstellung einen mehrjährigen Gesamtkontext. Dabei kommen etwa Ziele in den Themenbereichen
„Strategie/Portfolio“, „Kostenstruktureffizienz“ und „Unternehmenskultur“ in Betracht. Bei jeweils 100-prozentiger
Erreichung der qualitativen und wirtschaftlichen Ziele entspricht die Jahrestantieme dem vertraglich vereinbarten Zielwert.
Unterschreitet das Unternehmensergebnis die vorgegebenen Planwerte, kann der Tantiemefaktor – unabhängig von der
persönlichen Zielerreichung – im Extremfall auf null fallen. Somit ist ein vollständiger Ausfall der Jahrestantieme möglich.
Die Tantieme ist der Höhe nach auf insgesamt 200 Prozent der Zieltantieme begrenzt. Die wirtschaftlichen und qualitativen
Ziele der Vorstandsmitglieder als Grundlage für den Tantieme- bzw. Performancefaktor werden jährlich zwischen
Aufsichtsrat und den Vorstandsmitgliedern zu Beginn des Geschäftsjahres schriftlich vereinbart und nach dessen Ablauf der
Grad der Zielerreichung durch den Aufsichtsrat festgestellt.
Langfristige variable Vergütung (LTI)
Den Mitgliedern des Vorstandes wird im Rahmen von Long-Term-Incentive-Plänen (kurz LTI-Plänen) eine langfristige
variable Vergütung gewährt. Bemessungsgrundlage für die Langfristvergütung im Allgemeinen ist die nachhaltige Steigerung
des Unternehmenswertes.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
101
Die Performance wird auf Basis der absoluten Entwicklung des Evonik-Aktienkurses sowie der relativen Entwicklung des
Evonik-Aktienkurses im Vergleich zum MSCI World Chemicals Index
SM
berechnet. Aus dem vertraglichen Zielwert in Form
eines Eurobetrags wird grundsätzlich zu Beginn des Performancezeitraums auf Basis des dann gegebenen Aktienkurses die
Anzahl der fiktiven Aktien ermittelt. Maßgeblich sind hierfür die letzten 60 Handelstage vor Beginn des
Performancezeitraums. Der Performancezeitraum beginnt stets am 1. Januar des Zuteilungsjahres und beträgt grundsätzlich
vier Jahre. Zum Ende des Performancezeitraums wird der Startkurs der Evonik-Aktie in Relation zum Durchschnittskurs der
Evonik-Aktie am Ende des Performancezeitraums zuzüglich tatsächlich gezahlter Dividenden je Aktie während des
Performancezeitraums gesetzt. Dem wird die Entwicklung des Vergleichsindex auf Total-Shareholder-Return-Basis
gegenübergestellt. Nach Ende des Performancezeitraums wird den Berechtigten das Ergebnis mitgeteilt. Diese haben die
Möglichkeit, den errechneten Auszahlungsbetrag anzunehmen oder den Performancezeitraum einmalig um ein Jahr zu
verlängern. In letzterem Fall erfolgt eine erneute Berechnung zum Ende des verlängerten Performancezeitraums.
Ab dem Jahr 2019 wird die Werthaltigkeit des LTI am Ende eines jeden Jahres des vierjährigen Performancezeitraums
gemessen, indem der Startkurs der Evonik-Aktie in Relation zum Durchschnittskurs der Evonik-Aktie zuzüglich tatsächlich
gezahlter Dividenden je Aktie während des Performancezeitraums gesetzt wird. Dem wird die jeweilige Entwicklung des
Vergleichsindex auf Total-Shareholder-Return-Basis gegenübergestellt. Die Möglichkeit, den Performancezeitraum zu
verlängern, entfällt.
Die relative Performance kann zwischen 70 Prozentpunkten und 130 Prozentpunkten betragen. Liegt das Ergebnis der
relativen Performance unter einem Wert von 70 Prozentpunkten, wird die relative Performance auf den Wert Null gesetzt.
Ergibt das Ergebnis der relativen Performance einen Wert von größer als 130 Prozentpunkten, wird die relative Performance
auf 130 Prozent festgelegt.
Die Berechnung des Auszahlungsbetrags ergibt sich aus der Multiplikation der relativen Performance mit der Anzahl der
zugeteilten fiktiven Aktien sowie dem Durchschnittskurs der Evonik-Aktie am Ende des Performancezeitraums. Ab dem Jahr
2019 wird die Gesamtperformance und damit der Auszahlungsbetrag am Ende der Laufzeit als Durchschnitt der einzelnen
Jahresergebnisse ermittelt. Der Auszahlungsgrad der Langfristvergütung ist nach oben begrenzt und kann maximal 300
Prozent des individuellen Zusagebetrags ergeben.
Die beizulegenden Zeitwerte der LTI-Tranchen 2015 bis 2020 zum Zeitpunkt der rechtsverbindlichen Zusage werden
in der nachfolgenden Tabelle dargestellt:
LTI-Tranchen
a
2015 2016 2017
Anzahl
fiktiver Aktien in Tausend €
Anzahl
fiktiver Aktien in Tausend €
Anzahl
fiktiver Aktien in Tausend €
Christian Kullmann 28.506 893 28.803 616 41.787 1.033
Dr. Harald Schwager - - - - 12.090 299
Thomas Wessel 28.506 893 23.637 505 27.203 672
Ute Wolf 28.506 893 23.637 505 27.203 672
Summe 85.518 2.679 76.077 1.626 108.283 2.676
2018
2019
2020
Anzahl
fiktiver Aktien in Tausend €
Anzahl
fiktiver Aktien in Tausend €
Anzahl
fiktiver Aktien in Tausend €
Christian Kullmann 39.949 1.018 64.504 1.429 65.372 1.303
Dr. Harald Schwager 31.959 814 46.912 1.039 47.544 948
Thomas Wessel 23.969 611 35.184 779 35.658 711
Ute Wolf 23.969 611 35.184 779 35.658 711
Summe 119.846 3.054 181.784 4.026 184.232 3.673
a
Der Zeitpunkt der rechtsverbindlichen Zusage entspricht dem Zeitpunkt der Gewährung.
102
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Der Gesamtaufwand 2020 aller LTI-Tranchen des Vorstandes beträgt 346 Tausend €. Im Einzelnen beträgt der Aufwand für
Herrn Kullmann 75 Tausend €, für Herrn Dr. Schwager 301 Tausend €, für Herrn Wessel -15 Tausend € sowie für Frau
Wolf -15 Tausend €.
Betriebliche Altersversorgung
Als Regelaltersversorgung ist ein beitragsorientiertes Altersversorgungssystem eingeführt. Es handelt sich dabei um ein
kapitalbasiertes, rückstellungsfinanziertes System. Als jährlicher Fixbeitrag des Unternehmens werden 15 Prozent der
Zielvergütung, das heißt der festen Jahresvergütung sowie der Zieltantieme (kurzfristige variable Vergütung bei 100 Prozent
Zielerreichung), gutgeschrieben. Die Garantieverzinsung beträgt jährlich 5 Prozent. Die Altersleistung besteht aus dem
aufgelaufenen Kontostand, der sich aus den gezahlten Beiträgen und Zinsen ergibt. Bei Tod oder Invalidität erfolgt eine
Hochrechnung des Kontostands einschließlich der Beiträge und Zinsen bis zum 55. Lebensjahr. Die Auszahlung erfolgt
grundsätzlich als lebenslange Rente. Abweichend dazu hat das Vorstandsmitglied die Wahl, dass ein Teilbetrag des
Versorgungsguthabens, maximal jedoch 50 Prozent des Versorgungsguthabens, in sechs bis zehn Raten ausgezahlt werden
kann. Sofern Vorstandsmitglieder aus ihrer Tätigkeit vor der Bestellung in den Vorstand über Versorgungsanwartschaften
verfügen, werden diese entweder in das System als Initialbaustein integriert oder getrennt weitergeführt. Bei Beendigung
des Vorstandsdienstvertrags vor Eintritt des Versorgungsfalles wird das Konto beitragsfrei gestellt, allerdings bis zum
Versorgungsfall verzinst, und zwar mit einem marktüblichen Zins, orientiert an der durchschnittlichen Verzinsung großer
deutscher Lebensversicherungsgesellschaften, mindestens jedoch mit 2,25 Prozent jährlich.
Die Mitglieder des Vorstandes haben nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen - bei Ausscheiden mit oder nach
Erreichen der individuell vereinbarten Regelaltersgrenze oder bei Ausscheiden wegen dauernder Dienstunfähigkeit - einen
Anspruch auf Ruhegeldzahlungen. Die Herren Kullmann und Wessel haben zusätzlich einen Anspruch auf Ruhegeldzahlung
ab einer unternehmensseitig veranlassten vorzeitigen Beendigung oder Nichtverlängerung der Vorstandstätigkeit, ohne dass
ein wichtiger Grund vorliegt. Dieser Anspruch besteht für Versorgungsanwartschaften, die diese vor der Bestellung zum
Vorstandsmitglied erworben hatten. Mit Dr. Harald Schwager ist eine vom Altersversorgungssystem abweichende Regelung
vereinbart worden. Er erhält eine Ruhegeldzusage in Höhe von 40 Tausend € jährlicher, lebenslanger Rente für jedes volle
Dienstjahr. Jedes anteilige Dienstjahr wird ratierlich berücksichtigt.
Im laufenden Jahr wurde für die Vorstandsmitglieder ein Dienstzeitaufwand in Höhe von insgesamt 2.321 Tausend €
(Vorjahr: 2.066 Tausend €) nach HGB bzw. 2.849 Tausend € (Vorjahr: 2.540 Tausend €) nach IFRS aufwandswirksam
berücksichtigt. Der Dienstzeitaufwand für die Pensionszusagen weicht aufgrund unterschiedlicher Bewertungsansätze für
den Erfüllungsbetrag der Pensionsverpflichtungen nach HGB sowie für den Barwert der Pensionsverpflichtungen nach IFRS
voneinander ab.
Die Pensionsverpflichtungen in Höhe ihrer Barwerte beliefen sich für den Vorstand nach HGB auf 22.354 Tausend €
(Vorjahr: 17.844 Tausend €) bzw. nach IFRS auf 29.820 Tausend € (Vorjahr: 23.998 Tausend €).
Dienstzeitaufwand und Barwert der Pensionsverpflichtungen
HGB IFRS
Dienstzeitaufwand
Erfüllungsbetrag der Pensions-
verpflichtung zum 31.12. Dienstzeitaufwand
Barwert der Pensionsver-
pflichtung (DBO) zum 31.12.
in Tausend € 2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Christian Kullmann 682 751 7.009 8.706 814 960 9.794 12.079
Dr. Harald Schwager 727 810 1.852 2.893 878 972 2.363 3.659
Thomas Wessel 321 392 5.928 6.938 442 460 7.658 8.895
Ute Wolf 336 368 3.055 3.817 406 457 4.183 5.187
Summe 2.066 2.321 17.844 22.354 2.540 2.849 23.998 29.820
EVONIK LAGEBERICHT 2020
103
Für Pensionsverpflichtungen gegenüber früheren Mitgliedern des Vorstandes und ihren Hinterbliebenen bestanden zum
Bilanzstichtag Rückstellungen in Höhe von 68.420 Tausend € (Vorjahr: 65.314 Tausend €) nach HGB bzw. in Höhe von
90.170 Tausend € (Vorjahr: 86.502 Tausend €) nach IFRS.
Festlegung der Maximalvergütung
Die Maximalvergütung ist für die Mitglieder des Vorstandes wie folgt festgelegt worden und orientiert sich an den jeweils
maximal möglichen erfolgsunabhängigen und -abhängigen Vergütungskomponenten inklusive des Dienstzeitaufwands für
die betriebliche Altersversorgung:
Vorstandsvorsitzender: 9.700 Tausend €
Stellvertretender Vorsitzender: 7.200 Tausend €
Personalvorstand: 5.200 Tausend €
Finanzvorstand: 5.200 Tausend €
Die Vergütung der einzelnen Vorstandsmitglieder lag im Geschäftsjahr 2020 unterhalb dieser Maximalvergütung und ist
detailliert im Kapitel „Gewährte Zuwendungen und Zufluss“ in diesem Bericht dargestellt.
Erläuterungen zur Vergütungsfestsetzung
Die Vergütung wird regelmäßig durch den Aufsichtsrat überprüft, der sich hierbei bei Bedarf auf eingeholte
Vergütungsgutachten unabhängiger Berater stützt. Im Rahmen dieser Überprüfung wird sowohl die Vergütungsstruktur als
auch die Höhe der Vorstandsvergütung insbesondere im Vergleich zum externen Markt (horizontale Angemessenheit) sowie
zu den sonstigen Vergütungen im Unternehmen (vertikale Angemessenheit) gewürdigt. Für den externen Vergleich werden
hierbei Peergroups herangezogen, die zum einen aus vergleichbaren Unternehmen im Geschäftsfeld Chemie, zum anderen
aus Unternehmen des MDAX/DAX zusammengestellt sind. Bei der vertikalen Angemessenheit wird unternehmensintern
die Relation der Vorstandsvergütung zur durchschnittlichen Vergütung der ersten Konzernebene sowie zur Vergütung der
Gesamtbelegschaft ermittelt und diese Relation mit der zuvor genannten Peergroup verglichen und auf
Marktangemessenheit geprüft, wobei auch die zeitliche Entwicklung der Vergütung berücksichtigt wird. Der Aufsichtsrat
legt fest, wie der obere Führungskreis und die relevante Belegschaft abzugrenzen sind und wie die Vergütung im Vergleich
dazu beurteilt wird. Sollte sich hieraus die Notwendigkeit einer Veränderung des Vergütungssystems, der
Vergütungsstruktur oder der Vergütungshöhe ergeben, macht der Präsidialausschuss des Aufsichtsrates dem Aufsichtsrat
entsprechende Vorschläge zur Beschlussfassung. Soweit der Aufsichtsrat einen externen Vergütungsexperten heranzieht,
achtet er auf dessen Unabhängigkeit. Im Geschäftsjahr 2020 erfolgte eine externe Überprüfung des Vergütungssystems auf
Angemessenheit. Die Angemessenheit der Vergütung wurde im Gutachten bestätigt.
Abfindungs-Cap bei vorzeitiger Beendigung der Vorstandstätigkeit
Entsprechend dem Deutschen Corporate Governance Kodex sehen die Dienstverträge aller Vorstandsmitglieder eine
generelle Begrenzung einer etwaigen Abfindung (Abfindungs-Cap) vor, nach der Zahlungen an ein Vorstandsmitglied bei
vorzeitiger Beendigung der Vorstandstätigkeit den Wert von zwei Jahresvergütungen einschließlich variabler
Vergütungsbestandteile nicht überschreiten, keinesfalls aber mehr als die Restlaufzeit des Dienstvertrags vergüten dürfen.
Für den Fall einer Vertragsbeendigung aus einem von dem Vorstandsmitglied zu vertretenden wichtigen Grund sehen die
Dienstverträge keine Abfindung vor. Bei der Berechnung dieses Abfindungs-Caps ist auf die Gesamtvergütung einschließlich
Nebenleistungen des abgelaufenen Geschäftsjahres und gegebenenfalls auch auf die voraussichtliche Gesamtvergütung für
das laufende Geschäftsjahr abzustellen.
104
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Nachvertragliche Wettbewerbsverbote
Nachvertragliche Wettbewerbsverbote sind mit dem Vorstand nicht vereinbart.
Aktienhaltevorschriften (Share Ownership Guidelines)
Die Vorstände sind vertraglich verpflichtet, innerhalb von drei Jahren ab 2019 bzw. ab Erstbestellung Evonik-Aktien im
Gegenwert von mindestens 100 Prozent der jährlichen Festvergütung auf eigene Rechnung zu erwerben und für die Dauer
der Vorstandstätigkeit zu halten.
Claw-back-Klausel
Für den Fall von schwerwiegenden Verstößen des Vorstandsmitglieds gegen seine gesetzlichen Pflichten oder gegen
unternehmensinterne Verhaltensrichtlinien wird in die Vorstandsverträge zukünftig die vertragliche Möglichkeit eingeführt,
die für den jeweiligen Bemessungszeitraum ausgezahlten variablen Vergütungsbestandteile vom Vorstandsmitglied ganz
oder teilweise zurückzufordern bzw. einzubehalten (sogenannte Claw-back-Klausel).
Vergütung des Vorstandes im Geschäftsjahr 2020
Die Gesamtbezüge des Vorstandes für die Tätigkeit im Geschäftsjahr 2020 belaufen sich inklusive Mandatsbezügen auf
11.001 Tausend € (2019: 12.387 Tausend €). Im laufenden Geschäftsjahr sind hierin Zahlungen in Höhe von 40 Tausend €
für Tantiemen des Vorjahres enthalten, die in der Rückstellung für das Jahr 2019 nicht gebildet waren.
Die folgende Tabelle zeigt die Vergütung für das Jahr 2020 auf Basis der geschilderten Grundsätze für die einzelnen
Vorstandsmitglieder.
Vergütung des Vorstandes
Erfolgsunabhängige Vergütung Erfolgsabhängige Vergütung
Festvergütung
Sachbezüge und
sonstige
Nebenleistungen Jahrestantieme LTI
a
Gesamtbezüge nach
DRS 17
in Tausend € 2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Christian Kullmann 1.400 1.400 59 61 1.521 1.155 1.429 1.303 4.409 3.919
Dr. Harald Schwager 1.130 1.130 222 272 805 490 1.039 948 3.196 2.840
Thomas Wessel 800 800 227 281 597 341 779 711 2.403 2.133
Ute Wolf 800 800 113 137 687 461 779 711 2.379 2.109
Summe 4.130 4.130 621 751 3.610 2.447 4.026 3.673 12.387 11.001
a
Beizulegender Zeitwert zum Zeitpunkt der rechtsverbindlichen Zusage bzw. zum Gewährungszeitpunkt.
Kein Mitglied des Vorstandes hat im abgelaufenen Geschäftsjahr Leistungen oder entsprechende Zusagen von einem Dritten
im Hinblick auf seine Tätigkeit als Vorstandsmitglied erhalten. Darüber hinaus bestanden zum 31. Dezember 2020 keine
Vorschüsse und Kredite an Mitglieder des Vorstandes.
Schließlich besteht zugunsten der Mitglieder des Vorstandes eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, welche die
Haftungsrisiken aus der Organtätigkeit abdeckt. Diese sieht für den Versicherungsfall einen Selbstbehalt in Höhe von
10 Prozent des Schadens bis zur Höhe des Eineinhalbfachen der festen jährlichen Vergütung des Vorstandsmitglieds vor.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
105
Gewährte Zuwendungen und Zufluss
Gewährte Zuwendungen
Christian Kullmann Dr. Harald Schwager
Vorsitzender des Vorstandes Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes
in Tausend € 2019 2020 2020 (Min.) 2020 (Max.) 2019 2020 2020 (Min.) 2020 (Max.)
Festvergütung 1.400 1.400 1.400 1.400 1.130 1.130 1.130 1.130
Nebenleistungen 59 61 61 61 222 272 272 272
Summe 1.459 1.461 1.461 1.461 1.352 1.402 1.402 1.402
Einjährige variable
Vergütung 1.200
1.200 – 2.400 750 750 – 1.500
Mehrjährige variable
Vergütung 1.429
1.303 – 4.950 1.039 948 – 3.600
LTI 2019 bis 2022 1.429 – – – 1.039 – – –
LTI 2020 bis 2023 – 1.303 – 4.950 – 948 – 3.600
Summe variable
Vergütung 2.629
2.503 – 7.350 1.789 1.698 – 5.100
Versorgungsaufwand
(Service Cost) 814
960 960 960 878 972 972 972
Gesamtvergütung 4.902 4.924 2.421 9.771 4.019 4.072 2.374 7.474
Thomas Wessel Ute Wolf
Personalvorstand/Arbeitsdirektor Finanzvorstand
in Tausend € 2019 2020 2020 (Min.) 2020 (Max.) 2019 2020 2020 (Min.) 2020 (Max.)
Festvergütung 800 800 800 800 800 800 800 800
Nebenleistungen 227 281 281 281 113 137 137 137
Summe 1.027 1.081 1.081 1.081 913 937 937 937
Einjährige variable
Vergütung 600
600 – 1.200 600 600 – 1.200
Mehrjährige variable
Vergütung 779
711 – 2.700 779 711 – 2.700
LTI 2019 bis 2022 779 – – – 779 – – –
LTI 2020 bis 2023 – 711 – 2.700 – 711 – 2.700
Summe variable
Vergütung 1.379
1.311 – 3.900 1.379 1.311 – 3.900
Versorgungsaufwand
(Service Cost) 442
460 460 460 406 457 457 457
Gesamtvergütung 2.848 2.852 1.541 5.441 2.698 2.705 1.394 5.294
106
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Zufluss
Christian Kullmann
Vorsitzender des Vorstandes
Dr. Harald Schwager
Stellvertretender Vorsitzender
des Vorstandes
Thomas Wessel
Personalvorstand/
Arbeitsdirektor
Ute Wolf
Finanzvorstand
in Tausend € 2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Festvergütung 1.400 1.400 1.130 1.130 800 800 800 800
Nebenleistungen 59 61 222 272 227 281 113 137
Summe 1.459 1.461 1.352 1.402 1.027 1.081 913 937
Einjährige variable
Vergütung
a,b,c
1.335 1.140 655 480 488 334 578 454
Mehrjährige variable
Vergütung 620
– – – 620 – 620 –
LTI 2015 bis 2018 620 – – – 620 – 620 –
LTI 2016 bis 2019 – – – – – – – –
Summe variable
Vergütung 1.955
1.140 655 480 1.108 334 1.198 454
Versorgungsaufwand
(Service Cost) 814
960 878 972 442 460 406 457
Gesamtvergütung 4.228 3.561 2.885 2.854 2.577 1.875 2.517 1.848
a
Mandatsbezüge werden teilweise mit der einjährigen variablen Vergütung verrechnet, die in den Nebenleistungen enthalten ist; 2019: Schwager 180 Tausend €, Wessel
180 Tausend €, Wolf 90 Tausend €; 2020: Schwager 233 Tausend €, Wessel 236 Tausend €, Wolf 116 Tausend €.
b
Einjährige variable Vergütung 2019 entspricht dem tatsächlichen Auszahlungswert 2020 für das Geschäftsjahr 2019 (Abweichung tatsächliche Auszahlung zum Ausweis der
Schätzung im Vergütungsbericht 2019 korrigiert).
c
Einjährige variable Vergütung 2020 noch nicht abschließend festgelegt, Schätzung beruht auf den für die Rückstellungen getroffenen Annahmen.
Frühere Mitglieder des Vorstandes
Die Gesamtbezüge für frühere Mitglieder des Vorstandes und ihre Hinterbliebenen beliefen sich für das Geschäftsjahr 2020
auf 2.848 Tausend € (2019: 2.849 Tausend €).
Vergütungssystem des Aufsichtsrates
Die Vergütung des Aufsichtsrates wird in § 15 der Satzung der Gesellschaft geregelt. Das Vergütungssystem trägt der
Verantwortung und dem Tätigkeitsumfang der Aufsichtsratsmitglieder Rechnung. Der Aufsichtsrat leistet durch die ihm
obliegende Überwachung der Geschäftsführung des Vorstandes einen Beitrag zur Förderung der Geschäftsstrategie und zur
langfristigen Entwicklung der Gesellschaft. Die Mitglieder des Aufsichtsrates erhalten neben der Erstattung ihrer baren
Auslagen und der jeweils auf die Vergütung und die Auslagen anfallenden Umsatzsteuer jeweils eine feste jährliche
Vergütung. Eine variable Vergütungskomponente ist nicht vorhanden. Aufgrund der besonderen Natur der
Aufsichtsratsvergütung, die für die Tätigkeit gewährt wird, die sich grundlegend von der Tätigkeit der Arbeitnehmer und
des Konzerns unterscheidet, kommt ein sogenannter vertikaler Vergleich mit der Arbeitnehmervergütung nicht in Betracht.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
107
Die feste jährliche Vergütung unterscheidet sich in der Höhe für den Vorsitzenden (250 Tausend €), seinen Stellvertreter
(175 Tausend €) sowie die übrigen Mitglieder (100 Tausend €). Der Vorsitzende des Präsidialausschusses erhält eine
zusätzliche Vergütung von 60 Tausend €, der stellvertretende Vorsitzende von 45 Tausend € und die übrigen Mitglieder je
35 Tausend €. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses erhält eine zusätzliche Vergütung von 90 Tausend €, der
stellvertretende Vorsitzende von 60 Tausend € und die übrigen Mitglieder von je 50 Tausend €. Der Vorsitzende des Finanz-
und Investitionsausschusses erhält eine zusätzliche Vergütung von 60 Tausend €, der stellvertretende Vorsitzende von
45 Tausend € und die übrigen Mitglieder von je 35 Tausend €. Die Vorsitzende des Innovations- und Forschungsausschusses
erhält eine zusätzliche Vergütung von 30 Tausend €, der stellvertretende Vorsitzende von 20 Tausend € und die übrigen
Mitglieder von je 15 Tausend €. Die Vorsitzenden des Nominierungsausschusses und des Vermittlungsausschusses erhalten
eine zusätzliche Vergütung von je 20 Tausend €, die stellvertretenden Vorsitzenden von je 10 Tausend € und die übrigen
Mitglieder von je 10 Tausend €. Ein Anspruch auf die zusätzliche Vergütung für die Tätigkeit im Vermittlungsausschuss
besteht nur, wenn der Ausschuss tatsächlich innerhalb des Geschäftsjahres zusammengetreten ist.
Darüber hinaus erhalten die Mitglieder des Aufsichtsrates für jede Sitzung des Aufsichtsrates und seiner Ausschüsse, an
der sie teilgenommen haben, ein Tagesgeld in Höhe von 1 Tausend €. Sofern an einem Tag mehrere Sitzungen stattfinden,
wird nur ein Tagesgeld gezahlt.
Für Aufsichtsratsmitglieder, die dem Aufsichtsrat nur während eines Teils des jeweiligen Geschäftsjahres angehören,
wird die Vergütung zeitanteilig gewährt. Entsprechendes gilt für die Erhöhung der Vergütung für den Vorsitzenden des
Aufsichtsrates und seinen Stellvertreter sowie für die Erhöhung der Vergütung für Mitgliedschaft und Vorsitz in einem
Aufsichtsratsausschuss.
108
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Vergütung des Aufsichtsrates
Feste Vergütung
Vergütung für
Ausschusstätigkeiten Tagungsgelder Summe
in Tausend € 2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Martin Albers 100 100 70 70 9 10 179 180
Prof. Dr. Barbara Albert 100 100 30 30 6 6 136 136
J
ens Barnhusen 100 100 35 50 9 4 144 154
Prof. Aldo Belloni 100 100 35 44 9 9 144 153
Birgit Biermann (ab 01.09.20) – 33 – 20 – 3 – 56
Hussin El Moussaoui (ab
12.12.19) 8
100 1 15 – 6 9 121
Karin Erhard 100 125 60 79 10 7 170 211
Carmen Fuchs (bis 11.12.19) 100 – 15 – 6 – 121 –
Edeltraud Glänzer (bis
31.08.20) 175
117 90 60 8 5 273 182
Prof. Dr. Barbara Grunewald 100 100 50 50 10 8 160 158
Michael Hofmann (bis
30.04.19) 33
– 17 – 1 – 51 –
Martin Kubessa 100 100 – – 5 4 105 104
Frank Löllgen 100 100 55 55 9 5 164 160
Dr. Siegfried Luther 100 100 90 90 10 8 200 198
Martina Reisch (ab 13.05.19) 67 100 9 15 5 6 81 121
Michael Rüdiger 100 100 60 60 9 8 169 168
Dr. Thomas Sauer 100 100 50 50 10 8 160 158
Peter Spuhler 100 100 – – 4 3 104 103
Anke Strüber-Hummelt 100 100 35 35 9 8 144 143
Angela Titzrath 100 100 50 50 6 7 156 157
Bernd Tönjes 250 250 130 130 12 15 392 395
Dr. Volker Trautz 100 100 60 60 8 9 168 169
Ulrich Weber 100 100 45 45 8 8 153 153
Summe 2.233 2.225 987 1.008 163 147 3.383 3.380
Die Aufsichtsratsvergütung sowie die Tagesgelder für die Jahre 2019 und 2020 wurden aufwandsbezogen in die Darstellung
einbezogen. Für die in den Jahren 2019 und 2020 ausgeschiedenen bzw. eingetretenen Aufsichtsratsmitglieder wurden die
Werte zeitanteilig ermittelt.
Zum 31. Dezember 2020 bestanden keine Vorschüsse und Kredite an Mitglieder des Aufsichtsrates. Darüber hinaus
haben die Aufsichtsratsmitglieder im Jahr 2020 keine Vergütungen für persönlich erbrachte Leistungen, insbesondere
Beratungs- und Vermittlungsleistungen, erhalten.
Schließlich besteht zugunsten der Mitglieder des Aufsichtsrates eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, welche
die Haftungsrisiken aus der Organtätigkeit abdeckt. Diese sieht für den Versicherungsfall einen Selbstbehalt in Höhe von
10 Prozent des Schadens bis zur Höhe des Eineinhalbfachen der festen jährlichen Vergütung des Aufsichtsratsmitglieds vor.
EVONIK LAGEBERICHT 2020
109
Angaben gemäß §§ 289a, 315a HGB und
erläuternder Bericht des Vorstandes gemäß
§ 176 Abs. 1 AktG
67
Zusammensetzung des gezeichneten Kapitals
Das Grundkapital der Evonik Industries AG beträgt 466.000.000 € und ist eingeteilt in 466.000.000 nennbetragslose, auf
den Namen lautende Stückaktien. Jede Aktie gewährt ein Stimmrecht. Der Anspruch des Aktionärs auf Verbriefung seines
Anteils ist gemäß § 5 Abs. 2 der Satzung ausgeschlossen, soweit nicht eine Verbriefung nach den Regeln erforderlich ist, die
an einer Börse gelten, an der die Aktie zugelassen ist. Verschiedene Aktiengattungen oder Aktien mit Sonderrechten
bestehen nicht.
Beschränkungen, die Stimmrechte oder die Übertragung von Aktien betreffen
Im Rahmen der von Evonik durchgeführten Mitarbeiter-Aktienprogramme bestehen für teilnehmende Mitarbeiter zeitliche
Verfügungsbeschränkungen an Aktien, insbesondere jeweils eine Haltefrist bis zum Ende des übernächsten, auf die Zuteilung
folgenden Kalenderjahres. Weitere Beschränkungen, die Stimmrechte oder die Übertragung von Aktien betreffen, sind dem
Vorstand nicht bekannt.
Direkte oder indirekte Beteiligungen am Kapital, die 10 Prozent der Stimmrechte überschreiten
Nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) hat jeder Aktionär, der durch Erwerb, Veräußerung oder sonstige Weise
bestimmte Anteile an Stimmrechten der Gesellschaft erreicht, überschreitet oder unterschreitet, dies der Gesellschaft und
der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mitzuteilen. Die relevanten Schwellen betragen gemäß
§ 33 Abs. 1 WpHG 3, 5, 10, 15, 20, 25, 30, 50 und 75 Prozent der Stimmrechte an der Gesellschaft. Stimmrechts-
veränderungen, die zwischen den genannten Schwellen liegen, unterliegen nicht der Meldepflicht nach dem WpHG, sodass
die nachfolgenden Angaben von aktuelleren Darstellungen zur Aktionärsstruktur abweichen können. Eine Darstellung
sämtlicher der Evonik Industries AG gemäß § 33 WpHG gemeldeten Stimmrechtsmitteilungen befindet sich gemäß
§ 160 Abs. 1 Nr. 8 AktG im Anhang des Jahresabschlusses der Gesellschaft.
Nach §§ 289a S. 1 Nr. 3, 315a S. 1 Nr. 3 HGB sind alle direkten und indirekten Beteiligungen anzugeben, die 10 Prozent
der Stimmrechte überschreiten. Zum 31. Dezember 2020 bestand mit der RAG-Stiftung, Essen, nur noch eine dem Vorstand
der Gesellschaft gemeldete direkte Beteiligung am Kapital, die 10 Prozent der Stimmrechte überschreitet. Weitere direkte
oder indirekte Beteiligungen am Grundkapital der Gesellschaft, die 10 Prozent der Stimmrechte überschreiten, sind dem
Vorstand nicht bekannt.
Art der Stimmrechtskontrolle im Fall von Arbeitnehmerbeteiligungen
Im Rahmen von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen werden Arbeitnehmer Aktionäre der Gesellschaft. Es besteht die
Möglichkeit, dass am Kapital der Gesellschaft beteiligte Arbeitnehmer ihre Kontrollrechte nicht selbst ausüben, sondern auf
einen ihre Interessen wahrnehmenden Mitarbeiteraktionärsverein übertragen. Zum Stichtag waren 104.946 Stimmrechte
auf den Mitarbeiteraktionärsverein übertragen.
67
Dieser Bericht ist Bestandteil des geprüften zusammengefassten Lageberichts.
110
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Ernennung und Abberufung der Vorstandsmitglieder, Satzungsänderungen
Die Ernennung und Abberufung der Mitglieder des Vorstandes der Evonik Industries AG richtet sich nach den §§ 84 AktG,
31 MitbestG in Verbindung mit § 6 der Satzung. Gemäß § 6 der Satzung besteht der Vorstand aus mindestens zwei Personen;
im Übrigen legt der Aufsichtsrat die Anzahl der Vorstandsmitglieder fest.
Änderungen der Satzung werden grundsätzlich durch die Hauptversammlung beschlossen. Nach § 20 Abs. 2 der Satzung
wird der Beschluss, soweit nicht zwingende gesetzliche Vorschriften entgegenstehen, mit einfacher Mehrheit der
abgegebenen Stimmen und, soweit das Gesetz außer der Stimmenmehrheit eine Kapitalmehrheit vorschreibt, mit der
einfachen Mehrheit des bei der Beschlussfassung vertretenen Grundkapitals gefasst. Nach § 11 Abs. 7 der Satzung ist der
Aufsichtsrat ermächtigt, Satzungsänderungen zu beschließen, die nur die Fassung betreffen. Der Beschluss erfolgt mit
einfacher Mehrheit.
Befugnisse des Vorstandes, insbesondere zur Aktienausgabe und zum Aktienrückkauf
Mit Beschluss der Hauptversammlung vom 31. August 2020 wurde der Vorstand ermächtigt, mit Zustimmung des
Aufsichtsrates bis zum 30. August 2025 Aktien der Gesellschaft im Umfang von bis zu 10 Prozent des Grundkapitals zu
erwerben. Die aufgrund dieser Ermächtigung erworbenen Aktien dürfen zusammen mit anderen Aktien der Gesellschaft,
welche die Gesellschaft bereits erworben hat und noch besitzt oder die ihr gemäß §§ 71d und 71e AktG zuzurechnen sind,
zu keinem Zeitpunkt mehr als 10 Prozent des Grundkapitals ausmachen. Der Erwerb darf nicht zum Zweck des Handels in
eigenen Aktien erfolgen. Der Erwerb kann unter Wahrung des Gleichbehandlungsgrundsatzes (§ 53a AktG) über die Börse
sowie mittels eines an alle Aktionäre gerichteten öffentlichen Kauf- oder Aktientauschangebots erfolgen, bei dem –
vorbehaltlich eines im Einzelfall zugelassenen Ausschlusses des Andienungsrechts – ebenfalls der Gleichbehandlungs-
grundsatz (§ 53a AktG) zu beachten ist. Die von der Hauptversammlung am 18. Mai 2016 beschlossene Ermächtigung des
Vorstandes zum Erwerb eigener Aktien wurde aufgehoben.
Mit Beschluss der Hauptversammlung vom 23. Mai 2018 wurde § 4 Abs. 6 der Satzung geändert, wonach der Vorstand
ermächtigt ist, das Grundkapital der Gesellschaft mit Zustimmung des Aufsichtsrates in der Zeit bis zum 22. Mai 2023 um
bis zu 116.500.000 € zu erhöhen (Genehmigtes Kapital 2018). Von der Ermächtigung kann ein- oder mehrmals in
Teilbeträgen Gebrauch gemacht werden. Die Ausgabe kann gegen Bar- und/oder Sacheinlagen erfolgen. Der Vorstand ist
ermächtigt, mit Zustimmung des Aufsichtsrates das gesetzliche Bezugsrecht der Aktionäre bei Ausgabe der neuen Aktien in
folgenden Fällen auszuschließen:
Bei Kapitalerhöhungen gegen Sacheinlagen,
wenn die Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen erfolgt und der auf die neuen Aktien insgesamt entfallende
anteilige Betrag am Grundkapital 10 Prozent des Grundkapitals nicht überschreitet und der Ausgabebetrag der
neuen Aktien den Börsenpreis der bereits börsennotierten Aktien nicht wesentlich unterschreitet,
zum Ausschluss von Spitzenbeträgen, die sich aufgrund des Bezugsverhältnisses ergeben,
soweit es erforderlich ist, um den Inhabern und/oder Gläubigern von Wandlungs- und/oder Optionsrechten
bzw. den Schuldnern von Wandlungs- und/oder Optionspflichten ein Bezugsrecht auf neue Aktien in dem
Umfang zu gewähren, wie es ihnen nach Ausübung der Wandlungs- und/oder Optionsrechte bzw. nach
Erfüllung der Wandlungs- und/oder Optionspflichten zustehen würde,
zur Gewährung von Belegschaftsaktien, wenn der auf die neuen Aktien, für die das Bezugsrecht ausgeschlossen
wird, insgesamt entfallende anteilige Betrag am Grundkapital 1 Prozent des Grundkapitals nicht überschreitet,
zur Durchführung einer sogenannten Aktiendividende (Scrip Dividend).
EVONIK LAGEBERICHT 2020
111
Der auf neue Aktien, für die das Bezugsrecht ausgeschlossen wird, insgesamt entfallende anteilige Betrag am Grundkapital
zusammen mit dem anteiligen Betrag am Grundkapital, der auf eigene Aktien oder auf Wandlungs- und/oder Optionsrechte
bzw. -pflichten aus Schuldverschreibungen entfällt, die nach dem 23. Mai 2018 unter Bezugsrechtsausschluss veräußert
bzw. ausgegeben worden sind, darf 20 Prozent des Grundkapitals nicht überschreiten. Als Bezugsrechtsausschluss ist es auch
anzusehen, wenn die Veräußerung bzw. Ausgabe in entsprechender oder sinngemäßer Anwendung von
§ 186 Abs. 3 Satz 4 AktG erfolgt.
Der Vorstand ist ermächtigt, mit Zustimmung des Aufsichtsrates die weiteren Einzelheiten der Durchführung von
Kapitalerhöhungen aus dem Genehmigten Kapital 2018 festzulegen. Das genehmigte Kapital wurde bislang nicht in
Anspruch genommen.
Im Zusammenhang mit einer Ermächtigung vom 23. Mai 2018 zur Ausgabe von Options- und/oder Wandelanleihen von bis
zu 1,25 Milliarden € bis zum 22. Mai 2023 ist das Grundkapital um weitere bis zu 37.280.000 € bedingt erhöht (Bedingtes
Kapital 2018). Die bedingte Kapitalerhöhung wird nur insoweit durchgeführt, wie die Inhaber oder Gläubiger von Options-
oder Wandlungsrechten bzw. die Schuldner von Options- bzw. Wandlungspflichten aus Options- und/oder
Wandelanleihen, die aufgrund der von der Hauptversammlung vom 23. Mai 2018 beschlossenen Ermächtigung ausgegeben
bzw. garantiert werden, von ihren Options- bzw. Wandlungsrechten Gebrauch machen bzw. ihren Options- bzw.
Wandlungspflichten nachkommen und soweit nicht andere Erfüllungsformen eingesetzt werden. Die neuen Aktien nehmen
vom Beginn des Geschäftsjahres an, in dem sie entstehen, am Gewinn teil.
Wesentliche Vereinbarungen der Gesellschaft, die unter der Bedingung eines Kontrollwechsels
infolge eines Übernahmeangebots stehen
Die Evonik Industries AG ist Vertragspartei folgender Vereinbarungen, die unter der Bedingung eines Kontrollwechsels
infolge eines Übernahmeangebots stehen:
Die Gesellschaft hat 2017 mit ihrem Kernbankenkreis eine syndizierte Kreditlinie über 1,75 Milliarden €
abgeschlossen, welche bis zum 31. Dezember 2020 nicht in Anspruch genommen worden ist. Die kredit-
gewährenden Banken können die Kreditlinie im Falle eines Kontrollwechsels infolge eines Übernahmeangebots
kündigen. Dieser besteht nach den Bedingungen dann, wenn ein neuer Großaktionär (mit Ausnahme von RAG-
Stiftung und ihren Tochtergesellschaften) direkt oder indirekt – auch im Rahmen einer Stimmrechtsvereinbarung
mit einem oder mehreren anderen Aktionären (gemäß § 30 Abs. 2 WpÜG) – mehr als 50 Prozent der
Stimmrechte an der Evonik Industries AG erwirbt.
Die Gesellschaft hat ein Emissionsprogramm für die Begebung von Anleihen (Debt-Issuance-Programm) von bis
zu 5 Milliarden € aufgelegt. Hierunter wurden bis zum 31. Dezember 2020 vier Anleihen im Gesamtvolumen
von 2,5 Milliarden € begeben. Die Anleihebedingungen enthalten eine Kontrollwechsel-Klausel. Gläubigern der
Anleihe steht für den Fall eines Kontrollwechsels aufgrund eines Übernahmeangebots und einer sich innerhalb
von 90 Tagen nach dem Eintritt des Kontrollwechsels anschließenden Verschlechterung des Kreditratings der
Evonik Industries AG in den Non-Investment-Grade-Bereich aufgrund des Kontrollwechsels das Recht zu, von
Evonik Industries AG die Rückzahlung der Schuldverschreibungen zum Nennbetrag zuzüglich aufgelaufener
Zinsen zu verlangen. Ein Kontrollwechsel gilt als eingetreten, wenn eine Person (außer der RAG-Stiftung oder
einer (direkten oder indirekten) Tochtergesellschaft der RAG-Stiftung) oder Personen, die ihr Verhalten
aufeinander abgestimmt haben, direkt oder indirekt mehr als 50 Prozent der Stimmrechte an der Evonik
Industries AG erwerben.
Die Gesellschaft hat 2017 eine Hybridanleihe über 500 Millionen € emittiert. Tritt ein Kontrollwechsel ein und
werden innerhalb des festgelegten Kontrollwechselzeitraums sämtliche vorher für die Gesellschaft vergebene
112
LAGEBERICHT 2020
EVONIK
Ratings der Ratingagenturen zurückgezogen oder in den Non-Investment-Grade-Bereich herabgestuft, hat die
Evonik Industries AG das Recht, die Anleihe innerhalb einer festgelegten Frist zu kündigen. Erfolgt keine
Kündigung, erhöht sich der für die Zinszahlung auf die Anleihe anwendbare Zinssatz um 5 Prozentpunkte p. a.
Die Gesellschaft hat 2020 revolvierende Kreditverträge über jeweils 100 Millionen € mit der DZ Bank AG, der
BNP Paribas S. A. Niederlassung Deutschland sowie der Mizuho Bank, Ltd. Filiale Frankfurt („Kreditgeber“) zur
allgemeinen Betriebsmittelfinanzierung abgeschlossen. Die Kreditgeber haben das Recht, die Kreditverträge im
Falle eines Kontrollwechsels („Change-of-Control“) innerhalb festgelegter Fristen zu kündigen und die
ausstehenden Beträge fällig zu stellen. Nach dem Kreditvertrag liegt ein Kontrollwechsel vor, wenn eine Person
(außer der RAG-Stiftung, Essen, oder deren direkte oder indirekte Tochtergesellschaften) oder Personen, die ihr
Verhalten aufeinander abgestimmt haben, direkt oder indirekt mehr als 50 Prozent der Stimmrechte an der
Evonik Industries AG erwerben.
Entschädigungsvereinbarungen der Gesellschaft, die für den Fall eines Übernahmeangebots mit den
Mitgliedern des Vorstandes oder Arbeitnehmern getroffen sind
Kontrollwechsel-Vereinbarungen sind mit den Mitgliedern des Vorstandes allein im Rahmen der Langfristvergütung
getroffen. Als Kontrollwechsel gelten dabei die Fälle, in denen ein anderes Unternehmen die Kontrolle im Sinne des
Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes (WpÜG) über die Evonik Industries AG erlangt oder sich der Aktionärskreis
der Gesellschaft aufgrund einer Verschmelzung oder eines vergleichbaren Umwandlungs- bzw. Zusammenschlussvorgangs
wesentlich verändert. In diesem Fall wird der Auszahlungsbetrag der Langfristvergütung umgehend zeitratierlich, das heißt
in Relation des Zeitraums von der Zuteilung bis zum Ereignis im Vergleich zur Gesamtlaufzeit von vier Jahren, ermittelt und
zum nächsten regulären Zeitpunkt der Entgeltabrechnung auf das Gehaltskonto der Berechtigten überwiesen.
EVONIK 2020
STAND: FINAL DRAFT– 19.02.2021
113
114
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Konzernabschluss
Gewinn- und Verlustrechnung 115
Gesamtergebnisrechnung 116
Bilanz 117
Eigenkapitalveränderungsrechnung 118
Kapitalflussrechnung 119
Anhang 120
Segmentberichterstattung 120
Allgemeine Informationen 122
Grundlagen der Abschlussaufstellung 122
Veränderungen im Konzern 127
Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung 138
Erläuterungen zur Bilanz 148
Erläuterungen zur Kapitalflussrechnung 177
Erläuterungen zur Segmentberichterstattung 179
Weitere Angaben 183
Angaben nach nationalen Vorschriften 212
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
115
Gewinn- und Verlustrechnung
in Millionen € Anhang 2019 2020
Umsatzerlöse 5.1 13.10813.108
12.199
Kosten der umgesetzten Leistungen 5.2 -9.413 -8.833
Bruttoergebnis vom Umsatz 3.695 3.366
Vertriebskosten 5.2 -1.511 -1.4981.498
Forschungs- und Entwicklungskosten 5.2 -428 -433
Allgemeine Verwaltungskosten 5.2 -568 -502
Sonstige betriebliche Erträge 5.3 359 345
Sonstige betriebliche Aufwendungen 5.3 -466466 -474
Ergebnis aus at Equity bilanzierten Unternehmen 5.4 5 15
Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern fortgeführter Aktivitäten 1.0861.086 819
Zinserträge 104 48
Zinsaufwendungen -221 -171
Sonstiges Finanzergebnis -15 -12
Finanzergebnis 5.5 -132 -135
Ergebnis vor Ertragsteuern fortgeführter Aktivitäten 954 684
Ertragsteuern 5.6 -180 -181
Ergebnis nach Steuern fortgeführter Aktivitäten 774 503
Ergebnis nach Steuern nicht fortgeführter Aktivitäten 1.353 -24
Ergebnis nach Steuern 5.7 2.127 479
davon entfallen auf andere Gesellschafter 21 14
davon entfallen auf Gesellschafter der Evonik Industries AG (Konzernergebnis) 2.106 465
Ergebnis je Aktie in € (unverwässert und verwässert) 5.8 4,52 1,00
davon entfallen auf fortgeführte Aktivitäten 1,62 1,051,05
davon entfallen auf nicht fortgeführte Aktivitäten 2,90 -0,05
116
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Gesamtergebnisrechnung
in Millionen € 2019 2020
Ergebnis nach Steuern 2.127
479
Sonstiges Ergebnis aus Sicherungsinstrumenten: Designierte Risikokomponenten 13 77
Sonstiges Ergebnis aus Sicherungsinstrumenten: Kosten der Absicherung 2 5
Sonstiges Ergebnis aus der Währungsumrechnung 104 -580580
Sonstiges Ergebnis aus at Equity bilanzierten Unternehmen – -2
Latente Steuern -5 -22
Reklassifizierbares sonstiges Ergebnis 114 -522
Sonstiges Ergebnis aus der Neubewertung der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen -823823 -622622
Sonstiges Ergebnis aus Eigenkapitalinstrumenten 25 39
Latente Steuern aus der Neubewertung der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen 357 213
Nicht reklassifizierbares sonstiges Ergebnis -441 -370
Sonstiges Ergebnis nach Steuern -327 -892
Gesamtergebnis 1.800 -413
davon entfallen auf andere Gesellschafter 21 7
davon entfallen auf Gesellschafter der Evonik Industries AG 1.779 -420420
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
117
Bilanz
in Millionen € Anhang 31.12.2019 31.12.2020
Immaterielle Vermögenswerte 6.1, 6.5 5.858
5.877
Sachanlagen 6.2, 6.5 6.435 6.588
Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten 6.3 640 668
At Equity bilanzierte Unternehmen 6.4, 6.5 45 75
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 6.6 625 607
Latente Steuern 6.14 1.718 2.004
Laufende Ertragsteueransprüche 6.14 12 13
Sonstige Vermögenswerte 6.8 82 102
Langfristige Vermögenswerte 15.415 15.93415.934
Vorräte 6.7 1.884 1.806
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 6.6 1.5691.569 1.455
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 6.6 1.278 697
Laufende Ertragsteueransprüche 6.14 325 211
Sonstige Vermögenswerte 6.8 387 231
Flüssige Mittel 6.6, 7 1.165 563
Kurzfristige Vermögenswerte 6.608 4.963
Summe Vermögenswerte 22.023 20.897
Gezeichnetes Kapital 466 466466
Kapitalrücklage 1.167 1.1671.167
Gewinnrücklagen inklusive Bilanzgewinn 7.341 6.876
Sonstige Eigenkapitalbestandteile -4 -497
Eigenkapital der Gesellschafter der Evonik Industries AG 8.970 8.0128.012
Anteile anderer Gesellschafter 90 87
Eigenkapital 6.9 9.060 8.099
Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen 6.10 3.967 4.618
Sonstige Rückstellungen 6.11 779 715
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 6.12 3.713 3.564
Latente Steuern 6.14 537 586
Laufende Ertragsteuerschulden 6.14 320 275
Sonstige Verbindlichkeiten 6.13 93 114
Langfristige Schulden 9.409 9.872
Sonstige Rückstellungen 6.11 778 744
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 6.12 1.3241.324 1.273
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 6.12 918 434434
Laufende Ertragsteuerschulden 6.14 5959 136
Sonstige Verbindlichkeiten 6.13 475 339339
Kurzfristige Schulden 3.554 2.926
Summe Eigenkapital und Schulden 22.023 20.897
118
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Eigenkapitalveränderungsrechnung
Anhang 6.9
in Millionen €
Gezeichnetes
Kapital
Kapital-
rücklage
Eigene
Anteile
Gewinn-
rücklagen/
Bilanzgewinn
Sonstige
Eigenkapital-
bestandteile
Eigenkapital
der
Gesellschafter
der Evonik
Industries AG
Anteile
anderer
Gesellschafter
Summe
Eigen-
kapital
Stand 01.01.2019 466 1.167 – 6.237 -141
7.729 96 7.825
Kapitalzuführungen/
-herabsetzungen – – – – –
– 4 4
Dividendenausschüttung – – – -536 – -536 -16 -552
Kauf eigener Anteile – – -17 – – -17 – -17
Anteilsbasierte Vergütungen – 4 - – – 4 – 4
Verkauf eigener Anteile – -4 17 – – 13 – 13
Ergebnis nach Steuern – – – 2.106 – 2.106 21 2.127
Sonstiges Ergebnis
nach Steuern – – – -466466 139
-327 – -327
Gesamtergebnis – – – 1.640 139 1.779 21 1.800
Sonstige Veränderungen – – – – -2 -2 -15 -17
Stand 31.12.2019 466 1.167 – 7.341 -4 8.970 90 9.060
Kapitalzuführungen/
-herabsetzungen – – – – –
– 2 2
Dividendenausschüttung – – – -536 – -536 -12 -548
Kauf eigener Anteile – – -16 – – -16 – -16
Anteilsbasierte Vergütungen – 3 - – – 3 – 3
Verkauf eigener Anteile – -3 16 – – 13 – 13
Ergebnis nach Steuern – – – 465 – 465 14 479
Sonstiges Ergebnis
nach Steuern – – – -409409 -476
-885 -7 -892
Gesamtergebnis – – – 56 -476 -420 7 -413
Sonstige Veränderungen – – – 15 -17 -2 – -2
Stand 31.12.2020 466 1.167 – 6.876 -497 8.012 87 8.099
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
119
Kapitalflussrechnung
Anhang 7
in Millionen € 2019 2020
Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern fortgeführter Aktivitäten 1.086
819
Abschreibungen, Wertminderungen/Wertaufholungen langfristiger Vermögenswerte 984984 1.018
Ergebnis aus at Equity bilanzierten Unternehmen -5 -15
Ergebnis aus dem Abgang langfristiger Vermögenswerte -13 -10
Veränderung der Vorräte 129 70
Veränderung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 41 54
Veränderung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen -62 -30
Veränderung der Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen -60 -14
Veränderung der sonstigen Rückstellungen -294 -133
Veränderung der übrigen Vermögenswerte/Schulden -15 33
Dividendeneinzahlungen 15 27
Steuerzahlungen aus dem Carve-out des Methacrylatgeschäfts -245 –
Aus-/Einzahlungen für übrige Ertragsteuern -209 -83
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit fortgeführter Aktivitäten 1.352 1.736
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit nicht fortgeführter Aktivitäten
a
-31 -9
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit 1.321 1.727
Auszahlungen für Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen -880 -956
Auszahlungen für die Übernahme der Beherrschung über Geschäftsbetriebe -25 -451
Auszahlungen für den Erwerb von übrigen Unternehmensbeteiligungen -402402 -23
Einzahlungen aus Veräußerungen von immateriellen Vermögenswerten und Sachanlagen 2525 45
Einzahlungen aus der Veräußerung des Methacrylatgeschäfts 2.206 18
Ein-/Auszahlungen aus dem Verlust der Beherrschung über Geschäftsbetriebe 1 2
Einzahlungen aus Veräußerungen von übrigen Unternehmensbeteiligungen 1 45
Ein-/Auszahlungen für Wertpapiere, Geldanlagen und Ausleihungen -1.2231.223 720720
Zinseinzahlungen 52 30
Cashflow aus Investitionstätigkeit fortgeführter Aktivitäten -245 -570
Cashflow aus Investitionstätigkeit nicht fortgeführter Aktivitäten
a
-47 –
Cashflow aus Investitionstätigkeit -292 -570
Kapitaleinzahlungen/-auszahlungen 4 2
Dividendenauszahlung an Gesellschafter der Evonik Industries AG -536 -536
Dividendenauszahlungen an andere Gesellschafter -12 -16
Auszahlungen für den Kauf eigener Anteile -17 -16
Einzahlungen aus dem Verkauf eigener Anteile 13 12
Aufnahme von Finanzschulden 110 1.0391.039
Tilgung der Finanzschulden -295 -2.156
Ein-/Auszahlungen im Zusammenhang mit Finanztransaktionen -1 14
Zinsauszahlungen -114 -77
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit fortgeführter Aktivitäten -848 -1.734
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit nicht fortgeführter Aktivitäten
a
-8 –
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit -856 -1.734
Zahlungswirksame Veränderung der Finanzmittel 173 -577
Finanzmittelbestand zum 01.01. 988 1.165
Zahlungswirksame Veränderung der Finanzmittel 173 -577
Einfluss von Wechselkurs- und sonstigen Veränderungen der Finanzmittel 4 -25
Finanzmittelbestand/Flüssige Mittel zum 31.12. laut Bilanz 1.165 563
a
Cashflows aus nicht fortgeführten Aktivitäten ergeben sich ausschließlich aus dem Methacrylatgeschäft.
120
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Anhang
1. Segmentberichterstattung
Segmentberichterstattung nach operativen Segmenten Anhang 8.1
Specialty Additives
Nutrition & Care Smart Materials
in Millionen € 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Außenumsatz 3.381 3.225 2.922 2.992 3.371 3.235
Innenumsatz 15 10 23 15 50 57
Gesamtumsatz 3.396 3.235 2.945 3.007 3.421 3.292
Ergebnis aus at Equity bilanzierten
Unternehmen 1
2 – – 9 6
Bereinigtes EBITDA 886 857 462 560 651 529
Bereinigte EBITDA-Marge in % 26,2 26,6 15,8 18,7 19,3 16,4
Bereinigtes EBIT 716 681 231 301 433 270
Capital Employed (Jahresdurchschnitt) 4.396 4.218 3.974 3.905 3.651 4.223
ROCE in % 16,3 16,1 5,8 7,7 11,9 6,4
Abschreibungen
a
-157 -173 -223 -255 -218 -259
Sachinvestitionen
b
108 93 214 139 303 466
Finanzinvestitionen – – 30 32 9 464
Mitarbeiter zum 31.12. (Anzahl) 3.651 3.666 5.322 5.295 7.065 7.874
Vorjahreszahlen angepasst.
Für die Segmentierung von Wertminderungen und Wertaufholungen nach IAS 36 vgl. Anhangziffer 6.5.
a
Auf immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten.
b
In immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen.
Segmentberichterstattung nach Regionen Anhang 8.2
Europa, Naher Osten & Afrika Nordamerika
in Millionen € 2019 2020 2019 2020
Außenumsatz
a
6.700 5.868 2.952 2.953
Geschäfts- oder Firmenwerte zum 31.12.
b
2.352 2.348 1.932 1.924
Sonstige immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen zum 31.12.
b
4.464 4.739 1.961 2.122
Sachinvestitionen 563 738 137 158
Mitarbeiter zum 31.12. (Anzahl) 22.476 22.506 4.287 4.862
Vorjahreszahlen angepasst.
a
Außenumsatz Europa, Naher Osten & Afrika: davon Deutschland 2.074 Millionen € (Vorjahr: 2.290 Millionen €).
b
Langfristiges Vermögen gemäß IFRS 8.33 b.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
121
Performance Materials Services
Corporate, andere Aktivitäten,
Konsolidierung
Summe Konzern
(fortgeführte Aktivitäten)
2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020
2.634 1.983 763 734 37 30 13.108 12.199
94 65 1.831 1.739 -2.013 -1.886 – –
2.728 2.048 2.594 2.473 -1.976 -1.856 13.108 12.199
-13
4 8 3 – – 5 15
248 88 122 92 -216 -220 2.153 1.906
9,4 4,4 16,0 12,5 – – 16,4 15,6
117 -45 -42 -72 -254 -245 1.201 890
1.296 1.290 834 977 -116 -13 14.035 14.600
9,0 -3,5 -5,0 -7,4 – – 8,6 6,1
-139 -126 -160 -160 -35 -25 -932 -998
55 49 150 245 12 3 842 995
13 – 15 14 369 – 436 510
1.645 1.639 14.428 14.310 312 322 32.423 33.106
Mittel- &
Südamerika
Asien-Pazifik
Summe Konzern
(fortgeführte Aktivitäten)
2019 2020 2019 2020 2019 2020
591 537 2.865 2.841 13.108 12.199
32 29 254 244 4.570 4.545
148 100 1.790 1.627 8.363 8.588
6 6 136 93 842 995
656 669 5.004 5.069 32.423 33.106
122
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
2. Allgemeine Informationen
Die Evonik Industries AG ist ein in Deutschland ansässiges, international tätiges Spezialchemieunternehmen. Sie hat ihren
Sitz in der Rellinghauser Straße 1-11, 45128 Essen, und ist im Handelsregister des Amtsgerichts Essen, HRB Nr. 19474,
eingetragen.
Als Tochterunternehmen der RAG-Stiftung, Essen, wird die Evonik Industries AG mit ihren Tochterunternehmen in den
Konzernabschluss der RAG-Stiftung einbezogen.
Diese stellt den Konzernabschluss für den größten und kleinsten Kreis von
Unternehmen auf, dem Evonik und ihre Tochterunternehmen angehören. Der Konzernabschluss der RAG-Stiftung wird im
Bundesanzeiger veröffentlicht.
Der vorliegende Konzernabschluss der Evonik Industries AG und ihrer Tochterunternehmen (zusammen Evonik oder
Konzern) wurde vom Vorstand der Evonik Industries AG in seiner Sitzung am 19. Februar 2021 aufgestellt, wird in der
Sitzung des Prüfungsausschusses am 26. Februar 2021 erörtert und dem Aufsichtsrat für die Sitzung am 3. März 2021 zur
Billigung vorgelegt. Der Konzernabschluss wird ebenfalls im Bundesanzeiger veröffentlicht.
3. Grundlagen der Abschlussaufstellung
3.1 Übereinstimmung mit den IFRS
Der vorliegende Konzernabschluss wurde in Anwendung des § 315e Abs. 1 HGB nach den International Financial Reporting
Standards (IFRS), wie sie von der Europäischen Union (EU) übernommen wurden, aufgestellt und stimmt mit diesen überein.
3.2 Abschlussaufstellung und Methoden
Der Konzernabschluss umfasst das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis 31. Dezember 2020 und wird in Euro aufgestellt. Alle
Beträge werden, soweit nicht anders vermerkt, in Millionen Euro (Millionen €) angegeben. Rundungen können in
Einzelfällen dazu führen, dass sich Werte in diesem Bericht nicht exakt zur angegebenen Summe aufaddieren und dass sich
Prozentangaben nicht exakt aus den dargestellten Werten ergeben.
Die im Konzernabschluss angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden werden innerhalb der jeweiligen
Anhangziffern erläutert.
Die Methoden sowie der Ausweis von Posten im Konzernabschluss werden grundsätzlich von Periode zu Periode
beibehalten. Abweichungen von diesem Grundsatz werden bei Änderungen von Rechnungslegungsstandards unter
Anhangziffer 3.4, weitere Anpassungen von Vorjahreszahlen unter Anhangziffer 3.5 bzw. unter den jeweiligen
Anhangziffern dargestellt.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
123
3.3 Annahmen und Schätzunsicherheiten
Bei der Erstellung des Konzernabschlusses werden Annahmen und Einschätzungen getroffen, welche die Zukunft betreffen.
Die hieraus abgeleiteten Schätzungen können von den späteren Gegebenheiten abweichen. Schätzungsanpassungen werden
zum Zeitpunkt besserer Kenntnis erfolgswirksam berücksichtigt. Wir prüfen regelmäßig, ob unsere Annahmen und
Schätzungen anzupassen sind. Diejenigen Annahmen und Schätzungen, die ein beträchtliches Risiko in Form einer
Anpassung der Buchwerte von Vermögenswerten und Schulden innerhalb des nächsten Geschäftsjahres mit sich bringen
können, werden in den entsprechenden Anhangziffern dargestellt. Unter Berücksichtigung der Corona-Pandemie hat sich
im Vergleich zum Vorjahr insbesondere beim Themenbereich Werthaltigkeitsprüfung nach IAS 36 „Impairment of Assets“
eine signifikante Erhöhung der Schätzunsicherheiten ergeben (siehe Anhangziffer 6.5).
3.4 Erstmalig anzuwendende Rechnungslegungsvorschriften
Im Geschäftsjahr 2020 waren verschiedene überarbeitete bzw. neu verabschiedete Rechnungslegungsvorschriften und
Klarstellungen erstmalig anzuwenden. Diese sind allerdings alle für Evonik unwesentlich.
3.5 Anpassungen von Vorjahreszahlen
Anpassungen in der Segmentberichterstattung
Zum 1. Juli 2020 hat der Vorstand der Evonik Industries AG die Konzernstruktur neu ausgerichtet. Die neuen Chemie-
Divisionen Specialty Additives, Nutrition & Care, Smart Materials sowie Performance Materials sind in ihrer Größe und
Profitabilität ausgeglichener und lassen sich durch eine eindeutigere Zuordnung der Technologieplattformen gezielter
steuern. In diesem Zusammenhang wurden Mitarbeiter aus dem Bereich Forschung und Entwicklung im Segment Services
gebündelt. Von dort unterstützen sie die Chemie-Divisionen. Gleichzeitig wurden die Verwaltungsfunktionen optimiert.
Die bisherigen Regionen Westeuropa, Osteuropa und Naher Osten & Afrika wurden zum 1. Juli 2020 zusammengefasst,
um künftig als eine Region auf kommende Herausforderungen reagieren zu können. Bereits zum 1. Januar 2020 wurden die
Regionen Asien-Pazifik Nord und Asien-Pazifik Süd zusammengefasst.
Der Geschäfts- und Firmenwert sowie aufgedeckte stille Reserven aus den früheren Erwerben von Anteilen an der
Evonik Operations GmbH (Evonik Operations), Essen, die bisher in der Segmentberichterstattung unter „Corporate,
Konsolidierung“ ausgewiesen wurden, werden seit dem 31. Dezember 2020 anteilig den Segmenten zugeordnet.
Die Vorjahreszahlen wurden sowohl für die Berichtssegmente als auch für die Regionen entsprechend angepasst.
3.6 Noch nicht verpflichtend anzuwendende Rechnungslegungsvorschriften
Das International Accounting Standards Board (IASB) hat weitere Rechnungslegungsvorschriften (IFRS, IAS) und
Interpretationen (IFRIC, SIC) verabschiedet, die im Geschäftsjahr 2020 noch nicht verpflichtend anzuwenden waren bzw.
von der Europäischen Union noch nicht in europäisches Recht übernommen wurden (Klarstellungen zu IFRS 3: „Reference
to the Conceptual Framework“, IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16: „Interest Rate Benchmark Reform – Phase 2“,
IAS 1: „Classification of Liabilities as Current or Non-current“, IAS 16: „Proceeds Before Intended Use“, IAS 37: „Onerous
Contracts – Cost of fulfilling a contract“, „Annual Improvements 2018-2020“ mit weiteren Klarstellungen zu IFRS 1, IFRS 9,
IFRS 16 und IAS 41, Klarstellung zu IFRS 16: „Covid 19-Related Rent Concessions“ und zuletzt Klarstellungen zu IAS 1 und
IFRS Practice Statement 2: „Disclosure of Accounting Policies“ sowie IAS 8: „Definition of Accounting Estimates“).
Wesentliche Auswirkungen dieser neuen Regelungen auf die laufende oder auf künftige Berichtsperioden sowie auf
absehbare künftige Transaktionen sind nicht erkennbar, werden aber fortlaufend analysiert.
124
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
3.7 Konsolidierungskreis und -methoden
Konsolidierungskreis
Neben der Evonik Industries AG werden in den Konzernabschluss alle wesentlichen in- und ausländischen Tochter-
unternehmen sowie zwei Spezialfonds zur Liquiditätsanlage voll einbezogen, die die Evonik Industries AG unmittelbar oder
mittelbar beherrscht. Die Evonik Industries AG beherrscht ein Unternehmen oder einen Fonds, wenn sie schwankenden
Renditen aus ihrem Engagement bei dem Unternehmen oder Fonds ausgesetzt ist bzw. Anrechte auf diese besitzt und die
Renditen mittels ihrer Verfügungsmacht über das Unternehmen oder den Fonds beeinflussen kann. Evonik hat über die
beiden Spezialfonds LBBW AM-EVO, Essen, und Union Treasury 1, Essen, Verfügungsmacht, da Evonik vertraglich
vereinbarte unbedingte Abberufungsrechte hat und damit die Fondsverwaltungen als Agenten anzusehen sind, deren
Verfügungsmacht Evonik zuzurechnen ist.
Gemeinschaftliche Tätigkeiten werden anteilig in den Konzernabschluss einbezogen. Eine gemeinschaftliche Tätigkeit
ist eine gemeinsame Vereinbarung, bei der die Parteien, die gemeinschaftlich die Führung über die Vereinbarung ausüben,
Rechte an den der Vereinbarung zuzurechnenden Vermögenswerten und Verpflichtungen für deren Schulden haben.
Gemeinschaftsunternehmen sowie assoziierte Unternehmen werden grundsätzlich nach der Equity-Methode
bilanziert. Ein Gemeinschaftsunternehmen ist eine gemeinschaftliche Vereinbarung, bei der der Konzern zusammen mit
anderen Partnern die gemeinschaftliche Führung ausübt, wobei er Rechte am Nettovermögen der Vereinbarung besitzt.
Assoziierte Unternehmen sind Unternehmen, bei denen der Konzern einen maßgeblichen Einfluss, jedoch keine
Beherrschung oder gemeinschaftliche Führung in Bezug auf die Finanz- und Geschäftspolitik hat. Die ARG mbH & Co. KG,
Oberhausen, wird trotz eines Stimmrechts- und Kapitalanteils von jeweils unter 20 Prozent als assoziiertes Unternehmen in
den Konzernabschluss einbezogen, da aufgrund vertraglicher Vereinbarungen ein maßgeblicher Einfluss vorliegt.
Unternehmen, deren Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns im Einzelnen und insgesamt
von untergeordneter Bedeutung ist, werden nach den Vorschriften des IFRS 9 „Financial Instruments“ zu ihren
beizulegenden Zeitwerten bilanziert und sind der Kategorie „Erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert ohne Recycling“
zugeordnet.
Die Veränderungen des Konsolidierungskreises werden unter der Anhangziffer 4.1 dargestellt.
Konsolidierungsmethoden
Die in die Konsolidierung einbezogenen Abschlüsse der in- und ausländischen Tochterunternehmen werden nach
einheitlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden aufgestellt.
Im Erwerbszeitpunkt erfolgt die Kapitalkonsolidierung durch Verrechnung der Beteiligungsbuchwerte mit dem
anteiligen neu bewerteten Eigenkapital der Tochterunternehmen. Anschaffungsnebenkosten sind nicht im Beteiligungs-
buchwert, sondern als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Die Vermögenswerte und Schulden
(Reinvermögen) der Tochterunternehmen werden dabei mit ihren beizulegenden Zeitwerten angesetzt. Werden vor
Übergang der Beherrschung bereits Anteile an einem Tochterunternehmen gehalten, so sind diese Anteile neu zu bewerten
und hieraus resultierende Wertänderungen in der Gewinn- und Verlustrechnung unter den sonstigen betrieblichen Erträgen
bzw. sonstigen betrieblichen Aufwendungen zu erfassen. Gewinne oder Verluste, die erfolgsneutral im sonstigen Ergebnis
erfasst wurden, sind auf derselben Grundlage auszubuchen, wie dies erforderlich wäre, wenn der Erwerber den zuvor
gehaltenen Anteil unmittelbar veräußert hätte. Verbleibende positive Unterschiedsbeträge werden als Geschäfts- oder
Firmenwert aktiviert. Negative Unterschiedsbeträge werden nach erneuter Überprüfung der beizulegenden Zeitwerte des
Reinvermögens erfolgswirksam erfasst.
Änderungen der Beteiligungsquote an einem bereits konsolidierten Tochterunternehmen, die nicht zu einem
Beherrschungsverlust führen, werden als erfolgsneutrale Transaktion zwischen Eigentümern direkt im Eigenkapital
bilanziert. Unter diesen Umständen sind die Anteile der Eigentümer des Mutterunternehmens und der anderen Gesellschafter
so anzupassen, dass sie die Änderungen der an dem Tochterunternehmen bestehenden Anteilsquoten widerspiegeln. Jede
Differenz zwischen dem Betrag, um den die Anteile anderer Gesellschafter angepasst werden, und dem beizulegenden
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
125
Zeitwert der gezahlten oder erhaltenen Gegenleistung ist unmittelbar im Eigenkapital zu erfassen und den Anteilen der
Eigentümer des Mutterunternehmens zuzuordnen. Direkt zurechenbare Transaktionskosten sind ebenfalls als Bestandteil
der erfolgsneutralen Transaktion zwischen Eigentümern zu bilanzieren, mit der Ausnahme von Kosten für die Emission von
Schuldtiteln oder Eigenkapitalinstrumenten, die weiterhin gemäß den Vorschriften für Finanzinstrumente zu erfassen sind.
Ein- und Auszahlungen aus diesen Transaktionen werden im Cashflow aus Finanzierungstätigkeit ausgewiesen.
Mit dem Zeitpunkt der Beendigung der Beherrschung über ein Tochterunternehmen ist das Tochterunternehmen nicht
mehr in den Konzernabschluss einzubeziehen. Im Rahmen der Entkonsolidierung werden das Reinvermögen des
Tochterunternehmens und die Anteile anderer Gesellschafter ausgebucht. Der Veräußerungsgewinn bzw. -verlust ist aus
Konzernsicht zu ermitteln. Er ergibt sich als Differenz aus dem Veräußerungserlös (Veräußerungspreis abzüglich
Veräußerungskosten) und dem abgehenden anteiligen Reinvermögen des Tochterunternehmens (inklusive verbliebener
stiller Reserven und Lasten sowie eines zuzuordnenden Geschäfts- oder Firmenwertes). Die Anteile, die Evonik am
ehemaligen Tochterunternehmen behält, werden mit dem zum Zeitpunkt des Beherrschungsverlustes beizulegenden
Zeitwert neu angesetzt. Alle hieraus resultierenden Gewinne und Verluste sind in der Gewinn- und Verlustrechnung unter
den sonstigen betrieblichen Erträgen bzw. sonstigen betrieblichen Aufwendungen zu erfassen. Darüber hinaus werden
Beträge, die im Eigenkapital unter den sonstigen Eigenkapitalbestandteilen erfasst sind, ebenfalls in die Gewinn- und
Verlustrechnung umgebucht, soweit nicht eine andere Rechnungslegungsvorschrift eine direkte Übertragung in die
Gewinnrücklagen verlangt.
Aufwendungen und Erträge, Zwischenergebnisse sowie Forderungen und Schulden zwischen den einbezogenen
Tochterunternehmen werden voll, bei gemeinschaftlichen Tätigkeiten anteilig eliminiert. In Einzelabschlüssen vorge-
nommene Abschreibungen auf deren Anteile werden zurückgenommen.
Die Einbeziehung der gemeinschaftlichen Tätigkeiten in den Konzernabschluss erfolgt anteilig mit ihren Vermögenswerten
und Schulden sowie Erträgen und Aufwendungen, entsprechend den Rechten und Pflichten von Evonik.
Die Konsolidierungsgrundsätze für Tochterunternehmen gelten grundsätzlich auch für die nach der Equity-Methode
bilanzierten Unternehmen, wobei ein bilanzierter Geschäfts- oder Firmenwert im Beteiligungsansatz ausgewiesen wird.
Die Abschlüsse der at Equity bilanzierten Unternehmen werden nach einheitlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
aufgestellt.
3.8 Währungsumrechnung
Die Abschlüsse der Evonik Industries AG und ihrer Tochterunternehmen werden grundsätzlich in deren funktionaler
Währung aufgestellt.
In den Einzelabschlüssen dieser Unternehmen werden Geschäftsvorfälle in fremder Währung mit dem Wechselkurs zum
Zeitpunkt der erstmaligen Erfassung umgerechnet. Bis zum Bilanzstichtag eingetretene Kursgewinne und -verluste aus der
Bewertung von monetären Vermögenswerten bzw. Schulden in fremder Währung zum Stichtagskurs werden erfolgs-
wirksam unter den sonstigen betrieblichen Erträgen bzw. Aufwendungen oder unter dem sonstigen Finanzergebnis erfasst.
Im Konzernabschluss erfolgt die Umrechnung der Vermögenswerte und Schulden aller ausländischen Tochterunternehmen
von der jeweiligen funktionalen Währung in den Euro zu Stichtagskursen am Bilanzstichtag. Geschäfts- oder Firmenwerte
sowie stille Reserven und stille Lasten aus dem Erwerb eines ausländischen Tochterunternehmens werden als Vermögens-
werte und Schulden dieses Unternehmens mit dem Stichtagskurs umgerechnet. Aufwands- und Ertragsposten werden mit
Jahresdurchschnittskursen umgerechnet, die sich als Mittelwert aus den Währungskursen am Monatsende der vergangenen
13 Monate ergeben. Unterschiede aus der Währungsumrechnung gegenüber der Umrechnung des Vorjahres sowie
126
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Umrechnungsdifferenzen zwischen Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz werden innerhalb der Gesamtergebnis-
rechnung im sonstigen Ergebnis aus der Währungsumrechnung erfasst und erst bei Abgang des ausländischen Tochter-
unternehmens erfolgswirksam berücksichtigt.
Bei der Umrechnung der Eigenkapitalfortschreibung von ausländischen Unternehmen, die nach der Equity-Methode
bilanziert werden, wird entsprechend vorgegangen.
Wechselkurse
Jahresdurchschnittskurs Stichtagskurs
1 € entspricht 2019 2020 31.12.2019 31.12.2020
Brasilianischer Real (BRL) 4,42 5,88 4,52 6,37
Britisches Pfund (GBP) 0,88 0,89 0,85 0,90
Chinesischer Renminbi Yuan (CNY) 7,74 7,89 7,82 8,02
J
apanischer Yen (JPY) 122,26 121,89 121,94 126,49
Singapur-Dollar (SGD) 1,53 1,57 1,51 1,62
US-Dollar (USD) 1,12 1,15 1,12 1,23
Seit dem 1. Juli 2018 ist Argentinien als Hochinflationsland eingestuft und für zwei argentinische Tochtergesellschaften wird
das Konzept historischer Anschaffungs- und Herstellungskosten nach IAS 29 „Financial Reporting in Hyperinflationary
Economies“ angewendet. Der Verlust aus der Nettoposition der monetären Posten wird im Finanzergebnis erfasst und
beträgt 7 Millionen € (Vorjahr: 1 Million €). Die Fremdwährungsumrechnung und –bewertung erfolgt auf Basis des vom
National Institute of Statistics and Censuses of the Argentine Republic (INDEC) veröffentlichten und monatlich aktualisierten
Verbraucherpreisindex zum 30. November 2020 in Höhe von 371,02 (30. November 2019: 273,22).
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
127
4. Veränderungen im Konzern
4.1 Konsolidierungskreis
Veränderung Konsolidierungskreis
Anzahl Inland Ausland Gesamt
Evonik Industries AG und konsolidierte Tochterunternehmen
Stand 31.12.2019 35 104 139
Erwerbe 1 21 22
Sonstige Erstkonsolidierungen – 1 1
Verkäufe – - 1 - 1
Verschmelzungen - 8 – - 8
Sonstige Abgänge aus dem Konsolidierungskreis – - 1 - 1
Stand 31.12.2020 28 124 152
Als gemeinschaftliche Tätigkeiten bilanzierte Unternehmen
Stand 31.12.2019 1 2 3
Stand 31.12.2020 1 2 3
Nach der Equity-Methode bilanzierte Unternehmen
Stand 31.12.2019 4 9 13
Erwerbe – 3 3
Sonstige Abgänge aus dem Konsolidierungskreis – - 1 - 1
Stand 31.12.2020 4 11 15
Summe 33 137 170
Die wesentlichen Erwerbe und Verkäufe des laufenden Geschäftsjahres werden unter Anhangziffer 4.2 erläutert.
Die folgende Auflistung zeigt die nach quantitativen und qualitativen Kriterien ausgewählten wesentlichen Tochter-
unternehmen. Die Zusammenstellung aller in den Konzernabschluss einbezogenen Gesellschaften und des gesamten Anteils-
besitzes gemäß § 313 Abs. 2 HGB erfolgt in der Anteilsbesitzliste.
68
68
Die vollständige Anteilsbesitzliste wird mit dem Konzernabschluss im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht und kann auf der Internetseite von
Evonik (www.evonik.de/anteilsbesitzliste) eingesehen werden.
128
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Wesentliche in den Konzern einbezogene Tochterunternehmen
Name des Unternehmens Sitz des Unternehmens Kapitalanteil in %
Inland
Evonik Operations GmbH Essen (Deutschland) 100,00
Evonik Real Estate GmbH & Co. KG Marl (Deutschland) 100,00
LBBW AM-EVO
a
Essen (Deutschland) 0,00
Union Treasury 1
a
Essen (Deutschland) 0,00
Ausland
Evonik Antwerpen NV Antwerpen (Belgien) 100,00
Evonik Brasil Ltda. São Paulo (Brasilien) 100,00
Evonik (China) Co., Ltd. Peking (China) 100,00
Evonik Canada Inc. Calgary (Kanada) 100,00
Evonik Corporation Parsippany (New Jersey, USA) 100,00
Evonik Finance B.V. Amsterdam (Niederlande) 100,00
Evonik India Pvt. Ltd. Mumbai (Indien) 100,00
Evonik International Holding B.V. Amsterdam (Niederlande) 100,00
Evonik Japan Co., Ltd. Tokio (Japan) 100,00
Evonik Korea Ltd. Seoul (Südkorea) 100,00
Evonik Methionine SEA Pte. Ltd. Singapur (Singapur) 100,00
Evonik Oil Additives USA, Inc. Horsham (Pennsylvania, USA) 100,00
Evonik Oxeno Antwerpen NV Antwerpen (Belgien) 100,00
Evonik Specialty Chemicals (Shanghai) Co., Ltd. Schanghai (China) 100,00
Evonik Speciality Organics Ltd. Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Evonik Taiwan Ltd. Taipeh (Taiwan) 100,00
Evonik Ticaret Ltd. Sirketi Tuzla/Istanbul (Türkei) 100,00
Evonik UK Holdings Ltd. Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Nippon Aerosil Co., Ltd. Tokio (Japan) 80,00
OOO Evonik Chimia Moskau (Russische Föderation) 100,00
PeroxyChem LLC Dover (Delaware, USA) 100,00
a
Gemäß IFRS 10.B8 i.V.m. B19 (b) vollkonsolidiertes strukturiertes Unternehmen.
KONZERNABSCHLUSS DER EVONIK INDUSTRIES AG ZUM 31. DEZEMBER 2020
ANTEILSBESITZLISTE GEM. § 313 ABS. 2 HGB
128A
a Die Anteile am Kapital wurden gemäß § 16 AktG berechnet. Demnach wurden Anteile, die von dem Mutterunternehmen, von einem in den
Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen oder von einer für Rechnung dieser Unternehmen handelnden Person gehalten wurden, bei der
Berechnung berücksichtigt.
b Inanspruchnahme von Erleichterungen nach §§ 264 Abs. 3 bzw. 264b HGB
c Gemäß IFRS 10.B8 i.V.m. B19 (b) vollkonsolidiertes strukturiertes Unternehmen
In den Konzernabschluss einbezogene Tochterunternehmen
Name des Unternehmens Sitz des Unternehmens Kapitalanteil
a
in %
Konsolidierte Unternehmen
Inland
BK-Wolfgang-Wärme GmbH Hanau 100,00
CPM Netz GmbH Essen 100,00
Evonik Animal Nutrition GmbH Essen 100,00
Evonik Beteiligungs-GmbH Frankfurt am Main
b
100,00
Evonik Catering Services GmbH Marl
b
100,00
Evonik Dahlenburg GmbH Dahlenburg
b
100,00
Evonik Digital GmbH Essen
b
100,00
Evonik Dr. Straetmans GmbH Hamburg 100,00
Evonik Functional Solutions GmbH Essen 100,00
Evonik IP GmbH Gründau
b
100,00
Evonik Logistics Services GmbH Marl
b
100,00
Evonik Materials GmbH Marl
b
100,00
Evonik Operations GmbH Essen 100,00
Evonik Real Estate GmbH & Co. KG Marl
b
100,00
Evonik Real Estate Verwaltungs-GmbH Marl 100,00
Evonik Risk and Insurance Services GmbH Essen
b
100,00
Evonik Venture Capital GmbH Hanau
b
100,00
HD Ceracat GmbH Frankfurt am Main 100,00
KMV Vermögensverwaltungs-GmbH Marl 100,00
LBBW AM-EVO Essen
c
0,00
RBV Verwaltungs-GmbH Essen 100,00
RCIV Vermögensverwaltungs-GmbH Essen 100,00
RheinPerChemie GmbH Rheinfelden 100,00
RÜTGERS Dienstleistungs-GmbH Essen 100,00
RÜTGERS GmbH Essen 100,00
Stockhausen Unterstützungseinrichtung GmbH Krefeld 100,00
Union Treasury 1 Essen
c
0,00
Westgas GmbH Marl 100,00
128B
KONZERNABSCHLUSS DER EVONIK INDUSTRIES AG ZUM 31. DEZEMBER 2020
ANTEILSBESITZLISTE GEM. § 313 ABS. 2 HGB
a Die Anteile am Kapital wurden gemäß § 16 AktG berechnet. Demnach wurden Anteile, die von dem Mutterunternehmen, von einem in den
Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen oder von einer für Rechnung dieser Unternehmen handelnden Person gehalten wurden, bei der
Berechnung berücksichtigt.
In den Konzernabschluss einbezogene Tochterunternehmen
Name des Unternehmens Sitz des Unternehmens Kapitalanteil
a
in %
Konsolidierte Unternehmen
Ausland
Catalyst Recovery Europe S.A. Luxemburg (Luxemburg) 100,00
Catalyst Recovery of Lousiana, LLC Wilmington (Delaware, USA) 100,00
Catalyst Recovery Singapore PTE LTD Singapur (Singapur) 100,00
Degussa International, Inc. Wilmington (Delaware, USA) 100,00
DSL. Japan Co., Ltd. Tokio (Japan) 51,00
Egesil Kimya Sanayi ve Ticaret A.S. Istanbul (Türkei) 51,00
Evonik (China) Co., Ltd. Peking (China) 100,00
Evonik (Philippines) Inc. Taguig Stadt (Philippinen) 99,99
Evonik (SEA) Pte. Ltd. Singapur (Singapur) 100,00
Evonik (Shanghai) Investment Management Co., Ltd. Schanghai (China) 100,00
Evonik (Thailand) Ltd. Bangkok (Thailand) 100,00
Evonik Advanced Botanicals S.A.S. Parcay Meslay (Frankreich) 100,00
Evonik Aerosil France S.A.R.L. Salaise-sur-Sanne (Frankreich) 100,00
Evonik Africa (Pty) Ltd. Midrand (Südafrika) 100,00
Evonik Amalgamation Ltd. Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Evonik Antwerpen NV Antwerpen (Belgien) 100,00
Evonik Argentina S.A. Buenos Aires (Argentinien) 100,00
Evonik Australia Pty Ltd. Mount Waverley (Australien) 100,00
Evonik Brasil Ltda. São Paulo (Brasilien) 100,00
Evonik Canada Inc. Calgary (Kanada) 100,00
Evonik Catalysts India Pvt. Ltd. Dombivli (Indien) 100,00
Evonik Chemicals Ltd. Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Evonik Chile SpA Santiago (Chile) 100,00
Evonik Colombia S.A.S. Medellín (Kolumbien) 100,00
Evonik Corporation Parsippany (New Jersey, USA) 100,00
Evonik Degussa Africa (Pty) Ltd. Midrand (Südafrika) 100,00
Evonik Dutch Holding B.V. Amsterdam (Niederlande) 100,00
Evonik España y Portugal, S.A.U. Granollers (Spanien) 100,00
Evonik Fermas s.r.o. Slovenská Ľupca (Slowakei) 100,00
Evonik Fibres GmbH Schörfling (Österreich) 100,00
Evonik Finance B.V. Amsterdam (Niederlande) 100,00
Evonik France S.A.S. Ham (Frankreich) 100,00
Evonik Gulf FZE Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) 100,00
Evonik Gulf FZE / Jordan (Free Zone) LLC Amman (Jordanien) 100,00
Evonik Holding Egypt LLC Kairo (Ägypten) 100,00
Evonik Hong Kong Ltd. Hongkong (Hongkong) 100,00
Evonik India Pvt. Ltd. Mumbai (Indien) 100,00
Evonik Industries de Mexico, S.A. de C.V. Mexiko-Stadt (Mexiko) 100,00
Evonik International AG Zürich (Schweiz) 100,00
Evonik International Costa Rica, S.A. Santa Ana (Costa Rica) 100,00
Evonik International Holding B.V. Amsterdam (Niederlande) 100,00
Evonik International Trading (Shanghai) Co., Ltd. Schanghai (China) 100,00
Evonik Iran Company PJS Teheran (Iran) 100,00
Evonik Italia S.r.l. Pandino (Italien) 100,00
Evonik Japan Co., Ltd. Tokio (Japan) 100,00
KONZERNABSCHLUSS DER EVONIK INDUSTRIES AG ZUM 31. DEZEMBER 2020
ANTEILSBESITZLISTE GEM. § 313 ABS. 2 HGB
128C
a Die Anteile am Kapital wurden gemäß § 16 AktG berechnet. Demnach wurden Anteile, die von dem Mutterunternehmen, von einem in den
Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen oder von einer für Rechnung dieser Unternehmen handelnden Person gehalten wurden, bei der
Berechnung berücksichtigt.
In den Konzernabschluss einbezogene Tochterunternehmen
Name des Unternehmens Sitz des Unternehmens Kapitalanteil
a
in %
Konsolidierte Unternehmen
Ausland
Evonik Korea Ltd. Seoul (Südkorea) 100,00
Evonik LIL Limited Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Evonik Limited Egypt Kairo (Ägypten) 100,00
Evonik Malaysia Sdn. Bhd. Kuala Lumpur (Malaysia) 100,00
Evonik Membrane Extraction Technology Limited Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Evonik Methionine SEA Pte. Ltd. Singapur (Singapur) 100,00
Evonik Metilatos S.A. Rosario (Argentinien) 100,00
Evonik Mexico, S.A. de C.V. Mexiko-Stadt (Mexiko) 100,00
Evonik Oil Additives Asia Pacific Pte. Ltd. Singapur (Singapur) 100,00
Evonik Oil Additives Canada Inc. Morrisburg (Kanada) 100,00
Evonik Oil Additives S.A.S. Lauterbourg (Frankreich) 100,00
Evonik Oil Additives USA, Inc. Horsham (Pennsylvania, USA) 100,00
Evonik Oxeno Antwerpen NV Antwerpen (Belgien) 100,00
Evonik Para-Chemie GmbH (i.L.) Gramatneusiedl (Österreich) 100,00
Evonik Pension Scheme Trustee Limited Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Evonik Peroxid GmbH Weißenstein (Österreich) 100,00
Evonik Peroxide Africa (Pty) Ltd. Umbogintwini (Südafrika) 100,00
Evonik Peroxide Holding B.V. Amsterdam (Niederlande) 100,00
Evonik Peroxide Ltd. Morrinsville (Neuseeland) 100,00
Evonik Peroxide Netherlands B.V. Amsterdam (Niederlande) 100,00
Evonik Peroxide Spain, S.L.U. La Zaida (Spanien) 100,00
Evonik Perú S.A.C. Lima (Peru) 100,00
Evonik Porphyrio NV Leuven (Belgien) 100,00
Evonik Re S.A. Luxemburg (Luxemburg) 100,00
Evonik Rexim (Nanning) Pharmaceutical Co., Ltd. Nanning (China) 100,00
Evonik Rexim S.A.S. Ham (Frankreich) 100,00
Evonik Servicios, S.A. de C.V. Mexiko-Stadt (Mexiko) 100,00
Evonik Silica Belgium BVBA Oostende (Belgien) 100,00
Evonik Silica Finland Oy Hamina (Finnland) 100,00
Evonik Silquimica, S.A.U. Zubillaga-Lantaron (Spanien) 100,00
Evonik Singapore Specialty Chemicals Pte. Ltd. Singapur (Singapur) 100,00
Evonik Speciality Organics Ltd. Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Evonik Specialty Chemicals (Jilin) Co., Ltd.
J
ilin (China) 100,00
Evonik Specialty Chemicals (Nanjing) Co., Ltd. Nanjing (China) 100,00
Evonik Specialty Chemicals (Shanghai) Co., Ltd. Schanghai (China) 100,00
Evonik Specialty Silica India Pvt. Ltd. Mumbai (Indien) 100,00
Evonik Taiwan Ltd. Taipeh (Taiwan) 100,00
Evonik Tasnee Marketing LLC Riad (Saudi-Arabien) 75,00
Evonik Tianda (Liaoyang) Chemical Additive Co., Ltd. Liaoyang (China) 97,04
Evonik Ticaret Ltd. Sirketi Tuzla/Istanbul (Türkei) 100,00
Evonik Trustee Limited Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Evonik UK Holdings Ltd. Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Evonik United Silica Industrial Ltd. Taoyuan Hsien (Taiwan) 100,00
Evonik United Silica (Siam) Ltd. Rayong (Thailand) 70,00
Evonik Vietnam Limited Liability Company Ho-Chi-Minh-Stadt (Vietnam) 100,00
128D
KONZERNABSCHLUSS DER EVONIK INDUSTRIES AG ZUM 31. DEZEMBER 2020
ANTEILSBESITZLISTE GEM. § 313 ABS. 2 HGB
a Die Anteile am Kapital wurden gemäß § 16 AktG berechnet. Demnach wurden Anteile, die von dem Mutterunternehmen, von einem in den
Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen oder von einer für Rechnung dieser Unternehmen handelnden Person gehalten wurden, bei der
Berechnung berücksichtigt.
In den Konzernabschluss einbezogene Tochterunternehmen
Name des Unternehmens Sitz des Unternehmens Kapitalanteil
a
in %
Konsolidierte Unternehmen
Ausland
Evonik Wellink Silica (Nanping) Co., Ltd. Nanping (China) 60,00
Evonik Wynca (Zhenjiang) Silicon Material Co.,Ltd. Zhenjiang (China) 60,00
Granollers Química, S.L.U. Granollers (Spanien) 100,00
Insilco Ltd. Gajraula (Indien) 73,11
J
IDA Evonik High Performance Polymers (Changchun) Co., Ltd. Changchun (China) 84,04
Laporte Nederland (Holding) B.V. Amsterdam (Niederlande) 100,00
MedPalett AS Sandnes (Norwegen) 100,00
Nilok Chemicals Inc. Parsippany (New Jersey, USA) 100,00
Nippon Aerosil Co., Ltd. Tokio (Japan) 80,00
OOO Evonik Chimia Moskau (Russische Föderation) 100,00
PeroxyChem Adventus Environmental Solutions LLC Wilmington (Delaware, USA) 100,00
PeroxyChem Brasil Comercio de Produtos Quimicos Ltda. City of Barueri (Brasilien) 100,00
PeroxyChem Coöperatief U.A. Amsterdam (Niederlande) 100,00
PeroxyChem Environmental Solutions Canada ULC Prince George (Kanada) 100,00
PeroxyChem Holding Company LLC George Town (Kaimaninseln) 100,00
PeroxyChem Holdings GP LLC George Town (Kaimaninseln) 100,00
PeroxyChem Holdings LLC Dover (Delaware, USA) 100,00
PeroxyChem Holdings, L.P. George Town (Kaimaninseln) 100,00
PeroxyChem LLC Dover (Delaware, USA) 100,00
PeroxyChem Mexico S. de R.L. de C.V. Ecatepec de Morelos (Mexiko) 100,00
PeroxyChem Netherlands Holdings B.V. Amsterdam (Niederlande) 100,00
PeroxyChem Wolf River, LLC Philadelphia (Pennsylvania, USA) 100,00
Porocel Holdings, Inc. Wilmington (Delaware, USA) 100,00
Porocel Industries, LLC Wilmington (Delaware, USA) 100,00
Porocel International, LLC Cincinnati (Ohio, USA) 100,00
Porocel of Canada, Ltd. Vancouver (Kanada) 100,00
PT. Evonik Indonesia Cikarang Bekasi (Indonesien) 99,98
PT. Evonik Sumi Asih Bekasi Timur (Indonesien) 75,00
Qingdao Evonik Silica Materials Co., Ltd. Qingdao (China) 100,00
Rutgers Organics LLC Wilmington (Delaware, USA) 100,00
Silbond Corporation Weston (Michigan, USA) 100,00
SKC Evonik Peroxide Korea Co., Ltd. Ulsan (Südkorea) 55,00
Stockhausen Nederland B.V. Amsterdam (Niederlande) 100,00
Wilshire Technologies, Inc. Princeton (New Jersey, USA) 100,00
KONZERNABSCHLUSS DER EVONIK INDUSTRIES AG ZUM 31. DEZEMBER 2020
ANTEILSBESITZLISTE GEM. § 313 ABS. 2 HGB
128E
a Die Anteile am Kapital wurden gemäß § 16 AktG berechnet. Demnach wurden Anteile, die von dem Mutterunternehmen, von einem in den
Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen oder von einer für Rechnung dieser Unternehmen handelnden Person gehalten wurden, bei der
Berechnung berücksichtigt.
d Aufgrund vertraglicher Vereinbarungen liegt ein maßgeblicher Einfluss vor.
In den Konzernabschluss anteilig einbezogene gemeinschaftliche Tätigkeiten
Name des Unternehmens Sitz des Unternehmens Kapitalanteil
a
in %
Gemeinschaftliche Tätigkeiten
Inland
Neolyse Ibbenbüren GmbH Ibbenbüren 50,00
Ausland
Veramaris (USA) LLC Blair (Nebraska, USA) 50,00
Veramaris V.O.F. Delft (Niederlande) 50,00
In den Konzernabschluss nach der Equity-Methode einbezogene Unternehmen
Name des Unternehmens Sitz des Unternehmens Kapitalanteil
a
in %
Gemeinschaftsunternehmen
Ausland
Daicel-Evonik Ltd. Tokio (Japan) 50,00
Evonik Lanxing (Rizhao) Chemical Industrial Co., Ltd. Rizhao (China) 50,00
Evonik Treibacher GmbH Treibach/Althofen (Österreich) 50,00
LiteCon GmbH Hönigsberg/Mürzzuschlag (Österreich) 49,00
Rusferm Limited Nikosia (Zypern) 49,00
San-Apro Ltd. Kyoto (Japan) 50,00
Saudi Acrylic Polymers Company, Ltd.
J
ubail (Saudi-Arabien) 25,00
Thai Peroxide Company Ltd. Bangkok (Thailand) 50,00
Assoziierte Unternehmen
Inland
ARG mbH & Co. KG Oberhausen
d
19,93
TÜV NORD InfraChem GmbH & Co. KG Marl 49,00
TÜV NORD InfraChem Verwaltungsgesellschaft mbH Marl 49,00
Vestaro GmbH München 49,00
Ausland
ABCR Laboratorios, S.L. Forcarei (Spanien) 50,00
Beijing Enviro - Chem Industry and Commerce Co. Ltd. Peking (China) 20,00
Zhejiang Rebirth - Porocel Innovation Co. Ltd. Ningbo (China) 22,50
128F
KONZERNABSCHLUSS DER EVONIK INDUSTRIES AG ZUM 31. DEZEMBER 2020
ANTEILSBESITZLISTE GEM. § 313 ABS. 2 HGB
a Die Anteile am Kapital wurden gemäß § 16 AktG berechnet. Demnach wurden Anteile, die von dem Mutterunternehmen, von einem in den
Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen oder von einer für Rechnung dieser Unternehmen handelnden Person gehalten wurden, bei der
Berechnung berücksichtigt.
In den Konzernabschluss zu fortgeführten Anschaffungskosten einbezogene Unternehmen
Name des Unternehmens Sitz des Unternehmens Kapitalanteil
a
in %
Nicht konsolidierte Tochterunternehmen
Inland
Evonik Superabsorber GmbH Essen 100,00
Studiengesellschaft Kohle mbH Mülheim 85,02
Ausland
Catalyst Services DISC, Inc. Cincinnati (Ohio, USA) 100,00
EGL Ltd. Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Evonik Bangladesh Ltd. Dhaka (Bangladesch) 100,00
Evonik East Africa Limited (i.L.) Nairobi (Kenia) 100,00
Evonik Ecuador S.A. Quito (Ecuador) 100,00
Evonik Guatemala, S.A. Guatemala-Stadt (Guatemala) 100,00
Evonik LCL Limited Greenford (Vereinigtes Königreich) 100,00
Evonik Pakistan (Private) Limited Karachi (Pakistan) 100,00
Innovativehealth Group, S.L.U. Madrid (Spanien) 100,00
PeroxyChem (Shanghai) Chemicals Co. Ltd. Schanghai (China) 100,00
Porocel Catalysts (Shanghai) Co., Ltd. Schanghai (China) 100,00
Porocel Industries DISC, Inc. Cincinnati (Ohio, USA) 100,00
Porocel Properties, LLC Wilmington (Delaware, USA) 100,00
Porocel Storage and Warehouse, LLC Little Rock (Arkansas, USA) 100,00
Structured Polymers Inc. Austin (Texas, USA) 100,00
Gemeinschaftsunternehmen
Inland
dev.log GmbH Niederkassel 50,00
evocenta GmbH Gelsenkirchen 24,90
Ausland
RSC Evonik Sweeteners Co., Ltd. Bangkok (Thailand) 50,00
Assoziierte Unternehmen
Inland
ARG Verwaltungs GmbH Oberhausen 20,00
J
eNaCell GmbH
J
ena 25,23
Umschlag Terminal Marl GmbH & Co. KG Marl 50,00
Umschlag Terminal Marl Verwaltungs-GmbH Marl 50,00
Ausland
HPNow ApS Kopenhagen (Dänemark) 38,30
OPTIFARM Ltd. Great Chesterford (Vereinigtes Königreich) 40,00
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
129
4.2 Akquisitionen und Desinvestitionen
Bei der Bilanzierung von Erwerben werden alle identifizierbaren Vermögenswerte, Schulden und Eventualschulden mit ihren
beizulegenden Zeitwerten zum Erwerbszeitpunkt angesetzt. Die wesentlichen Schätzungsunsicherheiten beziehen sich auf
die Bestimmung dieser beizulegenden Zeitwerte.
Grundstücke und Gebäude werden in der Regel auf Basis unabhängiger Gutachten, technische Anlagen und
Maschinen mit ihren geschätzten Wiederbeschaffungskosten bewertet.
Die Identifizierung und Bewertung immaterieller Vermögenswerte erfolgt in Abhängigkeit von der Art der immateriellen
Vermögenswerte und der Komplexität der Bestimmung ihrer beizulegenden Zeitwerte unter Verwendung angemessener
Bewertungstechniken, deren Grundlage üblicherweise die Prognose der erwarteten künftigen Cashflows ist. Erworbene
Technologien werden in der Regel mithilfe der Methode der Lizenzpreisanalogie oder mit der Residualwertmethode
bewertet. Für die Bewertung von Marken wird vorwiegend die Methode der Lizenzpreisanalogie herangezogen. Dabei wird
auf Lizenzentgelte abgestellt, die zu entrichten wären, wenn sich die Marke im Eigentum eines Dritten befände. Hierzu wird
eine angemessene, marktübliche Lizenzrate ermittelt und auf eine Basisgröße wie den Nettoumsatz angewandt, die der
Nutzung der Marke zugerechnet werden kann. Der Wert der Marke ergibt sich dann aus dem Barwert der fiktiv zu zahlenden
Lizenzentgelte. Der Wert von Kundenbeziehungen wird in der Regel durch die Residualwertmethode bestimmt. Unter der
Annahme, dass Kundenbeziehungen Cashflows meist im Verbund mit anderen materiellen oder immateriellen
Vermögenswerten erzeugen, werden bei dieser Bewertungsmethode fiktive Auszahlungen für unterstützende Vermögens-
werte von den erwarteten Einzahlungsüberschüssen in Abzug gebracht, die einem Bündel von Vermögenswerten
zugeordnet werden können, in dem die zu bewertende Kundenbeziehung enthalten ist. Der Wert der Kundenbeziehung
ergibt sich dann aus dem Barwert der residualen Einzahlungsüberschüsse.
Diese Bewertungen sind eng mit den Annahmen verbunden, die das Management hinsichtlich der künftigen
Wertentwicklung der jeweiligen Vermögenswerte und des anzuwendenden Diskontierungszinssatzes getroffen hat.
Im Folgenden werden nur wesentliche Akquisitionen erläutert. Wesentliche Desinvestitionen gab es im Geschäftsjahr 2020
nicht.
Akquisition der Gesellschaft Wilshire Technologies, Inc.
Am 16. Januar 2020 übernahm Evonik 100 Prozent der Anteile an Wilshire Technologies, Inc. (Wilshire Technologies),
Princeton (New Jersey, USA). Das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, mit der Produkte aus erneuerbaren und
tierfreien Quellen gewonnen werden können, die für kosmetische Wirkstoffe verwendet werden. Mit dem Erwerb erweitert
Evonik das Portfolio für nachhaltige kosmetische Wirkstoffe. Wilshire Technologies wurde in die Division Nutrition & Care
eingegliedert.
130
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Kaufpreisallokation für Wilshire Technologies zum Erwerbszeitpunkt
in Millionen €
Angesetzte
beizulegende
Zeitwerte
Immaterielle Vermögenswerte 7
Langfristige Vermögenswerte 7
Vorräte 3
Sonstige Vermögenswerte 4
Kurzfristige Vermögenswerte 7
Summe Vermögenswerte 14
Nettovermögen 14
Geschäfts- oder Firmenwert 5
Kaufpreis gemäß IFRS 3 19
Die immateriellen Vermögenswerte beinhalten erworbene Technologien und eine Marke. Für die Technologien wurde eine
Nutzungsdauer von zehn Jahren angenommen. Der Markenbewertung liegt eine Lizenzlaufzeit von zehn Jahren und eine
Lizenzrate von 3 Prozent zugrunde. Bei der Bewertung der immateriellen Vermögenswerte wurden Abschmelzraten
angewendet. Für die Abzinsung wurden gewichtete Kapitalkosten auf Basis von Unternehmen mit vergleichbaren
Geschäftsaktivitäten verwendet.
Der Kaufpreis wurde in US-Dollar vereinbart. Zum Erwerbszeitpunkt wurden umgerechnet 12 Millionen € durch flüssige
Mittel beglichen und weitere 7 Millionen € als sonstige finanzielle Verbindlichkeiten erfasst, die sowohl eine fest vereinbarte,
nachträgliche Kaufpreiszahlung umfassen als auch Zahlungsverpflichtungen, die an Produktlieferungen von Lieferanten
gebunden sind. Bis zum Ende des Geschäftsjahres wurden 3 Millionen € dieser Verbindlichkeiten gezahlt, während die
restlichen 4 Millionen € voraussichtlich bis zum Ablauf von zwei Jahren nach dem Erwerbszeitpunkt zu Auszahlungen führen
werden.
Der Geschäfts- oder Firmenwert bildet im Wesentlichen den erwarteten künftigen Nutzen von Vermögenswerten ab, die
nicht einzeln identifizierbar waren bzw. nicht angesetzt werden durften. Dazu zählen erwartete Synergien durch die
Rückwärtsintegration der Produktion sowie der Mitarbeiterstamm. Der gesamte Geschäfts- oder Firmenwert wird
erwartungsgemäß steuerlich abzugsfähig sein.
Akquisition des Unternehmens PeroxyChem
Evonik hatte am 7. November 2018 einen Vertrag zur Übernahme des Unternehmens PeroxyChem, Philadelphia
(Pennsylvania, USA), von One Equity Partners, Chicago (Illinois, USA), unterzeichnet. PeroxyChem ist ein Hersteller von
Wasserstoffperoxid und Peressigsäure. Die Übernahme verzögerte sich zunächst, da die US-amerikanische Behörde Federal
Trade Commission (FTC) gegen den Erwerb geklagt hatte. Im Januar 2020 wurde die Klage abgewiesen und der Erwerb
konnte daraufhin am 3. Februar 2020 vollzogen werden.
Die Akquisition erfolgte durch den Erwerb von jeweils 100 Prozent der Anteile an 16 Gesellschaften, einem
50-prozentigen und einem 20-prozentigen Gesellschaftsanteil (Share Deals). Aufgrund kartellrechtlicher Auflagen musste
der 100-prozentige Anteil an einer kanadischen PeroxyChem-Gesellschaft umgehend weiterveräußert werden. Dieser ist in
der Erstkonsolidierungsbilanz unter den kurzfristigen sonstigen finanziellen Vermögenswerten ausgewiesen.
PeroxyChem wurde in die Division Smart Materials eingegliedert. Mit dem Erwerb erweitert Evonik sein Portfolio an
umweltfreundlichen und wachstumsstarken Spezialanwendungen. Das Geschäft zeichnet sich durch überdurchschnittliches
Wachstum, niedrige Kapitalintensität und geringe zyklische Schwankungen aus.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
131
Kaufpreisallokation für PeroxyChem zum Erwerbszeitpunkt
in Millionen €
Angesetzte
beizulegende
Zeitwerte
Immaterielle Vermögenswerte 156
Sachanlagen 193
Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten 25
At Equity bilanzierte Unternehmen 29
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 6
Sonstige Vermögenswerte 49
Langfristige Vermögenswerte 458
Vorräte 30
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 45
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 22
Flüssige Mittel 6
Kurzfristige Vermögenswerte 103
Summe Vermögenswerte 561
Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen 3
Sonstige Rückstellungen 2
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 31
Latente Steuern 5
Sonstige Verbindlichkeiten 1
Langfristige Schulden 42
Sonstige Rückstellungen 10
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 23
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 309
Laufende Ertragsteuerschulden 1
Sonstige Verbindlichkeiten 8
Kurzfristige Schulden 351
Summe Schulden 393
Nettovermögen 168
Geschäfts- oder Firmenwert 119
Kaufpreis gemäß IFRS 3 287
Die immateriellen Vermögenswerte beinhalten erworbene Kundenbeziehungen, Technologien und Marken. Bei den
Kundenbeziehungen wurden Nutzungsdauern zwischen sieben und 16 Jahren, teilweise unter Verwendung von
Abschmelzraten, angenommen. Für die erworbenen Technologien kamen Nutzungsdauern zwischen fünf und 17 Jahren,
teilweise unter Verwendung von Abschmelzraten, und Lizenzraten von 4 Prozent bzw. 5 Prozent zur Anwendung. Der
Markenbewertung liegen Lizenzlaufzeiten von zehn bzw. 15 Jahren und eine Lizenzrate von 1 Prozent zugrunde. Für die
Abzinsung wurden laufzeitabhängige gewichtete Kapitalkosten unter Berücksichtigung länderspezifischer Risiko-
adjustierungen verwendet.
Die erworbenen sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten enthalten ein Darlehen in Höhe von 298 Millionen €, das als
Kaufpreisanpassung berücksichtigt wurde. Die vollständige Tilgung des Darlehens ist in der Kapitalflussrechnung im
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit ausgewiesen. Darüber hinaus wird eine Zahlung im Zusammenhang mit der Akquisition
in Höhe von 5 Millionen € als Tilgung im Cashflow aus Finanzierungstätigkeit ausgewiesen. Dies stellt gegenüber dem
Ausweis in der Quartalsmitteilung zum 31. März 2020 eine Verschiebung vom Cashflow aus Investitionstätigkeit in den
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit dar.
132
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Im Zeitraum zwischen vorläufigem erstmaligen Ansatz und Finalisierung der Eröffnungsbilanzwerte (Bewertungszeitraum)
haben sich die Werte der Bilanzpositionen zum Erwerbszeitpunkt wesentlich verändert, da in der Quartalsmitteilung zum
31. März 2020 noch keine Kaufpreisallokation vorlag und die Vermögenswerte und Schulden zu vorläufigen Buchwerten
bilanziert waren. Aufgrund der Kaufpreisallokation erhöhten sich unter anderem die immateriellen Vermögenswerte um
150 Millionen € und at Equity bilanzierte Unternehmen um 21 Millionen €. Den Sachanlagen wurden zusätzliche
50 Millionen € und den sonstigen Vermögenswerten weitere 13 Millionen € des Kaufpreises zugeordnet. Darüber hinaus
wurde eine Reklassifizierung von den Sachanlagen zu den sonstigen Vermögenswerten vorgenommen. Insgesamt erhöhten
sich die Sachanlagen im Vergleich zum ersten Quartal um 18 Millionen € und die sonstigen Vermögenswerte um
35 Millionen €.
Kaufpreis für die Akquisition von PeroxyChem
in Millionen €
Kaufpreis vor Kaufpreisanpassungen und Währungssicherungseffekten 565
Kaufpreisanpassungen -275
Auf die erworbenen Vermögenswerte übertragene Währungssicherungseffekte -3
Kaufpreis gemäß IFRS 3 287
Erworbene flüssige Mittel -6
Auszahlung gemäß Kapitalflussrechnung 281
Der in US-Dollar vereinbarte Kaufpreis wurde durch flüssige Mittel beglichen.
Entwicklung des Geschäfts- oder Firmenwertes von PeroxyChem
in Millionen €
Geschäfts- oder Firmenwert zum 03.02.2020 gemäß Quartalsmitteilung 1. Quartal 2020 344
Effekte aus der Kaufpreisallokation -225
Geschäfts- oder Firmenwert zum 03.02.2020 gemäß finalem Stand der Kaufpreisallokation 119
Währungsumrechnung -11
Geschäfts- oder Firmenwert zum 31.12.2020 108
Der Geschäfts- oder Firmenwert bildet im Wesentlichen den erwarteten künftigen Nutzen von Vermögenswerten ab, die
nicht einzeln identifizierbar waren bzw. nicht angesetzt werden durften. Dazu zählen erwartete Synergien durch die
Ergänzung der Geschäftsfelder, die Kostenoptimierung in den Bereichen Logistik, Vertrieb und Beschaffung sowie der
Mitarbeiterstamm. Voraussichtlich werden 107 Millionen € des Geschäfts- oder Firmenwertes in Höhe von 119 Millionen €
steuerlich abzugsfähig sein.
Die unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen ausgewiesenen und in den Bereinigungen enthaltenen Kosten im
Zusammenhang mit der Akquisition teilen sich wie folgt auf:
Kosten im Zusammenhang mit der Akquisition von PeroxyChem
in Millionen € 2018 2019 2020
Akquisitionskosten 8 22
6
Integrationskosten – – 8
Summe 8 22 14
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
133
Seit dem Erwerbszeitpunkt betrugen die Umsatzerlöse von PeroxyChem 239 Millionen € und das Ergebnis nach
Steuern -13 Millionen €. Das Ergebnis nach Steuern enthält einen Verlust in Höhe von 12 Millionen € aus der aufgrund
kartellrechtlicher Auflagen notwendigen Weiterveräußerung einer kanadischen PeroxyChem-Gesellschaft sowie einen Teil
der Integrationskosten. Bei der Bestimmung des Ergebnisses wurden zusätzliche Aufwendungen in Höhe von 6 Millionen €
berücksichtigt, die daraus resultieren, dass die von Evonik im Rahmen der Unternehmensakquisition erworbenen und in der
Berichtsperiode verbrauchten Vorräte durch die Kaufpreisallokation aufgewertet wurden. Diese Effekte sind unter den
sonstigen betrieblichen Aufwendungen ausgewiesen und in den Bereinigungen enthalten. Ferner enthält das Ergebnis
Abschreibungen auf die in der Kaufpreisallokation neu angesetzten und neu bewerteten Vermögenswerte.
Akquisition der Porocel-Gruppe
Am 3. November 2020 übernahm Evonik die Porocel-Gruppe (Porocel), Wilmington (Delaware, USA). Die Akquisition
erfolgte durch den Erwerb von jeweils 100 Prozent der Anteile an zwölf Gesellschaften und einem 22,5-prozentigen Anteil
an einer weiteren Gesellschaft (Share Deals). Die Gruppe wurde in die Division Smart Materials eingegliedert.
Porocel verfügt über eine Technologie zur hocheffizienten Regenerierung von Entschwefelungskatalysatoren. Diese
werden im wachsenden Markt für schwefelarme Kraftstoffe verstärkt nachgefragt. Die Technologie bietet Kunden bei einem
vergleichbaren Wirkungsgrad erhebliche CO
2
-Einsparungen sowie einen klaren Kostenvorteil gegenüber dem Einsatz von
neu produzierten Katalysatoren. Die Akquisition bietet Evonik Marktzugang zu Großkunden in der Raffinerie und Petro-
chemie. Zudem verfügt Porocel über freie Produktionskapazitäten, wodurch sich Evonik die Chance erschließt, das
bestehende Geschäft mit Festbettkatalysatoren schneller auszubauen.
134
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Vorläufige Kaufpreisallokation für Porocel zum Erwerbszeitpunkt
in Millionen €
Angesetzte
beizulegende
Zeitwerte
Immaterielle Vermögenswerte 56
Sachanlagen 58
Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten 9
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 1
Langfristige Vermögenswerte 124
Vorräte 37
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 14
Sonstige Vermögenswerte 11
Flüssige Mittel 30
Kurzfristige Vermögenswerte 92
Summe Vermögenswerte 216
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 7
Latente Steuern 24
Sonstige Verbindlichkeiten 4
Langfristige Schulden 35
Sonstige Rückstellungen 12
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 3
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 32
Sonstige Verbindlichkeiten 9
Kurzfristige Schulden 56
Summe Schulden 91
Vorläufiges Nettovermögen 125
Vorläufiger Geschäfts- oder Firmenwert 48
Vorläufiger Kaufpreis gemäß IFRS 3 173
Die Kaufpreisallokation ist noch nicht abgeschlossen. Es können sich deshalb noch Änderungen bei den Bewertungs-
parametern und der Zuordnung des Kaufpreises auf die erworbenen Vermögenswerte und Schulden ergeben. Dies betrifft
hauptsächlich die Neubewertung der immateriellen Vermögenswerte, Sachanlagen und Vorräte sowie der latenten Steuern.
Die immateriellen Vermögenswerte beinhalten erworbene Kundenbeziehungen, Technologien und Marken. Bei den
Kundenbeziehungen wird eine Nutzungsdauer von zehn Jahren unter Verwendung von Abschmelzraten angenommen. Für
die erworbenen Technologien kamen Nutzungsdauern von fünf und 15 Jahren, teilweise unter Verwendung von
Abschmelzraten, Lizenzraten zwischen 2 Prozent und 4 Prozent sowie Konditionen aus einem fest kontrahierten
Lizenzvertrag mit einem Kunden zur Anwendung. Der Markenbewertung liegen eine Lizenzlaufzeit von 15 Jahren und
Lizenzraten von 0,5 Prozent und 1 Prozent zugrunde. Für die Abzinsung wurden laufzeitabhängige gewichtete Kapitalkosten
unter Berücksichtigung länderspezifischer Risikoadjustierungen verwendet.
Die erworbenen sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten enthalten Darlehen in Höhe von 31 Millionen €, die als
Kaufpreisanpassungen berücksichtigt wurden. Die vollständigen Tilgungen der Darlehen sind in der Kapitalflussrechnung im
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit ausgewiesen. Die sonstigen Rückstellungen enthalten Verpflichtungen gegenüber
Mitarbeitern in Höhe von 5 Millionen €, die zum Erwerbszeitpunkt gezahlt wurden. Die Zahlung ist in der Kapitalfluss-
rechnung im Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit ausgewiesen.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
135
Vorläufiger Kaufpreis für die Akquisition von Porocel
in Millionen €
Kaufpreis vor Kaufpreisanpassungen 179
Vorläufige Kaufpreisanpassungen -6
Vorläufiger Kaufpreis gemäß IFRS 3 173
Erworbene flüssige Mittel -30
Auszahlung gemäß Kapitalflussrechnung 143
Der in US-Dollar vereinbarte Kaufpreis wurde durch flüssige Mittel beglichen. Es können sich aufgrund der Finalisierung
von vereinbarten Kaufpreisanpassungen, die sich unter anderem auf das Nettoumlaufvermögen, die flüssigen Mittel und die
Schulden zum Erwerbszeitpunkt beziehen, noch Änderungen des Kaufpreises ergeben.
Entwicklung des Geschäfts- oder Firmenwertes von Porocel
in Millionen €
Geschäfts- oder Firmenwert zum 03.11.2020 48
Währungsumrechnung -2
Geschäfts- oder Firmenwert zum 31.12.2020 46
Der vorläufig ermittelte Geschäfts- oder Firmenwert bildet im Wesentlichen den erwarteten künftigen Nutzen von
Vermögenswerten ab, die nicht einzeln identifizierbar waren bzw. nicht angesetzt werden durften. Dazu zählen Synergien
durch die Nutzung freier Produktionskapazitäten.
Unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen wurden Akquisitionskosten in Höhe von 5 Millionen € erfasst, die in den
Bereinigungen enthalten sind.
Seit dem Erwerbszeitpunkt betrugen die Umsatzerlöse von Porocel 11 Millionen € und das Ergebnis nach
Steuern -1 Million €. Bei der Bestimmung des Ergebnisses wurden zusätzliche Aufwendungen in Höhe von 2 Millionen €
berücksichtigt, die daraus resultieren, dass die von Evonik im Rahmen der Unternehmensakquisition erworbenen und in der
Berichtsperiode verbrauchten Vorräte durch die Kaufpreisallokation aufgewertet wurden. Diese Effekte sind unter den
sonstigen betrieblichen Aufwendungen ausgewiesen und in den Bereinigungen enthalten. Ferner enthält das Ergebnis
Abschreibungen auf die in der Kaufpreisallokation neu angesetzten und neu bewerteten Vermögenswerte.
Weitere Angaben, wie der Betrag des steuerlich abzugsfähigen Geschäfts- oder Firmenwertes, werden veröffentlicht,
nachdem die benötigten Informationen zur Verfügung stehen.
Akquisition des LACTEL®-Geschäfts
Am 31. Dezember 2020 übernahm Evonik im Rahmen eines Asset Deals das LACTEL®-Geschäft mit biologisch abbaubaren
Polymeren von DURECT Corporation, Cupertino (Kalifornien, USA). Das Geschäft wurde in die Division Nutrition & Care
eingegliedert.
LACTEL® ist eine führende Marke bei Standard- und kundenspezifischen Poly(lactid-co-glycolid)-Polymeren. Diese
werden häufig als funktionelle Hilfsstoffe verwendet, um die Freisetzung parenteraler Arzneimittel zu steuern. Sie werden
auch eingesetzt, um den biologischen Abbau von implantierbaren Medizinprodukten in einer Vielzahl von Anwendungen in
Orthopädie, Kardiologie und Wundheilung zu steuern. Die Akquisition ergänzt das bestehende Geschäft mit RESOMER®-
Polymeren und stärkt die Position von Evonik als weltweit führendes Auftragsentwicklungs- und Fertigungsunternehmen im
Bereich der Freisetzung von Arzneimitteln.
136
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Der in US-Dollar vereinbarte Kaufpreis gemäß IFRS 3 betrug umgerechnet 12 Millionen € und wurde durch flüssige Mittel
beglichen. Zusätzlich ist die Zahlung eines Betrags in Höhe von maximal 2 Millionen € an ein vertraglich definiertes
Ergebnisziel gebunden, das jedoch nach jetzigem Kenntnisstand nicht erreicht wird. Es können sich aufgrund der
Finalisierung von vereinbarten Kaufpreisanpassungen, die sich im Wesentlichen auf das Nettoumlaufvermögen beziehen,
noch Änderungen des Kaufpreises ergeben.
Eine Kaufpreisallokation wurde noch nicht durchgeführt, da die Transaktion erst am Bilanzstichtag vollzogen wurde. Es
wurden Vorräte und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von jeweils 1 Million € zu Buchwerten
übernommen. Der Unterschiedsbetrag zwischen Kaufpreis und übernommenem Nettovermögen in Höhe von 10 Millionen €
wurde vorläufig komplett dem Geschäfts- oder Firmenwert zugeordnet. Voraussichtlich wird der im Rahmen der
Kaufpreisallokation noch zu ermittelnde finale Geschäfts- oder Firmenwert steuerlich abzugsfähig sein.
Wären die zuvor beschriebenen Akquisitionen bereits am 1. Januar 2020 erfolgt, würden die in der Gewinn- und
Verlustrechnung des Evonik-Konzerns ausgewiesenen Umsatzerlöse 12.295 Millionen € (statt 12.199 Millionen €) und das
Ergebnis nach Steuern 486 Millionen € (statt 479 Millionen €) betragen. Hierbei wurde davon ausgegangen, dass die
Kaufpreisallokationen zum 1. Januar 2020 zu den gleichen Buchwertanpassungen geführt hätten.
4.3 Zur Veräußerung vorgesehene Vermögenswerte und nicht fortgeführte Aktivitäten
Ein langfristiger Vermögenswert oder eine Veräußerungsgruppe werden in der Bilanz als zur Veräußerung vorgesehen
ausgewiesen, wenn der zugehörige Buchwert überwiegend durch ein Veräußerungsgeschäft und nicht durch fortgesetzte
Nutzung realisiert wird. Die Vorjahreszahlen werden nicht angepasst. Eine Veräußerungsgruppe kann auch kurzfristige
Vermögenswerte und Schulden enthalten.
Unmittelbar vor der erstmaligen Einstufung als zur Veräußerung vorgesehen werden die Vermögenswerte und Schulden
gemäß den bisher relevanten Rechnungslegungsvorschriften bewertet. Danach werden die langfristigen Vermögenswerte
oder Veräußerungsgruppen mit dem niedrigeren Wert aus Buchwert und beizulegendem Zeitwert abzüglich Veräußerungs-
kosten angesetzt. In der Gewinn- und Verlustrechnung werden die Ergebnisse weiterhin in den fortgeführten Aktivitäten
ausgewiesen.
Ein zur Veräußerung vorgesehener langfristiger Vermögenswert oder eine Veräußerungsgruppe kann zusätzlich die
Kriterien zur Einstufung als nicht fortgeführte Aktivität erfüllen. Dabei handelt es sich entweder um einen bedeutenden
geschäftlichen oder geografischen Bereich des Unternehmens, der im Rahmen eines einzelnen Plans als Gesamtheit oder in
Teilen veräußert oder eingestellt wurde bzw. werden soll, oder um ein mit Veräußerungsabsicht erworbenes Tochter-
unternehmen.
Die Ergebnisse aus der laufenden Geschäftstätigkeit, der Bewertung und der Veräußerung einer nicht fortgeführten
Aktivität werden in der Gewinn- und Verlustrechnung getrennt von den fortgeführten Aktivitäten dargestellt. Ebenso
werden die Cashflows in der Kapitalflussrechnung gesondert ausgewiesen. Die Vorjahreszahlen werden jeweils angepasst.
Das Ergebnis nach Steuern nicht fortgeführter Aktivitäten bezog sich auch im Jahr 2020 im Wesentlichen auf das im Vorjahr
veräußerte Methacrylatgeschäft und enthält unter anderem nachträgliche Kaufpreisanpassungen.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
137
Ergebnis nach Steuern nicht fortgeführter Aktivitäten
Laufendes Ergebnis
nach Steuern
Veräußerungsergebnis
nach Steuern
Ergebnis nach Steuern nicht
fortgeführter Aktivitäten
in Millionen € 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Methacrylatgeschäft 72 – 1.283 -31 1.355 -31
Sonstige nicht fortgeführte Aktivitäten – – -2 7 -2 7
Ergebnis nach Steuern nicht fortgeführter Aktivitäten 72 – 1.281 -24 1.353 -24
Laufendes Ergebnis des Methacrylatgeschäfts
in Millionen € 2019 2020
Erträge 994
–
Aufwendungen -893 –
Laufendes Ergebnis vor Ertragsteuern des Methacrylatgeschäfts 101 –
Ertragsteuern -29 –
Laufendes Ergebnis nach Steuern des Methacrylatgeschäfts 72 –
Veräußerungsergebnis der nicht fortgeführten Aktivitäten
in Millionen € 2019 2020
Methacrylatgeschäft 1.506
-25
Sonstige nicht fortgeführte Aktivitäten -2 5
Ergebnis vor Ertragsteuern aus der Veräußerung nicht fortgeführter Aktivitäten 1.504 -20
Methacrylatgeschäft -223 -6
Sonstige nicht fortgeführte Aktivitäten – 2
Ertragsteuern -223 -4
Methacrylatgeschäft 1.283 -31
Sonstige nicht fortgeführte Aktivitäten -2 7
Ergebnis nach Steuern aus der Veräußerung nicht fortgeführter Aktivitäten 1.281 -24
138
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
5. Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung
5.1 Umsatzerlöse
Die Umsatzrealisierung erfolgt grundsätzlich bei Erfüllung der in einem Vertrag bzw. Vertragsbündel enthaltenen separaten
Leistungsverpflichtungen in Höhe des Transaktionspreises, der diesen erfüllten Leistungsverpflichtungen zugeordnet wird.
Liegt einem Vertrag mit einem Kunden eine durchsetzbare wirtschaftliche Substanz zugrunde, sind die Zahlungs-
bedingungen bekannt und ist der Leistungsaustausch wahrscheinlich, liegt grundsätzlich ein Vertrag im Anwendungs-
bereich des IFRS 15 „Revenue from contracts with customers“ vor. Eine Zusammenfassung von Verträgen mit demselben
Kunden ist für Bilanzierungszwecke vorzunehmen, wenn die Verträge in zeitlicher Nähe geschlossen werden und wirtschaft-
lich miteinander zusammenhängen. Tauschgeschäfte von gleichartigen Produkten mit Mitbewerbern zur Überbrückung von
Engpässen oder zur Einsparung von Transportkosten sind explizit nicht im Anwendungsbereich des IFRS 15 und führen
demnach nicht zu einem Umsatzausweis.
Eine separate Leistungsverpflichtung liegt dann vor, wenn die im Vertrag enthaltenen Produkte oder Dienstleistungen
separat identifizierbar sind und der Kunde das Produkt oder die Dienstleistung direkt nutzen und von anderen Produkten und
Dienstleistungen aus dem gleichen Vertrag trennen kann. Frachtleistungen im Rahmen von Produktlieferungen sind dann
separate Leistungsverpflichtungen, wenn die Frachtleistung nach Übertragung der Kontrolle der Produkte auf den Kunden
stattfindet. Wird im Rahmen von Produktverkäufen mit dem Kunden eine vorübergehende Lagerung der Produkte bis zur
finalen Abholung durch den Kunden oder Versendung an diesen vereinbart und findet diese Lagerung nach der Übertragung
der Kontrolle der Produkte auf den Kunden statt, liegt eine separate Leistungsverpflichtung in Form einer Lagerleistung vor.
An Kunden in Einzelfällen kostenlos übertragene Draufgaben stellen in der Regel ebenfalls eine separate Leistungs-
verpflichtung dar.
Der Transaktionspreis ist die von dem Kunden erwartete Gegenleistung für die Übertragung der Produkte oder die
Erbringung der Dienstleistungen. Dieser beinhaltet fixe und variable Komponenten. Bei der Bestimmung des Transaktions-
preises werden mengenabhängige Rabatte und Boni mit ihrem Erwartungswert einbezogen. Dies führt zu einer regel-
mäßigen Anpassung des Transaktionspreises auf Basis der Schätzung der für die Zahlung von Rabatten und Boni zugrunde
liegenden Jahresmengen. Bei Vorliegen einer signifikanten Finanzierungskomponente aufgrund von langfristigen Voraus-
zahlungen des Kunden steigt der Transaktionspreis und diese Finanzierungskomponente führt zu einer Erfassung von
Finanzierungsaufwendungen.
Bei Vorliegen mehrerer Leistungsverpflichtungen erfolgt die Allokation des Transaktionspreises einschließlich
möglicher Preisnachlässe auf die einzelnen Leistungsverpflichtungen entsprechend den relativen Einzelveräußerungspreisen.
Sind die Einzelveräußerungspreise nicht anhand eines beobachtbaren Marktpreises ermittelbar, werden angemessene
Schätzungen angewendet. Für Fracht- oder Lagerleistungen, die im Rahmen von Produktlieferungen eine separate
Leistungsverpflichtung darstellen, ist ein Teil des Transaktionspreises aus dem Produktliefervertrag auf die Fracht- oder
Lagerleistung zu allokieren. Ist eine kostenlos übertragene Draufgabe eine separate Leistungsverpflichtung und enthält der
zugrunde liegende Produktliefervertrag eine festgelegte Mindestabnahmemenge, wird angenommen, dass die Vergütung
der kostenlos gelieferten Draufgabe über die Mindestabnahmemengen vom jeweiligen Kunden erfolgt und demnach auch
ein Teil des Transaktionspreises auf die Draufgabe zu allokieren ist.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
139
Bei den Kriterien für die Erfüllung einer Leistungsverpflichtung erfolgt folgende Differenzierung: Umsatzerlöse aus
Produktlieferungen werden im Konzern zeitpunktbezogen realisiert, sobald der Kunde die Kontrolle über die Produkte
erlangt hat. Hierbei sind Regelungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen wie auch individuelle vertragliche
Vereinbarungen zu beurteilen; dazu gehören unter anderem auch die Incoterms©. Mit einigen Kunden bestehen
Konsignationslagervereinbarungen, für die der Kontrollübergang der Waren auf den Kunden in der Regel erst bei Entnahme
der Waren aus dem Lager stattfindet. Eine Abrechnung der Waren und die dazugehörige Rechnungsstellung erfolgt
überwiegend monatlich mit kurzfristigen Zahlungsbedingungen (weniger als drei Monate). Umsatzerlöse aus
Dienstleistungen werden im Konzern zeitraumbezogen realisiert. Die Bestimmung der Höhe der zu realisierenden
Umsatzerlöse erfolgt anhand des Fertigstellungsgrads in Höhe der bereits geleisteten Arbeiten in Relation zur Gesamt-
leistung. Für die Ermittlung des Fertigstellungsgrads werden sowohl input- als auch outputbezogene Verfahren heran-
gezogen. Eine vertragliche Verbindlichkeit für durch Kunden geleistete langfristige Vorauszahlungen wird linear über den
vertraglich vereinbarten Zeitraum der Leistungserbringung als Umsatzerlöse erfasst.
Die Umsatzerlöse betragen 12.199 Millionen € (Vorjahr: 13.108 Millionen €) und beinhalten in allen Segmenten
hauptsächlich Erlöse aus dem Verkauf von Produkten und Dienstleistungen.
Produktverkäufe erfolgen in allen Segmenten über mehrjährige Rahmenverträge mit jährlichen Anpassungen der Mengen
und Preise. Daneben existieren Kundenvereinbarungen zur Lieferung festgelegter Kapazitäten, die ebenfalls hinsichtlich
Mengen und Preisen regelmäßig neu verhandelt werden. Des Weiteren beliefert der Konzern einen Teil der Kunden auch
über kurzfristige Bestellungen. In Einzelfällen vereinbart der Konzern mit Kunden rechtlich durchsetzbare Mindest-
abnahmemengen. Die zugrunde liegenden Preise sind häufig variabel, das heißt beispielsweise rohstoffpreisbasiert oder
energiepreisindexiert, und stehen erst zum Zeitpunkt der Lieferung bzw. des Kontrollübergangs fest. Darüber hinaus
existieren mengenabhängige Rabatte und Boni, die in der Regel auf Jahresbasis vereinbart werden. In Einzelfällen leisten
Kunden langfristige Vorauszahlungen für das Vorhalten bzw. Aufbauen von kundenspezifischen Produktionskapazitäten.
Diese werden als vertragliche Verbindlichkeiten aus Verträgen mit Kunden ausgewiesen und über den Zeitraum der
Leistungserbringung umsatzwirksam. Im Rahmen von Standortverträgen beliefert der Konzern Kunden mit Energie (zum
Beispiel Dampf, Wasser, Strom, Gas), üblicherweise über längerfristige Zeiträume. Die Lieferung der Energien erfolgt in der
Regel frei Verbrauchsstelle der Kunden, das heißt inklusive des Transports zwischen Erzeugungsanlage und Verbrauchsstelle.
Die Festlegung der Bestellmengen erfolgt durch den Kunden. Die Preise unterteilen sich in Arbeits- und Leistungspreise. Die
Rechnungsstellung erfolgt bei Lieferung, mindestens einmal monatlich. Die Zahlungskonditionen sind in der Regel
kurzfristiger Natur, das heißt, es werden Zahlungsziele zwischen 30 Tagen und 60 Tagen gewährt.
Dienstleistungen werden im Wesentlichen vom Segment Services und im geringeren Umfang auch von den Chemie-
Divisionen (zum Beispiel Lohnfertigung bestimmter chemischer Produkte) erbracht. Das Segment Services bietet für die vier
Chemie-Divisionen und für externe Kunden an unseren Standorten Leistungen rund um Standortmanagement, Ver- und
Entsorgung, technischen Service, Verfahrenstechnik und Engineering sowie Logistik an.
Die Division Nutrition & Care bietet zudem auftragsbezogene Entwicklungen für Kunden. Der Entwicklungsprozess ist in
der Regel langfristig und kann sowohl als reiner Dienstleistungsvertrag wie auch als Werkvertrag ausgestaltet sein. Im Falle
von Werkverträgen bei Entwicklungen für Kunden sind die Transaktionspreise häufig abhängig von Meilensteinen.
Kundenzahlungen werden zeitnah nach Erreichen des jeweiligen Meilensteins fällig. Die Umsatzrealisierung erfolgt in
diesem Fall zeitraumbezogen auf Basis von outputbezogenen Verfahren. Bei kundenspezifischer Auftragsentwicklung, die
für den Konzern keinen alternativen Nutzen darstellt und die für keine anderen Kunden angeboten werden könnte, realisiert
der Konzern den Umsatz zeitraumbezogen, sofern jederzeit ein Anspruch auf Vergütung der bereits erfolgten Arbeiten,
inklusive Marge, besteht. Darüber hinaus erfolgt eine zeitraumbezogene Umsatzrealisierung, sofern der Konzern ein
bestehendes Kundenprodukt oder ein kundenbezogenes Know-how weiterentwickelt. Hängt die Erreichung von
140
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Meilensteinen von Faktoren ab, die Evonik nicht beeinflussen kann, wie zum Beispiel die erfolgreiche Zulassung bestimmter
Wirkstoffe oder Produkte durch den Kunden, erfolgt eine Umsatzrealisierung erst in dem Zeitpunkt, in dem das Erreichen
des Meilensteins sicher feststeht.
In den vier Chemie-Divisionen werden darüber hinaus Lizenzen vergeben unter anderem zur Nutzung von Know-how, zum
Bau von Anlagen sowie zur Herstellung und zum Vertrieb von Produkten. Die Lizenzen sind in der Regel separate
Leistungsverpflichtungen, die entweder als Nutzungs- oder als Zugangsrecht ausgestaltet sind. Bei Nutzungsrechten erfolgt
die Umsatzrealisierung zeitpunktbezogen und bei Zugangsrechten zeitraumbezogen. Die Transaktionspreise für Lizenzen
beinhalten in Einzelfällen fest vereinbarte Lizenzzahlungen, die häufig zeitnah nach Erreichen eines vordefinierten
Meilensteins fällig werden. In weiteren Fällen zahlen die Kunden umsatzbasierte Lizenzentgelte, die erst als Umsatz realisiert
werden, wenn der jeweilige Kunde seinen mit dem Lizenzentgelt verbundenen Umsatz erzielt hat.
Umsatzerlöse nach Segmenten und Regionen 2020
in Millionen €
Europa, Naher
Osten & Afrika Nordamerika
Mittel- &
Südamerika Asien-Pazifik
Summe
Konzern
Specialty Additives 1.330 839 92 964
3.225
Nutrition & Care 975 878 296 843 2.992
Smart Materials 1.473 858 93 811 3.235
Performance Materials 1.427 339 55 162 1.983
Services 656 39 – 39 734
Corporate, andere Aktivitäten 7 – 1 22 30
Summe Konzern 5.868 2.953 537 2.841 12.199
davon Umsatzerlöse, die nicht in den Anwendungsbereich
von IFRS 15 fallen 14 -11 -1 5
7
Umsatzerlöse nach Segmenten und Regionen 2019
in Millionen €
Europa, Naher
Osten & Afrika Nordamerika
Mittel- &
Südamerika Asien-Pazifik
Summe
Konzern
Specialty Additives 1.421 922 94 944 3.381
Nutrition & Care 966 849 313 794 2.922
Smart Materials 1.622 729 107 913 3.371
Performance Materials 1.980 406 75 173 2.634
Services 699 46 – 18 763
Corporate, andere Aktivitäten 12 – 2 23 37
Summe Konzern 6.700 2.952 591 2.865 13.108
davon Umsatzerlöse, die nicht in den Anwendungsbereich
von IFRS 15 fallen 8 -32 -7 -29 -60
Vorjahreszahlen angepasst.
Bei den Umsatzerlösen, die nicht in den Anwendungsbereich des IFRS 15 fallen, handelt es sich um im Hedge Accounting
erfasste Ergebnisse aus der Währungssicherung für geplante Fremdwährungsumsätze und um Umsatzerlöse aus Operating-
Leasing-Verhältnissen.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
141
Umsatzerlöse können aus Leistungsverpflichtungen resultieren, die in früheren Perioden bereits erfüllt wurden. Dies
kann bei Rabatt- und Bonusvereinbarungen zutreffen, wenn die in Vorjahren gebildete Verbindlichkeit aus Rückerstattung
für Rabatt- und Bonusvereinbarungen nicht zur Endabrechnung im aktuellen Geschäftsjahr passt. Weiterhin trifft dies auf
Lizenzvereinbarungen zu, die als Nutzungsrecht mit umsatzbasierten Lizenzentgelten ausgestaltet sind.
Umsatzerlöse aus Leistungsverpflichtungen, die in früheren Perioden erfüllt wurden
in Millionen € 2019 2020
Rabatt- und Bonusvereinbarungen 18
9
Lizenzvereinbarungen 1 1
Summe 19 10
Fest kontrahierte Leistungsverpflichtungen, die zum Abschlussstichtag noch nicht vollständig erfüllt wurden, führen
voraussichtlich zu einer Umsatzrealisierung in Folgejahren. Die Ermittlung des Transaktionspreises der verbleibenden
Leistungsverpflichtungen erfolgt grundsätzlich in Höhe der bereits zum Bilanzstichtag fest mit Kunden kontrahierten Mengen
und Leistungen, für die sowohl der Kunde eine Abnahmeverpflichtung als auch der Konzern eine Leistungsverpflichtung hat.
Variable Transaktionspreiselemente werden auf Basis einer Schätzung, die sich am aktuellen Preis orientiert, in die
zukünftigen Umsatzerlöse einbezogen. Umsatz- oder nutzungsbasierte Lizenzerlöse, die als Zugangsrecht ausgestaltet sind,
werden bei rechtlich durchsetzbarer Mindestabnahmemenge einbezogen. Evonik wendet die Ausnahmeregelung gemäß
IFRS 15.121 an und verzichtet auf die Angabe der verbleibenden Leistungsverpflichtungen aus Verträgen mit einer
erwarteten Laufzeit von maximal einem Jahr.
Transaktionspreise verbleibender Leistungsverpflichtungen zum 31.12.2020
Umsatzrealisierung in
in Millionen €
über 1 bis 3
Jahren
über 3 bis 5
Jahren
über 5 Jahren Gesamt
Transaktionspreise verbleibender Leistungsverpflichtungen 873 515 1.229 2.617
Transaktionspreise verbleibender Leistungsverpflichtungen zum 31.12.2019
Umsatzrealisierung in
in Millionen €
über 1 bis 3
Jahren
über 3 bis 5
Jahren über 5 Jahren Gesamt
Transaktionspreise verbleibender Leistungsverpflichtungen 867 452 1.006 2.325
Weitere Informationen zu vertraglichen Vermögenswerten aus Verträgen mit Kunden werden in der Anhangziffer 6.8
dargestellt und zu vertraglichen Verbindlichkeiten aus Verträgen mit Kunden in der Anhangziffer 6.13.
142
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
5.2 Funktionskosten
Zur Ermittlung der Kosten der Funktionsbereiche muss grundsätzlich auf Daten aus der Kostenrechnung zurückgegriffen
werden. Die Bewertung nach IFRS ist der führende Wertansatz im Konzern. Den Funktionsbereichen dürfen daher keine
kalkulatorischen Kosten zugeordnet werden. Die Ermittlung der Funktionskosten erfolgt nach interner Leistungs-
verrechnung, damit Leistungsbeziehungen zwischen Funktionsbereichen berücksichtigt werden.
Evonik unterscheidet zwischen folgenden Funktionsbereichen: Kosten der umgesetzten Leistungen, Vertriebskosten,
Forschungs- und Entwicklungskosten und allgemeine Verwaltungskosten.
Nicht den Funktionsbereichen zuordenbare, operative Aufwendungen werden als sonstige betriebliche Aufwendungen
ausgewiesen.
Die Funktionskosten betragen 11.266 Millionen € (Vorjahr: 11.920 Millionen €). In den Funktionskosten sind
Wertminderungen nach IAS 36 in Höhe von 3 Millionen € enthalten (Vorjahr: keine). Die Segmentierung sowie zusätzliche
Erläuterungen werden zusammen mit den in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen ausgewiesenen Wertminderungen
nach IAS 36 unter Anhangziffer 6.5 dargestellt.
5.3 Sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen
Sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen
Sonstige betriebliche
Erträge
Sonstige betriebliche
Aufwendungen
in Millionen €
2019 2020 2019 2020
Restrukturierungsmaßnahmen 83 33 -101 -48
davon Wertaufholungen/-minderungen nach IAS 36 – – -6 –
davon aus dem Abgang von Vermögenswerten – 2 -8 -2
davon aus der Auflösung von/Zuführung zu übrigen Rückstellungen 73 29 -56 -23
Auflösung von / Zuführung zu übrigen Rückstellungen
a
86 52 -34 -71
Rekultivierungs- und Umweltschutzmaßnahmen 1 1 -23 -13
Abgang von Vermögenswerten
a
21 9 -9 -21
Wertaufholungen/-minderungen nach IAS 36
a
– – -52 -21
Wertaufholungen / -minderungen nach IFRS 9 (Nettodarstellung)
b
– – -5 -1
Umrechnung operativer monetärer Bilanzposten (Nettodarstellung)
b
– – -4 -4
Operative Währungssicherung (Nettodarstellung)
b
– – -7 -12
REACH-Verordnung 1 1 -10 -11
Übrige
a
167 249 -221 -272
Sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen 359 345 -466 -474
davon Bereinigungen 138 86 -240 -161
a
Ohne Restrukturierungsmaßnahmen.
b
Bruttoerträge und –aufwendungen aus der operativen Währungssicherung, aus der Umrechnung operativer monetärer Bilanzposten und aus Wertminderungen und –aufholungen nach
IFRS 9 werden miteinander saldiert; die hieraus resultierenden Nettoergebnisse sind entsprechend ihrem jeweiligen Vorzeichen in den sonstigen betrieblichen Erträgen oder
Aufwendungen ausgewiesen.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
143
Die Erträge und Aufwendungen aus Restrukturierungsmaßnahmen resultieren im Wesentlichen wie bereits im Vorjahr aus
dem Programm zur Senkung der Vertriebs- und Verwaltungskosten. Erneut kam es zu einer Neueinschätzung der
Verpflichtungen aus diesem Programm, die mit einer Veränderung der betroffenen Mitarbeiter einherging. Dies führte zu
Auflösungen von Restrukturierungsrückstellungen sowie einer Neubildung entsprechender Rückstellungen. Darüber hinaus
sind Aufwendungen im Zusammenhang mit der Schließung einer Produktionsanlage der Division Nutrition & Care sowie
Erträge im Zusammenhang mit der Optimierung des Produktportfolios der Division Performance Materials enthalten. Im
Vorjahr resultierten die Erträge und Aufwendungen aus Restrukturierungsmaßnahmen im Wesentlichen neben den
Programmen zur Senkung der Vertriebs- und Verwaltungskosten auch aus Projekten zur Effizienzsteigerung der Oleochemie
in der Division Nutrition & Care, zur Optimierung des Produktportfolios der Division Performance Materials und aus dem
vollzogenen Verkauf des Produktionsstandortes in Ungarn. In der Zeile Restrukturierungsmaßnahmen werden auch Erträge
und Aufwendungen ausgewiesen, die ansonsten aufgrund ihrer Art anderen Zeilen der sonstigen betrieblichen Erträge und
Aufwendungen zuzuordnen wären.
Die Verluste aus dem Abgang von Vermögenswerten resultieren mit -12 Millionen € aus der aufgrund kartellrechtlicher
Auflagen notwendigen Weiterveräußerung einer kanadischen PeroxyChem-Gesellschaft. Im Vorjahr resultierten die
Gewinne und Verluste aus dem Abgang von Beteiligungen aus dem Verkauf der Tochterunternehmen Evonik Thai Aerosil
Co., Ltd. und Evonik Agroferm Zrt.
Abgang von Vermögenswerten
Gewinne Verluste
in Millionen € 2019 2020 2019 2020
Sachanlagen 10 11 -4 -5
Beteiligungen 11 – -7 -14
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – – -3 -3
Sonstige Vermögenswerte – – -3 -1
Summe 21 11 -17 -23
Insgesamt sind in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen -21 Millionen € (Vorjahr: -58 Millionen €)
Wertminderungen nach IAS 36 enthalten. Die Segmentierung sowie zusätzliche Erläuterungen zu den nach IAS 36
ermittelten Wertminderungen und Wertaufholungen werden zusammen mit den in den Funktionskosten ausgewiesenen
Wertminderungen nach IAS 36 unter Anhangziffer 6.5 dargestellt.
Im laufenden Jahr sind Nettoaufwendungen aus Wertminderungen und Wertaufholungen nach IFRS 9 „Financial
Instruments“ für erwartete Kreditverluste in Höhe von 1 Million € (Vorjahr: 5 Millionen €) angefallen, die ausschließlich
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen betreffen.
Die Nettoerträge bzw. –aufwendungen aus der Umrechnung operativer monetärer Bilanzposten und aus der operativen
Währungssicherung betreffen in Fremdwährung erfasste Bilanzpositionen, die im Rahmen des operativen Geschäfts
entstanden sind und deren Währungsrisiko in einem Portfolioansatz gesichert wird; vgl. Anhangziffer 9.4.4.
144
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Die übrigen Erträge in Höhe von 249 Millionen € (Vorjahr: 167 Millionen €) enthalten in Höhe von 52 Millionen €
(Vorjahr: 71 Millionen €) Erträge aus gelegentlichen, ungeplanten und nicht auf Dauer angelegten Geschäftstätigkeiten des
Konzerns (Nebengeschäfte). Weiterhin sind in Höhe von 19 Millionen € (Vorjahr: 7 Millionen €) Erträge aus Fördergeldern
enthalten, die im Zusammenhang mit Maßnahmen im Rahmen der Energiewende stehen. Des Weiteren werden in den
übrigen Erträgen Versicherungserstattungen, –prämien und -provisionen ausgewiesen. Ebenfalls enthalten sind Erträge in
Höhe von 6 Millionen € (Vorjahr: keine) aus in Anspruch genommenen öffentlichen Zuwendungen in der Region China im
Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.
Die übrigen Aufwendungen in Höhe von -272 Millionen € (Vorjahr: -221 Millionen €) beinhalten in Höhe von
- 28 Millionen € (Vorjahr: -41 Millionen €) Kosten im Zusammenhang mit dem Erwerb von PeroxyChem und Porocel,
weiteren Akquisitionen aus Vorjahren und dem Verkauf des Methacrylatgeschäfts. Darüber hinaus werden hierunter
Versicherungsselbstbehalte, Fremd- und Betriebsleistungen, Aufwendungen für Nebengeschäfte, Provisionen, sonstige
Steuern und Rechts- und Beratungskosten ausgewiesen.
Evonik bezeichnet die Sondereinflüsse, die bei der Ermittlung der operativen Steuerungsgrößen bereinigtes EBITDA und
bereinigtes EBIT herausgerechnet werden, als Bereinigungen. Diese Bereinigungen sind in der Gewinn- und Verlust-
rechnung Bestandteil der sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen und betreffen folgende Funktionsbereiche:
Bereinigungen
Sonstige betriebliche
Erträge
Sonstige betriebliche
Aufwendungen
in Millionen € 2019 2020 2019 2020
Herstellungsbezogen 23 29 -76 -61
Vertriebsbezogen 18 7 -22 -10
Verwaltungsbezogen 43 21 -74 -50
Keinem Funktionsbereich zugeordnet 54 29 -68 -40
Summe 138 86 -240 -161
5.4 Ergebnis aus at Equity bilanzierten Unternehmen
Ergebnis aus at Equity bilanzierten Unternehmen
in Millionen € 2019 2020
Erträge aus der Equity-Bewertung 19
16
Aufwendungen aus der Equity-Bewertung -14 -1
Ergebnis aus at Equity bilanzierten Unternehmen 5 15
davon Bereinigungen -13 4
Die Bereinigungen betreffen die Wertaufholung eines at Equity bilanzierten Unternehmens in Höhe von 4 Millionen €
(Vorjahr: 13 Millionen € Wertminderung). Die Segmentierung sowie zusätzliche Erläuterungen zu den nach IAS 36
ermittelten Wertminderungen und -aufholungen werden unter Anhangziffer 6.5 dargestellt.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
145
5.5 Finanzergebnis
Finanzergebnis
in Millionen € 2019 2020
Erträge aus Wertpapieren und Ausleihungen 12
15
Zinsen und ähnliche Erträge aus Derivaten 7 5
Sonstige zinsähnliche Erträge 85 28
Zinserträge 104 48
Zinsaufwendungen aus Finanzverbindlichkeiten -47 -37
Zinsen und ähnliche Aufwendungen aus Derivaten -36 -14
Zinsaufwand aus sonstigen Rückstellungen
a
-34 -23
Netto-Zinsaufwand aus Pensionen -66 -54
Zinsaufwand aus Leasingverhältnissen -16 -16
Sonstige zinsähnliche Aufwendungen -22 -27
Zinsaufwendungen -221 -171
Ergebnis aus der Umrechnung finanzierungsbezogener Bilanzposten -12 -41
Ergebnis aus finanzierungsbezogener Währungssicherung 3 36
Übrige Finanzerträge und -aufwendungen -6 -7
Sonstiges Finanzergebnis -15 -12
Finanzergebnis -132 -135
a
Diese Position enthält Aufwendungen aus der Aufzinsung sowie aus Zinssatzänderungen der sonstigen Rückstellungen.
Zinserträge aus Ausleihungen sowie Zinsaufwendungen aus Finanzverbindlichkeiten werden zeitanteilig unter
Anwendung der Effektivzinsmethode erfasst. Durch die negative Verzinsung von kurzfristigen Geldanlagen ergibt sich wie
im Vorjahr ein negativer Zinsertrag von 2 Millionen € (Vorjahr: 1 Million €), der in die Position Zinsaufwendungen aus
Finanzverbindlichkeiten eingeflossen ist.
Die sonstigen zinsähnlichen Erträge enthalten 9 Millionen € anrechenbare Steuern (Vorjahr: 16 Millionen €) im
Zusammenhang mit Erträgen aus dem Planvermögen und im Vorjahr einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag
aus der Auflösung von Rückstellungen für beendete Rechtsstreitigkeiten.
Die Position Zinsen und ähnliche Aufwendungen aus Derivaten sowie die entsprechende Ertragsposition enthalten im
Wesentlichen die Zinsabgrenzungen und die realisierten Zinsen aus dem Zinstausch der zur Währungssicherung von
langfristigen konzerninternen Darlehen eingesetzten Zins-Währungs-Swaps.
Die sonstigen zinsähnlichen Aufwendungen enthalten wie im Vorjahr 1 Million € für eine signifikante Finanzierungs-
komponente im Zusammenhang mit langfristigen Vorauszahlungen von Kunden.
Das im sonstigen Finanzergebnis ausgewiesene Ergebnis aus der Umrechnung finanzierungsbezogener Bilanzposten
resultiert im Wesentlichen aus dem Wechselkursrisiko der in Fremdwährung denominierten kurzfristigen konzerninternen
Finanzierungstransaktionen (Cashpooling) sowie der Fremdwährungszahlungsmittelbestände, da diese Bilanzpositionen
nicht im Rahmen von Hedge Accounting bilanziert werden.
Die Effekte der zugehörigen Währungssicherungen werden innerhalb der Position Ergebnis aus finanzierungsbezogener
Währungssicherung ausgewiesen, in der auch die Ineffektivitäten gezeigt werden, vgl. Anhangziffer 9.4.4.
In den übrigen Finanzerträgen und -aufwendungen ist wie im Vorjahr kein Nettogewinn im Hinblick auf wertgeminderte
finanzielle Vermögenswerte enthalten.
146
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
5.6 Ertragsteuern
Ertragsteuern in der Gewinn- und Verlustrechnung
in Millionen € 2019 2020
Laufende Ertragsteuern 356
244
davon periodenfremd 17 23
Latente Steuern -176 -63
davon periodenfremd -22 -27
davon aus temporären Differenzen -129 -56
Ertragsteuern 180 181
Vorjahreszahlen angepasst.
Die steuerliche Überleitungsrechnung zeigt die Entwicklung von den erwarteten zu den effektiven Ertragsteuern der
Gewinn- und Verlustrechnung. Die erwarteten Ertragsteuern basieren auf einem Gesamtsteuersatz von 32 Prozent. Der
Gesamtsteuersatz setzt sich aus der Körperschaftsteuer mit 15 Prozent, dem Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent sowie einer
durchschnittlichen Gewerbesteuer von ca. 16 Prozent zusammen. Die effektiven Ertragsteuern schließen die laufenden
Ertragsteuern und latenten Steuern ein.
Steuerliche Überleitungsrechnung
in Millionen € 2019 2020
Ergebnis vor Ertragsteuern fortgeführter Aktivitäten 954
684
Hierauf erwartete Ertragsteuern 305 219
Abweichung durch die Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer 5 4
Abweichungen von dem erwarteten Steuersatz -67 -53
Bewertungsänderungen latenter Steuern -12 -23
Verluste ohne Bildung latenter Steuern sowie Nutzung von Verlustvorträgen -60 1
Änderungen des Steuersatzes und der Steuergesetze -11 2
Nicht abzugsfähige Aufwendungen 47 25
Zinsschranke – –
Steuerfreie Erträge -14 -34
Ergebnisse aus at Equity bilanzierten Unternehmen -2 -5
Sonstige -11 45
Effektive Ertragsteuern (laufende Ertragsteuern und latente Steuern) 180 181
Effektiver Ertragsteuersatz in % 18,9 26,4
Die Position Bewertungsänderungen latenter Steuern beinhaltet ausschließlich Wertaufholungen auf bisher nicht angesetzte
latente Steuern. Davon entfallen 17 Millionen € auf Verlustvorträge und 6 Millionen € auf temporäre Differenzen. Unter der
Position Sonstige werden periodenfremde Steuern, nicht anrechenbare Quellensteuern sowie insbesondere die
Neubewertung unsicherer Ertragsteuerpositionen ausgewiesen.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
147
5.7 Ergebnis nach Steuern
Ergebnis nach Steuern
in Millionen € 2019 2020
Ergebnis nach Steuern fortgeführter Aktivitäten 774
503
davon entfallen auf andere Gesellschafter 21 14
davon entfallen auf Gesellschafter der Evonik Industries AG 753 489
Ergebnis nach Steuern nicht fortgeführter Aktivitäten 1.353 -24
davon entfallen auf andere Gesellschafter – –
davon entfallen auf Gesellschafter der Evonik Industries AG 1.353 -24
5.8 Ergebnis je Aktie
Das in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesene Ergebnis je Aktie errechnet sich aus der Division des Konzern-
ergebnisses durch die gewichtete durchschnittliche Zahl der im Umlauf befindlichen Aktien in Höhe von 466.000.000 Stück.
Das Konzernergebnis stellt das insgesamt erwirtschaftete Ergebnis des Jahres nach Abzug der auf andere Gesellschafter
entfallenden Ergebnisanteile dar, unter Einschluss des Ergebnisses der nicht fortgeführten Aktivitäten. Das Ergebnis je Aktie
kann durch sogenannte potenzielle Stammaktien verwässert werden. Da in beiden Berichtsperioden keine potenziellen
Stammaktien bestanden, entspricht das verwässerte Ergebnis je Aktie dem unverwässerten Ergebnis je Aktie.
Ergebnis je Aktie
Ergebnis je Aktie in €
(unverwässert und verwässert)
in Millionen € 2019 2020 2019 2020
Ergebnis nach Steuern fortgeführter Aktivitäten 774 503 1,66 1,08
Ergebnis nach Steuern nicht fortgeführter Aktivitäten 1.353 -24 2,90 -0,05
Abzüglich der Anteile anderer Gesellschafter am Ergebnis nach Steuern -21 -14 -0,04 -0,03
Anteile der Anteilseigner der Evonik Industries AG am Ergebnis nach Steuern
(Konzernergebnis) 2.106
465 4,52 1,00
5.9 Auswirkungen der Corona-Pandemie
Die Geschäftsentwicklung des Gesamtjahres 2020 wurde von den Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinträchtigt.
Infolge der Rezession verzeichnet Evonik eine spürbare Nachfrageabschwächung, die insbesondere aus einigen Abnehmer-
industrien resultierte, wie der Automobil- und der Kraftstoffindustrie. Hieraus resultierende Mengen- und Preiseffekte
trugen wesentlich zu dem Umsatzrückgang von 7 Prozent bei. Gegenläufig wirkten vereinzelte Entlastungen auf der
Kostenseite: Zu der Verringerung der Kosten der umgesetzten Leistung trugen vor allem geringere Rohstoffpreise
insbesondere für fossile Rohstoffe bei. Bei den Vertriebs-, Verwaltungs- sowie den Forschungs- und Entwicklungskosten
wirkten sich insbesondere die verminderte Reisetätigkeit und eine leicht gesunkene Bonusrückstellung für das Geschäftsjahr
2020 entlastend aus. In Anspruch genommene öffentliche Zuwendungen in der Region Asien, die in den sonstigen
betrieblichen Erträgen ausgewiesen wurden, wirkten ebenfalls leicht positiv.
148
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
6. Erläuterungen zur Bilanz
6.1 Immaterielle Vermögenswerte
Immaterielle Vermögenswerte werden mit ihren Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten aktiviert und - sofern die
Nutzungsdauer bestimmbar ist - planmäßig linear abgeschrieben. Vermögenswerte mit bestimmbarer Nutzungsdauer
werden bei Vermutung eines Wertminderungsbedarfs und Vermögenswerte mit unbestimmbarer Nutzungsdauer -
insbesondere Geschäfts- oder Firmenwerte - werden mindestens einmal jährlich daraufhin überprüft, ob Gründe für eine
Wertminderung vorliegen (Werthaltigkeitsprüfung).
Für Konzessionen, Schutzrechte und Lizenzen liegen die geschätzten Nutzungsdauern zwischen fünf und 25 Jahren.
Uneingeschränkt nutzbare Marken (unbestimmbare Nutzungsdauer) werden jährlich daraufhin geprüft, ob Gründe für eine
Wertminderung vorliegen und ob die Nutzungsdauer weiterhin als unbestimmbar einzustufen ist. Sofern sich die
Einschätzung ändert und die Nutzungsdauer als bestimmbar gilt, wird der Buchwert der Marken linear über die erwartete
Restnutzungsdauer planmäßig abgeschrieben.
Entwicklungskosten werden aktiviert, wenn sie einem neu entwickelten Produkt oder Verfahren, welches technisch
realisierbar ist und der eigenen Nutzung oder Vermarktung dienen kann, eindeutig zugeordnet werden können. Die
Abschreibung erfolgt linear über die geschätzte Nutzungsdauer von drei bis 15 Jahren.
Die sonstigen immateriellen Vermögenswerte umfassen überwiegend erworbene Kundenbeziehungen. Deren
Nutzungsdauern werden anhand von vertraglichen Grundlagen und Erfahrungswerten eingeschätzt und liegen überwiegend
zwischen fünf und 20 Jahren. Die Höhe der planmäßigen Abschreibung berücksichtigt auch die Fortführungs-
wahrscheinlichkeit der Kundenbeziehungen in Form einer Abschmelzrate.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
149
Entwicklung der immateriellen Vermögenswerte
in Millionen €
Geschäfts- oder
Firmenwerte
Konzessionen,
Schutzrechte,
Lizenzen
Aktivierte
Entwicklungs-
kosten
Sonstige
immaterielle
Vermögenswerte
Gesamt
Anschaffungs-/Herstellungskosten
Stand 01.01.2019 4.845 2.126 164 1.288 8.423
Währungsumrechnung 57 3 – 15 75
Zugänge Unternehmenserwerbe 5 1 – 26 32
Sonstige Zugänge – 13 2 12 27
Umgliederungen gemäß IFRS 5 -240 -56 -20 -2 -318
Abgänge -1 -23 – – -24
Umbuchungen – 12 – -6 6
Stand 31.12.2019 4.666 2.076 146 1.333 8.221
Währungsumrechnung -206 -11 – -74 -291
Zugänge Unternehmenserwerbe 182 61 – 160 403
Sonstige Zugänge – 12 – 19 31
Abgänge – -700 -142 -387 -1.229
Umbuchungen – 17 – -11 6
Stand 31.12.2020 4.642 1.455 4 1.040 7.141
Abschreibungen und Wertminderungen
Stand 01.01.2019 97 1.464 163 565 2.289
Währungsumrechnung – 2 – 2 4
Abschreibungen – 78 1 57 136
Wertminderungen – 1 – – 1
Umgliederungen gemäß IFRS 5 – -22 -20 -2 -44
Abgänge – -23 – – -23
Stand 31.12.2019 97 1.500 144 622 2.363
Währungsumrechnung – -4 – -17 -21
Abschreibungen – 77 – 66 143
Wertminderungen – 5 – – 5
Abgänge – -697 -141 -389 -1.227
Stand 31.12.2020 97 881 3 283 1.264
Buchwerte 31.12.2019 4.569 576 2 711 5.858
Buchwerte 31.12.2020 4.545 574 1 757 5.877
Die Konzessionen, Schutzrechte und Lizenzen, aktivierten Entwicklungskosten und sonstigen immateriellen
Vermögenswerte weisen im Vergleich zum Vorjahr höhere Abgänge bei Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie bei
Abschreibungen und Wertminderungen auf. Diese betreffen mit je 1.221 Millionen € bereits in Vorperioden vollständig
abgeschriebene Vermögenswerte aus lange zurückliegenden Unternehmenserwerben, die im Rahmen einer Anlagen-
inventur im Zuge der Neuausrichtung der Konzernstruktur zum 1. Juli 2020 identifiziert und nun ausgebucht wurden.
In den Konzessionen, Schutzrechten und Lizenzen sind Marken mit unbestimmbarer Nutzungsdauer in Höhe von
170 Millionen € (Vorjahr: 172 Millionen €) enthalten.
Zum Bilanzstichtag bestanden wie im Vorjahr keine eingeschränkten Eigentumsrechte an immateriellen Vermögenswerten.
150
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
6.2 Sachanlagen
Sachanlagen werden mit ihren Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten aktiviert und über ihre Nutzungsdauer planmäßig
abgeschrieben. Bei Vermutung eines Wertminderungsbedarfs werden sie daraufhin geprüft, ob Gründe für eine
Wertminderung vorliegen (Werthaltigkeitsprüfung).
Anschaffungskosten beinhalten die direkt dem Erwerb zurechenbaren Ausgaben. Herstellungskosten umfassen alle
direkt zurechenbaren Einzelkosten sowie die systematisch zurechenbaren Material- und Fertigungsgemeinkosten. Zum
Anschaffungs- bzw. Herstellungszeitpunkt werden zudem die Kosten, die sich aus der Verpflichtung der Beseitigung nach
Ende der Nutzung der Sachanlage ergeben, aktiviert.
Darüber hinaus können Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten auch Gewinne oder Verluste aus Cashflow-Hedges
enthalten, die im Rahmen der Fremdwährungssicherung von Anlageneinkäufen angefallen sind und bis zu ihrer Übertragung
auf die Sachanlagen im sonstigen Ergebnis der Gesamtergebnisrechnung erfasst wurden.
Fremdkapitalkosten, die direkt dem Erwerb, dem Bau oder der Herstellung eines qualifizierten Vermögenswertes
(erforderlicher Zeitraum von mehr als einem Jahr) zugeordnet werden können, werden als Teil der Anschaffungs- bzw.
Herstellungskosten bilanziert.
Zuwendungen der öffentlichen Hand für den Erwerb oder Bau von Sachanlagen vermindern die Anschaffungs- bzw.
Herstellungskosten. Sie werden über die Nutzungsdauer der Sachanlage in Form geminderter Abschreibungen
erfolgswirksam erfasst.
Die Abschreibung erfolgt planmäßig linear über die erwartete Nutzungsdauer der Sachanlagen. Diese liegt bei Gebäuden
zwischen fünf und 50 Jahren, bei technischen Anlagen und Maschinen zwischen zwei und 25 Jahren sowie bei anderen
Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung zwischen drei und 25 Jahren.
Gewinne und Verluste aus dem Abgang werden erfolgswirksam unter den sonstigen betrieblichen Erträgen bzw.
Aufwendungen erfasst.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
151
Entwicklung der Sachanlagen
in Millionen €
Grundstücke,
grundstücks-
gleiche Rechte
und Gebäude
Technische
Anlagen und
Maschinen
Andere Anlagen,
Betriebs- und
Geschäfts-
ausstattung
Geleistete
Anzahlungen und
Anlagen im Bau Gesamt
Anschaffungs-/Herstellungskosten
Stand 01.01.2019 3.701 13.916 1.106 1.248 19.971
Währungsumrechnung 33 98 4 13 148
Sonstige Zugänge 42 216 41 526 825
Umgliederungen gemäß IFRS 5 -334 -1.413 -59 -71 -1.877
Abgänge -47 -199 -54 -6 -306
Umbuchungen 197 699 32 -922 6
Stand 31.12.2019 3.592 13.317 1.070 788 18.767
Währungsumrechnung -120 -393 -17 -15 -545
Zugänge Unternehmenserwerbe 50 203 14 16 283
Sonstige Zugänge 70 158 37 699 964
Abgänge -24 -299 -50 -10 -383
Umbuchungen 7 279 15 -342 -41
Stand 31.12.2020 3.575 13.265 1.069 1.136 19.045
Abschreibungen und Wertminderungen
Stand 01.01.2019 1.848 10.374 914 50 13.186
Währungsumrechnung 11 65 3 – 79
Abschreibungen 89 526 66 – 681
Wertminderungen 4 51 1 – 56
Umgliederungen gemäß IFRS 5 -211 -1.113 -49 -6 -1.379
Abgänge -40 -200 -53 -1 -294
Umbuchungen 2 1 – – 3
Stand 31.12.2019 1.703 9.704 882 43 12.332
Währungsumrechnung -44 -226 -12 – -282
Zugänge Unternehmenserwerbe 5 27 – – 32
Abschreibungen 93 552 68 – 713
Wertminderungen 2 16 1 1 20
Abgänge -28 -273 -50 -1 -352
Umbuchungen -7 3 – -2 -6
Stand 31.12.2020 1.724 9.803 889 41 12.457
Buchwerte 31.12.2019 1.889 3.613 188 745 6.435
Buchwerte 31.12.2020 1.851 3.462 180 1.095 6.588
Die technischen Anlagen und Maschinen weisen im Vergleich zum Vorjahr höhere Abgänge bei Anschaffungs- und
Herstellungskosten sowie bei Abschreibungen und Wertminderungen auf. Diese betreffen mit je 109 Millionen € bereits in
Vorperioden vollständig abgeschriebene Vermögenswerte aus lange zurückliegenden Unternehmenserwerben, die im
Rahmen einer Anlageninventur im Zuge der Neuausrichtung der Konzernstruktur zum 1. Juli 2020 identifiziert und nun
ausgebucht wurden.
In den Sachanlagen sind Vermögenswerte in Höhe von 20 Millionen € (Vorjahr: 3 Millionen €) enthalten, die Evonik als
Leasinggeber im Rahmen von Operating-Leasing-Verträgen an Dritte vermietet. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen
um als Finanzinvestition gehaltene Immobilien.
Der Buchwert der Sachanlagen, die zur Sicherung eigener Verbindlichkeiten dienen, beträgt wie im Vorjahr
23 Millionen €.
152
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
6.3 Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten
Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten werden in der Regel in Höhe der Verbindlichkeiten aus Leasing aktiviert
und planmäßig abgeschrieben. Bei Vermutung eines Wertminderungsbedarfs werden sie daraufhin geprüft, ob Gründe für
eine Wertminderung vorliegen (Werthaltigkeitsprüfung).
Die Abschreibung erfolgt planmäßig linear, in der Regel über die erwartete Vertragslaufzeit des Nutzungsrechts. Im
Wesentlichen liegen diese für Nutzungsrechte an Grundstücken, grundstücksgleichen Rechten und Gebäuden zwischen zwei
und 99 Jahren, an technischen Anlagen und Maschinen zwischen fünf und 50 Jahren sowie an anderen Anlagen, Betriebs-
und Geschäftsausstattung zwischen zwei und 20 Jahren.
Unter den Nutzungsrechten an technischen Anlagen und Maschinen werden im Wesentlichen die Nutzungsrechte für
Kraftwerke und Tanklager ausgewiesen. Nutzungsrechte an anderen Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung
beinhalten im Wesentlichen die Nutzungsrechte für Eisenbahnwaggons und Transportcontainer, Schiffe sowie
motorbetriebene Fahrzeuge.
Entwicklung der Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten
in Millionen €
Grundstücke,
grundstücksgleiche
Rechte und
Gebäude
Technische
Anlagen und
Maschinen
Andere Anlagen,
Betriebs- und
Geschäfts-
ausstattung
Gesamt
Anschaffungs-/Herstellungskosten
Stand 01.01.2019 176 338 148 662
Währungsumrechnung 3 1 1 5
Sonstige Zugänge 83 22 30 135
Umgliederungen gemäß IFRS 5 -3 -9 -14 -26
Abgänge -8 -2 -9 -19
Stand 31.12.2019 251 350 156 757
Währungsumrechnung -10 -2 -7 -19
Zugänge Unternehmenserwerbe 11 5 17 33
Sonstige Zugänge 32 32 90 154
Abgänge -17 -25 -19 -61
Umbuchungen 33 – – 33
Stand 31.12.2020 300 360 237 897
Abschreibungen und Wertminderungen
Stand 01.01.2019 – – – –
Abschreibungen 38 39 53 130
Wertminderungen – – 1 1
Umgliederungen gemäß IFRS 5 – – -1 -1
Abgänge -3 -2 -8 -13
Stand 31.12.2019 35 37 45 117
Währungsumrechnung -2 – -1 -3
Abschreibungen 34 40 67 141
Abgänge -14 -2 -17 -33
Umbuchungen 7 – – 7
Stand 31.12.2020 60 75 94 229
Buchwerte 31.12.2019 216 313 111 640
Buchwerte 31.12.2020 240 285 143 668
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
153
6.4 At Equity bilanzierte Unternehmen
Assoziierte Unternehmen sowie Gemeinschaftsunternehmen werden grundsätzlich nach der Equity-Methode bilanziert. Die
erstmalige Bewertung erfolgt zu den Anschaffungskosten der Beteiligung inklusive aller direkt zurechenbaren Anschaffungs-
nebenkosten. Bei Vermutung eines Wertminderungsbedarfs werden sie daraufhin geprüft, ob Gründe für eine
Wertminderung vorliegen (Werthaltigkeitsprüfung).
Bei der Erstbewertung wird der Unterschiedsbetrag zwischen den Anschaffungskosten und dem anteiligen Eigenkapital
der Beteiligung bestimmt. Verbleibt nach der Aufdeckung etwaiger stiller Reserven und Lasten ein positiver
Unterschiedsbetrag, ist dieser als Geschäfts- oder Firmenwert zu behandeln und im Beteiligungsbuchwert auszuweisen. Ein
negativer Unterschiedsbetrag wird erfolgswirksam erfasst und der Beteiligungsbuchwert wird über den Anschaffungskosten
ausgewiesen.
In den Folgeperioden wird der Beteiligungsbuchwert um das anteilige Jahresergebnis erhöht bzw. gemindert. Weitere
Anpassungen des Beteiligungswertes sind notwendig, wenn sich das Eigenkapital des Beteiligungsunternehmens aufgrund
von im sonstigen Ergebnis erfassten Sachverhalten verändert hat. Im Rahmen der Folgebewertung muss die Abschreibung
der im Zuge der Erstbewertung aufgedeckten stillen Reserven berücksichtigt und vom anteiligen Jahresüberschuss in Abzug
gebracht werden. Erhaltene Dividendenzahlungen sind zur Vermeidung einer Doppelerfassung vom Wertansatz abzuziehen.
At Equity bilanzierte Unternehmen
in Millionen €
31.12.2019 31.12.2020
Buchwert einzeln nicht wesentlicher assoziierter Unternehmen 8
8
Buchwert einzeln nicht wesentlicher Gemeinschaftsunternehmen 37 67
At Equity bilanzierte Unternehmen 45 75
Die zusammengefassten Finanzinformationen der at Equity bilanzierten Unternehmen, die einzeln nicht wesentlich sind,
stellen sich bezogen auf die Anteile von Evonik wie folgt dar:
Zusammengefasste Finanzinformationen für einzeln nicht wesentliche at Equity bilanzierte Unternehmen
Assoziierte
Unternehmen
Gemeinschafts-
unternehmen
in Millionen €
2019 2020 2019 2020
Ergebnis nach Steuern fortgeführter Aktivitäten 8 3 -3 12
Gesamtergebnis 8 3 -3 12
Zu Eventualschulden gegenüber assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen vgl. Anhangziffer 9.5.
154
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
6.5 Werthaltigkeitsprüfung nach IAS 36
Die Werthaltigkeitsprüfung nach IAS 36 „Impairment of Assets“ wird für immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen,
Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten, at Equity bilanzierte Unternehmen und bestimmte sonstige Vermögens-
werte bei Vermutung eines Wertminderungsbedarfs durchgeführt.
Geschäfts- oder Firmenwerte und sonstige immaterielle Vermögenswerte mit unbestimmbarer Nutzungsdauer werden
mindestens einmal jährlich auf ihre Werthaltigkeit überprüft. Die Überprüfung erfolgt überwiegend für eine
zahlungsmittelgenerierende Einheit (Cash Generating Unit, CGU) oder für eine Gruppe von CGUs. Dabei wird der erzielbare
Betrag dem Buchwert der CGU/Gruppe von CGUs gegenübergestellt. Der erzielbare Betrag wird bestimmt als der höhere
Wert aus beizulegendem Zeitwert abzüglich Kosten der Veräußerung und Nutzungswert der CGU/Gruppe von CGUs. Eine
Wertminderung ist vorzunehmen, wenn der erzielbare Betrag niedriger als der Buchwert ist. Soweit der Grund für den
Wertminderungsbedarf entfallen ist, werden – außer beim Geschäfts- oder Firmenwert – erfolgswirksame Zuschreibungen
vorgenommen.
Für Zwecke der Werthaltigkeitsprüfung von Geschäfts- oder Firmenwerten erfolgt die Bestimmung des erzielbaren
Betrags durch die Ermittlung des beizulegenden Zeitwertes abzüglich Kosten der Veräußerung des jeweiligen Segments.
Dieser wird mittels eines Bewertungsmodells als Barwert der künftigen Cashflows und somit auf Basis nicht beobachtbarer
Inputfaktoren ermittelt (Stufe 3 der Fair-Value-Hierarchie des IFRS 13 „Fair Value Measurement“), welche aus der aktuellen
dreijährigen Mittelfristplanung abgeleitet werden. Die Planung basiert sowohl auf Erfahrungen als auch auf Erwartungen
hinsichtlich der zukünftigen Marktentwicklung. Die wesentlichen volkswirtschaftlichen Rahmendaten wie das Wachstum
des Bruttoinlandsprodukts, die Wechselkurse, die Rohstoff- und Energiepreise sowie das Wachstum der Löhne und Gehälter,
die der Planung zugrunde liegen, werden zentral von Evonik vorgegeben und aus internen und externen Markterwartungen
abgeleitet. Darüber hinaus wurden in der Planung für die jeweiligen Segmente gesonderte Annahmen zu marktspezifischen
Entwicklungen verarbeitet wie erwartete Änderungen im Wettbewerbsumfeld und auf der Nachfrageseite. Das spezifische
Wachstum der einzelnen Segmente ist aus Erfahrungen und Zukunftserwartungen abgeleitet; im Fall der ewigen Rente wird
eine Wachstumsrate unterstellt. Die erwarteten Cashflows werden mit den gewichteten segmentspezifischen Kapitalkosten
nach Steuern abgezinst. Die Kapitalkosten werden je Segment auf Basis eines Kapitalmarktpreisbildungsmodells (Capital
Asset Pricing Model) als gewichteter Durchschnitt der Eigen- und Fremdkapitalkosten berechnet. Anlässlich der erstmaligen
Anwendung von IFRS 16 wurden im Vorjahr Anpassungen bei der Ermittlung der Kapitalkosten als auch der Ableitung des
erzielbaren Betrags vorgenommen.
Für Zwecke der Werthaltigkeitsprüfung von anderen immateriellen Vermögenswerten, Sachanlagen und
Nutzungsrechten an geleasten Vermögenswerten erfolgt die Bestimmung des erzielbaren Betrags überwiegend durch die
Ermittlung des Nutzungswertes der jeweiligen CGU/Gruppe von CGUs.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
155
Parameter Werthaltigkeitsprüfung und Geschäfts- oder Firmenwerte nach Segmenten
Gewichtete Kapitalkosten
nach Steuern (in %)
Wachstumsrate in der
ewigen Rente (in %)
Geschäfts- oder Firmenwerte
(in Millionen €)
2019 2020 2019 2020 31.12.2019 31.12.2020
Neue Segmentstruktur
Specialty Additives – 6,52 – 1,50 – 1.835
Nutrition & Care – 6,39 – 1,50 – 1.096
Smart Materials – 7,28 – 1,50 – 1.271
Performance Materials – 7,56 – 1,50 – 284
Services – 6,96 – 1,50 – 59
Alte Segmentstruktur
Nutrition & Care 7,52 – 1,50 – 2.070 –
Resource Efficiency 6,63 – 1,50 – 2.155 –
Performance Materials 7,07 – 1,50 – 286 –
Services 7,09 – 1,50 – 59 –
Grundsätzlich werden die Geschäfts- oder Firmenwerte unmittelbar in den Segmenten ausgewiesen. Eine Ausnahme hierzu
bildete in Vorjahren der Geschäfts- oder Firmenwert aus den früheren Erwerben von Anteilen an der Evonik Operations.
Dieser wurde in der Segmentberichterstattung unter „Corporate, Konsolidierung“ ausgewiesen. Für Zwecke der Wert-
haltigkeitsprüfung wurde auch dieser Geschäfts- oder Firmenwert auf die Segmente verteilt. Seit dem aktuellen
Geschäftsjahr wird auch dieser Geschäfts- oder Firmenwert unmittelbar in den neu strukturierten Segmenten ausgewiesen.
Die Werthaltigkeitsprüfung für den Geschäfts- oder Firmenwert erfordert Annahmen und Schätzungen, die Änderungen
unterliegen können, die zu Wertminderungen in zukünftigen Perioden führen würden. In Bezug auf die Corona-Pandemie
wurden drei Szenarien untersucht, bei denen die Zeitpunkte der Erholung auf Vorkrisenniveau variierten. Für Zwecke der
Werthaltigkeitsprüfung des Geschäfts- oder Firmenwertes wurde das Szenario mit der höchsten Eintrittswahrscheinlichkeit
zugrunde gelegt, bei der die Erholung auf Vorkrisenniveau im dritten Quartal 2021 erwartet wird.
Bei den drei Segmenten mit wesentlichem Goodwill – Division Specialty Additives, Division Nutrition & Care und Division
Smart Materials – hat die Werthaltigkeitsprüfung zu keinen Wertminderungen geführt. In den drei Segmenten würde eine
relative Erhöhung des gewichteten Kapitalkostensatzes nach Steuern um 10 Prozent oder ein Absenken der Netto-Cashflows
bzw. der Wachstumsrate in der ewigen Rente um 10 Prozent zu keinem Wertminderungsbedarf führen.
Auch bei den Segmenten mit unwesentlichem Goodwill – Division Performance Materials und Services – hat die
Werthaltigkeitsprüfung zu keinen Wertminderungen geführt.
Bei Nutzung des unwahrscheinlicheren Szenarios, bei der die Erholung auf Vorkrisenniveau erst im zweiten Quartal 2022
erwartet wird, hat die Werthaltigkeitsprüfung für den Geschäfts- oder Firmenwert ebenfalls zu keinen Wertminderungen
geführt.
Bei den Werthaltigkeitsprüfungen für andere immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen, Nutzungsrechte an
geleasten Vermögenswerten und at Equity bilanzierte Unternehmen erfolgte die Bestimmung des erzielbaren Betrags
analog zur Vorgehensweise bei der Werthaltigkeitsprüfung von Geschäfts- oder Firmenwerten. Auch hier wurde das
Szenario mit der höchsten Eintrittswahrscheinlichkeit zugrunde gelegt, bei der die Erholung auf Vorkrisenniveau im dritten
Quartal 2021 erwartet wird.
Die Werthaltigkeitsprüfungen für at Equity bilanzierte Unternehmen hat für eine CGU der Division Performance
Materials zu einer Wertaufholung in Höhe von 4 Millionen € (Vorjahr: 13 Millionen € Wertminderung) geführt.
Die Werthaltigkeitsprüfungen für andere immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und Nutzungsrechte an geleasten
Vermögenswerten haben für einzelne CGUs zu Wertminderungen geführt. Die Wertminderungen der Divisionen Smart
Materials und Performance Materials betreffen Produktionsanlagen in Asien und Europa. Im Segment Services wurde ein
156
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Erdgaskraftwerk am Standort Marl vollständig wertgemindert. Bei allen Wertminderungen erfolgte eine Abwertung auf den
jeweiligen Nutzungswert (Value in Use).
Wertminderungen nach Vermögenswerten und Segmenten
Immaterielle
Vermögenswerte Sachanlagen Nutzungsrechte
At Equity bilanzierte
Unternehmen
Gesamt
in Millionen € 2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Specialty Additives – – 2 3 – – – – 2 3
Nutrition & Care – 1 12 2 – – – – 12 3
Smart Materials – – 4 6 – – – – 4 6
Performance Materials – – 1 5 – – 13 – 14 5
Services – 2 37 3 1 – – – 38 5
Andere Aktivitäten 1 2 – – – – – – 1 2
Summe Konzern 1 5 56 19 1 – 13 – 71 24
Vorjahreszahlen angepasst.
Die Werthaltigkeitsprüfung für Marken mit unbestimmbarer Nutzungsdauer erfolgt auf Ebene der Geschäftsgebiete.
Für die Bewertung der Marken wird die Methode der Lizenzpreisanalogie herangezogen. Die Berechnung erfolgt auf
Grundlage der für die jeweilige Marke relevanten Umsatzerlöse. Diese werden aus der aktuellen dreijährigen
Mittelfristplanung abgeleitet. Die Lizenzrate wird auf Grundlage von Erfahrungen bestimmt. Zu den gewichteten
Kapitalkosten für die Abzinsung verweisen wir auf unsere Ausführungen zur Werthaltigkeitsprüfung für die Geschäfts- oder
Firmenwerte am Anfang dieses Kapitels.
Buchwerte der Marken mit unbestimmter Nutzungsdauer nach Segmenten
in Millionen € 31.12.2019 31.12.2020
Specialty Additives 78
78
Nutrition & Care 31 31
Smart Materials 61 61
Performance Materials 2 –
Summe Konzern 172 170
6.6 Finanzielle Vermögenswerte
Finanzielle Vermögenswerte
31.12.2019 31.12.2020
in Millionen € Gesamt
davon
langfristig
Gesamt
davon
langfristig
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1.569 – 1.455 –
Flüssige Mittel 1.165 – 563 –
Übrige Beteiligungen 556 556 568 568
Ausleihungen 47 7 49 5
Wertpapiere und wertpapierähnliche Ansprüche 1.225 22 492 27
Forderungen aus Derivaten 58 37 163 5
Übrige sonstige finanzielle Vermögenswerte 17 3 32 2
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 1.903 625 1.304 607
Finanzielle Vermögenswerte 4.637 625 3.322 607
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
157
Die übrigen Beteiligungen sind sämtlich in die Kategorie „Erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert ohne Recycling“
designiert. Die Beteiligung an der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA ist zum Börsenwert am Bilanzstichtag angesetzt,
die restlichen Eigenkapitaltitel sind nicht börsennotiert. Die Bewertung der 7,5 Prozent Anteile an der Vivawest GmbH
erfolgte mittels Discounted-Cashflow-Verfahren (vgl. Anhangziffer 9.4.1). Bei den übrigen nicht börsennotierten
Eigenkapitaltiteln in Höhe von 60 Millionen € (Vorjahr: 52 Millionen €) handelt es sich um eine mittlere zweistellige Anzahl
mit im Einzelnen unwesentlichen beizulegenden Zeitwerten in einer Bandbreite von 0 Millionen € bis 8 Millionen €. Davon
betreffen 38 Millionen € (Vorjahr: 32 Millionen €) Eigenkapitaltitel aus Venture-Capital-Aktivitäten.
Übrige Beteiligungen
in Millionen €
31.12.2019 31.12.2020
Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA 120
49
Vivawest GmbH 384 459
Übrige 52 60
Summe 556 568
Ausleihungen in Höhe von 37 Millionen € (Vorjahr: 39 Millionen €) beinhalten lediglich Ansprüche auf Zins und Tilgung,
sodass eine Bilanzierung zu fortgeführten Anschaffungskosten erfolgt. Darüber hinaus sind in den Ausleihungen auch
Wandelanleihen in Höhe von 12 Millionen € (Vorjahr: 8 Millionen €) enthalten, die zu ihrem beilzulegenden Zeitwert
bilanziert sind. Grundlage für die bilanzierten beizulegenden Zeitwerte sind die Nominalwerte der Wandelanleihen; sofern
wesentlich, wird das Wandlungsrecht berücksichtigt.
Bei den Wertpapieren und wertpapierähnlichen Ansprüchen handelt es sich um börsennotierte Renten- und
Geldmarktpapiere, die zum Zwecke der kurzfristigen Anlage liquider Mittel erworben wurden, sowie um Anteile an nicht
börsennotierten Fondsbeteiligungen aus Venture-Capital-Aktivitäten, in die Evonik langfristig strategisch investiert hat.
Forderungen aus Derivaten
in Millionen €
31.12.2019 31.12.2020
Forderungen aus Zinsswaps 2
–
Forderungen aus Zins-Währungs-Swaps 33 72
Forderungen aus Devisentermingeschäften, Devisenoptionsgeschäften und Devisenswaps 23 90
Forderungen aus Commodity-Derivaten – 1
Summe 58 163
Die übrigen sonstigen finanziellen Vermögenswerte enthalten Termingelder bei Kreditinstituten, Forderungen aus der
Ergebnisabführung nicht vollkonsolidierter Beteiligungen sowie Ansprüche aus Vertragsauflösungen. Weiterhin sind
Forderungen aus Finanzierungsleasing wie im Vorjahr in Höhe von 3 Millionen € enthalten.
6.7 Vorräte
Vorräte werden zum niedrigeren Wert aus Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten und Nettoveräußerungswert angesetzt.
In der Regel werden die Kosten einheitlich auf Basis der Durchschnittsmethode, der First-in-First-out-Methode oder der
Standardkostenmethode bestimmt. Die Herstellungskosten fertiger und unfertiger Erzeugnisse umfassen die Kosten für
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, direkte Personalkosten, andere direkte Kosten und der Produktion systematisch
zurechenbare Gemeinkosten.
158
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Vorräte
in Millionen € 31.12.2019 31.12.2020
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe (RHB-Stoffe) 427
436
Unfertige Erzeugnisse und unfertige Leistungen 85 95
Fertige Erzeugnisse und Waren 1.372 1.275
Vorräte 1.884 1.806
Im Jahr 2020 wurden Wertminderungen auf RHB-Stoffe und Waren in Höhe von 47 Millionen € (Vorjahr: 19 Millionen €)
sowie Wertaufholungen in Höhe von 19 Millionen € (Vorjahr: 44 Millionen €) erfolgswirksam erfasst. Die Wertaufholungen
sind im Wesentlichen durch gestiegene Absatzpreise und eine verbesserte Marktgängigkeit begründet.
6.8 Sonstige Vermögenswerte
Sonstige Vermögenswerte
31.12.2019 31.12.2020
in Millionen € Gesamt
davon
langfristig Gesamt
davon
langfristig
Geleistete Anzahlungen 22 – 28 –
Aktive Rechnungsabgrenzungsposten 42 9 69 40
Vertragliche Vermögenswerte aus Verträgen mit Kunden 18 12 20 12
Übrige sonstige Vermögenswerte 387 61 216 50
Sonstige Vermögenswerte 469 82 333 102
Die vertraglichen Vermögenswerte aus Verträgen mit Kunden resultieren aus Lizenzverträgen, die auf Meilensteinen
basieren und bei denen den Kunden ein Nutzungsrecht gewährt wurde, aus Verträgen zur Entwicklung von Produkten, die
zeitraumbezogen realisiert werden, und einem Take-or-Pay-Vertrag, bei dem die Unterschreitung der vereinbarten
Mindestabnahmemenge wahrscheinlich ist. Die vertraglichen Vermögenswerte werden in die Forderungen umgebucht,
sobald die damit verbundenen Rechte unbedingt werden. Die Angaben zur Risikovorsorge werden in der Anhangziffer 9.4.4
dargestellt.
Entwicklung der vertraglichen Vermögenswerte aus Verträgen mit Kunden
in Millionen € 2019 2020
Stand 01.01. 11
18
Zugänge 10 7
Umbuchungen in Forderungen -3 -4
Währungsumrechnung - -1
Stand 31.12. 18 20
Die übrigen sonstigen Vermögenswerte umfassen im Wesentlichen Forderungen aus sonstigen Steuern, Forderungen
gegenüber der öffentlichen Hand sowie Forderungen aus Versicherungsverträgen.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
159
6.9 Eigenkapital
Die Positionen gezeichnetes Kapital und Kapitalrücklage beinhalten das eingezahlte Eigenkapital der Evonik Industries AG.
Dagegen wird das den Aktionären der Evonik Industries AG zustehende erwirtschaftete Kapital des Evonik-Konzerns in den
Positionen Gewinnrücklagen inklusive Bilanzgewinn und sonstige Eigenkapitalbestandteile ausgewiesen. Nicht beherr-
schenden Gesellschaftern zustehende Anteile am eingezahlten und erwirtschafteten Eigenkapital von in den Evonik-Konzern
einbezogenen Tochterunternehmen werden unter der Position Anteile anderer Gesellschafter gezeigt.
Das gezeichnete Kapital (Grundkapital) der Gesellschaft betrug zum Bilanzstichtag unverändert 466.000.000 €. Es ist in
466.000.000 auf den Namen lautende Stückaktien eingeteilt. Der rechnerische Wert je Aktie liegt unverändert bei 1 €. Jede
Stückaktie gewährt ein Stimmrecht.
Das genehmigte Kapital ist durch die Hauptversammlung vom 23. Mai 2018 beschlossen worden. Danach ist der Vorstand
ermächtigt, das Grundkapital der Gesellschaft mit Zustimmung des Aufsichtsrates in der Zeit bis zum 22. Mai 2023 um bis
zu 116.500.000 € durch Ausgabe neuer auf den Namen lautender Stückaktien zu erhöhen (Genehmigtes Kapital 2018).
Von der Ermächtigung kann ein- oder mehrmals in Teilbeträgen Gebrauch gemacht werden.
Die Ausgabe kann gegen Bar- und/oder Sacheinlagen erfolgen. Der Vorstand ist ermächtigt, mit Zustimmung des
Aufsichtsrates das gesetzliche Bezugsrecht der Aktionäre bei Ausgabe der neuen Aktien in folgenden Fällen auszuschließen:
Bei Kapitalerhöhungen gegen Sacheinlagen,
wenn die Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen erfolgt und der auf die neuen Aktien insgesamt entfallende
anteilige Betrag am Grundkapital 10 Prozent des Grundkapitals nicht überschreitet und der Ausgabebetrag
der neuen Aktien den Börsenpreis der bereits börsennotierten Aktien nicht wesentlich unterschreitet,
zum Ausschluss von Spitzenbeträgen, die sich aufgrund des Bezugsverhältnisses ergeben,
soweit es erforderlich ist, um den Inhabern und/oder Gläubigern von Wandlungs- und/oder Optionsrechten
bzw. den Schuldnern von Wandlungs- und/oder Optionspflichten ein Bezugsrecht auf neue Aktien in dem
Umfang zu gewähren, wie es ihnen nach Ausübung der Wandlungs- und/oder Optionsrechte bzw. nach
Erfüllung der Wandlungs- und/oder Optionspflichten zustehen würde,
zur Gewährung von Belegschaftsaktien, wenn der auf die neuen Aktien, für die das Bezugsrecht
ausgeschlossen wird, insgesamt entfallende anteilige Betrag am Grundkapital 1 Prozent des Grundkapitals
nicht überschreitet,
zur Durchführung einer sogenannten Aktiendividende (Scrip Dividend).
Der auf neue Aktien, für die das Bezugsrecht ausgeschlossen wird, insgesamt entfallende anteilige Betrag am
Grundkapital zusammen mit dem anteiligen Betrag am Grundkapital, der auf eigene Aktien oder auf Wandlungs- und/oder
Optionsrechte bzw. -pflichten aus Schuldverschreibungen entfällt, die nach dem 23. Mai 2018 unter Bezugsrechtsausschluss
veräußert bzw. ausgegeben worden sind, darf 20 Prozent des Grundkapitals nicht überschreiten. Als Bezugsrechtsausschluss
ist es auch anzusehen, wenn die Veräußerung bzw. Ausgabe in entsprechender oder sinngemäßer Anwendung von
§ 186 Abs. 3 Satz 4 AktG erfolgt. Der Vorstand ist ermächtigt, mit Zustimmung des Aufsichtsrates die weiteren Einzelheiten
der Durchführung von Kapitalerhöhungen aus dem Genehmigten Kapital 2018 festzulegen. Das genehmigte Kapital wurde
bislang nicht in Anspruch genommen.
Ebenfalls durch Beschluss der Hauptversammlung vom 23. Mai 2018 ist das Grundkapital um weitere bis zu 37.280.000 €,
eingeteilt in bis zu 37.280.000 auf den Namen lautende Stückaktien, bedingt erhöht (Bedingtes Kapital 2018). Die
bedingte Kapitalerhöhung steht im Zusammenhang mit einer in der vorgenannten Hauptversammlung erteilten Ermächtigung
zur Ausgabe von Options- und/oder Wandelanleihen.
Die bedingte Kapitalerhöhung wird nur insoweit durchgeführt, wie die Inhaber oder Gläubiger von Options- oder
Wandlungsrechten bzw. die Schuldner von Options- bzw. Wandlungspflichten aus Options- und/oder Wandelanleihen, die
160
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
aufgrund der von der Hauptversammlung vom 23. Mai 2018 beschlossenen Ermächtigung ausgegeben bzw. garantiert
werden, von ihren Options- bzw. Wandlungsrechten Gebrauch machen bzw. ihren Options- bzw. Wandlungspflichten
nachkommen und soweit nicht andere Erfüllungsformen eingesetzt werden. Den Aktionären steht grundsätzlich das
gesetzliche Bezugsrecht auf die Options- und/oder Wandelanleihen zu; die Ermächtigung regelt bestimmte Fälle, in denen
der Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrates das Bezugsrecht der Aktionäre auf Options- und/oder Wandelanleihen
ausschließen kann. Die Ausgabe der neuen Aktien erfolgt zu dem nach Maßgabe des vorstehend bezeichneten
Ermächtigungsbeschlusses jeweils zu bestimmenden Options- bzw. Wandlungspreis. Die neuen Aktien nehmen vom Beginn
des Geschäftsjahres an, in dem sie entstehen, am Gewinn teil. Der Vorstand ist ermächtigt, mit Zustimmung des
Aufsichtsrates die weiteren Einzelheiten der Durchführung der bedingten Kapitalerhöhung festzusetzen. Das bedingte
Kapital wurde bislang nicht in Anspruch genommen.
Die Kapitalrücklage enthält vor allem sonstige Zuzahlungen von Anteilseignern nach § 272 Abs. 2 Nr. 4 HGB.
Am 5. März 2020 kündigte die Evonik Industries AG den Kauf eigener Aktien in einem Volumen von bis zu 126.440.000 €
bis spätestens zum 3. April 2020 unter Ausnutzung der am 18. Mai 2016 erteilten Ermächtigung der Hauptversammlung an.
Der Erwerb diente der Ausgabe von Aktien an Mitarbeiter der Evonik Industries AG und bestimmter nachgeordneter
Konzerngesellschaften sowie Mitglieder der Geschäftsführung von nachgeordneten verbundenen Unternehmen der Evonik
Industries AG im Rahmen eines Mitarbeiter-Aktienprogramms.
Die Evonik Industries AG hat im Rahmen des Rückerwerbs bis zum 1. April 2020 insgesamt 841.030 Stück eigene Aktien
zurückgekauft, was einem Anteil am Grundkapital von 0,2 Prozent bzw. 841.030 € entspricht. Für die Käufe wurden
insgesamt 15,7 Millionen € aufgewendet, was einem durchschnittlichen Kurs von 18,72 € je Aktie entspricht. Der Erwerb
erfolgte ab dem 6. März 2020 mit einem durchschnittlichen täglichen Volumen von rund 47.000 Aktien an jedem Xetra-
Handelstag durch eine von der Evonik Industries AG beauftragte Bank. Hierbei durfte der maximale Kaufpreis je
zurückerworbener Aktie (ohne Erwerbsnebenkosten) den am Handelstag durch die Eröffnungsauktion ermittelten
Börsenkurs der Aktie der Evonik Industries AG im Xetra-Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse um nicht mehr als 5
Prozent überschreiten und um nicht mehr als 5 Prozent unterschreiten. Im April 2020 wurden 726.558 Stammaktien (davon
187.025 Gratisaktien) auf Basis des am 2. April 2020 gültigen Aktienkurses von 18,35 € je Aktie und der am gleichen Tag
gültigen Fremdwährungswechselkurse an die teilnehmenden Mitarbeiter übertragen. Die verbliebenen 114.472
Stammaktien wurden bis zum 20. April 2020 zu einem durchschnittlichen Kurs von 21,84 € je Aktie über die Börse
veräußert. Zum 31. Dezember 2020 weist die Evonik Industries AG daher keine eigenen Anteile mehr aus.
Die von der Hauptversammlung am 18. Mai 2016 beschlossene Ermächtigung des Vorstandes zum Erwerb eigener
Aktien wurde in der Hauptversammlung am 31. August 2020 aufgehoben und durch eine neue Ermächtigung zum Erwerb
eigener Aktien bis zum 30. August 2025 ersetzt.
Die Position Gewinnrücklagen inklusive Bilanzgewinn in Höhe von 6.866 Millionen € (Vorjahr: 7.341 Millionen €)
enthält sowohl die im laufenden Geschäftsjahr und in der Vergangenheit erzielten Konzernergebnisse als auch die sonstigen
Ergebnisse aus der Neubewertung der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen.
Für das Geschäftsjahr 2020 wird der Hauptversammlung vorgeschlagen, den Bilanzgewinn der Evonik Industries AG in
Höhe von 535.900.000 € vollständig als Dividende auszuschütten. Dies entspricht einer Dividende von 1,15 € je Stückaktie.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
161
Die sonstigen Eigenkapitalbestandteile enthalten Gewinne und Verluste, die nicht über die Gewinn- und Verlustrechnung
– also erfolgsneutral – erfasst werden. Die sonstigen Eigenkapitalbestandteile aus Eigenkapitalinstrumenten enthalten die
erfolgsneutral berücksichtigten Auf- und Abwertungen der beizulegenden Zeitwerte von übrigen Beteiligungen. In den
sonstigen Eigenkapitalbestandteilen aus Sicherungsinstrumenten für designierte Risikokomponenten sind Nettogewinne
oder -verluste aus der Veränderung des beizulegenden Zeitwertes des effektiven Teils von Cashflow-Hedges sowie Hedges
of a Net Investment enthalten. In den sonstigen Eigenkapitalbestandteilen aus Sicherungsinstrumenten für Kosten der
Absicherung werden die Veränderungen aus dem Zeitwert von Optionen sowie der Zinsdifferenz (Terminkomponente) und
der Fremdwährungs-Basis-Spreads von Devisentermingeschäften bzw. -swaps gezeigt. Die Sicherungskosten beziehen sich
dabei sowohl auf zeitpunkt- als auch zeitraumbezogene Grundgeschäfte. Die sonstigen Eigenkapitalbestandteile aus der
Neubewertung bei sukzessiven Anteilserwerben enthalten die aufgedeckten stillen Reserven und Lasten von bis zum
31. Dezember 2009 erstmalig einbezogenen Tochterunternehmen im Zusammenhang mit bereits vor Übergang der
Kontrolle gehaltenen Anteilen. Die sonstigen Eigenkapitalbestandteile aus der Währungsumrechnung enthalten die
Umrechnungsdifferenzen von ausländischen Abschlüssen.
Veränderung der sonstigen Eigenkapitalbestandteile (nach Steuern) für das Eigenkapital der Gesellschafter der
Evonik Industries AG
in Millionen €
Eigenkapital-
instrumente
erfolgsneutral
zum beizulegen-
den Zeitwert
Sicherungs-
instrumente:
Designierte
Risiko-
komponenten
Sicherungs-
instrumente:
Kosten der
Absicherung
Neube-
wertung bei
sukzessiven
Anteils-
erwerben
Währungs-
umrechnung
Gesamt
Stand 01.01.2019 51 -14 -13 4 -169
-141
Erfasste Gewinne oder Verluste 25 -27 -33 – – -35
Erfolgswirksame Entnahme – 40 35 – – 75
Währungsumrechnung – – – – 104 104
Aus at Equity bilanzierten Unternehmen
(nach Ertragsteuern) – – – – –
–
Latente Steuern – -8 3 – – -5
Sonstiges Ergebnis laut Gesamtergebnisrechnung 25 5 5 – 104 139
Sonstige Veränderungen – – – -2 – -2
Stand 31.12.2019 76 -9 -8 2 -65 -4
Erfasste Gewinne oder Verluste 39 100 -40 – – 99
Erfolgswirksame Entnahme – -23 45 – – 22
Währungsumrechnung – – – – -573 -573
Aus at Equity bilanzierten Unternehmen
(nach Ertragsteuern) – – – – -2
-2
Latente Steuern – -23 1 – – -22
Sonstiges Ergebnis laut Gesamtergebnisrechnung 39 54 6 – -575 -476
Sonstige Veränderungen -15 – – -2 – -17
Stand 31.12.2020 100 45 -2 – -640 -497
Im Jahr 2020 wurde aus den sonstigen Eigenkapitalbestandteilen aus Sicherungsinstrumenten für designierte Risiko-
komponenten und für die Kosten der Absicherung insgesamt ein Sicherungsergebnis in Höhe von -22 Millionen € (Vorjahr:
-75 Millionen €) entnommen und wie folgt in die Gewinn- und Verlustrechnung übertragen:
162
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Übertragung Sicherungsergebnis aus sonstigen Eigenkapitalbestandteilen in die Gewinn- und Verlustrechnung
in Millionen € 2019 2020
Umsatzerlöse -80
-21
Kosten der umgesetzten Leistungen 2 -1
Sonstige betriebliche Erträge/Aufwendungen 2 –
Sonstiges Finanzergebnis 1 –
Summe -75 -22
Zur Entwicklung der sonstigen Eigenkapitalbestandteile aus Sicherungsinstrumenten für designierte Risikokomponenten und
für die Kosten der Absicherung und deren Verteilung auf die einzelnen Risikoarten vgl. Anhangziffer 9.4.3.
Unter den Anteilen anderer Gesellschafter in Höhe von 87 Millionen € (Vorjahr: 90 Millionen €) werden die Anteile am
gezeichneten Kapital und an den Rücklagen von einbezogenen Tochterunternehmen ausgewiesen, die nicht den
Anteilseignern der Evonik Industries AG zuzurechnen sind. Die sonstigen Veränderungen des Vorjahres von insgesamt
15 Millionen € resultierten in Höhe von 8 Millionen € aus dem Verkauf von Gesellschaften mit Anteilen anderer
Gesellschafter. Die Anteilsveränderungen an Tochterunternehmen ohne Verlust der Beherrschung waren im Geschäftsjahr
wie auch im Vorjahr unwesentlich.
Veränderung der sonstigen Eigenkapitalbestandteile für Anteile anderer Gesellschafter
in Millionen € Währungsumrechnung Gesamt
Stand 01.01.2019 -1
-1
Währungsumrechnung – –
Sonstiges Ergebnis laut Gesamtergebnisrechnung – –
Stand 31.12.2019 -1 -1
Währungsumrechnung -7 -7
Sonstiges Ergebnis laut Gesamtergebnisrechnung -7 -7
Stand 31.12.2020 -8 -8
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
163
6.10 Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen
Die Bewertung der Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen erfolgt nach dem in IAS 19 „Employee
Benefits“ vorgeschriebenen Anwartschaftsbarwertverfahren für Leistungszusagen (Defined Benefits) auf Altersversorgung.
Bei diesem Verfahren werden neben den am Bilanzstichtag bekannten Renten und erworbenen Anwartschaften künftig zu
erwartende Steigerungen von Gehältern und Renten und biometrische Annahmen berücksichtigt. Die Pensions-
verpflichtungen werden unter Berücksichtigung landesspezifischer Rechnungsgrundlagen und Parameter ermittelt.
Versicherungsmathematische Gewinne oder Verluste in den Verpflichtungen und Vermögenserträge auf das
Planvermögen (ohne Zinsertrag) ergeben sich aus dem Unterschiedsbetrag zwischen den zum Jahresende rechnungsmäßig
erwarteten und den tatsächlich ermittelten Pensionsverpflichtungen sowie aus Abweichungen zwischen dem zum Jahresende
erwarteten und dem tatsächlich festgestellten Zeitwert des Planvermögens. Neu entstandene Wertänderungen aus
versicherungsmathematischen Gewinnen/Verlusten aus den Verpflichtungen, Vermögenserträge auf das Planvermögen
(ohne Zinsertrag), Veränderungen der Limitierung des Planvermögens (ohne Zinskosten) und Vermögenserträge auf
Erstattungsansprüche (ohne Zinsertrag) werden direkt erfolgsneutral gegen das sonstige Ergebnis verrechnet.
Dem Verpflichtungsumfang zum Jahresende wird der Zeitwert des Planvermögens gegenübergestellt
(Finanzierungsstand); unter Berücksichtigung der Limitierung des Planvermögens (Asset Ceiling) und des auf der Aktivseite
ausgewiesenen Vermögenswertes aus überdeckten Plänen ergeben sich hieraus die Pensionsrückstellungen.
Beitragsorientierte Zusagen (Defined Contribution) führen in der Periode zu Aufwand, in der die Zahlung erfolgt.
Beitragsorientierte Verpflichtungen existieren sowohl aufgrund betrieblicher Zusagen als auch aufgrund staatlicher Pläne
(gesetzliche Rentenversicherung).
Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen werden aufgrund von Versorgungsplänen für Zusagen auf Alters-, Invaliden-
und Hinterbliebenenleistungen gebildet. Die Leistungszusagen variieren je nach rechtlichen, steuerlichen und wirtschaft-
lichen Gegebenheiten des jeweiligen Landes, in dem die Unternehmen tätig sind. Die Höhe der Zusagen hängt in der Regel
von der Dienstzeit und dem Entgelt der Mitarbeiter ab.
Die betriebliche Altersversorgung erfolgt bei inländischen Unternehmen überwiegend auf Basis von Leistungszusagen.
Die Leistungszusagen in Deutschland sind im Wesentlichen durch Rückstellungen und das Vermögen von Pensionskassen
und eines Pensionstreuhandvereins (Contractual Trust Arrangement) finanziert. Bei den ausländischen Unternehmen sind
sowohl beitrags- als auch leistungsorientierte Zusagen vereinbart.
Der Barwert der leistungsorientierten Verpflichtungen und der beizulegende Zeitwert des Planvermögens zum
31. Dezember 2020 entfallen im Wesentlichen auf Deutschland, die USA und das Vereinigte Königreich (UK):
Aufteilung des Barwertes der Pensionsverpflichtungen und des beizulegenden Zeitwertes des Planvermögens
2019 2020
in Millionen €
Pensionsver-
pflichtungen
Plan-
vermögen
Pensionsver-
pflichtungen
Plan-
vermögen
Deutschland 10.847 7.134 11.722 7.314
davon Pensionskasse/Rückgedeckte Unterstützungskasse 5.424 3.660 6.056 3.807
davon über Contractual Trust Arrangement abgedeckt 5.096 3.474 5.315 3.507
USA 658 455 504 342
UK 529 630 537 542
Sonstige 191 145 199 153
Summe Konzern 12.225 8.364 12.962 8.351
164
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Für Mitarbeiter in Deutschland existieren folgende Versorgungspläne von wesentlichem Umfang:
Pensionskasse: Es gibt mehrere geschlossene Pläne. Einkommensabhängige Beiträge werden in feste Leistungen
umgerechnet und in der konzerneigenen Pensionskasse Degussa angelegt. Die Tarifgestaltung einschließlich der
Vermögensanlage unterliegt der Versicherungsaufsicht. Die Pensionskasse gehört zu den gemeinschaftlichen Plänen
mehrerer Unternehmen. Die Finanzierung der Pensionskasse erfolgt nach dem Anwartschaftsdeckungsverfahren. Die Höhe
der reservierten Deckungsmittel ergibt sich aus dem aufsichtsbehördlich genehmigten Technischen Geschäftsplan sowie den
gesetzlichen Vorgaben. Die Deckungsmittel müssen eine jederzeitige Ausfinanzierung der beitragsfreien Anwartschaften
sicherstellen. Im Tarif DuPK wird der Firmenbeitrag so bemessen, dass dieser zusammen mit den Mitgliedsbeiträgen eine
Ausfinanzierung der daraus entstehenden Anwartschaften gemäß Technischem Geschäftsplan bietet. In den Tarifen Marl
und Troisdorf erfolgt die Festsetzung des Firmenbeitrags auf Vorschlag des verantwortlichen Aktuars und bemisst sich nach
den zur Ausfinanzierung der Leistungen erforderlichen Mitteln. Die Evonik Operations GmbH hat als Trägerunternehmen
der Pensionskasse hinsichtlich der Tarife Marl und Troisdorf eine vertragliche Einstandspflicht für den Fall einer nicht
ausreichenden Kapitalausstattung der Kasse. Diese Einstandspflicht unterscheidet nicht nach der Konzernzugehörigkeit der
Versicherten. Sie wurde auf Anforderung der Aufsichtsbehörde bereits bei Einrichtung der Tarife eingegangen, als
ausschließlich eigene Mitarbeiter zu versichern waren. Inwieweit die Einstandspflicht neben den im Verlustfall vorgesehenen
satzungsmäßigen Instrumenten der Pensionskasse wie Anhebung von Firmenbeiträgen oder Kürzung von Leistungen
praktische Bedeutung erlangen könnte, ist aus heutiger Sicht nicht abschätzbar.
Unterstützungskasse: Die Unterstützungskasse umfasst zwei Pläne, von denen einer für Neueintritte offen ist. Hierüber
kann auch Entgeltumwandlung betrieben werden. Einkommensabhängige Beiträge werden in feste Leistungen umgerechnet
und in der konzerneigenen Pensionskasse Degussa rückversichert. Die Tarifgestaltung einschließlich der Vermögensanlage
unterliegt der Versicherungsaufsicht. Eine Rentenanpassung von 1 Prozent jährlich ist fest zugesagt. Die Unterstützungskasse
erfüllt den Tatbestand für gemeinschaftliche Pläne mehrerer Unternehmen. Die Finanzierung der Unterstützungskasse
erfolgt über eine Rückdeckung bei der Pensionskasse Degussa, welche für den offenen Plan die Rentenanpassung umfasst.
Die Pensionskasse hält hierfür entsprechend dem Versicherungsaufsichtsgesetz sowie ergangenen Verordnungen der
Aufsichtsbehörde ausreichend Deckungsmittel vor. Die Deckungsmittel müssen eine jederzeitige Ausfinanzierung der
beitragsfreien Anwartschaften sicherstellen. Die Höhe der Leistung richtet sich nach den eingezahlten Beiträgen. Es besteht
aus der Unterstützungskasse keine Haftungsgrundlage, nach der der Konzern im Falle nicht ausreichender Kapitalausstattung
für die Verpflichtungen konzernfremder Gesellschaften einzustehen hätte.
Direktzusagen: Hier gibt es verschiedene leistungsorientierte Pläne, bei denen die Versorgungsleistung zumeist direkt
oder indirekt endgehaltsorientiert ist. Die meisten dieser Pläne gewähren eine höhere oder ausschließliche Leistung für
Einkommensteile oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung. Die endgehalts-
orientierten Pläne sind durchweg geschlossen und werden zum großen Teil auch für die noch aktiven Planteilnehmer nur in
Form von Besitzständen aufrechterhalten. Offene Direktzusagen gibt es lediglich für obere Führungskräfte sowie für
freiwillige Entgeltumwandlung. Hierbei wird aus einem einkommensabhängigen Beitrag bzw. aus der Einbringung des
Arbeitnehmers eine feste Leistung bestimmt. Dabei kann der Begünstigte zwischen verschiedenen Auszahlungsformen wie
Kapital, Rente und gegebenenfalls Ratenzahlung wählen. Die Höhe der Leistung berücksichtigt eine feste Rentenanpassung
von 1 Prozent jährlich. Für größere Konzerngesellschaften, welche den weitaus größten Teil der Verpflichtungen aus
Direktzusagen abdecken, wird Planvermögen im Evonik Pensionstreuhand e. V. aufgebaut. Hierzu gibt es weder
regulatorische Vorgaben noch Mindestdotierungsverpflichtungen. Im Evonik Pensionstreuhand e. V. wird eine Strategie des
Ausgleichs einer Veränderung der Verpflichtungen über eine mitlaufende Veränderung des Planvermögens (Asset-Liability-
Matching) angewandt. Hierbei werden die Zins- und Kreditsensitivitäten der Verpflichtungen im Planvermögen teilweise
repliziert.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
165
Beschreibung der möglichen Risiken aus den Versorgungsplänen: Die allermeisten deutschen Versorgungspläne
enthalten lebenslang laufende Rentenzusagen. Ein spezifisches Risiko besteht hierbei in einer Ausweitung der Leistungen
durch steigende Lebenserwartung. Für einen Großteil dieser Pläne orientiert sich die Anpassung der laufenden Leistungen
an der Entwicklung des Verbraucherpreisindex. Hier ergibt sich ein weiteres Risiko aus der Entwicklung der Inflation. Für
Pläne, die ein Wahlrecht seitens der Arbeitnehmer hinsichtlich der Auszahlung in Kapital- oder Rentenform vorsehen,
besteht ein Auswahlrisiko dahin gehend, dass diese Option abhängig von der individuellen Einschätzung zu
Gesundheitszustand und Lebenserwartung vorgenommen werden könnte. Bei den endgehaltsorientierten Plänen ergeben
sich Leistungsrisiken aus der künftigen Entwicklung der Gehälter im tariflichen und außertariflichen Bereich sowie teilweise
auch aus der Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung. Pläne mit extern
angelegtem Vermögen in der Pensionskasse, der Unterstützungskasse oder im Evonik Pensionstreuhand e. V. sind einem
Kapitalmarktrisiko ausgesetzt. Hier bestehen je nach Zusammensetzung der Kapitalanlage Wertänderungsrisiken sowie
Ertragsrisiken dahin gehend, dass eine unterstellte Wertentwicklung bzw. Verzinsung über die Laufzeit nicht erzielt wird.
Hinsichtlich fest zugesagter Leistungen bzw. garantierter Verzinsungen muss für diese Risiken nach dem deutschen
Betriebsrentenrecht grundsätzlich der Arbeitgeber einstehen.
Für Mitarbeiter in den USA existieren folgende Versorgungspläne von wesentlichem Umfang:
In den USA gibt es ungedeckte, ganz bzw. teilweise gedeckte Pensionspläne und Pensionsverpflichtungen aus
Gesundheitsfürsorgeplänen. Der überwiegende Teil der Verpflichtungen betrifft die gedeckten Pläne. Alle leistungs-
orientierten Pensionspläne in den USA sind für Neueintritte geschlossen. Die Leistungen orientieren sich an verschiedenen
Größen, wie Endgehältern, durchschnittlichen Karrieregehältern, am Stand eines individuellen Kontos und Festbeträgen. Für
die meisten Verpflichtungen besteht ein Wahlrecht auf Einmalzahlung mit einem entsprechenden Inanspruchnahmerisiko für
die Gesellschaften. Eine Asset-Liability-Matching-Strategie unterstützt die Einhaltung von Mindestgraden der
Ausfinanzierung, um Volatilitäten zu vermeiden. Dies geschieht in erster Linie durch US-Staatsanleihen und US-Dollar-
Unternehmensanleihen. Das Vermögen wird durch einen Pensionstrust verwaltet.
Im Zuge der Strategie zur Risikoreduktion in den USA erfolgte 2020 eine teilweise Ausfinanzierung von Pensions-
verpflichtungen (Buy-out). Es wurden dabei Pensionsverpflichtungen in Höhe von 85 Millionen € und Planvermögen in
Höhe von 81 Millionen € an ein externes Versicherungsunternehmen übertragen. Der Vermögensabgang ist sowohl bei den
Pensionsverpflichtungen als auch beim Planvermögen als Zahlung zur Planabgeltung in Höhe von 81 Millionen €
ausgewiesen. Der höhere Abgang bei den Pensionsverpflichtungen von 4 Millionen € führt zu einem Ertrag aus
Planabgeltung.
Für Mitarbeiter in UK existieren folgende Versorgungspläne von wesentlichem Umfang:
Alle Verpflichtungen in UK betreffen unverfallbar Ausgeschiedene und Rentner. Der überwiegende Teil der
Pensionsverpflichtungen ist mit Vermögen unterlegt. Die mit Vermögen unterlegten Pläne wurden 2020 zu einem Plan
zusammengeführt und werden durch einen externen Trust organisiert. Alle Pläne sind seit 2020 für Neueintritte geschlossen.
Die Pläne sind fast komplett endgehaltsorientiert. Die Vermögen der Pensionspläne unterliegen der Limitierung des
Planvermögens. Auch kann überschüssiges Vermögen nicht ohne Zustimmung der Trustees an die Gesellschaften
zurückfließen.
Im Zuge der Strategie zur Risikoreduktion in UK wurde 2020 der überwiegende Teil des Planvermögens auf die
Finanzierung durch eine Rückversicherung (Buy-in) umgestellt. Das vom Buy-in betroffene Planvermögen ist in eine
Versicherungspolice investiert worden, welche die Risiken in den Bewertungsschwankungen der Pensionsverpflichtungen
absichert. Gleichzeitig wurden die letzten noch aktiven Zusagen in diesen Plänen auf eine beitragsorientierte Zusage für
zukünftige Anwartschaftszuwächse umgestellt.
166
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Die bei der versicherungsmathematischen Bewertung der Verpflichtungen zugrunde gelegten Prämissen sind als gewichtete
Durchschnitte der folgenden Tabelle zu entnehmen:
Parameter der Bewertung der Pensionsverpflichtungen
Konzern Deutschland
in % 2019 2020 2019 2020
Abzinsungssatz zum 31.12. 1,44 0,98 1,30 0,90
Künftige Entgeltsteigerungen 2,55 2,53 2,50 2,50
Künftige Rentensteigerungen 1,57 1,57 1,50 1,50
Kostentrend im Bereich der medizinischen Versorgung 6,47 6,18 – –
Der Abzinsungssatz für Deutschland und die Euro-Länder bestimmt sich, indem auf Basis der Euro-Unternehmensanleihen
mit AA-Rating eine Zinsstrukturkurve abgeleitet und für Bereiche, in denen keine Marktdaten mehr existieren, mittels
Zinsstrukturkurve für Nullkupon-Bundesanleihen und unter Berücksichtigung eines Risikoaufschlags für Euro-
Unternehmensanleihen mit AA-Rating extrapoliert wird. Für die Datenbasis der verwendeten Euro-Unternehmensanleihen
mit AA-Rating werden solche Anleihen herangezogen, welche von mindestens einer der großen international anerkannten
Ratingagenturen ein AA-Rating erhalten haben. Mit der auf Basis der Euro-Unternehmensanleihen mit AA-Rating
abgeleiteten Zinsstrukturkurve wird dann der Barwert der Cashflows aus den Pensionsverpflichtungen im Unternehmen
bestimmt. Der Abzinsungssatz entspricht dem gerundeten konstanten Zinssatz, der bei Anwendung auf den Cashflow zum
gleichen Barwertergebnis führt.
Zum 31. Dezember 2020 erfolgte eine Methodenänderung bei der Ermittlung des Abzinsungssatzes für Deutschland:
Erweiterte Selektionskriterien in der Datenquelle für Euro-Unternehmensanleihen erlaubten erstmals eine Identifizierung
der Anleihen von staatsnahen („government owned“) Unternehmen. Im Vergleich zu den sonstigen Euro-
Unternehmensanleihen mit AA-Rating zeigten sich bei diesen systematisch niedrigere Risikoaufschläge, was auf die höhere
staatliche Bonität zurückgeführt werden kann. Aus diesem Grund hat sich Evonik entschlossen, die Anleihen von staatsnahen
Betrieben aus der Datenbasis für die Ermittlung des Abzinsungssatzes für Pensionen auszuschließen. Der so ermittelte
Abzinsungssatz zum 31. Dezember 2020 liegt bei 0,90 Prozent, während sich bei Anwendung der bisher angewendeten
Methodik ein Abzinsungssatz von 0,70 Prozent ergeben hätte, bei dessen Anwendung der Barwert der
Pensionsverpflichtungen um 447 Millionen € höher gewesen wäre. Für das Jahr 2021 würde die ursprüngliche Methodik zu
einem um 5 Millionen € geringeren Nettozinsaufwand und einem um 14 Millionen € höheren Dienstzeitaufwand führen.
Bei der Ermittlung der Abzinsungssätze für die Pensionspläne in den USA und in UK werden grundsätzlich analoge
Verfahren angewandt. Der Abzinsungssatz in den USA lag zum 31. Dezember 2020 bei 2,44 Prozent (Vorjahr: 3,29
Prozent) und der Abzinsungssatz in UK bei 1,23 Prozent (Vorjahr: 1,94 Prozent).
Die Bewertung für die inländischen Unternehmen basiert auf den biometrischen Grundlagen der „Richttafeln 2018 G“
von Klaus Heubeck, für die Gesellschaften in UK werden die sogenannten „S2PXA“-Tafeln und für die USA werden
sogenannte „MP-2020 mortality projection scales“ verwendet.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
167
Entwicklung des Barwertes der Pensionsverpflichtungen
in Millionen € 2019 2020
Barwert aller leistungsorientierten Verpflichtungen zum 01.01. 11.669
12.225
Laufender Dienstzeitaufwand 186 210
Zinsaufwand 232 170
Beiträge der Arbeitnehmer 42 42
Versicherungsmathematische Gewinne (-) und Verluste (+) (Neubewertungskomponente) 1.355 944
davon finanziell induziert 1.378 936
davon demografisch induziert 1 -2
davon eingetretene Veränderungen im abgelaufenen Jahr -24 10
Gezahlte Leistungen -435 -468
Nachzuverrechnender Dienstzeitaufwand -3 -3
Veränderungen bei den Unternehmen -3 10
Umgliederungen gemäß IFRS 5 -849 –
Gewinn/Verlust aus Planabgeltungen -10 -4
Zahlungen zur Planabgeltung – -81
Währungsumrechnung 41 -83
Barwert aller leistungsorientierten Verpflichtungen zum 31.12. 12.225 12.962
Die gewichtete Laufzeit der Verpflichtungen beträgt 18,2 Jahre (Vorjahr: 17,6 Jahre).
Aufteilung des Barwertes der Pensionsverpflichtungen
in Millionen € 2019 2020
Ungedeckte Pläne 361
362
Ganz oder teilweise gedeckte Pläne 11.761 12.505
Verpflichtungen für Gesundheitsfürsorge 103 95
Barwert aller leistungsorientierten Verpflichtungen zum 31.12. 12.225 12.962
Der Bewertung von Pensionsverpflichtungen liegen unter anderem Annahmen über Abzinsungssätze, erwartete zukünftige
Gehalts- und Rentensteigerungen, Kostentrends im Bereich der medizinischen Versorgung sowie Sterbetafeln zugrunde.
Diese Annahmen können aufgrund veränderter wirtschaftlicher Bedingungen oder einer veränderten Marktlage von den
tatsächlichen Daten abweichen.
Sensitivitätsanalyse: Auswirkungen von Änderungen der Parameter auf die DBO
Verminderung um 1 Prozentpunkt Erhöhung um 1 Prozentpunkt
in Millionen € 31.12.2019 31.12.2020 31.12.2019 31.12.2020
Konzernweiter Abzinsungssatz 2.449 2.714 -1.852 -2.039
Künftige Entgeltsteigerung -123 -110 129 121
Künftige Rentensteigerung -904 -994 1.084 1.198
Kostentrend im Bereich der medizinischen Versorgung -9 -8 11 10
Eine Verminderung der Sterblichkeit in der Rentenbezugsphase um 20 Prozent bei sonst unveränderten Parametern würde
zu einer Erhöhung der DBO um 1.066 Millionen € (Vorjahr: 956 Millionen €) führen.
168
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Entwicklung des beizulegenden Zeitwertes des Planvermögens
in Millionen € 2019 2020
Beizulegender Zeitwert des Planvermögens zum 01.01. 8.037
8.364
Zinserträge auf das Planvermögen 167 118
Beiträge der Arbeitgeber 206 166
Beiträge der Arbeitnehmer 10 9
Vermögensertrag, ohne Zinsertrag auf das Planvermögen (Neubewertungskomponente) 606 225
Sonstiger Verwaltungsaufwand -6 -4
Gezahlte Leistungen -383 -378
Zahlungen zur Planabgeltung – -81
Veränderungen bei den Unternehmen – 1
Umgliederungen gemäß IFRS 5 -313 –
Währungsumrechnung 40 -69
Beizulegender Zeitwert des Planvermögens zum 31.12. 8.364 8.351
Aufteilung des beizulegenden Zeitwertes des Planvermögens
31.12.2019 31.12.2020
in Millionen € in % in Millionen € in %
Kasse/Bankguthaben (Cash) 268 3,2 434 5,2
Aktien - aktiver Markt 1.171 14,0 1.119 13,4
Staatsanleihen - aktiver Markt 786 9,4 359 4,3
Staatsanleihen - nicht aktiver Markt 17 0,2 - -
Unternehmensanleihen - aktiver Markt 2.777 33,2 2.455 29,4
Unternehmensanleihen - nicht aktiver Markt 586 7,0 526 6,3
Sonstige Anleihen - aktiver Markt 510 6,1 601 7,2
Immobilien (direkte und indirekte Beteiligungen) - aktiver Markt 17 0,2 17 0,2
Immobilien (direkte und indirekte Beteiligungen) - nicht aktiver Markt 1.012 12,1 1.111 13,3
Alternative Investments (Infrastruktur/Hedgefonds/Rohstoffe) -
aktiver Markt 736 8,8
685 8,2
Alternative Investments (Infrastruktur/Hedgefonds/Rohstoffe) -
nicht aktiver Markt 351 4,2
384 4,6
Sonstiges - aktiver Markt 33 0,4 25 0,3
Sonstiges - nicht aktiver Markt 100 1,2 635 7,6
Summe 8.364 100,0 8.351 100,0
Im Geschäftsjahr 2020 gab es analog zum Vorjahr im Planvermögen keine sonstigen Vermögensgegenstände, die selbst
genutzt wurden.
Entwicklung der Limitierung des Planvermögens
in Millionen € 2019 2020
Begrenzung der Vermögenswerte zum 01.01. 100
106
Zinsaufwand auf den nicht aktivierbaren Teil des Planvermögens 3 2
Veränderung der Begrenzung, ohne Zinskosten (Neubewertungskomponente) -1 -97
Währungsumrechnung 4 -4
Begrenzung der Vermögenswerte zum 31.12. 106 7
Die Veränderung bei der Limitierung des Planvermögens 2020 geht zum größten Teil auf den Buy-in in UK zurück.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
169
Entwicklung des Nettobilanzansatzes der Pensionen
in Millionen € 31.12.2019 31.12.2020
Nettobilanzansatz zum 01.01. 3.732
3.967
Laufender Dienstzeitaufwand 186 210
Nachzuverrechnender Dienstzeitaufwand -3 -3
Gewinn/Verlust aus Planabgeltung -10 -4
Netto-Zinsen 68 54
Beiträge der Arbeitnehmer 32 33
Sonstiger Verwaltungsaufwand 6 4
Erfolgsneutrale Veränderung im sonstigen Ergebnis (Neubewertungen) 748 622
Gezahlte Leistungen -52 -90
Beiträge der Arbeitgeber -206 -166
Veränderungen bei den Unternehmen -3 9
Umgliederungen gemäß IFRS 5 -536 –
Währungsumrechnung 5 -18
Nettobilanzansatz zum 31.12. 3.967 4.618
Die bilanzierten Pensionsrückstellungen enthielten auch Krankenversorgungsansprüche im Wesentlichen von Betriebs-
rentnern der amerikanischen Tochtergesellschaften.
Die Umgliederung des Methacrylatgeschäfts in nicht fortgeführte Aktivitäten fand am 4. März 2019 statt. Im Zeitpunkt
der Veräußerung zum 31. Juli 2019 beliefen sich die in den nicht fortgeführten Aktivitäten enthaltenen Pensions-
rückstellungen auf 612 Millionen € (Barwert der Pensionsverpflichtungen: 941 Millionen €, Zeitwert des Planvermögens:
329 Millionen €).
Erwartete Entwicklung der Nettoleistungszahlungen
in Millionen € Vorjahresangabe Berichtsjahresangabe
2020 236 –
2021 243 240
2022 249 248
2023 253 254
2024 260 258
2025 – 261
In der Darstellung der zukünftigen Nettoleistungszahlungen sind in der Berichtsjahresangabe keine Rentenerstattungen
durch den Evonik Pensionstreuhand e.V. enthalten, da es den Gesellschaften im jeweiligen Geschäftsjahr noch freisteht, diese
einzufordern. Die erwarteten Arbeitgeberbeiträge für das Folgejahr betragen 162 Millionen € (Vorjahr: 168 Millionen €).
Der Netto-Zinsaufwand ist im Finanzergebnis ausgewiesen, vgl. Anhangziffer 5.5. Die anderen Pensionsbeträge sind in den
Funktionsbereichen als Personalaufwand (Pensionsaufwendungen) erfasst.
Der gesamte Personalaufwand wird unter Anhangziffer 10.2 dargestellt. Bei den ausländischen Tochtergesellschaften
wurden für beitragsorientierte Zusagen 30 Millionen € (Vorjahr: 32 Millionen €) aufgewandt, die ebenfalls als Personal-
aufwand (Pensionsaufwendungen) erfasst sind.
Darüber hinaus wurden für beitragsorientierte staatliche Pläne (gesetzliche Rentenversicherung) im In- und Ausland
134 Millionen € (Vorjahr: 135 Millionen €) aufgewandt. Diese sind auch als Personalaufwand (Aufwendungen für soziale
Abgaben) ausgewiesen.
Bezüglich der mit den Pensionsrückstellungen im Zusammenhang stehenden aktiven latenten Steuern verweisen wir
auf die Ausführungen in Anhangziffer 6.14 Latente Steuern, laufende Ertragsteuern.
170
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
6.11 Sonstige Rückstellungen
Sonstige Rückstellungen sind Schulden, die bezüglich ihrer Fälligkeit oder ihrer Höhe ungewiss sind. Sie werden gebildet,
sofern gegenwärtig rechtliche oder faktische Verpflichtungen gegenüber Dritten bestehen, die auf vergangenen Ereignissen
beruhen und wahrscheinlich zu einem Mittelabfluss führen werden. Darüber hinaus muss die Schätzung der Höhe der
Verpflichtung verlässlich möglich sein.
Rückstellungen werden mit ihrem wahrscheinlichen Erfüllungsbetrag angesetzt und berücksichtigen auch zukünftige
Kostensteigerungen. Langfristige Rückstellungen werden abgezinst.
Auflösungen von Rückstellungen werden in den Funktionsbereichen als Ertrag erfasst, in denen ursprünglich der
Aufwand bei Bildung der Rückstellung ausgewiesen wurde.
Die Bestimmung der sonstigen Rückstellungen, insbesondere in Bezug auf rechtliche Risiken, Rekultivierung und
Umweltschutz sowie Restrukturierungen, unterliegt naturgemäß in hohem Maße Schätzungsunsicherheiten bezüglich der
Höhe oder des Eintrittszeitpunkts der Verpflichtungen. Das Unternehmen muss teilweise aufgrund von Erfahrungswerten
Annahmen bezüglich der Eintrittswahrscheinlichkeit oder zukünftiger Entwicklungen, wie zum Beispiel der zur
Verpflichtungsbewertung anzusetzenden Kosten, treffen. Insbesondere langfristige Rückstellungen unterliegen
Schätzungsunsicherheiten und sind im besonderen Maße von der Wahl und Entwicklung der marktgerechten
Abzinsungssätze abhängig. Im Konzern werden nach Währungen und Restlaufzeiten gestaffelte Zinssätze verwendet.
Sonstige Rückstellungen
31.12.2019 31.12.2020
in Millionen €
Gesamt
davon
langfristig Gesamt
davon
langfristig
Personal 687 248 610 229
Rekultivierung und Umweltschutz 308 261 314 264
Restrukturierung 193 121 133 51
Absatz und Beschaffung 22 6 33 4
Sonstige Steuern und Zinsen auf Steuern 64 47 80 66
Übrige Verpflichtungen 283 96 289 101
Sonstige Rückstellungen 1.557 779 1.459 715
Die sonstigen Rückstellungen verringerten sich im Saldo gegenüber dem Vorjahr um 98 Millionen €. Dies lag im
Wesentlichen an der Entwicklung der Rückstellungen für Personal und Restrukturierung. Es wird erwartet, dass die Hälfte
der gesamten Rückstellungen im Folgejahr zu Auszahlungen führen werden.
Die Rückstellungen im Zusammenhang mit relevanten rechtlichen Risiken werden grundsätzlich entsprechend ihrer Art
den verschiedenen Rückstellungskategorien zugeordnet. Im Berichts- und Vorjahr sind diese Rückstellungen vollständig
unter den übrigen Verpflichtungen ausgewiesen. Sie enthalten angemessene Aufwendungen für Gerichts- und
Anwaltskosten, Leistungen an Kläger sowie eventuelle Vergleichs- oder Freistellungszahlungen. Zur Beurteilung der
Rückstellungshöhe werden unter anderem die Art des Rechtsstreits bzw. Anspruchs, der Stand des Verfahrens, die
Auffassung von Anwälten und Erfahrungen aus vergleichbaren Sachverhalten herangezogen sowie Annahmen über
Eintrittswahrscheinlichkeiten getroffen. Ein relevantes rechtliches Risiko besteht in Bezug auf einen angeblichen
Freistellungsanspruch aus Umweltgewährleistungen seitens des Erwerbers des früheren Rußgeschäfts. Des Weiteren setzt
sich Evonik mit dem Erwerber des im Jahr 2019 verkauften Methacrylatgeschäfts wegen der abschließenden Bestimmung
des Kaufpreises auseinander. Die Sachverhalte sind detailliert im zusammengefassten Lagebericht, Kapitel 6.4, beschrieben.
Auf die Nennung von Rückstellungsbeträgen wird verzichtet, da hierdurch die Lage von Evonik in laufenden
Rechtsstreitigkeiten beeinträchtigt werden könnte.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
171
Entwicklung der sonstigen Rückstellungen
in Millionen € Personal
Rekultivierung,
Umweltschutz
Restruk-
turierung
Absatz,
Beschaffung
Sonstige
Steuern,
Zinsen auf
Steuern
Übrige
Verpflich-
tungen Gesamt
Stand 01.01.2020 687 308 193 22 64 283
1.557
Zuführungen 349 34 19 17 23 101 543
Inanspruchnahmen -401 -27 -45 -5 -3 -46 -527
Auflösungen -35 -11 -33 -1 -4 -44 -128
Aufzinsung/
Zinssatzänderung 6 11 – – – 1
18
Übrige Bewegungen 4 -1 -1 – – -6 -4
Stand 31.12.2020 610 314 133 33 80 289 1.459
Rückstellungen für Personal werden für eine Vielzahl unterschiedlicher Sachverhalte gebildet. Hierzu zählen unter
anderem Tantiemen und variable Vergütungen, inklusive der sogenannten Long-Term-Incentive-Pläne. Hierbei handelt es
sich um ein erfolgsabhängiges Vergütungssystem mit langfristiger Anreizwirkung für Vorstandsmitglieder und Führungs-
kräfte von Evonik. Die entstandenen Verpflichtungen werden entsprechend IFRS 2 „Share-based Payment“ als Vergütung
mit Barausgleich ermittelt und erfolgswirksam erfasst. Darüber hinaus werden Personalrückstellungen für gesetzliche Alters-
teilzeitregelungen und andere betriebliche Vorruhestandsvereinbarungen, Lebensarbeitszeitregelungen sowie Jubiläums-
verpflichtungen gebildet. Etwa die Hälfte der langfristigen Rückstellungen für Personal führt nach Ende des Jahres 2025 zu
Auszahlungen.
Rückstellungen für Rekultivierung und Umweltschutz sind aufgrund von Verträgen und Gesetzen sowie behördlichen
Auflagen zu bilden. Sie umfassen Verpflichtungen zur Bodenaufbereitung, zum Gewässerschutz, zur Rekultivierung von
Deponien sowie zur Bodendekontaminierung. Etwa drei Viertel des langfristigen Teils der Rückstellungen führen nach Ende
des Jahres 2025 zu Auszahlungen.
Rückstellungen für Restrukturierung werden nur angesetzt, wenn eine faktische Verpflichtung aufgrund eines
detaillierten, formalen Plans besteht und bei den Betroffenen die gerechtfertigte Erwartung geweckt wurde, dass die
Restrukturierungsmaßnahme auch durchgeführt wird. Solche Maßnahmen sind als Programm definiert, das von einem
Unternehmen geplant und kontrolliert wird und ein Tätigkeitsfeld oder die Art, in der dieses Geschäft geführt wird,
wesentlich verändert. Restrukturierungsrückstellungen dürfen nur für Aufwendungen gebildet werden, die direkt durch die
Restrukturierung entstehen. Hierzu zählen Abfindungen, Sozialplan- und Vorruhestandsleistungen, Aufwendungen für die
Beendigung von Verträgen, für Abbrucharbeiten und für Bodenaufbereitungen, Mietaufwendungen für ungenutzte Anlagen
sowie alle weiteren Aufwendungen, die allein der Stilllegung oder Abwicklung dienen. Zum Bilanzstichtag waren hier unter
anderem Rückstellungen für Programme zur Optimierung der Vertriebs- und Verwaltungsfunktionen erfasst. Die
Veränderung dieser Rückstellungen hat wesentlich zur Verringerung der Rückstellungen für Restrukturierung in der
Berichtsperiode beigetragen. Die Auszahlungen des langfristigen Teils aller Restrukturierungsrückstellungen finden bis Ende
des Jahres 2025 statt.
Die Rückstellungen für Absatz und Beschaffung betreffen insbesondere Garantieverpflichtungen sowie Verträge, bei
denen die unvermeidbaren Kosten zur Erfüllung der vertraglichen Verpflichtung höher sind als der erwartete wirtschaftliche
Nutzen. Die Auszahlungen des langfristigen Teils der Rückstellungen finden bis Ende des Jahres 2025 statt.
172
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Die Rückstellungen für sonstige Steuern und Zinsen auf Steuern sind im Wesentlichen für Grund- und Umsatzsteuer
sowie für Verzinsungsverpflichtungen für alle Steuerarten gebildet. Die Auszahlungen des langfristigen Teils der
Rückstellungen finden bis Ende des Jahres 2025 statt.
Die Rückstellungen für übrige Verpflichtungen umfassen verschiedenartige Sachverhalte, die nicht einer der obigen
Rückstellungskategorien zugeordnet werden können. Hierzu zählen unter anderem Rechtsstreitigkeiten, Verwaltungs- bzw.
Bußgeldverfahren, Haftungsrisiken, Gewährleistungsansprüche aus getätigten Desinvestitionen sowie Abbruch-
verpflichtungen. Darüber hinaus werden hier Rückstellungen für Rechts- und Beratungskosten, Prüfungsaufwendungen
sowie für Änderungen von Regulierungen des öffentlichen Rechts, zum Beispiel in Bezug auf die EEG
69
-Umlage und den
europäischen Emissionshandel, ausgewiesen. Die langfristigen Rückstellungen für übrige Verpflichtungen führen
überwiegend bis Ende des Jahres 2025 zu Auszahlungen.
6.12 Finanzielle Verbindlichkeiten
Finanzielle Verbindlichkeiten
31.12.2019 31.12.2020
in Millionen € Gesamt
davon
langfristig Gesamt
davon
langfristig
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.324 – 1.273 –
Anleihen 3.637 3.137 2.986 2.986
Commercial Paper – – 45 –
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 150 25 142 23
Kredite von Nichtbanken 18 – 12 –
Verbindlichkeiten aus Leasing 650 539 653 532
Verbindlichkeiten aus Derivaten 68 1 19 –
Verbindlichkeiten aus Rückerstattung 45 – 47 –
Übrige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 63 11 94 23
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 4.631 3.713 3.998 3.564
Finanzielle Verbindlichkeiten 5.955 3.713 5.271 3.564
Evonik hat im April 2020 die im Jahr 2013 begebene festverzinsliche Anleihe getilgt und zusätzlich im Dezember 2020 die
im Jahr 2016 begebene festverzinsliche Anleihe mit Fälligkeit im Jahr 2021 durch Ausübung eines vorzeitigen
Kündigungsrechts bereits drei Monate vor dem regulären Fälligkeitsdatum getilgt. Im Mai 2020 wurde eine neue
festverzinsliche Anleihe mit einem Nominalvolumen von 500 Millionen € begeben.
69
Erneuerbare-Energien-Gesetz.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
173
Anleihen
Zinskupon in %
Nominal-
volumen
a
Buchwert Börsenwert
in Millionen € 31.12.2019 31.12.2020 31.12.2019 31.12.2020
Evonik Industries AG
Festverzinsliche Anleihe 2013/2020 1,875 500 500 – 503 –
Festverzinsliche Anleihe 2015/2023 1,000 750 747 748 771 764
Hybridanleihe 2017/2077
b
2,125 500 497 498 516 511
Festverzinsliche Anleihe 2020/2025 0,625 500 – 497 – 514
Evonik Finance B.V.
Festverzinsliche Anleihe 2016/2021
c
0,000 650 650 – 651 –
Festverzinsliche Anleihe 2016/2024 0,375 750 747 747 755 755
Festverzinsliche Anleihe 2016/2028 0,750 500 496 496 512 520
Summe 3.000 3.637 2.986 3.708 3.064
a
Getilgte festverzinsliche Anleihen 2013/2020 und 2016/2021 nicht in der Summe Nominalvolumen enthalten.
b
Die formelle Laufzeit der Anleihe beträgt 60 Jahre, wobei Evonik im Jahr 2022 ein erstes Rückzahlungsrecht besitzt.
c
Die Anleihe wurde mit dem vorzeitigen Rückzahlungsrecht im Dezember 2020 getilgt.
Unter den kurzfristigen Krediten von Nichtbanken wird die Abgrenzung der Kuponzahlungen für die jeweils ausstehenden
Anleihen in Höhe von 12 Millionen € (Vorjahr: 18 Millionen €) ausgewiesen.
Die Verbindlichkeiten aus Leasing enthalten den Barwert der zukünftigen Leasingzahlungen. Weiterführende
Informationen zu den Verbindlichkeiten aus Leasing finden sich in den Anhangziffern 9.2 und 9.4.
Verbindlichkeiten aus Derivaten
in Millionen € 31.12.2019 31.12.2020
Verbindlichkeiten aus Devisentermingeschäften und Devisenswaps 64
19
Verbindlichkeiten aus Commodity-Derivaten 4 –
Summe 68 19
Die Verbindlichkeiten aus Rückerstattung zeigen die Verpflichtungen aus Rabatt- und Bonusvereinbarungen im Rahmen
von Verträgen mit Kunden.
Die übrigen sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten enthalten Verbindlichkeiten gegenüber Partnern von gemein-
schaftlichen Tätigkeiten in Höhe von 57 Millionen € (Vorjahr: 54 Millionen €).
6.13 Sonstige Verbindlichkeiten
Sonstige Verbindlichkeiten
31.12.2019 31.12.2020
in Millionen € Gesamt
davon
langfristig
Gesamt
davon
langfristig
Vertragliche Verbindlichkeiten aus Verträgen mit Kunden 133 75 177 86
Passive Rechnungsabgrenzungsposten 24 15 35 16
Übrige sonstige Verbindlichkeiten 411 3 241 12
Sonstige Verbindlichkeiten 568 93 453 114
174
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Die vertraglichen Verbindlichkeiten aus Verträgen mit Kunden resultieren hauptsächlich aus von Kunden erhaltenen
Vorauszahlungen sowie aus Frachtleistungen, die als separate Leistungsverpflichtungen deklariert werden. Die Umsatzerlöse
werden erst erfasst, wenn die entsprechenden Leistungsverpflichtungen erfüllt wurden.
Die Umsatzrealisierung der vertraglichen Verbindlichkeiten aus Verträgen mit Kunden in Höhe von -24 Millionen €
(Vorjahr: -31 Millionen €) betrifft mit -13 Millionen € (Vorjahr: -13 Millionen €) vertragliche Verbindlichkeiten aus
Verträgen mit Kunden, die in Vorjahren gebildet wurden, und mit -11 Millionen € (Vorjahr: -18 Millionen €) vertragliche
Verbindlichkeiten aus Verträgen mit Kunden, die im aktuellen Jahr gebildet wurden.
Entwicklung der vertraglichen Verbindlichkeiten aus Verträgen mit Kunden
in Millionen €
2019 2020
Stand 01.01. 89
133
Währungsumrechnung 1 -4
Zugänge 82 71
Umgliederungen gemäß IFRS 5 -6 –
Rückzahlungen -2 1
Umsatzrealisierung -31 -24
Stand 31.12. 133 177
Die übrigen sonstigen Verbindlichkeiten umfassen im Wesentlichen Verbindlichkeiten aus sonstigen Steuern,
Verbindlichkeiten gegenüber der öffentlichen Hand sowie Verbindlichkeiten aus Versicherungsverträgen.
6.14 Latente Steuern, laufende Ertragsteuern
Latente Steuern werden für temporäre Ansatz- und Bewertungsunterschiede von Vermögenswerten und Schulden zwischen
der Steuerbilanz und der IFRS-Bilanz gebildet. Steuerliche Verlustvorträge, die wahrscheinlich zukünftig genutzt werden
können, werden in Höhe des latenten Steueranspruchs (aktive latente Steuern), unter Berücksichtigung ihrer begrenzten
bzw. unbegrenzten Vortragsfähigkeit, aktiviert.
Der Ansatz des latenten Steueranspruchs bei Unternehmen mit steuerlichen Verlustvorträgen ergibt sich einerseits aus
vorliegenden Planungsrechnungen, die regelmäßig fünf Jahre betragen, sowie andererseits aus dem Vorhandensein von
ausreichenden zu versteuernden temporären Differenzen. Aktive latente Steuern sind grundsätzlich mit der Maßgabe
angesetzt, dass ein künftiges zu versteuerndes Einkommen wahrscheinlich ist, mit dem die Latenzen realisiert werden
können. Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, so ist eine erfolgswirksame Wertberichtigung der aktiven latenten Steuern
vorzunehmen.
Die Berechnung latenter Steuern erfolgt auf Basis der Steuersätze, die nach der derzeitigen Rechtslage zu dem
Zeitpunkt gelten, in dem sich die nur vorübergehenden Differenzen wieder ausgleichen werden.
Latente Steueransprüche und latente Steuerschulden (passive latente Steuern) werden saldiert, soweit das Unternehmen
ein Recht zur Aufrechnung der laufenden Ertragsteueransprüche und -schulden hat und wenn sich die aktiven und passiven
latenten Steuern auf laufende Ertragsteuern beziehen, die von der gleichen Steuerbehörde erhoben werden.
Laufende Ertragsteuern für die Berichtsperiode und für frühere Perioden sind mit dem Betrag zu bemessen, in dessen
Höhe eine Zahlung an bzw. eine Erstattung durch die Steuerbehörden erwartet wird. Sie werden anhand der am
Bilanzstichtag geltenden gesellschaftsbezogenen Steuersätze ermittelt.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
175
Die Unternehmen des Konzerns sind weltweit in einer Vielzahl von Ländern ertragsteuerpflichtig. Bei der Beurteilung der
weltweiten Ertragsteueransprüche und –schulden kann insbesondere die Interpretation von steuerlichen Vorschriften mit
Unsicherheiten behaftet sein. Eine unterschiedliche Sichtweise der jeweiligen Finanzbehörden bezüglich der richtigen
Interpretation von steuerlichen Normen kann nicht ausgeschlossen werden. Änderungen der Annahmen über die richtige
Interpretation von steuerlichen Normen wie zum Beispiel aufgrund geänderter Rechtsprechung fließen in die Bilanzierung
der ungewissen Ertragsteueransprüche und -schulden im entsprechenden Wirtschaftsjahr ein. Ungewisse Ertragsteuer-
ansprüche und –schulden werden angesetzt, sobald die Eintrittswahrscheinlichkeit höher als 50 Prozent ist. Bilanzierte
unsichere Ertragsteuerpositionen werden, je nachdem welcher Wert bei Eintritt der Unsicherheit das Ergebnis besser
widerspiegelt, mit dem wahrscheinlichsten Wert oder dem Erwartungswert angesetzt.
Latente und laufende Ertragsteuern in der Bilanz
31.12.2019 31.12.2020
in Millionen € Gesamt
davon
langfristig
Gesamt
davon
langfristig
Aktive latente Steuern 1.718 1.632 2.004 1.754
Laufende Ertragsteueransprüche 337 12 224 13
Passive latente Steuern 537 497 586 505
Laufende Ertragsteuerschulden 379 320 411 275
Die kurzfristigen Elemente der latenten Steuern wurden in Übereinstimmung mit IAS 1 „Presentation of Financial
Statements“ in der Bilanz unter den langfristigen Vermögenswerten bzw. Schulden ausgewiesen.
Latente Steuern nach Bilanzposten und Sachverhalten
Aktive latente Steuern Passive latente Steuern
in Millionen € 31.12.2019 31.12.2020 31.12.2019 31.12.2020
Immaterielle Vermögenswerte 175 182 210 228
Sachanlagen 28 28 354 335
Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten – – 169 172
Finanzielle Vermögenswerte 961 952 16 90
Vorräte 47 74 2 1
Sonstige Vermögenswerte 54 63 51 23
Rückstellungen 1.496 1.742 880 897
Verbindlichkeiten 210 213 82 67
Sonderposten mit Rücklageanteil (nach nationalem Recht) – – 44 41
Verlustvorträge 18 29 – –
Steuergutschriften 2 1 – –
Sonstige – 3 2 15
Latente Steuern (brutto) 2.991 3.287 1.810 1.869
Saldierungen -1.273 -1.283 -1.273 -1.283
Latente Steuern (netto) 1.718 2.004 537 586
Von den aktiven latenten Steuern auf Rückstellungen entfallen 1.588 Millionen € (Vorjahr: 1.351 Millionen €) auf die in
der Bilanz ausgewiesenen Pensionsrückstellungen. In der Position Verbindlichkeiten sind aktive latente Steuern von
167 Millionen € (Vorjahr: 170 Millionen €) für Verbindlichkeiten aus Leasing enthalten. Bei den unter der Position
„Sonstige“ ausgewiesenen passiven latenten Steuern handelt es sich im Wesentlichen um latente Steuern im Zusammenhang
mit Tochterunternehmen.
176
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Für temporäre Differenzen in Höhe von 45 Millionen € (Vorjahr: 84 Millionen €) wurden keine aktiven latenten Steuern
angesetzt, da es nicht wahrscheinlich ist, dass künftig steuerpflichtiges Einkommen zu deren Realisierung in ausreichender
Höhe vorhanden sein wird. Die steuerpflichtigen temporären Differenzen im Zusammenhang mit Anteilen an Tochter-
unternehmen, für die keine latenten Steuern angesetzt wurden, betragen 171 Millionen € (Vorjahr: 162 Millionen €).
Evonik ist in der Lage, den zeitlichen Verlauf der Umkehrung der temporären Differenzen zu steuern.
In Höhe von 2 Millionen € (Vorjahr: 25 Millionen €) wurden bei Gesellschaften, bei denen ein Verlust vorlag, aktive latente
Steuern angesetzt. Die Nutzung wird durch Umstrukturierungen sichergestellt. Ergänzend neben den mit latenten Steuern
belegten steuerlichen Verlustvorträgen bestanden nicht nutzbare und nicht mit latenten Steuern belegte Verlustvorträge.
Verlustvorträge nach Verfallszeiten
Körperschaftsteuer
(In- und Ausland)
Lokale Steuer
(In- und Ausland)
Steuergutschriften
(Ausland)
in Millionen € 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Bis 1 Jahr – 21 – – – –
Über 1 bis 5 Jahre 40 21 – – – –
Über 5 bis 10 Jahre – 3 – – – –
Unbegrenzt 331 242 201 93 4 8
Summe 371 287 201 93 4 8
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
177
7. Erläuterungen zur Kapitalflussrechnung
Die Kapitalflussrechnung stellt die zahlungswirksamen Veränderungen der Finanzmittel des Konzerns im Laufe der
Berichtsperiode dar. Sie ist nach den Zahlungsströmen (Cashflows) aus laufender Geschäfts-, Investitions- und
Finanzierungstätigkeit gegliedert. Die Netto-Cashflows der nicht fortgeführten Aktivitäten, die mit Konzernfremden
anfallen, werden gesondert dargestellt. Auswirkungen aufgrund von Veränderungen des Konsolidierungskreises wurden
eliminiert.
Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit wird nach der indirekten Methode ermittelt. Das Ergebnis vor
Finanzergebnis und Ertragsteuern der fortgeführten Aktivitäten wird um Auswirkungen von nicht zahlungswirksamen
Aufwendungen und Erträgen sowie um Posten, die der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind, bereinigt.
Des Weiteren werden bestimmte Veränderungssalden der Bilanz ermittelt und diesem Ergebnis hinzugerechnet.
Dividendeneinzahlungen werden ebenfalls diesem Cashflow zugerechnet.
Der Cashflow aus Investitionstätigkeit ergibt sich aus den Ein- und Auszahlungen für Investitionen oder Veräußerungen
von immateriellen Vermögenswerten und Sachanlagen, aus Übernahmen und Verlusten der Beherrschung von
Geschäftsbetrieben sowie aus Erwerben und Veräußerungen von übrigen Unternehmensbeteiligungen. Ein- und
Auszahlungen im Zusammenhang mit Wertpapieren, Geldanlagen und Ausleihungen sowie Zinseinzahlungen werden
ebenfalls dem Cashflow aus Investitionstätigkeit zugerechnet.
Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit ergibt sich aus den zahlungswirksamen Veränderungen der Finanzschulden,
aus Ein- und Auszahlungen für Transaktionen mit eigenen Anteilen und aus sonstigen Ein- und Auszahlungen im
Zusammenhang mit Finanztransaktionen. Zins- und Dividendenauszahlungen werden ebenfalls dem Cashflow aus
Finanzierungstätigkeit zugerechnet.
Der Finanzmittelbestand beinhaltet die in der Bilanz und – sofern vorhanden – unter den zur Veräußerung vorgesehenen
Vermögenswerten ausgewiesenen flüssigen Mittel. Diese umfassen Guthaben bei Kreditinstituten sowie Schecks und
Kassenbestände. Weiterhin werden hier hoch liquide Finanztitel mit einer Laufzeit – gerechnet vom Erwerbszeitpunkt – von
nicht mehr als drei Monaten ausgewiesen, sofern sie jederzeit in Zahlungsmittelbeträge umgewandelt werden können und
nur unwesentlichen Wertschwankungen unterliegen. Ihr Ansatz erfolgt zum beizulegenden Zeitwert.
In den Auszahlungen für die Übernahme der Beherrschung über Geschäftsbetriebe sind unter anderem die
Bruttokaufpreise für den Anteilserwerb der erstmals einbezogenen Tochterunternehmen enthalten. Die Kaufpreise waren
wie im Vorjahr vollständig zahlungswirksam abgeflossen. Mit den Käufen wurden flüssige Mittel in Höhe von 36 Millionen €
(Vorjahr: keine) erworben.
In den Einzahlungen aus der Veräußerung des Methacrylatgeschäfts sowie den Ein-/Auszahlungen aus dem Verlust
der Beherrschung über Geschäftsbetriebe sind im Vorjahr Bruttoverkaufspreise von 2.439 Millionen € abzüglich
227 Millionen € abgegebener flüssiger Mittel enthalten. Die Verkaufspreise waren im Vorjahr vollständig zahlungswirksam
zugeflossen. Im Geschäftsjahr gab es keine wesentlichen Veräußerungen. Die übrigen Ein-/Auszahlungen aus dem Verlust
der Beherrschung über Geschäftsbetriebe betreffen wie im Vorjahr Veräußerungen der Vorperioden.
Die folgende Überleitungsrechnung zeigt die Entwicklung der Finanzverschuldung, deren Aufnahme und Tilgung in der
Kapitalflussrechnung im Cashflow aus Finanzierungstätigkeit gezeigt werden. Die Definition der Finanzverschuldung ist im
zusammengefassten Lagebericht erläutert, vgl. dort Kapitel 2.9.
178
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Überleitung Finanzverschuldung 2020
Zahlungswirksam im
Cashflow aus
Finanzierungstätigkeit
Nicht zahlungswirksame Änderungen
in Millionen €
Stand
01.01.
Aufnahme
Finanz-
schulden
Tilgung
Finanz-
schulden
Veränderungen
Konsoli-
dierungskreis
Währungs-
umrechnung
Umglieder-
ungen
gemäß
IFRS 5
Zugang und
Abgang
Leasing-
verbindlich-
keiten Sonstiges
Stand
31.12.
Anleihen 3.637 499 -1.150 – – – – – 2.986
Commercial Paper – 140 -95 – – – – – 45
Verbindlichkeiten ggü.
Kreditinstituten 150 371 -443 31 -12 – – 45
142
Kredite von Nichtbanken 18 – -7 – – – – 1 12
Verbindlichkeiten aus
Leasing 650 – -139 33 -15 – 125 -1
653
Übrige sonstige finanzielle
Verbindlichkeiten 63 29 -322 315 -4 – – 13
94
Finanzschulden 4.518 1.039 -2.156 379 -31 – 125 58 3.932
Überleitung Finanzverschuldung 2019
Zahlungswirksam im
Cashflow aus
Finanzierungstätigkeit Nicht zahlungswirksame Änderungen
in Millionen €
Stand
01.01.
Aufnahme
Finanz-
schulden
Tilgung
Finanz-
schulden
Veränderungen
Konsoli-
dierungskreis
Währungs-
umrechnung
Umglieder-
ungen
gemäß
IFRS 5
Zugang und
Abgang
Leasing-
verbindlich-
keiten
Sonstiges
Stand
31.12.
Anleihen 3.632 – – – – – – 5 3.637
Verbindlichkeiten ggü.
Kreditinstituten 214 90 -153 -1 – – – – 150
Kredite von Nichtbanken 18 – – – – – – – 18
Verbindlichkeiten aus
Leasing 666 – -126 – 4 -26 136 -4 650
Übrige sonstige finanzielle
Verbindlichkeiten 49 20 -16 – – – – 10 63
Finanzschulden 4.579 110 -295 -1 4 -26 136 11 4.518
Der Finanzmittelbestand in Höhe von 563 Millionen € (Vorjahr: 1.165 Millionen €) umfasst die in der Bilanz
ausgewiesenen flüssigen Mittel.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
179
8. Erläuterungen zur Segmentberichterstattung
8.1 Berichterstattung nach operativen Segmenten
Seit der Neuausrichtung der Konzernstruktur zum 1. Juli 2020 werden die Ressourcenallokation und die Bewertung der
Ertragskraft im Konzern durch den Vorstand der Evonik Industries AG auf Ebene der folgenden neuen Berichtssegmente,
die das operative Kerngeschäft abbilden (im Weiteren auch kurz: Division oder Segment), wahrgenommen:
Specialty Additives,
Nutrition & Care,
Smart Materials,
Performance Materials,
Services.
Die Berichterstattung nach operativen Segmenten folgt somit dem internen Berichtswesen und der internen Steuerung des
Konzerns (Management Approach). Es werden die externen Rechnungslegungsvorschriften angewandt, vgl. Anhangziffer 3
sowie die in den anderen Anhangziffern dargestellten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden. Ausgenommen hiervon sind
konzerninterne Leasingtransaktionen, die weiterhin als Aufwand bzw. Ertrag in den Segmenten erfasst werden.
Nachfolgend die Beschreibung der Berichtssegmente von Evonik:
Die Division Specialty Additives vereint das Geschäft mit leistungsstarken Additiven auf Basis einer umfangreichen
Palette organomodifizierter Silikone und vielseitigen Vernetzern. Einen wichtigen Teil davon bilden Inhaltsstoffe,
Spezialadditive und Systemlösungen für hochwertige Konsumgüter und spezielle industrielle Anwendungen, die unter
anderem zur Erhöhung der Widerstandskraft und Nachhaltigkeit von Lackierungen sowie zur Verbesserung von Automobil-
und Industrieschmierstoffen beitragen. Schlüsselfaktoren für den Erfolg sind eine hohe Innovationskraft, integrierte
Technologieplattformen sowie strategische Partnerschaften. Hierzu verfügt Specialty Additives über exzellentes Know-how
in der Grenzflächenchemie für industrielle Anwendungen und insbesondere als Formulierungsexperte für kundenspezifische
Anwendungen, um in den Märkten Coatings, Mobilität, Infrastruktur und Konsumgüter die Performance von Produkten zu
verbessern. Damit machen die Spezialitäten der Division die Endprodukte hochwertiger, langlebiger und energiesparender.
Die Division Nutrition & Care produziert schwerpunktmäßig für Anwendungen in Konsumgütern des täglichen Bedarfs,
in der Tierernährung und im Bereich Gesundheit. Nutrition & Care verfügt hierfür über exzellentes Know-how in der
Grenzflächenchemie für Konsumgüter. Die Produkte basieren auf einer umfangreichen Palette oleochemischer Derivate und
biotechnologisch hergestellter Wirkstoffe. Zudem produziert und vermarktet Nutrition & Care essenzielle Aminosäuren und
Probiotika für die Tierernährung. Erfolgsfaktor ist, neben der hohen technologischen Kompetenz und den integrierten
Technologieplattformen, die langjährige Erfahrung in der chemischen Synthese und in der Biotechnologie. Die Kompetenz
für nachhaltige Lösungen in der Tierernährung, das globale Vertriebsnetz und das umfassende Angebot an differenzierenden
Produkten und Dienstleistungen treiben das Wachstum und sind verantwortlich für den Wettbewerbsvorteil. Nutrition &
Care ist ein strategischer Partner der Healthcare-Industrie mit den Schwerpunkten Wirkstoffsynthese und kontrollierte
Wirkstofffreisetzung für moderne Arzneimittel.
Zur Division Smart Materials gehören Geschäfte mit innovativen Materialien, die ressourcenschonende Lösungen
ermöglichen und konventionelle Werkstoffe ersetzen. Die Produkte werden kontinuierlich weiterentwickelt und an die
Bedürfnisse der Kunden angepasst. Den Weg zu mehr Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit ebnen die starken
Technologieplattformen der Division Smart Materials: Anorganische Materialien mit innovativen Eigenschaften wie Silica,
Silane, Peroxide und Spezialkatalysatoren, Hightech-Polymere wie Polyamid 12, Polyimid, spezielle Polybutadiene und
Polyester sowie darauf basierende Compounds, Verbundwerkstoffe und Membranen. Smart Materials tragen dazu bei, dass
Menschen ein gutes und nachhaltiges Leben führen können. Mit einer einzigartigen Kombination aus Innovationskraft,
Verantwortung und Kundennähe versetzt die Division ihre Kunden und Partner in die Lage, neue, nachhaltige und smarte
Wege zu gehen.
180
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Im Mittelpunkt der Division Performance Materials steht die Herstellung von polymeren Werkstoffen sowie
Zwischenprodukten vor allem für die Automobil-, Kautschuk- und Kunststoffindustrie. Dabei hat Performance Materials den
Anspruch, ein führender Anbieter zu sein. Zu den besonderen Stärken gehören die Produkteigenschaften, Verbund-
strukturen, Erfahrungen und Kompetenzen. Deswegen ist das Segment mit großvolumigen Zwischenprodukten, aber auch
maßgeschneiderten Lösungen vielerorts Marktführer. Das gilt für den C
4
-Verbund, Superabsorber oder auch für Alkoholate,
die unter anderem zur Herstellung von Biodiesel eingesetzt werden.
Das Segment Services bietet für die Chemie-Divisionen und für externe Kunden an Standorten von Evonik Leistungen
rund um das Standortmanagement, die Ver- und Entsorgung, den technischen Service, die Verfahrenstechnik und das
Engineering sowie die Logistik an. Darüber hinaus unterstützt das Segment die Chemie-Divisionen und das Corporate Center
mit konzernweit standardisierten kaufmännischen Dienstleistungen unter anderem auf den Gebieten IT, Personal,
Rechnungswesen und Recht.
In der Spalte Corporate, andere Aktivitäten, Konsolidierung werden verschiedene Aktivitäten des Konzerns zusammen-
gefasst. Geschäftsaktivitäten des Konzerns, die keinem Berichtssegment zugeordnet werden können, werden als Andere
Aktivitäten ausgewiesen. Corporate, Konsolidierung umfasst unter anderem die Steuerung des Evonik-Konzerns durch das
Corporate Center, die strategische Forschung sowie die Konsolidierungseffekte zwischen den Segmenten.
Zusammensetzung Corporate, andere Aktivitäten, Konsolidierung
Andere Aktivitäten Corporate, Konsolidierung
Corporate, andere Aktivitäten,
Konsolidierung
in Millionen € 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Außenumsatz 36 29 1 1 37 30
Innenumsatz 37 36 -2.050 -1.922 -2.013 -1.886
Gesamtumsatz 73 65 -2.049 -1.921 -1.976 -1.856
Bereinigtes EBITDA -39 -57 -177 -163 -216 -220
Bereinigtes EBIT -63 -77 -191 -168 -254 -245
Capital Employed (Jahresdurchschnitt) -37 29 -79 -42 -116 -13
Abschreibungen -22 -21 -13 -4 -35 -25
Sachinvestitionen 11 3 1 – 12 3
Finanzinvestitionen 369 – – – 369 –
Mitarbeiter zum 31.12. (Anzahl) 23 21 289 301 312 322
Vorjahreszahlen angepasst.
8.2 Berichterstattung nach Regionen
Für die Berichterstattung nach Regionen werden Länder und Ländergruppen zu Regionen zusammengefasst. Im Einzelnen
ist die Berichterstattung nach Regionen unter Anhangziffer 8.3 weiter ausgeführt.
8.3 Erläuterung der Segmentkennzahlen
Der Außenumsatz zeigt den Umsatz der Segmente mit Konzernexternen. Die Umsätze zwischen den Segmenten werden
als Innenumsatz ausgewiesen und grundsätzlich zu Marktpreisen oder nach der Kostenaufschlagsmethode verrechnet.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
181
Überleitung der Gesamtumsätze aller Berichtssegmente zu den Umsatzerlösen des Konzerns
in Millionen € 2019 2020
Gesamtumsatz der Berichtssegmente 15.084
14.055
Gesamtumsatz der anderen Aktivitäten 73 65
Corporate, Konsolidierung abzüglich nicht fortgeführter Aktivitäten -2.049 -1.921
Außenumsatz des Konzerns 13.108 12.199
Vorjahreszahlen angepasst.
Außenumsätze nach Ländern (Standort des Kunden)
in Millionen € 2019 2020
USA 2.593
2.587
Deutschland 2.290 2.074
China 1.009 1.139
Schweiz 712 541
Niederlande 577 498
J
apan 511 429
Frankreich 387 333
Brasilien 359 332
Vereinigtes Königreich 391 303
Italien 321 294
Sonstige Länder 3.958 3.669
Außenumsatz des Konzerns 13.108 12.199
Das Ergebnis aus at Equity bilanzierten Unternehmen entspricht dem in der Gewinn- und Verlustrechnung dargestellten
Ergebnis, das aus diesen Beteiligungen erzielt wird, vgl. Anhangziffer 5.4.
Der Vorstand der Evonik Industries AG nutzt das bereinigte EBITDA als Hauptsteuerungsgröße zur Messung der operativen
Leistung. Das bereinigte EBITDA stellt die wesentliche von der jeweiligen Segmentführung beeinflussbare Ergebnisgröße
dar. Es beinhaltet das operative Ergebnis vor Finanzergebnis, Ertragsteuern und nach Bereinigungen und wird um
Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen angepasst, die nicht bereits Bestandteil der Bereinigungen sind.
Überleitung vom bereinigten EBITDA der Berichtssegmente zum Ergebnis vor Ertragsteuern der fortgeführten
Aktivitäten im Konzern
in Millionen € 2019 2020
Bereinigtes EBITDA der Berichtssegmente 2.369
2.126
Bereinigtes EBITDA der anderen Aktivitäten -39 -57
Bereinigtes EBITDA Corporate, Konsolidierung abzüglich nicht fortgeführter Aktivitäten -177 -163
Bereinigtes EBITDA 2.153 1.906
Abschreibungen -932 -998
Wertminderungen/Wertaufholungen -76 -34
In den Bereinigungen enthaltene Abschreibungen, Wertminderungen/Wertaufholungen 56 16
Bereinigte Abschreibungen und Wertminderungen -952 -1.016
Bereinigtes EBIT 1.201 890
Bereinigungen
a
-115 -71
Finanzergebnis -132 -135
Ergebnis vor Ertragsteuern fortgeführter Aktivitäten 954 684
Vorjahreszahlen angepasst.
a
Siehe zusammengefasster Lagebericht, Kapitel 2.4.
182
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Aus dem Verhältnis des bereinigten EBITDA zum Außenumsatz ergibt sich die bereinigte EBITDA-Marge.
Das bereinigte EBIT beinhaltet das operative Ergebnis vor Finanzergebnis, Ertragsteuern und nach Bereinigungen. Es wird
zur Berechnung der internen Steuerungsgröße Return on Capital Employed (ROCE) verwendet.
Das Capital Employed stellt als Nettogröße das betriebsnotwendige Vermögen der Berichtssegmente dar, das nach
konzerneinheitlichen Vorgaben den Berichtssegmenten zugeordnet wird. Es wird berechnet, indem zunächst die Summe aus
immateriellen Vermögenswerten, Sachanlagen, Beteiligungen, Vorräten, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und
den übrigen unverzinslichen Vermögenswerten ermittelt wird und davon die unverzinslichen Rückstellungen, die
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie die übrigen unverzinslichen Verbindlichkeiten abgezogen werden.
Als weitere interne Steuerungsgröße des Konzerns wird die Kapitalrendite Return on Capital Employed (ROCE)
verwendet. Sie wird ermittelt, indem das bereinigte EBIT in das Verhältnis zum eingesetzten Kapital (Capital Employed)
gesetzt wird. Zur Glättung von Stichtagseffekten wird das Capital Employed für die Kennzahlenermittlung mit dem
Durchschnittswert der Berichtsperiode angesetzt.
Die Abschreibungen zeigen die planmäßige Verteilung des Werteverzehrs der immateriellen Vermögenswerte,
Sachanlagen und Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten über deren geschätzte Nutzungsdauer.
Als Sachinvestitionen werden die Zugänge der Berichtsperiode zu immateriellen Vermögenswerten (ohne Geschäfts- oder
Firmenwerte aus der Kapitalkonsolidierung) und Sachanlagen dargestellt. Zugänge aufgrund von Veränderungen des
Konsolidierungskreises werden nicht berücksichtigt. Die Sachinvestitionen nach Regionen werden entsprechend dem
Standort der Tochterunternehmen segmentiert.
Als Finanzinvestitionen werden die Zugänge der Berichtsperiode zu at Equity bilanzierten Unternehmen, übrigen
Beteiligungen, langfristigen Ausleihungen sowie langfristigen Wertpapieren und wertpapierähnlichen Ansprüchen
dargestellt. Der Erwerb von Tochterunternehmen wird im Jahr des Zugangs als Finanzinvestition ausgewiesen (einschließlich
der Geschäfts- oder Firmenwerte aus der Kapitalkonsolidierung).
Die Anzahl der Mitarbeiter wird zum Bilanzstichtag erhoben. Die Mitarbeiter werden nach Kopfzahl angegeben, wobei
Teilzeitbeschäftigte voll einbezogen sind. Die Anzahl der Mitarbeiter nach Regionen wird entsprechend dem Standort der
Tochterunternehmen segmentiert.
Die Geschäfts- oder Firmenwerte, die sonstigen immateriellen Vermögenswerte, die Sachanlagen und die
Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten werden nach dem Standort der Tochterunternehmen segmentiert.
Zusammengefasst ergeben diese Vermögenswerte das langfristige Vermögen gemäß IFRS 8 „Operating Segments“ (vgl.
IFRS 8.33 b).
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
183
Aufteilung des im Konzern eingesetzten langfristigen Vermögens nach Ländern
in Millionen €
31.12.2019 31.12.2020
Deutschland 5.037
5.350
USA 3.732 3.899
Singapur 1.129 997
Belgien 810 751
China 593 566
Sonstige Länder 1.632 1.570
Langfristige Vermögenswerte 12.933 13.133
9. Weitere Angaben
9.1 Aktivierte Fremdkapitalkosten
Fremdkapitalkosten, die direkt dem Erwerb, dem Bau oder der Herstellung von qualifizierten Vermögenswerten zugeordnet
werden konnten, wurden wie im Vorjahr in Höhe von 6 Millionen € aktiviert; der zugrunde gelegte Finanzierungskostensatz
betrug im Durchschnitt 1,2 Prozent (Vorjahr: 1,0 Prozent).
9.2 Zusätzliche Informationen zu Leasing
Leasing ist eine Vereinbarung, in der gegen eine Zahlung oder eine Reihe von Zahlungen das Recht auf Nutzung eines
Vermögenswertes für einen bestimmten Zeitraum übertragen wird.
Der Konzern tritt hauptsächlich als Leasingnehmer von betriebsnotwendigen Vermögenswerten (vgl. auch Anhangziffer
6.3) und als Leasinggeber im Rahmen von Operating-Leasing-Verträgen nicht betriebsnotwendiger Grundstücke (vgl. auch
Anhangziffer 6.2) auf.
Nach IFRS 16 hat der Leasingnehmer grundsätzlich alle Leasingverhältnisse als Barwerte in Form eines Nutzungsrechts am
geleasten Vermögenswert und einer Verbindlichkeit aus Leasing in der Bilanz anzusetzen. Das Nutzungsrecht wird in der
Regel über die Vertragslaufzeit abgeschrieben und die Verbindlichkeit aus Leasing nach der Effektivzinsmethode aufgezinst
sowie durch Leasingzahlungen getilgt. Insofern fallen hier keine Mietaufwendungen mehr in der Gewinn- und Verlust-
rechnung an. Das Nutzungsrecht unterliegt dem Wertminderungstest nach IAS 36.
Zur Ermittlung des Barwertes der Verbindlichkeiten aus Leasing und deren nachfolgender Aufzinsung wird in der Regel
der Grenzfremdkapitalzinssatz genutzt, der auf einheitlichen Abzinsungszinssätzen beruht, die die Vertragswährung, die
Vertragslaufzeit und das wirtschaftliche Umfeld des Leasingverhältnisses berücksichtigen. Die Verbindlichkeiten aus Leasing
werden unter den sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten ausgewiesen.
Evonik wendet als Leasingnehmer die Erleichterungsvorschriften für kurzfristige Leasingverhältnisse und Leasing-
verhältnisse über geringwertige Vermögenswerte an, die dann nicht nach IFRS 16 in der Bilanz anzusetzen sind, sondern
184
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
weiterhin als Mietaufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst werden (IFRS 16.5). Des Weiteren wendet Evonik
den Standard nicht auf die Miete von immateriellen Vermögenswerten an (IFRS 16.4).
Darüber hinaus werden für folgende Klassen von Vermögenswerten die Leasing- und Nicht-Leasingkomponenten
zusammengefasst (IFRS 16.15): Kraftwerke, Schiffe und Tanklager.
Der Leasinggeber hat weiterhin seine Leasingverhältnisse in Finanzierungs- oder Operating-Leasing nach dem Verhältnis
der übertragenen Chancen und Risiken zu klassifizieren.
Im Falle eines Finanzierungsleasings geht der zugrunde liegende Vermögenswert aus der Bilanz ab und eine Forderung
aus Finanzierungsleasing wird erfasst.
Beim Operating-Leasing verbleibt der zugrunde liegende Vermögenswert in der Bilanz und die erhaltenen
Leasingzahlungen werden als Umsatzerlöse aus Operating-Leasing in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst.
Werte aus Leasingnehmer-Transaktionen
in Millionen € 2019 2020
Nutzungsrechte an geleasten Vermögenswerten zum 31.12.
a
640 668
Verbindlichkeiten aus Leasing zum 31.12.
b
650 653
Abschreibungen und Wertminderungen 131 141
Zinsaufwand 16 16
Aufwendungen für kurzfristige Leasingverhältnisse 13 11
Aufwendungen für Leasingverhältnisse über geringwertige Vermögenswerte 2 2
Aufwendungen aus nicht bilanzierten variablen Leasingzahlungen 7 6
Umsatzerlöse aus Untermietverhältnissen 2 11
Summe aller Auszahlungen für Leasing 164 175
Gewinne oder Verluste aus Sale-and-Leaseback-Transaktionen 1 –
a
Vgl. auch Anhangziffer 6.3.
b
Vgl. auch Anhangziffern 6.12 und 9.4.
Evonik mietet oder least betriebsnotwendige Gegenstände, die überwiegend die Peripherie der Produktion betreffen oder,
wie zum Beispiel bei Verwaltungsgebäuden, auch geringeren Bezug zur Produktion haben. Zu den wesentlichen
Nutzungsrechten an geleasten Vermögenswerten gehören Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte (20 Prozent),
Gebäude (16 Prozent), Kraftwerke (10 Prozent), Tanklager (28 Prozent) sowie Eisenbahnwaggons und Transportcontainer
(11 Prozent). Zu den Vertragslaufzeiten siehe Anhangziffer 6.3.
Evonik hat als Leasingnehmer sicher anfallende Leasingauszahlungen als Verbindlichkeit aus Leasing in der Bilanz angesetzt.
Darüber hinaus können weitere Leasingauszahlungen anfallen, die nicht in der Bilanz angesetzt werden dürfen, wie zum
Beispiel nutzungsabhängige variable Leasingzahlungen und schwebende Leasingverträge.
Im Evonik-Konzern sind variable Leasingzahlungen nicht wesentlich.
Evonik hat schwebende Leasingverträge, die unterschrieben sind, aber nach dem Bilanzstichtag erstmalig bilanziert
werden. Die wesentlichen Verträge betreffen das Leasing von neuen Gas- und Dampfturbinenkraftwerken und einer
Lagerhalle. Deren diskontierte Leasingauszahlungen betragen rund 370 Millionen €, die über Laufzeiten bis zu 25 Jahren
anfallen werden.
Viele Leasingverträge beinhalten Verlängerungs- und/ oder Kündigungsoptionen. Diese Optionen geben Evonik die
Flexibilität, das Leasingportfolio an sich verändernde Geschäftsbedürfnisse anzupassen. Die Beurteilung der Wahrscheinlich-
keit der Optionsausübung bedarf eines hohen Maßes an Ermessensentscheidungen. Unter Beachtung aller Fakten und
Umstände sieht Evonik nur bei hoher Eintrittswahrscheinlichkeit die Optionen als ausübbar an. Im Falle veränderter Fakten
und Umstände erfolgt eine Neueinschätzung der Optionsausübung. Bis dahin betrachtet Evonik die bilanzierte Verpflichtung
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
185
als besten Indikator für die zukünftigen Zahlungsabflüsse. Zur detaillierten Darstellung zukünftiger Zahlungsabflüsse aus
Leasing siehe Anhangziffer 9.4.
Evonik hat keine unbilanzierten Restwertgarantien, aus denen in der Zukunft mögliche Auszahlungen resultieren
könnten. Ferner sind in den abgeschlossenen Leasingverträgen keine Klauseln enthalten, die Evonik beschränken oder zur
Einhaltung bestimmter Finanzkennzahlen verpflichten. Es liegen keine wesentlichen Sale-and-Leaseback-Transaktionen vor.
Evonik ist als Leasinggeber im Rahmen von Finanzierungsleasing-Transaktionen keinen verbleibenden Risiken bezüglich
der zugrunde liegenden Vermögenswerte ausgesetzt.
Werte aus Leasinggeber-Transaktionen
in Millionen € 2019 2020
Vermögenswerte, die einem Operating-Leasing zugrunde liegen
a
3 20
Forderungen aus Finanzierungsleasing
b
3 3
Umsatzerlöse (Operating-Leasing) 18 28
davon Umsatzerlöse aus variablen Leasingzahlungen, die auf der Nutzung des Leasinggegenstands basieren 1 1
a
Vgl. auch Anhangziffer 6.2.
b
Vgl. auch Anhangziffern 6.6 und 9.4.
Fälligkeiten der künftigen Mindestleasingzahlungen (Leasinggeber/Operating-Leasing)
in Millionen € 2019 2020
Fällig bis 1 Jahr 14
14
Fällig in über 1 bis 2 Jahren 9 9
Fällig in über 2 bis 3 Jahren 7 6
Fällig in über 3 bis 4 Jahren 5 5
Fällig in über 4 bis 5 Jahren 5 4
Fällig nach über 5 Jahren 142 137
Summe 182 175
9.3 Erfolgsabhängige Vergütungen
Das Vergütungssystem von Evonik beinhaltet neben der Grundvergütung und der einjährigen variablen Vergütung auch eine
langfristige Komponente, die Long-Term-Incentive (LTI)-Pläne für Vorstände und Führungskräfte. Mit dem LTI-Plan für das
Jahr 2013 ist erstmals mit dem Börsengang die Wertentwicklung der Evonik-Aktie in den Mittelpunkt des LTI gerückt
worden. Für Vorstände und Führungskräfte wurde das neue Plandesign gleichermaßen eingeführt.
Es handelt sich um eine anteilsbasierte Vergütung mit Barausgleich. Die Pläne werden jeweils am Bewertungsstichtag mit
einer Monte-Carlo-Simulation bewertet. Hierbei wird das Ausübungsverhalten durch das Modell simuliert. Die Pläne führen
zu Personalaufwand, der grundsätzlich über die Laufzeit der jeweiligen Tranche verteilt wird.
Die Performance wird auf Basis der absoluten Entwicklung des Evonik-Aktienkurses sowie der relativen Entwicklung des
Evonik-Aktienkurses im Vergleich zum MSCI World Chemicals Index
SM
berechnet.
Aus dem vertraglichen Zielwert in Form eines Eurobetrags wird grundsätzlich zu Beginn des Performancezeitraums auf
Basis des dann gegebenen Aktienkurses die Anzahl der fiktiven Aktien ermittelt. Maßgeblich sind hierfür die letzten
60 Handelstage vor Beginn des Performancezeitraums. Der Performancezeitraum beginnt stets am 1. Januar des Zuteilungs-
jahres und beträgt grundsätzlich vier Jahre. Zum Ende des Performancezeitraums wird der Startkurs der Evonik-Aktie in
Relation zum Durchschnittskurs der Evonik-Aktie am Ende des Performancezeitraums gesetzt. Dem wird die Entwicklung
des Vergleichsindex auf Total-Shareholder-Return-Basis gegenübergestellt.
186
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Liegt das Ergebnis der relativen Performance bei einem Wert von unter 70 Prozentpunkten, wird die relative Performance
auf den Wert Null gesetzt. Beträgt das Ergebnis der relativen Performance einen Wert von über 130 Prozentpunkten, wird
der Wert der relativen Performance auf den Wert 130 Prozent festgelegt.
Die Berechnung des Auszahlungsbetrags ergibt sich aus der Multiplikation der relativen Performance mit der Anzahl der
zugeteilten fiktiven Aktien sowie mit dem Durchschnittskurs der Evonik-Aktie am Ende des Performancezeitraums.
Am Ende des Performancezeitraums besteht für die LTI-Tranchen bis einschließlich 2018 die Möglichkeit, diesen
einmalig um ein Jahr zu verlängern. Eine Teilausübung nach Ende des ursprünglichen Performancezeitraums ist nicht möglich.
Der Auszahlungsgrad der Langfristvergütung ist nach oben begrenzt und kann maximal 300 Prozent des individuellen
Zusagezielwertes betragen.
Ab dem Jahr 2019 wird die Werthaltigkeit des LTI nicht mehr nur am Ende des Performancezeitraums, sondern am Ende
jeden Jahres des vierjährigen Performancezeitraums gemessen. Entsprechend der bisherigen Berechnung wird der Startkurs
der Evonik-Aktie in Relation zum Durchschnittskurs der Evonik-Aktie am Ende jeden Jahres des Performancezeitraums
zuzüglich tatsächlich gezahlter Dividenden je Aktie während des Performancezeitraums gesetzt. Dem wird die jeweilige
Entwicklung des Vergleichsindex auf Total-Shareholder-Return-Basis gegenübergestellt. Am Ende der Laufzeit wird die
Gesamtperformance als Durchschnitt der einzelnen Jahresergebnisse ermittelt. Die Möglichkeit, den Performancezeitraum
zu verlängern, entfällt.
LTI-Plan für Vorstandsmitglieder - Tranchen 2015 bis 2020
Tranche 2015 Tranche 2016 Tranche 2017
Zusagezeitpunkt Datum 29.04.2015 18.05.2016 07.06.2017
Fiktive Aktien zugeteilt Anzahl 175.787 139.109 108.283
Fiktive Aktien entfallen Anzahl – – –
Fiktive Aktien ausgeübt Anzahl 175.787 63.032 –
Fiktive Aktien zum 31.12.2020 Anzahl – 76.077 108.283
Laufzeit der Tranche von - bis
01.01.2015-
31.12.2019
a
01.01.2016-
31.12.2020
a
01.01.2017-
31.12.2021
a
Aufwand (+)/Ertrag (-) der Periode in Tausend € – – -1.434
Buchwert der Rückstellung in Tausend € – – –
Tranche 2018
Tranche 2019
Tranche 2020
Zusagezeitpunkt Datum 15.05.2018 02.07.2019 27.05.2020
Fiktive Aktien zugeteilt Anzahl 119.846 181.784 184.232
Fiktive Aktien entfallen Anzahl – – –
Fiktive Aktien ausgeübt Anzahl – – –
Fiktive Aktien zum 31.12.2020 Anzahl 119.846 181.784 184.232
Laufzeit der Tranche von - bis
01.01.2018-
31.12.2021
01.01.2019-
31.12.2022
01.01.2020-
31.12.2023
Aufwand (+)/Ertrag (-) der Periode in Tausend € 148 666 967
Buchwert der Rückstellung in Tausend € 1.429 1.674 967
a
Teilweise Verlängerungszeitraum optiert.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
187
LTI-Plan für Führungskräfte - Tranchen 2015 bis 2020
Tranche 2015 Tranche 2016 Tranche 2017
Zusagezeitpunkt Datum 18.05.2015 18.05.2016 06.06.2017
Fiktive Aktien zugeteilt Anzahl 535.195 436.125 523.169
Fiktive Aktien entfallen Anzahl 14.821 56.729 73.998
Fiktive Aktien ausgeübt Anzahl 520.374 – –
Fiktive Aktien zum 31.12.2020 Anzahl – 379.396 449.171
Laufzeit der Tranche von - bis
01.01.2015 -
31.12.2019
a
01.01.2016 -
31.12.2020
a
01.01.2017 -
31.12.2021
a
Aufwand (+)/Ertrag (-) der Periode in Tausend € – – -6.391
Buchwert der Rückstellung in Tausend € – – –
Tranche 2018
Tranche 2019
Tranche 2020
Zusagezeitpunkt Datum 11.05.2018 02.07.2019 25.05.2020
Fiktive Aktien zugeteilt Anzahl 460.694 532.476 476.182
Fiktive Aktien entfallen Anzahl 65.755 46.131 –
Fiktive Aktien ausgeübt Anzahl – – –
Fiktive Aktien zum 31.12.2020 Anzahl 394.939 486.345 476.182
Laufzeit der Tranche von - bis
01.01.2018 -
31.12.2021
01.01.2019 -
31.12.2022
01.01.2020 -
31.12.2023
Aufwand (+)/Ertrag (-) der Periode in Tausend € 143 1.564 2.500
Buchwert der Rückstellung in Tausend € 4.710 4.479 2.500
a
Teilweise Verlängerungszeitraum optiert.
Zum 31. Dezember 2020 betrugen die Rückstellungen für anteilsbasierte Vergütungen insgesamt 15,8 Millionen €
(Vorjahr: 20,4 Millionen €). Im Jahr 2020 betrug der Gesamtertrag für anteilsbasierte Vergütungen 1,8 Millionen €
(Vorjahr: Gesamtaufwand 7,9 Millionen €).
9.4 Zusätzliche Informationen zu Finanzinstrumenten
Als originäre oder derivative Finanzinstrumente werden vertraglich vereinbarte Rechte und Verpflichtungen bilanziert, aus
denen ein Zu- oder Abfluss von finanziellen Vermögenswerten oder die Ausgabe von Eigenkapitalinstrumenten resultiert.
Derivative Finanzinstrumente (Derivate) werden zur Absicherung von Risiken aus Währungs-, Warenpreis- und Zins-
änderungen eingesetzt. Derivate werden entweder freistehend oder im Rahmen einer bilanziellen Sicherungsbeziehung mit
dem zugehörigen abzusichernden Grundgeschäft (Hedge Accounting) bilanziert. Während sich alle derivativen Finanz-
instrumente in einer ökonomischen Sicherungsbeziehung befinden, ist nur ein Teil dieser Beziehungen im Hedge Accounting
abgebildet (siehe Anhangziffer 9.4.4).
Der erstmalige Ansatz von originären finanziellen Vermögenswerten erfolgt zum Erfüllungstag, der von Derivaten zum
Handelstag.
Die Ausbuchung finanzieller Vermögenswerte erfolgt, wenn die vertraglichen Rechte auf Erhalt von Zahlungen
erloschen sind oder übertragen wurden und Evonik im Wesentlichen alle Chancen und Risiken, die mit dem Eigentum
verbunden sind, übertragen hat. Finanzielle Verbindlichkeiten werden ausgebucht, wenn sie getilgt sind und somit die
Verpflichtung beglichen, aufgehoben oder ausgelaufen ist.
Die erstmalige Bewertung von Finanzinstrumenten erfolgt mit ihrem beizulegenden Zeitwert zuzüglich direkt
zuordenbarer Transaktionskosten. Eine Ausnahme bilden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ohne signifikante
Finanzierungskomponente, die gemäß den Regelungen des IFRS 15 zu ihrem Transaktionspreis bewertet werden.
188
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Transaktionskosten von Finanzinstrumenten, die der Kategorie „Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert“ zuzuordnen
sind, werden direkt in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst.
Der beizulegende Zeitwert ist der Betrag, der bei Veräußerung eines finanziellen Vermögenswertes oder bei der
Übertragung einer finanziellen Verbindlichkeit im Rahmen einer gewöhnlichen Transaktion zwischen Marktteilnehmern am
Bewertungsstichtag erhalten bzw. gezahlt würde, und stellt somit einen Abgangspreis basierend auf einer hypothetischen
Transaktion am Bewertungsstichtag dar. Die Ermittlung erfolgt auf Basis der dreistufigen Hierarchie des IFRS 13: Sofern
vorhanden, werden die auf einem aktiven Markt beobachtbaren Börsen- oder Marktpreise für identische finanzielle
Vermögenswerte bzw. Verbindlichkeiten unangepasst herangezogen (Stufe 1). Ist ein solcher Preis nicht verfügbar, werden
Bewertungstechniken (finanzmathematische Methoden) mit direkt oder indirekt beobachtbaren Inputfaktoren genutzt
(Stufe 2). In allen anderen Fällen wird auf Bewertungstechniken zurückgegriffen, bei denen die verwendeten Parameter
nicht auf beobachtbaren Marktdaten basieren (Stufe 3). Werden für ein Finanzinstrument Inputfaktoren unterschiedlicher
Stufen zur Bewertung herangezogen, so wird der beizulegende Zeitwert des Finanzinstruments in seiner Gesamtheit der
niedrigsten Stufe der wesentlichen Inputfaktoren zugeordnet.
Die Folgebewertung der Finanzinstrumente richtet sich nach ihrer Klassifizierung in Bewertungskategorien. Originäre
finanzielle Vermögenswerte werden auf Grundlage des vom Unternehmen zur Steuerung des jeweiligen finanziellen
Vermögenswertes herangezogenen Geschäftsmodells sowie der Eigenschaften der vertraglichen Zahlungsströme des
Finanzinstruments den Kategorien „Erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert ohne Recycling“, „Zu fortgeführten
Anschaffungskosten“ oder „Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert“ zugeordnet. Originäre finanzielle
Verbindlichkeiten sind grundsätzlich der Kategorie „Zu fortgeführten Anschaffungskosten“ zugeordnet. Freistehende
derivative Finanzinstrumente sind in die Kategorie „Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert“ einzustufen. In
bilanziellen Sicherungsbeziehungen stehende Derivate sind keiner Bewertungskategorie des IFRS 9 zugeordnet. Auch sie
werden zum beizulegenden Zeitwert in der Bilanz angesetzt. Die Behandlung ihrer Wertänderungen richtet sich jedoch nach
den speziellen Regelungen für Hedge Accounting. Eine freiwillige Designation als „Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeit-
wert“ (Fair Value Option) liegt aktuell weder bei finanziellen Vermögenswerten noch bei finanziellen Verbindlichkeiten vor.
Die Anteile an übrigen Beteiligungen wurden unwiderruflich in die Kategorie „Erfolgsneutral zum beizulegenden
Zeitwert ohne Recycling“ designiert, da Evonik diese Beteiligungen als langfristige, strategische Investitionen einstuft. Die
Kategorie „Zu fortgeführten Anschaffungskosten“ bei finanziellen Vermögenswerten umfasst insbesondere die
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Ausleihungen und übrige sonstige finanzielle Vermögenswerte, soweit
deren vertragliche Ausstattungsmerkmale ausschließlich Tilgungs- und Zinszahlungen auf den ausstehenden Kapitalbetrag
darstellen und das Geschäftsmodell „Halten“ vorliegt. Diese finanziellen Vermögenswerte werden zu fortgeführten
Anschaffungskosten unter Verwendung der Effektivzinsmethode bewertet und unterliegen den Wertminderungs-
vorschriften für erwartete Kreditverluste. Die Kategorie „Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert“ enthält
Ausleihungen und Wertpapiere sowie übrige sonstige finanzielle Vermögenswerte, deren vertragliche
Ausstattungsmerkmale nicht ausschließlich Tilgungs- und Zinszahlungen auf den ausstehenden Kapitalbetrag darstellen, oder
solche, die nicht dem Geschäftsmodell „Halten“ bzw. „Halten und verkaufen“ zugeordnet sind. Der Kategorie „Zu
fortgeführten Anschaffungskosten“ bei finanziellen Verbindlichkeiten sind insbesondere die Verbindlichkeiten aus
Lieferungen und Leistungen sowie Anleihen, Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und Kredite von Nichtbanken
zugeordnet. Diese werden zu fortgeführten Anschaffungskosten unter Verwendung der Effektivzinsmethode bewertet.
Forderungen aus Finanzierungsleasing, die bei Evonik unter den übrigen sonstigen finanziellen Vermögenswerten
ausgewiesen werden, sowie Verbindlichkeiten aus Leasing sind keiner Kategorie zugeordnet, da sie nicht nach den
Vorschriften des IFRS 9, sondern des IFRS 16 bewertet werden. Ebenfalls keiner Bewertungskategorie zugeordnet sind
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
189
Verbindlichkeiten aus Rückerstattung für Rabatt- und Bonusvereinbarungen nach IFRS 15, die in den sonstigen finanziellen
Verbindlichkeiten ausgewiesen werden.
Der Nominalwert von Derivaten entspricht bei Zinsswaps dem vereinbarten Kapitalbetrag, auf den sich die Zinstausch-
vereinbarung bezieht, bei Zins-Währungs-Swaps, Devisentermingeschäften, Devisenoptionsgeschäften und Devisenswaps
dem in Euro umgerechneten gesicherten Fremdwährungswert und bei Commodity-Derivaten den in Euro umgerechneten
gesicherten Anschaffungskosten.
9.4.1 Angaben zu Buch- und Zeitwerten der Finanzinstrumente
Buchwerte und beizulegende Zeitwerte finanzieller Vermögenswerte zum 31.12.2020
Buchwerte je Bewertungskategorie 31.12.2020
in Millionen €
Erfolgsneutral
zum beizulegen-
den Zeitwert
ohne Recycling
Zu fort-
geführten An-
schaffungskosten
Erfolgswirksam
zum beizulegen-
den Zeitwert
Keiner
Kategorie
zugeordnet Buchwert
Beizulegender
Zeitwert
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – 1.455 – – 1.455 1.455
Flüssige Mittel – 563 – – 563 563
Übrige Beteiligungen 568 – – – 568 568
Ausleihungen – 37 12 – 49 49
Wertpapiere und wertpapierähnliche Ansprüche – – 492 – 492 492
Forderungen aus Derivaten – – 30 133 163 163
Übrige sonstige finanzielle Vermögenswerte – 29 – 3 32 32
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 568 66 534 136 1.304 1.304
Finanzielle Vermögenswerte 568 2.084 534 136 3.322 3.322
Buchwerte und beizulegende Zeitwerte finanzieller Vermögenswerte zum 31.12.2019
Buchwerte je Bewertungskategorie 31.12.2019
in Millionen €
Erfolgsneutral
zum beizulegen-
den Zeitwert
ohne Recycling
Zu fort-
geführten An-
schaffungskosten
Erfolgswirksam
zum beizulegen-
den Zeitwert
Keiner
Kategorie
zugeordnet
Buchwert
Beizulegender
Zeitwert
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – 1.569 – – 1.569 1.569
Flüssige Mittel – 1.165 – – 1.165 1.165
Übrige Beteiligungen 556 – – – 556 556
Ausleihungen – 39 8 – 47 47
Wertpapiere und wertpapierähnliche Ansprüche – – 1.225 – 1.225 1.225
Forderungen aus Derivaten – – 11 47 58 58
Übrige sonstige finanzielle Vermögenswerte – 14 – 3 17 17
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 556 53 1.244 50 1.903 1.903
Finanzielle Vermögenswerte 556 2.787 1.244 50 4.637 4.637
190
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Buchwerte und beizulegende Zeitwerte finanzieller Verbindlichkeiten zum 31.12.2020
Buchwerte je Bewertungskategorie 31.12.2020
in Millionen €
Erfolgswirksam
zum beizulegen-
den Zeitwert
Zu fortgeführten
Anschaf-
fungskosten
Keiner
Kategorie
zugeordnet Buchwert
Beizulegender
Zeitwert
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen – 1.273 – 1.273 1.273
Anleihen – 2.986 – 2.986 3.064
Commercial Paper – 45 – 45 45
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten – 142 – 142 144
Kredite von Nichtbanken – 12 – 12 12
Verbindlichkeiten aus Leasing – – 653 653 653
Verbindlichkeiten aus Derivaten 14 – 5 19 19
Verbindlichkeiten aus Rückerstattung – – 47 47 47
Übrige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten – 94 – 94 94
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 14 3.279 705 3.998 4.078
Finanzielle Verbindlichkeiten 14 4.552 705 5.271 5.351
Buchwerte und beizulegende Zeitwerte finanzieller Verbindlichkeiten zum 31.12.2019
Buchwerte je Bewertungskategorie 31.12.2019
in Millionen €
Erfolgswirksam
zum beizulegen-
den Zeitwert
Zu fortgeführten
Anschaf-
fungskosten
Keiner
Kategorie
zugeordnet
Buchwert
Beizulegender
Zeitwert
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen – 1.324 – 1.324 1.324
Anleihen – 3.637 – 3.637 3.707
Commercial Paper – – – – –
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten – 150 – 150 153
Kredite von Nichtbanken – 18 – 18 18
Verbindlichkeiten aus Leasing – – 650 650 650
Verbindlichkeiten aus Derivaten 16 – 52 68 68
Verbindlichkeiten aus Rückerstattung – – 45 45 45
Übrige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten – 63 – 63 63
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 16 3.868 747 4.631 4.704
Finanzielle Verbindlichkeiten 16 5.192 747 5.955 6.028
Zu beizulegenden Zeitwerten bilanzierte Finanzinstrumente werden den Stufen der Fair-Value-Hierachie zugeordnet.
Die Finanzinstrumente der Stufe 1 sind zum aktuellen Börsenkurs angesetzt. Sie umfassen Wertpapiere und
wertpapierähnliche Ansprüche, die in zwei Spezialfonds gebündelt sind, sowie die Beteiligung an der Borussia Dortmund
GmbH & Co. KGaA.
Alle Derivate sind zum aktuellen Bilanzstichtag der Stufe 2 zugeordnet. Dabei handelt es sich um Währungs- und
Commodity-Derivate, deren beizulegende Zeitwerte mithilfe von Discounted-Cashflow-Verfahren auf Basis von
Wechselkursnotierungen der Europäischen Zentralbank, beobachtbaren Zinsstrukturkurven, Währungsvolatilitäten,
Commodity-Preisnotierungen und Kreditausfallprämien bestimmt wurden.
Bei den übrigen Beteiligungen, die der Stufe 3 zugeordnet sind, handelt es sich um nicht börsennotierte Eigenkapital-
instrumente, deren Bewertung auf Basis der besten verfügbaren Informationen zum Abschlussstichtag vorgenommen wurde.
Die Bewertung der Anteile an der Vivawest GmbH (beizulegender Zeitwert zum 31. Dezember 2020: 459 Millionen €;
Vorjahr: 384 Millionen €) erfolgte mittels Discounted-Cashflow-Verfahren. Die wesentlichen nicht beobachtbaren
Inputfaktoren bei der Bewertung waren die Kapitalkosten und das Umsatzwachstum. Eine Erhöhung der Kapitalkosten bei
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
191
gleichzeitigem Rückgang des Umsatzwachstums um je 10 Prozent würde zu einer Reduzierung des beizulegenden
Zeitwertes um 150 Millionen € (Vorjahr: 127 Millionen €), ein Rückgang der Kapitalkosten bei gleichzeitiger Erhöhung
des Umsatzwachstums um je 10 Prozent würde zu einer Erhöhung des beizulegenden Zeitwertes um 208 Millionen €
(Vorjahr: 166 Millionen €) führen. Die beizulegenden Zeitwerte der weiteren übrigen Beteiligungen (beizulegender
Zeitwert zum 31. Dezember 2020: 60 Millionen €; Vorjahr: 52 Millionen €) wurden aus beobachtbaren Preisen im Rahmen
von Eigenkapitalrefinanzierungen sowie mittels Discounted-Cashflow-Verfahren und Multiple-Verfahren abgeleitet. Eine
relative Veränderung der wesentlichen Bewertungsparameter (segmentspezifische Kapitalkostensätze, nachhaltige
Dividendenerwartungen, EBITDA-Multiple) um je 10 Prozent führt nicht zu einer wesentlichen Veränderung der
beizulegenden Zeitwerte. Es besteht keine Absicht zur Veräußerung der übrigen Beteiligungen. Bei den Ausleihungen, die
der Stufe 3 zugeordnet sind, handelt es sich um Wandelanleihen. Grundlage für die bilanzierten beizulegenden Zeitwerte
sind die Nominalwerte der Anleihen; sofern wesentlich, wird das Wandlungsrecht berücksichtigt. Bei den Wertpapieren und
wertpapierähnlichen Ansprüchen, die der Stufe 3 zugeordnet sind, handelt es sich um nicht börsennotierte
Fondsbeteiligungen. Grundlage für die bilanzierten beizulegenden Zeitwerte sind die von den Investmentfonds-
gesellschaften bereitgestellten Net Asset Values, die auf Basis international anerkannter Bewertungsrichtlinien ermittelt
werden.
Zum beizulegenden Zeitwert bilanzierte Finanzinstrumente zum 31.12.2020
Beizulegende Zeitwerte ermittelt auf Basis 31.12.2020
in Millionen €
öffentlich notierter
Marktpreise
(Stufe 1)
marktnaher, direkt
ableitbarer Werte
(Stufe 2)
individueller
Bewertungsparameter
(Stufe 3) Gesamt
Übrige Beteiligungen 49 – 519 568
Ausleihungen – – 12 12
Wertpapiere und wertpapierähnliche Ansprüche 464 – 28 492
Forderungen aus Derivaten – 163 – 163
Verbindlichkeiten aus Derivaten – -19 – -19
Zum beizulegenden Zeitwert bilanzierte Finanzinstrumente zum 31.12.2019
Beizulegende Zeitwerte ermittelt auf Basis 31.12.2019
in Millionen €
öffentlich notierter
Marktpreise
(Stufe 1)
marktnaher, direkt
ableitbarer Werte
(Stufe 2)
individueller
Bewertungsparameter
(Stufe 3) Gesamt
Übrige Beteiligungen 120 – 436 556
Ausleihungen – – 8 8
Wertpapiere und wertpapierähnliche Ansprüche 1.201 – 24 1.225
Forderungen aus Derivaten – 58 – 58
Verbindlichkeiten aus Derivaten – -68 – -68
Es fanden in der Berichtsperiode keine Umgliederungen zwischen den einzelnen Stufen der Fair-Value-Hierarchie statt.
192
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Beizulegende Zeitwerte der Stufe 3: Überleitungsrechnung von den Eröffnungs- zu den Schlusssalden
in Millionen €
Übrige
Beteiligungen
Ausleihungen
Wertpapiere und
wertpapierähnliche
Ansprüche
Gesamt
Stand 01.01.2019 41 3 18
62
Zugänge / Abgänge 382 5 2 389
Erfolgsneutral erfasste Gewinne oder Verluste der Periode 13 – – 13
Erfolgswirksam erfasste Gewinne oder Verluste der Periode
(Sonstiges Finanzergebnis) – – 4
4
Stand 31.12.2019 436 8 24 468
Zugänge / Abgänge 10 4 – 14
Erfolgsneutral erfasste Gewinne oder Verluste der Periode 73 – – 73
Erfolgswirksam erfasste Gewinne oder Verluste der Periode
(Sonstiges Finanzergebnis) – – 4
4
Stand 31.12.2020 519 12 28 559
Die beizulegenden Zeitwerte der zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanzierten Finanzinstrumente werden wie
folgt ermittelt: Als beizulegender Zeitwert der Anleihen wird deren direkt beobachtbarer Börsenkurs zum Bilanzstichtag
verwendet. Bei Ausleihungen, übrigen sonstigen finanziellen Vermögenswerten, Verbindlichkeiten gegenüber Kredit-
instituten sowie Krediten von Nichtbanken wird der beizulegende Zeitwert als Barwert der erwarteten zukünftigen
Zahlungsmittelzuflüsse oder –abflüsse ermittelt und ist somit der Stufe 2 zuzuordnen. Die Abzinsung erfolgt unter
Anwendung des zum Bilanzstichtag aktuellen laufzeitadäquaten Zinssatzes unter Berücksichtigung der Bonität der
Kontrahenten. Aufgrund der überwiegend kurzfristigen Laufzeiten für die übrigen sonstigen finanziellen Forderungen und
Verbindlichkeiten sowie für die Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen stimmen bei diesen,
ebenso wie bei den liquiden Mitteln, die beizulegenden Zeitwerte mit den Buchwerten überein.
9.4.2 Ergebnisse aus Finanzinstrumenten
Nettoergebnisse je Bewertungskategorie 2020
Nettoergebnisse je Bewertungskategorie 2020
in Millionen €
Finanzielle
Vermögenswerte
zu fortgeführten
Anschaffungskosten
Finanzielle
Verbindlichkeiten
zu fortgeführten
Anschaffungskosten
Finanzielle
Vermögenswerte
erfolgsneutral zum
beizulegenden Zeitwert
(ohne Recycling)
Finanzielle
Vermögenswerte und
Verbindlichkeiten
erfolgswirksam zum
beizulegenden Zeitwert
Gesamt
Ergebnis aus dem Abgang -3 – – -6 -9
Ergebnis aus der Währungssicherung – – – 24 24
Ergebnis aus der Umrechnung monetärer
Bilanzposten -45 – – –
-45
Wertminderungen/Wertaufholungen -1 – – – -1
Zinserträge 4 – – 16 20
Zinsaufwendungen – -37 – -14 -51
Ergebnis aus Wertpapieren und übrigen
Beteiligungen
a
– – 10 -3 7
Summe -45 -37 10 17 -55
a
Im Geschäftsjahr 2020 wurden 10 Millionen € Dividenden von übrigen Beteiligungen vereinnahmt. Darin waren keine Dividenden von im Geschäftsjahr veräußerten übrigen
Beteiligungen enthalten.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
193
Nettoergebnisse je Bewertungskategorie 2019
Nettoergebnisse je Bewertungskategorie 2019
in Millionen €
Finanzielle
Vermögenswerte
zu fortgeführten
Anschaffungskosten
Finanzielle
Verbindlichkeiten
zu fortgeführten
Anschaffungskosten
Finanzielle
Vermögenswerte
erfolgsneutral zum
beizulegenden Zeitwert
(ohne Recycling)
Finanzielle
Vermögenswerte und
Verbindlichkeiten
erfolgswirksam zum
beizulegenden Zeitwert
Gesamt
Ergebnis aus dem Abgang -3 – – – -3
Ergebnis aus der Währungssicherung – – – -4 -4
Ergebnis aus der Umrechnung monetärer
Bilanzposten -15 – – – -15
Wertminderungen/Wertaufholungen -6 – – – -6
Zinserträge 6 – – 13 19
Zinsaufwendungen – -47 – -36 -83
Ergebnis aus Wertpapieren und übrigen
Beteiligungen
a
– – 1 -4 -3
Summe -18 -47 1 -31 -95
a
Im Geschäftsjahr 2019 wurde 1 Million € Dividenden von übrigen Beteiligungen vereinnahmt. Darin waren keine Dividenden von im Geschäftsjahr veräußerten übrigen Beteiligungen
enthalten.
Die Posten „Ergebnis aus der Währungssicherung“ und „Ergebnis aus der Umrechnung monetärer Bilanzposten“ beinhalten
nicht die Ergebnisse aus derivativen Finanzinstrumenten, die im Rahmen des Hedge Accounting bilanziert werden. Der
wertgeminderte Teil von finanziellen Vermögenswerten bzw. von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen liefert wie
im Vorjahr keinen Beitrag zum Zinsergebnis.
9.4.3 Hedge Accounting
Im Rahmen des Hedge Accounting bilden die derivativen Sicherungsinstrumente und die zugehörigen abzusichernden
Grundgeschäfte eine bilanzielle Sicherungsbeziehung. Das Hedge Accounting setzt insbesondere eine ausführliche
Dokumentation der Sicherungsbeziehung und seiner Wirksamkeit voraus. Die Effektivität der Sicherungsbeziehung wird
prospektiv ermittelt. Sie berücksichtigt den wirtschaftlichen Zusammenhang zwischen gesichertem Grundgeschäft und
Sicherungsinstrument sowie das Kreditrisiko. Das Hedge Accounting ist zu beenden, wenn die Voraussetzungen nicht mehr
erfüllt sind. Während Sicherungsinstrumente mit positivem Marktwert in der Bilanzposition Sonstige finanzielle
Vermögenswerte enthalten sind, werden die Sicherungsinstrumente mit negativem Marktwert in den Sonstigen finanziellen
Verbindlichkeiten ausgewiesen.
Cashflow-Hedges (CFH) verfolgen den Zweck, das Risiko der Volatilität künftiger Zahlungsströme abzusichern. Dieses
Risiko kann durch einen bilanzierten Vermögenswert bzw. eine Verbindlichkeit oder eine mit hoher Wahrscheinlichkeit
eintretende geplante Transaktion begründet sein. Der effektive Teil der Änderungen des beizulegenden Zeitwertes eines
Sicherungsinstruments wird erfolgsneutral und der ineffektive Teil erfolgswirksam erfasst. Der ineffektive Teil wird bei
Sicherungen von geplanten Fremdwährungsumsätzen und geplanten Rohstoffeinkäufen in den Sonstigen betrieblichen
Erträgen und Aufwendungen, bei Sicherungen von konzerninternen Fremdwährungsdarlehen und geplanten Akquisitionen
im Sonstigen Finanzergebnis und bei Sicherungen des Zinsänderungsrisikos in den Zinsaufwendungen ausgewiesen.
Mögliche Ineffektivitäten ergeben sich unabhängig von der Risikokategorie aus signifikanten Änderungen des Ausfallrisikos
von Evonik oder der Gegenpartei des Derivats. Im sonstigen Ergebnis der Gesamtergebnisrechnung erfasste Beträge werden
in die Gewinn- und Verlustrechnung umgebucht, sobald das abgesicherte Grundgeschäft diese berührt. Bei einer
Zinssicherung laufen diese Beträge in das Zinsergebnis, bei einer Währungssicherung für geplante Fremdwährungsumsätze
in die Umsatzerlöse und im Fall einer Absicherung von Wareneinkäufen in die Kosten der umgesetzten Leistung. Besteht die
abgesicherte zukünftige Transaktion aus dem Ansatz eines nichtfinanziellen Vermögenswertes oder einer nichtfinanziellen
194
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Verbindlichkeit, werden die zuvor erfolgsneutral im sonstigen Ergebnis erfassten Gewinne oder Verluste in die
Erstbewertung der Anschaffungskosten dieses Vermögenswertes oder dieser Verbindlichkeit einbezogen. Eine Beendigung
des Hedge Accounting ist erforderlich, wenn der Eintritt der vorhergesehenen Transaktion nicht mehr erwartet wird. Der im
sonstigen Ergebnis erfasste Betrag ist dann erfolgswirksam in die Gewinn- und Verlustrechnung umzubuchen.
Hedges of a Net Investment (NIH) verfolgen den Zweck, das Fremdwährungsrisiko aus Beteiligungen mit ausländischer
Funktionalwährung abzusichern. Solche Absicherungen werden wie Cashflow-Hedges behandelt. Im sonstigen Ergebnis
erfasste Gewinne oder Verluste werden mit Veräußerung des ausländischen Tochterunternehmens bzw. Rückführung des
Auslandsinvestments erfolgswirksam in die Gewinn- und Verlustrechnung umgebucht.
Fair Value Hedges (FVH) verfolgen den Zweck, die beizulegenden Zeitwerte von bilanzierten Vermögenswerten oder
bilanzierten Schulden abzusichern. Sowohl die auf das abgesicherte Risiko entfallenden Änderungen des beizulegenden
Zeitwertes des Sicherungsinstruments als auch des abgesicherten Grundgeschäfts werden in der Gewinn- und Verlust-
rechnung erfasst. Aufgrund dieser Vorgehensweise kompensieren sich bei Effektivität der Absicherung die Wertänderungen
von Grund- und Sicherungsgeschäft in der Gewinn– und Verlustrechnung der Periode.
Der Nachweis der Effektivität der jeweiligen Sicherungsbeziehungen erfolgt über die Dollar-Offset-Methode, den
Critical Term Match, die hypothetische Derivate-Methode und mittels Regressionsanalysen.
Im Berichtsjahr wurden folgende wesentliche Sicherungstransaktionen im Rahmen des Hedge Accounting bilanziert:
Geplante Fremdwährungsumsätze werden mittels Devisentermingeschäften und Devisenswaps im Rahmen von Cashflow-
Hedges gegen Währungskursschwankungen gesichert. Dabei wird nur ein Teil der geplanten Fremdwährungsumsätze
abgesichert. Die Währungskomponente der Sicherungsinstrumente wird mittels Spot-to-Spot-Methode designiert, die
Terminkomponente und die Fremdwährungs-Basis-Spreads werden als Kosten der Absicherung behandelt. Die effektiven
Teile dieser Komponenten werden in die sonstigen Eigenkapitalbestandteile gesteuert. Es wird ein direktes Absicherungs-
verhältnis verwendet und der ökonomische Zusammenhang durch Vergleich der Nominale der Sicherungsinstrumente zum
Grundgeschäft überprüft. Mögliche Ineffektivitäten können auftreten, wenn die Nominale der Sicherungsinstrumente zum
Grundgeschäft nicht übereinstimmen oder die Laufzeiten abweichen. Letzteres ist dadurch gegeben, dass sich die Laufzeit
der Sicherungsinstrumente auf den Zeitpunkt der Umsatzrealisierung bezieht, während das Laufzeitende des zugehörigen
hypothetischen Derivats, welches die Charakteristika des Grundgeschäfts spiegelt und zur Effektivitätsmessung heran-
gezogen wird, auf dem erwarteten Einzahlungszeitpunkt liegt. Die hieraus entstehenden Ineffektivitäten waren wie im
Vorjahr nicht wesentlich.
Bei Evonik wird das Währungsrisiko aus konzerninternen Fremdwährungsdarlehen durch Zins-Währungs-Swaps,
Devisentermingeschäfte und Devisenswaps im Rahmen von Cashflow-Hedges gegen die jeweils funktionale Währung der
betroffenen Konzerngesellschaften gesichert. Bei Devisentermingeschäften und Devisenswaps wird die Währungs-
komponente mittels Spot-to-Spot-Methode designiert, die Terminkomponente und die Fremdwährungs-Basis-Spreads
werden als Kosten der Absicherung behandelt. Bei den Zins-Währungs-Swaps wird die Währungskomponente mittels
Forward-to-Forward-Methode designiert und nur die Fremdwährungs-Basis-Spreads werden als Kosten der Absicherungen
behandelt. Die effektiven Teile dieser Komponenten werden in die sonstigen Eigenkapitalbestandteile gesteuert. Es wird ein
direktes Absicherungsverhältnis verwendet und der ökonomische Zusammenhang durch Vergleich der Nominale der
Sicherungsinstrumente zum Grundgeschäft überprüft. Die Laufzeiten des Sicherungsinstruments und des Grundgeschäfts
entsprechen sich. Mögliche Ineffektivitäten können auftreten, wenn die Nominale der Sicherungsinstrumente zum
Grundgeschäft nicht übereinstimmen oder die Laufzeiten abweichen.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
195
Aus der Absicherung des Währungsrisikos ergeben sich für die folgenden wesentlichen Währungspaare die nachfolgend
genannten gewichteten durchschnittlichen Sicherungskurse.
Absicherung des Währungsrisikos
Fälligkeit 2021 Fälligkeit 2022
Durchschnittskurs EUR/USD 1,10 1,21
Durchschnittskurs EUR/CNH
a
8,31 8,19
Durchschnittskurs EUR/SGD 1,58 –
a
CNH ist die technische Marktbezeichnung für den außerhalb des Staatsgebiets Chinas handel- und lieferbaren Renminbi.
Für die Absicherung des Währungsrisikos aus der Akquisition von PeroxyChem wurde ein US-Dollar-Devisen-
optionsgeschäft abgeschlossen und im Rahmen eines Cashflow-Hedges bis Juli 2019 bilanziert. Das Nominalvolumen betrug
113 Millionen US$. Der innere Wert der Option wurde designiert. Der Zeitwert der Option wurde als Kosten der
Absicherung behandelt und mit seinem effektiven Teil ebenfalls in den sonstigen Eigenkapitalbestandteilen aus
Sicherungsinstrumenten erfasst. Es wurde ein direktes Absicherungsverhältnis verwendet und der ökonomische
Zusammenhang durch Vergleich der Nominale der Sicherungsinstrumente zum Grundgeschäft überprüft. Da die Nominale
und die Laufzeiten der Sicherungsinstrumente mit Grundgeschäft übereinstimmten, sind keine Ineffektivitäten aufgetreten.
Das Hedge Accounting wurde im Juli 2019 mit Einreichung der Klage durch die amerikanische Behörde FTC beendet. Die
Übertragung der in den sonstigen Eigenkapitalbestandteilen erfassten effektiven designierten Risikokomponenten und
Kosten der Sicherung auf das Grundgeschäft erfolgte zum Vollzug der Akquisition am 3. Februar 2020, vgl. Anhangziffer
4.2.
Im Rahmen von Hedges of a Net Investment kommen für eine rollierende Sicherung von Tochterunternehmen im
Vereinigten Königreich gegen das Fremdwährungsrisiko Devisentermingeschäfte und –swaps zum Einsatz. Daneben gibt
es einen beendeten Hedge of a Net Investment, der erst bei Abgang der gesicherten Gesellschaft reklassifiziert wird.
Zur Absicherung des Zinsänderungsrisikos können bei Evonik grundsätzlich Cashflow-Hedges und Fair Value Hedges zur
Anwendung kommen. Wie im Vorjahr kamen im laufenden Geschäftsjahr keine Cashflow-Hedges zur Absicherung dieses
Risikos zur Anwendung. Im laufenden Geschäftsjahr wurde ein Fair Value Hedge beendet, da die designierte Finanz-
verbindlichkeit als Grundgeschäft getilgt und das Sicherungsinstrument aufgelöst wurde.
Fair Value Hedge in der Bilanz
Zinssicherung
in Millionen € 2019 2020
Buchwert des bilanziell erfassten Grundgeschäfts 648 –
Kumulierte Fair-Value-Hedge-Anpassung der aktiven Sicherungsbeziehung -2 –
Das Preisrisiko aus geplanten Rohstoffeinkäufen wird mittels Gas- und Kohle-Commodity-Swaps im Rahmen von
Cashflow-Hedges gesichert.
196
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Derivative Finanzinstrumente zum 31.12.2020
Nominalwert gesamt Buchwert
in Millionen € Gesamt
davon
langfristig
Forderungen aus
Derivaten
Verbindlichkeiten
aus Derivaten
Währungsrisiken
Devisentermingeschäfte, Devisenoptionsgeschäfte und Devisenswaps 4.092 217 90 19
davon Cashflow-Hedge 1.831 217 60 4
davon Hedge of a Net Investment 72 – – 1
Zins-Währungs-Swaps 421 – 72 –
davon Cashflow-Hedge 421 – 72 –
Summe 4.513 217 162 19
Rohstoffpreisrisiken
Gas-Derivate
a
6 2 – –
davon Cashflow-Hedge 6 2 – –
Kohle-Derivate
b
7 – 1 –
davon Cashflow-Hedge 7 – 1 –
Summe 13 2 1 –
a
Gesichertes Volumen der Gas-Derivate 88 Millionen m³ (davon langfristig: 23 Millionen m³).
b
Gesichertes Volumen der Kohle-Derivate 133 Tausend t (davon langfristig: keine).
Derivative Finanzinstrumente zum 31.12.2019
Nominalwert gesamt Buchwert
in Millionen € Gesamt
davon
langfristig
Forderungen aus
Derivaten
Verbindlichkeiten
aus Derivaten
Währungsrisiken
Devisentermingeschäfte, Devisenoptionsgeschäfte und Devisenswaps 5.637 224 24 64
davon Cashflow-Hedge 2.057 224 12 44
davon Hedge of a Net Investment 76 – – 4
Zins-Währungs-Swaps 460 460 32 –
davon Cashflow-Hedge 460 460 32 –
Summe 6.097 684 56 64
Zinsrisiken
Zinsswaps 650 650 2 –
davon Fair Value Hedge 650 650 2 –
Summe 650 650 2 –
Rohstoffpreisrisiken
Gas-Derivate
a
16 7 – 2
davon Cashflow-Hedge 16 7 – 2
Kohle-Derivate
b
18 – – 2
davon Cashflow-Hedge 18 – – 2
Summe 34 7 – 4
a
Gesichertes Volumen der Gas-Derivate 195 Millionen m³ (davon langfristig: 89 Millionen m³).
b
Gesichertes Volumen der Kohle-Derivate 329 Tausend t (davon langfristig: keine).
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
197
Die Kosten der Absicherung ergeben sich aus den nicht in die Sicherungsbeziehung designierten Veränderungen der
Terminkomponente sowie der Fremdwährungs-Basis-Spreads. Im Geschäftsjahr haben sich keine Effekte aus
Zeitwertänderungen aus Devisenoptionsgeschäften ergeben. Für die Absicherung von zeitraumbezogenen Grundgeschäften
sind keine Kosten der Sicherungen angefallen. Es hat im Geschäftsjahr ebenso wie im Vorjahr keine Reklassifizierung
aufgrund vorzeitiger Beendigung der Sicherungsbeziehung stattgefunden.
Ohne Berücksichtigung von latenten Steuern haben sich folgende Entwicklungen der sonstigen Eigenkapitalbestandteile
aus Sicherungsinstrumenten für designierte Risikokomponenten und sonstige Eigenkapitalbestandteile für die Kosten der
Absicherung gemäß IFRS 9 ergeben.
Entwicklung der sonstigen Eigenkapitalbestandteile (vor Steuern) aus Sicherungsinstrumenten
Designierte Risikokomponente Kosten der Absicherung
in Millionen €
Währungs-
sicherung
Rohstoffpreis-
sicherung
Gesamt
zeitpunktbezogenes
Grundgeschäft
Gesamt
Stand 01.01.2019 -24 2 -22 -17 -17
Erfolgsneutrale Veränderung aus effektiven
Sicherungsbeziehungen (CFH) -22 -1
-23 -33 -33
Erfolgsneutrale Veränderung aus effektiven
Sicherungsbeziehungen (NIH) -4 –
-4 – –
Erfolgswirksame Reklassifizierungen aufgrund
der Realisierung des Grundgeschäfts (CFH) 44 -2
42 35 35
Reklassifizierungen als Verrechnungen mit den
Anschaffungskosten (CFH) – –
– – –
Reklassifizierungen aufgrund vorzeitiger
Beendigung der Sicherungsbeziehung (CFH) – -2
-2 – –
Stand 31.12.2019 -6 -3 -9 -15 -15
Erfolgsneutrale Veränderung aus effektiven
Sicherungsbeziehungen (CFH) 94 4
98 -39 -39
Erfolgsneutrale Veränderung aus effektiven
Sicherungsbeziehungen (NIH) 4 –
4 – –
Erfolgswirksame Reklassifizierungen aufgrund
der Realisierung des Grundgeschäfts (CFH) -24 1
-23 45 45
Reklassifizierungen als Verrechnungen mit den
Anschaffungskosten (CFH) -2 –
-2 -1 -1
Reklassifizierungen aufgrund vorzeitiger
Beendigung der Sicherungsbeziehung (CFH) – –
– – –
Stand 31.12.2020 66 2 68 -10 -10
Sonstige Eigenkapitalbestandteile von aktiven und beendeten Sicherungsbeziehungen zum 31.12.2020
in Millionen €
Währungs-
sicherung
Rohstoffpreis-
sicherung
Buchwert der sonstigen Eigenkapitalbestandteile von aktiven Sicherungsbeziehungen 58 2
Buchwert der sonstigen Eigenkapitalbestandteile von beendeten Sicherungsbeziehungen – –
Cashflow-Hedges 58 2
Buchwert der sonstigen Eigenkapitalbestandteile von aktiven Sicherungsbeziehungen -4 –
Buchwert der sonstigen Eigenkapitalbestandteile von beendeten Sicherungsbeziehungen 3 –
Hedge of a Net Investment -1 –
198
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Sonstige Eigenkapitalbestandteile von aktiven und beendeten Sicherungsbeziehungen zum 31.12.2019
in Millionen €
Währungs-
sicherung
Rohstoffpreis-
sicherung
Buchwert der sonstigen Eigenkapitalbestandteile von aktiven Sicherungsbeziehungen -16 -3
Buchwert der sonstigen Eigenkapitalbestandteile von beendeten Sicherungsbeziehungen – –
Cashflow-Hedges -16 -3
Buchwert der sonstigen Eigenkapitalbestandteile von aktiven Sicherungsbeziehungen -8 –
Buchwert der sonstigen Eigenkapitalbestandteile von beendeten Sicherungsbeziehungen 3 –
Hedge of a Net Investment -5 –
Für die Darstellung der Effektivität der im Rahmen von Hedge Accounting bilanzierten Sicherungsbeziehungen werden in
der folgenden Tabelle die Fair-Value-Änderungen der designierten Grundgeschäfte den designierten Sicherungsgeschäften
gegenübergestellt. Für alle Sicherungsbeziehungen ergaben sich keine erfolgswirksam erfassten Ineffektivitäten.
Effektivität der Sicherungsbeziehungen 2020
in Millionen €
Währungs-
sicherung
Rohstoffpreis-
sicherung
Wertänderungen des gesicherten Grundgeschäfts -135 -5
Änderung des designierten Wertes des Sicherungsinstruments 135 5
Cashflow Hedges – –
Wertänderungen des gesicherten Grundgeschäfts -4 –
Änderung des designierten Wertes des Sicherungsinstruments 4 –
Hedge of a Net Investment – –
Effektivität der Sicherungsbeziehungen 2019
in Millionen €
Währungs-
sicherung
Rohstoffpreis-
sicherung
Wertänderungen des gesicherten Grundgeschäfts 31 3
Änderung des designierten Wertes des Sicherungsinstruments -31 -3
Cashflow Hedges – –
Wertänderungen des gesicherten Grundgeschäfts 4 –
Änderung des designierten Wertes des Sicherungsinstruments -4 –
Hedge of a Net Investment – –
9.4.4 Erläuterungen zum finanzwirtschaftlichen Risikomanagement
Evonik ist als international operierendes Unternehmen im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit finanziellen Risiken
ausgesetzt. Ein wesentliches Ziel der Unternehmenspolitik ist die Begrenzung von Markt-, Liquiditäts- und Ausfallrisiken
sowohl für den Unternehmenswert als auch für die Ertragskraft des Konzerns, um negative Cashflow- und Ergebnis-
schwankungen weitgehend einzudämmen, ohne auf Chancen aus positiven Marktentwicklungen zu verzichten. Zu diesem
Zweck wurde ein systematisches Finanz- und Risikomanagement etabliert. Die Steuerung der Zins- und Währungsrisiken
erfolgt grundsätzlich zentral durch den Finanzbereich der Evonik Industries AG, während die Steuerung der Rohstoffrisiken
im Rahmen bestehender Konzernrichtlinien durch die Segmente des Konzerns verantwortet wird.
Die von Evonik eingesetzten derivativen Finanzinstrumente stehen ausschließlich im Zusammenhang mit
korrespondierenden Grundgeschäften aus der originären unternehmerischen Tätigkeit des Konzerns und weisen zu diesen
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
199
Grundgeschäften ein gegenläufiges Risikoprofil auf. Es handelt sich hierbei um marktübliche Produkte. Im Zins- und
Währungsbereich sind dies Devisenswaps, Devisentermingeschäfte, Devisenoptionsgeschäfte, Zins-Währungs-Swaps und
Zinsswaps. Zur Absicherung von Rohstoffpreisrisiken bei Kohle, Erdgas und Strom kommen Commodity-Swaps zum Einsatz.
Die Versorgung mit Emissionszertifikaten zur Erfüllung der Abgabeverpflichtung nach § 6 TEHG
70
kann durch Emissions-
berechtigungs- und Emissionsreduktionsgeschäfte mit Swaps und Termingeschäften abgesichert werden.
Übersicht finanzieller Risiken
Risiko
Risikopositionen
entstehen aus Messung Management
Marktrisiko – Währungsrisiko nicht bilanzierten (schwebenden
oder geplanten) Transaktionen;
bilanzierten finanziellen
Vermögenswerten oder
Verbindlichkeiten in Währungen,
die nicht der funktionalen Währung
der jeweiligen Gesellschaft
entsprechen
Cashflow-Planung;
Sensitivitätsanalysen
Devisentermingeschäfte;
Devisenoptionsgeschäfte;
Devisenswaps;
Zins-Währungs-Swaps
Marktrisiko – variables
Zinsänderungsrisiko
langfristigen Krediten / Anleihen
mit variabler Verzinsung
Sensitivitätsanalysen Zinsswaps
Marktrisiko – Festzinsänderungsrisiko langfristigen Krediten / Anleihen
mit fester Verzinsung
Sensitivitätsanalysen Zinsswaps
Marktrisiko – Werthaltigkeitsrisiko Investitionen in
Eigenkapitalinstrumente
Sensitivitätsanalysen Beobachtung und
Portfolioentscheidungen
Marktrisiko – Commodity-Risiko Rohstoffeinkäufen und -verkäufen Sensitivitätsanalysen Preisgleitklauseln, Swapgeschäfte
Liquiditätsrisiko nicht geplantem Liquiditätsbedarf Rollierende Cashflow-Planung Flüssige Mittel; Verfügbarkeit von
zugesagten Kreditlinien
Ausfallrisiko flüssigen Mitteln, Forderungen aus
Lieferungen und Leistungen,
derivativen Finanzinstrumenten,
Schuldpapieren und vertraglichen
Vermögenswerten
Analyse der Restlaufzeiten /
Bonitätsbewertungen / Ratings
Diversifizierung von Bankeinlagen,
Kreditlinien und Akkreditiven;
Kreditversicherungen;
Investitionsrichtlinien für
Schuldpapiere
9.4.4.1 Marktrisiko
Währungsrisiken entstehen sowohl auf der Einkaufsseite durch den Bezug von Rohstoffen als auch auf der Verkaufsseite
durch den Absatz von Endprodukten in Währungen, die nicht der funktionalen Währung der jeweiligen Gesellschaft
entsprechen. Ein Ziel des Währungsrisikomanagements ist es, das operative Geschäft dieser Gesellschaften gegen Ergebnis-
und Cashflow-Schwankungen infolge von Kursänderungen gegenüber diesen Währungen abzusichern. Gegenläufige
Effekte aus der Ein- und Verkaufsseite werden hierbei berücksichtigt. Ein weiteres Ziel des Währungsrisikomanagements
besteht in der Eliminierung von Währungsrisiken aus Finanzierungstransaktionen, die nicht in der funktionalen Währung der
betroffenen Konzerngesellschaften denominiert sind.
Beim Management der Währungsrisiken unterscheidet Evonik zwischen bilanzierten und nicht bilanzierten (also
schwebenden und geplanten) Risikopositionen. Im Rahmen der Sicherung von kurzfristigen bilanziellen Risikopositionen
verfolgt Evonik grundsätzlich einen Portfolioansatz, bei dem die Grundgeschäfte und die Sicherungsinstrumente voneinander
getrennt bilanziert werden. Dagegen werden für langfristige Darlehen und Risiken aus schwebenden oder geplanten
Geschäften Einzelsicherungen vorgenommen. Diese werden in einer formellen Sicherungsbeziehung mit dem zugehörigen
Grundgeschäft bilanziert (Cashflow-Hedge-Accounting bzw. Net Investment Hedge Accounting), was bei den Sicherungen
für schwebende oder geplante Geschäfte zu einer Synchronisation der Ergebniseffekte aus den Sicherungsgeschäften mit
70
Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz.
200
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
den erst später bilanzierungsfähigen Grundgeschäften führt bzw. bei den Darlehenssicherungen eine lineare Verteilung der
Sicherungskosten über die Laufzeit der Sicherungsbeziehung erlaubt. Im Einzelfall kann es bei geplanten Geschäften zu einer
zeitlichen Verschiebung des Grundgeschäfts kommen. In dem Fall werden die Sicherungsstrategie unverändert beibehalten,
der dem Risiko ausgesetzte Betrag aktualisiert und die Sicherungsgeschäfte angepasst.
Bei der Portfoliosicherung werden in jeder Konzerngesellschaft Nettorisikopositionen je Fremdwährung bestimmt, die
dann grundsätzlich über konzerninterne Geldanlagen oder -aufnahmen im Cashpool gesichert werden. Die aus den
Cashpool-Salden auf Konzernebene resultierenden Nettorisikopositionen werden je Fremdwährung über konzernexterne
Derivate am Markt abgesichert. Die Bruttoerträge und -aufwendungen aus der Umrechnung der operativen bilanziellen
Risikopositionen werden ebenso miteinander saldiert wie die Bruttoerträge und -aufwendungen der zugehörigen operativen
Währungssicherungen; das hieraus resultierende Nettoergebnis aus der Umrechnung operativer monetärer Bilanzposten und
das Nettoergebnis aus der operativen Währungssicherung werden entsprechend ihrem jeweiligen Vorzeichen in den
sonstigen betrieblichen Erträgen oder den sonstigen betrieblichen Aufwendungen ausgewiesen. Entsprechend erfolgt eine
Saldierung der Bruttoerträge und -aufwendungen aus der Umrechnung finanzierungsbezogener Risikopositionen bzw. aus
der finanzierungsbezogenen Währungssicherung; der Ausweis der hieraus resultierenden Nettoergebnisse für Umrechnung
und Währungssicherung erfolgt im sonstigen Finanzergebnis. Die Nettodarstellung der jeweiligen Ergebnisse spiegelt nicht
nur das von Evonik vorgenommene Management der Risikopositionen, sondern auch den wirtschaftlichen Gehalt wider.
Einzelsicherungen von bilanzierten Fremdwährungspositionen (zum Beispiel die finanzierungsbezogene Währungs-
sicherung langfristiger Darlehen mit Zins-Währungs-Swaps) sowie die Fremdwährungssicherungen für geplante oder fest
kontrahierte Fremdwährungszahlungsströme (zum Beispiel die operativen Planumsatzsicherungen) schlagen sich aufgrund
der in diesen Fällen grundsätzlich stattfindenden Anwendung von Hedge Accounting zunächst lediglich mit ihrer
gegebenenfalls vorhandenen Ineffektivität in der Gewinn- und Verlustrechnung nieder. Die effektiven Ergebnisse der im
Cashflow-Hedge-Accounting abgebildeten Einzelsicherungen sowie die Sicherungskosten (Terminkomponente, Zeitwert
von Optionen und Fremdwährungs-Basis-Spreads) werden dagegen bis zum Eintritt der jeweiligen Grundgeschäfte in den
sonstigen Eigenkapitalbestandteilen ausgewiesen. Nach Eintritt dieser Grundgeschäfte erfolgt bei Umsatzsicherungen eine
Übertragung in die Umsatzerlöse, bei Sicherungen des Fremdwährungsrisikos von Warenbeschaffungen in die Vorräte oder
in die Kosten der umgesetzten Leistungen und bei Sicherungen des Fremdwährungsrisikos von Anlagenbeschaffungen in
den Erstansatz der Anlagegüter. Bei der im Cashflow-Hedge-Accounting abgebildeten Währungssicherung von Darlehen
erfolgt eine Entnahme der effektiven Teile der Sicherungsergebnisse aus den sonstigen Eigenkapitalbestandteilen zum
Ausgleich der durch die Grundgeschäfte ausgelösten Nettoergebnisse aus der Währungsumrechnung monetärer Posten (vgl.
hierzu auch Anhangziffer 6.9 (Sonstige Eigenkapitalbestandteile)). Darüber hinaus wird das Währungsrisiko von Netto-
investitionen in ausländische Geschäftsbetriebe gesichert und in das Hedge Accounting als Hedge of a Net Investment
einbezogen.
Ziel des Zinsmanagements ist es, das Konzernergebnis gegen negative Auswirkungen aus Schwankungen der
Marktzinssätze und hieraus resultierenden Veränderungen beizulegender Zeitwerte oder von Zahlungsströmen zu schützen.
Die Risikosteuerung erfolgt grundsätzlich durch den Einsatz von originären und derivativen Finanzinstrumenten. Hierdurch
wird ein unter Berücksichtigung von Kosten-Risiko-Aspekten angemessenes Verhältnis aus festen (mit einer Zinsbindung
von länger als einem Jahr) und variablen (mit einer Zinsbindung von weniger als einem Jahr) Zinssätzen erzielt. Zum
Bilanzstichtag waren wie im Vorjahr 98 Prozent der als sonstige finanzielle Verbindlichkeiten bilanzierten Finanzinstrumente
festverzinslich. Aus den unter Wertpapieren und wertpapierähnlichen Ansprüchen bilanzierten Renten- und
Geldmarktpapieren ergeben sich Zinsrisiken, die durch einen kurzen Anlagehorizont minimiert werden. Die
durchschnittliche Zinsduration liegt bei einem Jahr.
Zur Messung der Marktrisiken im Währungs- und Zinsbereich wurden zum 31. Dezember 2020 mehrere Szenario-
analysen durchgeführt.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
201
Im Währungsbereich stellen der US-Dollar (USD) sowie der chinesische Renminbi Yuan (CNY/CNH) die für Evonik
wichtigsten Währungen dar. CNH ist die technische Marktbezeichnung für den außerhalb des Staatsgebiets Chinas handel-
und lieferbaren Renminbi. Für diese Währungen wurde zum 31. Dezember 2020 eine Sensitivitätsanalyse durchgeführt, bei
der die Wechselkurse um jeweils 5 Prozent bzw. 10 Prozent relativ zu allen anderen Währungen verändert wurden, um so
die durch originäre und derivative Finanzinstrumente bedingte Auswirkung einer Auf- oder Abwertung dieser Währungen
auf die Bilanz zu simulieren. Die prozentuale Standardabweichung der Wechselkursänderungen gegenüber dem Euro betrug
für den USD 7,8 Prozent (Vorjahr: 4,8 Prozent) und für den CNY/CNH 7,3 Prozent (Vorjahr: 5,5 Prozent).
USD-Sensitivitätsanalyse
31.12.2019 31.12.2020
in Millionen €
Ergebnis-
effekt
Eigenkapital-
effekt
Ergebnis-
effekt
Eigenkapital-
effekt
+5% 10 -41 9 41
-5% -10 41 -9 -41
+10% 20 -83 18 81
-10% -20 83 -18 -81
CNY-/CNH-Sensitivitätsanalyse
31.12.2019 31.12.2020
in Millionen €
Ergebnis-
effekt
Eigenkapital-
effekt
Ergebnis-
effekt
Eigenkapital-
effekt
+5% – -11 4 11
-5% – 11 -4 -11
+10% -1 -21 8 23
-10% 1 21 -8 -23
Für den Zinsbereich wurden zum 31. Dezember 2020 mehrere Szenarioanalysen durchgeführt. Hierbei handelte es sich um
Verschiebungen der EUR-Zinsstrukturkurve, durch Veränderung der EUR-Zinssätze, um jeweils 50, 100 und 150
Basispunkte. Damit sollte der Ergebnis- und Eigenkapitaleffekt eines zinssatzinduzierten Wertverlustes für originäre und
derivative Finanzinstrumente simuliert werden.
EUR-Zins-Sensitivitätsanalyse
31.12.2019 31.12.2020
in Millionen €
Ergebnis-
effekt
Eigenkapital-
effekt
Ergebnis-
effekt
Eigenkapital-
effekt
+50 Basispunkte -6 – -1 –
-50 Basispunkte 6 – 1 –
+100 Basispunkte -12 -1 -3 –
-100 Basispunkte 12 1 3 –
+150 Basispunkte -18 -1 -4 –
-150 Basispunkte 18 1 4 –
202
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Werthaltigkeitsrisiken resultieren für börsennotierte Eigenkapitaltitel zum einen aus unternehmensindividuellen Daten
einzelner Fonds- und Aktiengesellschaften, zum anderen aus dem allgemeinen Marktrisiko durch mögliche negative
Entwicklungen am Aktienmarkt. Für nicht börsennotierte Eigenkapitaltitel ergibt sich das Risiko aus unternehmens-
individuellen Aspekten und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Die Risikomessung erfolgt durch Sensitivitätsanalysen
und das Risikomanagement durch konstante Beobachtung und daraus abgeleitete Portfolioentscheidungen.
Commodity-Risiken resultieren aus Marktpreisänderungen von Rohstoffeinkäufen und -verkäufen. Rohstoffeinkäufe
wurden überwiegend zur Deckung des eigenen Bedarfs durchgeführt. Für die Risikosituation des Konzerns sind die
Verfügbarkeit sowie die Preisabhängigkeit von relevanten Rohstoffen sowie Vor- und Zwischenprodukten von großer
Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist für den Konzern die Abhängigkeit wichtiger Rohstoffpreise von Wechselkursen
und dem Rohölpreis anzuführen. Im Rahmen des von den Segmenten verantworteten Commodity-Managements werden
die Beschaffungsrisiken erfasst und wirksame risikominimierende Maßnahmen festgelegt. Preisvolatilitäten werden
beispielsweise durch Preisgleitklauseln und Swapgeschäfte ausgeglichen. Die Preis- und Bezugsrisiken auf den
Beschaffungsmärkten verringert der Konzern außerdem durch weltweite Einkaufsaktivitäten sowie optimierte Verfahren
zum Kauf zusätzlicher, sofort verfügbarer Rohstoffmengen. Ferner wird bei verschiedenen Herstellungsverfahren die
Verwendung von Ersatzrohstoffen geprüft und an der Entwicklung alternativer Produktionstechnologien gearbeitet.
In geringem Umfang wurden zur Absicherung von Beschaffungspreisrisiken auch derivative Finanzinstrumente
eingesetzt. Bei einer Erhöhung bzw. Verminderung des Erdgaspreises um 10 Prozent würden sich aus der Bewertung der
am Bilanzstichtag vorhandenen Commodity-Derivate wie im Vorjahr Auswirkungen auf die sonstigen Eigenkapital-
bestandteile aus Sicherungsinstrumenten von +1 Million € bzw. -1 Million € ergeben. Die Ergebniseffekte wären wie im
Vorjahr unwesentlich.
9.4.4.2 Liquiditätsrisiko
Das Liquiditätsrisiko wird auf Basis der Geschäftsplanung gesteuert, um sicherzustellen, dass die erforderlichen Mittel zur
Finanzierung des operativen Geschäfts und der laufenden und künftigen Investitionen in allen Konzerngesellschaften
zeitgerecht und in der erforderlichen Währung zu optimalen Kosten zur Verfügung stehen. Im Rahmen des Liquiditäts-
risikomanagements wird der Liquiditätsbedarf aus dem operativen Geschäft, aus Investitionstätigkeiten sowie aus anderen
finanziellen Maßnahmen in Form eines Finanzstatus und einer Liquiditätsplanung ermittelt. Nach Maßgabe der rechtlichen
Möglichkeiten und der Wirtschaftlichkeit wird die vorhandene Liquidität über ein zentrales Cash-Management gepoolt.
Durch das zentrale Liquiditätsrisikomanagement werden eine kostengünstige Fremdmittelaufnahme und ein vorteilhafter
Finanzausgleich erreicht.
Evonik verfügte am 31. Dezember 2020 über flüssige Mittel von 563 Millionen € und kurzfristige Wertpapiere von
466 Millionen €. Daneben steht Evonik als zentrale Liquiditätsvorsorge eine revolvierende Kreditlinie in Höhe von
1,75 Milliarden € zur Verfügung. Die im Juni 2017 abgeschlossene Linie hat eine Laufzeit bis Juni 2024. Sie wurde im
gesamten Geschäftsjahr 2020 nicht in Anspruch genommen und enthält keine Klauseln, die Evonik zur Einhaltung bestimmter
Finanzkennzahlen verpflichten. Darüber hinaus bestehen diverse Kreditlinien, von denen per 31. Dezember 2020 ein Betrag
von 614 Millionen € nicht in Anspruch genommen wurde.
Nachfolgend sind die Restlaufzeiten der originären Finanzinstrumente basierend auf den vereinbarten Fälligkeitsterminen
der Summen aus Zins- und Tilgungszahlungen dargestellt:
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
203
Zahlungen für originäre Finanzinstrumente zum 31.12.2020 nach Restlaufzeiten
in Millionen € bis zu 1 Jahr
über 1
bis 3 Jahren
über 3
bis 5 Jahren
über
5 Jahren Gesamt
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.273 – – –
1.273
Anleihen 40 1.295 1.267 511 3.113
Commercial Paper 45 – – – 45
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 119 20 3 – 142
Kredite von Nichtbanken 12 – – – 12
Verbindlichkeiten aus Leasing 136 188 130 302 756
Übrige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 70 25 – – 95
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 422 1.528 1.400 813 4.163
Zahlungen für originäre Finanzinstrumente zum 31.12.2019 nach Restlaufzeiten
in Millionen € bis zu 1 Jahr
über 1
bis 3 Jahren
über 3
bis 5 Jahren
über
5 Jahren
Gesamt
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.324 – – – 1.324
Anleihen 516 1.199 1.521 515 3.751
Commercial Paper – – – – –
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 124 19 6 1 150
Kredite von Nichtbanken 18 – – – 18
Verbindlichkeiten aus Leasing 124 179 124 390 817
Übrige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 53 12 – – 65
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 835 1.409 1.651 906 4.801
Eine Angabe zu Fälligkeiten bestehender finanzieller Garantien erfolgt im Abschnitt „Ausfallrisiko“ dieses Kapitels. Der
Konzern erfüllte sämtliche Zahlungsvereinbarungen in Bezug auf seine finanziellen Verbindlichkeiten.
Die folgende Restlaufzeitengliederung der Summe aus Zins- und Tilgungszahlungen bezieht sich auf derivative
Finanzinstrumente mit positiven und negativen beizulegenden Zeitwerten. Die Tabelle zeigt die saldierten Zahlungsmittel-
zuflüsse und -abflüsse. Da bei Devisentermingeschäften, Devisenswaps, Zinsswaps und den Zins-Währungs-Swaps kein
Nettoausgleich vereinbart wurde, erfolgt die Darstellung für diese Derivate brutto:
204
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Zahlungen der derivativen Finanzinstrumente zum 31.12.2020 nach Restlaufzeiten
in Millionen € bis zu 1 Jahr
über 1
bis 3 Jahren
über 3
Jahren Gesamt
Zins-Währungs-Swaps 70 – –
70
davon Zahlungsmittelzufluss 498 – – 498
davon Zahlungsmittelabfluss -428 – – -428
Devisentermingeschäfte, Devisenoptionsgeschäfte und Devisenswaps 78 2 – 80
davon Zahlungsmittelzufluss 2.427 209 – 2.636
davon Zahlungsmittelabfluss -2.349 -207 – -2.556
Commodity-Derivate 1 – – 1
Forderungen aus Derivaten 149 2 – 151
Devisentermingeschäfte, Devisenoptionsgeschäfte und Devisenswaps -18 – – -18
davon Zahlungsmittelzufluss 1.420 8 – 1.428
davon Zahlungsmittelabfluss -1.438 -8 – -1.446
Verbindlichkeiten aus Derivaten -18 – – -18
Zahlungen der derivativen Finanzinstrumente zum 31.12.2019 nach Restlaufzeiten
in Millionen € bis zu 1 Jahr
über 1
bis 3 Jahren
über 3
Jahren
Gesamt
Zinsswaps Zahlungsmittelzufluss 2 – – 2
Zins-Währungs-Swaps -12 32 – 20
davon Zahlungsmittelzufluss 3 499 – 502
davon Zahlungsmittelabfluss -15 -467 – -482
Devisentermingeschäfte, Devisenoptionsgeschäfte und Devisenswaps 16 -3 – 13
davon Zahlungsmittelzufluss 1.898 195 – 2.093
davon Zahlungsmittelabfluss -1.882 -198 – -2.080
Forderungen aus Derivaten 6 29 – 35
Devisentermingeschäfte, Devisenoptionsgeschäfte und Devisenswaps -71 -1 – -72
davon Zahlungsmittelzufluss 3.417 28 – 3.445
davon Zahlungsmittelabfluss -3.488 -29 – -3.517
Commodity-Derivate -3 -1 – -4
Verbindlichkeiten aus Derivaten -74 -2 – -76
Im Vorjahr wurden unter den Forderungen aus Zins-Währungs-Swaps Geschäfte mit negativen Netto-Cashflows gezeigt,
die sich aus positiven Euro-Zuflüssen und negativen Fremdwährungsabflüssen ergaben. Im Laufzeitband von bis zu einem
Jahr waren die in Euro konvertierten Fremdwährungsabflüsse größer als die originären Euro-Zuflüsse. Durch die
Umrechnung und Abzinsung des wertmäßig höheren Nominaltausches in den späteren Laufzeitbändern ergab sich ein
insgesamt positiver Marktwert des Zins-Währungs-Swaps.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
205
9.4.4.3 Ausfallrisiko
Das Ausfallrisiko (Bonitätsrisiko) wird auf Konzernebene gesteuert. Im Zuge des Bonitätsrisikomanagements werden drei
Kategorien unterschieden, die jeweils gemäß ihren Besonderheiten einzeln behandelt werden: Finanzkontrahenten (meist
Banken, aber auch andere Finanzinstitutionen sowie Industrieadressen, soweit mit ihnen Derivatehandel durchgeführt wird),
sonstige Kontrahenten (in erster Linie Debitoren und Kreditoren) sowie Länder. Bonitätsrisiken werden allgemein als
potenzielle Beeinträchtigung von Ertragskraft und/oder Unternehmenswert aufgrund der Verschlechterung der jeweiligen
vertraglichen Kontrahenten definiert. Im engeren Sinne wird darunter der Forderungsausfall bei Zahlungsunfähigkeit /
Insolvenz der Kontrahenten verstanden. Evonik hält grundsätzlich keine finanziellen Vermögenswerte, deren Bonität bereits
bei Erwerb oder Ausreichung beeinträchtigt war. Zur Überwachung etwaiger Risikokonzentrationen werden für die
Geschäftspartner individuelle Risikolimits aufgrund interner und externer Ratings festgelegt.
Bei Finanzkontrahenten umfasst das Bonitätsrisiko zusätzlich Ertrags- und Werteffekte direkter Art (zum Beispiel ein von
einem Finanzkontrahenten emittiertes Wertpapier verliert aufgrund einer Rating-Herabstufung an Wert) sowie indirekter
Art aufgrund von Bonitätsverschlechterungen (zum Beispiel Wahrscheinlichkeit wird geringer, dass ein Kontrahent einer
zukünftig zu erfüllenden Verpflichtung gegenüber dem Konzern – wie etwa aus einem Aval oder aus einer Kreditzusage – in
der ursprünglich vereinbarten Art nachkommen kann). Zur Steuerung des Bonitätsrisikos wird für Finanzkontrahenten ein
spezifisches Limit für die jeweilige Risikoart (Geldmarkt, Kapitalmarkt und Derivate) bestimmt. Im Zuge der Bonitätsanalysen
werden Höchstgrenzen für die jeweiligen Vertragspartner festgelegt. Dies geschieht vor allem auf Basis von Ratings und
eigener interner Beurteilungen. Dabei werden zusätzlich die Entwicklungen der Preise für CDS (Credit-Default-Swaps) und
der Aktienkurse (wenn vorhanden) analysiert. Für den Geld- und Kapitalmarkt gelten Länderlimits, um eine Diversifikation
der Länderrisiken zu gewährleisten.
Bei Debitoren und Kreditoren und sonstigen Kontrahenten erfasst das Bonitätsrisikomanagement zusätzlich mögliche
Schäden aus noch nicht erfüllten, aber bereits kontrahierten Aufträgen sowie weitere potenzielle Schäden, die dem Konzern
aus der Nichterfüllung einer Liefer-, Leistungs- oder sonstigen Verpflichtung eines Kontrahenten entstehen könnten. Die
Risikoprüfung und -überwachung erfolgt durch ein internes Limitsystem. Bei Exportaufträgen kommt es zusätzlich zu einer
Analyse des politischen Risikos (Länderrisiko), sodass ein Gesamtrisiko bestehend aus politischem und wirtschaftlichem
Risiko gebildet wird. Im Zuge dieser Prüfung kommt es zur Festsetzung von Höchstgrenzen für das jeweilige Ausfallrisiko
gegenüber einem Vertragspartner. Für Vertragspartner gilt, dass deren Bonität über ein Rating bzw. Scoringverfahren
laufend aktualisiert wird. Das verwendete interne Scoring-Modell umfasst insgesamt sechs Risikokategorien (1 = hohe
Bonität; 6 = geringe Bonität) und ist in der folgenden Tabelle dargestellt.
Scoring-Modell Ausfallrisiko
Risikokategorie Charakteristika
1 = hohe Bonität
- Sehr gutes Zahlungsverhalten im letzten Jahr
- langjährige Geschäftsbeziehungen
- Länder mit guten bis sehr guten wirtschaftlichen und politischen Risikobewertungen
2 = gute Bonität
- Gutes Zahlungsverhalten im letzten Jahr
- Mehrmonatige Geschäftsbeziehungen
- Länder mit guten wirtschaftlichen und politischen Risikobewertungen
3 = mittlere Bonität
- Regelmäßige Zahlungen
- Junge Geschäftsbeziehungen
- Länder mit schwächeren wirtschaftlichen und politischen Aussichten
4-6 = geringe Bonität
- Teils unpünktliche Zahlungen
- Länder mit politischen und wirtschaftlichen Risiken
206
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Das Wertminderungsmodell des IFRS 9 für erwartete Kreditverluste wendet Evonik wie folgt an: Für finanzielle
Vermögenswerte, die den Wertminderungsvorschriften des IFRS 9 unterliegen, wird eine Risikovorsorge für erwartete
Verluste gebildet. Bei Evonik zählen hierzu Ausleihungen der Kategorie „Zu fortgeführten Anschaffungskosten“, übrige
sonstige finanzielle Vermögenswerte, die dem allgemeinen Wertminderungsmodell unterliegen, sowie Forderungen aus
Lieferungen und Leistungen, Forderungen aus Finanzierungsleasing und vertragliche Vermögenswerte (mit und ohne
Finanzierungskomponente), bei denen das vereinfachte Wertminderungsmodell mittels einer Wertberichtigungsmatrix zur
Anwendung kommt.
Evonik investiert grundsätzlich nur in Finanzkontrahenten mit einem Investment Grade. Ein niedriges Ausfallrisiko
(Stufe 1 des allgemeinen Wertminderungsmodells) wird bei Finanzkontrahenten dann angenommen, wenn ein
Investment Grade (mindestens Baa3 (Moody’s) bzw. BBB- (Standard & Poor‘s oder Fitch)) vorliegt. Andere Instrumente
gelten als „mit geringem Ausfallrisiko behaftet“, wenn das Risiko der Nichterfüllung gering ist und der Emittent jederzeit in
der Lage ist, seine vertraglichen Zahlungsverpflichtungen kurzfristig zu erfüllen. Für die Ermittlung des 12-Monats-
Kreditverlustes wird für die Ausfallwahrscheinlichkeit der jeweilige CDS-Wert zum Bilanzstichtag verwendet und für den
LGD (Loss Given Default) konzernweit ein Wert von 40 Prozent angenommen. Im CDS sind zukunftsgerichtete
Informationen implizit berücksichtigt. Der EAD (Exposure at Default) entspricht den Nominalwerten. Die Einschätzung, ob
eine signifikante Erhöhung des Ausfallrisikos seit dem erstmaligen Ansatz vorliegt (Stufe 2 des allgemeinen
Wertminderungsmodells), erfolgt mindestens quartärlich. Ein Transfer in die Stufe 2 erfolgt bei einer Überfälligkeit von 30
Tagen. Sofern nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt Indikatoren für eine Beeinträchtigung der Bonität vorliegen (Stufe 3
des allgemeinen Wertminderungsmodells), wird diese generell angenommen, wenn Zahlungen mehr als 90 Tage
überfällig sind. Finanzielle Vermögenswerte mit signifikanten Überfälligkeiten, die aufgrund der Kundenstruktur auch mehr
als 90 Tage betragen können, oder solche, über deren Schuldner ein Insolvenz- oder ein vergleichbares Verfahren eröffnet
wurde, werden einzeln auf eine Wertminderung überprüft.
Die Wertberichtigungsmatrix für das vereinfachte Wertminderungsmodell stellt auf die über die jeweiligen
Laufzeiten erwarteten Kreditverluste ab. Sie berücksichtigt alle Forderungsbestandteile mit einem Ausfallrisiko, soweit sie
nicht einer Einzelwertberichtigung unterliegen, und ist zweistufig aufgebaut. Nicht ausfallgefährdete Forderungs-
bestandteile (insbesondere Umsatzsteueranteil, kreditversicherte Forderungen) bleiben bei der Ermittlung der Wert-
minderung unberücksichtigt. Auf alle risikobehafteten Forderungsbestandteile erfolgt in der ersten Stufe (ECL1) die
Ermittlung des erwarteten Kreditverlustes zunächst für alle Kunden auf Basis der jeweiligen Kundenrisikokategorien. In der
zweiten Stufe wird für alle Kunden der Risikokategorien 4 bis 6 zusätzlich noch eine Wertminderung aufgrund einer
Überfälligkeitenanalyse ermittelt (ECL2). Die erwarteten Verlustquoten beruhen auf den Zahlungsprofilen der Umsätze der
letzten fünf Jahre und den entsprechenden Ausfällen in diesem Zeitraum. Die historischen Verlustquoten werden angepasst,
um aktuelle und zukunftsorientierte Informationen zu makroökonomischen Faktoren abzubilden, die sich auf die Fähigkeit
der Kunden, die Forderungen zu begleichen, auswirken. Die Ermittlung der Wertminderung für Forderungen aus
Finanzierungsleasing und vertragliche Vermögenswerte erfolgt grundsätzlich analog dem Vorgehen bei Forderungen aus
Lieferungen und Leistungen auf Basis gemeinsamer Kreditrisikomerkmale und Überfälligkeitstage, da sie im Wesentlichen
die gleichen Risikomerkmale aufweisen und die erwarteten Verlustquoten für die Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen daher einen angemessenen Näherungswert auch für die vertraglichen Vermögenswerte und die Forderungen aus
Finanzierungsleasing darstellen.
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente unterliegen grundsätzlich ebenfalls den Wertminderungsvorschriften des
IFRS 9. Aufgrund ihrer täglichen Fälligkeit ist der Wertminderungsbedarf jedoch regelmäßig unwesentlich.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
207
Das allgemeine Wertminderungsmodell betrifft zum 31. Dezember 2020 Ausleihungen in Höhe von 37 Millionen €
(Vorjahr: 39 Millionen €) und übrige sonstige finanzielle Vermögenswerte in Höhe von 28 Millionen € (Vorjahr:
14 Millionen €), die zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden. Davon haben 37 Millionen € Ausleihungen und
3 Millionen € übrige sonstige finanzielle Vermögenswerte ein Investment-Grade-Rating. Bei den übrigen sonstigen
finanziellen Vermögenswerten ist für 25 Millionen € kein externes Rating verfügbar. Analog zum Vorjahr weisen die
Ausleihungen und sonstigen finanziellen Vermögenswerte sämtlich ein absolut geringes Ausfallrisiko aus und wurden daher
der Stufe 1 zugeordnet, für die nur ein 12-Monats-Kreditverlust ermittelt wird. Im Geschäftsjahr 2020 wurde keine
signifikante Erhöhung des Ausfallrisikos festgestellt, sodass die Zuordnung zur Stufe 1 sowohl für die Ausleihungen als auch
für die übrigen sonstigen finanziellen Vermögenswerte zum 31. Dezember 2020 unverändert ist. Die Ermittlung des
erwarteten 12-Monats-Kreditverlustes führte im Geschäftsjahr auch nicht zu einer wesentlichen Wertminderung, sodass auf
eine tabellarische Darstellung der Entwicklung der Risikovorsorge verzichtet wird. Auch unter Berücksichtigung der
(erwarteten) Auswirkungen der Corona-Pandemie kam es in der Berichtsperiode zu keinen signifikanten Änderungen der
Schätzverfahren oder Annahmen. Es lagen keine Überfälligkeiten vor.
Das vereinfachte Wertminderungsmodell betrifft zum 31. Dezember 2020 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
in Höhe von 1.455 Millionen € (Vorjahr: 1.569 Millionen €), Forderungen aus Finanzierungsleasing in Höhe von
3 Millionen € (Vorjahr: 3 Millionen €) und vertragliche Vermögenswerte in Höhe von 20 Millionen € (Vorjahr:
18 Millionen €).
Auch bei diesem Wertminderungsmodell führten die (erwarteten) Auswirkungen der Corona-Pandemie
zu keinen signifikanten Änderungen der Schätzverfahren oder Annahmen. Der für die Forderungen aus Finanzierungsleasing
und vertraglichen Vermögenswerte auf dieser Grundlage ermittelte Wertminderungsbedarf und dessen Entwicklung ist nicht
materiell.
Risikovorsorge für finanzielle Vermögenswerte – vereinfachtes Wertminderungsmodell (Wertberichtigungsmatrix)
in Millionen €
Forderungen aus
Lieferungen und
Leistungen
Stand 01.01.2019 7
Veränderung 2
Stand 31.12.2019 9
Veränderung -3
Stand 31.12.2020 6
Ausfallrisiko Wertberichtigungsmatrix für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zum 31.12.2020
Niedriges Ausfallrisiko
Erhöhtes
Ausfallrisiko
in Millionen €
Risikokategorie
1
Risikokategorie
2
Risikokategorie
3
Risikokategorie
4-6 Summe
Kreditausfallrate in % – – – 2,0 2,0
Bruttobuchwert 56 323 363 306 1.048
erwarteter Kreditverlust (Risikovorsorge ) – – – 6 6
davon basierend auf Kreditrisikomerkmalen – – – 2 2
davon basierend auf Überfälligkeitstagen 1 - 180 Tage – – – – –
davon basierend auf Überfälligkeitstagen 181 - 270 Tage – – – – –
davon basierend auf Überfälligkeitstagen 271 - 365 Tage – – – 1 1
davon basierend auf Überfälligkeitstagen > 365 Tage – – – 3 3
Der über die Gesamtlaufzeit erwartete Kreditverlust basierend auf Kreditrisikomerkmalen betrug für Forderungen der Kategorien 1 bis 3 insgesamt weniger als 0,3 Millionen € und
wurde daher in der Tabelle nicht einzeln erfasst.
208
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Ausfallrisiko Wertberichtigungsmatrix für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zum 31.12.2019
Niedriges Ausfallrisiko
Erhöhtes
Ausfallrisiko
in Millionen €
Risikokategorie
1
Risikokategorie
2
Risikokategorie
3
Risikokategorie
4-6 Summe
Kreditausfallrate in % – – – 2,0 2,0
Bruttobuchwert 59 343 474 375 1.251
erwarteter Kreditverlust (Risikovorsorge ) – – – 9 9
davon basierend auf Kreditrisikomerkmalen – – – 2 2
davon basierend auf Überfälligkeitstagen 1 - 180 Tage – – – 1 1
davon basierend auf Überfälligkeitstagen 181 - 270 Tage – – – – –
davon basierend auf Überfälligkeitstagen 271 - 365 Tage – – – – –
davon basierend auf Überfälligkeitstagen > 365 Tage – – – 6 6
Der über die Gesamtlaufzeit erwartete Kreditverlust basierend auf Kreditrisikomerkmalen betrug für Forderungen der Kategorien 1 bis 3 insgesamt weniger als 0,4 Millionen € und
wurde daher in der Tabelle nicht einzeln erfasst.
Risikovorsorge für finanzielle Vermögenswerte, die einzeln auf eine Wertminderung überprüft wurden
in Millionen €
Forderungen aus
Lieferungen und
Leistungen
Stand 01.01.2019 24
Veränderung Konsolidierungskreis -3
Zuführung 7
Inanspruchnahme -9
Auflösung -4
Stand 31.12.2019 15
Veränderung Konsolidierungskreis –
Zuführung 5
Inanspruchnahme -13
Auflösung -1
Stand 31.12.2020 6
Im Berichtszeitraum wurden keine finanziellen Vermögenswerte abgeschrieben, deren Betrag vertragsrechtlich noch
ausstehend war und die noch einer Vollstreckungsmaßnahme unterlagen. Eine Ausbuchung der Forderungen wird erst
vorgenommen, wenn nach angemessener Einschätzung keine Realisierbarkeit mehr erwartet wird: Dies ist insbesondere der
Fall, wenn das Insolvenzverfahren über den Schuldner abgeschlossen wurde.
Zum Jahresende war ein Bestand der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von 252 Millionen € (Vorjahr:
415 Millionen €) durch Kreditversicherungen (nach Abzug des Selbstbehalts) abgedeckt. Das maximale Ausfallrisiko betrug
1.203 Millionen € (Vorjahr: 1.154 Millionen €).
Für alle weiteren finanziellen Vermögenswerte, die im Anwendungsbereich des Wertminderungsmodells liegen, lagen
zum Bilanzstichtag keine erhaltenen Sicherheiten vor. Das maximale Ausfallrisiko entspricht ihrem bilanzierten Buchwert.
Wie im Vorjahr wurden bei den langfristigen Ausleihungen und bei den nicht fälligen Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen keine Konditionen neu verhandelt.
Alle weiteren finanziellen Vermögenswerte, die nicht dem Wertminderungsmodell des IFRS 9 unterliegen, werden
erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bilanziert. Die für diese Instrumente ausgewiesenen Buchwerte entsprechen
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
209
somit dem maximalen Ausfallrisiko. Bei den übrigen Beteiligungen liegt kein Ausfallrisiko vor, da es sich um Eigenkapital-
instrumente handelt.
Aufgrund der unterschiedlichen Geschäfte und der Vielzahl an Kunden und Finanzkontrahenten ergaben sich in der
Berichtsperiode keine bedeutenden Risikokonzentrationen.
Das Ausfallrisiko bei derivativen Finanzinstrumenten besteht in Höhe des positiven beizulegenden Zeitwertes. Dieses
Risiko wird minimiert durch die hohen Anforderungen, die an die Bonität der Vertragspartner gestellt werden. Dabei
kommen ausschließlich marktgängige Instrumente mit ausreichender Marktliquidität zum Einsatz. Wesentliche Ausfallrisiken
werden daher in diesem Bereich nicht erwartet. Evonik schließt für derivative Finanzinstrumente bedingte Global-
aufrechnungsvereinbarungen und ähnliche Verträge ab, die insbesondere im Insolvenzfall eines beteiligten Vertragspartners
greifen. Die sich hieraus ergebenden Nettopositionen bei den Forderungen und Verbindlichkeiten aus Derivaten sind in der
folgenden Tabelle dargestellt:
Aufrechnungsrechte bei finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten zum 31.12.2020
Saldierte Beträge Nicht saldierungsfähige Beträge
in Millionen € Bruttobetrag Saldierung
Bilanzansatz
(Nettobetrag)
aufgrund von durch-
setzbarem Global-
verrechnungsvertrag
im Zusammenhang
mit finanziellen
Sicherheiten
Potenzieller
Nettobetrag
Forderungen aus Derivaten 161 – 161 13 – 148
Verbindlichkeiten aus Derivaten 18 – 18 13 – 5
Aufrechnungsrechte bei finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten zum 31.12.2019
Saldierte Beträge Nicht saldierungsfähige Beträge
in Millionen € Bruttobetrag Saldierung
Bilanzansatz
(Nettobetrag)
aufgrund von durch-
setzbarem Global-
verrechnungsvertrag
im Zusammenhang
mit finanziellen
Sicherheiten
Potenzieller
Nettobetrag
Forderungen aus Derivaten 57 – 57 22 – 35
Verbindlichkeiten aus Derivaten 64 – 64 22 – 42
Weitere Ausfallrisiken bestehen durch die Gewährung finanzieller Garantien. Zum Bilanzstichtag waren Garantiebeträge
gegenüber einem Gemeinschaftsunternehmen im Nominalwert von insgesamt 32 Millionen € (Vorjahr: 35 Millionen €)
zugesagt, die zugleich das maximale Ausfallrisiko darstellen, vgl. Anhangziffer 9.6. Die Garantien können jederzeit und
grundsätzlich in voller Höhe innerhalb der Restlaufzeiten (2022 bzw. 2031) gezogen werden, sobald die vertraglichen
Voraussetzungen erfüllt sind. Es deuten derzeit keinerlei Anzeichen darauf hin, dass aus diesen finanziellen Garantien ein
Verlust droht.
9.5 Beziehungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen
Der Konzern steht – über die im Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen hinaus – mit nahestehenden
Unternehmen, öffentlichen Stellen und Personen in Beziehung.
210
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Als nahestehende Unternehmen gelten die RAG-Stiftung, Essen, als Anteilseigner der Evonik Industries AG, wegen ihres
beherrschenden Einflusses, die Schwesterunternehmen von Evonik im RAG-Stiftung-Konzern sowie die assoziierten
Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen von Evonik, die nach der Equity-Methode bilanziert werden.
In der virtuellen Hauptversammlung, die aufgrund der Corona-Pandemie auf den 31. August 2020 verschoben wurde,
beschlossen die Aktionäre unter Berücksichtigung eines im zweiten Quartal gezahlten Abschlags in Höhe von 0,57 € je Aktie,
eine Dividende in Höhe von 0,58 € je Aktie auf den Bilanzgewinn für das Geschäftsjahr 2019 (insgesamt 1,15 € je Aktie)
auszuschütten. Die RAG-Stiftung, Essen, erhielt 315 Millionen € (Vorjahr: 344 Millionen €). Im Jahr 2020 erhielt Evonik
von assoziierten Unternehmen und von Gemeinschaftsunternehmen 16 Millionen € (Vorjahr: 14 Millionen €) Dividenden.
Die zum 31. Dezember 2020 in der Spalte Gemeinschaftsunternehmen ausgewiesene Eventualschuld in Höhe von
31 Millionen € resultiert aus einer Garantie zur Besicherung eines Darlehensrahmens für das Gemeinschaftsunternehmen
Saudi Acrylic Polymers Company, Ltd., Jubail (Saudi-Arabien). Darüber hinaus wurde eine Garantie in Höhe von insgesamt
1 Million € zur Besicherung einer Fazilität für Sicherungsgeschäfte des Gemeinschaftsunternehmens LiteCon GmbH,
Hönigsberg/Mürzzuschlag (Österreich), ausgegeben.
Geschäftsbeziehungen mit nahestehenden Unternehmen
RAG-Stiftung Schwesterunternehmen Gemeinschaftsunternehmen Assoziierte Unternehmen
in Millionen € 2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Erbrachte Lieferungen und
Leistungen 1
1 2 1 28 16 3 6
Bezogene Lieferungen und
Leistungen –
– -5 -2 – – -1 -1
Sonstige Erträge – – – – 6 9 8 7
Forderungen zum 31.12. – – – – 2 2 – 1
Schulden zum 31.12. – – -1 – -38 -10 – –
Eventualschulden zum 31.12. – – – – -35 -32 – –
Als nahestehende öffentliche Stellen gelten die Bundesrepublik Deutschland, das Land Nordrhein-Westfalen sowie das
Saarland. Diese öffentlichen Stellen haben aufgrund ihrer geborenen Mitgliedschaft im Kuratorium der RAG-Stiftung einen
maßgeblichen Einfluss auf die RAG-Stiftung.
In der Berichtsperiode zwischen Evonik und diesen öffentlichen Stellen bzw. ihren Tochter- und Gemeinschafts-
unternehmen getätigte Geschäfte betrafen allgemein zugängliche Zuwendungen der öffentlichen Hand sowie Anlagen in
deren Wertpapiere. Darüber hinaus bestanden gewöhnliche Geschäftsbeziehungen zum Deutsche Bahn-Konzern, zum
Deutsche Telekom-Konzern und zur Duisport-Gruppe.
Als nahestehende Personen gelten die Mitglieder des Managements, die direkt oder indirekt für die Planung, Leitung und
Überwachung der Tätigkeit des Konzerns zuständig und verantwortlich sind, sowie deren nahe Familienangehörige. Bei
Evonik sind dies der Vorstand und der Aufsichtsrat der Evonik Industries AG, der Vorstand und das Kuratorium der RAG-
Stiftung sowie das sonstige Management in Schlüsselpositionen des Konzerns. Durch die Neuausrichtung der
Konzernstruktur zum 1. Juli 2020 und die gleichzeitige Optimierung der Verwaltungsstrukturen hat sich die Anzahl der
Personen des sonstigen Managements in Schlüsselpositionen reduziert.
Die kurzfristig fälligen Leistungen beinhalteten erfolgsunabhängige und kurzfristige erfolgsabhängige Vergütungen. Zum
31. Dezember 2020 bestanden für den Vorstand Rückstellungen für die kurzfristige erfolgsabhängige Vergütung in Höhe
von 2.408 Tausend € (Vorjahr: 3.015 Tausend €) sowie für das sonstige Management in Höhe von 1.910 Tausend €
(Vorjahr: 7.872 Tausend €).
Die Rückstellungen für die anteilsbasierte Vergütung des Vorstandes beliefen sich zum 31. Dezember 2020 auf
4.071 Tausend € (Vorjahr:3.725 Tausend €), für die des sonstigen Managements auf 921 Tausend € (Vorjahr:
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
211
4.043 Tausend €). Bei den Angaben zur anteilsbasierten Vergütung handelt es sich um Aufwendungen des Jahres 2020 für
die LTI 2016 bis 2020.
Die Barwerte der Pensionsverpflichtungen (Defined Benefit Obligations) beliefen sich für den Vorstand auf
29.820 Tausend € (Vorjahr: 23.998 Tausend €) und für das sonstige Management auf 12.155 Tausend € (Vorjahr:
38.884 Tausend €).
Des Weiteren stand den Arbeitnehmervertretern, die in den Aufsichtsrat der Evonik Industries AG gewählt wurden,
weiterhin ein reguläres Gehalt im Rahmen ihres Arbeitsvertrags zu. Die Höhe des Gehalts entsprach einer angemessenen
Vergütung für die entsprechende Funktion bzw. Tätigkeit im Unternehmen.
Leistungen an nahestehende Personen
Vorstand der Evonik
Industries AG
Aufsichtsrat der Evonik
Industries AG
Sonstiges Management Gesamt
in Tausend €
2019 2020 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Kurzfristig fällige Leistungen 8.361 7.328 3.383 3.380 13.683 6.898 25.427 17.606
Anteilsbasierte Vergütung 2.044 346 – – 1.653 -516 3.697 -170
Erdiente Anwartschaften auf
Altersversorgung
(laufender Dienstzeitaufwand) 2.540
2.849 – – 1.612 1.142 4.152 3.991
Leistungen aus Anlass der
Beendigung
des Arbeitsverhältnisses –
– – – – 5.516 – 5.516
Darüber hinaus unterhielt Evonik keine wesentlichen Geschäftsbeziehungen mit nahestehenden Unternehmen, öffentlichen
Stellen oder Personen.
9.6 Eventualschulden, Eventualforderungen und sonstige finanzielle Verpflichtungen
Eventualschulden sind, soweit sie nicht im Rahmen eines Unternehmenserwerbs anzusetzen waren, nicht in der Bilanz zu
erfassende mögliche oder gegenwärtige Verpflichtungen, die auf vergangenen Ereignissen beruhen und bei denen ein
Abfluss von Ressourcen nicht unwahrscheinlich ist.
Als Eventualschulden werden im Wesentlichen Verpflichtungen aus Gewährleistungsverträgen und Bürgschaften in Höhe
von 48 Millionen € (Vorjahr: 58 Millionen €) ausgewiesen. Diese beinhalten unter anderem Garantien in Höhe von
32 Millionen € zugunsten von Gemeinschaftsunternehmen, vgl. Anhangziffer 9.5, und Freistellungsverpflichtungen aus
getätigten Desinvestitionen in Höhe von 7,3 Millionen €.
Im Rahmen der Corporate-Venture-Capital-Aktivitäten investiert der Konzern indirekt auch in spezialisierte
Technologiefonds. Evonik hält an diesen Spezialfonds zwischen 0,82 Prozent und 25 Prozent des jeweiligen (Sub-)Fonds-
vermögens und weist diese mit einem Gesamtbuchwert in Höhe von 26 Millionen € (Vorjahr: 21 Millionen €) als
Wertpapiere und wertpapierähnliche Ansprüche unter den Finanziellen Vermögenswerten aus. Aufgrund vertraglicher
Vereinbarungen bestehen auf Abruf der Fondsgesellschaften Einzahlungsverpflichtungen in die Fondsvermögen in einer
Maximalhöhe von 18 Millionen € (Vorjahr: 17 Millionen €). Das maximale Ausfallrisiko aus diesen Investments ergibt sich
aus der Summe der bilanzierten Buchwerte und der noch bestehenden Zahlungsverpflichtungen. Es besteht keine Absicht zu
weiteren finanziellen oder sonstigen Unterstützungsleistungen.
Zum 31. Dezember 2020 bestanden keine Eventualforderungen.
212
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
Sonstige finanzielle Verpflichtungen resultieren aus unbelasteten schwebenden Rechtsgeschäften, Dauerschuld-
verhältnissen, öffentlich-rechtlichen Auflagen oder sonstigen wirtschaftlichen Verpflichtungen, die nicht bereits unter den
bilanzierten Schulden oder den Eventualschulden erfasst sind.
Sonstige finanzielle Verpflichtungen betreffen das Bestellobligo für immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen. Zum
Bilanzstichtag bestanden keine Verpflichtungen für den Erwerb von immateriellen Vermögenswerten (Vorjahr: 1 Million €)
und für den Erwerb von Sachanlagen in Höhe von 288 Millionen € (Vorjahr: 314 Millionen €).
9.7 Ereignisse nach dem Bilanzstichtag
Nach dem Bilanzstichtag haben sich keine wesentlichen Ereignisse ergeben.
10. Angaben nach nationalen Vorschriften
10.1 Angaben zum Anteilsbesitz nach § 313 Abs. 2 HGB
Die Zusammenstellung der in den Konzernabschluss einbezogenen Gesellschaften und des gesamten Anteilsbesitzes gemäß
§ 313 Abs. 2 HGB und die Angaben zur Befreiung von Tochtergesellschaften von Bilanzierungs- und Offenlegungspflichten
sind Bestandteil des testierten und im elektronischen Bundesanzeiger eingereichten Konzernabschlusses. Die vollständige
Anteilsbesitzliste ist außerdem im Internet veröffentlicht.
71
An den folgenden Kapitalgesellschaften hält Evonik mehr als 5 Prozent der Stimmrechte:
Angabe nach § 313 Abs. 2 Nr. 4 und 5 HGB
Kapitalanteil in % Ergebnis nach Steuern Eigenkapital
in Millionen €
2019 2020 2019 2020 2019 2020
Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA 14,78 9,83 26,2 -49,4 390 334
Vivawest GmbH
a
15,00 15,00 165,6 100,3 1.822 1.732
a
Aufgrund der Planvermögenseigenschaft wurden die Anteile in Höhe von 7,5 Prozent (Vorjahr: 7,5 Prozent) nach IAS 19 zum beizulegenden Zeitwert bewertet.
10.2 Personalaufwand und Anzahl der Mitarbeiter nach § 314 Abs. 1 Nr. 4 HGB
Die Angaben nach § 314 Abs. 1 Nr. 4 HGB enthalten für das Vorjahr das Methacrylatgeschäft bis zum Vollzug des Verkaufs.
Personalaufwand
in Millionen €
2019 2020
Löhne und Gehälter 2.633
2.460
Aufwendungen für soziale Abgaben 416 388
Pensionsaufwendungen 213 233
Sonstige Personalaufwendungen 86 87
Summe 3.348 3.168
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www.evonik.de/anteilsbesitzliste.
EVONIK KONZERNABSCHLUSS 2020
213
In den Angaben zu Löhnen und Gehältern sind auch Aufwendungen für Restrukturierungen enthalten. Der Netto-
Zinsaufwand der Pensionsrückstellungen wird im Finanzergebnis ausgewiesen, vgl. Anhangziffer 5.5.
Anzahl der Mitarbeiter im
J
ahresdurchschnitt
Anzahl 2019 2020
Specialty Additives 3.655
3.640
Nutrition & Care 5.395 5.281
Smart Materials 7.232 7.609
Performance Materials 3.075 1.647
Services 14.811 14.256
Corporate, andere Aktivitäten 307 308
Summe 34.475 32.741
Die anteilig in den Konzernabschluss einbezogenen Gesellschaften verfügen über keine Mitarbeiter.
10.3 Bezüge der Organe nach § 314 Abs. 1 Nr. 6 HGB
Die Gesamtbezüge des Vorstandes der Evonik Industries AG für die Tätigkeit im Jahr 2020 beliefen sich auf
11.001 Tausend € (Vorjahr: 12.387 Tausend €). Im laufenden Geschäftsjahr sind hierin Zahlungen in Höhe von
40 Tausend € für Tantiemen des Vorjahres enthalten, die in der Rückstellung für das Jahr 2019 nicht gebildet waren. Nähere
Einzelheiten einschließlich der individualisierten Vergütung sind dem Vergütungsbericht im zusammengefassten Lagebericht
zu entnehmen.
Die Gesamtbezüge für frühere Mitglieder des Vorstandes und ihre Hinterbliebenen beliefen sich für das Jahr 2020 auf
2.848 Tausend € (Vorjahr: 2.849 Tausend €). Die Barwerte der Pensionsverpflichtungen (Defined Benefit Obligations)
gegenüber früheren Mitgliedern des Vorstandes und ihren Hinterbliebenen beliefen sich zum Bilanzstichtag auf
90.170 Tausend € (Vorjahr: 86.502 Tausend €).
Die Bezüge des Aufsichtsrates für das Jahr 2020 betrugen 3.380 Tausend € (Vorjahr: 3.383 Tausend €).
10.4 Erklärung zum Corporate Governance Kodex
Vorstand und Aufsichtsrat der Evonik Industries AG haben im Dezember 2020 die nach § 161 AktG vorgeschriebene
Erklärung abgegeben und auf der Internetseite der Gesellschaft dauerhaft öffentlich zugänglich gemacht.
72
10.5 Honorar des Abschlussprüfers nach § 314 Abs. 1 Nr. 9 HGB
Abschlussprüfer des Konzernabschlusses von Evonik war die PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungs-
gesellschaft (PwC), Frankfurt, Zweigstelle Düsseldorf.
In den durch den PwC-Verbund erbrachten Abschlussprüfungsleistungen waren insbesondere Aufwendungen für die
gesetzliche Prüfung des Jahres- und Konzernabschlusses der Evonik Industries AG und ihrer inländischen und ausländischen
Tochterunternehmen, die damit in engem Zusammenhang stehende Prüfung von Informationssystemen und Prozessen sowie
die prüferische Begleitung im Zusammenhang mit der Veränderung der Konzernstruktur enthalten. Die unter den anderen
Bestätigungsleistungen ausgewiesenen Honorare betreffen insbesondere Leistungen im Zusammenhang mit der
72
www.evonik.de/erklaerung-zur-unternehmensfuehrung
214
KONZERNABSCHLUSS 2020
EVONIK
prüferischen Durchsicht von Zwischenabschlüssen, der Nachhaltigkeitsberichterstattung, der Transformation des ERP-
Systems sowie weiterer regulatorischer und gesetzlicher Anforderungen. Die sonstigen Leistungen beinhalten im
Wesentlichen Beratungsleistungen im Zusammenhang mit regulatorischen und gesetzlichen Anforderungen, strategischen
Überlegungen bei der Weiterentwicklung des Data Managements, der Anwendung von Rechnungslegungsgrundsätzen
sowie sonstigen wirtschaftlichen Angelegenheiten.
Honorar des Abschlussprüfers
Inland Ausland Gesamthonorar
in Millionen € 2019 2020 2019 2020 2019 2020
Abschlussprüfungsleistungen 4,2 4,2 4,0 3,8 8,2 8,0
Andere Bestätigungsleistungen 1,2 1,0 0,2 0,5 1,4 1,5
Steuerberatungsleistungen – – – – – –
Sonstige Leistungen 1,4 0,3 0,1 - 1,5 0,3
Summe 6,8 5,5 4,3 4,3 11,1 9,8
In den Abschlussprüfungsleistungen 2019 sind 1,0 Millionen € für die prüferische Durchsicht der Zwischenabschlüsse im In- und Ausland enthalten. Aufgrund der Klarstellungen der
Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) werden diese seit 2020 den anderen Bestätigungsleistungen zugeordnet.
Essen, 19. Februar 2021
Evonik Industries AG
Der Vorstand
Kullmann Dr. Schwager
Wessel Wolf